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Mitteilungen  des  Seminars 
für  Orientalische  Sprachen 

an  der  Königlichen 

Friedrich  -Wilhelms  -  Universität 

zu  Berlin 

tu.  . 

Herausgegeben  von  dem  Direktor 

Prof.  Dr.  Eduard  Sachau 

Geh.  Ober-Regierungsrat 


^\^^^ 


JAHRGANG  XVIII 


Berlin  1915 
Kommissionsverlag  von  Georg  Reimer 


Seminarchronik  für  die  Zeit  vom  Oktober  1914 
bis  August  1915. 

Jjas  Seminar  zählte: 

a)  im  Wintersemester  1914/15:  67  (57  männliche  und  10 
weibhche)  Mitglieder  sowie  5  Hospitanten  und  5  Hospitan- 
tinnen. Außerdem  besuchten  die  nichtamthchen  Kurse  über 
Kulturverhältnisse  im  heutigen  IMesopotamien  11,  im  Russi- 
schen für  Heeresangehörige  263,  im  Polnischen  für  Staats- 
beamte 39,  über  koloniale  Missionsprobleme  52  und  über 
koloniale  Kapitalsanlage  9  Personen.  Gesamtzahl  der  Be- 
sucher:   451  Personen; 

b)  im  Sommersemester  1915:  60  (51  männliche  und  9  weib- 
liche) Mitglieder  sowie  3  Hospitanten  und  4  Hospitan- 
tinnen. Außerdem  besuchten  die  nichtamtlichen  Kurse  über 
die  Geographie  und  Ethnographie  IMesopotamieus  11,  im 
Russischen  für  Heeresangehörige  101,  im  Polnischen  für 
Heeresaugehörige  und  Staatsbeamte  26,  im  Türkischen  für 
Heeresangehörige  86,  über  die  Arbeitsweise  der  Missionen 
in  den  Kolonien  27  und  über  koloniale  Finanzen  36  Per- 
sonen.    Gesamtzahl  der  Besucher:    344  Personen. 

Der  Lehrkörper  bestand: 

a)  im  Wintersemester  1914/15  aus  34  Lehrern  und  12  Lektoren. 

Zu  Anfang  des  Semesters  wurde  der  Lehrer  des 
Chinesischen,  Herr  Prof.  Dr.  Alfred  Forke,  bis  zum 
1.  August  1915  zur  Haltung  von  Vorlesungen  an  der  Uni- 
versität von  Kalifornien  in  Berkeley  beurlaubt.  Infolge  der 
Unmöglichkeit  seiner  Rückreise  ist  der  Urlaub  bis  zum 
1.  August  1916  verlängert  worden. 

Durch  den  Ausbruch  des  Weltkrieges  zu  Anfang 
August  1914  ^^'n^de  außer  der  großen  Zahl  der  Studierenden 
auch  eine  beträchtliche  Anzahl  von  Dozenten  des  Seminars 
in  den  Dienst  des  deutschen  Heeres  gerufen ;  so  die  Herren 
Prof.  Dr.  Friedrich  Giese,  Lehrer  des  Türkischen,  Ge- 
heimer Obermedizinalrat  Prof.  Dr.  Emil  Steudel,  Lehrer 
für  Tropenhygiene,  Stabsarzt  Dr.  Paul  Schoenhals,  be- 
auftragt mit  der  Abhaltung  eines  Samariterkursus,  Geheimer 
Oberregierungsrat  Johannes  Gerstmeyer,  Lehrer  für  die 


n 


Vt-rwaltun-;  und  Hochtsprechuiig  sowie  für  die  wirtschaft- 
lichen Verhältnisse  in  den  Kolonien,  Hauptmann  a.D.  Hans 
von  Hanisay,  Lehrer  der  Landeskunde  von  Deutseh-Ost- 
afrika,  Kamerun  und  Togo,  Hauptmann  a.D.  Dr.  Max  Weiß, 
beauftraget  mit  der  Abhaltung  von  Vorlesungen  über  Photo- 
«Taphie  und  Photogrammetrie  und  Dr.  Anton  Palme, 
Lehrer  des  Russischen.  Von  diesen  Herren  sind  bisher  mit 
dem  Eisernen  Kreuz  2.  Klasse  ausgezeichnet  worden:  Giese, 
Steudel,  Schoenhals,  Gerstmeyer,  Weiß  und  Palme. 

Bis  auf  die  Vorlesungen  von  Herrn  Prof.  Giese,  der 
durch  Herrn  Prof.  Dr.  .Martin  Hartmauu  im  Türkischen, 
und  diejenigen  von  Herrn  Dr.  Palme,  der  durch  Herrn 
Adolf  La ne  im  Russischen  vertreten  wurde,  mußten  die 
für  das  Wintersemester  angekündigten  Vorlesungen  und 
Übungen  der  vorgenannten  Herren  Dozenten  ausfallen. 
Ferner  konnte  der  im  Juli  1914  zu  einer  Studienreise  nach 
Liberia  beurlaubte  Lehrer  westafrikanischer  Sprachen,  Herr 
Prof.  Dicdrich  West  ermann,  infolge  seiner  Gefangen- 
schaft in  England,  seines  späteren  Aufenthalts  in  Liberia 
und  seiner  Festhaltung  in  Barcelona  ebenfalls  seine  ange- 
kündigten Vorlesungen  in  der  Ilaussa-,  Ful-,  F^we-,  Tschi- 
und  Namasprache  sowie  über  geistige  Kultur  der  Afrikaner 
nicht  halten.  Seine  Vorlesung  über  Phonetik  afrikanischer 
Sprachen  übernahm  der  langjährige  Missionar  der  Berliner 
Missionsgesellschaft,  Herr  Su[)erintendent  Schumann. 

Die  Übungen  derjenigen  Seminardozenten,  welche 
Untertanen  der  mit  dem  Deutschen  Reich  im  Kriegszustande 
befindlichen  Regierungen  waren,  noirden  infolge  Anordnung- 
Seiner  Exzellenz  des  Herrn  Unterrichtsministers  zu  iVnfano- 
des  Semesters  inhibiert,  doch  später  bedingungsweise  ge- 
stattet, sofern  diese  Dozenten  nicht  interniert  waren.  Zu 
diesen  letzteren  gehörten  der  Lehrer  des  'Französischen, 
Cyprien  Francillon  und  der  Lehrer  des  Englischen, 
Louis  Hamilton.  Der  erstere  wurde  durch  den  emeritierten 
GjTunasialdirektor  Herrn  Prof.  Dr.  Paul  Pfeffer  seit  Neu- 
jahr 1915  vertretungsweise  ersetzt. 

Um  die  Sprachkenntnisse  unserer  Truppen  auf  dem  öst- 
lichen Kriegsschauplatz  und  der  für  die  Verwaltung  da- 
selbst etwa  erforderlichen  Beamten  zu  fördern  sowie  einer 
großen  Nachfrage  entgegenzukommen,  wurden  sogenannte 
unentgelthche  Kriegskurse  von  6 — Swöchiger  Dauer  im 
Russischen    und   Polnischen    eingerichtet,    welche    für   An- 


m 

gehörige  des  Heeres,  Schwestern  in  der  Kriegskrankenpflege 
und  für  Beamte  der  Staatsverwaltung  in  den  Abendstunden 
eingerichtet  und  von  den  Herren  Adolf  Lane,  Hermann 
Hahn,  Alfred  Cosack,  Dr.  Richard  Meckelein  und 
Stanislaus  Adamski  abgehalten.  Diese  Kurse  erfreuten 
sich,  wie  aus  der  obigen  Statistik  zu  ersehen  ist,  eines  sehr 
starken  Besuches. 

Im  Februar  1915  trat  der  Lehrer  des  Jaunde,  Heri- 
Pater  Dr.  Hermann  Nekes,  aus  dem  Dienst  des  Seminars 
in  denjenigen  des  Mutterhauses  der  Pallottiner-Mission  in 
Limburg  a.  L.  zurück. 
/>)  im  Sommersemester  1915  aus  31  Lehrern  und  12  Lektoren. 
Wie  im  vorhergehenden  Semester  nuißten  infolge  des 
Krieges  die  Vorlesungen  und  Übungen  der  Herren  Giese, 
Steudel,Schoenhals,Gerstmeyer,v.Ramsay,  Weiß, 
Palme  und  West  ermann  ausfallen.  Diejenigen  von  Herrn 
Prof.  Dr.  Giese  und  Herrn  Prof.  Westermann  wurden 
wieder  von  Herrn  Prof.  Dr.  H  a r  t m a nn  bzw.  Herrn  IM issions- 
Superintendenten  Schumann  gehalten,  während  diejenigen 
des  Herrn  Francillon  durch  Herrn  Prof.  Dr.  Pfeffer 
ersetzt  wurden. 

Leider  mußte  das  Seminar  am  1.  Juni  das  Hinscheiden 
eines  seiner  ältesten  Dozenten,  des  Lektors  des  Arabisch- 
Syrischen,  Herrn  Amin  Ma'arbes  beklagen.  Ma'arbes 
gehörte  dem  Lehrkörper  des  Seminars  seit  seiner  Griindung 
im  Jahre  1887  an. 

Wie  im  Wintersemester  waren  auch  im  Sommersemester 
eine  Reihe  ständiger  Kriegskurse  eingerichtet,  zu  denen 
noch  solche  in  der  türkischen  Sprache  hinzutraten,  so  daß 
die  folgenden  Sprachen  vertreten  waren:  Russisch  (Dozenten : 
die  Herren  Lane,  Hahn,  Cosack  und  Dr.  Meckelein), 
Polnisch  (Dozenten:  die  Herren  Lane,  Dr.  Meckelein 
und  Adamski)  und  Tiu-kisch  (Dozenten:  die  Herren  Leut- 
nant d.  R.  Dr.  Grobba  und  Bibliothekar  Dr.  Weil). 

Der  Seminarunterricht  erstreckte  sich: 
a)  im  Wintersemester  1914/15 
auf  16  Sprachen: 
Chinesisch,  Japanisch,  Arabisch  (Syrisch,  Ägyptisch,  Marokka- 
nisch), Amharisch,  Äthiopisch,  Persisch,  Türkisch,  Suaheli, 
Hindustani,  Englisch,  Französisch,  Russisch,  Spanisch  und 
Neugriechisch 


und  H  Rt-alienfacher: 
Phouctik  afrikanischer  Sprachen,  Missionsprobleme,  koloniale 
Kai»italsanlage; 
/»)  im  Sommerseracster  1915 

auf  24  Sprachen: 
Chinesisch,  Japanisch,  Arabisch  (Syrisch,  Ägyptisch,  Amha- 
risch,  Äthioj)isch.  Persisch,  Türkisch,  Hindustani,  Guzerati, 
Haussa,  Englisch,  Französisch,  Russisch.  Spanisch  und  Neu- 
griechisch 

und  4  Realiciitacher: 
Phonetik    afrikanischer    Sprachen,     Kultur    der    Afrikaner, 
Missionen  in  den  Kolonien  sowie  koloniale  Finanzen. 

Der  Unterricht  wurde  erteilt: 

a)  im  Wintersemester  1914/15   zwischen   8  Uhr  morgens   und 

8  Uhr  abends; 
/>)  im    Sommersemester    1915    zwischen    8    Uhr    morgens    und 

8  Uhr  abends. 
Zum  statutenmäßigen  Termin  im  Summer  1915  haben  die  nach- 
stehend verzeichneten  .Mitglieder  des  Seminars  durch  Ablegung  der 
l)iplompriifung  vor  der  Königlichen  Diplom [)rüfungskommission  ihre 
Seminarsludien  zum  vorschriftsmäßigen  Abschluß  gebracht: 

1.  Albert  Herrmann.   Lehramtskandidat,  Dr.  phil..  im  Chi- 
nesischen; 

2.  Karl  Benecke,  stud.  jur.,  im  Japanischen; 

3.  Edmund  Bryde,  stud.  jur.,  im  Arabisch-Ägyptischen; 

4.  Paul  Neumann,  stud.  jur.,  im  Russischen. 

Die  Auffiihrung  aller  derjenigen  Mitglieder  des  Seminars,  die 
in  der  Zeit  vom  August  1914  bis  dahin  1915  Amt  und  Stellung  in 
.\sien  und  Afrika  gefunden  haben,  wie  sie  l^isher  alljährlich  in 
dieser  Chronik  gegeben  worden  ist,  muß  infolge  der  durch  den  Krieg 
hervorgerufenen  Umstände  leider  unterbleiben.  Dagegen  erachtet  das 
Seminar  es  als  eine  Pflicht  gegenüber  seinen  für  das  Vaterland  ge- 
fallenen Mitgliedern,  nachstehend,  soweit  dies  ihm  möglich  ist,  ihre 
Namen   hier  zum  ehrenden  Gedächtnis   aufzuführen: 

1.  Bader,  August,  Postdirektor,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

■J.   liettniger,  Karl,  Leutnant,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

■  K   Bork,   Geihard.    Mitglied  der  chinesischen  Klasse; 

4.  Bucher,  Wilhelm,  Assessor,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

5.  von  Busse,  Max.   Leutnant,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 
G.  Dedreux.  Rudoll'.   L)r.  jur..  Referendar.   .Mitglied  der  tür- 
kischen Klasse: 


7.  von    Dobbeler,     Theodor.     Hauptmann,     Mitglied     der 
Suaheli-Klasse ; 

8.  Erdmann,  Hugo,  Landmesser,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

9.  von  Gizyiiski,  Assessor,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

10.  Götz,  Arved,  Redakteur.  Mitglied  der  japanischen  Klasse; 

11.  Harbers,  Hermann,  Leutnant,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse ; 

12.  Hudemann.    Hans,    Oberleutnant,    Mitglied  der  Suaheli- 
Klasse  ; 

13.  Jacob,  Gerhard,  Hauptmann,  Mitglied  der  Haussa-Klasse: 

14.  Kämmnitz,   Walter,    Referendar.    Dr.  jur.,    Mitglied   der 
ägyptischen  Klasse: 

15.  Karnasch,    Franz,    Referendar,    Mitglied  der  türkischen 
Klasse; 

It).  Kattner,  Erwin,  Oberzollbeamter,    Mitglied  der  Suaheli- 
Klasse  ; 

17.  Kaufmann,  Fritz,  Leutnant,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

18.  Leutvvein.    Friedrich,     Hauptmann,    Mitglied    der    chi- 
nesischen Klasse ; 

19.  Mende,  Albrecht,  Reg.-Baumeister,  Mitglied  der  Realien- 
Klassen  ; 

20.  Milbrat,    Georg.    Leutnant,    Mitglied  der  Jaunde-Klasse; 

21.  zur  Nedden,  Max,  Bankassessor,  Mitglied  der  japanischen 
Klasse ; 

22.  Pfaehler,  Georg,  Hauptmann,  Mitglied  der  Ewe- Klasse; 

23.  Platzer,  Martin,  Oberförster,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse : 

24.  Prüß,  Fritz,  Assessor,   Mitglied  der  chinesischen  IGasse; 

25.  Rogalla  von  Bieberstein,  Friedrich,  Hauptmann,  Mit- 
glied der  Suaheli-Klasse; 

26.  von  Rothkirch   u.  Panthen,    Friedrich,    Zollsekretär, 
Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

27.  Schippel,  Erhard,  Dr.  jur.,  Assessor,  Mitglied  der  Suaheli- 
Klasse  ; 

28.  Schwarze,  Hermann,  Zolldirektor  a.  D..    Dr.  phil.,    Mit- 
glied der  Suaheli-Klasse; 

29.  Scriba,  Emil,  Assessor,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse; 

30.  Semmel  mann, August,  Oberleutnant,  MitgHed  der  Suaheh- 
Klasse ; 

31.  Spalding,  Thomas,  Leutnant,  Mitglied  der  Suaheli-Klasse ; 

32.  Taub  er  t,    Hans,    Hauptmann,    Mitglied  der  chinesischen 
Klasse ; 

38.  Tauschwitz,    Otto,     Dolmetscher  -  Eleve,     Mitglied    der 
marokkanischen  Klasse: 


VI 

:^4.  von  Troschkt-,  Leopold,  Hauptmann,  Mitglied  der  ja- 
panischtMi  Klasse; 

'Mt.  Uhlstein.  Kudolf.  Dr.  jur.,  Assessor,  Mitglied  der  Suaheli- 
Klasse; 

:{G.  Voß,  Walter,  stud.  jur.,    Mitglied   der  tm'kischen  Klasse; 

M.  Walde,  Joha  nn  -  Georg,  Oberleutnant,  Mitglied  der 
Suaheli-Klasse; 

:^8.  von  Wedel.  Jan useh,  Oberleutnant,  Mitghed  der  Suaheli- 
Klasse; 

:il».  Wege,  Artur,   Referendar,    Mitglied  der  Realien-Klassen; 

[0.  von  Zech,  (iraf  Julius,  Kaiserlicher  Gouverneur  a.  D., 
•Mitglied  der  Haussa-Klasse ; 

11.  Z  i  t  z  1  a  ff,  Kurt,  Referendar,  Mitglied  der  amharischen  Klasse. 

Das  dankbare  Vaterland  wird  diese  Helden  nie  vergessen. 
Ehre  ihrem  Andenken! 

Der  Direktor, 
Geheimer  Oberregienmgsi'at 

Sachau. 


Mitteilungen 
des  Seminars  für  Orientalische  Sprachen  zu  Berlin 

Erste  Abteilung 


Ostasiatische 
Studien 


Redigiert  von 
Geh.  Regierungsrat  Prof.  Dr.  R.  Lange, 
Prof.  Dr.  A.  Forke  und  Lic.  W.  Schüler 


1915 


Bedin 
Kommissionsvedag  von  Georg  Reimer 


1  II  hall 


Seite 

Mäiineigesellscliaft  und  Altersklassen  im  alten  Cliina.  Von  Martin  Q  iiisturp         1 
Fluß-  und  Seegefeciite  nach  chinesischen  Quellen  aus  der  Zeit  der  Ciiou-  und 

Han-Dynastie  und  der  drei  Reiche.    Von  Friedrich  Krause 61 

Das  japanische  Generaistabswerk  über  den  Japanisch-Russischen  Krieg  1904/05. 
Proben  des  Stiles  und  ein  Überblick  über  die  Bearbeitungsweise.    Nach  dem 

Japanischen  Original.    (Fortsetzung.)    Von  Hauptmann  Trautz 98 

T'ao  Yuan-ming.    Von  A.  Bernhardi  und  E.  von  Zach 179 

Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.    Von  A.  Conrady    .     .     261 
Büchei'schau.     Besprochen  \oii  A.  Forke: 

Ernst  Boerschmann.  Die  Baukunst  und  Religiöse  Kultur  der  Chinesen.   Band  II: 
Gedächtnistempel.     Berlin  1914.  G.  Reimer,  geh.  36  M 298 


Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China. 

Mit  Exkursen  über  urzeitliche  Arbeitsdifferenzierung  der 
Geschlechter  und  Mutterrecht  bei  den  Chinesen. 

Von  Martin  Qüistorp. 


Einleitung. 

JUie  niotlerne  Geschichtswissenschaft  hat  sich  in  der  Tat  ein  hohes  Ziel 
gesetzt  mit  der  Forderung,  dalv^  der  Entwickhings-  und  Werdegang  der 
ganzen  Menschheit  in  der  breiten  Fülle  ihrer  einzelnen  kulturellen  Aus- 
strahlungen zum  Gegenstand  der  Erforschung  gemacht  und  Universalge- 
schichte im  eigentlichen  Sinne  des  AVortes  getrieben  werde.  Es  liegt  auf 
der  Hand,  welche  unendliche  Bereicherung  und  Vertiefung  der  historischen 
Erkenntnis  diese  Arbeitsmethode  verspricht.  Freilich  ist  es  ein  Ideal,  das 
vom  gegenwärtigen  Standpunkt  der  Forschung  aus  betrachtet  noch  in  weiter 
Ferne  liegt  und  vielleicht  niemals  ganz  erreicht  werden  wird.  Aber  die 
Fortschritte  der  Ethnologie  in  den  vergangenen  Dezennien,  die  ja  letzten 
Endes  alle  einzelnen  kulturgeschichtlichen  Probleme  in  sich  schließt,  fordern 
zu  weiterem  Ausbau  vergleichender  Studien  auf. 

Zu  den  Gebieten  außereuropäischer  Kulturentfaltung,  denen  man 
mehr  und  mehr  Interesse  entgegenbringt,  gehört  vor  allem  der  ostasiatische 
Ivulturkreis.  Nahm  Jedoch  Japan,  sein  Jüngerer  Ausläufer,  den  politischen 
Vorgängen  entsprechend,  zunächst  alle  Aufmerksamkeit  für  sich  in  An- 
spruch, so  tritt  seit  einem  Jahrzehnt  China  in  den  Vordergrund,  naclidem 
man  lange  genug  in  bekanntem  Kultur-  und  Rassendünkel  auf  die  Chinesen 
herabgesehen  und  sich  dadurch  das  Verständnis  ihrer  Eigenart  erschwert 
hatte.  Vor  allem  muß  die  wissenschaftliche  Erforschung  dieses  Volkes 
fortan  einen  viel  breiteren  Raum  einnehmen,  als  es  bisher  geschehen  konnte. 
Besonders  für  den  Kiüturhistoriker  muß  an  und  für  sich  schon  die  chine- 
siche  Kultur  überaus  anziehend  sein,  ist  ihr  doch  an  Alter  und  Dauer- 
haftigkeit des  Gesamtorganismus  keine  andere  an  die  Seite  zu  stellen.  Den 
tieferen  Ursachen  dieser  einzigartigen  Erscheinung  nachzugehen,  die  Motive 
und  Entwicklungstendenzen  dieses  Geisteslebens  im  einzelnen  zu  verfolgen, 
ist  in  der  Tat  von  höchstem  wissenschaftlichen  Wert.  Freilich,  um  der 
Forderung,  die  geistige  Eigenart  eines  Volkes  überall  aus  den  Quellen 
selbst  zu  ermitteln,  gerecht  zu  werden,  läßt  sich  die  Kenntnis  der  chine- 
sischen Sprache  gar  nicht  umgehen;  kommt  doch  die  Sprache  als  dasjenige 
Kulturerzeugnis,  das  am  treuesten  das  Seelenleben  einer  sozialen  Gemeinschaft 
wiederspiegelt  und  am  innigsten  mit  dem  Denken  und  Fühlen  verwachsen  ist, 
stets  als  eine  der  ersten  und  wichtigsten  Quellen  für  den  Historiker  in  Betracht. 

Min.  J.Sem,  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  I.Abt.  1 


2  Qi'isTOür:    Mäiiiiorgtvscllscliaft  uml  Alfoi-sklassen  im  altfii   (liiiia. 

Hat  A.  Coiii-ady  '  in  siiiiicr  (leseliiclile  Cliiiias  die  Hypotliesc  von  dorn 
westlichen  Urspriiiij;  d(M-  chinesischen  Kidtui-  für  die  Wissenschaft  in.  E. 
widerlegt  und  zum  ersteiunal  in  großen  Zügen  dargetan,  »daß  nnd  wie 
sich  die  ganze  Kuhnr  langsam  und  stetig  aufwärtskliiinncnd  aus  barbarischer 
Hoheit  zu  einer  der  höchsten  der  Erde  eniporgebildet  hat«  2,  so  ist  es 
nunniehi-  an  der  Zeit,  auf  dieser  Grundlage  weiterzubauen  und  die  Ent- 
wicklungsstadien der  chinesischen  Geschiclite  im  einzelnen  an  der  Hand 
der  Quellen  zu  erschließen.  Nur  so  wird  es  einmal  einer  zusammen- 
fassenden weltgeschichtlichen  Betrachtung  möglich  sein,  die  jeweilige  Eigen- 
art sowohl  wie  die  allen  Kulturen  gemeinsamen  Züge  der  menschlichen 
•  Psychogenese«  ^  zu  erkennen.  Die  vorliegende  Arbeit  behandelt  einen 
kleinen  Ausschnitt  aus  der  chinesischen  Urgesellschaft  und  sieht  ihre 
.\ufgabe  darin,  dui'cli  Quellenbelege  eine  unerläßliche  Vorarbeit  zu  leisten. 
Eine  Untersuchung  der  gesellschaftlichen  Zustände,  d(!ren  allgemeine  Be- 
deutung für  die  Entwicklung  des  Geisteslebens  bei  der  Betrachtung  größerer 
geschichtlicher  Zusammenhänge  nicht  übersehen  werden  darf,  führt  uns 
zugleich  auf  eine  sehr  primitive  Stufe,  und  je  weiter  wir  Uranfänge,  die 
in  Wirklichkeit  immer  nur  relative  sein  können,  zurückverfolgen,  desto 
hinfälliger  wiid  die  Hypothese  von  fremdem  Kiüturimport,  desto  besser 
lernen  wir  die  gegenwärtigen  Verhältnisse  aus  der  Vergangenheit  verstehen. 
Die  Schwierigkeit  für  die  Behandlung  eines  solchen  Stoffes  liegt  naturgemäß 
in  der  zeitlichen  Distanz,  sind  wir  doch  bei  ethnologischen  Fragen  über 
die  Urzeit  eines  Volkes  fast  ausschließlich  auf  schriftliche  Überlieferung 
angewiesen:  und  welche  Kluft  trennt  nicht  die  Entstehung  einer  kontinuier- 
lichen schriftlichen  Aufzeichnung  von  dem  Zustand  einer  menschlichen  Ur- 
gesellschaft! Indessen  wird  diese  Kluft  bei  Erforschung  chinesische)-  Ver- 
hältnisse »dank  vor  allem  der  beispiellosen  Zähigkeit  aller  Anschauungen 
und  Bräuche  wie  dei-  Güte  und  Offenherzigkeit  einer  wohl  einzig  dastehen- 
den Tradition--'*  zum  großen  Teil  ülierbrückt. 

Über  die  benutzten  Quellen  ist  allgemein  zu  bemerken,  daß  sich  bei 
den  vorliegenden  Untersuchungen  der  Mangel  an  textkritischer  Vorarbeit 
weniger  bemerkbar  macht.  Die  vergleichende  ethnologische  Methode  gibt 
uns  in  den  meisten  Fällen  sichere  Fingerzeige  dafür,  ob  wir  bestinnnte 
Sitten  und  Bräuche  oder  allgemeine  Vorstellungen  als  primitiv  ansprechen 
dürfen,  oder  ob  sie  einer  höheren  Stufe  der  Kulturentwicklung  angehören. 
Bedenkt  man,  mit  welcher  Zähigkeit  sich  urzeitliclie  Motive  in  ihren  letzten 
Ausläufern  bis  in  die  höchsten  Kulturen  hinein  erhalten  ^  so  ist  es  eine 
verhältnismäßig  bedeutungslose  Frage,  ob  wir  es  in  einem  oder  dem  anderen 
Falle  init  einer  Quelle  erst  des  vierten  oder  dritten  vorchristlichen  Jahr- 
hunderts zu  tun  haben.  Sitten  imd  Bräuche  sind  ja  an  sich  schon  in  hohem 
Grade  bodenständig  und  nur  schwor  übertragbar,  da  sie  immer  eine  größere 

»    Conrady,  China  S.  479  ff. 

*  Conrady,  a.  a.  0.  S.  483. 

^    Wundt,  Elemente  der  Völkerpsychologie  S.  4. 

*  Conrady,  China  S.  482. 

^    Vgl.  Lamprecht,   Kiiifülinuig  in  das  historisclie  Denken  S.  69. 


QiiisTORr:    ^iäniierecsc'llsclinft  iiiul  Altersklassen   im   alten   China.  i> 

soziale  Geineinschal't  voraussetzen,  während  z.  B.  uij^thologische  Voi-stelliingen 
sehr  leicht  von  einzehien  im  \'olke  übernommen  werden  können,  ohne 
Eigentum  der  breiten  Masse  zu  werden.  Vielfach  sind  auch  die  Anmer- 
kungen der  Kommentare  zu  Rate  gezogen  worden,  obwohl  sie  meist  einer 
viel  späteren  Zeit  entstammen.  Sie  tragen  aber  oft  nicht  unwesentlich  zum 
Verständnis  einer  Sitte  bei.  Am  treuesten  spiegelt  sich  naturgemäß  Volks- 
sitte und  Volksgeist  in  den  Ritualbüchern  wieder,  sie  bilden  daher  eine 
imschätzbare  Quelle  für  unsere  Betrachtungen.  Endlich  gewinnen  wir  sehr 
wichtige  Aufschlüsse  über  primitive  Anschauungen  und  Sitten  aus  der  chine- 
sischen Schrii't  selber,  da  sie  nicht  zu  einer  Buchstabensprache  verblaßt 
ist,  sondern  als  Bilderschrift '  in  plastischer  Anschaulichkeit  eine  unmittel- 
bare Bezielunig  des  Schriftzeichens  zu  dem,  was  es  ausdrücken  will,  gibt 
und  uns  in  vielen  Fällen  selbst  noch  die  ältesten  Formen  des  Denkens  und 
Vorstellens  übermittelt. 

Wie  der  Boden  und  die  Intensität  seiner  Ausnutzung  die  natürliche 
Voraussetzung  für  die  Entstehung  eines  dauernden  Staatswesens  ist,  so 
wird  der  geistige  Kulturbesitz  eines  Volkes,  soweit  es  im  wesentlichen 
unbeeinflußt  von  außen  groß  wird,  durch  die  »Formen  der  Vergesell- 
schaftung^« bestimmt.  Schurtz  formuliert  die  Bedeutung  dieser  Tatsache 
in  dem  Satze:  »Wer  die  Kultur  verstehen  will,  muß  die  soziale  Gliederung 
der  Menschheit  zu  begreifen  suchen«  ^  Die  alte  Streitfrage  der  Soziologie, 
ob  das  Individuum  nur  eine  Fimktion  der  Gesellschaftsseele  sei  oder  ob 
der  einzelne  über  der  Gesellschaft  stehe  und  umgestaltend  auf  sie  einwirken 
könne,  soll  hier  nicht  berührt  werden.  Man  muß  sich  aber  stets  vergegen- 
wärtigen, daß  die  geistigen  Kulturgüter  wie  Sitte,  Religion,  Kunst,  Recht 
usw.,  insofern  man  sie  als  Allgemeingut  eines  Volksganzen  oder  jedenfalls 
einer  größeren  Gruppe  bezeichnen  darf,  an  eine  ganz  bestimmte  gesell- 
schaftliche Struktur  gebunden  sind,  indem  sie  eine  Wechselwirkung  zwischen 
einzelnen  Individuen  voraussetzen.  Auch  bei  der  Betrachtung  chinesischer 
Verhältnisse  ist  diese  Tatsache  bisweilen  nicht  genügend  berücksichtigt 
worden.  So  konnte  nur  unter  Außerachtlassung  soziologischer  Voraus- 
setzungen für  die  Entstehung  von  sittlichen  und  religiösen  Begriffen  die 
Hypothese  von  einem  chinesischen  Urmonotheismus  entstehen,  während  doch 
das  chinesische  Volk  wie  jede  andere  Gesellschaftsgruppe  seine  gemein- 
samen Kulturwerte  in  stetem  Werden,  auf  Grund  innerer  Entwicldimgs- 
prinzipien  aus  sich  heraus  erzeugt  hat.  Wir  müssen  uns  daher  hüten,  eine 
Erscheinung  für  primitiv  zu  halten,  die  in  Wahrheit  einer  viel  späteren 
Entwicklungsstufe  angehört.  Enthalten  doch  selbst  die  ältesten  Schrift- 
denkmäler der  chinesischen  Literatiir  schon  hohe  sittliche  und  andere  Kultur- 


^  Selbst  in  den  sogenannten  phonetischen  Zusammensetzungen  hat  sie  diesen 
Charakter  bewahrt,  indem  deren  phonetisches  Element  wohl  in  der  Regel  zugleich 
eine  ideographische  Bedeutmig  enthält. 

-    Simmel,  Soziologie  S.  27  f. 

3    Schurtz,  Urgeschichte  der  Kultur  S.  94. 

1* 


4  QiMSTORr:    Maiinergesfllschaft   und  Altersklassen  im  nltcn  Clu'na. 

ht'gi-irtV,  uiul  nur  tut*  Eigenart  der  chinesischen  Schrii't  macht  es  uns  mög- 
lich, aus  (h'M  Quellen  einen  Geselischaftszustand  zu  rekonstruieren,  den  die 
Etlmolugie  sonst  nui-  noch  bei  den  gegenwärtigen  primitiven  Völkern  vor- 
findet. Bevor  wir  diesen  Blick  in  die  Urzeit  tun,  um  uns  ein  Bild  von 
den  ältesten  Formen  der  chinesischen  Gesellschaft  zu  machen,  ist  es  not- 
wendig, tleii  heutigen  Stand  der  Forschung  in  der  Frage  nach  dem  Wesen 
und   Aufhau  der  nienseiilichen   Urgesellschaft  kurz  zu  l)eleuchten. 

Ist  auch  der  Streit  der  Meinungen  hierüber  noch  keineswegs  ge- 
schlichtet, so  hat  doch  inzwischen  das  völkerkundliche  Material  eine  bedeu- 
tende Erweiterung  erfahren,  und  die  alten  Theorien  von  dem  Urzustand 
der  Menschheit  sind  vielfach  gefallen.  Glaubten  noch  Morgan  '  und  seine 
Schule  die  Entwicklung  der  Familie  und  Einzelehe  aus  einem  llorden- 
zustand  mit  geschlechtlicher  Promiskuität  herleiten  zu  können,  so  dürfen 
wir  heute  wohl  annehmen,  daß  die  Erscheinungen,  denen  Morgan  als  Be- 
lege lui-  seine  Theorie  großes  Gewicht  beilegte,  bei  genauerer  Untersuchung 
nichts  weniger  als  einen  Anfangszustand  bezeichnen,  sondern  einer  späteren 
Stufe  der  gesellschaftlichen  Entwicklung  angehören.  Die  neuere  Ethnologie 
hat  gerade  für  die  primitiven  Völker  sehr  einfache  Formen  nachgewiesen, 
und  W.  Wundt^  kommt  zusammenfassend  zu  dem  Ergebnis:  »Die  soziale 
Organisation  der  Primitiven,  wo  sie  unberührt  ist  von  den  Einflüssen  in 
der  Kultur  höher  stehender  Völker,  besteht  in  einer  festgegründeten,  wahr- 
scheinlich schon  aus  dem  vormenschlichen,  etwa  dem  der  heutigen  An- 
thropoiden ähnlichen  Dasein  herübergebrachten  Monogamie  in  der  Form 
der  Einzelehe  und  in  dürftigen  Anlangen  sozialer  Verbände«.  Fragen  wir 
nun  aber  weiter,  wie  sich  aus  diesen  ersten  Anfängen  der  menschlichen 
Gesellschaft  die  höheren  sozialen  Verbände  hinauf  bis  zum  Staat  entwickeln. 
so  geht  es  nicht  an,  den  Staatsorganismus  als  die  Fortsetzung  dieser  pri- 
nn'tiven  Verhältnisse  gleichsam  als  erweiterte  Familie  aufzufassen.  Schurtz^ 
hat  den  Beweis  erbracht,  daß  man  in  der  Kultureiitwicklung  unterscheiden 
nuiß  zwischen  zwei  Hauptformen  gesellschaftlichen  Zusammenschlusses:  den 
l)lutsverwandtschaftlichen  Gruppen,  die  also  ihr  Dasein  dem  Geschlechts- 
und Fortpflanzungstrieb  verdanken,  und  den  Verbänden,  die  auf  (irund 
freier  Neigung  und  gleicher  Interessen  entstehen  und  die  ersteren  in  ge- 
wissem Sinne  durchkreuzen.  Schurtz  nennt  diese  auf  Syni[)athie  Ixi  iilun- 
den  Lebensgemeinschaften  ■■  Geselligkeitsverbände"  *.  Naturgesehiciitlieh  be- 
trachtet kommen  in  diesen  beiden  Gesellschaftsfoi-nien  zwei  CJrundkräfte 
des  organischen  Lebens  und  alles  Geschehens  überhau])t  zum  Ausdruck, 
die  wiederum  ein  Ergebnis  der  Differenzierung  ungeschlechtlicher  Fort- 
pflanzung in  zwei  Geschlechter  mit  getrennten  sexuellen   Funktionen   sind; 

>  H.Morgan,  Die  Urgesellschaft,  Stuttgart  189L  S.  323f.;  A.H.Post,  Die 
Geschlechtsgenossenscliaft  der  Urzeit  und  die  Entstehung  der  Familie,  1875:  J.  Kohler. 
Zur  Urgeschichte  der  Ehe,  Stuttgart  1897. 

*  Wundt,  Elemente  der  Völkerpsychologie  .S.  52. 

'  Die  folgende  Darstellung  schließt  sich  an  die  Ergebnisse  an,  zu  denen 
Schurtz  in  seinem  Werk   Altersklassen  und  Männerbünde  S.  11  f.  gelangt. 

*  Schurtz,  a.  a.  O.  S  14. 


Quistorp:    Männergesellschaft  nnd  Altersklassen  im  alten  China.  5 

und  zwar  vertreten  die  einen  das  beharrende,  die  Gattung  erhaltende,  die 
andei-en  das  fortstrebende  Element,  ein  Wechselspiel  von  Kräften,  in  dem 
letzten  Endes  das  Wesen  aller  Kultnrentwicklung  liegt. 

So  erklärt  es  sich,  wie  in  organischer  Fortentwicklung  den  beiden 
Geschlechtern  auch  ganz  verschiedene  Aufgaben  bei  der  Schöpfung  der 
Kultur  zufallen:  das  AVcib  ist  infolge  seines  intensiveren  Geschlechtslebens 
und  der  größeren  sexuellen  Aul'gabe  in  erster  Linie  Vertreterin  der  ge- 
schlechtlichen Funktionen,  der  natürliche  Mittelpunkt  des  Familienlebens 
und  des  Blutszusammenhanges.  Daher  hat  sich  der  weibliche  Geselligkeits- 
trieb vornehmlich  in  der  Richtung  des  Familiensinns  entfaltet.  Aber  die 
Bedeutung  der  natürlichen  Blutsverwandtengruppen  für  das  Entstehen  höherer 
sozialer  Verbände  ist  nicht  zu  überschätzen.  Sie  treten  zurück  hinter  den 
auf  Sympathie  beruhenden  Vereinigungen  der  Männergesellschaft.  Freilich 
wird  der  gesellige  Zusammenschluß  der  männlichen  Individuen  auch  erst 
eine  Errungenschaft  und  ein  Ergebnis  der  natürlichen  Entwicklung  sein. 
Schurtz  nennt  den  Geselligkeitstrieb  eine  »im  Kampf  ums  Dasein  erwor- 
bene und  erfolgreich  geführte  Waffe«  ^,  die  bei  vielen  höheren  Tieren,  aber 
durchaus  nicht  bei  allen  vorhanden  war.  Können  wir  auch  nicht  mehr 
zurückverfolgen,  auf  welcher  Stufe  der  menschlichen  oder  vormenschlichen 
Entwicklung  der  Geselligkeitstrieb  auftritt,  so  ist  doch  anzunehmen,  daß 
diesem  ein  Kampf  des  einzelnen  gegen  den  einzelnen  als  seinen  Geschlechts- 
rivalen während  der  Brunstzeit  voraufging.  Die  hauptsächlichste  Triebkraft 
zur  Beseitigung  dieses  Zustandes  haben  wir  wohl  in  der  Isoliertheit  und 
dem  Ohnmachtsgefühl  des  Menschen  gegenüber  anderen  Geschöpfen  der 
Natur  zu  erblicken.  Die  gleiche  Not,  die  gleichen  Lebensbedürfnisse  führen 
das  kraftvolle  männliche  Geschlecht  zusammen,  bei  der  gemeinsamen  Jagd 
auf  die  Tiere  lernt  man  einander  schätzen  und  durch  Tüchtigkeit  Achtung 
erringen,  bis  dann  schließlich  sympathische  Gruppen  in  der  Form  von 
Blutsverbrüderungen  entstehen.  In  dem  Sinne  sagtWundt^:  »Der  Männer- 
verband, das  Erzeugnis  des  primitiven  sozialen  Triebes,  ist  daher  die  älteste 
Lebensgemeinschaft.« 

Äußert  sich  diese  Erscheinimg  im  einzelnen  natürlich  in  mannigfaltigen 
Formen  und  in  sehr  verschiedenem  Grade  der  Ausprägung,  so  haben  wir 
es  doch  mit  einem  Grundfaktor  des  sozialen  Lebens  von  allgemeiner  Be- 
deutung zu  tun.  Ein  sprechendes  Zeugnis  dafür  sind  die  Sitten  und  Ein- 
richtungen, die  wir  im  Zusammenhang  hiermit  über  die  ganze  Erde  ver- 
breitet finden,  w^o  immer  die  natürlichen  Voraussetzungen  vorhanden  sind. 

Da  kommen  in  erster  Linie  die  Pubertätszeremonien  in  Betracht, 
also  Feste,  die  zur  Zeit  der  auftretenden  Geschlechtsreife  begangen  werden ; 
sie  bilden  zugleich  den  wichtigsten  Abschnitt  in  der  Einteilung  des  Alters- 
klassensystems, worauf  wir  unten  zurückkommen  werden.  Durch  diese 
Männerweihen,  denen  nur  in  seltenen  Fällen  Mädchenweihen  entsprechen, 
findet   der  junge  Mann  Aufnahme   in    den  Bund    der  erwachsenen  Männer 


»    Scliiu-tz,  a.  a.  0.  S.  19. 

2   Wundt,  Ethik  Bd.  I,  S.  208. 


6  QuisTOUi':    Miiniiergesellscliaft  iiml  Altersklassen  im   alten  China. 

uiul  Krirner:  /.iir  Prüfung  seiner  \Vcliitaliifi;keit  werden  in  der  Regel  grau- 
same Tnchtigkeitsprohen '  ah^elegt,  dann  erst  gilt  der  .lüngling  als  voll- 
wertiges Mitglied  der  Gesellschaft:  er  darf  nunmehr  an  allen  Versanunlungen 
nntl  ül)erliaui)t  gemeinsamen   Unternehmimgen  der  Männer  teilnehmen. 

Am  sichtharsten  tritt  uns  das  Leben  und  Treil)en  der  Männcrgesell- 
schaft  in  dem  Männerhaus  entgegen,  das  Schurtz  als  ein  Gebäude  definiert, 
•  in  dem  sich  die  mannbar  gewordenen,  aber  noch  nicht  verheirateten 
Jünglinge  aufhalten.  Hier  kochen  sie  ihre  ^Mahlzeiten,  hier  arbeiten  und 
spielen  sie,  hier  ist  nachts  ihre  Schlafstelle«  ^.  Ein  festes  Schema  will 
diese  Fonnulierung  natürlich  nicht  geben.  Für  unsere  Aufgabe  wird  es 
sich  empfehlen,  den  Begriff  etwas  weiter  zu  fassen  und  unter  dem  Männer- 
haus allgemein  den  Mittelpunkt  der  männlichen  Zusammenkünfte  zu  ge- 
meinsamer Betätigimg  und  Lebensweise  zu  verstehen.  In  dieser  Eigenschaft 
dient  es  den  verschiedensten  Zwecken  und  wird  zum  Ausgangspunkt 
neuer  allgemeiner  Kulturwerte,  wie  denn  auch  Schurtz  an  zahlreichen 
Beispielen  die  Differenzierung  und  Fortbildung  des  Männerhauses  erweist. 
Wichtig  ist  vor  allem  seine  Bedeutung  als  Kultstätte.  Es  sprechen  man- 
cherlei Gründe  dafür,  daß  der  Kultus  überhaupt  im  Männerhaus  seinen  Ur- 
sprung hat.  Wundt^  spricht  in  seinen  neuesten  Untersuchungen  über  diesen 
Gegenstand  von  Totemgruppen  als  Kidtverbänden,  »die  sich  in  die  Stammes- 
abteilungen oder  Clans  einfügen,  selbst  aber  in  ihrer  ursprünglichen  Bedeu- 
tung durchaus  von  diesen  verschieden  sind«.  Es  liegt  nahe,  diese  Kult- 
genossenschaften mit  den  primitiven  Männergesellschaften  zu  identifizieren. 

Frühzeitig  entsteht  nun  innerhalb  der  Männergesellschaft  die  Ein- 
teilung nach  Altersklassen,  indem  sich  aus  der  ganzen  Gruppe  wieder 
einzelne  auf  Gnmd  gleichen  Alters  im  Kampf  ums  Dasein  zueinandcrgesellen 
und  zu  einer  engeren  Lebensgemeinschaft  zusammenschließen.  Am  häufig- 
sten findet  sich  das  Dreiklassensystem,  bei  dem  man  die  Gruppe  der  Kinder, 
der  mannbaren  Jugend  und  der  älteren  Männer  unterscheidet.  Sehr  bald 
finden  aber  weitere  Differenzierungen  statt,  die  unter  Mitwirkung  ver- 
schiedener Motive  schließlich  verwickelte  Einteilungssysteme  zur  Folge  haben 
können  *.  Schurtz  %  der  den  Kämpfen  der  Geschlechtsrivalen  um  begehrens- 
werte Weiber  vielleicht  allzu  große  Bedeutung  beilegt,  hält  die  Abgrenzung 
nach  Altersklassen  für  künstlich  und  sieht  darin  einen  Versuch,  »die  Ge- 
fahren des  Geschlechtslebens  für  den  gesellschaftlichen  Zusanunenschluß 
auf  ein  möglichst  geringes  Maß  zu  beschränken,  indem  man  jedem  einzelnen 
seinen  Anteil  an  Genuß  und  Pflichten  in  den  einzelnen  Altersstufen  der 
Reihe  nach  zuweist«.  Sozialhygienische  Erwägungen  dieser  Art  können 
aber  erst  auf  einer  verhältnismäßig  späten  Stufe  auftreten,  da  sie  ein  Maß 
von  Überlegung   und  Fähigkeit    zur  Abstraktion    voraussetzen,    wie   wir   es 

'  Schurtz,  a.  a.  O.  S.  97  f. 

2  Schurtz,  a.  a.  0.  S.  203. 

'  Wundt,  Elemente  der  Völkerpsychologie  S.  142. 

*  Schurtz,  a.  a.  O.  S.  141  ff. 

'•'  Schurtz,  a.  a.  0.  S.  85. 


QuiSTORP :    ^Nlännergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  7 

sonst  auf  dieser  primitiven  Gesellschaftsstule  nicht  finden.  Man  wird  viel- 
mehr, wie  oben  schon  angedeutet  wurde,  das  Wesen  der  Altersklassen  in 
einer  natürlichen  Abstufung  in  »Unterverbände«  '  zu  erblicken  haben,  die 
sich  aus  den  primitiven  Lebensbedingungen  von  selber  ergibt.  Die  Regelung 
geschlechtlicher  Verhältnisse  ist  demnach  nicht  die  Ursache,  sondern  die 
Folge  des  Altersklassensystems. 

Sehen  wir  somit  die  männliclien  Individuen  eines  Stannucs  in  festen 
Verbänden  mit  eigenen  Interessen  und  Betätigungen  vereinigt,  so  liegt  auf 
der  Hand,  wie  leicht  sich  daraus  eine  getrennte  Lebensweise  der  beiden 
Geschlechter  entwickeln  kann.  In  der  Tat  ist  diese  Trennung  der  Ge- 
schlechter eine  regelmäßige  Begleiterscheinung  von  ausgebildeteren  Männer- 
bünden, indem  beide  Geschlechter  gleichsam  ihre  eigene  AVirtschaftssphäre 
für  sich  haben.  Die  JNIänner  bevorzugen  naturgemäß  die  animalische  Nah- 
rungssuche, während  sich  die  Frauen  von  Vegetabilien  nähren  und  zuerst 
den  geregelten  Anbau  von  Pflanzen  betreiben  ^.  Nicht  selten  werden  sogar 
die  Mahlzeiten  getrennt  eingenonunen^.  Daraus  erklärt  sich  unter  anderem 
auch,  warum  nur  die  mannbaren  Mädchen  Zutritt  zu  den  Älännerhäusern 
haben,  während  Fi-auen  und  Kinder  meistens  ferngehalten  werden*. 

Im  Zusanunenhang  hiermit  ist  abschließend  noch  eine  Erscheinung 
zu  hehandeln,  die  man  als  die  letzte  Stufe  dieser  Entwicklung  ansehen 
darf,  und  die  von  der  Ethnologie  initer  dem  Namen  Mutter  recht  oder 
»Mutterfolge«  ^  zusammengefaßt  wird.  Herrscht  in  der  Forschung  auch 
noch  keineswegs  Einstimmigkeit  über  diesen  Begriff,  so  läßt  sich  doch  wohl 
heute  der  Ursprung  der  3Iutterfolge  mit  aller  Wahrscheinlichkeit  in  Be- 
ziehung zu  den  eben  geschilderten  Verhältnissen  setzen  und  im  wesent- 
lichen auf  die  Entstehung  einer  oMännergesellschaft  zurückführen.  Während 
die  Männer  ihren  eigenen  Neigungen  wie  Jagd,  Spiel,  Tanz,  Gelage  nach- 
gehen, übernimmt  die  Mutter  naturgemäß  allein  die  Pflege  und  Erziehung 
des  Nachwuchses,  in  ihrer  Umgebung  verbleibt  daher  die  noch  nicht  er- 
wachsene Jugend,  bis  sie  in  die  Gesellschaft  der  Männer  aufgenommen  wird. 
Durch  ihre  geschlechtliche  Aufgabe  ist  die  Frau  ohnehin  viel  früher  als  der 
Mann  an  eine  feste  Herdstätte  gebunden.  Als  natürliche  Folge  bei  zu- 
nehmender Seßhaftigkeit  und  Ausbildung  von  Eigentumsbegriffen  ergibt  sich 
ferner,  daß  alles,  was  mit  dem  häuslichen  Herd  zusammenhängt,  vor  allem 
der  umliegende  Besitz  an  Land  zunächst  besondere  Domäne  der  Frau  wird; 
sie  hat  zuerst  den  wirtschaftlichen  Nutzen  daraus  gezogen,  ihr  gehört  er 
als  Eigentum  an.  Die  Entwicklung  kann  schließlich  bis  zur  Ausbildung 
mutterrechtlicher  Erbverhältnisse  fortschreiten.  Aber  auch  hier  ist  die  Viel- 
seitigkeit der  Erscheinungsformen  groß  und  in  ihren  Äußerungen  oft  nicht 
leicht  zu  erkennen;  die  mannigfaltigen  mutterrechtlichen   Erscheinungen  in 

1    Wundt,  Ethik  Bd.  I,  S.  96. 

-  Vgl.  im  allgemeinen  darüber:  Bücher,  Entstehmig  der  Volkswirtschaft,  5.  Aufl. 
Tübingen  1906,  S.35f. 

^    Bücher,  a.  a.  0.  S.  32 ;  Lippert,  Geschichte  der  Familie  S.  50  f. 

*    Schurtz,  a.  a.  Ü.  S.  203. 

5    Wundt,  Anfänge  der  Gesellschaft  S.  37  f. 


,S  QuiMiiui':    Mäimor^esell><li;ift   und   Altei-slvla.sseii   im   .ilttii  Cliiii;!. 

»in  einlifitllches  System  /u  hi-inj^en,  ist  Itis  Jetzt  iiiclit  möglich.  Den  sichersten 
W'f^  werilen  wir  gellen,  wenn  wir  mit  Schurtz  l'rs])i-ung  und  Wesen  der 
.Mntterfolgc  in  dem  isolierten  Zustand  des  weihlichen  Geschlechts  der 
Männergcsellschaft  gegenüber  erhiicken:  »Das  sogenannte  Mutterrecht  ist 
also  eine  Folge  der  Verküinnierung  des  Faniilienlehens,  die  durch  den  Zu- 
sanmiensciüuß  drr  Männer  notwendig  erfolgen  mußte'.«  Zum  Ausgangs- 
punkt  luid  besonderen  (Jegenstand  der  vorliegenden  Arl)eit  wählen  wir  dem- 
entsprechend  di«'   Mäiuiergesellschait. 


Erstes   Kapitel. 
Die  Bekappungszeremonie. 

Gehen  wir  nun  an  unsere  eigentliche  Aufgabe,  diesen  primitiven  gc- 
sellschaftliclien  Zustand  auch  für  China  im  einzelnen  aus  den  Quellen  zu 
belegen,  so  braucht  die  verhältnismäßig  späte  Abfassungszeit  der  uns  vorliegen- 
den Quellen  wohl  nicht  nochmals  betont  zu  werden.  Wenn  es  überhaupt  mög- 
lich ist,  derartige  urzeitliche  Verhältnisse  noch  in  der  schriftlichen  Tradition 
aufzufinden,  so  erklärt  sich  das,  wie  oben  schon  bemerkt  wurde,  nur  aus 
der  Eigenart  der  chinesischen  Gesamtkultur.  Wir  haben  es  zum  größten  Teil 
mit  rudimentären  Gebilden,  den  leisen  Nachklängen  einer  Sitte  zu  tun,  die 
oft  vollständig  ihren  einstigen  Inhalt  verloren  hat  und  in  ihrem  ursj)rüng- 
lichen  Sinn  nur  noch  durch  Vergleichung  mit  den  Tatsachen  der  allgemeinen 
\'ölkerkunde  zu  erkennen  ist  — -  freilich  für  den,  der  die  Entwicklung  all- 
gemeiner kultureller  Begriffe  verfolgen  will,  eine  unerschöpfliche  Quelle 
von  Reichtümern;  denn  eine  einzigartige  Bestätigung  findet  das  psycho- 
logische Gesetz  vom  Bedeutungswandel  der  Motive  in  der  chinesischen  Kultur 
und  Literatur,  wie  bei  den  folgenden  Untersuchungen  aus  verschiedenen 
Beispielen  hervorgehen  wird.  In  besonderem  Maße  gilt  für  China,  daß 
ein  Brauch  geübt  wird,  weil  es  eben  iunner  so  gewesen  ist,  wenn  auch  sein 
ursprünglicher  Sinn  längst  dem  Bewußtsein  entschwunden  war,  ein  Charakter- 
zug, den  A.  H.  Smith''  sehr  mit  Unrecht  ein  »example  of  intellectual  tur- 
bidity«   nennt. 

Als  erster  unter  den  Bräuchen,  denen  wir  ein  hohes  Alter  im  Ge- 
sellschaftsleben der  Chinesen  zuschreiben  müssen,  soll  die'Bekappungs- 
zeremonie  ^^^K  behandelt  werden.  Durch  sie  wui-de  der  junge  Mann 
in  die  Gruppe  der  erwachsenen  Männer  aufgenommen,  indem  man  ihm  den 
Männerhut  und  die  Männertracht  in  drei  Wiedei'holungen  mit  wechselnder 
Form  ei-tcilte.  Als  Quelle  für  diese  Sitte  konnnen  vor  allem  in  Betracht 
das  1.  Buch  des  Ngi-li  J^'^jjj^  imd  das  43.  Buch  des  Si-ki  ^^• 
De  Harlez^  sagt  allgemein  von  dieser  Zeremonie:  »C'est  son  (des  Jünglings) 
introduction  dans  la  vie  j)ubli(pie.  Jus(|ue  la  il  a  ete  compte  comme  un 
enfant,    comme    un    homme    incomplet.     II    ne    iait    encore  partie  (pie  de  la 

'    Scliurfz.  AlterskiaAscn  und  Miinuerbiiiide  S.  78. 

»    A'.  IJ.  Smith,  Chinese  Characteristics  S.  Sb. 

"■    Do  Ilarl»'/..  Ili,  Crn'monial  de  la  Chine  aiiti(jue  S.  1. 


(^ii.sTuiu':    Miüiuergesellscliaft  und  Altersklassen  im  alten  C'lnna.  '.) 

famille.     Arrive    a    Tage    de    20  ans.    il    est    Iiomine    fait    et    j)arfait,    il  peut 
prendrc    part   aux    actes    de   la    vie  officielle,    il  entre  dans  la  communaute 
publique.«    De  Harlez  gibt  in  diesen  Worten  die  Bedeutung  wieder,  welche 
dieser  Zeremonie  in  der  jüngeren  ("hou-Zeit  zukam.     Aber  unschwer  lassen 
sich  bei  näherer  Betrachtung  darin  die  wichtigsten  Züge  einer  jener  primi- 
tiven Männerweihen  wiedererkennen,  die  überall  im  Zusammenhang  mit  der 
Männergesellschaft   und   dem  Altersklassensystem    auftreten.    Wir   haben  es 
eben  mit  einem  Brauch  zu  tun,  der  mit  dem  Wandel  der  Zeiten  auch  eine 
Umwandlung   im  Sinne    kultin-eller  Vertiefung   erfahren  hat;    nuißten   doch 
die  alten  Formen,   wenn  sie  sich  erhalten  sollten,  mit  neuem  Inhalt  erfüllt 
und    den   allgemeinen   sittlichen  Vorstellungen    der   Zeit   angepaßt   werden. 
So  ist  der  — j--  (shih),   an  dem  die  Bekappung  vollzogen   wird,    bereits  ein 
Beamter  des  Königs  geworden,  der  ganz  nach  dem  System  der  griechischen 
Gynmasien  auf  staatlichen  Lehranstalten  erzogen  wird,   um  nunmehr  seine 
Vorbereitung  auf  den  höheren  Staatsdienst  fortzusetzen,    -j^  bedeutet  aber 
ursprünglich   "Krieger«,    »Held«,    wie   sich   aus  den  ältesten  Quellen  nach- 
weisen  läßt,    z.  B.    Shi-king  II,  4,  1,  2^:   f^^    T^rEiHf^^   '  ^^"'' 
king  111,4,5-   ^-t|5l;/jI^^,Shu-kingni,4,7  3:    ^^l^±^ 
WiJ&M'  '''hu-king  II,  2,  20*:  _^^  j^  U  ^  -|^   ».  In  dem  Begriff  des 
— j-  spiegelt  sich  demnach  ursprünglich  eine  Lebensweise  wieder,  bei  der 
gemeinsame  Jagd  der  Stammesgenossen,  Reibereien  und  Kämpfe  mit  fremden 
Stämmen  die  vornehmste  Beschäftigung  des  Mannes  bilden*'. 

Im  Ki  (sR)  zu  Ngi-lil,  15b'  heißt  es  nun,  daß  die  Bekapj)ungszere- 
monien  nicht  seit  dem  höchsten  Altertum,  sondern  erst  seit  der  Hia-Dynastie 
beständen:  ^^ffi^^^jjjf.......>2V.^:2^^Jiiii^i;:^ 

^^J^ißi*'    ^ßs^''^*  auch,  daß  es  sich  hier  bloß  um  eine  Vernuitung.  nicht 


1   Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  298.  2   Legge,  a.  a.  0.  III,  S.  168. 

»    Legge,  a.  a.  O.  lU,  S.  169.  *    Legge,  a.  a.  0.  IH,  S.  65. 

^  In  diesem  Zusammenhang  mag  auch  die  Verbindung  — J--  -^  »Männei-  und 
Frauen«  (eigentlich  »unverheiratete  jNIänner  und  Weiber«)  Erwähnung  finden  (vgl. 
Shi-king  I,  2,  IX,  1—3 ;  I,  3,  LX,  3 ;  I,  7,  XIH,  2 ;  I,  5,  IV,  3  f  II.  8,  1  f.).  Bemerkenswert 
ist  die  Definition  des  Chuan-tze-wei:     ^^  H^  ^^  yjW  R  —j-* 

"  Die  Entwicklung  des  Begriffes  — |--  im  einzelnen  nachzuweisen,  kann  hier 
nicht  misere  Aufgabe  sein,  es  soll  nur  allgemein  auf  den  Bedeutungswandel  hin- 
gewiesen werden,  den  dieses  Wort  erfahren  hat. 

7    De  Harlez,  I-li  S.  19. 

^   Für  diese  Vernmtung  spriclit  vielleicht  auch  die  Etymologie  (^J    kuan  = 

p,  kuan).  die  die  Bekappung  in  die  Zeit  des  ausgebildeten  Beamtentums  zu  ver- 
setzen scheint.  Hierbei  ist  aber  meines  Erachtens  nur  an  die  bis  ins  einzelne  fest- 
gelegte Zeremonie  einer  verhältnismäßig  hohen  Kultur,  so  wie  sie  uns  in  den  Ritual- 
bücheni  entgegentritt,  zu  denken.  Die  primitivere  Stufe  dieser  Zeremonie  möchte  ich 
in  der  Bekleidung  mit  einer  einfachen  Fellmütze  als  Mannesabzeichen  erblicken. 
Diese  Sitte  kann  in  der  Tat  sehr  alt  sein,  und  die  Angabe  des  Li-ki,  wonach  alle 
drei  Dynastien  die  Fellmütze  hatten  (vgl.  S.  11),  w'äre  hiernach  ganz  verständlich. 


I(>  QriMORp:    Mruinergesellsi'liaft  und   Altel•sklas^sen  im  alten  Cliina. 

um  iirulu-  Iradilioii  handelt,  so  solicint  mir  dennoch  ans  dem  Ngi-li  selbst 
hervor/uf^ehen,  daß  die  HekapiJUiij;  in  ihren  letzten  Wui'zehi  auf  einen  noch 
rdteren  Brauch  zurückgeht.  Ks  ist  näinlicli  zu  heachten,  daß  das  Aufsetzen 
der  Ka|»|ie  von  der  Anlcf^un«;  einer  neuen  Tracht  he};leitet  ist,  Ngi-li  1.6a': 
>l^7Öt^"  4:i<l'^•  ""'*^  '^*^'"  I^'^iiin^ntai"  l»enierkt  dazu:  ^^^^ 
^  ft)r  HB-  Der  junge  Mann  trägt  also  vor  der  Bekappnng  Knabentracht 
und  Knallenfrisur-.  Sobald  die  Bekappnng  vollzogen  ist,  begibt  sich  der 
Novize  in  das  Gemach,  wo  die  neuen  Kleider  niedergelegt  sind,  kleidet  sich 
um    und    kännnt   sich,    d.  h.    er   macht   sich   die    Frisur   des   F'.rwachsenen, 

Ngi-iii.Tb-  ';ti*ftW®<raMm^i^tiiiltlMiSffio 

^"-fii:  <^  ß|]|il^  lllix  ^-  ^"^''  ^^^^^^  höveu  wir  von  einer  beson- 
deren Haartracht  des  noch  nicht  Erwachsenen,  z.  B.  Shi-king  I,  8,  VII,  3*: 
%'i  ""fj  ^^  ^'y  $JS  j»i  f^l^  ^^  DesgleiclienTso-Chuan  Chin.  Class.  V,  624/25 : 
£L4P^^'^^l/n0Ji(,  WäZ-  Dazu  der  Kommentar:  ^^^^P^ 
Jj/'^VJt^'-  ni'^'^e  Stelle  enthält  insofern  eine  Schwierigkeit,  als  hier  dem 
Knaben  auch  das  Tragen  der  Kaj)pe  (^)  zugeschrieben  wird.  Die  Alters- 
grenze des  ^m  -4-^  ist  wohl  zu  dieser  Zeit  nicht  mehr  sicher.  Das  Um- 
kleiden in  einem  Seitengemach  hat  seine  Parallelen  bei  den  Naturvölkern, 
z.  B.  in  der  Sitte  afrikanischer  Stännne  in  Kamerun,  »daß  die  Kandidaten 
zur  Knabenweihe  in  Weibertracht  erscheinen,  die  sie  nacli  der  Aufahme  in 
die  Männergesellscliaft  ablegen«^.  Die  regelmäßige  Wiederkehr  dieser  Zere- 
monie bei  den  drei  Bekappungen  beweist,  daß  sie  auch  in  Cliina  eine  sym- 
ijolische  Bedeutung  hat  und  den  Übergang  aus  dem  des  Jünglings-  ins 
Mannesalter  andeuten  soll.  Das  Ursprüngliche  könnte  also  das  Anlegen  einer 
neuen  Tracht  gewesen  sein,  bis  dann  als  letzter  Kest  hiervon  die  Bekappnng 
übrigblieb  und  schließlich  zur  Hauptsache  wurde,  während  man  die  Zere- 
monie als  nebensächliches  Motiv  empfand  und  nicht  mehr  vor,  sondern  nach 
der  Bekappnng  stattfinden  ließ.  Weiterhin  miissen  wir  uns  die  Frage  zu 
beantworten  suchen,  was  die  Verwendung  von  drei  Kappen  zu  bedeuten 
hat.  Die  Quellen  geben  als  Grund  die  Wichtigkeit  der  Zeremonie  lür  den 
Übergang  in  das  erwachsene  Alter  an,  Li-ki  10  (43)  36b"  ^£j|ip5^^ 
J!iP '^  ;^  uli  ■  ^^^  kann  natürlich  niciit  der  ursprünglit'he  Grund  sein, 
wenn  man  auch  in  der  späteren  Zeit  so  empfand.  Es  liegt  auf  der  Hand, 
daß  die  Zeremonie,  so  wie  sie  uns  in  einem  einzigen  Vorgang  entgegentritt, 
einen  sehr  komplizierten  Charakter  trägt,  der  sicherlich  nicht   ursprünglich 

'  De  Ilailez,  a.  a.  0.  S.  8. 

^  ;ji)p    würtlicli:    .mit  geknotetem  Haar«,    -iii  Haarknoten".    De  Ilarlez  Oher- 
seut  irrig  »ornenieiitcs,»  indem  er  jjjip  auf  5tC^C  bezieht. 

^  De  Haric/.,  a.  a.  0.  S.  10. 

*  Legge,  Ch.  CI.  IV,  S.  l.'iS. 

"•  Schurtz,  AltersklaÄ.sen  und  Mäiuierhünde  S.  100. 

«  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  42(3. 

■  Vgl.  üe  Harlez,  I-li  S.  19. 


QiTisToiii-:    Mäiinergesellschaft  und  Altersklassen  iiu  alten  China.  11 

ist.  Deutlich  lassen  sich  drei  Abschnitte  unterscheiden,  wobei  der  Inhalt 
derselbe  bleibt,  im  wesentlichen  nur  die  Form  wechselt.  Eine  Erklärung 
hierfür  findet  sich  wohl  Li-ki  5  (11),  42  b ',  wo  es  von  dem  Ursprung  der 
Kappen  heißt:    }^-jT''$^^     S^X^'    ^^^  Kommentar    sagt  dazu:    ^ 

S  0^  S  ^Jf  itiÜ  ^1^=.ilUi,M'  Der  Gebrauch  jeder  der  drei  Kappen 
war  also  von  den  jeweiligen  Dynastien  verordnet.  So  konnnt  es,  daß  drei 
verschiedene  Bekappungszercmonien  überliefert  sind.  Bezeichnenderweise 
werden  hier  die  Zeremonien  in  cliinesischem  Schematisierungstrieb  als  Ver- 
ordnungen von  einzelnen  aufgefaßt,  eines  der  Beispiele  dafür,  wie  eine  pri- 
mitive Tradition  den  über  einen  ganzen  Zeitraum  sich  erstreckenden  Ver- 
lauf in  einen  einzigen  Vorgang  verlegt.  Wir  werden  ims  also  die  Entwicklung 
so  zu  denken  haben,  daß  jeder  der  zur  Herrschaft  iiber  China  gelangten 
Clans  oder  Stänurie  seine  eigene  Bekappungszeremonie  oder  Männerweihe 
hatte-*.  Die  verschiedenen  Kappen  wären  demnach  auf  lokale  Verschieden- 
heiten zurückzuführen,  die  mit  zunehmender  Konzentration  der  Stämme 
miteinander  verschmolzen  wurden.  Leicht  war  es  möglich,  daß  sich  von- 
einander abweichende  Gebräuche  bei  der  Zeremonie  nebeneinander  erlialten 
konnten,  die  zugleich  als  Stammesabzeichen  eine  wirksame  Abgrenzung 
gegen  Stammesfremde  bildeten.  Es  handelt  sich  bei  alledem  um  natih-liche 
Entwicklungsergebnisse.  So  könnten  z.B.  die  verschiedenen  Neubekleidungen 
im  Anschluß  an  die  Bekappungen  auf  alte  Lokaltrachten  hinweisen,  die 
aber  anderseits  auch  recht  wohl  ihren  Ausgangspunkt  in  der  Männerweihe 
haben  können,  indem  diese  Zeremonie  wegen  der  ihr  allgemein  zukonnnenden 
Bedeutung  zui*  Erfindung  neuer  Trachten  anregte.  Auf  eine  alte  Lokaltraclit 
deutet  es  wohl,  wenn  wirTso-chuanV,  369/71  von  einer  südlichen  Mütze  hören, 
die  ein  Mann  aus  Ts\i  trägt:  ^f^^^^  5  W  Äfl  fÄ^  1^9  ^  0, 

So  gi'oß  aber  die  Variationen  im  einzelnen  gewesen  sein  mögen,  so 
kehren  doch  gewisse  Grundformen  überall  wieder^.  Das  geht  hervor  aus 
Li-ki  5  (10),4oa':  ^^4^^^^^*^?  die  drei  Dynastien  benutzten 
also  die  Lederkappe  aus  weißem  Hirschfell  mit  der  entsprechenden  Kleidung. 
Wenn  auch  diese  Kappe  dem  Novizen  erst  an  zweiter  Stelle  aufgesetzt  wird, 
so  zeigt  sie  Avohl  schon  durch  ihre  Form  (  cm  ^  ^  ,  ^ ,  i^  ,  altes  Bild),  daß 
sie  die  älteste  ist.  also  nicht  erst  von  den  Chou  eingeführt  sein  kann.    Als 

'    Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  438. 

^    Über  die  Zurückführung  der    :^    auf  die  Chou  vgl.  S.  19. 

^  Dafür  spricht  in  der  Tat  wohl,  daß  die  Li-ki  5  (11),  42  b  als  der  Jin- 
dynastie  zugehörig  genannte  Mütze  ^^IS*  füi-  den  von  den  Jin  abstanuncnden 
Fürsten  der  Sung  (^fc)  ^^^  Zerenioniekappe  war  (vgl.  Chuang-tze  I,  9b.  S.  B.  E.  39, 
172),  mit  der  auch  deren  Abkömmling  Konfucins  bekappt  wurde,  Li-ki  10  (41),  23  b, 
S.  B.  E.  28,  402. 

^    Vgl.  S.  10. 

5  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  438. 

6  Vffl.  De  Harlez,  J-li  S.  19. 


12  yriMtiisr:    Mninicrge.sell.schaft   uiui   Altersklassen   im   alten   Cliiiia. 

Kriegertracht  ersclieiiit  sie  8iiu-kiuu,  V.  22,  "Jl ':    ^^  \^^-,  Slii-kingll, 

7,  VI,  4':  jlHJ  ^"'-  y^  f ji^  j^  1l+ {>^ •  '^"'^'*  sonst  wird  diese  Lederkappe  viel- 
fach erwähnt.  Der  König  trägt  sie  u.  a.  bei  üffentlichen  Gelegenheiten,  z.  B.  bei 
(Irr  tn-iliclicn  Audienz,  die  er  seinen  Beamten  gibt,  Li-ki  6  (13),  2a ^: 
^^)JC,J^[>X\J  JSÄ 13'  ilesgleichen  beim  Opfer,  Li-ki  5  (11),  36  a*:  ^ 
<:  öo  i  ii  -tr-  ^  ^  ^  $ß  ^'■^^- ''"''''  '*^''"-^'"S^''  ^'  16  [Legge,  a.  a.  O. 
III,  S.  359]:  ^  M.  -^  :^  ^  ^  *•  '^''^  '^^  ^**  i"^^"^''^  »iäs  natiirliche  Klcidungs- 
stfick  eines  primitiven  Jägerlebens,  während  die  anderen,  aus  .Stofl"  bereiteten 
Kappen  eine  höhere  Kultur  voratissetzen  und  aus  diesem  Grunde  schon 
einer  jüngeren  Zeit  angehören  werden.  Vielleicht  steht  diese  J^  ^  in  Zu- 
.sammenhang  nu"t  einer  ursprünglichen  Wehrhaftmachung,  bei  der  die  aus 
rellen  hergestellte  Kleidimg  dem  jungen  Krieger  gleichsam  als  Symbol  für 
die  Aufnahme  unter  die  welirhaften  Männer  angelegt  wurde.  Obwohl  sich 
Tüchtigkeitsproben,  die  bei  dieser  Gelegenheit  stattgefimden  hätten,  nicht 
mehr  nachweisen  lassen",  so  werden  wir  doch  wohl  auch  diese  für  die 
Urzeit  annehmen  dürfen.  Eine  Erinnerung  daran  ist  es  wohl,  wenn  die 
Kappe  später  auch  als  Standesabzeiclien  getragen  wird  und  überhaupt  nach 
außen  hin  die  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  Geselischaftsgruppe  doku- 

mentiert,  z.B.  Li-ki6(13),  10a«:  ^  ^|^Äo  ^"fi  ^  * -&'  '"'^"^^'^ 
also  der  Deklassierte  eine  besondere  Kappe  tragen  mußte.  Wer  die  Mann- 
barkeitsproben nicht  bestand,  wurde  einst  nicht  mit  dem  echten  Abzeichen 
der  Männergesellschaft  geschmückt;  freilich  sind  hier  aus  untüchtigen 
Kriegern  wiederum  Beamte  gewoi^den.  die  ihren  Dienst  treulos  versehen. 
Die  Vorstellung  nun,  daß  mit  der  Aufnahme  des  jungen  Kriegers  in 
die  Männergesellschaft  ein  neuer  wichtiger  Lebensabschnitt  begann,  wurde 
auch  noch  auf  andere  Weise  zum  Ausdruck  gebracht,  imd  zwar  durch  die 
Erteilung   des   zweiten    Namens,   t^,   Ngi-li  1,   9  a':    ^^  ^^  jjl.  ~J^  ^  P^ 

^^:^,  Li-ki  10 (43), 36b«:  UsMM^Zf&AZM.^-   ß^- 

zeichnet  auch  der  Namenwechsel  in  sekundärer  Bedeutung  den  Übergang 
in  eine  neue  Altersstufe,  so  enthält  doch  vielleicht  das  RJT  noch  einen  leisen 
Anklang  an  die  ursprungliche  Vorstellung  der  erreichten  Mannbarkeit.  Vgl. 
Legge,  8.  B.  E.  27,  S.  438.  Zugrunde  liegt  hier  wohl  d^r  Gedanke  der 
Wiedergebm-t.  Die  Idee,  daß  der  alte  Mensch  stirbt  und  neu  geboren  wird, 
findet  ja  bei  vielen  Naturvölkern  eine  Parallele®  imd  erstreckt  sich  letzten 

'    Legge,  eil.  Cl.  III,  S.  55<j. 

2  Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  399.  Freilich  läßt  sie  sich  in  dieser  Stelle  erst  auf 
dein  Umweg  über  die  kriegerische  Betätigung  (Bogenschießen)  im  Männerhaus  (vgl. 
S.  31  tr.)  als  Kriegertracht  erweisen. 

3  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  3. 

«  Legge,  a.  a.  0.  27.  S.  429. 

■'•  Vgl.  die  Bemerkungen  in  S.  31  und  32. 

«  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  10. 

T  De  Harlez,  Ngi-li  S.  12. 

"  Legge,  a.  a.  O.  28,  S.  42(i. 

'  Schürt/,  Altersklassen  tind  Männerbiinde  S.  lOG. 


Quistorp:    Mäunergesellscliaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  \'i\ 

Endes  bis  in  die  höchsten  Kulturreligiüuen.  Somit  geht  der  Namenwechsel 
wohl  auf  primitive  Zanbermotive,  vielleicht  gar  {)räanimistische  Vorstellungen 
zurück.  Wundt '  sagt  allgemein:  »Mit  dem  Wechsel  des  Namens  wird  der 
Mensch  selbst  ein  anderer.  Der  Name  ist  so  eng  an  die  Persönlichkeit  ge- 
bunden, daß  schon  das  Aussprechen  desselben  eine  magische  Wirkung  auf 
jene  ausüben  kann.-  An  dem  Namen  haftet  also  eine  geheimnisvolle  Kraft, 
die  mit  ihm  in  den  Menschen  eingeht".  Ein  interessantes  Beispiel  hierfür 
findet  sich  in  einer  Notiz  Legges  zu  Tso-chuan  V,  649,  wo  jemand  nach 
begangener  ^Mordtat  seinen  Namen  wechselt,  um  der  Vergeltung  zu  ent- 
gehen.   Von  einem  magischen  Einlluß  des  Namenwechsels  hören  wir  ferner 

Tso-chuan  V,  228/230:  |fö  :2  Hg^  ^M.  H  f^^T^W.'  ^^''"'"  '^"■ 
klang  an  diese  Vorstellung  enthält  wohl  auch  die  Bemerkung  des  Ngi-li, 
daß  durch  die  Namenerteilung  die  Ehrfurcht  \or  dem  neuen  Namen  zum 
Ausdruck  gebracht  werde,  Ngi-li  1,  15  a  =*  (Ki) :  S]fn^:^®:Äig-{^. 
Geht  nun  gleichsam  eine  innere  Umwandlung  des  Novizen  vor  sich, 
so  gehört  er  von  jetzt  ab  auch  äußerlich  einer  neuen  Gruppe  von  Men- 
schen an,  es  bedeutet  eine  Abkehr  von  der  bisherigen  Lebensweise,  die 
ihn  ursprünglich  eng  an  die  Umgebung  der  Mutter  anschloß.  In  der  Tat 
bedeutet  dieser  Übergang  in  die  Männergesellschaft  mit  ihrem  ganz  anders 
gearteten  Tun  und  Treiben  einen  sehr  wichtigen  Abschnitt  im  Leben  des 
Jünglings.  Auch  diese  Auffassung  finden  wir  bei  der  Bekappungszeremonie 
wenigstens  in  einem  schwachen  Überrest  angedeutet.  Der  junge  Krieger, 
an  dem  die  Bekappung  vollzogen  ist,  präsentiert  sich  seiner  Mutter  und 
seinen  Brüdern,  und  sie  verbeugen  sich  vor  ihm,  Li-ki  10  (43),  37a*:    ^^ 

•nt'  Den  chinesischen  Interpreten  erscheint  es  sonderbar  genug,  daß  sich 
die  INIutter  vor  ihrem  Sohn  verneigt,  eine  Ehrerweisung,  die  sonst  nur  den 
Eltern  von  den  Kindern  zuteil  wird;  deshalb  sucht  der  Li-ki-Kommentar 
nach  einer  Erklärung:  #  :$:  ^^,  ^ffMlo  J^Ü^^  ^  M  Ö 
JSS  ptl  äJx  ^^^P^.  Weil  der  Sohn  also  aus  dem  Ahnentempel  mit  dem 
Opferlleisch  kommt,  deshalb  verbeugt  sich  die  Mutter!  Aus  dem  Unbefriedi- 
genden dieser  Elrklärung  ergibt  sich  wohl,  daß  die  Erinnerung  an  den  ur- 
sprünglichen Sinn  des  Gedankens  verloren  gegangen  ist.  So  hat  diese 
gegenseitige  Verneigung  von  Mutter  und  Sohn  an  dieser  Stelle  wohl  kaum 
etwas  mit  Ehrfurchtsbezeugungen  zu  tun  —  wenngleich  Verbeugungen  vor 
Speisen,  Geräten  usw.  häufig  erwähnt  werden  — ,  sondern  symbolisiert  eben 
die  Abkehr  von  der  mütterlichen  Umgebung:  der  Novize  zeigt  sich  der 
Mutter  in  seiner  neuen  Eigenschaft  als  Angehöriger  der  Männergruppe. 
Die  Überreichung  des  Opferfleisches  kann  einen  doppelten  Sinn  haben: 
einmal  weist   der  junge  Mann    damit    auf  seine  Fähigkeit   zur  Vollziehung 

1  Wundt,  Elemente  der  Völkerpsychologie  S.  89. 

-  Schurtz,  Urgeschichte  der  Kultur  S.  191. 

3  De  Harlez,  I-li  S.  19. 

*  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  42t). 


I  1  QiuMORr:    Mrmnerfjcsellschaft   tmil    Alforskl;i»siMi   im   nitcii   Cliiiia. 

des  Ahiienopfers  hin.  Auf  einer  Stnl'e  aber,  wo  es  nueli  keine  kultlscli  ge- 
regelte Ahnenverehrung  gab,  wird  diese  Zeremonie  wiederum  ein  Symbol 
für  die  Tatsache  sein,  daß  der  .lüngling  seine  ^lahlzeiten  nicht  mehr  in  der 
mütterlichen  rmgebiing  einnimmt,  sondern  im  Verein  mit  seinen  männlichen 
Altersgenossen  selbständig  auf  die  Nalirungssuche  geht '.  Daß  dem  Novizen 
bei  der  Auinnhine  in  den  Männerbund  in  dieser  Richtung  Andeutungen  ge- 
macht wurden,  läßt  sich  wohl  noch  aus  den  Worten  erkennen,  mit  dejien 
er  bei  der  ersten  Bekappung  vom  Priester  angesprochen  wird,  Ngi-li  I,  121)'^ 

^M'^BoiulniTü *o Ä W ^^ ^-  "'"•' '''"^^"^'  "■'  '•"''  ""*'"'■ 

lieh  schon  um  sittliche  Werte,  die  dem  Jungen  Mann  mitgeteilt  werden, 
aber  auf  einer  j)riinitiveren  sittlichen  Stufe,  der  die  Männergesellschaft  an- 
gehört, rechtfeitigt  das  -^^  ({||  ]^ /|^>  sehr  wohl  die  Interpretation  in  dem 
vorher  erwähnten  Sinne:  ^\'eude  dich  ab  von  deiner  bisherigen  Lehensweise 
und  nimm  männliches  Wesen  an!  Als  Parallele  mag  der  Brauch  einiger 
südafrikanischer  Stämme  herangezogen  werden,  die  Neueingeweihten  als 
•  nicht  mehr  Mädchen«  zu  bezeichnen^;  ebenso  ermahnen  nach  Fritsch*  die 
erwachsenen  Männer  die  Neugeweihten,  »sich  nicht  mehr  von  den  Frauen 
leiten  zu  lassen  und  auch  die  mütterliche  Autorität  nicht  mehr  anzuerkennen«. 
Aus  dem  Ngi-li  scheint  mir  ferner  hervorzugehen,  daß  die  Bekappungs- 
zeremonie  ursprünglich  unter  Ausschluß  des  weiblichen  Geschlechts  statt- 
fand und  nur  im  INIännerkreise  vollzogen  wurdet  das  natürliche  Elrgebnis 
einer  Geschlechtertrennung  auf  dieser  Gesellschaftsstufe,  wofür  unten  noch 
weitere  Beispiele  angeführt  werden  sollen.  Zu  der  Stelle  Ngi-li  I,  Sb"  sagt 
der  Kommentar  nämlich:  g:3CM^  ÜJ  li  H  ifc  J#  #ffi  M  H 
:^ft[.  Desgleichen  heißt  es  Ngi-li  1,  Ob  ^:  XÄM^ij^nÄ#-  ^•''^" 
bemerkt  der  Kommentar:  A  3¥  PI  "fe  )$]  ^^f^fi[  *"•  ^'^  l^ekap- 
pungszeremonie  findet  demnach  im  JfeH  statl,  das  außerhalb  der  eigentlichen 
Wohnräiuue  liegt.  Die  Mutter  hält  sich  bei  dieser  Gelegenheit  nicht  im 
.\lmentempel  aul",  sondern  wartet  außerhalb,  bis  der  ^^^*  kommt  und 
sich  ihr  v(ustellt.  Ebenso  begibt  sich  der  junge  Mann  erst  aus  dem  JSH  in 
das  Wohngebäude  jj^  ",  um  sich  den  älteren  weiblichen  Bewohnern  des 
Hauses  zu  zeigen.  Soviel  ist  gewiß,  daß  die  Zeremonie  unter  Ausschluß 
der  Weiblichkeit   stattfand,  was  auf  einen  sehr  alten  Brauch  zm-ückweisen 

*  Über  die  getrennte  Lebensweise  der  Geschlechter  vgl.  S.  48  f. 
2   De  Harlez,  I-li  S.  16. 

•■'    Briiiker,  Globus  Bd.  62,  S.  42. 

*  Fritsch,  Die  Eingeborenen  Südafrikas  S.  110. 

■'    Vgl.  S.  .S2f.,  Über  die  Trennung  der  Gesciilechter. 

•■•    De  Harlez,  I-li  S.  12. 

'    De  Harlez.  a.  a.  0.  S.  LS. 

8   Vgl.  S.  15. 

^  Der  Ausdnick  »j^  bezeichnet  aucli  das  liiiitere  Gemach  des  Ahnentenipels. 
Welcher  Platz  hier  genau  gemeint  ist,  läßt  sich  wolil  schwerlicli  feststellen,  jedenfalls 
ist  es  ein  von  der  eigentlichen  Ahnenhalle  getrennter  Raum. 


(i)riSTORP:    Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  altoii  Cliinn.  lo 

muß;  denn  es  läßt  sich  nicht  einsehen,  warum  die  Frauen  nicht  gegenwärtig 
sind  im  JföR  zu  einer  Zeit,  wo  doch  die  Feierlichkeit  schon  einen  sehr 
familiären  Charakter  trägt  und  alle  Angehörigen  in  gleichem  Maße  berührt '. 
Auf  einen  ursprünglich  intimen  Charakter  dieser  Zeremonie  innerhalb  der 
Männervereinigung  läßt  auch  die  Anmerkung  des  Kommentars  zu  Ngi-li  I, 
■2b  -^  i  A  4|^  ^  schließen,  die  dies  erklärt:  ^  ^  ^  ^  |#  ^,  Kame- 
raden und  Freunde  des  ^p  A  sind  also  die  Teilnehmer  der  Zeremonie. 
Die  obenerwähnte^  Anrede  an  den  jungen  Mann  bei  der  Bekappung 
läuft  im  Grunde  auf  moralische  Vorschriften  liinaus.  wenn  es  z.  B.  Ngi-li  I, 
12b*  heißt:  ^^  )|[J  ^  ^f^;.  «tler  wenn  Li-ki  10  (43),  37b  •'  von  dem  Neu- 
bekappten   die   P^rfiUlung   der   Zeremonien    und   PietätspÜicliten    gegen    die 

Kitern  usw.  erwartet  wird:  ^  A  ^  ^#  M  ^  AÄ.^ -&•  -^''^•- 
auch  hier  handelt  es  sich  wohl  um  Umformungen  einer  ursprünglichen  Idee. 
Für  die  Urzeit  bedeuten  diese  Ermahnungen  zu  einem  sittlichen  Lebens- 
wandel die  sehr  wichtige  Tatsache,  daß  der  Jüngling  in  die  nur  auf  münd- 
licher Tradition  beruhende  Überlieferung  des  Stammes  eingeführt  wird,  der 
Ausgangspunkt  aller  höheren  P'ormeu  der  geschichtlichenUberlieferung  über- 
haupt. Der  junge  Mann  gehiu'te  nunmehr  einer  Gruppe  innerhalb  des 
Stammes  an.  die  aus  den  den  engen  Familienkreis  übersclu'eitenden  Be- 
ziehungen und  Betätigungen  neue  Anregungen  schöpfte  und  in  ihrer  Mitte 
neue  Kulturwerte,  wie  Kultusformen.  Tanz,  Musik,  Drama,  entwickelte,  um 
so  einen  wichtigen  Faktor  im  Kulturfortschritt  der  Urzeit  zu  bilden.  Diesen 
Brauch,  der  uns  allgemein  von  den  Männerweihen  berichtet  wird,  finden 
wir  Ngi-li  I,  12  a'"'  angedeutet,  wo  der  Vater  des  Novizen  einen  Freund 
bittet,  seinen  Sohn  zu  belehren,  wenn  dies  auch  wohl  schon  zu  einer  leeren 
Höflichkeitsformel  erstarrt  ist:  liM^--^'  ^  ^^  ^  -ffj, .  Insofern  hat  das 
Li-ki  recht  mit  seiner  Bemerkung,  daß  die  Bekapptmg  der  Ausgangspunkt 
für  die  Erlernung  aller  anderen  Zeremonien  sei  und  ihr  ans  dem  Grunde 
im  höchsten  Altertum  so  großer  Wert  beigelegt  wurde,  a.a.O.  12,  bOa": 
2Zl~|^flfn^J  'Än^^jjja/'-  Die  Wichtigkeit  dieser  Zeremonie  wird  dann 
auch  als  Grund  dafür  angegeben,  sie  in  der  Ahnenhalle  zu  vollzieiien,  Li-ki 
10  (43),  37  b'«:  2  ^  l^f^ ß  ;^  J^  J||  Überall  in  einer  primitiven  Kultur 
hat  ja  die  längere  Ausübung  eines  Brauches  seine  religiöse  Sanktionierung 
zur  Folge,    was   für   China   besonders    gilt,    da    es   hier   nie   zur   Scheidung 

^    Über  die  Anwesenheit  der  Frauen  im    IäR   \gl.  S.  51. 

2  De  Harlez,  I-li  S.  46. 

3  Vgl.  S.  14. 

*  De  Harlez,  I-li  S.  16. 

•^  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  427. 

6  De  Harlez,  I-li  S.  16. 

"  De  Harlez  übersetzt  ^^  -V-  gegen  Konstruktion  {^^-^  ^  0  und  Sprach- 
gebrauch durch  »meinen  Sohn«;  es  bedeutet   »mein  Herr«,   »Sie-, 
s  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  478. 
"  Vgl.  Legge,  a.  a.  O.  28,  S.  427. 
^"  Legge,  ebendort. 


ir»  QiisTORr:    Maniiorgesellscliaft   iiikI   Altersklassen  im  alten  Cliina. 

y.wi.si'licii  profaner  iiiid  religiöser  Zi-ifinonir  gekoiimit'ii  ist.  Wir  werden 
aber  weiter  tiiiten  sehen,  daß  die  Alilialtiing  der  Bekappiiiigszerenioiiie  im 
^1  einen  sehr  natürlichen  Grund  und  ursprünirlicli  wohl  nicJits  mit  der 
Khrfiircht  vor  den  Ahnen  zu  tun  hatte. 

Damit  ist  aher  die  Bedeutung  der  Bekappungszerenionie  noch  nicht 
erschriplt.  A\'ie  in  der  Regel  mit  den  Mäiuierweihen  ein  freier  Geschlechts- 
verkehr der  maimharen  Jugend  beginnt,  so  haben  wir  auch  in  (liina  sichere 
Anzeichen  dafür,  daß  die  Bekappung  zugleich  eine  Pubertätszeremonie  war, 
an  di«'  sich  eine  Zeit  der  freien  Liebe  schloß,  wenn  uns  auch  darauf  hin- 
weisende Bräuche,  wie  die  Beschneidung  usw.,  nicht  mehr  überliefert  sind. 
Beachtenswert  ersclieint  mir,  daß  im  Zusammenhang  mit  der  Bekappung 
mehrfach  die  lleiratszeremonien  Krwähnung  finden  und  den  letzteren  zeit- 
liche Priorität  zugeschrieben  wird,  Ngi-li  1,  15  b  (Ki)':   ^  "^  ^  ^J  jjjSI  JflJ 

ii^^  IUI-  ^^^^■-  «■^°"  ^^  <^'''«>-"  1  -' « '^ '  i^^ißt :  jä  %  ^  <:  jüi  S, 

fiy"  M  -^  ^.  Sollte  nicht  in  dieser  Nebeneinanderstellung  der  beiden  Riten 
ein  indirekter  Beweis  für  eine  Beziehung  zwischen  Bekappung  luid  Heirat 
oder,  von  einem  primitiveren  Standpunkt  a>is  betrachtet,  zwischen  Mäuner- 
weihe  luid  geschlechtlicher  Betätigung  zu  sehen  sein  ?  Wir  haben  aber 
andere  Stellen,  wo  die  Bekappung  in  unmittelbare  Ver])induiig  mit  der 
Heirat  gebracht  wird,  namentlich  im   KommeJitar  zum  Hia-Siao-eheng  (Ta- 

Tai-Liki28b):(zl,^)@^:^±^^^3t^;Snt--tll-^^SJ-d«=^" 
das  Zitat  aus  dem  Peh-hu-t'ung  im  Tze-tien  (s.v.  ^S):    Ä  -?*  ^Jd]  ^^  JjA^  ^J- 

Ferner   kommt   hier   vor  allem   Tso-chuan  V,  438/441   in   Betracht:    7^  fff] 

4t  "?*  ifia  ili  ■  ^"'"  Vergleich  darf  wohl  eine  Stelle  aus  dem  Kia-yü  her- 
angezogen werden,  die  sich  bei  Biot,  Chou-li  I,  S.  307  findet:  »L'homme 
prend  le  bonnet  viril  a  vingt  ans;  11  a  les  conditions  necessaires  pour  de- 
venir  pere.«  Auch  hier  wird  die  Bekappung  als  Eintritt  ins  zeugungsfähige 
Alter  bezeichnet.  Kinen  weiteren  Beleg  für  unsere  Vermutung  finden  wir 
bei  der  Verlobungszeremonie  (Ngi-li  II,  -Sijjjp).  War  das  junge  Mädchen 
einem  Manne  verlobt  worden,  so  wurde  ihr  als  Symbol  der  Mannbarkeit 
die  Nadel  und  gleichzeitig  der  neue  Name  !^  verliehen,   Ki  zum  Ngi-li  II, 

13a*:  :Ä  ^  i^  ^  ^  Tfn  11  :^  ^  ^ .  Hier  liegt  al)er  vermutlich  schon 
eine  Mischung  von  urzeitlichen  und  jüngeren  iNIotiven  vor.  Der  Kommentar 
gibt  den  älteren  Tatbestand  wieder,  wenn  er  sagt,  daß  die  Nadelvei-leihung 
der  Bekappung  des  jungen  Mannes  entspreche :  ^  -^  ^  jj]®  >j|§  ^  ;^  -{^  ^ 
und    in    der  Kortsetzinig   der   obenerwähnten  Stelle   aus   dem    Kia-vü    heißt 


'    De  Harlez,  l-Ü  S.  19. 

»   Biot,  Chou-li  I,  S.  427. 

^  Wir  haben  es  hier  mit  einer  jener  häufig  vorkonunenden  Verschränkungen 
zu  tun,  was  bei  der  Übersetzung  von  Biot  nicht  ganz  klar  hervortritt.  ^  hezieht 
sich  eigentlich   nur  auf   ßi  und    KJJ'  auf  ^J. 

*    De  Harlez,  I-li  S.  39. 


QuisroKP:    l\Iiimipr<jos(>IIscliaft  iiiiH   Altci'sklassen  im   altoii  China.  ]( 

es^:  "La  (ille  a  (|uin/,('  ans  prend  raiguille  d(!  tote;  eile  a  les  conditions 
nccessaires  pour  etre  donnce  a  uii  homnie.  Alors  ils  se  inarient  de  leur 
propre  volonte.«  Ergibt  sich  somit  die  enge  Beziehung  zwischen  Bekappung 
und  Heirat,  so  kommt  darin  eben  nur  die  überall  bei  den  Primitiven  wieder- 
kehrende Tatsache  zum  Ausdruck,  daß  die  »Heirat«  —  wenn  man  diesen 
Ausdruck  überhaupt  auf  urzeitliche  Verhältnisse  anwenden  darf  —  in  eine 
frühere  Zeit  fällt  und  der  beginnenden  Geschlechtsreife  folgt.  Wahrschein- 
lich werden  wir  aber  bei  dieser  urzeitlichen  Heirat  zunächst  an  eine  Zeit 
der  freien  Liebe  zu  denken  haben,  die  mit  der  Schwängerung  des  Mädchens 
endete  und  zu  einer  dauernden  Verbindung  wurde ;  das  ist  wohl  der  ethno- 
logische Hintergrund  dafür,  daß  die  Nadelverleihung  drei  Monate  vor  der 
Heirat  stattfand.  Diese  Vermutung  wird  auch  nahegelegt  durch  die  Sitte, 
das  Mädchen  während  dieser  drei  Monate  im  Ahnentempel  in  allen  weib- 
lichen Beschäftigungen  zu  unterrichten,  Ngi-li  H,  13a '■'  (Ki):  jf[@^  l^^lc^Z 
WC^^'S~h'  ""<'  ■ä»"'"'''  Li-Id  10  (44),  41b«:    ^l>i-^^^^ 

A±m~nomm^^o^'f<i>'S ^mmm 

^^  — ■  ^"^^^W^^d  ^'    ^^»  ^^^  ^^^'  ^^'^^^  ^^^  Unterweisung  auch  später 


gewesen  sein,  für  die  Urzeit  trifft  es  wohl  schwerlich  zu,  vielmehr  werden 
wir  diese  Sitte  vielleicht  als  den  Rest  eines  freien  Verkehrs  mit  den  jungen 
Männern  deuten  können,  wie  wir  denn  weiterhin  sehen  werden,  daß  die 
Ahnenhalle  ursprünglich  auch  anderen  als  kultischen  Zwecken  diente  und 
in  engem  Zusammenhang  mit  dem  noch  eingehender  zu  behandelnden 
Männerhause  steht.  Der  bis  in  die  höchsten  Kulturen  hineinreichende  Brauch 
einer  Pro])ezeit  vor  der  eigentlichen  Heirat '-'  hat  in  China  später  eine  Wand- 
lung in  der  Form  erfahren,  daß  der  Bräutigam  die  Pferde,  mit  denen  er 
seine  Braut  eingeholt  hatte,  noch  drei  Monate  nach  der  Hochzeit  zurück- 
behielt, um  die  Frau  für  den  Fall,  daß  er  nicht  »zufrieden«  mit  ihr  war, 
d.  h.  wohl,  wenn  sich  keine  Spuren  von  Schwangerschaft  zeigten,  den  Kitern 
zurückzusenden.  Diese  Sitte  finden  wir  mehrfach  im  rii'un-ts'iu  bestätigt, 
a.a.  O.Vni,  IX,  5«:  J  ^ -^^7  5cin5R^:A-  Desgleichen  Ch'un- 
tsmH,in,9':  ^^j^^Ä^^^^.  Vgl.  auch  Legge,  a.a.O.  V, 
S.  298,  wo  direkt  vom  Zurückbehalten  der  Pferde  gesprochen  wird.  Auch 
hier  wieder  läßt  sich  Schritt  für  Schritt  der  Wandel  der  Motive  verfolgen 
bis  hinauf  zu  der  modernen  Form,  nach  welcher  der  Chinese  aus  religiösen 
Gründen   eine    zweite  Fiau    nimmt,  wenn    er  von   der    ersten   keine  Nach- 


1  Biot,  a.  a.  O.  I,  S.  307. 

2  De  Harlez,  I-li  S.  39. 

3  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  432. 

*  Vgl.  dazu  Shi-king  I,  2,  IV,  3  und  Shi-king  I,  2,  II,  2  und  3  (Anmerkungen 
Legges). 

»  Vgl.  Ploß-Bartels,  Das  Weib  Bd.  I,  S.  491 ;  F.  C.  Fischer.  Die  Pi-obenächte 
der  deutschen  Bauernmädchen. 

6    Legge,  Ch.  Cl.V,  S.  369/371. 

'    Legge,  a.  a.  O.V,  S.  41—43. 

Mitt.  d.  Orient.  Sem.  f.  Sprachen.   1915.   I.  Abt.  2 


18  Qüistorp:    Mruinergo^ollscliaf't   iiinl   Altcisklasscii   im   ali<Mi   Cliiiia. 

koiniiu-ii  hat.  Es  lirgt  auf  der  Hand,  daß  die  drei  3Iouate,  wälnend  welcher 
der  Neuvermählte  die  Pferde  zurückbehält,  eine  zeitliche  \'erseliicl)ung  des 
ui-zoitlicheii  Brauches  der  freien  Liehe  sind,  die  eben  nn't  der  Pubertäts- 
zeremonie  bejxiimt. 

Es  wäre  hier  der  Ort,  zur  Bestätigung  der  letzteren  Ausführungen 
noch  allgemein  einen  Blick  auf  das  urzeitliche  Liebesleben  in  China  zu  werfen. 
Diese  Verhältnisse  hat  aber  neuerdings  ]\L  Grauet  ■  in  einem  metliodisch 
überaus  lehrreichen,  man  kann  wohl  sagen  bahnbrechenden  Aufsatz  eingehend 
beleuchtet.  Treffend  zeigt  der  Verfasser  an  den  ältesten  Volksliedern  des 
Sili-king  und  den  Kitualbüchern,  wie  einst  bei  den  alten  Chinesen  und  den 
umwohnenden  Stänunen  ein  freier  Verkehr  zwischen  den  Geschlechtern 
herrschte  und  noch  keine  Spur  von  der  später  zu  unnatürlicher  Prüderie 
ausgearteten  Trennung  der  Geschlechter  vorhanden  war.  Für  unsere  Be- 
trachtung erscheint  uns  vor  allem  auch  die  Tatsache  von  Wichtigkeit,  daß 
die  »Heiraten«  im  ältesten  China  zu  einer  bestimmten  Jahreszeit,  und  zwar 
vorwiegend  im  Frühling,  geschlossen  wurden'-^.  Erinnern  wir  nns  der  oben 
besprochenen  zeitlichen  Aufeinanderfolge  von  Bekappung  (als  Pubertätsfest) 
und  Heirat,  so  dürfen  wir  wohl  die  \'ermutung  aussprechen,  daß  mit  den 
Pubertätszeremonien,  über  deren  zeitliche  Fixierung  uns  die  Quellen  keine 
Angaben  machen,  auch  die  allgemeinen  Heiratsfeste  in  engster  Beziehung 
stehen.  Diese  Erscheinung  wäre  in  der  Ethnologie  keineswegs  einzig  da- 
stehend. Westermarck  ^  kommt  auf  Grund  reichen  Tatsachenmaterials  zu 
dem  allgemeinen  Schluß,  »that  the  pairingtime  of  our  earliest  human  or  half- 
human ancestors  was  restricted  to  a  certain  season  of  the  year,  as  was 
also  the  case  with  their  nearest  relations  among  the  Iower  animals«,  und 
nach  Schurtz  *  hat  sich  diese  Anpassung  an  die  natürlichen  Lebenbedingungen 
erst  in  langer  Entwicklung  durch  Befreiung  von  den  Natureinllüssen  ver- 
loren. Eine  leise  Erinnerung  daran,  daß  Menschen  und  Tiere  einst  das 
gleiche  Naturgesetz  des  sexuellen  Verkehrs  beherrschte,  möchte  ich  im  55.  Ka- 
pitel bei  Lao-tze  ^  finden,  wo  der  heilige  Mensch  mit  einem  vmschiddigen 
Kind  verglichen  wird,  das  unter  anderem  noch  nichts  von  der  Paarung  von 

Männchen  und  Weibchen  weiß:  ji|c  ^D  4^  ifeh  ^ 'o' '  ^^"^^"  Unterschied 
im  Ausdruck  bei  Tieren  und  Menschen  gab  es  einstmals  nicht. 

Nach  diesen  Erüi-terungen  drängt  sich  der  Schluß  auf,  daß  die  über- 
all auftretenden  Pubertätszeremonien  mit  anschließendem  Geschlechtsverkehr 
die  Fortsetzung  eines  uralten  physiologischen  Gesetzes  sind,  die  wir  danmi 
um  so  sicherer  auch  für  die  chinesische  Urgesellschaft  annehmen  müssen, 
als  wir  die  Frühlingspaarungsehe  bezeugt  finden. 


'    RI.  Granet,    Coutumes    Matrimoniales    de    la    Chine    antique,    Toung  Pao, 
Octobre  1912,  S.  517  ff. 

»    Vgl.  M.  Granet,  a.  a.  O.    S.  520  f. 

»    Westerniarck,  The  History  of  Human  Marriage  S.  28. 

♦    Schurtz,  Urgeschichte  der  Kultur  S.  13. 

^    Legge,  S.  B.  E.  39,  S.  99;  Strauß,  Tao-te-king  S.  245. 


Quistorp:    Männersfscllschaft  niid  Altersklassen   Im  alten   Cliina.  19 


Zweites  Kapitel. 
Die  Männergesellschaft. 

A.  Die  Jagd. 

Wurde  oben  bei  der  Besprechung  der  Bekappungszeremonie  das  Vor- 
handensein einer  auf  Sympathie  beruhenden  Männervereinigung  vorausge- 
setzt, so  w^ird  es  in  den  folgenden  Kapiteln  imsere  Aufgabe  sein,  diese  An- 
nahme auch  als  Tatsache  zu  erweisen  und  im  einzelnen  aufzuzeigen,  was 
die  IMänner  zu  einem  festen  \'erband  und  zu  einer  abgeschlossenen  Grupjie 
innerhalb  des  Stammes  zusammenführte. 

Dasjenige  Element,  das  ül)erall  am  wesentlichsten  bei  der  Entfaltung 
des  männlichen  Geselligkeitstriebes  und  der  Entstehung  von  sympathischen 
Gruppen  mitwirkt,  ist  die  Jagd  auf  größere  Tiere  und  die  Abwehr  feind- 
licher Elemente.  Es  ist  ja  ein  typischer  Zug  in  der  primitiven  Gesellschaft, 
daß  die  Männer,  soweit  es  die  natürlichen  Bedingungen  zulassen,  vorwiegend 
karnivor  sind  und  dementsprechend  die  animalische  Nahrungssuche  bevoi'- 
zugen.  Die  Teilnahme  an  der  Jagd,  die  in  ihrer  gemeinsamen  Betätigung 
zugleich  Kraft  und  Gewandtheit  stählt  und  dem  einzelnen  Aussicht  auf  Aus- 
zeichnung vor  den  Stammesgenossen  gewährt,  ist  es  auch  in  China  gewesen, 
die  vor  allem  anderen  den  Jüngling  zum  Manne  machte.  Pfeil  und  Bogen 
waren  daher  von  altersher  Symbol  des  Mannes.  So  wurde  die  Geburt  eines 
Sohnes  durch  Aufhängen  eines  Bogens  an  der  Tür  angekündigt,  Li-ki  5  (12), 

74a»:  ^/jr  ^  ^^'^jSiMf^  i.'  ^desgleichen  werden  sechs  Pfeile 
nach  Hinnnel,  Erde  und  den  vier  Himmelsrichtungen  abgeschossen,  um  ihnen 
die    Geburt   eines    Sohnes    auf    diese   Weise    symbolisch    mitzuteilen,    Li-ki 

5  (12),  74b-  |tAJa*?fiÄ^7^|t^i*ig:;^-  Ebenso  fand 
zu  Ehren  des    neugel)orenen  Sohnes   ein  Bogenschießen    statt,    Li-ki  5  (12), 

^*-'^ -T-JIJloic«- 

Eine  Erinnerung  daran,  daß  die  Jagd  einst  eine  Hauptbeschäftigung 
der  Männer  l)ildete,  sind  ferner  die  großen  regelmäßigen  Jagden,  die  in 
späterer  Zeit  von  dem  König  veranstaltet  wurden.  Die  festen  Regeln,  wo- 
nach sie  sich  vollzogen,  beweisen,  daß  es  sich  um  eine  von  altersher  be- 
stehende, hier  bereits  in  zeremonielle  Formen  gekleidete  Eini'ichtung  und  Be- 
tätigung handelte.  Der  urzeitliche  Charakter  dieser  Jagden  wird  vielleicht 
auch  dadurch  bewiesen,  daß  sie  von  Dorf-  und  Distriktgemeinschaften  aus- 
geübt werden*.  Nach  Chou-li  18,  10b-'  veranstaltete  man  zu  jeder  Jahres- 
zeit eine  dieser  Jagden : 


'  Legge,  S.  B.E.  27,  S.  471. 

2  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  472. 

^  Legge,  S.  B.  E.,  ebendort. 

*  Vgl.  Bücher,  Entstehimg  der  Volkswirtschaft  S.  58. 

5  Biot,  Chou-li  n.  S.  171. 


2* 


20  IJuLsTORi':    .MiiiiiuM-<i;esi-llsrliaft   uiitl   Altcrsklnssc^n   im   alten   (^liina. 

2.  a.;..().lh,l-2b:   ^  1^  ffi' Hl  ^R  »51  ^S  >!' 

3.  a.a.O.  18,  14a:    ^  «  »UH  ^P  j5£  ^  S' 

4.  a.  a.  O.  18,  18b:    ^^\^  }*'/-  [fj  • 

Kbcii.so  wird  Li-ki  3(5),  12  b'  von  (U'ii  periodisclieii  Jagdveranstaltungen  be- 

::^  ^  ^L^^ '^  iS'  I'iteressant  ist  hier  die  Reihenfolge  der  Zwecke, 
denen  diese  Unternehnumgen  nach  dem  Text  dienten.  Die  Verwendung 
des  Fleisches  zu  Ojjl'erzwecken  wird  ehedem  wohl  schwerlich  der  Hauj)t- 
grund  der  Jagd  gewesen  sein.  Die  Befriedigung  des  Nahrungsbedürfnisses 
ist  bescheidenerweise  an  die  letzte  Stelle  gerückt,  obwohl  es  ausschlaggebend 
war  zu  einer  Zeit,  wo  noch  kein  Ahnenkultus  existierte;  ein  Beispiel,  wie 
im  Laufe  der  kulturgeschichtlichen  Entwicklung  ursprünglich  nebensächliche 
Zwecke  sehr  bald  als  Hauptmotive  empfunden  werden. 

Wie  einst  die  Jagd  auch  geradezu  als  ein  Vorspiel  zum  Kampf  gegen 
fremde  Stämme  aufgefaßt  wurde,  geht  hervor  aus  Chou-li  8,  39  b  *,  wonach 
bei  den  großen  Jagden  die  Trommeln  geschlagen  wm-den,  um  die  Ankunft 
des  Feindes  zu  versinnbildlichen:    ffl^^//F»^P^i    dazu  sagt  der  Kom- 

...entar:    mm^MZ^  'ji^  W^M  ü"®- 

B,   Das  Männerhaus. 

Im  Anschluß  au  die  Jagd  könnte  wohl  naturgemäß  eine  Besprechung 
des  Bogenschießens  folgen.  Aber  diese  und  alle  übrigen  gemeinsamen  Be- 
tätigimgen  der  Männer,  die  noch  betrachtet  werden  sollen,  sind  eng  an  eine 
bestimmte  örtlichkeit,  das  Männerhaus,  als  den  Mittelpunkt  aller  Zusammen- 
künfte gebunden.  Wir  müssen  daher  nun  diesem  sichtbarsten  Ausdruck 
der  Männergesellschaft  unsei-e  Aufmerksamkeit  zuwenden,  um  eine  einheit- 
liche Behandlung  des  Stoffes  zu  ermöglichen. 

Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  daß  sich  das  ^^^nnerhaus  in  China 
imr  noch  in  abgewandelten  Formen  erhalten  hat.  Vergeblich  würden  wir 
nach  einer  örtlichkeit  suchen,  die  der  Definition  von  H.  Schurtz  ^  entspräche. 
Hier  vor  allem  macht  sich  die  kulturelle  Fortentwicklung  imd  Differenzierung 
eines  Urzustandes  bemerkbar.  So  trägt  das  Männerhaus  nicht  mehr  den 
Charakter  des  Zusammenkunftsortes  einer  auf  Gleichheit  der  Lebensweise 
und  des  Standes  beruhenden  Gruppe  von  Männern,  sondern  entsprechend 
einer  höheren  wirtschaftlichen  Stufe  und  Herausbildung  von  Machtverhält- 
nissen ist  es  in  den  Besitz  des  Königs,  d.  h.  des  Stammeshäuptlings,  über- 
gegangen und  vielfach  anderen  Zwecken   angepaßt.     Bei   der  Vergleichung 

*    Legge,  a.  a.  O.  27,  S.  220. 

2  Biot,  Chou-li  I,  S.  268. 

3  Vgl.  S.  6. 


Quistorp:    Mäimcrgesellscliaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  21 

der  einzelnen  Momente  blickt  aber  überall  eine  Uribrni  durch,  die  für  eine 
unbefangene  Betrachtung  das  Bild  eines  typischen  Männerhauses  gewährt. 
Freilich  ist  bei  der  Zei-streutheit  des  Quelleiunatcrials  und  der  Aneinander- 
reihung bestimmter  Tatsachen,  die  für  sich  zu  behandeln  sind,  eine  klare 
Übersicht  über  die  Erscheinungsformen  sehr  erschwert.  Es  taucht  dabei 
eine  Fülle  von  Einzelproblenien  auf,  die  dem  Charakter  dieser  Arbeit  ent- 
sprechend oftmals  nur  angedeutet  werden  können,  um  eingehenden  Spezial- 
untersuchungen vorbehalten  zu  Ijleiben. 

Bevor  wir  nun  in  eine  Besprechung  der  mannigfaltigen  Zwecke,  denen 
das  Männerhaus  diente,  eintreten,  wollen  wir  einen  kurzen  Überblick  über 
die  verschiedenen  Bezeichnungen  der  Quellen  für  diese  örtlichkeit  geben  ^ 

Die  älteste  Form  des  Männerhauses  tritt  uns  wohl  in  dem  Pi-yung 
J^Y:  J^  entgegen,  das  sich  in  seinen  Fortsetzungen  bis  heute  erhalten  hat. 
A.  Conrady^  sagt  von  dem  Pi-yung  in  Peking:  »Inmitten  eines  weiten  Vier- 
ecks nun  lange  verödeter  Studentenzellen,  vor  denen  in  Stein  gehauen  die 
Werke  der  Klassiker  Wache  halten,  erhebt  sich  auf  marmorner  Plattform, 
umzirkt  von  dem  dunklen,  grün  übersponnenen  Wasser  eines  breiten  Grabens, 
der  feierliche  Ernst  einer  hölzernen  Halle:  das  Pi-yung-kung,  wo  einst  der 
Kaiser  selbst  die  Klassiker  auszulegen  und  die  Schüler  zu  bestrafen  pflegte. 
Seltsam!  Der  Sitz  der  Musen,  der  Tempel  der  Wissenschaft  wie  eine  Festung 
bewehrt,  eine  Zitadelle  und  Wasserburg?  Und  in  der  Tat  hat  es  in  grauen 
Tagen  —  denn  die  Schauer  der  Vorzeit  umschweben  den  Bau,  obwohl  er 
nicht  zwei  Jahrhunderte  zählt:  ist  er  doch  der  jüngste  Sproß  einer  Ahnen- 
reihe, die  schon  seit  nahezu  drei  Jahrtausenden  in  der  Literatur  genannt 
wird  —  in  der  Tat  hat  es  dazumal  auch  weit  anderen  Zwecken  noch,  ja 
vorzugsweise  kriegerischen,  gedient.«  Erwähnt  finden  wir  dieses  Pi-yung 
zuerst  Shi-king  IUI,  VHP: 

Str.  1.   g^Ä^Mo       ^'''  3-    ^fftUÄ 

Mmmm 

Es  wird  uns  hier  als  ein  von  Wen-wang  für  gesellige  Zusammen- 
künfte errichtetes  Gebäude  geschildert.  Legge*  scheint  anzunehmen,  das 
J^  M^  der  Strophe  3  sei  eine  von  dem  "^^^  (Str.  1)  verschiedene  Stätte; 
zu  dieser  Annahme  liegt  aber  gar  kein  Grund  vor.  Aus  dem  Zusammen- 
hang geht  vielmehr  hervor,  daß  beide  Ausdrücke  nur  verschiedene  Eigen- 
schaften desselben  Gebäudes  bezeichnen:   jg»  ^  bringt  seine  Lage  auf  einer 


*  Aus  praktischen  Gründen  sei  es  gestattet,  für  diesen  Mittelpunkt  der  ge- 
selligen Männerzusammenkünfte  von  jetzt  an  die  Benennung  »Männerhaus«  einzu- 
führen, wenn  das  Vorhandensein  dieser  Einriclituiig  in  China  auch  erst  im  Laufe  der 
Darstellung  erwiesen  werden  kann. 

2  A.  Conrady,  China  S.  488. 

3  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  456  f. 

*  Legge,  a.  a.  0.  Anm.  zu  Str.  .3. 

°    Über  die  Bedeutung  des  Zeichens    Sfin    vgl.  S.  2.3  f. 


22  l^risTORi-:    Mäiiiiergesellscliaft   und    Altfi>klas>eii   im  alten   China. 

Knlterrasse  zum  Ausdruck,  während  J^||  (zusainuKiigesetzt  aus  den  Zeichen 
für  •Ti'ich-  und  -Dacli«)  das  an  bzw.  in  einem  Teich  <j;ele<;ene  Gebäude  ist". 
Dii'ses  Pi-yunju;  war  aber  niclit  etwa  eine  besondere  Einrichtung  des 
Köiugs,  ts  fhidet  sicli  auch  bei  den  Vasallen  und  anderen  Großen  des 
Reiches  und  wird  hier  in  den  Quellen  Pan-kung  jf^  ^  genannt 2,  weil  es 
bei  diesen,  gemäß  der  Schcmatisierungssucht  der  Chinesen,  nur  zur  Hälfte 
von  einem  Wassergraben  umgeben  sein  durfte.  Später  finden  wir  nun  das 
Pi-yung  imter  dem  Namen  <^  wieder,  zu  einer  Zeit  nämlich,  wo  es,  den 
liöheren  Kulturzwecken  angepaßt,  in  eine  königliche  Lehranstalt  für  zu- 
künftige Beamte  umgewandelt  ist.  Die  Identität  jener  alten  Wasserburg 
mit  der  späteren  Bildungsstätte  ersieht  man   aus  Li-ki  3  (5),    11  b^:   ^  Hp 

irt<:fij*#^*- ^ 7- H^iteosSfÄEi *«•§■• 

Wann  diese  Umbildung  stattgelundeii  liat,  läßt  sich  natürlich  nicht  mehr 
zurückverfolgen,  um  so  weniger,  als  Zustandsänderungen  vorhandener  Exi- 
stenzformen niemals  plötzlich,  gleichsam  katastrophal,  sondern  allmählich 
und  schrittweise  voi*  sich  gehen.  Der  Kommentar  ninunt  einer  primitiven 
Geschichtsauffassung  entsprechend  als  festen  Zeitpunkt  das  Auftreten  der 
Chou  an.  Hätte  das  Männerhaus  im  elften  vorchristliclicii  .laliriuuuleit  schon 
diesen  Gi-ad  kultureller  Umformung  erreicht  gehabt*,  so  wäre  damit  ein 
Schluß  auf  das  hohe  Alter  der  chinesischen  Kultur  überhau])t  gestattet, 
wenn  man  bedenkt,  welche  Entwicklungsperiode  das  Pi-yung  erlebt  haben 
mußte,  um  einem  derartigen  Bedeutungswandel  zu  unterliegen. 

Nicht  klar  sind  ferner  di<'  verschiedenen  Bezeichnungen  der  Schulen 
als  1^,  J^,  *^',  um  nur  die  wichtigsten  zu  nennen.  In  den  Quellen  finden  sich 
Widersprüche  in  bezug  auf  ihre  Herkunft.     So  lieißt  es  einmal  Li-ki  6  (14). 

^^-,'^'S  .m^:-^-  Mencius  dagegen  sagt  111,1,  111,10«:   |^  @ 

ff.jfmf^mz MBmj&Bj^jMBi$. 

^^  ^ij  — -^ 'f^  it  ^ .  Soviel  ist  zu  ersehen,  daß  die  einzelnen  Namen  der 
Schulen  auf  die  verschiedenen  Dynastien  zurückgeführt  werden.  Wir  er- 
innern mis  dabei  der  verschiedenen  Bekappungszeremonien^,  wo  ja  derselbe 
Fall  vorlag.  Auch  hier  wird  es  sich  um  Differenzierungen  einer  Urform 
handeln,  die  in  lokalen  Varianten  ihren  Ursprung  h.aben  imd  dann  später 
von  dem  mächtigsten  Stamm,  den  Chou,  zu  einem  Komplex  von  Gebäu- 
den vereinigt  win-den.     Diese  Vernnitung  wird   bestätigt  durch   Li-ki  4  (8), 

'  Ülier  die  Erklärungsversuclie  der  ohinesischeu  Interpreten  \gl.  Legge,  a.  a.  0. 
IV,  S.  45(5  f. 

2   Shi-king  IV.  2.  III:  Legge,  Cli.  Ol.  IV,  S.  OIG. 

»   Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  219. 

*  Diese  Annahme  i.st  einigermaßen  /.weifeiliaft  angesidits  der  Tatsache,  daß 
es  noch  in  der  Cliou-Zeit  das  Zentnnn  kriegerisrlier  l'nternelimnngon  und  Gelage 
usw.  war,  vgl.  Slii-king  IV.  2,  III  und  S.  28  f. 

^  .Legge.  S.  B.  E.  28.  S.  3(i. 

«    Legge,  Ch.  Cl.  II.  S.  242. 

■    Vgl.  S.  9  f. 


Qi'istorp:    Mäiinergesellscliafi  und  Altersklassen  im  alten  China.  23 

Dazu  inaclit  der  Koninientar  folgende  Bemerkung  über  die  einzelnen  Lehr- 

Wir  werden  uns  demnach  den  Vorgang  so  zu  denken  haben,  daß  sich 
die  Schule  in  der  Residenz  des  Königs  mit  der  Zeit  in  verschiedene  Neben- 
gebäude sonderte.  Die  Beschäftigungen  der  .Schüler  wurdeii  auf  die  einzelnen 
Gebäude  verteilt,  wähi-end  sie  einstmals  an  einem  Ort  ausgeübt  vi^urden,  und 
so  mag  die  Schilderung  wohl  zutreffen,  welche  Legge-*  dem  Liu  Chang  ent- 
ninunt:  »LTnder  thc  Chou  they  had  its  ovvn  schools  and  those  of  the  three  Dy- 
nasties,  four  buildings  all  erected  in  the  proximity  to  one  another.  Most  in  the 
centre  was  thc  Pi-yung  of  Chou  itself.  On  the  north  of  it  was  the  school  of 
Shun  (the  lord  of  ,lü),  on  the  east  that  of  Ilsia,  and  on  the  west  that  of  Shang.« 

Ist  auch  kaum  völlige  Klarheit  über  die  Vielheit  von  Benennungen  zu  ge- 
winnen, so  scheinen  sie  dennoch  alle  auf  eine  gemeinsame  Wurzel  zurückzu- 
gehen und  stehen  offenbar  in  engem  Zusammenhang  mit  einer  auf  geselligem 
Zusammenleben  gegründeten  Männervereinigung.  Um  das  zu  erweisen,  be- 
trachten wir  nunmehr  die  verschiedenen  Zwecke,  denen  das  Männerhaus  und 
seine  späteren  Formen  dienten. 

1.    Kultusstätte. 

Siclier  bezeugt  ist  es  zunächst  als  Kultusstätte.  Alle  Anzeichen  sprechen 
dafür,  daß  hier  ein  großer  Teil  der  gemeinsamen  kultischen  Betätigung 
überhaupt  seinen  Ausgangspunkt  genommen  hat.  Kommen  wir  noch  ein- 
mal auf  die  Bezeichnung  des  Pi-yung  als  ^s^^  zurück.  ^^  »geisterhaft« 
setzt  sich  ja  zusammen  aus  den  Zeichen  für  »Regen«,  »Zauberer«  und  drei 
Mündern,  deutet  also  auf  einen  primitiven  Kultus,  bei  welchem  durch  Be- 
schw(")rungen  Regen  zur  Beseitigung  anhaltender  Dürre  herbeigezaubert 
werden  sollte.  Solche  Kulte  sind  ja  bei  den  entsprechenden  Naturbedin- 
gungen allgemein  verbreitet.  Im  Vergleich  mit  dem  folgenden  Material  sind 
wir  sehr  wohl  zu  der  Annahme  berechtigt,  daß  die  primitiven  Zaubei'kulte 
vornehmlich  in  der  Männergesellschaft  und  im  Männerhaus  ausgeübt  wurden*. 


1   Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  345/46. 

^  Es  handelt  sich  hier  vielleicht  um  denselben  Versnch  der  Zentralisierung, 
der  später  die  Ts'hi  und  Han  veranlaßte,  den  Opferkulten  der  einzelnen  Distrikte 
auch  in  ihrer  Hauptstadt  eine  Stätte  zu  gewähren. 

3   Legge,  S.B.E.  27,  S.  346. 

*  Die  ideographische  Interpretation  des  Zeichens  ^a  gibt  liier  ohne  Zweifel 
am  besten  den  Siini  wieder.  Legge  bemerkt  dazu:  »it  is  difticult  to  determine  the 
exact  meaning  of  ^^  as  apjilied  to  the  tovver,  park  and  pond«  (Ch.  Cl.  IV,  S.  456, 
Aimi.  zu  Str.  1).  Es  hat  aber  nichts  Auffallendes,  wenn  ^fe'  auch  als  Attribut  zu 
dem  Park  und  dem  Teich  tritt.  Wir  haben  es  hier  mit  einer  der  häufig  \orkommen- 
den  psychologischen  Verschiebungen  zu  tun,  indem  die  ursprüngliche  Bedeutung  des 
Zeichens  in  den  Hintergiimd  trat  und  eine  ehrfurchtsvolle  Bezeichnung  für  das  Ganze 
der  Anlage  Avurde. 


24  QuisToHi-:    Mäimerfrosellscliaft  und   AIt('i>klaSMMi  im  aliiMi  Cliiiia. 

Kiiie  di'utliche  Eriiiiicniiiu;  an  die  kiiltisclic  Betäti-fuiij;  im  Männcr- 
liause  sind  mm  weiter  die  Opfer  in  den  Scluileii,  die  sicli  wolil  nur  im 
ZusainnuMihnn«;  mit  den  einsti}j;en  primitiven  Foiinen  dieser  örtliclikeit  er- 
klären lassen.  Hezeiehnenderweisc  wird  die  Erlernung  der  Zeremonien 
durch  ein  Opfer  eingeleitet.  Es  ist  ja  ein  überall  wiederkeln-cuder  Zug 
auf  primitiven  Kulturstufen,  daß  die  zur  Zeremonie  erstarrten  Ausdrucks- 
formen vergangener  Zustände  und  Sitten  im  Laufe  der  Entwicklung  geradezu 
ein  Hfstandti'il  des  religiösen  Empfindens  werden,  bis  mau  ihren  Ursprung 
schließlich  auf  eine  kultisch  verehrte  höhere  Macht  zin-üekführt.  Eine  ein- 
gehende religionsgeschichtliche  Untersuchung  wird  noch  aufzuzeigen  ha])en, 
in  welchem  Grade  die  Männergesellschaft  an  der  P^ntstehung  derartigei- 
\'()rstellungsreihen  beteiligt  ist. 

Das  Opfer  beim  Eintritt  der  Scliüler  ins  »College«  wii-d  Cliou-li  ()  (14). 
44  a  '  erwähnt:  ^^  A  'S^  #  ^^  ^  ^ •  Desgleichen  Li-ki  3  (6),  53a  und  1,  ^ : 
hnr  -frh'^TF^^^^^-  Daß  in  dem  M^  selbst,  nicht  etwa  au 
einer  in  der  Nähe  liegenden  besonderen  Stätte  geopfert  wurde,  geht  klar 
hervor  aus  Li-ki  4  (8),  28aS  wo  es  heißt:  /L^Q^1^?f  §^Ä 
^grß,  ähnlich  Li-ki  6  (18),  92a^:^^^^^]J^^^.Beachtens- 
wert  ist  die  Erwähnung  der  Lederkappe  %  ihr  Gelnaueh  bei  den  Opfern 
in  den  Schulen  weist  auf  das  undifferenzierte  Nebeneinander  von  Zwecken, 
denen  dieser  Ort  in  der  Urzeit  diente. 

In  dem  ^^  werden  nun  weiterhin  auch  die  Ahnen  anwesend  gedacht, 
wie  besonders  aus  Li-ki  .j  (10),  16a'^  hervorgeht:  -^^  ^^  tJ^ ^ ^ ^  _tl 
»^  >|^\ -^  ;^  ^  ^  ^p 's* ' .  Diese  Stelle  ist  auch  noch  in  anderer  Be- 
ziehimg  interessant.  Aus  dem  Kommentar  erfahren  wir  nämlich,  daß  dieses 
Opfer  in  dem  »^  dem  Hou-tsih,  also  dem  Ahnherrn  der  ("hou-Dynastie  und 

Schutzherrn  des  Ackerbaues  galt:  §  ^ePjjfüJiJl  g  g^  iE,^  ^^J^^I'S* 
"o"^^*  ^'^'  \^'\tA  gleichsam  der  Kam[)f  zweier  verschiedener  Kulte 
veranschaulicht.  Bezeichnenderweise  geht  das  Opfer  an  Ilou-tsih  dem 
Shang-ti-0[)fer  voran;  das  halte  ich  für  die  treue  Widerspiegelung  einer 
bestinnnten  religionsgeschichtlichen  Entwicklung.  A  priori  werden  wir  Ja 
schon  die  Entstehung  des  monotheistischen  Shang-ti-Kulte«  in  eine  verhältnis- 
mäßig späte  Zeit  zu  verweisen  haben.  Ilou-tsili  dagegen  ist  wahrscheinlich 
eine  alte  Totemgottheit;  denn  die  Bezeichnung  »P'ürst  Hirse«  bedeutet  wohl 
schwerlich   ursprünglich  einen  Amtsnamen  ^   wie   man   auf  Grund  der  euhe- 


»  Blot,  Chou-ii  II.  S.  46. 

»  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  201. 

'  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  347. 

♦  Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  84. 

"  Vgl.  S.  12. 

«  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  407. 

V  per  Knmiiieiitar  erklärt   ^.p/^    '^""■'■''    Wi^<l^^ 

"  ^'k'-  ^it    "Gottlieit  i:rde". 


l^)risr()i;r:    -MiiiiiiLTgesellschaft  und  Alter.skla.sscii  im   altem   Cliina.  25 

niei-istisclieii  Uiiilarhimg  des  Shu-king  geineiiiliin  anzuneliinen  pUcgt.  Nicht 
Götter  der  Erde  und  des  Ackerbaues  hat  mau  ursprünglich  kultisch  verehrt, 
sondern  die  Objekte  selbst',  die  im  Kampf  ums  Dasein  einen  großen  Dienst 
leisteten,  so  vor  allem  Tiere  und  Pflanzen^.  Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  die 
Verbreitung  totemistischer  Vorstellungen  in  der  ältesten  chinesischen  Mytho- 
logie zu  erweisen.  A.  Conrady  hat  bereits  im  Zusammenhang  auf  diese 
Erscheinung  aufmerksam  gemacht  ^  Der  Toteniismus  als  Unterstufe  des 
Animalisnuis  ist  ja  ein  typisches  Durchgangsstadimn  in  der  Entwicklung- 
religiöser  BegritFe*,  er  wird  um  so  sicherer  in  China  vorhanden  gewesen  sein, 
als  er  die  nächste  Vorstufe  des  eigentlichen  Almenkultus  bildet.  Schui'tz^ 
s[)richt  schon  die  Vermutung  aus,  daß  der  Totendcult  ursprünglich  von  der 
Männergesellschaft  ausgegangen  sei,  und  Wundt  koimnt  ebenfalls  zu  dem 
Resultat®,  daß  innerhalb  der  primitiven  Clans  Totcmknitgruppen  existieren; 
wo  anders  als  in  der  Männergesellschaft  imd  dem  Männerhaus  sollten  sie 
ihren  Ausgangspunkt  hal)en^;'  Hier  ist  der  Ort,  wo  zuerst  Tieren  und 
Pflanzen  als  den  Urhebern  bestinunter  Kulturguter  kultische  \'ere.hrung 
zuteil  wird,  bis  der  Tier-  oder  Ptlanzenahne  in  den  nienschlichen  Ahnen 
übergeht.  Dabei  haftet  dann  zunächst  die  Erinnerung  an  der  Persönlichkeit 
des  Häuptlings,  weil  sie  sich  am  leichtesten  einem  primitiven  Gedächtnis 
einprägt.  Ein  Beispiel  hierfür  ist  die  Verehrung  des  llou-tsih  im  Männer- 
haus: eine  Totemgottheit  wird  personifiziert  und  schließlich  als  Ahnherr 
des  ganzen  Clans  verehrt. 

Soviel  scheint  jedenfalls  festzustehen,  daß  sich  zum  mindesten  ein 
Stück  des  Ahnenkultus  im  Männerhaus  erhalten  hat.  Wir  können  aber 
noch  weitergehen  und  die  \'ermutung  aussprechen,  daß  der  Ahnenkultus 
überhaupt  seinen  Ursprung  in  diesem  Mittelpimkt  gemeinsamer  Betätigung 
hat,  indem  wir  die  Ahnenhalle  und  ihre  Eigenschaften  etwas  näher  ins 
Auge  fassen. 

Dabei  stellt  sich  nämlich  heraus,  daß  der  Ahnentempel  auch  noch 
vielen  anderen  Zwecken  dient,  die  in  unmittelbarem  Zusammenhang  mit 
dem  Männerhaus  stehen.  Zunächst  wird  die  Ahnenhalle  in  den  ältesten 
Quellen  vielfach  nicht  jfiR,  sondern  ^  genannt,  dieselbe  Bezeichnung  also, 
die  dem  Pi-yung  und  ebenso  den  späteren  Schulen  beigelegt  wurde  ^.  So 
heißt  es.  z.  B.  Shi-king  IV,  2,  IV,  1  ^  von  den  Ahnenhallen,  die  der  Eih-st  von 

1  Vgl.  S.  33. 

2  Vgl.  darüber  Hoernes,  Urgescliiditc  der  bildenden  Kunst  in  Europa  S.  105 f.; 
Wundt,  Elemente  der  Völkerpsychologie  S.  188  f. 

^  Conrady,  China  S.  484  f.  und  491.  Nicht  zu  verstehen  ist,  wie  de  Groot 
(Religious  .System  of  China  IV,  S.  271)  zu  dem  Srliluß  konunt.  es  habe  in  Cliina 
keinen  Totemismus  gegeben. 

*    Vgl.  Wundt,  Völkerpsychologie,    Mythus  und  Eeligion  II.  2.  Teil  S.  234  f. 

=    Schurtz,  Altersklassen  und  Männerbünde  S.  167  und  208. 

«    Vgl.  S.  t). 

^    Über  die  Anwesenheit  der  Frau  im  Ahnentempel  vgl.  S.  51. 

»   Vgl.  S.  20fF. 

»   Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  620. 


2(.)  (^risroRi-:    .Mäiincr^'CM'llscliali   und   Altersklassen  im  alten  Cliina. 

Lu  wieder  neu  aulgehaut  liatte:  ^'^-^jj^-  Desgleichen  in  dem  ei- 
;iiTifendon  Klagelied  des  Königs  Süan  über  die  Dürre,  Shi-king  III.  3,  1\'  ': 
^ '/i^  )Ii'*i'^jÜli  A  ^Hü'^-  '^"^'''  ei"'gti  Beispiele  aus  den»  (ii'iin-ts'iu 
mögen  aufgeführt  werden,  wo  die  Ahnenhalle  durch  ^  wiedergegeben 
ist,  a.  a.  ().    I,  5,   P:     ;/l  >J  ,#  #  ^  ^ 'S*'    ^-  ^-  <^-   ^^'^J'  ^'  4  ^=     ^ 

Im  Zusanunenhang  hiermit  soll  ein  Shi-king-Lied  angefüln-t  werden, 
das  sich  nach  der  landläufigen  Auffassung  auf  den  Ahnenkultus  bezieht,  8hi- 

kin« i,i II«:  T«:?cfeoTv'"T-vJtoTWffl<:o4Vf>i;>'s'- 

Die  Ahnenhalle  wird  hier  wiederum  *^  genannt.  Weiter  ist  zu  beachten 
die  Erwähnung  des  Teiches  vS,  an  dem  die  Kräuter  für  den  Opferdienst 
gepllückt  werden.  Vergleicht  man  damit  den  di-eimal  wiederkehrenden  Re- 
frain in  dem  oben  augeführten  Shi-king-Lied  IV,  2,  III":  y§>  ^ '/^  ^JC 
^M-^^^ä.^-,  so  wird  es  wahrscheinlich,  daß  es  sich  in  beiden  Fällen 
um  dieselbe  örtlichkeit  handelt,  in  der  die  Kräuter  geopfert  werden,  näm- 
lich um  das  an  einem  Teich  gelegene  Männerhaus  **.  Beide  Lieder  geben 
uns  ein  anschauliches  Bild,  wenn  man  von  den  historischen  Anspielungen 
und  dem  moralischen  Beigeschmack,  den  die  chinesischen  Kommentatoren 
hineininterpretieren,  absieht  und  sie  als  Arbeitslieder  aiiffaßt,  die  beim  ge- 
meinsamen  Pllücken  der  Kräuter  gesungen  wurden^. 

Auf  den  Zusammenhang  zwischen  dem  .^ISH,  dem  eigentlichen 
Aimentempel.  und  dem  Pi-yung  könnte  vielleicht  auch  die  allerdings  etwas 
unklare  Stelle  Li-ki  5  (11),  35a  und  b '°  hinweisen:  K  ^  Q  3E  JLL 
"f  yS  SjB^^^'  ^^^  Kommentar  erklärt  yp  durch  yp  §*  und 
fährt  fort:  ^ 's*  j^  ^f^C  V^ •  Es  besteht  wohl  kaum  ein  Zweifel,  daß 
hier  das  Pi-yung-kiuig  gemeint  ist.  Alle  wichtigeren  Angelegenheiten 
werden  den  Ahnen  in  der  Ahnenhalle  mitgeteilt,  hier  holt  man  sich  Rat, 
mn,  des  Beistandes  und  Erfolges  sicher  zu  sein,  eine  Ei'innerung  an  die 
Zeit,  wo  eben  das  Männerhaus  Ausgangspunkt  aller  gemeinsamen  Unterneh- 
mungen war. 

'    Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  529. 

2  Legge,  a.  a.  0.  V,  S.  17. 

3  Legge,  a.  a.  O.  V,  S.  349. 

*  Legge,  a.  a.  O.  V,  S.  358. 

*  Legge,  a.  a.  O.  V,  S.  656. 
«    Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  22. 

'    Legge,  a.  a.  O.  IV,  S.  616. 

"  Vgl.  auch  Shi-king  II,  7,  VIII,  1,  2  (Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  401)  und  die  Üden. 
die  heim   Bogenschießen  gesungen  werden  (S.  31). 

*■'  .Vgl.  die  chinesischen  Lieder  dieser  Art,  welche  nach  Mitteilung  Conradys 
Bücher:  Arbeit  und   Khytlimus,  4.  Aufl.  1909,  S.  121  f.   anführt. 

'"    Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  42S.    Vgl.  auch  Legges  Anmerkung  zu  dieser  Stelle. 


QiisTDia':    Mäiuiergesellschaft  iiiul  Altcr.sklasben  im  altou  China.  27 

Zu  erwähnen  ist  hier  noch  das  0H  ^^,  ein  Gebäude,  das  im  Li-ki 
mehrfach  als  Bezeichnung  für  den  Ahnentempel  der  Chou  vorkommt,  Li- 
ki6(14),3aa':  ^^  ^  ^MM  ^f^M '^  Zit'  I"  erster  Linie 
diente  es  offenbar  religiösen  Zwecken,  a.  a.  O.  6  (14),  37b^:  ">/c  f$H  3'C 
^  ^  ^.  Der  Kommentar  sagt  da/.u :  :g  ÖE  t|^  ^o^  7^  Hl  ^0  ?3 
*^J^^|J.  Auch  im  Chou-li  wird  das  Bfl  ^s*  '^'s  ein  s])ezifisches  Ge- 
bäude der  Chou  erwähnt,  a.  a.  O.  30,  6a^:  j^  A  RH^-  »Seiner  ganzen 
Anlage  nach  repräsentiert  es  wahrscheinlich  eine  sehr  primitive  Form  des 
alten  Männerhauses,  wie  vor  allem  aus  Shi-ki  28,  34  b*  hervorgeht,  wo 
uns  das  00  *^  des  Huang-ti  als  eine  ringsum  offene  Halle  mit  Sti'ohdach 
und  von  einen)  Wassergraben  umgeben  geschildert  \vird ". 

Der  Darsteller  der  Ahnen  beim  Opfer,  J^ ,  ist  ebenfalls  im  '^  an- 
wesend, Li-ki  5  (11),  47b®:  ^i~'J^^?  wie  denn  im  Zusammenhang 
hiermit  vielleicht  auch  Tso-chuan  V,  "231  bis  233  erwähnt  werden  darf:   S 

^'J"^-!!  ^^  ^^P^^  ^^ 'SL'  tlierin  dürfen  wir  wohl  ein  Zeugnis  dafiir 
sehen,  daß  im  Ming-t'ang  als  der  Stätte  des  Totenkultes  einst  überhaupt 
die  Krieger  verehrt  wurden. 

Interessant  für  die  spätere  Differenzierung  des  Männerhauses  ist  Li-ki  3 

(5),i5b-^^;^j||^HflSHSolß^jm:ilirfn-b-D'''«Si' 

ursprünglich  wohl  ein  Teil  des  Männerhauses,  wird  schließlich  ein  eigener 
Ahnentempel,  der  entsprecliend  dem  Rang  noch  wieder  in  mehrere  Unter- 
räume zerfällt.  Die  obenerwähnte  Tatsache  konunt  damit  zum  Ausdruck, 
daß  eben  die  Erinnerung  auf  einer  primitiven  Stufe  am  längsten  an  der 
Person  des  Stammesoberhauptes  und  seiner  Ahnen  haftete  und  somit  das 
von  ihm  okkupierte  Männerhaus  in  besonderem  Maße  eine  Stätte  des 
Ahnenkultus  wurde.  Die  späteren  Tempel  sind  von  dieser  primitiven  Kul- 
tusstätte zu  trennen,  sie  haben  infolge  der  alles  beherrschenden  Ahnenver- 
ehrung überhaupt  nicht  die  kultische  Bedeutung  in  China  erlangt  wie  in 
anderen  Kulturen,  und  selbst  der  König  ist  doch  schließlich  als  der  «Him- 
melssohn« nur  der  höchste  verehrte  Ahne  im  Reich,  die  letzte  Stufe  eines 
organischen  Entwicklungsprozesses.  Im  allgemeinen  scheint  die  Vermutung 
zuzutreffen,  daß  der  selbständige  Tempel  erst  auf  ausländischen,  namentlich 
buddhistischen  Einfluß  zurückgeht. 

1  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  30. 

2  Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  34. 

3  Biot,  Chou-li  II,  S.  .=)61. 

^    Chavannes,  Mrmoires  historiques  III,  S.  öll. 

"  Nach  Shi-ki  28,  85  a  (Chavannes,  a.  a.  0.  III,  S.  512)  wird  in  diesem  Ge- 
bäude geopfert:  J^^  _\\i^  ^  *^ '  ^""  einem  Almeiitempel  mit  Strohdach  hören 
wir  auch  Tso-chuan  V,  87  bis  40:   ^\^^j^J^^j^- 

6   Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  444. 

^   Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  223. 


28  QriMOKi':    .MäiiiuMnosollsehaft   imd    Altersklassen  im   alten   Cliiiia. 

Nach  allciit'iu  scheint  mir  die  Venmitiinj;  gerechtfertigt,  daß  der 
Ahnenkultus,  der  wesentlichste  Bestandteil  religiösen  Kinpfindens  in  China, 
seinen  Ursj>rung  im  Männerhaus  hat,  um  sich  schließlich  am  Endpunkt  der 
Kntwicklung  his  in  jede  Einzellamilie  zu  erstrecken,  ganz  analog  dem  Ver- 
lauf des  Totemisnuis,  der  ebenfalls  zuerst  inuner  ein  Stammeskidt  ist,  tun 
dann  in  eine  Vielheit  von  individuellen  Totems  auszumünden.  Diese  An- 
nahme für  die  Kntwickhmg  des  chinesischen  Ahnenkultus  im  einzelnen 
näher  zu  hegründen,  liegt  außerhalb  der  Aufgabe  dieser  Arbeit. 

2.  Ausgangspunkt  kriegerischer  Unternelimungen. 

Verfolgen  wir  nun  weiter,  welchen  anderen  Zwecken  das  Männer- 
haus diente,  so  konunt  es  zunächst  als  Ausgangs])unkt  der  kriegerischen 
Unternehmungen  in  Betracht.  Nach  Li-ki  3  (5),  12  a'  holt  sich  der  König 
seinen  Auftrag  zu  dem  Feldzug  von  den  Ahnen  im  Tempel  und  den  Plan 
dazu  im    »College«,    also  im  Männerhaus:    ^-^ij^  ^jj  :^]£ 

*San1^ii'^  ^  J&H^S^'  Ebenso  berichtet  er  nach  der  Rückkehr  den 
Ahnen  von  den  Krlulgen  seines  Zuges.  Daher  ist  das  Männerhatis  auch 
der  Ort,  wohin  von  allen  Gegenden  die  fremden  Stämme  zur  Unterwerfung 
kommen,  Shi-king  111,  1,  X,  6^  heißt  es:  i^^^^j^^  Ö  ®  Ö  Ko 
g  fg  g  ^[^o  ^  >S  ^1^'     ^^^^^^   '^*   ^'"   ^'f^''"gleichen   Shi-king  IV,  2, 

III,  .5^:    ,<J^«  ^ gt^^^'B'o  i^^lkM'    D«^  Znsammenhang 

zwischen  diesem  Männerhaus  und  der  Unterwerfung  der  Feinde  scheint 
mir  hiei'uach  näher  zu  liegen,  als  Legge  annimmt,  wenn  er  in  seiner  An- 
merkung zu  dieser  Stelle  sagt:  »L.  4  seems  to  say  that  the  making  of  the 
College  would  make  the  tribes  of  the  Hwae  submit.  They  would  care  very 
little  or  nothing  about  it.-  Die  Bemerkung  Legges  ist  schon  deshalb  hin- 
fällig, weil  er  mißverständlich  übersetzt.  ^^^^Ix"fl^  heißt  ja  wörtlich: 
(es  ist  der  Ort)  wo  (^|^)  sich  die  Huai-Barbaren  unterwerfen,  wie  denn 
Legge  im  Index  (s.v.  A^)  selber  diese  Bedeutung  von  "mT  angibt,  die  es  ja 
auch  durchweg  hat'.    Das  ^^  der  Strophe  2  dieses  Liedes  und  ebenso  das 

Jj^  von  Str.  7  enthält  Aielleicht  einen  letzten  Anklang  an  das  gemeinsame 
Aushecken  eines  Kriegsplanes  gegen  die  Huai-Barbaren.  Daß  das  Männer- 
haiis  auch  von  einiger  praktischer  Bedeutung  für  die  Barbaren  war,  geht 
gleich   aus  den  folgenden  Worten   hervor:    ^  y^  j| j^  ^^     »^J^  |3tj  ^P  ^ 

1^  -iÖE  y^  lljt  0  •    ^^^  Pi-yung  also,  von   wo  aus  man  den  Zug  gegen  die 

'    Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  220. 

'  Legge,  Ch.  CI.  IV,  S.  4(53.  Legge  verändert  den  wirklichen  Sinn  dieser 
Stelle  durch  die  Einschiebung  eines  »he  bullt-  ;  so  wie  die  Verse  dastehen,  heißen 
sie:   -in  dem  Pi-yung  der  Hauptstadt  Hao «. 

3    Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  618. 

*  Vergleiche,  daß  in  der  letzten  Strophe  das  Herl)eikoninien  der  Eulen,  die 
sich  auf  die  Bäume  am  "College»  niederla.ssen  und  ihr  wildes  Geschrei  in  angenehmen 
Gesang  verwandeln,  wohl  ebenfalls  die  Unterwerfung  der  Feinde  symbolisiert. 


QrisioRi-:    Männergesollschatt   iiiul   Altci-sklasseii   im  alten   (^liiiia.  20 

Barbaren  unternininit,  ist  auch  der  Ort,  wo  man  nach  dem  Rückzüge  die 
abgeschnittenen  Ohren  der  Feinde  deponierte  und  die  Gefangenen  unter- 
brachte. Die  Sitte,  den  Gefangenen  und  Gefallenen  die  Ohren  abzuschneiden, 
linden  wir  unter  anderem  noch  Shi-kint;  III,  1,  VII,  8 '  erwähnt.  Desgleichen 
im  Tso-chuan-  J^  4:  ^  M  ^  tg  Jß  fl  «  A  i"  Wljt  #  g  SS' 
In  diesem  Zusanunenhang  mag  daraufhingewiesen  werden,  daß  *S*J^^  auch 
die  Strafe  der  Kastration  bedeuten  kann,  z.  ß.  Shu-king  V,  "27,  18^: 
*^  ^  ^  ^  ^  W}  vV  W  IM'  w^^^^i  durch  eine  psychologische  Ver- 
schiebung fiu'  die  Strafe  der  Ort,  wo  sie  erteilt  wird,  eingesetzt  ist*.  Das 
ist  vielleicht  der  letze  Rest  der  bei  primitiven  \"ölkern  weitverbreiteten 
Sitte,  den  besiegten  Feinden  die  Genitalien  zu  amputieren,  um  sie  als  Sieges- 
trophäen im  Männerhaus  aufzubewahren  ^. 

Das  Männerhaus  als  Stätte,  wo  die  Gefangenen  untergebracht  werden, 
ist  uns  auch  sonst  bezeugt;  nach  Tso-chuan  V,  165  z.  B.  nimmt  der  Graf 
von  Ts'in  seinen  Gegner,  den  Marquis  von  Tsin  gefangen  und  bringt  ihn 
in  dem  ^^  .^  unter,  in  dessen  Besitz  er  gelangt  war":  ^^  1^  •^. 
Ähnlich  Tso-chuan  V,  816,  wo  der  Fürst  von  Chu  in  einem  dornen  umhegten 
Turm  gefangengesetzt  wird:  R]  ^  t^  ■^  i'/fe  ^  W  j^^-  Hier  haben  wir 
es  vielleicht  mit  einer  ganz  ähnlichen  Anlage  wie  dem  Pi-yung  zu  tun,  statt 
eines  Wallgrabens  ist  es  eine  Dornenhecke,  die  dem  Ort  den  Charakter 
einer  Zitadelle  verleiht.  —  Interessant  ist  ferner  die  Aufbewahrung  der 
Kriegswaffen  in  der  Ahnenhalle,  die  wir  aus  Tso-chuan  V,  31  schließen 
müssen:  SR  ^^ "g  >^ ~f^  >^ 'S* '  ^"g^^ich  wohl  wieder  ein  Be- 
leg dafür,  wie  sich  der  Ahnentempel  aus  dem  Männerhaus  abgezweigt  hat'. 
Desgleichen  werden  auch  die  kostbarsten  Beutestücke  dort  untergebracht, 
Tso-chuan  V,  428:  }^^  M^  H  M^  ^  M  9"^  -  ^''«'-l'  ^5,  8a^ 
heißt  es:  ^  ^  l|j(;  |t(J  ^j^  Ä 'l'g;  ^ ,  nach  der  Rückkehr  aus  dem  Siege 
bringen  die  Krieger  ein  Oj)ler  im  Ahnentempel  dar,  dabei  werden  die 
Trommeln  gerührt  und  Triumphlieder  gespielt  —  ein  anschaulicheres  Bild 
von  urzeitlichen  Verhältnissen  kann  es  kaum  geben. 

Nach  alledem  haben  wir  den  Eindruck,  daß  in  der  Tat  dem  Männer- 
haus eine  große  Bedeutung  für  den  Verkehr  nach  außen  zukommt,  nament- 
lich   wenn    man    den    staatenbildenden  Charakter    der   primitiven  Männer- 

'    Legge,  Ch.  Gl.  IV,  S.  455. 

2  Legge,  a.  a.  0.  X,  S.  206/212.  Für  das  hohe  Alter  dieser  Sitte  spricht  wohl 
auch  die  Zusammensetzung  des  Zeichens  ^^,  "(gef;ingen)nehnien",  aus  Hand  und  Ohr. 

^   Legge,  a.  a.  0.  IH,  S.  605. 

*  Es  könnte  mit  dem  Namen  allerdings  auch  gemeint  sein,  daß  die  Ver- 
schnittenen  in    dem    S  ,  d.  h.  im  Harem,  verwendet  wurden. 

^    Vgl.  Stell,  Das  Geschlechtsleben  in  der  Völkerpsychologie  S.  503  f. 

«    Legge,  Ch.  Cl.  V,  S.  168. 

"  Diese  Eigenschaft  des  Tempels  als  Ausgangspunkt  politischer  Unternehmun- 
gen spielt  ja  bis  in  die  neueste  Zeit  eine  nicht  unerhebliche  Rolle  in  China,  wie  denn 
nicht  selten  buddhistische  Tempel  geradezu  Herdstätten  für  politische  Umtriebe  waren. 

8    Biot,  Chou-li  II,  S.  62. 


3()  (,)i  iviiiiii-:    Mäiiiifrp'scllxliart    mui    Alt<M-skl;iss(Mi   im   alten   Cliiiia. 

^escllschall  ins  Augi'  faßt.  Aul'  tlicsem  Wi'ge  liiidct  die  Bc-rühruug  einer 
größeren  gesellsclial'tliclien  Gruppe  mit  einer  anderen  statt;  ein  freundschaft- 
licher Verkehr  der  Stämnie  bahnt  sich  alhnähHch  an,  indem  Mißtrauen  und 
gegenseitige  Anfeindung  melir  und  mehr  schwinden,  um  einer  friedUchen, 
auf  gegenseitiger  Achtung  l)eruhenden  Gesinnung  Platz  zu  machen. 

H.  Bogenschießen. 

Ein  deutUcher  Hinweis  auf  die  vornehmlich  kriegerische  Lebensweise 
der  Männergesellschal't  im  alten  China  ist  die  Bedeutung,  welche  der  Fertig- 
keit des  Jünglings  und  Mannes  im  Bogenschießen  beigelegt  wurde. 

Wie  sich  der  König  seinen  Auftrag  für  die  Unternehmung  eines 
Keldzuges  von  den  Ahnen  holt,  so  kehren  die  Krieger  aus  dem  Kampf 
auch  wieder  an  diese  Stätte  zurück,  um  durch  Veranstaltung  eines  Bogen- 
schießens die  vollfiihrten  Heldentaten  noch  einmal  zu  wiederholen,  Li-ki  7 
(19),  36b':  lä^5  rTn^^^t"  ^^"^^^  10(46),  bbh'^  wird  das  Bogenschießen 
die  besondere  Beschäftigung  des  Mannes  genannt:  ^T ^* ;^  "J^  ^  ^- "tß ' 
daher,  sagt  der  Text  im  folgenden,  hielten  die  weisen  Könige  viel  auf  diese 
Kunst.  "Weiter  hören  wir,  daß  der  Fürst  seine  Vasallen  alljährlich  uni 
sich   versanunclte    und    ein   Bogenschießen   veranstaltete,    Li-ki  10  (46),  5.ib 

"°d  56a3:  -^ mi9^mi%n±M%'fo^'f^^^i^ 

^i*^'  ^°°  ^^^^^  ^"^  werden  daher  die  Jünglinge  zu  fleißigem  Gebrauch 
des  Bogens  angehalten,  so  wie  die  Kunst  des  Speerwerfens  l)esonders  im 
Frühling  und  Sommer  gelehrt  wird  *. 

Auch  hier  wie  in  vielen  anderen  Fällen  läßt  sich  die  Beobachtung 
machen,  wie  in  China  bestinunte,  einer  allgemeinen  Neigung  entspringende 
Betätigungen  allmählich  zu  festen  Formen  erstarren  und  geradezu  zeremo- 
niellen Charakter  annehmen.  So  wird  das  Bogenschießen  schließlich  zu 
einer  feststehenden  Feierlichkeit  mit  eigenen  Regeln  und  Liedern,  die  dabei 
gespielt  wurden,  Ngi-li  5,8b-':  7^  ^  ^  Ü]  [g  ^  ^  g  5  ^  flS  |g 
H"J  M  >fc  ^  A<  ^  ' •  ' ^^^'  ^'^ärakter  dieser  Lieder  ist  w^ohl  nicht  frei  von 
Anspielungen.  Die  schon  erwähnten  Frauensanimellieder,  enthalten  sicher- 
lich eine  unmittelbare  Beziehung  zu  der  Örtlichkeit,  um  die  es  sich  hier 
handelt,  nämlich  dem  Männerhaus.  Auffällig  ist  auch  die  Verwendung  einer 
Reihe  von  Hochzeitsliedern  bei  dieser  Gelegenheit^;  es  mag  die  Frage  auf- 
geworfen werden,  ob  sie  nicht  in  Zusanunenhang  mit  dem  einstigen  Liebes- 
verkehr an  dieser  Stätte  zu  bringen  sind. 

>  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  124. 

2  Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  448. 

^  Legge,  a.  a.  0.  ebendort. 

♦  Vgl.  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  345. 

'-  De  Ilailez,  Mi  S.  85. 

«  Bei  Legge,  Cli.  Gl.  IV,  S.  1—9.  20—25. 

'  Shi-king  I,  1,  L  IL  III;  a.  a.  O.  L  2,  I.  U,  IV. 


QrisTORP:    Männergesellsclinf't   und   Altersklassen   im  alten   riiina.  !>1 

Einen  sehr  urzeitlichen  Eindruck  macht  ferner  die  Stelle  Li-ki  lU  (46), 
54a',  wonach  dieselben  Lieder  zur  »Regulierung«  des  Bogenschießens  ge- 
spielt  werden:  ^^[>l^f^Sj  Ifio  H  f^  K  H  "t  ^^  f H "  des- 
gleichen heißt  es  Chou-li  14,  33 b  ^r  ^  |t|  ^ 14"  4^  ^  S  Ä  '  "°^^ 

der  Kommentar  sagt  dazu :  ^  M^  \^  ,^  J^  ^  ^0 .  Diese  Vorschriften 
geben  uns  einen  Fingerzeig  für  die  Entstehvmg  mancher  solcher  Lieder,  sie 
hatten  ursprünglich  den  Zweck,  den  Takt  zu  regulieren,  d.  h.  das  Bogen- 
schießen wurde  in  festem,  gemeinsamem  Rhythmus  axisgeführt,  ein  weiteres 
Beispiel  also  für  die  von  K.  Bücher^  eingehender  begründete  Tatsache,  daß 
sich  alle  gemeinsame  Arbeit  oder  überhau])t  Tätigkeit  bei  den  Primitiven 
rhythmisch  vollzieht,  um  das  Ermüdende  der  physischen  und  psychischen 
Konzentration  zu  überwinden.  In  der  Tat  gehören  die  meisten  der  ge- 
nannten Oden  in  die  Kategorie  der  Arbeitslieder.  Sie  enthalten  meines  Er- 
achtens  keine  Anspielungen  auf  bestimmte  Ereignisse  oder  Personen,  sondern 
tragen  allgemein  menschlichen  Charakter  und  geben  in  vielen  Zügen  treffend 
das  Bild  einer  primitiven  Arbeitsgruppe  wieder.  Die  Ode  Shi-king  I,  2, 
XIV*  ist  vielleicht  unmittelbar  aus  dem  gemeinsamen  Bogenschießen  her- 
vorgegangen, indem  sich  die  heimkehrenden  Jäger  beim  nachfolgenden 
Bogenschießen  in  rhythmischen  Ausdrucksformen  noch  einmal  ihre  Jagderleb- 
nisse vergegenwärtigten  oder  etwa  durch  Singen  des  Liedes  der  Ausfall 
einer  künftigen  Jagd  beeinllußt  werden  sollte.  Das  Lied  ist  so  typisch  in 
seiner  Art,  daß  ich  es  hier  wiedergeben  mochte : 


_Q- 


»iEie  fti»ii£ 


'"iw  i^  ^^^  sicherlich  nicht  das  merkwürdige  Tier,  das  die  Chinesen 
daraus  gemacht  haben,  dessen  höchst  seltsame  Eigenschaften  ja  sehr  wenig 
hierherpassen  würden,  sondern  wegen  des  ganzen  Zusammenhanges  und 
der  Bedeutung  von  I^  »Jäger«  die  Bezeichnung  eines  geschickten  Jägers, 
vielleicht  gar  ein  Rangname.  AVir  erfahren  nändich  weiter,  daß  das  Bogen- 
schießen vor  dem  König  als  eine  Tüclitigkeitsprol)e  galt,  der  eine  Rang- 
erteilung nachfolgte,    Shi-king  III,  2,  IT,  3  -^r    13  |f|g£  i^ j?  ^  Ji( 

^^ '  Interessant  ist  der  Ausdruck  fS,  der  ursprünglich  »Reihenfolge«, 
»Ordnung«,  »in  Ordnung  bringen«  bedeutet  und  hier  die  Rangerteilung  der 
Schützen  zum  Ausdruck  bringt.  Dann  bezeichnete  man  damit  die  Stätte,  wo 
die  Rangverteilung  stattfand,  und  so  kommt  es  schließlich  zu  der  Bedeutung 
»Schule«,  dem  jüngsten  Sproß  des  Männerhauses. 


Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  446. 

Biot,  Chou-li  n,  S.  38. 

Bücher,  Arbeit  und  Rhythmus  (vgl.  S.  31). 

Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  36. 

Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  474. 


1^0  ()i  i-ioiM-:    MiiiiiH'riri'sollscIiaft   und    AltorsklnssiMi   im   all(Mi   Cliiiia. 

WalirMlu'iiilit'li  li.ilx'ii  wir  es  liier  mit.  einer  elieinaligeii  iMaiiiil)arkeil:>- 
lu-ohe  l»ei  den  Knalienweihen  zu  tun.  Die  Auinalnne  in  den  Männerbnnd 
würe  dann  an  einen  hestinnnteii  Grad  der  Fertigkeit  im  Bogensclu'eßen  ge- 
kiuipll  gewesen  ';  denn  bei  alledem  müssen  wir  uns  doch  innner  das  Bild 
einer  nrzeitliclien  Männergesellschaft  rekonstruieren,  die  uns  hier  auf  ihrer 
letzten  Knwiekhmgsstufc  entgegentritt,  auf  der  sie  nur  noch  die  Ersten  im 
Volke  umfaßt,  ganz  analog  dem  Zustand  der  germanischen  Verhältnisse 
ziu-  Zeit  des  Tacitus,  wo  von  der  einstigen  Männergesellschaft  eben- 
falls nur  die  \'ereiiiiginig  der  Pi-incipes  unter  ihrem  Gefolgsheri-n  übrig- 
gebliei)en  war. 

Dementsprechend  ist  die  Tiichtigkeitsprobe  gleichsam  auf  einzelne  be- 
schränkt worden,  indem  der  König  seine  Beamten  und  Würdenträger  nach 
iln-en  Leistungen  im  Bogenschießen  auswählt,  Li-ki  10  (46),  551)^:   "^  ^  ^ 

•f-  W  M  Ü  rffi  fX-^Ö)^  ^  ±'  ^•''"'•^•^  1^^'ßt  ««  Li-ki  10  (46),  58b  3:  |.J- 
ph  HlJ^^'^^'f^-  Allerdings  sind  hier  den  veränderten  wirtschaft- 
lichen Verhältnissen  entsprechend  die  gleichberechtigten  Mannen  des  Häupt- 
lings zu  Vasallen  des  Königs  geworden,  für  die  ein  Tadel  in  der  Fertigkeit 
des  Bogenschießens  zugleich  den  Verlust  eines  Teiles  ihres  Territoriums  be- 
deutet. Und  so  geben  luis  diese  Belehnungen  auf  den  Schießfesten  vielleicht 
ein  anschaiüiches  Bild  davon,  wie  sich  der  spätere  Lehensstaat  mit  seinem 
gegenseitigen  Treuverhältnis  aus  der  einstigen  Männergesellschaft  nach  Ent- 
stehimg eines  machtvollen  Ilerrscherwillens  entwickelt  hat.  Hier  mag  auch 
die  Frage  aufgeworfen  werden,  ob  nicht  die  späteren  Adelsränge  teilweise 
ihren  Ursprung  in  dem  Wettschießen  im  Männerhause  haben.  Für  den 
zweiten  Adelsrang  >^  (hou)  läßt  sich  das  wohl  mit  Sicherheit  behaupten; 

denn  ^^  (hou)  ist  Ja  auch  das  Wort  und  Zeichen  für  die  Sclieibe,  das  Ziel 
beim  Bogenschießen.  Das  Wort-  und  Schriftzeichenspiel  ist  dem  Charakter 
der  chinesischen  Schrift  gemäß  ohne  Zweifel  nicht  von  ungefähr.  Es  be- 
weist überdies,  daß  die  Sitte  zur  Zeit  der  Erfindung  des  Schrirtzcichens 
schon  l)estanden  hat. 

Das  Bogenschießen  trägt  aber  noch  in  anderer  Beziehung  den  Charakter 
einer  Tüchtigkeitsprobe,  indem  nämlich  dieser  Zeremoni^e  ein  Opfer  nach- 
folgte, an  dem  sich  nur  die  besten  Schützen  ])eteiligen  durften  —  auch  hier 
wieder  eine  Verquickung  von  profanen  und  religiösen  Motiven,  Li-ki  10  (46), 
56a-  ^n^lM^m^^^^l^^M^'  ^^^^'^  l'^iß^  ««Li- 
ki  10  (46),  59  a  •":  Pfl  ^'  t^  :^  >{^  ^  •  '"^"c''  »"^  ^^"^  Kommentar  zu  Chou- 
li  4,45a®  erfahren  wir,  daß  dem  großen  Ahnenopfer  ein  Bogenschießen  vor- 


■    \'gl.  die  oben  (S.  30)  hervorgehobene  Wiclitigkeit  des  Bogenschießens. 

■'    Legge,  S.  li.  E.  28,  R.  448. 

•'    Legge,  a.  a.  0.28,  S.  451. 

♦  .  Legge,  S.  H.  K.  28,  S.  448. 

^   Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  452. 

6   Biot,  Chou-li  L  S.  1.S9. 


QiTisTORr:    Mäniiergcspllschaft  und   Altersklassen  im  alten  dhina.  88 

ausgeht,  wodurch  der   König  die  Teihiehmer   auswählt:    "^-3»]^*^^^^ 

Für   das   hohe  Alter   dieser  Zeremonie   spricht   ferner   das  Opfer  an 

die  Scheibe,  Cliou-li  29,  23  a  ■ :  ^\%^  jjjg  J^  '^H  ||  gg-  Das  führt  uns 
zurück  in  die  Stufe  des  Aninüsmus,  der  Beseelung  lebloser  Gegenstände, 
und  zeigt,  wie  dem  Primitiven  die  für  ihn  wichtigsten  Nutzobjekte  ein  An- 
laß zu  kiütischer  Verehrung  werden  ^  Das  nachfolgende  Gebet  an  die  Scheibe^ 
enthält  wohl  den  Rest  einer  ehemaligen  Zauber-  und  Beschwörungsformel, 
die  beim  Opfer  gesprochen  wurde,  wenn  sie  auch  hier  zu  einer  Spielerei 
mit  dem  Begriff  ^^  (hou)  verblaßt  ist.  Die  spätere  Rationalisierung  maclite 
dann  schließlich  das  Bogenschießen  zu  einer  Zeremonie,  deren  Erfüllung 
oder  Vernachlässigung  nicht  ohne  Einiluß  auf  den  Charakter  bleibt,  Li-ki  10 
(4G),54b*:  ^^^    WÜJi'il^fS'fe-   Ähnlich  heißt  es  Shu-kingll,  4, 

^'^ '  =  JS^  W  pÄ  1^ "^^Ü^M^-  ^^^  Offenherzigkeit  der  Über- 
lieferung gibt  hier  wieder  einmal  ein  eklatantes  Beispiel  für  die  Entstehung 
sittlicher  Begriffe  aus  vorsittlichen  '^  Motiven.  Der  sittlich  vollkommene  Mensch 
war  einst  der,  welcher  am  besten  das  Ziel  traf  und  genau  die  vorgeschrie- 
benen Regeln  dabei  beobachtete. 

Bildete  das  Bogenschießen  in  besonderem  Maße  ein  einigendes  Band 
in  der  Männergesellschaft,  so  lassen  auch  einige  schwache  Andeutungen  der 
Überlieferung  erkennen,  wie  dieser  primitiven  Gesellschaftsgrupy)e  die  Idee 
eines  engen  Freundschaftsbundes  zugrunde  lag,  der  in  der  Urzeit  vielleicht 
den  Charakter  einer  Blutsbrüderschaft  im  wahrsten  Sinne  des  Wortes  trug. 
So  werden  Shi-king  111,  2,  II,  1  ^  die  Teilnehmer  am  Bogenschießen  »Brüder« 
und  >'P>eunde<'   genannt:   |^||^^^^^-  Ähnlich  heißt  es  in  der  folgenden 


I    Biot,  a.  a.  0.  II,  S.  548. 

'''  ^"gl.  die  Pfeih'erehrung  i)ei  den  Natur- Wedda:  Hoernes,  Natur-  und  Ur- 
geschichte des  Menschen  I,  S.  520.  Für  China  mag  hier  unter  anderem  noch  das 
Opfer  an  den  Pflug  erwähnt  werden,  z.B.  ha  Hia-Siao-Cheng  (Ta-Tai-Li-ki  I,  5  a) : 
ytif]  ^^  ^^  ^^ .  Auch  das  Verneigen  vor  den  Geräten,  wie  es  im  Ngi-li  vielfach 
\orkommt,  ist  ^■ielleicht  ein  letzter  Rest  von  kultischer  Verehrung  lebloser  Gegen- 
stände, vgl.  De  Ilarlez,  I-li  S.  11,  80,  81  u.  a. 

*   Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  448. 

^  Legge,  Ch.  Cl.  III,  S.  82.  A'ielleicht  lag  hier  ursprünglich  eine  Art  Gottes- 
urteil vor. 

^  Der  Verfasse!'  ist  sich  wohl  hewußt,  daß  man  streng  genommen  nur  zwischen 
primitiveren  und  höheren  sittlichen  Begriffen  unterscheiden  darf.  Nicht  aber  allein 
aus  praktischen,  vielmehr  auch  aus  sachlichen  Gründen  hat  man  meines  f^rachtens  das 
Recht,  von  dem  Standpunkt  unserer  Kultm-  erst  von  einer  bestimmten  Entwicklungs- 
stufe an  von  sittlichen  Moti\-en  in  engerem  Sinne  zu  sprechen  —  wie  wir  denn  auch 
z.  B.  den  Animisnms  noch  nicht  als  Religion  bezeichnen  (vgl.  W.  Wundt,  Elemente 
der  Völkerspychologie  S.  282  f.). 

'   Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  473. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  I.  Abt  3 


*^4  QiTisTORi-:    Mäniiorpescllsrhaft   iiiul  Altersklassen  im  altoii  riiina. 

(Jde  ölii-kiu^III,  2,111,  1':  jj)  j  /{c  j]i(  ^  fö  •  '^•^'"  ^<^g»il^"  ^  brückt  einen 
sehr  hohen  Grad  von  Znsaninieiiü;eli()rigkeit  aus,  wofür  sich  zahlreiche  Bei- 
spiele in  der  Literatur  finden.  Aus  den  ältesten  Stellen  des  Shi-kini?  und 
Shu-king   geht    hervor,    daß    "^    direkt    »Bruder«    (brüderlich  usw.)   heißt, 

Shi-kingll,3,lll,6  (Legge:  Ch.  Cl.  IV.  284):  gg>fjjj^^,  Shi-kinglll,  1, 
VII,  3  (Legge,  a.  a.  0.  IV,  451) :  [^  |I|J  ^  J|lJ  ^fe  Ä  i^,  Shu-king  V,  21,1 
(Legge,  a.  a.  0.111,535):  '^01^^)1^'  ^'«^li  MenciusIII,  1,  IV,  8^ 
gehört  die  Freundschaft  zu  den  fünf  höchsten  sittlichen  Forderungen:  |jH 
"^;^>|g.  Aus  einem  der  ursprünglichen  Zeichen  für  ^^:  t:t:,  wo  die 
(^)uorstriche  vielleicht  das  Durchschneiden  einer  Ader  am  Arm  andeuten 
sollen,  könnte  man  schließen,  daß  die  Freundschaft  einst  in  der  Form  gegen- 
seitiger Blutmischung  geschlossen  wurde.  Ferner  scheint  Lieh-tze  5.  29b^ 
eine  Anspielung  auf  diese  urzeitliche  Sitte  zu  enthalten.  Nach  beendetem 
Wettstreit  im  Bogenschießen  schließen  die  beiden  Gegner  Freundschaft  durch 
Ritzen  des  Armes,  also  eine  wirkliche  Blutsbrüderschaft,  wie  sie  einer  pri- 
mitiven Vorstellungswelt  entspricht,  der  das  Blut  als  Sitz  der  Seele  gilt  *. 
Auch  das  Tso-chuan  berichtet  von  Vertrag,  der  durch  Ritzen  des  Armes 
geschlossen  wurde,  a.  a.  0.  V,  1 19/121 :  Ji(  ^  A  W,  I^^S'JWM' 
Die  Treue,  die  einst  Genossen  an  Genossen  band  und  sogar  die  Opferung 
des  eigenen  Lebens  für  den  Freund  nicht  scheute,  spricht  sich  aus  in  "Wen- 
düngen  wie  5J:#^^^|f^i>(^^  oder  ^3g:^f|:^[5ig«. 

4.  Gelage. 
Ein  weiteres  charakteristisches  Merkmal  der  Männergesellschaft  sind 
die  gemeinsamen  Gelage,  ein  Moment,  das  man  in  vieler  Beziehung  als  die 
höchste  Entfaltung  des  Geselligkeitstriebes  auf  einer  primitiven  Stufe  be- 
zeichnen darf,  gehören  doch  Veranstaltungen  dieser  Art  zu  den  dauer- 
haftesten Formen  menschlicher  Gemeinschaft.  Auch  in  der  chinesischen 
Männergesellschaft  müssen  sie  einst  einen  breiten  Raum  eingenommen  haben. 
Die  Ritualbücher  enthalten  eine  eigene  Bankettzeremonie,  die  wir  bei  allen 
Zusammenkünften  im  Männerhaus  erwähnt  finden.  Nach  Li-ki  10(46),  53  a^ 
sollen  die  Gelage  dem  Bogenschießen  vorausgegangen  ?ein :    "i*  ^^  ^  ^^ 

^^Tifl  ^^^"tr^iflM"  ^*^^®  Verschiebung  erklärt  sich  woiil  aus 
den  Verhältnissen  der  späteren  Zeit,  wo  die  von  weither  kommenden  Schützen 
als  Abgesandte  der  Vasallen  zuerst  naturgemäß  als  Gäste  bewirtet  wurden, 
um  dann  ihre  Tüchtigkeitsprobe  im  Bogenschießen  abzulegen. 

»    Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  477  (vgl.  Shi-king  O,  7,  IX). 

2  Legge,  a.  a.  0.  U,  S.  252. 

3  Faber,  Licius  S.  127. 

*    über   die  Verbreitung   der  Blutsbrüderschaft   vgl.  A.  H.  Post,    Afrikanische 
Jurisprudenz  I,  S.  36  f. 

'    Li-ki  I,  10  a;  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  69. 
«    Li-ki  I,  37  a;  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  92. 
^    Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  446. 


Quistorp:    Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  35 

Um  uns  eiu  anschauliches  Bild  von  den  Gelagen  zu  uiachen,  mögen 
zwei  Shi-king-Lieder  in  der  Ubei-setzung  von  Strauß  hier  angeführt  werden, 
Shi-kingll,  7,  VP: 

1.  Die  Gäste,  die  den  Matten  nahn, 
Reihn  Hnks  und  rechts  sich  fein  daran. 
Gereiht  stehn  Napf  und  Schüsseln  dort, 
Zukost  und  Frucht  an  ihrem  Ort; 

Und  da  der  Wein  so  süß  und  fein, 
Trinkt  man  gar  einig  seinen  Wein. 
Glocken  und  Pauken  stehn  zurecht, 
Mit  sitt'gem  Zutrunk  wird  gezecht. 
Dann  wird  die  große  Scheib'  errichtet 
Und  Pfeil  und  Bogen  zugerichtet, 
Und  wenn  gepaart  die  Schützen  stehn: 
»Nun  lasset  eure  Schießkunst  sehn! 
Und  trefft  das  weise  Mittelmal, 
Zu  fordern  euern  Strafpokal!« 

2.  Mit  Pfeif  und  Pauk'  im   Flütentanz 
Schallt  die  Musik  harmonisch  ganz; 

Zu  würd'ger  Ahnen  Lust  und  Glanz 
Ninnnt  man  die  hundert  Brauch'  in  acht. 
Und  sind  die  hundert  Brauch'  erbracht, 
So  groß  sie  sind,  so  mancherlei,  — 
Dann:   »legen  sie  dir  vollstes  Glück 
Und  Kindern,  Enkeln  Segen  bei!« 
Und  seid  ihr  ihres  Segens  froh, 
Wie's  jeder,  wes  er  fähig  sei, 
So  schöpft  ein  Gast  mit  eigner  Hand, 
Es  tritt  herein  ein  Kämm'rer  auch 
Und  schenkt  den  Ruhebecher  ein, 
Zu  enden  euern  Jahrszeitbrauch. 

3.  Die  Gäste,  die  den  Matten  nahn. 
Mit  feinstem  Anstand  gehn  sie  dran. 
Solange  sie  nicht  trunken  worden. 
Bleibt  Sitt'  und  Haltung  wohlgetan; 
Sobald  sie  aber  trunken  worden, 
Schw^ankt  Sitt'  und  Haltung  aus  der  Bahn, 
Sie  stehn  vom  Platz  auf,  ändern  dran, 

Sie  springen  tanzend  auf  den  Plan. 
Solange  sie  nicht  trunken  worden. 
Sind  Sitt'  und  Haltimg  ausgesucht; 
Sobald  sie  aber  trunken  worden, 


Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  395;  Strauß,  Shi-king  S.  365  fr. 

3* 


'Ml  OrisToRP:    Mäiinergesellschaft  niiH   Altersklassen  im  alten  Cliina. 

(iclin  8itf   und   llalUing  auf  die   Flucht; 
Denn  eben  weil  sie  trunken  worden, 
Weiß  keiner  mehr  von  rechter  Zucht. 

4.  Sobald  die  Gäste  trunken   worden, 
So  Schrein  und  lärmen  sie  umher, 
Verwirren  uns  die  Napf  und  Schüsseln 
Und  tanzen  taumelnd  hin  und  her; 
Denn  eben  weil  sie  trunken   worden. 
Merkt  keiner  seinen  Unfug  mehr. 

Die   Hüte  schief  auf  ihren  Köpfen, 
So  tanzen  sie  bis  zum  Erschöpfen. 
Ist  man  berauscht  und  geht  davon, 
Ist'.s  allgemein  für  Glück  zu  schätzen ; 
Ist  man  berauscht,  geht  aber  nicht. 
Das  heißt  die  Schicklichkeit  verletzen. 
Wein  trinken  ist  gar  schön  und  gut, 
Doch  nur,  wenn  luan's  fein  sittig  tut. 

5.  Bei  jedem  dieser  Weingelage 
Wird  mancher  trunken,  mancher  nicht, 
Drum  wird  ein  Trinkwart  eingesetzet 
Und  ein  Gehülf  ihm  zum  Bericht. 

Und  wenn  die  Trunkenen  nicht  gut  tun. 

Daß  Nichtberauschte  Scham  anficht, 

So  mahnen  sie  die  Unfolgsamen, 

Daß  Roheit  nicht  die  Schranke  bricht. 

Daß  Unsagbares  nicht  gesagt  wird, 

Nicht  Unbefolgbars  vorgebracht; 

Da  W^orte  Trunkener  befolgen. 

Hornlose  Widder  ausgehn  macht. 

Wem  schon  den  Sinn  drei  Becher  rauben. 

Wie  darf  sich  der  noch  mehr  erlauben  ? 

Dieses  Lied  trägt  seinem  ganzen  Inhalt  nach  einen  sehr  urzeitlichen 
Charakter,  die  Schilderung  einer  typischen  Männerhauszusammenkunft  mit 
ihrer  Sanges-,  Lärm-  und  Becherfreudigkeit '.  Mit  dem  Beobachten  und  Inne- 
halten des  ^M  wurde  es  zu  dieser  Zeit,  wie  wir  sehen,  noch  nicht  so  genau 
genommen,  wenn  uns  hier  im  ganzen  auch  schon  eine  höhere  Form  des  primi- 
tiven Gelages  entgegentritt,  das  eigentlich  mehr  den  Eindruck  einer  modernen 
Kneipgesellschaft  macht:  fehlt  es  doch  auch  an  einem  Kneipwart  nicht,  der 


'  Legge  scheint  anzunehmen,  daß  sich  vStrophe  2  auf  ein  besonderes  Alinen- 
opfer  bezieht,  wozu  aber  kein  Grund  vorliegt.  Es  handelt  sich  liier  wohl  um  das 
Bankett  nach  einem  Hogenschießen,  an  dem  auch  die  Ahnen  teilnehmen,  wie  uns 
dieses  urzeitliche  Nebeneinander  von  kultischer  Betätigung  und  festlichen  Zusannnen- 
künften  noch  deutlicher  in  dem  gleich  nachfolgenden  Lied  entgegentritt. 


Quistorp:    Mäiuiergesellöchaft  luid  Altersklassen  im  alten  China.  37 

die  Unmäßigen  bestraft,  damit  Freude  und  Ausgelassenheit  niclit  überhand- 
nehmen. Das  alles  setzt  aber  eine  bedeutende  Stufe  der  Organisation  und 
Disziplin  voraus,  mit  einem  Worte,  eine  enge  Verbrüderung  gleichgesinnter 
Genossen. 

Die  Veranstaltung  eines  Gelages  im  Anschluß  an  das  Ahnenopfer,  die 
hier  nur  angedeutet  wird,  zeigt  noch  deutlicher  Shi-king  II,  6,  V*: 

1.  Wo  wild  Gesträuch  verworren  stand. 
Riß  man  die  Dornen  aus  mit  Händen ; 
Warum  ward  das  voreinst  getan? 

Daß  unsere  Hirsen  Anbau  fänden; 
Daß  Hirs'  uns  reif  im  Überfluß 
Und  Opferhirse  zum  Verschwenden; 
Und  wären  unsere  Speicher  voll 
Und  tausend  Feimen  aller  Enden,  — 
Zu  Speis'  und  Wein  sie  zu  verwenden, 
Zur  Darbringung,  zu  Opferspenden 
Und  hinzutreten,  einzuladen, 
Noch  größern  Segen  herzuwenden. 

2.  Voll  Würd'  und  Anstand  gehn  wir  fein 
Mit  Stieren  und  mit  Widdern  rein. 

Zum  Herbst  und  Winteropfer  ein. 
Die  häuten  ab,  die  kochen  klein. 
Die  richten  zu,  die  tragen  ein. 
Der  Beter  opfert  türherein. 
Gar  glänzend  sind  die  Opferweihn, 
Und  herrlich  ziehn  die  Ahnen  ein  ; 
Es  freuen  sich  die  Geisterreihn, 
Dem  frommen  Enkel  zum  Gedeihn; 
Sie  lohnen  ihm  mit  großem  Segen, 
Sein  Alter  soll  ohn'  Ende  sein. 

3.  Am  Herd  ist  eifriger  Verkehr, 
Gewalt'ge  Trachten  stellt  man  her; 
Der  bratet  und  es  röstet  der. 

Die  hohen   Fraun  gehn  still  einher 
Und  i'ichten  an  der  Schüsseln  Heer. 
Die  Fremden  und  die  Gast'  umher 
Trinken  sich  zu  in  kreuz  und  quer. 
Man  feiert  ganz  nach  Brauchs  Begehr, 
Lächeln  und  Wort  sind  schicklich  sehr, 
Die  Geister  tun  sich  gnädig  her 
Und  lohnen  es  mit  großem  Segen, 
Zehntausend  Jahre  und  noch  mehr. 


1   Legge,  eil.  Cl  IV,  S.  368;  Strauß,  Shi-king  S.  347  ff.    Über  Gelage  bei  der 
Alinenfeier  vgl.  auch  de  Harlez,  I-li  S.  346 ff. 


38  Quistobp:    Mäniiergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China. 

4.  Sind  wir  ermattet  ganz  und  gar, 
Da  nichts  am  Brauch  versäumet  war, 
So  kommt  dem  weisen  Beter  Kimde. 
Der  gibt's  dem  frommen  Enkel  dar. 
»Süß  roch  des  frommen  Opfers  Weise; 
Die  Geister  freute  Trank  und  Speise, 
Sie  lügen,  daß  dich   Glück  umkreise, 
Gehoflfterweis'  verdienterweise. 

Du  zeigtest  Eifer,  bliebst  im  Gleise, 
Du  tatest  recht,  du  sorgtest  weise: 
Sie  schenken  dir  das  Höchst'  im  Preise 
Zehntausend-,  hunderttausendweise. « 

5.  Erfüllt  ist  jeder  Brauch  zur  Stunde, 
Es  mahnten  Glock'  und  Pauk'  im  Bunde, 
Der  fromme  Enkel  ging  zum  Thron; 

Da  konunt  dem  weisen  Beter  Kunde: 
»Satt  ist  des  Weins  der  Geisterchor. <■ 
Da  steht  der  Totenknab'  empor. 
Ihn  leiten  Pauk'  und  Glock'  hinaus; 
Die  gnäd'gen  Geister  ziehn  nach  Haus. 
Die  Schar  der  Diener  und  der  Frauen 
Trägt  alles  ungesäumt  hinaus. 
Die  Oheim'  aber  und  die  Brüder 
Vereinigt  ein  besondrer  Schmaus. 

6.  Spielleute  treten  ein,  mit  Tönen 
Den  Folgesegen  zu  verschönen; 
Und  sind  die  Speisen  aufgetragen 
Fühlt  keiner  Unlust,  nur  Behagen. 
Dann,  satt  von  Speisen,  satt  vom  Wein, 
Verneigt  die  Häupter  groß  und  klein: 
»Die  Geister  werden,  froh  des  Mahles, 
Lang  Leben  unserm  Herrn  verleihn. 
Ganz  willig,  ganz  zur  rechten  Zeit 
Erfüllt  er  alles  mit  Gebühren. 

Ihr  Söhne,  Enkel  allzumal. 
Ermangelt  nicht,  es  fortzufüliren  I « 

Unter  anderem  ist  dieses  Lied  lür  die  Entstehung  des  Opfers  von 
hoher  kulturgeschichtlicher  Bedeutung.  Die  Ahnen,  durch  den  JF^  vertreten, 
werden  beim  Schmause  der  Männer  anwesend  gedacht,  sie  speisen  zusammen 
mit  den  Lebenden,  um  zufrieden  wieder  abzuziehen,  wenn  sie  gesättigt 
sind.  Deutlich  zeigt  sich  hiei-  das  urs])rüngliche  Motiv  des  Opfers,  den 
Seelen  der  Abgeschiedenen  Anteil  an  den  Genüssen  des  Gelages  zu  ge- 
währen, um  sich  vor  ihrem  Neid  und  bösen  Eintluß  zu  schützen  und  ihrer 


Quistorp:    Männergesellschaft  nnd  Altersklassen  im  alten  China.  39 

gnädigen  Gesinnung  sicher  zu  sein.  Die  Anwesenheit  der  Frauen  bei  dieser 
Gelegenheit  ist  vielleicht  ein  Rest  jener  Sitte,  daß  die  Frauen  den  Männern 
das  Essen  zubereiten  und  ins  Männerhaus  bringen,  ohne  sich  selbst  am 
Mahle  zu  beteiligen  ^-  denn  aus  der  fünften  Strophe  geht  hervor,  daß  das 
Opferniahl  nur  von  den  Männern  eingenommen  wird. 

Die  Gegenwart  des  J^  bei  dem  Männergelage  erwähnt  auch  Shi- 
lling II],  2,  111,  3 — 4fF. 2;  hier  wird  das,  was  er  als  Stellvertreter  der 
Ahnen  Gutes  verheißt,  ausdrücklich   augeführt:    iMl  ^  M:  ^    S  !B  M^ 

Von  einem  Gelage  im  Männerhaus  hören  wir  weiter  in  der  schon 
erwähnten  Ode  Shi-king  111,  1,  Vlll,  3^:  J^'f^Ult^  M  ^^  M$  ß- 
Bei  Trommeln-  und  Paukenschlag  beteiligt  sich  Wen-wang  an  dem  geselligen 
Leben  und  Treiben  in  dem  von  ihm  errichteten  Pi-yung.  Eine  Anspielung 
auf  diese  Zusammenkünfte  könnte  vielleicht  auch  Shi-king  II,  8,  V,  5*  ent- 

halten:  ^  $t  T'S'o  »  F^l  T^Fo  ^  "f  1f  S  '  ^'^  verstoßene 
Königin  verlangt  nach  ihrem  Gatten,  der  sich  in  der  Männergesellschaft  ver- 
gnügt: hier  ist  zugleich  der  alte  und  stets  neue  Gegensatz  zwischen  »Stamm- 
tisch und  Familienleben^«,  d.  h.  zwischen  den  beiden  Formen  gesellschaft- 
lichen Zusammenschlusses  lyrisch  zum  Ausdruck  gebracht. 

Ein  gemeinsames  Zechgelage  des  Markgrafen  von  Wei  mit  seinen 
Mannen  in  einem  von  ihm  erbauten  Ling-tai  °  wird  schließlich  Tso-chuan  V, 

856  erwähnt:  #H^  @  ÄÄ^J^IS  B.:^  ^  ^^C  ^  tfe  M  .^'  -i«" 
derum  ein  Beweis  dafür,  daß  das  Männerhaus  nicht  etwa  eine  spezifische 
Einrichtung  der  Chou-Fürsten  war;  hierzu  ist  noch  Chou-li  8,  27  a^  zu  ver- 
gleichen, wo  wir  von  Banketten  erfahren,  welche  die  Distriktbeamten  im  An- 
schluß an  das  Opfer  im  Distriktmännerhaus  geben:   ^^JlfP.     ^(J  l^^Ji  jjj^  ^S 

5.    Tänze. 

Freude  und  Schmerz  ihres  wechselvollen  Daseins  bringen  primitive 
Völker  überall  mit  Vorliebe  durch  Tänze  zum  Ausdruck**.  Auch  in  der 
chinesischen  Urzeit  muß  diese  Ausdrucksibrm  eine  große  Rolle  gespielt 
haben,  das  ersieht  man  aus  der  überaus  häufigen  Erwähnung  dieser  Kunst 

'  Vgl.  von  den  Steinen,  Unter  den  Naturvölkern  Zentralbrasiliens  S.  367  f. 
Über  die  Beteiligung  der  Frau  am  Ahnenopfer  vgl.  S.  51. 

2  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  477. 

3  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  457. 
*    Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  416. 

"  Schurtz.  Altersklassen  und  Männerbünde  S.  21. 

«  Vgl.  Shi-king  IV,  2,  m,3;  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  617. 

7  Biet,  Chou-Ii  I,  S.  251. 

^  Vgl.  Schurtz,  Urgeschichte  der  Kultur  S.  498 f.;  Grosse,  Anfänge  der  Kunst 
S.  198  f. 


40  Qi'i.sToKi- :    MäiiiK'rt:<'>ellstliaft   iiml   Alifi>kla>.si'ii   im   allen   Cliiiia. 

in  der  alten  Literatur  '  und  dem  lleißif^en  Studiiiui,  das  auf  ihre  Krlenmn^ 
verwandt  wird.  Und  so  finden  wir  denn  auch  wieder  den  Tanz  in  engem 
Zusainnienliang  mit  den  übrigen  Betätigungen  der  3Iänner,  und  namentlich 
feierliche  Zeremonientiinze,  religiöse  Tänze  sind  es,  die  in  erster  Linie  im 
Männerhaus  gciillegt  win-den,  wenngleich  uns  sonst  ja  auch  Frauentänze 
genannt  werden.  Nach  Thou-li  14,  44  a^  wird  den  Jtmgen  Leuten  heim 
Kintritt  ins  »College..  Tan/.unterricht  erteilt:  oiJ  ^lE  7^^^  ^^' 
Unter  den  vielerlei  Tänzen  '  ragt  vor  allem  der  Ta-\vu.  der  Kriegstanz  der 
riiou  ^  hervor,  wie  ja  schon  aus  dem  Namen  sein  entschieden  kriegerisch- 
ur/.eitlicher  Charakter  erhellt,  Li-ki  8  (25),  77  h«:  :^  ^  5  ||c  Ü^  Ä  ^^ 
^t  yV  i^  VX  1'+  ~)^  -^  •  ^^'"  ausgesprochen  pantomimisch-dramatischer 
( "harakter,  der  auch  von  Chavaniies  anerkannt  wird,  tritt  uns  vor  allem 
im  Joh-ki  des  Li-ki  (Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  122)  entgegen,  wo  dem  Kon- 
fuzius eine  genaue  Beschreibung  des  Ta-wu  in  den  Mund  gelegt  wird'. 
Danach  besteht  dieser  Tanz  im  wesentlichen  in  einer  dialogischen  Vor- 
fiihrung  bestimmter  Kriegserlebnisse,  in  diesem  Falle  der  Besiegung  der 
iShang.  Wie  aus  Shu-king  11,2,21  (Legge,  Ch.  Cl.  111,66)  hervorgeht,  wurden 
aber  nicht  nur  vergangene  Erlebnisse   szenisch  dargestellt:    ^^~T'^^~^ 

PH  P^  '\l'^\  ^^^of^a'**  H'^i"  l^oiiiii't  dem  Tanz  also  analogisch-sym- 
bolische  Bedeutung  zu:  indem  man  ihn  ausführte,  glaubte  man  die  Miao 
zu  unterwerfen  —  eine  Vorstellung,  wie  sie  unmittelbar  dem  primitiven 
Zauberglauben  entspringt®. 


«  So  allein  im  Slii-king  mid  Shu-king.  Shi-king  I,  3,  XIII,  1,  2,  3,  I,  (5.  lU,  1, 
LS,  XI, 3,  L12,  II,  U,l,  V,8, 11,7,  IV, 3,  n,7,  VI, 2, 3,  IV, 2,  H,!,  IV, 2,  IV,  4,  IV, 3,  L 
Shii-king  n,  2,  21,  IV,  4,  7,  V,  22,  19.  Man  begreift  nicht,  wie  Laufer  (-Jade«,  a 
study  in  Chinese  archaeology  and  religion,  Field  Museum  of  natural  histor}',  Antliro- 
pological  Serie  Vol.  X.  Chicago  1912,  S.  79  Anm.)  die  Behauptung  aufstellen  kann, 
die  Chinesen  seien  »never  a  dancing  nation»  gewesen,  und  alle  ihre  alten  Tänze 
stammten  von  ihren  barbarischen  Nachbarn. 

»   Biot,  Chou-li  n,  46. 

^  Nach  den  Bamhusbüchern  (Legge.  Ch.  Cl.  III,  Vol.  I.  Proleg.  S.  116)  geht 
diese  Eim-ichtung  schon  auf  Shun  zurück:   ^y      '     H   /\  ^^    -t^  ffl  i^  • 

*    Vgl.  Biot  II,  29. 

;  Vgl.  auch  Tso-chuan  V,  546/550:  ^  ^  ^  Ä  #  0,  J|^,  jg 
y^  ^^jVi-  Der  Kommentar  zu  Chou-li  14,5a  führt  die  einzelnen  Formen  der 
Tänze  auf  die  mythischen  Urkaiser,  also  vermutlich  die  Urclans,  zurück:  If h /^ 
PjX  \i^  ~^  ^rC.  ^^  ^^  ■  Demnach  wären  auch  hier  verschiedene  lokale  Varianten 
\()n  den  Clioii  konzentriert  und  miteinander  verschmolzen  wie  hei  analogen  V^or- 
gängen  in  anderen  Fällen. 

«    Legge,  S.  15.  F.  28,  S.  253. 

''  Diese  Beschreibung  findet  sich  auch  im  Slii-ki- Text,  bei  Cliavannes:  Me- 
moiies  Historiques  III,  S.  279.     Vgl.  die  Darstellung  des  Ta-wn  a.  a.  O.  BL  S.  281. 

"  Über  die  Bedeutung  des  Tanzes  hei  den  Chinesen  vergleiche  auch  das 
Protokoll  von  der  2.  Sitzung  in  der  (^hung  /.nr  \ ergleichenden  Geschichte  höherer 
Kulturen  (K.  Lamprecht).  Leipzig  \\".  S.  1910  11. 

'    Vgl.  hierzu  Shi-king  IV,  2,  111.7  (Legge,  ('li.  Cl.  IV.  S.  619). 


(j>iTisi()Ki':    Mäniiergesellscluifl  und  Altersklassen  im   alten  ('liina.  41 

Zu  den  ältesten  Tänzen  gehören  ferner  wohl  die  Chou-li  8,  401) '  ge- 
nannten »Federtänze-,  die  vom  Tanznieister  gelehrt  wurden:  ^:  gfß 

^^^^^ä.     Federn,  welche   die  Tänzer  tragen,    werden  auch  Shi-king  I, 

12, 1,  2,  32  erwähnt:  fl^^ä^^^^-  Legge  sagt  in  der  Anniorkung:  «Those 
feathers  either  Single  or  fornied  into  fans  were  carried  by  dancers  and 
waved  in  harmony  with  the  inovements  of  thebody«^.  Als  pantomimische 
Darstellungen  im  Ahnentempel  finden  wir  diese  Federtänze  weiter  Ch'un- 
ts'iu  1,  5,  4  (Legge,  Ch.  Cl.  V,  17):  ^</Jlij^yA  ^-  ^^^  ^^^S  <^i^  Frage  auf- 
geworfen werden,  ob  wir  es  hier  nicht  mit  einem  Überrest  ehemaliger  Tier- 
tänze,  vielleicht  gar   totemistischer   Art,   zu   tuij   haben.      Solche  Tänze    in 

Tiergestalt  sind   auch  sonst  bezeugt,    z.  B.  Chou-li   14,  21a*:     ^  ^^ 

W>S^^  W^^^^  Wy\.^-'  ßiese  Aneinanderreihung  von  Phünix- 
tanz,  Federtanz,  Jakschweiftanz  und  Menschentanz  führt  gleichsam  ein  Stück 
der  Entwicklung  des  urzeitlichen  Tanzes  vor  Augen  ^, 

In  diesem  Zusammenhang  darf  auch  die  Stelle  Shu-king  II,  4,  9  (Legge, 
Ch.  Cl.  111,87)®  Erwähnung  finden,  wo  es  heißt,  daß  Kwei,  der  Musik- 
meister, die  Musiksteine  schlägt  und  die  Tiere  tanzend  in  die  Halle  kommen: 

*«R|ä* M§g;i^Sa*«- 

Die  chinesischen  Kommentatoren  imd  Legge  zerbrechen  sicli  den  Kopf 
darüber,  was  die  Tiere  in  dem  *^  zu  tun  haben.  Letzterer  kommt  schließlich 
auf  die  Vermutung,  die  Palasthalle  des  Königs  habe  unter  anderem  auch 
als  Brutstätte  für  die  Tiere  gedient".  Die  Schwierigkeit  der  Frage  löst 
sich  vielleicht  am  besten,  wenn  wir  unter  diesen  Tieren  verkleidete  Masken- 
tänzer verstehen  **. 

Schließlich  möchte  ich  auch  das  endlose  Hin  und  Her  von  Vernei- 
gungen bei  allen  feierlichen  Gelegenheiten,  wie  Bekappung,  Empfang  der* 
Gäste,  Hochzeit,  Bankett  usw.  für  einen  Rest  alter  Tänze  oder  irgendwelcher 
rhythmischer  Ausdrucksformen  halten.  Betrachtet  man  das  steife  Zeremoniell 
des  Ngi-li  unter  diesem  Gesichtspunkt,  so  verliert  es  seinen  fast  lächerlichen 
»md  abstoßenden  Chax'akter  und  kann  als  typisches  Beispiel  für  die  Er- 
starrung primitiver  Lebensformen  dienen. 


1  Biot,  Chou-li  I,  S.  268. 

2  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  205. 

3  Vgl.  auch  Shi-king  1,3,  XIH,  3  (Legge,  a.  a.  0.  IV,  62):     ^^^^. 
*    Biot,  Chou-li  II,  41. 

^  Vgl.  auch  Shi-ki  87,  18  a,  wo  die  Tänzer  in  einer  Art  Kriegsspiel  einen 
niythologi.schen   Kampf   darstellen:    ^0  H^^^  ^^';fy  i'^f^iS:M 

ß    Vgl.  dazu  Shu-king  II,  1,  24  (Legge,  a.  a.  0.  III,  49). 

^    Legge,  Ch.  Cl.  UI,  S.  89  Anm. 

•*  Freilich  könnte  mit  diesen  Worten  aucli  einfach  die  Macht  der  Musik  über 
die  Tiere  zum  Ausdruck  gebraclit  werden  sollen  (\'gl.  ("havannes,  Meinoires  Histo- 
riques  111,289);  auch  könnte  man  daran  dcidicn.  daß  die  Tiere  (Götter  in  Tiergcstalt) 
durch  die  Musik  herbeigerufen  werden. 


42  QuisTORi«:    Mäaiiergesellschaft   iiml   Ahi-rsklassen  im  alten  Cliina. 


().    Das   .Mäniierliaus  als   A  Iterslursorgestätte , 
Aufbewahrungsort,  Absteigequartier. 

Mit  der  Eiitstchiuig  des  Alinenkultiis  im  Männerhaus  hängt  es  wohl 
ziisainiiien,  daß  man  gleichzeitig  an  diesem  Ort  auch  zuerst  alten  und 
sfliwachen  Stammcsangehürigen  eine  Unterkunf'ts-  und  Fürsoi-gestätte  ge- 
währte, ein  bedeutendes  Moment  in  der  Entwicklung  der  Kultin*  —  werden 
doch  in  der  Regel  auf  primitiveren  Stufen  alte  und  für  den  Kampf  ums 
Dasein  untaugliche  Individuen  als  unangenehme  Last  empfunden  und  meistens 
beiseite  geschallt. 

Das  Männerhaus  als  Fürsorgestätte  für  alte  Leute  finden  wir 
Li-ki4(8),  38a' bezeugt:  ^g  ^  J?*o??^- >5^  Ä,:^'  ""^^'  ^"^''  ^^^^^^^ 
und  Tanz  nicht  fehlen,  a.  a.  0.  4  (8),  38b:  HFtt^Äo^t-^Ä-  ^^erner 
Li-ki3(5),  35b-   ^a;Ä«|l^J^^±j$o«lS:*^^Tj¥o 

l^^«ll^J^mj?o«J!S^:^®i?-  ^'^-  Stelle  ist 
^viede^  ein  Beleg  für  die  weitestgehende  Diflerenzienuig  des  Männerhauses. 
Dem  Schematisierungstrieb  der  Chinesen  entsprechend  wird  die  Speisung 
der  alten  Leute  auf  die  verschiedenen  Schulen  verteilt.    Weiterhin  kommt 

Li-ki  7  (19),  .37a'  in  Betracht:  ^  H^Ü  J|  ^^  3^^,^  "F* 

^^  WU  Swt/iIiTni  ^§.  "T*-  ^'^  Speisimg  der  Alten  ist  also  gleichsam 
ein  Ahnenopfer.  Wie  bei  jenem,  so  erscheint  auch  hiei-  der  König  in  kriege- 
rischer Tracht,  wiederum  eine  Erinnerung  an  urzeitliche  Verhältnisse,  wo 
eben  alle  öffentlichen  Angelegenheiten  an  einem  Mittelpunkt,  im  Männer- 
hause, erledigt  wMu-den '.  Das  Shi-king  erwähnt  ebenfalls  die  Ehrimg  der 
Alten  bei  den  Gelagen  der  Männer,    a.  a.  O.  III,  2,  II,  4»:    ^^|^j]J^ 

Als  Vorratskammer  Avird  das  Männerhaus  Li-ki  6  (14),  41a®  ge- 
nannt: ^^Q^J^j^:^J^jil-  Der  Kommentar  sagt:  yff^^ 
;^^.  Die  Aufbewahrung  von  Nahrungsmitteln  wird  hier  entsprechend 
dem  Wandel  der  Motive  als  eine  Folge  der  Altersversorgung  und  somit 
als  ein  Zeichen  von  kindlicher  Pietät  angesehen,  während  doch  die  Eigen- 
schaft des  Männei'hauses  als  des  gegebenen  Aufbewahrungsortes  lür  gemein- 

'    Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  360  f. 

2    Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  242. 

^   Legge,  a.  a.  0.28,  S.  124f. 

*  Ein  letzter  Rest  dieser  Erscheinung  ist  auch  wohl  das  "Gespräch-  der  Alten 
hei  dieser  Gelegenheit,  wie  es  im  Li-ki  mehrfach  erwähnt  wird,  z.  B.  a.  a.  O.  8,  .30a 
(Legge,  S.  B.  E.  27,  347):  H  ^  ^  »^^  ti  W  ^  If  ^  ll'  ^S'"  ^^^'^ 
Tso-chuan  V,   561/6^.:    l]^|i  A  *  *^  ®  fe\  Üü  Ifi  ^  lÖ:  • 

•'■    Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  47... 

«   Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  3t). 


QrisTORP:    Männergesellsehaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  43 

sanie  Vorräte  zeitliclie  Priorität  beanspruchen  dürfte.  Das  Pi-yung  ist  viel- 
leicht gemeint,  wenn  \vir  Shu-king  V,  3,  9 '  von  Schätzen  hören,  die  Wu- 
wang  im  Lu-t'ai  aulhewahrt:    gtj^Ä^^^- 

Schließlich  kommt  das  Männerhaus  noch  als  Unterkunftsstätte 
für  Fremde  und  Gäste  in  Betracht.  Für  den  engeren  Zusammenschluß 
■größerer  Gesellschaftsgruppen  ist  diese  Entwickhmg  nicht  ohne  Bedeutung: 
das  Mäunerhaus,  einst  der  Ausgangspunkt  feindlicher  Unternehmungen, 
verliert  allmählich  seinen  kriegerischen  Charakter  und  macht  mehr  und 
mehr  friedlichen  Bestrebungen  Platz.  Sobald  sich  ein  gegenseitiger  Ver- 
kehr nacli  außen  mit  den  Nachbarstämmen  anbahnt,  wird  es  daher  Ab- 
steigequartier für  durchreisende  Fremde,  neue  Anregungen  und  kulturelle 
Beeinflussung  sind  die  natürliche  Folge.  So  verrät  der  Ahnentemjiel  seinen 
einstigen  Zusannnenhang  mit  dem  Männerhaus  wiederum  dadurch,  daß  er 
vom  König  und  seinen  Beamten  auf  Inspektionsreisen  als  Logierhaus  be- 
nutztwird,Li-ki4(9),50a3:  ^^^'jg^  ^o  Oi'^MM^'-  ^Is 
eine  spätere  selbständige  Abzweigung  darf  man  wohl  das  ^g,  ein  Ab- 
steigequartier für  königliche  Beamte,  ansehen,  z.  B.  Shi-king  I,  7,  1,  1—3^: 
^^  ^-^  ^  Bg  /^.  Legge  macht  dazu  die  Anmerkung:  »It  was  the  residence 
assigned  to  the  minister  during  his  residence  at  the  capital,  where  he  lived 
with  his  retinue  and  had  his  own  office  or  court.«  Bemerkenswert  ist 
Tso-chuan  V,  560/64,  wonach  die  Tore  des  Logierhauses  für  Gäste  erhöht 
und  seine  Mauern  verstärkt  werden,  damit  es,  wie  aus  dem  Kontext  hei-- 
vorgeht,  vor  Räubern  sicher  sei :    -^  ]^  ^  ^  ^  ^  ^  ^  |g    j^  ^ 

p^^lMÄi^^W-  Diß  Befestigung  des  ig  wird  vielleicht  weniger  aus 
dem  angeführten  Grund  geschehen,  als  vielmehi-  eine  Erinnerung  an  seine 
Herkunft  aus  dem  Männerhaus  sein,  das  uns  ja  in  seiner  ältesten  Form 
dem  Pi-yung,  ebenfalls  als  Zitadelle  und  Wachthaus  gegen  Feinde  ent- 
gegentrat. 

Fassen  wir  nun  noch  einmal  kui'z  unser  Ergebnis  zusammen,  so  haben 
wir  wohl  den  Eindruck,  daß  es  auch  in  China  in  der  Tat  ein  typisches 
Männerhaus  gegeben  hat.  Freilich  zeigt  es  sich  oftmals  in  stark  abgewan- 
delten Formen,  in  seinem  ursprünglichen  Zustand  nirgends  mehr.  Ob  das 
Männerhaus  ein  bestimmter  Platz,  ob  es  nicht  einfach  mit  dem  Palast  des 
Königs  zu  identifizieren  ist  usw.,  das  alles  sind  Fragen,  die  erst  in  zweiter 
Linie  in  Betracht  konunen.  Jedenfalls  glauben  wir  erwiesen  zu  haben,  daß 
es  eine  Stätte  gab,  wo  die  aus  der  natürlichen  Lebensweise  hervorgegangene 
fest  geschlossene  Gesellschaft  der  Männer  zu  allen  gemeinsamen  Unter- 
nehmungen zusammenkam,  in  der  Urzeit  vornehmlich  zu  kriegerischen 
Zwecken,   später   zur  Erledigung   allgemeiner  inner-  und  außerstammlicher 

'   Legge,  Ch.  Cl.  UI,  S.  3L5. 

2  Vgl.  Schurtz,  Altersklassen  und  Männeibünde,  S.  209 f. 

3  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  375. 

'    Vgl.  de  Harlez,  I-li,  S.  189,    der  es   im   Text  und  Anmerkung  miao  nennt; 
der  Text  hat   J|d|^   t'iao  (Tempel  für  entferntere  Ahnen). 
=    Legge,  Ch.  01.  IV,  S.  564. 


14  (JiiMOKi':    MämRTjjesellscIiart   und   Alterskla^s.seIl  im  alten  Cliina. 

Aii^elegenlieiU-n,  bis  sie  scliließlicli  in  eine  Bildungsanstalt  Hir  /.ukiiiiitige 
Königsbeauite  verwandelt  wurde.  Das  Anziehende  beim  Studium  der  eliino- 
sisclien  (icscliiclit(>  ist  gerade,  daß  man  so  deutlich  den  Wandel  der  Motive 
innerhalb  der  menschliclien  Geistesbetätigung  beobachten  kann,  welche  die 
ältesten  Ausdrucksfornien  ihres  Denkens  und  Fühlens  noch  auf  hohen  Kultur- 
stufen erkennen  läßt.  So  liegt  eigentlich  in  dem  einen  Begriff  -|-^  die  ganze 
Entwicklung  des  Gesellschaftslebens  nach  dieser  Seite  hin  mit  einbegriffen. 
Die  späteren  Beamten,  von  denen  sich  daiui  Seliüler  und  Gelehrte  abge- 
zweigt haben,  sind  im  wesentlichen  nichts  anderes  als  die  urzeitlichen 
Krieger,  die  sich  um  den  Häuptling  scharen,  mit  dem  Unterschied,  daß  ihre 
Tätigkeit  den  veränderten  Kulturverhältnissen  angepaßt  ist  und  den  Aus- 
druck für  eine  vom  entwicklungsgeschichtlichen  Standpunkt  aus  höhere 
sittliche  Stufe  bildet. 

Drittes  Kapitel. 
Das  Altersklassensystem. 

Bevor  wir  nun  weiter  verfolgen,  was  dieserZusanunenschluß  der  Männer 
für  da«  Gesellschaftsleben  überhaupt  bedeutete,  wie  er  vor  allem  seinen 
Ausdruck  in  strengem  Abschluß  dem  anderen  Geschlecht  gegenüber  fand, 
ist  noch  ein  Blick  auf  das  überall  in  Begleitung  der  Männergesellschaft 
auftretende  Altersklassensystem  zu  werfen. 

Wir  kamen  in  der  Einleitung '  zu  dem  Schluß,  daß  die  Einteilung 
nach  Altersklassen  nicht  irgendwelchen  volkshygienischen  Ei-wägungen  ent- 
springt, sondern  aus  den  natürlichen  Lebensbedingungen  einer  primitiven 
Gesellschaft  hervorgeht.  Mußten  wir  aber  in  den  vorhergehenden  Kapiteln 
bei  vielen  Erscheinungen  einen  Wandel  dei-  kulturellen  Motive  feststellen, 
so  tritt  uns  dafür  die  Abgrenzung  nach  Altersklassen  in  ihrer  verhältnis- 
mäßig ursprünglichen  P'orm  entgegen,  da  die  Voraussetzungen  für  dieses 
Einteilungsprinzip  im  Laufe  der  Kulturentwicklung  annähernd  dieselben 
bleiben. 

Allgemein  wird  zunächst  in  der  Tradition  der  Unterschied  zwischen 
all  und  jung  betont:  Nach  Li-ki  10(46),  53a '^  dient  das  Bankett  dazu, 
den  Rang  der  Älteren  und  Jüngeren  deutUch  hervortreten  zu  lassen:    ^^ 

H*  M  Z  jfii  ^^  ^Jf  liü  95  S  4i7  <:  j?  -tfc  '•  ^^^'""^  "°^  'i'"^^^^''  ^°"^" 

bei  der  Naiuengebung  nach  dem  Alter  untersciiieden  werden.  Li-ki  1  (1). 
21b*:    J^^t^S.;^-    Genauere  Altersklassenabgrenzung  findet  sich  schon 

i.i-ki  1 ,1,, ..,.,-  i^^\ix^^ mmmZo+'-f^Mo MiJÄ 

»    Vgl.  S.  (3. 

«   Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  447  (vgl.  28,  2.^9). 

3    Als  alte  Einrichtung  bezeichnet  Mencius  III,  1,  IV,  8  (Legge,  Ch.  Cl.  II,  S.252): 

*    Leggr.  a.  a.  O.  27,  S.  79. 
''    Legge,  a.  a.  O.  27,  S.  08. 


Quistokp:    Männcrgc;<ell;sdiiit't  und  Altersklassen  Im  alten   (^liina.  45 

Der  Eintritt  in  bestimmte  Altersstufen  küuimt  dann  ferner  in  einem 
Wechsel  des  Namens  zum  Ausdruck,  der,  wie  wir  oben  sahen,  in  der  Urzeit 
keineswegs  s)^nbolischen  Charakter  trägt,  viehnehr  primitive  Zaubervor- 
stellungen wiederspiegelt.  So  erhält  das  Kind  drei  Monate  nach  der  Ge- 
burt seinen  Milchnamen  (^),  Li-ki  ö  (12),  76 a^:    ^  ^  ^^ 

^^\^-^^i^^  B^nfn^<;I-  Bei  der  Mannbarkeitsweihe  wird  er 
durch  einen  neuen  Namen,   .31-,  ersetzt ^ 

Wir  haben  weiterhin  Anzeichen  dafür,  daß  es  ursprünglich  nur  zwei 
Altersklassen  gab:  Knaben  mid  Mädchen  auf  der  einen,  erwachsene  Männer 
und  Frauen  auf  der  anderen  Seite.  Scharf  werden  diese  beiden  Gene- 
rationen gegeneinander  abgegrenzt,  während  die  dritte  Generation  wieder 
als  Fortsetzung  der  ersten  gilt  und  so  fort^.  Zugrunde  liegt  hier  also  die 
weitverbreitete  Idee,  daß  der  Großvater  im  Enkel  wiederkehrt*,  die  ent- 
sprechende Vorstellung  für  eine  Zeit,  in  der  sich  das  Erinnerungsvermögen 
noch  nicht  iiber  zwei  Generationen  hinauserstreckt.  In  vielfachen  Wendungen 
kommt  dieser  Gedanke  in  der  chinesischen  Tradition  zum   Ausdruck,  z.  B. 

Li-ki  4  (7),  20a-    ^ P 'ji^BMo^ '^f]  Mljfg  Affi  Z' 

Nur  der  Enkel  darf  also  den  Großvater  beim  Ahnenopfer  darstellen.  Ist 
er  zu  jung,  so  soll  er  in  den  Armen  getragen  werden,  ist  kein  Enkel 
vorhanden,  so  muß  einer  mit  demselben  Clannamen  sein  Vertreter  sein. 
j^  bezeichnet  in  diesem  Zusammenhang  wohl  eine  Altersklasse.  In  der 
Bedeutung  »Enkel-   findet  es  sich  auch  Shi-king  I,  1,  XI,  2*^:    |^  ^  ^^ 

"^•^^ifi*  ^^oS^  ^'"^»^  ^°  der  Anmerkung:  »The  term  j^,  ,surname', 
is  used  for  grandsous,  because  the  grandson's  desceudants  became  a  new 
clan,  with  the  designation  of  his  gi-andfather  for  a  clan-name«. 

Nach  Li-ki  1  (1),  9b  ^  darf  ein  Sohn  nicht  seinen  verstorbenen  Vater 
beim  Opfer  darstellen:  ^^  TITPi  yf*  l^j  J~^  •  Legge  schließt  sich  hier  merk- 
würdigerweise dem  chinesischen  Kommentar  an,  indeu)  er  sagt:  »A  son, 
acting  such  a  part,  would  have  to  recieve  the  homage  of  his  father«.  In 
der  Tat  wird  der  Sohn  vom  Vater  vei'ehrt:  der  Enkel  ist  J-^  des  Groß- 
vaters, luid  sein  eigener  Vater  verehrt  ihn  als  solchen.  Derselbe  Gedanke 
findet  sich  Li-ki  9  (25),  69b«:    i^^  ZM.^^1^^1^  P o 

1><iatWif^^Zo^Jr^^M^t^1>(iZM'\iL-  Bezeichnend  für  die 
chinesische  Erklärungsmethode  ist  hier  der  letzte  Zusatz:  Indem  der  Vater 
dem  Sohn  dient,  ersieht  man  daraus,  wie  der  Sohn  dem  Vater  dienen  soll! 


»  Legge,  S.  B.  E.  27.  S.  473. 

2  Vgl.  S.  12. 

^  Vergleiche,   daß   noch   heutzutage  \ielfach   in  China  die  gleiche  Generation 
durch   einen  gleichen  Bestandteil  des  Vornamens  bezeichnet  wird. 

'  Vgl.  Schurtz,  Altersklassen  und  Mänuerhiinde  S.  185. 

'"  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  337. 

<-'  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  19. 

^  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  69. 

s  Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  246. 


46  QiMSTORi-:    Miiiinergesellschaft  iiiul  Altersklassen  im   alten  China. 

All  diesem  Beispiel  zci^^t  .sicii  reclit  klai-  die  Zähigkeit  der  primitiven  (Je- 
sellschafLsformeii.  Vom  Standpunkt  des  späteren  chinesisehen  Patriaichalis- 
mus  aus  hat  Jene  Verehiung,  die  dem  Sohn  vom  Vater  zuteil  wird,  in  der 
Tat  etwas  Belremdendes.  Aber  die  Macht  der  urzeitlichen  Sitte  ist  hier 
stärker  als  das  erst  einer  späteren  Stufe  angehörende  Pietätsgefühl  der 
Kinder  den  Kitern  gegenüber '. 

So,"ar  bis  auf  die  Aufstellung  der  Ahnentafeln  erstreckt  sich  die  Durch- 
luhruiig  des  Altersklassensystems.  Daher  wird  die  Ahnentafel  eines  Ver- 
storbenen im  AluuMitempel  neben  die  des  Großvaters  gesetzt,  Li-ki  2  (3),  60a*: 
Jitff^  ■SilS^öjj  gf#^jiia5t-  DessleiohenLi-kiS  (21),  65b»: 

dE 3c jito * m m mmxitoi&mmM^i^^  "-■■'"=■■ 

gehört  ferner  wohl  das  Namentabu:  wenn  z.  B.  lur  den  Sohn  der  Name 
der  Großeltern  t;ibu  ist,  solange  seine  Eltern  noch  leben,  Li-ki  1  (1),  38a*: 
^^'^-fH:  M|J-k;^'^'&-  ßas  Namentabu  besteht  also  zwischen 
den  Angehörigen  zweier  aufeinanderfolgender  Generationen,  in  diesem  Falle 
zwischen  Eltern  und  Großeltern'. 

Dementsprechend  finden  wir  nun  auch  für  China  bezeugt,  daß  die 
primitive  Sprache  in  der  Nomenklatur  nicht  die  Verwandschaftsgrade,  die 
erst  verhiiltnismäßig  spät  unterschieden  werden,  sondern  die  natürliche 
Altersklasseneinteilimg  berücksichtigt®,  eine  Tatsache,  die  in  der  Ethnologie 
der  vergangenen  Jahrzehnte  vielfach  zu  falschen  Schlüssen  Anlaß  gegeben 
hat.  Dahin  gehört  unter  anderem,  »daß  ein  Name,  der  nach  unserem  Ge- 
lühle  auf  eine  oder  auf  wenige  Personen  beschränkt  bleiben  sollte,  auch 
auf  andere,  ja  auf  ganze  Gruppen  angewendet  wird,  indem  z.  B.  der  Bruder 
des  Vaters  ebenfalls  Vater  heißt«  '.  Aus  dieser  Erscheinung  darf  man  aber 
nicht  schlechthin  auf  den  Zustand  sexueller  Promiskuität  der  Geschlechter 
schließen,  wie  es  Morgan  tat**.  Schurtz  sieht  in  jenen  Bezeichnungen  den 
sprachlichen  Ausdruck  für  die  freie  Liebe  der  Jugend,  »indem  als  Gattinnen 
eines  Mannes  nicht  mu-  dessen  wirkliche,  sondern  auch  dessen  mögliche 
Gattinnen  bezeichnet  werden,  als  Väter  nicht  nur  der  Vater  selbst,  sondern 
auch  die  Männer,  die  Gatten  der  Mutter  hätten  sein  können«^.  In  jedem 
Falle  bezeichnet  aber  die  Sprache  mit  diesen  generellen  Ausdrücken  eine 
auf  Grund  ihres  Alters  zusammengehörende  Gruppe  von  Individuen,  d.  h. 
eine  Altersklasse. 

»  ^•gl.  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  87. 

■■«  Legge,  a.  a.  O.  27,  S.  171. 

^  Legge,  a.  a.  O.  28,  S.  150. 

♦  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  9.3. 

^  Vgl.  auch  das  Tabu  zwischen  Kindern  (Solm  und  Schwiegertochter)  und 
Eltern.    Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  453. 

«    Vgl.  Wundt,  Die  Anfänge  der  Gesellschaft  S.  24  f. 
^    Schurtz,  Altersklassen  und  Männerbünde  S.  184. 
»    Vgl.  auch  Conrady,   China  S.  489. 

•  Schurtz,  a.  a.  0.  S.  185. 


Quistorp:    Männergcsellscliaft  und  Altersklassen  im  alten  Cliina.  47 

Deutliche  Unterscheidung  zwischen  einer  Klasse  von  Vätern  und 
einer  Klasse  von  Müttern  finden  wir  Li-ki  6  (16),  68a':     .Ml  y^  ^m^i 

:^Ä^o^'S#Ä-&-  ^■''■'''  ^^S*  ^^^-  l^ommentar :  ^  Z  }lh 
;Ä  1Ö  ^  ^o  M'J  Ä  ^o  11  ^  f  Ö  /fe  #•  Während  die  älteren  und 
jüngeren  Brüder  des  Vaters  also  ältere  inid  jüngere  Väter  heißen,  werden 
dementsprechend  die  Frauen  ältere  und  jüngere  Mütter  genannt.  Der  Be- 
griff '^  bedeutet  somit  ursprünglich  nicht  die  physiologische  Vaterschaft, 
sondern  ist  mehr  eine  generelle  Bezeichnung  und  lunfaßt  schließlich  alle 
Männer,  die  in  vorgerücktem  Alter  stehen  und  gleichsam  väterliches  An- 
sehen genießen,  z.B.  Shi-king  II,  1,  V,  2  2:  j^}^^^.  Als  Kollektiv- 
hegriff für  die  älteren  männlichen  Verwandten  kommt  -^  auch  Shi-king  II,  4, 
111,3^  vor:  'f^^i^^^'Xl*  Dieselbe  Erscheinung  findet  sich  dann  ferner 
bei  dem  «XXc  «ysi'cc,  den  angeheirateten  (exogamischen)  Verwandten:  ^_  be- 
deutet »Schwiegervater"  und  » Mutterbruder «,  -b^  »Schwiegermutter"  und 
•' Mutterschwester •<  *.  Alle  diese  Beispiele  zeigen,  wie  die  Verwandtschafts- 
bezeichnungen einst  sehr  dehnbare  Begriffe  waren  und  nicht  als  Ausdrücke 
für  genauere  verwandtschaftliche  Grade  aufzufassen  sind. 

Gab  es  nun  in  der  Urzeit  wahrscheinlich  nur  zwei  Altersklassen, 
nämlich  die  der  Aufeinanderfolge  zweier  Generationen,  so  beobachten 
w^ir,  wie  sich  auch  in  China  mit  der  Zeit  ein  sehr  differenziertes  Alters- 
klassensystem herausbildete,  entsprechend  dem  Zuge  primitiver  Kulturen, 
bestimmte  Motive  und  Daseinsformen  bis  zum  Extrem  weiter  zu  entwickeln. 

Auf  Altersklasseneinteilung  weist  es  wohl  hin,  wenn  Li-ki  8  (24),  58  b° 
die  alten  T.eute  in  zwei  Hauptgruppen  geschieden  werden:  ^^  yf^  ^  H^ . 
Li-ki  10  (46),  48  a'"'  finden  wir  sogar  eine  genauere  Einteilung  von  Jahr- 
zehnt  zu  Jahrzehnt:  A  +  ^  ^o  ^E- +  ^>  J^o  ^  + ^^  ^qH:: 
-pi^lTCj^  /\~H^^*51S*  ^°  typischer  AVeise  auf  die  Spitze  ge- 
trieben ist  die  Absonderung  der  einzelneu  Jahrgänge  Li-ki  3  (5),  33  a^,  wo 
wir  erfahren,  daß  die  Altersklassen  an  verschiedenen  Plätzen  gespeist,  ja 
sogar  für  jede  Klasse    besondere  Gerichte  zubereitet  werden:     551  "H  T^ 

•J^.      Sicherlich  hat  bei  diesen  letzteren  Beispielen  als  den  übertriebeneu 

Ausprägungen  einer  gesellschaftlichen  Urform  die  Entstehung  des  Ahnen- 
kultus und  der  Ehrfurcht  vor  dem  Alter  überhaupt  w'esentlich  mitgewirkt. 

'    Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  62. 

2  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  254. 

3  Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  302. 

^  Vielleicht  spricht  hier  auch  die  Etymologie  für  Zweiteilxing  in  Alte  und 
Junge;  denn  zu  bbi  kiu  vgl.  -^  kiu  »alt«,  zu  ■/raT  vgl.  "i"  ku  »alt«;  der  Alte, 
die  Alte. 

5  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  231. 

6  Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  439. 
'  Legge,  a.  a.  O.  27,  S.  240. 


48  QüisTOR»':    Männergesellschaft  niui  Altersklassen  im  altou  Cliina. 

Daß  die  Einteilung  nach  Altersklassen  aber  älter  ist  als  pietiitvolles  Ver- 
halten dem  Alter  gegenüber,  scheint  mir  endlich  aus  Li-ki  2  (3),  7a'  hervor- 
zugehen, wonach  auch  die  Unerwachsenen  in  verschiedene  Altersklassen 
zerfallen   und  sogar  in  besonderen  Särgen  bestattet  werden :    j^]  J\^  j^  fj^ 

solcheni  Beispiel  zeigt  sich  wiederum  recht  deutlich  die  Macht  dt;s  Kintei- 
lungsjjrinzips. 

Zum  Abschluß  dieser  Betrachtungen  mag  noch  eine  für  den  Ursprung 
der  Altersklasseneinteilung  vielleicht  wichtige  Stelle  angeiuhrt  werden,  Li- 
kil7,  80b  und  Sl„-    |}|Jlif-<:^Ä4^ofiilJ0H^f^*±ic 

^»^.^^UiJHB^äp |i5]±^^S%ßMiJ0 

Hieraus  sj)richt  meines  Erachtens  eine  nicht  ganz  dunkle  Eriiuierung 
an  urzeitliche  Verhältnisse,  wo  sich  im  Kampf  ums  Dasein  immer  diejeni- 
gen zu  einer  Gemeinschaft  zusammenschlössen,  die  auf  Grund  gleicher 
Fähigkeit  und  Kraft  zusammengehörten.  Daher  grenzte  man  wohl  ur- 
sprünglich die  Altersklassen  weniger  nach  den  Jahren  als  nach  den  Be- 
schäftigungen ab,  denen  die  einzelneu  Gruppen  nachgingen.  Deutlich  läßt 
sich  hier  jedenfalls  die  Entstehung  dieser  Gesellschaftsform  aus  den  natür- 
lichen Lebensbedingungen  der  Urzeit  zurück  verfolgen. 

Viertes  Kapitel. 
Exkurs  über  die  Trennung  der  Geschlechter. 

Mit  den  letzteren  Ausführungen  sind  wir  schon  der  Entwicklungs- 
stufe, mit  der  wir  uns  zu  beschäftigen  haben,  vorausgeeilt.  Trägt  das 
System  der  Altersklassen  doch  mehr  den  Charakter  einer  Begleiterscheinung 
der  primitiven  Männergesellschaft  sekundärer  Art,  so  wollen  wir  uns  ab- 
schließend noch  kurz  einem  Faktor  zuwenden,  der  ungleich  nachhaltiger 
den  Werdegang  der  Kultur  bestimmt.  Es  ist  dies  eine  Erscheinung,  die 
man  als  das  notwendige  Korrelat  zu  dem  engen  Zusammenschluß  dei' 
männlichen  Stammesangehörigen  bezeichnen  kann  und  die  von  der  Ethno- 
logie, der  getrennten  Lebensweise  der  beiden  Geschlechter  entsprechend^ 
unter  dem  Begriff  »wirtschaftlicher  Individualismus«  zusammengefaßt  wird. 

Oben^  wurde  darauf  hingewiesen,  daß  in  erster  Linie  die  Befriedi- 
gung des  Nahrungsbedürfnisses  die  Jagd  als  hauptsächlichste  Beschäftigung 
der  primitiven  Männergesellschaft  entstehen  ließ.  Bücher  sagt  allgemein 
über  diese  weitverbreitete  ethnologische  Erscheinung*:  "Das  Nahrungs- 
bedürfnis ist  das  dringendste  und  ursprünglich  das  einzige,  das  den  Men- 
sch(!n  zur  Tätigkeit  treibt,  das  ihn   ruhelos  undierschweifen  läßt,  bis  es  Be- 

'  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  125. 

2  Legge,  a.  a.  O.  28,  S.  74. 

^  Vgl.  S.  19  f. 

*  Bücher,  Entstehung  der  Volkswirtschaft  S.  44  f. 


Quistorp:    Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  49 

friedigmig  gel'unden  hat.  Bei  den  niedrigst  stehenden  Stämmen  unseres 
Gebietes  geschieht  dies  in  der  Weise,  daß  die  Männer,  mit  Pfeil  und  Bogen 
bewaffnet,  der  Jagd  obliegen,  während  die  Weiber  die  Bäume  nach  Früch- 
ten erklettern.  Beeren"  sammeln  oder  mit  einem  zugespitzten  Stück  Holz 
den  Boden  nach  Wurzeln  durchwühlen.  Es  findet  also  schon  bei  dieser 
primitiven  Nahrungssuche  eine  Arbeitsverteilnng  zwischen  den  beiden  Ge- 
schlechtern statt,  die  darin  gipfelt,  daß  die  Frau  den  pllanzlichen,  der 
Mann  den  tierischen  Teil  der  Nahrung  beschafft.«  Ergab  sich  aus  den 
ersten  Ka[)iteln  eine  gesonderte,  in  Krieg,  Jagd  und  entsprechenden  Tätig- 
keiten aufgehende  Lebensweise  der  Männer,  so  haben  wir  sichere  Anzeichen 
dafür,  daß  diesem  Zustand  auf  der  anderen  Seite  auch  besondere  wirt- 
schaftliche Funktionen  der  Frauen  entsprachen,  deren  Ausbildung  schließ- 
lich zu  einer  eigenen  Wirtschaftssphäre  führen  mußte '. 

Freilich  fließen  die  Quellen  für  diese  Erscheinung  nur  spärlich,  um 
so  interessanter  ist  es  aber  zu  vei'folgen,  welchen  Niederschlag  diese  ein- 
stige wirtschaftliche  Differenzierung  in  der  späteren  Sitte  gefunden  hat. 

Während  der  Mann  mit  seinesgleichen  der  Jagd  nachging  und  ihn 
sein  Nahrungsbedürfnis  naturgemäß  weiter  in  die  Ferne  führte,  ging  die 
wirtschaftliche  Tätigkeit  der  Frau  vornehmlich  in  dem  Sammeln  von 
Früchten  und  Pflanzen  auf,  wovon  wir  noch  mancherlei  Nachklänge  in  den 
Quellen  haben,  gelten  doch  sogar  Kastanien  und  Datteln  als  Symbol  der 
Frau^.  Einige  Shi-king-Lieder  sind  ja  schon  erwähnt  w^orden,  denen  wir 
den  Charakter  von  Frauenarbeitsliedern  zusprachen.  Eine  noch  primitivere 
Stufe  veranschaulicht  Shi-king  T,  1,  VIII*: 

^\  xc»  -•-*-  "»"^ 


*5f^^B 


o 


Hier  fehlt  noch  gänzlich  die  Beziehung  auf  den  späteren  kultischen 
Zweck,  die  Tätigkeit  der  Frauen  kommt  in  ihrer  urzeitlichsten  Form  zum 
Ausdruck. 

Auch  sonst  werden  die  Vegetabilien  und  speziell  das  Ausstreuen  der 
Saat   im   Zusammenhang   mit   der   weiblichen  Beschäftigung   erwähnt,    z.  B. 

Chou-li5.11a*:  Jl^^gg^^g ^MMtiM-  DerKommentar 

sagt  dazu  "^  ^* 'ß^  Iq" 'S*  |^  ^^ •  ^n  den  Gemächern  der  Königin  wurde 
also  einst  der  Same  fürs  nächste  Jahr  aufbewahrt,  und  die  Königin  bringt 
ihn  mit  ihren  Dienerinnen  dem  König  zur  Bestellung  des  heiligen  Ackers. 
Freilich  befinden  wir  uns  auf  einer  Stufe,  wo  infolge  intensiverer  Aus- 
nutzung des  Bodens  die  Bearbeitung  des  Feldes  durch  den  Mann  notwendig 


*  Zu  den  folgenden  Ausführungen  vgl.  A.  Conrady,  China  S.  498  ff. 

2    Vgl.  Tso-chuanV,  107/108:     :iC ^ ;y^  J^  #  ?il  Ä  f 't " 

^    Legge,  Ch.  CI.  IV,  S.  14.     Vgl.  dieses  Lied  auch  bei  Bücher   (nach  Mittei- 
lung A.  Conradys),  Arbeit  und  Rhythmus  S.  123. 

*  Biot,  Chou-li  I,  S.  148. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  I.  Abt.  4 


50  QuisTonr:    Mäiuiorgesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China. 

pewordcn  war,  aber  eine  Erinnerung  an  die  primitivere  Stufe,  wo  diese 
Tätigkeit  in  den  Händen  der  Frau  lag,  hat  sich  in  dem  Aufbewahren  und 
teilweisen  Anbau  des  Samens  durcii  die  Königin  doch  wohl  deutlich  er- 
lialten.  Wir  kommen  also  zu  dem  Schluß,  daß  auch  in  Cliina  die  Krau 
zuerst  den  geregelten  Anbau  von  Pflanzen  zur  Nahrungsbefriedigung  ge- 
pflegt hat  und  so  die  » Erlinderin  ■<  des  Ackerbaues  geworden  ist.  Sie  war 
daher  viel  mehr  als  der  Mann  dazu  imstande,  den  ersten  Schritt  zur  Seß- 
haftigkeit zu  tun  und  die  ersten  Anlange  eines  festen  Wohnsitzes  zu  be- 
gründen. Ein  dazu  gehüi-endes  Stück  Land  win-de  dann  sehr  bald  ihr 
besonderes  Eigentum  und  Betätigungsgebiet.  Darauf  deutet  das  Wort  kia 
hin,  das  als  Haus  der  Krau  im  Gegensatz  zu  dem  ^s  des  Mannes  durch 
y^  gekennzeichnet  wird.  Das  Zeichen  für  »säen-,  kia,  setzt  sich  aus  dem 
Radikal  ^|r  und  *^  zusammen,  und  so  gibt  wohl  das  Zeichen  ^^  einen 
deutlichen  Beleg  dafür,  daß  ursprünglich  die  Bestellung  der  Hauswirtschaft 
imd  des  undiegenden  Keldes  der  Wirtschaftssphäre  der  Krau  angehörte. 

Da  der  Opfernde  nur  darbi-ingen  darf,  was  er  selber  gesät  und  ge- 
pflanzt hat,  so  ist  hier  auch  die  Spendung  von  Vegetabilien  beim  Opfern 
zu  erwähnen,  Chou-li  5,  22  ^  heißt  es:  Jl  *S  Jl  ^  Jltll Ä  5  ^o  Ä 
,^^S  '^S^-'  desgleichen  erfahren  wir  aus  Li-ki  24,  40  a  ^  daß  der 
Älann  beim  Opfer  die  Herbeischaffung  und  Tötung  der  Tiere  besorgt, 
während  die  Frau  die  Opfergefäße  mit  Getreide  zurechtstellt:   ^'  ^  ^^ 

^KMr'^o^ttPo^KM^-  ^'^^  '''  '''  feststehend,  daß 
es  formelhaft  für  Eheschließimg  und  Ehescheidung  gewoi-den  ist,  z.  B.  Tso- 

Chuan  V,  232/34 :    ji  ^  IH  fö.  ^  TC  ^E,  «  ^  ^^  S  ^- 

Sehr  frühzeitig  sclieint  ferner  der  Anbau  von  Hanf  und  Seide  von 
der  Kj-au  ausgeübt  zu  sein,  Li-ki  10  (44),  41b''  rühmt  diesen  Zweig  des  weib- 
liehen  Arbeitsgebietes:  ^^^^  A  o'i^  1^^  M  ^lä  ^UM"^ 
^  ^^  ^ß..      Die   Verarbeitung  von  roher  Seide  und   Hanf  wird  weiterhin 

(■ho.,-Ii27,3b^'  Krauen  werk  genannt:  )l^  ^^M^  f&Zt^  ZM  ^ ' 
Auch  einige  Shi-king-Lieder  enthalten  Anspielungen  auf  diese  Seite  weib- 
licher Tätigkeit,  a.a.O.  1,12,  n,2'-':  '^^^'ALjj^i;   HI,  3,  X,  4':    ^  fiS 

^^/f^:^M.^Iic-    <^'8l-  Slii-l^-ingl;  9,  1,1,  Legge,    Ch.  Cl.IV,  S.163). 

Im    Zusauunenhang    mit   dieser    Herstellung    von    Stoffen,    überhaupt 

nn't  weil)licher  Erwerbstätigkeit,  steht  es  endlich  vielleicht,  daß  nach  Chou- 

li  5,  Sa"  auch  dei-  i)rinn"tive  Marktverkehr  in  den   Händen  der  Krauen  lag: 

»  Biot,  a.  a.  0.  I,  S.  154. 

»  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  212. 

»  Vgl.  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  171. 

*  Legge,  a.  a.  0.28,  S.  431. 

''  Biot,  Chou-li  II,  S.  458. 

«  Legge,  Ch.  Cl.  IV,  S.  206. 

'  Legge,  a.  a.  0.  IV,  S.  562. 

8  Biot,  a.  a.  0.  I,  S.  145. 


Quistorp:    Männergesellschaft  und  Altersklassen  Im  alten  China.  51 

Üj^^I^     ^J5^jt  rtT"      ^^'"    Kommentar   bemerkt    zu    dieser   Stelle: 
niMkl^miämm-& aEjtiaiTnJHjtTfi--  Beider 

Gründung  der  Stadt  errichtet  also  der  König  den  Palast,  die  Königin  etabliert 
den  Mai-kt  und  regelt  den  Verkehr.  Hierin  spiegelt  sich  deutlich  der  pri- 
mitive jNIarktveikehr  wiedei',  wie  er  sich  urs])rünglich  von  Ort  zu  Ort 
durch  die  Fiauen  beim  Wasserschöpfen  an  gemeinsamen  Brunnen  u.  dgl. 
anbahnte.  Man  brachte  bei  diesen  Gelegenheiten  seine  Arbeitserzeugnisse 
mit,  lernte  deren  gegenseitige  Vorzüge  schätzen,  und  so  konnte  sich  ein 
reger  Austausch  entwickeln,  während  die  Herbeischaffung  von  fremdlän- 
dischen Erzeugnissen  wohl  die  Männer  bevorzugten. 

Dieser  wirtschaftliche  Individualismus  zeigt  schließlicli  darin  seinen 
tiefgehenden  sozialen  Einfluß,  daß  er  auch  in  China  zu  einer  Trennung  der 
Geschlechter  führte,  die  von  der  Sitte  streng  geregelt  war  und  gleichsam 
einen  eigenen  Ritualismus  des  täglichen  Vei-kehrs  erzeugte  '.  Im  ersten  Kapitel 
wurde  schon  darauf  hingewiesen,  daß  die  Bekappungszeremonie  unter  Aus- 
schluß der  Frauen  stattfand.  Auch  sonst  wurden  alle  öffentlichen  Ange- 
legenheiten im  Kreise  der  Männer  erledigt^.  Dem  scheint  die  Beteiligung 
der  Frau  am  Ahnenopfer  zu  widersprechen.  Wie  Plath*  bemerkt,  war  sie 
aber  nur  bei  den  Opfern  im  Hanse  beteiligt,  weil  alles,  was  sich  im  Hause 
vollzog,  zu  ihrer  eigensten  Tätigkeit  gehöi'te.  Bei  den  vielen  Opfern  außer- 
halb des  Hauses,  soweit  sie  nicht  zum  Ahnenkult  gehörten,  war  sie  nicht 
zugegen*.  Die  Anwesenheit  der  P'i-au  bei  den  kultischen  Feiei'lichkeiten 
der  Männer  reicht  demnach  wohl  nicht  bis  in  die  Urzeit  zurück,  sondern 
entstammt  einer  Zeit,  wo  die  Frau  als  Folge  ihrer  festen  Häuslichkeit  den 
Ahnenknltus  an  den  eigenen  Herd  gefesselt  hatte.  Wie  dem  auch  sei,  mag 
das  weibliche  Element  schon  frühzeitig  bei  der  Ausübung  von  Zauberhand- 
lungen eine  gewisse  Rolle  gespielt  haben  ^  die  primitive  wirtschaftliche 
Differenzierung  der  Urzeit  findet  zunächst  ihren  Ausdruck  in  getrennten 
Mahlzeiten  der  beiden  Geschlechter.  Nach  Li-ki  1  (1),  20  b*'  soll  der  Bräutigam 
bei  der  \'erlobung  seine  Freunde  einladen  und  ihnen  ein  festliches  Mahl 
geben,  um  dadurch  die  Trennung  der  Geschlechter  zu  markieren:    "^ ')§ 

-^ i:i^  15 -^ -^ij  "tii  ■     D''ilic''  ist  PS   ein  bedeutsames  Moment, 

wenn  die  Neuvermählten  zusammen  speisen,  aber  bezeichnenderweise  sitzen 
sie  dabei  auf  verschiedene  Matten,  Ngi-li  11,  8a^  4ft  ^W  ^fl  ^t^"^  ^• 

1  Diese  Trennung  der  Geschlechter  in  der  gesellschaftlichen  Sitte  kann 
natürlich  erst  einer  \erhältnismäßig  späten  Zeit  angehören,  da  wir  im  ersten  Kapitel 
zu  der  Annahme  eines  freieren  Verkehrs  der  Geschlechter  geführt  wurden. 

2  Vgh  Tso-ChuanV,  704/708:    :g:^^§^^ft. 

^    Plath,  Religion  und  Kultus  der  alten  Chinesen  ü,  S.  38. 

*    Vgl.  den  Kommentar  zu  Chou-li  5,  22  a  (Biot  I,  S.  154):   ^^-^[^:^ 


PtW^ÜÄl'^ 


P- 

Über  Priesterinnen  vgl.  A.  Conrady,  China  S.  490. 
Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  78. 
De  Harlez,  I-li  S.  31. 


4* 


52  QuisTORi*:    Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  Cliina. 

Diese  neue  gemeinsame  Lebensweise  von  geschlechtsverschiedenon  Personen 
gilt  für  rliincsische  Vorstellungen  keineswegs  als  selbstverständlich,  daher 
l)czeichnet  Meneiiis  V,  1,  II,  1  '  das  Zusaniinenwohnen  von  Mann  mid  Weib 
als   die    größte    der    menschlichen    Heziehungen :     ffl  -^  J^  ^   A   ^  -^ 

j'jS} -ffj  .  A.  a.  Ü.  111,  1  1\',  y-  wird  der  wirtschaftliche  Individualisnuis  klar 
ausgesprochen:  Unter  den  von  Weisen  des  Altertums  übermittelten  Gütern 
und  Vorschriften  erwähnt  er  nändich  5^  i&j^  ^ /ylj  ^i  Legge  übersetzt  ^|J 
mit  »separate  functions«.  Der  Begriff  besagt  aber  mehr,  er  bedeutet  die 
getrennte  Lebensweise  der  Geschlechter  überhaupt.  Selbst  das  eheliche 
Zusammenleben  vollzieht  sich  in  merkwürdigen  Formen:  Mann  und  Frau 
bewohnen,  so  heißt  es  Li-ki  5(12),  73a*,  voneinander  getrennte  Räume  des 
Hauses  bzw.  Gebäude  des  Gehöftes,  der  Mann  den  äußeren  Teil,  die 
Frau  den  inneren,  die  Männer  betreten  nicht  das  Innere,  die  Frauen  kommen 
nicht  in  die  Behausung  des  Mannes:   '^  's*  ^  ^^  _^K  p^     JB  Hp  f^  ^K 

i^^^  ft ;^^  AoiC^  lÜ-    ^I^'S  ='"ch  die  Praxis  wohl 

niemals  bis  zu  diesem  Extrem  ausgeartet  sein,  so  ist  doch  diese  theoretische 
Auffassung  von  ehelicher  Gemeinschaft  sehr  bezeichnend. 

Hierher  gehört  dann  ferner  wohl  die  Sitte,  die  einer  auch  sonst  ja 
weit  verbreiteten  Gepflogenheit  entspricht,  daß  die  Schwangere  zur  Zeit  der 
Niederkunft   ein  Seitengemach  bezieht,    das    der  Mann    nicht  betreten  darf. 

Li-ki  5  (12),  73b' ^  51^^  ^1 Bm^o^mAu?i-?^z- 

Als  Grund  hierfür  wird  im  allgemeinen  die  Unreinheit  der  Niederkommen- 
den angesehen";  es  fragt  sich  aber  meines  Erachtens,  ob  wir  es  hier  nicht 
schon  mit  dem  Bedeutungswandel  eines  Motivs  zu  tun  haben,  das  seinen 
Ursprung  in  der  natürlichen  Trennung  der  Geschlechter  hat". 

In  ihren  letzten  Auswüchsen  ist  diese  Lebensweise  endlich  die  Quelle 
i'ür  eine  wohl  einzig  dastehende  Prüderie  gewesen.  Das  zeigen  Bestim- 
mungen wie  folgende:  Die  Kleider  der  Eheleute  dürfen  nicht  an  demselben 
Platze  hängen,  erst  vom  70.  Lebensjahre  an  dürfen  sie  zu  dem  Zweck  die- 
selbe Truhe  benutzen ;  die  Frau  darf  das  Lager  des  Ehemanns  nur  in  seiner 
Abwesenheit  ordnen,   Li-ki  5(12),  73a  und  b'*:   ;^  ;^ ^  f^  f |ii  t;llD     ^ 

^^^'^i/^  ^^  ^^''^^'Hi'  ^'*  ^^^  Geschlechtsverkehr  zwischen  Ehegatten 
keinen   besonderen  Einschränkungen  unterliegt,  so  erkennen  wir  an  diesem 

1  Legge,  Ch.  Cl.  H,  S.  34G. 

>  Legge,  a.  a.  O.  H,  S.  252. 

^  Vgl.   den  stehenden    Ausdruck    31  -^  H|J  ^   u.  dgl. 

*  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  470. 
"  Legge,  S.  B.  E.  27,  S.  471. 

"  Über  das  Tabu  des  Geburtsaktes  für,  den  Mann  vgl.  PIoß-Bartels,  Das 
Weib  II,  S.  46  f. 

^  Jedenfalls  gab  es  in  China  keine  Reinigungsvorschriften  der  Frau  nachher; 
denn  die  Keinigungszerenionien  bei  der  Namengebung,  die  ja  auch  der  Mann  zu 
vollziehen  hatte  (Legge.  S.  B.  E.  27,  S.  473  f.),  galten  der  Festlichkeit. 

*  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  470. 


Quistorp:   Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  53 

Beispiel   sehr  deutlich  den   Ursprung  von  Schicklichkcitsfragen   im  Verkehr 
geschlechtsverschiedener  Personen. 

Weitei'hin  erfahren  wir  Ngi-li  II,  IIb',  daß  sich  die  Schwiegereltern 
bei  der  Bewirtung  der  jungen  Frau  an  verschiedenen  Plätzen  des  Hauses 
waschen,  der  Schwiegervater  am  Waschtisch  des  Südens,  die  Schwieger- 
mutter  am  Waschtisch  des  Nordens:  ^ /^^t  T  iS /it.M/it  T  Ä  )(^' 
Nach  Ngi-li  II,  IIa  ^  ißt  die  junge  Frau  bei  der  ^Mahlzeit  nicht  die  Speise- 
reste des  Schwiegervaters,  sondern  nur  die  der  Schwiegermutter:    ^^'^ 

Vom  7.  Lebensjahr  an  sitzen  Knaben  und  Mädchen  nicht  mehr  auf 
derselben  Matte,  mit  diesem  Zeitpunkt  beginnen  auch  die  getrennten  Mahl- 
Zeiten,  Li-ki  5  (12),  79a^-  ^^  ^  ^^^\^  J^  ^^^^-  Von  früh 
auf  wird  also  sorgfältigst  jede  Annäherung  vermieden,  die  sich  schließlich  bis 
zu  dem  Verbot  irgendwelcher  körperlicher  Berührung  erstreckt:  Nach  Ngi- 
li  II,  14  b*  trinkt  die  junge  Frau  auf  das  Wohl  ihres  Schwiegervaters,  in- 
dem sie  den  Becher  von  der  Platte  und  nicht  aus  seinen  Händen  nimmt, 
denn  Männer  und  Frauen  dürfen  nichts  direkt  einander  geben:  ^^^^ 
^M^'  ^  ^'  Ebenso  heißt  es  Li-ki  8  (25),  71  aS  daß  sich  Mann  und 
Frau  beim  Geben  und  Nehmen  eines  Gegenstandes  nicht  berühren  dürfen : 

Auch  ]Mencius  bejaht  die  Frage  eines  seiner  Schüler,  ob  die  gute 
Sitte  die  Berührung  von  Mann  und  Frau  beim  Geben  und  Nehmen  ver- 
Wete,  a.a.0.1V,  KXVII-  S  JMW^  WM  Zlä^W^o  So  ^MM 

r^n.mMm^iL.^iKnz^m.mikommmziä^ 

Nach  den  angeführten  Beispielen  w^ürde  man  sich  gar  nicht  wundern, 
wenn  Mencius  selbst  in  diesem  Falle  für  konsequente  Erfüllung  des  Schick- 
lichkeitsgebotes  einträte,  sollte  es  einem  weiblichen  Wesen  auch  den  Tod 
des  Ertrinkens  kosten.  Denn  auch  im  Tode  hat  die  Trennung  der  Ge- 
schlechter noch  kein  Ende:  nach  Li-ki  8  (22),  la*^  darf  der  Mann  nicht  in 
den  Armen  des  Weibes  sterben,  das  Weib  nicht  in  den  Händen  des  Mannes: 


1  De  Harlez,  I-li  S.  36. 

2  De  Harlez,  a.  a.  0.  S.  35.  Wenig  befriedigend  ist  der  chinesische  Kom- 
mentar (Aiim.  5),  der  das  ablehnende  Verhalten  des  Schwiegervaters  damit  erklärt, 
daß  die  junge  Frau  noch  nicht  heimisch,  gleichsam  Gast  sei.  Aus  dem  gleichen 
Grunde  müßte  dann  auch  die  Schwiegermutter  ablehnen. 

3  Legge,  S.  B.  E.  27,  8.  478. 
*   De  Harlez,  I-li  S.  41. 

5  Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  248. 

6  Vgl.  Legge,  a.  a.  0.  27,  S.  457/58. 
'  Legge,  Ch.  Cl.  H,  S.  307. 

8  Legge,  S.  B.  E.  28,  S.  173. 


54  Qi'istorp:   Mäniiergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China. 

heißt  es  Li-ki  7  (21),  8"2b  ':  Die  Schwägerin  lea;t  nicht  die  Hand  auf  die  Leiche 
des  vSchwagers  und  umgekehrt:  j^^||ffi>J9(-  Als  Abschluß  dieser  Aus- 
fiihrungen  und  wohl  unvergleichliches  Beispiel  für  die  ins  Extrem  strebende 
Ausbildung  bestimmter  Sitten  mag  Tso-chuan  V,  553/556  angeführt  werden, 
wonach  eine  Frau  bei  einer  Feuersbrunst  umkommt,  weil  sie  noch  auf  ihre 
Amme  wartet,  ohne  die  sie  nicht  ausgehen  darf:    ^  "^  ^j^  ■;;/^  5)>^  51^  ^^ 

Fassen  wir  kurz  das  Ergebnis  zusammen,  so  kommen  wir  auf  Grimd 
des  vorliegenden  Materials  zu  dem  Schlüsse,  daß  in  China  auf  einer  sehr 
frülien  Entwicklungsstufe  wirtschaftliche  Differenzierung  der  Ge- 
schlechter in  vollem  Sinne  des  Wortes  geherrscht  haben  muß.  Diese 
Durchgangsstufe  primitiven  Wirtschaftslebens  und  nicht  moralische  Er- 
wägungen bilden  den  historischen  Hintergrund  für  die  streng  durchgeführte 
Geschlechtertrennung.  In  den  vorangehenden  Kapiteln  haben  wir  zu  zeigen 
gesucht,  wie  sich  durch  einen  festen  Zusannnenschluß  der  männlichen 
Stammesmitglieder  eine  besondere  Lebensgemeinschaft  herausbildete;  wir 
sahen  ferner,  wie  sich  dadurch  geradezu  eine  wirtschaftliche  Sonderstellung 
des  Weibes  ergibt,  indem  es  im  Kampf  ums  Dasein  auf  eigene  Erwerbs- 
tätigkeit angewiesen,  bald  gewisse  Arbeltsgebiete  zu  seiner  ausschließlichen 
Betätigung  macht.  Das  ist  aber  nui-  die  eine  Möglichkeit  der  Betrachtung. 
A'erfolgen  wir  endlicli  weiter,  welchen  Einfluß  diese  Sonderstellung  auf  die 
Fiuiktionen  des  Weibes  als  Mutter  ausübte,  so  werden  wir  damit  von  selbst 
auf  die  Tatsache  des  sogenannten  IMutterrech ts  oder  der  3Iutterfolge 
geführt. 

Fünftes  KapiteL 
Exkurs  über  mutterrechtliche  VorstelluDgen  bei  Lao-tze. 

Daß  es  im  alten  China  einstmals  einen  mutterrechtlichen  Zustand  gab, 
hat  als  erster  A.  Conrady'^  behauptet  und  nachgewiesen.  Es  würde  zu 
weit  führen  und  eine  Abhandlung  für  sich  erfoi'dern,  wollten  wir  hier  im 
einzelnen  die  Quellenbelege  dafür  erbringen.  Daher  beschränken  wir 
uns  darauf,  den  Spuren  dieses  primitiven  Gesellschaftszustandes  in  der 
Philosophie  Lao-tzcs  nachzugehen,  steht  dieser  Denker  doch  am  Anfang 
einer  dem  strengen  Konfuzianismus  entgegengesetzten  Geistesrichtung  und 
spiegelt  das  Denken  und  Pfühlen  seines  Volkes  in  einer  freieren,  weniger 
durch  den  Konventionalismus  eingeengten  Form  wieder.  Auch  insofern 
eignet  er  sich  besonders  für  unsere  Schlußbetrachtung,  als  wir  seine  An- 
schauungen int  Tao-teh-king  verhältnismäßig  einheitlich  und  geschlossen 
niedergelegt  finden.  Die  Zurückfiihrung  seines  Systems  auf  natürliche 
soziologische  Grundlagen  würde  außerdem  vielleicht  einen  neuen  Gesichts- 
punkt  für   das  Verständnis   seiner    Weltanschauung   erschließen.     Zugleich 


»   Legge,  a.  a.  0.  28,  S.  166. 
»    A.  Conrady,  China  S.  483  f. 


Quistorp:    Männergesellschaft  nnd  Altersklassen  iin  alten  China.  55 

würden  wir  damit  der  Gefahr  entgehen,  den  dunklen  Begriff  des  Tao  dui'ch 
Hineintragung  eigener  mystisch-spekulativer  Ideen  noch  mehr  zu  verdunkeln. 

Der  Begriff  des  Tao  ist  ja  für  Lao-tze  der  Grundpfeiler  seiner  Philo- 
sophie. Tao  bezeichnet  er,  allgemein  gesprochen,  als  den  Urgrund  alles 
Seins,  auf  den  er  immer  wieder  zurückkommt;  seine  daraus  abgeleitete  Ethik 
und  Sozialpolitik  spielen  im  Verhältnis  dazu  nur  eine  untergeordnete  Rolle. 

Nun  spricht  man  allgemein  Lao-tzes  System  und  speziell  seinem  Tao- 
begriff  einen  religiös-mystischen  Charakter  zu.  Strauß  geht  so  weit ',  ihn 
mit  dem  persönlichen  Gottesbegriff  des  Christentums  zu  identifizieren.  Handelt 
es  sich  aber  bei  Lao-tze  um  religiöse,  wenn  auch  ins  Philosophische  ge- 
steigerte Ausdrucksformen,  so  sind  uns  damit  klare  Richtungslinien  fiir  die 
Betrachtung  an  die  Hand  gegeben,  d.  h.  wir  haben  den  Hintergrund  der 
allgemeinen  kulturellen  Zustände  zum  Verständnis  heranzuziehen.  Denn 
wurzelt  eine  jede  Religionsform  in  einer  bestimmten  soziologischen  Struktur, 
so  läßt  sich  in  China  besonders  deutlich  die  Entstehung  und  Entwicklung 
der  religiösen  Begriffe  als  Ausstrahlungen  des  jeweiligeii  gesellschaftlichen 
und  kulturellen  Zustandes  verfolgen.  Man  vei-gegenwärtige  sich  nur  den 
Göttej'staat,  so  wie  er  uns  in  der  klassischen  Literatur  des  Konfuzianismus 
als  getreues  Abbild  des  irdischen,  patriarchalischen  Staates  der  damaligen 
Zeit  entgegentritt:  nicht  nur  symbolisch  gilt  der  König  als  der  »Sohn  des 
Himmels«  ^.  Ebensowenig  aber  wie  der  in  der  Verehrung  des  Shang-ti 
gipfelnde  Monotheismus  ist  die  patriarchale  Gesellschaftsform  urchinesisch; 
diese  hat  vielmehr  nach  Obigem  erst  einen  älteren  mutterrechtlichen  Zu- 
stand verdrängt.  Wollen  wir  diese  Erscheinung,  so  wie  sie  sich  in  der 
Geistesbetätigung  eines  Volkes  wiederspiegelt,  vom  religiösen  Standpunkt 
aus  auf  eine  Formel  bringen,  so  können  wir  sagen :  wie  in  allen  aus  eigenem 
Boden  erwachsenen  Kulturen,  ist  auch  in  China  einst  dem  Uranisnuis  eine 
Zeit  des  Chtonismus  vorausgegangen.  Wir  wollen  untersuchen,  ob  nicht 
das  'l'ao-teh-king  in  seinem  Grundbegriff  als  die  philosophische  Abstraktion 
dieser  geistigen  Stufe  anzusehen  ist. 

Unter  anderem  spielt  ja  in  jener  primitiven  Weltanschauimg  das 
weibliche  Prinzip  eine  entscheidende  Rolle,  namentlich  in  den  Stammes- 
sagen. So  kennt  die  Sage  nur  immer  die  Mutter  der  ältesten  Kaiser,  der 
Vater  wird  nicht  genannt,  eine  Wiederspiegelung  des  Zustandes,  bei  dem 
die  Mutter  infolge  der  Offensichtlichkeit  des  Geburtsaktes  imd  ihrer  fast 
ausschließlichen  Aufgabe  bei  der  Auferziehiuig  des  Nachwuchses  als  Erzeuger 
und  Erhalter  der  einzelnen  Person  und  des  ganzen  Stammes  gilt.  Nicht 
zutällig  kommen  nun  wohl  seit  dem  Auftauchen  des  Taoismus  in  der  Literatur 
die  alten  Volkssagen,  speziell  die  von  der  mütterlichen  Abstammung,  zahl- 
reicher zum  Vorschein.  Vielleicht  würde  demnach  der  Taoismus  in  seinen 
ersten  Anfängen  einen  uralten  Volksglauben,  so  wie  ihn  der  mutterrecht- 
liche  Zustand  erzeugte,  zum  Ausdruck  bringen. 


1  V.  von  Strauß,  Tao-te-king,  Einleitung  S.  XXXV  f. 

2  Vgl.  Shu-king  V,  12,  9  und  13  (Legge,   Ch.  Gl.  III,   S.  425,  427),   wo    der 
König  als  »der  älteste  Sohn»  des  Himmels  (ttI-x')  bezeichnet  wird. 


5f)  Qi-isTORr:    Mäniiorgesollsfliaft   tind   Altersklassen  im  alten  China. 

Prüfen  wir  daraufhin  den  Be};riff  des  Tao  bei  I>ao-tze,  so  erscheint 
er  in  der  Tat  als  der  philosoiihisehe  Ausdinck  lur  diesen  alten  Sagen- 
ki)inj)lex.  So  bezeichnet  Lao-tze  gleich  in  den  ersten  Sätzen  Tao  als  die 
Mutter  aller  Dinge  ' :  M^  %^^  ^jii^^^  ^  ^ 'i^  ^fj:-  »"d  ähn- 
lich im  4.  Kapitel«  als  aller  Dinge  ersten  Ahnen  =»:  '(KU  ^  ^  ^  4^  :^ 
^.     Kapitel  2b*  wird  Tao  der  Welt  Erzeugerin  und  Mutter  genannt:  ^ 

i|10a;jJCo  vtXilli^± Pr«S35T#-  Desgleichen  im  An- 

fang  von   Kapitel  52^:   ^  T  W^O  ,  Üü  S  ^T  #" 

Im  4.  Kapitel"  heißt  es  ferner  von  Tao:  ^ '^"  ^  -^^  es  wird  ihm 
also  auch  zeitliche  Priorität  vor  Gott  —  das  einzige  Mal,  wo  bei  Lao-tze 
dieser  Begriff  vorkommt  —  zugeschrieben,  eine  Ubei-tragung  der  mensch- 
lichen Sagen  auf  die  ganze  Welt:  Die  Kaiser  der  Urzeit  hatten  nur  eine 
Mutter,  ebenso  hatte  auch  der  göttliche  Kaiser  und  mit  ihm  das  ganze 
Weltall  nur  eine  Mutter,  nämlich  Tao.  Sehr  gravierend  ist  endlich  noch 
Kapitel  6^  wo  Tao  das  geheimnisvolle  (Tier-)  Weibchen*,  alles  Irdischen 
Pforte,   Himmels  und    der  Erde  Anfang   (wörtlich:  Wurzel)    genannt  wird: 

tung  verdient  vor  allem  die  Bezeichnung  ^ 'tj't  ^  P^  ■  liierin  liegt  wohl 
ohne  Zweifel  eine  geschlechtliche  Anspielung  auf  die  Vagina  als  den  Aus- 
gangspunkt des  Einzelwesens. 

Aus  der  Gegenüberstellung  des  ewigen  und  des  menschlichen  Tao 
könnte  man  schließen,  Lao-tze  habe  unter  diesem  Urwesen  eine  Dyas  ver- 
standen. K  -^  ist  aber  für  ihn  gar  nicht  Tao,  sondern  bedeutet  geradezu 
eine  Aliirrung  vom  ursprünglichen  Tao.  Kapitel  l  heißt  es  ausdrücklich: 
ittffi^  («c«  ming  und  yo  ming)  [^j  [ij  "[fn-:^^:  f^as  Namenlose  und 
dasNanienhabende  sind  eins,  dasNamenhabende  gleichsam  die  Inkarnation  des 
Namenlosen.  Das  Wesentliche  ist  aber,  daß  Lao-tze  nur  eine  Mutter  als  den  An- 
fang aller  Dinge  anerkennt,  eine  weibliche  Urkraft,  die,  ganz  wie  die  Stammes- 
mütter einiger  Sagen,  ohne  Mann  erzeugt;  und  dies  ist  es,  was  meines  Er- 
achtens  dem  j)a  tri  a  rchalen  Chinesen  unmöglich  gewesen  wäre,  zu  erfinden. 
Er  hätte  '^"S"^  das  menschliche  Verhältnis  seiner  Stufe,  auch  auf  das  All 


1  Legge,  S.  B.  E.  39,  S.  47. 

2  Legge,  a.  a.  0.  39,  S.  50. 

3  Man  könnte  wohl  zweifeln,  ob  Strauß  (Tao-te-king  S.  22)  und  Carus  (Tao- 
Teh-King,  Chikago  1898,  S.  99  [153])  ^  richtig  mit  nUrvater-.  übersetzen.  Da  Tao 
nicht  einmal  als  Mutter,  einmal  als  Vater  bezeichnet  werden  kann,  scheint  -^  doch 
wohl  ursprünglich  geschlechtslos  gedacht  zu  sein. 

*   Legge,  a.  a.  0.  39,  S.  67. 

6   Legge,  a.  a.  0.  39,  S.  94. 

«   Legge,  a.  a.  0.  39,  S.  50. 

'   Legge,  a.  a.  0.  39,  S.  51. 

•*  Die  Annahme  Terrien  de  la  Couperies,  das  geheimnisvolle  Tiervveibchen 
sei  die  babylonische  Lrkuh,  scheint  mir  völlig  unbegründet,  vielmehr  werden  wir 
vielleicht  an  urchinesische  Totemvorstellungen  zu  denken  haben. 


Qüistorp:   Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  57 

projiziert.  Hierin  liegt  zugleich  ein  Beweis  gegen  die  Annahme  von  Sti-anß ', 
-ffl:  sei  bei  Lao-tze  nur  eine  symbolische  Ansdrucksweise.  Nicht,  daß  er 
eine  Mutter  an  den  Anfang  der  Welt  stellt,  muß  uns  auffallen,  sondern  daß 
es  nur  eine  Mutter  ist. 

Auf  Grund  dieser  Erwägungen  wird  wohl  der  Schluß  nahegelegt, 
daß  der  Grundbegriif  von  Lao-tzes  Philosophie  seinen  Ausgangspunkt  in 
konkreten  und  aus  bestimmten  Tatsachen  hervorgehenden  Vorstellungen  ge- 
nonnnen  habe.  Ein  Rest  dieser  Anschauungen  hat  sich  zum  mindesten  in 
der  Ausdrucksweise  erhalten.  Ist  Tao  bei  Lao-tze  auch  schließlich  zu  einem 
rein  philosophischen  Prinzip  geworden,  so  verrät  es  doch  seinen  Ursprung 
in    der  Unbestimmtheit   und   eigentlichen  Undefinierbarkeit   seines  Wesens. 

Freilich  tragen  diese  letzteren  Ausführungen  einstweilen  sehr  hypo- 
thetischen Charakter.  Sie  dürfen  aber  wohl  als  ein  Vei-such  angesehen 
werden,  die  Grundideen  Lao-tzes,  dieses  tiefsten  Denkers  Ostasiens,  auf 
ihre  natürlichen  Grundlagen  zurückzuführen  und  in  unmittelbare  Beziehung 
zu  dem  allgemeinen  Kulturzustand  einer  fernen  Urzeit  zu  setzen.  Denn 
noch  einmal  mag  es  ausgesprochen  werden:  Geistesgrößen,  gleichsam  die 
jeweiligen  Brennpunkte  für  die  Ausstrahlungen  einer  bestimmten  sozialen 
Gemeinschaft,  sind  nie  die  Ausgangspunkte,  sondern  inuner  nur  die  Höhe- 
punkte einer  Entwicklung.  Das  gilt  für  die  chinesische  Kultur  nicht  weniger 
wie  für  jede  andere,  liegt  bei  ihrem  konservativ-beharrlichen  Charakter  doch 
die  Gefahr  besonders  nahe,  bestimmte  Erscheinungs-  und  Lebensformen  als 
feststehende  hinzunehmen  und  dabei  ihr  stetes  Werden  und  Wachsen  aus 
niederen  und  niedersten  Anfängen  heraus  zu  übersehen.  Wenn  es  der  vor- 
liegenden Arljeit  gelungen  ist,  nach  einer  Seite  hin  gewisse  Keimpunkte  der 
Entwicklung,  so  wie  sie  den  Werdegang  der  chinesischen  Kultur  aus  imma- 
nenten Bedingungen  heraus  vorzeichnen,  in  ein  etwas  helleres  Licht  gerückt 
zu  haben,  so  sieht  sie  darin  ihre  Aufgabe  erfüllt. 


1    Strauß,  Tao-te-king  S.  6. 


58  Quistorp:    MännergeseUschaft  und  Altersklassen  im  alten  China. 


Nachträge. 


Zu  S.  27  Anm.  2:  Als  Opferstätte  wird  das  Ming-t'ang  auch  S!ii-kl  28, 
Ib  (Cliavanncs,  Memoircs   llistoriques  111,  8.  448/49)  genannt:    ^ -J-' Q 

Zu  S.  27  Anm.  5:  Vergleiche,  daß  nach  Shi-ki  6,33  b  (Chavannes, 
Meinoires  llistoriques  II,  S.  208/09)  .lao  und  Shun  Strohdächer  auf  ihren 
Palästen  hatten:   ^^ ^^X^M' 

Zu  S.  30  Anm.  5:  Vgl.  Chuang-tze  10(33),  17a  (Legge,  S.  B.  E.  40, 
S.  218),  der  von  einer  eigenen  JMusik  für  das  Pi-yung  spricht:   ^4  3E 'W 

Zu  8.  31  Anm.  2:  Interessant  für  die  Rhythmik  des  Bogenschießens 
ist  auch  Chou-H  6  (23),  6  a  (Biot  II,  38) :  =g  ^'^kIÜ'^^^-  ^^'^'^^ 
dem   Kommentar   dient   ^S    hier    7,ur    Bezeichnung    der   abgemessenen    Be- 

wegungeo:  S,  fi  fl  i^  t*^o  ÄSÜM  ^S  Ä- 

Zu  8.41  Anm.  4:  Der  Kommentar  zu  Chou-li  14,21a  (Biot  11,41) 
erklärt  lIl^^S    durch   ^^^\    -ganz  Federn«,    offenbar   also    ein  Tiertanz. 

Ö^    wird  erklärt  durch:    l^MW  MM  to  ^MÜ^  ZM' 

Auf  dem  Kopf  trägt  man  also  eine  Federmütze,  das  Gewand  wird  mit 
Eisvogelfedern  geschmückt,  eine  Nachahmung  von  Tieren,  wie  sie  überall 
auf  primitiven   Stufen  wiederkehrt. 

Zu  8.  41  Anm.  6:  Vergleiche  auch,  daß  Kuei  und  Lang  beim  Opfer- 
fest tanzen  (Chavannes,  Memoires  Historicjues  III,  8.  625   Anm.  2). 

Zu  8.  46  Anm.  3 :  Nach  Tso-chuan  V,  224/26  begibt  sich  der  Geist 
eines  Fürsten  nach  der  Totenklage  an  die  Seite  des  Großvaters. 


Quistorp:    Männergesellschaft  und  Altersklassen  im  alten  China.  59 


Literatur. 


Bücher,  K.,  Arbeit  und  Rhythmus,  4.  Aufl.,  Leipzig  1908. 
Bücher,  K.,  Die  Entstehung  der  Volkswirtschaft,  Tübingen   1906. 
Conrady,  A.,  China  im  3.  Bande  der  v.  Ptlugk-Harttungschen  Weltgeschiclite 

S.  459  flP. 
Conrady,    A.,    Beiträge    zu    W.  P.  Wassiljew:    Die    Erschließung    Chinas, 

Leipzig  1909. 
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de  Groot,  Sectarianism  and  religious  persecution  in  China.     Verhandlungen 

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Ngi-li    f*|  jjiS  •    Französisch  von  C.  de  llarlez:  I-li,  Ceremonial  de  la  Chine 

AnticpieT  Paris   1890. 
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Lieh-tze   ^\\-^-    Deutsch  von   E.  Fahcr,  Elberfeld   1877. 

Shi-ki  52  oE'  Französisch  von  Ed.  Chavannes:  Mcmoires  Historiques, 
Vol.  I— IV. 


61 


Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen 
aus  der  Zeit  der  Chou-  und  Han-Dynastie  und  der 

drei  Reiche. 

Von  Friedrich  Krause, 

Hauptmann  und  Batteriechef  im  Fußartillerie-Iiegiment  v.  Hindersin  (1.  Pomm.)  Nr.  2. 


Uie  vorliegende  Arbeit  will  den  Versuch  einer  Monographie  bieten  im 
Sinne  derjenigen  Arbeitsmethode,  die  Professor  J.  J.  M.  de  Groot  in  seiner 
Abhandlung  in  der  Kgl.  Preuß.  Akademie  der  Wissenschaften  vom  19.  De- 
zember 1912  dem  Sinologen  empfohlen  hat. 

Als  Gegenstand  wurden  die  Anfänge  der  chinesischen  Kriegführung 
zu  Wasser  gewählt  und  deren  Darstellung  auf  die  älteste  Epoche  beschränkt, 
die  für  die  Sinologie  immer  das  wichtigste  Forschungsgebiet  bildet. 

Die  im  Kap.  K^O  der  großen  auf  Kaiser  K'ang-hsi's  Befehl  compi- 
lierten  Encyclopädie  [  Pf  ^^  (Sl  ^^  ^r  jjJC  "Vollständige  Saunnlimg  von 
Schriften   der  Vergangenheit   und  Gegenwart",    ^&j^Ät    Absclinitt    über 

Mihtärweser,  |^ — 'W^  ^K  ?ic  "o  P  IE  4"  ^^^^^-  ^^^'  ^^^mpfe  zu 
Wasser,  in  chronologischer  Anordnung]  gegebene  Zusammenstellung  wurde 
nur  als  Leitfaden  benutzt,  da  diese  Encyclopädie  in  dem  allein  zugäng- 
lichen Schanghai-Neudruck  Druckfehler  und  Auslassungen  aufweist,  auch  oft 
Commentare  abbricht,  wo  noch  wichtige  erläuternde  Angaben  folgen.  Fiu* 
die  Übersetzung  sind  daher  überall  die  Oi-iginaltexte  zugrunde  gelegt  worden, 
und  zwar  für  die  24  Historien  -^  ^fU  ^  die  officielle  Nan-king-Ausgabe 
aus    dem    ^*f!>^^-/^i    für    das  Tso-chuan    ^  {M    die    kaiserliche    Aus- 

gäbe   ^^^l^ffiiäS^- 

Die  Transscription  ist  die  Wade'sche. 


Hauptsächlich  benutzte  Litteratur. 

^  ^M    Tso-chuan. 

^§g   Shih-chi. 

Tny"  v!^  ^^   Ch'ien-Han-shu. 


tj2  Kracse:  Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

^£  [^  /ife    Sau-kuo-chih. 

äittflH^Jiffl   Sliih-hsing-yün-pien  (citiert  als  S.  H.). 

ifi^  j^  Mli  Jl /iv  ffl  IIb    Li-tiii-ti-li-ciiih-yiin-pieii    (citiert   als  T.  L.). 

jM  i\r  l||jj^  '^  ^   Li-tai-chih-kiiaii-piaü. 

^'h  ^  ?M  :^    Tu-sliih-t'ung-tien. 

Legge,  Chinese  Classics  V,  1.  2. 

Chavannes,  Memoires  historiques  de  Sze-ma-tien. 

J.  J.  M.  de  Groot,  Rcligious  systein  of  China. 

0.  Franke,  Beiträge  aus  chinesischen  Quellen  zur  Kenntnis  der  Turk- 
völker  und  Scythen  Centralasiens  (Abhandlung  der  Kgl,  Preuß.  Akad.  d. 
Wiss.  1904). 

H  i  1  f  s  b  u  c  h  e  r  : 
j^^E^Ä    K'ang-Hsi-tse-tien. 
ffi^  ^  /ff    Pei-wcn-yün-fu. 
°Dt-f  3SM   I^ien-tse-lei-pien. 

Couvreur,  Dictionnaii-e  classique  de  la  langue  Chinoise. 
H.  A.  Giles,  Chinese-English  dictionary. 

Biot,  Dictionnaire  des  nonis  anciens  et  modernes  des  villes  et  arron- 
dissements  compris  dans  l'enipire  Chinois. 

Playfair,    Geographical  dictionary   of  the  cities   and   towns   of  China. 
Giles,  Biographical  dictionary  (citiert  als  G.). 
Mayers,  Chinese  reader's  manual  (citiert  als  M.). 
Mayers,  Chinese  governnient. 
Tchang,  Synchronisnies  Chinois. 

Karten: 

^  J/C  i-Ül  5M  ^  X  HI    t'l^'un-ch'iu-ti-li-k'ao-shih-t'u. 

"^^liitfl  ii^ylV^  IM]  ^^l»ina  kyö-iki  en-kaku  zu;  Japanischer  Atlas 
zur  Geschichte   Chinas  (citiert  als  J.  A.). 

von  Richthofen,  China. 

Karte  von  Ost-China,  J41  [Ml  :P|  i-tll  EI  Chung-kuo-yü-ti -t'u, 
1  :  1000000,  der  Kgl.  Preuß.  Landesaufnahme. 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  63 


Text  1. 

Tso-chuan,  Kap.  27. 
Im  24.  Jahre  des  Herzogs  Hsiang(l),  im  Sommer,  drang  der  P'ürst  von 
Ch'u  (2)  mit  einem  Schiffsgeschwader  in  Wu  (3)  ein;  da  aber  seine  Kriegs- 
organisation vernachlässigt  w^ar,  mußte  er  unverrichteter  Saclie  zurückkehren. 

1.  Herzog  Hsiang  von  Lu  ^^  J^ -^  regierte  571 — 540,  das  24.  Jahr 
seiner  Regierung  ist  also  [nach  Tchang,  Synchronismes  Chinois] 
549  a.  Chr.   [nach  Legge,  Chinese  Classics  V,  1:  548]. 

2.  ^^  großer  Staat  am  mittleren  Yangtse,  den  heutigen  Provinzen 
Hupei  und  Hunan  entsprechend. 

3.  h^  Staat  an  der  Yangtse-Mündung,  den  heutigen  Provinzen  Chiang- 
su  und  Anhui  entsprechend. 


Text  2. 

Tso-chuan,  Kap.  31. 
Im  17.  Jahre  des  Herzogs  Chao  (1)  [d.  i.  525  oder  524]  fiel  Wu  in  Ch'u 
ein.  Yang  Kai  ^rl/I,  der  oberste  Minister  (von  Ch\i),  befragte  das  Los 
über  den  (bevoi'stehenden)  Kampf,  und  das  Omen  war  ungünstig.  Der 
Marschall  Tse  Yü  -^  "^  sagte:  »Wir  befinden  uns  stromaufwärts,  warum 
sollte  (unsere  Lage)  ungünstig  sein?  Außerdem  war  es  im  Staate  Ch'u 
früher  Sitte,  daß  der  Marschall  das  Schildkrötenorakel  befragte;  laßt  es  mich 
also  noclunals  versuchen.«  Er  loste  und  stellte  dabei  die  Frage:  »Wenn  ich 
und  meine  Begleiter  im  Kampfe  fallen,  das  Heer  von  Ch'u  aber  (den  Kampf) 
fortsetzt,  können  wir  dann  den  Feinden  eine  große  Niederlage  beibringen!'« 
Die  Antwoit  war  günstig,  und  es  kam  zum  Gefecht  von  Ch  ang  an  -^  f^  (2). 
Tse  Yü  fiel  bei  Beginn  (des  Kamj)fes),  aber  das  Heer  von  Ch'u  setzte  (den 
Kampf)  fort  und  brachte  Wu  eine  schwere  Niederlage  bei.  Hierbei  er- 
oberten sie  das  Schiff  »Yü  huang"  i^  ^  und  ließen  die  Leute  von  Sui  (3) 
und  andere,  die  später  eintrafen,  zur  Bewachung  zurück.  Rund  (um  das 
Schiff)  wurde  ein  Graben  gegraben  bis  auf  das  Grundwasser,  und  in  einem 
zweiten  Graben  wurde  Kohle  aufgehäuft  (und  angezündet).  Das  Heer  marschierte 
auf  und  wartete  weitere  Befehle  ab.  Der  Prinz  Kuang  -^f-  von  Wu  wandte 
sich  bittend  an  seine  Leute  und  sagte:  »Daß  wir  das  Schiff  unserer  früheren 
■  Könige  verloren  haben,  ist  nicht  nur  meine  Schuld,  sondern  ihr  habt  alle 
Teil  daran.  Ich  bitte  euch,  mir  zu  helfen,  es  wiederzuerobern,  damit  wir 
uns  vom  Tode  retten.«  Damit  waren  alle  einvei'Standen.  (Kuang)  schickte 
nun  3  Männer  mit  laugen  Barten  (4),  die  sich  bei  den  Schiffen  verbergen 
sollten,  und  gab  ihnen  die  Instruction:  »Wenn  wir  ,Yü  huang'  rufen,  so 
sollt  ihr  antworten.«  Das  Heer  folgte  ihnen  in  der  Nacht,  alle  riefen  dreimal 
(»Yü   huang!»),    was    mehrmals   beantwortet   wurde.     Die   Leute   von   Ch'u 


64  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

verfolgten  (die  3  Männer)  und  tüteten  sie,  aber  das  Ilecr  von  ("Ii'u  war  in 
Verwirrung  geraten,  die  Leute  von  Wu  bracliten  ihm  eine  schwere  Nieder- 
lage hei,  erü])erten  den    -Yü  huang«   und  kehrten  (mit  ihm)  heim. 

1.  Herzog  Chao   von  Lii   1^.  jj^  ^ ,  bAü—bOH. 

2.  Das  heutige   Wu-iiu  ^iiJE  y/^J  am   Yangtse  in  Anhui. 

3.  P^',  Territorium    im    Gebiet   von    Ch'u.    entspricht   dem    heutigen 
\'erwaltnngsbe/.irk  von  Sni-chou   ^^  >j»j>l ,  Ti'-an-fu,   Hupei.    [T.  L.] 

4.  Die  Krieger  von  Ch  ii   liatten  meist  lange  Barte,  ^^  lieh,  wodurch 

sie  als  nichtchinesische  Barbaren,  [^  ^y|5,  charakterisiert  sind. 
Der  Führer  von  Wu  will  also  mit  dieser  List  den  3  Männern  seiner 
Partei,  die  ihm  bei  seinem  Nachtangriff  als  irreführendes  Echo 
dienen  sollen,  das  unbeargwöhnte  Herankommen  an  das  von  den 
bärtigen  Feinden  bewachte  Königsschiff  ermöglichen. 


Text  3. 

Tso-chuan,  Kap.  34. 
Im  4.  Jahre  des  Herztjgs  Ting  (1)  [d.  i.  .')06  oder  50."i],  im  Winter, 
drangen  die  Fürsten  von  Ts'ai  (2),  Wu  und  'Fang  (3)  in  Ch'u  ein.  Sie  ließen 
ihre  Schiffe  an  einer  Biegung  des  Hnai-  (4)  Flusses  zurück  und  gingen  von 
Yü-chang  (5)  aus  gegen  Ch'u  vor,  (von  dessen  Streitkräften  sie)  durch  den 
Han-Fluß  getrennt  (waren).  Der  Marschall  auf  dem  linken  Flügel,  namens 
Shu  nb,  sagte  zu  Tse  Ch'ang  Hp  *,^  =  "Bleibe  du  diesseits  des  Han,  ent- 
sprechend dem  (Vorgehen  der)  Feinde,  stromaufwärts  oder  stromabwärts 
stehen;  ich  will  mit  der  ganzen  Feldarmee  ihre  (der  Feinde)  Schilfe  zer- 
stören imd  auf  meinem  Rückwege  (die  Pässe  von)  Ta-sui,  Chih-yüan  und 
■Nling-e  (6)  sperren.  AVenn  du  dann  den  Han  überschreitest  und  (in  der 
Front)  angreifst,  während  ich  vom  Rücken  licr  angreife,  so  werden  wir 
die  Feinde  sicherlich  vernichtend  schlagen.«  Man  kam  dahin  überein  und 
(Shu)  marschierte  ab.  (Nun  aber)  sagte  Hei  M  aus  Wu-ch'eng  ;0i^  "^  zu 
Tse  Ch'ang:  »Wu  führt  (Schilde  von)  Holz,  wir  aller  haben  (solche  von) 
Lcder;  wir  dürfen  (hier)  nicht  lange  bleiben,  sondern  müssen  so  bald  wie 
möglich  kämpfen."  Der  Geschichtschreiber  Huang  ^^  sagte  (ebenfalls)  zu 
Tse  Ch'ang:  »Das  Volk  von  Ch'u  haßt  dich  und  liel)t  den  Marschall.  Wenn 
der  Marschall  die  Schiffe  von  Wu  auf  dem  Huai  zerstört,  die  Pässe  der 
(3)  Orte  sperrt  und  (dann  auf  den  Feind)  eindringt,  so  wird  er  allein  (das 
Verdienst  haben),  Wu  vernichtet  (zu)  haben.  Du  mußt  rasch  kämj)fen, 
sonst  wirst  du  nicht  lebendig  davonkonnnen.«  (Tse  Ch'ang)  übcrscliiitt 
darauf  den  Han,  stellte  sein  Heer  auf,  und  zwischen  Hsiao-pieh  /J> //ij  ""d 
Ta-i)ieh  "^ /jlj  (7)  wurden   3  Schlachten    geschlagen,    die  alle  Niederlagen 

(für  Ch'u)   waren.       Und    König    Nang-wa    S  ~5i    '^'^^    Ch'u    mußte    nach 
Cheng  (8)  fliehen. 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  6o 

1.  Herzog  Ting  von  Lu  ^^'^^,  508—493. 

2.  :fe,  kleiner  Staat  an  der  Nordgrenze  von  Ch'u,  entspricht  dem 
Gebiet  des  heutigen  Ju-ning-fu  \it  ^^fhf  i"^  Honan. 

3.  I^,  Territoi-iuin  im  Norden  des  Staates  Ch'u,  entspricht  dem  Ge- 
biet des  heutigen  Nan-yang-fu   |^  |^  ffrf  i"   Honan. 

4.  Der  Huai  ^-^  entspringt  bei  T'ung-j)o-hsien  ^hB  jkh  i|^  in  Nan- 
yang-fu  in  Honan  und  tließt  in  geradem  Lauf  nach  Osten  in  den 
Hung-tse-See  j^^ß^M' 

5.  T^^R  war  zur  Zeit  der  älteren  Han  ein  Kreis,  entsprechend  dem 
heutigen  Nan-ch'ang-hsien  [^  M  i^^  in  Chianghsi.  [T.  L.]  Die 
Karte  in  Legge's  Chinese  Classics  V,  1  verzeichnet  ein  anderes  Yü- 
chang  südlich  des  Huai  beim  heutigen  Shou-chou  ^^  >)»|m  in  Feng- 

yang-fu  ^^  ^r  /fd"  in  Anhui,  das  gut  zum  vorhegenden  Text  passen 

würde,  das  ich  aber  aus  chinesischen  Quellen  nicht  feststellen  konnte. 

^'    3^1^     lä  ^     ^-ßfe'  ^^^^  ^"  ^^^'  Gegend  des  heutigen  Ying- 

shan-hsien  ff^  Mj  iB^  in  Te-an-fu  in  Hu])ei.    Das  T'uiig-chien-ti-li- 

t'ung-shih  ^Igi-tliJiMS  ^^''S^=  "^"  1-yang  ^  gr  gibt  es 
3  Pässe.  Das  im  Tso-clman  (erwähnte)  Ta-sui  ist  Huang-hsien  ^^ 
(lj§,  Chih-yüan  und  Miug-e  sind  Wu-yang  ^^^^  bzw.  P'ing-ching 
^p-5Xm.  Huang-hsien  heißt  heute  Chiu-li-kuan  "/^  J§.  M^  und  liegt 
100  Li  südlich  von  Hsin-yang-chün  ^g^^^E>  Wu-yang  liegt  bei 
Ta-chai-Ung  -^  ^^  ^g,  90  Li  südöstlich  von  Hsin-yang-chün;  P  ing- 
ehing heißt  heute  Hsing-che-p'o  ^Tf  ^f  1^'  ^^  Li  südlich  von  Hsin- 
yang-chün.  Zur  Wei-  |Offl  Zeit  wurde  der  Kreis  I-yang  ^^  ^r  ge- 
bildet. 1-yang  hat  3  Paßbefestigungen.  I-yang  wurde  in  der  Sung- 
Zeit  Hsin-yang-chün  genannt.    Heute  ist  es  Hsin-yang-chou  ^^  [^ 

»j>l>l  und  gehört  zu  Ju-ning-fu  v4r  jM.  ß^  in  Honan. 

7.  Orte  nördlich  und  südlich  des  Han-Flusses,  nordwestlich  von  Han- 
yang-fu  V^  ^r  fiM-  in  Hupei. 

8.  SK,  Staat  am  Unterlauf  des  Huang-ho,  entsprechend  dem  Gebiet 
des  heutigen  K'ai-feng-fu  lä  ^r  j^  in  Honan. 


Text  4. 

Ch'ien-Han-shu,  Kap.  34. 

Hsin  (1)   drang   mit  Truppen   zum  Angriff  gegen  Wei  (2)   vor.     Wei 

stand  mit  voller  Heeresmacht  bei  P'u-fan  (3)  und  sperrte  Lin-chin  (4).     Hsin 

stellte  um  so  mehr  Täuschungstruppen  auf,  ordnete  seine  Schiffe  und  wollte 

nach   Lin-chin    übersetzen;    aber   versteckt   gehaltene   Truppen    (von    Wei) 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  I.Abt.  5 


C)G  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  iiacli  cliiiiesisclien  Quellen. 

kamen  von  Usia-\ang  (5),  setzten  mit  »Tonncnflößen  ^  ^  ^* "  '''''''"  ""^l 
ginffen  An-i  (6)  an. 

Commentar:  Vn  f'h'ien  (7)  sagt:  An  llolzstangen  werden  (Gefäße, 
die  man)  yin-fou  Mä"^  (nennt,)  festgebunden,  und  damit  setzt  man  über. 
Wei  Cliao  (8)  sagt:  Aus  Holz  macht  man  ein  Gefäß  wie  ein  yin-fou.  Shih 
Ku  (9)  sagt:  Die  Erklärung  des  Fu  ist  die  richtige,  yin-fou  nennt  man 
einen  Krug  mit  weitem  Bauch  und  engem  Hals. 

Im  Shih-chi  _^  gß  des  Szu-ma  Ch'ien  p]  ,^  ^  wird  im  Kap.  92 
(v#  K^>^  ^iJ^H)  die  Episode  unsres  Textes   unter   den  Ereignissen  des 

2.  Regierimgsjahres  Kaiser  Kao-tsu's  '/^  i^  iji§,  (202  — 194)  erzählt  und  kann 
somit  lur  das  Jahr  201  datiert  werden.  Der  Text  ist  fast  wörtlich  der 
gleiche,  nur  werden  die  »Tonnenflöße«  hier  als  >fC:£^-^^  bezeichnet,  und 
über  ihre  Benutzbarkeit  sagt  hier  der  Commentar:  Um  Truppen  überzu- 
setzen, sind  sie,  wenn  keine  Schiffe  vorhanden  sind,  anch  hinreichend  dicht.  — 
Die  Lesart   eines  Commentators,    der   ^  j^;^    als  Ortsnamen    auffaßt,  wird 

als  irrig  abgewiesen:  Liu  Shih  W|I  ^  sagt:  Ch'en-ch'uan  ist  der  Name 
eines  Ortes,  der  im  "Westen  von  Chiu-kuan  -^  ^  liegt  und  dem  hetitigen 
Cliao-i  ^H  Sj  entspricht.  Dies  ist  falsch;  ^  ^  bedeutet:  seine  Schiffe  ge- 
ordnet aufstellen  mit  der  Absicht,  über  den  Fluß  überzusetzen. 

1.  ^  Yg  Han  Hsin,  geboren  in  Huai-yin  ^^  ß^  in  Chiang-hsi  als 
Enkel  des  Fürsten  von  Han  ^a  (Lehensstaat  im  Gebiet  südlich  des 
heutigen  K'ai-feng-fu  in  Honan),  der  sein  Land  an  Shih-huang-ti 
^i'hh  ^  "^  verloren  hatte,  verlebte  seine  Jugend  in  bitterer  Ar- 
mut, trat  in  die  Dienste  des  Hsiang  Liang  3§  ^^  und  dann  in  die  seines 

Rivalen  Liu  Fang  ^|J^[5^  des  Begründers  der  Han- '^^  Dynastie, 
der  ihn  zur  Belohnung  für  seine  erfolgreichen  Feldzüge  203  zum 
Fürsten  von  Ch'i  ®.  und  201  zum  Fürsten  von  Ch'u  ^  ernannte. 
Er  wurde  später  durch  Verleumdung  gestürzt,  der  Kaiser  nahm 
ihm  alle  seine  Titel  bis  auf  den  eines  Fürsten  von  Huai-yin  J^ 
[J:^  ^^,  seiner  Geburtsstadt,  und  schließlich 'ließ  ihn  die  Kaiserin 
Lü-hou  H  j^  196  enthaupten.    Er  ist  einer  der  3  Heroen  ^^P^, 

mit  Chang  Liang  ^^  (gest.  189)  und  CirOn  P'ing  |J!|(  ^  (gest. 
178).     [M.  G.] 

2.  $6^,  zur  Han-Zeit  Lehensstaat  im  Gebiet  des  heutigen  Chang-te-fu 

^t^;^  in    Honan. 

3.  Yjjj  h(,  (hn  K'ang-hsi-Neudruck  der  Encyclopädie  falsch  I  j^), 
im  heutigen  Yung-chi-hsien  ^f^  V^  iMi  in  P'u-chou-fu  yrtj  >)'J'  j^ 
in   Slian-hsi.      [T.  L.] 

"4.  (Ü,',,',  "h*'"  '"'  'iG"''gen  Ta-li-hsien  ~}^^^j  ^\  '"  T'ung-chou-fu  [pj 
j'l'l  jff  in  Shen-hsi.    [T.  L.] 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  6/ 

5.  W^|^>  i"i  heutigen  Han-cli'eng-hsien  S^  M/ ',M>  in  Tung-chou-fu 
[H|  j'l'l  j^  in  Shen-hsi.    [T.  L.] 

P'u-fan  liegt  auf  dem  linken,  Lin-cbin  und  llsia-yaug  auf  dem 
rechten  Ufer  des  Huang-ho,  an  der  südlichsten  Stelle  seines  großen 
Bogens. 

6.  ^^  ^ji  ioi  heutigen  Hsia-hsien  W  ^l|E  in  Chieh-chou  ^^  »N*j  in 
Shan-hsi.     [T.  L.] 

7.  flj^  ^^   1"  n  Ch'ien,    Beiname  Tse  Chen  ^y*  TM!,  war  in  Jung-yang 

0^  ^Ef  in  Honan  geboren,  wiu'de  189  p.  Chr.  Gouverneur  von  Chiu- 

chiang  7^  y]^  und  schrieb  u.  a.  einen  berühmten  Commentar  zum 
Tso-chuan.     [G.] 

8«  .&.  jSi^i  bekleidete  um  275  p.  Chr.  ein  Amt  in  Wu  und  schrieb  histo- 
rische Commentare.     [M.] 

9*  6rfi  Vtr  Shih  Ku  ist  der  Beiname  des  Yen  Chou  B§^^,  kaiser- 
liehen  Sekretärs  unter  der  T'ang-Dynastie  im  7.  Jahrhundert,  der 
offiziell  mit  der  Neuausgabe  der  Han-shu  betraut  wurde  und  dessen 
Commentare  hohe  Autorität  erlangten.     [M.] 


Text  5. 

Ch' ien- Han-shu,  Kap.  6. 

Im  .^.  Jahre  Yüan-ting  j^  iBj.  [d.  i.  112]  (1),  des  Sommers  im  4.  Monat, 
rebellierte  der  Kanzler  des  Königs  von  Süd-Yüeh  (2),  Namens  Lü  Chia  H  ^^, 
und  tötete  den  Gesandten  von  Hau  sowie  seinen  eignen  König.  (Hau) 
schickte  (darauf)  den  »die  Wellen  beruhigenden  General»  (3)  Lu  Po-te  (4) 
von  Kuei-yang  (5)  den  Uuang-shui  V^  yh^^  den  •> Turmschiff-General«  (6) 
Yang  P'u(7)  von  Yü-chang  ^;^  den  Chen-shui  :i'^7JC(8),  den  Fürsten 
von  Yüeh  (mit  dem  Ehrentitel)  Kuei-i  f^^^,  namens  Yen  J^  (9)»  er- 
nannt zum  .. Kampfschiff-General«  (10),  von  Ling-ling(ll)  den  Li-shui  ^#  ^(\C  (12) 
hinab,  den  Chia  m  (13),  ernannt  zum  -Stromschnellen  überwindenden  Ge- 
neral« (14),  nach  Ch'ang-wu  (15).  Alle  diese  zogen  Verbrecher  zusammen 
und  aus  der  Gegend  südlich  des  Yangtse  und  des  Huai-ho  Turmschiffe  (16) 
mit  100 000  Mann  (Besatzung).  Der  Fürst  von  Yüeh  (mit  dem  Titel)  Chih-i 
,B^^^,    namens  I  jg,   anderseits,   nahm  Verbrecher  aus  Pa  und  Shu  (17), 

hob  Soldaten  aus  Yeh-lang  aus  und  zog  den  Tsang-k'e-chiang  jj^^Pj/X  i^^) 
hinab.     Alle  versammelten  sich  bei  P'an-yü  (19). 

Das  Shih-chi  ^  gßi  ^''"^-äldt  im  Kap.  113  das  gleiche  Ereignis  mit 
geringen  Abweichungen  des  Textes  und  fährt  dann  fort:  Im  6.  Jahre 
Yüan-ting  [d.  i.  111],  im  Winter,  rückte  der  »Turmschiff-General«  mit  seinen 
Elitetruppen  vor,  überfiel  zuerst  Hsin-shen  (20),  zerstörte  Shih-men  (21)  und 

5* 


68  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

erbeutete  dabei  Schiffe  und  Reisvorräte  von  Yüeh.  Darauf  diang  er  weiter 
vor,  durchbrach  die  Vorposten  (22)  von  Yüeh  mit  einigen  10000  Mann  und 
wartete  (nun)  auf  den  •  wellenberuhigenden«  (General).  Dieser  hatte  Ver- 
brecher zusaniniengezogcn,  (aber)  da  der  Weg  weit  war,  verzögerte  sich 
ilir  Zusammentreffen,  und  als  er  sich  mit  dem  »Turmschiff«  (-General)  ver- 
einigte, hatte  er  (nur)  etwas  über  1  000  Mann.  Darauf  drangen  sie  gemein- 
sam vor,  bis  P'an-yü.  Chien  Te  |^f^  und  (Lü)  Chia  und  alle  andern 
(Rebellen)  verteidigten  sich  in  ihrer  Stadt.  Der  eine  General  wählte  sich 
einen  geeigneten  Ort  aus  und  blieb  im  Südosten,  der  andere  blieb  im  Nord- 
westen (der  Stadt  halten).  Mit  Eintritt  der  Abenddämmerung  griff  der 
»Turmschiff«  (-General)   an,   schlug  die  Leute   von  Yüeh   und   zündete  die 

Stadt    mit    Feuer    an Der    »wellenberuhigende«    (General)    hatte 

ein    Lager   aufgeschlagen,    schickte    Abgesandte   mit   der   Aufforderung   zur 

Übergabe ,  und  bei  Tagesanbruch  ergaben  sich  ihm  alle  Einwohner 

der  Stadt.  Lü  Chia  imd  Chien  Tc  waren  schon  in  der  Nacht  mit  mehreren 
100  Anhängern  auf  das  Meer  entllohen  und  fuhren  mit  Schiffen  nach  Westen 
(also  längs  der  Küste  von  Kuang-tung).  Der  » wellenberuhigende«  (Ge- 
neral) befrug  nun  die  Angesehensten  unter  den  Überläufern,  erfuhr  so, 
wohin  Lü  Chia  sich  gewandt  hatte,  und  schickte  Leute  zu  seiner  Verfol- 
gung aus.  Auf  diese  Weise  nahm  der  Marschall  Su  Hung  wk^h  ^^^ 
Chien  Te  gefangen  und  wurde  (dafür)  mit  dem  Titel  eines  Fürsten  von 
Hai-ch'ang    j^  *e'     belehnt,    ein    (niederer)    Beamter    von    Yüeh,     namens 

Tou  Ch'i   ^ßl^?  nahm  den  (Lü)   Chia  fest  und  wurde   zum  Fürsten    von 

Lin-ts'ai    B^  ^   ernannt. 

1.  Liu  Ch'e   ^ij^l^i  als  Wu-ti   ^^   6.  Kaiser  der  Han-Dynastie, 

regierte  140 — 187  und  wurde  canonisiert  als  ^^  jr  -^  "ffi*  Hsiao- 

wu-huang-ti,  mit  dem   postumen   Ehrennamen  ( |fiJ3§^)  Shih-tsung 

•jlr^^.  Seine  Fürsorge  für  die  altchinesische  Literatur  und  weite 
Kriegszüge  nach  Zentralasien  und  gegen  die  südlichen  Stämme  in 
Yünnan  haben  seine  Regierung  berühmt  gemacht. 

2.  ]^"^  entsprach  den  heutigen  Provinzen  Kuang-tung  und 
Kuang-hsi. 

^'  i^t(>C7l^^'  ^^ei'selbe  Titel  wurde  später  auch  dem  Ma  Yüan 
(s.  Anm.  1   zu  Text  10)  verliehen. 

4-  \^^  f^  f^-  •  ■■  Der  General  Lu  Po-te  stammte  aus  P'ing-chou  2pl  J.j.j . 
Als  Gouverneur  von  Yu-pei-p'ing  yj^^R^P  war  er  ein  Anhänger 
des  Armeeoberbefehlshabers  ( B^  R^-  Ü^.  ^  ,  p'iao-ch'i  =  chef 
d'armee  [Couvreur]),  hatte  Erfolg  und  wurde  zum  Fürsten  von 
Fu-li  ^irjf^ft  ernannt.  Nach  dem  Tode  des  Oberbefehlshabers 
wurde  (Lu)  Po-t<'-  als  Grenzoffizier  (^MtM'J')  zum  »wellenberuhi- 
genden General«  ^jßl^W.  ernannt,  besiegte  Süd-Yüeh  und 
wurde  noch  mehr  (mit  Ehrentiteln)  belehnt.     Später   geriet  er   in 


Krause:    Fhiß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  69 

Contlict   mit   den  Gesetzen,   verlor  seinen  Fürstentitel,  wohnte  als 
Befehlshaber    des    Bogen-    und    Annbriistcorps    ^a^J/trj34-    j^ 

Militärlager    imd     starb     dann.«      (Shih-chi     ^ -P ,    Anhang    zu 
Kap.  111.) 
5.    ;f:^^i  ii"  heutigen  Ciren-chou  :|iljcP  j'j'j    in   Hunan.    [T.  L.] 

«•  mmmm- 

7.  t^'^1  "Yang  P'u  war  ein  Mann  aus  I-yang  ^  |^.  Als  in 
Süd-Yüeh  Rebellion  herrschte,  wurde  er  zum  »Turmschiff-General» 
ernannt,  hatte  Erfolge  und  erhielt  den  Titel  eines  Fürsten  von 
Chiang-liang  ij:^^>[^.  Von  dem  Hsün  Chih  (s.  Anm.  3  zu 
Text  6)  wurde  er  (später)  verhaftet  und  starb  lange  Zeit  danach 
an  Krankheit.  [Commentar:  Zusammen  mit  dem  Hsün  Chih  griff 
er  Korea  an  (Text  6),  wurde  von  (Hsün)  Chih  verhaftet,  nach 
seiner  Rückkehr  entlassen,  zum  gewöhnlichen  Untertan  degradiert 
und  starb  an  Kränkelt.]-     (Sliih-chi  ^gß,  Anhang  zu  Kap.  122.) 

8.  »Der  Chen-shui  entspringt  bei  Lung-ch'uan  §^  /(l  im  (Kreise) 
Nan-hai   ]^'/^   und  fließt  nach  Westen   nach  Chin   ^   hinein.« 

9.  »Chang  Yen   §^  ^    sagt:   Yen    J^    war  vor  alters  ein  Mann  in 

Yüeh,    er   unterwarf  sich    und  wurde  Fürst   von   Kuei-i    $^^fe.a 
(Commentar  im  Shih-chi.) 

11.  ^f^i  i"^  heutigen  Ch'üan-chou  ^  j'j'j  in  Kuei-lin-fu  tJ^^  tv|^  )f4" 
in  Kuang-hsi.     [T.  L.] 

12.  »Der  Li-shui  fließt  nach  Südosten  bis  Kuang-hsin  l§  ^g  und 
(dann)    hinein    nach  Yü-lin   ^  ;j)^    [=:  Yü-lin-fu    in    Kuang-hsi].« 

(•l«±-ttiJl*>-) 

13.  »Fu  Ch'ien  ^^^  sagt:  Chia  war  vor  alters  ein  Mann  in  Yüeh, 
der  sich  Han  unterwarf.«      (Commentar  im  Shih-chi.) 

14.  "pi"  i^  i||f^  5* .  (Im  Text  des  Shih-chi  steht  "f^  Jg    |      |   )• 

15.  ^;|i^,  im  heutigen  Ch'ang-wu-hsien  ^:itSl^  jn  Wu-chou-fu 
"to"  jii  /f^  ^"  Kuang-hsi.  [T.  L.]  Ch'ang-wu  ist  der  Ort,  wo  an- 
geblich Kaiser  Shun   ^^   2208  gestorben  ist. 

16.  ■j'^;^-  Über  ein  »lu-ch'uan«  sagt  das  Tu-shih-t'ung-tien  ^frf"  j^ 
^Ä  in  Kap.  60:  »Auf  dem  Schiff  sind  drei  Stockwerke  er- 
baut, Brustwehren  und  Kampfgerüste  errichtet,  Fahnen  und  Wimpel 
aufgepflanzt,  Öffnungen  als  Armbrustfenster  und  Lanzenlöcher  an- 
gebracht, Wurfmaschinen  für  Schleudersteine  und  Eisenbi-ei  [^*^^ 
^j'4^]  aufgestellt.  (Das  Ganze)  sieht  aus  wie  ein  Stadtwall.  Wenn 
man    plötzlich   in   heftigen    Sturm   gerät,    so   kann  Menschenkraft 


70  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

(das  Fahrzeug)  nicht  regieren.  Aus  diesem  Grunde  ist  diese 
Sdiiffsait  auch  nicht  geeignet  für  (kriegerische)  Actionen,  aber 
sie  muß  doch  bei  der  Flotte  vorhanden  sein,  damit  ihre  Zusammen- 
setzung vollständig  ist.«      (Abb.  1.) 

Abb.  1. 


17.  2i    ""^^    -^^  ''^"'^^  Ch'ung-ch'ing-fu    2  K  W"    ""*^  Ch'eng-tou- 
..       f"   )jM\'^U    '"  Szu-ch'uan.    [T.  L.] 

18.  Tsang-kV-  [einige  Texte  schreiben  7J;M7lpf]  ^^'^'^  ^i"  ^^^  ''"  heutigen 
P'ing-yueh-chou   ^;^j'l'l   i"  Kuei-chou  "^j'!'].    [T.  L.] 


Krause  :    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  7  1 

19.  ^w- r^  1    entspricht    der   Gegend    beim    heutigen    Kanton,    siidhch 

des  Pcrltlusses.     »Pays  qui  fait  partie  du    1^  'Ji'l  IM*  "  (Couvreur), 
»now  Nan-liai-hsien,  Kuang-tung«   (Playfair). 

20.  ^af^-     Cominentar:    Hsin-shen    liegt    westlich     von    Shih-hsing 

-bn  Ä   nahe  bei  Lien-k'ou   j^  [3  . 

21.  ^S^rn-     Commentar:     Shih-men    liegt   im    Norden    von    P'an-yü- 
hsien  #^iß. 

22.  il  =  itil. 

Text  6. 

Ch'ien-Han-shu,  Kap.  6. 

Im  2.  Jahre  Yüan-feng  JT  ^4'  [d-  i.  109].  im  6.  Monat,  wurde  der 
»Turmschiff-General«  Yang  P'u  (1)  und  der  »General  des  linken  Coi-ps«  (2) 
Hsün  Cliih  (3)  mit  Verbi-echern,  die  sich  anwerben  ließen,  zum  Angriff 
gegen  Korea  (4)  geschickt. 

1.    t^"^,  s.  Anm.  7  zu  Text  5. 

3.  -^ ^^-  "Der  General  Hsün  Chih  war  ein  Mann  ans  Kuang-wu 
1^  ^t  ^'"  (Kreise)  T'ai-yüan  H|r  IW-  Er  wurde  zum  Offizier 
;i^  Eij  ei'nannt,  folgte  mehrmals  dem  Großgeneral  "^^J^^^i 
wurde  im  3.  Jahre  Yüan-feng  (=  108?)  zum  »General  des  linken 
Corps«  ernannt,  griff  Korea  an,  hatte  aber  keinen  Erfolg.  Weil 
er  den  »Turmschiff-General«  verhaftete,  geriet  er  mit  den  Gesetzen 
in  Contlict  und  wurde  getötet.«  (Shih-chi  ^gRi  Anhang  zu 
Kap.  111.) 

4-    ^1^.^   Chao-hsien. 

Text  7. 

Ch'ien-Han-shu,  Kap.  6. 
Im  5.  Jahre  Yüan-feng  71^  ^»F  [d.i.  106]  unternahm  (der  Kaiser)  eine 

Inspicierungsreise  (^^  ^)  nach  Süden,  bis  nach  Sheng-t'ang  (1) Von 

Hsün-yang  (2)  fuhr  er  auf  dem  Fluß,  schoß  persönlich  einen  Alligator  (3)  [?] 
und  fing  ihn.     Sein  Schiffszug  (4)  war  1  000  Li  lang. 

1.  ^1^-  "Das  Wen-ying  ^  ^P^  sagt:  Nach  dem  i-tliJM/fe  ^^^"" 
es  keinen  Zweifel  geben ;  (Sheng-t'ang)  muß  rechts  oder  links  im 
(Kreise)  Lu-chiang  j^  y]^  liegen  und  ist  Name  eines  Bezirks.  Wei 
Chao  ^^  sagt:  es  hegt  im  Kreise  Nan  "j^.  Shih  Ku  j^jjj  "A* 
sagt:  die  Erklärung  des  Wei  ist  die  richtige.« 


Kbaose:    Fluß-  >md  Seegefechte  nach  chinesisclien  Quellen. 


2-  ^s.^1,  im  heutigen  Huang-inei-hsicu  ^^4^^Ha\  '"  Huang-chou-fu 
^Jfllf^  in  llupei.    [T.L.] 

3.  iJJa^  chiao,  -  a  scaly  dragon«  (Giles),  "Crocodile,  dragon  sans  cornes« 
(Couvreui).  —  -Shih-ku  |^|]j  "i*  sa^t:  llsii  Shen  g^jjft  sagt:  das 
chiao  gehüi't  zur  Art  der  Drachen.  Kuo  P'u  ^ß  J^  beschreibt  seine 
Gestalt  und  sagt:  es  ähnelt  einer  Schlange,  hat  aber  vier  Beine, 
einen  dünnen  Hals,  der  Hals  hat  weiße  Streifen  A'  ^i).  Die  grüßten 
(dieser  Tiere)  sind  einige  Klafter  lang;  sie  sind  ovipar,  die  Eier 
sind  (so  groß)  wie  ein  Krug,  der  1  bis  2  Hu  ^?|-  [«a  Chinese  bushel 
measure  of  various  sizes«  (Goodrich),  »mesiire  de  dix  ou  de  cinq 
boisseaux  ^U^  ■■  (Couvreur)]  faßt.  (Das  chiao)  kann  Menschen  ver- 
schlingen.« —  Über  den  ^l^^jl  vgl.  auch  M.W.de  Visser,  The  dragon 
in  China  and  Japan  (Verhandelingen  der  Koninklijke  Akademie 
van  Wetenschappen  te  Amsterdam,   1913),  S.  76  ff. 

4.  Sro  ß|if ;  ein  Commentar  (des  Li  Fei  ^pMi&)  sagt:  cht  bedeutet  das 
Hinterteil  des  Schiffes,  wo  man  steuert;  lu  ist  das  Vorderteil  des 
Schiffes,  wo  man  stakt  und  rudert.  (Obige  Stelle  also)  bedeutet, 
daß  seine  Schiffe  so  zahlreich  waren,  daß  sie,  Bug  an  Heck  ge- 
reiht, 1  0(10  Li  ununterbrochen  ausmachten. 


Text  8. 

Ch'ien-Han-shu,  Kap.  64. 
Damals  (1)  waren  in  Ost-Yüeh  (2)  öfters  Rebellionen,  (diu)  Mai- 
ch'en  (3)  sagte  deshalb:  »Ein  alter  König  von  Ost-Yüeh  bewohnte  und  be- 
wachte den  Ch'üan-shan  (4);  ein  Mensch  konnte  den  (strategisch)  wichtigen 
Punkt  bewachen,  (dann)  konnten  1  000  Mann  nicht  hinaufgelangen.  Nun 
erfahren  wir,  daß  (jetzt)  der  König  von  Ost-Yüeh  seinen  Wohnsitz  verlegt 
hat  nach  Nan-hsing  (5),  einem  Ort,  der  vom  Ch'üan-shan  500  Li  entfernt 
ist;  (dort)  wohnt  er  mitten  in  großen  Gewässern.  Wenn  wir  jetzt  von 
FoM-hai  ^^^  y^  aus  ein  Heer  direkt  nach  dem  Ch'üan-shan  senden,  imsre 
Schiffe  aufstellen  und  die  Truppen  aufmarschieren  lassen,  dann  können  wir 
Nan-hsing  allmählich  aufrollen  (6)  und  so  (den  Feind)  vernichten.»  Der 
Kaiser  befahl  dem  ]Mai-ch'en,  sich  in  seinen  Kreis  zu  begeben,  Turmschiffe 
zu  bauen,  Proviant  und  Gerät  für  den  Wasserkampf  vorzubereiten  und  den 

kaiserlichen    (schriftlichen)   Befehl    zum    Angriff   abzuwarten Nach 

über  einem  Jahr  empfing  er  dann  den  kaiserlichen  Befehl,  seine  Truppen 
zu  nehmen  und  gemeinsam  mit  dem  »meerdurchquerenden  General«  (7) 
Han  Yueh  (8)  und  anderen  zum  Angriff  auf  Ost-Yüeh  zu  schreiten.  Er 
hatte  Erfolg  und  wurde  belohnt. 

1.  Siehe  Anm.  8. 

2.  ^^;^i  entsprach   in   der  Ilan-Zeit  dem  südlichen  Teil  der  heuti- 
gen  Provinz  Ch6-chiang. 


Krausk:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  73 

3-     ;^  ^  ^,  mit  Beinamen  Weng-tse  ^-^i  ans  Wu  ^  gebürtig 

und  von  armer  Herkunft,  wurde  Gouverneur  von  Kuei-chi  ^  1^ 

im  heutigen  Shao-hsing-fu  ^^^  Ä  |jM^  in  Che-chiang  und  Staats- 
minister in  Han ;  in  eine  Intrigue  verwickelt,  verlor  er  116  a.  Chr. 
sein  Leben.     [G.] 

4.  ^|jL|.  "Shih  Ku  ||f|j  "^  sagt:  der  rh'üan-shan  ist  der  Berg  des 
heutigen  Ch'üan-chou  ^^  >l[\  ;  das  'fS^  bedeutet,  ilm  (den  Berg) 
bewachen  und  dadurch  sicli  selbst  eine  feste  Position  schaffen. 
Es  gibt  Leute,  welche  sagen,  das  'fö  sei  Ortsname  [also  =  Pao- 
ch'üan-shan],  dies  aber  ist  ein  Felder.« 

5.  mi^^ ;  obgleich  sich  ein  Ort  Nan-hsing  in  dieser  Gegend  nicht 

nachweisen  läßt  —  Playfair  nennt  ein   r^  ^j^  in  Chih-li  — ,  geht 

doch  aus  der  späteren  Stelle  [j^^^j^'fTi  s.  Anm.  6]  hervor, 
daß  es  ein  Ortsname  ist  und  nicht  »nach  Süden  ziehen«   bedeutet. 

6.  f^^  "Wie  eine  Matte  aufrollen«.  Giles  hat:  j^  ^  ^  ~K  "he 
rolled  up  the  empire  like  a  mat,  conquei'ed  it«.  Vgl.  auch:  ^j/ 
jl\^  j^ /^  ^J^  pT  ^x -f^  »mein  Herz  ist  keine  Matte,  man  kann 
es  nicht  aufrollen«    (Shih-ching,  f^|5:(f:p  jK^)- 

^-    ^£g^-   "Der  General  Han  Yüeh  war  der  Enkel  einer  Nebenfrau 

des  Fürsten  Kung  Kao.    Als  Offizier  JR^  E^  war  er  ein  Anhänger 

des  Großgenerals  -^  tj|^  ^ ,  hatte  Erfolge  und  wurde  zum  Fürsten 

von  Lung-e  ag^Il^F^  ernannt,   (dann)  ließ  er  sich  bestechen  und 

verlor  seinen  Fürstentitel.    Im  G.Jahre  Yüan-ting  7^  |i%.  [d.i.  111] 

wurde  er  als  literarischer  Candidat  [^^g2    iTitre  donne  ä  ceux 

des  Han-lin  (pii  attendent  leur  prochaine  nomination  ä  une  charge' 

(Couvreur)]  ernannt  zum  , meerdurchquerenden  General',  griff  Ost- 

Yüeh  an,  hatte  Erfolge  und  wurde  zum  Fürsten  von  An-tao  ^^  ^M* 
ernannt (Schließlich)  grub  man  ,Ku'  aus  in  der  kronprinz- 
lichen Palastwache,  und  der  Kronprinz  ließ  ihn  töten«    [Shih-chi 

^oE'  ''^"hang  zu  Kap.  111].  —  Nach  dem  chinesischen  Zauber- 
aberglauben setzte  man  verschiedene  Reptilien  und  Insekten  in  ein 
Gefäß,  so  daß  sie  sich  gegenseitig  fraßen;  das  letzte  übei-lebende 
Tier  hieß  ,Ku'  äJäa.  und    besaß  geheime  Kraft  zum  Nutzen  seines 

im.  ^^ 

Besitzers  und  zum  Schaden  anderer;  auch  wurde  aus  dem  pulveri- 
sierten Tier  ein  Gift  hergestellt,  das,  in  Speise  und  Getränk  ge- 
mischt, dem  Gegner  Siechtum  und  Tod  bringen  sollte.  Im  weiteren 
Sinne  sind  dann  auch  alle  Sympathiezauber  zum  Schaden  eines 
andern  ,Ku',  wie  etwa  das  Vergraben  einer  Ginseng-  [  A  'f^] 
Wurzel  (=  Atropa  mandragora)  von  menschenähnlicher  Gestalt.    Um 


74  Kral'se:    Fluß-  und  Seegcfcolite  nach  rhinesischcn  Quellen. 

einen  derartij^en  r<ill  wird  es  sich  liier  handeln,  denn  eine  andre 
Stellesast:  ijtji  gf!i\  ^S  j|iij  '^\_  ^  man  }:;nib  nach  ,Ku'  und  land  eine 
Menschenfigur  aus  Holz  von  Elaeococca.  —  Näheres  über  ,lvu'  s. 
de  Groüt,  Rcligious  System,  Vol.  V,  S.  826  ff. 

Text  9. 

11  o  n  -  H  a  n  -  s  h  u ,  K  a  p.  1 7. 
Im  9.  Jahre  Chien-wu  ^^  ^^  [d.i.  33  p.  Chr.]  schickte  Kung-sun  Shu(l) 

seine  Generale  Jen  Man  'f^V^,  Tien  Jung  [JJ  ^^^  und  Ch'cng  Fan  5J^^y^ 
mit  mehreren  10000  Soldaten,  auf  Flößen  (2)  fahrend,  hinab  nach  (dem 
Paß  von)  Chiang-kuan  (3).    Sie  griffen   den  Feng  Chün  /^Ifj,)^,  T'ien  Hung 

ffl  YTJlj,  Li  Yüan  ^^  -jt\  vmd  andere  an  nnd  schlugen  sie,  dann  eroberten 
sie  I-tao  (4)  und  I-ling  (5)  nnd  nahmen  Ching-men  (6)  und  Hn-ya  (7)  in 
Besitz.  Quer  über  den  Strom  bauten  sie  eine  schwimmende  Brücke  mit 
Kampftürmen,  errichteten  Palissaden  und  Pfähle,  um  den  Wasserweg  zu 
sperren,  und  befestigten  ihr  Lager  auf  dem  Berge,  um  dem  Heere  von  Man 
Widerstand  zu  leisten.  (Ts'en)  P'eng  (8)  griff  sie  (zu  Lande)  mehrmals  an, 
hatte  aber  keinen  Erfolg.  Darauf  rüstete  er  Turmschiffe  (9)  aus,  die  ge- 
radeaus vordringen  sollten,  und  Ruderboote  (10),  die  einen  raschen  Schein- 
angriff zu  machen  hatten,  im  ganzen  mehrere  tausend  Fahrzeuge.  Im  Früh- 
ling des  11.  Jahres  [d.i.  35]  hob  P'eng,  zusammen  mit  Wu  Man  (11)  und 
dem  »die  Gefangenen  tötenden  General«  (12)  Liu  Lung  (13),  dem  »Hilfs- 
machtgeneral«  (14)  Tsang  Kung  ^{w^^  und  dem  «General  der  schnellen 
Reiterei"  (15)  Liu  Hsin  (16),  ein  Heer  aus  den  Kreisen  Nan-yang  (17),  Wu- 
ling  (18)  und  Nan  (19)  aus  und  hob  ferner  aus  den  Kreisen  Kuei-yang  (20), 
Ling-ling  (21),  Ch'ang-sha  (22)  zu  Transportzwecken  bestimmte  Rudermann- 
schaften (23)  aus,  im  ganzen  über  60000  Mann  und  für  die  Kavallerie 
5  000  Pferde.  Alle  versammelten  sich  in  Ching-men.  Wu  Hau  meinte,  daß 
die  Rudermannschaften  aus  den  3  Kreisen  zuviel  Proviant  verbrauchten, 
und  wollte  sie  entlassen;  P'eng  glaubte  aber,  daß  das  Heer  von  Shu  (24) 
sehr  stark  sei  und  (daß  man  dalier)  keine  Soldaten  fortschicken  dürfe.  Er 
reichte  ein  Schreiben  ein,  in  dem  er  über  die  Lage  berichtete,  und  der 
Kaiser  ließ  dem  P'eng  folgende  Nachricht  zukommen:  »Du  kennst  die  Ver- 
wendung von  Fußvolk  und  Reiterei,  aber  vom  Kampf  zu  Wasser  verstehst 
du  nichts.  Die  Lage  bei  Ching-men  hängt  ganz  von  der  Bezwingung  des 
Südens  ab:  darauf  sollst  du  Wert  legen,  und  weiter  nichts.»  P'eng  erließ 
darauf  einen  Befehl  an  sein  Heer  und  forderte  zum  Angriff  auf  die  schwim- 
mende Brücke  auf;  wer  zuerst  hingelange,  solle  hohe  Belohnung  erhalten. 
Darauf  meldete  sich  der  »General  des  einen  Flügels«  (25)  Lu  Ch'i  ^^  "^ 
auf  die  Aufforderung  und  ging  vor.  Damals  war  sehr  stürmischer  Wind 
[Comnientar:  aus  Osten].  Die  Schiffe  des  (Ts'en)  P'eng  und  (Lu)  Chi  fuhren 
gegen  die  Strömung  nnd  ti-afen  dii-ekt  auf  die  schwimmende  Brücke,  konnten 
aber  die  Haken  der  Pfahlsjieri-e  nicht  entfernen.  Ch'i  und  die  übrigen  con- 
centrierten    iliio    Kraft    und    kämpften   auf  Tod    und    Leben.      Darauf  ver- 


Krause:    Fluß-  und  wSeegefeclite  nach  chinesischen  Quellen.  75 

brannten  sie  sie  (die  Pfahlsperre)  mit  gesclileuderten  Feuerbränden.  Der 
AVind  war  (so)  wütend  und  das  Feuer  (so)  heftig,  daß  (auch)  die  Brücke 
und  die  Türme  einstürzten  und  verbrannten.  P'eng  (sammelte  nun)  wieder 
sein  ganzes  Heer  und  dräng  mit  dem  Wind  weiter  vor.  Es  trat  ihm  kein 
Widerstand  entgegen  (26).  Die  Soldaten  von  Shu  gerieten  in  große  Ver- 
wirrung, und  es  ertranken  mehrere  tausend  Leute.  (Die  Leute  von  Han)  köpften 
den  Jen  Man  und  nahmen  den  Ch'eng  Fan  lebendig  gefangen,  T'ien  Jung 
aber  entkam  nach  Pao-chiang-chou  {^/X  J*H* 

1.  ^-^^tt-  El"  stammte  aus  Mao-ling  j^f^  hn  (Kreise  Yu-)  Fu- 
feng  jjrj^  j$l  [S.  H.],  sein  Beiname  war  Tse-yang  ^^  ^ ;  er  er- 
oberte Shu  -^,  machte  Ch'eng-tou  Rjr^fj  (die  Hauptstadt  der 
heutigen  Provinz  Szu-ch'uan)  zu  seiner  Residenz  und  nahm  25 p.Chr. 
den  Titel  des  »weißen  Kaisers«  ^  "^  an.  Im  Jahre  33  drangen 
Wu  Han  und  Ts'en  P'eng,  die  Generale  des  Han-Kaisers  Kuang- 
wu-ti,  gewaltsam  gegen  Ch'eng-tou  vor,  wobei  es  zu  den  im  Text 
geschilderten  kriegerischen  Vorgängen  kam.  Kuug-sun  Shu  starb 
36  an  einer  Verwundung.     [G.] 

2.  ^ij  ^a,  Commentar:  f^jj  ist  alte  Schreibweise  für  frji.  Das  Erh-ya 
sagt:  es  ist  ein  Boot  \''ra'  (gulley).  Kuo  Ching-ch'un  §ß  "^  ^TÖ 
sagt:  es  ist  ein  Floß  yhfH  4^  (raft)  auf  dem  W^asser.  Das  Pei-wen- 
yün-fu  sagt  zu  ~fc"  ^m  •  man  macht  es  aus  Bambus  und  Holz,  es 
schwimmt  auf  dem  Wasser. 

3.  "Yj^  B^ .  Das  Hua-yang-kuo-chih  ^fe  ^r  ffl  J^^  sagt :  Pa  ^^  und 
Ch'u  ^^  führten  miteinander  Krieg;  deshalb  errichtete  man  eine 
Flußsperre,  in  alter  Zeit  in  Ch'ih-chia-ch'eng  ;^^fp^)^i  später 
verlegt  auf  das  südliche  Ufer  gegenüber  von  Pai-ti-ch'eng  Q  »^ 
i)^  (der  »Stadt  des  weißen  Kaisers«,  s.  Anm.  1).  Die  alten  Ruinen 
liegen  im  Süden  des  heutigen  Yü-fu-hsien  "^  '^%  i^  in  Kuei-chou. 

4.  ^iM*i  i'"  heutigen  I-tou-hsien  ^gL^ß^^  *^  Ching-chou-fu  ^|J 
]\\  ]^  in  Hupei.    [T.  L.] 

5.  ^[^?  im  heutigen  Tung-hu-hsien  "^Vj^^^  i"  I-ch'ang-fu  ^g^ 
g  /f^  in  Hupei.    [T.  L.] 

6.  tt;|J  rn ,  im  heutigen  Tang-yang-hsien  '^  |^  iE  in  Ching-men- 
chou  ^Ij  f^  j\\  in  Hupei.    [T.  L.] 

7.  1^  ^^;  ein  Commentar  im  \.  Kap.  des  Hou-Han-shu,  wo  das  gleiche 

Ereignis  erzählt  wird,  erklärt:  Das  Shui-ching  TJC^^  sagt:  der 
Fluß  fließt  nach  Osten  und  geht  zwischen  Ching-men  und  Hu-ya 
hindurch.  Der  Berg  von  Ching-men  liegt  südlich,  ist  oben  ge- 
schlossen und  unten  offen,  so  daß  er  aussieht  wie  ein  Tor.  Der 
Berg  von  Hu-ya  liegt  nördlich,  seine  Felswand  ist  rötlich  und  hat 


76 


Krausk:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 


9. 
10. 

11. 


12. 

13. 

14. 
15. 
16. 


17. 

18. 

19. 

20. 
21. 
22. 

23. 

24. 

25. 
26. 


dazwischen  weiße  Flecken  wie  Zähne.  Daher  koinmcn  die  Orts- 
namen. Diese  l)eiden  Berge  sperren  den  westlichen  Zugang  zum 
Lande  Ch'u  ^^.    Sie  liegen  im  Südosten  des  heutigen  I-ling-hsien 

V^  M^i  mit  Beinamen  Chün-jan  S"  jil/t.  stammte  aus  Tz'u-vang 
tl'ii^l^'  in   Nan-vang  l^Wi  ■ 


m 

j.yjll^fl',  s.  Anm.  16   zu  Text  5. 

^^yh^,  CoMiiiientar:   es  ist  ebenfalls  ein  Schiffsiiame;   ein  Joo  tM 

ist  ein  kleines  Ruder  V^  {=  \±l)- 

-^'/:^i  einer  der  Uauptfeldherren  des  Kaisers  Kuang-wu-ti,  mit 

Beinamen  Tse-yen  ^?-  ^^,  stammte  aus  Wan  ^m  in  Nan-yang  i^ 

f^  [S.  H.];  er  starb  44  p.Chr. 

wm%w- 

:S/|]FJ^'  "^''^  Beinamen  Yüan-po  TT^lRi  Fürst  von  An-chung  ^r 
^.    [S.u.] 

^IIhA"  ''^'*'  Beinamen  Hsi-chün  ^>ffl^'»  hatte  zur  Zeit  Kuang- 
wu-ti's  das  Amt  eines  Reitergenerals  und  wurde  zum  Fürsten  von 
Fou-yang  >?^  ^?  erhoben.    [S.  H.] 

^^^,  heute  Nan-yang-hsien  ]^  (^  ^^  in  Nan-yang-fu  [^  ^ 

\^  in   llonan.    [T.  L.] 

;^|^,  heute  Wu-ling-hsien  J^I^W»  '°  Cirang-te-fu  *^fg|f^ 

in  llunan.    [T.  L.] 

[it,    heute  C'hiang-ling-hsien   7X1^  ^{Wi  ^^  Chiug-chou-fu  ^ij  TH 

)^  in  llupei.    [T.  L.] 

^±.^^'  s.  Anm.  5  zu  Text  5. 

^1[k¥,  s.  Anm,  11  zu  Text  5. 

■f^vj;?,  im  heutigen  Ch'ang-sha-hsien  -^  ^i'J/ ^||^,i  in  Ch'ang-sha-fu 

M'&f^  in   Ilunan.    [T.  L.] 

chao-tsu  ^^^.     1^   cho  ist    in    der  Bedeutung   "Ruder«    (=  i^ 

chao)    chao   zu   lesen.  —    Commentar:    die   ^^^K    handhaben    die 

Ruder  und  bewegen  so  das  Schiff  vorwärts. 

^j,  Staat  am  Oberlauf  des  Yangtse  in  der  heutigen  Provinz  Szu- 

ch'uan.     (Siehe  Anm.  17  zu  Text  5.) 

jä/j' (rJ  f ffi  Tom" ,  wörtlich:  wo  er  sich  hinwandte,  hatte  er  nichts 
vor  sich. 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  77 

Text  10. 

Hou-Han-shu,    Kap.  24. 
Im  18.  Jahre  Chien-wu  ^^  ^(^  [d.  i.  42],  im  Friihling.  kam  das  Heer  bis 

oberhalb  Lang-po  '/^VH'  käm[)fte  mit  den  Rebellen,  vernichtete  sie  und 
köpfte  mehi-ere  tausend,  und  über  10000  unterwarfen  sich.  (Ma)  Yüan  (1) 
verfolgte  die  Chcng  Tso  (2)  und  die  übrigen  bis  Chin-ch'i  (3),  brachte  ihnen 
mehrere  Niederlagen  bei,  worauf  sich  die  Rebellen  zerstreuten.  Im  nächsten 
Jahre  [43],  im  I.Monat,  ließ  er  die  Cheng  Tso  (2)  und  Cheng  Erh  (2)  ent- 
haupten   und   schickte   ilire  Köpfe    nach  Lo-yang  (4) Ma  Yüan 

nahm  Tui-mschifFe  (5),  große  und  kleine,  im  ganzen  über  2000  Fahrzeuge, 
und  über  20000  Streiter  und  grift'  an,  was  an  Rebellen  in  Chiu-chen  (6)  von 
der  Partei  der  Cheng  Tso  noch  üln-ig  war.  Tou  Yang  :^K2i^  und  andere 
töteten  und  machten  zu  Gefangenen  mehr  als  5  000  Menschen  zwischen  Wu- 
kung  und  Chü-feng  (7);  Chiao-nan  (8)  wurde  unterworfen.  Commentar: 
(Ma)  Yüan  gelangte  bis  Chiao-chih  (9)  und  errichtete  (dort)  eine  Bronce- 
säule  als  Zeichen  der  äußersten  Grenze  van  Ilan. 

1.  ^p&,^,  »sein  Beiname  war  Wen-yünn  ^^Vrai  er  stammte  aus 
Mao-ling  'tU  [^  in  Fu-feng  i^  j^V  (im  heutigen  Shen-hsi).  Ein 
Vorfahre  von  ihm  war  Ch'ao  She  S^^^;  dieser  war  ein  General 
im  Staate  Ch'ao  iÖ  und  erhielt  den  Titel  ^fe  HJ^  S';  davon  nahmen 
seine  Nachkommen  den  Familiennamen  (Ma)  an.  [Hou-Han-shu, 
Kap.  24  ,^|^^|J{M]  —  ^^ä  Yüan  kämpfte  unter  dem  Usur- 
pator Wang  Mang  ^F~,4f^  (gest.  23),  dann  gegen  diesen  unter  Wei 
Hsiao  B^  ^M^  (gest.  33)  und  wurde  35  Gouverneur  eines  Gebietes 
im  heutigen  Kansu.  Für  die  erfolgreiche  Unterdrückimg  des  Auf- 
standes in  Annam,  von  dem  jmser  Text  erzählt,  erhielt  er  den 
früher  dem  Lu  Po-te  (s.  Anm.  4  zu  Text  5)  verliehenen  Titel  eines 
»wellenberuhigenden  Generals-  'f/^  ||^  t|^  J^ ,  'ind  seine  Tochter 
wurde  später  die  Gemahlin  des  Kaisers  Ming-ti  0H  »^  (58 — 76), 
bekannt  als  Ma-hou  j^  f^  oder  Ming-te-huang-hou  ^  |^  ^  J0. 
Ma  Yüan  starb  49  auf  einem  Kriegszuge  in  Hunan ;  in  der  Provinz 
Kuang-hsi  wird  er  noch  heute  göttlich  verehrt.     [G.] 

2.  Die  Häupter  dieses  Aufstandes  im  Süden  waren  2  Schwestern, 
Cheng  Tso  ^|J^jJ    und  Cheng  Erh    |^  J^- 

3.  ^ö^  ^^,  entspricht  der  Gegend  des  heutigen  Hsing-hua  fi.  'tr, 
in  Annam.     [I.  A.] 

4.  viÄ  [^,  war  seit  25  p.  Chr.  die  Hauptstadt  der  Han-Kaiser.    Es  lag 

im  heutigen  Lo-yang-hsien  '^^  |^  ^>  in  Ho-nan-fu  j^jij  ^|  j^  in 
Honan.     [T.  L.] 

5.  t^^,  s.  Anm.  16  zu  Text  5. 


78  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

6.  "/^^  iVl,  im   heutigen   ('li'ing-hna-fu  V^'  'U'  ßrf  '•»  Annain.     [T.  L.] 

7.  &t  ijfj  Wu-Kung  und  S  1^  ("liü-ieng  sind  Namen  zweier  Be- 
zirke, die  htMde  zum  Kreise  ('hiu-clu'n  "^  j|T  gehören;  Chü-feng 
ist    heute  Ai-chou   ^*  Ti'j  ■     [('oimnentai',   Hou-Han-slui,    Kap.  24]. 

8.  |1)^I^;    oder   "das  Land  südlich  der  Bergkette»  (?),   wie   «^]^- 

9.  ^  [)J1:  [oder  ^|i-||;],  im  heutigen  Chiao-chou-fu  ^  j'|'|  |fij-  i" 
Annam.     [T.  L.] 

Text  11. 

H  o  u  -  H  a  n  -  s  h  u ,  Kap.  16. 
Im  2.  Jahre  Chang-he  ^^fP  [d.  i.  88  p.  Chr.]  hatte  der  mit  der  Be- 
wachung der  ("h'iang  betraute  Offizier  (1),  namens  Chang  Yü  ^^^JTi  '^^" 
]Mi  Wu  (2)  und  andere  vom  Ciriang-vStamme  der  Shao-tang  (2)  (in  den  Hinter- 
hall) gelockt  und  getütet.  Dadurch  waren  alle  Ch'iang  in  großen  Zorn  ge- 
raten, berieten  miteinander  und  entschlossen  sich,  ihren  Groll  zu  rächen. 
Der  Kaiserliche  Hof  war  in  großer  Besorgnis,  und  die  höchsten  Staats- 
beamten (3)  schlugen  vor,  den  (Teng)  Hsiin  (4)  an  Stelle  des  (Chang)  Yü 
zum  militärischen  Befehlshaber  zu  ernennen.  Alle  Ch'iang  waren  sehr  auf- 
geregt, sie  Keßen  die  gegenseitigen  Streitigkeiten  untereinander  fallen,  ver- 
banden sich  durch  Heiraten,  tauschten  Geiseln  aus  und  schlössen  Bündnisse 
ab;  im  ganzen  hatten  sie  über  40000  Mann  und  (wollten),  wenn  der  Fluß 
zugefroren  wäre,  diesen  überschreiten  und  den  (Teng)  Hsün  angreifen. 
Früher  hatten  die  Zentralasiaten  [Hu  (5)]  vom  Stamme  der  Hsiao-Yüeli-chih  (6) 
getrennt  (von  den  Ch'iang)  innerhalb  der  Grenzbefestigung  (von  Ilan)  ge- 
wohnt; sie  zählten  2 — 3000  Reiter  und  waren  sämtlich  unitig,  gesund,  wohl- 
habend und  stai'k.  Jedesmal,  wenn  sie  mit  den  Ch'iang  kämpften,  über- 
wältigten sie  immer  mit  ihrer  Minderheit  eine  Mehrheit  von  P'einden.  Obgleich 
ihre  Gesinnung  manchmal  zwischen  l)eiden  Parteien  schwankte,  zog  doch 
Han  von  Zeit  zu  Zeit  Nutzen  (von  ihnen).  Damals  (nun)  vereinigte  der 
Sohn  des  INIi  Wu,  namens  Mi  T'ang  (2),  seine  Heeresmacht  mit  der  des 
Ch'iang-Stammes  in  Wu-wei  (7),  (so  daß  er)  zusamme'n  10000  Reiter  (hatte), 
kam  bis  an  die  Grenzbefestigung,  traute  sich  aber  nicht,  den  Hsün  anzu 
greifen,  wollte  vielmehr  erst  die  Yüeh-chih  (-Hu)  überziehen.  Hsün  ver- 
sammelte seine  Leibwache,  war  auf  seiner  Hut,  befahl  aber,  nicht  zu  kämpfen. 
Die  allgemeine  Ansicht  aller  war,  daß,  wenn  die  Ch'iang  und  die  Hu  sich 
gegenseitig  angriffen,  der  (chinesische)  Kreisbeamte  davon  nur  Vorteil  haben 
könne,  indem  er  Barbaren  (8)  durch  Barbaren  bekämpfen  ließ,  es  (daher) 
nicht  gut  sei,  dies  zu  verbieten  und  (einen  Teil)  in  Schutz  zu  nehmen.  Hsün 
(aber)  sagte:  »Nein.  (Mein  Vorgänger)  Chang  Yü  hat  sein  Wort  gebrochen; 
(deshalb)  rühren  die  Ch'iang  sich  mit  Macht,  so  daß  (wir)  stets  mindestens 
20000  Mann  bereithalten  müssen,  und  die  hierfür  nötigen  Transportkosten 
haben  die  Kasse  sehr  erschöpft.  Da  die  Hu  jetzt  in  Not  sind,  so  können 
wir,  wenn  wir  sie  human  behandeln,  großen  Nutzen  von  ihnen  haben.«    Er 


Krause  :    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  79 

befahl  darauf,  die  Stadt  und  seine  eigne  Wohnung  zu  öffnen,  und  ließ  alle 
Weiber  und  Kinder  der  IIu  scharenweise  hineinbringen  und  militärisch  be- 
wachen. Die  Ch'iang  fanden  also  nichts  zu  rauben  und  zu  plündern,  wagten 
(auch)  wieder  nicht,  die  Hu  anzugreifen,  und  lösten  sich  auf.  Daher  sagten 
nun  alle  Leute  der  Hu  in  Huang-chung  (9):  »Die  Regierung  von  Hau  wollte 
uns  stets  bekämpfen;  jetzt  behandelt  uns  ihr  Gesandter  Teng  (Hsün)  mit 
Wohlwollen  imd  Vertrauen,  ließ  uns  die  Tore  öffnen  und  nahm  unsre 
Weiber  und  Kinder  auf,  so  daß  wir  nun  wieder  unser  Familienglück  ge- 
nießen können.«  Alle  freuten  sich,  machten  k'ou-t'ou  und  sprachen:  »Wir 
stehen  ganz  zu  Befehl.«  Hsün  beruhigte  und  verpflegte  sie  und  suchte  sich 
aus  ihnen  einige  hundert  junge,  tapfere  Leute  zu  seiner  freiwilligen  Begleitung 
aus.  In  der  Sitte  der  Ch'iang  und  Hu  gilt  es  als  eine  Schande,  an  einer 
Krankheit  zu  sterben;  wenn  in  einer  Krankheit  die  Krisis  eintritt,  stechen 
sie  sich  selbst  mit  einem  Messer  tot.  Wenn  nun  Hsün  höj-te,  daß  Leute 
in  schwerer  Ki-ankheit  lagen,  nahm  er  sie  stets  in  Gewahrsam,  ließ  sie 
binden,  gab  ihnen  keine  Waffen,  schickte  Ärzte  und  ließ  sie  mit  Arznei 
heilen.  Dadurch  ist  mehr  als  einer  gesund  geworden,  und  bei  groß  und 
klein  herrschte  allgemein  Dank  und  Freude.  Darauf  belohnte  und  bestach 
er  alle  Stämme  der  Ch'iang,  daß  sie  sich  gegenseitig  (zur  Unterwerfung) 
anlocken  sollten.  Der  Onkel  von  Mi  T'ang,  namens  JNIi  Wu  (10),  kam  darauf- 
hin mit  seiner  INIutter  und  800  Familien  seiner  Stammesgenossen  von  di-außen 
in  die  Grenzbefestigung  hinein  und  unterwarf  sich.  Hsün  hob  dann  aus 
Huang-chung  4000  Soldaten  aus  von  den  fremden  Hu  imd  Ch'iang,  ging 
aus  der  Befestigung  heraus,  überfiel  und  schlug  den  Mi  T'ang  im  Tal  von 
^i  (11);  hierbei  wurden  über  600  Mann  getötet  und  gefangengenommen, 
über  10000  Pferde,  Rinder  und  Schafe  erbeutet.  Darauf  verließ  Mi  T'ang 
Ta-yüeh  und  Hsiao-yüeh  (12)  und  wohnte  im  Tal  von  P'o-yen  JwW  l^-  Sein 
ganzes  Volk  war  völlig  vernichtet  und  verspi'engt.  Im  Frühjahr  wollte  er 
wieder  in  sein  ursprüngliches  Land  zurückkehren  und  Ackerbau  treiben. 
Hsün  (aber)  hob  6000  Mann  aus  Huang-chung  aus  und  ernannte  den  Jen 
Shang  Y^  fp^  zu  ihrem  Befehlshaber.  Dieser  ließ  Schiffe  aus  Leder  nähen, 
setzte  sie  auf  ein  »pei«  (13),  überschritt  damit  den  Fluß  und  überfiel  das 
Lager  des  Mi  T'ang.  Der  »Freigebige«  (14)  (d.  i.  Teng  Hsün)  nahm  viele 
gefangen  und  tötete  viele,  verfolgte  die  Fliehenden  (15)  und  vereinigte  sich 
(dann)  mit  Jen  Shang  und  den  übrigen.  In  der  Nacht  wurden  sie  von  den 
Ch'iang  angegriffen,  (aber)  die  freiwillige  Leibwache  (des  Hsün),  aus  Hu 
und  Ch'iang  gebildet,  schlug  (die  Feinde)  mit  vereinten  Kräften,  köpfte 
mehr  als  1800  Menschen,  nahm  2  000  Mann  lebendig  gefangen  und  erbeutete 
über  30000  Pferde,  Rinder  und  Schafe.  Der  ganze  Stamm  wurde  fast  völlig 
aufgerieben.  Mi  T'ang  nahm  den  Rest  seines  Stammes  und  verlegte  sein 
Lager  über  1000  Li  nach  Westen.  Alle  kleinen  Stämme,  die  ihm  angehangen 
hatten,  fielen  von  ihm  ab,  der  Häuptling  (16)  vom  Stamme  der  Shao-tang  (2), 
namens  Tung  Hao  (17),  machte  k'ou-t'ou  und  bat  weinend  um  seinen  Tod  (18); 
alle  (seine  Leute)  wurden  innerhalb  der  Grenzbefestigung  aufgenommen,  sie 
stellten  Geiseln,  und  darauf  herrschte  dauernder  Friede. 


so  Krausk:    Fluß-  und  Seegefechte  nacli  cli'mesischen  Quellen. 

2.  Die  Ch'iang  ^-  sind  ein  tibetisches  Volk,  das  iu  zalilreiche  kleine 
Stämme  zerfiel  (s.  unten)  und  wohl  identisch  ist  mit  den  späteren 
Tanifuten,  P"f"  ^^  t'u-fan,  im  Kukuiior-Gebiet.  [Kranke.]  —  Aus- 
liihrliche  Angal)en  über  das  Volk  der  ("h'iang,  das  in  ununter- 
brochenen Grenzkämpl'en  mit  den  Chinesen  lebte,  enthält  Kap.  87 
des  Ilou-lian-shu  (pL]  ^  {dl);  hier  wird  auch  eine,  zwar  lücken- 
haite  Genealogie  der  Fürsten  der  Ch'iang  gegeben.  Als  Ahnherr 
wird  der  halbmythisciie  Yiian   Cliien  ^^  wjD  genannt,    dessen  Ur- 

enkfel  Jen    ^,   uiul  Wii  ^M  9   bzw.  17  Söhne  hatten,    die  ebenso 

\iele  Stämme  gründeten.  Yen  ^ff^  der  Sohn  des  Jen,  war  eine 
sehr  mächtige  Persönlichkeit,  so  daß  sein  Stamm  nach  ihm  den 
Namen  Yen  annahm.  In  der  13.  Generation,  zur  Zeit  Kaiser  Yüan-ti's 
TCi  '^(■18—32  a.Chr.),  trat  wieder  ein  kräftiger  Herrscher  auf,  namens 
Shao  Tang  'j^'S*'  "'"^'I'  d^^n  sich  der  Stamm  fortan  Shao-tang 
nannte.  Tien  Wu  yipL  ^^  war  der  erste  Fürst,  der  sich  den  Chi- 
nesen unterwarf  und  in  ihi"  Gebiet  übersiedelte.  Von  den  Rebellionen 
seines  Sohnes  INIi  Wn  ^^^'  "tul  seines  Enkels  Mi  T'ang  p^  1^ 
handelt  unser  Text.  Die  Verwandtschaft  der  dort  genaiuiten  Per- 
sonen veranschaulicht  am  besten  der  beigefügte  Stammbaum : 

I 

I 

? 


^^  Jen  f£  Wu 


^j^  Yen        u.  8  JSohne         17  Söhne 
'f^'m    ^^^^^   ^^"»  (gegeo  40  a.  Chr.) 


VJJt  J^  'Hen  Liang  (gest.  56  ]>.  Chr.) 
yi^  ^  Tien  Wu  (gest.  59)  y^.  ^   Tien  An. 


^  T.mg  Wu  (gest.  89)  ^  ^  Mi  AVu  (gest.  88)             §j|  ^  Hao  Wu 

I  I 

MvM.  ^'""'.'^'  11=»<>  iäilS  ^I'  T'ang  (gest.  102?) 

I  I 

hhM  -^''' ''"'  ^'^  ^''^''' 


Krausk:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesisclien  Quellen.  81 

3.  ^^%h  eigentlich  die   H<^3!.#|)'  '^'^   "Keichsverwalter... 

4.  gpjlll,  -er  war  der  Sohn  des  (Teng)  Yü  ^,  sein  Beiname  war 
P'ing-shu  ^^JjSt-  Sein  Vater  stammte  ans  Hsin-yeh  ^  ^f*  in 
Nan-yang   |§j^.« 

5.  itH  Hu  ist  bei  den  Chinesen  die  allgemeine  Bezeichnung  für  die 
aus  skythischen,  indischen,  griechischen  Elementen  gemischten 
Völker  Centralasiens. 

6.  Die  Yüeh-chih  ^^   [Commentar:   ^§j^;   daher  auch  die 
Schreibweise     H  "^  vorkommt]  wohnten  nach  den  ältesten  chine- 
sischen   Angaben    ursprünglich   im    Norden   der   heutigen   Provinz 
Kansu.     Sie   gerieten  in  Kämpfe  mit  ihren   nördlichen  Nachbarn, 
den  Turkvölkern  der  Hsiung-nu  -jäf  ^  "°d  derWu-sun  ,^  ^■ 
Von  dem  Hsiung-nu-Fürsten  Moduk  (^  |g   Mao  Tun,  gest.  174 
a.  Chr.)  besiegt  und  von  dessen  Nachfolger  Kiyuk  (^^ß.  gest. 
160)    gänzlich   vernichtet    und    aus    ihren    Wohnsitzen    vertrieben, 
wanderte  die  Masse  der  Yüeh-chih,  jetzt  Ta  Yüeh-chih  -^  ^  ^ 
genannt,    nach   Westen   und    Nordwesten    bis    in   die    baktrischen 
Oxusländer  (Ta  Hsia  ^  g  =  Baktrien),  wo  sie  in  dem  großen 
Reich  der  indoskythischen  Tocharer  (^^  ^  ^  Tou-huo-lo)  auf- 
gingen.    Nur  ein  kleiner  Rest  blieb  in  den  alten  Wohnsitzen  zu- 
rück und  lebte  dort  in  enger  Berührung  mit  den  tibetischen  Ch'iang 
ife,   und    diese    sind  es,    denen    wir   in    unserem  Text    als    Hsiao 
Yüeh-chih  yU    H  ^  begegnen.    [Hierzu  vgl.  0.  Franke,  Beiträge 
aus  chinesischen  Quellen  zur  Kenntnis  der  Turkvölker  und  Skythen 
Centralasiens,    Abh.  d.  Kgl.  Preuß.  Akad.  d.  W^iss.  1904.]    --  Das 
Hou-Han-shu    sagt    in    Kap.  88    {M^i$-)'-    "^°    früherer   Zeit 
wurden  die  Yüeh-chih  von  den  Hsiung-nu  vernichtet,  zogen  dann 
fort  nach  Ta-Hsia  und  teilten  ihr  Reich  in  fünf  Stämme:  Hsiu-mi 
^^,  Shuang-mi  ^0,  Kuei-shuang  ^^,  Hsi-tun  ^^^ 
und  Tou-mi   ^|)^i    die  jeder    unter   einem  Häuptling  (mit  dem 
Titel)   ling-hou  ^^^  standen.    Über  100  Jahre   später  griff  der 
Häuptling  der  Kuei-shuang,    namens  Ch'iu-chiu-ch'üeh    Ji.^^P 
die  anderen  vier  Häuptlinge  an   und  vernichtete  sie,   machte   sich 
als    König   selbständig   und    nannte    das    Reich   Kuei-shuang-wang 
W^i-    Er   fiel    ins  Partherreich  (^,@,   An-hsi)    ein,   nahm 
das  Land  Kao-fu  jg  Rt   •"  Besitz,  vernichtete  ferner  P'u-ta  }f^ 
^    und    Ch'i-pin     m^    "^d    machte    alles    zu    seinem    Lande. 
Ch'iu-chiu-ch'üeh  starb  "über  80  Jahre  alt;  sein  Sohn  Yen-kao-chen 
^'S'3^    wurde    für    ihn    König,    unterwarf   seinerseits   Indien 
{Ic^  T'ien-chu)  und  setzte  einen  General  zu  seiner  Verwaltung 
ein.  Seitdem  ist  Yüeh-chih  sehr  reich  und  mächtig;   alle  Länder 

Mite.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.   I.  Abt.  6 


82  Kkausk:    Kliiß-  und  Seegefechte  nach  ehinesisclien  Quellen. 

nennen  es  Kuei-sliuang-wang,  (aber)  Cliina  (^jM.)  nennt  es  (nach 
wie  vor)  mit  dem  alten  Namen  Ta  Yiieh-chih.«  —  [»L'histoire 
des  seconds  Han  nous  parle  du  regne  de  Kieou-tsieuu-kliio,  roi 
des  Yue-tchi,  qui  vecut  80  ans.  Ce  prince  subjiiga  les  (luatre 
autres   principautes  des  Yue-tclii,   s'empara  du   territoire  de  Kao- 

fu,  detruisit  Po-ta  et   le   Ki-pin M.  Cunningham  a  identifie 

le  roi  des  Yue-tchi  Kieou-tsieou-khio  avec  Kujula  Kadphises,  dont 
on  trouve  le  nom  sur  les  monnaies  indo-scythes.«  (,Les  Indo- 
Scythes  et  IV-pocjue  du  regne  de  Kaniclika',  Etudes  sur  TAsie 
centrale  d'ajjres  les  historiens  chinois  par  Ed.  Specht,  Paris  1897.)] 

—  »Das  Land  Kao-fu  i"^  pfij"  liegt  südwestlich  von  Ta  Yüeh- 
chili  luul  ist  auch  ein  großes  Reich.  Seine  Sitten  sind  denen  von 
Indien  ähnlich,  aber  die  Leute  sind  schwächer  und  tragen  leichte 
Kleidung;  sie  sind  geschickt  im  Handel  und  (daher)  reich  an 
Schätzen.  Seine  Zugehörigkeit  war  nicht  inuner  die  gleiche; 
wenn    eines  der  drei  Reiche:    T'ien  chu  ^/^,    Ch'i-pin    ^^ 

oder  An-hsi  ^r  ^.  stark  war,  eroberte  es  (Kao-fu),  wenn  es 
schwach  war,  verlor  es  dieses  wieder;  aber  noch  niemals  hatte 
es  zu  Yüeh-chih  gehört.  Im  (Ch'ien-)  Han-shu  zählte  man  Kao- 
fu  zu  den  fünf  Häuptlingsstäuunen ;  das  ist  aber  nicht  richtig. 
Später  gehörte  es  zu  An-hsi,  und  als  dann  die  Yüeh-chih  das 
Partherreich   vernichteten,    nahmen  sie   zuerst  Kao-fu   in   Besitz.« 

—  Über  unsere  Hsiao-Yüeh-chih  sagt  das  Hou-Han-shu  in  Kap.  87 
(^^.^/{Bä):  »Die  Vorfahren  der  Hu  vom  Stamme  der  Yüeh- 
chih  in  Huang-chung  »^Ö  pb  El  ^  ±B  gehörten  einem  Zweige 
der  Ta  Yüeh-chih  an  und  wohnten  in  alter  Zeit  in  Chang-yeh 
£M  i|^  (im  heutigen  Kan-chou-fu  "tj"  »j'j'j  CM^  in  Kansu)  und  Chiu- 

ch'üan  '^ffi  ^.  (im  heutigen  Su-chuu  ^.  'J'J>j  in  Kansu).  Der 
König  der  Yüeh-chih  wurde  von  dem  Hsiung-nu  Mao  Tun  ge- 
tötet, der  Rest  seines  Stannnes  zerstreute  sich,  zog  nach  Westen 
und    überschritt     den    (Paß    von)    Ts'ung-ling     j^  ^^    [richtiger: 

^.^g],  die  Schwachen  von  ihnen  (aber,  welche  nicht  fortwan- 
dern konnten),  gingen  nach  Süden  in  die  unzugänglichen  Berge 
und  suchten  Anschluß  an  die  Ch'iang  ^-^  wohnten  dort  mit 
ihnen  zusammen  und  heirateten  untereinander.  Als  der  Armee- 
oberbefehlshaber ,!^,!|^-5lf-5  ^"^  Ch'ü-ping  ^^^g(19)  die 
Hsiung-nu  vernichtete  und  das  Gebiet  von  Ilsi-ho  gQ  jp\  in  Be- 
sitz nahm  und  Huang-chung  erschloß,  da  kamen  die  Yüeh-chih, 
ergaben  sich  und  wohnten  mit  den  Chinesen  zusammen.  (.\ber) 
obgleich    sie    den     (chinesischen)    Territorialbcamten    gehorchten, 

schwankte  ihre  Gesinnung  doch  zwischen  beiden  Parteien 

Ihre  Kleidung,  Nalu-ung  und  Sprache  waren  denen  der  Ch'iang 
luigefälir   gleich.     Sie    nahmen    ihre    Rufnamen    (^)    vom  Vater, 

die    Familiennamen    (^)   von    der   Mutter   und    machten   daraus 


Krause:    Fluß-  mid  Seegefeclite  nach  chinesischen  Quellen.  83 

Staininesbezeicliiuuigcn.  Große  Stämme  gab  es  sieben  mit  über 
9000  tapferen  Kriegern.  Diese  lebten  verstreut  in  Iluang-chung 
und  Ling-chü  -^  K;  ferner  gab  es  mehrere  hundert  Familien  in 
Chang-yeh,  und  diese  werden  als  1-ts'ung-Hu  ^  :^^  :^J^  bezeichnet.« 

7.  ;0-{'J5£i  iin  heutigen  Wu-wei-hsien  ;^  y^  ^{  i"  Liang-chou-fu 
.^  j'H  j^   in  Kansu.    [T.  L.] 

8.  ^,  die  allgemeine  Bezeichnung  fiir  Ausländer.  [Sonst  wird  für 
Barbarenvölker    im   Westen    besonders    -j^    gebraucht:    ;|(^^ 

9.  'J^  ptl,  t'ommentar:  .. Huang-chung  ist  der  Ort,  wo  die  Yüeh- 
chih-Hu  wohnten,  heute  Huang-shui-hsien  »^  Ö  yj^  1|^  in  Shan- 
chou  Hf?  »j'l'l ."  Nach  Biot  ist  Huang-chung  =  Hsi-ning-fu  [J§  j^  j^ 
in  Kansu. 

10.  j)^^-;    nach    dem  Stammbaum    müßte    diese  Person    wohl    Hao 

11.  Commentar:    "^i^JjSj    ^'hsieh  ist  hier  yen  zu  lesen«. 

12.  '^^m     A^^^l'i  Commentar:   »beides  sind  Talnamen«. 

13.  ^m  j}ei  [oder  pi  (Couvreur)],  wird  verschieden  erklärt:  .-petita 
cage,  panier«  (Couvreur),  »a  basket  trap  for  catching  fish«  (Giles), 
^^'ß§4^:§gr,  ein  Bambusgerät  zum  Fischfang  (Pei-wen-yün-fu). 
Der  Commentar  zu  unserm  Text  sagt:  »ein  .pei'-  ist  ein  Holz- 
floß  ^^.« 

14.  -^  ^  (a  hao.  Im  Kap.  83  des  Hou-Han-shu  findet  sich  eine 
Stelle:  »(Tai)  Liang  ^t7  ^ ,  mit  Beinamen  Tse-kao,  war  aus 
reicher  Familie  und  liebte  die  Freigebigkeit.  Liang  bewirtete 
mehrere  hundert  Leute,  und  die  Redensart  lautete:  der  Freigebige 
(~ic^)  aus  Kuan-chuug  mit  Namen  Tai-tse-kao.«  Nun  wird 
in  der  Biographie  des  Teng  Hsün  (Hou-Han-shu,  Kap.  16),  aus 
der  unser  Text  entnommen  ist,  zu  Anfang  erzählt:  »(Teng)  Hsün 
hatte  seine  Freude  an  Freigebigkeit  gegen  seine  Untergebenen, 
Beamte  aller  Grade  suchten  oft  Zuflucht  bei  ihm.«  ^^  ist 
also  mit  Anspielung  auf  die  andere  Stelle  eine  Bezeichnung  des 
Teng  Hsün. 

15.  ^;|[^.  ;|(^  kann  ein  Synonym  von  ^  sein:  pJtiXÄ'tfc 
(K'ang-hsi).  Vgl.  ^^||i(^:^{^  "ich  habe  dreimal  gekämpft 
und  bin  dreimal  geflohen«    (Shih-chi    ^^gß,  Kap.  62). 

17.    ^fj^,  der  Vetter  des  Mi  Tang,  s.  Anm.  2. 

18-  mmmw 

6* 


84  Kraüsk:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

19.  Huo  Ch'ü-ping,  gest.  117  a.  Chr.,  war  der  Neffe  (jüngste  Sohn  der 
ältesten  Schwester)  des  Großgenerals  Wei  Ch'ing  ^J.^-  Seine 
Biographie  findet  sich  int  Ch'icn-Han-shii,  Kap.  55  (^ -^^flS) 

und  im  Shih-chi,  Kap.  111  (,?^  .[ff  ^ij  fi|f)-  Die  Besiegiing  der 
llsiuiig-nu  durch  Wei  Ch'ing  und  IIuo  Ch'ü-ping  wird  geschildert 
im  C'h'ien-Han-shu,  Kap.  94  ("I^^Xi^)'  ^^^  ^'*^"  A.  Wylie  ül)er- 
setzt  ist:  History  of  the  Heung-noo  in  their  relations  with  China, 
Journal  of  the  Anthropological  Institute  of  Gr.  Er.  a.  J.,  Januar  1874. 


Text  12. 

San-kuo-chih,  Geschichte  des  Staates  Shu,  Kap.  32. 

Im  12.  Jahre  Chien-an  |^  ^  [d.  i.  207  (1)]  schickte  der  -Frühere 
Herr»  (2)  den  Chu-ke  Liang  (3),  damit  dieser  sich  mit  Sun  Ch'üan  (4)  ver- 
einigen sollte.  (Sun)  Ch'üan  schickte  den  Chou  Yü  (5),  Ch'eng  P'u  (6)  und 
andere  mit  einer  Flotte  von  mehreren  zehntausend  (Mann  Besatzung),  die 
sich  mit  dem  Hsien-chu  vereinigen  sollten.  Sie  kämpften  mit  Ts'ao  Kung  (7) 
bei  Ch'ih-pi  (8),  brachten  ihm  eine  schwere  Niederlage  bei  und  verbraimten 
seine  Schiffe.  Der  Hsien-chu  drang  gemeinsam  mit  dem  Heere  von  Wu 
zu  Wasser  und  zu  Lande  weiter  vor  und  verfolgte  (den  Feind)  bis  in  den 
Kreis  Nan  (9).  Damals  herrschte  wieder  eine  Seuche,  und  von  der  Nord- 
armee starben  viele.     Ts'ao  Kung  zog  sich  zurück. 

1.  Die  Geschichte  des  Staates  Wu  erzählt  die  gleichen  Ereignisse 
unter  dem  Jahre  208  (s.  Text  16). 

2.  ^^,  d.  i.  LiuPei  ^Ijlf  (162—223).  Er  soll  7'/,  Fuß  hoch  ge- 
wesen sein  und  erstaunliche  Fähigkeiten  besessen  haben;  er  be- 
kleidete mehrere  Beamtenposten,  wurde  ein  Freund  des  Ts'ao 
Ts'ao  (s.  Anm.  7),  spätei-  sein  Rivale,  den  er  dann  im  Bunde  n)it 
Sun  Ch'üan  (s.  Anm.  4)  bekämpfte.     211  machte  er  sich  zum  Herrn 

von  Shu  -^,  nahm  nach  dem  Sturz  der  Han-Dyna.stie  den  Titel 
eines  Kaisers  von  Shu  an  und  begründete  so  die  Dynastie  Shu- 
Han  ^*|^.  Sein  postumer  Name  ist  Chao-lieh-ti  Jß^ji*^! 
er  ist  canonisiert  als  Hsien-chu   -^  qr . 

3.  ^;g>^  (181  —  234),  geboren  in  Yang-tou  ^  ^i  i"  Shan- 
tung,  trat  207  in  die  Dienste  des  Liu  Pci  und  wurde  dessen  ver- 
trauter Ratgeber.  Nachdem  der  Thron  von  Shu  für  Liii  Fei  ge- 
sichert war,  unternahm  Chu  225 — 227  eine  Expedition  nach  Burma 
und  leitete  bis  zu  seinem  Tode  die  Kämpfe  gegen  Wei.  Er  gilt 
als  der  Erfinder  neuer  Taktikformen  und  mancher  militärischer 
\'erbesserungen.     Sein    Beiname    war    K'ung-ming    ^LiBH,    er   ist 

canonisiert  als  Chung-wu  y^;^.  Seine  Biograj)hie  enthält  San- 
kuo-chih,  Kap.  35. 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  85 

4.  -^^J  (181  —  252),  kämpfte  gegen  Ts'ao  iVao  (s.  Anm.  7)  und  Liii 
Pei  (s.  Anni.  2)  und  suchte  gegen  beide  seine  Selbständigkeit  zu 
behaupten.  Im  Bunde  mit  Liu  Pei  besiegten  seine  Truppen  207 
(oder  208)  den  Ts'ao  Ts'ao  an  der  Roten  Mauer.  215  wurde 
Sun  Ch'üan  bei  He-fei  -^  |j[£  von  Ts'ao  Ts'ao  geschlagen  und 
gehörte  fortan  zu  dessen  Anhängern.  221  machte  er  sich  zum 
König  von  Wu  -W-^^i  nahm  229  den  Kaisertitel  an  und  wurde 
als  Wu-ta-ti  ^-~^^^  Begründer  der  Dynastie  von  Wu.  Seine 
Biographie  enthält  San-kuo-chih,  Kap.  47. 

5.  MI  JmT  (174 — 218),  General  und  Ratgeber  des  Sun  Ch'üan  in 
dessen  Kämpfen  imi  die  Selbständigkeit  von  Wu  mit  Wei  und 
Shu.  Er  besiegt  207  (oder  208)  den  Ts'ao  Ts'ao  an  der  Roten 
Mauer.  Sein  Beiname  ist  Kung-chin  ^  Js.  Seine  Biographie 
enthält  San-kuo-chih,  Kap.  54. 

6.  ^^^1  General  des  Sun  Ch'üan.  Seine  Biographie  enthält  San- 
kuo-chih,  Kap.  55. 

7.  "g  ^,  d.  i.  Ts'ao  Ts'ao  "^f^  (155—220),  mit  Beinamen  Meng- 
te ^fi^.  Er  führte  zahlreiche  Feldzüge  füi"  die  letzten  Herr- 
scher  der  Han-Dynastie,  wurde  192  Gouverneur  des  von  ihm 
unterworfenen  Gebietes  im  heutigen  Shaii-tung,  machte  sich  208 
zum  allmächtigen  Minister  und  Regenten  für  den  unfähigen  Kaiser 
Hsien-ti  ^t  *^,  heß  die  Kaiserin  Fu-hou  -fjs^j^  umbringen  und 
seine  eigene  Tochter  als  Kaiserin  ausrufen,  erklärte  sich  zum 
Generalissimus   {-^^^'^)    mit    dem    Titel   ;^2pj^   und    213 

zum  Herzog  von  Wei  ^^  jMI  ^  [daher  W  ^].  Bis  zu  seinem 
Tode  hatte  er  zu  kämpfen  gegen  seine  Rivalen  Liu  Pei  (s.  Anm.  2) 
und  Sun-Ch'üan  (s.  Anm.  4).  Von  seinen  vier  Söhnen  wurde  der 
älteste  Ts'ao  Pei  (s.  Anm.  14  zu  Text  13)  dann  der  erste  Kaiser 
von  Wei    und   verlieh    seinem  Vater    nachträglich   den    Kaisertitel 

8.  ^r{^^,  die  »Rote  Mauer«,  entspricht  dem  heutigen  Huang-chou- 
fu  ^  JlUfJ  ^"  ^^n^^i  [J.  A.].  "The  Red  Wall  on  the  Yang  tse 
near  Hsia-k'ou  W  pj  in  Hupei«  (Giles).  »Near  the  modern 
Kiukiang«   (Maj^ers). 

9.  ]5  [^R]  s.  Anm.  19  zu  Text  9. 

Text  13. 

San-kuo-chih,  Geschichte  des  Staates  Wei,  Kap.  18. 

Hou  Yin  ^  ^^  und  Wei  K'ai  ^^  BM  und  andere  rebellierten  in 
Wan  (1).  (P'ang)  Te  (2)  mit  dem  (Heere),  über  das  er  gebot,  griff  gemein- 
sam mit  Ts'ao  Jen  (3)  Wan  an,  eroberte  es,  köpfte  den  (Hou)  Yin  und 
(Wei)  K'ai,  zog  weiter  nach  Süden  und  lagerte  bei  Fan  (4),  um  den  Kuan 


8t)  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  narli  rliinesischen  Quellen. 

Yü(5)  anzugreifen Dann  trat  über  zelin  Taj^e  lang  strömender  Regen 

ein,  das  Wasser  des  llan-Fliisscs  stieg  gewaltig  nnd  stand  nnterlialb  von  Fan 
50 — 60  Fuß  hoch  über  der  Niederung.  (P'ang)  Te  mit  allen  Generalen 
Avollte  dem  Hochwasser  ausweichen  und  erstieg  einen  Dauun.  (Kuan)  Yü 
benutzte  seine  Flotte,  um  ihn  anzugreifen  und  schoß  von  den  großen 
Schiffen  aus  von  allen  (vier)  Seiten  nach  dem  Damm  hinauf.  Te  zog  seinen 
Panzer  an,  nahm  den  Bogen  zur  Hand,  und  seine  Pfeile  gingen  nicht  ins 
Leere.  Der  General  Tung  Heng  ^^^fij,  der  Cohortenführer  (6)  Tung  Ch'ao 
^^^^  und  andere  wollten  sich  ergeben,  Te  aber  ließ  sie  alle  festnehmen 
und  köpfen.  Vom  frühen  Morgen  kämpfte  er  mit  aller  Macht,  bis  die 
Sonne  die  ^Mittagshöhe  überschritten  hatte.  Yü  griff  mit  vermehrter  Heftig- 
keit an,  und  als  ihm  die  Pfeile  ausgingen,  schritt  er  zum  Nahkampf  mit 
Handwaffen.  Te  sagte  zu  einem  seiner  obersten  Heerführer,  namens 
Ch'eng  Ho  ßV* 'fpf  =  "Ich  habe  gehört,  daß  tüchtige  Generale  nicht  aus 
Todesfurcht  feige  davonlaufen,  daß  entschlossene  Männer  nicht  ihre  Ehre 
verletzen,  um  ihr  Leben  zu  retten.  Heute  ist  mein  Sterbetag.«  Er  kämpfte 
mit  noch  größerem  Eifer,  und  sein  Mut  verdoppelte  sich;  aber  auch  das 
Wasser  stieg  inuner  höhei",  und  alle  seine  Leute  ergaben  sich.  Te  aber 
mit  einem  » Generaladjutanten«  (7)  und  zwei  Unterführern  (8)  spannten  ihre 
Bogen,  hielten  Pfeile  bereit,  bestiegen  ein  kleines  Boot  und  wollten  nach 
dem  Lager  des  (Ts'ao)  Jen  zurückkehren.  Das  Wasser  ging  hoch,  das 
Boot  schlug  um,  Pfeil  und  Bogen  gingen  verloren,  (Te)  allein  klammerte 
sich  (noch)  an  das  Boot,  fiel  (aber  doch)  ins  Wasser  und  wurde  von  (Kuan) 
Yü  gefangengenommen.  Er  stand  und  kniete  nicht  nieder.  Yü  sprach  zu 
ihm:  »Dein  Bruder  ist  in  Han-chung  (9),  und  ich  wollte  auch  dich  zum 
General  machen;  warum  hast  du  dich  nicht  rechtzeitig  ergeben?«  Te  be- 
schimpfte den  Yü  und  sagte:  »Du  grüner  Junge  (10) !  Wie  kannst  du  von 
Unterwerfung  reden!'  Der  König  von  Wei  hat  eine  Million  (sie!)  gepan- 
zerter Krieger,  und  seine  Macht  erschüttert  die  ganze  Welt;  euer  Liu  Pei 
ist  doch  nur  ein  Durchschnittskopf  (11),  wie  kann  der  uns  entgegentreten;' 
Ich  möchte  lieber  für  mein  Reich  sterben  (12)  als  ein  General  über  Räuber 
werden.«  Da  ließ  Yü  ihn  töten.  Als  T'ai-tsu  (13)  dies  hörte,  betrauerte 
er  ihn  und  vei'goß  Tränen  und  machte  seine  beidey  Söhne  zu  Fürsten. 
Als  Wen-ti  (14)  den  Thron  bestieg,  schickte  er  Abgesandte  zum  Grabe  des 
(P'ang)  Te    und  verlieh    ihm    in    einer  Urkunde  einen  postumen  Ehrentitel. 

1.  ^"u,   •■Waii  gehörte  zur  Han-Zeit  zu  Nang-yang-fu   |^  ^  )f^    (io 
llonan)«   (K'ang-hsi). 

2.  fe^i^,    ein    General    des   Ts'ao-Ts'ao,    n)it   Beinamen    Ling-ming 

-^  Hfl .     »Te  ritt    immer  einen   Schimmel;    im   Ilcei-e    des  (Kuan) 

Yü   nannte  man   ihn  den   ,Schinn)iclgeneral'  und  fürchtete  ihn.« 
3-     ^  \-l^  ""t  Beinamen  Tse-lao  -^  y^-,  wai'  ein   Vetter  des  Ts'ao 

Ts'ao.     Seine  Biogi-aphie  cntliält  SaM-kno-cIiih,    Kap.  9. 
4.     ^.    im   heutigen   Tzn-yang-hsien    yJ^^  1^«  W;    '"   Yen-chou-fu   ^ 

Jfl  j^    in  Shan-tung.    [T.  L.] 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen.  87 

5.  l^^^i  gest.  219,  geboren  zu  Ilsieh-chou  |^ 'N'l  in  Shan-hsi,  war 
ein  Anhänger  des  Liu  Pei,  dem  er  bis  zum  Tode  treu  blieb,  ob- 
gleich Ts'ao  Ts'ao  ihn  mit  vielen  V^ersj)rechungen  auf  seine  Seite 
zu  ziehen  suchte.  Im  Kampfe  gegen  Sun  Ch'üan  wurde  er  ge- 
fangengenommen und  getötet.  Seiner  Treue  und  Kriegstaten  wegen 
wurde  er  1594  deificicrt  und  wird  unter  dem  Namen  Kuan-ti 
^  *^  oder  Wu-ti  -^r  »^  als  Kriegsgott  verehrt.  Seine  Bio- 
graphie enthält  San-kuo-chih,  Kap.  36. 

7,  ^^"KH^,  der  General  bei  der  Commandotlagge. 

8.  551^0'  Couvreur  hat:  'j^'fA  "titre  de  respect:  chef  de  cinq 
homnies«. 

9-    '^ft^i    i"i    heutigen   Nan-cheng-hsien    |^pß^|^   io  Han-chung 
fu   }^  Ff?  /|J    in  Shen-hsi.    [T.  L] 

10.  J^-?*,  »jeune  serviteur  qui  se  tient  debout  aupres  de  son  maitre» 
(Couvreur). 

11.  ^"yt";  ^'gl-  den  Satz  von  Chia  I  "^=0  (2.  Jahrhundert  a.Chr.): 
^f"  B^  yX^  "^  Pp  ]^  »sein  Talent  und  Können  erreichte  nicht 
den  gewöhnlichen  Durchschnitt«. 

13.  H[rjf[^^  d.  i.  Ts'ao  Ts'ao,  s.  Anm.  7  zu  Text  12. 

14.  -^^,  d.  i.  Ts'ao  Pei  "^  ^  (188—227),  der  älteste  Sohn  des 
T;:'ao  Ts'ao.  Er  regierte  nach  seines  Vaters  Tode  (220)  noch 
kurze  Zeit  im  Namen  des  letzten  Schattenkaisers  der  Han-Dynastie 
unter  dem  Titel  eines  Königs  von  Wei  ^^3E'  ^^'^lärte  sich  220 
zum  Kaiser  von  Wei  und  wurde  so  als  Wen-ti  aT"  »^  der  Be- 
gründer der  Wei-Dynastie,  die  sich  als  die  legitime  Fortsetzung 
der  Hau  betrachtete.  Seine  Biographie  enthält  San-kuo-chih,  Kap.  2. 


Text  14. 

San-kuo-cliih,   Geschichte  des  Staates  Wei,  Kap.  26. 

Im  letzten  Jahre  der  Periode  T'ai-he  ~|[il^  ^H  [f^-  i-  -33]  rebellierte 
Kung-sun  Yüan  (1)  in  Liao-tung  (2).  Der  Kaiser  wollte  gegen  ihn  eine 
Expedition  unternehmen,  war  aber  in  Verlegenheit,  den  richtigen  Mann 
dafür  zu  finden.  Der  » Centrumsgeneral"  (3)  Yang  Chi  ^^^^  schlug  den 
(T'ien)  Yü  (4)  vor,  der  dementsprechend  gewählt  wurde.  Darauf  schickte 
(der  Kaiser)  den  (T'ien)  Yü  mit  dem  Oberbefehl  über  alle  Truppen  in 
Ch'ing-chou  (5),  um  sich  als  Inhaber  einer  kaiserlichen  Bestallung  hinzu- 
begeben und  ihn  (den  Kung-sun  Yüan)  anzugreifen.  Als  nun  (auch)  Re- 
bellen von  Wu  Abgesandte  schickten,  um  sich  mit  (Kung-sun)  Yüan  in 
Verbindung  zu   setzen,   da   glaubte  der  Kaiser,    daß  die  Feinde   sehr   zahl- 


88  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

reich  wären,  und  da  man  (außerdem)  das  Meer  iiberschreiten  nuissc,  befalil 
er  dem  Yü,  die  Operationen  einzustellen.  Yü  alier  rechnete  damit,  daß 
die  feindlichen  Schiffe  (von  \Vu)  würden  umdrehen  müssen.  (Denn)  gegen 
Ende  des  Jahres  ist  heftiger  Sturm,  und  sie  würden  befürchten  müssen, 
von  den  Wellen  verschlagen  zu  werden  nach  Osten,  wo  das  Meer  uferlos 
ist.  (Das  Heer  von  Wei)  müsse  sich  (also)  nach  Ch'eng-shan  (6)  begeben, 
das  aber  sei  ein  Ort,  wo  man  keine  Flotte  verbergen  könne;  daher  wäre 
es  das  Empfehlenswerteste,  am  Meere  entlang  (d.  h.  an  der  Küste  von 
Shan-tung)  vorzugehen,  dort  im  Gelände  und  auf  den  Inseln  die  gefähr- 
lichen und  wichtigen  Punkte  zu  besetzen,  das  Ilcer  aufzustellen  und  Wacht- 
lager  aufzuschlagen.  Er  selbst  ging  nach  Ch'eng-shan  und  bestieg  die  Warte 
von  Han-wu  ''^M.^C.-  Die  Feinde  kehrten  um,  kamen  wirklich  in  widrigen 
Wind,  ihre  Schiffe  rannten  sämtlich  auf  Felsen  und  sanken  in  den  Wellen. 
Diejenigen,  die  das  Ufer  erreichten,  konnten  nirgendshin  entfliehen  und 
wurden  alle  gefangengenommen. 

1.  ^-^VU^  war  der  Sohn  des  Kung-sun  K'ang  ^.^j^,  Enkel 
des  Kung-sun  Tu  .^■^^-  Seine  Biographie  enthält  San-kuo- 
chih,  Kap.  8, 

2.  ^^Wi  hn  heutigen  Liao-yang-chou  ^^  |^  JtI  in  Feng-t'ien-fu 
^  5^  W    ^—  Mukden)  in  Sheng-ching,    [T.  L.] 

4.  ^  j^.  mit  Beinamen  Kuo-jang  ^5^1  war  ein  General  des 
Liu  Pei,  kämpfte  erfolgreich  in  Liao-tung  und  gegen  die  Hsiung- 
nu  und  starb  als  Staatsminister  im  Alter  von  82  Jahren.  Seine 
Biographie  enthalt  San-kuo-chih,  Kap.  26. 

5.  ^  >M>|,  entspricht  dem  nordöstlichen  Gebiet  der  heutigen  Pro- 
vinz Shan-tung. 

6.  fij^  [Jj ,    liegt    an    der    äußersten    Nordostspitze    von    Shan-tung, 

östlich    von    Jung-ch'eng-hsien    t^  ^  iK    in    Teng-chou-fu    ^^ 


Text  15. 

San-kuo-chih,  Geschichte  des  Staates  Wu,  Kap.  55. 

Im  13.  Jahre  Chien-an  ^^  [d.  i.  208]  griff  (Sun)  Ch'üan  den  Huang 
Tsu  (1)  an.  Tsu  legte  zwei  ^mSng-ch'uny«^  (2)  quer  (über  den  Yangtse), 
um  Mien-k'üu  (3)  in  Schach  zu  halten  und  zu  verteidigen.  An  Pflanzen- 
fasern (4)  und  großen  Seilen  band  er  Steine  fest,  um  damit  Steinanker  her- 
zustellen. Auf  (den  Fahrzeugen)  postierte  er  1  000  Mann,  die  mit  Armbrüsten 
schössen.  Die  fliegenden  Pfeile  kamen  herab  wie  (ein  dichter)  Regen,  so 
daß  d-as  Heer  (des  Sun  Ch'üan)  nicht  vorwärts  kommen  konnte.  Tung  Hsi 
1^^,  LingT'ung  /^^  (5)  und  andere  bildeten  die  Vorhut.  Diese  beiden 
nahmen  100  Leute,  die  zum  Tode  entschlossen  waren;  (diese)  zogen  doppelte 


Krause  :    Fluß-  und  Seegefechte  narh  chinesisehen  Quelleu.  89 

Panzer  an,  bestiegen  große  Schiffe  und  drangen  zwischen  die  »meng-cKung"' 
ein.  (Tiing)  Hsi  selbst  durchschnitt  mit  seinem  Schwert  die  beiden  Seile, 
und  darauf  trieben  die   ^'meng-ch'uny«^  auf  dem  Wasser  davon.     Die  Haupt- 


Abb.  2. 


macht  (des  Sun  Ch'üan)  drang  dann  weiter  vor.  (Huang)  Tsu  öffnete  schließ- 
h'ch  ein  Tor  und  enttloh,  die  (feindlichen)  Soldaten  verfolgten  ihn  und 
töteten  ihn. 

1.  ^^jjj^,  war  Gouverneur  von  Chiang-hsia  /XW* 

2.  ^1^,   »navire  de  guerre  en  forme  de  montagne«  (Couvreur).  — 
Das  Tu-shih-t'ung-tien  ^>t  ^  ^  Ä  sagt  in  Kap.  60:    »Ein  ,meng- 


90  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

cKutiif''  ist  ein  mit  rohen  Ochsenfellen  überdecktes  Schiff.  Auf 
dem  Kücken  (unter  den  Häuten)  sind  2  Gänge  [-'ll^fl,  Seiten- 
räume!'], in  denen  Öffnungen  als  Kiiderlöcher  angebracht  sind. 
Links  und  rechts,  vorn  und  hinten  sind  Löcher  für  Armbrüste 
und  Bügen.  Feinde  k()nnen  nicht  herankouunen ;  Pfeile  und  Steine 
können  ihm  keinen  Schaden  zufügen.  Dazu  niuunt  man  kein 
großes  Schiff,  damit  es  möglichst  wendig  und  rasch  ist,  um  die 
unvorbereitete  Lage  anderer  (Feinde)  ausnutzen  zu  können.  Es 
ist  aber  kein  Kampfschiff.«     (Abb.  2.) 

3.  vis  PI ,  Ort  nördlich  des  Yangtse  beim  heutigen  Han-yang  *|^  ^ 
[J.  A.].  Der  Mien  ist  einer  der  vielen  Wasserläufe  im  Gebiet  zwi- 
sclien  dem  Unterlauf  des  Han  und  dem  Yangtse-Bogen  von  Ching- 
chou-fu  4^|J  j'J'j  CM^  bis   Han-yang-fu. 

4.  ^ii  [q]  [richtiger:  |^/fl^]<  "the  coir  palm,  from  the  fibres  of  which 
ropes,  mats  etc.  are  made«  (Giles),  »palmier  dont  Tecorce  sert  ä 
faire  des  cordes«   (Couvreur). 

5.  Die  Biographie  beider  Leute  gibt  San-kuo-chih,  Kap.  55. 


Text  16. 
San-kuo-chih,  Geschichte  d es  Staates  Wu,  Kap.  54.    [Vgl.  Text  12.] 

Im  13.  Jahre  Chien-an  ^iM  ^^  [d.i.  208],  im  Frühling,  griff  (Sun)  Ch'üan 
Chiang-hsia  (1)  an.  (Chou)  Yü  (2)  war  Führer  der  Vorhut.  Im  selben  Jahre, 
im  9.  Monat,  drang  Ts'ao  Kung  (3)  in  Ching-chou  (4)  ein,  und  Liu  Ts'ung 
^ij  J^  mit  allen  seinen  Leuten  ergab  sich.  Ts'ao  Kung  bekam  (dadurch) 
seine  (des  Liu  Ts'ung)  Flotte  und  mehrere  hunderttausend  Mann  Fußsoldaten. 
Die  Generale  und  Offiziere  (des  Sun  Ch'üan)  hörten  dies,  und  alle  bekamen 

große  Angst (Chou)  Yü    (aber)   bat    um    30  000  Mann   Elitetruppen 

und   ging  nach    Hsia-k'ou  (5)   vor Damals   war   Liu  Pei  (6)   von 

Ts'ao  Kung  geschlagen  worden  und  wollte  sich  nach  Süden  zurückziehen 
und  den  Fluß  (=  Yangtse)  überschreiten.  Mit  Lu  Su  ^,  ^i  traf  er  in 
Tang-yang  (7)  zusammen  und  beriet  sich  mit  ihm.  Weil  (Chou  Yü)  nach 
Hsia-k'ou  vorgerückt  war,  schickte  (Liu  Pei)  den  Chu-ke  Liang  (8),  um  den 
(Sun)  Ch'üan  aufzusuchen.  (Sun)  Ch'üan  schickte  darauf  den  (Chou)  Yü, 
Ch'dng  P'u  (9)  und  andere,  um  ihre  Kräfte  mit  (Liu)  Pei  zu  vereinigen  und 
dem  Ts'ao  Kung  entgegenzutreten.  Sie  trafen  bei  Ch'ih-pi  (10)  zusammen. 
Zu  dieser  Zeit  herrschte  im  Heere  des  Ts'ao  Kung  schon  viel  Krankheit. 
Zum  ersten  Male  bei  einem  Gefecht  wurde  das  Heer  des  Ts'ao  Kung  ge- 
schlagen und  zog  sich  auf  das  Nordufer  des  Flusses  zurück.  (Chou)  Yü 
und  die  andern  standen  auf  dem  Südufer.  Ein  Offizier  im  Stabe  des  Yü, 
Namens  Huang  Kai  ^^^^,  sagte:  »Jetzt  sind  die  Feinde  zahlreich,  wir  aber 
gering  an  Zahl ;  wir  werden  ihnen  schwerlich  lange  Widerstand  leisten 
können.  Wenn  wir  das  Heer  des  (Ts'ao)  Ts'ao  betrachten,  (so  sehen  wir, 
daß)  seine  Schiffe  in  einer  langen  Heihe,  Bug  an  Heck  stoßend,  aufgestellt 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 


91 


sind.  Wir  können  sie  (aber)  in  Brand  stecken  nnd  vertreiben.«  Er  nahm 
mehr  als  10  »r/ien(/-ch'i(?i(j'^  (11)  und  Kampfscliifte  (12),  iullte  sie  mit  Brenn- 
material (Reisig  mid  Gras)  an,  goß  Fett  und  öl  hinein,  verhüllte  sie  mit 
Vorhängen  nnd  zog  Kriegsfahnen  auf.  Nun  schrieb  er  zunächst  eine  Nach- 
richt an  Ts'ao  Kung  n)it  der  falschen  Mitteilung,  daß  er  sich  ei'geben  wolle. 
Dann  rüstete  er  rasche  Boote  (13)  aus,   band  je   eins  hinten  an  ein  großes 

Abb.  3. 


Schiff  an  und  rückte  in  einer  langen  Reihe  vor.  Alle  Offiziere  luid  Leute 
im  Heere  des  Ts'ao  Kung  reckten  den  Hals  (14)  und  sahen  zu,  zeigten  hin 
und  sagten:  -Der  Huang  Kai  (konunt)  sich  ergeben.«  (Huang)  Kai  ließ 
alle  Schiffe  gleichzeitig  in  Brand  stecken,  und  da  zur  Zeit  ein  heftiger  Wind 
wehte,  verbreitete  sich  das  Feuer  bis  zum  Lager  am  Ufer.  In  kurzem 
schlugen  Rauch  und  Flammen  gen  Hinuuel,  Menschen  und  Pferde  ver- 
brannten und  ertranken,  und  es  gab  sehr  viele  Tote.  (Ts'ao  Ts'ao's)  ganzes 
Heer  wurde  geschlagen  und  zog  sich  zurück,  um  den  Kreis  Nan  (15)  zu 
verteidigen. 


!)2 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nacli  cliinesischen  Quellen. 


1.  yX  W,  im  heutigen  Iliiang-choii-lisien  w'  >)>  >j  'M.  in  Iluang-chou-fn 
g  j]]  j^  in  llupei.    [T.  L.] 

2.  jji^]  JjjiJ,  s.  Anm.  5  zu  Text  12. 

3.  ^  ^^  d-  i-  ^«1^'  s.  Anm.  7  zu  Text  12. 


Abb.  4. 


4.  4^1]  j'l'L  das  heutige  Ching-cliou-fu  wlj  j'H /f^  io  Hupei. 

5-  W  PI ,  » W  pl  iR&,  town  near  Wu-ch'ang-fu  in  Hupei«  (Playfair). 

6.  0|J|^,  s.  Anm.  2  zu  Text  12. 

7.  ■^'  1^-,  im  heutigen  Tang-yang-hsien  ^  ^  ip'j  in  Ching-men-chou 
WPTJ'H   inH"Pei.    [T.  L.] 

8.  ^  i^  A^,  s.  Anm.  3  zu  Text  12. 

9.  f^^,  s.  Anm.  6  zu  Text  12. 


Krause:    Fluß-  und  Seegefeclite  nach  chinesischen  Quellen.  93 

^^-    ^f^'  s.  Anm.  2  zu  Text  15. 

12.  m  Ig  tou-chien.  —  Das  Tii-shih-t'iing-tien  ^^J^  ^  ^  ^ft  s^St  in 
Kap.  60:  »Auf  dem  Schiflf  ist  eine  Brustwehr  erriclitet,  ungefähr 
3  Fuß  hoch;  unter  der  Brustwehr  sind  Öffnungen  zum  Durch- 
stecken der  Ruder  angebracht;  der  Innenraum  des  Schiffes  ist 
5  Fuß  (hoch?).  Ferner  ist  ein  Schutzdach  gebaut,  mit  der  Brust- 
wehr gleich  hoch;  auf  dem  Scimtzdach  ist  wieder  eine  Brustwehr 
errichtet.  (Menschen)  werden  in  doppelter  Reihe  aufgestellt  zum 
Kampf  mit  dem  Feinde.  Oben  ist  keine  Decke.  Vorn  und  hinten, 
rechts  und  links  sind  Kriegsfahnen  und  Wimpel  aufgepflanzt  und 
Metallpauken.     (Das  tou-chien)  ist  ein  Kampfschiff. «      (Abb.  3.) 

13.  ;^  §?T  tsou-k'e.  —  Das  Tu-shih-t'ung-tien  /jff"  J^  ^^  ;^  sagt  in 
Kap.  60:  »Auf  den  Schiffsseiten  sind  Brustwehren  errichtet.  Ruder- 
mannschaften sind  viele,  Kampfsoldaten  wenige,  alle  aber  ausge- 
suchte Leute,  kräftig,  tapfer,  fein,  scharf.  Sie  bewegen  sich  hin 
und  her  wie  ein  fliegender  Vogel  [^M/''^'^5''  »oiseau  fabuleux  d'une 
taille  monstrueuse,  qu'ou  dit  etre  une  baieine  ß^  transformee  en 
oiseau"  (Couvreur)].  Man  benutzt  die  unvorbereitete  Lage  der 
Feinde.  Metallpauken  und  Kriegsfahnen  sind  auf  dem  Verdeck 
aufgestellt.     (Das  tsou-h- e)  ist  ein   Kampfschiff.«      (Abb.  4.) 

14.  ^^^  ;  ein  anderer  Text  sclu'eibt:  ~'.  ^§ ,  wörtlich:  doppelt  lange 
Hälse  machen. 

15.  Siehe  Anm.  19  zu  Text  9. 


Text  17. 

San-kuo-chih,  Geschichte  des  Staates  Wu,  Kap.  56. 

Im  I.Jahre  Huang-wu  ^^  ;^  [d.  i.  222]  schickte  (der  Herrscher 
von)  Wei  den  Großmarschall  Ts'ao  Jen  (1)  mit  mehreren  zehntausend  Mann 
Fußsoldaten  und  Reitern  gegen  Ju-hsü  (2).  (Ts'ao)  Jen  wollte  mit  seinem 
Heere  Chou-shan"'  yJII  h  angreifen  und  erobern,  ließ  aber  zur  Täuschung 
zunächst  das  Gerücht  verbreiten,  daß  er  nach  Osten  ziehen  und  Hsien-ch'i 
^  vp.  angreifen  wolle.  (Chu)  Huan  (3)  teilte  seine  Truppen  ein  und  war 
im  Begriff,  sich  nach  Chien-ch'i  zu  begeben;  er  hatte  schon  Truppen  (dort- 
hin) geschickt,  als  er  die  Nachricht  erhielt,  daß  (Ts'ao)  Jen  mit  seinem 
Heere  die  Gegend  von  Ju-hsü  besetzt  habe  in  einem  Umki-eis  von  70  Li. 
Nun  sciiickte  Huan  Boten,  um  die  Soldaten  von  Hsien-ch'i  zurückzuberufen. 
Diese  Soldaten  waren  noch  nicht  (wieder)  eingetroffen,  als  Jen  plötzlich 
erschien.  Zu  diesem  Zeitpunkt  betrugen  die  unter  dem  Befehl  des  Huan 
stehenden  und  bei  seiner  Heeresabteilung  vei-fügbareu  Kräfte  (nur)  5 000  Mann. 
Alle  Offiziere  waren  furchtsam,  und  jedermann  hatte  große  Angst;  Huan 
ermahmte  sie  und  sprach:  »Wenn  zwei  Heere  einander  gegenüberstehen, 
so  hängt  Sieg  und  Niederlage  von  (der  Tüchtigkeit  der)  Führer  ab  und 
nicht  von  dem  numerischen  Verhältnis.     Ihr  alle  wißt  doch  wohl,  welcher 


94  Krausk:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  chinesischen  Quellen. 

Unterschied  zwischen  Ts"ao  Jen  und  mir  in  der  Heerftihrung  Viesteht.  Nach 
den  Lehren  der  Strategie  heißt  es:  Wenn  der  Angreifer  (4)  das  Doppelte 
und  der  Verteidiger  (4)  nur  die  Hälfte  an  Kräften  besitzt,  und  man  dann 
anninunt,  daß  beide  in  der  llachcn  Ebene  kämpfen  ohne  Wall  und  Gi-aben 
zu  ihrer  Verteidigung,  und  ferner  annimmt,  daß  der  moralische  W^ert  bei 
Offizieren  und  INIannschaftcn  ein  gleicher  ist,  dann  ist  (das  obige  Zahlen- 
verhältnis) ein  Grund  (für  die  Niederlage  des  Schwächeren).  Jetzt  aber 
ist  Ts'ao  Jen  uns  an  Wissen  und  Tapferkeit  unterlegen,  außerdem  sind 
seine  Truppen  sehr  feige,  auch  1000  Li  weit  marschiert,  so  daß  INIanii  und 
Pferd  ermüdet  und  erschöpft  sind.  Ich  aber  mit  meinem  ganzen  Heere, 
im  Besitz  eines  hohen  Festungswalles,  im  Süden  an  den  Yangtse  angelehnt, 
im  Norden  durch  das  Gebirge  gedeckt,  kann  mit  frischen  Kräften  (den 
Angriff  der)  Ermiideten  erwai-ten  und  werde  als  \'ei"teidiger  (4)  dem  An- 
greifer (4)    überlegen   sein.      In    solcher   Lage    werden    wir    sicher    siegen 

[  itb  W  ^ic  W  ^^ '^  ^'^  ifl* '  ^^^  ^^^  ^'"^  Lage,  in  der  man  hundertmal 
kämpfen  kann  und  hundertmal  siegen  wird].  Wenn  auch  Ts'ao  Pei  (5) 
selbst  käme,  so  würde  das  noch  nicht  ausreichen,  uns  Sorge  zu  machen; 
wieviel  weniger  (Ts'ao)  Jen  und  die  andern.«  Iluan  ließ  nun  Fahnen  und 
Pauken  verstecken  imd  zeigte  äußerlich  Schwäclie,  um  so  den  (Ts'ao)  Jen 
(zum  Angriff)  zu  verleiten.  Und  wirklich  schickte  Jen  seinen  Sohn  (Ts'ao) 
T'ai  ^^  ^^  zum  Angriff  auf  die  Festung  Ju-hsü.  Anderseits  schickte  er 
den  General  Ch'ang  Tino  *|K|' j^  a's  Oberbefehlshaber  mit  Chu-ke  Ch'ien 
^^^^  j^i  Wang  Shuang  £jl  ^?  ^"^  andern  auf  geölten  Schiffen  (6), 
um  ihrerseits  Chung-chou  Fp  '^'jU  anzugreifen.  Chung-chou  war  der  Ort, 
wo  die  Frauen  und  Kinder  der  (feindlichen)  Heeresabteilungen  sich  be- 
fanden. Jen  selbst  blieb  mit  10000  Mann  in  T'o-kao  ^^Ä,  zurück  und 
bildete  wieder  den  Rückhalt  für  (Ts'ao)  T'ai  und  die  andern.  Die  Führer 
der  Heeresabteihmgen  des  Huan  griffen  die  Ölschiffe  an  und  eroberten  sie, 
einige  griffen  ihrerseits  den  (Ch'ang)  Tiao  und  die  übrigen  an,  und  Huan 
leistete  dem  (Ts'ao)  T'ai  Widerstand.  Man  verbrannte  das  (feindliche) 
Lager  und  zog  sich  (dann)  zurück.  (Ch'ang)  Tiao  wurde  geköplY,  (AVang) 
Shuang  lebendig  gefangengenommen  und  nach  Wu-ch'ang  ^^  S   geschickt; 

die  Zahl  der  bei  diesem  ,Rencontre'  (P^B^)  Getöteten  und  Ertrunkenen 
betrug  über  tausend. 

2.  iri^^^i  big  nöidlich  des  Yangtse,  gegenüber  dem  heutigen  T'ai- 
p'ing-fu   ^ifc^lf^    in  Anhui.    [J.  A.] 

3.  >J^>j|0,   gest.  238,    ein    General    des   Sun   Ch'üan,   mit   Beinamen 
Hsiu-mu   ^^. 

4.  ^  =  ..Gast"   und   ^\  =  »Wirt... 

•  5.    ^^,  der  Kaiser,  s.  Anm.  14  zu  Text  13. 

6-   YÖ«&- 


Krause:    Fluß-  und  Seegefeclite  nach  chinesischen  Quellen.  95 

Die  in  den  bearbeiteten  17  Texten  gegebene  Übersicht  über  die  Ent- 
wicklung des  chinesischen  Schiffskampfwesens  in  ältester  Zeit  wird  in  erster 
Linie  für  die  Geschichte  und  Kultur  Chinas,  daneben  aber  aucii  für  die 
kriegsgeschichtliche  Betrachtung  Interesse  haben. 

Die  erste  Erwähnung  einer  Flußllottille  findet  sich  in  der  chinesischen 
Litteratur  im  Jahre  549  (oder  548)  a.  Chr.     (Text  1.) 

Wie  das  mangelhafte  Wegenetz  Chinas  frühzeitig  zu  weitgehender 
Ausnutzung  der  zahlreichen  Wasserläufe  führte,  so  gewannen  auch  für  die 
kriegerischen  Actioncn  im  eignen  Lande  die  Flüsse  hohe  Bedeutung  für 
Trupjjentransporte  und  Verpllegungsnachschub.  Die  Schilfe  bildeten  für 
die  damaligen  chinesischen  Heere  das  Mittel  zum  Vormaisch  und  Rückzug; 
die  Vei'nichtung  der  Flotte  war  daher  fast  stets  auch  gleichbedeutend  mit 
dem  Siege  über  den  Gegner,  der  dann  nicht  mehr  entkommen  konnte. 
Wegnahme  oder  Verbrennen  der  feindlichen  Schiffe  wird  überall  als  Ziel 
angestrebt  und  bringt,  wenn  das  Unternehmen  gelingt,  den  raschesten  ent- 
scheidenden Erfolg. 

Auch  wenn  wir  die  in  China  übliche  Übertreibung  bei  Zahlenangaben 
in  Rechnung  ziehen,  überrascht  die  große  Menge  der  erwähnten  Schiffe. 
Sie  bilden  oft  für  die  gesamten  Streitkräfte  das  Transpoi-tmittel  und  ent- 
halten zugleich  deren  Ver[)flegungsmagazine.  Erst  in  zweiter  Linie  dienten 
die  Schiffe  als  eigentliches  Kampf-  und  Angriffsmittel.  Das  Geschwader, 
das  den  Kaiser  auf  seiner  Reise  begleitet  (Text  7)  soll  1  000  Li  lang  sein, 
die  schwimmende  Brücke  in  Text  9  wird  mit  mehreren  tausend  Fahrzeugen 
angegriffen,  und  mehrere  zehntausend  Soldaten  werden  auf  Flößen  befördert; 
Heereskörper  von  100000  Mann  werden  aufgeführt.  Fang  Te  rühmt  sich 
sogar,  daß  sein  Herr,  der  König  von  Wei,  eine  IMillion  Streiter  besäße. 
Das  sind,  selbst  wenn  keine  wörtlich  zu  glaubenden  Angaben,  doch  Zeug- 
nisse für  die  Verwendung  starker  Kräfte. 

Zur  Überwindung  von  Wasserläufen  und  zum  Transport  in  Flußtälern 
werden  alle  Sorten  vorhandener  Schiffsgefäße  ausgenutzt,  wo  solche  fehlen, 
mit  technischem  Geschick  behelfsmäßige  Mittel  angewandt.  So  lesen  wir 
von  einem  Übersetzen  mit  Tonnenilößen  bereits  im  Jahre  201  a.  Chr.  (Text  4), 
von  der  Anwendung  von  Pontonbrücken  und  Pfahlsperren  33  p.  Chr.  (Text  9). 
Zum  Übersetzen  werden  Flöße  gebaut,  Schwimmer  aus  Binsen  geflochten, 
Kähne  aus  Leder  genäht.  Der  Schiffsbau  wurde  mit  Eifer  betrieben;  die 
Generale  und  Gouverneure  ordneten  ihn  in  ihrem  Befehlsbereich  als  Vor- 
bereitung für  einen  Feldzug  an,  auch  der  Kaiser  gab  unmittelbar  Befehl 
dazu.      Auf   besonderen  Wasserübungsplätzen    wurde    die    Flotte    vorgeübt. 

112  a.  Chr.  werden  zuerst  mehrstöckige  Schiffe  erwähnt  (Text  5). 
Innerhalb  einer  Flottille  wurden  schon  in  der  Han-Zeit  verschiedene  Schiffs- 
typen unterschieden,  denen  ihrer  Bauart  entsprechende  besondere  Aufgaben 
zufielen.  Das  Nähere  über  die  technischen  Einrichtungen  ist  in  den  An- 
merkungen zu  Text  5,  15,  16  gesagt.  Die  der  Encyclopädie  entnommenen 
Abbildungen  zeigen  uns  das  Aussehen  vier  solcher  Specialschiffe.  Die  Turm- 
schiffe hatten  zahlreiche  Besatzung,  die  zur  Abgabe  ihres  Bogen-  und  Arm- 
brustfeuers in  mehreren  Etagen  postiert  werden  koijnten;  es  waren  schwim- 


96  Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nacli  chinesischen  Quellen. 

inende  Holzfestungen  mit  Kanipftünnen  und  Wurfmaschinen.  Verankerte 
Schiffe  mitten  im  Strom,  künstlich  verstärkt,  dienten  zu  zäher  örtlicher 
\'erteidi<:junf;  und  wurden  zu  lircnnpunkten  der  Wasscrschlacht.  Zur  Be- 
unruhigung des  Feindes,  zu  raschen  \'orstüßen  und  Überfällen  werden  leichte, 
sehr  bewegliche  Ruderschiffe  mit  ausgesuchter  Bemannung  verwandt.  Sie 
übernehmen  auch  die  Sicherung  der  sclnverfällig(Mi  Kamjjfschiffe.  Text  16 
schildert  einen  interessanten  Kampf  mit  Brandern  aus  dem  Jahre  208  p.  Chr.; 
die  auf  die  Verbrennung  der  feindlichen  Flotte  zielende  Kriegslist  des  Huang 
Kai,  geschickt  insceniert,  bringt  den  völligen  Sieg. 

Der  größte  Teil  der  gescliildertcn  Wasserkämpfe  spielt  sich  auf  den 
Flüssen  innerhalb  Chinas,  namentlich  im  Tal  des  Yangtse  und  seiner  Neben- 
flüsse ab.  Von  Kämpfen  auf  lioher  See  berichten  uns  aber  die  Texte  6  und  14. 
Lü  Chia  entflieht  auf  das  üff"ene  Meer  an  der  Küste  von  Kuangtung  (Text  5), 
muß  also  112  a.Chr.  schon  seetüchtige  Sclüff'e  besessen  haben.  Über  die 
Grenzen  des  eigentlichen  China  fiihren  uns  die  Texte  6,  10,  11,  14  hinaus, 
in  denen  eine  Ex})edition  nach  Korea  (109  a.  Chr.),  eine  Rebellion  in  An- 
nam  (42/43  |).  Chr.),  Grenzkämpfe  gegen  die  centralasiatischen  Stämme  im 
Westen  (88  p.  Chr.)  und  ein  Aufstand  in  Liaotung  (233  p.  Chr.)  behandelt 
werden.  Namentlich  die  Kämj)fe  gegen  die  Ch'iang  (Text  11)  sind  von 
hohem  historischem  und  ethnographischem  Interesse. 

Die  Truppe  ist  keine  einheitliche,  ihr  Kampfwert  sehr  verschieden. 
Zur  Verstärkung  des  Heeres  werden  »Verbrecher«  angeworben,  die  in  be- 
wußten Gegensatz  gestellt  werden  zu  den  regulären,  friedensmäßig  ausge- 
bildeten Soldaten.  Eine  solche,  aus  gesetzlosen  Banden  gebildete  Armee 
wird  keinen  hohen  moralischen  Wert  gehabt  haben;  so  werden  auch  mehr- 
fach Offiziere  und  Mannschaften  als  sehr  feige  und  ängstlich  geschildert, 
in  allen  gefährlichen  Lagen  bereit  zu  Flucht  und  Übergabe.  Im  Gegensatz 
dazu  ist  oft  von  einer  zuverlässigen  Kerntruj)pe  die  Rede,  die  durch  ihr 
tapferes  Eingreifen  die  Schlacht  entscheidet.  Bei  der  Schiffsbesatzung  wird 
zwischen  eigentlichen  Kampfsoldaten  und  Rudermannschaften  unterschieden. 
Für  schwierige  und  gefahrvolle  Unternehmungen  werden  Freiwillige  vor- 
gerufen. Stets  erhalten  Soldaten,  die  sich  auszeichnen,  Belohnungen,  der 
erfolgreiche  General  einen  Fürstentitel,  d.  h.  die  Herrschaft  ülier  ein  von 
ihm  erobertes  Gebiet.  Bei  solchen  Trupj)en  gab  meist  die  Persönlichkeit 
des  Führers  und  sein  moralisches  Beispiel  den  Ausschlag.  Besonders  ein- 
drucksvoll ist  die  schlichte  Größe  des  P'ang  Te  in  seinem  Verzweiflungs- 
kampf, den  Text  13  schildert;  trotz  der  hoffnungslosen  Lage  will  er  nichts 
von  Übergabe  wissen  und  bleibt,  nach  heldenmütiger  Gegenwehr  zuletzt 
gefangen,  seiner  Partei  treu,  obgleich  ein  Abfall  ihn  vom  sichern  Tode  hätte 
retten  können,  und  weist  den  Versuch,  ihn  auf  die  feindliche  Seite  zu  ziehen, 
mit  Entrüstung  und  derbem  Spott  zurück.  Der  moralischen  Beeinflussung 
durch  seine  Tendenzrede  an  die  Unterführer  luul  der  besonnenen  Verwen- 
dung seiner  weit  unterlegenen  Kräfte  unter  bester  Ausnutzung  aller  Ge-- 
ländevorteile    verdankt    Chu    Huan    seinen    in    Text  17    geschilderten   Sieg. 

Der  kluge  Operationsplan  des  Marschall  Shu  (Text  3)  scheitert  nur 
daran,   daß   Tse   Ch'ang  aus   Eifersucht   der  Verabredung  entgegenhandelt. 


Krause:    Fluß-  und  Seegefechte  nach  cliiiiesiselien  Quellen.  97 

Die  Ti'uppen  werden  durch  getrennten  Anuiarscli  aiil'  mehreren  kleinen 
Wasserwegen  nach  einem  festbestinmiten  Punkt  auf  den  Feind  zu  versammelt 
(Text  5).  Der  P'ührer  der  Unternehnunig  gegeu  Liaotung  (Text  14)  entwirft 
einen  weitausschauendeii  Plan  mit  kluger  Berechnung  aller  V^erhältnisse 
beim  Feinde,  der  zu  glänzendem  Erfolge  führt.  Das  geniale  Verfahren  des 
Teng  Hsün  (Text  11)  gegen  die  verschiedenen  Barharenstännne  verrät  größte 
Einsicht  und  diplomatisches  Geschick. 

Die  Vorbereitungen  für  einen  Feldzug  werden  auf  das  Sorgfältigste 
getroffen  und  dauern  manclimal  über  ein  Jahr;  nel)en  Schaffung  der  Trans- 
portmittel war  besonders  das  Bereitstellen  und  Heranführen  der  zur  Ver- 
pllegung  gi'ößei'er  Kräfte  nötigen  Reisvorräte  wichtig.  Über  die  sanitären 
Maßnahmen  erfahren  wir  nichts  Näheres,  nur  beim  Kampf  an  der  Roten 
Maner  (Text  12  und  16)  wird  erwähnt,  daß  das  Heer  des  Ts'ao  Ts'ao  durch 
Krankheit  geschwächt  war.  Mit  Gefangenen  ging  man  nach  asiatischem 
Kriegsbrauch  schonungslos  um,  was  nicht  fiel,  wnrde  geköpft,  die  abge- 
schnittenen  Häupter   der   Führer   nach    der   kaisei"lichen   Residenz   gesandt. 

Der  Kaiser  ist  natiirlich  selbst  der  oberste  Feldherr.  Er  gibt  Befehle 
für  Bildung  und  Versammlung  der  Armeen,  Kriegsvorbereitungen,  Beginn 
der  Operationen,  mustert  die  Truppen  und  wählt  selbst  die  geeignetsten 
Führer  aus.  Vom  Kriegsschauplatz  werden  dem  Kaiser  Berichte  gesandt, 
so  daß  er  auch  aus  der  Ferne  die  Oberleitung  behalten  kann. 

In  Bezug  auf  die  Form  der  Darstellung  finden  wir  neben  kurzen, 
trocknen  Notizen  über  stattgehabte  Wasserkämpfe  auch  ausführliche  Ge- 
fechtsschilderungen mit  dramatisch  bewegten  Scenen,  wie  in  den  Texten 
3,  9,  13,  16,  17,  die  unser  Interesse  fesseln. 


Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient  Sprachen.   1915.  I.  Abt. 


98 


Das  japanische  Greneralstabswerk  über  den 
Japanisch-Russischen  Krieg  1904  05. 

Proben  des  Stiles  und  ein  Überblick  über  die  Bearbeitungsweise. 

Nach  dem  japanisclien  Original. 

Von  Hauptmann  Trautz. 


2. 

(Fortsetzung  von  1.  in  Ostasiatischc  Studien,  Bd.  XVII  S.  74.) 

XLs  folgen  in  Übersetzung  aus  dem  Japanischen: 

VI.  Als  Beispiel  einer  Dii'ektivc  des  Großen  Han])t(iuartiers.  diejenige 
vom  17.  4.  04,  die  im  I.  Band,  Anlage  4  im  Wortlaut  gegeben  ist; 
sie  bezieht  sich,  Avie  die  Beispiele  unter  VII  und  VIII,  auf  den 
Übergang  über  den  Yalu  und  fiiln-t  in  die  allgemeine  Lage  ein. 
MI.  Als  Beispiel  für  einen  Befehl:  der  im  I.Band,  Anlage  5  im  Wort- 
laut gegebene  »Armeebefehl  zum  Übergang  über  den  Yalu«  mit 
anliegendem   » ArmeeangrifFsplan « . 

Man  wird  bemerken,  daß  die  unter  VI  und  Yll  wiedergege- 
benen Anweisungen  in  Anordnung  und  Befehlsgliederung  sehr 
dem  in  der  ])reußischen  Armee  üblichen  ällneln;  die  Übersetzung 
versucht  bei  möglichst  wortgetreuer  Fassung  doch  auch  im 
Deutschen  die  Befehlssprache  anzuwenden. 

\'IU.  Als   Beisjuel    einer   Schlachtschilderung:    Ivjipitel  12    »Das   Gefecht 
am  Yalu«. 


Von  deutschen  allgemein  hier  in  Betracht  konuncnden  Karten  sind 
zu  nennen: 

1.  Karte  von  »Ostchina  1:1000000"  der  Kartogra}ihischen  Ab- 
teihmg  der  Könighch  Preußischen  Landesaufnahme  1909,  Blatt  Söul, 
Mukdcn   und   I'yöngyang. 


Trautz:  Japan.  Gencralstahsweik  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1904/05.        99 

2.  Die  ..  Übersichtsskizze  1  :  750000  «,  die  allen  Veröffentlichungen 
des  Pieußisclien  Großen  Generalstabs  über  den  Rnssiseli-Japanisclien 
Krieg-  beiliegt. 

Ferner: 

Die  Karten  und  Skizzen  der  »Kriegsgeschichtlichen  Einzelscliriften« 
(Berlin,  E.  S.  Mittler  &  Sohn),  davon  besonders  Heft  39/40,  Yalu, 
fih-  die  Abschnitte  VI.  VII  und  VIII. 


VI. 

Band  I.  Anlage  4. 

Direktive  des  Großen  Hauptquartiers  vom  17.  April  1904. 

Direktive  vom  Großen  Hauptquartier  (Telegramm  ab  Tokio,  17.  April, 
12  Uhr  45  nachmittags,  an  Keyenguan^"  6  Uhr  15  abends). 

1.  Drahtantwort  über  Vorbereitungen  zum  Übergang  ist  eingegangen, 

2.  Die  Stärke  des  zwischen  ]Mukden  und  Kaiping  versammelten 
Gegners  beträgt  anscheinend  ungefähr  60  Bataillone,  21  Eskadrons, 
20  Batterien. 

3.  Die  2.  x\rmee  ist  vorläufig  bestimmt,  et^va  am  kommenden  30.  April, 

1.  Mai  oder  auch  im  Laufe  des  2.  Mai  an  der  Küste  zwischen  Yentouwa- 
Bucht"'  und  Taschalio-Mündung  ihre  Ausschiffung  zu  beginnen,  dann  zu- 
nächst an  der  Enge  der  Halbinsel  \()n  Kintschou  einen  Stützpunkt  zu  ge- 
winnen und  dann  den  Marsch  nach  Norden  anzutreten. 

4.  Die  Landung  der  2.  Armee  und  ihre  nachherigen  Bewegungen 
werden  dui-ch  die  Eroberung  des  rechten  Yalu-Ufers  durch  die  1.  Armee 
indirekt  gedeckt  und  erleichtert. 

Es  wird  daher  erwartet,  daß  der  Yalu-Ubergang  der  1.  Armee  etwa 
am  30.  April  stattfindet. 

5.  Die  Ausladungen  der  gesamten  2.  Armee  dürften  besten  Falls  45  Tage 
in  Anspruch  nehmen.  Die  1.  Armee  nimmt  daher  nach  dem  Flußübergang 
eine  starke  Stellung  in  dem  Räume  bis  gegen  Tansantschyndsa  ^^  i,;^  und 
wartet  daiui  ab.  bis  sie,  mit  der  2.  Armee  plangemäß  zusammen,  den  Vor- 
marsch antreten  kann. 

6.  Die  selbständige   10.  Division,    welche   sich   zwischen   der    1.  imd 

2.  Armee  befindet,  handelt  je   nach    Umständen   mit    der    1.    oder   mit   der 

^^  ^  ^  ^'g  jap.:  Sha-ren-kwan ;  kor.:  Chha-iyön-koan.  —  42  km  süd- 
südöstlich von  AVitscliu. 

'^^  !^  >^')M  J'^P'"  F^"-d^'-o;  t^hin. :  Yen-ta-ao.  —  35  km  nordöstlich  von 
Kintschou. 

'^  ^I-L|^  J''^P-=  To-san-jö;  chin.:  Tang-shan-ch'eng.  —  Ostchina 
1  :  1000000:  Ta  san  dschin  dsi.  —  Gertscha.  a.  0.:  Tanshancheng.  —  21  km  süd- 
östlich von  Fönhuantschön. 

7* 


100      Trai'tz:  Japan.  Geiicralstabsweik  üIilt  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904y05. 

■J.  Armee  l»ei  iliren  Operationen  gemeinsam;  sie  soll  daher  etwa  vom  14.  Mai 
all  in   Gegend  Dagiischan  ihre  Ausladung  beginnen. 

7.    Es    wird    um  Di-alitantwort    gebeten,    ob    dortiger  Ansicht    nach    4 
ausführh.ir  sein    wird    oder   nicht. 


vn. 

Band  I,  Anlage  5. 

Armeebefehl  zum  Übergang  über  den  Yalu. 

Tschanguöndong  "^,  28.  April.  10  Uhr  morgens. 

Armeebefehl  für  die  1.  Armee. 

1.  Der  Feind  hat  bei  Tiurentscliin  ■'*  auf  dem  rechten  Eiho^'^-Ufer 
eine  Stellung  besetzt. 

Oberstleutnant  Yosliida  (Kommandeur  des  4.  Kubi-Infanteiüe-Re- 
giment.s).  welcher  sich  mit  der  von  ihm  geführten  Abteihuig  (l'/^Kobi- 
Infanterie-Bataillone,  1  Eskadron  ohne  1  Zug,  1  Gebirgsbatterie)  in  Tschang- 
söng'®  befindet,  deckt  die  rechte  Flanke  der  Armee. 

2.  Die  Armee  wird  den  Gegner  in  und  bei  Tiurentschin  angreifen. 
Ein   Teil   unseres   bei  Yonampo "'  befindlichen  Geschwaders   bedrolit 

den  Gegner  bei  Antung  und  wird  den  Aiigrifi^  der  Armee  unterstützen. 


''^  ra  "TU  */|p1  J''P' •  Shö-kö-dö ;  kor. :  Chhyang-koang-dong.  —  Tschang-uön- 
dong  entspricht  Sliogendo,  wie  Oberst  Gertsch,  Vom  Russ.-Jap.  Krieg,  Bd.  I, 
Bern  1907,  den  Ort  nennt,  geschrieben  S  TT"  )f|pj  ;  vielleicht  liegt  eine  ursprüng- 
liche Verwechslung  von  ^f-  und  yr"  vor?  —  Alle  japanischen  Karten,  die  mir 
zugänglich  sind,  sdireiben    jf'-  —  Shö-kö-dö  liegt  4  km  östlich  von  "Witschu. 

'•'*  /L  )'l'' -^^  J''P-  I'»^yü-reu-jö ;  chin.:  Chiu-lien-ch'eng.  —  5,5  km  westlich 
von  Witseliu  auf  dem  nördlichen  Yalu-Ufer.  —  Nördlich  dieses  Ortes,  nach  dem  die 
Japaner  meist  das  Gefecht  benemien,  steht  auch  das  japanische  Denkmal  mit  folgen- 
der Inschrift:    ^   a^^i '  ^C  ;iv»  ^E  ^^  ^K    Nilion  dai  ichi  gun    chü    shi    sha 

no  haka ;  deuts-cli :  Giabmal  der  fürs  Vaterland  Gefallenen  der  1.  Japanischen  Armee. 

•jä  '^^ /MT  j'ip--  Ai-ka;  chin.:  Ai-ho.  Gertsch  h.  a.  O. :  Ai-ho.  —  Rechter 
Nebenfluß  des  Yalu,  mündet  bei  Antung  und  gegenüber  von  Witschu. 

'•""'  II  ifj^  jap.:  Shö-jö;  chin.:  Ch'ang-ch'eng;  kor.:  Chhyang-syöng.  — 
57  km  nor(lö>tli(ii  von  Witschu  auf  dem  linken  Yalu-Ufer. 

"  Hli  ^  Vlll  J''J''"  I^y"-g^"'-pö ;  kor.:  Yong-am-pho.  —  5.3  km  unterhalb 
von  Witschu-  am  linken  Yalu-Ufer. 


TnAUTz :  Japan.  Gonoralsta1)S\vork  iihpr  rloii  Japan. -Russ.  Krieg  1004/05.      101 

3.  Die  12.  Division  (ohne:  1  Eskadron  woniger  1  Zug,  1  Gebirgs- 
battcrie)  übersclireitet  in  der  Nacht  des  29.  l)ei  Schigiipu"**  den  Fhiß  und  ge- 
winnt bis  zum  Abend  des  30.  die  Linie:  Gegend  Kareir-oko ""  —  Höhe 
291  südöstUch  Lisawen  '**".  Sie  deckt  den  Fhißübergang  der  Masse  der 
Armee.  Bis  1.  INIai  früh  hat  sie  den  Rainn  von  Sairoshiko '^'  bis  Höhe  west- 
hch  Lisawen  zu  gewinnen. 

Sic  hat  ferner  eine  Abteihmg  am  rechten  Yalu-Ufer  entlang  zu  ent- 
senden, welclie  am  30.  bis  2  Uhr  naclunittags  die  Hölie  192  nordöstlich 
vom  Tioerhügel  '^'•^  in  Besitz  nimmt. 

Womöglich  ist  eine  Abteihmg  nacli  Kyokako  '"^  zu  entsenden,  die  die 
linke  Flanke  und  den  Rücken  des  Feindes  bedroht. 

4.  Die  2.  Division  (ohne  1  Infanterie-Regiment  und  1  Kavallerie- 
Regiment  weniger  1  V'2  Züge)  sammelt  sich  am  30.  bis  10  Uhr  vormittags  in 
der  Niederung  nordwestlich  Shasando  ""•.  Sie  überschreitet  den  Fluß  in 
derselben  Nacht  von  12  Uhr  ab  auf  der  Kriegsbrücke  an  der  Westseite 
von  Kurito  '"%  überschreitet  den  Sattel  hinter  dem  Tigerhügel  und  nimmt 
den  Raum  Westrand  des  Tigerhügels  —  Schahotschwan  '°®  (östlicher  Teil 
von  Kaaikasen  "'^)  in  Besitz.  Das  2.  Feldartillerie-Regiment  sammelt  sich 
am  30.  bis  10  LHu*  vormittags  in  der  Niederung  auf  der  Südwestseite  von 
Namsandon<r  ""*;    in    der   folücnden  Nacht    nimmt    es    eine  Stellung;    ein    auf 


'■'*  7j<  P  ^M  jap- :  Sui-kö-chln  ;  kor. :  Syu-ku-chin.  —  Ostchina :  1  :  1  000  000 
Su  gu  dsin.  —  12  km  nordöstlich  von  Witschu,  am  linken  Yalu-Ufer. 

8^  "K^^yM  jap-:  Ka-rei-ro-k() ;  chin.:  Hsia-ling-lu-kou.  —  9,7  km 
nordnordwestlich    von  Witschu.    Gertsch    a.  a.  0.  nennt   diesen    Ort   Shimo-Reiroko. 

100  PM  v^  1^1  jap. :  Ris-shi-en ;  chin. :  Li-tzu-yüan.  —  6,8  km  nordnord- 
westlich von  Witschu.    Gertsch  a.  a.  O. :  Rishi-yen. 

^^"  ^T  vM  ~i^  y^  J'^P"  ■  Sai-rö-shi-kö  ;  chin. :  Ch'ai-lang-tzu-kou.  —  1,7  km 
westlich  von  Kareiroko.    99,  100  und  101  sind  Weiler  auf  dem  östlichen  Eiho-Ufer. 

'"^  f^  LU  jap--  Ko-san ;  chin.:  Hu-shan;  kor.:  Ho-san.  —  Gertsch  a.  a.  0. : 
Tigerberg.  —  155  m  hoher,  steiler  Felskegel,  2,8  km  nordwestlich  von  Witschu, 
zwischen  Yalu  und  Eiho. 

^"^  ^  J^RJ"  lU  jap.:  Kyö-ka-kö;  chin.:  Chia-ho-kou.  —  Gertsch  a.a.O.: 
Kioka-ko.  —  11  km  nordnordwestlich  von  Tiurentschin. 

^"^  )Ifi  Lu  y|p|  jap--  Sha-zan-dö;  kor.:  Sya-san-dong.  —  2,7  km  südöstlich 
von  Witschu. 

^"^  TL^L^h  J^P'"  Kyü-ri-tö;  kor.:  Ku-ri-to;  chin.:  Chiu-li-tao.  —  Große 
Insel  im  Yalu,  3  bis  9  km  nordöstlich  von  Witschu. 

106  vp  j^pT  l|[  ■  jap. :  Sha-ka-sen;  chin.:  Sha-hö-ch'uan.  —  4  km  südsüd- 
westlich vom  Tigerhügel.     Gertsch  a.  a.  0. :  Sagasen. 

^"^  K  ^^  ypT  4^  jap-:  Ka-ai-ka-sen;  chin.:  Hsia-ai-ho-chien.  —  Gertsch 
a-  a.  0.:  Kaikasen  (westlich  von  Sagasen). 

*"^'*  |*f  ÜJ  '/(^  jap-:  Nan-zan-dö;  chin.:  Nan-shan-tung;  kor.:  Nan-san- 
dong.  —  2,5  km  südöstlich  von  Witschu. 


Id'J       Tbaitz:  Japan.  Goncralstabswork  ültor  i]ou  .Taiiaii.-IJiiss.  Kiioc  1004  05. 

der  Nonlseite  von  Samaliiida '"^  diiii  (icländi-  zw  isclicii  'rscliimkiaiitai  pla- 
tuzco) ""  lind  WitSfliii.  Mit  raiicsaiilnucli  ri-nlViict  es  das  Feuer  gegen 
den   Feind   hei   'riurentseliin. 

5.  Die  (f  arde-I)i  V  isi(t  n  (ohne  1  Infanterie-Regiment  und  1  Ka- 
vallerie-Regiment weniger  1  Zug)  samnieU  sieh  am  80.  liis  10  Flu-  vor- 
mittags in  der  Niederung  östheh  von  Witschu.  In  (h-r  tolgenden  Nacht  folgt 
sie  der  2.  Division  üher  die  Krii'gshrüek(\  Bis  1.  Mai  früli  hat  sie  den 
Raimi  Taignmd  von  Lisa  wen  —  Westecke  des  Tigerliügels  in  Besitz  zu 
nehmen. 

Im  ührigen  hat  sie  eine  Artilh  riestelhing  auf  der  Südseite  tles  Tiger- 
hügels aijszusuchen. 

H.  Das  Regiment  schwere  Artillerie  geht  in  der  Nadit  des  30. 
hei  Kinteito  in  Stellung  und  eröffnet  mit  Tagesanhruch  das  Feuer  gegen 
den   F(Mnd  auf  der  Höhe  von  Tiurentschiii. 

7.  Die  Armee-Hauptreserve  (4.  Garde-Infanterie-Regiment,  30. In- 
fanterie-Regiment (ohne  Besatzung  von  Yonamj)o),  Garde-Kavallerie-Re- 
giment weniger  1  Zug,  2.  Kavallerie-Regiment  weniger  1  '/.^  Züge)  sammelt 
sieh  am   1.  ]Mai  his  4  Uhr  vormittags  östlich  der  Kricgshrücke  von  Kurito. 

Ein  Bataillon  des  30.  Infanterie-Regiments  wird  mit  dem  Schutze  der 
hei  Kinteito  stehenden  Artillerie  beauftragt. 

8.  Die  rückwärtigen  Verbindungslinien  der  einzelnen  Divi- 
sionen sind : 

12.  Division:    Straße  Tal   südlich  Kontschondongpukkok '"  über 
Kontschondonernamkok  ^'^  Setsubaidö '^'  nach  ShokAvankwan  "*. 


109  S^  rf^-^  jap.:  Kin-tei-tö;  chin. :  Ch'ien-ting-tao;  kor. :  Keiim-työng-to. 
Die  japanisclien  Gencralstabskaiten  geben  auf  der  (von  den  Japanern  Kinteito  ge- 
nannten) Insel  Sanialinda  kein  Hans  an;  die  deutschen  Generalstabskarten  dagegen 
zeigen  einige  Häuser  mit  dem  Namen  Kinteito  auf  der  Insel  (ebenso  Gertsch  a.  a.  0.); 
da  die  japanischen  schweren  Batterien  tatsächlich  in  der  Nähe  dieser  Häuser 
gestanden  haben,  ist  das  japanische  |^~  rt  gj  n^'  ^h-  Kin-tei-tö  fu-kin  (in  G. 
und  7.)  mit  »bei  Kinteito«  wiedergegeben. 

""  Pp  VX.  □  .PP-'  Ghü-ko-dai;  chin. :  Chung-diiang-t'ai :  kor.:  Cliyung- 
gang-tai.  —  '4  km  westlich  von  Witschu,  auf  dem  nördlichen  Yalu-Ufer. 

"'  SL  jll  '/M  j^P--Kan-zen-dü;  kor. :  Kön-chliyöii-dong.  —  10km  nordöstlich 
von  Witschu.     Gertsch  a.  a.  0.  nennt    diesen  Ort  Kansciido    hoku   koku. 

112  ^^  Ijl  >^pj  jap.:  Un-zen-dö;  kor.:  Un-chhön-dong.  —  11,5  km  nordöstlich 
von  Witschu.  Das  Unzendö  der  japanischen  Generalstabskarte  (bei  Gertsch  nicht 
Unsendo,  sondern  Kansendo  nan  koku)  entspricht  auf  den  preußischen  Generalstabs- 
karten Kontscliondongnamkoku;  daher  wird  dieser  letzte  Nailie  fiir  das  Unzendo  der 
japanischen  Karte  bei  der  Übersetzung  gewählt. 

*"  ^hi^'/f'^  jap. :  Setsu-bai-do:  kor. :  Syöl-mai-dong. —  11km  südöstlich 
von  Witschu. 

"*  ^J\  $  ^tl  J'""?'  ^'»o-kwan-kwan :  kor.:  So-kot-koan.  —  14,5  km  süd- 
südöstlich von  Witschu. 


TnAUTz:  Japan.  Gcneralstahsworlc  üboi'  den  Japan. -Russ.  Ki'ieg  1904/05.      lOü 

Garde-Division:  Straße  Gcnkadö  "^  über  KinhiKir)""  iiacli  Slio- 
Icwankwan. 

2.  Division:    Straße  Witschu  über  Yongmundona; '^^    nach   Yonji- 
tsclion  '"*. 

9.  Ich  befinde"  mich  am   1.   Mai    4  Uhr  morgens  auf  der  Anhölie  im 
nördliclien  Teil  von  Genkado. 

Der  Führer  der  1.  Armee 
Baron  Kuroki  Tamesada. 


Diesem   Befehl   lag   folgender   Armeeangriffsplan    bei: 

Plan  zum  Angriff  der  Armee  gegen  Gegend  Tiiirentschin. 

(37.  ,Iahr  :Meiji,   2S.  April.) 


Tages-              Tätigkeit  der  einzelnen  Abteilungen 
folge    l                                  im  Kampfe 

Pionierarbeiten 

29.1V. 

12.  Division 

geht  in  Gegend  Schigiipu 
über    imd    erreicht   Nan- 
'huangkou  "^  und  Gegend. 

Die  12.  Division  liaut  eine 
Brücke  bei  Schigupu.  Die 
schwere  Artillerie  tuid  die 
Artillerie  der  2.  Division 
beginnen  Geschützdek- 
kungen  anzulegen. 

30.1V. 

12.  Division 

nimmt  mit  der  Masse  bis 
zum  Abend  Linie:  Sairo- 
shiko  —  Höhe  nordöstlich 
Tigerhügel,  geht  mit  einer 
kleinen  Abteilung  am  Fluß 

überbrücken  der  Yalu- 
hauptströmung  imd  Aus- 
heben von  Geschützdek- 
kimgen  der  Artillerie  der 
Garde-Division.  Der  Bau 

''^  Tti  »L '/l^^  J'^P-"  Gcn-ka-do;  kor. :  Uön-hoa-dong.  —  2,6  km  nordöstlich 
von  Witschu. 

'1"  -M.^^',f((^  j'''P--  Em-bu-dö;  kor.:  Yön-mu-dong.  —  6,5  km  südöstlich 
von  Witschu. 

^^^  HP  iJ  */f^  J^'^P-'  Ryö-mon-dö;  kor.:  Yong-mun-dong.  —  9,5  km  süd- 
lich von  Witschu.  Gcrtsch  a.  a.  0.  und  die  Veröffentlichungen  des  Preußischen  Großen 
Generalstabs  geben  ein  Yong  nnui  dong  5,5  km  südlich  von  Witschu  an. 


ßl 


£^  v±fe 


^'"     ]W  Tr£  yW    .i^P  •  Nan-kwü-ko;  chin.:  Nan-huang-kou.  —  11,5  km  nord- 
nordöstlich von  Witschu. 

(In  Anmerkung  108  — 117:    Angabe    der  Entfernungen    nach   den  japanischen 
Generalstabskarten.) 


10-1      Trat  17.:  .Tap:in.  Ociu'iaKtiili^wfik  iiln-i-  di-n  .Tapim.-Kuss.  Krieg  1904/05. 


Tago-s-  Tätigkeit  ili  r  ein/.t'lncn   Abtoiliiiigeii 

CiAiZ''  im  KaniplV 


Pionieraiheiton 


2.  Division 


Garde-Divisiüii 


Regiment 
schwere 
Artillerie 


entlang  vor  und  nimmt 
Höhe  192  (nordöstlich  des 
Tigerhügels)  in  Besitz. 

sammelt  sich  in  der  Nie- 
derung nordwestlich  Sha- 
Siuido.  Das  Artillerie-Re- 
giment nimmt  westlich 
Satschodong '^''    Stellung. 

nimmt  mit  einem  Teile 
Osekitü  '^',  sammelt  sich 
mit  der  Masse  in  der  Nie- 
derimg   östlich   Witschu. 

überschreitet  die  Kriegs- 
brücke südlich  Satscho- 
dong,  nimmt  die  Stellimg 
von  Samalinda  ein. 


Die  Divisionen  gehen  bis  Tagesanbruch 
in  folgende  Stellungen: 


12.  Division 


2.  Division 


gewinnt  Linie  Sairoshiko 
—  linkes  Aika-Ufer  — 
Anhöhe  westlich  von  Li- 
sawen;  entsendet  ein  De- 
tachement  nach  Kyokako. 

geht  über  Kriegsbrücke  1 
und  den  Sattel  des  Ti- 
gerhügels vor,  nimmt 
den  Raum  :  Westrand  des 
Tigerhügels  —  Sha'hot- 
schwan  (Südostrand  von 
Kaaikasen)  in  Besitz, 


der  Kriegsbrücke  Nr.  1 
über  den  Yahi(oberstrom), 
wird  der  Garde-Division, 
der  Bau  der  2.  Kriegs- 
brücke(unterstrom)  und 
der  Brücke  über  den  Ne- 
benarm südwestlich  vom 
Tigerhügel  wird  der  2.  Di- 
vision übertragen.  Der 
Bau  der  1.  und  2.  Kriegs- 
brücke wird  3  Uhr  nach- 
mittags, der  der  Brücke 
über  den  Nebenarm  nach 
der  Einnahme  vonTschun- 
kiantai  (Matuzeo)  begon- 


'■"     ^  riJ]  */Ir^    jap.:    Sci-ko-dö;   kor.:   Syö-ho-dong.   —    1km  westlich  von 
Witschu. 

'^'     I^^M^    -'^P-    0-seki-tö;    chin.:   Yfi-clnh-tao;    kor.:    ö-chyök-to.    — 
Insel  im  Yalu  zwischen  Witschu  und  dem  Tigerhügel. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      105 


Tages- 
folae 


Tätigkeit  der  einzelnen  Abteilungen 
im  Kampfe 


Pionierarbeiten 


Garde-Division  folgt  der  2.  Division  und 
nimmt  den  Raum :  Tal- 
grund von  Lisavven  — 
Westecke  des  Tigerhügels 
in  Besitz;  ihre  Artillerie 
nimmt  südlich  des  Tiger- 
hügels (oder  auch  nörd- 
lich davon)  Stellung. 

Hauptreserve  Es  bilden  die  Hauptre- 

serve: 1  Garde-Infantei-ie- 
Regiment,  llnfanterie-Re- 
giment  der  2.  Division, 
das  Garde-Kavallerie-Re- 
giment (ohne  1  Zug),  das 
2.  Kavallerie  -  Regiment 
(ohne  1 V2  Zug) ;  in  Kuri- 
to  versammelt,  entwickelt 
sie  sich  auf  Osekito,  mit 
1  Bataillon  als  Artillerie- 
schutz auch  auf  Samalinda. 


Das  Armee-Oberkommando  befiehlt,  wann  die  Infanterie  der  Garde- 
und  2.  Division  zmn  Angrilf  antreten   soll. 

Die  Angriffsziele  der  Divisionen  sind:  12.  Division  Pototynsa  ^^^  Garde- 
Division  Yogu  '^^.  2.  Division  Tiurentschin. 


^"^^     'tfy'lsty^    jap-:  Yu-ju-ko;    chin. :  Yu-shu-kou.   —  4,5  km    nordwestlich 
vom  Tigerhügel.     S.  204. 

123     um  >/S    jap. :  Yö-kö ;  chin. :  Yao-kou.  —  3,5  km  westlich  vom  Tigerhügel. 


1  ()()      Trai  Tz:  Japan.  Gcncralstabswerk  iilicr  tirii  Japan. -Hiiss.  Krieg  1904/05. 

12.  K.-ipitvl. 

Das  Gefecht  am  Yalu. 
I.  Vorbereitungen  zum  Übergang  über  den  Yalu. 

Festsetzung  des  Tages  für  den  Übergang  der  1.  Armee  über  den  Yalu. 

Als  die  1.  Armee  auf  dem  linken  Yalu-Ufer  aufzuinar.scliioren  im  Be- 
griff stand,  meldete  der  Ober(|nartiermeister  der  1.  Armee,  Generalmajor 
Fujii  Shiiieta.  am  10.  April  dem  Generalquartiermeister,  Generalleutnant 
Baron  Kodama  Gentarö,  es  sei  vorliiufiL!,  f(>st,üesetzt,  daß  die  ganze  I.Armee 
am  21.  April  ihren  Aufmarsch  beendige,  und  man  hoffe  am  2.  Mai  etwa 
den  Yalu  zu  iiberschreiteu.  Am  nächsten  Tage,  dem  17.  April,  forderte  das 
Große  Hauj)tc[uartier  seinerseits  ^Meldung  des  für  den  Flußübergang  fest- 
gesetzten Tages;  hierauf  erfolgte  umgehend  telegraphisch  die  Antwort,  man 
hoffe,  den  Fluß  am  30.  April  überschreiten  zu  können.  Außerdem  erbat  man 
eine  Vermehrung  der  Transportschiffe  zwischen  der  Halbinsel  Tschölsan  '^^ 
und  Tsehinampo  (Dsinuampo).  ^lan  hatte  nämlich  bisher  vorgehabt,  das 
Regiment  schwere  Artillerie  und  das  Brückenbaugerät  aus  Japan  direkt 
nach  Likaho  '^'•'  zu  schaffen,  aber  nun  änderte  man  den  Entschhdä,  nahm 
die  Landung  in  Tsehinampo  (Dsinnampö)  vor  und  sandte  es  dann  nach 
Likaho  weiter;  wegen  der  Kleinheit  unserer  Transportilotte  waren  wir  eben 
nicht   in    der  Lage,    die  Transporte  vor  Schluß  des  ^Monats    zu  bewältigen. 

Am  17.  erhielt  das  Oberkonnnando  der  1.  Armee  vom  Großen  Haupt- 
quartier auch  noch  die  Direktive  (s.  VI.,  S.  99): 

»Die  2.  Armee  wird  voraussichtlich  am  30.  April,  1.  oder  2.  Mai  an 
der  Küste  zwischen  den  Mündungen  des  Tschinmaho  inul  Taschaho  ihre 
Ausladung  beginnen,  die  höchstens  45  Tage  dauern  wird.  Die  Landung 
und  die  weiteren  Bewegungen  werden  indirekt  durch  die  1.  Armee,  welche 
das  rechte  Yalu-Ufer  gewinnt,  gedeckt.  Das  Große  Hauptquai'tier  nimmt 
daher  an,  daß  der  Flußübergang  etwa  am  30.  April  stattfindet.  Anschließend 
muß  zunächst  eine  starke  Stellung  in  dem  Räume  bis  gegen  Taflsantschyndsa  O^"^) 
hin  genonuuen  und  dann  der  Zeitpunkt  für  den  im  Einvernehmen  mit  der 
2.  Armee  anzutretenden  Vormarsch  abgewartet  werden.« 


'^*  ^  \1\  *^^''''  ^  UJ  .)''P-  Tets'san:  kor.:  Thyöl-san.  —  45  km  südöst- 
lich der  Yaluinündung. 

125  ^|J  '^p^  vjH  jap.  Ri-k\va-liö;  kor.  I-hoa-pho.  —  43  km,  nach  der  japanischen 
Übcrsichtskartf  1  :  lOOO^OO,  südlich  von  AVitschu  am  Meer  auf  der  Halbinsel  Tschöl- 
san; anscheinend  ist  Ihopo,  19  km  nordwestlich  Stadt  Tschölsan,  Ostchina  1  :  1000000, 
dasselbe  wie  Likaho.  Auf  der  Übersichtsskizze  1:750000  ist  Likaho  fast  an  der 
Südspitzc  der  Halbinsel  Tschölsan  gezeichnet,  was  mit  keiner  der  japanischen  Karten 
übereinstimmt. 


TRArT7,:  .Tapan.  Geiieralstabswork  ülicr  doii  Japan. -Russ.  Krieg  1904/0").      1(^7 

An  demselben  Tage  (17.  4.)  noch  antwortete  der  Armeeführer  Baron 
Kuroki  Taniesada  telegraphisch,  daß  er  alles  daransetzen  werde,  um  bestimmt 
am  30.  April  den  Flußübergang  zu  bewerkstelligen. 

Herbeischaffung  der  Munition  und  des  Brückenbaugeräts. 
Da  der  Zeitpunkt  für  den  Flußübergang  der  1.  Armee  um  2  Tage 
früher  gelegt  war,  erging  am  IS.  April  folgender  Sonderbefehl  über  die 
Herbeischairung  dei-  bereitgehaltenen  Munition  und  des  Brückenbaugeräts: 
Die  Brückentrains  (der  Garde-  und  der  2.  Division),  die  Munitionskolonnen 
aller  Divisionen  (die  Garde-  und  die  2.  Division  hatten  .jede  1  Fußartillerie- 
Munilionskolonne,  die  12.  Division  1'/.^  Infanterie-lMunitionskolonnen  und 
2^/.,  Artilleric-^NIunitionskolonnen),  eine  Abteilung  Linientruppen  (1200  Mann 
Infanterie  der  Garde-Division  und  1000  Mann  Infanterie  der  2.  Division) 
und  ein  Teil  der  Etappen- Transportmittel  (400  Handwagen  und  2  Etappen- 
Proviantkolonnen)  konmien  nach  Likaho  und  erreichen  von  da  die  Gegend 
von  Witschu.  —  Man  wies  ferner  jeder  Division  unter  »geheim«  ihre 
Brückenstelle  zu  (12.  Division  Südwestseite  von  Kurito,  Garde -Division 
nördlich  von  Witschu,  2.  Division  südöstlich  von  Kaaikasen,  da  wo  sich  die 
Strömung  teilt)  und  ließ  alles  für  den  Brückenbau  zu  verwendende  Gerät 
zusammenbiingen.  —  Die  Herbeischaffung  der  Munition  und  des  Briicken- 
baugeräts  war  am  29.  beendet.  (Ein  Teil  des  Brückenbaugeräts  war  auf 
dem  Wasserwege  in  Gegend  Yonampo  gebracht  worden,  wegen  des  Feuers 
der  feindlichen  Artillei-ie  auf  dem  rechten  Yalu-Ufer  konnte  man  es  aber 
nicht  nach  Witschu  lieranziehen :  immerhin  scheint  dieser  zufällige  Transport 
zu  Wasser  für  den  Feind  ein  Grund  zu  der  Annahme  gewiesen  zu  sein,  daß 
wir  am   unteren  Yalu  gelandet  seien.) 

Die  Lage  bei  Tschangsöng  '"'^  (am  Yalu)  und  die  Heranziehung 
der  Abteilung  Sasaki. 

Das  Oberkommando  der  1.  Armee  zog  die  bei  Yöngpiei  (Yöngpyöng)  '^^ 
imd  Unsan'^'  als  Besatzung  stehenden  Truppen  zum  Kam])fe  um  den  Yalu- 
Übergang  heran;  ferner  ward  die  Abteilung  Sasaki  verstärkt:  Führer  General- 
major Sasaki  Nao,  Stab  der  12.  Infanterie-Brigade  und  14.  Infanterie-Regiment, 
3.  Eskadron  des  12.  Kavallerie-Regiments,  I.  Abteilung  des  12.  Feldartiilerie- 
Regiments  ohne  3.  Batterie,  1.  Kompagnie  des  12.  Pionier-Bataillons.  Die 
weiteren  Bewegungen  sollten  dadurch  erleichtert  werden;  man  wollte  so 
nach  dem  Übergang  über  den  Yalu  die  rückwärtigen  Verbindungen  der 
Armee  schützen  und  gab  am  21.  nachts  der  Etappen-Kommandantur  der 
I.Armee  (Generalmajor  Shibuya  Ariaki)  Befehl,  schleunigst  etwa  ein  Kobi- 
Infanteriebataillon   nach  Tschangsöng   unter  dem  Befehl  des  Generalmajors 

126  jiSt-  i^  jap.:  Nei-hen;  kor.  (nach  Kotö-Kaiiazawa  a.  a.  0.):  Yöng-byön.  — 
111  km  ostsüdöstlich  von  Witschu. 

127  gl*  Ml  jap  .  iTn-zan  (Unsan) ;  kor.  Un-san.  —  17  km  nördlich  von  Yöngpiei 
(Yöngpyöng). 


108      Traltz:  Japan.  Genoralstaliswcrk  iibci-  dt'ii  Japan. -Rtiss.  Kiieii  1904/05. 

Sasaki  zu  enisendeii.  E.s  ninischierte  also  der  Koniinaiideiir  do.s  4.  Kobi- 
Infaiiterie-Reiiiments.  Major  Yosliida  Tci.  mit  dorn  II.  Bataillon  (ohne 
7.  Konipaüiiic),  Rataillon-skonunandcur  Major  Kndö  Bunnosliiii.  am  23.  von 
Unsaii  al).  riitrrwons  wiii-dc  die  8.  Kompa^inic  nacli  Pyüktonj;  (Pekton) '**' 
abgezweigt,  der  Rest  ei-r<Mclite  am  "27.  Tschangsöng.  Das  I.  Bataillon  (ohne 
4.  Kompagnie),  Führer  Major  Suztdii  Toshisuke,  kam  am  28.  ebenfalls  in 
Tschangsöng  an,  und  die  4.  und  7.  Kompagnie  wui'den  nn't  der  Besetzung 
der  (logend  Sinchhang  '■'''   und   Unsan   beauftragt. 

Anfangs  war  die  Abteilung  Sasaki.  weUhe  durch  Yundien  ^^°  nach 
Kuandiansan  ' "  vormai'schieren  sollte,  mit  dem  Schutze  der  rechten  Armee- 
llanke betraut.  Al)ei'  später  ließ  das  Oberkommando  der  1.  Armee  sie  nach 
dem  Übergang  über  den  Yahi  in  Gegend  von  Tansantsehyndsa  den  Zeit- 
punkt zum  Marsch  nach  Norden  abwarten.  Es  war  nämlich  nicht  un- 
bedenklich, die  genannte  Abteilung  allein  so  weit  vormarschieren  zulassen; 
anderseits  durfte  man  sich  aber  auch  keinen  Erfolg  davon  versprechen, 
sie  in  der  Gegend  von  Tschangsöng  oder  Yundien  wie  bisher  stehen  zu 
lassen.  (Eine  Kundschaftcrnachricht  besagte  um  diese  Zeit,  daß  etwa  2000 
feindliche  Reiter  in  Gegend  Tschosan'-^-* — Pyöktong  (Pekton)  den  Yalu  über- 
sehritten hätten.  Aber  es  war  nicht  sicher.  Wenn  es  auch  Tatsache  ge- 
wesen wäre,  so  hätte  ein  feindlicher  Einfall  weit  nacli  Korea  hinein  unseren 
Rücken  doch  kaum  bedrohen  können,  denn  einige  Postierungen  in  Gegend 
Unsan  würden  vollkommen  genügt  haben,  um  alle  Besorgnisse  zu  zer- 
streuen.) INIan  beabsichtigte,  den  Yalu  mit  möglichst  starken  Kräften  zu 
überschreiten.  Das  Armee-Oberkommando  zog  daher  einen  großen  Teil 
der  Abteilung  Sasaki  heran,  um  ihn  am  Hauptkampfe  teilnelimen  zu  lassen. 
Bei  Witschu  war  aber  die  Breite  des  Yalustromes  infolge  des  Regens  und 
dadurch,  daß  auch  der  Boden  ganz  auftaute,  über  Erwarten  gewachsen. 
Man  erfuhr,  daß  die  einzelnen  Arme  sowohl  als  der  Eiho  fast  gar  keine 
Fui-ten  mehr  hatten.  Das  bisher  zusammengebrachte  Brückengerät  war 
sichtlich  unzureichend.  Man  zog  daher  auch  den  zur  Abteilung  Sasaki  ge- 
hörigen Brückentrain  nach  Witschu  heran;  daher  konnte  diese  Abteilung 
mit  einem  selbständigen  Gefechtsauftrag  nicht  mehr  betraut  werden.     Weil 


128  ^@.yg>  jap.:  Heki-to;  kor.:  Pyök-dong.  —  87 km  nordösUich  von  Witschu. 
Ostchina  l :  1 000  000 :  Piltong. 

'^^  ^RM  >B  J^P- ■  Shin-sö;  kor.:  Sin-chhang.  —  Nach  Kartenanlage  3  des 
1.  Bandes  liegt  dieser  Ort  31  km  südlich  von  Pyöktong  (Pekton)  und  41,5  km  süd- 
östlich von  Tschangsöng;  er  fehlt  auf  allen  mir  zugänglich  gewordenen  deutschen  Karten. 

130  ~i^  y|jj1  -^ft  jap  .  Ei-den-jö ;  chin. :  Yung-tien-ch'eng.  —  Auf  der  unter  129 
erwähnten  japanischen  Karte  15  km  nordwestlich  von  Tschangsöng,  nördlich  des  Yalu; 
auf  der  unter  128  genannten  preußischen  Generalstabskarte  22  km  nordwestlich  von 
Tschangsöng  als  -Yungdien»  verzeichnet. 

'"  ^a'p^  J^'P-'  Kwan-den;  rliin.:  K'uan-tien.  — 86  km  nach  preußischen, 
32  km    nach  japanischen  Karten  nordwestlich   von  Tschangsöng,    nördlich  des  Yalu. 

'^-  ^^  Mj  jap.:  So-san;  chin.  CKu-shan.  —  43  km  nordöstlich  von  Pyöktong 
(Pekton). 


Trautz:  Japan.  Geiieralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      109 

der  Uljergangspunkt  für  die  12.  Division  nach  Aiisiclit  ihres  Kommandeurs, 
des  Generalleutnants  Inouye  jMitsu,  bei  Schigupu  liegen  mußte,  befahl  man 
nunmeln*  am  22.  der  Abteilung  Sasaki.  am  26.  von  Tschangsöng  aufzu- 
brechen und  sich  bis  28.  zwischen  Likado  ^*^  und  Embon  ^'^*  ihrer  Division 
wieder  anzuschließen.-  Nur  1  Bataillon  und  1  Eskadron  (ohne  1  Zug),  unter 
Führung  des  Kommandeurs  des  4.  Kobi-Infanterie-Regiments,  des  Oberst- 
leutnants Yoshida.  sollte  unter  dem  unmittelbaren  Befelil  des  Armee-Ober- 
kommandos in  Tschangsöng  verbleiben  und  das  gegenüberliegende  Ufer 
und  am  Oberlaufe  des  Yalu  beobachten.  Inzwischen  kam  Nachricht,  daß 
1500  feindliche  Reiter  mit  10  Geschützen  anscheinend  in  Gegend  Soden '^° 
eingetroffen  seien.  ^Nlan  änderte  daher  am  25.  vorgenannten  Befehl  dahin 
ab,  daß  1  Kobi-Infauteriebataillon.  1  Eskadron  (ohne  1  Zug),  1  Gebirgs- 
batterie  und  '/a  Gebirgsartillerie -Munitionskolonne  unter  Oberstleutnant 
Yoshida  der  Etappen-Kommandantur  zugeteilt  und  mit  der  Beo])achtung 
der  Gegend  bei  Tschangsöng  und  dem  Schutze  der  rückwärtigen  Ver- 
bindungen der  Armee  beauftragt  wurden.  Nach  dem  Aljmarsch  der  Ab- 
teilung Sasaki  blieben  (bis  zum  29.  April)  als  Ortsbesatzung  das  4.  Kobi- 
Infanterie-Regiment  (ohne  4.,  7..  8.  Kompagnie)  und  die  1.  Batterie  des 
12.  Feldartillerie-Regiments  in  Tschangsöng,  die  3.  Eskadron  des  12.  Ka- 
vallerie-Regiments (ohne  1  Zug)  in  Dschangdscliu  '^'"'.  1  Zug  der  4.  Kom- 
pagnie des  4.  Kobi-Infanterie-Regiments  und  dessen  8.  Kompagnie  in  Fyök- 
tong  (Pekton),  ferner  die  4.  Kompagnie  (ohne  1  Zug)  desselben  Regiments 
in  Sinchhang  und  die  7,  Kompagnie  desselben  Regiments  in  Unsan  und 
Yöngpiei    (Yöngpyöng). 

Eroberung  der  Inseln  Kitrito  und  Samalinda. 

Obwohl  die  Armee  mit  allen  Kräften  die  Erkvmdung  des  Yalustromes 
betrieben  hatte,  hatten  unsere  Trupj^en  eben  schließlich  von  den  \"orposten  des 
Feindes  auf  Kurito,  Osekito  und  Samalinda  Feuer  bekommen,  und  das  Ziel  der 
Erkundung  konnte  nicht  erreicht  werden ;  daher  beschloß  das  Armee-Ober- 
kommando, zuerst  diese  drei  Inseln  in  nnsern  Besitz  zu  bringen.  Die  Nacht 
des  25.  ward  dazu  ausersehen.  Die  Garde-Division  sollte  Kurito,  die  2.  Divi- 
sion Samalinda  nehmen  und  jede  ihre  Vorposten  vorschieben.  Dann  änderte 
man    die  Erkundungsabschnitte:    12.  Division  von  dem  Pimkt,    wo  sich  die 


133     ^ü  ^v  yjp]    jap-:    Ri-kwa-dö;    kor.:   1-hoa-dong;    chin. :    Li-hua-tung.   — 
10  km  östlich  von  Schigupu. 

jjfM  ^-  ^     j'ip-  Eni-bö-ri  (^^  =  lll^)j  chin.  Yen-feng-li.    —   4,5  km 


134 

nordnordöstlich  von  Likado,  s.  133. 

^^^  ™^  r)  J^P-  So-den;  chin.:  Su-tien.  —  8  km  nördlich  von  Embon,  s.  134, 
nördlich  des  Yalu. 

^^^  Ö  tH  .i^P'  Shö-shü;  chin.  Ch  ang-chou.  —  Übersichtsskizze  1  :  750000: 
Tschan  schu  tin.  —  18  km,  nach  der  preußischen  Generalstabskarte  18  km,  nord- 
östlich von  Tschangsöng,  s.  96. 


1  |0      Ti{\iT7.:  Jnpan.  OeiKMal^tahswerk  iilicr  dfii  Japan. -Hiiss.  Kiieg  1904/05. 

StröimiiiLi  iir>r»llicli  vcjii  YoiiyiiimulDiiy '^"  vereinigt,  und  ohcilinll):  (Jai-de- 
Divisiim  links  von  der  12.1)ivisiun  überKurito  —  (Jenk.ido  hisSti-aße  Witscliu — 
Krinlmant.scliön  cinselil..  12.  Division  vom  linken  Flügel  der  Garde-Division 
über  Sanialindu,  wie  bisher  das  tJeländtv  an»  Unterlauf  des  Yalu;  lerner 
unterstellte  man  die  beiden  Pionier-Bataillone  der  Garde-  luid  der  2.  Divi- 
sion und  die  Garde-Kobi-Pionier-Kompagnie  dem  Pionier-Konunandeur  der 
Arme»',  Generalmajor  Kodama  Tokutarö.  (Der*  Kommandeur  der  Garde- 
Kobi-Pionier-Kompagnie,  Hauptmann  Isliioka  Inoshirö,  welcher  beimßrüeken- 
liau  üiter  dm  Täyöngkang '^''  beschäl'tigt  war,  erhielt  am  17.  April  Belehl, 
dort  zu  bleiben  und  kam  erst  am  24.  in  Witschu  an.)  Der  Pionier-Kom- 
mandeur der  Armee  beauftragte  die  Pionierbataillone  mit  der  Anlage  von 
\'erkehrs\\  egen  und  mit  dem  Brückenbau  iiber  den  Yalu-Nebenai-m,  west- 
lich von  Yongmimdong  und  westlieh  ^Muntsehenkol  '^^  Ferner  ließ  er 
Artillerie  in  Stellung  gehen,  um  nötigenfalls  die  Eroberung  der  beiden  Inseln 
Kurilo  und  Samalinda  unterstützen  zu  köruien,  und  zwar:  die  1.  Abteilung 
des  Garde-Feldartillerie-Regiments  (ohne  I.Batterie)  am  Nordrand  von 
Genkado  und  Witschu,  die  II.  Abteilung  (ohne  6.  Batterie)  auf  einer  Höhe 
etwa  1  000  m  südlich  von  Satschodong,  die  II.  Abteilung  des  12.  Feldartilleric- 
Kegiments  (ohne  6.  Batterie)  bei  Y'ongmundong*. 

An»  25.  9  Uhr  45  abends  begann  das  von  der  2.  Division  mit  der  Er- 
kimdung  beauftragte  30.  Infanterie-Regiment  (ohne  I.Bataillon  und  ll.Kom- 
j»agnie)  unter  Oberst  Baba  Meiei  mit  der  Hilfe  der  2.  Kompagnie  des  II. 
Pionier-Bataillons  nordwestlich  von  Muntschcnkol  auf  Fähren  überzusetzen. 
(.Sie  bestanden  aus  je  zwei  Stalilbooten;  es  waren  im  ganzen  8  Fähren.) 
Der  Feind  leistete  keinerlei  Widerstand.  Am  26.  iVüh  12  Uhr  15  war  das 
Übersetzen  beendigt  und  Samalinda  erobert. 

Mit  der  Eroberung  der  Insel  Kurito  w'ar  das  4.  Cianle-lnfanterie-Re- 
giment,  1  Zug  der  2.  Kavallerie-Eskadron,  die  1.  Pionier-Kompagnie  und 
ein  Teil  des  Brückentrains  unter  Führung  des  Kommandeurs  des  4.  Garde- 
Infanterie-Regiments.  des  Obersten  Umesawa  INIichiharu,  beauftragt.  Am 
2t>.  2  Uhr  morgens  sammelte  er  das  I.  Bataillon  (olnie  I.Kompagnie)  und 
(ia>  II.  Bataillon  am  Südrande  von  Y'ougmundong"^"),  die  I.Kompagnie  nahe 


'"  Ht  I  J  ^M  -J^P- •  Kyii-nioii-dö;  kor. :  Yong-mun-doiig-- — Nicht  mit  dem 
gleiclinamigeii  Oit  s.  117  zu  verwechseln.  —  Nach  der  japanisclien  Karte  10  im  Text 
(Bd.  1)  liegt  dieses  Ryiiniondo  4,6  km  südwestlich  von  Suikocliin  (s.  98)  und  7,2  km 
iii.i<]r.stlicli  von  Witschu,  südlich  des  Yalu. 

'""*  y^  '^- /_X.  jap.:  Dai-nei-kö;  kor.:  Tai-yüng-gang.  —  Nördlicher  Neben- 
lliiß  des  TschüngtscliönkangC>'),  mündet  mit  diesem  in  dasselbe  Delta. 

""'  v/»  ^ti /[>•]  J'T"  Kü-lioku-dö;  kor.:  Iloiiig-peuk-dong.  —  3,3  km  südlich 
von  Wit.Mliu.  Ih-i-  ( )ii  liegt  da,  wo  auf  den  preußischen  Karten  (Kr.  Gesch.  EinzeKschr. 
39/4t»)  Muiitschenkoi  steht,  weshalb  diese  Bezeichnung  im  Text  gewählt  ist. 

*  Es  ist  das  RyümondO  137;  —  übrigens  scheint  die  Abteilung  nahe  bei 
Ryinnondö  keine  geeignete  Artilleriestellung  gefunden  zu  haben,  sondern  ist  (s.  Karte  12 
im  Text)  etna  7(M)  m  südlich  von  Schigupu  in  Stellung  gegangen. 


Trautz:  Japan.  Genei'alstabswcik  üIh'v  den  Japan. -Russ.  Ki-ifo;  1004/05.      111 

dem  SiUlraiule  von  Geukado,  das  III.  ßataillon  und  drii  Zui;;  Kavallerie 
bei  Genkado.  Die  4.  Kompagnie,  zwei  Züge  dei"  10.  Kompagnie  und  ein 
Zug  der  11.  Kompagnie  halfen  beim  Instellunggeiien  der  Artillerie.  Die 
1.  Pionier-Kompagnie  traf  N'orbereitnngen  für  den  Übergang  der  Abteilung 
bei  YongmundongC'")  und  Genkado.  Um  o  Uhr  trat  das  II.  Bataillon  gegen 
den  Feind  bei  Kurito  an.  Das  I.Bataillon  (ohne  1.  K.om])agnie)  sollte  sich 
in  der  Linie  Yonguunulong — Höhe  südlich  davon  entAvickeln,  die  1.  Kompagnie 
den  Yalu-Nebenarm  aus  Gegend  Genkado  um  4  Uhr  überschreiten  und  so  den 
Angi'iff"  des  11.  Bataillons  unterstützen.  (Trotz  eifrigen  Suchens  in  den  letzten 
Tagen  hatte  n)an  Furten  nicht  gefunden,  die  Strömung  war  zu  reißend  und 
tief  geworden.    Schließlich  entschloß  man  sich,  den  Übergang  zu  erzwingen.) 

Um  3  Uhr  morgens  waren  von  der  I.Pionier-Kompagnie  alle  Über- 
gangsvorbereitungen getrofien.  Das  II.  Bataillon  (Kommandeur  Nara  Gennin) 
halte  elf  vorher  nach  Yongmundong  zusammengebrachte,  schnell  gebaute 
japanische  Boote  an  den  Ül^ergangspunkt  nordwestlich  von  Yongmundong 
geschafft;  diese  Boote  waren  in  der  Nacht  zu  Lande  von  Witschu  herüber- 
gebracht worden. 

(Mitte  April  trat  der  Yalu  außergewöhnlich  weit  über  seine  Ufer. 
Der  Hauptstrom  war  stellenweise  anderthalb  l)is  zweieinhalb,  Seitenarme 
3 — 4  mal  so  breit  als  gewöhnlich.  Nach  Aussage  von  Einwohnern  würde 
sich    nach   etwa     10  Tagen    guten    Wetters    die    Wassertiefc   bis    auf  etwa 

I  m  verringei'u  und  dann  in  3  Tagen  auf  50  cm  zurückgehen.  Trotz  eines  nur 
unbedeutenden  Regens  hatte  am  19.  der  Strom  aber  noch  inmier  seine  außer- 
gewöhnliche Breite.  Das  Wasser  fiel  nur  ein  klein  wenig.  Im  Flußbett 
konnte  man  mit  Böcken  nur  zwei  Brückenglieder  an  jedem  LTfer  bauen,  und 
das  vorher  vorbereitete  Gerät  erwies  sich  als  vollkommen  unzulänglich. 
Vom  24,  ab  zogen  die  Pionier-Bataillone  der  Garde-  und  2.  Division  von 
der  Fußartillerie,  von  der  Garde-Kobi-Pionier-Kompagnie  usw.  alle  im  Schiff- 
bau geübten  Leute  heran.  Bei  Witschu  brachte  man  starke  Planken  zu- 
sammen und  begann  in  aller  Schnelligkeit  japanische  Boote  zu  bauen.    Die 

I I  Boote  bei  Yongmundong  eingerechnet,  waren  bis  29.  April  57  japanische 
Boote  fertig.  Bei  dieser  Gelegenheit  erwies  sich  als  besonders  störend  der 
Mangel  an  für  den  Schiffsbau  geeigneten  Nägeln,  und  es  soll  alles  an  Ort 
und  Stelle  vorgefundene  Eisen  hierzu  aufgebraucht  worden  sein.) 

Etwa  3  Uhr  30  morgens,  als  der  jNIond  unterging,  begann  das  Über- 
setzen. Die  1.  Pionier-Kompagnie  (ohne  1  Zug)  versah  den  Fährdienst. 
4  Uhr  5  landeten  am  gegenüi)erliegenden  Ufer  die  ersten  20  Mann  der 
8.  Kompagnie.  Gerade  5  INIinuteu  später,  als  das  zweite  und  dritte  Boot 
anlegen  wollte,  erhielten  sie  überraschend  von  etwa  20  feindlichen  Schützen 
auf  150  m  Feuer.  Unsere  zuei'st  angekommene  Abteilung  schwärmte  sofort  am 
Ufer  aus  und  erwiderte  das  Feuer.  Obwohl  auf  den  Schiffen  noch  mehrere 
Leute  von  feindlichen  Kugeln  getroffen  wurden,  fuhren  die  folgenden  Ab- 
teilungen unentwegt  im  Übersetzen  fort.  Um  4  Uhr  20  jMinuten  war  die 
ganze  8.  Kom])agnie  auf  dem  jenseitigen  Ufer  eingetroffen.  Als  auch  die 
5.  Kompagnie  da  war,  wandte  sich  der  Feind  nach  Westen  zur  Flucht, 
und  wenn  er  auch  noch  zweimal  weiteren  Widerstand  zu  leisten  versuchte, 


1  12      Thactz:  Japan.  Oencralstabswcrk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904,05. 

so  wnnle  er  doeli  iminei-  wieder  tlurih  die  Uiisrigen  zuriickgcw  orleii.  Von 
tili-  .").  Koinpaiiiiie  folgte  ihm  eine  Offizierpatrouille.  Inzwischen  beschoß 
die  auf  dein  linken  l'fei-  befindliche  2.  luul  3.  Koinpap;nie  um  4  Uhr  11 
feindliche  Heobaciilnngspostcn  auf  dem  gegenüberliegenden  Ufer  und  unter- 
stützte so  das  Übei-setzen  des  II.  Bataillons. 

Von  etwa  3  Uhr  moigens  an  leuchtete  der  Feind  aus  Gegend  Tiu- 
rentschin  mit  einem  Scheinwerfer  eifrig  das  linke  Ufer  ab.  Um  4  Uhr  25 
steckte  er  die  Häuser  auf  Kurito  in  Braiul.  Feindliche  Wachtfeuer  blieben 
aufOsekito.  bei  Tschunkiantai   (Matuzeo)    und   Uihoato '*°  brennen. 

Um  4  Uhr  50  etwa  kam  unsere  Offizierjjatrouille,  welche  dem  Feinde 
gefolgt  war,  auf  der  Nordwestseite  von  Kurito  an.  Zu  diesei-  Zeit  waren 
aiu-h  Feinde  in  Booten  eingeschifft.  Die  unserer  Offizierpatrouille  folgende 
5.  und  8.  Kompagnie  erfuhren  davon,  und  ein  Zug  der  5.  Kompagnie  mar- 
schierte schleunigt  zuerst  nach  der  Nordwostecke  von  Dorf  Kurito'*',  dort 
erhielt  er  Feuer  von  dem  Feinde  auf  dem  gegenüberliegenden  Ufer  des 
Hauptstromes.  Weil  es  noch  nicht  ganz  hell  war,  blieb  die  feindliche  Ab- 
teilung, die  eingeschifft  war.  unentdeckt.  Der  Zug  entwickelte  sich  auf 
einer  vom  Ostrande  der  Insel  ungefähr  500  m  entfernten  Anhöhe  und  trat 
mit  dem  Feinde  auf  dem  jenseitigen  Ufer  ins  Gefecht.  Nach  5  Uhr  er- 
reichte die  8.  Kompagnie  und  der  Rest  der  5.  Kompagnie  gieiehfalls  diese 
Anhöhe  und  nahm  am  Kampfe  teil.  Um  5  Uhr  50  etwa  trafen  auch  die 
(i.  und  7.  Kompagnie  ein.  (Die  6.  Kompagnie  war  beim  Übersetzen  über 
den  Fluß  im  leindllchen  Feuer  in  ^'el•wirrnng  geraten.  Eines  ihrer  Schiffe 
war  imtergegangen  und  so  die  Unordnung  entstanden.  Um  5  Uhr  30  erst 
mit  Übersetzen  fertig,  kam  die  Kompagnie  etwas  später.)  Der  Feind  auf 
dem  gegenül)ei-]iegenden  Ufer  ließ  an  Toten  1  Offizier,  1  Unteroffizier  und 
15  Pferde  liegen  und  zog  sich  in  Unordnung  nach  dem  Talgrund  im  Nord- 
westen sowie  in  Richtung  auf  den  Tigerhügel  zurück.  Daraufhin  sammelte 
sich  die  Masse  des  II.  Bataillons  im  Dorf  Kurito. 

Bemerkung*:  Dieser  Feind,  eine  Abteilung  Jäger  zu  Pferde 
des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  (2  Offiziere,  60  Mann),  ließ 
am  25.  nachts  am  Fuß  des  Tigerhügels  die  Pferde  stehen  luid  setzte 
nach  Osekito  und  Kmüto  hinüber;  dort  wurde  er  bei  der  Arbeit  an 
einem  Schützengraben  von  uns  beschossen  und  verlor  1  Offizier  (tot) 
imd  18  Mann   (tot  oder  verwundet). 


1*0  ~T^  >j^^  jap  .  Ka-do;  chin. :  Hsia-tung.  —  3  km  östlich  von  Antung  (chine- 
sische Altstadt)  auf  der  Insel  Kiasintsa,  jap. :  -^  ^  }^^.  Dai-ma-tö ;  chin. :  Ta-ma-tao. 
Uihoato  ist  auf  der  unter  141  erwähnten  Karte  da  gezeichnet,  wo  das  japanische 
•  Kado«  Hegt,  daher  für  den  Text  als  Ortsbezeichnung  gewählt.  —  Gertscii  a.  a.  0. 
nennt  einen  Ort  4  km  östlich  von  Antung  Ikato,  s.  226. 

'*'  Bg  *M*  jap.:  RyQ-un;  kor.:  Yong-u.  —  Auf  Kurito,  da  wo  auf  preußi- 
schen Karten  (Kr.  Gesch.  Einzelschr.  Heft  30  40)  das  -Dorf  Kurito»  gezeichnet  ist; 
daher  ist  diese  Bezeichnung  für  den  Text  als  Ortsbezeichnung  gewählt. 

*    Fu-ki    pftlß. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      llo 

Inzwischen  hatte  das  III.,  in  der  Nähe  von  Genkado  befindliche  Ba- 
taillon (INIajor  Eijima  Ki)  mit  einem  Teil  (9.  Kompagnie  und  1  Zug  der 
11.  Kompagnie)  um  4  Uhr  20  morgens  gegen  den  auf  Osekito  befindlichen 
Feind  das  Feuer  eröffnet.  Mit  Tagesanbruch  zog  sich  dieser  zurück.  Die 
1.  Kompagnie,  die  sicK  auch  bei  Genkado  befand,  trat  4  Uhr  morgens  an 
und  setzte  4  Uhr  50  auf  mitgebrachten  Stahlbooten  über  den  Seitenarm 
bei  Genkado  hinüber.  Als  dann  auch  der  am  Ostufer  von  Osekito  haltende 
Gegner  durch  einen  Angriff  nach  dem  Tigerberge  hin  zurückgeworfen  war, 
rückte  die  Kompagnie  nach  Norden  vor  und  nahm  den  Nordwestrand  von 
Kurito  in  Besitz.  Um  6  Uhr  39  hörte  das  Gewehrfeuer  auf.  Kiirito  war 
in  unseren  Händen. 

Die  Artillerie  der  Garde-  und  12.  Division  war  gar  nicht  zum  Fetiern 
gekommen.  Um  7  Uhr  45  hatte  das  12.  Feldartillerie  -  Regiment  seine 
Stellung  verlassen;  jedoch  sah  die  3.  Garde-Batterie  etwa  8  Uhr  auf  einer 
kleinen  Anhöhe,  ungefälu"  300  m  nordöstlich  vom  Tigerhügel,  etwas  wie 
einen  feindlichen  Stab.  Sie  schoß  darauf,  und  der  Feind  ging  in  Deckung. 
Vorher,  um  7  Uhr  15  vormittags,  hatten  zwei  Geschütze  (es  mochte  feindliche 
Gebirgsartillerie  sein)  auf  dem  Tigerhügel  Stellung  genommen. 

Bemerkung*:  Die  zwei  Geschütze  waren  37-mm-Kanonen  des 
12.  Ostsibirischen  Jäger-Regiments  zu  Pferde;  sie  hatten  den  Brücken- 
schlag verhindern  wollen. 

Gleichzeitig  mit  der  Eröffnung  unseres  Artilleriefeuers  aber  zogen 
sie  sich  nach  Tiurentschin  zurück. 

(In  diesem  Gefecht  hatten  wir  an  Toten  8  Unteroffiziere  und  Mann- 
schaften und  28  Verwundete,  danuiter  5  Pioniere.  Nach  Aussage  eines 
verwundeten  Gefangenen  vom  22.  Ostsibirischen  Schützen -Regiment  be- 
fanden sicli  vor  uns  auch  das  23.  und  24.  Ostsibirische  Schützen-Regiment 
(jedes  zu  3  Bataillonen).  Ferner  ergaben  erbeutete  Papiere,  daß  das  ge- 
nannte Regiment  142  Jäger  zu  Pferde  zählte.  Außerdem  erfuhren  wir  aus 
der  Abschrift  eines  Berichts,  den  ein  russischer  Leutnant  unterm  25.  Api-il 
dem  Kommandeur  des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  eingereicht 
hatte,  daß  etwa  2  Meilen  flußaufwärts  von  Kurito  das  I.  Bataillon  des 
24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  und  Jäger  zu  Pferde  standen.) 

Um  1  Uhr  nachmittags  durchschnitt  eine  unserer  Infanteriepatrouillen 
auf  dem  Kurito  gegenüberliegenden  Ufer  eine  feindliche  Telegraphenleitung. 
(Diese  Telegraphenleitung  war  auf  dem  rechten  Yalu-Ufer  gelegt,  und  wir 
erfuhren  in  den  nächsten  Tagen,  daß  sie  zur  Verbindung  mit  der  Abteilung 
des  Obersten  Truchin  gedient  hatte.)  Die  Patrouille  brachte  5  erbeutete 
Schiffe  nach  unserm  Ufer  mit  herüber.  Um  4  Uhr  besetzte  das  I.  Bataillon 
des  4.  Garde-Infanterie-Regiments  unter  Major  Öta  Hirosaburö  als  Ablösung 
Kurito. 


*    Fu-ki    piJlß. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.   1915.  I.  Abt. 


1  1  {      Tr.m'tz:  Japan.  Geneialst.nbswcrk  über  den  «Tapan.-Russ.  Krieg  1004/05. 

Vollendung  der  Brücke  über  den  Nebenarm. 

Nacli  Kro!)ening  von  .Sanialiiida  l)efj;ann  das  11.  Pionier-Bataillon  am  25. 
von  8  Uhr  abends  ab  westlicb  Satscbodong.  die  Garde-Kobi-Pionier-Kom- 
j>agnie  am  27.  4  Uhr  45  nachmittags  westlich  von  Mnntschenkol  eine  Brücke 
zu  bauen;  die  Brücke  bei  Satschodong  wurde  am  27.  vormittags  5  Uhr  10, 
die  Brücke  bei  Mnntschenkol  am  28.  6  Uhr  30  morgens  fertig.  Ferner  hat 
nach  der  Eroberung  von  Kurito  das  Garde-Pionier-Bataillon  unter  Oberst- 
leutnant Okada  Kamakichi  am  26.  nach  6  Uhr  morgens,  nördlich  von 
Geiikado,  die  beiden  Nebenarme  überbrückt;  am  29.  ^norgens  waren  die 
Brücken  fertig. 

(Zu  den  erwähnten  Bockbrücken  wtirde  alles  geeignete  Brückengerät 
verwendet.) 

Vom  26.,  10  Uhr  morgens,  ab  beschossen  öfters  etwa  8  feindliche 
Geschütze  aus  Gegend  Tiurentschin  die  Brückenstelle  von  Gcnkado  und 
Satschodong;  man  arbeitete  daher  besonders  nachts.  Auch  in  der  folgenden 
Nacht  schoß  der  Feind,  und  nicht  selten  flogen  feindliche  Geschosse  bis 
Witschu  hinein.  So  war  es  täglich,  wir  haben  aber  ti-otzdem  das  Feuer 
nicht  erwidert. 

Festsetzimg  des  Tages  für  den  Flußübergang  und  Vereinbarung  einer  gemein- 
samen Operation  von  Heer  und  Flotte. 

Das  Oberkommando  der  I.Armee  erhielt  am  25.  4.  6  Uhr  30  abends 
vom  Großen  Hauptquartier  eine  Direktive  des  Inhalts,  die  Landung  der 
2.  Armee  werde  vom  3.  Mai  ab  stattfinden,  und  die  1.  Armee  solle  dem- 
entsprechend handeln.  Nach  Maßgabe  des  Fortschreitens  der  Brücken- 
bau Vorbereitungen  setzte  man  daraufhin  den  Yalu-Ubergang  auf  1.  Mai  fest. 

Am  25.  4.,  5  Uhr  nachmittags,  teilte  die  7.  Flottille  mit,  daß  die  Ka- 
nonenboote Maya  und  Uji,  zwei  Torpedoboote  und  zwei  kleine  armierte 
Dampfer  die  Armee  im  Kampfe  unterstützen  würden.  (Fregattenkapitän 
Nakagawa  Shigemitsu  war  Kommandant  der  INIaya;  man  nannte  daher  seine 
Flottille  ]Maya-Flottille.)  Sie  lief  in  den  Hafen  von  Yonampo  ein.  Am 
1.  April  war  seinerzeit  die  Nachricht  gekommen,  von  dem  in  der  Tätong- 
kang-Mündung  befindlichen  Geschwader  (das  Kontreadniiral  Hosoya  Sukeuchi 
befehligte),  es  beabsichtige  beim  Übergang  der  Armee  über  den  Yalu  eine 
Flottille  mitwirken  zu  lassen;  da  man  beim  Armee-Oberkommando  in  der 
Zwischenzeit  stets  ein  Zusammenwirken  mit  der  Flotte  im  Auge  behalten 
hatte,  wurde  die  Flottille  entsandt  und  war  auch  schon  eingetroffen. 
(Infanteiic-Major  Fukuda  Gatarö,  der  in  die  Absichten  des  Armee-Ober- 
kommandos eingeweiht  war,  erwartete  an  Ort  und  Stelle  zur  Beratung  des 
Zusanuneiiwirkons  das  Eintreffen  der  Flottille.)  ISIit  dem  Generalstabsoffizier 
der  Armee  waid  festgesetzt:  die  Flottille  beschießt  etwa  vom  29.  mittags 
ab  Antung.  Am  30.  dampft  sie  womöglich  weiter  stromauf  und  beschießt 
die  Umgegend  von  Antung.  Am  1.  INIai  früh  fahren  die  Torpedoboote  und 
die  kleinen  arnnerten  Damjifer  noch  weiter  stromauf  und  unterstützen  den 
allgemeinen   Angriff  der  Armee. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      115 

Indessen  erhielt  das  Armee-Oberkoniniando  am  selben  Tage  vom 
Großen  Hauptquartier  eine  Direktive:  die  Landung  und  Operation  der 
2.  Armee  sei  bis  4.  INIai  verschoben,  man  erwarte,  daß  infolge  davon  die 
Bewegungen,  welche  die  1.  Armee  tur  1.  INIai  vorhabe,  auf  den  3.  verschoben 
werden  würden.  Dieser  Aufschul)  war  Jedoch  sehr  unerwünscht,  denn  alle 
unsere  Voi-bcreitungen  waren  sehr  weit  fortgeschritten,  und  der  Feind  be- 
festigte aufs  eifrigste  seine  Stellung.  Auch  wäi-e  eine  Früherlegung  um 
einige  Tage  der  Landung  der  2.  Armee  und  des  Angriffs  auf  den  Feind 
für  die  ganze  Armee  von  Vorteil.  Man  meldete  also  an  das  Große  Haupt- 
quartier: Die  L  Armee  beabsichtigt  doch  an  dem  von  vornherein  festge- 
setzten Tage  anzugreifen,  und  hiermit  gleichzeitig  ging  die  Meldung  ab  über 
das  geplante  Zusammenwirken  mit  der  Flotte.  Schließlich  wurde  endgültig 
festgesetzt,  daß  die  Armee  am  1.  5.  angreifen  solle. 

Verschiedene  Vorbereitungen  zum  Flußübergang. 

Von  Sonnenuntergang  am  27.  ab  begann  das  2.  Artillerie-Regiment 
(Kommandeur  Oberst  Tada  Yasufusa)  und  das  Regiment  schwere  Artillerie 
(Kommandeur  Oberstleutnant  Sakai  Köshirö)  mit  dem  Einrichten  ihrer 
Stellung  auf  Samalinda ;  heimlich  ward  Munition  von  Mannschaften  in  der 
Stellung  aufgehäuft;  man  arbeitete  die  ganze  Nacht  hindurch,  luid  auch  in 
der  folgenden  Nacht  noch  nahmen  die  Arbeiten  und  der  Munitionstransport 
ihren  Fortgang. 

Am  28.  gab  das  Oberkommando  der  L  Armee  einen  Angriffsplan 
gegen  Tiurentschiu  und  Umgegend  aus.  (Anlage  5*.)  Für  den  Yalu- 
Ubergang  erging  ein  Armeebefehl;  er  lautet  im  Auszug  wie  folgt: 

1.  Die  12.  Division  (ohne  1  Eskadron  weniger  1  Zug  und  ohne  1  Ge- 
birgsbatterie)  geht  am  29.  nachts  bei  Schigupu  über  den  Fluß  und 
gewinnt  bis  zum  Abend  des  30.  die  Linie  Gegend  Kareiroko — 
Höhe  291  südöstlich  von  Lisawen.  Sie  deckt  den  Flußübergang  der 
jMasse  der  Armee.  Bis  1 .  Mai  früh  hat  sie  den  Raum  zu  gewinnen 
von  Sairoshiko  bis  zur  Höhe  westlich  von  Lisawen. 

Sie  hat  ferner  eine  Abteiluna;  am  rechten  Yalu-Ufer  entlano; 
zu  entsenden,  welche  bis  30.  2  Uhr  nachmittags  die  Höhe  192  nord- 
östlich vom  Tigerhügel  in  Besitz  nimmt.  Womöglich  ist  eine  Ab- 
teilung nach  Kyokako  zu  entsenden,  welche  die  linke  Flanke  und 
den  Rücken  des  Feindes  bedroht. 

2.  Die  2.  Division  (ohne  1  Infanterie-Regiment  und  1  Kavallerie-Regi- 
ment, weniger  1  **  Zug)  sammelt  sich  am  30.  bis  10  Uhr  vormittags 
in  der  Niederung  nordwestlich  von  Shasando.  Sie  überschreitet 
den  Fluß  in  derselben  Nacht  von  12  Uhr  ab  auf  der  Kriea;sbrücke 


** 


Siehe  VII.  Beispiel  für  einen  Befehl  (nebst  anliegendem  Angriffsplan)  S.  100. 

Anscheinend  ein  Druckfehler  im  japanischen  Original;  nach  dem  Befehl 
Anlage  5,  wie  er  unter  VII.  wiedergegeben  ist,  muß  es  »I72  Züge«  heißen;  s.  auch 
Abs.  5  dieses  Befehls. 


8* 


1  K)      Trautz:  Japan.  Ooneralstabsweik  üIxt  don  Japan. -Kuss.  Krieg  1904/05. 

an  der  Westseite  von  Kurilo.  ülitTsclireitet  den  Sattel  hinter  dem 
Tigerhügel  und  nimmt  den  Kaum  Westrand  des  Tigerhügels  — 
östlicher  Teil  von  Kaaika.seii  in  Besitz. 

Das  2.  Feldartillerie-Regiment  sammelt  sich  am  30,  liis  10  Ulir 
vormittags  in  der  Niederung  auf  der  Süd  Westseite  von  Namsandong; 
in  der  Nacht  desselben  Tages  nimmt  es  eine  Stellung  ein  auf  der 
Nordseite  von  Sanialinda  und  eröffnet  mit  Tagesanbruch  das  Feuer 
gegen  den  Feind  l)ei  Tiurentschin. 

3.  Die  Gai-de-Division  (ohne  1  Infanterie-Regiment  und  1  Kavallerie- 
Regiment,  weniger  1  Zug)  sannuclt  sich  am  30.  bis  10  Uhr  vor- 
mittags in  der  Niederung  östlich  von  Witschu.  In  derselben  Nacht 
folgt  sie  der  2.  Division  über  die  Kriegsbrücke  und  gewinnt  bis 
Tagesanbruch  am  l.Mai  die  Linie  Talgrund  von  Lisawen — West- 
ecke  des  Tigerhügcls. 

4.  Das  Regiment  schwere  Artillerie  geht  in  der  Nacht  des  30.  bei 
Kinteito  (auf  Samalinda)  in  Stellung  und  eröffnet  mit  Tagesanbruch 
das  Feuer  gegen  den  Feind  auf  den  Höhen  von  Tiurentschin. 

5.  Das  4.  Garde-Infanterie-Regiment  (da  später  auf  Befehl  des  Divi- 
sion.skommandeurs  das  I.  Bataillon  zurückgeschickt  wurde,  nur 
noch  2  Bataillone  stark)  und  das  30.  Infanterie-Regiment  (ohne  die 
Besatzung  von  Yonampo;  später  wurde  auch  von  diesem  Regi- 
ment auf  Befehl  des  Divisionskommandeurs  das  I.  Bataillon  zu- 
rückgeschickt, so  daß  nur  noch  2  Bataillone  da  waren),  ferner  das 
Garde-Kavallerie-Regiment  (ohne  1  Zug)  imd  das  2.  Kavallerie-Re- 
giment (ohne  1  '/.^  Züge)  bilden  die  Armee-Hauptreserve  und  sammeln 
sich  am  l.lMai  bis  4  Uhr  morgens  östlich  der  Krieg.s1)rücke  von 
Kurito.  — 

Außerdem  wurde  besonders  befohlen :  das  II.  Bataillon  des  30.  In- 
fanterie-Regiments übernimmt  die  Siclierimg  der  Artillerie  auf  Samalinda, 
und  die  11.  Kompagnie  besetzt  Yonampo. 

Beurteilung  der  Lage  des  Feindes  beim  Oberkommando  der  1.  Armee  Ende  April. 

Um  diese  Zeit,  d.  h.  den  l)ls  einschließlich  28.  April  erhaltenen 
Nachi'ichten  zufolge  beurteilte  man  beim  Armee-Olierkonunando  die 
Lage  des  Feindes  wie  folgt:  Im  Gelände  zwischen  Tungou  (Tunkou)  '** 


'"  iMypi  .i^P-  T.sfi-ko;  chin.:  T'ung-kou.  —  Die  auf  prcußisclien  Karten 
entsprechenden  Ortsnamen  Tung ou  (1  :l00f)000)  und  Tunkou  (1  :  750000)  sind  127 
bzw.  115  km  oherlialb  Tschangsöng  am  Nordufer  des  Yalu  vermerkt.  Die  japanisclie 
Kaj-te  (1:1000000)  zeigt  113  km  für  die  genannte  Strecke,  die  »etwa  50  Meilen« 
(=:  fast  200  km)  des  Textes  stimmen  damit  nicht;  auf  dieser  japanischen  Karte 
ist  der  Ort  ^^'Jm.^^  Tsü-kö-jö;  chin.:  Tung-kou-ch'eng  und  in  Klammer  p^ 
^/r^X    jap.:  ShQ-an-ken;  chin.:  Chi-an-hsien  genannt;  daß  dies  derselbe  Ort  wie 

Tsü-kö    ist,    ergibt    sich    aus:    Morita,    Manshfi    chishi    (^5^[J|,    Vm  i^l'l'l  iill  p-o) 
3.  Bd.,  Anhang,  S.  1. 


Tkaütz:  Japan.  Geiieralstabsvverk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  190-1/05.      117 

(etwa  50  INIeilen  oberhalb  Tschangsöng  am  Yalii)  und  Sekichüshi  '*^ 
und  bei  Tschosan  befinden  sich  9  Sotnien  Kavallerie,  darunter  Chun- 
gusen  und  einige  mit  unbekannten  Achselklappen,  die  von  Mukden 
oder  Kirui  ■**  kamen;  der  Oberstleutnant  JNIadritow  war  dabei.  In 
dem  Gelände  zwischen  Dahuangou  '*^  und  Soden  1  Infanteriekomjiagnie 
(vvolil  vom  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiment),  8  Eskadrons  und 
8  Geschütze.  In  Kajuko  ''"'  und  Umgegend  3  Inianteriekompagnien 
vom  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiment  und  4  Eskadrons.  —  Bei 
Fönhuantschön  1  Bataillon  Infanterie  imd  5  Eskadrons;  bei  Tansan- 
tschyndsa   1   Bataillon  Infanterie  und  8  Geschütze. 

Bei  Hamatan  (Nord)^*'  3  Bataillone  Infanterie.  Bei  Tiurentschin 
12  Bataillone  Infanterie  (vom  9.,  12.,  22.,  23.  und  24.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiment),  8  Eskadrons,  16  Geschütze,  8  Maschinengewehre 
und  ein  höherer  Stab.  In  Gegend  Daikoto  ^*^  1  Bataillon  vom  22.  Ost- 
.  sibirischen  Schützen-Regiment,  1  Eskadron,  8  kurze  Kanonen.  Von 
Antung  bis  Gegend  Tatungou  "^  3  Bataillone  vom  10.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiment,  10  Eskadrons,  22  Geschütze,  5  kurze  Kanonen. 
Beim  Daguschan  2  Eskadrons.  Alles  zusammen  also :  22  Bataillone 
Infanterie,  47  Eskadrons  (Argunsk-  und  Tschita-Kosaken  je  das  1.  Re- 
giment, Ussuri-Kosaken  eine  starke  Abteilung,  dabei  75  Geschütze.) 
Die  besonders  nah  vor  unserer  Front  in  Gegend  Seldtojo  ^'"^  (südlich 
von  Kyokako)  und  l)ei  Antung  befindlichen  Truppen  dürften  in  der 
Hauptsache  ungefähr  18  Bataillone  Infanterie  und  30  Feldgeschütze 
zählen. 

Am  28.  ließ  das  Oberkommando  der  1.  Ai-mee  mit  Rücksicht  auf  eine 
etwaige  feindliche  Unternehmung  gegen  den  Flußübergang  der  12.  Division 


^*^    'S>Mi^)^    J^P- •    Seki-chu-shi;    chin.:  Shih-chu-tzu.    —   9,5  km   östlich 
von  Dahuangou  s.  145. 

"*     ^^  A'K  jap.  Ki-rin;  chin.:  Chi-lin.  —  Etwa  860 km  nordöstlich  von  Mukden. 

"^     y^  jVl  )^   jap. :  Dai-kwö-kö  ;  chin.:  Ta-huang-kou.  —  29  km  nordöstlich 
von  Tschangsöng. 

""^      rulsry^   J^P-  Kwa-jü-kö;  chin.  Hua-shu-kou.  —   1,7  km  nordwestlich 
von  Schigupu,  nördlich  des  Yalu. 

'*^    iip^^^®^    J^P-"  Gö-mo-tö;  chin.:  Ko-ma-t'ang  oder  Hömötan  ((f^^ 

%     )    iZ.  A^j  "'''^^  ^^^  japanischen  Kursbuch.  —  6  km  westlich  von  Tiurentschin. 

^*^     y^TlL^^    J'^P"  Dai-kwö-tö;  chin.:  Ta-huang-t'ao. —  3km  südwestlich 
von  Tiurentschin,  nördlich  des  Yalu. 

"^    ^  Ä  yft    J^P-  •  Dai-tö-kö ;  chin. :  Ta-tung-kou.  —  Ostchina  1 : 1 000  000 : 
Datunggou.  —  85  km  südwestlich  von  Antung. 

^°"     ^H§^    J''^P''  Seki-tö-jö;  chin. :  Shih-t'ou-ch  eng.  —  2,1km  südöstlich 

von  Kyokako  (zwischen  Tschingou  V^  ]/^,  s.  164,  jap. :  Sei-kö,  und  Wutoulintsze  j^ 

H^j/^-J-*?   jap-:  Go-dö-rin-shi). 


1  IS      Thavtz:  Japan.  Generalstahswcrk  über  den  Japan. -Rnss.  Krieg  1904/05. 

im  Laufe  des  Tages  alle  Unterkunft-sorte  der  Divisionen  recht  nah  zu.sanimen- 
le<Tcn,  verstärkte  die  Besatzungsabteilung  der  2.  Division  in  Yonampo  um 
einen  Halhzug  Kavallerie  und  ließ,  hovor  dic^  Di\ision  ihre  \'ori)osten  ein- 
zog, 1  Abteilung  nacli  Scishüdö'*'  und  Rakugendö '^'•^  entsenilen  und  durch 
sie  die  linke  Armeellankc  sichern;  man  teilte  der  2.  Division  eine  Kobi- 
I'ionier- Kompagnie  (ohne  2  Züge  und  1  Gruppe)  zu.  (Kommandeur  der 
Kompagnie  war  Hauptmann  Minami  Köhei.  Die  Kompagnie  war  am 
10.  April  nach  Vollendung  derTschöngtschönkang(^^)-BrQcke  mit  dem  Brücken- 
schutz beauftragt  gewesen  und  hatte  dann  einem  Befehl  der  Etajjpenkom- 
mandantur  folgend,  einen  Zug  nach  Unsan  entsendet.  Am  22.  hatte  sie 
eine  Gruppe  mit  dem  Brückenschutz  beauftragt,  war  abmarschiert,  am  25. 
in  Keyenguan.  wo  eine  kleine  Abteilung  bei  der  Etappentelegraphenstation 
zurückgelassen  wurde,  und  am  28.  in  Witschu  eingetroffen.) 

Anmerkung:  Generalleutnant  Sassulitsch  ließ  einemBefehl  des  Ober- 
kommandos zufolge  unter  Entsendung  einer  Reihe  von  Generalstabs- 
offizieren alle  Wege  zwischen  Daguschan  und  Fönhuantschön,  die 
Straße  Hamatan  —  Sonkahoshi '^*  —  Tansantschyndsa  und  die  Straße 
Tiiu-entschin  —  Rijükö''*  —  Tansantschyndsa  erkunden  und  erfuhr,  daß 
zwischen  Tansantschyndsa  und  Fönhuantschön  nur  ein  Weg  benutz- 
bar sei.  Damit  die  Trains  die  Straßen  nicht  versperren  könnten, 
ließ  er  die  Divisionstrains  in  Fönhuantschön  und  die  zweiten  Trains 
in  Tansantschyndsa*  zurück.  Er  ließ  also  einfach  alle  Abteihmgen 
mir  die  ersten  Trains**  mitnehmen,  in  jedem  Etappenort  Proviant 
und  Fourage  ansammeln  und  nach  Möglichkeit  in  kleine  Mengen 
verteilen.  Wenn  es  zum  Rückzug  käme,  sollten  alle  Trains  schnell 
nach  Fönhuantschön  gezogen  und  nach  Maßgabe  der  feindlichen  Ver- 
folgung im  Engweg  nordwestlich  von  Tansantschyndsa  und  bei 
Kaolimen  '^^  eine  Verteidigungsstellung  angelegt  werden,  General- 
major Mischtschenko  traf  Vorkehrungen,  um  den  Dayanho  '^"^  und  den 

151  7C  JJJ  >^|^  jap.:  Sei-shü-dö:  kor.:  Chyöng-jyu-dong;  chin. :  Ch'eng-chou- 
tung.  —  7  km  östlich  von  Antiing,  südlich  des  Yalu. 

^"  ^c  TC  /Ip)  J^P"'  Kaku-gen-dö;  kor.:  Nak-uön-dong;  chin.:  Lo-yüan-tung. 
—  10,5  km  südlich  von  Sei-shü-dö  an  der  Straße  nach  Yonampo  (s.  97). 

'^^  ■^^^i^'?'  J^P"'  Son-ka-hö-shi;  chin.:  Sun-chia-pu-tzu.  —  17  km 
nordwestlich  von  Antung. 

'^*  ^^Is'tyM'  J*P'  Ki-jü-kö;  chin.:  Li-shu-kou.  —  Nach  der  japanischen 
Karte  1:50000  13,5,  nach  der  1  :  200000  16,  km  nordwestlich  von  Tiurentschin. 

15&  ^  jJ;|J  f  ^  jap.:  Kü-rei-mon;  chin.;  Kao-H-men.  }^^  ^  il)  KT  ^  /\. 
nach  dem  japanischen  Kursbuch.  —  12  km  südlich  von  Fönhuantschön;  berühmte 
alte  Einfallpforte  in  das  Mandschurische  Bergland.  —  Kaolimen  ist  die  Schreibweise 
bei  Gertsch  a.  a.  O. 

*"  "/C  7^  ^nl  .i^P-  Dai-yö-ka;  chin.:  Ta-yang-ho.  —  Der  Fluß  mündet 
am  Daguschan. 

*    Li  diesem  Ort  befand  sich  die  7.  Etappe.  —  Anni.  d.  Übers, 

**    Kleine  Bagage.  —  Anm,  d.  Übers. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      119 

Nidnka'*'  überschreiten  zu  können.  Zu  passender  Zeit  ließ  er  eine 
Abteilung  an  die  Übergangsstelle  voraussenden  und  die  sämtlichen 
Trains  auf  dem  linken  Nidöka-Ufer  nach  Shigaden  ^'"'^  schicken. 


Lage  auf  dem  rechten  Flügel  der  russischen  Ostabteilung. 

Auf  dem  rechten  Flügel  beschossen  am  2.i.  April  8  Uhr  vor- 
mittags 4  Schifte  des  japanischen  Geschwaders  Niantschan  ''".  Ein 
bei  Amisan  ^'''^  in  Stellung  gehender  Zug  der  Transbaikalischcn  Kosaken- 
Batterie  beschoß  etwa  4  Uhr  vormittags  in  der  Yalu-ISIündung  2  Japani- 
sche Kanonenboote  und  2  Torpedoboote,  traf  sie  aber  nicht.  Als 
das  japanische  Geschwader  mit  6  sechszölligen  (16,62  cm)  Kanonen 
das  Feuer  erwiderte,  räumten  die  Russen  ohne  Verluste  die  Stellung. 
Generalmajor  Mischtschenko  sah  am  Abend  desselben  Tages  japanische 
Dampfschiffe,  die  kleinere  Schiffe  hinter  sich  herzogen,  von  Yonampo 
nach  Keimökö  '^'  zu  fahren.  Er  befahl,  ihre  Landung  zu  verhindern, 
und  ließ  die  1.,  3.  und  6.  Sotnie  der  Tschita- Kosaken,  sowie  eine 
Batterie  bei  Amisan  Stellung  nehmen.  Am  27.  erhielt  er  INIeldung, 
daß  sich  bei  der  Insel  Haiandao  '^^  35  japanische  Kriegschiffe  be- 
fänden; er  ließ  daher  die  Dayanho-Mündung  sperren. 

Lage  bei  der  Mitte  der  russischen  Ostabteilung. 
Generalmajor  Trussow  hielt  einen  Höhenstreifen  bei  Magu '^^ 
besetzt.  Am  2.5.  verdichteten  sich  die  Gerüchte  von  einem  feindlichen 
Übergang  über  den  Yalu  immer  mehr:  Man  hörte,  daß  Samalinda 
schon  in  Feindeshand  gefallen  und  200  Boote  dort  zusammengebracht 
worden  seien,  ferner,  daß  der  Feind  über  den  östlichen  Seitenarm 
des  Yalu  Brücken  baue,  und  daß  auch  ungefähr  16  km  oberhalb  von 
Witschu  eine  Brücke  begonnen  werde.  An  Generalmajor  Kaschta- 
linski  kam  Meldung,  daß  2000  Mann  feindlicher  Infanterie,  2  Eska- 
drons   und    1  Battei'ie   von  Osekito    aus    den  Fluß  überschritten    und 


1»^     ■  jM  if RJ    >'^P"'  Ni-do-ka;  chin.:  Erh-tao-ho.  —  Linker  Nebenfluß  des 

Dayanho,  mündet,   aus  Richtung  Fönhuantschön  kommend,  etwa  35  km  nördlich  der 
Dayanho-Mündung. 

^**     Pu  ^f ^®1    •'^P'   Shi-ga-den;  chin.:  Shih-ya-tien.  —  37km  südwestlich 
von  Fönhuantschön  an  der  Straße  nach  Daguschan. 

'^^    Jfß  ^  ^^    J^P--  Rö-rö-jö;  chin.:  Niang-niang-ch'eng.  —  IH  km  südwest- 
lich von  Antung  am  westlichen  Yalu-Ufer. 

160     ^^^^Mj    jap  :  An-min-zan;  chin.:  An-min-shan.  —  Berg  und  Ort  mit 


gleichem  Namen,  5  km  südwestlich  von  Niantschan,  s.  159.     (S.  auch  216.) 
^"    •ttr^lSi^    J^P"  Kei-mö-kö;  chin.:  Kua-wang-kou,  s.  176. 
162     y^,^^^    jap  .  Kai-yö-tö;  chin.:  Hai-yang-tao.  —  Etwa  100km  süd- 
südwestlich vom  Daguschan.  —  Ostchina  1  :  lOOOOOi:  'Hai  yang  dau. 

^^^    i^  y^     J^P  •  Ba-kö;  chin.:  Ma-kou.   —  4  km  nördlich  von  Tiurentschin. 


120     Tbautz:  Japan.  Generalstabsweik  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

nach  Lisawen  vormarschiert  seien.  Als  Generalmajor  Trussow  sich 
an  Generalmajor  Kaschtalinski  mit  der  Bitte  um  Hilfe  wandte,  befahl 
Generalleutnant  Sassulitsch  dem  Generalmajor  Trussow,  besondere, 
wirksame  Sieben mgsmaßnahmcn  zu  treflen,  das  linke  Eiho-Ufer  zu  er- 
kunden und  den  Übergang  feindlieber  Truppen  zu  verhindern;  nur  wenn 
starke  feindliche  Kräfte  erschienen,  solle  er  sich  schrittweise  nach 
Rijuko  zurückziehen.  Am  26.  nachts  entsjindte  man  das  in  Tiurentschin 
befindliche  22.  Ostsibirische  .Schützen-Regiment  und  die  3.  Batterie 
der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  unter  deren  Bricade- 
kommandeur  Oberst  Meister  nach  Tschingou  '^*.  (Die  7.  Batterie  blieb 
auf  einer  Anhöhe  westlich  von  Weitszekou  '®*).  Diese  Abteilung 
hatte  den  Auftrag,  den  Weg  zur  Rückzugsstraße  zu  sichern.  Ferner 
wtirde  das  II.  Bataillon  des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  und 
die  8.  Kompagnie  des  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  welche 
zur  Reserve  gehörten,  nach  Gegend  Tutschensa  '*"'  südwestlich  von 
Tiurentschin  geschickt  mit  dem  Auftrag,  den  Zwischenraum  zwischen 
den  Stellungen  von  Antung  und  Tiurentschin  zu  verteidigen.  Das 
12.  Ostsibirische  Schützen -Regiment  sollte  sein  neu  eingetroffenes 
III.  Bataillon  mit  der  2.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen- 
Artillerie-Brigade  zusammen  in  der  Stellung  von  Tiurentschin  belassen. 
Oberst  Meister  traf  am  27.  6  Uhr  vormittags  in  Tschingou  ein  und 
besetzte  die  Stelhmg.  Er  sandte  Patrouillen  auf  dem  linken  Eiho- 
Ufer  aus  und  stellte  Postierungen  in  Kyokako  und  Rijuko  auf. 
Generalmajor  Trussow  jedoch  hielt  die  Furt  in  Gegend  Weitszekou 
für  gefährlich  und  befahl  dem  Oberst  Meister,  von  Tschingou  aus 
auf  die  Höhen  westlich  Weitszekou  ein  Bataillon  Infanterie  und 
2  Geschütze  zu  schicken.  Eine  Patrouille  der  7.  Kompagnie  des 
22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  welches  in  Weitszekou  stand, 
traf  am  26.  nachts  in  Lisawen  auf  40  Mann  feindliche  Infanterie  und 
4  Reiter;  der  Hauptmann  2.  Klasse  Jantschis  schlich  sich  in  derselben 
Nacht  am  Yalu-Ufer  entlang  bis  in  die  Gegend  von  Osekito  und 
bemerkte  bei  Genkado  und  Kurito  große  feindliche  Biwakfeuer  und 
hörte  von  Kurito  her  den  Lärm  der  Brückenarbeiten.  Oberst  Kalzew, 
der  nach  Gegend  Yimdien  zu  gegangen  war,  meldete,  daß  starke 
feindliche  Kräfte  den  Yalu  überschritten,  und  die  Kosaken  sich  nach 
Norden  zurückzögen;  auch  besagte  eine  Meldung  des  Obersten  Let- 
schitzki  im  wesentlichen,  daß  sich  der  Feind  mit  5000  Mann  der 
Gegend  Yimdien  nähere. 


***  j^  yM  jap-:  Sei-ko;  chin.:  Ch'ing-kou,  s.  150.  —  Auf  der  japanischen 
Karte  über  1  km  weiter  südlich  angegeben  als  auf  der  preußischen  Karte;  nach 
ersterer  5  km  nordwestlich  von  Magu,  s.  163. 

*"  Ä.^'yxii  jap-  I-shi-kö;  chin. :  Wei-tzu-kou.  —  4  km  nordwestlich  von 
Maga,  s.  163. 

""  zt^"?*  j''l''  To-ju-shi;  chin.:  T'u-ch'cng-tzu.  —  4km  südwestlich 
von  Tiurentschin. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      121 

Lage  auf  dem  linken  Flügel  der  russischen  Ostabteilung. 

Der  Oberst  Tnichin,  welcher  von  Giilutzi  '^^  bis  in  Gegend 
Dahuangou  erkunden  ließ,  erhielt  am  24.  Meldung,  die  japanische 
Armee  habe  in  .Gegend  Tschandohokou '®^  den  Yalu  überschritten; 
er  befahl  dem  Kommandeur  des  Ussuri-Kosaken-Regiments,  mit 
der  3.,  4.  und  der  5.  Sotnie  und  der  5.  Sotnie  des  1.  Argunsk-Kosaken- 
Regiments  nach  Hsienlungou ''''  zu  rücken  tmd  die  Lage  aufzuklären; 
er  erfuhr,  daß  die  1.  imd  2.  Sotnie  Argunsk-Kosaken,  vom  Feinde  ge- 
drängt, sich  zurückgezogen  habe.  Am  26.  verließ  Oberst  Truchiu 
Hsienlungou  und  kehrte  in  die  bisherige  Stellung  zurück,  Tschan- 
dienna  '^"  und  Soden.  Dann  zog  er  mit  der  halben  2.,  der  3.  und 
6.  Sotnie  Argunsk-Kosaken  und  2  Gebirgsgeschützen  nach  Yundien. 

Oberst  Letschitzki  entsandte  an  tliesem  Tage  in  die  Gegend 
zwischen  Ambiho'" '-Mündung  und  Gulutzi  das  berittene  Jagdkommando 
des  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  vmd  ließ  es  Verbindung 
halten  mit  Tiurentschin.  Damals  erst  legte  man  eine  Telephon- 
verbindung auf  dem  linken  Yalu-Ufer  zwischen  Oberst  Letschitzki 
und  Oberst  Truchin,  aber  sie  war  unbenutzbar.  Auch  eine  Relais- 
Linie  zwischen  Ambiho-Mündung  und  Gulutzi  konnte  nicht  in  Gang 
gesetzt  werden. 

Am  27.  nahm  Generalleutnant  Sassulitsch  auf  Befehl  des  Armee- 
Oberkommandos  schnell  die  Verbindung  mit  Obei'st  Truchin  wieder  auf 
und  ließ  auf  beiden  Flügeln  zum  Schutze  für  die  Kavallerie  kleine 
Infanterie-Abteilungen  aufstellen.  Auch  beim  allenfallsigen  Rückzuge 
dürfe  er  die  Fülüung  mit  dem  Feinde  nicht  verlieren,  insbesondere 
sei  die  Ambiho-Mündung  aufs  sicherste  besetzt  zu  halten;  ferner,  da 
die  Kavallerie  in  der  INIitte  der  Ostabteilung  nicht  ausreiche,  solle  er 
von  den  Kosaken-Regimentern  Tschita,  Argunsk  undUssurije  1  Sotnie 
nehmen  und  hieraus  eine  Divisionskavallerie- Abteilung  formieren;  er 
erhielt  als  Verstärkung  das  23.  Ostsibirische  Schützen-Regiment,  je  die 
4.  Batterie  der  3.  und  6.  Artillerie-Brigade  und  das  2.  Kosaken-Regiment. 
Generalleutnant  Sassulitsch  schickte  am   27.   vor  Tagesanbruch  dem 


^"  'ärtt'?  J^P-=  Ko-rö-shi;  cbin.:  Ko-lou-tzu.  —  O^tchina  1  :  1000000: 
Kuladsi.  —  20  km  oberhalb  von  Witschu  am  nördlichen  Yalu-Ufer. 

'^*  -^^^fp\  PJ  jap-:  Chü-den-ka-kö;  chin.:  Ch'ang-tien-ho-kou  (=  Mün- 
dung des  Tschandienho).  —  Ostchina  1  :  1000000:  Tschantehokou.  Etwa  48  km 
nordöstlich  von  Antung,  am  rechten  Yalu-Ufer. 

169  ^  ^  yg  jap:  Kö-ro-kö;  chin.:  Hsiang-Iu-kou  (>|(p  =  -jg).  —  28,5  km 
nordnordöstlich  von  Witschu. 

"'^  '^^^^^^ni.  jap-:  Chö-den-jö;  chin.:  Ch ang-tien-ch'eng.  —  9km,  nach 
preußischen  Karten  16  km,  südwestlich  von  Yundien.  —  Übersichtsskizze  1  :  750  000: 
Tschandenna. 

i''!  ^C  1^ /RJ  J*P"  Ani-pei-ka;  chin.:  Am-ping-ho.  —  Mündet  bei  Schigupu 
,von  Norden  her  in  den  Yalu. 


1*22      Thaui7.  :  Japan.  Generalstabswcrk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

Obersten  Letschitzki  Befehl,  wenn  der  Feind  Lisawen  erobere,  solle 
das  I.  Bataillon  des  "24.  Ostsibirischeu  Schützen-Regiments  sich  nach 
Hunsilas  '"-  zurik-kzielien,  nütij;enfalls  weiter  zurik-kgelien  und  sich 
mit  der  Masse  der  Kosaken-Brigade  vereinigen.  Oberst  Letschitzki  ließ 
in  dieser  Nacht  ungefähr  3  Kompagnien  Infanterie  und  4  Geschütze 
in  Hunsilas  eine  Stellung  nehmen:  ferner  beließ  er  zur  Sicherung  der 
Strecke  zwischen  Am])iho-Mündung  und  Gulutzi  1  Zug  der  1.  Kom- 
pagnie des  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  und  15  berittene 
Jäger  an  einer  Stelle  2000  Meter  untorlialb  der  Ambiho-^NIündung, 
ferner  die  2.  Kompagnie  dieses  Regiments  an  der  Ambilio-Mündung 
und  die  10.  Kompagnie  des  10.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  und 
2  Gebirgsgcschütze  in  Gulutzi.  Der  Batteriechef  der  Ostsibirischen 
Gebirgsbatterie.  Oberstleutnant  Gussjew,  sollte  diese  Truppen  kom- 
mandieren. Die  1.  und  2,  Eskadron  des  Ussuri-Kosaken-Regiments 
wurde  jedoch  mit  der  Beobachtung  des  Zw'ischenraums  zwischen 
Ambiho-Mündung  und  Tschandohokou  beauftragt.  Oberst  Truchin 
(welcher  die  halbe  2.,  die  3.  und  6.  Sotnie  des  Argunsk-Kosaken-Regi- 
ments  sowie  2  Gebirgsgcschütze  unter  sich  hatte)  kam  an  diesem 
Tage  in  Yundien  an.  Dort  beobachtete  die  1.  Sotnie  Argunsk-Kosaken 
den  Weg,  welcher  nach  Siaopusiho  '"^  führt.  Die  3.,  4.  und  5.  Sotnie 
des  Ussuri-Kosaken-Regiments  und  die  5.  Sotnie  des  Argunsk-Kosaken- 
Regimcnts  legte  er  in  den  Raum  Soden — Tschandohokou — Tschan- 
dienna.  (Man  sagt,  Generalleutnant  Sassulitsch  habe  bis  zum  30.  von 
diesen  Maßnahmen  des  Obersten  Truchin  nichts  gewußt.) 


Aufstellung  der  (nissischen)  Ostabteilung  am  28.  April. 

Am  28.  Api'll  war  die  Aufstellung  der  Ostabteilung  im  all- 
gemeinen folgende:  Oberst  Schwerin  kommandierte  das  II.  Bataillon 
des  9.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  2  Bataillone  und  3  Kom- 
pagnien des  10.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  2  Kompagnien 
des  24.  Ostsibirischen  Schützen -Regiments,  die  berittenen  Jagd- 
kommandos des  9.,  10.  und  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  die 
1.  und  2.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen  Schützen- Artillerie-Brigade 
und  1  Maschinengewehr-Abteilung  (8  Gewehre)  t»ei  Antung.  (Dabei 
sind  eingerechnet  2  KomiDagien  des  24.  Regiments  und  die  I.Batterie, 
welche  unter  Oberstleutnant  Yuppe  bei  Yenwo  ''*  eine  Stellung 
besetzt  hatten.)    Das  II.  Bataillon  des  11.  Ostsibirischen  Schützen- 


1"  ^vI>5'Pi"?'  J*P--  Kö-seki-ryü-shi ;  chin.:  Hung-shih-la-tzu.  —  Am 
Ambiho-Üstufor.  7,4  km  nordwestlich  von  Ort  Ambiho. 

"^  /J"*^"!!!  ^  fpj  i^P-'  Shö-ho-seki-ka;  chin.:  Hsiao-p'u-shih-ho.  —  22,  nach 
preußischen  Karten  15,  km  nordöstlich  von  Tschangsöng  auf  dem  nördlichen  Yalu-Ufer. 

>7*  ^pb  ^^  jap.:  En-\va;  chin.:  Yen-vvo.  —  5,7  km  südwestlich  von  Tiu- 
rentschin. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswcrk  über  den  Japan. -Rnss.  Krieg  1004/05.      123 

Regiments  und  die  8.  Kompagnie  des  24.  Ostsibirischen  Schützen- 
Regiments  standen  in  Tntschensa.  Die  Abteihing  Tiurentschin 
(7  Bataillone  und  1  Kompagnie,  2  Jagdkommandos,  16  Feldgeschütze, 
unter  Generalmajor  Kaschtalinski,  der  am  28.  den  General  Trussow 
ablöste)  stand  "mit  3  Bataillonen  vom  12.  Ostsibirischen  Schützen- 
Regiment,  der  2.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen- Artillerie- 
Brigade  unter  Oberst  Zibulski  bei  Tiurentschin,  mit  dem  22.  Ost- 
sibirischen  Schützen-Regiment  (ohne  1  Bataillon)  und  der  3.  Batterie 
der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  (ohne  2  Geschütze) 
unter  Führung  von  Oberst  Meister  und  vom  29.  ab  von  Oberst 
Gromow  bei  Magu  und  Pototynsa.  Ferner  standen  bei  Tschingou: 
das  I.  Bataillon  des  22.  Ostsibirischen  Schützen -Regiments  und 
2  Geschiitze  der  3.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie- 
Brigade  unter  Führung  von  Oberst  Gromow  und  vom  29.  ab  von 
Hauptmann  Misclitschenko.  Als  Hauptreserve  stand  bei  Hamatan 
(^Nlitte):  das  9.  Ostsibirische  Schützen-Regiment  (ohne  1  Bataillon); 
desgleichen  das  11.  (ohne  das  II.  Bataillon),  die  3.  Batterie  der  3.  Ost- 
sibirischen Schützen-Artillerie-Brigade,  die  2.  Kompagnie  des  2.  Ost- 
sibirischen Pionier-Bataillons.  Auf  dem  rechten  Flügel  befand  sich 
unter  Generalmajor  Mischtschenko  die  Kavallerie-Abteilung,  2  Ba- 
taillone und  3  Kompagnien  des  21.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments 
(1  Kompagnie  v^ar  mit  dem  Etappenschutze  zvi^ischen  Dagushan 
xmd  Haitschön  beauftragt);  I.Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen- 
Artillerie -Brigade,  1.  Batterie  der  transbaikalischen  Kosaken- Ar- 
tillerie, 1  Regiment Tschita-Kosaken,  öSotnien  desl.Werchneudinsk- 
Kosaken-Regiments  (2 '/.^Kompagnien  dieses  Regiments  beobachteten 
die  Küste  zw^ischen  Pitszewo  ''°  und  Dagushan). 

Die  Kavallerie- Abteilung  stand  vv^ie  bisher  von  östlich  Pitszewo 
bis  zur  Keimöka^'^-Mündung,  die  in  der  Yalu-Mündung  liegt.  Auf 
dem  linken  Flügel  der  russischen  Ostabteilung  standen  die  Ab- 
teilungen der  Obersten  Letschitzki  undKarzew;  erstere  (1  Kompagnie 
des  10.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  I.  Bataillon  des  24.  Ost- 
sibirischen Schützen -Regiments  nebst  Jagdkommando,  2  Sotnien 
Ussuri-Kosaken  und  6  Geschütze  der  1.  Gebirgsbatterie)  beobachtete 
die  Gegend  Ambiho-Mündung — Gulutzi;  letzterer  war  am  28.  an 
Stelle  von  Oberst  Truchin  getreten  und  kommandierte  das  1.  Ko- 
saken-Regiment (ohne  die  halbe  2.  Sotnie,  welche  bei  Fönhuan- 
tschön  Relaisdienst  tat)  und  3  Sotnien  Ussuri-Kosaken  mit  2  Ge- 
schützen der  1.  Gebirgs-Batterie.  Er  war  oberhalb  der  Abteilung 
Letschitzki  mit  der  Beobachtung  des  Oberlaufs  des  Yalu  und 
Sicherung  der  Straße  Kuandiansan — Saimatzi  beauftragt. 


"^    ^iSiJ^i    J^P"    Hi-shi-wa:    chin. :  P'i-tzu-wo.    —    118  km    südwestlich 
vom  Daguschan. 

^Bflv; 


|jp^|raj/pj     jap.:  Kei-mo-ka;  chin  :  Kua-wang-ho,  s.  161. 


121      Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

Ferner  standen  in  Fönhnantschön  2  Kompagnien  des  24.  Ost- 
sibirischen Scliützen-Rcgiment.s;  die  T.Kompagnie  genannten  Re- 
giments und  das  1.  Bataillon  des  124.  Infanterie-Regiments  schützten 
den  westlichen  Fynsiaolin-Paß  auf  dem  Wege  Liaoyan — Fönhuan- 
tschön.  In  Daimarei '^'  stand  das  I.Bataillon  des  139.  Infanterie- 
Regiments;  2  Komi)agnien  des  24.  Ostsihiri.schen  Schützen-Re- 
giments zwischen  Dagushan  und  liaitschön;  1  Bataillon  und  1  Kom- 
pagnie Infanterie  waren  in  Liaoyan  als  Etappenschutz. 

An  diesem  Tage  (28.)  erkundete  der  Haujjtmann  2.  Klasse  Sue- 
tschin  mit  einem  Jagdkommando  des  12.  Ostsihirischen  Schützen-Regi- 
ments und  stieß  auf  einer  Höhe  nordöstlich  vom  Tigerhügel  plötzlich  auf 
den  Feind  in  vStärke  von  etwa  einer  Kompagnie.  Es  gal)  3  Verwundete. 
Dann  zog  der  Feind  sich  auf  das  reclite  Eilio-Ufer  zurück.  Am 
Tage  vorher  war  auf  Befehl  des  Generalmajors  Trussow  das  II.  Ba- 
taillon des  22.  Ostsihirischen  Schützen-Regiments  mit  2  Geschützen 
von  Tschingou  nach  Pototynsa  marschiert  und  hatte  den  Feind  auf 
dem  linken  Eiho-Ufer  beschossen. 

Entsendung  der  Verstärkungen  zur  russischen  Ostabteilung. 
Generalleutnant  Sassulitsch  erhielt  an  diesem  Tage  eine  Mitteilung 
vom  Chef  des  Generalstabs,  es  sei  erwünscht,  die  Ostabteilung  zu  verstärken 
und  die  weithin  zerstreuten  Abteilungen  der  6.  Ostsibirischen  Schützen- 
Brigade  und  besonders  des  24.  Regiments  zu  sammeln.  Wie  man  erfuhr, 
wiu'den  am  29.  und  30.  folgende  Truppen  nacli  Fönhuantschön  hergesandt: 
2  Bataillone  des  23.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  4  Sotnien  des 
2.  Tschita-Kosaken-Regiments  und  eine  Halbbatterie  der  4.  Batterie  der  6.  Ost- 
sibirischen Schützen-Artillerie-Brigade  und  am  1.  Mai:  1  Bataillon  des 
23.  Ostsibirischen  Schützen -Regiments  auf  der  Straße  über  Amping*^'*- 
Saimatsy  (es  sollte  der  in  Gegend  Kuandiansan  befindlichen  Kavallerie- 
Brigade  Karzew  als  Rückhalt  dienen);  ferner  nach  Kuandiansan  die  4.  Kom- 
pagnie der  3.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  sowie  die  andere 
Halbbatterie  der  4.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade. 

n.  Lage  vor  dem  Gefecht. 

Zusammenziehen  der  Divisionen  in  engere  Ctuartiere. 
Die  12.  Division,  in  Kenntnis  der  Absichten  des  Armee-Oberkomman" 
dos,  erreichte  am  28.,  unbemerkt  vom  Feinde,  die  Gegend  Likado(*^^).    Das 
12.  Pionier-Bataillon   marschierte   nach  Shosuikodo ''°  und    traf  alle  Vorbe- 


*"  ~7C  M^  fiM  J^P"  Dai-ma-rei;  chin. :  Ta-mi-lin.  —  15  km  südsüdwestlich 
Lansanguan,  3,5  km  westlich  von  Dalindsiapudsi  (Ostchina  1  :  1000000). 

"*  ^C  i"  J^P'  ■  ^'""P^'  5  '^'^'i"-  •  An-p'ing.  —  Auf  den  japanischen  Karten  meist 
Dai-an-pei   -y^  W-  ^p-    genannt,  24  km  südöstlich  von  Liaoyan. 

''"  .  yj>  71^  l—J  yff^j  J^P--  Sho-sui-kö-dö;  chin.:  Hsiao-shui-kou-tung;  kor.: 
Syo-siu-ku-dong.  —  2  km  östlich  von  Schigupu. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      125 

i'eitungen  für  einen  Flußübergang.  (Fahrer  Oberstleutnant  Ninomia  Esotsuki; 
die  2.  Kompagnie  hatte  sich  am  24.  April,  der  Bataillons-Stab  und  die 
3.  Kom])agnie  am  25.  und  später  in  Likado  und  Shosuikodo  sowie  bei 
Schigupu  aufgehalten,  Brückengerät  sammeln  und  sichten  und  Fähren 
bauen  lassen.  Die  der  12.  Division  angehörende  Telegraphenabteilung  war 
bei  der  Division,  der  Brückentrain  derselben  Division  imterstand  dem  Fühi-er 
der  Pionier-Al)teilung.)  Die  Abteilung  Sasaki  marschierte  am  27.  6  Uhr 
vormittags  von  Tschangsöng  ab  und  kam  über  Geiheirci  '^"  und  Fukuheido  '^' 
durch  enge  Bergpfade,  die  nach  Rishodo  ^^^  führen,  am  29.  8  Uhr  30  morgens 
in  Likado (i-*-^)  an  und  zur  Divisen  zurück.  Am  selben  Tage  verließen  die 
Garde-Division  ihre  zwischen  Witschu  und  Hibokudo  '^^  die  2.  Division  ihre 
zwischen  Shosuido  ^^*  und  Ryuzando  ^^^  gelegenen  Unterkuuftsorte.  Die  Be- 
satzungsabteilung von  Yonampo  ließ  einen  Zug  daselbst  und  mai-schierte  mit 
der  Masse  nach  RakugendoO^-),  das  2.  Kavallerie-Regiment  nach  Enkado  ^^^ 
(Der  Führer  der  Besatzungsabteilung  war  Hauptmann  Mamoku  Benji, 
Truppen:  1 1.  Kompagnie  des  30.  Infanterie-Regiments  und  2  Abmärsche  der 
I.  Eskadron.) 

Anordnungen  für  den  FluBübergang  der  Masse  der  Armee. 

Weil  nicht  selten  feindliche  Artilleriegeschosse  in  die  Nähe  unserer 
Kriegsbrücke  auf  der  Nordseite  von  Genkado  fielen,  hatte  das  Oberkommando 
der  1.  Armee,  um  am  30.  den  Brückenbau  an  der  Übergangsstelle  für  die 
Masse  unserer  Armee  zu  schützen,  am  29.  dem  vorigen  Befehl  hinzu- 
gefügt: 1  Bataillon  Infanterie  der  Garde-Division  geht  von  6  Uhr  abends 
ab  in  Linie  Tigerberg — Höhe  nordöstlich  davon  vor;  am  30.  in  der  Morgen- 
dämmerung geht  das  Garde-Artillerie-Regiment  in  Gegend  Genkado  und 
Satschodong,  das  2.  Artillerie-Regiment  und  das  Regiment  schwere  Artillerie 
auf  Samalinda  in  Stellung;  die  Vorbereitungen  zur  Feuereröünung  sind  zu 
treffen. 


'^'*  3IJI  j^p-^W  jap-  Gei-hei-rei;  kor.:  Yöng-phyöng-nyöng. —  180  und  182 
sind  auf  den  mir  zugänglichen  japanischen  und  deutschen  Karten  nirgends  ver- 
zeichnet. 

^*'  S  i?l^ '/f^  J^P--  Fuku-hei-do;  kor.:  Pu-phyöng-gol.  —  17 km  südwestlich 
von  Tschangsöng. 

182  ^U  ^{^ '/fjf^    J^P"  Ri-shö-dö;  kor.:  I-syong-dong  (Päi-sol-gol). 

183  1'Jq^  ^a;^  )[f^  j^P"  Hi-boku-dö;  kor.:  Pi-niok-dong.  —  5  km  östlich  von 
Witschu. 

^^*  y\^yK  }\^  J^P-  Shö-sui-dö;  kor.:  Syo-sui-dong.  —  7,5  km  südöstlich  von 
Witschu. 

'^°  HM  L-U  *^I^  J^P- •  Ryü-zan-dö;  kor.:  Yong-san-dong.  —  9km  südsüdwest- 
üch  von  Witschu. 

^^'5  ij^~Ky'(^  jap.:  En-ka-dö;  kor. :  Yön-ha-dong.  —  8km  südsüdwestlich 
von  Witschu. 


\2G      Trautz:  Japan.  Gencralstabswerk  über  den  Japan  -Russ.  Krieg  1904/05. 

(Die  BrQckenstelle,  wo  die  Masse  der  Armee  übergehen  sollte,  war 
häufig  gewechselt  worden,  Je  nach  Rücksicht  auf  den  Zustand  des  Flusses, 
auf  die  Menge  des  Gei-äls  oder  auf  Deckung  gegen  feindliche  Sicht  usw. 
Im  Anfang  wollte  man  zwischen  Kurito  und  Osekito  zwei,  nördlich  Witschu 
eine  Brücke  hauen,  aber  wegen  Unzulänglichkeit  des  Geräts  kam  das 
nicht  zur  Ausführung.  Dann  heahsichtigte  man  das  2.  Artillerie-Regiment 
von  Samalinda  nach  Tschunkiantai  (]\Iatuzeo)  oder  Jodo  "*'  zu  ziehen  und 
hei  diesen  beiden  Orten  Brücken  zu  "hauen  (Jodo  war  damals  gerade  durch 
einen  Arm  des  Yalu  in  zwei  Teile  geschnitten).  Diese  Absicht  hat  man 
aber  wieder  aufgeben  müssen,  da  zu  besorgen  war,  daß  die  Brücken,  wofür 
das  Gerät  nicht  ausreichte  und  die  unmittelbar  unter  den  feindlichen 
Kanonen  lagen,  zerstört  werden  würden.  Die  Stelle  zwischen  Kurito  und 
Osekito,  wo  die  Strömung  gerade  von  Norden  nach  Süden  Hießt  und  die 
untere  Flußbreite  240  m  beträgt,  wurde  mit  vorschriftsmäßigem  Brücken- 
gerät überbrückt.  Der  Strom  unterhalb,  der  etwa  300  m  breit  ist,  sollte 
mit  einer  Behelfsschiffbrücke  überbrückt  werden.  Weil  aber  das  feind- 
liche Feuer  über  1000  m  weit  hinter  diese  Brückenstellen  reichte,  diese 
Ubergangspunkte  also  stets  gefährdet  waren,  legte  man  am  29.  die  Brücken- 
stellen wieder  weiter  oberhalb,  etwa  dahin,  wo  sich  der  Strom  teilt.  Dort 
wurden  Flußbreite,  Strömung  usw.  gemessen,  und  man  berechnete  eine  für 
vorschriftsmäßiges  Gerät  geeignete  Brückenstelle  von  430  m  Länge.  Weil  die 
Stelle  aber  von  den  Höhen  nördlich  von  Tim-entschin  unbedingt  einzusehen 
war,  hat  man  die  vorschriftsmäßige  Brücke  schließlich  doch  an  der  früheren 
Unterlaufstelle  gebaut,  obwohl  immerhin  auch  diese  Stelle  der  feindlichen 
Sicht  nicht  ganz  entzogen  war;  das  war  eben  unmöglich.  Nur  die  Behelfs- 
schiffbrücke war  ganz  dem  Auge  des  Feindes  entzogen  und  an  eine  Stelle 
oberhalb  der  Strömungsgabelung  gelegt.) 

Die  schließlich  12  Uhr  30  nachmittags  getroffenen  weiteren  Anord- 
nungen für  die  Ausführung  der  Pionierarbeiten  an  der  Übergangsstelle  der 
Masse  der  Armee  und  für  den  Übergang  selbst  sind  folgende: 

1.  Pionier-Dienst  (Arbeitseinteilung): 
2.   Pionier-Bataillon:  Bau   der    1.  Kriegsbrücke.     Die  Brucken- 
stelle   liegt  an   der  Stelle,   wo   sich   der  Hauptstrom  und  die  Seiten- 
ströuunig.  die  von  nordwestlich  Kurito  nach  dem  ^üdfuße  des  Tiger- 
hügels hinfließt,  treffen;   Hali)pontonbrücke  aus  Behelfsgerät. 

Verbesserung  der  Straße,  welche  von  der  genannten  Brücke  am 
Berg  entlang  und  am  Tigerhügel  vorbei  nach  Eihodsian  '*"  fuhrt. 
Garde-Pionier-Bataillon:  Erbauung  der  2.  Kriegsbrücke.  Die 
Brückenstelle  liegt  nördlich  der  Verlängerungslinie  zwischen  Kurito 
und  dem  Tigerhügel  und  unterhalb  von  der  1.  Kriegsbrücke;  Ganz- 
pontonbrücke aus  vorschriftsmäßigem  Gerät. 


'"     _L '/I^    J^P- =  Jo-do;   kor.:    Syang-dong.  —  Gehöfte   im   nördlichen  Teil 
der  Insel  Kiasintsa,  s.  140. 

'**     Jl'^iffjj^^    jap-:  Jö-ai-ka-sen ;  chin.:  Shang-ai-ho-chien,  s.  107. 


Tfautz:  Japan.  Generalstabswork  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      1*27 

Anlage   eines   Verbindungsweges   von   dieser   Kriegsbrücke   bis 
zum  Tigerhügel  und  von  da  bis  südöstlich  von  Eihodsian. 

2.  Ubergangsordnung: 
Es  gehen  über  von  8  Uhr  abends  ab:  die  Garde-Division  ein- 
schließlich Armee-Hauptreserve  und  Artillerie-Regiment  auf  Kriegs- 
brücke 1,  die  2.  Division  (ohne  Armee-Hauptreserve,  Artillerie-Schutz- 
abteihnig,  Besatzung  von  Yonanipo)  auf  Krieg.sbrücke  2;  das  Garde- 
Artillerie-liegiment  nacli  der  2.  Division  auf  Kriegsbrücke  2.  Die 
Armee-Hauptreserve  (ohne  Artillerie-Schutzabteilung)  erhält  den  Zeit- 
punkt für  ihren  Übergang  besonders  angewiesen. 

Flußübergang  und  Vorrücken  der  13.  Division. 

Am  30.  erließ  der  Kommandeur  der  12.  Division  um  11  Uhr  morgens 
in  der  Absicht  den  Yalu  zu  übersclireiten  die  folgenden  auf  den  Übergang 
bezüglichen  Anordnungen;  er  erfuhr  gleichzeitig,  daß  der  Feind  etwa 
250  Mann  bei  Gulutzi,  etwa  50  INIann  bei  Ambiho,  etwa  30  Mann  bei 
Kwajuko (!■*"),  etwa  20  INIann  bei  Bogiusho^^''  habe: 

1.  Das  12.  Pionier-Bataillon  bewerkstelligt  unter  besonderen  Schutz- 
maßregeln den  Übergang  der  Brückenschutzabteilung  und  öffnet 
rechtzeitig  die  Brücke. 

2.  Das  12.  Artillerie-Regiment  in  einer  Stelltuig  bei  Endaikoku  ^''°  und 
Schigupu    unterstützt    den   Übergang   der  Brückenschutzabteilung. 

3.  Die  Kolonne  Kigoshi  (Führer  Generalmajor  Kigoshi  Yasutsuna, 
Truppen :  23.  Infanterie-Brigade,  1  Batterie,  eine  halbe  Sanitäts- 
kompagnie) versieht  mit  dem  24.  Infanterie-Regiment  den  Brücken- 
schutz; sie  geht  von  12  Uhr  mittags  ab  von  der  bei  Endaikoku 
gelegenen  Übergangsstelle  aus  über,  wirft  den  bei  Gulutzi  und 
Ambiho  befindlichen  Gegner  zurück  und  sichert  die  Brückenstelle. 
Die  sämtlichen  übrigen  Abteilungen  marschieren  nach  Vollendung 
der  Kriegsbrücken  auf  das  rechte  Yalu-Ufer  hinül)er  und  gewinnen 
in  dieser  Nacht  die  Linie  Höhe  bei  NanhuankouC'-')  —  Höhe  nord- 
östlich von  Bogyusho. 

Am  30.  wird  eine  Abteilung  zum  Brückenschutz  da  belassen, 
das  übrige  gewinnt  bis  zum  Abend  Raum  von  den  Anhöhen  südlich 
Kareiroko<3i')  ab  bis  in  Gegend  Höhe  291  und  nimmt  die  Höhe  192 
nordöstlich  vom  Tigerhügel  in  Besitz. 

4.  Die  Kolonne  Sasaki  (Führer  Generalmajor  Sasaki  Nao,  Truppen: 
47.InfEinterie-Regiment,  12.  Kavallerie-Regiment  ohne  4  Züge,  1  Batte- 
rie, eine  halbe  Sanitätskompagnie)  folgt  der  Kolonne  Kigoshi  über 


^^®     fej^'^M^PH    jap.:    Bo-gyu-sho;    chin. :   Mang-nyu-shao.    —    5,7  km    süd- 
westlich von  Ambiho,  auf  dem  nördlichen  Yalu-Ufer. 

'®°     ij^Q-^:^    jap.:  En-dai-koku;  kor.:  Yön-tai-kol,  —  1  km  nördlich  von 
Schigupu  auf  dem  südlichen  Yalu-Ufer. 


128     TBAfTz:  Japan.  Oeneralstabswerk  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1904/05. 

die  Kriegsbrucke.    Noch  in  dieser  Nacht  geht  sie  bis  Yozaiiko '"' 
vor  und  gewinnt  bis  zum  30.  abends  Gegend  Laupientschiankou  "*. 

5.    Die  Masse  der  Division  (Divisionsstab,  1  Zug  Kavallerie,  das  12.  Ar- 
tillerie-Regiment  olme   3  Batterien,    das    14.   Infanterie -Regiment) 
überschreitet  in  dieser  Reihenfolge  liinter  der  Kolonne  8a.saki  die 
Kriegsbrücke. 
In  der  Morgendämmerung  des  29.  ging  die  II.  Abteilung  des   12.  Ar- 
tillerie-Regiments (Regimentskonniiandeur  Oberstleutnant  Fujimuro  Matsujirö, 
Abteilungskommandeur  Major  Taniaki  Tetsujirö)  wieder  am  Abhang  der  Höhe 
südlich  von  Schigu})u,  die  3.  Batterie  auf  dei-  Höhe  nordwestlich  von  Shosui- 
kodo (*'••)  in  Stellung.   Das  24.  Infanterie-Regiment,  einige  Beobachtungsposten 
in  der  Vorpostenlinie  belassend,  sammelte  sich  mit  der  Masse  in  Shosuikodo. 
l'm   11  Uhr  vormittags   sah    unsere  Artillerie  ungefähr  40  feindliche  Reiter 
mit  2  Geschützen  vom  Ambiho-Tal  herkommen.    Sobald  man  das  Feuer  er- 
üflQiete,  zogen  sie  sich,  ohne  es  zu  erwidern,  in  das  Tal  zurück.    Die  12.  Kom- 
pagnie des  46.  Infanterie-Regiments  ging  von  Schigupu  vor  und  schwärmte  auf 
dem  sandigen  Ufer  westlich  davon  aus.    Sie  nahm  den  Feind  auf  der  Sand- 
bank vor  ihrer  Front  bei  Amhiho   und  Kwajuko  vuiter  Feuer  und  verjagte 
ihn.    An  diesem  Tage  schien  der  Feind  zwischen  Gululzi  und  Bogyusho (•**■') 
mit  seiner  Masse  (200  Mann  Infanteiüe,  600  Reiter  und  2  Geschütze)  in  die 
beiden  Täler  des  Puyiho  '°^  und  Ambiho  hinauf  und  mit  einer  kleinen  Ab- 
teilung Ober  Kwajuko  046)  nach  Westen  sich  zurückzuziehen. 

3Iittags  war  die  Vorbereitung  der  Ubergangshiifsmittel  bei  Endaikoku 
fertig.  Das  24.  Infanterie-Regiment  (Kommandeur  Oberst  Harada  Terutarö) 
ging  von  Shosuikodo '^'^),  seinem  Sammelplatze,  aus  vor  und  begann  unter 
dem  Mitwirken  der  2.  Pionierkompagnie  auf  10  Stahlbooten  überzugehen. 
Nachmittags  6  Uhr  war  dies  beendet.  Vorher  hatte  der  auf  der  Sandbank 
vor  vmserer  Front  befindliche  Feind,  der  auf  uns  geschossen  hatte,  sich 
bereits  zurückgezogen.  Das  ganz  vorne  befindliche  111.  Bataillon  des 
24.  Infanterie-Regiments  (Kommandeur  Major  Hii-ata  Tokimaru)  war  1  Uhr  30 
nachmittags  mit  übersetzen  fertig.  (Jede  Kompagnie  schwärmte  nach  dem 
Übergang  eine  Zeitlang  gegen  die  Sandbank  aus  und  übernahm  eine  nach 
der  anderen  den  Schutz  des  Übergangs.)  Die  10.  Kompagnie  eroberte  Ambiho. 
Der  Rest  des  Bataillons  marschierte  gegen  Gulutzi  vor  und  nahm  2  Uhr  30 


'^'  5%lJjyw  .i^P-  Yö-zan-kö;  chin.:  Yao-slian-kou.  —  Ist  auf  keiner  der 
mir  zugänglichen  japanisclien  Karten  aufzufinden;  aber  3  km  nördlicli  von  Ambiho, 
auf  dem  östlichen  Ambiho-Ufer  (Karte  im  Text  12)  ist  fSlJj  J/m  j'^^P-  Kaii-zan- 
kö,  chin.:  Hsien-shau-kou  angegeben.  Der  Lage  nach  könnte  es  der  in  dem  Befehl 
gemeinte  Ort  sein;  Hfc  (S.  234,  viertletzte  Zeile  unten  des  japanischen  Originals) 
müßte  dann  ein  Druckfehler  sein. 

'°^  y^^r^^^t^  i^P"  Kö-hen-shö-kö ;  chin.:  Lao-pien-cinang-kou  (^§ 
vulgär  für  Jjwj)-   —  Etwa  9  km  nördlich  vom  Tigerhügel. 

'"*"  YBJ  ^5  l^f^T  J^P-*  Ho-seki-ka;  chin.:  P'u-shih-ho.  —  Nächster  nördlicher 
Zufluß  zum  Yalu,  oberhalb  des  Ambiho. 


Trautz:  Japan.  Generalstahswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      129 

nachmittags  dieses  Dorf.  Dann  blieb  die  9.  Kompagnie  daselbst  zurück; 
das  Bataillon  ging  in  derselben  Nacht  noch  bis  Korei  '"^  vor  ins  Biwak. 
Das  I.  Bataillon  (Führer  Major  Osiiima  Shin),  welches  dem  111.  Bataillon 
folgend  übergesetzt  war,  ging  gegen  Gnlutzi  vor,  und  da  sich  dies  als  ül)er- 
tlüssig  erwies,  rückte  es  nach  Korei  vor.  Das  II.  Bataillon  (Führer  Major 
Okamni-a  Kats'saburö)  erreichte  nnmittell)ai'  nach  dem  Übergang  Nanhiian- 
koii ("'••)   und  übernahm  gleichfalls  mit  Fi-ont  nach  Westen  die  Sicherung. 

Bemerkung:  Oberstleutnant  CJussjew  sicherte  in  Gegend  der 
Aml)iho-]Mündung,  er  führte  die  10.  K()m[)agnie  des  10.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiments,  1  Zug  der  1.  Kompagnie,  die  2.  Kompagnie  und 
15  Mann  des  berittenen  Jagdkommandos  des  24.  Ostsibirischen  Schützen- 
Regiments,  1.  und  ^.Sotnie  der  IJssuri-Kosaken  und  2  Gebirgsgeschütze; 
er  wußte,  daß  am  29.  etwa  10  Uhr  vormittags  1600  Mann  japanischer 
Infanterie  von  Schigupu,  gedeckt  durch  das  Feuer  von  12  Geschützen, 
den  Fluß  überschritten  hatten.  Er  verteilte  daher  die  2.  Kompagnie 
des  24,  Ostsibirischen  Scliützen-Regiments  auf  dem  rechten  Ambiho- 
Ufer,  die  10.  Kompagnie  des  10.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments 
desgleichen  auf  dem  linken  Ufer  und  wies  jeder  eine  vorher  aus- 
gesuchte Stellung  an.  Trotz  ihres  Verteidigungsfeuers  daselbst  wurde 
aber  das  feindliche  Feuer  immer  heftiger,  und  die  Infanterie  hatte, 
allmählich  auf  beiden  Flügeln  umgangen,  4  tote  und  verwundete  Unter- 
offiziere und  Mannschaften.  Der  Oberstleutnant  selbst  wurde  verwundet 
und  gab  den  Abteilungen  etwa  10  Uhr  45  vormittags  den  Befehl  zum 
Rückzug.  Die  Kosaken  blieben  in  Fühlung  mit  dem  Feinde  und  in 
Verbindung  mit  Oberst  Karzew.  Oberst  Letschitzki,  in  der  Absicht, 
ihm  Hilfe  zu  bringen,  rückte  mit  der  von  ihm  geführten  3.  Kom- 
pagnie des  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  von  Hunsilas  (i^-)  ab 
und  traf  unterwegs  den  zurückgehenden  Oberstleutnant  Gussjew.  Er 
schloß  sich  seinem  Rückzug  au  und  blieb  mit  5  Infanteriekompagnien 
und  6  Gebirgsgeschützen  in  Hunsilas.  Nur  die  1.  und  2.  Sotnie  der 
Ussuri-Kosaken  stieß  nicht  zu  dem  von  Oberst  Karzew  geführten 
Detachement,  sondern  zog  sich  durch  das  Puyiho-Tal  nach  Koroko- 
rei  '^'  zurück. 

Generalleutnant  Sassulitsch  erhielt  davon  Meldung.  (Die  Ver- 
bindung von  Hunsilas  nach  Tiurentschin  wurde  dann  vollkommen 
unterbrochen.)  Er  glaubte,  es  handle  sich  nur  um  eine  kleine  Demon- 
stration der  Japaner,  wollte  dem  Obersten  Letschitzki  Verstärkungen 
schicken  und  den  Feind  wieder  aufs  rechte  Yalu-Ufer  zurückwerfen. 
Er  sandte  den  Obersten  Gromow  mit  1  Bataillon  des  22.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiments  nach  Hunsilas  und  dann  das  Jagdkommaudo  des- 
selben Regiments  (welches  einmal  aufgelöst,  aber  wieder  neu  gebildet 


"*    ^Öl^S    J^P-'  Ko-rei;  chin.:  Ku-lin.  —  2,2  kin  nordwestlich  von  Ort  Am- 
biho,  am  westlichen  Puyiho-Ufer. 
vife  ^^ 


1^»    ^CiMgyg^gS    jaP"  Ko-ro-ko-rei ;    chin.:   Hsiang-lu-kou-lin.   —    12  km 
nördlich  von  Hunsilas,  s.  169. 


Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient  Sprachen.  1915.  I.Abt. 


1  3(*     Trai'tz  :  Japan.  Ocneralstabswcrk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

wunlcii   war)   in   Gogeiul  Ainhiliu-iMüiulmiLi.      Ohcr.st  Groniüw    erhielt 
den  Befehl,  noch  an  diesem  Abend  nach   Lisawen  vorzugehen. 

In/wischen  hatte  Generalmajor  Kigoshi,  mit  Rücksicht  anf  die 
Breite  des  Flusses  und  auf  die  langsame  Fertigstellung  der  Kriegsbrücke, 
als  das  Übersetzen  der  Brückenschutzabteihmg  des  24.  Infanterie-Regiments 
fertig  war.  dem  01)ersten  Hirai  !Masaei  vom  46.  Infanterie-Regiment  Befehl 
geschickt,  er  solle  anfangen,  behelfsmäßig  mit  seinen  2  Bataillonen  über- 
zugehen. 

Um  diese  Zeit  waren  schon  4  Stahlboote  nach  der  Brückenstelle  ge- 
scliickt,  und  10  Uhr  40  abends  stellten  auch  die  übrigen  Stahlboote  das  be- 
helfsmäßige Übersetzen  ein ;  sie  wurden  zur  Brückenstelle  weggeschickt  und 
man  benutzte  dafür  chinesische  Käline,  die  etwa  100  INIann  faßten,  vom 
seiienüberliei-enden  Ufer.  Bis  11  Uhr  50  abends  war  erst  das  1.  Infanterie- 
bataillon  (3.  und  4.  Kompagnie  ohne  1  Gruppe)  übergesetzt  mid  der  Rest 
des  Regiments  au  der  Brückenstelle  versammelt.  Das  I,  Bataillon  (Kom- 
mandeur ^lajor  Hanyü  Shinsuke)  marschierte  in  Gegend  Kvvajuko  vor  mid 
kam  aid"  Vorposten.  Die  Brücke,  ungefähr  1000  m  nordöstlich  von  Schi- 
gupu,  war  inzwischen  2  Uhr  nachmittags  begoinien  und  erst  am  30.  3  Uhr 
vormittags  beendet  worden. 

(Das  12.  Pionier-Bataillon  ohne  2.  Kompagnie  hatte  diesen  Auftrag 
und  baute  die  Brücke  mit  einer  Kolonne  vorschriftsmäßigen  Geräts  und 
Belielfsgerät;  aber  die  Brücke  war  eine  »Brücke  kleinster  Breite«;  ihre 
Länge  betrug  230  m;  die  Stromgeschwindigkeit  2  m  in  der  Sekunde,  die 
größte  Tiefe  8,50  m.  Als  der  Brückenbau  etwa  9  Uhr  abends  150  m  weit 
gekommen  war,  konnten  nicht  einmal  3  vorschriftsmäßige  Anker  auch  nur 
einen  Halbponton  festhalten,  daher  dauerte  es  sehr  lange,  bis  man  einen 
mit  Steinen  beschwerten  Anker  usw.  angebracht  hatte,  und  obwohl  man 
]Mitternacht  etwa  als  Zeitpunkt  für  die  Fertigstellung  angenommen  hatte, 
so  wurde  es  doch  3  Uhr  früh  am  30.  April,  bis  die  Brücke  fertig  war. 
Weil  man  aber  fürchten  mußte,  die  Anker  könnten  bei  der  Bewegung  der 
schwimmenden  Brücken  unterläge  weggerissen  werden,  ließ  man  die  Un- 
berittenen in  Reihenkolonne  zu  einem  und  die  Pferde  mit  5  m  Abstand  über 
die  Brücke  gehen.) 

Als  nun  auf  der  Sandbank  bei  Schigupu  die  sämtlichen  Abteilungen 
versammelt  waren  und  über  die  Brücke  rückten,  da  witrde  es  wahrhaftig 
schon  später  als  11  Uhr  vormittags  des  1.  Mai,  bis  das  Übergehen  zu 
Ende  war. 

Anordnungen  der  Garde-Division  zum  Brückenschlag. 

Der  Kommandeur  der  Garde-Division,  Generalleutnant  Baron  Ilasega vva 

Yoshimichi*,  gab  am  20.  Aj)ril  für  den  30.  nachstehende  Anordnungen  aus: 

1.  Die  Deckungsabteilung  für  die  Pionierarbeiten  (Führer  Major  Uta 

Hirosaburö;  Truppen:  I,  Bataillon  des  4.  Infanterie-Regiments)  geht 


*  'Siehe  Jahrg.  XVII  der  »Mitteilungen«,  Abt.  I,  Anni.  S.  80. 


Teautz:  Japan.  Generalstabswcrk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      löl 

am  30.  vor  Tagesanbruch  in  Gegend  Tigerhügel  vor  und  hat  den 
Bau  der  Brücke  und  der  Schanzen  dort  zu  decken. 

2.  Die  Brückeubauabteihnig  (Führer  Oberstleutnant  und  Kommandeur 
des  Garde-Pionier-BataiUons  Okada  Kamakichi;  Truppen:  Garde- 
Pionier-Batainqu  ohne  1  Gruppe,  besonders  zugeteilt:  Garde-Kobi- 
Pionier-Kompagnie  und  Garde -Divisiuns- Brücken -Train)  hat  am 
30.  von  mittags  12  Uhr  ab  den  Hauptstrom  des  Yalu  nordwestlich 
von  Kurito  und  den  Nebenarm  südöstlich  des  Tigerhügels  mit  je 
einer  Kriegsbrücke  zu  überbrücken. 

3.  Die  Wegebesserungsabteilimg  (Führer  Major  Ishizawa  Seimatsu; 
Truppen:  I.  Bataillon  des  2.  Infanterie -Regiments)  hat  den  Weg 
Osekito — Kurito  für  die  Artillerie  auszubessern. 

4.  Die  Schanzabteihmg  (Fülirer  Artilleriemajor  Taketomi  IMakitarö; 
Truppen :  je  1  Abteilimg  vom  Artillerie-Regiment  und  Pionier-Ba- 
taillon) hat  nach  Sonnenuntergang  beim  Tigerhügel  Schanzen  auf- 
zuwerfen und  den  Vormarschweg  für  die  Artillerie  anzulegen. 

5.  Das  Artillerie-Regiment  gelit  mit  je  1  Abteilung  vor  Tagesanbruch 
in  Stelhmg,  erstens  auf  einer  Anhöhe  westlich  von  Genkado  imd 
nördlich  Witschu  bei  Chimbokuro  ^^^  sowie  zweitens  auf  der  An- 
höhe südlich  von  Satschudong  und  der  Höhe  südöstlich  davon. 

6.  Das  Gros  (1.  Garde-Infanterie-Brigade  ohne  1  Bataillon  des  2.  Re- 
giments, Stab  der  2.  Brigade  und  3.  Regiment,  1  Zug  Kavallerie, 
Sanitätskomj)agnie)  sammelt  sich  am  30.  5  Uhr  vormittags  mit  dem 
2.  Regiment  östlich  von  HibokudoO^-^>,  mit  dem  Rest  südöstlich 
von  Genkado. 

7.  Das  4.  Garde-Infanterie-Regiment  (ohne  1  Bataillon)  und  das  Garde- 
Kavalierie-Regiment  (ohne  1  Zug)  sammelt  sich  am  30.  südwestlich 
von  YongmimdongC^-'^)  und  bildet  die  Armee-Hauptreserve,  welche 
bis  1.  iSIai  4  Uhr  morgens  Kurito  erreicht. 

Anordnungen  der  2.  Division  zum  Flußübergang. 

Der    Kommandeur    der    2.    Division,     Generalleutnant    Baron    Nishi 
Kanjirö  gab  ebenfalls  für  den  30.  Anordnungen   aus  wie  folgt: 

1 .  Das  30.  Infanterie-Regiment  (ohne  1 1 .  Kompagnie),  das' 2.  Kavallerie- 
Regiment  (ohne  1 Y2  2ug)  treten  zur  Armee-Hauptreserve ;  das 
I.  Bataillon  des  30.  Infanterie-Regiments  tritt  morgen  früh  vor 
Tagesanbruch  zu  seinem  Regiment  zurück. 

2.  Alle  übrigen  Abteilungen  (außer  Artillerie  imd  Pionieren)  sowie  die 
Sanitätskompagnie  (ohne  1  Zug  Krankenträger)  sammelt  sich  bis 
10  Uhr  vormittags  in  der  Niederung  nordwestlich  von  Shasandö  (i*^"*). 
(Die  3.  Infanterie-Brigade  ließ  die  Werkzeuge  eines  Regiments  an 


jap.:  Chim-bokii-ro;  kor.:  Chin-peuk-lu.  —  Auf  den  mir  zu- 
gänglichen japanischen  und  deutschen  Karten  nirgends  verzeichnet. 

9* 


\'.V2      TiiAt'Tz:  Japan.  Gencralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

ein  Bataillon  geben  und  l)is  Mittag  des  folgenden  Tages  den  Weg 
von  der  Yalii-Gaheliing  westlich  Kurito  auf  dem  rechten  Ufer  des 
westwärts  lließendcn  Nebeiiai-ms  hessern.) 

3.  Das  Artillerie-Regiment  (1  /iig  Krankenträger  wird  iliin  beige- 
geben) geht  morgen  vor  Tagesanbruch  aufSamalinda  in  Stellung. 

4.  Das  Pionier-Bataillon  fängt  am  30.  mittags  12  Uhr  mit  dem  Bau  der 
Yalu-Brücke  an. 

5.  Die  Abteilung  des  Hauptmanns  Mamoku:  11.  Kompagnie  des 
30.  Infanterie-Regiments  und  ^/^  Zug  der  1.  Eskadron  des  Kavallerie- 
Regiments  (anfangs  war  es  nur  1  Gruppe  gewesen)  steht  bei 
Rakugendo ''■''-)  und  entsendet  von  dort  eine  Abtcihmg  nach 
Seishudot'^i),  um  in  der  linken  Flanke  der  Armee  zu  beobachten. 

Kleiner  Zusammenstoß  am  Tigerhügel. 

Inzwischen  hatte  bei  der  Masse  der  Armee  am  28.  der  Kommandeur 
der  Garde-Division  zum  Schutz  einer  Erkundung  am  Tigerhügel  die  3.  Kom- 
pagnie des  4.  Garde-Infanterie-Regiments  entsandt.  Die  Kompagnie  war  auf 
erbeuteten  Booten  übergesetzt  und  hatte  am  Nachmittage  des  Tages  den  Tiger- 
hügel genommen.  Ein  Zug  war  weiter  vormarschiert  und  hatte  etwa  30  feind- 
liche Infanteristen,  die  sich  bei  Lisawen  befanden,  zurückgeworfen;  er  hatte 
den  Auftrag,  dort  zu  beobachten.  Aber  am  folgenden  Tage,  dem  29.,  etwa 
5  Uhr  nachmittags  (der  Divisionsbefehl  für  den  30.  war  bereits  ausgegeben) 
gingen  ungefähr  100  feindliche  Reiter  von  YoguO-^)  her  gegen  den  Tiger- 
hügel  vor  und  eröffneten  von  der  Westseite  des  Tigerhügels  und  vom 
linken  Ufer  des  Eiho-Nebenarms  aus  das  Feuer.  Die  Kompagnie  antwortete; 
nach  einer  Weile  kamen  200  feindliche  berittene  Jäger  mit  3  Geschützen 
von  der  Ostseite  von  PototynsaO--)  her  nach  Lisawen  vormarschiert,  und 
wir  erhielten  von  der  feindlichen  Artillerie  auf  der  Anhöhe  südöstlich 
Pototynsa  lebhaftes  Feuer,  daher  zog  sich  unsere  Kompagnie  nach  der 
P\irt  bei  der  Stromgabelung  nordwestlich  Kurito  zurück  (die  zwecks  Er- 
kundung mit  vorgegangenen  Artillerie-Offiziere  gingen  wieder  mit  zurück). 
Zur  selben  Zeit  fing  eine  Gruppe  der  3.  Pionier-Kompagnie  mittels  zweier 
beim  Erkunden  des  Flusses  verwendeter  Stahlboote  und  4  vorbereiteter 
Fährboote  an  —  Infanterie  und  Pioniere  mit  vereinten  Kräften  —  über- 
zusetzen. Dagegen  eröffnete  der  Feind  auf  Anhöhe  192  (westlich  der 
Übergangsstelle) '  das  Feuer;  die  Pioniere  wurden  jedoch  von  unseren 
Vorposten  auf  Kurito  und  unserer  Artillerie  nördlich  Witschu  aufgenommen, 
und  um  G  Uhr  konnten  sie  sich  nach  Kurito  zurückziehen.  (In  diesem 
Gefecht  blieben  auf  unserer  Seite  4  Tote  und  7  Verwundete,  einer  wurde 
gefangen.) 

Bemerkung:  Generalleutnant  Sassiilitsch  gab  dem  Oberstleutnant 
Linda,  dem  Stabschef  dei-  3.  Ostsibirischen  Schützen-Division,  den 
Befehl,  am  29.  nu't  dem  II.  Bataillon  des  22.  Ostsibirischeu  Schützen- 
Regiments  und  den  berittenen  Jagdkommandos  des  10.  und  12.  Ost- 
sibirischen Schützen-Regiments  (Je  zu  100  Mann)  und  2  Geschützen 


Traittz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Kuss.  Iviieg  1904/05.      133 

unter  dem  Schutze  des  Artilleriefeuers  von  Pototynsa  gegen  die  am 
Tigerliiigcl  übergesetzten  japanischen  Truppen  eine  gewaltsame  Er- 
kundiuig  vorzunehniQu. 

1  Uhr  nachmittags  überschritten  die  Jagdkommandos  des  10.  und 
12.  Oslsibirischen  Schützen-Regiments  bei  Yogu  den  Eiho.  Zuerst 
deckten  sie  sich  am  Abhang  des  Tigerhügels,  und  4  Geschütze  bei 
Magu  eröffneten  ihr  Feuer  gegen  den  Tigerhügel  und  die  Anhöhe 
nordöstlich  davon.  Soliald  das  11.  Bataillon  des  22,  Ostsibirischen 
Schützen-Regiments  einen  Vorstoß  von  der  Eiho-Furt  gegen  die  Höhe 
nordöstlich  des  Tigerhügels  machte,  antworteten  die  Japaner,  welche 
die  Höhe  nordöstlich  des  Tigerhügels  besetzt  hatten,  sofort.  2  rus- 
sische Geschütze  gingen  aber  trotzdem  nach  Lisawen  vor  und  in  der 
Niederung  westlich  dieses  Dorfes  in  Stellung;  da  zogen  sich  die  Ja- 
paner zurück.  Die  Jagdkommandos  gingen  vor  und  nahmen  den 
Tiserhüuel  in  Besitz.  Das  II.  Bataillon  des  22.  Ostsibirischen  Scliützen- 
Regiments  nahm  5  Uhr  20  nachmittags  die  Höhe  nordöstlich  des 
Tigerhügels,  und  die  Japaner  zogen  nach  Norden  und  Osten  ab.  Die 
ja])anische  Artillerie  bei  AVitschu  deckte  diesen  Rückzug.  (In  diesem 
Kampfe  blieben  auf  russischer  Seite  2  Tote  tmd  13  Verwundete.) 
Später  erfuhr  die  Abteilung  Linda,  daß  am  Abend  auf  Osekito  und 
Ivurito  starke  japanische  Abteilungen  sich  befanden,  und  erhielt 
Meldung,  daß  ein  Teil  davon  an  der  Mündung  des  Ambiho  über- 
ging; sie  traf  daher  Maßnahmen  zur  Sicherung  des  Tigerhügels.  (Oberst- 
leutnant Linda  gab  an  diesem  Abend  das  Kommando  seiner  Abteilung 
ab,  kehrte  zvmi  Divisionsstab  zurück  und  meldete  die  Ereignisse.) 

Als  der  Tigerhügel  somit  wieder  in  Besitz  des  Feindes  war,  ließ  sich 
der  Plan  des  Armee-Oberkommandos,  ihn  am  Abend  desselben  Tages  (29.) 
mit  einem  Bataillon  Infanterie  zu  besetzen  und  so  die  Brückenarbeiten  zu 
decken,  nicht  verwirklichen.  Schließlich  wurde  auch  die  Heranschaffung 
des  auf  der  Westseite  von  Kurito  anzusammelnden  Brückenbaugeräts  aus- 
gesetzt. Am  30.  erst  haben  die  jajianischen  Brückenbau-  und  anderen 
Arbeitsabteilungen;  nachdem  sie  zunächst  den  Feind  vom  Tigerhügel  zurück- 
geworfen hatten,  anfangen  können;  der  Feind  jedoch  steckte  nach  4  Uhr 
nachmittags  die  Dörfer  Tschunkiantai  (INIatuzeo),  Eihodsian  und  Kaaikasen^^'^') 
in  Brand.  Da  es  den  Anschein  hatte,  w'ie  wenn  dort  kein  einziger  Soldat 
sei  und  es  unnötig  war,  Artillerie  in  Gegend  Satschodong  zu  verwenden,  befahl 
das  Armee-Oberkommando  für  nächsten  Morgen  (30.):  das  Garde -Artillerie- 
Regiment  soll  von  Genkado  und  Kurito  aus  den  Tigerhügel,  das  2.  Ar- 
tillerie-Regiment und  das  Regiment  schwere  Artillerie  von  Samalinda  aus 
Tiurentschin  imter  F'euer  nehmen.  Bisher  hatte  zwar  das  Armee -Ober- 
kommando beabsichtigt,  am  1.  Mai  mit  Tagesanbruch  auf  einen  Schlag  das 
Artilleriefeuer  zu  eröffnen,  aber  die  eben  geschilderte  Lage  und  das  Be- 
streben, den  Übergang  der  12.  Division  und  ihren  Vormarsch  indirekt  zu 
decken,  fülirte  schließlich  zunächst  zu  einem  Artilleriekampf.  Wenn  es  dann 
auch  gelungen  sei,  mit  Teilen  der  übergegangenen  12.  Division  am  folgenden 


I,'i4      Traitz:  Japan.  Generalstabsvverk  über  den  Japan. -Hiiss.  Krieg  1904/05. 

Tage  Verbindung  zu  gewinnen,  wolltr  man  den  t'hergang  erzwingen;  der 
Abmarsch  der  Pioniei-arbeiten-Scliutzabtcilung  wurde  aueii  noeli  eine  Weile 
ausgesetzt. 

Bewegungen  der  Abteilung  Maya. 

Die  jNIaya-Abteihnig  (wozu  noch  2  armierte  Dampier  gestoßen  waren), 
erkundete  am  20.  April,  ohne  sich  dem  feindlichen  Feuer  auszusetzen,  den 
Flußlauf  des  Yahi  imd  das  mandschui-isclie  Ufer.  Am  Naclunittage  befand 
sie  sich  wieder  im  Yonampo.  Sie  beabsichtigte  an  diesem  Tage,  den  Feind 
unterhalb  von  Antimg,  entsprechend  dem  Fortschreiten  unseres  Vormarsches, 
zu  bedrohen.  Die  Maja  ankerte  obeilialh  von  Yunampo.  die  Uji  unterhalb 
von  Niantschan;  die  Torpedoboote  und  armierten  Dampf  boote  fuhren  weiter 
stromauf  und  nahmen  den  Feind  auf  dem  gegenüberliegenden  Ufer  und 
seine  auf  einer  Anhöhe  stehende  Artillerie  unter  Feuer.  (Bemerkung:  Ein 
Zug  der  1.  Batterie  der  Transbaikalischen  Kosaken- Artillerie  erhielt  Feuei- 
von  den  japanischen  Kriegsschiffen  beim  Amisan,  erwiderte  es  aber  nicht.) 

Eroberung  des  rechten  Yalu-Ufers  durch  die  12.  Division. 

Die  an  der  Spitze  der  12.  Division  befindliche  Kolonne  Kigoshi 
(Führer  Generalmajor  Kigoshi;  Truppen:  23.  Infanterie-Brigade,  1  Ab- 
marsch der  I.  Eskadron,  6.  Batterie,  '/a  Sanilätskompagnie)  vollendete  am  30. 
6  Uhr  30  vormittags  ihren  Flußübergang  und  vereinigte  sich  mit  den  be- 
reits auf  dem  rechten  Ufer  befindlichen  Abteilungen.  Die  bisher  mit  der 
Sicherung  der  Gegend  Gulutzi  beauftragte  9.  Kompagnie  des  24.  Infanterie- 
Regiments  befand  sich  bei  Ambiho  mit  dem  Auftrage,  die  Gegend  zu  er- 
kunden und  die  Kriegsbrücken  zu  sichern.  Der  Rest  der  12.  Division 
bildete  2  Kolonnen.  Die  rechte  Kolonne  (Führer  Oberst  Harada;  Truppen: 
24.  Infanterie-Regiment  ohne  9.  Kompagnie,  III.  Bataillon  des  46.  Infanterie- 
Regiments,  1  Abmarsch  der  1.  Eskadron,  1  Zug  der  6.  Batterie)  marschierte 
8  Uhr  20  vom  Westrande  von  Nanhuankou  ab,  über  die  Nordscite  der 
Höhe  215  und  über  Höhe  368  weiter  vor.  Gegen  nur  schwachen  feind- 
lichen Widerstand  gewann  sie  von  1 1  Uhr  30  vormittags  bis  3  Uhr  nach- 
mittags den  Raum  von  den  Anhöhen  südlich  Kai'cikuko*'-'^)  bis  zur  Höhe 
301  nordöstlich  Lisawen.  Die  linke  Kolonne  (Führer  Oljcrst  Hirai;  Trujipen: 
46.  Infanterie-Regiment  ohne  III. Bataillon,  G.Batterie  ohne  1  Zug,  7^ Sanitäts- 
kompagnie) marschierte  am  rechten  Yalu-Ufer  entlang  auf  dem  zum  Tiger- 
hügel führenden  Wege  vor,  gewann  die  Anhöhen  291  und  192  nordöstlich 
vom  Tigerhügel  und  verblieb  daselbst  die  folgende  Nacht. 

Die  Kolonne  Sasaki  (Führer  Generalmajor  Sasaki;  Tru])pen :  47.  In- 
fanterie-Regiment, 12.  Kavallerie-Regiment  ohne  1  Abmarsch  der  I.Eskadron. 
1  Zug  der  2.  Eskadron,  3  Züge  der  3.  Eskadron,  Stab  der  I.  Artillerie-Ab- 
teilung und  3.  Batterie,  '/.^  Sanitätskompagnie)  wai-  8  Uhr  10  morgens  mit 
Übersetzen  fertig.  Sie  marschierte  im  Ambiho-Tale  vor,  w^arf  unterwegs 
ganz  schwache  feindliche  Abteilungen  zurück  und  erreichte  um  3  Uhi-  nach- 
mittags  die    Gegend   Hunsilas.     Die    12.  Kompagnie   des    47.  lufanteric-Re- 


Trautz:  Jajian.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      135 

giments  und  1  Gruppe  der  1.  Eskadron  wurden  nach  TenkyosW^  abgezweigt 
zum  Scluitzc  von  Flanke  und  Rücken.  Die  INlasse  ging  weiter  vor,  erreichte 
5  Uhr  30  die  Nordseite  von  Laupientschiankou  und  bezog  Unterkunft. 

Das  Gros  der  Division  (Divisionsstab,  14.  Infanterie -Regiment,  1  Zug 
der  2.  Eskadron,  12.  Artillerie-Regiment  ohne  1.,  3..  6.  Batterie,  12.  Pionier- 
Bataillon)  marschierte  nach  dem  Übergang  auf  dem  rechten  Yalu-Ufer  ent- 
lang weiter  und  erreichte,  Kwajuko(i'^')  rechts  umgehend,  um  2  Uhr  nacli- 
mittags  die  Gegend  der  Anköhen  nördhch  Höhe  215  (südwestlich  Nan- 
huankou)  und  bezog  um  5  Uhr  in  einem  südwestlich  gelegenen  Talgrunde 
Biwak.  Zu  dieser  Zeit  waren  auf  dem  Höhenzuge  bei  Weitszekou  feindliche 
Truppen  oder  Pionierarbeiten  nicht  zu  bemerken. 

Bemerkung:  Der  an  diesem  Tage  auf  dem  äußersten  linken 
Flügel  der  russischen  Ostabteilung  befindliche  Oberst  Karzew^  erfuhr, 
daß  an  demselben  Tage  japanische  Truppen  den  Ambiho  überschreiten 
wollten;  er  beabsichtigte,  mit  den  3  bei  Tschandohokou(^*^®),  Soden USä)^ 
Tschandicnna  befindlichen  Ussuri-Kosaken-Sotnien  (3.,  4.,  5.)  und  der 
5.  Sotnie  Argunsk-Kosaken  die  rechte  Flanke  und  den  Rücken  zu  decken. 
Er  scluvenkte  daher  durch  das  Puyiho-Tal  nach  Hsienlungouti*^'-')  ab. 
Oberst  Truchin  zog  sich  mit  der  1.,  3.,  4.  und  b.  Sotnie  xArgunsk-Kosaken 
und  der  Hälfte  der  2.  Sotnie  sowie  mit  2  Geschützen  von  Yundien 
nach  Kuandiansan  zurück. 

Der  Aptilleriekampf  bei  der  Masse  der  Armee. 

Alle  Artillerietruppenteile  bei  der  Masse  der  Armee  nahmen  auf  Grund 
des  Armeebefehls  bis  Tagesanbruch  ihre  Stellungen  ein :  das  Garde- Artillerie- 
Regiment  unter  Oberst  Kumamoto  Masaji,  mit  der  IL  Abteilung  unter  INIajor 
Fujitsu  Jimichi  auf  Kurito,  mit  der  I.  Abteilung  unter  Major  Taketomi 
Makitarö  nördlich  Genkado  und  Witschu,  das  2.  Artillerie-Regiment  unter 
Oberst  Tada  Yasufusa  gegenüber  Tschunkiantai  (Matuzeo)  auf  SamaUnda, 
das  Regiment  schwere  Artillerie  unter  Oberstleutnant  Sakai  Köshirö  südlich 
der  Stellung  des  2.  Artillerie-Regiments.  Ungefähr  um  6  Uhr  10  vormittags 
begann  etwa  1  Zug  feindlicher  Artillerie  am  Abhang  des  Tigerhügels  Ver- 
teidigungsanlagen zu  bauen,  weshalb  die  6.  Batterie  der  Garde-Artillerie 
dorthin  das  Feuer  eröffnete,  aber  der  Feind,  der  sich  hinter  der  Höhe  deckte, 
zog  nicht  ab.  Da  er  um  10  Ulu'  wieder  erschien,  erhielt  er  von  der  5.  Bat- 
terie Feuer.  Als  schließlich  auch  die  3.  Batterie  am  Feuer  teilnahm,  ging 
er  sofort  wieder  in  Deckung.  Die  feindliche  Artillerie  bei  Tiurentschin, 
welche  seit  26.  sich  immer  mehr  verstärkt  hatte,  eröftnete  jedoch  an  diesem 
Morgen  das  Feuer  nicht.  INIan  sah,  wie  zahlreiche  russische  Truppen  auf 
der  Kammlinie  jener  Anhöhe  sich  beAvegten,  aber  ihre  Aufmerksamkeit  nur 
nach  dem  Tigerhügel  hin  richteten.  Von  unserer  Artillerie  auf  Samalinda 
schienen  sie  gar  nichts  zu  ahnen.     Unsere  Artillerie,  welche  fürchtete,  daß 


*^^     T^  T^  -^-^  jap. :  Ten-kyo-shi ;  chin. :  T'ien-ch'iao-tzu.  —  5  km  nordwest- 
lich von  Hunsilas,  am  westlichen  Ambiho-Ufer. 


136     Tbautz:  Japan.  Gencralstabswcrk  über  den  Japan. -Kii^s.  Krieg  1904/0.':). 

ihre  Stellung  entdeckt  werden  könnte,  eröffnete  das  Feuer  vorerst  nicht. 
Als  aber  nach  10  Uhr  30  2  feindliche  Geschütze  von  der  Höhe  nordöstlich 
Tiurentschin  eine  Pati'oiiille  unseres  30.  Infanterie -Regiments  beschossen, 
welche  in  4  Booten  bei  Tsclmnkiantai  (jNIatirzeo)  die  Wassertiefe  des  Haupt- 
stronis  feststellte,  und  sie  in  große  Gefahr  brachten,  eröffnete  das  2.  Artillerie- 
Regiment  das  Feuer  mit  der  I.  Abteilung  unter  Major  Yamamoto  Isoki  auf 
die  Artillerie  nördlich  Tiurentschin,  die  11.  Abteilung  unter  Major  Yamauchi 
Seichi  gegen  die  Artillerie  auf  dem  Telegraphenberg  '"^  Dann  eröffnete 
auch  die  schwere  Artillerie  gegen  die  Artillcrieliölio  nordwestlich  von  Tiu- 
rentschin und  gegen  Abteilungen,  Zeltlager  und  Foldställe,  die  auf  der  An- 
höhe westlich  dieser  Gegend  erkennbar  waren,  sowie  gegen  die  Artillerie- 
liöhe  südwestlich  von  Tiurentschin  das  Feuer.  Sofort  antwortete  die  ganze 
feindliche  Artillerie  (auf  dem  Telegraphenl)erg  mit  2  imd  nöi-dlich  Tiuren- 
tschin mit  6  Geschützen).  Ein  heftiger  Artilleriekampf  entbrannte.  Der 
Feind  auf  der  Höhe  nördlich  von  Tiurentschin  hörte  jedoch  alsbald  auf  zu 
feuern  und  zog  sich  zurück.  Als  er  nach  einiger  Zeit  wieder  auftauchte 
und  das  Feuer  erwiderte,  richtete  aucli  ein  Teil  unserer  schweren  Artillerie 
heftiges  Feuer  gegen  diesen  Feind.  Es  wurde  10  Uhr  50.  Da  verlor  endlich 
die  feindliche  Artillerie  bei  Tiurentschin  ihre  Feuerkraft  und  schwieg  um 
1 1  Uhr  6  vormittags  gänzlich.  Auch  unsere  Artillerie  stellte  dann  das 
Feuer  ein. 

In  diesem  Artilleriekampf  trafen  die  feindlichen  Geschosse  nur  das 
2.  Artillerie  -  Regiment.  Das  Regiment  schwere  Artillerie  wurde  gar  nicht 
beschossen,  also  wird  man  wohl  seine  Stellung,  da  sie  hinter  einem  kleinen 
Gehölz  lag,  gar  niclit  bemerkt  haben. 

Inzwischen  hatte  die  II.  Abteilung  des  Garde-Feldartillerie-Regiments 
10  Uhr  50  vormittags  liinter  dem  nordöstlichen  A])liang  des  Tigerhügels  haltende 
feindliche  Infanterie  bemerkt  und  richtete  darauf  ihr  Feuer.  Der  Feind  ging 
zurück.  Um  11  Uhr  6  zeigte  sich  feindliche  Artillerie  auf  der  Anhöhe 
östlich  von  Magu,  und  als  sie  gegen  die  untere  Brückenstelle  das  Feuer 
eröffnete,  richtete  die  3.  Garde-Batterie  ihr  Feuer  gegen  sie  und  brachte  sie 
zum  Schweigen.  Die  1.  Garde-Batterie  erfuhr  um  11  Uhr  15  in  ihrer  Stellung 
am  Nordostrand  von  Witschu,  daß  sich  anscheinend  feindliclie  Artillerie  in 
der  Einsenkung  nordwesthch  vom  Tigerhügel  befände,  und  nahm  sie  unter 
Feuer.  Die  6.  Garde-Batterie  auf  Kurito  unterstützte  sie  dabei.  Endlich 
nach  12  Uhr  sah  man,  wie  am  Tigei^hügel  der  Feind  Feuer  an  die  Häuser 
der  Chinesen  legte  und  nach  Westen  zurückging.  Das  Garde-Artillerie-Re- 
giment und  die  2.  Batterie  der  schweren  Artillerie  verwandelten  durch  ihr 
Feuer  sein  Zurückgehen  in  Flucht.  Hierbei  eröffnete  die  feindliche  Artillerie 
östlich  Magu  wieder  ihr  Feuer  (12  Uhr  20  nachmittags)  gegen  unsere  Ar- 
tillerie bei  Genkado,  worauf  die  3.  Garde -Batterie  und  das  II.  Bataillon 
schwere  Artillerie  sofort  erwiderten.  12  Uhr  56  mittags  hörte  hier  das 
Feuer  auf  l)eiden  Seiten  auf. 


•1-^:64^111    J''P-  Suri-badii-yania  (d.h.  Reibschüssel- oder  Mörserberg). 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      137 

Die  vorher  verstummte  feindliche  Artillerie  bei  Tiurentscliin  eröffnete 
nach  12  Uhr  wieder  gegen  das  2.  Artillerie-Regiment  ihr  Feuer,  das  von 
diesem  Regiment  und  dem  Regiment  schwere  Artillerie  erwidert  wurde. 
1  Uhr  50  war  die  feindliche  Artillerie  ganz  zum  Scliweigen  gebracht.  An 
diesem  Tage  hatte  das  2.  Artillerie-Regiment  nur  3  Tote,  verwundet  waren 
Hauptmann  ]\Iatsuoka  Tojirö,  Oberleutnant  Kakiuchi  Toyonan  und  die  Leut- 
nants Kanno  3Iasatoshi  und  Adachi  Isoroku,  außerdem  18  Unteroffiziere 
und  Mannschaften. 

Da  ganz  besonders  das  Regiment  schwere  Artillerie  die  feindliche  Ar- 
tilleriestellung beschossen  hatte,  war  in  dieser  so  gut  wie  alles  zerstört. 
Die  Geschütze  waren  entblößt  und  schienen  vollkommen  gefechtsunfähig,  so 
daß  der  Feind  schließlich  nicht  mehr  feuerte.  (Wie  man  später  sah,  war 
eine  Lafette  itnd  ein  Munitionswagen  vollkommen  zerschmettert,  und  als 
eines  imserer  Artilleriegeschosse  in  einen  feindlichen  Munitionswagen  traf, 
da  verbrannte  ein  gi'oßer  Teil  der  Mimition,  ein  größerer  Teil  blieb  aller- 
dings noch  übrig.)  Um  2  Uhr  40  hat  dann  wieder  das  L  Bataillon  des  Re- 
giments schwere  Artillerie  unter  Major  Yamanouchi  Son  gegen  ein  Zeltlager 
hinter  Tiurentschin  und  gegen  Feldställe,  das  IL  Bataillon  des  Regiments 
unter  Major  Matsumaru  Matsusaburo  gegen  die  Artilleriestellung  bei  Tiuren- 
tschin Streufeuer  eröffnet;  um  5  Uhr  wurde  das  Feuer  eingestellt. 

Bemerkung:  Nach  10  Uhr  vormittags  bemerkte  die  2.  Batterie 
der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  auf  der  Höhe  nord- 
östlich Tiurentschin,  daß  japanische  Truppen  bei  Tschunkiantai  (Ma- 
tuzeo)  den  Yalu  überschritten.  (Von  der  genannten  2.  Batterie  war  je 
eine  Halbbatterie  mit  etwa  1000  m  Zwischenraum  in  einer  offenen 
Stellung  aufgestellt.)  Sie  eröffnete  gegen  die  Japaner  das  Feuer.  Um 
diese  Zeit  begann  die  auf  Samalinda  befindliche  japanische  Artillerie 
(24  Feldgeschütze  und  12  Zwölfzentimetergeschütze)  aus  gedeckter 
Stellimg  gegen  die  russische  Artillerie  zu  feuern.  Als  das  Feuer  all- 
mählich an  Heftigkeit  zunahm,  wagte  die  2.  Batterie  nicht,  das  Feuer 
der  Belagerungsgeschütze  zu  erwidern,  und  auch  gegen  die  feindliche 
Feldartillerie  maßte  sie  bald  verstummen.  Die  bei  Magu  befindliche 
3.  Batterie  (4  Geschütze)  begann  auch  gegen  die  Artilleriestellung 
nördlich  von  Witschu  zu  schießen,  wurde  jedoch  von  den  japanischen 
Belagerungsgeschützen  in  der  Flanke  gefaßt  imd  in  kurzer  Zeit  ver- 
nichtet. Nachmittags  1  Uhr  etwa  eröffnete  die  2.  Batterie  wiederum 
das  Feuer,  aber  das  heftige  Feuer  der  gesamten  jajDanischen  Artil- 
lerie traf  da  in  ihr  zusammen.  Munitionsbehälter  wurden  zur  Ex- 
plosion gebracht,  1  Geschütz  vollkommen  zerschmettert,  und  um  2  Uhr 
etwa  stellte  sie  das  Feuer  ein.  Generalmajor  Kaschtalinski  erkannte  die 
Nutzlosigkeit  weiteren  Artilleriekampfes.  Er  sandte  allen  Artillerie- 
abteilungen Befehl,  das  Feuer  einzustellen  und  nach  Sonnenuntergang 
die  Stellungen  zu  räumen.  Noch  bis  5  Uhr  ungefähr  setzte  die  ja- 
panische Artillerie  ihr  Streufeuer  gegen  Tiurentschin  und  Umgegend 
fort.     Die    Lage    der   Besatzung   von   Signal-    und   Telephonstationcn 


138      Traltz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

wurde  äußerst  schwierig.  Der  in  der  Artilleriestellung  befindliche 
Generahnajui"  Kaschtalinski  (welcher  trotz  einer  leichten  \'erwinidung 
am  Kojtf  den  Oberbefehl  nicht  abgab),  der  Kommandeur  dei-  6.  Ar- 
tillerie-Brigade, Oberst  ]\Ieister  und  der  Führer  der  '2.  Batterie  wurden 
verwundet. 

Außerdem  wurden  in  der  2.  und  3.  Batterie  7  Offiziere  und 
67  Unteroffiziere  und  ^lannschaften  im  H.  und  12.  Ostsibirischen 
Schötzen-liegimcnt  3  Offiziere  und  26  Unteroffiziere  und  Mannschaften 
setötct  oder  verwundet. 


Vorbereitungen  der  Garde-Division  zum  Flußübergang  und  Anordnungen 
für  die  Bereitstellung  zum  Angriff. 

Die  Garde-Division,  welche  an  diesem  Tage  seit  5  Ulir  vormittags 
südlich  Genkado  und  l)ei  Hüjokudü  C**^)  versammelt  wai",  wußte,  daß  die 
12.  Division  den  Flußühcrgang  beginne.  Die  Brückenbauabteilung  traf  von 
9  Uhr  ab  die  \'orbereitungen,  luid  von  12  Uhr  ab  begann  sie  mit  dem 
Brückenl)au.  Die  Pionierarbeiten-Deckungsabteilung  erhielt  den  Auftrag, 
den  Vormarsch  der  12.  Division  begleitend,  den  Feind  auf  dem  Tigci-hügcl 
zurückzuwerfen.  Zunächst  wurde  die  Höhe  nordöstlich  Höhe  192  erobert. 
Die  Wegebesserungsabteilung  erhielt  Befehl,  sobald  sie  in  die .  Nähe  des 
Tigerhügels  komme,  sofort  mit  ihrer  Arbeit  zu  beginnen  und,  als  man  end- 
lich nach  1 1  Uhr  Anzeichen  für  den  bevorstehenden  Rückzug  des  Feindes 
vom  Tigerhügel  ])emerkte,   wurde  angeordnet: 

1.  Die  1.  Garde-Infanterie-Brigade  (ohne  I.  Bataillon  des  2.  Regiments) 
nimmt  morgen  am  1.  Mai  vor  Tagesanln-uch  das  rechte  Ufer  des 
Eiho-Nebenarms  in  Besitz,  von  dem  Stromteilungsj)unkt  des  Eiho 
(westlich  Lisawen)  bis  zum  Westrande  der  Höhe  87  (nordwestlich 
des  Tigerhügels). 

2.  Die  2,  Garde-Infanterie-Brigade  (ohne  Stab  und  II.  Bataillon  des 
4.  Regiments)  nimmt  morgen  vor  Tagesanbruch  das  rechte  Ufer 
des  Eiho-Nebenarms  (vom  linken  Flügel  der  1 .  Brigade)  in  Besitz. 

3.  Das  Garde-Artillerie-Regiment  geht  morgen  vor  Tagesanbruch  am 
Nordabhang  des  Tigerhügels  in  Stellung  gege'nüber  dem  Räume: 
Höhe  südöstlich  Pototynsa — Anhöhe  nordöstlich  von  Tiurentschin. 

4.  Das  I.  Bataillon  des  2.  Garde-Infanterie-Regiments  vmd  1  Zug  Ka- 
vallerie bilden  die  Divisions-Hauptreserve  und  stellen  sich  am 
Nordfuß  der  Anhöhe  87  (nordwestlich  vom  Tigerhügel)  auf. 

5.  Alle  Abteilungen  überschreiten  heute  am  30.  9  Uhr  abends  die 
obere  Brücke  nördlich  von  Genkado  (zu  dieser  Zeit  waren  schon 
zwei  Brücken  da)  und  sammeln  sich  auf  der  Westseite  des  Dorfes 
Kurito. 

Um  die  Mittagszeit,  als  das  feindliche  Feuer  abflaute,  begann  das 
Garde-Pionier-Bataillrm  (ohne  2.  Kompagnie)  und  die  Garde-Kobi-Pionicr- 
Komjiaguio  (unter  Hauptmann  Ishioka  Inoshirö)  mit  dem  Brückenbau  west- 


Trautz:  Japan.  Gcneralstabswci'k  übor  rloii  Japan. -Rnss.  Krieg  1904/0.'^.      139 

lieh  von  Kurito.  (An  diesem  Tage  5  Uhr  nachmittags  hatte  die  Brücke  an- 
gefangen werden  sollen,  um  12  Uhr  wtu'de  aber  das  feindliche  Feuer 
schwächer,  mid  weil  die  vorderste  Abteilung  der  12.  Division  schon  bei  der 
Anhöhe  nordöstlich  des  Tigerhügels  angelangt  war,  wurde  die  Zeit  abge- 
ändert und  lun  12  Uhr  mit  dem  Brückenbau  begonnen.  Weil  man  aber 
die  oberhalb  anzulegende  Behelfs^chiffbrücke  von  Gegend  Genkado  strom- 
auf fuhren  mußte,  so  konnte  währenddessen  nicht  weitergebaut  werden; 
man  verlor  daher  sehr  viel  Zeit  für  diesen  Brückenbau.) 

Die  Pionierarbeiten-Deckungsabteilung  ging  unter  dem  Schutze  der 
2.  Pionier-Kompagnie  in  Gegend  der  Stromgabel  nordwestlich  von  Kurito  von 
12  Uhr  40  nachmittags  ab  über  den  Fluß,  erreichte  um  3  Uhr  die  Gegend 
der  dreifachen  Wegegabel  nördlich  des  Tigerhügels  und  erkundete  die  Gegend 
Lisawen.  Um  diese  Zeit  war  ein  lebhaftes  Kommen  und  Gehen  feindlicher 
Reiter  bei  Pototynsa  und  Yogu  bemerkar.  Die  1.  und  4.  Kompagnie  des 
2.  Garde-Infanterie-Regiments,  welche  die  Wegebesserungsabteilung  bildeten, 
rückten  hinter  der  Pionierarbeiten-Deckungsabteilung  nach  Osekito  ab,  mit 
dem  Auftrag,  für  die  Artillerie  den  Weg  zu  bessern.  Alles  übrige  blieb 
bei  diesen  Arbeiten  auf  Kurito.  Die  Schanzabteilung  (von  jeder  Battei'ie 
einige  Leute  und  von  der  2.  Pionier-Kompagnie  1  Zug)  ging  hinter  der 
Wegebesserungsabteilung  über  den  Fluß.  Nach  Sonnenuntergang  wurde 
am  Nordabhang  des  Tigerhügels  der  Schanzen-  und  Vormarschwegebau  be- 
gonnen und  war  bis   1 1   Uhr  beendigt. 

Bemerkung:  Oberst  Gromow,  der  sich  in  Lisawen  befand, 
erfuhr,  daß  am  30.  morgens  eine  Abteilung  des  japanischen  Heeres 
von  oberhalb  Osekito  aus  übergehe  xnid  den  Tigerhügel  angreife.  Gleich- 
zeiiig  habe  japanische  Artillerie  den  Tigerhügel  und  das  dahinter- 
liegende  Gelände  bis  zum  Eiho  unter  Feuer  genommen,  daher  sei 
die  10.  luid  11.  Kompagnie  des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments 
nach  dem  Tigerhügel  marschiert.  Das  dort  befindliche  II.  Bataillon 
desselben  Regiments  nebst  Jagdkommando  und  2  Geschützen  beab- 
sichtige allerdings  den  japanischen  Vormarsch  zu  hindern,  doch  seien  zu 
dieser  Zeit  schon  wieder  drei  feindliche  Kolonnen  aus  Gegend  Ambiho- 
Mündung  im  Vormarsch.  Das  Feuer  der  Spitzen  der  linken  Flügel- 
und  mittleren  Kolonne  wurde  eine  Weile  erwidert,  dann  aber  zogen 
sich  die  Russen  auf  Befehl  des  Generalmajors  Kaschtalinski,  um  die 
Mittagszeit  luigefähr,  aufs  rechte  Eiho-Ufer  in  die  Stellung  bei  Magu 
und  Pototynsa  zurück  (die  Abteilung  hatte  9  Tote  und  41  verwundete 
Unteroffiziere  und  Mannschaften). 

Anordnungen  der  2.  Division  für  die  Bereitstellung  zum  Angriff. 

Die  2.  Division  hatte  sich  an  diesem  Tage  seit  9  Uhr  20  vormittags 
in  Shasando('''4)  versammelt. 

Ungefähr  um  die  Mittagszeit,  als  das  feindliche  Feuer  abflaute,  fing 
die  2.  Kompagnie  des  2.  Pionier-Bataillons  (unter  Oberstleutnant  Ibe  Nao- 
mitsu)    an,    das    Gerät    für    die    bei   der    Stromgabelung   nordwestlich    von 


l-JO     Tbautz:  Japan.  Ociicralstabswnk  über  den  Japan. -Rnss.  Krieg  1904/05. 

Kmito  zti  erbauoiule  Kriegsbrücke  lieranzuscIi.-ifTcn.  Die  1.  Kompagnie  be- 
gann l)ei  der  Strouigabeliing  am  ISüchvestrandc  von  Kurito  mit  dem  Bau 
von  Böcken  für  die  Brücke,  die  bei  Tsclmnkiantai  (Matuzeo)  errichtet 
werden  sollte. 

2  Uhr  nachmittag.s  ordnete  die  2.  Division  folgendes  an: 

1.  Die  3.  Infanterie-Brigade  (ohne  1  Bataillon)  marschiert  7  Ihr  nach- 
mittags von  Shasaiido  ah.  iSie  überschreitet  die  Kriegsbrücke  über 
den  t)l)eren  Yalii  bei  Genkado  westlieh  von  Kurito,  geht  über 
den  Sattel  nördlich  des  Tigerhügels  und  nördlich  von  der  West- 
ecke dieser  Höhe  über  den  Nebenarm  vor;  sie  gewinnt  den  Raum 
von  der  Grenzlinie  zwischen  einem  (etwa  300  m  nordwestlich 
vom  Tigerhügel  gelegenen)  .Sandj)latz  und  Ackerfeld  bis  nahe 
Eihodsianli*"*). 

2.  Die  15.  Infanterie-Brigade  (ohne  1  Regiment)  folgt  der  3.  Brigade 
und  stellt  sich  in  Verlängerung  ihres  linken  Flügels  auf.  Sie  ge- 
winnt den  Raum  bis  in  Gegend  des  Straßenkreuzes  von  Hondojo  '®", 
etwa  800  m  südwestlich  Eihodsian. 

3.  Das  II.  Bataillon  des  29.  Infanterie-Regiments  luid  das  II.  Bataillon 
des  gerade  auf  Samalinda  befindlichen  30.  Infanterie-Regiments 
wird  der  Division  direkt  unterstellt. 

(Das  II.  Bataillon  des  29.  Regiments  folgt  dem  16.  Re- 
giment und  erreicht  die  Ostseite  des  etwa  800  m  südöstlich 
von  Eihodsian  befindlichen  Steilabfalls,  wo  es  als  Reserve  ver- 
bleibt. Das  II.  Bataillon  des  30.  Regiments,  welches  vor  der 
Artillerie  in  dieser  Nacht  auf  der  Bockbrücke  bei  Hondojo 
den  Yalu  überschritten  hat,  deckt  den  Stellungswechsel 
der  Artillerie  •) 

4.  Die  Artillerie  geht  heute  nacht  hinter  dem  II.  Bataillon  des  30.  Re- 
giments auf  der  Bockbrücke  über  den  Yalu,  wählt  bei  Tschunkiantai 
(Matuzeo)  eine  Stellung  und  eröffnet  mit  Tagesanbruch  durch  ihr 
Feuer  den  Angriff. 

5.  Die  Pioniere  begeben  sich  nach  Ausführung  ihres  Sonderauftrags 
zur  Hauptreserve. 

Anordnungen  der  12.  Division  für  die  Bereitstellung  zum  Angriff. 

In  dieser  Nacht  ordnete  der  Kommandeur  der  12.  Division  folgendes  an: 
1.  Generalmajor  Kigoshi  mit  der  23.  Infanterie-Brigade  und  1  Ab- 
marsch Kavallerie  nimmt  bis  morgen  früh  (Tagesanbruch)  den 
Raum:  Mitte  der  .\nhöhe  von  Santauwan^"" — Höhe  westlich  von  Li- 
sawen   in  Besitz. 


'"'     2Ji  i^  _[*     ,)äp-:  Hon-dö-jo.  —  Die   so   bezeichnete  Stelle   liegt  an  der 
Straße  von  Eihodsian  nach  Kaaikasen. 

^"^     "^  i B  Pp     jap-:  San-do-wan:  chin.:  San-tao-wan.  —  1,6  km  iioi-dwest- 
lieh  von  Lisawcn. 


Trautz:  Japan.  Generalstabsweik  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      141 

2.  Generalmajor  Sasaki  mit  dem  47.  Infanterie-Regiment  und  2  Ab- 
märschen Kavallerie  (1  davon  war  in  Tenkj-oshi)  nimmt  den  Raum : 
Anhöhen  südwestlich  Sairoshiko  —  23.  Infanterie-Brigade  in  Besitz. 

3.  Das  12.  Kavallerie-Regiment  (ohne  4  Züge  und  3  Abmärsche)  er- 
kundet bis  morgen  früh  (Tagesanbruch),  unter  Belassung  seiner 
Masse  in  Sairoshiko,  den  oberen   Eiho  und  das  rechte  Eiho-Ufer. 

4.  Das  12.  Artillerie-Regiment  (ohne  1  Batterie)  geht  bis  morgen  früh 
bei  den  Höhen  westlich  von  Lisawen  in  Stellung. 

Die  den  Kolonnen  Kigoshi  und  Sasaki  zugeteilten  Batterien 
schließen  sich  morgen  in  Lisawen  bzw.  Laupiöntschiankou  ihrem 
Regiment  wieder  an. 

Vom  12.  Pionier-Bataillon  werden  2  Züge  dem  Artillerie- 
Regiment  zu  Wegearbeiten  zugeteilt. 

5.  Alle  übrigen  Abteilungen  sammeln  sich  bis  morgen  früh  5  Uhr 
bei  der  dreifachen  Wegegabel  ungefähr  1000  m  nördlich  Santauwan 
und  treten  zur  Hauptreserve. 

Die  Masse  der  Armee,  die  Garde-  und  2.  Division,  traten  mit  Sonnen- 
untergang ihre  Bewegungen  an,  sammelten  sich  bei  Genkado,  wo  sie  für 
den  Übergang  die  Fertigstelhmg  der  Brücken  abwarteten.  Auch  das  Armee- 
Oberkommando  kam  8  Uhr  abends  dorthin. 

Bewegungen  der  Abteilung  Maya. 

Die  Abteilung  Maya  hatte,  wie  am  Tage  vorher,  in  den  Kampf  ein- 
gegriflfen.  Ihre  armierten  Dampfer  waren  bis  Antung  vorgegangen,  hatten 
ungefähr  400  feindliche  Reiter  beschossen  luid  die  feindliche  Artillerie  trotz 
deren  heftigen  Gegenfeuers  binnen  einer  Stunde  zum  Schweigen  gebracht. 
Die  Abteihuig  hatte  in  der  Nacht  noch  bei  Sidaugou^"'  demonstriert  und 
war  dann  in  den  Hafen  von  Yonampo  zurückgekehrt.  (Bemerkung:  Oberst 
Schwerin  erhielt  Meldung,  daß  von  8  Uhr  vormittags  bis  1  Uhr  nachmittags 
etwa  japanische  Kanonenboote  Amisan  beschossen  hätten  und  etwa  10  Uhr 
vormittags  4  Torpedoboote  nach  Niautschan  und  Gegend  stromauf  gefahren 
und  Feuer  eröffnet  hätten.  Er  entsandte  1  Kompagnie  und  2  Geschütze 
nach  Sidaugou  und  von  der  Transbaikal ischen  Kosaken-Batterie  2  Geschütze 
nach  Niantschan.) 

Sicherungsmaßnahmen  der  Russen  bei  Tiurentschin  während  der  Nacht. 

Bemerkung:  An  diesem  Abend  erhielt  Generalmajor  Kaschta- 
linski,  welcher  sich  ungefähr  2000  m  ncjrdwestlich  von  Tiurentschin 
befand,  Bericht  über  die  Erkundung  des  Oberstleutnants  Linda  und 
Meldung  von  Oberst  Gromow  des  Inhalts,  daß  starke  japanische 
Kräfte  etwa  um  Mittag  von  der  Ambiho-Mündung  nacli  den  Höhen 
auf  dem  linken  Eiho-Ufer   zu  vorgegangen  seien.     Er  nahm  an,    daß 


^'^^     03  J^  m-    J^P"'  Shi-do-ko;  chin.:  Ssu-tao-kou.  —  Etwa  1  km  südwest- 
lich von  Antung. 


142      Traitz:  Japan.  Oeneralstabswcrk  über  di-ii  Japan. -Uuss.  Krieg  1904/05. 

der  Feind  in  dieser  Nacht  angreifen  werde,  und  meldete  dies  in  einem 
Bericht  ül)er  den  Artilleriekamjjf  an  Generalleiitnaiit  Sassulitsch. 
ScIdieLMich  ließ  er  durch  den  Koniniandeur  des  Vei'teidigungsahschnittes 
von  Tiurentschin.  Oberst  Zibulski.  die  Besatzung  von  Tsehunkiantai 
(Matuzeo)  verstärken  und  in  die  Schützengräben  für  die  Nacht  bis 
Tagesanbruch  kleine  Abteihuigen  verteilen;  die  2.  Batterie  der  6.  Ost- 
silürischen  Schützen-Artillerie-Brigade  ließ  er  mit  Sonnenuntergang  in 
der  Nähe  eines  alten  Cliincsculagers  südwestlicli  riurciitschin  eine 
andere  Stelhmg  nehmen. 

Von  11  Uhr  abends  ab  erfuhr  Generalmajor  Kaschtalinski  je- 
doch aus  allen  ^Meldungen :  Der  Feind  werde  am  1.  ISIai  allgemein 
zum  Angriff  vorgehen.  Das  Regiment  des  Obersten  Zibulski  liabe  bei 
dem  heutigen  Artilleriekampf  selir  schwere  Verluste  gehabt  und  werde 
kaiun  noch  am  folgenden  Tage  seine  Stellung  halten  können.  Oberst 
Groniow  hatte  bemerkt,  daß  nordöstlich  des  Tigerhügels  starke  feind- 
liche Artillerie  und  etwa  3  Gebirgsbatterien  über  den  Fluß  gehen 
wollten,  und  das  Geräusch  von  Wagen  auf  dem  rechten  Yalu-Ufer 
gehört.  Die  Artillerie  des  genannten  Obersten  habe  wegen  der  Dunkel- 
heit der  Nacht  und  des  schwierigen  Geländes  ihren  Stellungswechsel 
nicht  ausfiihren  können.  Oberst  Gi-omow  erhielt  Befehl,  wenn  der 
Kampf  sehr  schwer  würde,  den  Train  nach  Tschingou  zu  schicken, 
und  Generalmajor  Kaschtalinski  versprach  ihm.  zur  Verteidigung  der 
Eiho-Fiirt  IVIaschinengewehre  zu  entsenden.  Vom  Jagdkominando  des 
12.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  ließ  er  eine  Relais-Linie  ein- 
richten und  Tiurentschin  und  Pototynsa  verbinden,  ein  anderes  Jagd- 
kommando teilte  er  der  Reserve  zu, 

Generalmajor  Kaschtalinski  meldete  in  dieser  Nacht  vvi(ider  dem 
Generalleutnant  Sassulitsch  die  seitherigen  Veränderungen  der  Lage  und 
gleichzeitig,  daß  er  Beobachtungsabteilungen  des  Verteidigungsab- 
schnittes von  Tiurentschin  in  der  vordersten  Linie  wie  heute  lasse, 
um  im  Dunkel  der  Nacht  die  Höhen  hinter  Tiui-entschin  besetzen 
und  mit  Tagesanbruch  die  Beol)achtungsabteilungcn  zurücknehmen  zu 
können.  Für  diese  seine  Absicht  wurde  ihm  aber  die  Genehmigung 
nicht  erteilt. 


III.  Das  Gefecht  bei  Tiurentschin. 

Vorrücken  der  12.  Division. 

(Siehe  Textkarte   13  und   Karten  Anlage  5.) 

Die  sämtlichen  Truppenteile   der    12.  Division  waren   am   1.  M&i  von 
Tagesanbruch  an  in  Bewegung.    Die  Kolonne  Kigoshi  (23.  Infanterie-Brigade, 

1  Abmarsch    der    1.  Eskadron)    war   etwa   8  Uhr   abends  aus   ihren  Unter- 
kunftsorten   abmarschiert.     Die    Kolonne    Sasaki    (47.  Infanterie- Regiment, 

2  Abmärsche  der   1.  Eskadron)  war  2  Uhr  vormittags   aus  ihrer  Unterkunft 
aufgebrochen   und   ül)er  Laupientschiankou   marschiert.     Das  12.  Kavallerie- 


Trautz:  Japan.  Generalstabswprk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      143 

Regimeiil,  unter  Oberstleutnant  Aiura  Tasaburö  (obne  3  Abmärsche  der 
1.  Eskadron,  1  Zug  der  2.  Eskadron,  3  Züge  der  3.  Eskadron),  war 
um  3  Uhr  früh  aus  seiner  Unterkimft  aufgebrochen  und  über  Laupien- 
tschiankou  niai'schiert.  Das  12.  Feldartillerie-Keginient  war  12  Uhr  30  vorm. 
aus  seinem  Unterkunftsort  aufgebrochen  und  von  Höhe  368  über  Schang- 
hnglukou*"^  und  Laupientschiankou  mai'schiert.  (Die  dem  Feldartillerie-Re- 
giment zur  Wegebesserungsarbeit  zugeteilte  1.  Pionier-Kompagnie  ohne 
1  Zug,  und  der  der  Kolonne  Sasaki  zugeteilte  Stab  und  die  3.  Batterie  der 

1.  Artillerie- Abteilung,  sowie  die  zur  Abteilung  Kigushi  gehörige  6.  Batterie 
vereinigten  sich  in  Schanglinglukou  mit  ihren  Truppenteilen.)  Die  sämtlichen 
übrigen    Abteilungen    (Divisions.stab.     14.   Infanterie -Regiment,     1    Zug    der 

2.  Eskadi'on,  Stab  des  12.  Pionier-Bataillons  und  1  Zug  der  1.  Kompagnie 
und  die  2.  Kompagnie)  brachen  um  2  Uhr  aus  ihrer  Unterkunft  auf  und 
waren  bis  5  Uhr  30  vorm.  auf  dem  linken  Eiho-Ufer  zwischen  der  An- 
höhe westlich  von  Sairoshiko  und  den  Höhen  westlich  von  Lisawen  auf- 
marschiert. 

(Das  von  den  Abteilungen  zu  durchschreitende  Gelände  zwischen  Am- 
biho  und  Lisawen  ist  überaus  felsig,  überall  .schwierige  Steilabfälle  und 
dichtes  Gesti-üpp.  Die  Wege  waren,  obwohl  eine  Reilic  durchgehender 
schmaler  Pfade  vorhanden  sind,  meist  über  steile  Abhänge  führende,  ge- 
fährliche Bergwege  oder  Dämme,  wo  Reiter  sich  nicht  bewegen  können. 
In  der  Nacht  des  30.  konnte  die  Division  kaum  durchkommen;  allerdings 
war  der  von  der  Höhe  368  über  Sclianglinglukou  und  Laupientschiankou  ge- 
wählte Weg  weniger  schlimm,  als  man  gedacht  hatte,  aber  südlich  von 
Schanglinglukou  wurde  er  äußerst  abschüssig  und  tief,  dazu  sehr  steinig, 
so  daß  schon  für  Fußgänger  das  Durchkommen  außerordentlich  schwierig  war.) 


Übergang  der  2.  Division  über  den  Fluß. 

Die  2.  Division  nahm  das  4.  Infanterie-Regiment  (ohne  111.  Bataillon), 
unter  Oberst  Yamamoto  Nobuyuki,  in  die  Vorhut  und  marschierte  am  30. 
7  LThr  abends  vom  Sammelplatze  ab.  Die  übrigen  Abteilungen  folgten. 
40  Minuten  später  erreichte  sie  die  Brückenstelle  westlich  von  Kurito,  mar- 
schiei'te  auf  und  ging  um  8  Uhr  10,  sobald  die  Kriegsbrücke  fertig  war, 
sofort  über,  was  l)is  10  Uhr  50  dauerte.  Wenn  auch  die  vorderste  Abteilung 
der  Division  um  9  Uhr  40  al)ends  die  Brücke  über  den  Nebenarm  (östlich 
des  Sattels  des  Tigerhügels)  erreichte,  so  mußte  sie  doch,  weil  die  Kriegs- 
brücke daselbst  noch  nicht  fertiggestellt  war,  dort  nochmals  aufmarschieren. 

(Man  hatte  angenommen,  daß  9  Uhr  abends  die  Brücke  fertig  sein 
werde,  imd  die  Deckungsabteilung,  die  nach  dem  Tigerhügel  marschieren 
sollte,  übersetzen  lassen.  Weil  man  aber  später  sehr  viel  Brückenpfosten 
brauchte   und   zur   Zusammensetzung   Zeit   nötig   hatte,   dauerte   die   Arbeit 


^°^    Jt'nl^SiS    J^P--    J^-rei-ro-kö;    chln. :    Shang-ling-lu-kou.  —   2  km 
nordöstlich  von  Kareiroko  (s.  99). 


144      TRAi-r/. :  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Kuss.  Krieg  1904/05. 

länger;  erst  um  8  Uhr  abends  wurde  die  Brüeke  selbst  begonnen  und  luauelite 
über  3  Stunden  zur  Fertigstellung.) 

Um  11  Uhr  15  abends  war  die  Brücke  erst  fertig,  und  es  liegann  der 
Übergang.  Am  1.  Mai  von  1  Uhr  bis  4  Uhr  50  morgens  konnte  man  erst 
allmäblicb  eine  Linie  von  einem  Sandplatz  (etwa  1000  m  westlieb  des  Tiger- 
in'igels)  l)is  zu  dem  abschüssigen  Südrand  von  Eiliodsian  gewinnen  und  dort 
aul'marschieren.  Ilii-rbei  wurde  von  der  Vorhut  mit  einem  Halbzug  der 
4.  Kompagnie  an  dem  Wegekreuz  nordwestlich  des  Tigerhügcls,  und  von  der 
3.  und  4.  Kompagnie  (ohne  1  Halbzug)  ungefähr  1  500  m  westlich  vom  Tiger- 
hügel, der  Aufmarsch  gedeckt. 

Inzwischen  liatte  das  Armee-Oberkommando,  welches  ein  weiteres  Aus- 
dehnen der  Artilleriestellungen  auf  Samalinda  für  nutzlos  hielt,  das  2.  Ar- 
tillerie-Regiment nach  Tschunkiantai  (Matuzeo)  über  den  Fluß  vorgehen  und 
das  Regiment  schwere  Artilleiie  in  die  bisherige  Stellung  des  2.  Artillerie- 
Regiments  Stellungswechsel  vornehmen  lassen.  INIan  hatte  zwar  am  30.  von 
10  Uhr  abends  ab  das  2.  Artillerie-Regiment  und  das  H.  Bataillon  des  30.  In- 
fanterie-Regiments als  Ai-tillericsclnitz  unter  Major  Takamatsu  Tetsutarö  auf 
der  Bockbrücke  den  Fluß  überschreiten  lassen,  aber  dies  hatte  viel  Zeit  in 
Anspruch  genommen,  imd  bis  zum  folgenden  Morgen  vor  Tagesanbruch  hatten 
kaum  1  Infanterie-Bataillon  und  1  Artillerie-AI)teilung  iln-en  tlbergang  bewerk- 
stelligen können;  die  übergegangene  I.  Artillerie-Abteilung  war  nordöstlich 
Tschunkiantai  (Matuzeo)  in  Stellung  gegangen. 

Das  zur  Deckung  der  Pionierarbeiten  bestimmte  Infanteiüe-Bataillon 
iiiarscliierte  in  der  Linie  des  Nebenarms  westlich  Tschunkiantai  (]Matuzeo) 
auf.  Die  II.  Artillerie-Abteilung  befand  sich  in  ihrer  bisherigen  Stellung; 
daher  hat  auch  das  Regiment  schwere  Artillerie  nur  mit  seinem  I.  Bataillon 
den  Vormarsch  in  die  bisherige  Feldartilleriestellung  angetreten. 

^.(Für  das  t^bersetzcn  der  Artillei'ie  hatte  die  1.  Kompagnie  des  II.  Pio- 
nier-Bataillons vom  ]Mittag  des  30.  ab  in  Gegend  Genkado  21  Böcke  gebaut. 
Nach  Sonnenuntergang  sollten  sie  nach  Tschunkiantai  (^latuzeo)  herunter- 
gefahren werden.  Man  hatte  zuerst  8  Uhr  abends  als  Deckung  1  Infanterie- 
bataillon über  den  Fluß  vorgehen  lassen  wollen,  wegen  der  Verspätung  der 
Infanterie  aber  ging  es  erst  um  10  Uhr  über,  hinter  ihm  die  Ai-tillerie.  An 
der  Uljergangsstelle  war  die  Breite  des  Flusses  360  m  und  die  Stromge- 
schwindigkeit 90  cm.  Wegen  der  vorgerückten  Zeit  konnte  keinesfalls  die 
ganze  Artillerie  bis  zum  jNIorgen  übergesetzt  sein.  Daher  ging  übei'haupt 
nui'  die  1.  Artillerie-Abteilung  über  und  in  Stellung.  Inzwischen  begann  der 
Feind  mit  Artillerie  auf  uns  zu  schießen  und  die  Pioniere  hatten  3  Verwundete; 
in  einem  Brückenbock  staken  9  Kugeln,  in  einem  anderen  7  Kugeln,  1  Brücken- 
planke war  ganz  zerschmettert.) 

Übergang  der  Garde-Division  über  den  Fluß. 

Die  Garde-Division  marschierte  am  30.  9  Uhr  30  nachmittags  von  der 
Brücke  nördlich  von  Genkado  ab  und  auf  Kurito  auf.  Vorher  war  Meldung 
gekommen,  die  Brücke  oberstroms  sei  nur  schwer  fertigzustellen. 


Traut?.:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Rnss.  Krieg  1904/05.      145 

(Mit  dem  Ordnen  des  Geräts  für  die  310  ni  lange  Behelfsbrücke 
oberstronis,  welches  zusammengesetzt  über  2  000  m  stromaufwärts  gebracht 
werden  mußte,  konnte  erst  5  Uhr  nacimiittags  begonnen  und  die  Arbeit 
erst  10  Ihr  al)ends  vollendet  werden.) 

Daher  wurde  lun  10  Uhr  50  mit  der  2.  Division  ül)er  die  Brücke  an 
der  Westseite  von  Kurito  der  Übergang  begonnen,  am  1.  Mai  um  3  Uhr 
morgens  war  er  beendigt.  Und  mittags  12  Uhr  50  hatte  die  vorderste  Ab- 
teihmg  der  Division  den  kleinen  Nebenarm  auf  der  Nordostseite  des  Tiger- 
hügels erreicht.  Da  aber  das  tTbei'gehen  der  2.  Division  noch  nicht  beendigt 
war,  so  marschierte  diese  Abteilung  in  der  Höhe  des  Tigerhügels  auf.  Dann 
ward  eine  Änderung  der  Marschordnung  vorgenommen  und  die  Sanitäts- 
kompagnie  hinter  die  Infanterie  gezogen.  Um  1  Uhr  30  marschierte  sie  von 
der  Kriegsbrücke  östlich  des  Sattels  (hinter  dem  Tigerhügel)  ab.  Von  der 
].  Garde-Infanterie-Brigade  hatte  das  1.  Regiment  (Oberst  Yamada  Chüsaburö) 
südwestlich  von  Lisawen  und  das  2.  Regiment  (Oberst  Fukaya  Matasaburö) 
etwa  800  m  nordwestlich  der  Anhöhe  87  (nordwestlich  des  Tigerhügels)  mit- 
einander gleiclizeitig  den  Eiho-Nebenarm  durchwatet,  das  3.  Regiment  (Oberst 
Ohara  Yoshijirö)  von  2  Uhr  30  bis  3  Uhr  30  nachmittags  die  Furt  süd- 
vvestlicli  des  Dorfes  Husan^"^  durchschritten.  Um  4  Uhr  vollendeten  sie 
zusammen  ihren  Aufmarsch  in  Linie:  Gegend  Eiho-Stromteilungspunkt  (westlich 
von  Lisawen) — Sandplatz  etwa  1000  m  westlich  des  Tigerhügels.  Das  Artillerie- 
Regiment  hatte  um  5  Uhr  5  am  Abhang  des  Tigerhügels  in  den  während  der 
letzten  Nacht  angelegten  Geschützeinschnitten  und  Schulterwehren  Stellung 
genommen.  Die  Divisions-Hauptreserve,  das  I.Bataillon  des  2.  Garde-Infanterie- 
Regiments  unter  Major  Ishizawa  Seimatsu,  war  etwa  zur  selben  Zeit  beim 
Dorfe  Husan  eingetroffen  (desgleichen  die  Sanitätskompagnie  und  die  beiden 
Feldlazarett?);  um  5  Uhr  10  langte  auch  der  Divisionskommandeur  auf  der 
Anhöhe  nordwestlich  des  Dorfes  Husan  an. 

Versammlung  der  Armee-Hauptreserve. 

Die  zur  Armee-Hauptresei've  gehörenden  Truppenteile,  nämlich:  das 
4.  Garde-Infanterie-Regiment  (ohne  I.  Bataillon)  unter  Oberst  Umezawa  Mi- 
chiji,  das  30.  Infanterie-Regiment  (ohne  II.  Bataillon  und  11.  Kompagnie) 
unter  Oberst  Baba  Meiei,  das  Garde-Kavallerie-Regiment  (ohne  1  Zug  der 
1.  Eskadron)  unter  Oberstleutnant  Käse  Ihn,  das  2.  Kavallerie-Regiment 
(ohne  Halbzug  der  1.  und  1  Zug  der  2.  Eskadron)  unter  Oberstleutnant  Aki- 
yama  Fusajirö,  sammelten  sich  am  1.  Mai  2  Uhr  30  bis  4  Uhr  morgens 
am  Nordrande  von  Kurito. 

Lage  beim  Feinde  am  Morgen  des  1.  Mai. 

Die  Divisionen  waren  am  30.  naclits  auf  keinerlei  feindlichen  Wider- 
stand gestoßen,  sie  marschierten  diesseits  des  Eiho  vor  dem  linken  Flügel 


^°^     i/Xi  ÜJ  (^t^t)  J^P--  Ko-san  (no  niura);  chin.:  Hu-shan.  —   1,9  km  nord- 
nordwestlich des  Tigei'hügels  (s.  102). 

Mitt  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.    1915.   I.  Abt.  10 


14(5     Traut?.:  Japan.  Ocncralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

des  Feiiules  in  der  Zeit  von  4  Uhr  40  l)is  5  Uhr  30  vormittags  auf;  es 
wurden  sofort  Scliützengräben  ausgeworfen.  Zur  «Sicherung  gegen  feind- 
h'che  Angriffe  waren  im  Morgengranen  zahh-eiche  Patronillen  überall  ins 
Vorgelände  entsandt  und  Erkundung  des  Feindes  eingeleitet  worden.  Auch 
eine  Furt  durch  den  Eiho  war  erkundet.  Von  5  Uhr  alj  wurde  es  allmäh- 
lich hell;  um  4  Uhr  morgens  waren  schon  unsere  und  die  feindlichen  Pa- 
trouillen am  Hauptarm  des  Eiho  bei  Yogu  aufeinander  gestoßen;  aber  noch 
immer  war  die  weitere  Lage  beim  Feinde  ziemlich  ungeklärt,  und  genau 
konnten  die  Eiho-Furten  nicht  erkundet  werden. 

Das  Regiment  schwere  Artillerie  wollte,  da  man  feindliehe  Artil- 
leriestellungen bei  Tiurentschin  und  feindliche  Truj)pen  auf  dem  dortigen 
Höhenzuge,  Biwaks  usw.  nicht  hatte  erkennen  können,  um  5  Uhr  20  vor- 
mittags unserer  Infanterie  Hilfe  bringen  und  eröffnete  gegen  die  Artillerie- 
stellungen bei  Tiurentschin  und  auf  den  Höhen  nordöstlich  davon  das  Feuer. 
Da  der  Feind  es  Jedoch  gar  nicht  erwiderte,  so  stellte  man  um  ö  Ulir  40 
das  Feuer  ein. 

Das  Armee-Oberkonnnando  beabsichtigte,  am  I.Mai  zunächst  die  Di- 
visionen alle  bereitzustellen,  den  Ausgang  des  Artilleriekampfes  abzu- 
warten und  damit  gleichzeitig  den  Angriff  vorzutragen.  Aber  an  diesem 
Morgen  eröffnete  der  Feind  das  Feuer  überhaupt  nicht.  Erst  6  Uhr  30 
vormittags,  während  vor  der  Front  alles  ruhig  blieb  und  anscheinend  kein 
Mensch  da  war,  wurde  auf  der  Anhöhe  77  (etwa  1 800  m  östlich  von  Po- 
totynsa)  und  auf  dem  Höhenzug  südöstlich  dieses  Dorfes  feindliche  Infan- 
terie in  Stärke  von  3  Kompagnien  sichtbar  imd  eröffnete  gegen  eine  Pa- 
trouille, die  sich  vor  der  Front  der  Gardedivision  bewegte,  das  Feuer.  Um 
7  Uhr  schoß  dann  feindliche  Artillerie  auf  der  Höhe  östlich  Magu  gegen 
die  vorderste  Linie  der  Reserven  der  2.  Garde-Infanterie-Brigade. 

Das  Garde-Feldartillerie-Regiment  erwiderte  das  Feuer,  und  in  einigen 
IMinuten  schwieg  die  feindliche  Artillerie  vollständig.  Das  Regiment  schwere 
Artillerie  feuerte  weiter  im  Streufeuer  gegen  Yogu  und  Magu.  Das  Armee- 
Oberkommando  aber  ließ  die  Armee-Hauptreserve  bis  zur  Ostseite  des  Tiger- 
hügels vorrücken. 

Angriff  der  2.  Division  bei  Tiurentschin. 

Inzwischen  waren  von  der  2.  Division  aus  der  vordersten  Linie  ent- 
sandte Offizierspatrouillen  vor  Morgengrauen  in  das  Höhengelände  auf  dem 
rechten  Eiho-Ufer  vorgedrungen,  jedoch  nicht  auf  den  Feind  gestoßen.  Da 
nun  sj>äter,  als  es  hell  geworden  war,  die  Lage  l)eim  Feinde  noch  gänzlich 
ungeklärt  war,  gab  der  Konmiandeur  der  Division,  welcher  im  Zweifel  war, 
ob  der  Feind  nicht  vielleicht  schon  abgezogen  sei,  7  Uhr  morgens  den 
sämtlichen  Abteihmgen  der  ersten  Linie  den  Befehl,  die  Lage  beim  Feinde 
aufklären  zu  lassen.  Der  Kommandeur  der  3.  Infanterie-Bi-igade,  General- 
major Matsimaga  INIasatoshi,  hatte  jedoch  schon  zur  Erkundung  um  6  Uhr  40 
das  I.  Bataillon  des  4.  Infanterie-Regiments  (ohne  die  3.  und  4.  Kompagnie) 
unter  Major  Horiuchi  Shunnosuke  entsandt.    Dem  erneuten  Befehle  zufolge 


Trautz  :  Japan.  Generalstabsvverk  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1904/05.      ]  4  / 

schickte  er  7  Ulir  30  vormittags  den  Rest  dieses  Bataillons  und  das  I.  Ba- 
taillon des  29.  Infanterie-Keginients  unter  INIajor  Tahayashi  Shichirö  eben- 
falls aus.  Der  Konnnandenr  der  15.  Infanterie-Brigade,  Generalmajor  Okasaki 
Seizö,  ließ  das  16.  Infanterie-Regiment  (ohne  111.  Bataillon)  unter  Oberst 
Taniyama  Takahide  in  "erster  Linie  aufmarschieren.  Dann  traten  die  In- 
fanterie-Abteilungen der  beiden  Brigaden  der  Gefechtslage  zufolge  die  erstere 
auf  die  Anhöhe  südlich  Yogu,  die  letztere  nach  den  Höhen  der  alten  Be- 
festigungen nördlich  Tiurent^chin  hin  den  Vormarsch  an.  Der  seit  Tages- 
anbruch vollständig  gedeckte  Feind  erschien  mit  Infanterie  um  diese  Zeit 
in  dem  Schützengraben  auf  der  Anhöhe  südlich  Yogu  und  in  der  Linie 
der  alten  Befestigungen  bei  Tiurentschin.  Er  überschüttete  uns  mit  Feuei-, 
und  wir  erwiderten  es.  Teile  des  2.  Feldartillerie-Regiments,  des  Regi- 
ments schwere  Artillerie  und  des  Garde-Feldartillerie-Regiments  vereinigten 
ihr  Feuer  auf  die  feindliche  Infanterie  bei  Tiurentschin  und  deckten  so 
unser  Vorgehen.  Inzwischen  waren  unsere  Aufklärungsabteilungen  nach 
imd  nach  ganz  dicht  an  den  Feind  herangekommen  und  schließlich  bis 
aufs  linke  Eiho-Ufer  gelangt.     Es  war  etwa  8  Uhr  vormittags. 

Der  Kommandeur  der  2.  Division  sah,  wie  die  Aufklärungsabteilungen 
schnell  vorgingen,  daß  somit  jetzt  ein  günstiger  Augenblick  sei,  über  den 
Eiho  zu  gehen.  Da  gleichzeitig  auch  die  erste  Linie  der  Garde  den  Vor- 
marsch antrat,  befahl  er  um  8  Uhr  20  den  beiden  Brigaden  zum  Angriff 
anzutreten.  Die  Reserve,  die  sich  hinter  dem  linken  Flügel  befand,  rückte 
vor.  Die  bisherigen  Aufklärungsabteilungen  wateten  von  7  Uhr  30  ab  durch 
den  Eiho  und  etwa  8  Uhr  30  drang  die  linke  Flügelabteilung  in  die  feind- 
liche Stellung  südlich  der  Hohe  auf  der  Nordostseite  von  Tiurentschin  ein, 
die  rechte  Flügelabteilung  auf  die  Höhe  westlich  Yogu  plötzlich  vor  und 
jagten  den  Feind  nach  Westen  auseinander.  Sämtliche  Abteilungen  ver- 
folgten und  nahmen  in  der  Zeit  von  8  Uhr  50  bis  9  Uhr  30  den  ganzen 
Höhenzug  bei  Tiurentschin  in  Besitz.  Gegen  den  in  einem  Talgrunde  vor 
der  Front  Iliehendeu  Gegner  wurde  Verfolgungsfeuer  abgegeben.  Die  den 
Aufklärungsabteilungen  folgende  Masse  der  2.  Division  watete  um  8  Uhr  50 
etwa  durch  den  Fluß  und  erreichte  die  feindliche  Stellung.  Hierbei  gab 
die  feindliche  Artillerie  auf  der  Höhe  von  Tiurentschin  nicht  einen  einzigen 
Schuß  ab. 

Der  Kommandeur  der  2.  Division  war  8  L^hr  40  vormittags  vom 
Tigerhügel  aufgebrochen.  Das  in  Reserve  befindliche  III.  Bataillon  des 
29.  Infanterie-Regiments  unter  INIajor  Hayashi  Kagetoshi  langte  9  Uhr  50 
etwa  bei  Tiurentschin  an.  Um  9  Uhr  30  vormittags  etwa  hatten  die  feind- 
lichen Aufnahmetruppen  von  einer  Anhöhe  etwa  2000  m  westlich  von  Tiuren- 
tschin mit  etwa  4  Geschützen  und  1  Maschinengewehr  die  ihrigen  aufge- 
nommen. Ein  Teil  dieser  Infanterie  hatte  sich  etwa  1  800  m  westlich  von 
Tiurentschin  einer  Mulde  bei  einer  Biegung  der  Hauptstraße  und  einer 
Höhenstellung  westlich  davon  bemächtigt.  Daher  erging  an  beide  Infan- 
terie-Brigaden der  Befehl,  wenn  man  den  Höhenrand  von  Tiurentschin  ge- 
nommen habe,    die  Verbände   zu   ordnen   und   weitere  Befehle  abzuwarten. 

10* 


148      Trautz:  JaiKui.  (icncralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

Sobald  alle  Ahtcilunji;en  auf  dem  Hühenrande  standen,  vereiniijto  der  Feind 
auf  sie  heftifj;es  Aitilleriefeucr. 

AngriflF  der  Garde-Division  gegen  Pototynsa  und  Magu. 

Der  Koinniandeui-  der  Garde -Division  bemerkte  um  7  Uhr  40  vor- 
mittags den  Vormarsch  der  2.  Division  gegen  die  Eiho-Linie,  aber  er  wartete 
auf  Weisung  vom  Annee-Oberkonunando  bis  8  Uhr.  Um  diese  Zeit  waren 
die  vordersten  Truppen  der  2.  Division  im  allgemeinen  an  der  Eiho-Linie 
angelangt.  Ein  Teil  der  12.  Division  ging  nun  auch,  da  die  Lage  zum 
Vorgehen  einlud,  mit  beiden  Brigaden  zum  Angriff  vor.  Die  1.  Garde- 
Infanterie-Brigade  (ohne  L  Bataillon  des  2.  Regiments)  ging  (Führer  General- 
major Asada  Nobuoki)  mit  dem  1.  Regiment  ohne  II.  Bataillon  auf  Höhe  77 
östlich  von  Pototynsa,  mit  dem  2.  Regiment  (ohne  I.  Bataillon)  auf  Höhe  112 
von  8  Uhr  5  vormittags  ab  zum  Angriff  vor.  Generalmajor  Asada  ließ 
15  Minuten  später  das  in  Reserve  befindliche  II.  Bataillon  (ohne  7.  und 
8.  Kompagnie)  des  1.  Garde-Infantcrie-Rcgiments  unter  IMajor  Öba  Kageichi 
in  den  Zwischenraum  der  beiden  Regimenter  als  Verstärkung  einrücken,  und. 
5  INIinuter  später  erreichte  seine  erste  Linie  das  linke  Eiho-Ufer.  Das 
heftigste  Feuergefecht  entbrannte,  und  beim  Feinde  schien  leichte  Unruhe 
einzutreten.  Auch  die  2.  Garde-Infanterie-Brigade  (ohne  2  Bataillone  des 
4.  Regiments)  unter  Generalmajor  Watanabe  Akira  nahm  sofort  mit  ihrem 
3.  Regiment  die  Höhe  östlich  Yogu  als  INIarschriclitung  und  trat  an.  Das 
in  Reserve  befindliche  I.  Bataillon  des  4.  Infanterie-Regiments  unter  Major 
Uta  Hirosaburö  folgte  hinter  dem  linken  Flügel.  Etwa  8  Uhr  10  vormittags 
erreichte  seine  vorderste  Linie  das  linke  Eiho-Ufer  und  eröffnete  gegen  den 
Feind  auf  den  Anhöhen  von  Yogu  und  Magu  das  Feuer,  aber  der  Feind 
leistete  keinen  großen  Widerstand.  Schon  nach  ö  jNIinuten  begann  er  langsam 
ziu'ückzugehen.  Daher  vereinigte  die  vorderste  Linie  sofort  ihr  Feuer  auf 
ihn,  und  man  sah,  wie  die  feindliche  Artillerie  auf  Höhe  112  östlich  von 
Magu  im  Rückzuge  nach  Gegend  Magu  war;  wir  beschossen  sie  hierbei  heftig. 

Die  vorderste  Linie  der  Garde-Division  durchschritt  den  Eiho  etwa 
nach  8  Uhr  20  vormittags.  Von  8  Uhr  25  an  nahm  binnen  einer  halben 
Stunde  das  III.  Bataillon  des  1.  Garde-Infanterie-Regiments  unter  Major 
Ariyoshi  Gaichi  die  Anhöhe  77.  Die  11.  und  12.  Kompagnie  des  2.  Re- 
giments nahm  die  Höhe  112.  Die  vorderste  Linie  der  2t  Infanterie-Brigade 
gewann  Linie:  linker  Flügel  der  1.  Brigade  —  Anhöhe  nördlich  von  Yogu. 
Gegen  den  zurückgehenden  Gegner  i-ichteten  sie  heftiges  Verfolgungsfeuer. 
Generalmajor  Asada  .sah,  wie  der  Feind  vor  seiner  Front  allmählich  auf 
Pototynsa  zurückging.  Der  Rest  des  1.  Regiments  luid  von  der  Reserve 
der  Brigade  die  7.  Kompagnie  des  Regiments  wateten  oberhalb  durch,  um 
von  nördlich  der  Höhe  77  auf  den  feindlichen  Rückzugsweg  nachzudrängen. 
Um  «9  Uhr  5  nahm  die  Masse  des  1.  Regiments  und  die  6.  und  7.  Kompagnie 
(die  die  Brigadereserve  bildeten)  die  Höhe  nordöstlich  von  Pototynsa  in 
Besitz  und  das  2.  Garde-Inlanterie-Regimcnt  die  Höhenlinie  nordöstlich  von 
Magu;  sie  gaben  gleichzeitig  Verfolgungsfeuer  ab. 


Trautz:  Japan.  Oeneralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      149 

Da  nun  der  Feind  in  Unordnung  geriet  und  sich  in  Richtung  auf 
Hodaijoshi-"*  und  die  südlich  davon  gelegene  Höhe  151  zurückzog,  haben 
alle  Abteilungen  zunächst  auf  dem  gewonnenen  Gelände  die  Vei-bände  ge- 
ordnet. Die  2.  Garde-Infanterie-Brigade  schob  um  9  Uhr  10  vormittags  ihre 
vorderste  Linie  vor  bis  in  Linie:  Höhe  westlich  INIagu — Yogu.  Die  Reserve 
ordnete  ebenfalls  nach  dem  Übergang  kurz  die  Verbände  und  setzte  dann 
den  Vormarsch  in  Richtung  INIagu  fort.  Ihr  linker  Flügel  hielt  dabei  Ver- 
bindung mit  dem  rechten  Flügel  der  2.  Division. 

Inzwischen  hatte  das  Garde-Artillerie-Regiment,  in  der  Absicht,  das 
Vortragen  des  Infanterie-Angriffs  zu  unterstützen,  von  7  Uhr  50  vormittags 
ab  mit  seiner  2.  Batterie  den  Schützengraben  auf  der  Ostseite  von  Yogu 
und  mit  den  übrigen  Batterien  die  Artilleriestellung  östlich  von  Magu  unter 
Feuer  gehalten.  Seine  4.  Batterie  hatte  gleichzeitig  den  Auftrag,  die 
2.  Division  zu  unterstützen,  und  beschoß  den  Feind  in  seinem  Schützengraben 
auf  dem  Kamm  der  Höhe  nordöstlich  von  Tiurentschin.  Schließlich,  um 
8  Uhr  10  etwa,  begann  die  feindliche  Artillerie  zurückzugehen;  alle  Batterien 
eröffneten  sofort  das  Feuer.  Aber  etwa  zu  gleicher  Zeit  eröffnete  die  feind- 
liche Artillerie  östlich  von  Magu  wieder  gegen  unsere  im  Vordringen  be- 
findliche Infanterie  ihr  Feuer,  weshalb  die  3.,  4.  und  ö.  Batterie  sie  wieder 
unter  Feuer  nahmen  und  auch  zum  Schweigen  brachten.  Um  8  Uhr  20 
sah  man,  wie  die  feindliche  Artillerie  den  Rückzug  in  das  Tal  von  Magu 
antrat.  Die  5.  und  6.  Batterie  schössen  nun  ebenfalls,  und  als  eine  feindliche 
Lafette  umfiel,  ließ  der  P'eind  die  folgende  Lafette  am  Abhang  südwestlich 
von  jMagu  zurück  und  zog  weiter.  Die  übrigen  Batterien  alle  beschossen 
auch  fernerhin  die  abziehende  gegnerische  Infanterie.  Um  8  Uhr  35,  gleich- 
zeitig mit  der  Besetzung  der  unserer  Infanterie  gegenüberliegenden  Anhöhe, 
hörte  das  Feuer  auf,  und  man  traf  Vorbereitungen  zum  Vorgehen.  Jedoch 
konnte  man  in  dieser  Gegend  den  Eiho  nicht  durchwaten,  weshalb  man 
schließlich  in  der  Stellung  stehen  blieb. 


Angriff  der  12.  Division  bei  Weitszekou. 

Der  Kommandeur  der  12.  Division  hatte  seit  7  Uhr  30  vormittags  das 
angriffsweise  Vorgehen  der  Garde-  und  2.  Division  beobachtet,  und  da  er 
vor  der  Front  seiner  Division  keine  stärkeren  feindlichen  Abteilungen  sah, 
noch  keinen  Befehl  zum  \'orgehen  zum  Angriff  gegeben,  wohl  aber  inzwischen 
durch  die  vorderste  Linie  seiner  Infanterie  Eiho-P\irten  erkunden  lassen; 
es  waren  aber  nur  mit  größter  Mühe  drei  unzureichende  durchwatbare 
Stellen  gefunden  worden. 


^'^^  '^  qT^"^  J'^P'  Hö-dai-chö-shi;  chin. :  P'ao-tai-ting-tzu.  —  1  km 
nordwestlich  von  Pototynsa  (s.  122).  Eigentlich  ist  wohl  dieser  Ortsname  aus  P'ao- 
t'ai-ting-tzu  entstanden  (die  Übersichtsskizze  1:750000  schreibt  auch  Pototynsa); 
da  aber  Yujukü,  als  Stelle  auf  der  Gefechtskarte,  am  genauesten  durch  Pototynsa 
bezeichnet  wird,  so  mußte  Yujuko  für  den  deutschen  Leser  als  Pototynsa  wieder- 
gegeben werden. 


1  öO     Thai'tz  :  Jiipaii.  Gencralstabsvverk  über  den  Japan. -Riiss.  Krieg  1904/05. 

Um  7  l'lir  40  bomorktc  die  5.  liattcrio  des  12.  Feldarfillerie-Ref^iinents 
i'eiiidliehe  Infjuiterie  auf  der  Höhe  südlich  von  Weitszekou  und  heschuß  sie 
sofort.  Dann  nahm  die  1.  Ahtcihuig  des  12.  Feldartillerie-Reginients  (ohne 
1.  Batterie)  nnter  Major  Nishinari  lleikiehl  die  östlicli  von  Magu  stehende 
feindliche  Ai'tillerie  initer  Fener  und  unterstützte  so  ihrerseits  das  \'<>rgehen 
der  Infanterie  dt-r  Gai'dc-Division.  8  Uhr  15  gab  der  lv(»inniandeur  der 
12.  Division  den   Befeld  zum   Angrift". 

Das  III.  Bataillon  des  14.  Infanterie-Regiments  untei-  ISIajor  Shiwa 
Kesaichi  und  das  12.  Kavallerie-Regiment  (ohne  3  Abmärsche  der  1.  Eskadron, 
1  Zug  der  2.  und  3  Züge  der  3.  Eskadron),  die  zu  dieser  Zeit  in  Reserve 
standen,  bedrohten,  zusammen  von  Kyokako  vorgehend,  Flanke  und  Rücken 
des  Feindes. 

Auch  die  auf  dem  linken  Flügel  stehende  23.  Infanterie-Brigade  hatte 
sich  schon,  bevor  sie  den  Befehl  zum  Angriff  erhielt,  der  Angriffsbewegung 
der  Garde-Division  angeschlossen  und  war  angetreten.  Von  7  Uhr  50  ab 
überschritt  sie  den  F^iho,  und  um  8  Uhr  30  hatte  das  an  ihrer  Spitze 
marschierende  III.  Bataillon  des  24.  Infanterie-Regiments  unter  Major  Hirata 
Tokimaru  bereits  die  Anhöhe  nördlich  von  Weitszekou  erreicht.  Die  INIasse 
der  Brigade  folgte,  und  um  9  Uhr  10  war  sie  vollständig  aufs  rechte  Eiho- 
Ufer  übergegangen.  Das  auf  dem  rechten  Flügel  befindliche  47.  Infanterie- 
Regiment  unter  Oberst  Shöbara  Tom  erhielt  um  8  Uhr  50  den  Divisions- 
befehl ziun  Angriff  und  begann  über  den  Fluß  zu  gehen.  Um  9  Uhr  20 
war  es  vollständig  auf  dem  jenseitigen  Ufer  angelangt.  Die  um  diese  Zeit 
in  Gegend  Weitszekou  befindliche  feindliche  Besatzung  war  sehr  schwach 
luid  leistete  fast  keinen  Widerstand.  Als  die  Unsrigen  allmählich  ganz 
dicht  herankamen,  ging  der  Feind  schrittweise  zurück,  ein  Teil  über 
Hodaijoslii (-"'*),  ein  Teil  auf  SekitojoO^^).  Einzig  und  allein  die  in  Gegend 
Sekitojo  befindliche  feindliche  Artillerie  hat  von  etwa  8  Uhr  30  vormittags 
ab  den  Flußübergang  der  rechten  Fiügelabteilung  und  den  ^''ormarschweg 
des  III.  Bataillons  des  14.  Infanterie-Regiments  und  des  12.  Kavallerie-Re- 
giments unter  Feuer  gehalten,  allerdings  ohne  ihnen  große  Verluste  zu- 
zufügen. 

Das  in  Gegend  Weitszekou  befindliche  24.  Infanterie-Regiment  war 
auf  den  Kanonendonner  hin  8  Uhr  40  vormittags  dort  abgerückt  und  auf 
ihn  zu  marschiert.  Das  I.  Bataillon  des  46.  Infanterfe- Regiments  unter 
Major  Koitö  Yukibumi  nahm  Verbindung  mit  seinem  rechten  Flügel  auf 
imd  setzte  mit  ihm  gemeinsam  den  Vormarsch  gegen  Sekitojo  fort.  Die 
Masse  des  46.  Infanterie-Regiments  und  das  47.  InfiEinterie-Regiment  folgten. 
Nun  ließ  der  Kommandeur  der  12.  Division,  in  der  Absicht,  den  Feind  bei 
Sekitojo  in  die  Enge  zu  treiben  und  gegen  seinen  Rückzugsweg  von 
Dairobo^"^  aus  vorzugehen,  um  9  Uhr  20  die  Reserven  und  das  12.  Artillerie- 
Regiment  zusammen  über  den  Eiho  vorrücken.  Sofort  traten  die  Abteilungen 
an,    das    Ai-tillerie- Regiment    um   10  Uhr  30,    das   14.  Infanterie -Regiment 


M: 


}    jap. :  Dai-rö-bö ;  cliin. :  Ta-lou-fang.  —  5  km  westnordwestlicli 
von  Magu. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Riiss.  Ivrieg  1904,05.      151 

(ohne  in.  Bataillon)  unter  Oberst  Imamura  Shinkei  10  Uhr  40  etwa,  über- 
schritten zusammen  zwischen  Santauwan  und  Sairoshiko  den  Eiho  und 
folgten  den  in  erster  Linie  befindlichen  Abteilungen. 

Die  Divisionen  entrissen  dem  Gegner  etwa  um  9  Uhr  vormittags  die 
feindliche  Stellung  in  dorn  Gelände  auf  dem  rechten  Eiho-Ufer  von  Gegend 
Weitszekou  bis  Tiurentschin.  Die  Absicht  des  Armee-Oberkommandos  war, 
da  man  die  vordei-ste  feindliche  Linie  für  überaus  schwach  hielt,  von  der 
12,  Division  her  den  AngrilV  vt)rzulragen :  aber  die  Erkundungsabteilungen 
der  2.  Division  bemerkten  gleich,  als  der  Ilauptkampf  entbrannte  imd  daher 
bevor  das  Vordringen  des  Angritfs  der  Armee  von  jener  Seite  her  begonnen 
hatte,  daß  in  Gegend  Tiurentschin  der  Brennpunkt  des  Kampfes  lag. 

Anordnungen  der  1.  Armee  für  die  Verfolgung. 

Das  Armee-Oberkommando  ließ  8  Uhr  vormittags  die  Armee-Haupt- 
reserve auf  Tiurentschin  antreten.  Als  diese  am  Tigerhügel  eintraf  imd  in 
der  Absicht,  gegen  die  Linie  des  Tasahotsy  ^'"^  vorzugehen,  sofort  den  Feind 
zurückwarf,  erging  imi  9  U^hr  vormittags  folgender  Armeebefehl : 

Die  12.  Division  geht  mit  ihrer  JNIasse  auf  Dairobo  vor  und  mit  einem 
Teil  in  Richtung  Sekitojo.  Sie  nimmt  die  Höhe  von  Loukudun^"'  (am 
oberen  Tasahotsy)  und  erkundet  Gegend  Fönhuantschön.  Die  Garde-Division 
geht  auf  Hamatan  (Nord)  vor  und  klärt  gegen  die  Linie  Höhe  südlich 
Zenteishi^*^*  —  Hamatan  (Süd)  auf.  Die  2.  Division  nimmt  Antimg  und  klärt 
vom  Yüanpauschan ^''^  bis  Tschitaukou^'"  auf,  ferner  ninnnt  sie  Verbindung 
mit  der  Flottille. 

Vorgehen  der  12.  Division. 
Der  Kommandeiu-  der  12.  Division  erhielt  um  10  Uhr  vormittags  den 
Armeebefehl.  Er  teilte  dem  Generalmajor  Kigoshi  die  23.  Infanterie- 
Brigade,  die  1.  Artillerie- Abteilung  (ohne  1.  Batterie)  zu  und  ließ  ihn  auf 
Dairobo  vorgehen  und  den  Raum  von  Rijuko  bis  Loukudun  besetzen.  Die 
übrigen  Abteilimgen  sollten  sich  in  Dairobo  sammeln.  Generalmajor  Kigoshi 
jedoch   hatte   schon  vorher   zunächst   von  Weitszekou    den  Vomiarsch   zur 


-°^  ^^^^:^VpT  jap.  Go-nio-tü-ka;  chin. :  Ko-ma-t'ang-ho.  —  Rechter  Zu- 
fluß des  Yalu,  mündet  unmittelbar  nördlich  von  Antung. 

'^''  3^r  dT  Vl^  J^P-'  Rü-ko-dö;  chin.:  Lao-ku-tung.  —  5,5  km  nordwestlich 
von  Hamatan. 

-°*  ]0U  ~r  "J  J^P'"  Zen-tei-shi;  chin.:  Cluen-ting-tzu.  —  2,6  km  nordwest- 
lich von  Hamatan. 

^"^  7C  ^S.  LÜ  J^P  •  Gem-pö-san ;  chin. :  Yüan-pao-shan.  —  2  km  nördlich 
von  Antung,  180  m  hoher,  kahler,  steiler  Bergkegel,  der  eine  wunderbare  Fernsicht 
nach  allen  Seiten  bietet ;  schon  weit  vom  koreanischen  Ufer  her  sichtbar,  fällt  er  auf 
wegen  seiner  regelmäßigen  Pyramidenform  mit  stark  abgeflachter  Spitze. 

"°  -t^jM^y^  jap.:  Shichi-dö-kö;  chin.:  Ch'i-tao-kou.  —  2  km  westüch 
von  Antung. 


152     Traut/.:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Kiiss.  Krieg  1904/05. 

Verfolgung  fortgesetzt.  Sein  24.  Infanterie-Regiment  war  von  9  Uhr  25  bis 
10  Uhr  30  allinlUilich  bis  vor  die  feindliche  Stellung  bei  Sekitojo  angekommen 
und  grift"  ungestüm  an.  Der  Feind  jedoch  hielt  in  einem  Schützengraben, 
welcher  dem  Höhenrücken  von  Hodaijoshi  entlang  angelegt  war,  und  in 
einer  durch  Schulterwehren  verstärkten  Stellung  unsern  Vormarsch  nach 
lilöglichkeit  auf  und  leistete  trotz  seiner  geringfügigen  Stärke  (Infanterie 
etwas  Ober  1  Bataillon,  Artillerie  anscheinend  ein  ])aar  Geschütze)  sehr 
starken  Widerstand.  Obwohl  die  Unsrigen  bis  auf  400  m  herandrängten, 
hielt  er  stand.  Inzwischen  hatte  Generalmajor  Kigoshi  das  I.  Bataillon  des 
46.  Infanterie-Regiments  auf  seinem  rechton  Flügel  in  erster  Linie  auf- 
marschieren lassen.  Als  so  der  Kampf  immer  heftiger  wurde,  ging  der 
Feind  bald  in  südwestlicher  Riclitung  zurück,  und  unsere  erste  Linie  drang 
in  die  feindliche  Stellung  ein  (10  Uhr  30  vormittags).  Erst  nachdem  die  sämt- 
lichen Abteihmgen  westlich  Sekitojo  ihre  Verbände  geordnet  hatten,  nahmen 
sie  die  Verfolgiuig  gegen  Hamatan  hin  wieder  auf,  und  der  Divisions- 
kommandeur gonehmigte  diese  jNIaßnalime  (bei  Ankunft  des  Divisionsbefehls 
war  es  2  Uhr  45  nachmittags  gewesen,  und  das  war  schon,  nachdem  der 
Kampf  gegen  den  bei  Hamatan  befindlichen  Gegner  begonnen  hatte).  Die 
Iklasse  der  Division  folgte.  Inzwischen  w-ar  das  III.  Bataillon  des  47.  Infanterie- 
Regiments  (ohne  11.  Kompagnie)  unter  Major  Öta  Rö  auf  Befehl  des  General- 
majors Sasaki  auf  dem  rechten  Flügel  des  I.  Bataillons  des  46.  Infanterie- 
Regiments  aufmarschiert,  hatte  aber  den  Kampf  niclit  aufnehmen  können. 
Nur  die  11.  Kompagnie  nahm,  auf  dem  linken  Flügel  des  24.  Regiments 
mitgerissen,  am  Angriff  teil. 

Vorgehen  der  Garde-Division. 

Der  Kommandeur  der  Garde-Division  war  mit  der  Hauptreserve  um 
9  Uhr  30  vormittags  etwa  auf  Höhe  77  östlich  von  Pototynsa  angekommen. 
Um  diese  Zeit  hatte  die  12.  Division  anscheinend  noch  nicht  ganz  ihren 
Übergang  über  den  Eiho  vollendet.  Auf  dem  rechten  Flügel  war  es  zweifel- 
haft, ob  der  Feind  nicht  etwa  einen  erneuten  Angriff  w^agen  würde;  aber 
weil  die  Lage  bei  sämtlichen  Abteilungen  recht  ungeklärt  war,  so  rief  man 
überall  nach  den  Befehlsempfängern.  Obwohl  nun  inzwischen  der  Armee- 
befehl eintraf,  kostete  das  Einholen  von  Befehlen  durch  die  Truppen 
eine  gewisse  Zeit,  und  um  Mittag  erst  wurde  folgen'des  befohlen:  Die 
2.  Garde-Infanterie-Brigade  (ohne  Stab  \md  2  Bataillone  des  4.  Regiments) 
geht  unverzüglich  bis  zu  der  dreifachen  Wegegabelung  1000  m  nördlich  von 
Hamatan  vor  und  sichert  die  Höhe  südlich  des  Dorfes  gleichen  Namens. 
Die  1.  Garde-Infanterie-Brigade  soll  bei  der  dreifachen  Wegegabel  etwa 
2000  n»  südlich  von  Kosuishi '*",  das  Feldartillerie-Regimcnt,  dem  das  Pio- 
nier-Bataillon zugeteilt  wird,  an  der  Stelle,  wo  sie  gerade  sind,  verbleiben. 

(.\n  diesem  Tage  hatte  das  Garde-Pionier-Bataillon  und  das  Garde- 
Artillerie-Regiment,  um   ül)er  den  pj'ho  zu  gehen,  um  1  Uhr  nachmittags  in 


^"  •  J^  1')^  "?"  J^l'"  Ko-sui-shi;  chin.:  Hu-tsui-tzu.   —  4..')  km  westsüdwest- 
n<h  von  Magu. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1904/05.      153 

seiner  rechten  Flanke  an  der  Westecke  des  Tigerliügels  eine  Brücke  gebaut 
und  7  Uhr  vollendet  (\  orschriflsniäßiges  Gerät,  Länge  iiber  34  m),  jedoch 
hatte  die  Heranschatfung  des  Geräts  allein  zwei  Stunden  gebraucht,  was 
sehr  lange  ist.) 

Die  2.  Garde-Infanterie-Brigadc  (ohne  Stab,  II.  und  III.  Bataillon  4.  In- 
fanterie-Regiments) war  I  Uhr  30  nachmittags  etwa  aus  Gegend  Magu  an- 
getreten ;  der  Divisionskommandeur  war  mit  der  1 .  Brigade  gefolgt. 

(Der  Divisionsstab  und  die  Garde-Infanterie-Brigade  (ohne  1  Regiment) 
hatten  ihren  Weg  verloren,  waren  nach  Tim-entschin  gekonunen  und  dann 
erst  nach  Haniatan  vorgegangen.  Das  I.Regiment  w'ar  auf  dem  von  Magu 
südwärts  führenden  Wege  nördlich  von  Tiurentschin  dazu  gestoßen.) 

Verfolgung  durch  die  2.  Division. 

Die  2.  Division  hatte  zwar  9  Uhr  30  vormittags  auf  der  Höhe  nörd- 
lich von  Tiurentschin  den  Armeebefehl  erlialten,  aber  der  vor  ihrer  Front 
befindliche  Gegner  hatte  gerade  die  etwa  2000  m  nordwestlich  von  Tiu- 
rentschin befindliche  Höhe  besetzt,  und  unsere  vorher  in  Tschunkiantai  (Ma- 
tuzeo)  befindliche  I.  Artillerieabteilung  war  in  ihre  3.  Stellung  am  Nordrande 
von  Kaaikasen  vorgegangen.  Die  feindliche  Artillerie  beschoß  zwar  dies 
Voi'gehen,  konnte  aber  hinter  ihrer  Höhe  die  Schüsse  nicht  gut  beobachten 
und  keine  Wirkung  erzielen,  daher  gab  sie  dies  Feuer  auf.  Dagegen  nahm 
die  russische  Artillerie,  oft  die  Stellung  wechselnd,  nun  von  allen  Seiten  unsere 
verfolgenden  Abteilungen  aufs  Korn,  welche  somit  den  Armeebefehl  nicht 
sofort  auszuführen  vermochten.  Das  dauerte  eine  Weile  an,  man  wartete 
auf  das  Vorgehen  der  Rechten-Flügel-Division. 

Vorrücken  der  Armee  Verfolgungsabteilungen. 

Das  Armee-Oberkommando  ging  nun  in  Richtung  Tiurentschin  vor 
und  erreichte  den  Fuß  der  Anhöhe  auf  dem  rechten  Eiho-Ufer  12  Uhr  mit- 
tags. Als  um  1  Uhr  40  schließlich  der  Gegner  auf  den  Anhöhen  westlich 
von  Tiurentschin  den  Rückzug  antrat,  erging  an  die  am  Südfuß  der  Höhe 
nordöstlich  von  Tiurentschin  sich  sammelnde  Hauptreserve  folgender  Befehl: 
Das  2.  Kavallerie-Regiment  wird  Antung,  der  Rest  dem  Kommando  des 
Obersten  Umezawa  zugeteilt  und  wirft  den  Feind  von  dem  Wege  Tiuren- 
tschin— Fönhuantschön  zurück.  Ferner  folgt  die  I.  Artillerie-Abteilung  (ohne 
1  Batterie)  der  2.  Division,  während  gleichzeitig  das  Garde-Kavallerie-Re- 
giment, unverzüglich  antretend,  in  derselben  Richtung  wie  Oberst  Umezawa 
die  Verfolgung  aufnimmt. 

Inzwischen  hatte  die  Armee-Hauptreserve  unter  Oberst  und  Komman- 
deur des  4.  Garde-Infanterie-Regiments  Umezawa  um  8  Uhr  50  vormittags 
ihren  Versammlungsplatz  auf  Kurito  verlassen  und  war  über  den  Sattel  des 
Tigerhügels  hinaus  vorgegangen,  um  10  Uhr  35  am  Ostfuß  der  Anhöhe 
nordöstlich  von  Tiurentschin  auf  dem  rechten  Eiho-Ufer  eingetroffen  und 
aufmarschiert.  Sie  wartete  nur  auf  einen  günstigen  Zeitpunkt  zum  Vor- 
gehen.    Das  2.  Kavallerie-Regiment  trat  entsprechend  dem  Armeebefehl  von 


1Ö4      TnAL'Tz:  Japan.  Generalstabswcik  über  den  Japan. -Kuss.  Krieg  1004/05. 

1  Uhr  50  nachmittags  um  2  Uhr,  das  Garde-Kavallerie-Regiment  um  2  Uhr  5 
an.  Die  Vorhut  der  Verlolgungsabteihmgen  (Führer  Kommandeur  des  30.  In- 
fanterie-ReginuMits  Oberst  Baba  Mciei,  Truppen :  Stab  des  30.  Infantcrie- 
Regiment.s.  I.  und  III.  Bataillon  ohne  11.  Kompagnie,  1.  Zug  der  3.  Garde- 
Eskadron    ohne    1    Abmarsch,  I.  Abteilung  2.   Feldartillerie-Kegiments  ohne 

I.  Batterie)  trat  um  2  Uhr  15  auf  der  Sti-aße  Tiurentschin — Fönliuantschön 
an;  die  rechte  Seitendeckung  (Stab  des  111.  Bataillons  4.  üarde-lnlanterie- 
Regiujcnts  und  9.  und  11.  Kompagnie,  und  1  Abmarsch  der  3.  Garde- 
Kskadi-oii  imtcr  Führung  des  Älajors  Eijima  Ki)  trat  um  2  Uhr  14.  östlich 
von  Tiurentschin  sich  ansclilicßend,  aul"  dem  rechts  der  Hauptstraße  pa- 
rallellaufenden Wege  an.  Die  linke  Seitendeckung,  die  10.  Kompagnie  des 
4.  Garde-Infanterie-Regiments, ti-at  2Uhr  10  über  Lolungto^'- — Suanschansa"'' 
auf  Hamatan  den  Vormarsch  anj  das  Gros  der  Verfolgungsabteilung  folgte. 

Vorgehen  der  2.  Division  auf  Antung. 

Die  2.  Division  ließ  ihre  letzten  Al)tciluiigen  sich  auf  einem  Felde  süd- 
westlich von  Tiurentschin  versammeln  und  gab  um  3  Uhr  15  nachmittags 
folgenden  Befehl:  Rechte  Kolonne  (Führer Generalmajor MatsunagaMasatoshi; 
Truppen:  29.  Infanterie-Regiment,  1  Zug  ohne  1  Abmarsch  der  2.  Eskadron 
des  Kavallerie-Regiments)  tritt  um  3  Uhr  40  von  der  Stelle,  wo  sie  gerade  ist, 
an  und  geht  vor  über  Tutschensa(i'^^')  nach  dem  Yüanpanshan.  Sie  nimmt 
den  Raum  von  Ilandorei '■"*  bis  Pataukou -'•''  in  Besitz.  Linke  Kolonne  (Führer 
Generalmajor  Okazaki  Seizö;  Truppen:  16.  Infanterie-Regiment,  1  Abmarsch 
der  2.  Eskadron  des  Kavallerie-Regiments)  bricht  mit  der  Vorhut  um  3  Uhr  50 
von  der  Höhe  von  Tiurentschin  auf  und  marschiert  über  Yenwo  vor  auf 
Antung.    Der  Divisions-Kommandeur  und  das  Gros  (4.  Infanterie-Regiment, 

II.  Bataillon  des  30.  Infanterie-Regiments,  2. Pionier-Bataillon)  bricht  4  Uhr  10 
von  Tiurentschin  auf  und  folgt  dei-  Vorhut.  Die  I.  Artillerie-Abteilung  (ohne 
1  Batterie)  wird  dem  Armee -Oberkonjinando  direkt  unterstellt;  der  Rest 
folgt  der  linken  Kolonne. 

Die  in  Kaaikasen  befindliche  I.  Abteilung  des  2.  Artillerie-Regiments 
räumte  nach  12  Uhr  mittags  ihre  Stellung  vmd  ging  aufs  rechte  ICiho-Ufer 
hinüber,  jedoch  war  das  Durchfurten  wegen  der  beträchtlichen  Wassertiefe 
nicht  leicht.  Um  1  Uhr  40  nachmittags  erst  konnte  bej  Hondöl^'^")  zunächst 
die  3.  Batterie  übergehen.  Die  Munition  trugen  die  Soldaten  einzeln  auf 
den   Schultern   hinüber.     Bei   den   andern   Batterien,    wo   sogar   die   Pferde 


^"^  "^T  HE  BM  J^P-  Ro-ryü-to;  chin.:  Lao-lung-f'ou.  —  2,5  km  südsfidwestlich 
von  Tiurentschin. 

■•iiä  Ipm  IM  ^-'  jap.:  Ten-.san-shi ;  cliin.:  Chuaii-shan-tzu.  —  4,3  km  westlich 
von  Tiuientscliin. 

^'*  j^  jö"  ^J^  J''P-  Han-dü-rei;  chin. :  P'an-tao-ling.  —  1  km  nördlich  vom 
Gipfel  des  Yüanpauschan  (180  in  hoch)  s.  209. 

^\^  /\  jW  yp).  J^P-  Hachi-dö-ko;  chin.:  Pa-tao-kou.  —  1  km  nordwestlich  von 
Antung. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1004/05.      155 

schwiinineii  mußten,  hat  man  das  Gerät  auf  einer  von  einem  Zug  der 
2.  Pionier-Kompagnie  gefertigten  Behelfsbrücke  aus  chinesischen  Booten 
etwa  3  Uhr  30  aufs  rechte  Eiho-Ufer  hinübergebracht.  Die  2.  und  3,  Batterie 
folgten  nun  den  Verfolgungsabteilungen,  und  die  1.  Batterie  trat  ihren  Vor- 
marsch auf  Antung  an.  Der  auf  dem  linken  Yalu-Ufer  befindliche  Stab  des 
2.  Artillerie-Regiments  und  die  11.  Abteilung  gingen  12  Uhr  30  mittags  bis 
5  Uhr  30  abends  auf  einer  Bockbrücke  über  den  Yalu.  Allmählich  folgten 
sie  der  Division. 

(In  dieser  Nacht  bauten  die  Pioniere  des  Brückentrains  der  3.  Division 
über  den  Hauptstrom  des  Eiho  nordöstlich  von  Tiurentschin  aus  vorschrifts- 
mäßigem Gerät  eine  60  m  lange  Brücke.  Weil  jedoch  bei  dieser  Brücke 
für  den  Yalu-llauptstrom  Behelfsgerät  benutzt  wurde,  dauerte  die  Herbei- 
schatfung  sehr  lange.) 

Das  Armee-Oberkommando  verließ  4  Uhr  10  nachmittags  den  Fuß  der 
Anhöhe  nordöstlich  von  Tiurentschin  und  kam  5  Uhr  10  in  Tiiu'entschin 
selbst  an.  Um  diese  Zeit  fielen  feindliche  Geschosse  aus  der  Gegend  von 
Hamatan  (Nord)  häufig  in  dieser  Gegend  nieder. 

Bewegungen  der  Abteilung  Maya. 

An  diesem  Tage  verließ  die  Maya-Abteilung  9  Uhr  30  vormittags  den 
Hafen  von  Yonampo.  Das  Kanonenboot  Maya  demonstrierte  gegen  den 
Andsischan^'®,  das  Kanonenboot  Uji  gegen  Rokudoko^'^,  jedes  feuerte  un- 
gefähr 2  Stunden  lang.  Die  Torpedoboote  streuten  zwischen  Niantschan 
und  Sidaugou;  als  sie  wieder  zurückkehrten,  hatten  sie  am  Anshizan  mit 
der  gegnerischen  Artillerie  ein  etwa  halbstündiges  Gefecht  und  brachten 
sie  zum  Schweigen.  Die  armierten  Dampf  boote  unterhalb  von  Antung  hatten 
mit  feindlicher  Infanterie  und  Artillerie  etwa  35  Minuten  zu  kämpfen  und 
schlugen  sie  zurück.  Zwischen  11  Uhr  30  vormittags  und  2  Uhr  nachmittags 
waren  alle  Schiffe  wieder  in  Yonampo  zurück.  (Die  Abteilung  unter  dem 
Kommando  des  Kontreadmirals  Hosoya  verließ  am  4.  Yonampo  und  vei*- 
einigte  sich  am  6.  mit  der  7.  Flottille.) 

Lage  der  russischen  Tiurentschin-Abteilung. 

Bemerkung:  Am  I.Mai  morgens  stand  die  russische  Tiurentschin- 
Abteilung  unter  Oberstleutnant  Jabrotzky  mit  dem  II.  Bataillon  des 
11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  (ohne  7.  Kompagnie)  und  mit 
der  8.  Kompagnie  des  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  auf  den 
Höhen  südlich  und  in  Tiurentschin  (die  Stellung  hieß  »Rechte-Flügel- 
Stellung«).     Das    von    Oberst    Zibulsky    befehligte    12.   Ostsibirische 


■21G  ^^^-y^llJ  J^P--  An-shi-zan:  chin.:  An-tzn-shan.  —  Fast  100m  hoher 
Hügel,  16  km  südwestlich  von  Antung  auf  dem  rechten  Yalu-Ufer;  an  seinem  süd- 
lichen Ausläufer  Anminzan  liegt  das  Dörfchen  gleichen  Namens  (s.  160). 

-^"  yA  jM  y^  J^P-'  Roku-dö-kö;  chin.:  Liu-tao-kou.  — 3  bis  4  km  westlich 
des  japanischen  (Süd-)Teils  von  Antung. 


I  56      Trautz  :  Japan.  Geiieralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1004/05. 

Si'liQtzen-Rftiiinont  (ohne  1.,  ö.,  10.  und  11.  Kompagnie)  stand  in  dem 
Haiinic:  Anliölu'  nordöstlich  Tiurcntschin — Südseite  von  Yoga  (die 
Stellung  hieß  »mittlere  Stellung«).  Die  von  Oberst  Gromow  gefiihrte 
10.  und  11.  Kompagnie  des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Kegiments  und 
6  Geschütze  der  3.  Batterie  der  6.  Ostsibirisehen  Schützen-Brigade 
(unter  Oberstleutnant  Pokotilo  im  Rechten-Flügel-Abschnitt),  die 
7.  Kompagnie  des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  (unter  Oberst- 
leutnant Gornitzky  im  Liidven-Flügel-Abschnitt)  und  die  ö.  bis  9.  Kom- 
pagnie des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  (Abteilungsreserve 
hinter  dem  Rechten-Flügel-Abschnitt)  standen  zwischen  Magu  und  Poto- 
tynsa  auf  den  Höhen  des  rechten  Kiho-Ufers  (ihre  Stellung  hieß  »Linke- 
Flügcl-Stellung").  Das  von  Hauptmann  ^Iloschnitschenko  geführte 
I.  Bataillon  des  22.  Ostsil)irischen  Schützen-Regiments  und  2  Geschütze 
der  3.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  standen 
bei  Tschingou.  Die  1.,  5.,  10.,  11.  Kompagnie  des  12.  Ostsil)irischen 
Schützen-Regiments,  die  Maschinengewehr-Abteilung  imd  die  2.  Batterie 
der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  (diese  südlich  Tiu- 
rcntschin rechts  von  einem  alten  Chinesenlager)  standen  als  Reserve 
ungefähr  2000  m  nordw^estlich  von   Tiurentschin. 

Das  am  linken  Flügel  als  Beobachtungsa])teilung  befindliche 
Jagdkommando  wurde  am  30.  wegen  ü])crmüdung  zurückgenommen 
und  der  Reserve  zugeteilt.  Oberst  Gromow  entsandte  dann  an  den  äußer- 
sten linken  Flügel  der  Stellung  die  5.  Ostsibirische  Schützen-Kompagnie. 

Am  I.Mai  in  aller  Frühe  verteilte  man  das  I.Bataillon  des 
12.  Ostsiljirischen  Schützen-Regiments  (ohne  1.  Kompagnie)  und  die 
6.  Kompagnie  auf  dem  rechten  Eiho-Ufer.  Die  Beobachtungsal)teilung 
ward  von  den  Japanern  bedrängt  und  zog  sich  in  die  Hauptstellung 
zurück.  Um  5  Uhr  20  morgens  etwa  beschoß  die  japanische  Ar- 
tillerie in  und  östlich  Tschunkiantai  (Matuzeo)  die  Gegend  von  Tiu- 
rentschin und  brachte  nach  ungelähr  20  Minuten  die  Russen  dort 
zum  Schweigen.  Es  wurde  6  Uhr,  da  tauchten  dünne  japanische 
Schützenlinien  auf  dem  linken  Eiho-Ufer  auf,  und  man  sah,  wie  hinter 
ihnen  geschlossene  Infanterie-Massen  folgten.  Alle  Komj)agnien  der 
ersten  Linie  in  der  Mitte  der  Stellung  eröffneten  ihr  Feuer.  Ohne 
Zögern  begann  die  japanische  Infanterie  östliclT  der  Höhen  nord- 
östlich von  Tiurentschin  den  Eiho  zu  durchwaten.  Die  4.  und  6.  Ost- 
sibirische Schützen-Kompagnie  richteten  ihr  Feuer  zwar  dahin,  aber 
die  Japaner,  immer  wieder  durch  frische  Abteilungen  verstärkt,  blieben 
im  Vorgehen.  Als  gegen  7  Uhr  etwa  der  Artilleriekampf  besonders 
heftig  cntl)rannt  war,  erlitt  das  12,  Ostsi])irische  Schützen-Regiment 
ganz  besonders  schwere  Verluste  (4  Kompagniechefs  und  zahlreiche 
Unteroffiziere  und  Mannschaften  mußten  nach  und  nach  die  Gefechts- 
linie  verlassen).  Es  erhielt  nun  von  Oberst  Zibulsky  aus  der  Reserve 
(in  der  sich  zu  dieser  Zeit  4  Kompagnien  befanden)  außer  der  einen, 
wielche  zum  Schutze  der  Fahne  dort  blieb,  nach  und  nach  alle  ül)rigen 
zur  Verstärkung  seiner  Gefechtslinie. 


Trai  TZ :  Japan.  Oeneralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      1 57 

2  Kompagnien  des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  auf 
dem  rechten  Flügel  der  SteUung  beschossen  zwar  die  Japaner,  als 
sie  sie  den  Fluß  durchwaten  und  gegen  die  Höhen  nordöstlich  von 
Tiurenlschin  vorgehen  sahen,  aber  die  Japaner  verlängerten  nur  ihre 
Front  und  blieben  im  Vorgehen.  Die  dortige  Artillerie  und  die  von 
Tschunkiantai  (Ma(uzeo)  vereinigten  ihr  Feuer  und  unterstützten  sich, 
so  daß  ein  Teil  des  Schützengrabens  geradezu  zum  Ivugclfaug  wurde, 
Sand  und  Steine  umherflogen  und  Staub  und  Rauch  so  dicht  wurden, 
daß  schließlich  keiner  mehr  ein  Ziel  sehen   konnte. 

Rückzug  der  russischen  Tiurentschin-Abteilung. 

Inzwischen  hatte  Generalleutnant  Sassulitsci)  die  Meldung  von 
dem  Flußübergang  der  Japaner  erhalten,  und  da  er  hörte,  daß  General- 
major Kaschtalinsky  im  allgemeinen  dazu  neige,  zurückzugehen,  so 
begab  er  sich  um  6  Uhr  morgens  durch  die  Mitte  der  Stellung  zu  dem 
Stabe  der  3.  Division  im  Tale  des  Hantuchodsy -'^  und  besprach  sich 
persönlich  mit  dem  genannten  Generalmajor.  Um  diese  Zeit  erreichte 
das  feindliche  Feuer  allmählich  ebenso  wie  das  Feuergefecht  ringsum 
seine  höchste  Stärke.  Etwa  um  8  Uhr  begann  die  erste  Abteilung  von 
Tiurentschin  aus  allmählich  zurückzugehen,  wurde  aber  im  Hantuchodsy- 
Tale  von  feindlichem  Gewehrfeuer  empfangen,  auch  bei  Pototynsa 
wurde  das  Knattern  der  Gewehre  immer  stärker,  so  daß  schließlich 
auch  Generalleutnant  Sassulitsch  sich  zum  Rückzuge  entschloß.  Er 
besprach  sich  mit  Genei-almajor  Kaschtalinsky  und  ließ  zunächst  2  Batte- 
rien der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  und  1  Maschinen- 
gewehr-Abteilung etwa  2000  m  westlich  von  Tiurentschin  auf  den  Höhen 
des  rechten  Hantuchodsy-Ufers  eine  Aufnahmestellung  einnehmen.  Er 
entsandte  ferner  den  Stabshauptmann  Grumieminsky  nach  Hamatan 
(Nord)  und  ließ  das  IT.  Ostsibirische  Schützen-Regiment  (ohne  II.  Ba- 
taillon) und  die  3.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie- 
Brigade  in  diese  Aufnahmestellung  holen.  Dann  gab  er  den  Befehl 
zum  Rückzug  iiir  die  gesamte  Ostabteilung  und  erreichte  um  10  Uhr 
Hamatan. 

(Um  diese  Zeit  hatte  das  11.  Regiment  nocli  nicht  abmarschieren 
können,  und  der  Regiment.skonunandeur  Oberst  Laiming  drang  darauf, 
aufs  schnellste  in  die  Aufnahmestellung  zu  gehen  und  befehlsgemäß 
entscheidenden  Kam[)f  zu  vermeiden.) 

Inzwischen  prasselte  auf  die  Mitte  der  Stellung  südlich  von 
Yogu  heftiges  japanisches  Geschützfeuer  nieder.  Es  war  nicht  länger 
mehr  möglich,  die  Stellung  zu  halten.  Von  Magu  her  kamen  starke 
japanische  Kräfte  an,  welche  die  mittlere  Stellung  links  umfaßten  imd 
zwischen  dem  linken  Flügel  und  der  Mitte  der  Stellung  durchbrechen 
zu  wollen  schienen.  Oberst  Zibulsky  entschloß  sich  daher  allmählich  zum 


^**     i^  iM  ^RI    J'^P"   *^-<^o-ka;    chin. :    Heng-tao-ho.  —  Rechter  Zufluß    des 
Eiho,  der  bei  Lolungto  (s.  212)  einmündet. 


158     Trautz:  Japan.  Generalstabsweik  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

Kückzug;  7  Uhr  30  vormittags  rUiiinte  das  12.  Ost.sibirische  SchiUzen- 
Hegiinent  den  Schützengraben.  Eine  Weile  noch  auf  den  Höhen  von 
Tiurentschin  haltend,  nahm  es  die  am  Fuß  dieser  Höhen  voi'dringenden 
Japaner  unter  Feuer. 

Oberstleutnant  Jahultskin.  wolcher  den  rechten  Flügel  der  Stellung 
kommandierte,  wollte  angesichts  des  Rückzugs  aus  der  Mitte  der 
Stellung  deren  Besatzung  aufnehmen  und  ließ  zunächst  die  8.  Kom- 
pagnie des  "24.  Regiments  und  das  Jagdkommando  nach  Hamatan  (Nord) 
sich  zurückziehen;  dann  zog  er  seihst  sich  mit  3  Kompagnien  des 
11.  Regiments  ins  Tal  des  Hantuchodsy  ziu'ück. 

Lage  der  russischen  Truppen  gegenüber  unserer  Garde-Division. 

In  der  Linkeu-Flügel-SteUung  hei  Pototynsa  ei'kannte  mau  am 
Morgen  dieses  Tages  vor  5  Uhr  im  Morgennebel  das  Vorgehen  der 
Japaner.  Die  sämtlichen  Kompagnien  des  22.  Ostsihirischen  Schützen- 
Regiments  eröffneten  sofort  ihr  Feuer.  Um  7  Uhr  morgens  begann 
die  japanische  Artillerie,  aus  der  Gegend  von  Tschunkiantai  (Matuzeo), 
vom  Tigerhügel  und  von  Lisavven  her  aus  Feld-,  Gebirgs-  und  Festungs- 
geschützen zu  feuern,  über  2  Bataillone  Infanterie  gingen  vom  Tigei-- 
hügel  her  gegen  den  rechten  Flügel  unserer  Stellung  vor.  Die  russische 
3.  Batterie  (6  Geschütze)  zögerte  zwar  nicht  mit  der  Feuereröffnung, 
geriet  aber  sofort  durch  das  feindliche  Ai-tilleriefeuer  in  schwierige 
Lage  und  mußte  schweigen.  Um  diese  Zeit  sah  Oberst  Gromow,  wie 
aus  Gegend  Santauwan  4 — 6  feindliche  Bataillone  den  Eiho  überschritten 
und  gegen  die  linke  Flanke  und  den  Rücken  der  Stellung  vorgingen. 
Er  entschloß  sich,  den  linken  Flügel  der  Stellung  auf  den  Höhenzug 
von  Hodaijoshi  zurückzunehmen.  Zunäclist  nahm  er  die  ö.  Kompagnie 
nach  dem  genannten  Höhenzuge  zurück;  die  Resei-ve,  welche  Hau])t- 
mann  Listopadow  kommandierte,  ließ  er  schnell  die  Höhe  nördlich 
Magu  ziu-  Verteidigung  besetzen.  Im  allgemeinen  besagten  die  Mel- 
dungen der  3.  Batterie,  daß  das  feindliche  Drängen  immer  bedrohlicher 
aussehe.  Er  entschloß  sich  nun  sofort,  auf  den  Höhenzug  Pototynsa  — 
Sekitojo  —  Tschingou  imd  südlich  zui-ückzugehen,  und  beauftragte 
die  7.  und  10.  Kompagnie  des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments, 
mit  der  Artillerie  zusannnen  zurückzugehen  und  ihren  Schutz  zu  über- 
nehmen. Zunächst  ließ  er  die  Reserve  (6.,  8.,  9.  Kompagnie)  nach- 
einander vom  rechten  Flügel  der  Abteilungen  der  ersten  Linie  auf 
dem  Wege  nach  Tschingou  schrittweise  zvn-ückweichen. 

Um  9  Uhr  begann  die  von  Hauptmann  Listopadow  geführte 
Reserve  und  die  auf  dem  linken  Flügel  der  Stellung  befindlichen  Kom- 
pagiu'cn  (die  5.  und  12.)  über  Pototynsa  auf  dem  nach  Tschingou 
führenden  Wege  zurückzugehen;  die  Batterie  Jedoch  war  schon  vor 
Empfang  des  Rückzugsbefehls  auf  der  nach  Tiurentschin  führenden 
Straße  in  vollem  Laufe  zurückgegangen.  Ihr  folgten  die  11.  Kompagnie 
des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  und  die  7.  Komjiagnie  des 
n.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  sowie  die  7,  und  10.  Kompagnie 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      159 

des  22.  Ost.sibirischen  Schiitzen-Rcginients,  welclie  mit  der  Deckung 
des  Rückzugs  der  Artillerie  beauftragt  waren,  auf  demselben  Wege. 
Die  Batterie  wurde,  als  sie  entsjjrechend  dem  Befehl  des  Obersten 
Groniow  weiter  nach  Pototynsa  zurückging,  auf  dem  Wege  von  dieser 
Deckimgsabteilung  getrennt  und  fortwährend  vom  linken  Eiho-Ufer 
her  von  den  Japanern  mit  Feuer  überschüttet.  Oberst  Gromow  jedoch, 
welcher  lurchtete,  von  dem  Wege  Pototynsa — Sekitojo  —  Tschingou  ab- 
geschnitten zu  werden,  wartete  das  Eintreffen  der  Kompagnien  und 
Batterien  nicht  ab,  raffte  5  Kompagnien  des  22.  Ostsibirischen  Schützen- 
Regiments  (5.,  6.,  8.,  9.,  12.)  zusammen  und  eilte  auf  Tschingou  zurück. 
Auf  dem  Wege  trennte  er  sich  von  der  Artillerie  und  vereinigte  sich 
mit  der  gerade  des  Weges  kommenden  7.  und  10.  Kompagnie. 

Oberst  Gromow  erreichte  den  Ostfuß  von  Hodaijoshi;  da  dort 
6 — 7  japanische  Bataillone  auf  dem  rechten  Eiho-Ufer  entlang  im 
Laufschritt  vorgingen  und  mit  ihrer  \  ordersten  Linie  etwa  schon  den 
Hügel  n()i'dlich  von  Weitszekou  erreicht  hatten,  schwenkte  er  nach 
Westen  ab,  überschritt  den  Höhenzug  von  Hodaijoshi  und  entschloß 
sich  auf  dem  Wege  Tschingou — Dairobo  weiterzugehen.  Das  I.  Ba- 
taillon des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  in  der  Stellung  von 
Tschingou  und  2  Geschütze  ließ  er  den  Paß  von  Tschingou  besetzen. 
Die  Abteilung  war  11  Uhr  30  im  Rückzug,  und  in  dem  Engwege 
südlich  von  Tschingou  beschoß  sie  aus  dem  Tale  bei  dem  genannten 
Orte  auftauchende  feindliche  Infanterie.  Immer  wieder  wurde  sie  in 
ihrem  Weitermarsch  verhindert.  Oberst  Gromow  war  nur  kurze  Zeit 
in  der  Stellung  auf  dem  Paß  von  Hodaijoshi  im  Feuergefecht  mit 
japanischer  Infanterie,  dann  zog  er  sich  w-ieder  nach  Gegend  Dairobo 
zurück.  Er  überwies  dem  Hauptmann  Listopadow  4  Kompagnien 
des  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  (2.,  3.,  7.,  10.)  und  befahl 
ihm,  auf  dem  Wege  nach  RijukoC^*)  zurückzugehen.  Oberst  Gromow 
blieb  eine  Weile  noch  in  derselben  Stellung  und  wartete  die  Ankunft 
der  übrigen  Kompagnien  ab.  Um  diese  Zeit  erhielt  er  den  Befehl 
des  Führers  der  russischen  Ostabteihuig  (Generalleutnant  Sassulitsch), 
die  von  Hauptmann  Listopadow  geführte  Abteilung  solle  auf  dem 
Wege  Tiurentschin — Fönhuantschön  abmarschieren.  Nur  der  Rest 
des  22.  Regiments  (ohne  11.  Kompagnie)  folgte  wie  bisher  imd  ging 
wieder  auf  Tansanschyndsa  mit  der  genannten  Batterie  zusammen 
zurück.  Die  7.  Kompagnie  des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments 
und  die  1 1 .  Kompagnie  des  22.  Regiments  hatten  anfangs  sich  auf 
der  nach  Tiurentschin  führenden  Straße  zurückgezogen,  dann  aber 
schwenkten  sie  direkt  in  das  Bergland  westwärts  ab.  Die  7.  Kom- 
pagnie zog  sich  in  Richtung  Tutschensa  (!*>*')  westlich  von  Hamatan 
(Mitte)  zurück,  die  11.  Kompagnie  nahm  unterwegs  auf  Befehl  des 
Generalmajors  Kaschtalinsky  am  Gefecht  bei  Höhe  192  südlich  von 
KosuishiC-^')  teil. 

Inzwischen  war  die  3.  Batterie  auf  Befehl  des  Obersten  Gromow 
zunächst  einmal  nach  Pototynsa  zurückgegangen,  hatte  auf  dem  Wege 


1(50      Traitz:  Japan.  Generalstabswerk  über  ilen  Japan. -Ktiss.  Krieg  1904/05. 

ihre  Bedeckiingsahteiliing  verlüron,  dann  den  nach  Tschingou  fiiln-enden 
Weg  durch  japanische  Infanterie  verlegt  gefunden,  sich  daher  wieder 
auf  den  Weg  Tiurentscliin  —  Magu  zinückgewendet,  auoli  den  dortigen 
Engweg  üherall  in  japanisdiem  Besitz  getrotten  und  heftiges  Gewehr- 
feuer erhalten.  Nunmehr  sah  sie,  rings  von  Bergen  umgeben,  niu' 
noch  den  blutigen  Weg.  sich  irgendwo  dui-chzuschlagen,  vor  sich. 
Keine  andere  Rettung  mein-.  Sie  wandte  sicli  daher  dem  steilen 
Anstieg  zu,  wo  nicht  nur  die  Lafetten  niciit  folgen  konnten,  sondern 
auch  die  ^lunitiouswageu  liegen  blieben,  da  ihre  Bespannung  ver- 
nichtet war.  In  äußerster  Not  spannten  sie  die  Pferde  aus  und 
machten  die  Geschütze  uubraiichbai-.  Von  zweien  warfen  sie  die 
^'eI■schliISse  in  Brunnen,  von  den  übrigen  nahmen  die  Kanoniere  die 
Kiclitgeräte  mit  und  Hohen.  Nacii  allen  vier  Seiten  eilten  die  Mann- 
schaften mit  den  übrigen  Zugpferden  über  die  Berge;  nur  mit  Mühe 
vermochten  sie  noch  den  Weg  Tiurentscliin — Fönhuantschön  zu  er- 
reichen. (An  diesem  Tage  verlor  die  3.  Batterie  213  Offiziere,  Unter- 
offiziere und  Mannschaften  vmd  38  Pferde.) 

(icneralmajor  Kaschtalinsky  hatte,  der  Weisung  des  Genei-al- 
leutnants  Sassulitsch  entsjjreehend,  von  8  Uhr  30  l)is  9  Uhr  vormit- 
tags auf  den  Höhen  auf  dem  rechten  Ufer  des  Hautuehodsy  Auf- 
nahmetru[)pen  aufgestellt.  Am  21.  April  schon  war  man  in  dieser 
Stellung  mit  der  genauen  Erkundung  fertig  geworden,  aber  Vertei- 
digungsanlagen hatte  man  keine  gebaut.  4  Geschütze  der  2.  Batterie 
der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  wtirden  in  der  Mitte  der 
Stellung  aufgestellt.  Auf  dem  rechten  Flügel  8  JNIaschincngewchrc  und 
die  7.  und  8.  Kompagnie  des  12.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  wäh- 
rend die  1.  Kompagnie  dieses  Regiments  die  Reserve  l)ildete.  Das 
berittene  Jagdkonunaudo  des  10.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments 
wurde  mit  der  Sicherung  der  rechten  Flanke  beauftragt.  Um  10  Uhr 
sammelte  sich  die  2.,  3.  vmd  5.  Kompagnie  des  12.  Ostsibirischen 
Schützen -Regiments  auf  dem  linken  Flügel  der  Artilleriestellung, 
3  Geschütze  der  2.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie- 
Brigade  (1  Geschütz  war  am  Tage  vorher  außer  Gefecht  gesetzt 
woi'den)  unter  dem  Schutze  der  Infanterie  auf  dem  äußersten  linken 
Flügel  auf  der  Höhe  des  linken  Hantuchodsy-Ufcrs  in  Stellung  ge- 
bracht, erhielten  den  Auftrag,  das  Tal  des  genannten  Flüßchens  unter 
Längsfeuer  zu  nehmen.  Inzwischen  hatte  die  von  01)erst  Zibulsky 
geführte  4.  und  6.  Kompagnie  und  das  III.  Bataillon  des  12.  Ostsibi- 
rischen Schützen-Regiments  sehr  schwere  Verluste  erlitten  und  ging 
von  der  Anhöhe  bei  Tiurentschin  nach  dem  Hantuchodsy-Tal  zurück. 
Um  9  Uhr  15  voi'inittags  etwa  zogen  sich  auch  die  von  Oberstleut- 
nant Jabultskin  geführten  drei  Kompagnien  des  11.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiments  zurück  und  erhielten  den  (gerade  eintreffenden) 
Befehl,  den  Rüekzvig  zu  decken.  Weil  jedoch  die  Anhöhen  nordöst- 
lich von  Tiurentschin  bereits  von  den  Japanern  besetzt  waren,  ließ 
der  Oberstleutnant  sofort  auf  einem  kleinen  Hügel  auf  der  Westseite 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  .Tapan.-Russ.  Krieg  1904/05.      IGl 

2  Kompagnien  ansschw  ärnicn  (in  ei-ster  Linie  die  6.,  die  5.  blieb  in 
Reserve)  und  hielt  bis  znni  Ende  des  Rückzuges  des  12.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiments  etwa  25  Minuten  lang  diese  Stellung.  (Oberst- 
leutnant Jabultskin  und  3  Offiziere  wurden  verwundet.)  Dann  ging 
er  durch  das  Tal.  des  Hantuchodsy  nach  Tudschensa  westlich  von 
Hamatan  (Mitte)  zurück.  Hierbei  vereinigte  sich  die  auf  Anhöhe  192 
südlich  von  Kosuishi  haltende  8.  Kompagnie  mit  den  2  Bataillonen 
des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  welche  von  der  Reserve 
des  Generalleutnants  Sassulitsch  abgezweigt  waren. 

Die  japanische  Infanterie  folgte  dem  zu  allerletzt  zurückgehen- 
den Jagdkommando  des  12.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  und 
ging  von  den  Höhen  bei  Tiurentschin  weiter  vor.  Hinter  ihr  folgten 
geschlossene  Abteilungen ;  als  aber  die  2.  Batterie  das  Feuer  eröffiiete, 
deckten  sie  sich  in  der  Nähe  des  genannten  Ortes.  Um  diese  Zeit 
schoß  die  japanische  Artillerie  vom  linken  Yalu-Ufer  aus,  jedoch  be- 
trug der  Verlust  der  2.  Batterie  nur  1  IVIann,  und  die  Batterie  hatte, 
obwohl  sie  das  Feuer  gegen  die  vorderste  Linie  der  Japaner  fort- 
setzte, keine  schweren  Verluste. 


IV.  Das  Gefecht  bei  Hamatan. 

Verfolgung  durch  die  12.  Division. 

Generalmajor  Kigoshi  verfolgte  den  Feind,  der  bei  Sekitojo  gestanden 
hatte,  und  den  er  auf  Dairobo  zurückgeworfen  hatte,  weiter  imd  ließ  ihn  nicht 
zu  Atem  kommen.  In  der  Absicht,  ihm  den  Weg  Tiurentschin — Fönhuan- 
tschön  zu  verlegen,  trat  das  24.  Infanterie-Regiment  sofort  zur  Verfolgung 
an  und  ging  gegen  Hamatan  (Nord)  vor.  Es  besetzte  die  Anhöhen  nord- 
östlich davon;  das  I.Bataillon  des  46.  Regiments  ließ  der  General  gleich 
folgen.  Um  diese  Zeit  hatte  das  24.  Infanterie-Regiment  seine  Verbände 
zwar  noch  nicht  wieder  ganz  geordnet,  aber  es  nahm  die  zimächst  um 
11  Uhr  30  vormittags  gesammelte  8.,  10.  und  11.  Kompagnie  in  die  Vorhut 
(Führer  Kommandeur  des  III.  Bataillons  Major  Hirata  Tokimaru)  und  ließ 
es  im  Laufschritt  nach  Hamatan  (Nord)  vorrücken.  Der  Rest  des  Regiments 
folgte  als  Gros.  Um  12  Uhr  30  mittags  kam  die  Spitze  der  Vorhut  xm- 
gefähr  1500  m  nordöstlich  von  Dairobo  an,  gerade  als  feindliche  Infanterie 
und  Kavallerie,  etwa  400  ]Mann,  im  Begrifl'  waren,  von  Dairobo  zurückzu- 
gehen. Ihre  Aufnahmeabteilung  stand  auf  den  Höhen  rechts  und  links 
des  Weges  bei  Dairobo.  Die  japanische  Vorhut  (welche  nur  noch  aus  der 
10.  und  11.  Kompagnie  bestand,  da  die  8.  Kompagnie  inzwischen  von  der 
Vorhut  wieder  zu  ihrem  Regiment  zurückgenommen  war)  marschierte  1  Uhr 
nachmittags  auf  den  Höhen  südwestlich  von  Dairobo  auf  und  ging  auf  der 
Westseite  des  Weges  Antung— Kuandiansan'^^^)  vor.  Die  folgenden  Ab- 
teilungen machten  Laufschritt  und  marschierten  hinter  dem  rechten  Flügel 
auf.  Um  diese  Zeit  zogen  sich  starke  feindliche  Kolonnen  immer  weiter 
nach  Westen  in  Richtung  Hamatan  (Nord)  zurück.    Um  1  Uhr  40  schwärmte 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient  Sprachen.   1915.  I.Abt.  n 


1  C2      TKArrz :  Japan.  Gciieralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1P04/05. 

die  ö.  Kompagnie  des  24.  Inlautciic-Rcgiments  östlich  der  Hauptstraße  awn^ 
und  zwar  auf  dem  linken  Fliigcl  der  10.  Kompagnie  (welche  anfänglich 
we.stlich  der  Hauptstraße  ausgeschwärmt,  dann  abei"  nach  Osten  herüher- 
gegangen  war),  und  ging  dein  Höhenzuge  südlich  Kwankako^'^  entlang 
sprungweise  vor.  Das  1.  Bataillon  des  46.  Infanterie-Regiments  (welches 
imter  den  Befehl  des  Obersten  Ilarada  geti-eten  war)  schwärmte  ebenfalls 
auf  der  Höhe  223  aus,  nalun  \'ei'bindung  mit  der  Vorhut  und  ging  vor. 
Der  F'eind  bei  Dairobo  leistete  kin-ze  Zeit  heftigen  Widerstand,  jedoch  zog 
sich  seine  Masse  unter  dem  Druck  unseres  Infanterieangrills  in  den  Tal- 
grund südwestlich  von  Dairobo  und  ein  Teil  gegen  Hamatan  (Nord)  hin 
zui-ück.  Unser  24.  Regiment  verfolgte  ihn,  und  das  1.  Bataillon  des  46.  Re- 
giments, auf  die  Höhe  westlich  von  I)aii-obo  vorgehend,  nahm  die  feind- 
liche Infanterie  und  die  Trains,  welche  in  westlicher  Bichtung  durch  den 
Talgrund  vor  der  Front  zurückgingen,  von  der  Flanke  her  und  von  vorn 
luiter  Feuer  und  jagte  sie  in  unordentlicher  Fluclit  westwärts  in  das  Tal. 
Bei  Höhe  229  nördlich  von  ZenteishK-'^^)  nahmen  feindliche  Truppen  die 
Fliehenden  auf.  Inzwischen  hatte  die  Masse  der  Brigade  parallel  dem  Wege 
Antung — Kuandiansan  nach  Hamatan  (Nord)  zu  dem  \'orinarsc]i  angetreten. 
Um  2  Uhr,  als  etwa  1000  feindliche  Infanteristen  auf  der  HiWie  159  (nord- 
westlich von  Hamatan  [Nord])  auftauchten,  griff*  das  I.Bataillon  des  46.  In- 
fanterie-Regiments den  Feind  auf  den  Anhöhen  nördlich  von  Zenteishi  an, 
während  die  andern  Abteilungen  gegen  den  F'eind  auf  Höhe  159  im  Vor- 
marsch blieben.  Die  Hauptkräfte  traten  westlich  der  Straße  auf  und  be- 
drängten immer  mehr  den  feindlichen  linken  Flügel.  Von  da  ab  bis  2  Uhr 
30  nachmittags  zeigten  sich  feindliche  Infanterie  und  Artillerie  auf  den  Höhen 
und  an  den  Abhängen  südöstlich  von  Hamatan  (Nord),  und  etwa  8  Feld- 
geschütze und  etwa  7  Maschinengewehre  führten  gegen  unsere  Infanterie 
ein  heftiges  Feuergefecht.  Um  3  Uhr  traf  das  III.  Bataillon  des  46.  In- 
fanterie-Regiments unter  Major  ToyodaRyrisei  auf  einem  Hügel  etwa  2  km  süd- 
westlich von  Dairobo  ein  und  blieb  doit  in  Reserve.  Gleichzeitig  marschierte 
das  II.  Bataillon  des  Regiments  unter  Major  Tachibana  Shichisaburö  bei 
Dairobo  auf.  Um  diese  Zeit  rückte  unser  24.  Regiment  dem  Feind  auf  den 
Leib,  der  Kampf  wurde  ungemein  heftig,  besonders  auf  seinem  linken  Flügel, 
wo  es  in  überwältigendes  feindliches  F'euer  geriet.  Die  Verluste  waren 
sehr  schwer.  Inzwischen  trat  das  II.  Bataillon  des  46.  Infanterie-Regiments 
(ohne  7.  Kompagnie)  um  3  Uhr  30  nachmittags  gegen  die  Höhen  nordwest- 
lich von  Hamatan  (Nord)  an  und  schwärmte  auf  dem  rechten  Flügel  unserer 
vordersten  Linie  aus. 

Die  I.  Artilleiie-Abteilung  (ohne  I.Batterie),  welche  unter  das  Kom- 
mando des  Generalmajors  Kigoshi  getreten  war,  traf  um  3  Uhr  10  nach- 
mittags bei  Dairobo  ein.  Unsere  erste  Infanterie-Linie  wurde,  wie  der 
General  bemerkte,  vom  feindlichen  Feuer  erdrückt.  Schleunigst  eilte  die 
Abteilung  auf  die  Höhe  südlich  des  genannten  Dorfes  und  ging  in  Stellung. 


■"^     B  ^^Wi    -'^P"    K^van-ka-ku;    cliin. :    Kuan-düa-kou.  —  2  km   südlich 
von  Tscliingou. 


Trautz:  .Tapan.  Generalstabswerk  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1904/05.      163 

Es  war  gerade  3  Uhr  30.  Auch  die  II.  Artillericabteihing  unter  Major  Ta- 
maki  Tetsujirö,  im  Gros  der  Division,  rückte  vor  und  erfuhr  3  Uhr  40,  als 
sie  Dairobo  dui'chschritt,  wie  das  Gefecht  stand.  Die  5.  Battei-ie  ging 
vorwärts  des  rechten  Flügels  der  I.  Abteilung  in  Stellung  und  beschoß 
mit  ihr  gemeinsam  die  Infanterie  und  Artillerie  bei  llamatan  (Nord),  so 
den  Angriff  unserer  Infanterie  unterstützend.  Die  4.  Battei-ie  marschierte 
hinter  der  1.  Abteilung,  die  6.  Batterie  vor  deren  linkem  Flügel  auf  und 
warteten  auf  einen  günstigen  Zeitpunkt,  griffen  jedoch  auf  Befehl  des  Divi- 
sionskommandeurs vorerst  nicht  in  das  Gefecht  ein.  Um  dieselbe  Zeit  bzw. 
kurz  vorher  war  feindliche  Infanterie  wieder  von  Osten  her  eingetroffen 
und  auf  den  Anhöhen  etwa  1000  m  östlich  von  Hamatan  (Nord)  aufgetreten. 
Sie  hatte  nach  und  nach  die  Gefechtslinie  verlängert  und  unsere  vorstoßende 
linke  Flanke  umfaßt.  Etwa  tun  4  Uhi-  machte  der  Feind  wieder  einen  Vor- 
stoß. Die  Truppen  unseres  linken  Flügels  aber  warteten  unter  dem  Schutze  des 
Artilleriefeuers  das  Herankommen  des  Feindes  ab  und  trieben  ihn  mit 
heftigem  Feuer  wieder  zurück.  Hierbei  war  die  vorderste  den  Feind  be- 
drängende Kompagnie  die  5.  des  24.  Infanterie-Regiments.  Sie  führte  selb- 
ständig ein  zweistündiges  Gefecht,  und  als  allmählich  ihre  Mvmition  zur 
Neige  ging  und  der  Gegenstoß  kam,  da  starb  der  Kompagniechef,  Haupt- 
mann Makizawa  Kvilfu,  den  Heldentod,  die  Zugführer  ersetzten  ihn,  einer 
nach  dem  andern  das  Kommando  der  Kompagnie  übernehmend,  und  fielen 
ebenfalls.  Die  Verluste  häuften  sich  (38  tote  Offiziere  und  Mannschaften 
und  68  Verwundete),  aber  die  Kompagnie  kämjjfte  mit  Todesverachtung, 
um  (den  Japanern)  die  Möglichkeit  zu  schaffen,  den  Feind  ganz  zu  um- 
zingeln. 

Eroberung  der  zweiten  russischen  Aufnahmestellung. 

Bemerkung:  Seit  11  Uhr  vormittags  war  es  auf  dem  Gefechts- 
felde allmählich  stiller  geworden.  Auch  bei  der  Abteilung  Antung 
w^ar  nichts  Neues  vorgefallen  und  vom  linken  Flügel  der  Stellung 
von  Obei'st  Gromow  keinerlei  Meldung  eingetroffen.  Jedoch  blickte 
Generalmajor  Kaschtalir.sky  nicht  mit  großem  Vertrauen  auf  das 
bei  Tschingou  stehende  Infanteriebataillon  und  die  2  Geschütze.  Er 
ließ  vielmehr  durch  das  bald  darauf  eintreffende  11.  Ostsibirische 
Schützen-Regiment  eine  zweite  Aufnahmestellung  besetzen.  Das  ge- 
nannte Regiment  rückte  um  11  Uhr  vormittags  etwa  nach  Höhe  192 
südöstlich  von  Hamatan  (Nord).  Auf  dem  Wege  verloren  sie,  von  der 
Linken  Flügelabteilung  von  Pototynsa  und  Tschingou  ab  zurückgehend, 
Fahne  und  Geschütze  tmd  hörten  bei  weiterem  Zurückgehen,  daß 
die  Japaner  von  Kwankako  her  im  Vorgehen  seien.  Sofort  sandten 
sie  den  Offizier  eines  Jagdkommandos  zur  Erkundung  dorthin. 
Die  Japaner  in  Stärke  von  ungefähr  einem  Regiment  waren  von 
Tschingou  nach  Dairobo  im  Vormarsch  und,  wie  man  hörte,  folgten 
ihnen  noch  3  Eskadrons.  Um  diese  Zeit  befahl  Generalmajor  Kaschta- 
linsky,  da  das  21.  Ostsibirische  Schützen-Regiment  (ohne  IL  Bataillon) 
unter  Oberst  Laiming  und  die  3.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen  Schützen- 

]1* 


164      Trautz:  Japan.  Oeneralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

Artillerie-Brigade  bei  Höhe  192  eingetroften  waren,  auf  dieser  Höhe 
einen  Stützpunkt  Zugewinnen,  sodann  dachte  er  sich  über  weitere 
Anordnungen  schlüssig  zu  werden.  Er  versuchte  zwar  noch  die  Straße 
Haniatan  (Nord)  —  Tschingou  zu  erreichen,  traf  aber  auf  japanische 
Trup{)en  und  vermochte  nicht  durchzudringen.  Plötzlich  erhielt  er 
nun  den  Befehl  von  Generalleutnant  Sassulitsch,  nach  Fünhuantschön 
zurückzugehen.  Generalmajor  Kaschtalinsky  befahl  daher,  vom  linken 
Flügel  ab  anzutreten;  die  herankommende  11.  Kompagnie  des  22.  Ost- 
sibirischen Schützen-Regiments  erhielt  Befehl,  sofort  gegen  die  nach 
Süden  vordringenden  Japaner  eine  Stellung  zu  besetzen.  Die  östlich 
SuanschansaC-'-^)  von  Oberstleutnant  Linda  geführte  erste  Aufnalune- 
abteilung  ließ  Generalmajor  Kaschtalinsky  nach  Tutschensa'*''"'  zurück- 
gehen und  traf  sodann  beim  Eintreffen  in  Tutschensa  die  weiteren  Maß- 
nahmen zum  Rückzug. 

Oberstleutnant  Linda  ließ,  nachdem  er  den  Befehl  cilialten 
hatte,  zunächst  die  bisher  in  Reserve  befindliche  1.  Kompagnie  des 
12.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  zui'ückgehen.  Die  5.  Kompagnie 
sollte  in  ihrer  bisherigen  Stellung  verbleiben  und  diesen  Rückzug 
decken.  (Infolge  dieses  Auftrags  wurde  die  5.  Kompagnie  auch  fast 
ganz  aufgerieben.)  1  Maschinengewehr-Abteilung,  die  2.  Batterie  (7  Ge- 
schütze und  der  Rest  des  12.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments)  zogen 
sich  in  Ordnung  zurück.  Weil  um  diese  Zeit  das  Feuer  der  Japaner 
von  den  Anhöhen  nordwestlich  von  Höhe  192  aus  überaus  heftig 
war,  ließ  Oberstleutnant  Linda  die  9.  und  11.  Kompagnie  zum  Gegen- 
angriff antreten ;  obwohl  die  6.  Kompagnie  vom  rechten  Flügel  aus 
daran  teilnahm  und  eine  Weile  das  Feuer  der  starken  japanischen 
Abteilungen  auf  sich  zog,  kam  diese  Bewegung  doch  zum  Stehen. 
Hauptmann  Rakutschin  (6.  Kompagnie)  raffte  die  7.  und  8.  Kompagnie 
noch  einmal  zum  Gegenangrift"  zusammen  und  erleichterte  so  den 
Rückzug  der  Masse  des  Regiments,  da  die  Japaner  nur  wenig  mit 
Feuer  naclidrängten.  Dann  aber  2  Uhr  50  nachmittags  vermochte  er 
sich  nur  mit  ]Mühe  unter  dem  Schutze  des  11.  Ostsibirischen  Schützen- 
Regiments  in  die  Talsenkung  südwestlich  von  Höhe  192  durch  den 
Engweg  zurückzuziehen  und  Tutschensa  (-'-'')  zu  erreichen.  In  diesem 
Gefecht  verlor  das  12.  Regiment  den  größten  Teil  seiner  Offiziere. 
(Insbesondere  fielen  alle  Kompagniechefs  von  der  b.  bis  9".  Kompagnie, 
desgleichen  ihi-e  Stellvertreter;  der  Kommandeur  des  II.  Bataillons 
und  die  Chefs  der  2.,  5.,  11.  und  12.  Kompagnie,  auch  ihre  Stell- 
vertreter, wurden  verwundet  oder  vermißt;  ferner  fielen  4  Oberleutnants 
und  Leutnants,  etwa  8  waren  verwundet.  Man  liildete  daher  in 
Tutschensa  aus  dem  Regiment  nur  noch  6  Kompagnien.) 


^""  JL  ^^  "J  .i^P-'  l^o-jo-slii;  chiii.:  T'u-cheng-tzn.  —  Dieser  Ort  liegt  an 
der  Straße  Antung — Fünhuantschön,  8  km  nordnordvvestlich  von  Antung;  er  ist  nicht 
mit  dem  ganz  gleichnamigen  (s.  166)  4  km  südwestlich  von  Tiurentschin  zu  ver- 
wechseln. 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      165 

Bewegungen  der  Armee -Verfolgungsabteilung. 

Die  vordersten  Abteilungen  der  Vorhut  der  Armee -Verfolgungsabteilung 
(Führer  Major  Takakusagi  Jüretsu;  Truppen:  2.  und  3.  Kompagnie  des 
30.  Infanterie-Regiments)  marschierten  2  Uhr  15  nachmittags  nordöstlich 
von  Tiurentschin  ab  und  auf  der  Straße  nach  Fönhuantschün  in  Richtung  auf 
Hamatan  (Nord)  vor.  Um  2  Uhr  50  traten  sie  aus  dem  Nordweststrande 
von  Tiurentschin  heraus.  Dort  tauchte  imgefähr  ein  Zug  feindlicher  Infanterie 
auf  der  Anhöhe  südlich  Höhe  24  (westlich  Thu^entschin)  auf  und  eröffnete 
das  Feuer.  Als  die  Japaner  darauf  am  Westrande  von  Tiurentschin  aus- 
schwärmten und  vorgingen,  ging  der  Feind  wieder  westwärts  nach  dem 
Nordrande  der  Höhe  95  zurück.  Die  vordersten  Abteilungen  gingen  sofort 
vor  und  nahmen  die  Höhe  südlich  Höhe  24  in  Besitz. 

(Vorher  hatte  das  Garde-Kavallerie-Regiment,  auf  dem  Wege  Tiuren- 
tschin— Fönhuantschön  vorgehend,  eine  Weile  auf  den  Höhen  nordöstlich  von 
Tiurentschin  haltgemacht,  weil  der  auf  den  Höhen  des  rechten  Hantuchotsy- 
Ufers  stehende  Gegner  sich  bisher  nicht  zurückgezogen  hatte,  war  dann 
aber,  sobald  der  Gegner  abzog,  weiter  in  Gegend  Höhe  24  vorgegangen 
und  hatte  gesehen,  wie  die  feindliche  Infanterie  eine  Stellung  nahm  von 
SuanschansaC-'^)  bis  Höhe  192  nördlich  davon.  Es  blieb  daher  etwa  an 
derselben  Stelle  wieder  halten.) 

Um  diese  Zeit  schwärmte  die  rechte  Flankendeckung  der  Verfolgungs- 
abteilung mit  der  an  ihrer  Spitze  marschierenden  9.  Kompagnie  etwa  8i)i>  m 
nordöstlich  der  Höhe  24  auf  einer  Anhöhe  aus.  Die  linke  Flankendeckung 
ging  nach  Lolungto  hinein.  Um  3  Uhr  33  war  der  Feind  auf  Höhe  95 
etwa  2  Kompagnien  stark  und  feuerte,  was  die  vorderste  Linie  der  Japaner 
erwiderte.  Zur  selben  Zeit  ging  die  rechte  Flankendeckung  mit  der 
9.  Kompagnie  in  erster  Linie  auf  die  Anhöhen  nordwestlich  von  Höhe  24 
vor,  und  3  Uhr  36  erötfneten  ungefähr  4  feindliche  Geschütze  von  den  An- 
höhen nordwestlich  von  Suanschansa  gegen  unsere  vordersten  Abteilungen 
das  Feuer.  Da  vmverzüglich  etwa  200  Mann  feindlicher  Infanterie  den 
südhchen  Teil  der  Höhe  192  nördlich  von  Suanschansa  besetzten,  marschierte 
der  Haupttrupp  der  Vorhut  hinter  dem  linken  Flügel  der  vorderen  Ab- 
teilung auf.  Um  3  Uhr  45  erreichte  die  rechte  Seitendeckung  die  Höhe  nörd- 
lich der  Höhe  24  und  trat  in  ein  überaus  heftiges  Gefecht  gegen  feindliche 
Infanterie  und  etwa  4  feindliche  Geschütze  auf  Höhe  192  westlich  davon. 
Dann  marschierte  das  Gros  der  Verfolgungsabteilung  hinter  seiner  Vorhut 
in  einer  Mulde  auf,  und  4  Uhr  30  verstärkte  es  den  Haupttrupp  der  Vor- 
hut mit  der  1.,  4.,  9.  und  10.  Kompagnie  auf  dem  linken  Flügel  der 
vorderen  Linie  und  eröffnete  gegen  den  Feind  auf  Höhe  95  das  Feuer. 
Die  feindliche  Artillerie  beschoß  von  einem  Abhang  etwa  1000  m  südöstlich 
Hamatan  (Nord)  unsere  Schützenlinie,  und  4  Uhr  30  trat  das  Gros  der 
Verfolgungsabteilung  in  der  Mulde  südlich  Höhe  24  an.  Zu  dieser  Zeit 
wendete  sich  das  die  Vorhut  bildende  30.  Infanterie-Regiment  gegen  An- 
höhe 95  und  blieb  im  Vorgehen  ungeachtet  des  Feuers  von  etwa  2  Kom- 
pagnien von  den  Höhen  nördlich  von  Suanschansa. 


1G6     Tbautx:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

Verfolgung  durch  die  Garde-Division. 

Inzwischen  Imtte  Generalmajor  Watanabe,  Kommandeur  der  2.  Garde- 
Infaiitrrie-BrijTJidr,  das  1,  Bataillon  des  4.  Garde-lnfaiitorio-Roginients  auf 
seinen  rechten  Flügel  und  das  3.(iarde-Iufanterie-H('giment(()hne  III. Bataillon) 
auf  seinen  linken  Fliigel  genommen  und  zum  Angriff"  gegen  den  Keind  vor 
der  Front  antreten  lassen.  Das  III.  Bataillon  des  3.  Garde-lnfanterie-Re- 
gimenls  unter  jNIajor  !Matsuniae  jMasayoslii  wurde  als  Reserve  hinter  den 
linken  Flügel  genommen,  wo  es  folgen  sollte.  Um  diese  Zeit  liatte  etwa 
ein  feindliches  Bataillon  und  etwa  6  (leschiitzc,  wie  man  aus  einer  Mekhmg 
erfuhr,  die  Gegend  Höhe  "24  (ungefähr  2.J0Ü  m  nordwestlich  von  Tiurentschin) 
in  Besitz  genommen.  1  Uhr  45  nachmittags  traf  das  I.  Bataillon  des  4.  Garde- 
Infanterie-Regiments  auf  den  Höhen  östlich  von  Hsiauloufang^^'  ein  und 
nahm  gegen  den  Feind  auf  den  Hölien  südlicli  dieses  Dorfes  das  Feuer 
auf.  Der  Feind  versuchte  nur  kurze  Zeit  heftigen  Widerstand  zu  leisten, 
ging  dann  aber  bald  zurück.  Gleichzeitig  traf  das  3.  Infanterie-Regiment 
(ohne  III.  Bataillon)  in  der  Höhenlinie  der  Höhe  151  ein,  und  1  Ulir  50 
erhielt  Generalmajor  Watanabe  die  Meldung,  daß  der  Gegner,  welcher  vor 
ihm  auf  den  Höhen  südwestlich  von  INIagu  stand,  zurückgehe.  Um  2  Uhr  20 
ließ  er  das  II.  Bataillon  des  3.  Garde-Infanterie-Regiments  unter  Major  Ota 
Washinsuke  als  Vorhut  gegen  Hamatan  (Nord)  antreten  und  die  übrigen 
Abteilungen  als  Gros  auf  der  Hauptstraße  folgen.  Um  4  Uhr  5  erreichte 
die  Vorhut  auf  der  Hauptstraße  die  Gegend  Höhe  24  imd  hörte  von  Westen 
heftiges  Gewehrfeuer.  Es  erging  daher  sofort  an  das  3.  Regiment  der  Be- 
fehl, anzugreifen,  und  das  I.  Bataillon  des  4.  Gardc-Infanterie-Regiments 
folgte  als  Reserve.  Das  die  Vorhut  bildende  II.  Bataillon  des  3.  Garde- 
Infanterie-Regiments  schwärmte  etwa  4  Uhr  15  auf  den  Höhen  südlich 
Höhe  24  aus.  Daran  beteiligte  sich  sofort  ein  im  Feuer  gegen  Höhe  95 
stehender  Teil  der  Armee -Verfolgungsabteilung,  und  es  entspann  sich  ein 
heftiges  Feuergefecht.  Hierbei  erreichte  die  die  linke  Seitendeckung  der 
Armee -Verfolgimgsabteilung  bildende  10.  Kompagnie  des  4.  Garde-Infanterie- 
Regiments  die  Höhe  etwa  500  m  südöstlich  von  Suanschansa  und  nahm 
den  Gegner  auf  Höhe  95  unter  Flankenfeuer.  So  heftigen  Widerstand 
der  Feind  auch  leistete,  er  mußte  schließlich  die  Stellung  räumen  und  nach 
Westen  zurückgehen.  Sobald  er  diese  Bewegungen  begann,  trat  das 
3.  Garde-Infanterie-Regiment  und  ein  Teil  der  Arniee -Verfolgungsabteilung 
(das  30.  Infanterie-Regiment  und  die  linke  Seitendeckung)  zusammen  zum 
Angriff"  gegen  Höhe  192  und  die  Hölien  nordwestlich  von  Suanschansa  an. 
Die  rechte  Flankendeckunii;  der  Armee-Verfula;un<isabteilanK,  welche  sich  auf 
der  Höhe  nördlich  Höhe  24  befand,  ging  nun  mit  der  rechten  Seitendeckung 
des  3.  Garde-Infanterie-Regiments  zusammen,  ungeachtet  des  feindlichen 
Feuers,  gegen  die  Höhen,  etwa  1500  m  nordwestlich  von  Höhe  24,  vor 
und    beschossen    die    auf  Höhe   192    befindliche    feindliche   Infanterie    und 


M] 


jap.:    Shö-rö-hö:    chin. :    Hsiao-lou-fang.  —    2,5  km  westlich 
k'on  Magu. 


Trautz:  Japan.  Geiieralstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      167 

Artillerie.  Da  jedoch  der  Feind  sehr  stark  war,  geriet  die  rechte  Flanken- 
deckung der  Armee -Vcrfolgungsabteilung  mit  der  ihre  vorderste  Linie 
bildenden  9.  Kompagnie  eine  Weile  in  äußerste  Gefahi-.  4  Uhr  18  ließ  Oberst 
Umczawa,  der  Führer  der  Armee -Verfolgnngsabteilung,  die  12.  Kompagnie 
des  4.  Garde-Infanterie-Kcgimcnts  in  der  linken  Flanke  des  30.  Infanterie- 
Regiments  auf  Suanschansa  vorgehen,  dann  folgte  auch  der  Rest  der 
2.Garde-Infanterio-Brigade,  zusammen  mit  dem  Gros  derVerfolgungsabteilung, 
den  Abteilun^icn  der  ersten  Linie. 


Der  Angriff  bei  Hamatan. 

Inzwischen  hatten  unsere  von  allen  Seiten  vordringenden  Abteilungen, 
ohne  daß  es  von  vornherein  so  befohlen  worden  wäre,  den  Feind  bei  Hamatan 
(Nord)  von  3  Seiten  umzingelt,  aber  der  Feind  leistete  weiter  hartnäckigen 
Wider-stand,  vor  allem  auch  seine  Artillerie,  für  die  allem  Anschein  nach 
keine  Aussicht  mehr  bestand,  sich  zn  retten.  Obwohl  sie  aufs  entschlossendste 
nach  allen  Seiten  das  Feuer  unterhielt,  wurden  doch  ihre  Verluste  inmier 
größer,  und  von  4  LThr  20  ab  begann  der  Feind  von  Höhe  192  allmälilich 
abzubröckeln.  Die  übrige  Artillerie  aber  nahm  am  A])hang  südöstlich  von 
Hamatan  (Nord)  eine  neue  Stellung. 

Die  japanischen  Abteilungen  der  ersten  Linie  gingen  unverzüglich  vor 
imd  griffen  den  Feind  auf  der  Höhe  südöstlich  von  Hamatan  (Nord)  an, 
aber  ungefähr  2  feindliche  Kompagnien  trafen  zur  Verstärkung  auf  jener 
Höhe  ein.  In  heftigem  Kamj)fe  etwa  4  Uhr  30  bis  4  Uhr  40  nachmittags 
schwärmte  die  Armee- Verfolgungsabteilung  und  das  3.  Garde-Infanterie-Re- 
giment von  Höhe  192  bis  in  Gegend  von  Suanschansa  aus  und  griffen  ver- 
eint den  Feind  vor  der  Front  an.  (Diese  beiden  Abteilungen  waren  in  ihren 
Verbänden  schon  sehr  durcheinandergekommen ;  insbesondere  in  der  Nähe 
der  Hauptstraße,  wo  das  3.  und  4.  Garde-Infanterie-Regiment  und  das  30.  In- 
fanterie-Regiment gemischt  kämpften,  war  es  nicht  mehr  möglich,  die  Kom- 
pagnien auseinanderzidialten  und  zu  übersehen.  Um  5  Uln-  5  erklomm  die 
10.  Kom])agnie  des  4.  Garde-Infanterie-Regiments  die  Höhe  lö4  und  nahm 
den  auf  der  Höhe  befindlichen  Gegnei-  unter  heftiges  Flankenfeuer.  Inzwischen 
war  auch  die  Infanterie  imd  Artillerie  der  12.  Division  von  Norden  her  mit 
allen  Kräften  zum  Angriff  vorgegangen.  Insbesondere  das  II.  Bataillon  des 
46.  Infanterie-Regiments  hatte  kurz  vor  5  Uhr  sich  der  Höhe  159  nordwestlich 
von  Hamatan  (Nord)  bemächtigt  und  im  weiteren  Vordringen  den  Gegner 
auf  Höhe  238  etwa  1500  m  südwestlich  der  Höhe  159  ansegriffen.  Der 
lange  Zeit  aufs  hartnäckigste  Widerstand  leistende  Feind  bei  Hamatan  (Nord) 
war  allmählich  ins  Wanken  gekommen  und  schließhch  5  Uhr  10  in  Unordnung 
geraten.  13  Feldgeschütze,  8  Maschinengewehre  und  etwa  500  Tote  oder 
Verwundete  hatte  er  verloren.  IMit  seiner  Masse  ward  er  auf  die  Straße 
Tiurentschin — Fönhuantschön  mit  einem  Teile  in  Richtung  Tutschensa  zurück- 
geworfen. Das  3.  Garde-Infanterie-Regiment  und  ein  Teil  des  30.  Regiments 
erkletterten  die  Anhöhen  südöstlich  von  Hamatan  und  machten  mit  der 
10.  Kompagnie  des  4.  Garde-Infanterie-Regiments  alles  von  dem  fliehenden 


IGS     Tbautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1904/05. 

Gegner  noch  Erreichbare  nieder.  Audi  das  II.  Bataillon  des  46.  Infantcrie- 
Reginjcnts  warf  den  IV-ind  l)ei  Hühe  238  zurück,  nahm  die  Höhe  in  Besitz 
und  beteiligte  sich  am  ^'erf()lgungsfeuer.  Inzwischen  war  die  Reserve  der 
Armee-Verfülgungsaldeilung  (II.  Bataillon  des  4.  Garde-lidanterie-Regiments) 
und  die  Reserve  der  2.  Garde-Inianterie-Brigade  (1.  Bataillon  des  4.  Garde- 
Infanterie-Regiments)  weiter  vorgegangen  und  5  Uhr  15  hinter  der  vordersten 
Linie  eingetroffen,  so  daß  sie  in  den  Kampf  eingreifen  konnten.  Die  zur 
Arniee-W'i'lolgungsahtcilung  gehörende  I.  Abteilung  des  2.  Artillerie-Regiments 
(ohne  I.Batterie)  war  der  Reserve  der  Armee-Verfolgungsahteilung  gefolgt  und 
kurz  vorher  mit  4  Geschützen  nördlich  der  Höhe  24  eingetroffen.  Der  Rest 
folgte  allmählich,  kam  aber  mangels  einer  geeigneten  Stellung  nicht  mehr 
zur  Verwendung. 

Der  Kampf  um  die  zweite  russische  Aufnahmestellung. 

Bemerkung:  Etwa  2  Uhr  nachmittags  besetzte  das  I.  Bataillon 
des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  die  Hohe  192:  das  III.  Ba- 
taillon genannten  Regiments  und  die  3.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen 
Schützen-Artillerie-Brigade  sowie  1  IVIaschinengewehr  Abteilung  hielten 
in  einer  Mulde  dahinter.  Um  3  Uhr  ungefähr  bedrängten  die  Japaner 
die  Abteilung  in  der  ersten  Aufnahmestellung  und,  als  sie  vor  der 
Stellung  auftauchten,  wurde  das  III.  Bataillon  als  Verstärkung  auf  dem 
rechten  Fliigel  des  I.  Bataillons  und  noch  die  halbe  3.  Kompagnie 
sowie  der  1.  Zug  der  3.  Batterie  eingesetzt,  mit  dem  Auftrage,  eine 
Anhöhe  südlich  von  Höhe  192  zu  besetzen  und  dem  Feinde,  welcher  den 
rechten  Flügel  der  Stellung  umgehen  wollte,  Widerstand  zu  leisten. 

Generalmajor  Kaschtalinsky  ließ  mit  Rücksicht  darauf,  daß  die 
sonstigen  Rückzugswege  für  die  Artillerie  versperrt  waren,  zunächst 
die  3.  Batterie  auf  Tutschensa  zurückgehen.  Oberstleutnant  Murawsky 
sah,  wie  8  Munitionswagen  der  3.  Batterie  bei  Hamatan  in  japanisches 
Infanteriefeuer  gerieten  und  schleunigst  herauszukommen  bestrebt 
waren.  Er  ließ  daher  6  Geschütze  aiißer  dem  mit  dem  Schutze  des 
rechten  Flügels  beauftragten  Zuge  von  der  Hauptstraße  zurücknehmen. 
Da  man  jedoch  in  diesem  Augenblick  schon  Japaner  am  Nordwest- 
abhange  der  Höhe  192  auftauchen  sah,  ließ  Oberstleutnant  Murawsky 
den  4.  Zug  bei  Hamatan  (Nord)  in  Stellung  gehen  und  den  Rückzug 
der  übrigen  kleinen  Abteilungen  decken.  Als  aber  der  2.  und  3.  Zug 
mit  der  Spitze  etwa  die  Feuerlinie  des  4.  Zuges  erreichten,  da  wurden 
sie  aus  einer  Entfernung  von  350 — 500  m  vom  Feinde  angegriffen, 
verloren  viele  Pferde  und  mußten  ungefähr  35  m  links  vom  4.  Zuge 
in  Stellung  gehen.  (Inzwischen  war  der  Führer  der  1.  Halbbatterie, 
Hauptmann  2.  Klasse  Petrow  und  einige  Kanoniere  gefallen  oder  ver- 
wundet, und  die  6  Pferde  einer  Protze  getötet  w^orden.)  Man  er- 
wehrte sich  der  japanischen  Schützenlinien  durch  Kartätschfeuer. 
Allmählich  jedoch  ging  die  Munition  zur  Neige  und  häuften  sich  die 
Verluste,  so  daß  von  den  beiden  Zügen  nur  noch  5  ^Nlann  übrigblieben; 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Ivrieg  1904/05.      169 

als  fast  alle  INIunition  verschossen  und  auch  Oberleutnant  Kostschenko 
verwundet  worden  war,  da  nahmen  die  Ul)erlebenden  die  Riclitgeräte 
heraus,  warfen  die  Verschlüsse  weg,  hörten  auf  zu  feuern  und  gingen 
in  die  Stellung  des  4.  Zuges  zurück.  Um  diese  Zeit  waren  bei  der 
Batterie  nur  noch  Oberstleutnant  INIurawsky  und  3  Offiziere.  Der 
4.  Zug  setzte  sein  Feuer  noch  fort.  Schließlich  rückten  die  Japaner 
immer  näher,  und  hinter  ihnen  wurden  anrückende  geschlossene 
Massen  sichtbar.  Es  gelang  nur  noch  kurze  Zeit,  ihr  Angriffsfeuer 
zu  dämiifcn.  Als  sich  die  japanischen  Kräfte  aber  mehr  und  mehr 
verstärkten  und  die  Wirkung  ihres  Feuers  immer  größer  wurde,  sich 
anderseits  die  russischen  Verluste  weiter  Imuften,  da  gab  es  schließ- 
lich keine  Rettung  mehr  als  Rückzug. 

Inzwischen  war  auch  die  der  russischen  Batterie  folgende  Ma- 
schinengewehr-Abteilung in  das  japanische  Feuer  gekommen  und  sah 
sich  den  Rückzug  verlegt.  Sie  eilte  in  die  Stellung  des  4.  Zuges  imd 
nahm  am  Kampfe  teil.  Die  2.  Batterie  der  6.  Artillerie-Brigade  hatte 
sich  nun  auch  mit  7  Geschützen  etwa  4  Uhr  nachmittags  auf  die  An- 
höhe zurückgezogen  und  dort  Stelhmg  genommen. 

(Die  Batterie  hatte,  als  sie  anfangs  von  der  Höhe  westlich  des 
Hantuchodsy  zurückging,  auf  dem  Wege  durch  Hamatan  von  Norden 
japanisches  Feuer  erhalten  und  wußte,  daß  sie  nicht  durchkommen 
konnte.  Sie  wollte  mm  von  Suanschansa  weit  nach  Süden  auf  Tut- 
schensa  (--'^^')  ausholen,  aber  der  Weg  war  sehr  steil,  und  so  kam  sie 
schließlich  wieder  dazu,  auf  dem  Wege  nach  Hamatan  am  Kampfe 
der  3.  Battei'ie  teilzunehmen.) 

Verzweiflungskampf  der  Russen  bei  Hamatan. 

Ungefähr  4  Uhr  nachmittags  erreichte  der  Kampf  die  größte 
Heftigkeit.  Die  auf  Höhe  192  befindlichen  Abteilungen  sahen  sich 
auf  3  Seiten  von  einem  konzentrischen  japanischen  Angriff  bedroht. 
Die  Toten  und  Verwundeten  häuften  sich.  Die  rechte  Flügelabteilung 
des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  und  der  1.  Zug  der  3.  Bat- 
terie hatten  einen  Vorstoß  der  Japaner  auszuhalten.  Schließlich  zogen 
sie  sich  zwar  auf  die  Höhen  südwestHch  von  Höhe  192  zurück  und 
verteidigten  sich  mit  der  äußersten  Entschlossenheit,  aber  von  Dai- 
robo  her  kamen  die  Japaner  immer  näher  und  erhielten  Verstärkung. 
Von  der  3.  Batterie  aus  Gegend  Höhe  223  (nördlich  von  Dairobo)  be- 
schossen und  von  einem  Teil  der  Japaner,  welcher  auf  der  Südseite 
der  Höhe  192  auftauchte,  im  Rücken  gefaßt,  wurde  die  Stellung 
schließlich  unhaltbar.  Um  4  Uhr  20  etwa  begann  vom  rechten  Flügel 
der  Rückzug.  Die  Japaner  gingen  ihrerseits  etwa  4  Uhr  40  vor,  um 
von  Norden  her  den  Russen  den  Rückzug  abzuschneiden. 

Um  diese  Zeit  besprach  sich  Oberst  Laiming,  der  Kommandeur 
des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  mit  dem  Chef  des  Stabes, 
Oberstleutnant  Linda,  und  kam  zu  dem  Entschluß,  einen  Vorstoß  gegen 


170      Thautz:  Jiipaii.  Gcneralstabswerk  über  den  Japan. -Riiss.  Krieg  1904/05. 

die  von  Norden  her  die  russische  Riickzugsstraße  bedrolicnden  Ja- 
paner zu  machen.  Er  befahl  dementsprechend  an  das  III,  Bataillon 
und  ließ  hinter  ilun  die  Ke^imentsmusik,  die  Falinenkompaijnie  (1.) 
und  die  Ki-ankenträgerahteiliinj;  anti'eten.  Die  Vorstüßai)t('ilung  drang 
auch  vom  Abhang  der  Höhe  192  gegen  den  Anstieg  südöstlich  von 
Hamatan  (Nord)  ungeachtet  des  feindlichen  Feuers  mutig  vor.  Die 
3.  Batterie  der  3.  Ariilleric-Brigade  und  die  2.  Batterie  der  6.  Artille- 
rie-Brigade (4  Geschütze)  vereinigten  ihr  Feuer  gegen  den  Feind  auf 
der  Höhe  westlich  der  nach  Hamatan  (Nord)  führenden  Straße  und 
unterstützten  so  den  Vorstoß.  Fast  wurde  hierbei  das  III.  Bataillon 
des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  vom  Feinde  umzingelt;  seine 
Verluste  wurden  immer  größer,  und  als  es  gegen  die  Wegeenge,  durch 
die  man  nach  Tutschensa  hinüherkommt,  vorstieß,  gingen  die  Japaner 
von  Tschingou  her  vor;  ihnen  schloß  sich  noch  eine  japanische  Gebirgs- 
batterie  an,  um  die  Russen  aufzuhalten.  Bis  5  Uhr  etwa  waren  die 
Kompagnien  auf  die  Hälfte  zusammengeschmolzen.  Es  gab  kein  Vor 
und  Ziu'ück  mehr.  Gleichzeitig  beschossen  allerdings  russische  Ge- 
schütze, die  hinten  stehengeblieben  waren,  die  Japaner,  weshalb  deren 
Feuer  für  kurze  Zeit  etwas  nachließ.  Hierbei  machten  die  russischen 
Soldaten,  zu  dreien  und  fünfen  sich  um  ihre  Offiziere  scharend,  weiter 
Angritic.  Aber  schon  5  Uhr  15  bis  5  Uhr  30  etwa  gab  es  kaum  noch 
ein  Entiünnen.  Als  etwa  7  Uhi-  der  Rest  des  Regiments  einen  Vor- 
stoß gegen  den  nacli  Tutschensa  führenden  Weg  machte,  vereinigte 
er  sich  mit  einem  Bataillon  des  1 1.  Regiments,  welches  einen  Teil 
der  Nachhut  bildete.  (In  diesem  Kampf  fielen  die  Offiziere  des  Re- 
giments bis  auf  2.) 

Vorher  hatten,  um  der  Vorstoßabteilung  Unterstützung  zu  ge- 
währen, die  3.  Batterie  der  3.  Artillerie-Brigade  und  die  2.  Batterie 
der  6.  Artillerie-Brigade  ihr  Feuer  eröffnet.  Sofoi-t  deckte  sich  die 
japanische  Gebirgs])atterie,  sie  erlitt  auch  von  dem  weit  von  Norden 
her  konmienden  Feuer  keine  Verluste,  aber  nach  einiger  Zeit  kam 
japanische  Infanterie  auf  dem  Al)hang  der  Höhe  192  zum  \'orschein. 
Etwa  um  diese  Zeit  hatte  die  iMaschinengewchr-Abteihmg  schon  ihre 
gesamte  mitgefühi-te  IMunition  verschossen  und  versuchte,  mit  Hilfe 
der  Infanterie  ISIimition  heranzuschaflTen,  was  abei-  wegen  Steilheit 
des  Al)hangs  nicht  gelang.  Schließlich  zerbrachen  sie  die  Gewehre 
und  wai-fen  die  Verschlüsse  fort.  Als  nun  wieder  frische  japanische 
Kräfte  mit  der  Gebii-gsartillerie  zusannnen  hinter  der  Artillei-iestelhmg 
östlich  des  Abhangs  der  Höhe  192  auftauchten,  wandten  sich  sofort 
2  Geschütze  der  2.  und  1  Geschütz  der  3.  Batterie  gegen  sie.  Einige 
Minuten  später  jedoch  schon  waren  die  Protz-  und  Munitionswagen- 
bespannungen im  feindlichen  Feuer  zusammengebi-oclien.  Diese  Ar- 
tillerie hat  dann  noch  bis  etwa  5  Uhr  nachmittags  Widerstand  geleistet, 
wurde  aber  von  dem  japanischen  Infanterie-  und  Artillei'iefeuer  fast 
vollkommen  vernichtet.  Nur  der  eine  Zug  der  3.  Batterie,  welche 
sich  schon   fiühei'    als  Schutz    für    den  rechten  Flügel  zurückgezogen 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      171 

hatte,  vermochte  das  feindliche  Feuer  zu  durchbrechen  und  zurück- 
.  zugehen,  2  Geschütze  der  2.  Batterie,  welche  die  Höhen  192  und 
südlich  beschossen,  wurden  mit  der  Verteidigung  in  der  Front  be- 
bauftragt, 2  Geschütze  derselben  Batterie  und  1  Geschütz  der  3.  Batterie 
ganz  nach  Osten  gegen  die  Infaiitei-ie  und  Artillerie  gei'ichtet.  Die 
dann  noch  übrigen  2  Geschütze  der  2.  Batterie  beschossen  Infanterie- 
abteilungen, die  wieder  im  Südosten  auftraten.  Ihi-e  Verluste  jedoch 
stiegen,  und  ihre  Munition  nahm  ab.  Kein  Weg  zur  Rettung  war 
mehr  offen.  So  ließ  ihre  Feuerkraft  nach.  Auch  von  der  Deckungs- 
abteilung wurde  die  größte  Hälfte  vernichtet  oder  von  der  Artillerie 
getrennt.  Um  diese  Zeit  faßten  die  Japaner  immer  weiter  herum 
und  gingen  zum  Angriff  vor.  Die  4  russischen  überlebenden  Offiziere 
und  ungefähr  40  Unteroffiziere  und  Mannschaften  warfen  die  Ver- 
schlüsse weg,  zerschlugen  die  Richtgeräte  und  Winkelmesser  usw.  und 
traten  in  einer  Kolonne  über  die  steilen  Höhen  hinweg  in  Unordnung 
den  Rückzug  an. 

Das  von  Generalmajor  Sasaki  geführte  47.  Infanterie-Regiment  ordnete 
zuerst  bei  Sekitojo  seine  Verbände  und  ging  dann  hinter  der  rechten  Flanke 
der  23.  Brigade  vor.  Etwa  1  Uhr  40  nachmittags  war  es  auf  die  Höhe  süd- 
östlich von  Shimenjö^*^  vorgekommen.  Doch  traf  es  auf  Infanterie  und  Trains 
des  vom  I.  Bataillon  des  46.  Infanterie-Regiments  geschlagenen  Feindes, 
welche  durch  einen  vor  ihnen  sich  hinziehenden  Talgrund  flohen.  Es  brachte 
sie  durch  Feuer  in  Unordnung  und  warf  den  Feind  auf  der  Höhe  süd- 
westlich davon  zurück.  In  der  Absicht,  an  dem  Gefecht  bei  Hamatan  (Nord) 
teilzunehmen,  schwenkte  das  Regiment  dorthin  ein  und  erreichte  4  Uhr  40 
die  Gegend  südwestlich  von  Dairobo.  Da  es  aber  an  Raum  zum  Auf- 
marschieren gel)rach,  blieb  es  halten.  Auch  die  Reserve  der  12.  Division 
(14.  Infanterie-Regiment  ohne  Hl.  Bataillon)  traf  nach  4  Uhr  nachmittags 
in  Dairobo  ein  und  blieb  hinter  der  23.  Brigade  halten,  ohne  am  Gefecht 
teilzunehmen. 

Die  Abteilung  des  Kavallerie-Oberstleutnants  Aiura  (Hl.  Bataillon  des 
14.  Infanterie-Regiments,  12.  Kavallerie-Regiment  ohne  3  Abmärsche  der  1., 
1  Zug  der  2.  und  die  3.  Eskadron  weniger  1  Zug)  ging  auf  Kyokako  vor 
mit  dem  Auftrage,  Flanke  und  Rücken  des  Feindes  zu  bedrohen.  Um 
8  Uhr  20  al)ends  verließ  sie  Sairoshiko;  während  des  Vorbeimarsches  an 
dem  Abhang  des  linken  Eiho-Ufcrs  wurde  sie  von  feindlicher  Artillerie  aus 
Gegend  Sekitojo  beschossen  und  suchte  hinter  den  Anhöhen  nördlich  Deckung, 
wodurch  sich  ihr  Vorgehen  stark  verzögerte.  Das  Infanteriebataillon  er- 
reichte zwar  10  Uhr  30  die  Gegend  Kyokako,  aber  da  inzwischen  die  Ja- 
paner schon  auf  Dairobo  den  Vormarsch  angetreten  hatten,  marschierten  sie 


"^^  Py  p^  ^w  jap-  Shi-men-jo:  cliin.:  Ssii-niien-cli'eng.  —  4,8  km  west- 
südwestlich von  Tschingou  ist  auf  den  japanischen  Karten  IJCl  [§1  ^g  jap.:  Shi-men- 
rei,  chin. :  Ssu-mien-ling  angegeben.  Die  andern  Schlachtbericlite  zeigen,  daß  jeden- 
falls Shi-nicn-jö  in  der  Gegend  liegen  muß,  wo  Shi-men-rei  angegeben  ist. 


1  7"J      Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ  Krieg  1904/05. 

aus  cigencin  Entschluß  weiter  nacli  Tansantschyndsa,  um  dem  Feinde  den 
Kikkzug  ali/usehnoiden.  15oi  Hotscliaulintszc'"  überscluitt  sie  den  Eiho 
und  warf  gegnei-ische  Reiterei  zurück.  Um  7  Uhr  al>ends  erreichte  sie  die 
Gegend  hei  Rijuko  (Nord).  Das  12.  Kavallerie-Regiment,  welches  später  ab- 
marschiert war,  erreichte  4  Uhr  10  nachmittags  zuerst  Kyokako,  überschritt 
den  Eiho  und  kam  7  Uhr  in  Tschiutsaiyüan --*  an,  wo  sie  zusammen  Unter- 
kunft bezogen. 

Als  der  Kommandeiu-  der  Garde-Division,  welcher  sich  bei  der  S[)itze 
der  1.  Infanterie-Brigade  befand,  2  Uhr  30  nachmittags  etwa  Tiurentschin 
erreichte,  vernahm  er  aus  der  Gegend  von  Suanschansa  lebhaftes  Infanterie- 
und  Artilleriefeuer.  Nach  einer  Meldimg  der  Aufklärer  der  2.  Brigade  be- 
fand sich  diese  Brigade  und  die  Armeevcrfolgungsal)teilung  zusammen  im 
Gefecht  gegen  einen  Gegner  bei  Suanschansa.  Der  Vormarsch  ward  also 
fortgesetzt,  imd  als  man  etwa  bei  Suanschansa  ankam,  ergab  sich,  daß  der 
Kampf  schon  zu  Ende  war.  (Im  Gefecht  von  Hamatan  betrugen  die  Ge- 
samtverluste der  Armee  an  Toten  einschließlich  Offiziere  915,  an  Ver- 
wundeten 379.) 

Die  2.  Division  war,  ohne  unterwegs  auf  feindlichen  Widerstand  zu 
stoßen,  auf  Antung  vorgegangen,  und  ihr  2.  Kavallerie-Regiment  hatte  um 
4  Uhr  nachmittags  diesen  Ort  erreicht. 

Bemerkung:  Die  Abteilung  Antung  unter  Oberst  Schwerin  hatte 
am  1.  INIai  die  berittenen  Jagdkommandos  des  9.,  10.  und  11.  Ost- 
sibirischen Schützen-Regiments  in  Gegend  Niantschan — Sandogu-^*  und 
Ikato  "^  entsandt.  Sie  hatte  aufgestellt  die  2.  Kompagnie  des  10.  Ost- 
sibirischen Schützen-Regiments  und  2  Geschütze  der  1.  Batterie  der 
3.  Ostsibirischen  Schützen- Artillerie-Brigade  bei  Sandogu,  die  10.  und 
11.  Kompagnie  des  24.  Ostsibirischen  Schützen -Regiments  und  die 
I.Batterie  (ohne  2  Geschütze)  der  3.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie- 
Brigade)  bei  Yenwo.  Die  übrigen  Abteilungen  (das  10.  Ostsibirische 
Schützen-Regiment,   das   II.  Bataillon   des   9.  Ostsibirischen   Schützen- 


"'  i"^  i'Jli 't'^ "?"  •''^P-'  Kaku-tö-rin-shi;  chin.:  Ho-t'ao-lin-tzu.  —  3,3  km 
westlich  von  Kyokako,  am  rechten  Eiho-Ufer. 

22*  ^^  T^  [^  ~?*  J^P-  Kyü-sai-gwan-shi ;  chin.:  Chiu-ts'ai-wan-tzu.  — 
2,5  km  westlich  von  Tschingou. 

223  ^  ^  y^  jap.:  San-dö-kö;  chin.:  San-tao-kou.  —  11  km  unterhalb  von 
Antung  am  rechten  Yalu-Ufer;  die  jap.  Admiralitätskarte  1  :  72  85.S,  Blatt »  ^j^  ^  J^ 
(Amunyokukan)«  nennt  den  Ort  "^iM'']^HM  Santanranto«,  desgl.  die  jap.  Über- 
sichtskarte 1:1000000. 

226  J^  }^rT  ^  .jap-:  I-ka-to:  chin.:  Wei-ho-tao.  —  Yalu-Insel,  3,5  km  öst- 
lich von  Antung  (nach  jap.  Karte  1  :  .50000).  —  Ikato  (Ort  4  km  östlich  von  Antung 
bei  Gertsch  a.  a.  O.)  ist  woiil  der  gleichnamige  Hauptort  der  Insel,  s.  140.  Die 
jap.  Admiralstaliskarte  gibt  für  den  von  Gertsch  Ikato  genannten  Ort  die  Schreib- 
weise   "^/>K"/|mJ    Kühaton«,  (kor.  wäre  Ui-hoa-dong). 


Trautz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      173 

Regiments  und  die  2.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie- 
Brigade)  standen  auf  den  Höhen  nordwestlich  von  Antung  mit  dem  Auf- 
trage, in  jener  Gegend  zu  beobachten  imd  zu  sichern.  Am  ^Morgen 
dieses  Tages  fuhren  die  japanischen  Kriegsschiffe  (je  2  Kanonenboote 
und  Torpedoboote  und  4  armierte  Dampfer)  in  den  Yalu  ein :  nach- 
dem sie  einige  Schüsse  mit  der  russischen  Artillerie  gewechselt  hatten, 
zogen  sie  sich  stromabwärts  zurück. 

Oberst  Schwerin  erhielt  um  10  Uhr  vormittags  etwa  von  General- 
leutnant Sassulitsch  den  Befehl,  alle  Heeresvori-äte  zu  verbrennen  und 
sofort  nach  Tutschensa  zurückzugehen.  Die  Abteilung  in  Sandogu 
ließ  er  nach  Kaolimen  oder  Fönhuantschön  zurückgehen,  und  von 
den  übrigen  Abteilungen  eine  Hall)kompagnie  des  9.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiments  in  die  Vorhut  nehmend,  bildete  er  eine  Kolonne 
aus  den  Trains,  dem  Rest  des  9.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments, 
der  1.  und  2.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade, 
der  10.  und  11.  Kompagnie  des  24.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments 
und  ließ  sie  der  Vorhut  folgen.  Als  dann  noch  die  1.  und  3.  Kom- 
pagnie des  10.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments  mit  herangekommen 
waren,  ließ  er  sie  sich  anschließen.  Aus  dem  II.  Bataillon  des  10.  Ost- 
sibirischen Schützen-Regiments  wurde  die  Nachhut  gebildet,  welche 
hier  bleiben  und  den  Rückzug  decken  sollte.  Weil  man  aber  bei 
allen  Abteilungen  nur  nach  und  nach  die  Leute  sammeln  konnte, 
nahmen  die  Rückzugsvorbereitungen  lange  Zeit  in  Anspruch,  und  als 
die  Nachhut  Antung  verließ,  war  es  wirklich  schon  etwa  Mittag  ge- 
worden. Schon  vorher,  etwa  10  Uhr  vormittags,  waren  die  Reserve- 
abteilungen der  russischen  Ostabteilung,  soweit  noch  solche  übrig 
waren  (die  Hälfte  des  I.  Bataillons  luid  das  HI.  Bataillon  des  9.  Re- 
giments, 1  sibirische  Pionier-Kompagnie)  unter  Generalmajor  Yatsuinin 
von  Hamatan  (JMitte)  abgerückt  und  hatte  bei  Loukudun  die  Ankunft 
der  Abteilung  Antung  abgewartet  und  2  Uhr  nachmittags  etwa  mit 
ihr  zusammen  den  Rückzug  nordwärts  fortgesetzt. 

Oberst  Schwerin  erhielt  um  12  Uhr  30  nachmittags  von  dem 
Fiihrer  der  russischen  Ostabteilung  den  Befehl,  die  Nachhut  zu  führen, 
und  stellte  in  Gegend  Tutschensa  aus  den  von  vorne  her  im  Rück- 
zug befindlichen  11.,  12.  und  22.  Ostsibirischen  Schützen-Regiment 
und  1  Batterie  eine  gemischte  Abteilung  in  einer  Kolonne  zusammen. 
Als  er  nach  Tutschensa  kam,  traf  er  den  Generalmajor  Kaschtalinsky. 
Dieser  ließ,  imi  die  lange  Marschkolonne  abzukürzen,  die  1.  und 
2.  Batterie  der  3.  Ostsil)irisclien  Schützen-Artillerie-Brigade,  die  Trains 
und  1  Bataillon  vom  9.  Regiment  von  Loukudun  aus  auf  einem  nach 
Westen  führenden  Wege  nach  der  7.  Etappenabteilung  zu  (welche 
sich  in  Tansantschyndsi  befand)  ihren  Rückzug  nehmen.  (Oberst- 
leutnant Kollauwitsch  führte  diese  ganze  Abteilung  und  marschierte 
etwa  7  km  weit,  dann  kehrte  er,  weil  der  Weg  zu  schwierig  wurde, 
auf  die  Hauptstraße  zurück.)  Ferner  sandte  Generalmajor  Kaschtalinski, 
in  der  Absicht,  den  Rückzug  des  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments 


174      Traitz:  Japan.  Gencralstabswerk  über  den  Japan. -Kuss.  Krieg  1904/05. 

iiiiil  den  Verwundetentiansport  zu  sichern,  1  Kompagnie  des  10.  Ost- 
siliirisrlien  8cliützeii-Ke,c;ini*'"ts  in  den  Engweg  von  Zenteislii  vor  und 
.stoilti'  das  lieriltene.lagdkonuuando  des  l'2.0stsil)irischen.Sthritzen-Kegi- 
nients  ^östlicli  Loukudun  auf.  Oberst  Schwerin  mit  einem  Bataillon 
sollte  sich  in  Besitz  der  Höhen  «'isthch  von  Loukudun  setzen.  Oberst 
Schwerin  teilte  dem  von  (Oberstleutnant  Gorsky  geRihrten  II.  Bataillon 
des  10.  Regiments  (ohne  Ü.  Kompagnie)  das  berittene  Jagdkommando  zu 
und  schickte  es  auf  die  Höhe  von  Loukudun,  wohin  er  selbst  mit- 
ritt. Die  Abteilung  erstieg  etwa  6  Uhr  abends  die  Höhe  und  hielt 
den  Vormarsch  der  Jaj)aner  auf.  Als  sie  nach  etwa  2  Stunden  mit 
einem  Verlust  von  11  Mann  den  Rückzug  antrat,  folgte  ihr  eine  ja- 
paiu'sche  Abteilung  und  besetzte  die  Höhe,  so  daß  sie  nicht  mehr 
weiter  zurückgingen,  sondern  gegen  die  Jajjaner  das  Feuer  aufnahmen. 
Angesichts    dieser  Lage   ließ   Oberst  Schwerin    das   III.  Bataillon   des 

10.  Regiments  rechts  des  Eingangs  der  Enge  ausschwärmen  und  das 

11.  Bataillon  untei'stützen. 

Um  dieselbe  Zeit  befahl  Gcnerahuajor  Kaschtalinsky  den  2  Ge- 
schützen der  S.Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen- Artillerie-Brigade, 
welche  gerade  von  Tschingou  zurückgingen,  zusammen  mit  dem 
I.  Bataillon  (unter  Oberstleutnant  Baron  Baratow)  des  10.  Regiments  an 
der  Hauptstraße    südlich    von    Loukudun    eine   Stellung   zu  besetzen. 

Inzwischen  sah  Oberst  Sciiwerin,  daß  die  letzte  Rückzugsabteilung 
und  die  Verwundeten  an  dem  Aufstellungsort  des  111.  Bataillons  vor- 
beigezogen waren  und  befahl  diesem  Bataillon  und  dem  II.  Bataillon, 
zusammen  mit  den  Jagdkoinmandos  auf  der  Hauptstraße  auszu- 
schwärmen und  nach  dem  Durchzug  der  Verwundeten  ebenfalls  den 
Rückzug  anzutreten.  Dem  I.  Bataillon,  dem  er  1  Kompagnie  des 
10.  Regiments  l)eigab,  gab  er  den  Auftrag,  die  Nachhut  zu  bilden. 
L"m  diese  Zeit  deckte  das  Jagdkommando  des  12.  Regiments  den 
Weg,  worauf  1  Bataillon  des  9.  Regiments  und  die  Batterie  marschierten. 
Bei  Soiuienuntergang  zog  die  Abteilung  auf  der  Hau])tstraße  unver- 
züglich sich  nach  Tansantschyndsi  hin  zurück. 

(Die  Nachhut  trat  ihren  INIarsch  erst  9  Uhi'  abends  an.)  Von 
Tansantschyndsi  wandte  sie  sich  am  2.  Mai,  4  Uhr  30  vormittags, 
nach  zweistündiger  Ruhepause,  nach  Fönhuantschön ;  trotzdem  nahmen 
die  Ja])auer  die  Verfolgung  nicht  auf. 


V.  Lage  nach  dem  Gefecht. 

Unterkunft  der  Armee  nach  dem  Gefecht. 

Nach  dem  Gefecht  bei  Hamatan  bezog  die  12.  Division  bei  Dairobo, 
die  Garde-Division  bei  Hamatan  (Nord)  Unterkunft.  Die  Armee -Verfolgungs- 
abteilung marschierte  etwas  weiter  vor  luid  sicherte  gegen  Tansantschyndsi 
in  der  Linie  des  Hamatan-Flusses.  Das  2.  Kavallerie-Regiment  nahm  um 
4  Uhr  40   nachmittags    die    Gegend    Rokudoko    in   Besitz,    die    2.  Division 


Trautz:  Japan.  Generalstabswei'k  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05.      175 

um  7  Ulli"  30  abends  Antnng  und  bezogen  daselbst  Ortsunterkunft.  Vom 
2.  Artillerie-Regiment  kam  die  1.  Batterie  um  9  Uhr  50,  die  II.  Abteilung 
um  1 1  Uhr  in  Antung  an  und  kehrten  zur  Di\  ision  zurück.  Das  Armee- 
Oberkonunando  l)Iicb  an  diesem  Tage  in  l'iurcntschin,  das  Regiment  schwere 
Artillerie  auf  Samalinda,  Das  III.  Bataillon  des  14.  Infanterie-Regiments 
und  das  12.  Kavallerie-Regiment  tiatcn  am  2.  INIai  in  aller  Früiie  wieder 
an  und  erreichten  etwa  1 1  Uhr  30  vormittags  Tansantschyndsa.  Der  Feind 
hatte  sich  jedoch  bereits  weiter  nach  Norden  zurückgezogen  und  keine 
Spur  von  iiun  war  mehr  zu  finden,  so  daß  nach  Erkundung  der  Gegend 
von    Kaolimcn    die  beiden  Abteilungen  wieder  zur  Disision   zurückkehrten. 

Bemerkung:  Die  Abteilung  Mischtschenko  war  am  1.  Mai  vor- 
u)ittags  in  das  Geschtttzfeuer  der  paar  japanischen  Kriegsschitle  auf 
dem  Yalu  geraten.  Sie  hatte  aus  einer  Stellung  bei  Amisan  und  bei 
Sandogu  mit  Gewehrfeuer  geantwortet.  Um  II  Uhr  vormittags  jedoch 
erhielt  General  Mischtschenko  in  Gegend  Madugu'''-'  (2  Meilen  nörd- 
lich vom  TatungouC^'*))  von  Generalleutnant  Sassulitscli  den  Befehl, 
sich  in  Richtung  Kaolimen  zurückzuziehen  und  die  rechte  Flanke  der 
russischen  Ostabteilung  zu  sichern.  Er  beließ  in  Bj'ojiko-'^^  Amisan, 
Niantschan,  Dokworei^^*  Patrouillen,  hielt  Verbindung  mit  der  Masse 
der  Ostabteilung  und  sammelte  5  Uiu-  nachmittags  l)ei  Shokwpsanshi^^" 
das  1.  Tschita-Kosaken-Regiment  (die  6.  Sotuie  schloß  sich  am  2.  dem 
Regiment  au)  und  die  1.  Transbaikalische  Kosaken-Batterie  und  ging 
nach  Peizaida^^'  zurück,  wo  Unterkunft  genonunen  wurde.  General- 
major ^Mischtschenko  hatte  zwar  das  in  Gegend  Dagushan  befindliche 
21.  Ostsibirische  Schützen-Regiment  nach  Fönhuantschön  zurückgehen 
lassen  wollen;  da  aber  der  Befehl  dazu  nicht  ankam,  so  bheb  das 
genannte  Regiment  und  die  1.,  2.  vuid  3  Sotnie  der  Werchneudinsk- 
Kosaken  wie  bisher  beim  Dagushan  stehen,  und  die  4.  und  5.  Sotnie 
beobachtete  die  Meeresküste  bei  Pitszewo(i"'''). 

Die  Abteilung  des  Obersten  Letschitzky  (10.  Kompaguie  des 
10.  Ostsibirischen  Schützen-Regiments,  I.Bataillon  des  24.  Ostsibirischen 
Schützen-Regiments,  1.  und  2.  Sotnie  Ussuri-Kosaken  und  6  Gebirgs- 
geschütze)  war  seit  29.  April  l)ei  Tenkyos!ii(i^')  (auf  dem  rechten 
Ambiho-Ufer  an  der  Straße   Antung — Kuandiansan)  aufgestellt.     Da 


^^'     ml~^)^    jap.:  Ma-shi-kö;  chin.:  Ma-tzu-kou.  —  25  km  südwestlich  von 
Antung. 

''"    /SÄiS    J^P"  %ö-ji-kö;  chin.:    Miao-erh-kou.  —  228,  230  und  233 
sind  auf  den  mir  zugänglichen  japanischen  Karten  nirgens  verzeiclmet. 

'^     M^  ^  "nM    J'^P'  ■  ^'^"k"ü-rei ;  chin. :  T'ung-kung-ling.  —  12 km  südwestlich 


229 

von  Antung 

^^^     /J'^^lJj^J^    J^P-=  Shö-kwü-san-shi;   chin.:    Hsiao-huang-shan-tzu.  — 
S.  228. 

"^     Ö^-Nil    J^P"  Haku-sai-chi ;    chin.:  Pai-ts'ai-ti.  —  19  km  südwestlich 
von  Antung.     Es  gibt  ein  «West-«  und  ein  »Ost-Hakusaichi«. 


1  7('i     Traut?.:  .lapan.  General stabswerk  über  den  Japan. -Russ.  Krieg  1904/05. 

sich  am  30.  japanische  Patrouillen  zeigten,  ließ  Oberst  Lctschitzky 
am  I.  Mai  früh  die  1.  und  2.  Kosaken-Sotnie  auf  beiden  Flügeln  der 
Abteibmg  aufklären  und  mit  einer  halben  Sotnie  Verl)indung  mit  der 
Masse  der  russischen  Ostabteilung  halten.  Trotzdem  erfuhr  er  gar 
nichts  vom  Rückzug  der  Hau))tal)tcilung.  (Der  Stabshauptmann  Krakin 
nämlich,  welcher  den  Rückzugsbefehl  überl)ringen  sollte,  war  unter- 
wegs bei  Pototynsa  von  japanischer  Kavallerie  angegriffen  worden 
und  im  Kiho  ertrunken.)  Bis  zinn  3.  Mai  blieb  Letschitzky  mit  seiner 
Abteilung  dort  stehen. 

Oberst  Karzevv  (mit  der  3.,  4.  und  5.  Ussui-i-Kosaken-Sotnie 
und  der  5.  Sotnie  des  1.  Argunsk-Kosaken-Regiments),  der  am  1.  Mai 
früh  l)ei  Hsienlungou  ('•'■')  (nordöstlich  von  TenkyoshiO^'))  stand,  ent- 
schloß sich,  selbständig  in  Richtung  Knandiansan  zui'ückzugehen,  und 
verblieb  die  Nacht  im  Tale  des  PuyihoU^3)^  etwa  10  km  nördlich  von 
Hsienlungou. 

Oberst  Truchin  mit  5  Sotnien  des  1.  Argunsk-Kosaken-Regiments 
vmd  2  Gebirgsgescliützen  befand  sich  seit  30.  April  in  Kuandiansan 
und  erhielt  am  1.  Älai  die  Meldung  vom  Vormarscli  eines  starken 
Gesners  srcfren  ihn.  Er  entschloß  sich  sell)ständig,  um  10  Uhr  abends 
eine  Kompagnie  dort  zu  lassen  und  mit  der  Masse  seiner  Kräfte  nach 
SaTmatsy    abzumarschieren.     In   Tschanlindsa    bezog    er    Unterkunft. 

Die  russische  Ostabteilung  erreichte  am  2.  Mai  in  großer  Un- 
ordnung Kaolimen.  Generalmajor  Yatsuinin  besetzte  Kaolimen  mit 
den  von  ihm  kommandierten  9.  und  10.  Ostsibirischen  Schützen-Re- 
gimentern und  der  2.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie- 
Brigade  als  Nachhut.  Das  11.,  12.  und  22.  Ostsibirische  Schützen- 
Regiment  luid  die  1.  Batterie  der  3.  Ostsibirischen  Schützen- Artillerie- 
Brigade  vcil)lieben  in  Fönhuantschön  und  bildeten  zusammen  mit  den 
dort  befindlichen  4  Kompagnien  des  24.  Ostsibirischen  Schützen-Re- 
giments die  Reserve  (1  Kompagnie  des  24.  Regiments  besetzte  eine 
Stellung  in  der  Nähe  des  Eiho  auf  dem  umgebogenen  linken  Flügel). 

Die  an  diesem  Kampfe  beteiligten  japanischen  Truj)pen  zählten 
36  Bataillone  Infanterie,  8  Eskadrons,  102  Feldgeschütze,  20  Zwölfzentimeter- 
Haubitzen,  9  Pionier-Kompagnien.  Die  Anzahl  der  Kämpfer  betrug  unge- 
fähr 42500.  Davon  tot  oder  verwundet  932.  Unsere  wichtigste  Beute 
waren  21  Schnellfeuer-F'eldgeschütze  und  etwa  1520  Schuß,  8  Maschinen- 
gewehre, 1020  Infanteriegewehre.  Ferner  eine  große  Anzahl  von  Muni- 
tionswagen und  Trainfahrzeugen,  an  Gefangenen  einschl.  Offiziere  613,  an 
Pferden  63. 

Bemerkung:  Die  russischen,  unmittelbar  am  Kampfe  beteiligten 
Tru[)pen  zählten  etwa  16  Bataillone  (jedes  etwa  1000  Mann),  40  Feld- 
geschütze, 16  Maschinengewehre,  1  Pionierkomjjagnie),  die  Verluste 
an  Toten  einschl.  Offiziere  614,  an  \"erwundeten  1144,  an  Vermiß- 
ten 526,  an  Pferden  tot  oder  verwundet  208.  (Die  Verluste  der 
3.  Batterie   der  3.  Ostsibirischen   Schützen-Artillerie-Brigade   betrugen 


Traütz:  Japan.  Generalstabswerk  über  den  Japan.-Russ.  Krieg  1904/05.      177 

im  Verhältnis  zu  den  Überlebenden  75  Prozent,  der  Offiziere,  77  Pro- 
zent der  Unteroffiziere  und  JMannscliaften,  80  Prozent  der  Pferde. 
Bei  der  2.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen-Artillerie-Brigade  an 
Offizieren  75  Prozent,  an  Unteroffizieren  und  Mannschaften  67  Pro- 
zent, an  Pferdeil  80  Prozent,  ferner  bei  den  Maschinengewehr-Abtei- 
lungen unter  24  Pferden  22  tot  oder  verwundet.)  Außerdem  gingen 
vei'loren  22  Feldgeschütze,  8  Maschinengewehre,  zahlreiche  Fahrzeuge. 
Der  Munitionsverbrauch  ist  im  einzelnen  nicht  feststellbar;  es 
wurde  l)eini  12.  Ostsibirischen  Schützen-Regiment  die  gesamte  mitge- 
brachte ^lunition  verbraucht,  welche  aus  den  Munitionswagen  ersetzt 
wurde;  beim  11.  Ostsibirischen  Schützen-Regiment  wurde  von  11  Uhr 
morgens  bis  1  Uhr  nachmittags  alle  Taschenmunition  verbraucht  und 
der  Ersatz  durch  die  in  die  Stellung  geholten  Kompagnie-  und  Ba- 
taillons-Patronenwagen  bewirkt.  Auch  diese  Munition  war  bis  3  Uhr 
nachmittags  verbraucht.  Die  Maschinengewehr-Abteilung  verljrauchte 
iiiren  gesamten  Reservevorrat  im  Betrage  von  40000  Patronen. 
Der  Gesamtverbrauch  an  Gewehnnunition  am  1.  Mai  betrug  etwa 
800000  Schuß.  Die  in  zweitägigem  Kampfe  verijrauchte  Artillerie- 
nnuiition  betrug  bei  der  3.  Batterie  der  6.  Ostsibirischen  Schützen- 
Artillerie-Brigade  168  Schuß,  bei  der  2.  Batterie  der  6.  Brigade 
1331  Schuß.  Die  im  Verhältnis  zur  Gefechtslage  geringe  Zahl  erklärt 
sich  daraus,  daß  das  überaus  heftige  japanische  Artilleriefeuer,  noch 
bevor  genügend  Schuß  abgegeben  waren,  die  Batterie  vernichtet  hatte. 

Armeebefehl  nach  dem  Gefecht. 

Da3  Armee-Oberkommando  hatte  nach  dem  Gefecht  wohl  die  Absicht, 
sofort  bis  Fönhuantschön  die  Verfolgung  fortzusetzen,  aus  dienstlichen  und 
Verpflegungsrücksichteu  ließ  man  aber  die  Truppen  eine  Weile  in  den 
innegehabten  Stellungen  halten  und  gab  in  der  Nacht  des  1.  Mai  folgenden 
Befehl  (im  Auszug): 

1.  Die  Garde-Division  nimmt  Unterkunft  bei  Hamatan  und  klärt  auf 
im  Räume  Tynhisan^^^-Okako^^^ 

2.  Die  2.  Division  nimmt  Unterkunft  in  Antung  und  klärt  auf  im 
Räume  von  der  Aufklärungslinie  der  Garde-Division  bis  zum  Yalu. 

3.  Die  12.  Division  nimmt  Unterkunft  in  dem  Räume  östlich  der 
Grenze  der  Garde-Division  bis  zum  Eiho-Hauptstrom  und  klärt 
auf  zwischen  der  Aufklärungslinie  der  Garde-Division  und  dem 
Eiho,  insbesondere  ist  die  Gegend  Kuandiansan  zu  beobachten 
und  einer  Abteilung  die  Deckung  der  Kriegsbrücke  bei  Schigupu 
aufzutragen. 


^*^     "TÜi^Uj    jap.:  Chö-gi-san;  chin.:  Ting-ch'i-shan.  —  Ein  795  m  hoher, 
felsiger  Gipfel,  7,3  km  nordwestlich  von  Hamatan. 

^"    BES^yS    J^P''  Ö-ka-kö;  chin.:  Yü-chia-kou.  —  S.  228. 
Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.    1915.  I.  Abt.  12 


I  78      Trautz:  Japan.  Oeneralstabswerk  über  den  Japan. -Kiiss.  Krieg  19<34/05. 

(ileirhzeitig  ließ  der  Pionier-Kommandeur  der  Armee,  (ieneralmajor 
Ivodania  Tokiitarö  zwisclien  Witschu  und  Tiurentscliin  rd)er  den  Yalu  und 
iilier  den  Kilio  Biükcn  liauen;  er  befehligte  folgende  Truppenteile:  das 
(larde-Pionier-Bataillon  ohne  3.  Kompagnie,  das  2.  Pionier-Bataillon  ohne 
3.  Kompagnie,  die  3.  Kompagnie  des  12.  Pionier-Bataillons,  die  Garde- 
Kobi-Pionier-Komjjagnie.  die  Kol)i-Pi()nier-Konipagnie  der  2.  Division  ohne 
1  Zug  und  1  Gruppe  und  die  drei  BrücUentrains  der  G.inle.  2.  und 
12.  Division. 

Am  folgenden  Tage,  dem  2.  ]\lai,  ging  das  Armee-(.)l)CrUununando 
uaeh  Antung  voi".  Die  Divisionen  I)lleben  iu  ihrer  bisherigen  Unterkunft; 
die  Kavallerie  ließ  man  den  Feind  weithin  verfolgen.  (Der  Kommandeur 
der  2.  Division  zog  an  diesem  Tage  die  Besatzung  von  Yonampo  zurück; 
sie  kehrte  in  ihren  Verband  zuiüick.)  Ferner  wurde  der  12.  Division  be- 
fohlen, gegen  Kuandiansan  und  Aiianyamin  ■-^••,  der  Garde-Division  gegen 
Seliutschan  ^^%  der  2.  Division  gegen  Siuyan  und  Dagusban  aufzuklären. 
(Während  des  Gefechts  waren  die  Feldtelegraphen-Abteilungen  beim  Armee- 
Oberkommando  und  hatten  dessen  Standort  bei  Genkado  mit  den  Vor- 
marschwegen der  Di\  isionen  verbunden;  sie  unterstanden  weiterhin  direkt 
dem  Armee-Oberkonunandü.  Inzwischen  hatten  die  vom  Generalmajor  Ko- 
dama  befehligten  Pionierabteilungen  am  3.  Mai  den  Eilio  nordüstlich  von 
Tiurentscliin  und  den  Yalu  bei  Tschunkiantai  (Matuzeo)  mit  behelfsmäßigem 
Gerät  zu  überbrücken  anoefan";en   und  waren  am   9.  damit  fertiti. 


234  ^g  J^  ^Ä  PH  jap.:  Ai-yö-hem-mon  ;  chin.:  Ai-yang-pien-nien.  —  24  km 
nordwestlich  von  Kuandiansan.     (Ostchina  1:1000000:  Yangnien.) 

23»  ^^  ^^  ^Jt  jap.:  Setsu-ri-ten;  chin.:  Hsüeh-li-chan.  —  15  km  nordwestlich 
von  Fönhuantschön. 


179 


T'ao  Yuan-ming. 

Von  A.  Bernhaudi  und  E.  von  Zach. 


Uie  in  den  Mitteilungen  des  Seminars  (Band  XV,  1912)  veröffentlichte 
Studie  »Tau  Jüan-niing,  Lehen  und  Dichtungen«  war  ein  Versuch,  die  Persön- 
lichkeit dieses  Dichters  in  einer  Auswahl  seiner  Poesien  darzustellen.  Bei 
weiterer  Beschäftigung  mit  seinen  Werken  fand  sich  aber,  daß  einige  sehr 
bezeichnende  Gedichte  noch  fehlten  (/..  B.  "Kör])er,  Schatten  und  Geist«  sowie 
»Erzähhnig  beim  Weine"),  und  daß  die  Übersetzung  der  gegebenen  vielfach 
verbesserungsbedürftig  war. 

Während  der  ersten  Arbeit  die  nicht  mit  Anmerkungen  versehene 
Ausgabe  von  Su  Tung-]/o  zugrunde  lag,  ist  jetzt  die  kommentierte  von  T'ao 
diu '  herangezogen  worden.  Von  zehn  Heften,  in  die  der  Herausgeber 
des  Dichters  Werke  geteilt  liat,  geben  wir  im  folgenden  die  ersten  fünf. 
Die  Anordnung  ist  fast  ganz  mit  der  Su  Tung-p'os  übereinstimmend;  wir 
bringen  die  Übertragungen  in  der  Reihenfolge,  die  sie  bei  T'ao  Chu  haben 
und  setzen  an  Stelle  der  schon  1912  veröffentlichten  Gedichte  die  uns  not- 
wendig erschienenen  Verbesserungen. 

Einige  der  neu  übersetzten  Gedichte  boten  so  große  Schwierigkeiten, 
daß  volle  Klarheit  nicht  erreicht  werden  konnte,  und  wir  machen  auf  diese 
Stellen  im  einzelnen  aufmerksam,  um  angehende  Sinologen,  die  unsere  Arbeit 
zu  Studienzwecken  benutzen  wollen,  nicht  zu  verwiiTen. 

(Im  Sounner  1914  war  die  gemeinsame  Durcharbeitung  von  Heft  V 
noch  nicht  l)eendet,  der  fernere  Briefwechsel  mit  dem  in  Singapore  lebenden 
Konsul  von  Zach  aber  wurde  durch  den  Krieg  abgeschnitten,  so  daß  ich 
dieses  Heft  allein  fertiggestellt  habe.  Herr  Dr.  von  Zach  ist  daher  für 
Irrtümer  und  Fehler  im  5.  Teile  nicht  mitverantwortlich.     A.  B.) 


m 


.].  Giics,  Biogi-.  Dict.  Nr.  1894. 

12* 


|S()  r.iKMiARm  und  \0N   Zach:  T'ao   Yuan-ming. 

I.  Heft. 

(Verse  zu  4  Zeichen.) 

1.  Unbewegte  Wolken. 

Kinlcituiig:  Das  Gedicht  -Unbewegte  Wolken»  gedenkt  eines  guten 
Freundes,  der  in  der  Kerne  weilt.  Der  Becher  ist  mit  jungem  Weine 
gelullt,  im  Garten  beginnt  es  zu  blühen.  Was  ich  sagen  möchte,  er- 
reicht ihn  nicht;  daher  äußert  sich  mein  tiefes  Leid  in  Seufzer  und  Klage. 

Dicht  geballt  sind  die  unbewegten  Wolken.  Fein  rieselt  der  Fruhlings- 
regen'  nieder;  der  ganze  Horizont  ist  gleichmäßig  in  tiefes  Dunkel  getaucht, 
so  daß  selbst  der  ebene  Weg  ungangbar  wird.  Schweigend  sitze  ich  auf 
der  östlichen  Veranda,  und  nur  der  heurige  Wein  tröstet  mich  in  meiner 
Einsamkeit.  Mein  guter  Freund  ist  weit  und  fern  —  lange  sitze  ich  so  in 
trübe  Gedanken  versunken. 

Die  unbewegten  Wolkjen  sind  dicht  gel)allt.  Frühlingsregen  rieselt 
fein  hernieder;  der  ganze  Horizont  ist  gleichmäßig  in  tiefes  Dunkel  getaucht, 
und  da.s  ilache  Land  wird  zum  Strome.  Wein  ist  da,  Wein!  In  Muße 
trinke  ich  am  östlichen  Fenster.  Ich  möchte  meinen  Busenfreund  sprechen; 
aber  wie  könnte  Boot  oder  Wagen  ihm  folgen! 

An  den  Bäumen  des  östlichen  Gartens  stehen  Äste  und  Zweige  wieder 
in  Blüte.  Wetteifernd  entfalten  sie  ihre  neuen  Reize  und  erregen  damit 
meine  Gefühle.  Freilich  ptlegt  man  zu  sagen*:  Tage  und  INIonde  gehen 
dahin!  —  Ob  wir  es  daher  noch  erreichen  werden,  auf  einer  Matte  bei- 
sammen zu  sitzen  und  über  unser  Leben  zu  plaudern? 

Flatternd  kommt  ein  Vogel  geflogen,  setzt  sich  auf  einen  Ast  in  meinem 
Ilof(j  und,  die  P'lügel  entfaltend,  ruht  er  in  Muße.  Seine  lieblichen  Töne 
finden  Erwiderung.  Gibt  es  etwa  nicht  andere  Menschen  in  der  Welt? 
Und  doch  denke  ich  zumeist  an  dich!  Ich  möchte  dich  sprechen  und  ver- 
mag es  nicht  —  da  ergreift  mich  hilfloser  Jammer. 

2.  Wandel  der  Zeiten. 

Einleitung:  Das  Gedicht  »Wandel  der  Zeiten«  spricht  von  einem  Spazier- 
gang zu  Ende  des  Frühlings.  Ich  bin  ganz  frühlingsmäßig  gekleidet^ 
und  alle  Herrlichkeiten  der  Natur  sind  in  voller  Harmonie.  Einsam, 
nui"  von  meinem  Schatten  begleitet,  gehe  ich  lur  nu'ch  hin;  Freud 
und   Leid  käni])fen   in  meiner  Brust. 

Wie  mächtig  schreitet  die  Natur  im  Wandel  der  Zeit  weiter!  Wie 
heri'lich  ist  solch  ein  glückbringender  Tag!     Ich  lege  mein  Frühlingsgewand 


'    Wörtlieli:  der  dieser  Jahreszeit  entsprechende  Regen. 

^    Vgl.  Shihking;  Legge  IV,  ..09,  ferner  Tao  Yuan-niing  P  und  I*. 

3    Vgl.  Lunyü;  Legge  P,  248. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  181 

an  und  will  ein  wenig'  den  Lenz  genießen^.  Die  letzten  sinkenden  Nebel 
nehmen  alles  Trübe  von  den  Bergen  ab,  der  Zcnith  ist  durch  zarten  Dunst 
verschleiert.     Von  Süden  weht  ein  Wind,  der  die  jinige  .Saat  fördern  wird. 

Dort  an  der  ruhigen  Furt,  wo  sich  das  Wasser  in  die  Weite  aus- 
dehnt, will  ich  mich  waschen  und  baden.  An  den  verschwonunenen  Um- 
rissen der  Ferne  habe  ich  Freude  und  blicke  unverwandt  hin.  Wenn  mau 
aussprechen  kann,  was  man  auf  dem  Herzen  hat,  so  ist  man  wohl  zufrieden^; 
ich  (aber)    nuiß   mich,   diesen   einen  Becher   ei-greifend,   einsam  vergnügen  I 

Mein  uudierschweifendes  Auge  trifft  auf  die  ujittlere  Strüuumg  —  da 
denke  ich  zurück  an  den  klaren  I  *.  Dort  waren  Knaben  und  Jünglinge 
in  gleicher  Weise  beschäftigt,  und  müßig  singend  kehrten  sie  heim.  Ich 
liebe  diesen  ruhigen  Lebensgenuß^  und  sehne  mich  im  Wachen  und  Schlafen 
danach".  Ich  bedaure  nur,  daß  ich  in  einem  andern  Zeitalter  lebe;  doch 
die  ferne  Vergangenheit  ist  nicht  zurückzurufen. 

Tag  und  Nacht  möchte  ich  in  dieser  Hütte  verweilen;  Blumen  und 
Kräuter  sind  in  Ordnung  ausgeptlanzt,  Wald  und  Bambusgebüsch  stehen 
schützend  umher.  Eine  helltönende  Zither  liegt  auf  ihrem  Gestell;  von  dunkel- 
farbigem Weine  steht  da  ein  halbgefüllter  Krug.  Aber  die  Zeiten  des 
Gelben  Kaisers  und  des  Kaisers  Yao  sind  für  immer  voi'bei;  darum  ist  in 
mir  nur  Betrübnis. 

3.  Der  blühende  Baum. 

Einleitung:  Das  Gedicht  »Der  blühende  Baum«  enthält  Gedanken  über 
das  Altwerden.  Durch  Wandel  und  Wechsel  von  Sonne  und  Mond 
wurde  es  wieder  Sonnner.  Seit  meiner  Kindheit  hörte  ich  die  w^ahre 
Lehi-e,  mein  Haar  ist  weiß  geworden,  und  noch  bin  ich  unvollkommen. 

Der  herrliche  blühende  Baum  hat  hier  seine  Wurzeln  geschlagen; 
am  Morgen  leuchten  seine  Blüten  auf,  am  Abend  sind  sie  schon  verwelkt. 


'  ^ft  "g  koiniiit  wiederholt  in  Shihking  vor;  die  beiden  Wörter  werden  von 
Legge  als  -unübersetzbare  Initialpartikel«  bezeichnet.  Wir  sind  abweichender  Meinung 
und  übersetzen:   »ich  möchte  ein  wenig«. 

2  Der  Frühling  konnnt  von  Osten.  Zu  seiner  Begrüßung  begalien  sich  die 
alten  Kaiser  auf  die  Ebene  östlich  vor  der  Stadt;  so  erhielt  "^^^  die  Bedeutung: 
"die  Natur  im  Frühling  genießen«.  Vgl.  Liki,  ed.  Couvreur  I,  333  und  Shuking, 
Legge  m,  535. 

^    Nach   der  von  T  ao   Chu  abweichenden   Lesart :  ^ffi  ii\  T^  '^      K    yfK 

*  Nach  der  Lesart:  /|§^J^''^;  vgl.  Legge  P,  248. 
^   Unter    H    ist  Tien  (au  der  zitierten  Lunyü-Stelle)  gemeint. 
"    ^-f$  "i  den  -\^^  des  Ts'ao  Chih;  vgl.  Wen-hsüan,  34.  Kap.,  6.  Ab- 
schnitt, wo  jfW   mit  ^h   erklärt  ist. 


182  Ukrnhaudi  und  VON  Za«ii  :  T'ao  Yuau-iuing. 

Das  Mensclienleben  ist  jilmlich  daucrlos,  »ind  es  kommt  die  Zeit  des  Nieder- 
yaiij^es.    Wenn  man  das  in  Kulie  bedenkt,  liildt  man  im  tiefsten  Herzen  Leid. 

Der  herrliche  blühende  Baum  hat  hier  eine  Stütze  für  seine  Wurzeln 
;iefnnden.  Obwohl  sich  an»  Mor/ren  viele  schöne  Blüten  öffnen,  dauern  sie 
doHi  leider  nicht  bis  zum  Abend.  Festijvkeit  und  Leichtsinn  hängen  vom 
Menschen  ab,  Glück  und  Unglück  konnnen  nicht  von  außen.  Gäbe  es  die 
wahre  Lehre  nicht  —  worauf  sollten  wir  uns  stützen?  Gäbe  es  die  Tugend 
nicht  —  was  sollten  wir  hochschätzen;* 

Ich  aber,  ach!  bin  ein  scli wacher  Mensch,  meine  Natur  ist  i-oh  luid 
l)eschränkt.  So  verflossen  mir  die  Jahre,  ohne  daß  ich  in  meiner  sittlichen 
Kntwicklung  gegen  früher  fortgeschritten  wäre.  Ich  strebte  ohne  Aufhören 
danach,  aber  dabei  beruhigte  icli  mich  um  so  mehr.  Je  älter  ich  wurde'. 
Wenn  ich  daran  denke  (daß  ich  nichts  erreichte),  zittert  mein  Herz  und 
lullt  sich  mit  Kununer. 

Die  hinterlassene  Lehre  meines  großen  Meisters  —  wie  kaim  ich 
sagen,  daß  sie  mir  entfallen  wäre!  (Sie  lautet:)  »Wenn  man  vierzig  Jahre 
gelel)t  und  noch  keinen  Ruhm  erworben  hat,  ist  man  da  nicht  unwürdig, 
mit  Achtung  behandelt  zu  werden  ''?«  Daher  will  ich  meinen  berühmten 
Wagen  ölen  und  meine  tüchtigen  Renner  antreiben.  Wenn  das  Ziel  auch 
tausend  Li   weit  ist,  wie  könnte  ich  wagen,  es  nicht  erreichen  zu   wollen? 

4.  Dem  Herzog  von  CKang-shal 

F^inleitung:  Der  Herzog  von  Ch'ang-sha  ist  mein  Verwandter*.  Gemein- 
sam stammen  wir  von  unserm  Ahnen,  dem  Kriegsminister  ^;  aber  die 
Spaltung  des  Geschlechts  liegt  schon  weit  zurück,  und  die  beiden 
Linien  sind  einander  im  Laufe  der  Zeit  fremd  geworden.  Als  er  duich 
Hsün-yang  reiste,  gab  ich  ihm   dieses  Gedicht  zum  Abschied. 

Was  aus  einem  Quell  entsj)rang,  lloß  nach  verschiedenen  Richtungen ; 
die   Menschen    wechselten,    die  Generationen   entfernten   sich   voneinander; 


*  Diese  Stelle  findet  verschiedene  Auslegungen;  so  will  man  darin  eine  An- 
spielung auf  Shihking,  Legge  IV,  334: "M^i^  0    S    erblicken  und   danach  wäre 

zu  übersetzen:  »ich  strebte  nach  der  Tugend  ohne  Unterlaß,  doch  am  Wein  hielt 
ich  fest,  täglich  mehr  und  mehr«.  Es  ist  aber  unwahrscheinlich,  daß  unser  Dichter 
Reue  wegen  des  Trinkens  zum  Ausdruck  bringt,  besonders  wenij  man  eine  entgegen- 
gesetzte Äußerung  in  den  Totenliedern  (vgl.  Rernhardi  a.  a.  0.  vS.  25)  in  Betracht 
zieht.  Auch  paßt  es  besser  in  seine  Philosophie,  daß  er  sich  dabei  beruhigt,  das 
fhitc  7,u  wollen,  auch  wenn  er  es  nicht  erreicht. 

2    Vgl.  Lunyü;  Legge  P,  223. 

^  Der  Ausgabe  des  T'ao  Clin  folgend,  halten  wir  den  Zusatz  fi^- jjjf}^  i"" 
Titel   des  Gedichts  für  unrichtig. 

'    Mit   T'ao  Clm  setzen   wir  die  Zäsur  zwischen   Ti^   und    jjiJJ  . 

•''  Einem  Konnncntar  zufolge  soll  initer  dem  Kriegsminister  Tao  She  ('^) 
aus  der  Zeit  des  Ilan-kao-ti  gemeint  sein:  wir  beziehen  es  aber  auf  T'ao  K'an  (vgl. 
Olles,  Riogr.  Dict.,  Nr.  1897),  dessen  Naclikommen.schaft  sich  nach  chinesischer  An- 
ordninig  in  folgender  AVeise  verteilt: 


Bernharüi  und  von  Zaiii:  Tao  Yuan-miiig.  183 

ich  liege  wach  und  seufze ',  wenn  ich  an  diesen  Ursprung  denke.  AVir 
beide  brauchen  einer  um  den  andern  nicht  einmal  Trauerkleidung  zu  tragen  — 
so  viele  Jahre  und  Monde  sind  (seit  unsre  Familie  eins  war)  vergangen. 
Es  bewegt  mein  Herz,  daß  wir  wie  Fremde  aneinander  vorübergehen  sollten. 

0  bewundei'nswerter,  erhabener  Verwandter!  Du  hast  diese  Halle 
erbaut ^  und  so  wirkt  Deine  Freundlichkeit  wie  ein  warmer  Tag  im  Winter. 
Die  glänzende  Fleckenlosigkeit  Deines  Herzens  erinnert  an  Edelsteine.  Hier 
ptUicken  \vir  die  Frnhlingsblüten,  und  hier  gedenken  wir  des  herlistlichen 
Reifs ^  —  deshalb  sage  ich:  Du  bist  wirklich  eine  Leuchte  unsres  Geschlechts. 

Bei  unsrer  Begegnung  hatte  ich,  der  an  Jahren  ältere,  den  gemein- 
samen Ursprung  vergessen*.  Unsere  fröhliche  Unterhaltung  dauerte  nicht 
lange,  und  wir  gehen  nach  verschiedenen  Himmelsrichtungen  auseinander. 
Weit  entfernt  sind  die  drei  Hsiang*  und  ausgedehnt  die  neun  Chiang. 
Wenn  auch  Berge  und  Ströme  zwischen  ims  liegen,  unsre  Boten "  werden 
immer  durchkommen. 


rft)  iJjL"  Herzog  von  Ch'ang-sha,  hatte  zahlreiche  Kinder,  von 
1  denen  der  Kommentar  neun  Söhne  anführt.     Est  ist 

nifht  gesagt,  der  wievielte   'f^  war. 


9.        7.        5.        3.         1.  2.  4.        6.        8. 

?  i'  i'  •'     I^H    l^li        •  ^'     l^tS    «d^^   :S'   Präfektvon 

I  I  Wu-ch'anff. 


I® 


mm^ 


soll   Präfekt   von  An- 
ch'eng  (^^)  gewe- 


^ 


[^  ^  ,  dem  die  Herzogswürde  erblich  zugefallen  war,  ermordete  seinen  Bruder, 
starb  aber  selbst,  ehe  er  zur  Rechenschaft  gezogen  werden  konnte.  Der  Kaiser 
entzog  den  Nachkommen  des  Mörders  den  Titel  und  übertrug  ihn  auf  ß^  ^^ . 
Dessen  Enkel  war  Yen-shou,  der  durch  Sung-Kao-tsu  zum  Grafen  von  Wu-ch'ang 
degradiert  wurde,  weil  dieser  das  Überspringen  der  Herzogs^^'ü^de  auf  die  Nebenlinie 
nicht  anerkannte.  Wenn  T'ao  Yuan-niing  seinen  Verwandten  trotzdem  als  Herzog 
bezeichnet,  so  folgt  daraus  nicht  unbedingt,  daß  das  Gediclit  vor  der  Degradierung 
geschrieben  sei:  es  ist  ebenso  wahrscheinlich,  daß  unser  Dichter  sich  um  die  Ver- 
fügungen der  neuen  Dynastie  einfach  nicht  kümmerte. 

1  Vgl.  Schihking  IV,  S.  354. 

2  Yen-shou   hatte    in    Hsünyang   einen    Gedächtnistempel    für   T'ao  K'an    er- 
bauen lassen. 

^   Im  Frühling  und  im  Herbst  fanden  besondere  Gedächtnisfeiern  statt. 
*   Daß   T'ao  Y''üan-ming   der   ältere   war,    geht   aus    der   Stammtafel   hervor; 
wir  folgen  der  Lesart     J^^  [^    statt   J^^  [gl . 

^  Die  drei  Hsiang  sind:    J^g  @,   f^Qfß,   }^g;Jg. 

«   Zu  ^^  vgl.  Tsochuan,  Legge  V,  S.  434^;  V,  S.  215 ^  übersetzt  Legge 
»with  their  baggage«. 


1J;<4  Bernhaudi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-iiiing. 

5.  Dankgedicht  an  Ting,  Vorsteher  von  Ch'ai-sang  (Hsün-yang). 

Mein  Gast,  mein  Gast,  der  Du  zu  mir  kamst  und  hei  mir  verweilest! 
Als  Richter'  wirktest  Du  stets  mit  Rechtliclikeit,  und  Deine  Gnade  erstreckte 
sieh  üher  hundert  Li.  In  dem,  was  Du  als  gut  erkanntest,  verharrst  Du 
unabänderlich',  und  den  guten   Lehren,  die  Du  hörtest,   folgst  Du  immer'. 

Nicht  nur,  daß  wir  miteinander  prächtig  harmonieren,  wir  machen 
auch  herrliche  Wanderungen  gemeinsam.  Bald  plaudern  wir,  bald  be- 
wundern wir  die  Natur,  und  ich  kann  dabei  mein  Herz  ausschütten.  Mit 
grußer  Freude  sind  wir  beisammen,  und  erst  wenn  wir  trunken  sind,  kehren 
wir  nach  Hause  zurück,  um  zu  ruhen.  Wirklich,  willst  Du  mein  Herz  er- 
heitern, so  folgst  Du  mir  auf  einen  Spaziergang. 

Wie  kann  ich  anders  mein  Herz  ausschütten,  als  indem  ich  Dir  diese 
Worte  mitgebe:  »Wenn  die  Zahl  der  Erdkörbe  *  auch  nur  gering  ist,  schließ- 
lich entsteht  doch  ein  Berg.«  Ich  bin  voll  Verehrung  für  den  Scheidenden, 
und  beim  Abschied  an  der  Wegtrennung  briclit  mir  das  Herz.  Freundschaft- 
liche Gefühle  folgen  Dir  in  die  Ferne  und  sollen  brieflichen  Nachrichten 
vorangehen. 

6.  Antwortgedicht  an  den  Archivsekretär  P'ang. 

Finleitung:  P'ang  war  Archivsekretär  der  Gardetruppen.  Als  er  von 
Chiang-ling  nach  der  Hauptstadt  gesendet  wurde,  kam  er  bei  Hsün- 
yang  vorüber  und  wurde  mit  diesen)  Gedicht  beschenkt. 

Innerhalb  des  einfachen  Tores '^  finden  sich  Laute  und  Bücher.  Bald 
wii-d  musiziert,  bald  werden  Verse  gesummt.  Auf  solche  Weise  finde  ich 
meine  Zerstreuung.  Und  gibt  es  etwa  keine  anderen  Genüsse?  Ich  liebe 
diese  stille  Hütte;  am  Morgen  gieße  ich  den  Garten,  am  Abend  ruhe  ich 
unter  dem  Schilfdach. 

Was  die  meisten  Menschen  für  schätzenswert  halten,  schätzen  wir 
durchaus  nicht.  Hätten  Du  und  ich  nicht  gleiche  Neigungen,  wie*"'  könnten 
wir  so  befreundet  sein?  Als  ich  einen  guten  Freund  suchte,  da  fand  ich 
wirklich  Dich,  meinen  Herzensfreund.  Jetzt  sind  unsre  Herzen  befriedigt 
und  eng  verbimden  —  wie  Firstbalken  und  Dach '  beisammen  sein  müssen. 


'    Zu   ^Jjjjg  vgl.  Tsochuan,  Legge  V,  S.  624 ig. 

2    Zu  ^P^f]5   vgl.  Tsochuan,  Legge  V,  8.128,2,  560,4- 

^    Bei    diesem  Satze   sind  wir  nicht  sicher,   das  Richtige  getroffen  zu  haben. 

*  Zu  i^^  vgl.  Lunyii,  Legge  I^,  S.  223;  der  obige  Satz  dürfte  dalier  be- 
deuten: Höre  niclit  auf  mit  deinen  Bemühungen  um  die  Tugend. 

^  Zu  Iftj  P^  vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  207  »my  door  made  of  cross  picces 
of  wood«. 

«   Zu  ^  ,yj   vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  345,  415. 

^   Zu  4>W  ^"  vgl.  Iking,  Legge,  S.  3867  »ridgebeam  and  projeeting  roof«. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-niiiig.  185 

Voll  heißen  Strebens  freuten  wir  beide  (ich '  und  Du,  mein  Freund) 
uns  der  Tugend.  Ich  hatte  wohlschmeckenden  Wein,  daran  ergötzten  wir 
uns  zusannnen;  dann  führten  wir  unterhaltende  Gespräche  und  machten 
neue  Gedichte.  Wenn  ich  Dich  einmal  nicht  sah,  wie  konnte  ich  anders  als 
Dein  gedenken? 

Ehe  wir  noch  genug  beisanunen  gewesen  sind,  müssen  wir  uns  wieder 
trennen.  Ich  geleite  Dich  auf  den  Weg  und  finde  keine  Freude  beim  Leeren  des 
Abschiedstrunkes.  Voll  Anhänglichkeit  blickst  Du  zurück  auf  das  alte  Ch'u 
(wo  Hsün-yang  liegt)  und  ziehst  in  den  fernen  Westen  (den  Wolken  ver- 
hüllen). Wenn  Du  fort  bist,  werde  ich  Deine  herrlichen  Worte  nicht  mehr 
hören  können. 

Als  wir  früher  voneinander  Abschied  nahmen,  sang  die  Amsel  (da 
war's  Frühling).  Als  wir  uns  jetzt  trafen,  fielen  Graupeln  und  Schnee  in 
Menge.  Du  hast  einen  Auftrag  vom  Gouverneur  erhalten  und  gehst  als 
Bevollmächtigter  in  die  Hauptstadt.  Wie  kannst  Du  Deiner  Liebe  zu  häus- 
licher Ruhe  untreu  werden?  Doch  solange  die  Amtsgeschäfte  nicht  erledigt 
sind,  wirst  Du  an  Ruhe  wohl  nicht  denken  können. 

Es  herrscht  heute  beißende  Kälte,  und  stürmisch  bläst  der  Wind. 
Das  Boot,  das  Dich  trägt,  eilt  hin,  und  schon  schaukelt  es  in  der  Mitte 
des  Stromes.  Sei  mutig,  Reisender,  und  füiire  das  Angefangene  zu  gutem 
Ende!    Vertraue  diesem  glückbringenden  Tage,  der  Dich  beschützen  wird. 

7.  Aufmunterung  zur  Landwirtschaft. 

Weit,  weit  zurück  im  hohen  Altertum  lebten  die  Menschen  anfangs 
stolz  und  selbstgenügsam;  an  der  Einfachheit  hielten  sie  fest,  die  Wahrheit 
vertraten  sie.  Später  aber,  als  Erkenntnis  und  Fähigkeiten  erwachten, 
konnten  sie  ihre  wachsenden  Bedürfnisse  nicht  befriedigen.  Wer  hat  ihnen 
da  geholfen?     Es  muß  ein  Weiser  gewesen  sein. 

Wer  war  der  Weise?  Es  war  Prinz  Chi^  Und  worin  bestand  sein 
Helfen?  Die  Wahrheit  zu  sagen:  im  Säen  und  Pflanzen!  Shun  hat  dann 
selbst  das  Feld  bestellt,  und  auch  Yü  hat  gesät  und  geerntet.  Und  in  den 
Verordnungen  des  weit  zurückliegenden  Chou-Reiches  nahm  der  Ackerbau 
die  erste  Stellung  unter  den  acht  Staatsämtern  ein. 

Groß  sind  die  Wohltaten  der  Natur!  Die  weite  Ebene  ist  glänzend 
grün,  Kraut  imd  Baum  wachsen  ü[)pig,  der  Frühlingswind  weht  frisch  und 
gelinde.  Männer  und  Weiber  eilen  in  Scharen,  die  Jahreszeit  zur  Arbeit 
auszunutzen.  Die  Weiber,  die  die  Blätter  der  Maulbeerbäume  ptlücken, 
stehen  schon  vor  Tage  auf;  die  Männer,  die  den  Acker  bestellen,  verbringen 
die  Nacht  auf  dem  Felde. 

Die  günstige  Jahreszeit  geht  schnell  vorüber,  und  die  fruchtbringende 
Feuchtigkeit  dauert  nicht  lange.     Deshalb  bedurfte  Chi  Ch'üeh^  der  Unter- 


1  Zu  -(^  ^   vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  58. 

2  Shuns  Minister  des  Ackei-baus ;  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  664. 

3  Chi  Chueh,  vgl.  Legge  V,  8.  226. 


1J>>(J  Bkbnharui  uud  VON   Zach:  T  ao   Yuaii-iiiiiig. 

Stützung  seines  Weibes;  Cli'ang  Cliü  und  Clueh  Ni '  bestellten  das  Feld  ge- 
uieinsoliartlich.  Betraclitet  man  Jene  Weisen,  so  findet  man  sie  (trotzdem 
sie  Weise  waren)  doch  lleißig  in  den  Furchen  des  Ackers.  Ihr,  die  ihr 
nur  gewöhnliche  Leute  seid,  dürft  dalier  um  so  weniger  bald  euer  Gewand 
träge  mit  der   Hand  aufnehmen,   bald  müßig  die  Arme   verschränken! 

Des  \'olkes  Woiilfahrt  liegt  im  Fleiß.  Seid  ihr  lleißig,  so  leidet  ihr 
keine  Entbehrung.  Wenn  ihr  aber  müßig  sitzet  und  euch  ausruht  —  welche 
Hoffnungen  könnt  ihr  an  das  Ende  des  Jahres  knüpfen?  Sind  dann  die 
Kornbeliälter-  nicht  gefüllt,  so  werden  euch  Hunger  und  Kälte  gleichzeitig 
treffen.     Muß   man    sich    nicht   schämen,    wenn    man    euch   faulenzen  sieht? 

Konfuzius  fi-eilich  bemühte  sich  nur  um  den  rechten  Weg  und  die 
Tugend  und  tadelte  den  Fan  IIsü -^  Tung  riunig-shu*  erfreute  sich  an  Buch 
und  Zitlier  und  vernachlässigte  Garten  und  Feld.  Nur  wer  sich  (wie  die 
genaimten)  auszuzeichnen  imstande  ist,  mag  sich  in  Nachahmung  hoher 
Vorbilder  ausschließlich  seinen  geistigen  Bestrebungen  hingeben;  ihm 
werde  ich  doch  Ehrerl)ictung  nicht  versagen  und  seine  große  Vollkommen- 
heit preisen. 

8.  Benennung  des  Sohnes. 

In  grauer  Vorzeit  nahmen  unsre  Ahnen  ihren  Ursprung  von  Yao,  dem 
Fürsten  von  T'ao  und  T'ang\  Aus  der  Fi-emde  kamen  sie  als  Gäste  in 
das  Reich  Yü  und  erfüllten  aufeinanderfolgende  Generationen  mit  ihrem 
Glanz.  Yü-lung  machte  sieh  um  Hsia  verdient,  Shih-wei®  half  der  Shang- 
Dynastie..  Erst  du,  der  erhabene  Unterrichtsminister",  warst  es,  von  dem 
sich  das  Geschlecht  ausbreitete. 

Es  folgte  die  Verwirrung  der  "kämpfenden  Staaten«,  der  allmähliche 
Verfall  der  Chou-Dynastie.  Da  verbarg  sich  der  Phönix  im  Walde,  der 
Weise  lebte  zurückgezogen  in  den  Bergen ;  nur  der  stürmende  Drache  kreiste 
in  den  Wolken,  und  der  dahineilende  Walfisch  widersetzte  sich  der  Strö- 
mimg. Als  (endlich)  der  Himmel  die  Han-Dynastie  einsetzte,  kam  unser 
Graf  von  Min®  in  den  Vordergrimd. 

0  du  majestätischer"  Graf  von  Mini  Du  fandest  Gelegenheit,  die 
kaiserliche  Gunst  zu  erwerben.  Du  ergriffst  das  Schwert  und  eiltest  wie 
ein   Sturmwind   voran.     Du  begründetest   den    Ruhm    deines   Heeres.     Bei 


J  Ch'ang  Chii  und  Cliieli  Ni,  vgl.  Legge  L^  S.  ^B. 

*  Nicht  das  Gewicht,   sondern   der  Behälter   aus  Korbgeflecht,    der   die    dem 
Gewicht  entsprechende  Menge  faßt. 

3  Fan  Hsü,  vgl.  Legge  I^,  S.  265. 

*  Tung  Cliung-shu,  vgl.   Giles,  Riogi-.  Dict.  Nr.  2092. 
5  Vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2426. 

*  Vgl.  Tsochuan  V,  ^^Oh.^. 

'  T'ao  Shu   1^  ^jte,  Unterrichtsminister  des   j^^,  ^g'-  Legge,  Tsochuan, 

V.  75O9. 

«  raoShe(|^^). 

"  .Vgl.  ShihkinglV,  S.  031. 


Bernhardt  und  von  Zach:  'Fao  Yuan-iniiig.  187 

Berg  und  .Strom  wurde  geschworen  (dich  zu  belohnen),  Ländereien  wurden 
dir  bestinnnt  und  zu  Lehen  gegeben.  Du  tatkräftiger  Reichskanzler'!  wahr- 
lich, du  ahmtest  die  früheren  Beispiele  nach. 

(Unser  Geschlecht  war)  wie  ein  l)reiter  und  tiefer  Strom,  wie  ein 
blühender,  starker  Ast. —  in  viele  Arme  teilt  sich  nun  der  Strom,  zahl- 
reiche Zweige  entspringen  aus  dem  Ast.  Den  Zeiten  des  Ruhmes  folgten 
Zeiten  der  Vergessenheit,  wie  denn  das  Schicksal  Aufschwung  und  Nieder- 
gang kennt.  ?]rst  in  der  iNIitte  unsrer  Chin-Dynastie  kamen  wir  in  Ch'ang-sha 
wieder  zu  Amt  und  Ehren. 

Du  gewaltiger^  Hei'zog  von  Ch'ang-sha^  du  warst  voll  Verdienst  und 
Tugend.  In  dir  zog  der  Kaiser  unsere  P'amilie  wieder  zu  Rate,  dich  be- 
auftragte er.  das  Südreich  zu  beki-iegen.  Nach  errungenem  Erfolge  ent- 
sagtest du  deiner  Stellung  und  kehrtest  in  die  Heimat  zurück ;  obwohl  im 
Besitze  der  kaiserlichen  Gunst,  warst  du  in  deinem  Entschluß  unerschütter- 
lich. Wer  will  behaupten,  daß  solch  ein  erhabener  Charakter  unter  den 
Leuten  der  Jetztzeit  gefunden  werden  kann? 

Strenge  warst  du,  mein  Großvater*,  der  du  alles  vom  Anfang  bis 
zum  Ende  mit  gleicher  Sorgfalt  behandeltest.  Zweimal  Präfekt,  bliebst  du 
rechtschaffen  und  gerade;  dein  Wohlwollen  und  deine  Güte  erstreckten  sich 
über  tausend  Li.  O  du  erhabener,  gütiger  Vater,  du  warst  ruhig,  ohne 
Vorurteil  und  mäßig.  Du  liebtest  zurückgezogenes  Leben  und  verwarfst 
Zorn  und  Jubel. 

Ach,  ich  armer  Unglücklicher!  Ich  blicke  zu  meinen  Vorfahren  auf, 
ohne  sie  zu  erreichend  Wenn  ich  auf  mein  Leben  zurücksehe,  schäme  ich 
nn'ch  meiner  grauen  Schläfen,  weil  ich  noch  immer  mit  meinem  Schatten 
allein  dastehe.  Von  den  dreitausend  Unterlassungssünden  ist  es  wohl  die 
schlimmste,  keine  Nachkommen  zu  haben.  Eben  denke  ich  daran,  da  höie 
ich  dich  weinen. 


»   T'aoCh'ing(|^^). 

2   Vgl.  Shihking,  IV.  S.  607. 

^  Tao  K'an,  vgl.  S.  182,  Aiiin.  .^;  sein  posthumer  Ehrentitel  war  föf ,  was  in 
iM.  T'B.   angedeutet  zu  sein  scheint. 

*   T'aoMao,  derPräfekt  vonWu-ch'ang  war;  nach  andern  Iiieß  er  j^ ,  nicht  'f^  . 

^  Nach  'Pao  Chu,  der  einen  frühen  Tod  von  Tao  Yuau-niings  Vater  an- 
nimmt (^^fg  _[^  vS.  15  u.  Ifi),  wäre  hier  zu  übersetzen:  »Den  Vater  zu  sehen, 
war  mir  vom  Schicksal  nicht  gegiMint«.  Fernei-  würde  sich  nach  ihm  die  in  der 
»Opferrede  an  die  Manen  der  Schwester  Ch'eng«  (vgl.  Bernhardi,  a.  a.  O.  S.  16) 
erwähnte  Strafe  des  Himmels,  die  die  Geschwister  in  Kiangling  ereilte,  auf  den 
Tod  der  Mutter  des  Dichters  (vgl.  hierzu  besonders  Gedicht  III,  2)  beziehen  und 
nicht  auf  den  des  Vaters;  er  beruft  sich  auch  auf  die  von  Yen  Yen-chih  (vgl.  Giles, 
Biogr.  Dict.  Nr.  2481)  verfaßte  Trauerrede  auf  unseren  Dichter  (vgl.  Wen-hsüan, 
57.  Kap.),  wo  bei  Besprechung  der  traurigen  Jugend  T'ao  Yüan-mings  nur  der  Mutter 
und  nicht  auch  des  Vaters  Erwähnung  getan  wird.  Tao  Chu  setzt  sich  mit  diesen 
Ansichten  in  Widerspruch  zu  anderen  Konunentatoren,  und  wir  wagen  es  nicht,  die 
Frage  in  dem  einen  oder  anderen  Sinne  zu  entscheiden. 


188  Bkrnhardi  und  von  Zach:  Tao  Yuan-ming. 

Das  (Orakel  l)ezeiolinete  diesen  Tag  als  glücklichen,  die  Diagramme 
nannten  die  Stunde  eine  günstige.  Dein  Name  sei  Yen ',  deine  weitere 
Bezeichnung  ('li'iii-ssu*  (Das  bedeutet:)  -Früh  und  spät  sei  freundlich  und 
ehrerhietig.  Gedenke  dieser  Worte  und  habe  sie  inuner  im  Herzen"!« 
Halte  dir  stets  K'ung  Chi*  vor  Augen  und  trachte,   ihm  gleich  zu  werden. 

Wenn  in  dunkler  Nacht  einem  Häßlichen  ein  Sohn  geboren  wurde, 
so  holt  er  eilends  ein  Licht,  um  zu  sehen,  ob  er  ihm  ähnlich  sei '".  Alle 
Menschen  haben  diesen  Wunsch  —  wie  sollte  ich  damit  allein  stehen!  Da 
du  nun  einmal  geboren  bist,  wünsche  ich,  daß  du  gut  geraten  möchtest. 
Man  pllegt  zu  sagen,  in  diesen  (väterlichen)  Gefühlen  sei  kein  Falsch. 

Mit  dem  Vertließen  der  Tage  und  Monde"  entfernst  du  dich  allinählig 
von  der  Kindheit.  Glück  kommt  nicht  für  nichts,  Unglück  ist  leicht  da. 
Stehe  früh  auf  und  gehe  spät  zu  Bett!  Diese  Fähigkeit  ist  es,  die  ich  dir 
wünsche,  und  wenn  aus  dir  trotzdem  nichts  wird,  so  ist  das  des  Himmels 
Bestimmung"! 

9.  Der  zurückgekehrte  Vogel. 

Flatternd  kam  der  Vogel  zurück.  Am  ]\Iorgen  hatte  er  den  Wald 
verlassen;  in  der  Ferne  war  er  nach  allen  Himmelsgrenzen  gellogen,  in  der 
Nähe  hatte  er  auf  wolk(Mmmhüllten  Berggipfeln  geruht.  Doch  als  der  Wind 
ihm  widrig  war,  wandte  er  den  Flug  zurück  und  fand,  Avas  er  suchte.  Er 
sah  den  Gefährten,  Ruf  und  Gegenruf  ertönten,  im  Waldesschatten  fanden 
sie  ein  schützendes  Versteck. 

Flatternd  kam  der  Vogel  zurück.  Bald  stieg  er  auf,  bald  flog  er  in 
gerader  Riclitung,  und  obwohl  er  nicht  daran  daclite,  in  die  Ferne  zu  fliegen 
—  beim  Anblick  des  Waldes  erwachte  sein  Begehren.  Wolken  begegnend, 
flog  er  bald  über  sie  hin,  bald  unter  ihnen  fort.  Ruf  und  Gegenruf  ertönten, 
da  kehrte  er  zurück;  imd  wie  weit  die  Entfernung  auch  war,  seine  An- 
hänglichkeit zeigte  kein  Nachlassen. 

Flatternd  kam  der  Vogel  zurück.  An  den  Wald  gewöhnt,  flog  er 
hierhin  und  dorthin.  Wozu  sollte  er  an  Flüge  bis  zum  Himmel  denken? 
Er  freute  sich,  das  alte  Nest  zu  erreichen!  Und  obgleich  er  seinen  früheren 
Gefährten  verloren  hatte,  beantwortete  er  doch  andere  Stimmen.  Bei  Sonnen- 
untergang, wenn  die  Luft  klar  war,  weitete  sich  ihm  die  Brust. 

Flatternd  kam  der  Vogel  zurück.  Auf  kahlem  Zweige  schloß  er  die 
Flügel.  Er  durchzieht  nicht  mehr  wandernd  den  weiten  Wald,  er  sucht 
dichtes  Geäst  für  die  Nacht.    Wemi  sich  morgens  ein  frischer  Wind  erhebt, 


jj^    untadlige  und  ehrerbietige  Haltung;  vgl.  Shihking,  IV,  S.  214. 

>j<..S   ^*'"^'^^'    ^S'-  Shihking  IV,  S.  15. 

Vgl.  Sl.uking  m,  S.  58  (Tsochuan  V,  487i3). 

Vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1040. 

Vgl.  Legge,  Texts  of  Taoism,  I,  S.  328. 

Vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  40. 

Vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  101. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-niing.  189 

dann  vereinigen  sich  stets  schüne  .Stiiinnen.    Wozu  stellt  man  ihm  noch  mit 
Netz  und  Schlinge  nacli?    Wozu  bemüht  man  sich  noch  um  den  schon  Müden? 


IL  Heft. 

(Gedichte  zu  5  Zeichen.) 

1.  Körper,  Schatten  und  Geist. 

Einleitung:  Hoch  und  Niedrig,  Weise  und  Toren  hängen  voll  Unruhe  an 
diesem  Lehen.  Sie  befinden  sich  in  großem  Irrtum.  Daher  habe  ich 
Körper  und  Schatten  sich  gründlich  aussprechen  und  den  Geist  in  der 
Erklärung  die  natürliche  Lösung  geben  lassen.  Die  Philosophen  dürften 
alle  derselben  Meinung  sein. 

Was  der  Körper  zum  Schatten  sagt  \ 
Himmel  und  Erde  gehen  ewig  nicht  unter,  Berg  und  Strom  bestehen 
ohne  Veränderung:  Kräuter  und  Bäume  haben  eine  beständige  Natur  (der 
Einfluß  von)  Reif  und  Tau  (läßt  sie  in  stetem  W^echsel)  keimen  und  verdorren. 
Der  ^Menscli  gilt  für  besonders  klug,  und  gerade  er  weiß  nicht,  dasselbe  zu 
erlangen.  Kaum  daß  er  sich  hier  zurechtgefunden  hat,  geht  er  wieder  fort 
—  plötzlich  und  olme  Anrecht  auf  Rückkehr.  Warum  gibt  es  keinen  ein- 
zigen wieder  (zum  Leben)  Erwachten?  Sehnen  sich  denn  Verwandte  und 
Freunde  nicht  nach  ihmi*  Aber  nur  die  Gegenstände,  die  ihn  im  Leben  um- 
gehen haben,  bleiben  —  und  blickt  man  darauf,  so  fühlt  man  Leid  und  Weh. 
Mir  fehlt  das  Mittel,  mich  zu  erheben  und  zu  verwandeln,  darüber  kannst  du, 
(mein  Schatten.)  nicht  im  Zweifel  sein.  Drum  möchte  ich,  daß  du  meinen 
Worten  Gehör  schenkst  und  niclit  leichtliin  ablehnst,  mit  mir  vom  Weine 
zu  trinken. 

Was  der  Schatten  dem  Körper  antwortet. 
Von  einer  Verewigung  des  Lebens  kann  nicht  die  Rede  sein,  und  wer 
um  sein  Leben  besorgt  ist,  hat  nur  mein  Mitleid  ob  seiner  Einfalt.  Mein 
Wunsch  wäre  wahrlich,  über  die  Kun-hwa-GipfeP  zu  wandeln,  aber  für  mich 
gibt  es  keinen  Weg  zu  jener  Ferne;  denn  seit  ich  mit  dir  zusammen  getroffen 
bin,  sind  Lust  und  Leid  für  uns  beide  gemeinsam.  Ruhst  du  im  Schatten, 
so  ist  es,  wie  wenn  ich  dich  (schon)  verlassen  hätte;  doch  gibt  es  keine 
Trennung,  solange  nur  die  Sonne  leuchtet.  Dauernd  ist  diese  Gemeinschaft 
schwerlich  zu  gestalten,  beide  werden  wir  gleichzeitig  in  der  großen  Nacht 
erlöschen.  Stirbt  der  Körper,  so  vergeht  auch  der  Name;  wenn  wir  daran 
denken,  überläuft  es  uns  heiß.  —  Wer  Gutes  tut,  hinterläßt  Liebe.  Warum 
suchst  du  nicht  darin  deine  Erfüllung?  Der  Wein  soll  die  Sorgen  vertreiben 
können;  aber  ist  er,  damit  verglichen,  nicht  schwach? 


•  Vgl.  hierzu  E.  von  Zach,  Kritische  Miszellen,  S.  34. 
^   Die  von  Genien  bewohnten  Berggipfel. 


190  Hkrmiaiidi   niiil   von   Zach:  T'ao  Yuaii-miiii». 

Erklärung  des  Geistes. 
Das  i;r(jße  All  hat  nicht  die  Kralt,  den  Kinzehien  zu  bevorzuj^en,  alle 
Wesen  treten  von  selbst  in  lli-sclicinung.  Daß  der  Mensch  die  Älittelstelhing 
zwischen  lliinniel  mul  Erde  einninunt,  verdankt  er  doch  wohl  nur  mir,  dem 
(leiste.  So  sehr  ich  auch  von  dir.  u  Köi-per,  verschiedener  Natur  bin,  sind 
wir  doch  dui'ch  die(iebui-t  aufeinander  angewiesen.  ^'er<•iIliJ^t  und  vonein- 
ander abhäniiis;-.  teilen  wir  Gutes  und  liöses.  Wie  sollte  ich  es  da  nicht  mit 
dir  halten?  Die  drei  erhabenen  ]Mt)narchcn,  jene  gi-oßen  Weisen,  wo  mögen 
sie  Jetzt  sein;'  Der  alte  P'eng '  schi(!n  ewig  leben  zu  wollen,  abei-  auch  er 
konnte  seinem  Absicht  nicht  vei'wirklichen.  Alt  und  jung,  alle  erreicht  in 
gleicher  Weise  der  Tod,  und  welche  darunter  Kluge,  welche  Narren  waren, 
wird  dann  nicht  weiter  gezählt.  AX'eiiii  du  täglich  im  Weine  Vergessenheit 
suchst,  so  ist  es  vielleicht  möglich  sie  zu  finden;  aber  verkürzest  du  dadurch 
nicht  noch  dein  Lel)en?  Wenn  du  Gutes  tust,  so  erlangst  du  iunuer  eigene 
Befriedigung,  al)er  wer  sonst  wird  dicii  daiuui  loben?  Tiefes  Nachdenken 
zerstört  unser  Leben.  Nein  —  wir  müssen  vi«'lmehr  dem  Schicksal  die  Tühi-ung 
übei-lassend,  ziellos  in  dieser  großen  Welt  der  Vergänglichkeit  hintreiben, 
ohne  Freude,  aber  auch  ohne  Furcht.  Wenn  dann  das  Knde  konunt,  so  laßt 
uns  sterben,   ohne  uns  deswegen  weiter   \  iele   unnütze  (iedaid^eu   zu  machen. 

2.  In  Muße  das  Herbstfest-'  feiernd. 

Fiuleitung:  Ich  sitze  müßig  luid  iVeue  mich  dei-  doppelten  Neun  im  Namen 
(des  Festtages).  Die  herbstlichen  Astei'u  fiillen  den  (Jarten,  abei'  Wein 
zu  bekommen,  ist  nicht  möglich^;  daher  bewundere  ich  mir  die  Blume 
des  Tages*  und  verleihe  meinen  Gedanken   in  ^'ersen  Ausdi-uck. 

Das  Lel)en  ist  kuiv..  luid  der  Angelegenheiten  sind  stets  viele;  drum 
liebt  der  Mensch,  lange  zu  leben.  W^enn  Sonne  und  iNIond  zu  der  jetzigen 
Konstellation  konunen,  freut  sich  ein  jeder  über  die  Bezeichiuing  des  Tages ''. 
Dies  ist  die  Zeit,  da  der  Tau  am  Grase  hängen  bleil)t  und  die  w  armen  W^iiide 
zu  wehen  aufhöi-en  —  da  die  Luft  durchsichtig  wird  und  die  Stei-nbilder 
klar  sind.  Von  den  weggezogenen  Schwalben  ist  kein  Schatten  mein-  da; 
doch  (schon)  hört  man  die  Töne  der  kommenden  Wildgans.  Wenn  auch 
der  Wein  die  hundertfachen  Sorgen  verscheuchen  kann,  die  Aster  ist  es, 
die  die  Zeit  des  Alterns  erheitert.  Warum  sollte  der  W^eise  in  der  Schilf- 
hütte teilnahmslos  den  Wandel  der  Jahreszeiten  betrachten?  Der  verstaubte 
Becher  schämt  sich  vor  dem  leeren  Kruge,  und  nur  die  Blume  des  kalten 
Herbstes  entfaltet    ihre  Blüten.     Ich    ziehe    ilen   Rock    vor  Kälte   enger   zu- 


*  Der  chinesische  Methusalcin ;  vgl.  Giles,  Biogr.  Diet.  Nr.  1041. 
■■'    Am  neunten  Tage  des  neunten  Monats. 

3    Nach    andrer    Lesart:     [J^- j^ 4^  ob ^^ i    ^lt  heurige  Wein  ist  noch  nicht 
eingetroffen. 

*  yL  ?i?    '^'^  Blume  des  neunten  Monats    und  dieses  Festtages:   die  Aster. 
'••  Die  doppelte  Neun  ist  ein  Symbol  der  langen  Dauer,  gleichsam  die  höhere 

Potenz,  des  Yang-Prinzips. 


Bernhardt  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-niing.  191 

sammen  und  dichte  in  einsamer  Muße.  Wie  meine  Gedanken  zurückeilen, 
erwachen  meine  tiefsten  Gefühle.  Die  Einsamkeit  bringt  sicherlich  manche 
Freuden,  und  sollte  ich  nicht  meine  Bestimminig  erfüllen  ',  wenn  ich  in  iln- 
verweilte:' 

3.  Rückkehr  zum  Aufenthalt  in  Garten  und  Feld. 

(Vgl.  Bernhardi,  oj).  cit.,  8. -28— 31.) 

JI. 

Z.  9:  Je  üppiger  Maulbeerbaum  und  Flachs  täglich  wachsen. 

Z.  10:  Desto  größer  wird  auch  allmählich  mein  Besitz. 

Z.  1"2:  Daß  die  Ernte  verdirbt  und  dem  Unkraut  gleicli   wird. 

IV. 
Der  Ausdruck  bB  "ph  findet  sich  mit  der  angenommenen  Bedeu- 
tung im  Liki  (Couvreur  I.,  58G)  und  im  Chouli  (Biot.  I.,  312),  und  der  Satz 
— -J^^S-mBTH  wurde  dementsprechend  übersetzt:  »Ein  Geschlecht 
—  ein  andrei-  Frühmarkt."  Der  Ausdruck  bedeutet  häufiger  Kaiserpalast 
und  Bazar  (vgl.  Tsochuan  V.,  481/4),  und  danach  wäre  die  Stelle  zu  über- 
setzen : 

Und  der  Reisigsammler  antwortet  inir: 

»Sie  sind  tot  und  hin  —  da  ist  nicht  einer  übrig. 

»Wenn  man  daher  sagt,  daß  Palast  und  Bazar  sich 

in  einer  Generation  ändern, 
»So  sind  diese  Worte  wirklich  nicht  unrichtig.« 

V. 

Z.  9 :  Wenn  sich  Freude  (an  der  Unterhaltung)  einstellt. 

4.  Spaziergang  am  Ufer  des  Hsieh-Ch'uan-. 

Einleitung:  Im  fünften  Jahre  der  Periode  Lung-an^  am  fünften  Tage 
des  ersten  Monats  war  das  Wetter  herrlich  milde  und  die  Natur  voll 
reiner  Schönheit.  Mit  einigen  Nachbarn  zusammen  ging  ich  an  den 
Hsieh-Ch'uan    lustwandeln.     Wir   näherten   uns   dem  langen  AVasser- 


i  V^  ^  Tffl  1^  ^  findet  sich  in  Sung  Yüs  ^  ^||,  Ende  des  ersten 
Abschnitts  (auch  im  Wen-hsüan,  33.  Buch):  «Selbst  wenn  ich  länger  verweile,  kann 
ich  nieuie  Aufgabe  nicht  vollbringen.«  Vgl.  auch  Harlez,  Poesies  chin.,  S.  106,  der 
übersetzt:   »Mais  qu'il  tarde  danslavie!  le  malheureux  n'accomplit  pas  son  destin.« 

*    Der  Hsieh-Ch'uan  döi-fte   in  der  Nälie  vom  Dorfe  Li-li   ^eSS    hei  Chai- 

sang  ^^  ^^  fließen.    Südlich  von  diesem  Dorfe  soll  ein  kleiner  Fluß  namens  -^ 

^'/^   sein,    der  den   *^  ^  yj^J   durchfließt  und  sich  in  den  Yangtzü  ("/t/X) 
ergießt;  dieser  Fluß  dürfte  gemeint  sein. 
'    401  n.  Chr. 


192  Hkrnhahdi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ining. 

laiire  und  sahen  in  der  Ferne  die  Pagude  des  Lo-hsing-Teinpels '. 
Wie  es  Abend  wui-de,  schnellten  Brasse  und  Karpfen  aus  dem  Wasser 
empor,  und  die  IMoven  llogen  flatternd  umher.  Nan-fou's'^  Ruhm  ist 
wirklich  sehr  alt,  jetzt  gibt  es  dort  weder  Seufzer  noch  Klagen 
mehr;  was  die  Pagode  betrifft,  so  steht  sie  ohne  Stütze  und  Zusam- 
menhang, und  am  hohen  Ufer  ragt  sie  allein  glänzend  empor.  Wir 
dachten  an  den  fernen  Ling-Berg'  und  empfanden  Sehnsucht  nach 
einem  vorzüglichen  Namen  *.  In  unserm  Vergnügen  konnten  wir  uns 
nicht  satt  sehen,  und  ohne  viel  überlegen  machten  wir  Gedichte. 
Wir  l)eklagten  das  AVeiterrücken  von  Sonne  und  Mond;  wir  be- 
dauerten, unsere  Jahre  nicht  aufhalten  zu  krinucn,  und  jeder  von  uns 
schrieb  sein  Alter  und  seinen  Geburtsort  nieder,  um  diesen  Tag  und 
diese  Stunde  im  Gedächtnis  zu  behalten. 

Seit  dem  Jahreswechsel  sind  plötzlich  schon  wieder  fünf  Tage  ver- 
flossen. Ich  möchte  mein  Leben  zu  Umkehr  und  Stillstand  bringen,  und 
dieser  Gedanke  bewegt  mir  die  Brust.  Um  die  Zeit  auszunutzen,  sind  wir 
hierher  spazieren  gegangen.  Das  Wetter  ist  milde,  der  Himmel  klar  und 
rein.  Wir  sitzen  zusammen  am  Ufer  des  in  die  Ferne  eilenden  Wasser- 
laufes. Aus  der  sanften  Strömung  schnellt  die  gestreifte  Brasse  auf;  im 
weiten  PTußtal  erhebt  sich  schreiend  die  Möve.  Das  wandernde  Auge  über- 
sieht die  weiten  Marschen.  Sehnsuchtsvoll  in  die  Vergangenheit  zurück- 
tauchend, blicken  wir  auf  die  übereinander  liegenden  Hügel.  Sind  sie  auch 
nicht  so  schön  wie  die  neun  Terrassen  des  Kun-lun  ^  so  ist  ihr  Anblick 
doch  einzig.  Den  Krug  ergreifend,  bewirte  ich  Freunde  luid  Gäste;  mit 
vollen  Bechern  tun  wir  einander  abwechselnd  Bescheid.  Wir  wissen  nicht, 
ob  uns  die  Zukimft  noch  eine  solche  Stunde  bringt!  Der  halbgeleerte  Becher 
gibt  weiten  Gedanken  Raum  und  macht  tausendjähriges  Leid  vergessen. 
Daher  laßt  uns  einstweilen  die  Freuden  des  heutigen  Tages  voll  genießen; 
denn  das  Morgen  können  wir  nicht  mit  Sicherheit  erwarten. 

5.  Den  Gelehrten  Chou,  Tsu  und  Hsieh  mitgeteiltes  Gedichte 

Im  verfallenen  Hause  liege  ich  krank  danieder.  Den  ganzen  Tag  ward 
mir   auch   nicht    eine   einzige   Freude!     Da    unterbreche   ich   den   Gebrauch 


'  Alle  Koiiiiiientare  erwähnen  hier  die  Glosse  des  iflß-^^^'i  wonach  mit 
^©*^j^   der  Stcrnschnuppentempel    V^  ^^^^   gemeint  ist. 

'•*    Der  Kommentar  erklärt  Nan-fou  für  identisch  mit    I^_e.,    dem  Lu-Berge, 

'Jan.      1^ 

auf  dem  Hni-Yuan    dreißig  Jahre   lang   lebte   (vgl.  Bernhardi,    a.  a.  0.  S.  7,   Anm.). 
^    Der  Konmicntar  bringt  eine  längere  Glosse  aus  den    ^^  ßg    des  Ch'ü-Yuan, 
wonach  hier  unter  dem  Ling-Berge  der  Kun-lun  v.n  verstehen  ist. 

*  Zu    ^  ig    vgl.  Lisao,  2.  Stanze. 

^  Nach  dem  Kommentar  zum  Erh-ya  sind  es  nur  drei  Stufen.  Vgl.  auch 
Forke,  Mu  \^'ang  und  die  Königin  von  Saha  (Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen, 
Bd.  VII,  Abt.  1,  1904,  S.  153). 

*  Chou  Hsü-chih,  Tsu  Chi  und  Hsieh  Ching-i,  vgl.  Bernhardi.  a.  a.  0.  S.  10. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  193 

von  Arznei  und  AkujDunkturnadel  und  denke  an  Euch,  die  meinem  Herzen 
nahe  stehen.  Die  Entfernung,  die  uns  trennt,  ist  nicht  unbedeutend  —  wie 
soll  man  einen  so  weiten  Weg  machen !  Herr  Chou  erklärt  die  Lehre  des 
Konfuzius,  Tsu  und  Hsieh  folgen  ihm  wie  das  Elcho  dem  Ton.  Die  wahi"e 
Lehre  war  tausend  Jahre  lang  in  Verfall^  heutigen  Tages  aber*  kann  man  sie 
wieder  hüi-enl  Die  Nähe  eines  Pferdestalles  ist  (freilich)  nicht  der  Oi"t,  sie 
zu  erklären;  doch  die  Gelehrten  tun  trotzdem  ihr  Bestes.  Euer  alter  Freund 
hat  einen  "Wunsch:  Euch  möchte  er  zu  Nachbarn  haben!  Ich  wollte,  daß 
Ihr  allesamt  abdanktet  und  mir  an  das  Ufer  des  Ying^  folgtet. 

6.  Als  ich  bettelte. 

Mich  Hungernden  hat  man  abgewiesen,  und  ich  weiß  nicht,  wohin  ich 
mich  wenden  soll.  Auf  meiner  Wanderung  bin  ich  in  dieses  Dorf  gekommen. 
Ich  jioche  an  eine  Tür,  und  es  wird  mir  schwer,  Worte  zu  finden.  Der  Haus- 
herr versteht  meine  Absicht  und  zeigt  durch  freundliche  Gabe,  daß  ihm  der 
Fremde  willkommen  ist.  Bis  zum  Sinken  der  Sonne  sind  wir  in  eifrigem 
Gespräche :  er  bringt  Wein,  und  ich  leere  einen  Becher.  [Mein  Herz  ist  leicht, 
und  ich  freue  mich  der  neuen  Bekanntschaft;  Wort  an  Wort  fügend,  dichte 
ich  diese  Verse.  Ich  bin  Dir  dankbar  für  Deine  Güte,  die  der  jener  (be- 
rühmten) Waschfrau  gleicht;  ich  schäme  mich  nur,  nicht  ein  Talent  Avie  Han 
Hsin*  zu  sein.  Auch  weiß  ich  nicht,  wie  ich  Dir  für  Deine  Wohltat  danken 
soll  —  mögen  darum  die  verborgenen  Mächte  Deine  Güte  vergelten ! 

7.  Die  Lustwandelnden  unter  den  Zypressen  der  Chou'schen 

Familiengruft. 

(Vgl.  Bernhardi,  a.  a.  0.  S.  22—23.) 

8.  Klagegedicht  nach  der  Art  von  Ch'u,  dem  Unterschatzmeister 
P'ang  und  dem  ünterpräfekten '  Teng  gewidmet. 

Die  Vorsehung  ist  verborgen  und  unerreichbar;  die  Geister  undDämonen 
sind    dunkel   und   unergründlich.     Seit   ich  mein  Haar  aufgebunden  traget 

1  Derselbe  Vers  findet  sich  auch  im  Trinklied  III;  vgl.  Bernhardi,  S.  38. 

2  Wir  folgen  der  Lesart    ^^  ^  ^^    des   Su  T'ung-po.     Nach  T'ao   Chu, 

qM  ^g  -+-■    müßte  es  heißen :  damit  Ihr  meine  Söhne  unterrichtet. 

'  Ying-shui  in  Anhui.  Hsü  Yu  (Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  797),  mit  dem  sich  T'ao 
Yuan-ming  scherzweise  vergleicht,  wusch  sich  in  diesem  Flusse  die  Ohren  aus,  als  er 
das  ihm  vom  Kaiser  Yao  gemachte  Anerbieten,  Gouverneur  der  neun  Provinzen  zu 
werden,  gehört  hatte.    Vgl.  Peiwenyünfu    ^§  ^    und  Petillon,  All.  ht.  S.  508. 

*    Vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  617. 

°  ^p  f-H  '^*  nicht  der  gewöhnliche  Unterpräfekt,  sondern  jener  der  kaiser- 
lichen Präfektur. 

^  D.  i.  seit  dem  16.  Jahre.  Der  Ausdruck  ^j^^P^  wurde  später  zur  Be- 
Zeichnung  für  Heiraten ;  vgl.  Couvreur,  Dict.  class.  S.  702. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  I.  Abt.  13 


li)J  nKRNHAnui  und  von  Zach:  Tao  Yuan-ming. 

habe  ich  stets  an  ^iitc  Handlungen  gedaclit  und  niicli  vierundfunfzig  Jahre 
lauii  angestrengt.  Ahor  schon  mit  zwanzig  Jahren  traf  ich  auf  Unheil!  Nach 
kur/.cr  Ehe  verlur  ich  mein  Weib  '.  Verzehrendes  Feuer  wütete  zu  wieder- 
hohon  Malen  bei  mir,  Insekten  verwüsteten  meine  Felder,  Wind  und  Hegen 
kamen  von  allen  Seiten,  und  die  Ernten  füllten  meine  Scheune  nicht.  Seihst 
die  Sunmieitage  liindurch  muß  ich  Hunger  leiden;  in  Winternächten  schlafe 
ich  ohne  Decke.  Wenn  der  Abend  herannaht,  sehne  ich  mich  nach  dem 
Kufe  des  Hahns;  beim  Aufgang  der  Sonne  hoflc  ich,  daß  der  Tag  schnell 
vorübergehe.  Da  es  doch  wohl  meine  eigene  Schuld  ist,  wie  sollte  ich  den 
Hinunel  anklagen,  wenn  mir  auch  Sorgen  und  Kummer  vor  Augen  stehen;' 
Ach,  vmd  der  Nachruhm  gilt  mir  nicht  melir  als  aufsteigender  Rauch!  Tief- 
bewegt singe  id»  einsam  ein  Klagelied.  Chung  C'h'i^  kann  wirklich  ein  Weiser 
genannt  werden. 

9.  Aotwortgedieht  an  den  Archivsekretär  Fang. 

Kiiilcitung:  ^\'icdel•liolt  habe  ich  Deinen  Brief  gelesen ;  wenn  ich  ihn  zm* 
Seite  legen  will,  vermag  ich  es  nicht.  Seit  Du  mein  Naclibar  warst, 
haben  Frühling  und  Herbst  zweimal  gewechselt.  Zuerst  gal)  es  nur 
respektvolle  Begegnungen  zwischen  uns,  und  unversehens  war  daraus 
eine  alte  Bekanntschaft  geworden.  Das  Sprichwort  sagt:  »Wenn  man 
sich  oft  sieht,  entstehen  Verwandtschaft  und  Freimdschaft.«  Und  wie 
sehr  gingen  unsere  Gefühle  darüber  hinaus!  Die  menschlichen  Ver- 
hältnisse sind  recht  wunderlich,  und  wir  hatten  eine  Trennung  nicht 
voi-aussehen  können.  Soll  ich  etwa  um  das,  worüber  schon  Yang  Chu^ 
geseufzt  hat,  für  immer  trauern?  Ich  bin  seit  vielen  Jahren  krank 
und  schreibe  nichts  mehr.  Mein  Körperzustand  war  wohl  von  jeher 
lucht  kräftig,  nun  sind  Altei'  und  Krankheit  dazugekommen;  aber  ich 
will  dem  Chouli^  folgen  und  mache  die  nachstehenden  Verse  zum  Aus- 
druck meiner  Sehnsucht  nach  unsrer  Trennung. 

Wie  sollte  Freundschaft  auf  alter  Bekanntschaft  beruhen  müssen!  Zu- 
fallige Bcgegiumgen  veranlassen  die  ersten  Gespräche.  Wenn  der  Gast 
meine  Vorzüge  zu  schätzen  weiß,  so  kommt  er  oft,  meinen  Garten  und  Wald 
zu  i)esuchen.  In  ernster  Rede  wie  im  Scherz  äußert  sich  kein  gemeiner 
Ton,  und  woran  wir  uns  ergötzen,  sind  die  Wei-ke  der  Weisen.    Wenn  gerade 


'  Während  Wang  (  J^)  von  einer  frühverstorbenen  Nebenfrau  spricht, 
beliau]>tct  Yen  Y'eii-chih  in  seiner  Trauerrede  auf  T'ao  Y'uan-ming,  daß  dieser  nie 
eine  Nebenfrau  gehabt  habe,  so  daß  nach  ihm  hier  von  einer  Frau  erster  Ehe  die 
Rede  sein  muß.  Jedenfalls  bat  ihm  die  Verstorbene  einen  Solm  hinterlassen,  wie 
aus  dem  »Schreii)en  an  meinen  Sohn  Yet\  und  seine  Brüder«  hervorgeht;  vgl.  Beru- 
liardi,  a.  a.  0.  S.  13:   »Ihr  aber,  obwohl  nicht  von  einer  Mutter  geboren  .  .  .« 

2  Cinnig  Tzu-cln,  vgl.  Giles,  Riogr.  Dict.  Nr.  520  und  Petillon,  Ali.  lit.  S.  246; 
er  wird  hier  genaimt,  weil  seine  Klagelieder  meisterhaft  waren. 

^  Über  Yang  Clni  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2370  und  besonders  Legge. 
Prolegomena  zu  Mencius,  II-*,  S.  92. 

*    Dieser  Sali  ist  niciii  klar. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  195 

ein  paar  jNIaß  Wein  da  sind,  trinken  wir  sie  in  iNIuße  und  finden  daran 
natürliche  Freude.  Ich  bin  gewiß  ein  verborgen  lebender  Sonderling  und 
liabe  keine  Beziehungen  mehr  zur  Welt.  Die  Natur  verjüngt  sich,  während 
der  Mensch  der  alte  bleibt  —  mit  dem  schwachen  Pinsel  möchte  ich  so  vieles 
sagen!  Der  Geist  dringt  weit  hinaus  über  Tausende  von  Meilen,  während 
der  Körper  durch  Berg  luid  Fluß  aufgehalten  wird.  Du,  mit  Deiner  Liel)e 
zur  Einlachheit  —  wann  schlägt  die  Stunde,  da  Du  konmieu  und  mich  (wieder) 
aufsuchen  wirst? 

10.   Gedicht,  verfaßt  am  ersten  Tage  des  fünften  Monats,  in  Er- 
widerung eines  Gedichts  vom  Magistratssekretär  Tai. 

Das  leere  Boot '  mit  losen  Rudern  treibt  (der  raschen  Flut  überlassen) 
ohne  Anhalten.  (Mir  scheint,  es  wäre)  Neujahr  erst  eben  vorüber^,  und 
doch  nähern  sich  die  Sterne  schon  ihrer  Mittsommerstellung.  Unter  dem 
südlichen  Fenster^  zeigen  sich  noch  wenig  verdorrte  Pllanzen,  und  der 
nördliche  Wald  steht  in  reicher  Blüte.  Alles  entwickelt  sich  unter  dem 
befruchtenden  Sommerregen  *,  und  das  Morgenrot  bringt  günstigen  Wind^. 
Auf  das  Kommen  muß  das  Gehen  folgen,  und  auch  dem  Menschen  ist  es 
bestimmt,  ein  Ende  zu  haben.  Daueinid  glaubt  er  verweilen  zu  können, 
und  doch  wartet  er  nur  auf  sein  Ende.  Kann  etwa  ich  Ärmster"  gegen 
dieses  Gesetz  des  Weltalls  ankämpfen?  Der  Wandel  der  Zeit  mag  Ruhe 
oder  Gefahren  mit  sich  bringen,  ich  folge  nur  meinem  freien  Willen''  und 
kenne  kein  Steigen  oder  Sinken;  am  Leben  teilzuhaben^,  ist  schon  etwas 
Hohes,  wozu  soll  ich  noch  den  Hua-yin-Berg  oder  den  Sung-kao-Berg  be- 
steigen ^  ? 


'    Vgl    Legge.  Texts  of  Taoism  11.,  S.  31. 

2  Vgl.  Legge,  Texts  of  Taoism  L,  S.  358. 

3  Statt    ^g-^'|$if^   bringt  Tao  Chu    0^  p||  ^  Rf  4^  die  Som- 

merhitze  versengt  die  Natur,  wobei    ÖH  Rm   (=  ^^  yC^^  i^)    ^'"^   Anspielung 
aus  dem  Iking,  Legge  S.  804  (brightness,  repeated)  ist. 
*    Statt    ^3)^    bringt  Tao  Chu    jf,^;)||j. 

5  Vgl.  Chavanncs,  Mem.  bist.  EI.,  S.  809. 

6  Vgl.  Lunyü,  Legge  P,  S.  200. 

^    W^  >fe    findet   sich   sowohl  bei  Chuangtzü   als  im  Tzu-Chih-ko    ( ^  ^ 
^Y     Dieses  lautet: 


Mmz^AoZ^innrnz^^ 


y^o 


*     ^[3  ^   vgl.  Tsochuan  V.,  46O5  und  Chavannes,  Mem.  hist.  III.,  414. 
^    Anspielung  auf  Wang  Tzii  Ch'iao  und  Tzü  Hsien  (-J^^t)'  ^^^^  ersteren 
vgl.  Giles,   Biogr.  Dict.  Nr.  2240,    letzterer   flog  auf  einem  Drachen  nach  dem  ^S 

ItUt- 

13* 


19G  liKRNHAUDi  und  VON  Zach :  T'ao  Yuan-niiiig, 


11.  Während  der  Regenzeit  einsam  zechend. 

Alles  Lelieii  kehrt  ins  Nichts  zurück,  das  sagte  man  schon  in  grauer 
Vorzeit,  In  frülicren  Zeiten  soll  es  in  der  Welt  einen  Sung '  und  einen 
Ch'iao'  gegeben  haben;  wo  weilen  sie  denn  jetzt?  Alte  Freunde  bringen 
mir  Wein  und  sagen,  trinkend  werde  ich  Unsterblichkeit  erlangen.  Koste 
icli  vom  Weine,  so  Hieben  alle  Sorgen;  beim  zweiten  Becher  vergesse  ich 
den  Himmel.  Wie  weit  ist  es  von  hier  bis  zu  den  Grenzen  des  Himmels^? 
Fürwahr,  es  gibt  kein  Früher  mehr!  Ich  fühle  micli  wie  der  Wolken- 
kranich, der  wunderbare  Flügel  hat  und  in  Kürze  alle  acht  Himmelsgegen- 
den im  Fluge  berührt.  Seit  ich  diese  F^insamkeit  beobachte  und  mich  vierzig 
Jahre  lang  strebend  bemühe,  hat  sich  mein  Äußeres  längst  verwandelt; 
wozu  davon  sprechen,  daß  mein  Herz  unverändert  geblieben  ist? 


12.  Umzug  in  ein  anderes  Dorf. 
I. 

Früher  wollte  ich  im  südlichen  Dorfe  wohnen;  nicht  etwa,  weil  die 
Gegend  für  ein  Haus  günstig  war,  vielmehr  weil  ich  hörte,  daß  viele  Leute 
einfachen  Sinnes  dort  wohnten  und  ich  mich  fi-eute,  so  manchen  Tag  und 
manche  Nacht  mit  ihnen  zusammen  verbringen  zu  können.  Länger  als  ein  Jahr 
trug  ich  diesen  Plan  in  mir,  heute  endlich  hal^e  ich  ilui  ausgeführt.  Wozu 
sollte  mein  Haus  geräumig  sein?  Haben  Bett  und  Matte  Platz,  so  genügt  das 
vollständig.  Die  Nachbarn  werden  immerfort  kommen  und  mit  lauter  Stimme 
von  alten  Zeiten  sprechen.  An  herrlicher  Prosa  werden  wir  uns  zusammen 
erquicken  und  zweifelhafte  Stellen  unter  wechselseitiger  Hilfe  aufklären. 

IL 

Im  Frühjahr  und  Herbst  sind  viele  schöne  Tage;  da  steigen  wir  auf 
die  Berge  und  machen  neue  Gedichte.  Wer  an  des  andern  Haustür  vor- 
übergeht, ruft  ihm  zu;  ist  Wein  da,  so  wird  eingeschenkt  und  getrunken. 
In  der  Zeit  des  Ackerbaus  (freilich)  muß  jeder  auf  seinem  Felde  arbeiten, 
und  nur  in  der  Mußezeit  denken  wir  an  einander.  Wenn  wir  an  einander 
denken,  legen  wir  schon  die  Besuchskleider  an,  und  dann  gibt  es  beim 
Plaudern  und  Lachen  keine  Langeweile.  Aber  das  kann  nicht  fortdauern, 
sonst  ist  plötzlich,  ohne  daß  etwas  geleistet  wurde,  die  rechte  Stunde  ver- 
gangen. Das  Sorgen  für  Kleidung  und  Nahrung  verlangt  seine  Zeit;  die 
angestrengte  Feldarbeit  wird  mich  im  Erfolge  nicht  enttäuschen. 


^  M  "f  ^'g^-  ^''®^'  ^'iogr.  Dict.  Nr.  377. 
^  ^  ^   vgl  Giles,  Biogp.  Dict.  Nr.  2240. 
Wir  lesen    ^CÜ^^llt^- 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  197 

13.  In  Beantwortung  eines  Gedichtes  von  Liu  I-min  \ 
dem  Magistrat  von  Ch'ai-sang. 

Berge  und  Seen  haben  mich  seit  langem  gerufen;  warum  zeige  ich 
noch  immer  Unentschk)ssenheit?  Es  ist  nur  der  Verwandten  und  Fi-eunde 
wegen,  daß  ich  es  nicht  über  mich  bringe,  ihnen  zu  sagen,  ich  möchte 
allein  leben.  Ein  schöner  Tag  zieht  in  niein  wunderliches  Herz  ein ;  da 
nehme  ich  den  Wanderstab  und  kehre  zum  westlichen  Lu-Berge  ziu-ück. 
In  dieser  Einöde  gibt  es  keine  Menschen,  nur  von  Zeit  zu  Zeit  trifft 
man  auf  verlassene  Dörfer.  Das  Schilfdach  meiner  Wohnung  habe  ich 
l)ereits  ausgebessert;  von  neuem  muß  das  Feld  wieder  gepflügt  werden. 
Der  Ostwind  weht  schneidend  kalt,  doch  der  schlechte  Frühlingswein  über- 
windet Hunger  und  Mikligkeit.  Ein  kleines  Mädclien  ist  freilich  kein 
Knabe,  aber  zum  Trost  für  das  Herz  ist  es  besser  als  nichts.  Das  zweck- 
lose Hasten  dieser  Welt  liegt  mir  seit  Jahren  und  Monden  fern  und  ferner. 
Ich  pflüge  und  webe  meinen  Bedürfnissen  entsprechend,  was  darüber  hin- 
ausgelit  —  wozu  sollte  es  mir  nutzen?  Nach  hundert  Jahren  sind  Leib  und 
Name  gleichsam  ins  Nichts  geglitten. 

14.  Dankgedicht  an  Liu,  Magistrat  von  Ch'ai-sang. 

Der  in  Aruuit  lebende  hat  wenig  Bedürfnisse  und  vergißt  daher  manch- 
mal den  Wechsel  der  vier  Jahreszeiten.  (Aber  daraus,  daß)  der  öde  ^  Hof 
voll  gefallener  Blätter  liegt,  erkenne  ich  mit  innerer  Bewegung,  daß  der 
Herbst  schon  gekommen  ist.  Gerade  jetzt  blühen  die  Sonnenblumen  üppig 
vor  dem  nördlichen  Fenster,  und  die  herrliche  Ähre  reift  auf  dem  südlichen 
Felde.  Ich  aber  bin  heut  ohne  Freude,  weiß  ich  denn,  ob  es  (für  mich) 
ein  neues  Jahr  geben  wird?  Ich  sage  meinem  Weibe,  daß  ich  meine  kleinen 
Söhne  mit  mir  nehme  und  wandre  an  diesem  herrlichen  Tage  hinaus  zu 
einem  weiten  Spaziergang. 

15.  In  Erwiderung  eines  Gedichtes  vom  Magistratsassistenten  Kuo. 

I. 

Die  Bäume  vor  der  Halle  grünen  üppig,  im  Mittsommer  füllen  sie  das 
Haus  mit  kühlem  Schatten.  Der  Südwind  kommt  in  dieser  Jahreszeit,  und 
sein  Wehen  dringt  mir  bis  ins  Herz^  Allem  Verkehr  entsagend  ^  wandle 
ich  hier  in  tändelnder  Muße.  Bald  liegend,  bald  stehend,  ergreife  ich  ein 
Buch  oder  die  Laute.    Das  Gemüse  meines  Gartens  ist  noch  wohlschmeckend. 


1  Vgl.  Bernhardi  op,  cit.  S.  9  Anin.  4. 

1  Wir  lesen    ^    statt    ;|;^. 

2  Wir  glauben    RH  :^^    bildlich  auffassen  zu  dürfen. 

^  >§>  ^    findet  sich  auch  im   ^^^^"^^Wä^i  vgl.  Bernhardi  S.  55. 


198  Hernhardi  und  von  Zach:  Tao  Yuaii-ming. 

vom  alten  Getreide  ist  bis  jetzt  noch  etwas  anfbewalirt  worden  —  und  damit 
hat  das  Sorgen  für  den  eigenen  Körper  seinen  Ilöhej)unkt  eiicicht.  [Mehr 
als  satt  zu  werden,  ist  nicht  wünschenswert!  Von  zerstoßenem  Reis  mache 
ich  guten  Wein,  und  wenn  er  gekeltert  ist,  schenke  ich  ihn  mir  selbst  ein. 
Meine  kleinen  Söhne  spielen  mir  zur  Seite;  sie  lernen  sprechen,  können 
aber  die  Laute  noch  nicht  bilden.  Alles  dies  sind  sicher  für  mich  immer 
neue  Freuden,  und  ich  vergesse  darüber  meine  Armut '.    Ich  blicke  auf  eine 

weiße  Wolke  in  der  Ferne Was  ist  eins  an   Tiefe  nu't  meiner  Liebe 

zum  Altertume? 

IL 
In  den  drei  Frühlingsmonaten  muß  etwas  Regen  fallen;  die  Zeit  des 
Herbstes  dagegen  ist  hell  und  kühl.  Wenn  sich  (um  diese  Zeit)  der  Tau 
bildet,  erheben  sich  keine  Dünste;  der  Himmel  erscheint  hoch,  die  Aussicht 
klar.  Auf  den  Hügeln  und  Bergabhängen  ragen  steile  Felsen.  Blicken  wir 
aus  der  Ferne  hin,  so  kommt  uns  alles  überaus  wunderbar  vor.  Duftende 
Chrj-santhemen  erschließen  sich  im  Walde  niit  Glanz,  grüne  Zypressen  krönen 
die  Felsen  in  Reihen.  Ich  liebe  die  beständige  und  reine  Schönheit,  die 
unter  dem  Reife  kräftig  wird.  Indem  ich  den  Becher  ergreife,  gedenke  ich 
der  Alten,  die  zurückgezogen  lebten.  Nach  tausend  Jahren  nehme  ich  ihre 
schöne  Überlieferung  auf,  ich  studiere  ihre  Einfachheit;  aber  ich  vermag  sie 
nicht  zum  Ausdruck  zu  bi-ingen,  und  wacker  trinkend-  ende  ich  diesen 
herrlichen  Monat. 

16.  Gedicht  zum  Abschied  eines  Gastes  beim  Mahle 
des  Gouvernem's  Wang^. 

Die  Tage  des  Spätherbstes  sind  traurig  und  kalt,  die  ganze  Pflanzen- 
welt ist  schon  verwelkt.  W^ährend  des  Festes  »da  man  auf  Frost  tritt«  sind 
wir  auf  die  Höhe  gestiegen  und  feiern  den,  der  heimzukehren  gedenkt. 
Kälte  lagert  über  Berg  luid  Marschen,  (der  Himmel  ist  klar  und)  nirgend 
mehr  ziehendes  Gewölk.  Alle  Ufer  der  Insel  vor  uns  sind  fernhin  sichtbar, 
der  Wind  kämpft  gegen  das  Wasser  an.  Die  Nacht  steht  bevor,  und  wir 
erfreuen  uns  eines  herrlichen  Zusammenseins;  nur  daß  es  ein  Abschiedsmahl 
ist,  müssen  wir  bedauern*.   Der  früh  ausgeflogene  Vogel  kehrt  abends  zum 


*  ^ä^Xi    Vgl.  von  Zach,  Lexikogr.  Beitr.  II,  129. 

2  JHj^  1^  (vgl.  P'eivvengünfu,  Reim  |^  )  fnidet  sich  im  Sliihking.  Legge  IV, 
S.  276,  wo  L.  sagt:  »yen-yen  conveys  the  ideas  of  the  liappiness  of  a  feast,  its 
length  and  its  fuiness.«  An  einer  anderen  Stelle  übersetzt  er  es  mit  »tranquil 
and  serene.«  In  der  Literatur  wird  es  ausschließlich  in  der  ersten  Bedeutung  ver- 
wendet: die  ganze  Nacht  hindurch  zechen,  sieh  unterhalten,  usw. 

^  Betr.  Wang  Hnng  vgl.  Bernhardi  S.  7.  —  Der  Konniientar  gibt  das  Jahr  421 
n.  Chr.  an  und  nennt  die  Namen  verschiedener  Zeitgenossen,  die  an  diesem  Mahle 
teilgenommen  haben  sollen. 

*  ^  ^    vgl.  Sliihking,  Legge  IV,  364,  365. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  199 

Neste  ziiriick,  die  untergehende  Sonne  '  sendet  ilire  Strahlen  nielit  niehi-  nach 
allen  Kichtungen  ans.  Der  Gehende  und  die  Bleibenden  stehen  am  Scheide- 
wege; die  Trauer  derer  in  den  zurückkehrenden  Wagen  ist  tief.  Unsere 
Blicke  geleiten  das  hciinkehi-ende  Schiff  in  die  Ferne,  unsere  Herzen,  den 
Wechselfcillen  des  Schicksals  unterworfen,  bleiben  zurück. 

17.  Geleitworte  an  Yin,  bei  seinem  Abschied  von  Chin-an. 

Einleitung:  Yin  war  früher  Sekretär  des  Annalisten  von  Nan-fu  in  Chin-an. 
Daher  wohnte  er  in  Hsün-yang.  Später  wurde  er  Archivsekretär  des 
T'ai-wei's -und  ging  nach  Osten.  Da  schrieb  ich  diese  Geleitworte  für  ihn. 
P^s  bedurfte  nicht  langer  Zeit,  um  mit  Dir  befreundet  zu  werden.  Beim 
ersten  Zusammentreffen  war  die  Vertraulichkeit  schon  eine  vollständige.  Zwei 
Nächte'  jn'ndurch  tauschten  wir  lautere  Reden  aus,  und  immer  mehr  wurde 
uns  unsere  aufi'ichtige  Zuneigung  bewußt.  Voriges  Jahr  wohnte  ich  im 
südlichen  Dorfe,  da  waren  wir  für  kui'ze  Zeit  Nachbarn.  Den  Waiiderstab 
ergreifend,  folgte  icIiDir  auf  Deinen  Spaziergängen,  und  wenn  wir  (beisanunen) 
verweilten,  vergaßen  wir  Morgen  und  Abend.  Im  Reden  und  Schweigen* 
sind  Du  und  ich  von  Natur  verschieden  geartet,  und  daraus  geht  hervor, 
daß  wir  (einmal)  voneinander  scheiden  müssen.  Ich  hätte  nicht  gedacht, 
daß  es  so  bald  sein  würde  —  wie  Du  erwähntest,  schon  in  diesem  Frühling! 
Brausend  kommt  der  Wind  aus  Westen,  und  ruhig  zieht  die  W^olke  nach 
Osten  von  dannen.  Ül)er  tausend  Meilen  Berge  und  Ströme  hin  wird  unsere 
Unterhaltung  kaum  möglich  sein.  —  Große  Talente  verbergen  sich  nicht 
vor  der  Welt;  in  der  Zurückgezogenheit  leben  meist  die  Niedrigen  und  Armen. 
Findest  Du  (aber)  Gelegenheit,  hier  vorüber  zu  kommen,  so  denke  daran, 
den  alten  PVeund  zu  besuchen. 

18.  Dem  Annalisten  Yang^ 

Einleitung:  Als  der  Annalist  der  linken  Armee  amtlich  nach  Ch'in-Ch'uan 
ging,  verfaßte  ich  dieses  Gedicht  und  gab  es  ihm. 

Obwohl   ich  Tor  erst  nach  dem  Ende  der  drei  Dynastien^  zur  Welt 
kam,  denke  ich  doch  mit  Sehnsucht  des  Huang-ti  und  des  Shun.    Was   wir 


1  m^    Sonne;  vgl.  Huai-nan-tzu,  Kap.  IH,  8.  12. 

2  Im  Kommentar  steht  des  T'ai-wei's  Name  Liu  Yü   (Wll^^ft-);   ^'S^-  Giles, 
Biogr.  Dict.  Nr.  1375. 

'    i^'iS    '■§••  Tsochuan,  Legge  V,  I.  S.  75i,,  477i3,  856i4. 

*    Vgl.  I-king,  Legge   S.  362:    ^  ^  ;^  ^^  ^  |E  ^  jf^.      |E  und 

aP^  stehen  hier  bildlich  für  »ein  Amt  ha!>en«  und  »ohne  Amt  sein«.  (Da  Yin  es 
vorzog,  als  Beamter  zu  leben,  war  eine  gelegentliche  Trennung  infolge  seiner  Ver- 
setzung vorauszusehen.) 

^    ^.  ;|^  ^^  :  der  Kommentar  gibt  das  Jahr  417  an. 

^    Vgl.  Bernhard!  S.  40.    (Die  drei  Dynastien  sind  Hsia,  Shang,  Chou.) 


200  BERNHAHni  und  VON  Zach  :  T  ao  Yuan-ming. 

von  der  Zeit  vor  tausend  .Tahren  wissen,  beruht  gerade  niir  auf  den  Buchern 
der  Alten.  Die  liinterlassenen  Si)uren  der  alten  Weisen  finden  sich  alle  in 
der  Hauptstadt  des  Mitteli-eiches.  Vergesse  ich  etwa,  Herz  und  Augen 
dorthin  zu  wenden?  nur  die  Pässe  und  Flüsse  kann  ich  nicht  überschreiten! 
Die  neun  Lehnstaateii  sind  eben  wieder  vereinigt;  um  zu  reisen,  läßt  man 
Seh iti'  und  Wagen  herrichten'.  Ich  höre,  daß  Du  schleiniigst  reisen  mußt; 
ich  bin  erkrankt,  und  so  können  wir  nicht  zusammen  gehen.  Wenn  Dich 
Dein  Weg  am  Shang-Berge  vorüberfülii-t,  zügei-e  ein  wenig,  mir  zuliebe! 
Ich  bin  Dir  dankbar,  wenn  Du  Ch'i  und  Lu^  fragst,  wie  es  jetzt  um  ihre 
Lebenskraft  steht.  Wer  pflückt  noch  den  purpurnen  Wunderpilz ^?  Das 
tiefe  Tal  ^  mag  längst  verwildert  sein.  ^lan  brauchte  (damals)  für  vierspännige 
Wagen •*  nicht  zu  sorgen,  denn  die  Armen  und  Niedrigen^  hatten  die  Freuden 
der  Freundschaft.  \n  ihrem  herrlichen  Liede  hängen  die  Herzen  noch  heute, 
ol)Wohl  sich  die  ISIenschheit  inzwischen  weit  von  ilmen  entfernt  hat.  Wenn 
ich  —  nach  Generationen  —  daran  zurückdenke,  so  erschöpfen  sich  meine 
Worte,  al)er  meine  Gefühle  kommen  nicht  zur  Ruhe. 


19.  Am  Ende  des  Jahres, 
in  Erwiderung  eines  Gedichtes  vom  Adjutanten  Chang. 

Bazar  und  Palast  wurden  zu  Gräberstätten'';  die  Sonne  eilt,  dem 
schnellsten  Renner  gleich,  ihrem  Untergange  zu.  Morgen  früh  ist  nicht 
mehr  heut,  das  Jahr  ist  um  —  was  kann  ich  dazu  sagen  .^  Die  leuchtende 
Jugendfrische  des  Angesichts  ist  bereits  völlig  vergangen,  das  Haar  ist  durch- 
weg schon  ganz  weiß  geworden.  Auch  für  mich  gilt  der  Ausspruch  des 
Herzogs  Mu  von  Ch'in^!  Sind  die  Kräfte  etwa  noch  nicht  erschöpft.^  — 
Gegen  Abend  erhellt  sich  andauernder  Wind  und  kalte  Wolken  verhüllen 
die  westlichen  Berge.  Die  Luft  ist  schneidend  kalt,  und  tlatterud  kehrt  der 
Vogel  zum  Nest  zurück.  Die  Menschheit  hat  kein  dauerndes  Bleiben,  um 
so  mehr  wird  sie  von  Kunmier  und  Elend  in  Fesseln  geschlagen.  Oft  fehlt 
es  mir  an  klarem  Weine,  und  ich  habe  nichts,  mein  Leben  zu  erheitern. 
Erfolg  imd  Mißerfolg  sind  es  nicht,  die  meine  Gedanken  beschäftigen ;  meine 
Falten  und  Runzeln  rühren  von  dem  verändernden  Einlluß  der  Zeit  her. 
Ich  suche  mich  zu  trösten  und  empfinde  tief,  wie  das  Entfließen  der  Zeit 
meine  Traurigkeit  vermehrt. 


»    Vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  171. 

2  Vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  301,  423  und  1881. 

3  Die  Ausdrücke  ^  g,  '/|^^,  .||3<^i  ABS  Anden  sich  in  dem 
bereits  (S.  195,  Anra.  7)  erwähnten  Liede  ^  ^  ^  der  ^  ff^,  die  sich  zur  Zeit 
des  Ch'in-shih-hwang  auf  den  Shang-Berg  zui-ückgezogen  hatten. 

*    Vgl.  die  Bemerkung  auf  S.  191,  Nr.  3,  IV. 
6    Vgl.  Shuking,  Legge  UI,  S.  628. 


Bernhardi  und  von  Zacu:  T'ao  Yuan-ming.  201 

20.  Der  Sommertag. 

Dem  Ilsi-ts'ao '-Beamten  Hu  in  Erwiderung  seines  Gedichtes;  dem  Tsei- 
ts'ao '-Beamten  Ku  von  mir  gezeigt. 
Im  fünften,  Jui-p'in  genannten  Monat  erhebt  sich  fr-iihmorgens  ein 
südliclier  Wind,  nicht  sclmell  und  auch  niclit  langsam;  rauschend  durch- 
weht er  mein  Gewand.  In  Stafl'ehi  getürmte  Wolken  verhüllen  die  strah- 
lende Sonne,  sanfter  Regen  rieselt  hernieder.  Mein  Auge  streift  den  west- 
lichen Garten,  wo  mich  der  Eibisch  mit  purpurnen  BUiten  blendet.  Jetzt 
ist  er  ungemein  lieblich,  warum  doch  muß  er  wieder  verwelken?  Von  der 
Natur  im  Herzen  gerührt,  wünsche  ich  (ebenfalls)  die  Zeit  auszunützen; 
stets  zürne  ich  darüber,  daß  es  mir  nicht  nu'iglich  ist,  etwas  zu  leisten. 
Traurig  erwarte  ich  die  Herbsternte,  doch  ihr  unerfreuliches  Aussehen  läßt 
sie  noch  als  fern  erscheinen.  Die  schweifenden  Gedanken  lassen  sich  nicht 
imterdrücken,  und  von  Schwermut  erfaßt,  muß  ich  einsam  seufzen. 

21.  Klage  um  meinen  Vetter  Chung-te. 

(Bernhardi,  S.  23.) 
Auf  S.  24,  Anm.  2,  verbessere   f|]l^   nnd    j^lß  ^  |^ ;  auch  sei 
bemerkt,    daß   sich    der   Ausdiuck   ^5  ^.    schon    im  Liki,    ed.  Couvreur  I, 
S.  116,  findet. 


III.  Heft. 

1.  Gedieht,  das  ich  machte,  als  ich  gerade  zum  Archivsekretär 
des  Generals  ernannt  war  und  am  Orte  Ch'ü-o^  vorüberkam. 

Von  Jugend  auf  hielt  ich  mich  abseits  der  Geschäfte  und  fand  Ge- 
fallen an  Büchern  und  an  der  Laute.  Obwohl  meine  Kleidung  ein  halblanges 
Bauerngewand  ist,  freute  ich  mich  der  Selbstgenügsamkeit  und  war  ruhigen 
Gemütes,  trotzdem  icPi  immer  arm  war.  Mit  der  Zeit  wirkte  die  dunkle 
Bestimmung,  und  ich  gelangte  auf  Umwegen  auf  die  große  Straße  (der  Be- 
amtenlaufbahn). Den  Wanderstab  werfe  ich  fort  und  lasse  in  aller  Frühe 
zur  Abreise  vorbereiten.  Ich  will  mich  nun  für  einige  Zeit  von  Garten 
und  Feld  entfernen.  Das  einsame  Schiff  zieht  in  die  unbekannte  Ferne, 
(während)  der  Gedanke  an  die  Rückkehr  mich  ununterbrochen  beschäftigt. 
Geht  meine  Reise  etwa  nicht  weit?  Auf  und  ab,  mehr  als  tausend  Meilen! 
Meine  Augen  ermüden  von  der  Abwechslung  der  Landschaft,  und  das  Herz 
gedenkt  der  Heimat  zwischen  all  diesen  Bergen  und  Marschen.    Wenn  ich 


'     p\^  Ö    und    mO  ^1    scheinen  verschiedene  Departements  des  Justizmini- 
steriums gewesen  zu  sein. 

^    Das  heutige   4^  ^r  ^^  in  Kiang-su. 


202  BKnsHARin  und  von   Z.\rii:  T'ao  Yiian-niiiig. 

zu  den  Wolken  .•mrscliaiu',  scliiiiin'  ich  iiiicli  vor  tlein  ln)clilli('f>('ii(k'n  X^oj^el, 
wcnrritli  :iin  W'nsser  stehe,  ern'ite  ieli  xor  dein  hin  und  her  sehießenden 
Fisehe.  Der  reehte  Gedanke  lebt  von  Jeher  in  meiner  Brust;  wer  sagt, 
daß  ieh  inieli  (dauernd)  vom  Selieine  fessehi  lassen  muß!'  Nur  für  kurze 
Zeit  \\\\\  icli  miih  den  Täuseliungen  der  Welt  ainertrauen,  schließlieh 
kehre  ieli  doch  —   wie  l'an  '  —   in  die  einsame   Hütte  zurück. 

2.  Zwei  Gedichte, 

im  fünften  ^lonat  des  Jahres  Keng-tzü'',  als  ich  auf  der  Heimkehr  von  der 
Hauptstadt  (hirch    widrigen  Wind    in   Knei-lin    aufgehalten  wurde,    verfaßt. 

I. 
Weiter  und  weiter  geht  es  auf  dem  Wege  in  die  Heimat.  Ich  zähle 
die  Tage  und  blicke  voll  Wehmut  nach  meinem  alten  Hause  aus.  Erstens 
freue  ich  mich,  das  liebe  Gesicht  wieder  zu  sehen  ^,  zweitens  bin  ich  froh, 
meine  Brüder  umarmen  zu  können*.  Man  bewegt  die  Ruder  —  und  der 
Weg  ist  steinig  imd  krumm;  man  deutet  auf  die  Sonne  —  und  sie  ist 
schon  im  Westen  verdeckt.  Sind  Strom  und  Berge  etwa  nicht  gefährlich;' 
Der  Heimkehrende  denkt  an  den  Weg,  den  er  noch  vor  sich  hat,  aber  der 
Südwind  setzt  sich  seinem  Herzen  entgegen^!  Die  Ruder  werden  einge- 
zogen, und  ich  bleibe  in  dem  verlassenen  See.  Das  hohe  Dschungel  dehnt 
sich  gi'enzenlos  in  die  Weite,  die  Sommerbäume  nur  ragen  mit  ihrem  dicliten 
Blätterschmuck  darüber  hinaus.  Wer  sagt,  daß  das  Schiff  des  Reisenden 
noch  fern  von  der  Heimat  sei?  Genau  l)eti-achtet  sind  es  (nur)  über  hundert 
Li.  Aufmerksam  ausschauend,  erkenne  ich  (schon  unsere)  südliche  Berg- 
kette.    (Nach  ihr)  seufze  ich  umsonst!     Wann  werden  wir  weiter  fahren? 

n. 

Seit  alters  werden  die  dienstlichen  Reisen^  als  unangenehm  be- 
trachtet; heut  habe  ich  das  zum  ersten  Male  erfahren.  Berge  und  Ströme 
sind  ganz  überwältigend,  mit  Wind  und  Woge  kann  man  kein  überein- 
kommen treffen".    Vom  Getöse  der  Wellen  hallt  der  Hjnnnel  wieder,  und 

*  Wie  es  Pan  Ku  (Giles,  Biogr.  Dict.  Xr.  16('0)  in  seinem  1^^^'  be- 
schrieben hat. 

*  Viertes  Jahr  Luiig-an,  400  n.  Chr. 

'  Wie  schon  früher  (vgl.  I,  8)  bemerkt,  lassen  wir  es  unentschieden,  ob  hier 
der  Vater  oder  die  Mutter  gemeint  ist.  Nach  'Fao  Chu  wäre  es  die  Mutter.  Er 
sieht  in  dem  Ausdruck  sjl,  jjfl  eine  Anspielung  auf  das  in  einer  Ode  des  Shihkings 
erwähnte  trauernde  Herz  der  Miitter  und  findet  seine  Annahme  fei-ner  durch  die 
Worte  ^V^ijfi-^H^f^h  ^-\^  bestätigt,  die  nach  ihm  »schon  lange  auf  der  Reise, 
denke  ich  mit  S(  Imsnclit  der  Mutter«  übersetzt  werden  müßten. 

*  Vgl.  Slniking,  Legge  III,  S.  W\b. 

■'    Vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  50  und  Mengtzii,  Legge  11-,  S.  427. 

"'    tr  ^   '=••  Shihking,  Legge  IV,  167, 168. 

'    Betr.    |g  ^,  vgl.  Iking,  Legge  S.  118  und  189. 


Bebnhakdi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  203 

das  Wehen  des  Stunnes  nimmt  kein  Ende.  Schon  lange  bin  icli  anf  der 
Reise  nnd  denke  seimsüchtig  der  Heimat';  uarnm  nniß  ich  hier  anfge- 
halten  werden?  Wenn  ich  mir  im  stillen  die  wSchönheit  von  Garten  nnd 
Wald  znriickrnfe,  (so  ist  mir,  als  müßte  ich)  wirklich  den  Kreis  der  Älen- 
schen  verlassen.  Wie  viele  Jahre  der  Kraft  sind  mir  noch  gegeben?  Warnm 
noch  daran  zweifeln,    daß  es  das   beste  ist,  dem  eignen  Herzen  zu  folgen? 

3.  Gedicht, 

verfaßt  im  siebenten  Monat  des  Jahres  Hsin-ch'ou^  des  Nachts  auf  der 
Reise  durch  T'u-k'ou^,  als  ich  nach  abgelaufenem  Urlaub  nach  Chiang-ling* 

zurückkehrte. 
Dreißig  Jahre  habe  ich  in  ]\[uße  gelebt,  da  wurde  ich  plötzlich  in 
die  Angelegenheiten  der  Welt  verstrickt.  Den  Gedichten  und  Geschichten 
war  ich  von  jeher  aufrichtig  zugetan,  Wald  und  Garten  wirkten  auf  mich 
anders  als  anf  gewöhnliche  Menschen.  Warum  habe  ich  dies  aufgegeben 
und  die  Heimat  verlassen?  Von  fern  her  bin  ich  bis  nach  West-Ching 
gelangt!  Zur  Zeit  des  Herbstmondes  bewegte  ich  die  Ruder ^  am  Flusse 
stehend,  nahm  ich  Abschied  von  meinen  Freunden.  Gegen  Abend  erhebt 
sich  ein  kühler  Wind,  und  die  Nacht  erscheint  ruhig  und  klar.  Glanz  ist 
über  das  Himmelsgewöl])e  verstreut,  Schimmer  ist  über  das  Wasser  ge- 
breitet. Ich  denke  an  meinen  Dienst  und  finde  keine  Ruhe  zum  Schlafen ". 
Inmitten  der  Nacht  reise  ich  noch  allein  weiter.  Mich  wie  Ning-Ch'i "  zur 
Beamtenschaft  zu  drängen,  ist  nicht  meine  Sache !  Meine  Gedanken  sind  beim 
Ackerbau.  Ich  will  die  Beamtenlaufbahn  aufgel)en,  in  mein  Heimatdorf  zu- 
rückkehren und  mich  nicht  durch  eine  gute  Stelle  binden  lassen.  Unter 
dem  Strohdach  will  ich  der  Walirheit  dienen  und  so  einen  guten  Namen 
erwerben. 

4.  Zwei  Gedichte, 

im   Jahre    Kuei-3Iao^    beim   Frühlingsanfang,    im    Gedanken    an    den   alten 

Laudmann  verfaßt. 

I. 
Früher  habe  ich  zwar  von  dem  südlichen  Gelände  sprechen  hören,  doch 
habe  ich  es  diese  Jahre  hindurch  noch  nie  betreten.    Da  die  dortigen  Bauern 


*  Oder:  der  Mutter. 

2    Fünftes  Jahr  Lung-an,  401  n.  Chr. 

^    Der  Kommentar  sagt :  Von  vb  j^  iK   (dem  jetzigen   ^^  ^  ^M\)   130  Li 
flußabwärts  liegt  T'u-k'ou. 

*  Vgl.  Bernhardi  S.  6,  Anm.  1. 

^     PPtÖ  fi"^6t  sich  im   ^^  -^    des    Cli'ü-Yuan;    es  bedeutet    »zum    Auf- 
bruch rüsten«. 

6    Vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  338. 

■^    Bei  Huainantzu;  vgl.  Petillon,  All.  lit.  S.  225. 

*  Zweites  Jahr  Yuan  Hsing,  403  n.  Chr. 


204  Bernhardi  und  von  Zacr:  Tao  Yuan-ining. 

arm  sind,  können  sie  sieli  der  Feldarbeit  des  Frühlings  durchaus  nicht  ent- 
ziehen. Frühmorgens  mache  ich  ineinen  Wagen  zurecht,  denn  der  Gedanke 
an  den  AuHiruch  drängt  mich  schon.  Der  A'ogcl  freut  sich  singend  über 
die  neue  Jahreszeit,  der  frische  Wind  bringt  Gutes  im  überlluß  hervor. 
Kalter  IJambiis  beschattet  den  wilden  Bergpfad;  die  Gegend  erscheint  aus- 
gedehnt, weil  nur  wenig  Menschen  da  sind.  Der  alte  Landinann  '  kommt 
mir  dal)ei  in  Erinnenuig,  wie  er  seinen  .Stab  in  die  Erde  steckte  und  hei- 
tern Gemütes  nicht  an  Fortgehen  dachte.  ^V.•ls  die  Wahrheit  betrifft,  so 
scliämc  ich  mich,  (keine)  volle  Erkenntnis  zu  haben.  Wie  gering  ist  das, 
was  ich  besitze  I 

II. 
Mein  Meister'  hat  nn'r  die  Lehre  hinterlassen,  nur  wegen  der  Lebens- 
grundsätze möge  ich  besorgt  sein,  aber  nicht  wegen  der  Armut.  Das  ferne 
Ideal,  nach  dem  ich  sehnsuchtsvoll  ausblicke,  finde  ich  zu  schwer  zu  er- 
reichen, wenn  auch  mein  Herz  innig  damit  beschäftigt  ist  und  stets  danach 
strebt.  (Deshalb)  ergreife  ich  den  Pilug  und  freue  mich  über  die  Arbeit 
in  dieser  Jahreszeit;  fröhlichen  Angesichts  ermuntere  ich  den  Landmann, 
über  das  ebene  Feld  streicht  fernher  der  Wind;  die  junge  Saat  freut  sich 
ebenfalls  des  neuen  Lebens.  Wenn  ich  auch  den  Ei-trag  des  Jahres  nicht 
in  Rechnung  ziehe,  so  bringt  die  Feldarbeit  doch  viel  Freude  mit  sich. 
Auch  der  Ackerbau  hat  seine  Mußezeit.  Hier  fragt  mich  kein  W^anderer 
nach  der  Furt^!  Wenn  die  Sonne  untergeht,  kehren  wir  alle  miteinander 
nach  Hause  zurück,  und  der  Weinkrug  tröstet  den  nahen  Nachbarn.  Laut 
Gedichte  hersagend  verschließe  ich  die  Zauntür  und  bin  für  kurze  Zeit 
ein  Landmann  gewesen. 

5.  Gedieht, 

im  zwölften  Monat  des  Jahres  Kuei-Mao  *  zu  Ehren  meines  Vetters 
Ching  Yuan  ^  verfaßt. 
Indem  ich  mein  Leben  hinter  dem  Tor  mit  dem  Querholz  verberge, 
trenne  ich  mich  weit  von  der  übrigen  Welt.  Ich  blicke  mich  um,  aber 
niemand  weiß  meinen  Aufenthalt.  Die  Heckeiitür  ist  bei^  Tage  stets  ge- 
schlossen. Am  P^nde  des  Jahres  bläst  der  W'ind  schneidend  kalt,  und  den 
ganzen  Tag  hindiu'ch  fällt  der  Schnee  in  dichten  Flocken;  ich  neige  lau- 
schend das  Ohr,  aber  auch  nicht  das  geringste  Geräusch  ist  hörbar,  und 
das  Auge  sieht  nichts  als  das  Weiß  des  Schnees,  das  nicht  reiner  sein 
könnte.  Die  Luft  dringt  kalt  in  Überschlag  und  Ärmel  meines  Gewandes 
ein;  Bambusschale  und  Flasciienkürbis"  brauche  ich  nicht  erst  aufzustellen. 


'  Vgl.  Lunyü,  Legge  l\  S.  225. 

2  Konfuzius.      • 

'  m]  )  y    f"'det  sidi  im  Lunyü,  Legge  P  S.  333;  vgl.  auch  Tao  Yuan-niings 

l^ft  ?S  ifi(  IB^  Ben.hardi,  a.  a.  O.  S.  58. 

♦  403  n.  Chi-. 

^  Vgl.  Bernhard!,  a.  a.  0.  S.  17. 

•  Vgl.  Lunyü,  Legge  P  S.  188. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  205 

Im  leeren  Hause  bin  ich  einsam  und  verlassen  und  habe  durchaus  nichts, 
woran  ich  mich  erfreuen  könnte.  Wenn  ich  der  Reihe  nach  die  tausend- 
jährigen alten  Bücher  durchblättie,  so  kommt  mir  immer  wieder  das  hinter- 
lassene  Verdienst  (der  aUcn  Helden  und  Weisen)  zum  Bewußtsein.  Obwohl 
ich  ihre  erhal)enen  Grundsätze  nicht  erreichen  konnte,  habe  ich  doch  genug 
Festigkeit  erworben,  um  die  Arnuit  standhaft  ertragen  •  zu  können.  Da 
ich  P'ing-chin  -  nicht  gleichen  möclite  —  wie  sollte  es  töricht  sein,  im  Ver- 
borgenen zu  leben!  Weim  ich  meine  Gedanken  zwischen  die  Zeilen  ver- 
lege, wer  kann  erraten,  was  ich  meine? 

6.  Gedicht, 

im   dritten   Monat    des   Jahres   I-sstt^   verfaßt,    als    ich   —   damals   Armee- 
sekretär des  Generalissimus    —   auf  einer  Dienstreise  nach  der  Hauptstadt 
an  Ch'ien-ch'i*  vorüberkam. 

Es  ist  schon  lange  Zeit,  daß  ich  diese  Gegenden  nicht  betreten  habe. 
Wenn  ich  morgens  und  abends  auf  Berg  und  Strom  blicke,  ist  alles  durch- 
aus wie  früher.  Ein  feiner  Regen  wäscht  den  hochragenden  Wald,  ein 
kühler  Wind  lüftet  die  Wolkenflügel.  Was  ich  an  diesen  Dingen  beneide, 
ist,  daß  Anlage  und  Verwendung  noch  nicht  getrennt  sind  ^  Wie  steht  es 
dagegen  um  mich?  Mit  Überwindung  diene  ich  jetzt  als  Beamter!  Wenn 
aber  auch  mein  Körper  davon  gleichsam  ganz  beherrscht  wird,  konnte  doch 
mein  ursprüngliches  Ideal  keiner  Veränderung  unterliegen.  Täglich  träume 
ich  von  Garten  und  Feld  —  wie  kann  ich  noch  länger  davon  getrennt 
bleiben?  Mein  Sinn  ist  immer  darauf  gerichtet,  mit  dem  Schilfe  heim- 
zukehren! Wahrlich,  die  vom  Reif  getroffene  Zj'presse^  muß  mir  ein  Vor- 
bild sein. 

7.  Rückkehr  in  das  alte  Wohnhaus  ^ 

Vormals  wohnte  ich  in  dem  Orte  Shang-ching.  Vor  sechs  Jahren 
verließ  ich  ihn  mit  der  Absicht,  wiederzukommen.  Heute  gerade  komme 
ich  wieder  zurück,  traurigen  Herzens  und  voll  Ursache  zu  Kummer.  Die 
Feldgrenzen  sind  zwar  nicht  geändert  worden,  aber  die  Häuser  und  ihre 
Bewohner  sind  nicht  mehr  die  alten.  Ich  gehe  rings  um  das  alte  Wohn- 
haus; von  den  Greisen  der  Nachbarschaft  sind  nui*  wenige  übriggeblieben. 
Auf  Schritt  und  Tritt  suche  ich  die  alten  Erinnerungen  und  verweile  an 
manchen  Orten,  die  mir  unvergeßlich  sind,  absichtlich  länger.     Der  Lebens- 


1  Vgl.  Lunyü,  Legge  P  S.  294. 

^  ^  "^  1^  (Kung-sun  Hung  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1030)  wurde  zum 
Grafen  von  ^^^^^  ernannt. 

3  Erstes  Jahr  I-hsi,  405  n.  Chr. 

*  Ch'ien-ch'i  in  Hsüan-chou,  Nan-ling-hsien. 

^  ...  daß  sie  stets  ihrer  Natur  folgen  können. 

®  Die  Zj^resse  grünt  weiter. 

^  Gedicht  7  soll  ebenfalls  im  ersten  Jahre  I-hsi  verfaßt  sein. 


2()t»  Bernhardi  und   VON  Zach:  T'ao  Yuan-ming. 

ti-aiun  \erllifßt  iiiiierhall)  von  lumdert  .laliien,  und  täglich  wechseln  wai-m 
tinil  kalt.  Was  ich  fürchte,  ist  das  Kintieten  einer  großen  Veränderung, 
che  meine  Lebenskraft  noch  erloschen  ist!  Aber  das  will  ich  beiseite  setzen 
und  durchaus  nicht  daran  denken;  mit  einem  Becher  Weines  kann  ich  diese 
Sorge  für  kurze  Zeit  verscheuchen. 

8.  Gedieht, 

un  sechsten  Munat  des  Jahres  Wu  Shen  '  verfaßt,  als  mein  Haus  durch 
Feuer  zerstört  wurde. 

An  elendem  Wege  habe  ich  eine  Strohhütte  errichtet  und  mit  Freu- 
den den  glänzenden  Wagen  des  Beamten  verschmäht.  Da  kam  gerade  im 
.Sommer  ein  starker,  langdauernder  Sturm,  und  plötzlich  verbrannte  mein 
Waldhaus.  Auch  nicht  ein  Kaum  ist  übriggeblieben,  nur  das  Boot  vor 
dem  Tore.  Der  Abend  des  beginnenden  Herbstes  ist  äußerst  lang,  der 
sich  rundende  Mond  steht  unendlich  hoch.  Früchte  und  Gemüse  sind  eben 
wieder  gewachsen ;  aber  der  erschreckte  Vogel  ist  noch  nicht  zurückgekehrt. 
Inmitten  der  Nacht  stehe  ich  da,  und  meine  Gedanken  schweifen  in  die 
Ferne.  !Mein  Blick  umfaßt  die  neun  Himmel.  Seit  meiner  ersten  Jugend 
führe  icli  ein  einsames  Leben,  und  plötzlich  sind  es  vierzig  Jahre  geworden. 
Hat  sich  auch  mein  Äußeres  den  Jahren  entsprechend  geändert,  bin  ich 
doch  im  Herzen  der  einsame  Sonderling  geblieben.  Überzeugungstreue  und 
Festigkeit  sind  gewiß  eine  Sache  natürlicher  Veranlagung,  und  kein  Edel- 
stein ist  fester.  Ich  denke  an  die  Zeiten  des  Tung-hu-  ziunick,  da  man 
das  überflüssige  Getreide  inmitten  des  Feldes  aufhäufte.  Den  Bauch  klop- 
fend, machte  sich  niemand  Gedanken;  man  brauchte  nur  des  ]Morgens  auf- 
zu.stehen  und  abends  zum  Lager  zui'ückzukehren !  Nachdem  ich  dies  (d.  h. 
diese  glücklichen  Verhältnisse)  vei-fehlt  habe,  möchte  ich  wenigstens  (in 
Ruhe)  meinen   Garten  begießen. 

9.  Gedicht, 

im  Jahre  Chi  Yu^,  am  neunten  Tage  des  neunten  ]\I(rtiats  verfaßt. 

Der  Herbst  nähert  sich  schon  langsam  seinem  Ende,  frierend  empfinde 
ich  Wind  und  Tau.  Die  Schlingpflanzen  zeigen  nicht  mehr  ihre  frühere 
Frische,  die  Bäinue  im  Garten  sterben  traurig  ab.  Die  reine  Luft  läßt 
alles  Trübe  sich  niederschlagen,  die  Grenzen  des  Himmels  dehnen  sich  un- 
endlich hoch.  Das  traurige  Heimchen  hat  keinen  Ton  mehr;  aber  eine 
Schar  Wildgänse  schreit  in  den  Wolken.  Wenn  ich  die  mannigfaltigen  Be- 
ziehungen der  Natur  untersuche:  ist  das  Leben  des  Menschen  etwa  nicht 
beklagenswert?  Seit  Anbeginn  ist  alles  der  Vernichtung  verfallen,  bei  diesem 
Gedanken  erfüllt  Trauer  mein   Herz.     W^ie  kann  ich  meine  Gefühle  befrie- 


'    Viertes  Jahr  I-Iisi,  408  n.  Chr. 

2  H  ^  vgl.  Giles,  Diel.  Nr.  2096. 

3  Fünftes  Jahr  I-hsi,  4(i9  n.  Chr. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-niing.  207 

digenl'  An  trübem  Weine  will  icli  niicli  einstweilen  erfrischen.    Von  tausend 
Jahren  weiß  ich  nichts,  nur  den   heutii'en  Tau;  will  ich  verlängern  '. 


10.  Gedicht, 

im  nennten  Monat  des  Jahres  Keng  Hsü^  verfaßt,  als  ich  auf  dem  westlichen 
Felde  den  ersten  Reis  einerntete. 
Des  Lebens  Stütze  sind  die  Grundsätze;  aber  Kleidung  und  Speise  sind 
sicher  seine  wichtigsten  Bedürfnisse.  Wer  braucht  sich  darum  nicht  zu 
kömmern,  sondern  kann  nur  seiner  Ruhe  leben?  Ob  man  im  Anfang  des 
Frülilings  seinen  Besitz  in  Ordnung  gel)racht  hat,  kann  man  erst  zur  Zeit 
der  Ernte  sehen.  In  der  Frühe  steht  man  auf  und  volUjringt  ein  wenig 
Arbeit.  W'enn  die  Sonne  untergeht,  schultert  man  die  Pthigschar  und  kehrt 
nach  Hause  zurück.  In  den  Bergen  erglänzen  Reif  und  Tau,  und  das 
Wehen  des  Windes  wird  auch  allmälilich  kälter.  Hat  der  Landmann  etwa 
keine  Sorgen?  Er  kann  diesen  ISIüIien  nicht  entgehen!  Aljer  wenn  ihn  auch 
alle  Glieder  schmerzen,  so  hat  er  doch  keine  anderen  Leiden,  die  ihn  be- 
drohen. Nachdem  er  sein  Bad  genommen,  ruht  er  auf  dem  offnen  Vorbau 
aus  und  erfj'ischt  Leil)  und  Seele  mit  einem  Becher  Weines.  Er  strebt  zurück 
in  die  Vergangenheit,  nach  der  Gesinnung  des  Ch'ang  und  Chieh^  und  fühlt 
sich  mit  ihnen  verbunden,  obwohl  tausend  Jahre  dazwischen  liegen.  0,  ich 
wünschte  stets  in  diesen  Verhältnissen  zu  bleiben  —  ül^er  die  Mühen  des 
Ackerbaus  wollte  ich  nicht  seufzen! 

11.  Gedicht, 

im    achten  Monat   des  Jaln-es  Ping  Ch'en*  verfaßt,    als   ich   im  Bauernhaus 
von  Hsia-sun  die  Ernte  einbrachte. 

Der  Arme  vertraut  auf  die  Ernte  und  arbeitet  mit  aller  Kraft  an  der 
Biegung  des  östlichen  Waldes.  Er  klagt  nicht  darüber,  daß  der  Frühling 
mühevolle  Ai-beit  mit  sich  l)ringt;  a])er  er  fürchtet  stets,  dal3  seine  Hoffnungen 
zuschanden  werden.  Der  mit  dem  Ackerbau  betraute  Beamte  läßt  mich 
wissen,  daß  er  einen  guten  Herbst  erwartet,  und  seine  Worte  entsprechen 
meinen  Gefühlen.  Der  Hungrige  freut  sich  vor  allem,  sich  sättigen  zii  können. 
Schon  vor  dem  Ruf  des  Hahns  lege  ich  meinen  Gürtel  an.  Die  Ruder  l)e- 
wegend,  setze  icli  über  den  ruhigen  See  und  fahre  den  stillen  Kanal  zurück. 
Im  dichten  Walde  und  auf  fernem  Berge  erschallt  dei-  Ruf  der  Affen  müßig 
und  traurig,  klagend  weht  der  Wind  durch  die  stille  Nacht;  der  Vogel  des 
Waldes  freut  sich  über  den  dämmernden  Moi'gen.  Seit  ich  zu  dieser  Arbeit 
kam,  sind  drei  oder  vier  Jahre  verflossen;  die  Jalire  gehen  rasch  vorüber 
und  ich  Inn  alt  geworden;  al)er  meine  Tätigkeit  kann  ich  noch  nicht  als  mir 


'  MlilTli^'^  ^gl-  Sl.ihking,  Legge  IV,  8.299. 

2  Sechstes  Jafir  I-hsi,  410  n.  Chr. 

3  Cfiang  Chi  und  Chieh-ni  (auch  S.  9)  vgl.  Legge  I^,  S.  333. 
*  Zwölftes  Jahr  I-hsi,  416  n.  Clir. 


2()8  Hermiahdi  und  von  Zach:  T'ao  Yuau-iniiiir. 

zuwider   hezt'iclinen.     Von    iV'rn    (l.-iiikc   ich  dem  Alten  mit  dem  Korbe  auf 
der  Schulter  (für  seinen  Gruß).    Ich   will  mich  ein  wenig  neben  dich  setzen! 

12.  Beim  Weine. 

(Zyklus  von   20   Gedichten.     Bernhaidi  8.  37 — 48.) 

I. 
Vers  8:  Er  geht  an  allem  vorüber, 

II. 

Vers  5:  Strick.     Im   chines.  Texte  lies    ^    statt   ^■. 

Vers  6:  Um  wieviel  mehr  hat  er  in  früheren  Jahren  an  Hunger  und  Kälte 
gelitten ! 

IIL 

Vers  9  und   10:   Hundert  Jahre  lang  sich  plagen  und  quälen, 
Was  will  man  damit  ei-reichen? 

\ai. 

Vers  3:  Mein  Auge   schweift    über    diese  Blumen,    die   mich   meine  Sorgen 
vergessen  machen. 

IX. 
\'ers  14:  Wozu  sollten  wir  uns  durch  die  Fesseln  dieser  Welt  binden  lassen? 

X. 

Vers  8  und  9 :  Bei  geringer  Parteilichkeit  wäre  schon  Überfluß  dagewesen ; 
Doch  schien  mir  das  nicht  der  richtige  Weg,  um  Ruhm  zu  erwerben. 

XL 
Vers  3  und  4 :  Yen  blieb  stets  arm  und  starb  jung, 
Jung  hungerte  bis  ins  hohe  Alter. 

XH. 
\'ers  2:  Als  er  in  den  Dreißigen  stand,  verließ  er  pKJtzIich  die  Welt. 

XIV. 
Vers  1   bis  3:  Mein  Freund  schätzt  meine  guten  Seiten, 

Er  ergreift  den  Weinkrug  vmd  kommt,  mich  zu  begleiten. 
Zweige  werden  auf  den  Boden  gel)reitet*  und  wir  setzen  uns. 

XV. 

Im  letzten  chines.  Verse  lies   tfl    statt   ipl. 

XVI. 
V^ers  3  und  4:  So  näherte  ich  mich  dem  vierzigsten  Jahre, 

Und  jedes  Verweilen  hätte  mich  am  Erreichen  (meines  Zieles)  gehindert. 


»    Zu    ^5*r'J    ^gl- Tsochuan,  Legge  V,  S.  52I5. 


Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming.  209 

XVIII. 
Vers  8  liis  10:  Wui-dc  ci-  nicht  wegen  der  Bekriegung  eines  Reielies  Ijeiragt^? 
Der  Selbstlose  aber  folgt  nur  seinem  Herzen 
Und  fehlt  nie,  weder  durch  Reden,  noch  durch  Schweigen. 

XIX. 

Vers  1    des  chines.  Textes  lies   ^^   statt   ^^. 

Vers  3:   Wollte  ich  meine  Kitern  ei'nähren,  so  konnte  ich  nicht  ehrlich  bleiben. 
Vers  7:  Und  mein  unabänderliches  Schicksal  nuißte  sich  da  erfüllen. 
N'^ers  9:  Der  Reihe  nach  ändern   die  Stei'iie   ihre  Stellung. 

XX  ^ 

Vers  1:  Hsi  und  Nung. 

Vers  13  und  14:  Warum  ist  in  dieser  verderbten  Zeit 

Auch  niciit  ein  einziger  mit  den  sechs  kanonischen  Büchern  vertraut;' 

13.  Entwöhnung  vom  Weine  \ 

Meine  Wohnung  liegt  der  Stadt  benachbart.  Lustwandelnd  genieße 
ich  meine  ^luße.  Ich  sitze  nur  im  Schatten  hoher  Bäume,  ich  wandle  nur 
innerhallt  der  Heckentür.  Guten  Duft  haben  nur  die  Malvcn  meines  Gai'tens; 
wahre  Freude  machen  mir  nni-  meine  kleinen  Söhne.  Während  meines 
ganzen  Lebens  habe  ich  nicht  aufgehört,  Wein  zu  trinken;  höre  ich  jetzt 
auf,  so  ist  mein  Herz  freudlos.  Höre  ich  des  Abends  auf,  so  kann  ich  nicht 
ruhig  schlafen;  höre  ich  des  Morgens  auf,  so  kann  ich  nicht  aufstehen. 
Täglich  beabsichtige  ich  aufzuhören,  und  ich  denke  dabei  durchaus  nicht 
an  die  Erhaltung  und  Bewahrung  meines  Körpers.  Ich  weiß  nur,  daß  die 
Entwöhnung  fih*  mich  unangenehm  sein  würde;  ob  sie  meinem  Körper 
nützlich  wäre,  weiß  ich  nicht.  Sobald  ich  aber  erkenne,  daß  die  Entwöhnung 
etwjis  sittlich  Gutes  ist,  werde  ich  sogleich,  am  heutigen  Morgen  noch, 
zu  trinken  aufhören.  Wenn  ich  dann  schon  einmal  aufgehört  habe,  möchte 
ich  am  IMer  von  Fu-sang  '  stehen  —  mit  frischer  Farbe,  doch  mit  dem  alten 
Gesicht.     Wenn  es  nur  noch  Millionen  Jahre  dauerte! 

14.  Erzählung  beim  Weine. 

Von  allen  Gedichten  T'ao  Yüan-mings  ist  dieses  das  schwierigste.  Bei 
llüchtigem  Lesen   macht  es  den  Eindruck,  als  ob  hier  luu-  zusanuuenhanglose 

1  Zum  letzten  Verse  vgl.  ^fß'  •'"^-  ^^''^^-  ^^l^M  1^  f%  ""^  ^^''^'^' 
Biogr.  Dict.  Nr.  617. 

^    Vgl.  die  Biograpliie  des  Tuiig  Chuiig-sliu,  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2092. 

^  Zu  dem  sarkastischen  Schluß  dieses  Gedichtes  vgl.  Beniliardi,  a.  a.  0.  S.  9, 
T'aos  Verwendung  der  Männerniütze. 

*  In  jeder  Zeile  steht  das  Zeichen  |[-,  dessen  verschiedene  Bedeutungen 
■•aufhören«  (entwöhnen),  "verweilen«  und  »nur«  sich  im  Deutschen  nicht  durch  ein 
gemeinsames  Wort  wiedergeben  lassen. 

^    Das  Sonnenaufgangs-Land;  vgl.  auch  Bernhardi,  a.  a.  0.  S.  50. 

Mitt.  J.  Sem.  f.  Orient.  Sj-racheu.  1Ö15.  I.  Al>t.  U 


210  nKKNiiAiini  uiid  VON  Zach:  T'ao  Yiiaii-iiiiiig. 

Sätze  aiaiiiaii(U'rgi'n'ilit  wären,  wie  sie  wohl  Bezechte  in  vorgeriakter  Naelit- 
stnnde  zuin  besten  gel)en  mögen.  Die  Kommentatoren  stiiiunen  aber  darin 
iihcreiii,  daß  die  Verse  versteeklc  Ans[)iiliMigen  auf  (h'e  Ei-niordnng  des  letzten 
(hin  -  Kaisers  (Knng-ti,  vgh  Gik's,  Biogr.  Dict.  Nr.  17Gö)  enthalten,  über 
welches  Ereignis  der  Dichter  damals  offener  zn  s|)rechen  nicht  wagen  din-fte. 
In  der  Deutnng  dieser  Anspii'lungen  gehen  sie  jedoch  weit  auseinander  nnd 
lassen  nns  überdies  bei  einzelnen  Ansdrücken  vollkonnnen  im  Stich.  Im 
folgenden  versuciien  wir  eine  Obersetzung  des  Gedichtes  nnd  der  den  Kom- 
MU-ntaren  entnonnnenen  Ei-klärnng  zn  geben,  wobei  wir  ausdrücklich  be- 
mcrkin  wollen,  daß  wir  uns  nicht  an  einen  Kommentar  gehalten,  sondern 
aus  v<  rschiedt'iu'U  das  ausgewählt  haben,   was  uns  am  [jassendsten  erschien. 

tibersetzung.  Auslegung. 

Die  Sonne'  glänzt  über  dem  südlichen    DerGlanz  derNaclikonuneii  von  Chung 

Flachlande,  und  Li  ^  stand  im  Zenith, 

Wechselseitiger  Gesang  der  VögeP  ist    Und  es  herrschte  anfangs  große  Blüte; 

noch  hörbai". 
•  >bw(ilil  das  Ilerbstgras  noch  nicht  gelb    Sj)ätcr  jedoch,    wenn    auch  äußerlich 

geworden  ist,  nichts  zu  bemerken   war, 

Weht  doch  seit  längerer  Zeit  der  Wind    Machte  sich   eine  der  Dynastie  feind- 

anders  (als  im  Sonuner).  liehe  Strönumg  geltend. 

Weiße  Kiesel  glänzen  auf  der  langen    Die   glänzende   Chin-Dynastie    wurde 

Sandbank,  auf  ein  kleines   Reich    südlich   vom 

Yangtzü  beschränkt. 
Und  der  südliche  Yo-Berg*  hat  keine    Und  der  Kaiser  hatte  keinen  Anhang 

Wolken  mehr.  mehr. 

Der  Matui  von  Yü-chang  hat  ein  hohes    Lin  Yü  ^,  Herzog  von  Yii-chang,  grün 

Tor  aufgerichtet,  dete  eine  neue  Dynastie, 

Ch'ung  Hua*"'  hat  seit  langem  ein  wun-    In    Ling-ling    (wo   sich    Slams    Grab 

derbares  Grab.  befindet)  ging  eine  Dynastie  zu  Ende. 

Ich  vergieße  Tränen  und  verschließe 

meinen  Kummer  im  Herzen; 
\'or Trauer  schlaflos,  lausehe  ich  sehn- 
suchtsvoll auf  den  Ruf  des  Hahns. 

*  Das  llexagraiiiiii  für  Feuer  luid  Licht  verdoppelt,  stellt  fiii'  Sonne,  \gl.  Ikiiig, 
Legge,  S.  121;  T'ao  wählt  es  hier  wegen  des  Gleidiklanges  mit    S^^- 

■■*  Das  Geschlecht  der  Ssii-nia  (Chin-Dynastie)  soll  aus  den  Nachkoninien  der 
Cirimg  und  Li  (zweier  im  Sliukiiig,  Legge  III,  593,  erwähnter  Offiziere  des  Shun) 
lier\ orgegangen  sein. 

^  Im  Siiuking.  Legge  III,  483,  i.eißt  es  llfj  ^|^^  Jf^  f]}]  ;  nur  in  Zeiten  großer 
Ulüte  (M-schieneu  am  kaiserliehen  Hofe  der  niäiiiiliclie  und  der  weibliche  Pliöuix  und 
ließen   iliren  Gesang  Iiöreii. 

*  Der  jpiJlJj,  we.sllicii  vom  ]^/j;[^| -Flusse,  \\u  auch  Ling-ling  lag,  zu  dessen 
König  der  letzte  Kaiser  der  ('liin-I)ynastic  nach  Verzicht  auf  die  Kaiserwürde  er- 
nainit  wurde. 

^    Gründci'  der  Liu-Smig,  vgl.  Ciiles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1375. 
^    eil  uiig  Ibia   ist   eine   nczeicIiMung  des  Kaisers  Sliun. 


Bkrnhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuaii-miiig.  211 

Das  wunderbare  Land  braclite  glikU-  Zur  Blütezeit  der  westlichen  Chin  war 

verkündendes  Getreide  hervor,  das  Land  ruhig, 

Das  westliclie  Wunder  '  wiiv  uns  unter-  Und  die  westlichen  Barbaren  erkannten 

worfcn.  die  Oberhoheit  Chinas  an. 

Chu-Iiang^  bel'ehligte  die  rrujjpen,  Zu  Beginn    der  östlichen   ("hin   brach 

Und  Mi-sheng^  ging  zugrunde.  die  Revolution  des  Wang  Tun   und 

des  8u  Cli'ün  aus,  die  durch  T'ao 
K'an  und  Wen  Ch'iao  niederge- 
schlagen wurde*. 

Shan-yang^  kehrte  in  das  untere  Reich  Ssü-ma   Te-wen   (Kung-ti)   zog   sich 

zurück,  nach  Ling-ling  zurück. 

Ohne   einen  Tenipelnanien •"'  erlangen  Um  dort  eines  unrühmlichen  Todes  zu 

zu  können  ^.  sterben. 

Wer  den  Verlauf  des  Lebens  voraus- 
sehen kann,  preist  das  Los  des  Hirten, 

Friedlich    und    iröhlich    lebt   er    und 
tauscht  mit  keinem   Herrscher'*. 

r'ing-wang'   verließ   die   alte  Haupt-  Seit  die  C'liin-Dynastie  ihre  Hauptstadt 

Stadt,  nach  Nanking  verlegt  hatte, 

In  Hsia '"  wurden  die  Barbaren  (Hun-  Wurde  Nordehina  von  Barbaren  über- 

}  ü)  "  aui'genonunen.  Hütet. 


*  pi^  soll  tür  wU  stellen:  die  vier  glückbringenden  Wmidertiere  unter- 
warfen sich. 

2    Vgl.  Tsochuan,  Legge  V,  844,  845. 

^  Shen  Chu-liang  tötete  M4-sheng  (auch  Po-kung  genannt),  als  dieser  sich 
7.uni  Kaiser  machen  wollte. 

*  A'gl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2238,  1778,  1897  und  2303. 

"  Der  Han-Kaiser  Hsien-ti  wurde  von  T.s'ao  P'ei,  Prinzen  von  \\'ei,  gezwungen, 
auf  den  Thron  zu  vei-zichten,  und  erhielt  den  Titel  eines  Herzogs  von  Shanyang.  Da 
er  aber  dann  noch  viei-zehn  Jahre  lebte  imd  eines  friedlichen  Todes  starb,  während 
Kung-ti  schon  ün  Jahre  nach  seiner  Abdankung  ernioider  wurde,  hinkt  dieser  Ver- 
gleich; vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1301. 

"  Fürsten  und  ausgezeichneten  Persönlichkeiten  wiid  nach  iiaeni  Tode  ein 
ehrender  Name  zugelegt. 

'    Vgl.  Tsocliuan,  Legge  V,  456i-. 

8  Daß  unter  |>  ^  Pu  Tzü-hsia  (Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1667),  unter  ^^ 
Liu  Ch'an  (Nr.  1272)  gemeint  wäre,  halten  wir  für  unrichtig  und  übersetzen  in  An- 
lehnung an  Chuang-tzü  wie  oben. 

"■•    Dreizehnter  König  der  Chou-Dynastie,  vgl.  Tsocluian,  Legge  V,  445  j. 

^°    |l]^   soll  hier  für  ^l^ß^P  in  Honan,  das  heutige  Loyanghsien,  stehen;  doch 

ist   vielleicht    [^    shan^  zu  lesen,  da  418  n.  Chr.  Cli'ang-an  von  dem  Hunnen  Hc- 
lien-p'o-p'o  erobert  wurde. 

11    ^   soll  für  ^  1^    (yü)   stehen,  vgl.  Chavannes,  Mem.  bist.  1,  S.  30. 

n* 


212  Bkrnhardi  und  \os   Zach:   T'ao  Yuaii-iiiing. 

Die    beiilt'ii    Hügel'    sind    wiederlit  r-    Liu  Yü  unterwarf  dtn  Yao  lliinir- und 
gestellt,  sorgte   für    die    Gräber    der    (  liin- 

Kaiscr  in  Lo-yang; 

Die  drei  Zehen'  sprechen  eine  wunder-    Das  Erscheinen  eines  dreizehigen  Raben 
bare  Sprache.  wurde    /u    Liu    Yüs    Gunsten     ge- 

deutet. 

WangTzii  *  liebte  das  reine  Flötenspiel 

Und  flog  in  der  Mittagstunde  nach 
Ho-fen. 

Chu-kung  *  kochte  den  Trank  der  Un- 
sterblichkeit unter  neunmaligem  Um- 
rühren. 

In  Muße  lebend,  entwich  er  <ler  Un- 
ordnung der  Welt, 

Und  in  der  gewaltigen  westlichen  Berg- 
kette 

Wird  er,  solange  er  lebt,  verbleiben. 

Das  himmlische  Antlitz  ist  von  Natur   Die  Wahrheit  (die  Weltseele)  bleibt  in 
ewig  und  unveränderlich,  Ewigkeit  unveränderlich, 

Von  hohem  Alter  oder  frühem  Ende    Daher  ist  es  nicht  der  ]Mühe  wert,  von 
kann  nicht  gesprochen   werden.  der  längeren  oder  kürzeren  Dauer 

des  Einzelwesens  zu  sprechen. 


15.  Tadel  der  Söhne. 

Weißes  Haar  bedeckt  beide  Schläfen,  \un\  mein  Köiper  ist  nicht  melu' 
voll.  Obwohl  ich  fünf  Söhne  habe,  ist  doch  keiner  darunter,  der  Pinsel 
und  Papier  liebte!  0-shu  ist  schon  sechzehn  Jahre  alt,  an  Faulheit  hat  er 
sicher  nicht  seinesgleichen.  0-hsüan  nähert  sich  den  fünfzehn,  aber  für 
Literatur  und  Wissenschaft  hat  er  nicht  das  geringste  Interesse.  Yung  und 
Tuan  sind  dreizehn  und  können  sechs  von  sieben  nicht  unterscheiden.  Tung 
ist  gerade  neun,  aber  sein  einziger  Gedanke  sind  Birn^i  und  Kastanien. 
Wenn  das  Schicksal  so  (boshaft)  ist,  laßt  mich  aus  dem  Becher  Vergesseidieit 
trinken ! 


'  Um  den  Aiisdrui-k  zu  verdunkeln,  werden  von  den  fünf  Gräbern  der  Cliin- 
Kaiser  in  Loyang  ntn-  zwei  (angeblich  die  des  Wu-ti  und  Uni-ti)  genainit. 

2    Vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2434. 

'  Anspielung  aus  dorn  M'ei-tu-fu  des  Tso  Ssü  (Wön-Iisüan,  Kap.  0),  vgl. 
Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  202G. 

*  Wang  Tzü-ch'iao,  der  gewöhnlich  J^  Hp^"  (^'S^-  ^^'h-s,  Biogr.  Dict. 
Nr.  2240)  genannt  wird;  in  diesem  Namen  liegt  vielleicht  eine  An.spielung  auf  den 
letzten  Köiiigssohn  der  Chin-D^'nastie. 

6  Mit  seinem  Namensvetter  T'ao  Chu-kung,  \gi.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  540, 
meint  der  Dichter  sich  selbst. 


Bernharoi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-miuff.  213 


16.  Gedicht, 

verfaßt,  als  mir  eine  Erkenntnis  wurde. 
Einleitung:  Das  alte  Korn  ist  verbraucht,  das  neue  noch  niclit  geerntet. 
Obwohl  icli  ein  alter  Landmann  bin,  traf  mich  letztes  Jahr  Mißernte. 
Die  Tage  und  Monde  (des  neuen  Jaiircs)  währen  noch  lange,  mein 
Kunnner  hat  noch  kein  Ende.  Da  ich  auf  ein  fruchtbares  Jahr  nicht 
hoffen  kann,  so  ist  das,  was  ich  morgens  und  abends  genieße,  gerade 
nur  Rauch  und  Feuer  miteinander  vermischt.  Seit  zehn  Tagen  sinne 
ich  niu"  über  Hunger  und  Elend!  Daß  dieses  Jahr  vorübergehen  möge, 
daran  denke  ich  voll  Jammer  fortwährend.  Wenn  ich  es  jetzt  nicht 
selbst  ausspreche  —  wie  kann  die  Nachwelt  (von  meinem  Elend)  hören? 

Während  ich  in  meinen  jungen  Jahren  die  Armut  im  Hause  kennen 
lernte,  plagt  mich  der  Hunger  in  meinen  alten  Tagen  noch  mehr.  Ich 
sehne  mich  tatsächlich  nach  Bohnen  und  Weizen.  Wer  wagt,  an  Fettwerden 
auch  nur  zu  denken?  Ich  hungere,  wie  wenn  ich  in  einem  Monat  nur  neun- 
mal gegessen  hätte '.  In  der  warmen  Jahreszeit  verachtet  man  die  Winter- 
kleidung, und  der  erste  Monat  des  Jahres  geht  seinem  Ende  entgegen;  warum 
also  trauern  und  jammern?  Immer  preise  ich  das  Herz  des  Mannes,  der 
Reissuppe  verteilt,  und  mißbillige  ernstlich  die  Weigerung  des  Mannes,  der 
sein  Gesicht  mit  dem  Ärmel  verdecktet  "Komm  doch!«  —  wie  konntest 
du  bei  (diesem  Ani-uf)  zögern?  Und  darül)er  nuißtest  du  Hungers  sterben! 
Da  dies  töricht  ist,  wozu  solche  Gesinnung  hegen?  Die  Armut  standhaft 
zu  ertragen,  bin  ich  von  jeher  gewohnt,  auch  der  Hunger  wird  ein  Ende 
nehmen.     Im  Altertum  finde  ich  viele  Vorl)ilder! 


17.  Der  Cha-Tagl 

AVind  und  Schnee  geleiten  die  letzte  Zeit  des  Jahres.  Das  hindert 
nicht,  daß  das  Wetter  schon  wieder  etwas  wärmer  geworden  ist.  Pflaumen- 
baum und  Weide  stehen  zu  beiden  Seiten  des  Tores,  ein  Zweig  hat  schöne 
Blüten.  Meinen  Gesang  begleitet  Ihr  mit  Eurem  Blühen.  Wieviel  Freude 
birgt  sich  im  Weine?  Mehr  als  ich  denken  kann.  Auf  dem  Chang-Berge* 
tönt  wunderbarer  Gesang^. 


»    Vgl.  Bernhardi,  a.  a.  O.  S.  33,  Auin.  2.' 

2  Vgl.  Liki,  ed.  Couvreur  I,  S.  250:  »un  honiine  se  cachant  le  visage  avec  la 
manche  de  son  vetenient«.  —  Der  Mann,  der  sein  Gesicht  mit  dem  Ärmel  verdeckte, 
starb  Hungers,  weil  er  eine  Gabe,  die  ihm  in  formloser  Weise  angeboten  wurde, 
nicht  annehmen  mochte. 

'    Opfertag  im  12.  Monat,  vgl.  Liki,  ed.  Couvreur  I,  S.  594  u.  f. 

*    Im  Staate    ^p,  wo  T'ao  K'an  Statthalter  war. 

^  Auch  in  diesem  —  uns  sehr  dunkeln  —  Gedichte  will  man  politische  An- 
spielungen erblicken;  Tao  Chu  dagegen  verwirft  den  angeblich  politischen  Charakter 
desselben. 


214  Bkrmiakih  luid   \<)N   Zach:  Tao  Viiaii-iiiing. 


IV.  Heft. 

1.  Nach  antikem  Muster. 

(Bernhardi  S.  31.), 

11. 

S.  32,  Anni.  2:    gj  iP^  stammte  aus    fiE,^. 

V. 
Vers  13  und  14:  Als  erstes  Lied  klang  wunderbar  der  Sang  vom  scheiden- 
den Kranich, 
Als  letztes  Lied  ertönte  der  Sang  vom  verlassenen  Phönix. 

VIL 

\'ers  9  und  10:    Aber    haben    diese    Freuden    niclit    etwa    ihre    (gemessene 
Spanne)  Zeit? 
Muß  es  nicht  nach  kurzem  anders  werden? 

2.  Vermischte  Gedichte. 

L 

Der  Mensch  hat  im  Leben  keinen  festen  Halt;  er  ist  wie  Staub,  den 
der  Wind  am  Wege  auf'wii-belt,  und  der  gelit,  wohin  der  Wind  ihn  trägt. 
Dies  ist  schon  (eiinnal)  ein  ungewöhnliches  Dasein.  In  diese  Welt  lierab- 
gekommen,  sind  wir  alle  wie  Brüder,  auch  wenn  wir  nicht  Blutsverwandte 
sind.  Bietet  sich  uns  Freude  dar,  dann  sollen  wir  heiter  sein  und  die 
Nachbarn  zu  einem  Htunpen  Weins  einladen.  Die  Jugendjahre  kommen 
nicht  wieder,  wie  auch  ein  Tag  schwerlich  einen  neuen  Morgen  hat.  So- 
lange es  Zeit  ist,  laßt  uns  tun,  was  wir  können,  da  die  Jahre  und  Monde 
nicht  auf  uns  warten. 

IL 

Die  goldne  Sonne  sinkt  im  westlichen  Flusse  nieder,  der  silberne 
Mond  steigt  hinter  den  östlichen  Bergen  auf.  Über  tausend  Meilen  ver- 
breitet sich  der  Glanz,  und  in  unendlichen  Weiten  ist  das  Himmelsgewölbe 
durchleuchtet.  Der  Wind  dringt  durch  die  Zimmertür;  um  Mitternacht 
werden  Kissen  und  Matte  kühl,  da  erkenne  ich  an  der  veränderten  Luft, 
daß  die  Jahreszeiten  gewechselt  haben  —  ich  wache  und  weiß,  daß  die 
Nacht  endlos  lang  ist.  Ich  möchte  sprechen  und  habe  niemanden,  der  mir 
antwortet;  mit  dcMii  Becher,  den  ich  ergreife,  fordere  ich  meinen  einsamen 
Schatten  auf  (mir  Bescheid  zu  tun).  Sonne  und  Mond  lassen  den  Men- 
schen im  Stich  und  gehen  (ihren  Weg);  er  möchte  mit  ihnen  eilen,  kann 
es  aber  nicht.  Währond  ich  das  bedenke,  jjackt  mich  Jammer  und  Weh, 
und  bis  zum  späten  Morgen  vermag  ich  nicht  Ruhe  zu  finden. 


Bernhakdi  und  von  Zaoi:  T'ao  Yuau-iiiiiig.  215 

III. 
Diese  herrlichen  Blüten  werden  schwerlich  von  langer  Dauer  sein. 
Was  zur  Vollendung  kommen,  was  vergehen  soll,  läßt  sich  vorher  nicht 
sagen.  Was  gestern  noch  als  Friililingsl)lüte  stand,  ist  heut  schon  herbst- 
liche Lotosfrucht.  Ein  rauher  Reif  heftet  sich  an  die  Gräser  des  Feldes, 
und  bald  sind  sie  verdorrt '.  Sonne  und  Mond  haben  ihre  ewige  Wieder- 
kehr; ich  aber,  wenn  ich  gegangen  bin,  kann  nicht  wieder  ins  Leben  zu- 
rückkehren. Wehmutsvoll  blicke  ich  auf  vergangene  Zeiten  zurück  —  denke 
ich  daran,  so  schneidet  es  mir  ins  Herz. 

IV. 
Das  Streben  des  ]Mannes  erstreckte  sich  l)is  an  die  vier  Meere;  jetzt 
wünsche  ich  nur,  nichts  vom  Alter  zu  wissen.  Wohnen  die  Angehörigen 
von  Mann  und  Frau  alle  beisammen,  so  können  Kinder  und  Enkel  einander 
beschützen.  Bei  Trunk  und  Saitenspiel  kann  ich  Tag  für  Tag  fröhlich 
sein,  solange  der  Wein  im  Kruge  nicht  austrocknet.  Ich  habe  den  Gürtel 
(des  Beamten)  abgelegt,  um  micli  nach  Herzenslust  zu  vergnügen  und  spät 
aufstehen  zu  können,  nachdem  ich  immei'  den  Morgen  verschlief.  Wie  (aber) 
steht  es  um  die,  die  jetzt  in  (dem  Getriebe)  der  Welt  leben?  Gegenseitige 
Feindschaft  erfüllt  sie,  und  doch  werden  sie  nach  hundert  Jahren  unter  den 
Hügeln  liegen,  trotz  ihres  Strebens  nach  leerem  Ruhme. 


Ich  denke  an  meine  Jugendzeit:  auch  wenn  ich  keinen  Grund  zur 
Freude  hatte,  war  ich  in  mir  selbst  vergnügt;  mein  ungezügeltes  Streben 
erstreckte  sich  über  alle  vier  Meere  —  die  Flügel  breitend,  dachte  ich, 
weit  zu  fliegen.  Wie  die  Jahre  und  Monde  vergingen,  hat  sich  dies  Streben 
alhnählioh  vertlüchtigt.  Selbst  wenn  es  Anlaß  zur  Freude  gibt,  kann  ich 
nicht  froh  werden;  immer  bin  ich  von  traurigen  Gedanken  erfüllt.  Meine 
Lebenskraft  läßt  allmählich  nach,  anderseits  mache  ich  die  Erfahrung,  daß 
die  Tage  den  früheren  nicht  gleichen  ^.  Wie  das  Boot  auf  reißendem  Strome 
keinen  Aufentlialt  hat,  so  erlange  auch  ich  kein  Bleiben.  Wie  weit  mag 
der  Weg  vor  mir  noch  sein?  Ich  weiß  nicht,  wo  mein  letzter  Ankerplatz 
sein  wird.  Die  Alten  geizten  mit  jedem  Zoll  Tageszeit  —  wenn  ich  daran 
denke,  überrieselt  mich  Furcht. 

VI. 

W^enn  ich  früher  die  alten  Leute  reden  hörte,  schloß  ich  meine  Ohren, 
denn  ich  hatte  keine  Freude  daran.  Wie  steht  es  nun,  da  ich  selbst  fünfzig 
Jahre  alt  geworden  bin  und  plötzlich  schon  selbst  wie  ein  Alter  rede?  Ich 
suche  die  Freuden  meiner  Jugend,  und  nicht  die  kleinste  ist  mehr  vor- 
handen. Alles  ging  dahin  und  entfernte  sich  immer  weiter;  und  dieses  Leben 
—  wann  werde   ich  wieder   darauf  treffen?     Ich  will   alles  verschwenden, 

^    ^K  1^  yh.    ^'^  haben  kein  plötzliches  Ende,  sondern  verdorren  allmählich. 
2     «P  ist  im  4.  Tone  zu  lesen,  wie  im  Tsochuau  V,  S.  822/10. 


21(5  HmsiiAiiiii   1111(1   M»N   Zaiii  :  'l  ao   Yiiaii-iiiiiig. 

Hin  mir  jct/.t  frülilich  sein  /ii  können!  Ancli  diese  .lalirc  nnd  Monde  Jagen 
scliließlich  Vdiiil.er.  Sühne  liahe  ieli,  doeli  spare  ich  kein  Geld;  denn  wozu 
sollte  ich  noch   iiliei-  meinen  Tod   hinaus  sorgen!' 

VII. 
Sonne  nnd  .Mond  wollen  nicht  haltmaciien,  die  vier  Jahreszeiten 
drängen  einander  in  Eile.  Kalter  ^Vind  streicht  durch  dürre  Zweige,  der 
lange  ^^'eg  ist  von  gefallenem  Lauh  bedeckt.  Der  schwache  Köri)er  altei't 
mit  der  Zeit,  das  dunkle  Schläfenhaar  ist  schon  friih  weiß  geworden.  Auch 
auf  meinem  Haupte  stehen  weiße  Haare,  mul  der  Pfad  vor  mir  verengert 
sich  mehr  und  mehr.  Mein  Haus  ist  nur  wie  eine  Herberge,  und  ich  bin 
ein  Gast,  der  scheiden  muß.  Ich  scheide  und  gehe  —  wohin:''  Am  Süd- 
hcrge  steht  mein   altes  Haus. 

VIII. 

An  die  Beanitenlaufbahn  ^  habe  ich  von  Anfang  an  nicht  gedacht.  Ich 
bestellte  das  Feld  und  die  Maulbeerbäume,  und  da  war  keiner,  der  diese 
körperliche  Arbeit  für  mich  getan  hätte.  In  Kälte  und  Hunger  hatte  ich 
nur  Tre.ster  und  Reishülsen;  wie  hätte  ich  je  mehr  hoffen  können,  als  nur 
satt  zu  werden?  Ich  wünschte  nichts  weiter,  als  meinen  Hunger  mit  grobem 
Reis  und  Brot  zu  stillen.  Im  Winter ^  liegnügte  ich  mich  mit  rauhem  Tuch, 
im  Sommer  mit  schlechtem  Nessel,  und  daß  ich  es  scll)st  dazu  nicht  brachte, 
ist  ein  Leid,  das  an  meinem  Herzen  nagt.  Alle  Menschen  ergreifen  aus- 
nahmslos das,  was  ihnen  zidvommt,  nur  ich  Tor  habe  die  Richtimg  ver- 
fehlt*! So  scheint  mir  das  Los  bestimmt  gewesen  zu  sein  —  was  kann  ich 
dagegen  tun!'     Ich  muß  es  mit  einem   Becher  Weins  begießen! 

IX. 
Fern  (der  Heimat)  bin  ich  durch  bindenden  Dienst  beschäftigt,  und 
so  weilt  mein  Herz  an  zwei  Orten  zvigleich.  Meine  Tränen  verbergend, 
treibe  ich  auf  der  Reise  nach  Osten  dahin,  und  während  mich  die  Strömung 
trägt,  rufe  ich  verflossene  Zeiten  zurück.  Die  Sonne  ging  in  den  Stern- 
bildern Hsing  und  Älao  unter*,  ihre  Strahlen  liegen  noch  auf  dem  Gipfel 
des  Westberges.  Einsam  ])in  ich  von  (meiner  Heimat  am)  Hoiüzonte  ge- 
trennt. Mit  Verlangen  denke  ich  an  die  gewohnte  Nahrung,  sehnsüchtig 
wünsche  ich,  nach  dem  Süden  zurückzukehren;  aber  der  Weg  ist  weit,  und 
mir  fehlt  jede  Möglichkeit.     Pässe  und  Brücken  \  die  zwischen  uns  liegen. 


vgl.  Mengtzü  IP,  S.  375:  Ihr  Cleliait  war  ilirein  iniitinaßlichen  Ver- 
dienst als  Ackerbauer  entsprechend;  daher  die  Bedeutung:  Beamter  sein. 

2    ^n  ^S,   vgl.  Shiliking  IV,  S.  58 :  Vorkehrungen  gegen  den  Winter  treffen. 

^    D.h.:  »ich  dachte  an  die  Tugend  statt  an  den  Lebensunterhalt". 

'  Vgl.  I.ogtjc.  Prolegom.  zum  Shuking  S.  94  und  Sliuking  III,  S.  21;  l)rtrclVs 
dir  Siornhildcr  vgl.  Schlegel,  Uranogr.  chin.  S.  llS  und  .3.')!. 

^    ^  ^   vgl.  Liki,  ed.  Couvreur  I,  S.  31H  und  682;  ferner  Cha\annes,  Mem. 

bist.  II,  S.  492:  les  passes  et  les  ponts,  und  besonders  Ch'u-tz'ii'^  (tIk  m?)  '"  '^®" 
^|pf  des  Sung  Yü. 


IJkrniiardi  und  \on  Zach:    1' ao   Vuan-niiiig.  217 

lassen  sicli  nicht  aus  der  Welt  schaffen.     Ohne  Nachricht  (aus  der  Heimat) 

schreibe  ich  diese  Zeilen! 

X. 

Einsam  '  zügle  ich  meine  wilden  Wünsche,  während  die  Zeit  unauf- 
haltsam dahineilt.  Im  Drange  des  Dienstes  gibt  es  weder  Ruhe  noch  Rast, 
in  Amtsvvagen  und  Amtstracht  begebe  ich  mich  an  die  Küste  des  Ostmeeres  ^• 
An  umwölkten  Tagen  ^  denke  ich  der  holden  Gemahlin  ■*,  wälu-end  ein  kalter 
Wind  meine  Brust  anbläst.  Jahre  und  Monde  gehen  ihren  gewohnten  Gang; 
wie  lange  bin  ich,  seit  ich  herkam,  hier  zurückgehalten  worden !  Sehn- 
süchtig denke  ich  an  das  traute  Zusammensein  mit  meinem  Weibe,  denn 
von  diesen  Gefühlen  bin  ich  schon  lange  getrennt.  Zehn  Jahre  ^  sind  langsam 
verflossen,  zeitweilig  bin  ich  von  den  INIenschcn  abhängig  geworden.  Ein 
Baum  (der  mich  überleben  wird)  beschattet  mein  Haus,  meine  Lebenszeit 
aber  wii-d   unversehens  abgelaufen  sein. 

XI. 

Die  Wandci'ung.  die  ich  gemacht  habe,  kann  ich  nicht  weit  nennen, 
doch  beim  Zurückblicken  klage  icli  über  den  kalten  Wind.  Die  Frühlings- 
schwalbe  trifft  rechtzeitig  ein,  sie  fliegt  hoch  und  fegt  den  staubigen  Tür- 
balken. Die  von  der  Grenze  kommende  Wildgans  klagt,  daß  sie  keine 
Ruhestätte  hat;  mit  dem  Wechsel  der  Jahreszeit  kehrt  sie  immer  wieder  in 
die  nördliche  Heimat  zurück.  Das  einsame  Wasserhuhn  aber  ruft  am  klaren 
Teich;  im  selben  Wasser  lebt  es  während  der  wannen  Tage  und  bei  hei-bst- 
lichem  Reif.     Der  traurige  INIensch  findet  schwer  Worte,  und  die  Frühlings- 

nacht  ist  endlos  lang 

XH. 

Eine  schlanke  Zypresse  krönt  den  Abslin-z.  »Schön  ist  sie,  wie  ein 
zarter  Knabe!  Sie  mag  zwischen  drei  und  fünf  Jahren  alt  sein  —  wie 
könnte  man  sich  auf  ihre  aufstrebenden  Zweige  stützen?  Ihre  frische  Farbe 
zeugt  von  ihrer  verborgenen  Kraft,  offenbar  hat  sie  ein  inneres  Piinzip. 

3.  Preis  des  armen  Gelehrten. 
I. 

Jedes  Lebewesen  hat  sein  Nest,  nur  die  einsame  Wolke  hat  keinen 
Stützpunkt.     In    der  Dunkelheit*^   verliert   sie  sich  im  Luftraum,  und  wann 

*  fl^  ^  '"  Zurückgezogenheit  lebend,  allein;  vgl.  Liki,  ed.  Couvreur  II, 
S.  301   und  617. 

"    ^  j'^    Küste  des  Ostniecres;  vgl.  Bernhardi  S.  42,  Trinklied  X. 


-"*  vgl.  Liki,  ed.  Couvreur  I,  .S.  353. 


•  m 

■*    Wörtlich :  an  den  duftenden  Moschus. 

'"  Dieses  Gedicht  scheint  geschrieben  zu  sein,  wälirend  der  Dichter  als  Offizier 
in  Che-kiang  diente  und  ungefähr  39  Jahre  alt  war.  Vgl.  die  Dodekade  in  Trink- 
lied XIX  vom  18.  Jahre  Tai-yüan  (393),  als  der  Dichter  29  Jahre  alt  war  und  Bezirks- 
libator  wurde,  bis  zum  ersten  Jahre  I-h.si  (40.5),  in  dem  er  41jährig  das  Amt  als 
Bezii'ksrichter  Aon  P'eng-tsc  aufgab. 

®   B;^B;^    fi"det  sich  im  Li.sao;  vgl.  cd.  Legge,  9.  Sect.,  54.  Stanze. 


218  BtRNUAKUi  und  VON   Z.\(ii:    1"  ao   Yuaii-niing. 

wird  sie  wieder  einen  Sonnenstrahl  sehen;'  Die  Morgenröte  zerstreut  den 
nächtlichen  Ncl)eK  alle  Vöf;el  lliciicn  in  Scliaieii  niiteinander,  da  konunt 
langsam  ein  (ein/einer)  \'o<^el  aus  dem  Walde,  der  —  noch  bevor  es  Al)end 
wird  —  wieder  dorthin  ziuiiekkehrt.  Dem  Maß  meiner  Kräfte  folgend, 
bleibe  ich  in  den  alten  Halinen  —  wie  sollte  ich  da  nicht  Hunger  und  Kälte 
leiden  miissen!  lud  wenn  es  keinen  gibt,  der  nn'ch  versteht  —  nun  gut! 
Was  soll  icli  dariiber  klagen? 

II. 
Mit  schneidender  Kälte'  g^^ht  das  Jahr  zu  Ende"-;  mein  grobes  Gewand 
um  mich  schlagend,  sonne  ich  mich  vor  dem  Fenster.  Im  südlichen  Garten 
ist  keine  einzige  Blume  mehr  übriggeblieben^,  der  nördliche  Garten  ist  voll 
von  kahlem  Geäst.  Ich  kehre  den  Krug  um  und  finde  keinen  Tropfen 
Wein^  mehr  darin,  ich  sj)ähe  nach  dem  Herd  imd  sehe  keinen  Rauch.  Gedichte 
und  Briefe  (dagegen)  sind  rings  um  meinen  Sitz  aufgestapelt,  und  wenn  die 
Sonne  untergeht,  habe  ich  noch  nicht  Zeit  gefunden,  sie  zu  beantworten. 
Trotzdem  ich  in  meiner  Znrückgezogenheit  nicht  die  Beschwerden  von  Ch'^n^ 
durchzumachen  brauche,  so  wage  ich  es  doch'',  Worte  der  Unzufriedenheit' 
zu  äußern.  Womit  kann  ich  mein  Herz  trösten?  Damit,  daß  es  im  Altertiun 
viele  solche  Weise  gab  (die  in  der  Armut  zufrieden  lebten). 

III. 

Vater  Jung*^  gürtete  sich  im  Alter  noch  mit  einem  Stricke,  aber  trotz- 
dem spielte  er  fröhlich  die  LaTite.  Yüan''  trug  Schuhe,  von  denen  ein  Teil 
der  Sohle  abgerissen  war,  und  doch  sang  er  mimter  die  Opferlieder  von 
Shang*°.  Fern  zurück  liegen  die  Zeiten  des  Kaisers  Shun;  arme  Gelehrte 
hat  es  seither  innner  gegeben.     Die  zerrissenen  Kleider  deckten  ihre  Ellbogen 


'    Vgl.   |^git_a^g     i"    T'ao   Yuan-mings    Gedirht    j^^^^ 

a   Vgl.  Shihking  IV,  S.  2ö8. 

'  5^  ^^  wird  im  P'eiwenyünfu  nicht  mit  diesem,  sondern  mit  einem  zeitlich 
späteren  Zitat  (aus  Meng  Chiaos  Gedichten,  Tang-Dynastie,  Zeit  des  Hau  Yfi)  belegt. 

^  Wir  lesen  mit  Su  Tiing-p'o  vto  statt  )m£,  da  im  Parallelsatz  durch  die 
Klage  ül)er  den  rauchlosen  Herd  ausgedrückt  wird,  daß  auch  nichts  zu  essen  im  Hause 
ist  —  nur  etwas  zu  lesen ! 

*    Vgl.  Lunyü,  Legge  l\  S.  287  und  294  (auch  Prolegom.  S.  80  und  81). 

<■■    Vgl.  Mcngtzu,   Legge  II -^    S.  221    (^-^). 

'   l'mÄ  ^"^®*  •''''''^  ""  I'»"yiil''  S.  294. 

8    .^J^Jfjj  s.  fiilfs,   Biogr.  Dict.  Nr.  930;  vgl.   Hernl.ardi    S.  38,   Anm.  4. 

".Betr.  Yuan  ILsien  vgl.  Lmiyii,  Legge  P,  S.  186  und  Giles,  Biogr.  Dict. 
Nr.  2547. 

'"  f^  "B  ^'''  Dp^*'''''6<^6'"  ^'O"  Shang.  Vgl.  Liki  ed.  Couvreur  II,  S.  112  und 
Chwang-tzü,  Legge,  Texts  of  Taoism  II,  S.  158. 


HKnNHAROi  und  von  Zach:  Tao  Yiiaii-iiiiiig.  219 

nicht ',  und  selbst  an  Gemüsesuppe  fehlte  es  ihnen  stets  im  FüUöffel.  Denke 
loh  etwa  nicht  daran  (wie  gut  es  wäre),  ein  leichtes  Pelzgewand ^  anzulegen? 
Aber  es  auf  unrechtem  Wege  zu  erlangen  ^  schätze  ich  nicht.  Tzü-kung ' 
verstand  freilich  zu  reden,  doch  mein  Herz  hat  er  nicht  gekannt. 

IV. 

Seit  alters  gab  es  nur  einen,  ClTien  Lou-tzu  %  der  sich  ruhig  in  die 
Armut  schickte  und  gern  amtlos  blieb.  Hoher  Rang  reizte  ihn  nicht,  große 
Geschenke  mochte  er  nicht  annehmen;  denn  eines  Tages  ist  dies  Leben  zu 
Ende,  und  nicht  einmal  die  zerrissenen  Kleider  sind  dann  noch  vonnöten. 
Wohl  kannte  er  den  Gipfel  der  Armut;  aber  sofern  es  sich  nicht  um  die 
Lehre  handelte,  emj)fand  er  keinen  Kummer.  Tavisend  Jahre  sind  seither 
vergangen,  und  man  sah  seinesgleichen  nicht  wieder!  Morgens  lebte  er  mit 
^Menschlichkeit  und  Gerechtigkeit  —  was  sollte  er  noch  wünschen,  als  er 
abends  stai'b? 

V'. 

Der  Schnee  häufte  sich  vor  Yüan  An's"  Tür;  in  seiner  Bescheidenheit 
(glaubte  er)  die  IMenschen  nicht  belästigen  zu  dürfen.  Als  Yüan  Chi®  sah, 
wieviel  Geld  einkam,  legte  er  noch  am  selben  Tage  sein  Amt  nieder.  Diese 
beiden  brauchten  nur  Stroh,  um  sich  zu  erwärmen,  sie  pflückten  Gemüse, 
um  sich  morgens  satt  zu  essen.  War  das  nicht  wirklich  sehr  armselig? 
Aber  was  sie  fürchteten,  war  weder  Hunger  noch  Kälte  (sondern  ein  F'ehleu 
gegen  die  Lehre).  (Die  Zufriedenheit  mit  der)  Armut  und  (das  Verlangen 
nach)  Re'chtum  kämpfen  immer  miteinander  (im  Innern  des  Menschen); 
siegt  die  wahre  Lehre,  so  gibt  es  kein  trauriges  Gesicht.  Durch  ihre  liei-- 
vorragende  Tugend  wurden  sie  zur  Krone  ihrer  Heimat,  und  ihre  unbe- 
stechh'chc  Rechtlichkeit  strahlte  bis  in  den  fernen  AVesten''. 

VL 

Chung-wei '"  zog  es  vor,  arm  zu  bleiben,  und  um  seine  Hütte  wucherte 
das  Unkraut.     Er  hielt  sich  verborgen,    ohne  Verkehr  zu  suchen,   und  die 


•  Vgl.  Chwang-tzii,  Legge,  Texts  of  Taoisni  II,  S.  158. 
2    f^^    s.  LunyQ,  Leggel,  S.  182,  185. 

^     -m  YS    liiidet  sicli  im  Liki.  ed.  Couvrenr  I,  S.  2. 

*  -^  "^   s.  Giles,  Biogr.  Biet.  Nr.  2083. 

^    Ch'ieu  Lou-tzu  s.  (Jiles,  Biogr.  Dict.  Nr.  36.3. 

•■'    Betreffs    der   voiliegenden   Anspielung    vgl.    V^Tl^'^^^^    (P'eiweii- 
yünfu). 

'    mM^  s.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2541. 

^    |5C  ^   «•  Chiles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2544. 

^    Aus  dem  P  eiwcnyünfn  geht  hervor,  daß  hier  der  Westpaß,  Cliü-yung-kuan 
Jg  ^n  H« '  '^''^ht  gemeint  ist. 

y-  vgl.  P'eiwenyünfu,    Reim  t|^. 


220  Bernhardi  und  \on  Z.\(ii:  T'ao  Yunn-niing. 

riediclitc,  die  er  machte,  waren  ausgezeiclinet.  Die  ganze  Welt  wußte 
nii-lits  von  ihm,  nur  einer,  Liu  Kung',  kannte  ihn.  Weshalb  war  jener 
Gelehrte  so  vereinsamt?  Weil  es  wirklich  zu  wenige  gab,  die  seinesgleichen 
waren.  Unentwegt  blieb  er  bei  seiner  dichterisclien  Tätigkeit;  seine  Freude 
hing  nicht  von  Erfolg  oder  Mißerlolg  al).  Beharrlich  sah  er  der  Menschen 
Streben  als  töricht  an.  M«jchte  ich  es  so  weit  bringen,  ihm  hierin  nachfolgen 
zu   können! 

VII  2. 

In  alter  Zeit  gab  es  einen  Huang  Tzu-lien^;  der  klopfte  den  Staub 
von  seiner  Mütze  und  wurde  Beamter*  in  einem  berühmten  Distrikte.  Eines 
Tages  dankte  er  ab  und  ging  heim  ■ —  an  stolzer  Armut  fand  er  da  schwer- 
lich seinesgleichen.  Hungersnot  rührte  seine  edle  Gattin.  »Wenn  du,  mein 
!Mann,  auch  einen  festen  Willen  hast,  erl)arme  dich  doch  deiner  Kinder.« 
Hui  Sun^  hörte  ihn  einmal  seufzen  und  schenkte  ihm  reichlich,  was  Huang 
nie  zurück  zu  geben  brauchte.  Wer  sagt,  es  sei  schwer,  in  Armut  seine  Ge- 
sinnung zu  bewahren?   Weit  entfernt  —  für  diese  Edlen  der  Vergangenheit. 

4.  Lied  auf  die  beiden  Su'\ 

Der  Hinmu'l  macht  die  vier  Jahreszeiten  wandeln;  hat  eine  ihre 
Pflicht  erfüllt,  so  geht  sie  von  selbst  Aveiter.  Ich  frage:  wie  viele  Menschen 
—  .seit  dem  Verfall  der  Chou-Dynastie  —  ])efolgten  denselben  Grundsatz? 
Ich  blicke  suchend  auf  die  Beamtenwelt  der  Han-Zeit,  und  nur  die  l)eiden  8u 
entsprechen  dem.  Stolz  ging  Su  Kwang  (mit  seinem  Neffen)  in  die  alte 
Heimat  zurück  und  gab  es  auf,  Lehrer  des  Kronprinzen  zu  sein.  Alle  Hof- 
beamten gaben  ihnen  das  Geleit,  die  ganze  Straße  war  voll  von  schönen 
Wagen.  Es  schmerzten  sie  nur  die  Gefühle  der  Trennung;  was  kümmerten 
sie  sich  um  den  Glanz,  den  sie  verließen!  Der  große  Abschied  rührte 
die  Zuschauer  (die  ausriefen):  »Wie  weise!«  Ist  das  etwa  gewöhnliches 
Lob?  Die  Freuden  der  Heimat  erfüllten  sie  ganz;  was  sie  trieben,  waren 
(ihnen)  keine  unbedeutenden  Angelegenheiten.  Sie  richteten  ein  Mahl  her 
und  luden  die  alten  Leute  ein;  beim  Zutrinken  ])lauderte  man  von  den 
alten  Tagen.  Wenn  das  Geld  in  Frage  kommt,  liäng't  schließlich  jedes 
Hei'Z    daran;    sie    aber   klärten    mit   edlen   Worten    den    Unverstand    auf". 

*  Über  Llu  Kuiig  konnten  wir  nichts  feststellen. 

2  In  der  Ausgabe  des  T'ao  Chu  sind  die  Gedichte  6  und  7  zusammengezogen; 
wir  richten  uns  nach  der  Einteilung  von  Su  Tnng-p'o.  —  Das  Gediciit  ist  nicht  klar. 

'  ^OT  j"  M^  ^^^'  ^®"^  Kommentar  nach  ein  Vorfahr  des  ^^^  ^g  (^^  |^|  ^^, 
55.  Kap.). 

*  Zu  ^^^  ^  vgl.  Petillon,  All.  lit.  S.  19. 

■'•    Ein   Mann  namens  Hui  Sun  ließ  sich  niclit  feststellen. 

*  Su  Kwang  und  Su  Sliou  vgl.  Petillon,  All.  lit.,  S.  258. 

'  Im  Kommentar  steht:  Jemand  hatte  au  Su  Kwang  die  Maluiung  geiiciitet, 
daß  er  seinen  Nachkommen  Geld  hinterlas.sen  sollte.  Er  antwortete:  »Sind  sie  weise 
und  haben  nel  Vermögen,  so  wird  ihr  Wille  beeinträchtigt;  sind  sie  dumm  mid 
haben  viel  Vermögen,  so  werden  ihre  Fehler  vermehrt.« 


BERNHARni  1111(1  VON  Za(  H :  T'ao  Yuan-ming,  221 

Freien  Herzens  wollten  sie  sich  ihrer  letzten  .lalue  Irenen  nnd  sich  nicht 
um  das,  was  nacli  ihnen  käme,  sorgen.  Wer  sagt,  daß  diese  Leute  tot 
seien?     Es  lel)en  doch   ihre  Reden  nnd  Handlungen   dauernd  fort. 

5.  Lied  auf  die  drei  Guten'. 

Diese  (drei)  Beamten  waren  miteinander  einig:  »Wir  denken,  die  neue 
Zeit  will  inis  nidit!  Zwar  strengten  wir  uns  Jain-e  und  Monde  hindurch 
an;  doch  furchten  wir,  daß  unser  Verdienst  zu  gering  war  und  lun-  irr- 
tümlich Gnade  erlangte.«  Der  Fürst  liebte  sie  sehr;  fuhr  er  aus,  so  mußten 
sie  iiui  in  schönen  Sänften  hegleiten;  ging  er  in  den  Palast,  so  mußten  sie 
liis  zum  roten  \'oi'hang  kommen.  Er  hörte  auf  ihre  Ermahnungen  und 
fand  in  ihren  Ratschlägen  nicht  den  geringsten  Fehler.  Als  eines  Tages  ihr 
Herr  starb,  da  sagten  sie  willig:  »Wir  wollen  mit  ihm  heimgehen!  Die 
große  Gnade  ist  schwerlich  zu  vergessen,  und  wie  dürften  wir  nach  des 
Fürsten  Tode  seine  Befehle  mißachten ?«  Keiner  von  ihnen  widerstrebte, 
als  sie  bei  der  Gruft  ankamen  —  Männer,  die  ihre  Anhänglichkeit  so 
zum  Ausdruck  bringen,  sind  wirklich  selten.  Brustbeeren  wuchsen  auf  dem 
Gipfel  des  Grabhügels,  und  in  ihnen  singt  der  gelbe  Vogel-*  seine  schwer- 
mütig machende  Klage.  Um  diese  Guten,  die  man  nicht  freimachen  konnte, 
fließen  Tränen  auf  mein  Gewand. 

6.  Lied  auf  ChingK'o^ 

Tan  von  Yen  liebte  es,  tüchtige  Leute  heranzuziehen,  inn  an  seinem 
Feinde  Ying*  Vergeltung  zu  üben.  Er  sammelte  hundert  tüchtige  Männer 
um  sich,  und  am  Ende  seiner  Jahre  gewann  er  den  Ching  K'o.  Der  Edle 
war  auf  den  Tod  gefaßt,  mit  gezücktem  Schwerte  zog  er  aus  Yens  Haupt- 
stadt. Die  Schimmel  wieherten  auf  breiter  Straße.  »Edle  Gefühle  begleiten 
meinen  Auszug!«  Das  Haar  stiäubte  sich  ihm,  daß  es  die  Mütze  hob;  der 
daran  l)efcstigte  Roßschweif  flatterte  von  seinem  starken  Atem.  Beim  Ab- 
schiedsgelage am  I-Flusse  .saßen  die  Scharen  der  Helden  ringsiunher.  Chien 
Li  entlockte  seiner  Harfe  klagende  Töne.  Sung  I  sang  n:it  lauter  Stimme. 
Schaurig  zog  der  heulende  Wind  vorülier,  klatschend  kamen  die  kalten 
Wogen    herauf.      Beim    Sang    der   Oden    von    Shang    flössen    aller   Ti-änen, 


1  Vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  19S,  und  Tsoclman,  Legge  V,  S.  244. 

2  Vgl.  Shihking  S.  198. 

3  Chiiig  Ko  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  399;  Mailla,  Histoire  generale  de  la 
Chine,  Bd.  II,  S.  385-387;  das  Lied  des  Ching  K'o  in  Wen-hsüan,  28.  Kap.;  Cha- 
vaniies,  Meni.  hist.  S.  120;  Chavannes,  La  sculpture  sur  pierrc  en  Chine  S.  13  und  14; 

^  pB  ^^'  ''^^P-  —  Nach  Giles  benutzte  Ching  Ko  zur  Einführung  bei  Ying  eine 
Karte  vom  Staate  Yen,  in  die  er  seinen  Dolch  gesteckt  hatte.  Mailla  erzählt,  daß 
er  das  Haupt  eines  rebellischen  Generals  brachte.  Auf  einigen  Alireibungen  von 
Han-Steinen  ist  der  menschliche  Kopf  in  einen)  geöffneten  Kasten  deutüeh  zu  er- 
kennen. 

*     ^   FamiMennnme  des  späteren  Ch'in-shih-hwang. 


222  Bernhardi  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-mlng. 

unter  den  Tönen  der  Tolenklage  erbebten  die  starken  Männei-.  AUtM-  Herzen 
wußten,  es  >^ä\>e  ein  Gehen  ohne  Wiederkehr,  wohl  aber  ancli  den  Ruhm 
sj)äterer  Jahrhunderte.  Wann  hätte  er  zurück i-elilickt,  nachdem  er  aul"  den 
Waffen  gestiegen  war!'  Im  Fhigc  erreichte  ci*  den  Hof  von  Ch'in.  Kr 
legte  zehntausend  Li  ohne  Aulenthalt  /nriuk  und  kam  dalx-i  nacii  und 
nach  durch  tausend  Städte.  Der  Plan  scliciteite,  die  Sache  kam  heraus, 
und  der  Tyrann  war  wirklich  erschreckt  und  beunruhigt.  Leidei"  aber  war 
('hing  Iv'o  nicht  geübt  im  Erdolchen,  luid  so  konnte?  er  seine  große  Auf- 
gabe nicht  lösen.  Obwohl  dieser  Mami  selbst  nicht  mchi*  ist,  so  lebt  doch 
sein  Haßgefühl  noch  nach  tausend  Jahren  weiter. 


7.  Beim  Lesen  des  Shan-hai-Ching  ^ 

13  Gedichte  2. 

I. 

Im  Sommei-,  wenn  Gras  und  Bäume  wachsen,  dann  ist  das  Laub 
um  mein  Zimmer  undurchdringlich.  Alle  Vögel  haben  doi't  gern  ihren 
Ruheplatz,  und  auch  ich  liebe  mein  Heim.  Nachdem  gesät  und  ge- 
pllügt  ist,  kehre  ich  zurück  und  lese  meine  Bücher.  In  der  armseligen 
Gasse  gibt  es  keine  tiefen  Wagenspuren,  aber  die  Wagen  meiner  Freunde 
können  eben  darin  wenden.  Wir  trinken  freudig  den  Frühlingswein 
und  genießen  das  Gemüse  aus  meinem  Garten.  Gelinder  Regen  konunt 
von  Osten,  und  ein  günstiger  Wind  begleitet  ihn.  Wir  durchblättern 
die  Lebensgeschichte  des  Chou-Königs^  und  ergötzen  uns  an  den  Bildern 
des  Shan-hai-Ching.  Ob  ich  nach  oben  oder  nach  unten  (in  das  eine 
oder  das  andere  Buch)  blicke  —  alles,  was  es  in  der  Welt  gibt,  ist 
darin  enthalten.  AVenn  ich  dabei  nicht  froh  werde  —  wobei  werde  ich 
es  dann? 


'  Uetreds  des  |1| '/^  $^  sagt  Wieger,  Taoisme,  Bd.  I,  Nr.  1019:  »Gco- 
gi-aphie  j)lianta.stiijiie;  iiielange  d'ancicnne.s  traditions,  et  de  fcllles  iniaginations.  Par 
^Rt3E  Kouo-p'ou,  autcur  cclebre,  luort  eii  324.«  Das  Weik  ist  durch  Leon  de 
Kosny  ins  Fran/.ösische  übertragen  und  in  der  Zeifscluift  »Le  Lotus,  Mein,  de  la 
Soc.  d'Etud.  jap.,  etc.«  in  unregelmäßiger  Folge  während  der  Jahre  1885 —  1892  er- 
scliienen.     ^ß  T^  ist  der  älteste  Herausgeber  und  Koninientator,  nicht  Verfasser  des 

walirscheiniich  sehr  alten  Buches.    —   M.  A.  WyHos  Bemerkungen  zum    [Xl '/fi  $^ 
sind  von  de  Rosny  in  seiner  Einleitung  wiedergegeben. 

^  Das  erste  dieser  dreizelm  Gedichte  ist  eine  Einleitung  und  wird  von 
Su  Tung-po  weder  als  Gedicht  gezählt  noch  als  Vorrede  bezeichnet.  T'ao  Chu, 
der  die  Zahl  der  zusammengehörigen  Gediclite  nicht  angibt,  zeigt  durch  die  An- 
ordnung des  Druckes,  daß  er  das  einleitende  Gedicht  als  Gedicht,  nicht  als  Ein- 
leitung rechnet. 

3  Das  Mu  tient/.n  Cliuan  §^^|fl>  vgl.  China  Review  Bd.  XVII, 
S.  223.  ^ 


Rkrnharmi  lind  von  Zach:  Tao  Yuan-ming.  223 

11'. 
Der  Edelstelnsüller-  stellt  hoch  gebaut,  ni  ])iirpurnei-  Schönheit;  die 
Ilsi-wang-niu^  erglän/t  in  liel»rei/enden  Farben.  Sie  ist  mit  Hiunncl  und 
Ki-de  zugleich  geboien,  und  man  kann  nicht  wissen,  wie  viele  Jahre  sie  zählt, 
lliie  Zauberkunst  ist  unbeschränkt,  und  es  ist  nicht  nur  ein  Berg,  den  sie 
bewohnt.  Der  Wein  begeistert  mich,  und  so  schreilje  ich  ein  neues  Lied  — 
dabei  ziehe  ich  es  vor,  die  Worte  des  gewiWinlichen  Lebens  zum  Muster 
zu  nehmen'. 

in. 

Sehr  ferit  liegt  der  Huai-chiang-ling^  es  ist  der  Hügel  des  ursprüng- 
lichen Gartens*^  (in  dem  die  Genien  wandeln).  Im  Südwesten  sieht  man 
die  Gegend   des  Kun-lun  ^    dessen   leuchtender  Dunst  kaum   seinesgleichen 


^  Vergleicht  man  dieses  und  die  folgenden  Gediclite  mit  den  betreffenden 
Stellen  im  iLl'/Ö^^i  so  sieht  man,  daß  Tao  nicht  etwa  einzelne  Beschreibungen 
in  Verse  gebracht  hat,  sondern  daß  seine  Phantasie,  durch  das  Ganze  angeregt,  ein- 
zelnes willkürlich  ausspann  und  Auseinanderliegendes  zusammenfaßte. 

-  Zu  ^h  'S*  ^o'-  ^^  Rosny,  a.  a.  O.,  novembre  1886,  S.  253:  ^^  |  |  [  Le 
Mont  Yuli  Chan. 

'  Vgl.  ^  I  I  [  :  »C'est  li  qu'habite  la  mere  du  roi  d'Occident.  La  nicre  du 
roi  d'Occident  a  une  forme  humaine,  avec  uue  queue  de  leopard;  eile  a  des  dents 
de  tigre  et  rugit  violemnient;  eile  est  echevelee  et  porte  des  ornements  de  tcte  (en 
jade).  —  Außerdem  wird  sie  im  XVI.  Bde.  kiu-z  erwähnt:  ^Q  ^Q  ^F  "H:  ^^  jjj.  — 
Mit  der  StreittVage,  wer  Hsi-wang-mu  sei  (vgl.  Forke,  Mitt.  d.  Sem.,  VII.  19ÜI:  und 
Chavannes,  Mcm.  hist.  V.  S.  480),  haben  wir  uns  hier  nicht  zu  beschäftigen,  sondern 
geben  nur  die  Auffassung  unseres  Dichters  wieder,  der  sie  sich  als  eine  anmutige 
Fee  vorstellte  —  trotz  der  wenig  anmutigen  Schilderung  im  Shan-hai-Ching.  Ihm 
war  sie  eine  Zauberin,  bei  der  Mu  von  Chou  die  Heimkehr  vergessen  konnte,  wie 
Tannhäuser  bei  Frau  Venus. 

*  Siehe  Forke,  Mu  Wang  und  die  Königin  von  Saba  (Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient. 
Sprachen,  Jahrg.  VII,  1.  Abt.  1904)  S.  121:  »Darauf  wurde  (der  König)  von  Se 
Wang  Mu  gastlich  aufgenommen.  Am  Jaspisteich  wurde  ein  Bankett  gegeben,  wo- 
bei Se  Wang  Mu  dem  König  ein  Lied  sang.  Der  König  erwiderte  es.  Die  Verse 
waren  elegisch...  -  Anm.  5   ^|J  ^  III,  3  :   ^^  ^  ^  @Ü  #  ^|  ^  jg  ftH, 

deutsch   und   ciiinesisch   bei   Forke,    a.  a.  0.  S.  105.    —   Der  chines.  Konmientar  er- 
wähnt ebenfalls  die  Gedichte  des  Königs  und  der  Hsi-Wang-Mu. 

-  Siehede  Rosny,  a.a.O.  novembre  188G,S.  247,  ^'^/X^lij  Le  mont  de 
la  ri viere  HoaV:  «.  .  .  .  Au  sommet,  il  y  a  beaucoup  de  soufre  vert,  de  corail  blaue 
( J^  J-p  weiße  Steinkoralle,  vgl.  Forke,  a.  a.  O.  S.  148),  d'or  et  de  jade  de  premiere 
qualite En  verite,  c'est  un  jardin  de  l'enipereur  (uonnne  Ping-pou)  .  .  .« 

^  Der  Kommentar  verschweigt,  ob  hier  -jQ  vielleicht  nur  für  '^  steht,  so 
daß  »der  geheimnisvolle  Garten«  zu  lesen  wäre 

'    " Au  midi,  il  fait  face  au  mont  Kouen-lun.  Sa  splendeur  est  eblouissante ; 

scs  aspecfs  sont  infinimcnt  varics.« 


224  liERNHAUhi   uiul   \oN   Zacii  :  T  iU)  Yuaii-iniiig. 

hat.  Die  StiaJilcii  der  hellen  Laiig-Kaii-Steine  schießen  hervor,  die  Fluten 
des  klaren  Yao-Fliisses  blenden  mit  ihrem  Glänze.  Ich  bedam-e  lebhaft, 
nicht  in  den  Zeiten  des  Mu  von  Chou  zu  leben  und  nieht  mit  ihm  durch 
diese  (hegenden   wandern   /ii   können. 

IV'. 
Wo  wäehst  der  Zinnobciliaiiin;'  An  des  Mi-Berges  Sonnenseite.  Er 
l)liiht  gelb  niid  trägt  rote  Früchte;  wenn  man  sie  ißt,  so  verlängert  sich 
das  Leben.  Der  farblose  Saft  erstant  zu  weißem  Edelgestein;  darunter  be- 
findet sich  dei"  herrliche  Chin-Yü,  der  wunderbaren  Glanz  ausstrahlt.  Ist 
er  etwa  nicht  das  Kleinod  des  Edlen  (der  ihn  am  Gürtel  trägt)?  War  ei- 
nicht  schon  von   unserm   Kaiser  Huang-ti  geschätzt? 

V. 

Es  llattern  drei  grüne  Vögel-,  die  Fai-be  ihrer  Federn  ist  ungewöhn- 
lich reizend.  ISIoi'gens  dienen  sie  der  Göttermutter  als  Boten,  abends  kehren 
sie  zum  San-we'i-Berge  zurück.  Durch  diese  Vögel  möchte  ich  der  Hsi- 
wang-nui  meine  Wünsche  ül)ermitteln:  nichts  auf  dieser  Welt  ist  mir  vonnöten, 
niu"  Wein   und   langes  Leben. 

VP. 
Ich  lustwandle  (im  (ieiste)  auf  dem  Berge  Wu-kao,  in  weiter  Ferne 
sieht  man  die  Bäume  von  Fu-sang.  Die  starken  Äste  breiten  sich  hundert- 
tausende von  Klaftern  weit,  sie  sind  dicht  belaubt  und  beschatten  das  Ur- 
sprmigsland  der  Sonne.  Der  Unsterbliche  sitzt  am  Zinnobei'teich,  wo  die 
Sonne  sich  Morgen  für  Morgen  badet.  Ist  ihr  Wunderglanz  einmal  am 
Himmel  einj)orgestiegen  —  welches  Dunkel  wäre  da  nicht  erhellt? 


'  A.  a.  0.  S.  243,  ^;  ijj  Le  niont  Mih-clian:  »Eii  outic,  au  nord-oucst,  a 
•jnatre  ceiit  vingt  lis,  il  y  a  le  niont  Mih.  Au  soinniet,  il  y  a  beaucoup  de  tan-iiiouli, 
arbres  roiiges ;  ils  ont  des  feuilles  rondes,  des  flcurs  jaunes  et  des  fruits  rouges  qui 
oiit  le  goüt  des  gäteaux  appelc  I;  si  Ion  cii  niange,  on  na  plus  faini  .  .  .  La  rivicrc 
Tan  y  prend  sa  source,  coule  vers  louest  et  va  se  jeter  dans  le  lac  de  Tsih  (5^)- 
Au  miiieu  il  y  a  beaucoup  de  jade  blanc  qui  coule  goiitte  ä  goutte  et  dont  la  source 
est  tris  agiti'e  (yfh  VWi  i^')^)-    L'empereur  Hoang-ti  seii  nourrissait  et  en  olTrait 

dans   las  sacrifices Hoang-ti   piit   des    llenrs    de  jade  de  la  montagne  Mih  et 

en  enseman^a  le  midi  du  mont  Trhoung-chan.  Le  jade  kin-yu  (J^Jnij)  ^st  le 
meiilenr;  il  est  solide  et  fin  comnie  du  niillet;  il  a  un  cclat  humide  et  brillant.« 

■•*  A.a.O.  S.  256,  ^^  "fra?  ^  iLl  ^^  niont  de  San-wei :  »En  plus,  ä  deux 
Cent  \  ingt  lis  ä  l'ouest,  il  y  a  le  mont  de  San-wei.  C'est  une  montagne  oü  habitent 
les  San-tsing-nino,  les  trois  oiseaux  verts. 

3    Vgl.  de  Rosny,  a.  a.  0.  avril    1889,   S.  86:    ^;(:.:^|I(    Le  mont  de 

Wou-kao:  » on  atteint  au  mont  de  Wou-kao,  qui  regarde  au  sud  la  petite 

Hier,  et  i  lest  le  pays  de  Fou-mouh  (fS'^hCJ-  —  (Ce  pays  est  cite  dans  le  Tchun- 
tsiou  tsih-kiaV  de  Liu-chi  (de  l'cpoque  desSoung),  au  chap.  Kiou-jin.  Yu  arriva,  du  cotc  de 
Test,  au  pays  de  Fou-mouh.  —  Quelques  auteurs  croient  qu'il  taut  voir  iä  une  di'signalion 
du  fameux  pays  enigmaticjue  de  Fou-sang;  mais  cette  Identification  est  iucertaine.)« 


Bernhardi  und  von  ZAcn:  Tao  Yuan-ming.  225 

VII. 
Glänzend  erheben  sich  die  Drei-Perlen-Bäume ',  die  für  eine  Zeit  am 
Nürdnfer  des  Ch'ih-F'lusses-  wachsen.  Mächtig  ragen  die  Zimnietbäume 
im  Winde,  ihre  Stämme  sind  so  gewaltig,  dal^  schon  acht  einen  Wald  aus- 
machen. Zauherphönixe  berühren  tanzend  die  Wolken,  Geisterphönixe 
singen  wie  tönende  Edelsteine.  Zwar  sind  das  nicht  Kostbarkeiten  dieser 
Welt,  doch  erfreuen  sie  das  Herz  der  Göttermutter. 

VHP. 
Seit  alters  sind  alle  mit  dem  Tode  abgegangen,  auch  nicht  einer  er- 
reichte dauerndes  Leben.  Wer  nicht  sterben  und  auch  nicht  altern,  sondern 
durch  Jahrtausende  immer  der  gleiche  bleiben  will,  der  muß  vom  Ch'ih- 
Quell  trinken,  und  was  auf  dem  Yüan-Hügel  wächst,  muß  ihm  zur  Nahrung 
genügen.  Dann  lustwandelt  er  mit  Sonne,  Mond  und  Sternen,  und  wie 
könnte  ein  solches  Leben  je  enden!' 

IX. 

Vater  Ivua*  hatte  großen  Ehrgeiz;  er  lief  mit  der  Sonne  um  die 
Wette.    Sie  kamen  zugleich  nach  Yü-yüan  hinunter,  da  war  gewissermaßen 

Dagegen  findet  sich  bei  de  Rosny,  a.  a.  0.  1891,  S.  207,  Y^  -^^  la  vallee  de  Tang- 
kouh:  »Au  bas  se  trouve  la  vallee  Tang-kouh  ou  ,vallee  des  eaux  chaudes'.  Au  haut 
de  cette  vallee,  il  y  a  l'arbre  Fou-sang  (rJ^^a  c'est  un  arbre  divin  qui  croit  dans 
le  pays  oü  le  soleil  se  leve;  il  ressenible  au  miirier  et  sa  hauteur  est  de  plusieurs 
milliers  de  tchang).  C'est  la  oü  se  baignaient  les  Dix  Soleils.«  —  In  der  Anmerkung 
zu  dieser  Stelle  sowie  in  der  Anmerkung  auf  S.  184 — 186  desselben  Jahrgangs  bringt 
de  Rosny  Ausführliches  über  die  Sage  von  den  zehn  Sonnen. 

1  De  Kosny,  a.  a.  0.  1891,  S.  113,  ^:j-^|n.J  '^^  San-tchou-chou:  »Les 
San-tchou-chou  (ou  suivant  uiie  autre  orthographe  ~'.  /h^^  j^pj"  San-tchou-chou,  les 
arbres  ü  trois  perles)  se  trouvent  au  nord  du  Yen-ho.  Ils  naissent  au  haut  du  Tchih- 
choui  ou  ,Rivipre  Rouge'.  Ces  arbres  resseniblent  ;i  des  sapins  et,  sur  leurs  feuilles, 
il  y  a  des  perles.« 

-    De  Rosny  weist  wiederholt  darauf  hin,  daß    4^  yh^  und   ^k  yj^   dasselbe 

sind.  A.  a.  0.  avril  1885,  S.  109  findet  sich  j^^^\i^  Le  mont  de  Tan-Hioueh. 
»A  Test,  a  cinq  cents  lis,  se  trouve  la  montagne  de  Tan-hioueh,  ,1a  caverne  rouge'. 
Au  sommet  il  y  a  beaucoup  d'or  et  de  jade.  La  riviere  Tan-choui,  ,riviere  rouge' 
y  prend  sa  source,  et  coule  au  sud  pour  se  jeter  dans  le  bras  de  mer  Pouh-hai 
[Iff)}'/^)-    II  y  a  "I'   oiseau  qui  ressenible  u  un  coq :   il  est  multicolore  et  tachete. 

On  l'appelle  phrnix  (  M  ^) Lorsqu'il  boit  ou  lorsqu'il  mange,  il  a  l'habi- 

tude  de  chanter  et  de  danser.  Lorsqu'il  vient  a  se  niontrer,  lEnipire  jouit  de  la  paix.« 

'  De  Rosny,  a.  a.  0.  1891,  S.  115,  Anm.  3:  »Au  sommet  de  la  montagne  You- 
kieou,  il  croit  des  arbres  appeles  pou-tse-chou,  arbres  de  l'immortalite;  si  Ton  mange 
(de  leurs  feuilles  ou  de  leurs  fruits)  on  vit  tres  longtemps.  II  y  a  aussi  une  source 
appellee  Tchih-youen,  la  source  rouge;  si  l'on  s'abreuve  ä  cette  source,  on  ne  vieillit 
pas  (Comm.  de  Kouoh-poh).« 

*  De  Rosny,  a.  a.  0.  1891,  S.  197,  ^  ^  (le  pays  de)  Koua-fou.  »Koua-fou 
se  mit  a  courir  apres  le  soleil  jusqu'au  point  d'y  penetrer.    Ayant  eu  soif,  il  eprouva 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  I.  Abt.  15 


226  Kf.rnhardi  und  von  Zach:  Tao  Yuan-niing. 

kein  Siegel-  und  kein  Besiegter.  Seine  Wunderkräfte  waren  ganz  außer- 
ordentlicl»;  einen  Fluß  austrinkend,  fand  er  noch  kein  Genüge.  Seine  liinter- 
lassent'u  Spuren  sind  in  Tong-liii,    und    sein   Kulun   ühoi-dauert  sein  Lehen. 


X. 

Das  Vöglein  ChingWei-  iiinuiit  mit  seinem  Schnahel  kleine  llolz- 
späue  auf  und  möchte  damit  das  weite  Meer  anfüllen.  Das  Ungeheuer  Hsing 
'r'ien-'  tanzt  mit  Schild  und  Sj^ecr,  und  die  gewaltigen  Ahsichten  (heider) 
l)leiheu  von  ewiger  Dauer.  Während  alle  andern  Wesen  im  Tode  keine  Sorge 
mehr  hahen,  fanden  diese  heiden  auch  da  nicht  Ruhe.  Ihre  Ahsicht  blich  un- 
erschütterlich im  alten  Herzen  —  können  sie  nach  so  langer  Zeit  noch  eine 
günstige  Stmide  erwarten;' 

XI*. 

f'hü-hua  breitete  seine  gewaltige  Macht  aus,  (uid  Chin-p'ei  hörte  nicht 
auf  seines  Kaisers  Befehle.  Ya-yü  konnte  sich  kaiuii  verwandeln,  und  Tsu- 
chiang'  starb  einsam.  (Aber)  das  Auge  des  Himmels  ist  klar,  und  wenn 
jemand  Böses  tut,  so  duldet  er  es  nicht.  Als  die  lange  Trockenheit  groß 
genug  war,  hätten  da  etwa  Goldfasane  und  Fischadler  ihr  Genüge  finden 
können? 


le  besoin  de  boire  et  bat  la  rivicre  Ho  et  la  riviere  Wei,  niais  ces  rivieres  n'eurent 
pas  assez  d'eau  pour  ie  desalterer.  Au  nord,  il  but  ensuite  uii  grand  lac.  II  n'avait 
pas  atteint  le  but  de  sa  course  qu'il  mourut  de  soif.  8a  fanne  qu'il  avait  abaii- 
donnce  devint,  par  une  metamorphose,  la  forct  Teng-lin.« 

'    ^i^ra^J"  ^'®  Tochter  des  Shen-Nung,  s.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  401. 

=«  De  Rosny,  a.  a.  0.  1891,  S.  180,  ^  fli;  ^  ß]  le  pays  de  Ki-iioung. 
•  .  . .  Hiiig-tien  s'etarit  un  jour  rendu  dans  cet  eiulroit  avec  TEmpereur,  engagea 
uiie  dispute,  a  la  suite  de  laquelle  celui-ci  lui  traucha  la  tote.  On  rinhunia  sur  le 
niont  de  Tihang-yarig.  C'est  un  gcnie  qui  a  les  yeux  aux  nianieiles,  la  bouehe  au 
nombril  et  j)orte  un  bouclier  et  une  Hache  avec  lesquels  il  se  livre  a  la  danse.« 

*  De  Kosny,  a.  a.  0.  novembre  1886,  S.  24.t.  ^m  Ml  le  niont  Tchoung-chan. 
"En  plus,  au  nord-ouest,  ä  quatre  cent-vingt  lis,  so  trouve  le  inont  Tchoung-chan. 
Li-.s  enfants  (du  dieu  de  cette  montagne)  se  nonunent  kou  (  «jj/)-  Hs  ont  un  visage 

d'hoinnic   et   un   coips   de   dragon.    Ces   enfants   ont   tue  Pao-kiang   (^ja.  /I.)   ^^'^^ 

l'assistance  de  Kin-pcT  («ßX'T'i)'  ^"  ^^^  ^^  ^^  montagne  Kouen-lun.  L'enipereur 
tua  aiors  Kin-pcT  a  Test  du  Tchoung-chan,  sur  une  pente  escarpt-e  appelee  Yao-ya' 
f||)^H|j,  Kin-peT  fut  ensuite  metamorphose  en  orfraie  ("t-M)-  Cet  oiscau  res- 
senible  k  laigie  de  nier  ....  lorsqu'on  le  voit,  c'est  un  pronostic  de  giands  mouve- 
nients  miiitaires.  II  se  metamorphose  alors  et  devient  un  faisan  d'or  (^B);  'l  ^ 
la  meme  forme  que  le  liibou,  avec  des  pattes  rouges,  un  bec  droit,  des  taches  jaunes 
et  une  tcte  blanche.  Son  cri  est  connne  celui  de  l'orfraie.  Quand  on  raper\;oit,  c'est 
un  pronostic  de  grande  st'cheresse  dans  la  locaiitc.« 

^    Tsu-chiang  ist  ein  anderer  Name  für  Pao-kiang. 


Bernhard!  und  von  Zach:  T'ao  Yuaii-miiig.  227 

Xll. 

Wird  in  den  Städten  der  Vogel  Cli'ih-clm '  gesehen,  so  gibt  es  im 
Lande  vertriebene  Gelehrte.  Ich  denke  an  die  Zeit  des  Königs  Iliiai^;  da- 
mals kamen  und  weilten  (der  ^'ügel)  viele.  Auf  dem  Ch'ing-Cli'in^  gibt 
es  einen  sonderbai-en  Vogel,  der  sagt  selbst:  »Ich  allein  kann  sehen!« 
Eigentlich  ist  er  für  die  Irrenden  geboi-cn  und  nicht,  um  den  Weisen  be- 
kannt zu  machen. 

XIII. 

Hat  Jemand  einen  das  ganze  Reich  überstrahlenden  Ruhm,  so  muß 
(doch)  der  Kaiser  sein  Talent  mit  Vorsicht  benutzen.  Warum  wurden  Kung* 
und  Kun^  bestraft,  wäln-end  Shun  zur  Regierung  kam?  Vater  Chung'^  bot 
aufrichtige  Worte  an,  Kiang  Kung'  dagegen  wurde  verdächtigt*.  Wenn 
man  nahe  dem  Tode  (noch)  über  Hunger  und  Durst  klagt,  bis  zu  welchem 
Grade  des  Elends  muß  man  da  wohl  gelangt  sein! 

8.  Drei  Lieder,  beim  Ziehen  des  Leichenwagens  zu  singen. 

(Siehe  Bernhardi,  S.  24  bis  28.) 

I. 

Vers  11:    »Nach  tausend  Herbsten  und  zehntausend  Jaliren  — « 

Der  Punkt  muß  wegfallen,  da  der  Satz  im  Chinesischen  mit  dem 
folgenden  zusammengehört. 


^    De    Rosny,    a.a.O.   avril  1885,    S.  97    bis  99  tbllj    '^    mont   Kiu-chan: 

» 11  y  a  im  oiseau  qui  ressemble  a  un  hibou  et  qui  a  des  (pattes  semblables 

ä  des)  niains  d'honime.  Son  cri  est  comme  celui  de  la  caille.  On  l'appelle  tchou  (^ij- 
Quand  il  crie,  on  dirait  qu'il  dit  son  noni.  S'il  parait  dans  un  district,  beaucoup  de 
fouctiomiaires  sont  congedics. ^    Der  Kommentar  erklärt  -H-iff!^  für  übereinstimmend 


2    Zur  Zeit  des  Huai-Wang  wiu'de  Ch'fl  Yüan  vertrieben. 

2  De  Rosny,  a.  a.  0.  avril  1885,  8.  95  ^a  J^  le  mont  Tsing-kieou:  ■>  . .  .  t 
...  On  y  rencontre  cgalement  une  espece  de  pigeon  qui  a  un  cri  semblable  a  des 
hommes  qui  s'appeUent.  11  se  nomme  kouan-kouan  (  y|g  J^  J.  Porte  comme  talisman, 
il  evite  Tirrcsolution  ....<■ 

*    Vgl.  Tsochuan,  Legge  V,  S.  223  g. 

°   %|  s.  Shuking,  Legge  III,  S.  113. 

^  ^g*  i W  Kuan  Chung,  der  von  Huan  Kung  stets  »Vater  Chung«  genannt 
wurde.    Vgl.  Lunyü,  Legge,  S.  142. 

'  ^^^T|0  ^-  Vgl.  Lunyü,  Legge,  S,  146.  Der  Dichter  vermeidet  das  Zeichen 
T>H,    weil  es  in  dem  Tempelnamen  seines  Ahnen  Ch'ang  Sha  Kung  vorkommt. 

'  2"  ^#l'/ß  ''§'•  Tsochuan,  Legge  V,  595^. 


15* 


228  Bernhard!  und  von  Zach:  T'ao  Yuan-ming. 


9.  Gemeinsame  Dichtung'. 

T'ao  Yüan-ming:  Die  schreiende  VVildgans  fliegt,  vom  Winde  ge- 
tragen —  in  welche  Ferne  mag  sie  wohl  ziehen !  Denke  ich  des  armen, 
ziiriickgezogenen  Gelehrten,  wie  sollte  ich  da  nicht  seufzen? 

Yin-chih:  Obwohl  ich  wünschte,  neunzigtaiisend  Li  lioch  aufzu- 
fliegen, so  habe  ich  doch  schließlich  keine  Kraft  ziun  Aufsteigen-',  Aus  der 
Ferne  rufe  ich  Wang  Tzü-ch'iao ',  und  eine  Wolke  benutzend,  möchte  ich 
mich  mit  ilim  erheben, 

Ilsün-chih:  Der  Reiher  fliegt  mit  seinem  Geführten  hin  und  her, 
in  größter  Höhe  riiln-t  er  an  den  Himmel.  Sind  Tau  luid  Reif  etwa  nicht 
verderblich?  Aber  er  nuiß  (dem  andern)  folgen  und  vergißt  darüber  seine 
schönen  Federn. 

T'ao  Yüan-ming:  Von  den  hohen  Ästen  sind  die  Blätter  abge- 
fallen, weithin  sieht  man  des  Himmels  Blau,  Da  hoft't  er,  die  fernsten 
Höhen  zu  erreichen,  die  er  doch  nicht  sehen  kann  —  und  so  kommen  ihm 
nur  Zweifel  (über  die  Richtung,  die  er  nehmen  soll) ! 


10  \  Rückkehr  zum  Aufenthalt  in  Garten  und  Feld. 

Gedicht  VI,  vgl,  Bernhardi,  a,  a.  0.  S.  28,  Anm.  1. 


11.  Frage  an  den  Gesandten. 

Der  Verfasser  ist  unbekannt;  aus  dem  Stil  schließt  T'ao  Shu,  daß  er 
der  späteren  T'angzeit  angehörte. 


12.  Die  vier  Jahreszeiten. 

Als  Verfasser  wird  Ku  K'ai-chih  (vgl.  Giles,  Biogr.  Dict,  Nr.  989  und 
Chavannes,  T'oung  Pao  1904,  S.  325)  angegeben. 


'    Über   die   beiden   Freunde  Yin-chih  und  Hsün-chih,   von    denen  Strophe  2 
und  3  verfaßt  sind,  ist  nichts  Näheres  bekannt. 
2    Vgl.  Legge,  Texts  of  Taoism  L,  S.  165. 

'    3E  ~J    T^    ^"'^  ^^^^^  '"  ^®"  Gedichten  n,  11  und  IV,  14  erwähnt. 
*    Die  Gedichte  10,  VI,  11  und  12  lassen  wir  weg,  da  sie  nicht  von  T'ao  Yuan- 
ming  selbst  herrühren. 


Bernhardi  und  von  Zach:   T'ao  Yuan-niing.  229 

V.  Heft. 
1.  Elegie '  auf  die  Gelehrten,  die  kein  Verständnis  fanden. 

Vorrede:  Einst  sclirieb  Tuna;  Chiing-shu-  eine  Diditung  auf  die  unver- 
standenen Gelehrten,  und  auch  Ssü-ma  Tzii-ch'ang'  verfaßte  eine.  Ich 
benutzte  die  mir  in  Winter,  Nacht  und  Regenzeit*  zum  Studium  ge- 
bhebene  Muße,  um  ihre  Schriften  durchzulesen,  und  war  tief  ergriffen. 
Denn  auf  dem  Wege  der  Wahrheit  zu  bleiben  und  seine  Gedanken 
auf  die  Beobachtung  der  Gesetze  zu  richten*,  ist  die  tugendhafte  Lebens- 
führung des  gewöhnlichen  Menschen.  (Aber)  sich  rein  zu  erhalten 
von  der  Berührung  mit  dieser  schlechten  W^elt  und  die  Ruhe  des 
Gemütes  zu  bewahren,  ist  die  rechte  Sittlichkeit  des  Edlen.  Seitdem 
nämlich  die  echte  Moral  von  uns  Abschied  genounnen  hat,  ist  überall 
die  große  Falschheit  emporgekommen.  Auf  dem  Lande  vernachlässigt 
man  die  Tugend  des  bescheidenen  Sichzurückziehens,  in  der  Stadt 
verwirft  man  ein  Herz,  das  sich  achtlos  vorwagt.  Die  Weisen,  welche 
die  wahre  Lehre  zur  Richtschnur  ihres  Willens  machen,  verbergen 
ihre  Schätze  in  den  Jahren  ihrer  Leistungsfähigkeit,  und  die  Reinen 
und  Charaktervollen  vergehen  in  dieser  Welt,  nachdem  sie  sich  frucht- 
los gemüht  haben.  Daher  seufzten  Pol"  und  die  vier  Grauköpfe' 
nach  einer  Zufluchtsstätte,  und  Ch'ü  Yüan  **  ließ  am  Ende  des  Li  Sao 
seinen  Kummer  in  den  Worten  aus:  »Alles  ist  vorüber!«  Ach,  wie 
traurig  ist  dieses  Los!  Wir  Menschen  erreichen  höchstens  hundert 
Jahre,    und    wie    in    einem  Augenblicke    ist    dieses  Leben    zu  Ende. 


^    Das  Wort  §jr  mit  Ode  wiederzugeben,  wie  bei  Nr.  2  dieses  Heftes  geschehen 

ist  würde  hiernicht  gut  angehen ;  f}^  entspricht  den  Begriffen  der  Ode  wie  denen  der 
Elegie  nur  bis  zu  einem  bestimmten  Grade. 

2    U^^*^? '  ^S'-  Chiles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2092. 

^  (Sj  ,P§  -^  ;^  Ssii-ma  Ch'ien,  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1750;  seine  Dich- 
tung hieß   ^^  — |-^  ^X\  ^ig  (Mitleid  mit  den  unverstandenen  Gelehrten). 

•*    Was   unter   ^  ^^  ^  Q   zu  verstehen  ist,   ergibt  sich  aus  ^$»  ^  ^. 

^  ^.i^  ""'^  /SJll^  finden  sich  im  I-king,  Legge,  8.376:  to  tread  the 
path  of  sincerity  and  to  desire  to  be  observant.  t^  -Jk\\  im  Laotzü,  1.  19.  Cap., 
Legge,  Texts  of  Taoism  I,  S.  62;  St.  Julien:  conserver  la  purete  de  la  vertu.  ^^ 
ffi^  ist  Han-fei-tzil  entnommen;  Giles,  Chin.  Dict.  Nr.  2179  hat:  to  remain  quietly, 
stellt  aber  die  beiden  Charaktere  um.    'g*:^,  vgl.  2.  Trinklied,  =^  ^H^^^- 

6     Q  ^,  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1657. 

'    ^,  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1881. 

*  ^  [^  ^^  ^  war  Amtstitel  des  Ch'ü  Yüan. 


21^0  Hernharoi  und  von  Zath:   T'ao  Yuaii-ming. 

Musterhaft  zu  leben,  ist  schwer,  und  als  Belohnung  wird  dem  Tugend- 
liaften  nicht  einmal  eine  Stadt  zur  Verwaltung  übergeben  '.  Das  sind 
die  Gründe,  warum  jene  alten  Schriftsteller  unbefriedigt  den  Pinsel 
in  die  Tusche  tauchten.  Voll  edler  Absichten  beleuchteten  sie  den 
Gegenstand  von  verschiedenen  Seiten,  konnten  ihn  aber  nicht  er- 
schöpfen. Verständnisvoll  nehme  ich  den  Gedankengang  in  ihren  so 
herrlichen  Erzeugnissen  zum  Vorbild.  Ihre  Werke  in  meiner  Hand 
haltend,  bin  ich  voll  Zaudern.  Aber  da  überkommt  mich  die  Rührung, 
und  ich  schreibe  folgende  Elegie: 

Ach,  weshalb  ist  von  allem,  was  des  großen  AUs^  Odem  empfing,  der 
Mensch  allein  mit  Geist  begabt?  Die  Natur  schenkte  ihm  ein  wunderbares 
Verständnis,  und  Licht  ist  in  seinem  Herzen  verborgen.  Wenn  er  den 
Grundsätzen  der  drei  Herrscher  und  fünf  Kaiser^  der  grauen  Vorzeit  folgt, 
wird  sein  Name  der  Nachwelt  überliefert.  In  jenen  Zeiten  gab  es  solche, 
die  sich  vergnügten,  Kegel  zu  spielen*,  und  andere,  die  dem  Volke  Beistand 
leisteten.  Aber  weder  unter  den  Zurückgezogenen  noch  unter  jenen,  die 
an  die  Öffentlichkeit  traten,  war  einer,  der  nicht  seiner  Natur  gefolgt  wäre; 
immer  stolz,  entsprachen  sie  ihren  Neigungen.  Diese  Zeit  floß  dahin  und 
ist  nun  für  immer  vorbei.  Jetzt  sind  die  Wesen  nach  ihrer  verschiedenen 
Art^  eingeteilt''.  Ein  engmaschiges  Netz  ist  bereitet,  und  die  Fische  geraten 
in  Furcht;  ein  weites  Netz  ist  aufgestellt,  und  die  Vögel  erschrecken.  Aber 
jene  Weisen  verstehen  die  Lage  schnell,  sie  danken  schleunigst  ab  und  kehren 
zmn  Ackerbau  zurück.  Die  höchsten  Bei'ge  werfen  keine  Schatten,  und 
die  tiefsten  Ströme  fließen  ohne  Geräusch.  Wenn  ich  an  den  gelben  Kaiser' 
und  an  Yao  *  zurückdenke,  muß  ich  endlos  seufzen.  Ich  bin  gern  arm  und 
niedrig  und  verschmähe  eine  hohe  Stellung.  Der  reine  QuelP  fließt  dahin 
und  teilt  sich  foi-twährend  (in  klares  und  trübes  Wasser) ;  Gute  und  Böse 
bilden  zwei   verschiedene  Arten.     Wenn   ich  untersuche,   welcher  von  den 


1  Vgl.  hierzu  Anm.  11  auf  S.  232. 

2  -^i^  vgl.  Chuangtzü,  Legge,  Texts  of  Taoism  I,  8.242:  the  great  Mass 
(of  nature). 

'  Hi  i«t  gleich  HM  51'^  oder  ^j^^M  vgl.  _^§ß. 
47.  Kap.  (Chavannes,  Mein.  hist.  V.,  S.  373)  und  Pan  Ku,  Tung-tii-fu  im  Wen- 
hsüan,  1.  Kap. 

■•  Ein  altes  Spiel;  Couvreur,  Dict.  classique,  8.  184,  bringt  ein  Zitat,  das  er 
irrtümlicherweise  als  dem  1.  Kap.  des    ^ß  gp    entnommen  bezeichnet. 

^    ^B  ?^  kommt  sowohl  bei  Kuan-tzu   wie  bei  Hsün-tzü  vor. 

•^    Vgl.  I-king,  Legge  8.348,4:   things  are  divided  according  to  their  classes. 

'    I^T^S    '^^    Ä'S*'  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  871. 

«    Jg   ist  ^,  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  242G. 

^  Der  Ausdruck  'Ä%)j^^  findet  sich  im  öSf^^'^ii^'  Wen-hsüan, 
59.  Kap.  In  den  Ausgaben  der  Mandschu-Dynastie  steht  seit  1862  VS  für  V^., 
das  im  Personalnamen  des  Kaisers  T'ung-chih  vorkam. 


BERNnARDi  und  VON  Zach:   T'ao  Yuan-niing.  231 

hundert  Wegen  '  des  Gelehrten  der  schätzenswerteste  ist,  so  lobe  ich  mir 
keinen  mehr  als  den  der  Tugend.  Wir  empfingen  des  Himmels  Gesetz  und 
die  von  den  Weisen  hinterlassenenAVerke;  daraus  entwickeln  sich  Anhänglich- 
keit und  Liebe  den  Fürsten  und  Eltern  gegenüber,  Treue  und  Gerechtigkeit 
für  Nachbarn  und  Ortsgenossen.  Einst  hielt  man  die  Aufrichtigkeit  hoch 
und  erntete  Ruhm,  ohne  daß  man  auf  krummen  Wegen  daTiach  strebte. 
Aber  leider  änderten  sich  die  Zeiten.  Jetzt  sucht  man  alles  gleichzumachen'^ 
und  vernichtet  das  Hervorragende,  alle  hassen  den  ihnen  Überlegenen.  Den 
guten  Logiker  nennen  sie  unklar,  den  Ehrenhaften  bezeichnen  sie  als  phan- 
tastisch. Ein  vollkoumiener-*  Edler,  der  über  Jeden  Zweifel  erhaben  ist, 
erfährt  zum  Schlüsse  nur  Kränkungen  und  muß  Verleumdungen  hinnehmen. 
Obwohl  sein  Herz  Edelsteine  und  Orchideen'*  birgt,  ist  er  umsonst  von 
duftender  Reinheit,  und  niemand  traut ^  ihm.  Ach,  er  wird  verkannt!  Denn 
jetzt  sind  nicht  mehr  die  Zeiten  des  Kaisers  Yen  und  seiner  Nachkommend 
Wie  früher  sucht  er  sich  durch  edles  Streben  auszubilden.  Unentwegt  hält 
er  an  der  täglich  dreimaligen  Prüfung^  fest,  um  seine  Tugend  zu  vervoll- 
kommnen und  den  Anforderungen  seiner  Zeit  zu  entsprechen.  Aber  die 
Zeit  (da  er  verwendet  werden  könnte)  kommt  und  begünstigt  ihn  nicht. 
Wenn  kein  Yüan^  für  Chang  Chi"  freundliche  Worte  gesprochen  hätte, 
wäre  letzterer  wohl  zeitlebens  imbemerkt  geblieben.  Ich  beklage  den  alten 
Feng'"  im  Tribunal,  der  es  nur  dem  Statthalter  Wei  verdankte,  daß  er 
dem  Kaiser  seine  Ratschläge  unterbreiten  durfte.  Man  sollte  fast  glauben, 
er  hätte  früher  bekannt  werden  müssen,  und  doch  mühte  er  sich  bis  hoch 
in   sein   Alter   in    einer   untergeordneten   Stellung   ab.     Man   ist    überzeugt. 


'  Ö  ■^~T  findet  sich  im  Kommentar  des  Cheng  K'ang-ch'eng  (^^)  zur  Shih- 
king-Stelle,  Legge  IV,  S.  99:  when  a  gentleman  indulges  in  such  pleasure  (a  man's 
sphere  is  wide). 

2  ^  [^   vgl.  Liki,  ed.  Couvreur  I,  S.  24. 

3  Betr.    jg  vgl.  Lunyü,  Legge  I,  S.  207. 

*  Bc'  T^  rp]  gibt  das  P'ei-wen-yün-fu  ein  zeitlich  späteres  Zitat  (aus  den 
Büchern  der  Sui-Dynastie)  an,  ohne  T'ao  Yüan-ming"s  Gebrauch  dieser  Phrase  zu 
erwähnen. 

»    Zu  ^  vgl.  Mengtzü,  Legge  11,  S.  443. 

^  ^  '^  ist  Shen-niuig,  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1695;  ^  ^  sind  die  Nach- 
kommen dieses  Kaisers;  vgl.  auch  Chang  Heng's  Tung-ching-fu,  Wen-hsüan  3.  Kap. 
(gegen  Schluß). 

'    Vgl.  Lunyü,  Legge  P,  S.  139. 

*  ^^  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2571;  die  Bücher  der  Han-Dynastie 
schreiben    ^^    statt   jra  ;  vgl.  auch  Wieger,  Textes  histor.  L,  S.  401. 

°  j^  ^p  ^  ■^■gl-  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  105,  blieb  zehn  Jahre  lang  unbe- 
achtet auf  seinem  Posten,  bis  ihn  Yüan  Yang  zur  Beförderung  empfahl. 

1"  Über  >^j^  und  ^^  vgl.  ^  |g,  102.  Kap.  und  ChMen-han-shu, 
50.  Kap.;  endlich  auch  Petillou,  AUus.  lit.  S.  222. 


232  Bernhardi  und  von  Zach  :   T'ao  Yuan-niing. 

daß  es  auf  dem  Markte  keine  Tiger'  gibt;  wenn  es  aber  drei  Leute  be- 
haupten, wird  man  verwirrt.  Ich  beklage  auch  den  glänzenden  Geist  des 
Ilolineisters  (."liia  I  S  dessen  weitreichende  Ideen  in  enger  ümgel)ung  ver- 
küuuuern^  mußten.  Ich  denke  ferner  mit  Kunnner  an  den  tiefen  Verstand 
des  Ministers  Tung  Chung  shu*,  der  wiederholt  in  Gefahr  war,  sich  aber 
glücklicherweise  immer  wieder  zu  retten  wußte.  Es  bewegt  mich,  daß  alle 
diese  weisen  Männer  kein  Glück  hatten,  und  mein  Gewand  wird  von  nieder- 
strömenden Tränen  benetzt.  Von  den  Herrschern  des  Altertums  habe  ich  die 
edle  Lehre  überliefert  bekommen,  die  besagt,  daß  der  Grundzug  des  Ilinunels 
(Gerechtigkeit  ist,  die)  keine  Neigungen  kennt  ^.  Damit  wird  eine  Be- 
ständigkeit angenommen,  die  vorbildlich  wirken  soll;  als  ob  ein  festes  Gesetz 
bestünde",  wonach  dem  Tugendhaften  geholfen,  dem  IMenschenfreundlichen 
Beistand  gewährt  werden  müsse.  Statt  dessen  sehe  ich  Po  I "  bis  ins  hohe 
Alter  Hunger  leiden  und  Yen  Hui**  in  jungen  Jahren  arm  sterben;  unter 
Tränen  wurde  für  diesen  um  den  Wagen  zur  Beschaffung  des  Außensarges 
gebeten,  und  traurig  aß  jener  vom  Kraute  Wei  und  starb.  Warum  mußte 
für  sie  Leben  und  Tod  doch  so  bitter  sein,  obwohl  beide  die  wahre 
Lehre  liebten  und  ihre  Handlungen  gerechte  waren!  Ich  zweifle,  ob  darin 
eine  Belohnung  der  Tugend  liegt,  und  ich  fürchte,  daß  alle  jene  Worte  Lügen 
sind.  AVie  einsam  stehen  wir  Toren  in  dieser  Welt,  wie  selten  finden  wir 
einen  Weg,  der  nicht  uneben  ist.  Aber  unter  den  ISIenschen  des  Altertums 
herrschte  ein  edles  Streben,  vmd  sie  waren  bekümmert,  wenn  sie  keinen 
besondern  Ruhm  erwerben  konnten".  Li  Kuang^*'  diente  seit  seiner  Jünglings- 
zeit als  Offizier,  und  w-enn  er  mit  zehntausend  Städten"  belohnt  worden 
wäre,  hätte  er  sich  nicht  beschämt  zu  fühlen  brauchen.  Seine  ei'habenen 
Absichten  wurden  jedoch  durch  einen  Günstling  '"^  des  Kaisers  vereitelt,  und 


^    Vgl.  Pctillon,  Allus.  lit.  S.  375 ;  d.  h.  man  hört  auf  Verleumdungen. 

2  Über  Chia  I  vgl.  Giles,  ßiogr.  Dict.  Nr.  321. 

3  Der  Ausdruck  ^HF^^  kommt  im  9.  Trinkliede  T'aos  vor;  vgl.  Bernhardi, 
a.  a.  0.  S.  41. 

*  Vgl.  Anm.  2  auf  S.  229. 

*  Vgl.  Shuking,  Legge  III,  S.  209  (Heaven  has  no  affections). 
^    Zu  -^S  — '   vgl.  Ch'ü  Yüan  im    ^J©^  "mV.  ^^ . 

^    Vgl.  Anm.  6  auf  S.  229. 

^  Betr.  Yen  Hui  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  24ü5.  Yen  Huis  Vater  war  bei 
des  Sohnes  Tode  zu  arm,  um  den  damals  ül)Iichen  Doppelsarg  zu  beschaffen,  und 
bat  Konfuzius,  zu  diesem  Zwecke  seinen  Amtswagen  zu  verkaufen.  Konfuzius  lehnte  es 
ab,  da  er  seinen  eigenen  vSohn  auch  nur  in  einem  einfachen  Sarge  begraben  hatte. 
Vgl.  Lunyü  P,  S.  239. 

^  Zu  :^  J^  !^  jx.  vgl.  Li  Sao,  IV.  Abschnitt,  17.  Stanze:  And  I  fear  that 
the  cultivation  of  my  name  will  not  have  been  accomplished. 

10    Über  ^  ]g   vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  1159. 

"  In  der  Biographie  des  Li  Kuang  (Bücher  der  Han-Dynastie)  steht  Ä  Ö 
statt   H^. 

^    Gemeint  ist  hier  Wei  Ch'ing,  vgl.  Giles,  Biogr.  Dict.  Nr.  2268. 


Bernhardi  und  von  Zach:   Tao  Yuan-ming.  233 

nicht  einmal  ein  Fußbreit  Erde  wurde  ilnn  gegeben.  Aber  seine  wahre 
Loyalität  überlebte  ihn  urjd  entlockte  allen  Leuten  Klagen  und  Tränen.  Wang 
Shang '  beobachtete  die  Gesetze  strenge  und  suchte  den  Übclständen  abzu- 
helfen; anfangs  fanden  seine  Worte  Anerkennung,  aber  später  überkam  ihn 
Unglück.  V\>shalb  war  seine  gute  Zeit  so  plötzlich  vorüber?  Warum  war 
das  Unglück  stärker  als  seine  Willenskraft;'  —  Hoch  über  uns  spannt  sich 
der  unendliche  Himmel,  und  hier  unten  mühen  sich  die  armen  Menschen 
ohne  Rast^.  Ich  bin  bewegt  und  stehe  ratlos  (dem  großen  Rätsel  gegen- 
über). Wer  kann  wohl  des  Hinunels  Gesetze  ergründen?  Darum  will  ich 
lieber-^  bei  meiner  Arniut  verbleiben''  und  meinen  Neigungen  folgen,  statt 
mich,  vom  geraden  Wege  abweichend,  in  Schwierigkeiten  zu  verwickeln. 
Wenn  mir  schon  die  Beamtenlaufbahn-'  nicht  glänzend  erscheint,  warum 
sollte  ich  mich  meiner  zerrissenen  Kleider''  schämen?  Ist  wirklich  die  Ge- 
legenheit versäumt  worden,  mich  heranzuziehen,  freue  ich  mich  doch  der 
Rückkehr  zur  Ruhe '.  Ein  einziges  Gewand  genügt  mir  als  Hülle  für  den 
Rest  meiner  Jahre,  und  selbst  die  beste  Bezahlung**  in  der  Hauptstadt  ver- 
schmähe ich! 


2.  Ode  über  die  Beruhigung  der  Leidenschaften. 

Vorrede:  Chang  Heng^  war  der  erste,  der  ein  Gedicht  ȟber  die  Be- 
sänftigung der  Leidenschaften«  schrieb,  und  dann  verfaßte  Ts'ai  Yung  "^ 
das  seine  »von  der  Beschwichtigung  der  Leidenschaften«,  Beide  drückten 
sich  h\  gewählten  Worten  aus  und  machten  die  Heiterkeit  zur  Haupt- 
sache. Im  Anfang  ließen  sie  ihre  Gedanken  zuchtlos  strömen,  aber 
am  Ende  kamen  sie  zu  Besonnenheit  und  zu  vorbildlichem  Ausdruck. 
Sie  suchten  das  Herz  mit  seinen  wilden  Begierden  einzuschränken, 
und  damit  dienen  sie  den  Späteren  wohl  als  Mahnung  und  Rat.  Zu 
allen  Zeiten  gab  es  solche  Dichter,  die  sich  in  denselben  Gedanken 
trafen  und  denselben  Sinn  weiter  ausbreiteten  ".  Ich,  in  meinem  Garten, 


1  Über  3g  j^   vgl.  Giles,  Biogr.  Biet.  Nr.  2218. 

2  ^  g^    vgl.  Shihking,  Legge  IV,  S.  167  (without  rest). 

^  In  den  Ausgaben  der  INIandschu-Dynastie   steht   seit  1821    ^^    statt 
weil  letzteres  Zeichen  in  dem  Peisonalnamen  des  Kaisers  Tao-kuang  vorkam. 

*  roj  öp    vgl.  Lunyii,  Legge  P,  S.  294:  to  endure  want. 

^  ^-f  ^  ^'gl-  Chuangtzn  (Couvreur,  Biet,  class.  S.  63). 

^  Vgl.  Lunyö,  Legge  P,  S.  225:  tattered  robe  guilted  with  hemp. 

8  Vgl.  dazu    ife^,   Lunyü,  Legge  I,  S.  221. 

^  Chang  Heng  vgl.  Giles,  Biogr.  Biet.  Nr.  55. 

1^  Ts'ai  Yung  vgl.  Giles,  Biogr.  Biet.  Nr.  1986. 

"  MM  'S^-  I-'^'^S'  Legge,  S.  .366^3. 


234  Bernhardi  und  von  Zach:   T'ao  Yuan-ming. 

habe  Muße;  da  tauche  ich  den  Pinsel  in  die  Tusche,  um  auch  darüber 
zu  dicliten.  Obwohl  die  Schönheit  des  Stils  nicht  genügt,  wird  doch 
wohl  über  die  Gesinnung  des  A'erlassers  keine  Täuschung  bestehen 
können.  (folgt  Bcrnliardi,  S.  48—52.) 


3.  0  Heimkehr! 

(Siehe  Bernhardi,  S.  52 — 55.) 

S.  54,  Z.  4:  Das  war  im   11.  Monat  des  Jahres  I-hsi. 

S.  54,  Z.  7  und  8:  Lange  genug,  daß  mein  Herz  durch  den  Körper  be- 
herrscht wurde, 

S.  54,  Z.  4  V.  u. :  Bei  meinem  Spaziergange  ruhe  ich  von  Zeit  zu  Zeit, 

S.  55,  Z.  9 — 11:  —  der  Welt  Getriebe'  liegt  nun  fern  von  mir.  Ich 
erfreue  mich  usw. 

S.  55,  Z.  16:  da;  nun  gibt  es  Arbeit  usw. 

S.  55,  Z.  19 — 21:  Bald  geht  es  die  Windungen  des  Wasserlaufes  ent- 
lang, bald  usw. 

S.  55,  Z.  11 — 9  V.  u.:  Ich  wünsche  mir  nur  schöne  Tage,  an  denen 
ich  einsam  spazieren  gehen  kann;  zuweilen  will  ich  usw. 

S.  55,  Z.  4  V.  u.:  Mich  dem  Schicksal  anvertrauend,  mag  ich  usw. 


^   vgl.  Shihking  IV,  S.  288. 


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230 


Bkbmiar»i  und  von  Zach:   Tao  Yuan-iuing. 


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Conrady;   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  261 


Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

Von  A.  Conrady. 


Je  mehr  man  sich  in  das  Chinesische  einliest  imd  einlebt,  desto  bestimmter 
muß  sich  meines  Erachtens  die  Empfindung  aufdrängen,  daß  die  Züge 
seines  Charakterbildes  in  der  landläufigen  Darstellung  doch  wohl  ein  wenig 
zu  scharf  gezeichnet  sind.  Und  das  gilt  nicht  bloß  von  unbedeutenden 
Nebenzügen,  sondern  gerade  die  Grundlinien,  die  Fundamente  seines  Baues, 
werden  davon  betroffen.  So  vor  allem  sein  Scliiboleth,  die  Stellungs- 
gesetze. Zwar  sind  sie  in  der  klassischen  Sprache  —  imd  nur  sie  mit 
ihren  Ausläufern  pflegt  ja  der  Gegenstand  jener  Schilderungen  zu  sein  — 
unzweifelhaft  von  großer  Festigkeit;  aber  so  ganz  der  starre  Panzer  sind 
sie  doch  nicht,  wozu  man  sie  machen  möchte,  denn  es  gibt  eine  beträcht- 
liche Menge  von  Ausnahmen.  Einen  (sogar  recht  ansehnlichen)  Teil  von 
ihnen  kennt  man  freilich  schon,  doch  will  man  Ihn  eben  nicht  recht  an- 
erkennen, sondern  bemüht  sich,  ihn  durch  allerlei  Verklausulierungen  und 
Deutungsversuche  möglichst  in  die  Regel  einzuordnen.  Aber  wie  diese 
ohnehin  schon  nicht  überzeugend  sind,  auch  wo  sie  dem  chinesischen 
Sprachgefühl  nicht  widersprechen,  so  verlieren  sie  vollends  alle  Wahr- 
scheinlichkeit, wenn  man  nun  sieht,  daß  die  Ausnahmen  nicht  allein  noch 
häufiger  sind,  als  bisher  angenommen  wurde:  daß  das  substantivische  Objekt, 
ja  selbst  das  Prädikat,  viel  öfter  und  willkürlicher  voran-,  das  adjektivische 
Attribut  viel  öfter  nachsteht,  sondern  daß  dies  obendrein  auch  oft  im  freien 
Wechsel  mit  der  gewöhnlichen  Stellung  und  immer  unter  Verhältnissen  ge- 
schieht, auf  welche  jene  Erklärungsversuche  schlechterdings  nicht  passen  ^ 

'  So  steht  das  substantivische  Objekt  bei  negativem  Verbum  häufig  voran, 
ohne  daß  Gabel entz'  veikünstelte  Einschränkung  (Gr.  Gramm.  §  1175)  erfüllt  wäre 
(z.  B.  ;^  ^  ^^^/j^  ^^^>^^  wancj-che  yü  puh  kih  hi,  lai-che 
wu  puh  wen  »Die  Vergangenheit  hab'  ich,  ach,  nicht  erreicht,  die  Zukunft  nicht  er- 
fahren« :  Ts'u-tz'e  5,  la;  andere  Beispiele:  Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  797, 
Kuoh-yü  15,  8a,  Ts'u-tz'e  3,  8a,  Han-Fei  15,  3b,  Li-ki  5,  17b  usw.)  und 
dann  namentlich  ungemein  oft  bei  den  (nicht  negierten  oder  negierten)  Verbis  des 
Essens   imd  Wohnens,   z.  B.    |_[j  ^B   shan  kü,  Hf*  J^  ye  cA'm    »das  Gebirge,   die 

Einöde  bewohnen«,  TK"^^  (a1  ^^  '"*  *^'^'  J*^^  ^^^^  »Getreide  essen.  Fleisch 
essen«.  Diese  Konstruktion  scheint  eine  dauernde  Tätigkeit  zu  bezeichnen,  doch 
findet  sich  auch  die  herkömmliche  Stellung  in  demselben  Sinn.  Von  nachgestell- 
ten Attributen  nenne   ich  Verbindungen  wie  '^J^  "Hj  f^  ^"  kiu-wei   »der  neun- 


262  Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton, 

Man  wird  sie  also  ganz  beiseitescliieben  und  aus  dem  gesamten  Ausnahmeii- 
material  den  Schluß  ziehen,  welcher  dem  unbefangenen  Urteil  schon  zuvor 
als  der  natürlichste  erscheinen  nnißte:  daß  sich  in  diesem  Wechsel  zwischen 
okkasioneller  imd  traditioneller  Stellung  (um  Delbrücks  Terminus  zu  ge- 
brauchen) einfach  eine  größere  Beweglichkeit  der  Sprache  bekundet.  Jeden- 
falls aber  wird  man  fortan  Urteile  wie  dasjenige  Fr.  Müllers  (Grdr.  II, 
2,  399),  daß  die  Sprache  »die  Wurzel  des  ganzen  Organismus,  den  Unter- 
schied zwischen  Nomen  imd  Verbum,  in  der  gründlichsten  und  schärfsten 
Weise  erfasse«,  oder  Steinthals  (Charakt.  115,  vgl.  Misteli  169),  daß 
darin  »die  Grundverhältnisse  der  menschlichen  Rede  —  das  prädikative,  das 
attributive  und  das  objektive  —  fest  geschieden«  seien,  nicht  ohne  großen 
Vorbehalt  unterschreiben,  ja  selbst  der  Glaube  an  das  Chinesische  als  eine 
Formsprache  könnte  ins  Wanken  geraten. 

Und  wie  die  chinesische  Mauer  des  Satzgefüges,  so  hat  auch  die 
Einsilbigkeit  eine  Bresche,  die  bisher  so  gut  wie  ganz  übersehen  worden 
ist.  Ich  denke  hier  nicht  an  die  Zusammensetzungen,  denn  die  gehören 
ja,  wie  man  mit  Recht  betont  hat,  nicht  eigentlich  hierher,  sondern  ich 
meine  die  echten  zweisilbigen  Wörter:  die  Doppelungen.  Von  diesen 
hat  meines  Wissens  nur  Gabelentz  etwas  ausfühi-licher  gehandelt,  doch  be- 
rücksichtigt auch  er  bloß  die  Geminationen,  und  zwar  ganz  überwiegend 
nur  die  der  vorklassischen  Sprache.  Aber  das  genügt  in  keiner  Weise,  wie 
sich  bei  genauerer  Untersuchung  herausstellt.  Die  cliinesische  Doppelung 
zeigt  vielmehr  wohl  alle  die  Formen,  die  auch  bei  anderen  S])rachen  zu 
beobachten  sind:  nämlich  außer  jener  einfachen  Wiederholung  (Gemi- 
nation) den  Ablaut-  und  den  Anlaut-  resp.  A uslaut Wechsel,  oder 
beides  zusammen,  sowie  endlich  auch  neben  der  Verkih-zimg  des  zweiten 
Gliedes  diejenige  des  ersten,  die  Reduplikation;  diese  echten  Zweisilbler 
—  die  sich  als  solche  dadurch  charakterisieren,  daß  in  der  Regel  zum 
wenigsten  eine  der  beiden  Silben  ohne  selbständige  Bedeutung  ist  (und 
denen  sich  übrigens  vielleicht  noch  Suffixbildungen  zugesellen)  —  sie  werden 
sodann  durchaus  nicht  bloß  als  schildernde  oder  malende  Adjektive  und 
Adverbien  gebraucht,  sondern  sie  fungieren  auch  als  Substantiva  luid 
Verba,  und  zwar  im  ersten  Falle  gern  als  Tier-  und, Pflanzennamen 
oder  auch  als  Diminutiva,  im  letzteren  öfters  als  Inchoa  ti  va  und  Reci- 
proca';  und  wenn   ich   mich  auf  den  Ausweis   der   ersten  10000  Wörter 

schwänzige  Fuchs«  (Shi-ki  usw.),  "«T  ^fl) i*R ^Ölmi  nü-kua  she-k'ü  -die  schlangen- 
leiblge  Nü-kua«  (Wen-süan  11,  IIb;  vgl.  u.a.  aucli  Ts'u-tz'e  3,  5a,  5b;  7, 
2b,  3a).  Einige  Belege  für  die  Voranstellung  des  Prädikats  wird  der  Verlauf 
der  Untersuchung  bringen. 

*    Beispiele.    Ablaut:  '^^z^  sit-sut  . . .  »e.  Ton«  (susurrus),  vgl.  i^    | 

sit-sit  "leiser  Ton«,  ^^ffu"  tsuk-tsik  «sich  respektvoll  bewegen«,  'l'j^  'l'g  't\cn-fuan 

»vergeßlich,  zerstreut«;  Anlautwechsel:  J||n  03  ^««-t^ü  »Augenblick«,  j^f^lj 
puat-lat  »auseinanderrollen«,  »Ton  des  gespannten  Bogens«;  Auslaut  Wechsel: 
Ttt'S|  lim-lik  »kalt- ;  Anlaut-  und  Inlautwechsel  zugleich:  >|5{lj  tfl  tut -nguat 

»Kapitell«;  Reduplikation:   'Wj 'gl  ^pu-puk  (alt  bu-buk)  »kriechen«;  Verkür- 


Conrady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  263 

in  Ch almers'  »Concise  Khanghi«  stützen  darf,  die  1591  solcher  eigentlichen 
Doppelungen  enthalten,  so  machen  sie  in  der  klassischen  imd  nachklassischen 
Schriftsprache  ungefähr  ein  Sechstel  des  ganzen  Wortschatzes  aus. 
Dies  ist  nun  doch  wohl  keine  quantitc  negligeable  mehr,  wenigstens  wenn 
es  sich  um  eine  allgemeine  Charakteristik  der  alten  Sprache  imd  nicht  bloß 
der  klassischen  Schriftsprache  handelt;'  man  wird  also  getrost  behauj)ten 
dürfen,  daß  es  auch  mit  der  Einsilbigkeit  nicht  ganz  so  streng  zu  nehmen 
ist,  wie  man  das  zu  tun  pflegt. 

Und  so  gibt  es  noch  einige  andere  Erscheinungen,  wo  der  Sprache, 
wenn  ich  so  sagen  darf,  das  Korsett  ein  wenig  zu  fest  geschnürt  worden 
ist.  Man  hat  in  allen  diesen  Fällen  eben  doch  wohl  etwas  zu  sehr  de- 
duziert und  systematisiert.  Das  kommt  aber  in  der  Hauptsache  schließlich 
daher,  wie  mir  scheint,  daß  die  vorklassische  Sprache  bisher  recht  eigent- 
lich das  Stiefkind  der  Sinologie  gewesen  ist  —  so  sehr,  daß  sie  der  Fülle 
von  Darstellungen  der  jüngeren  Formen  meines  Wissens  nur  die  zwei  Mono- 
graphien von  Merz  und  Uhle  gegenüberstellen  kann.  Hätte  man  die 
ältesten  Dokumente  eindringlicher  befragt,  als  es  geschehen  ist,  so  würde 
man  zu  ganz  anderen  Resultaten  gekommen  sein.  Denn  hier  imd  ganz  be- 
sonders im  Liederbuche  (Shi-king),  das  vermutlich  doch  die  wirklich  ge- 
sprochene Sprache  wenigstens  imgefähr  verkörpert,  sind  zuvörderst  jene 
Unregelmäßigkeiten  im  Satzbau  in  so  gesteigertem  INIaße  vertreten,  daß  die 
Stellungsgesetze  zwar  nicht  gerade  in  alle  Winde  zerflattern,  wie  ein  eng- 
lischer Sinologe  (R.  Douglas,  wenn  ich  nicht  irre)  gemeint  hat,  aber  von 
einer  geradezu  verblüffenden  syntaktischen  Freizügigkeit,  bei  welcher  —  ein 
ganz  mierhörter  Fall  sonst  —  anscheinend  sogar  das  genitivische  Attribut 
seinem  Regens  mitunter  folgen  kann,  doch  beinahe  lahmgelegt  werden.  Das 
läßt  denn  doch  wohl  nur  die  eine  Folgerung  zu,  daß  wir  es  bei  den  Ana- 
logien der  klassischen  Sprache  eben  mit  Ul^erlebseln  dieser  freieren  Stellimg 
zu  tun  haben.  Aber  auch  auf  den  iMonosyUabismus  würde  von  hier  aus 
vielleicht  ein  überraschendes  Licht  gefallen  sein.  Denn  wenn  die  Doppe- 
lungen in  der  vorklassisdien  Sprache  auch  einen  etwas  weniger  breiten 
Raiun  als  sj)äter  einnehmen  mögen  (nach  dem  Shi-king  zu  urteilen  un- 
gefähr ein  Siebentel  des  Wortschatzes),  so  weisen  sie  dafür  nicht  bloß 
schon  alle  die  oben  bezeichneten  Formverschiedenlieiten  und  vereinzelt  sogar 
jene  viersilbigen  Verbindungen  auf,   wie   sie   der   fast  nicht  mehr  einsilbig 


zung  der  zweiten  Silbe:  y^  »VM  'p'ang-pi  « Ton  des  Wassers «  ;  i'W  jt'0  luk-lu 
»Schöpfeimer«.  —  Pflanzen-  und  Tiernamen:  S||T  [g|  t,ÄM- c,/«  »(Flaschen-) 
Kürbis«,  |[^  ^^sit-sut  (vgl.  oben)  »Zikade«;  Diminutiva:  -pK  :^ -^ja'eu- -^/eu  (alt 
beu-leu)  »Hügelchen«  (aus  B.  ^Jeu,  alt  beu  »Hügel«),  -^^ '^^  ichu-  cju  »kurze 
Jacke«;  Inchoativa:  j[jj]  i^J^^i/eu-  ^nieu  »trocknen  wollen,  trocken  werden«  (desgl. 
substantivisch:  J^&HMI  ^meng-  J.ung  »der  Mond  im  Begriff  unterzugehen«);  Re- 
ciproea:  mi  b|J(  yep-niep  »einander  berühren«,  V'Wv  )wll  p'iet-H  (aus  p'it-lit)  »ein- 
ander verlassen«,  5^  1ä  ^cÄa-c.72a  »aneinanderkleben,  einander  anhängen«  usw.  usw. 


264  Cosrady:    Der  altohinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

zu  nennenden  neueren  Sj)raclie  eigen  sind,  sondern  es  scheint  vor  allen 
Dingen  auch,  als  lasse  sich  hier  der  Anfang  eines  Dekompositionsprozesses 
beobachten,  der  (zum  Teil  vielleicht  gar  initer  Erscheinungen,  die  an  unsere 
Ablautforuien  erinnern)  durch  Spaltung  der  Zweisilbler  und  Selbständig- 
werden des  einen  oder  beider  Bestandteile  einsilbige  Wörter  erzeugt',  und 
der  sich  dann,  als  Analogon  zu  der  Verkürzung  niehrgliedriger  Kom- 
posita in  zweigliedrige,  auch  in  den  späteren  Stadien  fortsetzt  (vgl.  z.  B. 
nan  »Anbetung«,  aus  nan-tcu,  alt  nam-mu  =^  sanskr.  nanio);  die  Einsill)igkeit 
würde  sich  also  bei  einem  vielleicht  nicht  einmal  unbedeutenden  Bruchteil 
des  Wortschatzes  als  eine  nicht  bereits  zur  Urzeit  —  denn  für  diese  hatte 
man  es  ja  schon  vermutet  — ,  sondern  erst  in  historischer  Zeit  eingetretene 
Entwicklungsform,  die  Starrheit  auch  hier  als  eine  zum  Teil  vielleicht 
sogar  künstlich  geptlegte  Erstarrung  erwiesen  haben. 

Bei  solcher  historischen  Betrachtung  wäre  dann  zugleich  nicht  bloß  der 
Zusammenhang  zwischen  der  ältesten  und  jüngsten  Stufe,  der  spiralisch  zum 
Ausgangspunkte  zurückkehrende  Gang  der  Entwicklung,  deutlicher  hervor- 
getreten, es  hätte,  was  wichtiger  ist,  auch  die  Isoliertheit  des  Chinesischen 
ein  ganz  anderes  Gesicht  bekommen.  Denn  gerade  diese  Erscheinungen: 
die  Reste  von  freierer  Stelhmg  und  von  Mehrsilbigkeit  sind  es  ja,  welche 
die  Brücke  von  ihm  zu  den  »formlosen«  Idiomen  seiner  Vettern  (besonders 
des  Siamesischen)  und  weiterhin  auch  zu  der  Sprache  der  übrigen  Mensch- 
heit schlagen. 

leinen  Beleg  zu  diesen  (notgedrungen  etwas  langatmigen)  Ausführungen, 
der  einerseits  und  zunächst  die  etwas  zu  enge  Fassung  der  Regel  und  das 
Fehlen  historischer  Behandlung  erklärt  und  dann  andererseits  den  — 
übrigens  ja  selbstverständlichen  —  Wert  der  letzteren  für  die  innere  Ge- 
schichte des  Chinesischen  wie  für  die  Beseitigung  der  Scheidewand  gegen 
andere  Sprachen  beleuchtet,  gibt  nun  der  altchinesische  Fragesatz. 

Denn  es  ist  ja,  man  darf  wohl  sagen,  ein  Axiom,  daß  die  Zweifel- 
frage   (um   die  es  sich   allein   hier  handelt)    oder  genauer   der  Ausdruck 


'  So  z.B.  "fa:.  Jw  ^leu  »Hügelchen,  kleiner  Grabhügel«  (das  zweite  Glied  von 
^p'eu-  Heu,  das  mit  vokalharnionisch  abgewandeltem  Auslaut  als  Stammerweiterung 
(speziell  auch  zur  Diminutivbildung)  häufig  ist;  ^g  ^ju  »kurze  Jacke«  (aus  tjchu  ^ju 

dass. ;  vgl.  1^  jis  ,<^^"  ^^^  »Zwerg«  >H^  ffn.''^"^^"  »kurzer  Tragbalken«);  /p  ^jen 
{a\t  ^nim)  »weich«  (aus  )  M^  ^jen- ^jan  [aXi  nim-ncni]  dass.).  —  Der  Prozeß  wurde 
erleichtert  oder  womöglich  verursacht  durch  die  chinesische  Vorliebe  für  Paraliclismus, 
die  seit  ältester  Zeit  zweigliedrige  Komposita  jeder  Art  zerreißt,  um  viergliedrige, 
antithetisch-parallele  Phrasen  zu  bilden  (t3'pisch  dafür  das  moderne  -g^  ^ö  -^  [^ 
na-tuTty-na-si  »einen  Gegenstand  nehmen«,  aus  dem  echten  Zweisilbler  tüng-si  »Gegen- 
stand«, also  wörtlich  »nehmen  Gegen-  nehmen  -stand«).  —  Unsern  Ablautformen 
analog  ist  z.  B.  tp  p'ien  »Teil«,  |  puan  »teilen«  (aus  p'ien-puan).  Sollte  hier 
eine  chinesische  (und  idch.)  Sonderentwicklung  vorliegen ?  Denn  der  idg.  Ablaut  wiid 
ja  meines  Wissens  aus  dem  Akzent  erklärt,  der  im  Chinesischen  —  vorsichtig  aus- 
gedrückt —  mindestens  bei  den  zweiteilige  Geräusche  nachahmenden  Onomatopoeticis 
nicht  in  Betracht  kommt. 


Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  265 

der  Zweifelfrage  im  Altchinesischen  —  wie  überhaupt  der  psychologisch- 
rhetorische,  der  Gefuhlsinhalt  der  Rede  —  im  Chinesischen  bloß  durch  an- 
gehängte Uilfswörtcr  (Final-  oder  besser  Schluß[)artikeln)  ausgedrückt  werden 
könne;  wenigstens  habe  ich  nirgendwo  in  der  einschlägigen  Literatur,  so- 
weit ich  sie  kenne,  eine  gegenteilige  Angabe  oder  auch  nur  eine  greifbare 
Einschränkung  gefunden. 

Und  doch  trifft  das  schon  für  die  klassische  Sprache  nicht  völlig  zu. 
Gewiß,  die  Konstruktion  mit  dem  Hilfswort  ist  hier  so  eingebürgert,  so  sehr 
die  Regel,  daß  es  pleonastisch  sogar  an  die  Tatsachenfrage  treten  kann,  ob- 
wohl sie  ja  din-ch  das  Fragepronomen  schon  hinreichend  charakterisiert  ist. 
Aber  es  gil)t  der  Ausnahmen  doch  genug,  um  eine  Registrierung  zum 
wenigsten  in  den  Grammatiken  zu  verdienen;  denn  sie  müssen  dem 
Anfänger  Schwierigkeiten  machen.     So  findet  man  z.  B.: 

'tm^L'^^  ju  k''i  Jen   »kam   (Jemand)  gleich  seiner  Menschenliebe?«    Lun- 
Sü  XIV,  17,  2. 

R^TlriEi  "''^  ivang-ye  »(warum)  sollte  ich  untergehen?»  Tso-chuan,  Chin. 
Class.  V,  510. 

3E.^N^  \^  PP  ÖE  '^^^'  ^you  H  ^yü  lel  »hat  die  Fürstin  (mir)  dem  Fei  etwas 

mitzuteilen?«    Kuoh-yü  (Jap.  Ausg.)  5,  IIa. 
-^ö  ^you  (mit   nachfolgendem    langen  Objektsatz)   »gibt  es...?«    A.a.O.  6, 

8b/9a;  IIb. 

4^  tJi  ^f-  ^^  •  •  •  ^^  f/t  )^  j'^  •  •  •  >^  yco  chuang  hiao  fi  .  .  .  pnh  tsung 
liu  suh  .  .  .  'fou  »sind  die  Jungen  und  Starken  pietätvoll  und  bruder- 
treu? .  .  .  Folgen  sie  nicht  schlechten  Sitten  .  .  .  oder  nicht?«  Li-ki 
10  (43),  52a/b. 

^^  ^mi~^  WM  Je«  wei  ta  »ist  nicht  der  Mensch  das  Größte?«  Li-ki 
(zit.  Julien,  Synt.  nouv.  I,  204). 

S!^|pJ"^^^P  A'V  ho  puh  chi  »wer  von  ihnen  (es  war),  weißt  du  nicht?« 
Tso-chuan,  Chin.  Ciass.  V,  519. 

■^^^^^^"^^^^  shiTi-Tci-yen-che  puh  ping  »wird  derjenige,  der  seine 
Worte  ißt   (=  nicht   hält),   nicht   zu   leiden   hal)en?«     A.  a.  0.  V,  530. 

rj\  ^  "M"  ^"  rffi  -^  W  J\.  H^  ^^^  ^^  ^^^^  ^^>  ^^  puh pei  ta  nan  »die  man 
beleidigen  würde,  sind  sehr  viele,  und  man  sollte  nicht  ernste  Schwierig- 
keiten (dadurch)  hervorrufen?«     Kuoh-yü  1,  8a.     Vgl.  Shi-ki  4,  6a. 

~^  0  .  •  .  piih  y'üeh.  . .  »ist  nicht  gesagt.  . .?  heißt  es  nicht. .  .  ?«  Lun-yü 
XVII,  7,  3. 

R  ^"tß*  WM  'sze-ye  »(warum)  sollte  ich  sterben?«  Tso-chuan,  Chin. 
Class.  V,  510. 

'pf^'Lj  Tsin  puh  wang  »wird  Tsin  nicht  untergehen?«  Kuoh-yü 
1,  19b. 

tM  W  Tm  '^  -^  ^"^^  '^'^  ^''^  'sing  'fou  » ist  es  möglich,  das  Verfahren  zu 
prüfen  oder  nicht?«     Kuoh-yü  3,  33a. 


260  Conraüy:    Der  altchinesisclic  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

moo  cr/i  '.shfi  '"wo  erh  >/ii  paiuj  'wo  -liast  du  inicli  nicht  einen  Jammer- 
greis  genannt  imd  mich  verjagt  und  mich  oheiidrein  nocli  verleumdet:*- 
K  uoli  - yii  17,  131). 
jftlE  itL  Uj[  '^  f^  ^^  «*"  n>ng  ^i-wri  tsung  ch'a  »wäro  es  niclit  besser,  sie  zu 
einer  Sclunach  tür  ihren  Ahnentempel  zu  machen?«  Tso- cliuan,  (hin. 
Class.  V,  »;90. 

^Qj  y^  ja. -Hl     icu-  "iiai    li-ye     »würde    es    nicht    eine    Beleidigung    sein?« 

Ebenda  V.  608. 
-^  f^  ^  "tfei  Ä:V /w-cA?-y<'    »du    wolltest    sie  fangen?«    Tso-chuan,  Chin. 

Class.  V,  194. 
iMl-^^^^H  ^iweipuh^sze  «windest  du  nicht  fürchten,  daß  er  stürbe?« 

Ebenda  V,  646. 
^^  iMl ^Ä  JffI  j3MÄ  Ici^nei-erh  »würde  sie  denn  nicht  verhungern?«  Ebenda 
V,  295. 

Und  so  noch  eine  kleine  Anzahl  verwandter  Fälle.  Sind  aber  schon 
die  Fragesätze  dieser  Art  nicht  so  ganz  »rari  nantes  in  gurgite  vasto«, 
weil  nämlich  aucli  noch  gleichgebaute  indirekte  Fragen  und  hypothe- 
tische Vordersätze  hinzukommen  (welch  letztere  nach  Ausweis  der 
öfters  bezeugten  Konstruktion  mit  einer  Fragefinale  gerade  wie  bei  uiis  als 
Fragesätze  aufgefaßt  wurden,  wie  das  schon  Misteli,  Char.  S.  202,  wenig- 
stens für  neuere  Sprachen  nacliweist),  so  kann  das  noch  weniger  von  den 
Fragen  gelten,  die  mit  S^  'kan  «darf  ich  wagen...«   ^    |    k'i'kan  ..dürft' 

ich  wohl  wagen...?  wie  düift'  ich«,    |    '^'Jcan puh  und  (selten)  '^Ü    |       | 
ÄrV  Jean  puh   »darf  ich    (dürfte  ich  wohl)    wagen,  nicht  .  .  .?«   gebildet   sind. 
Ich  führe  davon,  fast  waiillos  herausgreifend,  folgende  an : 

^jIM^^'J^R  ^^"  ^^^^  hing-ming  ..dürfte  ich  wagen,  dem  strafenden  Man- 
date zu  entfliehen?«     Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  735. 
1    >^i^^fe   'kan  juh  kao  wei  ..dürft'  ich  eine  hohe  Stellung  schänden?« 
A.a.O.  V,  102  (durch  Shi-ki  46,  la  ausdrücklich  als  Frage  beglaubigt). 
E.Ä)^^^^^   cA'en  'kan  wei  chi  .-darf  ich  wagen  dem  zuwiderzuhandeln?« 

A.  a.  0.  V,  806. 
|fJ^.^  W.>l^^(y^)    kan  "tjou   i  sin   {chi)    .dürfte   ich  andere  Gesinnungen 
(Gedanken)  hegen?«     A.  a.  0.  V,  735  (645). 
I    ^^Ty^    Jicin  ^you   ngan    chi    ..dürft'    ich  ruhige  Gedanken   haben?« 

Kuoh-yü  10,  14  a. 
)    ]^  .  •  •  ^a«  wang . . .   ..wagte  ich  zu  vergessen...?«   Kuoh-yü  14,  4  a; 
19,  2b. 
iMlJf^^^^'  k'i'kanjuhkün  ..wie  dürft'  ich  wagen  den  Fürsten  zu  dis- 
kreditieren?«    Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  269. 
I       I    ^^^""pH    ki    kan   wang   kün   ming    »dürft'  ich  wohl   (wagen)    des 
Fürsten  Befehl  (zu)  vergessen?«     Ebenda  V,  493. 


Conkady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  267 

I       I    i^  pn'    ^'*   '^on    nih   ming    »wie    dürft'    ich    wagen  dem    Befehl   zu 

widerstreben  1'"    Kuoh-yü  2,  8a. 

I       I     ^^'■fR    ^''*  ^kan   tze  ngai-ye    »wie   dürft'  ich    an  mich    denken;'« 

Kuoh-yü  2,  8b. 
%^~^^fy  'kan  puh  hing  «dürft'  ich's    wagen   nicht   elirerbietig   zu   sein?« 

Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  418,  420;  Kuoh-yü  13,  6h. 

I       I    2^  f >^   'kan  puh  iing  tsung    »dürften    wir's  wagen  nicht    zu  hüren 

und  zu  folgen?»  Ebenda  V,  645.  —  |  |  j|j§  f^t  •  •  • 'op  kan  jmli  shun 
tsung . .  .ming  »dürfte  ich  wagen  nicht  gehorsam  dem  Befehle  zu  folgen?« 
Kuoh-yü  19,  13b.  (Vgl.  ebenda  10,  15  a;  18,  13  b.)  —  ]  |  ^  f jJt 
'kan  puh  king  tstmg  ».  .  .  respektvoll  zu  folgen?«  Li-ki  7  (18),  57a; 
10  (37),  19a.  (Vgl.  ebenda  7  [18],  76b,  77a.) 
)  ]  B^^ -^^  (oder  ,^<  p^)  kan  puh  fing  ming  {cKeng  ming)  »dürft'  ich 
Avagen  dem  Befehle  nicht  zu  gehorchen  (den  Befehl  nicht  entgegen- 
zunehmen)?« Tso-chuan,  Chin. Class.  V,  621,  678,  762.  Ähnlich  a.a.O. 
V,  434,  481,  837  und  Kuoh-yü  13,  2a  (vgl.  auch  fj^^^^  'kan 
puh  /eng  ling  »darf  ich  wagen  den  Auftrag  nicht  zu  empfangen?« 
Shi-ki  87,  3a)  viud  ausführlicher: 

1  1  P^  0^ :^ ÜIe '^'^'^  P^^  "^^'  ming  ^shi  fing  »sollt'  ich's  wagen  nicht 
einzig  und  allein  dem  Befehl  zu  gehorchen  (etwas  anderes  zu  tun  als  .  .)?« 
Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  311,  341,  407,  837. 

I  ]  ^^  "^kan  puh  pai  »dürft'  ich  (C'hung-erh)  wagen  mich  nicht  zu  ver- 
neigen?« Ebenda  V,  185.  ]  |  ]  |^  'kan  puh  pai  teh  »sollten  wir 
uns  nicht  vor  (deiner)  Tugend  neigen?«  Ebenda  V,  662;  analog  W,  421 
und  Kuoh-yü  5,  2a,  2b;   10,  14a. 

I  I  ^^'I'm(^^)  kan  puh  tsin  tsing  {yen)  »muß  ich  nicht  die  Wahrheit 
sagen  (mich  aussj)rechen)?«  Ebenda  V,  647  (562).  )  ]  |  i^  {sin) 
»muß  ich  mich  nicht  aussprechen?«     Kuoh-yü  10,  6a. 

-^  Ä)l  >^  P|^  jjiM ^^  ^^  ^'*  kan  puh  wei  'li  ^shi  'shi  »hätte  er  gewMgt  nicht 
einzig  der  Schicklichkeit  zu  dienen?«  Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  767. 

Dieser  Typus  ist  im  Kuoh-yü,  wo  übrigens  die  direkten  Fragesätze 
ohne  Hilfspartikel  rund  ein  Achtel  aller  ausmachen,  nicht  ganz  doppelt 
(25  gegen  14),  im  Tso-chuan  sogar  beinahe  dreimal  so  oft  (64  gegen  23) 
als  jene  vorher  angeführten  vertreten,  und  gerade  er  ist  es  meines  Erachtens 
auch,  der  schon  a  priori  eine  Erklärung  der  ganzen  Erscheinung  an  die 
Hand  gibt.  Denn  wie  vielleicht  bereits  die  Beispiele  erkennen  lassen,  um- 
faßt er  nur  mehr  oder  minder  stehende  Formeln,  und  zwar  Formeln, 
die  in  feierlichen  Erlassen  und  Urkunden,  in  mehr  oder  weniger  zeremo- 
nieller Rede  verwendet  wurden.  Dieser  in  chinesischem  Sinne  liturgische, 
rituelle  Gebrauch  kennzeichnet  sie  aber  ohne  w^eiteres  als  altererbtes  Gut, 
als  Archaismen,  und  ihre  Altertümlichkeit  wird  denn  auch  noch  dadurch 
beglaubigt,   daß   sie  ganz   überwiegend  in   solchen  Werken  der   klassischen 


268  Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

Literatur  vorkumineii,  die  aus  ältcreu  (^)uellen  schöpfen  oder  zu  schöpfen 
l)ehaupten,  während  sie  sonst  —  außer  in  Edikten  —  um  so  seltener  zu 
werden  scheinen,  je  jünger  die  Urkunde  ist.  Wenn  also  schon  in  jenen 
älteren  Werken  öfters  Parallelfornicn  mit  Fragepartikel  daneben  erscheinen, 
(z.  B. :  fij^  ^^  ?4  -^  'kan  wang  kiin-hu  »darf  ich  wagen  den  Fürsten  zu  ver- 
gessen?" Tso-chuan,  C'hin.  Class.  V,  808;  fi^  ^^  ^^  ^l^'»  ^f-  kan  puh  tsin 
sin-hu  »dürft'  ich  wagen  mich  nicht  auszusprechen?«  A.  a.  O.  V,  246; 
IJFJy  yK  ^jf  Ril  'kan  puh  king-yä  -dürft'  ich's  wagen,  nicht  ehrerbietig  zu 
sein?«  Li-ki  9  (24),  4h  u.  dgl.),  so  wird  man  nicht  etwa  diese  für  die 
eigentlichen  und  ursprünglichen  Formen  halten,  wie  das  chinesische  Gram- 
matiker bei  der  Fi-age  mit  ÄE^TgTi  I  J§i-  i'"<^l  I  ^JV^  m'^-  ^nai,  wu  ning 
und  wu-yih  zu  tun  scheinen  ',  indem  sie  nach  ihrem  beliebten  Rezept,  «was 
man  sich  nicht  erklären  kann,  das  sieht  man  als  ein  Füllwort  an«  die 
Negation  frischweg  zu  einer  bedeutungslosen  Partikel  stempeln;  sondern 
man  wird  darin  vielmehr  Modernisierungen  dersell)en  Art  erblicken, 
wie  sie  auch  den  81iu-king  z.  B.  durch  das  Shi-ki  widerfahren  sind, 
jene  anderen  aber,  und  mit  ihnen  auch  die  übrigen  Fragesätze  ohne 
Hilfswort,  als  Üb  erleb  sei  aus  der  vor  klassischen  Periode  an- 
sprechen. 

Und  das  wird  denn  in  der  Tat  durch  die  ältesten  Sprachdenkmäler 
in  umfassendster  Weise  bestätigt.  Denn  da  finden  wir  zunächst  das  Urbild 
jener  Formeln,  ja  oft  w^öi'tlich  dieselben,  in  den  ein  für  allemal  geprägten 
und  gültigen  Zeremonialphrasen  wieder,  die  das  altehrwürdige  Ritualbuch 
Ngi-li  aufbewahrt  hat  —  und    sie   sind    immer   ohne  Fragewort   gel)ildet. 

Z.  B.:  ^-^y^  :fi?^  'kan  puh  tsung  »darf  ich  wagen  nicht  zu   folgen?«  Ngi-li 

4,  7a,  9a;  12,  31b;  vgl.  3,  49a.  Jg^f^^^gl^^    I      I      1    -mou  puh 
'kan  ku  tze,  'kan  puh  tsung   »da    N.  N.  (ich)  nicht   wagt  bestimmt   ab- 
zulehnen, dürfte  er  wagen  usw.?«  3,  56b. 
^£    I       I    ^^4ft  ^rnou  'kan  puh  king  tsung   »darf  N.  N.  wagen  nicht  ehr- 
erbietig zu  folgen?«   4,5a.  34,  12b. 

i^  ^X\  !&)^  173  M^  I  1  -^  0^  '^mou  puh  'kan  ku  te'öj  'kan  puh  ch'eng 
ming  »da  N.  N.  nicht  wagt  bestimmt  al)zulehnen,  dürfte  er  wagen 
den  Befehl  nicht  anzunehmen?«    3,  50a.     Vgl.  3,  50a. 

"fe^  I  I  ^litJlM  "''^'^'^  'kan  p)nh  king  sü  .durfte  N.  N.  w'agen  nicht  respekt- 
voll zu  warten?«   3,  56b. 

fl^yK  V^  'kan  ptih  ngan  »dürften  wir  es  wagen  nicht  vergnügt  zu  sein?« 
12,  IIa;   14,  1  a. 
I       1    ^'t    kan  puh  isui    »dürften    wir  wagen    uns   nicht   zu    berauschen?« 
12,  15a;   15,  21b. 

^^  1  I  J^^l  ^mou  'kan  puh  suh  hing  »dürfte  (ich)  N.  N.  wagen  mich 
nicht  frühzeitig  zu  erheben?«   2,  15b  usw. 

»    Vgl.  St.  Julien,  Syntaxe  nouvelle,  1,204/5;  185. 


Conrady:    Der  alt  chinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  269 

Aber  damit  nicht  genug:  prinzipiell  dasselbe  Bild  zeigt  die  Zweifel- 
frage in  der  vorklassischen  Sprache  überhaupt,  wie  das  die  nachfolgende 
Auswahl  von  Beispielen  wohl  dartun  wird. 

;^  n^  YÖ  V  ^i/ou  neng  'pei  nyi  »gibt  es  einen  Fähigen,  den  ich  verwenden 
kann,  (die  Fhit)  zu  regulieren?«  Shu-king  1,11.  Ähnlich  ;^  ^^  Ä 
ffi|  ^IT  jjjffl  ^you  neng  'äen  ^chen  san  ^li  »gibt  es  einen,  der  meine  drei 
Riten  leiten  könnte?«    Ebenda  IL  1,  23;  vgl.  II,  1,  17. 

Jte|"^^  PTl^'fT  ^'^■^^^  y^"  'htii,  'k'o  'ti  hing  »meine  Worte  sind  ver- 
nünftig, können  sie  ausgeführt  werden?«     Ebenda  11,3,8'. 

S^'|®Wi^  sui'hui,']co  chui  »obwohl  wir  bereuen,  können  wir's  (wieder) 
einholen?«     Ebenda  III,  3,  9. 

~F*  ^^  ^l\  ffl  ^^  ^  ^y''^  '^kan  ' tung-yung  fei  fdh  »sollt'  ich  es  wagen,  nichtige 
Strafen  (gegen  euch)  anzuwenden?«     Ebenda  IV,  7  (1),  14. 

^  %^^^~T*  ^^^^  'hart  ^vm  ^yü  »wagt's  jemand  mich  zu  kränken?«  Shi- 
king  I,  15.  II,  2. 

T^ 'Im  ^j^ 'f^  ^i^(^^ff  süh  ^wo  ^hou  »hab'  ich  Zeit,  an  das,  was  nach  mir  ist, 
zu  denken?«     E])enda   1,  3.  X,  3;  II,  5.  III.  8. 

^j^  Ö  ^  ^^  ^^  "wo  Jitiang  to  ^you-chi  »habe  ich  Muße,  sie  viel  zu  ge- 
brauchen?«  Shu-king  V,  30,  5. 

ik  ^Ä  4^  fryy  fei  Hi-ye  'kan  »(es  ist)  gegen  die  Sitte,  wie  sollte  ich  es 
wagen?«   Ngi-li  18,  29a. 

^^/t^  X>,  -^  ptt'^jSh  ^C  ^"'^  slieng  puh  ^you  ming  ^tsai  t'ien  »hat  mein  Leben 
nicht  (Sicherheit  durch)  das  Amt,  das  vom  Himmel  stammt?«  Shu- 
king  IV,  10,  6  (Shi-ki  3,  3b  durch  Fragepartikel  modernisiert). 

X>k  &E^^^^  §0  ^5  i*"^  ^^  ^"^  y"  ^&rh  pang  »werden  sie  nicht  einzig 
imd  allein  Verderben  bringen   über  dein  Land?«     Llbenda  IV,  10,  7. 

'ffi^^-^l^n  ^is^i  kia  puh  chi  »sollten  wir  in  unseren  Familien  (das)  nicht 
wissen?«     Ebenda  V,  16,  3. 

'Y'^X^'fCi  ^yv  puh  ^yün  »bin  ich  nicht  glaubwürdig?  wird  mir  nicht  ge- 
glaubt?«    Ebenda  V,  16,  20. 

X>%  ^m"^  ^  X\  Kffi  ~j^  J^  puh  chuh  yü  man,  puh  U  yü  Hi  »häng'  ich 
nicht  zusammen  mit  dem  Haar  (meines  Vaters)?  kam  ich  nicht  aus  dem 
Schoß  (meiner  Mutter)?   Shi-king  II,  5,  III,  3. 

■^  j^  y^  ^,  *r^  pn"  yp*  B^  ^you-Chon  puh  'hien,  ti  ming  puh  shi  ■»  waren 
die  Herrscher  Chou's  nicht  glorreich?  kam  Gottes  Bestimmvmg  nicht 
zur  Zeit?«     Ebenda  III,  1,  I,  1. 


1  Legge  faßt  auch  den  zweiten  Teil  des  Satzes  affirmativ,  allein  er  wird 
durch  die  Hinzufiigung  einer  Fragepartikel  Shi-ki  2,  5b  als  Frage  bezeichnet,  was 
auch  der  Zusammenhang  zu  fordern  scheint. 


270  Conrady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

^Jf\Wi  fJ3  fl^  piih  'hien  Shen-peh   »ist  nicht  glorreich  der  Graf  von  Shen?» 
^Ebenda  Ifl,  3,  V,  7.  Vgl.  auch  III,  1,  II,  5;  III,  3,  VII,  4;  IV,  1  (I)  I,  II, 
IV;  IX;  III,  1,  1,  3  und 

^*^  Ö  ;^  puh  'hien  huang  'kao  »ist  niclit  glorreich  (eigentlich  »sichtbar, 
angesehen«)  :=  sehr  glorreich  ist  mein  erlauchter  Vater:'«, 

^^^-^^H^^  fien-tze  puh  'hien  »ist  der  Sohn  des  Ilininiels  nicht  glor- 
reich;'« in  Inschriften  der  vorklassischen  Periode:  Tsi-ku-cliai 
Chung-ting-i-ki-k'uan-chi  3,  10a;  6,  loa. 

^HyK  |Ä  )  ngoh  puh  ^wei-^icei  »sind  die  Blüten  nicht  üppig  entfaltet?« 
Shi-king  II,  1,  IV,  1. 

V  *^*>r^^^  '^-^^ÜM^nH  ^^^".9"^  P^^  ning,  puh  Jcang  yin-sze  »macht' 
ihr"s  der  liöchste  Herr  niclit  lindel'  nalini  er  nicht  hold  ihr  Opfer  dar;'« 
Ebenda  111,2,  I,  2  (Strauß.) 

^J(S  >K^^ . . .  tuh  puh  Men  . . .  »hast  du  nicht  geschaut  .  .  .?«  (Versifizierte 
Grabschrift  eines  Würdenträgers  des  6.  Jahrhunderts  v.  Chr.)  Chin. 
Class.  IV,  1,  Prol.  22. 

ä-J£  IS  ^[^ 'f^  ^  it^  fei^erh  icei  tsoh  fien-muh  »seid  ihr  es  nicht,  welche 
des  Himmels  Hirten  sind;'«   Sliu-king  V,  27,  12. 

W^*^^^    RT^^^^.^  '^'^  ^^^'  •^'^  ^""^  '^'^  ^^^  ^^  "'''*   »was  ge- 
liebt werden  kann,  ist  das  nicht  der  Fürst,  was  gefürchtet  .......  das 

Volk?«    Ebenda  H,  2,  17. 

-4t- jji^yD^  A    sien  'tsu  '/ei  jen   »waren  meine  Vorfahren  nicht  Menschen?« 

SJii-king  II,  5,  X,  1. 
äfe  ^  1^  ^J  fuh  nien  Jcüeh  shao .  . .  »denkst  du  nicht  an  deine  Verbindung 

(mit  der  Vergangenheit)  .  .  .?«     Ebenda  III.  3,  II,  3. 

=ftff  irrt  iS  jfiS-  ^^'^  ^^^"'  ^^^  '^"^^  «gedenkst  du  nicht  {:=  gedenke  stets)  deines 
Ahnherrn?»    Ebenda  III,  1,  I,  6  (zit.  Tso-chuan,  Chin.Class.  V,697) '. 

^V^>^I/J[  B^   um  lun  sü  H  pai    »werden  wir  nicht  alle  zusammen  ins 

Verderben  sinken?«     Ebenda  II,  5,  I,  5. 
Vgl.  dazu  die   indirekten  (?)    Fragen    (an    das    Orakel)    fiE  ^  ^  »j^ 

um  '"you  hin   hui   »ob  es  nicht  bald  Reue  bringt«    Ngi-li   28,37a  und 

^L^^^Wi^   wu  ^you  ^hm  t'an    »ob   es  nicht   später  Seufzen  gibt.« 

Ebenda  28,  28b. 
^bfiSß/rR^   "u:o  wu  'so  hien   »haben  wir   nichts,  worauf  wir   schauen?« 

—  aus  einer  verlorenen  Ode  zit.  Tso-chuan,  ('hin.  Class.  V,  714^. 


^    Als  Frage  auch   durch   das   zwar  wohl    nicht  vorklassische,   aber  immerhin 
docli  ziemlich  alte   (spätklassische?)  Erh-ya   beglaubigt,  das  3,  13b  sagt:    •:^^^ 

yTj^^.jVi    "W'w'*  "2^  bedeutet:  vergiß  nicht«. 

^    Dem  ganzen  Zusammenhange  nach  und  ähnlicher  Stellen  halber  kann  dies 
meines  Erachtens  nicht  affirmativ  übersetzt  werden,  wie  Legge  tut. 


CoNRADv:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  271 

lMlifP"Q  Jc'i  ju  yi  -betrifft  das  etwa  uns!'"  (und  ähnlich)  Shu-king 
IV,  1,  3;  IV,  7  (l),  12;  IV,  9,  4;  IV,  10,  4.  (In  Shl-ki  3,  1  h,  3a  aus- 
gebildete Frage.) 

-^  ^]^  ^^  lili '/J5^  ^'^  y^  '^^^  p'wÄ-wzeVA  »kann  es  wohl  noch  ausgelöscht 
werden?"     Ebenda  IV,  7  (1),  12. 

^jr  jyL  ^jf  >J^  Y]/^  ^wo  kU  kan  Ttiu  wei  »wagten  wir  etwa  den  Thron  zu 
erstreben  1*«     Ebenda  V,  14,  3. 

-^  H^  Tfn  ÄL  P9  I^  ^'*  we«^  erh  luan  sze  fang  »bin  ich  wohl  fähig,  die 
vier  Weltgegenden  zu  regieren?«     Ebenda  V,  22,  25. 

^J/  _feL  pT  X^ "/r  ^^  ^^co  Hi  Tco  puh  ta  Jcien  »können  wir  wohl  anders,  als 
sehr  darauf  hinschauen?"     Ebenda  V,  10,  12. 

^^■^iMifil.  iJian-yen  Jci  hing  »würde  sich  wohl  verleumderisch  Gerede 
erheben?«   Shi-king  II,  3.  IX,  3. 

Und  so  die  erdrückende  Mehrzahl  der  übrigen  Fälle:  von  den  30  un- 
bedingt sicheren  direkten  Zweifelfragen  des  Shu-king  ist  nur  eine  einzige 
mit  einer  fragenden  Finale  (5p.  hu)  gebildet,  und  zweimal  (doch  erst  in  den 

Shang-  imd  Chou -Büchern)  kommt  das  initiale  -^h*  Ici  •■^num^^  vor,  das 
aber  als  Frageadvei'bium  nicht  einmal  so  ganz  hierhergehört;  das  Shi-king 
weist  unter  74  unanfechtbaren  Beispielen  eines  (vielleicht  zwei)  mit  ^^  hu 

und  27  mit  initialen  Fragewörtern  —  nämlich  26  mit  -^  ^Tii  und  eines 
mit  ][tH  hu  (als  reiner  Fragepartikel)  auf\  und  im  Ngi-li  endlich  stehen 
den  13  fragewortlosen  Formeln  zwei  mit  5p.  hu  gegenüber,  die  aber  einem 
vielleicht  jüngeren  Buche  angehören.  Man  darf  also  sagen:  in  der  vor- 
klassischen Sprache^  ist  die  Verwendung  irgendeines  Frage- 
wortes (die  Frageadverbien  eingeschlossen)  die  Ausnahme, 
und  die  einfache,  nicht  irgendwie  spezifizierte  Zweifelfrage 
wird  so  gut  wie  immer  ohne  Fragepartikel  gebildet. 

Daraus  ergibt  sich  denn  aber  eine  zweite  und  wichtigere  Folgerung. 
Diese   Fragesätze   unterscheiden   sich   ihrem   Baue   nach    schlechterdings    in 


1  Wenn  in  beiden  außer  der  ja  auch  in  anderen  Sprachen  gern  so  ver- 
wandten Negation  das  initiale  H  Vi  eine  ziemlich  große  Rollespielt,  so  ist  das,  wie 
schon  die  Lautform  zeigt,  kein  Fragewort,  sondern  das  modale  Ar'i  (»wohl«  u.dgl.). 
—  Übrigens  erscheint  in  einem  Zitat  aus  verlorener  Shi-king-Ode  bei  Meh-tze 
(5,6b)    ein   weiteres  5p.   und  bei    Sün-tze  (11),  20b;    16,12b;   vgl.   auch    Tso- 

chuan,  Chin.  Class.  V,  594,  in  zweien  dergleichen  fragendes  /^  hi\  da  es  sich 
aber  um  Tatsachenfragen  handelt,  so  gehören  sie  nicht  direkt  hierher  und  sind  als 
pleonastische  Anhängsel  außerdem  vielleicht  Modernisierungen. 

2  Das  Chou-li  gibt  seines  Stoffes  halber,  das  Yih-king  wegen  der  Un- 
sicherheit der  Deutung  keine  Ausbeute,  und  seine  zahlreichen  Liederfragniente  ent- 
halten keinen  Fragesatz.   Die  sonstigen  alten  Lieder  lassen  keine  sicheren  Schlüsse  zu. 


272  Conbady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

nichts  von  den  Aussagesätzen '.  ja  dieselbe  Wendung  kann  je  nachdem 
affirmativ  oder  fragend  sein';  nur  sorgfältige  Prüfung  des  ganzen  Zu- 
sanuncnhanges  ist  gemeiniglich  imstande,  den  Sinn  der  sozusagen  amphi- 
bischen Cicbilde  herauszufinden,  und  wie  die  gelegentlichen  Meinungsver- 
schiedenheiten zwischen  den  Interpreten  lehren,  führt  auch  sie  nicht  immer 
ganz  sicher  ans  Ziel.  Sollte  man  nun  aber  aiuichmen  können,  daß  auch 
die  gesprochene  Sprache  —  wie  sie  ja  mindestens  im  •> Liederbuche«  vor- 
liegt —  dem  Hörer  diese  Sisyphusarbeit  zugemutet,  daß  sie  die  Entscheidung 
über  Position  und  Negation,  über  Ja  und  Nein,  dem  subjektiven  Urteil 
überlassen  habe'.'  Gewiß  nicht,  denn  sie  wäre  dann  beinahe  zum  Rebus 
und  vielfach  sogar  direkt  unverständlich  geworden;  es  muß  unbedingt  eine 
sofort  verständliche  Unterscheidung  vorhanden  gewesen  sein,  und  die  kann 
bei  dem  iVIangel  aller  sonstigen  Möglichkeiten  nur  dem  Ohr  gegolten,  kann 
nur  in  dem  Uüchtigen  Augenblicksgelälde  der  Gefühlsbetonung  gelegen 
ha])en.  Es  ergibt  sich  also  mit  zwingender  Notwendigkeit,  daß  das 
älteste  Chinesisch  einen  Frageton  besessen  hat. 

Damit  ist  nun  fi-eilich  nicht  ohne  weiteres  gesagt,  daß  er  dem  ge- 
wöhnlichen, d.  h.  dem  bei  uns  und  meines  Wissens  auch  in  den  anderen 
Sprachen  mit  Gefühlsbetonung  üblichen  entsprochen  habe.  Denn  nach  dem 
Urteil  Arendts  (Handbuch  der  nordchinesischen  Umgangssprache  1  [Lehr- 
bücher des  Orientalischen  Seminars  zu  Berlin  VH]  S.  127  f.)  und  meinen 
eigenen  Beobachtungen  zumal  an  einer  südchinesischen  Mundart  ist  der 
Frageton  auch  der  heutigen  Sprache  nicht  ganz  fremd  —  und  liier  stimmt 
er  nur  dann  mit  dem  unsrigen  überein,  wenn  er  auf  ein  Wort  mit  an  und 
für  sich  schon  steigendem  Ton  —  dem  eigentlichen  »steigenden«  {shany' 
sheng,  der  in  der  Tat  so  genau  imser  Frageton  ist,  daß  ihn  der  Europäer 
anfänglich  oft  genug  an  falscher  Stelle  verwendet)  und  allenfalls  auch  noch 
dem  shang-ping  —  fällt;  sonst  äußert  er  sich  bloß  in  einer  Erhöhung  der 
Stimmlage.    Er  läßt  also  die  Tonbeugung  unter  allen  Umständen  unberührt, 


1  Denn  die  anscheinende  Inversion  von  X-\  puh  z.  B.  in  m^  1  '^<^"  /^"^ 
»wage  ich's,  nicht.  . .?«  gegenüber  |  ApT  puh  'kan  »ich  wage  nicht«  ist  bloß  eine 
scheinbare  und  hat  mit  dem  Fragecharakter  ebensowenig  zu  tun,  wie  die  auffällige  Ver- 
bindung   X\  ^^  puh  '-^you  »gibt  es   nicht«    an   Stelle    des    gewöhnlichen    (übrigens 

ja  ebenfalls  fragend  gebrauchten !)  iSi:   «'«,  die  auch  in  Aussagesätzen  (z.  B.  in  der 
klassischen  Sprache  bei  Lao-tze,  Tao-teh-king  K.  10,  Shi-ki  38,  1  a)  erscheint. 

2  So  heißt  z.  B.  das  oben  in  seiner  gcwöhnliclien  Bedeutung  angefülirtc  X>x  §^ 
puh'hien  an  anderen  Stellen  des  Shi-king  (III,  1.  VI,  3;  III,  3.  II,  7)  »ungesehen« 
(also  das  Gegenteil,  vgl.  die  verschiedenartige  Interpretation  dieser  Verl)indung  in 
derselben  Stelle  [Shi-king  IV,  I,  I,  IVJ  im  Chung-yung  83,5  und  20,  10,  die 
beweist,  daß  es  lediglich  auf  die  Gefühlsbetonung  ankam),  die  Phrase  ij^  ^  ^^ 
tgiariff 'tsou  kien  ist  Ngi-li  4,  8b  als  Aussage:  »ich  werde  eilen  (dich)  zu  besuchen«, 
aber  ebendoit  4,  4a  als  die  entsprechende  jhetorische  Frage,  d.  h.  als  Verneinung 
der  Aussage  zu  verstehen,  u.  dgl.  mehr.  Bei  gewissen  Formeln  wie  z.  B.  |JK^  jj^ 
'kan  wen  »ich  erlaulie  mir  zu  fragen;  darf  ich...?«  bleibt  es  unklar,  ob  sie  in  dem 
einen  oder  andern  Sinne  gemeint  waren. 


Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  273 

und  diese  ausgesprochene  Scheu  vor  einer  Kollision  mit  den  Tonakzenten, 
die  auch  Arendt  ausdrücklich  hervorhebt,  mag  Edkins  veranlaßt  haben, 
ihn  (Mandarin  Gramm,  S.  11)  kategorisch  in  Abrede  zu  stellen.  Aber  eben 
sie  verbietet  auch,  aus  den  heutigen  Verhältnissen  auf  die  ursprünglichen 
zurückzuschließen;  denn  sie  kennzeichnet  den  jetzigen  Frageton  als  eine 
Kummerform,  die  unter  dem  anderthalbtausendjährigen  Sklavenjoch  der 
Töne  nicht  hat  aufkommen  können,  verkrüppelt  ist.  Das  vorklassische 
Chinesisch  dagegen  hat  zwar  schon  die  Einteilung  der  Wörter  in  hoch-  und 
tieftonige  besessen  —  die  ja,  wenn  ich  seinerzeit  richtig  gefolgert  habe, 
bereits  einer  noch  älteren  Stufe  zukam  — ,  aber  das  bot  keinerlei  Hemmnis 
für  das  Spiel  der  Gefühlsbetonung,  und  von  den  Klippen  der  Tonbeugungen 
war  es  frei.  Denn  wenn  man  ihm  diese  oder  doch  wenigstens  die  steigende 
glaubt  zusprechen  zu  müssen,  so  gründet  sich  das  lediglich  auf  die  her- 
kömmliche Reimklitterung  der  chinesischen  Shi-king- Interpreten  aus  den 
letzten  Jahrhunderten;  und  diese  ist  so  voreingenommen,  so  willkürlich  und 
gezwungen,  daß  sie  in  keiner  Weise  maßgebend  sein  kann,  und  daß  man 
in  der  Tat  nicht  begreift,  wie  sie  ein  Legge  (Chin.  Class.  III,  1,  Proleg.  104) 
für  eine  kaum  zu  übertreffende  Musterleistung  hat  halten  können.  Denn  wie 
sie  der  Lautgestalt  der  Wörter  oft  die  unglaublichsten  ^^errenkungen  zu- 
mutet, um  sie  in  das  Prokrustesbett  des  Reimes  zu  zwängen,  anstatt  Asso- 
nanz oder  Reimlosigkeit  anzunehmen  ',  so  läßt  sie  auch  dasselbe  Wort  lieber 
bald  im  gleichen,  bald  im  steigenden  oder  fallenden  Tone  gesprochen 
werden,  als  daß  sie  von  ihrer  Annahme  von  Tonakzenten  fest  und  ent- 
schieden abginge.     Und  doch   liegt   gerade   in   dieser  naiven  Tonküustelei  ^ 

—  welche  übrigens  die  Existenz  von  Tonakzenten  de  facto  schon  verneint 

—  das  Todesurteil  für  die  ganze  Theorie:  will  man  sich  damit  doch  nur 
über  die  Tatsache  weglielfen,  daß  von  343  oder  genau  genommen  sogar 
nur  292  Wörtern,  die  später  den  steigenden  Ton  haben,  volle  199  (nach 
meiner  Zählung,  nach  Kiang  Yung  sogar  über  200)  und  beim  (späteren) 
fallenden  Ton  ein  noch  viel  größerer  Prozentsatz  auf  anderstonige  Wörter 
reimen.  Das  aber  läßt  eben  nur  die  eine  Folgerung  zu,  daß  die  Tonakzente 
damals  nicht  die  geringste  Bedeutung  für  den  Reim  gehabt  oder  mit  anderen 
Worten  —  da  Gleichheit  der  Tonbeugung  mit  der  notorischen  Ausbildung 
des  Tonsystems  sofort  auch  die  conditio  sine  qua  non  für  diesen  geworden 
ist  — ,  daß  sie  damals  noch  nicht  bestanden  haben.  Angesichts  dessen  wird 
man  dann  also  jenem   alten  Frageton  wohl    unbedenklich  dieselbe  Hebung 


1  So  soll  z.  B.  ^   */a  Shi-king  I,  2,  VI,  1   yung,  ^  lai  I,  7,  VIU,   2  Ixk, 

^m  tsing  ebendort  tsifc,  m}^  tsui  I,  3,  XVIII,  2  -nen,  J^  yeu  11,  2.  IX,  1  yuei  und 
I,  1,  I,  3  yi  gelesen  werden  usw.  usw.!  Eine  Merkwürdigkeit  des  Reimes  dokumentiert 
es,  wenn  stumpfer  auf  gleitenden  gereimt  wird:  tan  auf  lan  hi  1,  10,  XI,  3;  ki  auf 
ti  hing  yik    I,  9,  10;   shi  auf  yeu  i  II,  5.  VIII,  3;    tao  auf  cheu  chi  III,  2.  VI,  2    u.  a. 

2  Hierher  gehören  leider  auch  die  Fälle,  die  man  so  gern  als  das  letzte 
Nachklingen  des  alten  Fragetones  auffassen  möchte,  wo  nämlich  ein  später  anders- 
toniges  Wort  als  betontes  Wort  eines  Fragesatzes  im  steigenden  (d.  h.  Frage-)  Ton 
gelesen  wird  (Shi-king  I,  10.  V,  2;  HI,  1.  I,  1;  HI,  3.  H,  3). 

Mi«,  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.    1915.  I.Abt.  18 


274  Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

der  Stimme  zuV)illigen  dilrfcn,  die  den  gewöhnlichen,  den  echten  und  eigent- 
lichen charaliterisicrt. 

Eine  solche  Übereinstimmung  wiirde  denn  ein  neues  oder  vielleicht 
sogar  das  letzte  Stück  der  Scheidemauer  niederwerfen,  die  das  Chinesische 
bisher  von  der  Mehrzahl  der  übrigen  Sprachen  getrennt  hat.  Aber  sollte 
nicht  auch  seiner  eigensten  Gescliichte,  seiner  spezielleren  Entwicklung  ein 
Gewinn  daraus  ziitließenl*  Oder  wäre  dieser  Frageton  unwiederbringlich 
dahin  1'  Hätte  Frau  Sprache,  die  sparsame  Hausfrau,  die  sonst  doch  jedes 
Schnitzelchen  aufbewahrt,  dies  unentbehrliche  Gewürz,  das  eigentliche  Salz 
der  Rede,  wirklich  umkommen  lassen?  Ich  glaube  nicht.  Wenn  jene  Gleich- 
setzung richtig  ist,  dann  hat  er  sich  vielmehr,  wie  mir  scheint,  bis  auf 
den  heutigen  Tag  erhalten. 

Mustert  man  nämlich  diese  vorklassischen  Zweifelfragen  auch  nur 
obenhin,  so  wird  man  alsbald  bemerken,  daß  sie  sehr  oft  oder  vielmehr 
(da  die  Wörter  mit  explosivem  Auslaut  als  in  dieser  Beziehung  indifferent 
nicht  mitzählen  können)  sogar  gewöhnlich  ein  Wort  enthalten,  das  heute, 
wie  schon  seit  der  ersten  Aufzeichnung  der  Tonakzente  im  steigenden 
Tone  {shang-sJieng),  also  in  unserem  Frageton  gesprochen  wird,  und  sieht 
man  genauer  zu,  so  steht  dieses  Wort  in  der  Regel  am  Anfang  oder  am 
Ende  des  Satzes,  d.  h.  an  der  betonten  Stelle.  Denn  daß  der  Iktus  in 
Fragesätzen  im  Chinesischen  von  jeher  nach  Belieben  so  oder  so  gelegt 
werden  konnte,  das  ergibt  sich  unweigerlicli  aus  der  Tatsache,  auf  die 
meines  Wissens  bisher  auch  noch  nicht  genügend  aufmerksam  gemacht 
worden  ist,  daß  die  klassische  Sprache  bei  der  Zweifelfrage  denjenigen 
verbalen  Ausdruck  des  einfaclien  oder  zusammengesetzten  Fragesatzes  — 
regierendes  Verbimi  oder  Prädikat  — ,  welchen  die  angehängte  Finalpartikel 
als  den  Träger  der  Frage  bezeichnet,  und  bei  der  Tatsachenfrage  ebenso 
wie  die  vorklassische  das  Fragepronomen  oder  -adverb  oder  den  damit 
zusammengesetzten  Frageausdruck  nach  freiem  Ermessen  resp.  je  nach  den 
Bedürfnissen  des  Rhythmus  an  Kopf  oder  Ende,  satzeröffnend  oder  satz- 
schließend,   anbiingen   mag ',   und   es   ist   der   unmittelbare   imd    natürliche 

^  Voranstelhing  anstatt  der  (nicht  weiter  zu  veibeispielenden)  Nachstellung 
zeigen  z.B.:  ^0  ith  ^  jJJb  ^  ^ -f^i  ju-'tze-liu  Hi-chi  kiLye  »ist  der  Ernst  der 
Sitte  derartig?«  oder,  um  verdeutlicliend  unsere  Ililfszeiclicn  einzusetzen:  »(ist)  wie 
-  dies?  der  Ernst  der  Sitte«  Li-ki  4  (9),  44b;  ^^  ^  f^fc^  ^  S  "tfc 
ja-  ^shi-hu  isung-che-chi  sou  ye  »(ist)  wie  -  dies?  deines  Gefolges  Diehischkeit«  Meng- 
tze  VII,  2,  30,  2 ; -^  :|g  ^  ^  5J>    tze  tuh  fuh  uen-hu...   »hast  du   denn  nicht 

gehört  ?  daß  . . . »  K  u  o  h  -  y  ü  2,  10  b  (neben  ]  )  ^X^  ^  .  .  .  3^  tze  tuh  puh  wen  .  .  . 
hu  »hast  du  nicht  gehört,  daß  ...?«)  V^T  jK  4^n  ^p^  •  •  •  ju  puh  chi-hu  .  .  .  «weißt 
du  nicht?  daß...«  Lieh -tze  2,  7  a.  So  auch  -^  •  •  •  ^f-  neben  ^ö  ^S  u.dgl. in. 
Für  die  Tatsaclien  frage  vgl.  den  häufigen  Stellungswechsel  von  ^föT  ^Q 
ho-  ^you,  -ipj*  'Ofl  ho-ßi,  rrp  'fei"  Jn-ho,  Tfp  ~^  ^pT  ju-chi-ho  u.  a.  in  der  Tatsachen- 
frage, und  ^S-  •  ^Y"  ^you.  .  hu  neben  .  ,  ^3  ^f  ■  .'"you-chu.  Wo  der  Inhalt  der  Frage 
Objekt  des  fragenden   Verbi   ist,   da  kann    die  Konstruktion  auch  noch  durch   ein 


Conrady:    Der  altcliincsische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  275 

Ausfluß  liier  der  Freizügigkeit  des  Prädikats  und  dort  der  Anteposition  des 
»psychologischen  Subjekts«,  d.  h.  der  dominierenden  Vorstellung.  Der 
Chinese  konnte  also  gewissermaßen  das  Fragezeichen  —  mit  dem  ja  die 
Fragefinalcn  verglichen  zu  werden  j)tlegen  —  auch  nach  vorne  rücken, 
ähnlich  wie  das  im  18.  und  zu  Beginn  des  19.  Jahrhunderts  gelegentlich 
auch  bei  uns  geschah,  imd  er  hat  es  sogar  mitunter  geliebt,  ganz  Avie  der 
Spanier,  deren  zwei,  das  eine  am  Anfang  und  das  andere  am  Schluß,  zu 
verwenden  ^  Auch  die  heutige  Sprache  kennt  diese  Voranstellung  der  Frage- 
finalen noch^  und  sie  pflegt  bei  den  ungemein  beliebten  Doppelfragen  das 
erste  Glied  zu  betonen •\     So  finden  wir  also: 

^  ^^ou*  »haben,  es  gibt«  1 

Jj^  ^  \  yg}-  die  oben  angeführten  Beispiele. 

mf  'kan  «wagen«  j 


diesem  nachfolgendes  Tfn  crh  »daß,  zu«  verdeutlicht  werden,  wie  z.  B.  in  jt\Jpp^ 
y-^ij^  3^  rjYj  . .  sien-shcnff  puh  'hui-hu  erh. .  »Meister,  bedauerst  du  iiiclit?  daß.  .  « 
Lieh-tze  1,7b,  vgl.  Chuang-tze  1(2),  IIb  u.a.,  und  diese  kräftige  Hervor- 
hebung und  Isolierung  des  Frageausdrucks  kommt  dann  ziemlich  oft  auch  in  der 
Tatsachenfrage  \or,  nur  daß  sie  hier  das  Frageadverbium  trifft  und  es  quasi  zum 
selbständigen  Satze  macht,  z.  B.  -^  Tf^j  . .  hi  erh  .  .  »wie  (käme  es)?  daß  .  .  «   Meng- 

tze  V,  1.  11,  3;  ■^h>  . .  tfn  'ki  .  .  erh  »wieviel  (Tage  usw.)  sind  es?  daß  .  .«■  Tso- 
chuan,  Chin.  Class.  V,  428,  701,  628.  Das  zeigt  besonders  deutlich,  wie  auch  das 
satzeröffhende  Frageadverb  den  Iktus  tragen  konnte. 

^  Z.  B.  -^?-'  ^^  X^  5p.  :^  ^^  ^K  tze-chi  'k'iao-hu  ^you  tao  ye  »des  Herrn 
Geschicklichkeit?  hat  sie  ein  Geheimnis?«  Lieh-tze  2,9b  (=  Chuang-tze  7 
(191,  3a);  vgl.  auch  Lieh-tze  8,  5a);  dagegen  A  ^  ^-^  TjT  l^j"  •  •  •  ^  Jcn-chi 
'k'iao  ^nai  'k'o.  .  .hu  »des  Menschen  Geschicklichkeit,  kann  sie  denn.  .  .?«  Lieh-tze 
5,  18a;  4^  5p.  ^b  jp^^  ^  .  .  .  5p.   sm-hu  fu-tze  puh  yen.  .  .hu    »ist   es   wahr? 

daß  der  Meister  nicht  redet?«  Lun-y  ü  XIV,  14,  1  ;  ^  5p.  J^  5p  ^  ^  j|^P  5p 

-^ä  5p  /jX  5p.  "^  4pn  ^  ip.  ^uo-hu,  ^ju-hu,  k'i  fuh  chi-hu;  i-hu,  uu-hu,  k'i  chi 
chi  chi-hu  »ich?  du?  soUten  wir  nichts  wissen?  Der  Arzt?  der  Zauberer?  sollten  sie 
es  wissen?«  Lieh-tze  6,  6a.  —  Eine  genauere  Untersuchung  der  ganzen  Bildungs- 
weise scheint  mir  noch  nianclierlei  interessante  Ergebnisse  (z.  B.  für  die  Bildung 
des  indirekten  01)jekts  durcli  "fc^  .  .  5p  yil  ....  hu,  die  sich  öfters  gerade  in  Frage- 
sätzen findet)  zu  versprechen. 

2  Wie  1^  ßpj  "^' Jf^  nin-nn  kui  sing  »Ihr?  werter  Name«  (=  »wie  ist  Ihr 
w.  N.?«) 

3  Vgl.  z.  B.  if?   jK  xjj  'hdo-ptih-hao  »(ist  es)  gut?  (oder)  nicht  gut?«  ;^pT  1^ 
X\  ^pX  VA  'k'ö-i  puh  ko-i  (gesprochen:  'k'öi-bii-k'oi)  »geht  es?  oder  geht  es  nicht?«  ; 

"M  i^  'S   ^yöu-mcl-you  »gibt's?  oder  gibt's  nicht?«  usw.  usw. 

*  Mit  dem  Halbkreis  links  oben  bezeichne  ich  nach  der  empfehlenswerten  chi- 
nesischen Weise,  die  auch  die  Tonstufe  (hoch',  tief  •^)  anzugeben  erlaubt,  den  stei- 
genden Ton.  Von  der  Angabe  der  übrigen  Töne  habe  ich  der  Übersichtlichkeit 
halber  abgesehen. 

18* 


27(5  Coxhady:    Der  altchiiicsische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

ITT  '  ko  -küiinen,  angehen«:  in  "pT  511  'k'o-hu  »gi'lit  er  an,  wic"  ;*  Sliu- 
king  1.  1,9  (dem  einzigen  Fall  von  fragender  Finale  liier),  in  den 
Beispielen  und  sonst. 

-g"  'k  eng  »bereit  sein,  willig« :  . .  IM]  |  FJ  •  •  ^i  k^eng  yürh  ». .  wird  wohl 
bereit  sein  zu  sagen?«  Shu-king  V,  7,  11  (wo  es  auch  noch  im  hypo- 
thetischen Vordersatze  vorkommt). 

p.  H  »aufboren»;  als  Fragesatz:  »laß  ich's  dabei  bewenden?«  Shu-king 

V,  9,  17. 
•it^t/än  »glauben,  glaubwürdig«  s.  Beispiele.  —  Auch  im  hypothetischen 

Vordersatze  Shu-king  II,  2,  3:    )    -^^^^^yün  joh-tze   »ist  das  wirk- 
lich so?« 
"(M^iDii   »beleidigen«  S.Beispiele. 

I^^hou    »später,    Spätere«    u.  dgl.    s.  Beispiele    und     Shi-king   II,   4, 

VIII,  2;  III,  3.  X,  7. 
M§  'hien  »sichtbar« 
inH  ^5ce  »Opfer«       >  s.  Beispiele. 
^^  Hi  »Sitte« 

A^'hiM)  »Feuer«:  lÜ^^fiE^^  |  Ui^wang  icu  joh  'hun  »wird  sein  Fort- 
gang nicht  sein  wie  Feuer?«   Shu-king  V,  13,  9. 

Dazu  kouunt  noch  das  immer  am  Anfang  stehende  Fragewort  -^  'ki 
»nuni",  das  auch  heute  noch  betont  zu  werden  pflegt,  und  vielleicht  noch 
das  eine  oder  andere  Wort.  In  indirekter  Frage  findet  man  außer  dem 
obenerwähnten  ^i/ün  und  'k^eng  noch 

>J^  'hui  »bedauern«   u.  dgl.  (s.  Beispiele) 

und  im  hypothetischen  Vordersatze  endlich 

g4p 'As  »erlauben«:  ^*Hr*^4^  1  ^'"  '^^  P^^  '^«  »wenn  es  mein  Herr 
(=  du)  nicht  erlaubt?«  Ngi-li  2,  16b;  3,  50b;  ff  ;J;  |  ^  erh-cM 
'hü  ^wo   »wenn  ihr  es  mir  erlaubt?«   Shu-king  V,  6,  8. 

Das  macht  nun  schon  stutzig  und  bringt  auf  den  Verdacht,  es  werde 
vielleicht  nicht  ganz  von  ungefähr  kommen;  da  jedoch  eine  wenn  auch 
unbedeutende  Minorität  gegenübersteht,  so  könnte  man  schließlich  doch 
noch  versucht  sein,  an  einen  freilich  merkwürdigen  Zufall  zu  glauben.  Aber 
verfolgt  man  die  Sache  nun  weiter,  so  ändert  sich  das  Bild  mit  einem 
Schlag;  denn  es  ergibt  sich  jetzt,  daß  diese  Erscheinung  bei  den  oben  be- 
sprochenen stehenden  Formeln  die  Regel  ist  und  daß  aucli  ein  Teil 
der  übi'igen,  nicht  in  diesen  voi-konunenden  Wörter  —  die  denn  schon  ihrer 
allgemeinen  Bedeutung  wegen,  als  Kleingeld  der  Rede,  zu  solcher  Ver- 
wendung wie  berufen  erscheinen  —  bereits  in  der  vorklassischen  und  nament- 
lich dann  in  der  klassischen  Sjirache  gern  in  Fragen  gebraucht  wird, 
ja  daß  einige  davon  ja  sogar  zu  stehenden  Frageformeln  geworden  sind. 


Conrady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  277 

In  diese  Kategorie  gehört  vor  allem   das  oft  erwähnte,   aber  noch  un- 
zählig viel  öfter  gebrauchte 

^pj^  'han,  das  zwar  nicht  ausschließlich  (vgl.  vielmehr  das  charakteristische 
und  schwerwiegende  Beispiel  aus  dem  Ngi-li:  fei  Hi  ye  'kan  [s.  oben]), 
aber  doch  fast  immer  zu  Anfang  steht  und  in  dieser  Konstruktion  gleich 
den  übrigen  hier  in  Betracht  kommenden  Hilfszeitwörtern  seine  Parallele 
in  den  8.  274,  Anm.  1   verbeispielten  Fällen  hat;  ferner 

T&    hui,  wozu    auch  noch    die  anscheinend  moderne  Phrase    |    -m  ^^    | 
'hui-ye  puh'hui  »bereust  du  jetzt  nicht?«   (Giles  s.v.)  anzuführen  ist, 
und  endlich 

=4^  'M,  das   später   auch   sonst   gern   in   der  Frage  vorkommt   (vgl.  z.  B. 

^C    j    ,^  ^p-  wang'hü-chi-hu  »gibst  du  das  zu,  o  König?«  Meng-tze 

I,  1,  VII,  10;  W  '^%    I    5li  'Ico  fou'hü-hu  »kannst  du  das  versprechen?« 

Ebenda  II,  1,1,  1). 

Auch  ^^  'hien  darf  wegen  seiner  großen  Häufigkeit  in  vorklassischen 

Dokumenten  wohl  noch  dazu  gerechnet  werden  und  ebenso  das  Fragewort 

I — ■"     K  l    • 

Die  zweite  Gruppe  umfaßt  die  folgenden  vier  Wörter: 
^  ^you:  von  der  klassischen  Sprache  stehend  gebraucht  in  den  Verbin- 
dungen ^  ^&  ho-^yöu  »was  gibt  es  (Schwieriges)  dabei?«  z.B.  ^^  .. 
-^  j^  ^IL  I  I  neng . .  wei  kuoh-hu,  ho-^you  »kann  er.,  sein  Reich 
handhaben  (NB.  der  hypothetische  Vordersatz  als  Frage!),  was  gibt 
es  da  für  Schwierigkeiten?«  Lun-yü  IV,  13.  Die  Phrase  ist  schon 
vorklassisch.    Mit  nachfolgendem   pffj  erh  (s.  oben  S.  274,  Anm.  1)  findet 

sie  sich  Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  767.  —  J^  ..  ]  |  yü . .  Jio-^you 
(mit  derselben  Bedeutung);  |  )  ..  '^  ho-^you . .  yü  »was  ist  vor- 
handen in..?«  z.B.  Lun-yü  VI,  6 ;  XIII,  13.  ]  ••  ^  1  ^o . .  cU^you 
»was  gibt  es  dabei..?  was  bedarf  es..«  z.B.  Lun-yü  IX,  13,2;  XIX, 
22,2.  ^^  ^^  ^yöu-cJiu  (aus  ^you-cTii-hu)  »gibt  es  das?  ist  das  so?«  Vgl. 
dazu  die  Allerweltsfrage  ^yöu-mei-  ^you  der  modernen  Sprache  (s.  S.  275, 
Anm.  3). 
pT  Vf'o  :  idiomatisch  als  satzschließendes  |  5C.  'Jcö-hu  (s.  oben),  z.  B.  Meng- 
tze  I,  2,  VIII,  2;  V,  2,  IV,  3  (hier  negiert  Jf.'^  ^  puh  'Jc'ö-hu),  Tso- 
chuan,  Chin.  Class.  V,  386,  394,  430,  433  u.  a.  Vgl.  ferner  ~g\^..^ 

"^k'o  puh .  .hu  »kann  das  nicht..?«  (in  der  Konstruktion  an  ä^^^  '^^"' 
jmh  erinnernd).  Ebenda  V,  394,  426,456,  463,  554  und  schon  Shu-king 
V,  10,  12.    ^W^  'Jt'i  'k'o-tsai   »ist  das  wohl  möglich?«    Lieh-tze 

^  Arendt  (Handbuch  I,  108)  hält  dessen  steigenden  Ton  für  emphatisch.  Das 
trifft  nach  alledem  wohl  nicht  zu  —  auch  abgesehen  davon,  daß  ein  fragender  Ton 
meines  Erachtens  nicht  emphatisch  ist. 


278  Conhady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

8,13  a.  Hiei'zu  -^^ 'föT  yf^  PT  "ijf^^i-  ho  pvh-'ko  "Was  ist  Uiiinüji;liches  da- 
bei?« uml  das  heutijfe  'ko-i  piih  'k'o-i  (s.  olion)  und  '/c\i-pi//i-'k\)  (dass.), 
der  Vertreter  des  älteren  W  ^^  'kd  [fou. 

^  '■'i:  klassiscli  in  den  Redensarten  |  5p.  ^i-hu  »soll  ich  aufhören;'»  (und 
äiinlicli)  ^leng-tze  1,  2.  V,  1 ;  VI,  1,  X,  8,  vgl.  Tso- chua  n  (Pei-wen- 
yün-l'u  s.  V.),  und  ^X\  2*  (j^)  "  "^  P^^  ^' " "  ''"  (formelhaft)  »ist  das 
nicht  allzu  .  .!'«  vgl.  Gabelentz,  Gr.  Granun.  S.  1297;  iiachklassisch 
^  n^  EL  ho-shi^i  »wann  wird  es  euden'.'..  (PWYF.  s.v.).  Vgl.  übrigens 
noch  ^^  ^jf|i  iM!  2*  Jioh  vcei  k^i  ^i  »wie  kann  er  aufhörend'  Shi-king 
I,  3,  II,  1,  2.  Im  hypothetischen  Vordersatz  z.  B.  Meng-tze  I,  2,  XIII,  1. 
Endlich 

"o"  'keng^  zu  dem  ich  außer  ^j^  )  shuh  'k'eng..  »wie  sollte  er  Lust 
haben..;'"  (Chuang-tze  1,  8b)  allerdings  bloß  die  heutige  Formel 
f>5^  1  ^X\  1  ^ni  'k'en-puh-h'en  »ist  dir's  recht  oder  nicht?«  anführen 
kann,  die  aber  doch  auch  wohl  hier  mitsprechen   darf. 

Das  sieht  nun  doch  wirklich  nicht  mehr  wie  Zufall  aus  —  besonders 
da  die  Anzahl  dieser  Wörter  relativ,  im  Verhältnis  zu  den  alten  Zweifel- 
fragen, nicht  einmal  sonderlich  klein  ist  — ,  und  man  könnte  wohl  schon 
einen  leidlich  plausiblen  Schluß  darauf  gründen.  Aber  um  möglichst  sicher 
zu  gehen,  zieht  man  jetzt  auch  noch  die  vorklassischcn  Tatsachenfragen 
zu  Rate.  Und  siehe  da,  auch  hier  dasselbe  Ergebnis:  ihre  später  formelhaft 
gewordenen  oder  gern  in  Fragen  gebrauchten  Ausdrücke  haben  den  stei- 
genden Ton.     So  finden  wir: 

J\--  ^tsai  »sein,  sich  befinden":  -Vr-  ]  ngan^tsai  »wo  ist?"  Shi- k  ing  II,  5, 
111,3.  Stehende  F'ormel;  vgl.  T'ien-wen  (Ts'utz'e  3,3  b),  Li-ki, 
Shi-ki  (Fei- wen-y ün-fu  s.  v.),  und  auch  noch  nachklassisch.  Ebenso 
^S  I  vcu  ^tsai  »wo  ist?«  und  »wie  ist  es  vereinbar  mit..?»  Meng- 
tze  I,  1,  IV,  5;  VI,  1,  V,4;  III,  1,  III,  7;  VII.  1,  XXXIII,  3.  ^  ]  Hsai 
»wo  ist..?«  Ts'ien-Han-shu  (PWYF.  s.  v.).  —  ^5  5p-    |    wu-hu^tsai 

»wo  ist  er?«  Fah-yen  (PWYF.  s.v.);  jf[|,  ^ 'S*  f^  ^  ^  '^^i  ^o 
sheh  shang  Hsai  '/ou  »sieh  einmal  nach,  ob  meine  Zunge  noch  da  ist 
oder  nicht?«  Chan-kuoh-ts'eh  und  Shi-ki  70,  1  a.  Vgl.  das  licutige 
■^  I  f^  "you  ^tsäi-mö  »lebt  er?«  (Giles  s.  v.).  —  Es  kommt  auch 
gern  im  hypothetischen  Vordersatz  vor:  -J-'^^  'feß  ^tsai  »wenn  du 
lebst«  Lun-yüXI,22;  -^    |    'fu"tsai  »lebt  der  Vater  noch.  . ."   Li-ki. 

fiii  ^yü  »nn't,  mitsein«:  =^  |  shui  ^yü  »wer  ist  mit  mir?«  Shi-king 
I,  10,  XI,  1—3.  Stehende  Formel;  vgl.  Lun-yü  VII,  10,  2;  XVIII,  6,  4; 
Kuoh-y  ü. 

^4-  ^wang  »hingehen«:  ^fpT  )  ho  ^wang  »wohin  soll  ich  gehen?«  Shi- 
king  III,  3,  III,  3;  nach  Giles  (s.  v.)   noch  in  der  heutigen  Sprache, 


CoNRADY :   t)er  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  270 

offenbar  als  alte  Formel.  jM  |  yen  ^wang  (dass.)  Lun-yii  XVIII,  2. 
(Ebenda  XVII,  7,  2  ^wang  im  hypothetischen  Vordersatz.) 

»te  'shi  »sich  verlassen  auf":  'tej"  |  ho  'shi  »auf  wen  könnt'  ich  mich  ver- 
lassen?» Shi-king  II,  .5,  VIII,  3.  Dieselbe  Phrase  und  g^  |  shui'shi 
(dass.)  im  Tso-chuan  (PWYF.  s.  v.). 

Vgl.   dazu   das    gleichbedeutende    ^(öf 'Itj    ho^hu  Shi-king  II,  5, 

VIII,  3  (im  Parallelvers  zu  obigem)  und  I,  10,  VIII,  1,  und  ^"M  -^  ^Jv^^ 
yen  ^you  'so  H  »wie  sollte  er  etwas  haben,  woi-auf  er  sich  verläßt?« 
Chung-yung  XXXII,  1. 

^>  ^'m  »ertragen«:  aB  .fiL  |  -j-»  hu-ning  ^jen  ^yü  »wie  können  sie  er- 
tragen mich  (so  zu  sehen)?«     Shi-king  II,  5,  X,  1 ;  111,3,  IV,  4.  Vgl. 

^pI  I  ifc^l^^Pl  I  iÖi  *^*  '^^o'-jen-ye,  sJiuh  puh'h"o^jen-ye 
»wenn  er  dies  ertragen  kann,  was  kann  er  nicht  ertragen?«  Lun-yii 
III,  1. 

^jP  'sze  »sterben«:  iSH  !^  •  •  1  ^'^  pih..'sze  »warum  stirbt  er  nicht..?« 
Shi-king  I,  4,  VIII,  3.  Vgl.  fpf  3^  |  ^o  J(an  'sze  »wie  diirfte  ich 
wagen  zu  sterben?«  Lun-yü  XI,  22;  ^^  T^0  ]  yen  chi'sze  »wie  kannst 
du  etwas  vom  Tode  wissen?«  Ebenda  XI,  11  (vgl.  auch  ebenda  IX, 
11,3).  _y_-S  X\  )  Jci  wei  puh'sze  »würde  er  nicht  fürciiten,  daß  es 
stürbe?«     Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  646. 

■Y^  ^sze  »warten«:  y?^  ^H  "föf  1  puh'sze  ho  ^sze  »wenn  nicht  den  Tod, 
was  soll  er  erwarten?«    Shi-king  I,  4,  VIII,  2. 

Hier  hat  die  klassische  Sprache,  soviel  ich  sehen  kann,  in  der  ste- 
henden Formel  dieser  Bedeutung  zwar  nicht  mehr  dasselbe  Wort  bei- 
behalten, al)er  sie  gebraucht  dafür  bezeichnend  genug  Synonyme  mit 
steigendem  Ton:  ^fof  ^^  '''ö  ^tai  »worauf  wartest  du  noch?«  Tso- 
chuan,  Chin.  Class.  V,  391;  ^  j^  1  ^  ho- ^i  ^tai-chi  »womit  soll 
ich  sie  erwarten?«  Meng-tze  1,2,  XI,  1.  '(öj*  ^  ^o  'teng  (dass.): 
Hou-Han-shu,  Wei-chi  (PWYF.  s.  v.).  Vgl.  auch  ^f^  'hou  »er- 
warten«, und  daß  das  einfache  'sze  als  Frage  (»wartet  man?«)  beliebt 
gewesen  sein  muß,  das  ergibt  sich  aus  seinem  Übergang  in  die  Kon- 
junktion  »wann,  sobald«   (s.  auch  unten  S.  280). 

VX^i  »nehmen«,  »aunehmen« :  ^^'^  J^  [^  ^üeh  ming  ho  H  »was  be- 
zweckte ihr  Befehl?«    Shu-king  V,  11,  3.     Dazu  das  häufige    "fpf  J^ 

ho-^i  »wodurch«  (»was  nehmend?«);  ^ij  ^  J^  ^  *^^^  ^'ö  ^«  tsai  »was 

würdest  du  dann  annehmen?«  Lun-yü  XI, 25,  3  (s.  auch  unten S. 281). Vgl. 

pT  W  y?\  'Tio-^iyou  »geht  es  an  oder  nicht?«  Wei-shu  (Tze-tien  s.v.). 

^  ^Mu  »Fehler,  Unglück«:  f^^^Ä  |  shui 'Jean  chih  Tci^Jciu  »wer 
wagte  es,  den  Fehler  auf  sich  zu  nehmen?«  Shi-king  11,5,  1,3;  =^ 
1    •fhi    shui^Uiu-ye  »wessen  Unglück   ist  es?«    Yih-king   (Siang   zu 


2S0  CoNRADY :    Der  altcliinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

llexagr.  13  (PWYF.  s.  V.);   jnj"    |    -^  ho  '"kiti-ye  -was  fiir  ein  Unglück 

ist  es?«  Ebenda  (Tuan  zu  Hexagr.  7). 
Diesen  mit  Vorliebe  fragend  gel)raucbten,  aber  an  und  für  sich  affir- 
mativen Wörtern,  deren  Zahl  sich  übrigens  bei  genauerer  Sichtung  und 
Untersuchung  des  Materials  wohl  noch  etwas  vergrößern  würde,  gesellen 
sich  sodann  zwei'  andere  hinzu,  welche  in  dieser  ihrer  Form  von  Haus 
aus  fragend  sind  und  in  der  Regel  denn  auch  so  verwendet  werden,  nämlich: 

^^  'ki  »wieviel(e)?»  (»einige"):  |  j^  'hi-ho  » wieviele  1'«  Shi-king  II,  ö, 
IV,  6  und  Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  433  (Zitat  aus  verlorener  f'liou- 
Ode);  vgl.  ebenda  V,  200  (»wieviel?«);  V,  547,  559,  572,  573  (»wie 
lange?«)  und  Kuoh-yü  1,7b,  18b;  2,  18b;  Tao-teh-king  K. 20  usw. 
Adiiominal:    )     J|^   'ki  ^li   »wieviel  Meilen?«    T'ien-wen    (Ts'u-tz'e 

3'-!');  I  0  Tfn  ^^  ^fe  f Ab  '^**  J^^  ^^^  P^^  ^^  tsung  ..wieviel  Tage 
noch,  und  du  folgst  mir  nicht?«  (=:  »ohne  daß  du  .  . «)  El)endaV,  426 
mit  Hervorhebung  durch  erÄ,  vgl.  S.  274,  Anm.  1;  ebenso:  |  -^  A.  WH 
IsH'^^i  'ä-/  tsien  jen  erh  kuoh  puh  wang  »wieviel  1000  Menschen 
(könntest  du  nehmen),  ohne  daß  das  Reich  unterginge«  Ebenda  V,  628. 
Dieselbe  Konstruktion  beim  absoluten  'ki:  Ebenda  V,  661,701.  'ki  »bei- 
nahe«: Ebenda  V,  720.  Bei  der  Häufigkeit  des  Wortes  erübrigen  sich 
weitere  Verweise. 
Dies  gilt  auch  von 

.^^  (auch  X\,  geschrieben)  'fou  »(ist)  nicht?«,  »oder  nicht?-  (»nein«,  »Irr- 
tum«), denn  seine  Verwendung  als  zweites  Glied  einer  Doppelfrage  in 
der  späteren  und  noch  in  der  heutigen  Schriftsprache  ist  bekannt 
genug  (ein  Beispiel  aus  Li-ki  s.  oben  S. 265,  aus  Shi-ki  oben  S.278); 
klassisch  erscheint  es  dabei  öfters  auch  durch  Fragefinale  modernisiert 
{^'^'fou-hu,  Meng-tze  II,  1,  II,  1;  11,  2,  II,  3;  II,  2,  IV,  1;  Jf*^ 
Li-ki  4  (5),  21b).  Etwas  anders  Shi-king  1,1,  11,3:  ^)'^^:gC 
hoh'huan  (NB.  steigender  Ton!),  höh' fou  »welche  wasch"  ich,  welche 
nicht?«  —  Hier  wie  später  treffen  wir  es  dann  auch  in  der  indirekten 
Frage  (darüber  wie  über  die  substantivische  Funktion  dieser  Doppel- 
frage s.  unten  S.  286  f.),  und  endlich  wird  es  vorklassisch  vmd  klassisch 
recht  oft  im  hypothetischen  Vordersatze  oder  als  solcher  selbst 
gebraucht  (»wenn  nicht«,  »ist  es  nicht  so«),  z.  B.  Shu-king  II,  4,  6; 
IV,  5  (III),  2;  V,  15,  3;  V,  15,  15  (?);  Shi-king  II,  5,  V,  6  (wenn  es  da 
nicht  vielleicht  direkte  Frage  ist). 

Eben  diese  Funktion  in  Verbindtmg  mit  der  ähnlichen  von  'sze  (S.  279) 
fülirt  dann  aber  der  Liste  noch  eine  ganze  Gruppe  von  W^örtern  zu.    Denn 


'  Vielleicht  drei,  wenn  nämlich  ^1  'shen  »wie  nun  erst.  .?,  wieviel  mehr?, 
wieviel  weniger?«,  wie  das  nach  mehreren  der  Beispiele  den  Anschein  hat,  ursprüng- 
lich fragend  aufgefaßt  worden  ist.  Trilft  dies  zu,  dann  scheint  mir  gerade  hier 
der  Tonakzent  eine  Reminiszenz  an  die  älteste  Aussprache  zu  sein,  denn  das  Wort 
kommt  in  dieser  Bedeutung  meines  Wissens  nur  in  der  vorklassischen  Sprache  vor. 


Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  dei"  steigende  Ton.  281 

betrachtet  man  daraufhin  nun  die  lij'pothetischen  Vordersätze  aufmerksamer, 
so  wird  man  bakl  gewahr,  daß  die  Ausdrücke  für  »wenn«  und  »wenn 
nicht«  in  der  überwiegenden  Mehrzahl  (9  von  13  bzw.  11  von  15)  den 
steigenden  Ton  besitzeil,  näniHch  folgende': 

y^j  'kou  (sonst  »auch,  beinahe,  nur,  ein  wenig«)  »wenn,  wenn  nur«,  vor- 
klassisch seltener  als  klassisch,  doch  vgl.  z.  B.  )  R  ^jfj[  Ff  R  ^f[ 
'kmi  jih  sin,  jih-jih  sin  »wenn  du  dich  täglich  erneuen  kannst,  so  er- 
neue dich  Tag  für  Tag«  (Ta-hioh  II,  1  nach  einer  vorklassischcn  In- 
schrift), wo  übrigens  wohl  besonders  gut  zu  beobachten  ist,  wie  eine 
Konjunkion  den  Iktus  erhalten  konnte.  Mit  satzschließendem  ^^  H 
z.  B.  Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  540.  Auch  mit  vorangehendem  pleo- 
nastischem   ^^  joh  (»wenn«):  Chin.  Class.  II,  Proleg.  S.  166. 

yh  ^7iai  (sonst  »dann«)  in  der  Bedeutung  »wenn«  anscheinend  nur  vor- 
klassisch, aber  dafür  um  so  häufiger;  vgl.  außer  den  Beispielen  bei 
Gabelentz,  Gr.  Gramm.  §656  noch  Shu-king  V,  13,13;  V,  15,  18; 
V,  18,23;  V,  19,2;  V,  29,4  und  Shi-king  111,2,1,3  (  |  ..^'kou.M). 
Es  findet  sich  auch  im  Fragesatz  in  der  sehr  häufigen  Verbindung 
^lE  7^  wu-^nai  »wäre  nicht  doch..!'«,  die  auch  in  der  klassischen 
Sprache  (Tso-chuan,  Kuoh-yü  und  sonst)  nicht  ganz  selten  noch 
ohne  Fragefinale  auftritt. 

ß|r  'so  (sonst  »Ort«  und  —  wohl  daraus  entwickelt  —  Relativpronomen 
im  Cas.  oblig.)  »wenn«,  fast  immer  im  Eidschwur  (also  etwa  unser 
»  so « ,  » wo « ) :  )  '^  ^  ^  ^r  ^  ^p  jj^  ^  'so  jjmä  shaTi-tze-che,  ^you 
ju  cKen  tsung  »so  ich  dich  nicht  töte,  mögen  die  Ahnen  von  Ch'en 
(mich  strafen)!«  Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  836;  vgl.  ebenda  V,  497, 
510,  736,  747,  837  und  Lun-yü  VI,  26  (welche  Stelle  Gabelentz 
a.  a.  0.  §  530  als  IJnikum  anführt,  wie  er  denn  merkwürdigerweise 
auch  die  uralte  Eidesformel  ^&^P  ^you  ju  »so  möge..,  so  geschehe 
mir,  wie.  .  «  übersehen  hat).  —  Ebenso,  aber  nicht  beim  Eide  (?) :  Shu- 
king  V,  2,  10.  —  I  '50  wird  übrigens  zuweilen  auch  als  Frage- 
pronomen in  indirekter  Frage  verwendet. 

'fß^  "^Ma  (sonst  »entlehnen«  u.dgl.)  »wenn,  gesetzt,  daß«,  von  Gabelentz 
a.  a.  0.  §  1428  nur  als  nachklassisch  in  der  Verbindung  |  '^  "^kia- 
'shi  angeführt,  aber  sicher  älter,  vgl.  ]  ^^  ^  ^  5p.  »gesetzt,  es 
könnte  geholfen  werden,  würdest  du  es  tun?«   Lieh-tze  7,  7a. 

"ß^ '.sAt  (»veranlassen,  verursachen«)  »angenommen,  daß«;  vgl.  G  abelentz, 
a.a.O.  §  1428.  Daneben  auch  i)lconastisch  ■^p  )  ju-shi  »wenn  man 
annimmt«. 

yA  H  (ursprünglich  »nehmen«,  »annehmen»,  s.  oben  S.  279)  »wenn  man 
nimmt,  nehmen  wir  an  ..«  (Gabelentz,  a.  a.  0.  §  700;  vgl.  auch  §  698). 


'    Der  Vollständigkeit  halber   sind   auch   die  erst   in    der  Klassizität  belegten 
(aber  deshalb  natürlich  nicht  immer  erst  damals  aufgekounnenen)  mitangeführt. 


282  Coshady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

Sehen  in  dieser  Bedeutung,    doch   wolil   schon   vcnklassisch  (vgh  Shu- 
king  V,  15,  12).    In  dieser  Bedeutting  auch  fragend:  s.  oben  S.  279. 

BE  y«  (-nicht  sein«)    »wenn   nicht"    (von   Gabelentz  a.a.O.  §  1221  recht 

stiefnüittcrhcli  beliandelt).   Analogon  zu    ^^ß  '/«?/,   abt-r  wesentlich  vor- 
klassisch, vgh  Shu-king  V,20,  20;  Shi-king  1,8,  VI,  4;  11,5,  VIII,  1; 
I,  3,  XVI,  3;  II,  5,  III,  2,  8.    Fragend  z.  B.  Shi-king  II,  5,  X,  1   (s. 
S.  270),  doch  auch  in  Aussagesätzen. 
Sodann  gehört  unzweifelhaft  hierher 

fM  (ffpn)'''««^  (sonst  »selten,  zufällig-),  denn  es  kommt  zwar  anscheinend 
erst  seit  nachklassischer  Zeit  als  »wenn«  vor  (und  dann  u.  a.  auch  mit 
angehängtem  5p.  hu,  das  den  Fragecharakter  gut  ins  Licht  zu  stellen 
scheint),  aber  die  klassische  Bedeutung  »ob,  ob  vielleicht«,  die  neben- 
bei sehr  hübsch  den  Zusanunenhang  mit  der  indirekten  Frage  zeigt, 
ist  doch  recht  nahe  verwandt  (engl.  ?/I).  Das  Wort  scheint  bei  Gabe- 
lentz  zu  fehlen.  Beispiel:  ^^^^^  I  •  ^^f  11  ^  )1S  BK 
ik  Jf K  1/ü  shen  huoh-yen,  ^tany  'so  wei  t'ien-tao^shi-ye  fei-ye  »ich  zweifle 
sehr,  oh,  was  man  den  Weg  des  Himmels  nennt,  so  oder  nicht  so  ist« 
(d.h.  »ob  es  mit  dem  sogenannten  Weg....  seine  Richtigkeit  hat«): 
Shi-ki  Gl,  2a.  In  direkter  Frage  (  ]  • .  ^  fang  . .  hu  »vielleicht.  .?«): 
Ts'ien- Han-shu  5(),  5b. 

Kindlich  wird  man  vielleicht  auch  die  höflich  vermutende  Schlußpartikel 

.^  H  »wohl»  («f  c.  Opt.)  hier  anschließen  dürfen,  und  zwar  schon  wegen 
ilires  Hanges  zur  Bildung  hypothetischer  und  konzessiver  Vordersätze 
(vgl  für  jene  z.B.  Shi-king  IV,  1  (1),  V  (.^);  Chuang-tze  1,  6a; 
Sün-tze  13,  8b;  für  diese  außer  den  Beispielen  bei  Gabelentz, 
a.  a.  0.  §  814  noch  Kuan-tze  3,  23  b),  dann  aber  auch,  weil  sie  nach 
Gabelentz'  äußerst  ansprechender  Vermutung  sowie  nach  Ausweis 
des  Schriftzeichens  selber,  das  als  Hauplelement '  das  obige  '\^  ^i  ent- 
hält, aus  diesem  Vcrbum  entstanden  ist,  das  hier  natürlich  ebenfalls  im 
hyjjothetischen  Sinne  gemeint  war.  Das  Wörtclien  hatte  sonach  ur- 
sprünglich wohl  bedeutet:  »darf  ich  annehmen?«,  upd  damit  würde  es 
sich  dann  dem  Gros  dieser  seiner  Funktionsgenossen  gleichberechtigt 
angliedern;  denn  das  ist  ja  offenbar  aus  fragend  gebrauchten  Verbis 
entstanden,  soweit  es  nicht  überhaupt  immer  noch  zu  dieser  Kategorie 
gehört.  Aber  auch  unter  der  übrigen  Gesellschaft,  so  buntscheckig  sie 
aus  verschiedenen  Redeteilen  zusammengewürfelt  ist,  befindet  sich  wohl 
kein  Wort,  dessen  Grundbedeutung  (wenn  überhaupt  erkennbar)  sich 
mit  der  fragenden  Eigenschaft  der  hypothetischen  Vordersätze  nicht 
vertrüge  oder  vielmehr  nicht  direkt  auf  sie,  als  den  Ursprung 
seiner  Funktion,  hindeutete;  auch  sie  besteht  wohl  durchweg  aus  ver- 
steinerten Zweifelfragen. 


^    Das  phonetische  Element   ist  nacli   meinen  Ermittlungen   gewöhnlich   nicht 
bloß  laut-,  sondern  zugleich  auch  sinnandeutend  resp.  gibt  die  Etymologie  an. 


CoNRADY :   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  283 

Das  ist  nun  rund  ein  Viertelhundert  von  WOrtern,  die  mit  mehr  oder 
weniger  stehendem  und  immer  aus  vorklassischer  Zeit  überkommenem  Ge- 
brauch in  der  Frage  den  steigenden  Ton  verbinden,  und  sie  geniigen  wohl, 
um  dem  von  vornherein  schon  merkwürdigen  Zusammentreffen  von  Frage- 
bedeutung und  P" rageton  auch  den  letzten  Schein  der  Zufälligkeit  zu  nehmen 
—  ganz  besonders  noch  deshalb,  weil  es  teilweise  Wortgruppen,  Serien 
synonymer  Püindrücke  sind  (wie  bei  »warten«,  »sich  verlassen  auf«  und  den 
eben  genannten  Konjunktionen);  denn  damit  wird  der  ganzen  Erscheinung 
ein  noch  entschiedeneres  Gepräge  von  Gesetzmäßigkeit  aufgedrückt.  So 
darf  man  also,  scheint  mir,  nunmehr  mit  einiger  Zuversicht  behaupten,  daß 
der  steigende  Ton  hier  der  Rech tsnachfolger  und  Repräsentant 
des  alten  Fragetones  ist. 

Und  diese  Folgerung  wird  denn  in  erfreulichster  Weise  gestützt,  ja 
eigentlich  beinahe  zur  Gewißheit  erhoben  durch  die  Tatsache,  daß  bei 
mindestens  zweien  der  angeführten  Beispiele  die  fragende  Bedeutung  durch 
Verwandlung  des  ursprünglichen  Tones  in  den  steigenden  —  also  durch 
den  sog.  »bedeutsamen  Ton  Wechsel«  oder,  wie  ihn  Gabelentz  a.  a.  0. 
§  230  etwas  mißverständlich  nennt,  »Betonungs Wechsel«  —  aus  einer  affir- 
mativen Grundbedeutung  abgeleitet  ist.     Es  sind  dies 

^^  'ki  »wieviel«  (gewöhnlich  bei  geringer  Anzahl  gebraucht) :  aus  ^Tci  »winzig, 
wenig«   u.  a.,  und  vor  allem 

^^  iX>i)  fou  (alt  'peu,  wie  das  mundartliche  p  eu  und  die  Nebenform  'pei 
bezeugen):  aus  jK  put  »nicht«,  mit  dessen  Schrifizeichen  es  ja  ur- 
sprünglich und  oft  genug  noch  heutzutage  geschrieben  wird  —  ein 
normales  Beispiel  für  die  Wirkung  dieses  Tonwechsels  auf  Wörter  mit 
Explosivauslaut  (Abfall  desselben  und  Brechvmg  des  Vokals  infolge 
des  zweigipfligen  Tones,  vgl.  z.B.  ^^M^feu  »wieder«  aus  ]  fuk  »wieder- 
kehren«), das  dann  zugleich  auch  beweist,  wenn  das  überhaupt  noch 
nötig  wäre,  daß  die  Form  mit  steigendem  Ton  die  abgeleitete  ist. 

Wahrscheinlich  gehören  aber  auch  noch  hierher 

B^  yd:  zu  3-fe.  ^fei  »nicht  sein«  (obwohl  dies  freilich  mit  —  nur  an- 
geblich? —  unverändertem  Tonakzent  auch  fragend,  wie  umgekehrt 
jenes  behauptend,  vorkommt),  und 

^1  '^shen  (s.  oben  S.  280,  Anm.  1)  »wie  erst  . .?«,  »wieviel  mehr?«  usw.,  das 
sich  nach  Sinn  und  Zeichen  (Hl  yin  »ziehen«  als  phonetisch-ideo- 
graphisches Element!)  recht  wohl  zu  ^ffl  ^shen  »strecken,  ausdehnen 
(auf)«   (=   »dehnt  es  sich  aus  auf.  .  .?«)  stellen  könnte; 

und   wie   ^[j*   'ä'o   »können«    vielleicht   mit   "a*   heh  »überwinden   können« 

zusammenhängt    (vgl.  -pj-   'ho   »überstehen    können«,   Shi-king)  und  auch 

-^  ^you  wohl  erst  durch  solchen  Ton  Wechsel  des  einstigen  Auslauts  -Tc 
verlustig  gegangen  ist,  den  es  als  Phonetikum  noch  aufweist,  so  möchte  ich 
gern  auch  noch  ^§  'Men  aus  ^,  i  JP   hien^  »sichtbar  (werden)«  und  -^  'k'i 


284  Conrady:   Der  altcliiiiesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

«num-  aus  dem  modalen  Hilfswort  ^  Jc^i  »wolil,  etwa«  u.  dgl,  herleiten, 
das  in  der  vorklassischen  Zweifelfrage  so  hänfig  ist  und  späterhin  dann 
öfters  geradezu  mit  jenem  wechselt  i.  Aber  hier  macht  der  Unterschied  der 
Tonhöhe  vorderhand  noch  Schwierigkeit,  der  meines  Erachtens  die  je  erst- 
genannten Wörter  im  Gegensatz  zu  den  zweiten  als  alte  Präfixformen  kenn- 
zeichnet, während  der  steigende  Ton  ja  natürlich  mit  dieser  Art  Wort- 
bildung nichts  zu  schaffen  hat  und  deshalb  nach  Ausweis  der  bisherigen 
Beispiele  die  Tonhöhe  unberührt  läßt.  —  Aber  wie  dem  sei,  bei  'ki  und  'fou 
zum  wenigsten  steht  und  fällt  die  fragende  Bedeutung  mit  dem  steigenden 
Ton,  und  daraus  folgt  mit  um  so  größerer  Bestimmtheit,  daß  eben  dieser 
hier  das  fragende  Element  hineinträgt  und  verkörpert,  als  der 
bedeutsame  Tonwechsel  sonst  überall,  wo  nicht  schon  das  Stammwort  so 
betont  ist,  den  fallenden  Ton  zum  Träger  der  Bedeutungsänderung  macht 2. 

Aber,  so  fragen  wir  nun  weiter,  wenn  der  steigende  Ton  denn  aus 
dem  Frageton  entstehen  konnte,  wie  doch  Figura  zu  zeigen  scheint,  sollte 
das  dann  l)loß  in  diesen  wenigen  Fällen  geschehen  sein,  die  uns  das 
Trümmerfeld  der  vorklassischen  Litteratur  heraufgesendet  hat?  Bei  der 
außerordentlichen  Beliebtheit,  deren  sich  die  Frageform  und  namentlich  die 
rhetorische  Frage  von  altersher  in  China  erfreut,  ist  doch  eigentlich  zu 
vermuten,  daß  sich  der  Vorgang  noch  öfter  wiedei-holt  haben  werde.  Allein 
woher  die  Beweise  nehmen,  da  die  Quelle  der  alten  Fragesätze  ausgeschöpft 
ist?  Denn  nn't  Möglichkeiten  oder  Wahrscheinlichkeiten,  die  sich  ja  wohl 
auftreiben  ließen  ^  ist  es  doch  nicht  getan;  wir  müßten  auch  hier  wieder 
eine  gesetzmäßig  auftretende  Erscheinung  fordern,  wie  sie  in  jenen  Wort- 
gruppen und  stehenden  Formeln  vorliegt. 

Eine  solche  glaube  ich  nun  in  der  Tat  gefunden  zu  haben,  und  zwar 
in    der    großen    Sippe  jener    Komposita    von    Wörtern    entgegen- 

1  Vgl.  u-  a-  Ä  :|^  jp  s^k'i  'kanjuh  . . . ,  T  s  o  -  c  h  11  a  n ,  Chin.  Class.  V,  269  und 
^     I       I    '^'i  'kanjuh..,  ebenda  312,  Ä  i|j|[;  ^  Jc'i  'kan  uang  unA  -^     |       ) 
Ti  'kan  wang  ..,  ebenda  493.  —  Man  möchte  übrigens  bei  diesen  fast  an  den  Ton- 
wechsel von  opa  und  apa  denken. 

2  Die  wenigen  Ausnahmen  gehören  anscheinend  unter  die  im  folgenden  be- 
handelte Erscheinung.  —  Nach  Arendts  Auffassung  (Handbuch  I,  S.  128)  würde 
auch  ein  modernes  Beispiel  in  diese  Kategorie  zu  setzen  sein,  nämlich  BK  %« 
»welcher?«,  das  er  aus  |  na^  »jener«  differenziert  sein  läßt.  Docli  liegt  die  Sache 
hier  meines  Erachtens  umgekehrt,  denn  Ha  (in  der  Form  no  »welclier?«)  ist  schon 
klassisch  (Tso-chuan  V,  288)  und  na^  »dieser«  nicht.  Indessen  hat  er  unzweifel- 
haft recht,  wenn  er  hier  wie  bei  '^^^  'tseng-mo  (spr.  'tsän-7ii<j)  den  steigenden 
Ton  aus  dem  Frageton  herleitet. 

3  Dahin  gehört  z.  B.  die  vielleicht  nicht  zufällige  Erscheinung,  daß  im  Lun-yü 
(und  anscheinend  auch  im  Meng-tze,  den  ich  aber  nicht  vollständig  untersucht  habe) 
über  ein  Drittel  der  Fragesätze  an  betonter  Stelle  ein  Wort  mit  steigendem  Tone 
aufweist.  —  Auch  Analogiebildung  scheint  sich  übrigens  zu  Bnden,  z.  B.  in  f^ 
Hai  »vielleicht«  neben  ^^  't\mg  (s.  0.),  ^  'cKu  »verweilen«  neben  ::^  ^tsai  u.  a. 
Doch  ist  das  eben  keine  sichere  Handhabe. 


^_^        ^  ?  «viel  —  wenig«   =   "Menge«. 

^  ^    to-Tiua  I 


Conrady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  285 

gesetzter  Bedeutung,  die  das  Chinesische  (gleich  seinen  Vettern,  be- 
sonders den  Tibetern)  gebraucht,  um  Abstrakta  und  ülierhaupt  all- 
gemeinere (mitunter  zugleich  pluralische)  Begriffe  auszudrücken,  wie  z.  B.: 

~hc /V\  ta^-siao  (und  umgekehrt)    »groß  (oder)  klein«   =   -Größe«. 
^»  -^    to-sJiao  \ 

-^  4r   ^chang-tua7i  (u.  umgekehrt)    »lang  —  kui-z«    z=:   »Länge«. 

^S  |M  "poh-^hou  »dünn  —  dick«  =r  »Umfang«.  (Vgl.  etwa  -das  Lange  und 

das  Breite  davon«.) 
ffi^  ^ä   Jiing-^cliung   »leicht  —  schwer«   =   »Gewicht«. 
4^  j^  ^yüan-^erh   »fern  —  nahe«    =   »ringsum,  Umgebung«    (Shu-king). 

S.  H^  'tsao-^wan  (j.  kontrahiert  in  W^'tsan,  tsan)  »früh — ^spät«  =  («Länge 

der)  Zeit«. 
äg/^!^   tsang-'pi  (alt  juew)    »gut  —  schlecht«    =:    »Recht  u.  Unrecht«,    »Gut 

u.  Böse«     (Shi-king,  Sün-tze). 
^^^-  '^han-shu    »kalt  —  heiß«    ■=:    »Hitze    u.  Kälte,    jegliche   Witterung« 

(ebenda). 
Ä©^^  Jcuan-kua   »weiblos  —  mannlos«    =:   »Verwitwete«    (ebenda). 
1^4^  'cÄa»(7-2/M^  »erwachsen — jung«    =    »Erwachsene  u.  Kinder«. 
j^'j^  ^tsou-yoiir  «links  —  rechts«  =  » Gehülfen «  (Shu-king,  iShi-king). 

(Vgl.    )      I    tso-^you   »helfen«.) 

1"  "TC  shang^-'-hia  »o])en  —  unten«  i=  «Obere  u.  Untere,  hoch  u.  niedrig«; 
»Himmel  U.Erde«  (als  Naturkräfte);  »Berge  u. Marschen«  (ebenda).  Vgl. 
I  )  '"shang-Ma^  »aufsteigen  —  niedersteigen«  =  » umherschweben« 
(Shi-king). 

;^  ^t  '-'shi-^fei  »(So)  sein  —  Nicht  (so)  sein.  Ja  —  nein  sein«  =  »Recht 
oder  Unrecht,  »die  Frage  ob  oder  ob  nicht«  (Gabelentz,  a.a.O.  §  912). 

"^  itb  ■^'" ''^'^  »dieser — jener,  dies— jenes«  =  »beide  Teile,  gegenseitig«. 

'ä^  ^ipon^-c^/ö!*  (u.  umgekehrt:  Shu-king)  »gehen  —  kommen«  =  »Ver- 
kehr«  (vgl.  franz.  le  va-et-vient  des  navires  u.  dgl.). 

J  ^  ^mai-mai-^  (u.  mngekehrt:  Chan-kuoh-ts'eh)  »verkaufen  —  kaufen« 
=:  »Handel«. 

/t  ^p*  ^sheng-sze  (ii.  umgekehrt)  »leben  —  sterben«  =  »Leben  u.  Sterben«. 

i^  ^'  '-'shou-'-'shou  »geben  —  empfangen»  =:  »Geben  u.  Nehmen,  Tausch«. 
-^^B^   '-'yin-shih^   »trinken- — essen«    =   »Nahrung«    (Shi-king). 
^^'hn    chung-sM  »endigen  —  anfangen«  =  »Anfang  u.  Ende«. 
"W]^^  ' hing- tsing   »Bewegung  —  Ruhe«    =   »Benehmen«. 
Tcui-'hü   "Zirkel — -Winkelmaß«    =:    »Regel,  Sitte«. 


^ä>^  'cä'm»^-^'mä^    «Gnade  —  Ungnade«    =    »Abhängigkeit«     (Tao-teh- 


king  K.  13). 


280  CoNRADY :    Dcv  altcliincsische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

^.iWi  ^^^oo-shou    -Vögel  —  Vierfüßler-  =  »Tiere,  Tierwelt-  (Shu-king). 

S\-ht  ,7mn-'-'nn  .Mann  —  Weib»  =  "die  Gesclilechter«.  (vgl.  iH;;  4:|^  ^»Jm- 
'■'pin   "Männchen  nnd  Weibchen-), 

denen  sich  dann   noch   Komposita  wie  die  folgenden  anschließen: 
■^^[fh/u-^mu   "Vater — Mutter«    =    " Kitern -. 

jÜH^lt  '/v?/-'y/  (u.  umgekehrt)  "Großvater — Großmutter-  =  »Großeltern, 
Ahnen-    (Slii-king). 

^?  'S^  hiung-^ü  »älterer  Bruder  — jüngerer  Bruder«  =r  »Brüder,  Ge- 
schwister«. 

*^\  M  sheng-kiu  »Neffe  (Vetter)  — Oheim-  =:  "Verwandter  weibl.  Linie« 
(Shi-king). 

j|j||]  ^  ^shen-kui  (u.  umgekehrt)  »himmlische  Geister  —  irdische  Geister-  = 
"Götter,  Geister(welt)«   usw.  usw. 

Bei  diesen  Verbindungen  pflegt  nämlich,  wie  schon  die  eben  deshalb 
etwas  reichlicher  Ijemessenen  Beispiele  erkennen  lassen,  das  eine  der  beiden 
Glieder^  oder  auch  beide  den  steigenden  Ton  zu  tragen:  wenn  anders 
ein  Material  von  nahezu  anderthall)hundert  Belegen  ganz  vorwiegend  aus 
der  vorklassischen  und  klassischen  Literatur  berechtigt,  das  als  Regel  auf- 
zustellen —  und  ich  denke  doch,  daß  ihnen  gegenüber  die  ohnehin  kaum 
allzu  häufigen  andersartigen  Formen  verstummen  müssen.  Diese  Eigentüm- 
lichkeit aber  scheint  mir  nicht  bloß  zufällig  an  die  alten  Fragesätze  zu  er- 
innern, wo  dieser  Ton  ja  ebenfalls  am  Anfang,  am  Ende  oder  an  beiden 
Polen  zugleich  erscheinen  kann;  ich  glaube  vielmehr,  sie  läßt  sich  überhaupt 
gar  nicht  anders  erklären  als  so,  daß  wir  es  auch  hier  mit  solchen,  und 
zwar  mit  Doppel  fragen  zu  tun  haben.  Denn  zunächst:  wie  ja  zum 
wenigsten  die  Absti'akta  im  eigentlichen  Sinne,  jene  Komposita,  die  nach 
Gabelentz'  Definition  (a.  a.  0.  §  912)  »das  Ob  oder  Ob -nicht,  das  Mehr 
oder  Weniger  einer  Eigenschaft  oder  eines  Zustandes  bezeichnen«,  schon 
durch  den  disjunktiven  Charakter  der  Verbindung  (x  oder  y)  ein  wenig 
von  der  Frage  mitbekommen,  so  kann  man  wirklich  oft  genug  bei  ihnen 
im  Zweifel  sein,  ob  sie  als  Substantiva  oder  als  (indirekte)  Doppelfragen 
aufgefaßt  sein  wollen;  so  namentlich,  wenn  sie  von  einem  Verbum  (be- 
sonders 4^n  chi  »wissen-,  [|^  wen  »fragen-,  g-J-  Ja  »erwägen«  und  ähn- 
lichen) abhängig  sind,  wie  das  recht  häufig  vorkommt,  z.  B.: 

'J-P  ^^  >J/*  chi  to-'shao  »die  Anzahl  wissen-  odei-  "wissen,  ob  es  viel  oder 
wenig  ist«  :   PWYF".  n.  Shi-tze; 

^^ß^^W!^'^  ^"^  ««o7i</  ch'en,  chi  ma-jm  to-shao  »betrachtete  er  den 
Staub,  so  kannte  er  die  Zahl  der  Pferdetritte«  oder  »wußte,  ob  der 
Pferdetritte  viel  oder  wenig  waren«  :   Ebenda  n.  d.  Peh-shi; 


1  Am  häufigsten  das  letzte.    Das  Verhältnis  ist  83  (1.  Glied) :  31  (2.  Glied): 29 
(beide  Glieder). 


Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  287 

TJ^4^py^^^  wei  chi  tsang-pi  »als  du  noch  nicht  Gut  und  Böse  kanntest« 
oder  'when  you  did  not  know  what  was  good,  and  what  was  not  good' 
(Legge):  Shi-king  III,  3,  11,  10; 

RH  ,  . .  ^!  ^fe  1^  q^  /l  ^E&  ^,  i^  wen  . .  .  yao-hai  ^yüan-kin,  jin  ma  to  'kua 
»er  erkundigte  sich  nach  der  Entfernung  der  . .  .  strategischen  Punkte 
und  der  Anzahl  der  Männer  und  Pferde«  oder  » . .  .  ob  die  Punkte  nah 
oder  fern,  die  Männer  viel  oder  wenig  seien«  :  PWYF.  n.  d.  Wu-clii; 

^  ^^  B^-^ä-t  ho  fan  u-en^shi-fci  •.\\aruin  ängstlich  nach  Recht  und  Un- 
recht fragen«  oder  »fragen,  ob  es  recht  oder  unrecht  ist«  :  Ebenda 
n.  Wu  Wei; 

.^^^^fiE  i  ^you-wu  "am  Vorliandensein  zweifehi«  oder  »zweifeln,  ob  da 
ist  oder  nicht  da  ist«  :   Ebenda; 

'S A 'MM ^fl^  o^  yüA  Jcuan  hiu-'kiu  »wollte  sehen  (ob  es  geben  werde)  Glück 
oder  Unghick«  :   Ebenda  n.  d.  Peh-shi; 

^X^^%^^^^^A^  P"^  'ß^  y^^  Tcung  to  'shao  »es  war  unmöglich,  die 
Menge  verdiensthcher  Taten  auszusagen«  oder  »auszusagen,  ob  der 
verdienstlichen  Taten  viel  oder  wenig  waren«,  »wieviel  Verdienst  er- 
worl)en  werde«  :   Ebenda  n.  Shi-ki; 

aber  auch  in  Subjektstellung,  wie  in : 

siang  kien  ki  ya^  erh  ta-siao  k^o  hin  ye;  sJie  kü  ^sJion,  erh  sui-"tuan  ko 
chi-chi  »der  Elefant,  sieht  man  seine  Zähne  (einen  Zahn  von  ihm), 
so  kann  seine  Größe  (ob  er  groß  oder  klein  ist)  besprochen  werden; 
die  Schlange  erhebe  den  Kopf,  und  die  Länge  (ob  sie  lang  oder  kurz 
ist),  man  kann  sie  wissen«:  Ebenda  n.  Huai-nan-tze; 

-S- ^^  ^^  J[i^ -^  ^^  5M0«  to-shao  s7ii  k'i  tso  »die  Anzahl  der  Zählmarken 
(ob  der  Zählmarken  viel  oder  wenig  sind)  ist  verschieden  nach  dem 
Aufenthaltsort  (der  Spieler):  Li-ki  10  (37),  22a; 

und  im  Adverbialverhältnis : 

^S tUF  W  ^,  >^  W"» Ä^  IS  >{^  •  •  •  ^"  '"^''^"^  "y^^  ^^^>  ^^'  ^^^""  p^^  '"^  '"^ 

y'ü...  »wenn  die  Frau  eine  (rituelle)  Handlung  zu  vollziehen  liat,  bei 
großer  oder  kleiner  (unter  allen  Umständen,  ob  sie  groß  oder  klein 
sei),  muß  sie  bitten,  den.  .  . « :  Ebenda  n.  Li-ki.  (Hier  liegt  die  Über- 
setzung durch  einen  Konzessivsatz  entschieden  am  nächsten.) 

Ja  selbst  ein  vorangehendes  ~W  k'i  gibt  keine  volle  Sicherheit,  denn 
es  läßt  sich  in  der  Regel  ebensogut  als  die  modale  Hilfspartikel,  die  schon 
vom  Fragesatz  her  bekannt  ist,  wie  als  Possessivpronomen  3.  Person  auf- 
fassen; es  könnte  also 

^m*  iMl  ^^  ^K   Hang  k^i  ^you-wu    (PWYF.  n.  Kuoh-yü)    »sie  berechneten 
sein  Vorhandensein   oder  Nichtvorhandensein«    auch   heißen:    »sie   be- 
rechneten, ol)  es  wohl  vorhanden  sei«; 
*^IoI^>^   king  ki  to-shao  (ebenda  n.  Pao-poh-tze)   »ermißt   seine 
Zahl«   oder  »ermißt,  ob  es  viel  oder  wenig  ist«. 


288  Conhady:    Der  altchiiiesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

Nur  wo  (las  Kuinpusitum  hinter  einem  unzweideutigen,  d.  h.  durch 
das  llilfswort  p^  chi  gebildeten  Genitiv  oder  selber  in  diesem  oder  einem 
andern   Kasus  steht,  wie  in 

^jr  Jt^  [},H  j^  ]JS  ^'  shu  k^i  lü-chi  chung-hua  »er  zählt   die  Anzahl  seiner 
"T")re..  :   PWYK.  n.  Chou-li; 

"^"ü  Is^l  ^  ^' jMi  >Jlic '^  '^^'  Ä-Mo/(-r//j  ngan-wei  fsang-pi  -er  kennt  des 
Reiches  Ruhe  oder  Gefahr,  Gutes  oder  Roses- :  Ebenda  n.  Sün-tze; 

Im]  ^fP  -^  "/C /J"^  $t^  ^^  "''^  tintj-chi  ta-siao  king-^chung  -fragte  nach  der 
Di-eifüße  Größe  und  Gewicht«:  Tso-chuan,  ('hin.  Class.  V,  292; 

]^ßä.^Rn  'tsü-^yü-chi  kien  »zwischen  Nehmen  und  Geben«:  PWYF. 
n.  d.  Komm,  zum  Wei-chi  — 

nur  da  ist  es  so  ziemlicii '  außer  Frage,  daß  es  grammatisch  als  (abstraktes) 

Substantivum  fungiert. 

Ist  das  nun  aber  nicht  aufs  Haar  dasselbe,  wie  wenn  wir  lesen : 
■^n  ^T  ^>  cht   k'o-'fou    -er  weiß,  ob  es  möglich  ist  oder  nicht«    (»kennt  die 
Möglichkeiten«):  Kuoh-yü  8,  14b; 

-^  aP^^^I^'S^  jwä  chi  kia  tsun-fou  »weiß  nicht,  ob  die  Familie  noch 
lebt  oder  nicht«  (»weiß  nichts  über  das  Befinden  der  Familie«):  PWYF. 
n.  T  u  Fu  : 

j^  A  .  .  .  RH 'fe  ^S^  shi  Jen  . .  .wen  ts'un-fou  »er  sendet  einen...  um  an- 
zufragen, ob  es  gut  geht  oder  nicht«  (»um  sich  nach  dem  Befinden  zu 
erkundigen«):  Ebenda  n.  d.  Komm,  zum  Li-ki; 

RJjS'^-^^   icen   kün   ngan-fou    »fragt,   ob    der  Herr   zufrieden    ist   oder 

nicht«     (»nach    dem    Befinden«):    PWYF.;    vgl.    >^  0     ]       1    ^R  ^ 
»wie  ist  heute  dein  Befinden?«:  Ebenda  n.  Li-ki; 

^  io]  Pj 'ä*  -^f^ÖIli!  P^^  ^^"^  'k'o-'/ou,  puh  hin  k'üh-chih  »man 
fragt  niclit,  ob  es  angeht  oder  nicht  (nach  den  INIöglichkeiten),  man 
redet  nicht  (dai)ril)er  (ob)  Krumm  oder  Gerade«:  El)enda  nach  Li 
Sze;   vgl.  ;y;  |3|]  pf  :g;   dass.:  öhi-ki  87,  2b: 

=y.' ]pT  ^^  mou  'k^o-'/ou  »übei'legten,  ob  es  gehen  wercte  oder  nicht«  (»er- 
wogen die  Möglichkeiten«):  PWYF.  n.  Tso-chua  n. 

^^-äl'/f'^  '^^Ml^^^  jang  k^i  'iso-gou,  cKang  k'i  'chi-fou  »er 
nimmt  (von  dem  Getreide^)   sei   es  rechts,    sei    es  links    und  prüft,  ob 


•    Denn  selbst  hier  ist  mitunter  ein  Zweifel  möglich,  wie  z.  B.  in  ^P  ^  ^U 

-^  IT^  Wi  9~^-chi  'tuan-ch'avg  shi-ye  »meines  Todes  Kurz  oder  Lang  (=  ob  ich  über 
kinz  oder  lang  sterben  werde)  ist  (eine  Frage  der)  Zeit« :  Tso-chuan,  Chin.  Class. 
V,  2G3;  [y]  R  y^  S.  ^^  uen  jih-chi  'tsao-ycn^  »erfragt  des  Tages  Früh  oder 
Spät«  (=r  »ob  es...«):  Ngi-li  4,17a. 

2  Gewühnlich  bezieht  man  die  Stelle  auf  die  Lebensmittel,  die  den  Fcld- 
arbeitern  hinausgcbraclit  werden,  aber  der  Ztisanimenliang  scheint  mir  die  obige 
Auffassung  zu  verlangen. 


Conrady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  289 

es   gilt   ist.   oder   nicht«   (»nimmt   von   seinen   beiden   Seiten  und   prüft 
seine  Qualität«):  Shi-king  11,6,  VII,  3; 
TB^  ^.  j^P  -BL  yßi  ^S^    shi   moh   chi  k'i  jan-'/ou     »niemand    von    den    Zeit- 
genossen  weiß,  ob   es    so    ist   oder   nicht«   (»weiß   das   Ja    oder   Nein, 
Richtigkeit  oder  Unrichtigkeit«):  Shi-ki  63,  Ib; 

^1^ -^P  "B:  ^  fe  ^^  tcei  chi  mu-chi  tsun-fou  »nicht  weiß  ich  mehr  meiner 
Mutter  LeI)en-oder-nicht«  (»Befinden«):  PWYF.  n.  Tso- chuan; 

^^  ffi^ '^ f ^  ^  ^:  ^ä*  |>mA  Hang  Ts'i-teh-chi  feng-fou  ..man  erwägt  nicht 
der  Tugenden  von  Ts'i  Reichlichkeit-oder-nicht«  (»Menge«):  Ebenda  n. 
Kuoh-j'ü; 

^^ -^  i^  ^^  ^9b  itt  ^  "tÖi  Pö-<^'^'  tsi-fou  tsai  tze  hui  ye  ..der  Herrschaft 
Hilfe-oder-nicht  (Rettung  oder  Untergang)  beruht  auf  diesem  Bündnis« : 
Ebenda  n.  Tso-chuan; 

IS^  ^  ,A>  ^  B|j  cJiu'lio-fou-chi  Men  »verweilen  zwischen  Können-oder- 
nicht«  (»zwischen  den  Möglichkeiten  schwanken«):  Ebenda  n.  Hou- 
Han-shu. 
Und  damit  ist  dann  oiTenbar  ein  zweites  und  stärkeres  Argument 
gewonnen :  daß  nämlich  die  Adversativkomposita  tatsächlich  mit  notorischen 
Doppelfragen  identisch  sind.  Denn  diese  Verbindungen  mit  '/om,  die  hier 
(wie  übrigens  auch  sonst  noch)  so  ganz  wie  jene,  teils  als  ein  Mittelding 
zwischen  Fragesatz  und  Nomen,  teils  als  zweifellose  Abstrakta  gebraucht 
werden,  —  sie  sind  ja  die  echten  und  unbestreitbaren  Doppelfragen,  von 
denen  schon  oben  die  Rede  war.  In  der  Tat  ist  die  Familienähnlichkeit 
zwischen  beiden  Typen,  welche  denn  auch  die  Sprache  durch  Koordinierung 
(z.B.  "^B^Bu-S^  Tiui-tsien  neng-fou  »Vornehme  und  Geringe,  Fähige 
und  Unfähige« :  PWYF.  n.  Hou-Han-shu)  und  Parallelgebrauch  (vgl.  die 
Beispiele)  anerkennt,  so  groß,  daß  man  zuweilen  wirklich  schwanken 
mag,   ob   eine   solche  ybu-Bildung   nicht   in    die   andere   Liste   gehört,   z.  B. 

^  ^^  'chi-fou  oder  0t^ß-,  welch  letzteres  ja  auch  »Ja  oder  Nein«  be- 
deutet. Und  so  ist  es  denn  auch  kein  Wunder,  wenn  mindestens  eine  da- 
von mit  fliegenden  Fahnen  in  das  Nachbarlager  übergegangen  ist,  nämlich 
das  oben  verbeispielte  ^^-S*  tsang-p'i  (dem  man  vielleicht  noch  ^^^^ 
joh-p'i  »Gute  oder  Böse«,  Shi-king  111,3,  VI,  4,  zugesellen  darf);  denn 
mag  der  Chinese  dem  zweiten  Gliede  hier  auch  die  Bedeutung  »schlecht« 
imd  —  offenbar  nur  infolge  seiner  famosen  Reimklitterung  —  die  Aus- 
sprache 'p^i  an  Stelle  des  ursprünglichen  und  beglaubigten  'pm  beilegen  — 
es  ist  doch  nichts  anderes  als  das  wohlbekannte  fragende  '/ou. 

Wenn  sicli  unter  den  Komponenten  dieser  Ausdrücke  sodann  ge- 
legentHch  auch  solche  Wörter  finden,  die  uns  schon  als  gerne  fragend  ge- 
brauchte bekannt  sind,  wie  ^  ^you  in  |  ^  ^you-icu  oder  ^  'kiu  in 
Ajc  I  hiu-Mu,  so  will  ich  dem  keinen  sonderlichen  Wert  beimessen;  aber 
dafür  fällt  lun  so  schwerer  ins  Gewicht,  daß  die  antithetischen  Komposita 
auch  als  unzweideutige  und  unverkennbare  Fragen,  und  zwar  in 
der  Regel  als  echte  Dop p elf rage'n  konstruiert  sein  können.   Ein  Zeugnis 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  1.  Abt.  19 


290  CoNRADY :   Der  altchincsisohe  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

dafür  ist  ja  schon  ohcn  (S.  2S"J)  d;iu;e\vcsen :  jener  skeptische  Ausspruch  des 
S  lii  -  k  i  ^  •  •  •  ffi^  ^  jM  Ü  JfP  ^[i  If  P  ^^^'^^  •  ■  ■  '^(i"if  t'ien-tao  '-shi-ye  fn-ye 
»ich  zweifle,  ob  vielleiclit . . .  der  Weg  des  Himmels  so  ist  oder  nicht  so  ist« 
(•ol)  es  damit  seine  Richtigkeit  hat«)j  vgl.  noch  ferner: 

-^IfP^IfP  JutTflia^^  '"shi-ye  fei-ye,  lih  erh  wany  cid  »ist  es  Wahr- 
heit, ist  es  Täuschung?  ich  steh'  und  schau'  sie  an«:  Han  Wu-tis 
Li-fu-j  en- ko,  Kii-shi-yüan  •2,5a; 

-^  fläjj^  ik  fii^   '"shi-yü  fei-yü   »ist  es  so,  ist's  nicht  so?«:  PWYF. 

Das  ist  die  normale  Konstruktion  der  klassischen  Doppelfrage,  und  sie 
findet  sich  wieder   in    derjenigen  mit    ^  —  jji/    huoh — huoh   »vielleicht  — 

vielleicht,  bald  —  bald,  sei  es  —  sei  es«  u.  dgl..  z.  B. :  ^ 'S^  t^  ^ct  huoh 
'//«■  huoh  tsang  »sei  es  schlecht,  sei  es  gut,  teils  gut,  teils  schlecht'-  (PWYF. 
n.  Yang-tze),      |    ^^    |     'Kf  huoh  Jc'ün,  huoh  ^yu    »bald    in    Rudeln,    bald 

in  Paaren«:  Shi-king  II,  3,  VII,  3;  1  ^  1  {^^  I  fÜ  '  ^  huoh  Hi 
huoh  ^ngou,  huoh  fei  huoh  'tsou  »bald  (ist's)  ungerade,  bald  gerade,  bald  fliegt 
es,  bald  läuft's«  (PWYF.  n.  Huai-nan-tze),  die  ja  ebenfalls,  wenn  nicht 
den  fragenden,  so  doch  den  disjunktiven  und  den  Satzcharakter  dieser  Ver- 
bindungen deutlich  hervortreten  läßt.  Mindestens  im  ersten  Falle  geht 
auch  wieder  die  ^bw-Form  parallel:  0t  ^^^^^^  jan-hu  'fou-hu  »ja  oder 
nein?  habe  ich  recht  oder  nicht?»  (Gabelentz,  a.  a.  0.  §  663),  und 
sicherlich  auch  im  zweiten;  doch  habe  ich  kein  vollkommenes  deckendes 
Beispiel  dafür  gefunden.  —  Nach  ganz  demselben  (in  der  chinesischen  Vor- 
liebe für  Rhythmus  und  Antithese  tief  begründeten  ')  Prinzip  gebildet  und 
zweifellos  eine  Frage,  wenn  auch  eher  eine  doppelte  als  eine  Do])pelfrage, 
eher  kumulativ  als  alternativ,  ist  dann  zu  guter  Letzt  auch  das  vorklassische 

ÄBE/Kte-^  (f/!fc^~f  iM)  "'""'**^<'  wu-ta  {tsung  Jcung  yü  mal)  »waren 
es  nicht  Große,  waren  es  nicht  Kleine?  (die  dem  Fürsten  auf  seinem 
Wege  folgten)«  =  »Groß  und  Klein  (Jung  und  Alt)  folgten«:  Shi- 
king  IV,  2,  III,  1; 
denn  |  wu  ist  natürlich  nicht  etwa  ein  bedeutungsloses  Füllsel  (wofür  es 
ja  die  Chinesen  so  gern  erklären),  sondern  es  enthält  »wie  so  oft  in  der 
vorklassischen  Zeit  die  Frage.  Vgl.  das  analoge  &E -^  fiE  ^;/^  wu-chang 
wu-yu  »Alt  und  Jung«,  das  ein  Kommentator  (Kaiserl.  Ausgabe  21,  T2a) 
dafür  braucht.  Auch  gehört  jedenfalls  das  disjunktive  ^  ^  . . .  iffi  yj> 
vm-ta ...  wu  'siao,  Wi  A\  ...  1^  -^  ^wang-siao, .  .  .  ^wang-ta  »wie  groß 
(klein)  auch  immer«,  »sei  es  noch  so  groß,  sei  es  noch  so  klein«  des 
Shn-king  (II,  2,  12  resp.  IV,  4,  8)  hierher,  nur  daß  sich  da  frühzeitig  die 
verstärkende  Bedeutung  festgesetzt  hat,  welche  die  rhetorische  Frage  ver- 
leiht (vgl.  ^X^WX  puh-hien  »ist  nicht  berühmt«?  =  »sehr  berülmit«),  und 
daß  die  beiden  Bestandteile  in  folgerichtiger  Übertragung  jenes  rhythmischen 
Grundgesetzes  auf  den  eigentlichen  Satz  als  Gegenstück  in  einem  größeren 

»   S,  oben  S.  264,  Anm.  1. 


Conrady:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  291 

Parallelsatz  verwendet  sind.  Möglicherweise  darf  auch  ^  ^^  ^BE  W  wu- 
tung,  icu-^hia  »im  Sommer,  im  Winter«  von  Shi-king  1,  12,  11,  3  dazu- 
gestellt  werden. 

Und  dem  schließt  sich  dann  endlich  als  letzter  Trinnpf  die  ent- 
scheidende Tatsache  an,  daß  nicht  bloß  diese  Adversativkomposita  selbst, 
obgleich  nur  in  wenigen  Vertretern,  heutzutage  wie  mindestens  schon  in  der 
T'ang-Zeit  direkt  als  Fragewörter    gebraucht  werden:   ^^^   to-shao, 

^%  to-hua  >.wieviel?..  (vgl.  ^  ^  jÜ,  M  S,  if£;S  ^D  ^^^  •■=^"'" 
Nacht  kam  das  Getöse  von  Sturm  und  Regen,  die  Blüten  fielen,  weißt  du 
wieviel?"  PWYF.  n.  Meng  Hao-jan),  ^  M^  to-tsan  »wann?«,  —  sondern 
daß  überhaujit  ihr  ganzes  Bildungsprinzip  in  den  so  überaus  be- 
liebten Doppelfragen  der  modernen  Umgangssprache  fort- 
lebt, die  durch  simple  Nebeneinanderstellung  von  Position  und  Negation, 
ohne  Hilfe  von  Fragepartikeln,  zustande  kommen  und  meist  die  einfache 
Frage  vertreten:  jj^^^^^  ^hdo-püh-^hao  »(ist  es)  gut?  (ist  es)  nicht-gut?« 
=  ist  es  gut  (oder  nicht)?«,  »bist  du  damit  einverstanden?«,  ^^^  ^  ^^ 
//(-  ^^  ^tsai-hid  piih-^tsai-Jcia  »ist  er  zu  Hause?«  usw.  usw.  Das  ist  denn 
zugleich  so  einer  der  Fälle,  wo  eine  uralte  Ausdrucksweise  nach  langer 
Totschweigimg  plötzlich  in  der  heutigen  Sprache  wieder  aufersteht;  denn 
der  klassischen  ist  sie  meines  Wissens  fremd,  und  selbst  die  entsprechende 
mit  Fragewort  ist  wohl  selten  —  ich  finde  wenigstens  nur  ein  Beispiel 
dafür  aus  Meng-tze:  ^fe  5E.  ]^  |  )  ngi-hu  puh-ngi-hu  »war  das  redlich 
oder  nicht?«  (V,  2,  IV,  2)  und  ein  nicht  einmal  ganz  genau  passendes  au« 
Lieh-tze*  :^  ^^  |  X\  |  hi  wei  hi  puh-wei  »handelt  es  etwa?  oder 
handelt  es  etwa  nicht?«  (6,  7b)  in  meinen  Exzerpten:  sie  hat  statt  dessen 
eben  iJire  Form  auf  ^^^'/ou,  die  dann  als  die  elegantere,  den  »Geruch 
des  Altertums«  tragende  auch  in  der  heutigen  Schreibsprache  (um  mit 
Wustmann  zu  reden)  tür  die  volkstümliche  eintritt. 

Dies  muß  nun  doch,  scheint  mir,  alle  etwaigen  Bedenken  bis  auf  den 
letzten  Rest  zerstreuen.  Gleichwohl  ist  es  nicht  überflüssig,  auch  noch  auf 
die  Analogie  des  Tibetischen  hinzuweisen,  wo  alternative  Verbindungen 
genau  wie  die  Doppelfragen  durch  Anhängung  der  fragenden  Finalpartikel 
an  das  erste  Glied  —  also  der  Iktus  der  Frage  auch  hier  wie  speziell  in 
jener  neuchinesischen  Form  auf  dem  Anfang!  —  gebildet  werden:  gser- 
dngul-am  zangs-kyi  hum-po  »Gold,  Silber  (Fragepartikel),  Kupfer-ner  Krug« 
=  »Krug  aus  Gold,  Silber  oder  Kupfer«  (Jäschke,  Tib.  Grammar  S.  76), 
und  demgemäß  auch  als  Doppelfragen  fungieren  Vönrnn:  nga-am  Ico  (»ich? 
er«)  »ich  oder  er?«  (Csoma  de  Koros,  Tib.  Grammar  S.  105).  Denn  sie 
beweist  zu  gleicher  Zeit,  daß  auch  anderswo  die  Doppelfrage  unter  Ver- 
zicht auf  ihren  Satzcharakter  wort-  oder  begriff  bildend  zu  wirken 
vermag:  diese  Verbindungen  können  ja,  wie  das  erste  Beispiel  zeigt,  ohne 
weiteres  wie  einfache  Wörter  gebraucht  werden.  Es  ist  ja  in  der  Tat  auch 
nur  die  Abwesenheit  des  Frageworts,  die  alleinige  Verwendung  des  Gefühls- 
tones, was  die  chinesische  Form  vielleicht  auffällig  oder  verdächtig  machen 

19» 


292  CoNBADv:    Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

könnte;  denn  die  Wortbildung  durch  eine  äußerlich  gekennzeichnete  Frage 
üchort  weder  im  Chinesischen  noch  in  anderen  Si)rachen  zu  den  absoluten 
Seltenheiten.  So  finden  wir  beispielsweise  dort:  ^  ^t  ^P  ^  jiif  ^  yÄ 
xcu  jtt-chi-ho-^i  »so  ist  wohl  auch  keine  Abhülfe  möglich«  (Ta-hioh  X,  23; 
vgl.  Ts'u-tz'e  3,  18b  Komm.)  —  wörtlich:  »es  gibt  kein  Wie-steht's-dainit«, 
zu  ifrp  ^  "fpf  Jtt-rhi-ho  »wie  steht  es  damit?  wie  soll  man  sich  dazu  ver- 
halten?" (»wat  sali  Een  dorbi  dauhn?«  würde  es  Jung-Jochen  übersetzen); 
ÄE  ^ 'fpf  w?«  nai-ho  »es  gibt  kein  Mittel«  (Shi-ki  6,  321))  —  wöi-tlicli: 
»es  gibt  kein  Was-hilft-es«,  zu  |  )  nai-ho  »was  hilft  es?«  (z.B.  ^  |  | 
lii  nai-ho  dass.,  Shi-ki  3,  1  b,  3a,  3b  =  Shu-king  it  ^p  "q  lii-ju-yi 
s.o.  S.  11);  ÄE^g'för  wu  'ki-ho  »binnen  kurzem,  bald«  (Giles  Dict.  n. 
PWYF.  s.  I  Ao)  —  wörtlich:  »es  gibt  nicht  wieviel  (Zeit)?«,  zu  dem  be- 
kannten 'Äv,  das  selber  gleich  seinen  Genossen  die  Bildung  eines  neuen  Be- 
griffes durch  den  Frageton  illustriert;  &£  "föj"  ^  ^  Ifß  rjcu-ho- ^you-chi 
hiang  »das  Dorf  des  Nichthabens-was-gibt-es«  =  »Nirgendheim, 
Wolkenkuckucksheim«  (Chuang-tze  1,  10b)  usw.  Und  was  die  idg. 
Sprachen  angeht,  so  bietet  ja  namentlich  das  Sanskrit  eine  Fülle  von  geradezu 
klassischen  Beispielen  mit  seinen  Formen  wie  kimpurusha  »Kobold,  Zwerg«, 
kinnara  (kimnara)  —  dessen  tibetische  Übersetzung  mi-am-chi  »Mensch? 
(oder)  was?«  bezeichnenderweise  wieder  in  das  vertraute  Geleise  der 
Doj)pelfrage  eingelenkt  hat  —  kimsakhi  »ein  schlechter  Freund«;  kimkar- 
tavyata,  kimkäryatä^  »das  ,was  zu  machen'?«  PW  ('any  Situation  in  vvhich 
one  asks  himself  what  should  be  done':  Apte,  Skr.-Engl.  Dict.  s.  v.  kirn); 
kimkara  »Sklave,  Diener«,  yo^Ä-an«  »was  vornehmend?«,  yadvada  »ins  Blaue 
schwatzend«  usw.  usw.  —  Formen,  die  außerdem  wenigstens  teilweise  jenen 
chinesischen  näherstehen,  weil  sie  nach  0.  Richter  (in  seiner  lehrreichen  Ab- 
handlung über  »die  unechten  Nominalkomposita  des  Altind.  und  Altiran.«,  Idg. 
Studien  Bd. IX  S.  188,  deren  Kenntnis  ich  dem  freundlichen  Interesse  Brug- 
mann's  verdanke)  »syntaktisch  ...  sozusagen  abgekürzte,  in  ein  Wort  zu- 
sammengedrängte Nebensätze«  sind;  aber  auch  europäische  Gebilde  wie  das 
berühmte  ,vasistas'  und  vielleicht  noch  ,^Ir.  What's-liis-nanie',  dessen  chine- 
sisches Äquivalent  ^£  ^mou  »N.  N.«  den  steigenden  Tpn  aufweist,  dürfen 
hier  wohl  eine  Stätte  finden.  Der  Fragecharakter  jener  Adversativkomposita 
scheint  mir  also  nach  jedei-  Kichtung  hin  befestigt  und  gerechtfertigt. 

Und  damit  wäre  denn  wohl  der  oben  geforderte  Beweis  für  die  aus- 
gedehntere Erhaltung  des  alten  Fragetons  geliefert,  soweit  das  in  solchen 
Dingen  möglich  ist.  Denn  sind  die  Advei'sativkomposita  versteinerte  Doppel- 
fragen, so  darf  auch  bei  ihnen  der  steigende  Ton  aus  jenem,  und  wiederum 
mit  vmi  so  größerem  Rechte  hergeleitet  werden,  als  uns  auch  hier  derselbe 
"bedeutsame  Tonwechsel«  entgegentritt  —  der  z.B.  ^  "^hung  »gewichtig, 
schwer«  aus  )  jih\ng  »Dicke«,  i^  ^fen  »schwer»  (vom  Boden)'  aus 
)    ufen  »Erdhügel,  Grabhügel«   oder    m^  'kui  »Gespenst,  irdischer  Geist« 

*   l"    I   \m  ^fen-tlu  »schwer  oder  leicht«  (vom  Boden):  Shu-king  III,  1,58. 


Conrady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  293 

aus  H^  Jiui  »zurückkehren«  (doch  nicht  in  dem  sj)ekulativen  oder  gar 
sentimentalen  Sinn  des  »zum  Ursj)rung  Zurückgekehrten«  oder  des  »Heim- 
gegangenen«, wie  in  der  chinesischen  Erklärung",  sondern  im  Sinne  des 
Revenant)  differenziert  hat  — ,  und  das  erweitert  dessen  "Wirkungskreis 
mit  einem  Schlag  auf  das  Sechs-  bis  Siebenfache  seiner  bisherigen  Größe, 
so  daß  die  Wörter  mit  Frageton-entstammtem  steigendem  Tone  nunmehr 
sogar  einen  recht  artigen  Prozentsatz  ihrer  Gattung  ausmachen. 

Diesem  Ergebnis  gegenüber  will  es  nun  nicht  mehr  viel  besagen,  daß 
die  Fragepronomina,  Fragewörter  und  Fragefinalen  wohl  mit  einziger  Aus- 
nahme des  oben  behandelten  'Hi  den  gleichen  oder  eingehenden  Ton,  und 
zwar  zumeist  in  der  Tiefstufe,  haben.  Im  Gegenteil  scheint  mir  diese  Ein- 
mütigkeit in  der  Beil)ehaltung  des  ursprünglichsten  und  ganz  indifferenten 
Tonakzents,  die  vermutlich  doch  kein  Zufall  ist,  zu  zeigen,  daß  sie  ent- 
weder zu  vielerlei  Betonungen  über  sich  ergehen  lassen  mußten,  lun  eine 
davon  dauernd  annehmen  zu  können,  oder  eher  noch,  daß  sie  dem  Iktus 
und  seinem  tonverändernden  Eintluß  überhaupt  nicht  ausgesetzt  waren. 
Gerade  das  Fragewort  und  namentlich  die  Finale  wird  ja  in  der  Regel  nicht 
der  Träger  des  Fragetons  sein.  Und  eine  zweite  Unstimmigkeit  ist  vollends 
wohl  nur  scheinbar,  ja  trägt  vielleicht  sogar  noch  zur  Verstärkung  der  Position 
bei,  daß  nämlich  auch  ein  gutes  Teil  der  Synonymkomposita  dieselben 
Tonverhältnisse  wie  jene  adversativen  aufweist.     Verbindungen  wie: 

^  M^  ^  A'en- -^moM   »Feld  —  Acker  (Morgen)«    =   »Felder«    (Shu-king); 

IMl  Sl  5-ywara-pM    »Obstgarten  —   Gemüsegarten«     =    »Gärten,    Gärtner« 

(Chou-li); 
1^^«^  ^M?i^-'Ä:o«   »Schlamm  —  Staub«   =   »Schmutz«   (Ngi-li); 
P^   Ö  ^men-^hu   »Tor  —  Tür«    (zweiflügelige  Tür  —  einflügelige  Tür)   = 

» Türen,  Familien « ; 
B^  3x:  i-^^"5'-''^0M  »blind  (mit  Pupillen)  ^ — blind  (ohne  Pupillen)«  r=  »Blinde, 

Musiker«  (Shi-ki  n  g).  Vgl.  ^^  g^  'Icu-  '"meng,  "g*  ^.  ^mang-ku  »blind« ; 

^^  'ku-'sou   »der  Blinde«   (N.  von  Shun's  Vater); 
niH  ^^  ^p'eng-^i/u  »Genosse — (Blut-)  Bruder  ^   =   »Fi"eund,  Freunde«; 


'  ^^li-tfc,  l§ÄÄ^  '^"''  r-Gespenst«,  vgl.  Shi-king  II,  5, 
V,  8)  bedeutet  kui  (»zurückkehren«),  es  kehrt  zu  seiner  wahren  Wohnung  zurück«: 
Lieh-tze  I,6b  (vgl.  auch  Erh-ya,Li-ki  u.a.);  ■Jf^fl^  A@l§  A"  • 
Slj/t:  A  '^  ^T^  K  »im  Altertum  nannte  man  die  Toten  Zurückgekehrte  (Heim- 
gegangene) ...  dann  sind  die  Lebenden  Wandernde  (Pilger)«:  Ebenda  I,  8b.  Das 
sind  Vorstellungen,  die  wir  für  die  älteste  Zeit  gewiß  nicht  voraussetzen  dürfen. 

^  Die  Bedeutung  »Bruder«  für  "^  ^yn  (sonst  »Freund«)  kommt  mehrfach  im 
Shi-king  vor  (II,  3,  III,  6;  III,  1,  VII,  3);  daß  Blutbrüderschaft  gemeint  sein  kann, 
möchte  ich  aus  einer  der  alten  Formen  des  Schriftzeichens  schließen,  die  zwei  unter 
dem  Handgelenk  durchschnittene  Hände  zeigt.  Blutbrüderschaft  durch  Ritzen  des 
Armes  war  vor  alters  wenigstens  in  »Südchina  gebräuchlich  (vgl.  Lieh-tze  5,  17 a; 
bei  Eheversprechen:  Tso-chuan,  Chin.  Class.  V,  119). 


294  Conbady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

^^^R   ^f^^-^^^f   »Pilugstcrz  —  Pllugsdiar«   =    »PlUig-.; 

^^  huo-'pao  »Gilter  (Waren)  —  Schätze-  =z  >•  Reichtümer»  (Shu-king); 

-I- J4|l    'fn-ti^   »Boden  —  Erde«    =z    »Land,   Gebiet"; 

P|/c '/W  '^*"^^-^^*'  »Gräbchen  —  (iräben  (Rinnen  —  Kanäle)"  t=z  »Kanäle« 
(Slni-king); 

^^^Ö  ' shu-tsih  (und  nnigekehit)  »Hirse  —  klebrige  Hirse«  =  »Hirse,  Ge- 
treide«  (8hi-king); 

^^^S    t^sao-'mang  »Gras  —  Dschungel«   =   »bäurisch«   (Meng-tze); 

^ -^   'kuany-ta-^  »breit  —  groß«    =    »weit«; 

M:  $^   ^lian-^lcan   »dürr  —  trocken«    =   »trocken  und  dürr«; 

l'd  J^  tsun-toli  »ausinessen  - —  abmessen«  r=  »erwägen,  berechnen»  usw. usw. 

sind  in  der  Tat  häufig.  Aber,  wie  schon  die  Beispiele  zeigen,  auch  bei 
den  Synonymkomj)ositis  decken  sich  die  zwei  Begriffe  wohl  niemals  voll- 
kommen, es  ist  also  immer  ein  wenn  auch  noch  so  schwacher  Gegensatz 
vorhanden,  welcher  denn  auch  von  den  Chinesen  durch  Verwendung  der 
beiden  Glieder  als  Antithesen  im  Parallelsatz  (z.  B,  ^^  Hei  und  ^-G  ^sze\ 
Yih-king,  Hi-tz'e)  gebührend  anerkannt  wird,  und  sie  enthalten  darum 
auch  nicht  selten  die  gleiche  Verallgemeinerung  des  Begriffs  (zu  abstraktem 
oder  pluralischem  Ausdruck),  die  uns  von  jenen  andern  her  bekannt  ist, 
ja  die  Grenze  ist  oft  so  fadendünn  gezogen,  so  verschwimmend,  daß  man 
in  Verlegenheit  ist,  in  welcher  der  beiden  Kategorien  man  das  Wortpaar 
unterbringen  soll.  Wo  also  der  steigende  Ton  hier  nicht  überhaupt  von 
der  Zugehörigkeit  des  betreffenden  Wortes  zu  einem  Adversativkomj)ositum 
herstammt,  da  wird  er  vernmtlich  entweder  auf  derselben  Ursache  wie  bei 
dieser  oder  auf  Analogiebildung  beruhen.  Und  dieser  letzteren  mag  wohl 
auch  der  steigende  Ton  bei  Wörtern  entgegengesetzter  Bedeutung,  die  nicht 
als  Komposita  vorkommen  (wie  ^j|/   -^tro,  -p  ^yü  »ich»:   v4r  ^'w,   ^^  ^erh 

[alt  ^m,  vgl.  modernes  |y^  ^ni\  yh  ^nai  »du«),  seinen  Ui'Sjjrung  verdanken 
—  wenn  das  betreffende  Kompositum  nicht  etwa  bloß  nicht  erhalten  ist'. 
Sollte  das  richtig  sein,  so  würde  unserm  Material  eine  neue  und  so 
beträchtliche  Vermehrung  damit  zuwachsen,  daß  die  'schon  zuvor  nicht 
gerade  fernliegende  Vermutung  doppelt  gerechtfertigt  wäre,  der  steigende 
Ton  möchte  nicht  bloß  teilweise,  sondern  überhaupt  aus  dem  alten  Frage- 


*  Mit  noch  größerer  Sicherheit  darf  man  es  wold  auf  das  Konto  der  Analogie- 
bildung setzen,  daß  die  neuere  Sprache  bei  Advei'sativkonipositis  den  alten  ein- 
gehenden Ton  gerne  mit  bedeutsamem  Tonwechscl  in  den  steigenden  \cr\vandelt 
hat,  z.  B.  in  'mt|  H^t  ki-koh  (aus  k'ot)  »hungrig  u.  durstig« ;  '^  ^^  k'uan-chai 
(tsek)  »breit  u.  eng  =  Breite« ;  *»'  ffn  'kuh-'hsüeh  (kut-hiucf)  »Knochen  u.  Blut  = 
Verwandtschaft« ;  nR  '^^  ^yü-  Himch  (ttiuet)  »Regen  u.  Schnee« ;  Jt^  T]  'ch'ih 
{ch'ikytiun  »Elle  u.  Zoll  =  Längenmaße«;  Mj  i^  shan-kuh  (kuk)  »Berg  u.  Tal«; 
Yiyp  't![|!    chih  (chik)  -cliuh  »erhöhen  u.  erniedrigen«. 


Conhady:   Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  295 

ton  entstanden  sein.  Das  würde  der  Theorie  von  der  Entstehann;  der  stei- 
genden und  fallenden  Tonheiigung  aus  dem  Tonsandhi  —  der  gegenseitigen 
Tonanpassung  in  der  lebendigen  Rede  — ,  die  ich  seinerzeit  aufgestellt  habe, 
vollends  den  Garaus  machen,  zumal  diese  Genesis  auch  beim  fallenden 
Tone  zweifelhaft  zu  werden  beginnt;  denn  es  scheint  allerdings,  als  ob  er 
ebenfalls  einigen  Anspruch  auf  Abstammung  aus  der  Gefühlsbetonung  hätte. 
Die  Untersuchung  ist  hier  freilich  schwieriger  als  beim  Frageton,  weil  die 
Ausrufe  und  die  sonstigen  hier  in  Betracht  kommenden  Sätze  lange  nicht 
so  scharf  umrissen,  so  unverkennbar  sind  wie  der  Fragesatz;  doch  habe 
ich  bis  jetzt  immerhin  schon  feststellen  können,  daß  die  in  stehenden  Aus- 
rufen und  Mahnungen  oder  sonst  gern  ausrufend  (usw.)  gebrauchten  Wörter 
der  vorklassischen  Sprache  späterhin  den  fallenden  Ton  zu  haben  pflegen ' 
—  also  ein  vollkommenes  Gegenstück  zu  der  anderen  Erscheinuno;  und 
darum  als  eine  Ai't  Gegenprobe  eine  weitere  Stütze  für  ihre  Deutung.  In- 
dessen möchte  ich  diese  Hypothese  doch  nicht  ganz  zum  alten  Eisen  werfen; 
denn  das  Tonsandhi  ist  in  der  neueren  Sprache  mit  allen  ihren  Mundarten 
noch   sehr   im    Schwange   und   hat  hier    so    zw'eifellos   auch    analoge   Ton- 


^  Man  vergleiche  die  folgende  Liste  der  hauptsäcliliclisten  davon :  ffl<^  king  : 
I  il^  king'-tsai  »sei  ehrei'bietig!«  :  Shu-king  U,  3,7  u.  ö.  (zus.  11  mal);  vgl. 
Shi-king  IV,  1  (3),  lU  u.  ö.,  Ngi-li  3,52b;  Inschriften:  Tsi-ku-chai  3,  3b; 
6,  24a.  —  ojV  kie-  \  "ot  kie-tsai  »sei  vorsichtig!«:  Shu  U,  2,  6  u.  ö.  (zus.  5 mal); 
Shi  III,  1,  IX,  1;  vgl.  Ngi-li  3,  52b.  —  ^^  nien^:  \  ^fe  nien^ -tsai  »denk' 
daran!«:  Shu  II,  2,  7  usw.  (10 mal);  Shi  I,  11,  III,  2.  —  tg  mou^:  |  ^  mou^- 
tsai  »betätige  dich..!-:  Shu  II,  1,  19  (und  noch  5mal).  —  ^ft  kV:  »wirf  ab!«: 
Ngi-li  2,  16a;  mit  Negation  prohibitiv  »verwirf  nicht!«:  Shu  V,  17,  8;  Shi  UI,  2, 
IX,  2.  —  jlp  sJiun  »halte  fest  an..!«:  Ngi-li  2,  16a;  »möge  er  festhalten!«: 
Shi  IV,  2,  III,  3.  —  ffl  yung^  »mögen  sie  gebrauchen!«:  über  60mal  in  stehenden 
Phrasen  der  Inschriften  (Tsi-ku-chai  4,  19a  —  8,  11  a). —  i^  sin:  flE  |  vm 
sin:  »glaube  nicht!  trau  nicht!«:  Shi  11,7,  V,  1  und  sonst;  ]  sin  »wirklich«  (in 
Beteuerung):  Ebenda  II,  6,  VI,  1  u.  ö. —  41^  shen^  »hab'  acht  auf..!«:  Shu  II, 
4,  2  usw.  (zus.  7 mal);  Shi  H,  4,  II,  3  (u.  noch  5 mal);  Ngi-li  2,  16b  (=  Shi  III,  3, 
II,  8);  1  shen^  »wirklich«:  Shi  II,  5,  IV,  1  (^  |  ÖE  ^  yü  shen^  um  tsui  »ich 
habe  wirklich  keine  Schuld!«).  —  -^  kie  »groß  möge  sein..!«  Shi  111,2,  III,  1 
u.  o.;  Ngi-li  2,16  b  (=:  Shi  a.a.O.).  —  Ä  u-an^  »10000«,  in  der  stehenden 
Formel:  xx  Ä  ;^£  ^x  x  wän^-nien  »dem  xx  10  000  Jahre!«:  Shi  11,6,  IX,  2,  3 
u.  5.  (zus.  15  mal),  desgl.  öfters  in  den  Inschriften ;  sie  ist  in  der  Nebenform  ]  ^^ 
wan^-sui  der  Almherr  des  bekannten  japanischen  bdnsai  geworden.  —  -^  ta^: 
I  ^H;  »groß  ist  fürwahr..!«:  Shu  IV,  6,  9;  Chung-yung  XXVII,  1,  3;  Lun- 
yü  m,  4,  1;  IX,  11,  1-  —  §  /«■':  ÖE  I  -mißachte  nicht.  .!«:  Shu  V,  9,  5  u.  ö.; 
Shi  in,  3,  VII,  1  (vgl.  ni,  3,  VI,  4);  Tsi-ku-chai  6,  24a. 


29G  Conhady:    Der  altcliinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton. 

Veränderungen  erzeugt  —  lassen  sich  die  Unterschiede  in  der  Tonbeugung 
desselben  Wortes  in  den  einzelnen  Dialekten  meines  Erachtens  doch  gar 
nicht  anders  erklären  als  aus  der  notorischen  Verschiedenheit  dieser  ihrer 
Sandhigesetze  — ,  daß  dergleichen  auch  für  die  älteren  Perioden  kaum  ge- 
leugnet werden  darf.  Man  wird  sich  also  mindestens  vorderhand  noch 
damit  begnügen  müssen  zu  sagen,  daß  der  steigende  Ton  sehr  häufig 
(und  vielleicht  sogar  zuerst)  aus  dem  Frageton  hervorgegangen 
ist  —  ein  Endergebnis  immerhin,  das,  wie  ich  mit  freudiger  Genugtuung 
sehe,  wenigstens  in  Kern  und  IIau])tsache  mit  Wundt's  Erklärung  der  Ton- 
akzente (Völkerjisych.  I,  2,  8.  401/2)  übereinstinunt  und  auch  auf  ähnlichem 
Wege  gewonnen  ist. 

So  hat  also  Mutter  Sprache  auch  den  llüchtigen  Hauch  eines  psycho- 
logisch-rhetorischen Tones  eingefangen,  verdichtet  und  in  der  großen 
Konservenbüchse  der  Tonakzente  untergebracht,  ganz  wie  sie  lange  zuvor 
schon  den  logischen  Akzent  in  der  höheren  Tonserie  festgebannt  hatte, 
und  das  scheint  denn  auch  ganz  ähnlich  folgenschwer,  ähnlich  epoche- 
machend (im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes)  gewesen  zu  sein  wie  dies 
letztere  Ereignis. 

Denn  es  macht  doch  ganz  entschieden  den  Eindruck,  als  ob  die 
Bildung  der  Zweifelfrage  durch  Finalpartikeln,  die  mit  der  klas- 
sischen Sprache  zur  Regel  wird,  in  ursächlichem  Zusammenhange  mit  jenem 
Kondensicrungsvorgang  stände  oder,  mit  andern  Worten,  als  ob  sie  der 
Ersatz  für  den  verlorenen  Frageton  sei.  Dem  scheint  ja  freilich 
entgegenzustehen,  daß  sie  anscheinend  schon  in  der  vorklassischen  Periode 
vorkommt,  während  anderseits  die  klassische  auch  in  nicht  formelhaften 
Ausdrücken  noch  den  partikellosen  Typus  verwendet,  und  daß  sich  endlich 
die  klassische  Dichtung  —  von  Lao-tze*  bis  zu  den  »Elegien  von  Ts'u« 
und  den  Philosophen  des  3.  Jahrhunderts  v.  Chr.,  ja  bis  in  den  Ausgang  der 
Han-Zeit  —  reimtechnisch  in  nichts  von  der  älteren  unterscheidet.  Allein 
das  sind  wohl  keine  ernstlichen  Hindernisse.  Denn  das  finale  5p.  ^Ä« 
der  vorklassischen  Texte  dürfte  in  den  ])aar  Fällen,  wo  es  überhaupt  so 
vorkommt,  vielleicht  nicht  sowohl  als  Fragepartikel,  denn  vielmehr  — 
im  Einklang  mit  der  sonstigen  Bedeutung  solcher  Wörtchen  dort  —  als  ein 
interjektionsartig  gebrauchtes  Fragewort^  aufzufassen  sein  (so  z.  B.  des 
hohen  Alters  der  Stelle  wegen  jedenfalls  im  pj]'  5j^  'k'o-?iu  Shu-king  I,  9 
=  »geht  er  an?  wie?«)  und  somit  höchstens  insofern  mit  der  jüngeren 
Konstruktion  zusammenhängen,  als  es  iiir  einen  be([uemen  Anknüpfungs- 
punkt gewährte;  in  jenen  partikellosen  Fragesätzen  der  Klassizität  sodann 
wird  man  ihrer  verhältnismäßigen  Seltenheit  wegen  bloß  ein  letztes  Ver- 
glimmen des  einst  so  lebendigen  Feuers  erblicken  dürfen  —  was  dann  zu- 


'  Dessen  Tao-teh-king  übrigens  in  weit  größerm  Umfang  versifiziert  ist, 
als  man  bisher  erkannt  zu  haben  scheint. 

2  Gabele ntz  (Gr.  Gramm.  §  807)  möchte  für  )  Jiu  zwar  verbalen  Ur- 
spnnig  vciinuten ;  aber  meines  Erachtens  sichert  ihm  schon  die  Etymologie  (vgl. 
rtB    Jiu  »wie?  warum?")  die  Zugehörigkeit  zu  den  Fragewörtern  und  -pronomina. 


Conrady:  Der  altchinesische  Fragesatz  und  der  steigende  Ton.  29/ 

gleich  wohl  einen  Fingerzeig  für  die  Datierung  des  steigenden  Tones: 
nämlich  auf  den  Anfang  der  klassischen  Periode,  gäbe  *  — ,  und  vollends 
die  klassische  Reimteclmik  macht  doch  allzusehr  den  Eindruck  einer  be- 
wußten Nachahmung  der  früiieren,  als  daß  sie  für  einen  glaubwürdigen 
Zeugen  gelten  könnte.  Man  wird  also  doch  wohl  berechtigt  sein,  an  jener 
Deutung  des  klassischen  Fragesatzes  festzuhalten. 

Diese  Neubildung  ist  nun  aber  recht  eigentlich  ein  Wahrzeiclien  der 
klassischen  Sprache,  und  zwar  so  sehr,  daß  das  Vorhandensein  oder  Fehlen 
der  Finalpartikel  meines  Erachtens  fortan  als  ein  nicht  unwesentliches  Hilfs- 
mittel der  Textkritik,  als  Kriterium  für  das  Alter  eines  zweifelhaften  Werkes^ 
dienen  kann.  Wenn  also  die  Versteinerung  des  F'ragetons  (mit  der  ver- 
mutlich die  der  Gefühlsbetonung  überhaupt  Hand  in  Hand  ging)  auch 
nicht  eine  so  völlige,  das  ganze  Wesen  der  Sprache  verändernde  Revolution 
hervorgerufen  hat  wie  jener  Übergang  von  der  Agglutination  zur  Isolierung, 
deren  Denkmal  die  höhere  Tonreihe  darstellt,  so  hat  sie  doch  wohl  ihren 
redlichen  Anteil,  vielleicht  sogar  den  Löwenanteil,  an  dem  Aufkommen 
einer  neuen  Sprachperiode  gehabt.  Die  größere  formale  Gebundenheit 
der  klassischen  Sprache,  die  sie  fast  als  den  adäquaten  Ausdruck  der  be- 
rüchtigten und  in  der  Tat  schon  damals  leise  beginnenden  geistigen  »Er- 
starrung des  Chinesentums«  erscheinen  läßt,  —  sie  ist  nicht  an  letzter  Stelle 
auch  ihr  Werk;  aber  eben  damit  zeigt  sich  auch  —  und  dies  führt  dann 
wieder  auf  den  Anfang  dieser  Erörterung  zurück  —  daß  die  Starrheit  auch 
in  diesem  Falle  nichts  Ursprüngliches,  sondern  ein  langsam  Gewordenes, 
eine  Erstarrung  ist. 


*  Einen  direkten  Beweis  dafür,  daß  der  Frageton  in  der  klassischen  Zeit  er- 
loschen war,  möchten  die  phonetischen  Elemente  zu  geben  scheinen.  Denn 
ihre  ad  hoc  unternommene  Untersuchung  hat  mir  das  bisher  unbekannte  Resultat 
geliefert,  daß  sie  mit  dem  Laut  allermeistens  auch  den  Toriakzent  übertragen,  und 
da  nun  dieses  Prinzip  der  Zusammensetzung  in  größerm  Umfang  erst  in  der  Zeit 
nach  Konfuzius  verwendet  worden  scheint,  so  ergäbe  sich  eben,  daß  der  steigende 
Ton  damals  vorhanden  war,  mithin  sein  Urheber,  der  Frageton,  abgewirtschaftet 
hatte.  Da  jedoch  phonetische  Zusanmiensetzungen  auch  schon  früher  vorkommen, 
so  könnte  hier  nur  durch  eine  ganz  genaue,  jedes  einzelne  in  Betracht  kommende 
Schriftzeichen  zurückverfolgende  Prüfung  die  nötige  Sicherheit  gewonnen  werden. 

2  Wie  z.  B.  des  unter  Kuan-tze's  Namen  gehenden  Buches,  das  hiernach 
stilistisch  nicht  dem  7.  Jahrhundert  v.  Chr.,  sondern  der  klassischen  Periode  zu- 
gewiesen werden  muß. 


Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  I.  Abt.  20 


298  BQcherschau. 


Büclierschau. 


Ernst  Boersclunann:    Die  Baukunst  und  Religiöse  Kultur  der  Chinesen. 
Band  II:   Gedächtnistempel.    Berlin  1914,  G.Reimer,  geh.  36  M. 


Uieser  zweite  Band  des  großen  Werkes  über  chinesische  Baukunst  bildet 
eine  würdige  Fortsetzung  des  in  dieser  Zeitschrift  (Jahrgang  XV  S.  206  f.) 
besprochenen  ersten,  welcher  die  Tempel  der  heiligen  Insel  P'u-t'o  V)ehandelt. 
Während  diese  dem  fremdländischen  Buddliismus  ihre  Entstehung  verdanken, 
tritt  uns  in  den  Gedächtnistempeln  eins  der  Hauptmotive  der  altchinesischen 
Religion,  die  Ahnenverehrung,  entgegen,  denn  diese  Tempel  sind  speziell 
dem  Andenken  berühmter  JNIänner  der  Vorzeit  und  den  Ahnen  angesehener 
Familien  geweiht.  Das  Werk  ist  durch  sehr  zahlreiche,  vorzügliche  Illustra- 
tionen geschmückt,  welche  auch  demjenigen,  welcher  China  nicht  aus 
eigener  Anschauung  kennt,  eine  gute  Vorstellung  von  seinen  religiösen  Bau- 
denkmälern geben.  Eine  große  Menge  von  Tempeln  aus  allen  Teilen  des 
Landes  werden  uns  so  in  Wort  und  Bild  vorgeführt.  Besonders  eingehend 
sind  behandelt  der  Tempel  des  Chang  Liang  in  Schensi,  der  örl  Lang  Miao 
in  Ssechuan  und  der  bekannte  Konfuziustempel  in  Küfu.  Die  sorgfältige 
Aufnahme  aller  dieser  Tempel  durch  einen  Fachmann  hat  noch  einen  be- 
sonderen Wert:  es  wird  dadurch  das  Andenken  an  diese  ehrwürdigen 
Kultusstätten,  von  denen  viele  schon  jetzt  dem  Verfall  entgegengehen  oder 
durch  skrupellose  Sammler  und  Händler  zum  Teil  schon  z'erstört  sind,  der 
Nachwelt  bewahrt.  Der  Verfasser  beschränkt  sich  nicht  auf  eine  bloße  fach- 
männische Beschreibung  der  Bauten  rmd  eine  Kritik  ihrer  Konstruktion, 
sondern  behält  dabei  stets  das  religiöse  und  kulturelle  Moment  im  Auge. 
Er  berichtet  von  den  geschichtHchen  Erinnerungen,  welche  an  den  Bauten 
haften  und  den  Traditionen,  die  noch  heute  im  Volke  leben.  Durch  die 
Übersetzung  zahlreicher,  in  den  Tempeln  angebrachter  Inschriftentafeln 
zeigt  er,  was  die  Chinesen  bei  der  Errichtung  dieser  Bauwerke  gedacht 
und  gefühlt  haben.  Sehr  poetisch  und  schön  sind  die  eingestreuten  Tage- 
buchnotizen, welche  den  Leser  in  die  richtige  Stimmung  versetzen  und  ihm 
die  Schönheit  chinesischer  Tempel  und  der  umgebenden  Landschaft  er- 
schließen. Der  Verfasser  liebt  seinen  Stoff  und  besitzt  die  Fähigkeit,  auch 
andere  dafür  zu  begeistern.    In  der  Kunst  der  Schilderung  und  dem  feinen 


Bücherschau.  299 

Verständnis  für  eine  fremde  Volksseele  erinnert  er  an  Hackmann.  Sein 
Werk  ist  noch  nicht  eine  Geschichte  der  chinesischen  Baukunst;  um  eine 
solche  schreiben  zu  können,  müssen  noch  mehr  cliinesische  Gescln'chtsquellen 
in  Übersetzungen  vorliegen.  Vorläufig  hofft  der  ^'erfasser  aus  den  Merkmalen 
einzelner  Bauten  Anhaltspunkte  für  die  baugeschichtUche  Entwicklung  und 
für  die  Datierung  zu  gewinnen.  Daß  er  es  nicht  unternimmt,  geistvolle 
Entwicklungstheorien  aufzustellen,  können  wir  nur  billigen,  denn  dafür 
fehlen  zur  Zeit  noch  die  nötigen  Unterlagen.  Auf  das  Studium  der  chine- 
sischen Baukrnist  werden  diese  Veröffentlichungen  sehr  anregend  wirken 
luid  für  eine  spätere  systematische  Darstellung,  die  uns  jetzt  noch  fehlt, 
eine  Fülle  von  zuverlässigem  Material  bieten. 

A.  Forke. 


Berlin,   gedruckt  in   der  Reiclisdruckerci. 


Mitteilungen 
des  Seminars  für  Orientalische  Sprachen  zu  Berlin 

Zweite  Abteilung 

3 


Westasiatische 
Studien 


Redigiert  von 

Prof.  Dr.  M.  Hartmann,  Prof.  Dr.  0.  Kampffmeyer 
und  Prof.  Dr.  F.  Giese 


1915 


Bedin 
Kommissionsvedag  von  Georg  Reimer 


Inhal  1. 


Seite 

Venizelos  und  Neugriechenland.    Von  Johannes  E.  Kali tsunakis     .     .     .         1 
Biblische  Legenden   der  Schfiten    aus   dem  Prophetenbuch   des  Hoseini.     Von 

Walther  Aichele 27 

Talniudische  Rechtsurkunden.    Von  Dr.  S.  Fuchs  in  Luxemburg 58 

AbüHiläl  el-'Askerl,  Das  Kitäb  »el-mu'gam  fi  baqijati  1-esjä'«.  Von  0.  Rescher     103 
Studien   und   Mitteilungen   der  Deutschen    Marokko-Bibliothek.     L    Marokko- 
Literatur.     Zweite  Hälfte.    Von  G.  Kampffmeyer 131 

Index  zur  »Marokko-Literatur«  I  (1911)  und  H  (1915) 170 

Bibliographische  Anzeige:  Elementa  Persica.  Persische  Erzählungen  mit  kurzer 
Grammatik  und  Glossar  von  Georg  Rosen.  Neu  bearbeitet  von  Friedrich 
Rosen.  Leipzig,  Veit  &  Co.,  1915.  VI.  195  Seiten.  8°.  Besprochen  von 
Gotthüld  Weil 187 


Venizelos  und  Neugriechenland 

Von  JoiiANNKS  E.  Kalitsunakis. 


'  rLreigiiisse  zu  behandeln,  die  noch  wegen  ihrer  weltgeschichtlichen  Bedeutung 
lebendig  in  der  Hrinnerung  aller  sind  und  welche  man  selbst  nicht  teilnahms- 
los miterlebt  oder  verfolgt  hat,  ist  um  so  weniger  leicht  und  ungefährlich, 
als  man  sich  selbst  manchmal  in  der  Beurteilung  nnd  Wertschätzung  dieser 
Dinge  als  nicht  ganz  iniparteiisch  zeigt.  Es  kommt  noch  die  Schwierigkeit 
hinzu,  daß  man  über  Personen  reden  muß,  die  noch  lange  nicht  ihre 
Tätigkeit  abgeschlossen  haben,  sondern  sich  noch  mitten  in  ihj-em  Arbeits- 
feld befinden. 

Übei-  mein  Thema  zu  reden,  heißt  eigentlich  die  (ieschichte  der 
vielbewegten  Insel  Kreta  in  den  letzten  fünfzehn  Jahi-cn  und  diejenige  des 
Königreichs  Griechenland  in  den  letzten  drei  Jahren  behandeln.  Denn  in 
der  Geschichte  Kretas  nnd  Griechenlands  gibt  es  selbstverständlich  mehi-ere 
Berührungsi)uidi.te;  tnid  es  fällt  gleich  auf,  wie  oft  man  einen  Namen 
trifft,  den  Namen  eines  JNIannes,  der  für  die  Freiheit  und  den  Fort- 
schritt seiner  Heimat  und  seines  Vaterlandes  mit  der  ganzen  Kraft  seines 
Körpers  wie  auch  seines  Geistes  gestritten  hat.  Dieser  ]Mann  ist  P]leu- 
tlieri(js   K.  \'enizelos   (Bci'(^:?.oc). 

Ks  ist  nicht  übei'trieben,  wenn  man  die  Behauptung  aufstellt,  daß  es 
seit  der  Gründung  des  griechischen  Königreichs  1832  keinen  bedeutenderen 
Staatsmaini  in  Gi-iechenland  gegeben  hat  als  \'enizelos.  Die  Pei-sönlichkeit 
dieses  leitenden  Staatsniaiuis  ihi-em  Wesen  und  Stieben  nach  zu  verfolgen, 
über  sein  ^\^)llen  und  Tiui,  über  sein  Ringen  und  Wirken  ein  festes  und 
sicheres  Urteil    zu    gewinnen,    das  trägt  schon  in  sich  selbst  reichen   Lohn. 

Wer  war  Venizelos!'     Woher  kam  ei*-'     Was  bedeutet  ev? 

Geboren  ist  er  am  11.  August  1864  (a.  St.)  in  dem  Vorort  Murnies 
bei  Canea  auf  Kreta.  Seine  Vorfahren  llüehteten  etwa  im  Anfang  des  acht- 
zehnten Jahrhunderts  aus  Sparta  nach  Kreta,  um  sich  vor  den  Türken  zu 
retten.  Der  ursprüngliche  Familienname  hieß  Ki-ebbatäs  (K5f/3,Ö«r«c),  und 
\'enizelos  wai-  lusprüuglich  ein  Taufname  in  der  Familie,  bis  dahin  vielleicht 
unbekannt  aul"  Kreta  oder  wenigstens  nicht  gebräuchlich.  Man  faßte  nun- 
niehr  den  Namen  Venizelos  als  Familieimamen  auf,  der  den  Namen  Krebbatas 
vollständig  verdrängte.  Man  gebrauchte  walu-scheinlich  eine  Zeitlang  beide 
Namen,  bis  der  Name  Ki'cbbatäs  mehr  und  mehr  in  Veri-essenheit  «•eriet.  Der 


'  Zum  großen  Teil  als  ölfentliclier  Vortrag  gehalten  am  Orientalischen  Seminar 
in  Berlin  am  20.  Februar  19U.  —  Einige  Anmerkungen  fügte  ich  beim  Drnclc  iiinzu. 
Der  aufmerksame  Leser  wird  sie  nicht  ganz  überflüssig  finden. 

Mitt.  fl.  Sem.  f.  Orient.  Spiacbcn.    1915.   H.  Al.t.  1 


2  Kai.itsl'nakis:    Venizelos  und  Neiigriecheiiland. 

Name  staiuint  vielleicht  aus  dem  Italienischen,  manche  wollen  es  aus  Buen 
Angelo  ableiten.  Denselben  Namen  finden  wir  in  Patras  und  Athen  als 
Namen  größerer  griechischer  Familien.  Eine  Faniilie  Krebl)at;'is  gibt  es  im 
Peloponnes  (z.  B.  in  Sparta)  noch  Jetzt. 

Seine  Schulbildung  genoß  Venizelos  auf  Syra,  und  nur  die  beiden 
ersten  Gvnuiasialklassen  machte  ei-  in  Athen  durch,  in  dem  damals  bekaiuiten 
Lvzcum  von  Antoniades.  Er  trieb  darauf  Jiu*istische  Studien  in  Athen  und 
wiu'de  im  Jahre  1887  zum  juristischen  Doktor  promoviert.  Sodann  ließ  er 
sich  in  ("anea  nieder,  um  dem  Beruf  als  Rechtsanwalt  nachzugehen.  Es  hat 
nicht  lange  gedauert,  und  mau  erk;unite  in  der  Person  des  kaum  Vierund- 1 
zwanzigjährigen  eine  juristische  und  rednerische  Kraft  ersten  Ranges.  Bei 
seiner  beruflichen  Tätigkeit  nahm  er  vielfach  teil  an  der  Verwaltung  der 
griechisch-christlichen  Gemeinde  von  Canea  und  wurde  frülizeilig,  dank  auch 
seinen  Familienverbindungen,  Deputierter  in  der  damaligen  Kammer  der 
autonomen  türkischen  Provinz  Kreta.  Schon  im  Jahre  18S9  als  25  jähriger 
^Nlann  entwickelte  er  eine  lel)liafte  Tätigkeit  in  der  kretischen  Kammer, 
die  unter  dem  Vorsitz  des  Generalgouverneurs  der  Insel,  Nikolaki-Pascha 
.Sartinski  in  Canea  tagte '  und  machte  seinen  Namen  in  weiteren  Kreisen 
bekannt.  Sein  rasch  ei'fassender  und  leicht  verarbeitender  Geist  und  seine 
hinreißende  Beredsamkeit,  die  sich  immer  durch  tiefe  Gedanken  auszeichnete, 
machten  ihn  nicht  nur  zu  einem  vor  Gericht  gefürchteten  Gegner,  sondern 
auch  in  der  Kammer  zu  einem  energischen  und  hochbegabten  Vertreter  des 
Landes.  Durch  eifrige  Studien  wurde  er  später  vertratit  mit  dem  politischen 
Leben  der  großen  europäischen   Kulturvölker. 

Den  rechten  Anlaß  al)er,  seine  Persönlichkeit  zur  vollen  (icltung  zu 
bringen,  gaben  erst  die  politischen  Ereignisse  und  grauenvollen  Kämpfe  auf 
Kreta  während  der  Jahre  1896  bis  1897. 

Es  sei  mir  gestattet,  einen  kurzen  Rückblick  auf  diese  Ereignisse  und 
ihre  Ursache  zu  werfen  als  Erläuterung  und  Ergänzung  unserer  Hauptauf- 
gabe. Auf  Ki-eta  wütete  seit  1888  bis  1896  fast  ununterbrochen  ein  Auf- 
stand-.  lu)  Jahre  1889  wurden  Privilegien  der  Insel,  die  ihr  der  Vertrag 
von  llalepa  ^  vom  Jahre  1878  gewährte,  von  der  Pforte  willküi-lich  aufge- 
hoben, unter  dem  Vorwande,  die  parteipolitischen  Kämpfe  auf  der  Insel  ge- 
böten diesen  Schritt.  Die  Christen  der  Insel  verlangten  danirilu-e  Vereinigung 
mit  dem  Königreich,  die  Mohammedaner  opponici-ten  dagegen.  Beide  Teile 
schonten  einander  Dicht,  und  es  kam  zu  blutigen  Kämpfen,  zumeist  im 
Innern  der  Insel;  8000  Wohnhäuser,  152  Schulen,  57  Moscheen  und  14  Kir- 
chen   wurden    zerstört.     Der   chi-istliche    Gouverneur    Nikolaki-Pascha   vSar- 


'    Vgl.  KPHTII,  'E</»]U£p?;  t^;  Wvur,;  Atoixrcex-c,  Jahrgang  XXI  (1889). 

^  Vgl.  Ed.  Driauit,  La  Question  d'Orient  depuis  ses  origines  ju.sijuW  nos 
joiirs,  Paris  1898,  S.  259 IF.  —  C.  Alb  in,  L'ile  de  Crete,  Paris  1898,  S.  165  IT.  — 
A.  J.  Reinach,  La  question  cri'toise  vue  de  Crete,  Paris  1910,  S.  52ff.  —  N.  Jorga, 
Geschichte  des  Osnianischcn  Reiches,  Bd.  V,  Gotha  191.3,  S.  5.50fr. 

^  Xalsra,  üstliclier  Vorort  von  Canea.  Intütnlichenveise  wiid  er  öfter  von 
namhaften  Historikern  mit  der  asiatisch-tiirkisclien  Stadt  Aleppo  (Ilaleb,  altgriech. 
Clialybon)  vei-wechselt. 


Kalitsunakis  :    Venizelos  und  Neugi'icchenland.  3 

inski  zeigte  sich  uniahig,  dei-  Lage  Herr  zu  werden,  iiiul  wurde  abberufen. 
Sein  Nachfolger  war  jetzt  ein  Türke,  Schakir-Pascha,  der  ziigleicli  zun»  Zi\il- 
und  Militärgouverneur  ei'uannt  wurde.  Die  Christen  der  Insel  verlangten 
natürlicherweise  die  "Wiederaufrichtung  des  Vertrages  von  Haiepa,  die  Pforte 
wollte  aber  nicht  darauf  eingehen,  indem  sie  bald  leere  Redensart(!n,  in  denen 
die  schlauen  Effendis  des  Divans  von  jeher  Meisler  waren,  versprach  oder 
bald  sich  gar  in  verächtliches  Stillschweigen  hüllte;  es  erschien  sogar  nach 
Unterdrückung  des  Aufstandes  durch  die  türkischen  Ti-upjjen  (Mu  Fernian, 
durch  welchen  der  Vertrag  von  Halei)a  bedeutende  Einschränkungen  ei-fuhi-. 
Vor  allem  der  Wali  konnte  jetzt  auch  Mohammedaner  sein,  d.  h.  richtig 
aufgefaßt,  er  sollte  Mohammedaner  sein,  inid  zwar  mit  erweiterter  Kom- 
petenz; die  Zahl  der  Deputierten  dei-  autonomen  Kammer  wurde  auf 
35  Christen  (statt  49)  und  22  Mohanunedaner  (statt  31)  reduziert.  Die  Gen- 
darmerie wurde  ferner  nicht  mehr  aus  Eingeborenen,  sondern  aus  allen 
Provinzen  des  Kelches,  vor  allem  ans  Albanien,  rekrutiert;  die  Steuern  und 
Zolleinnahmen  sollten  nicht  mehr  allein  zum  Bestreiten  der  Ausgaben  der 
\"crvvaltung  der  Insel,  sondern  auch  für  den  türkischen  Keichsschatz  bestinunt 
sein,  um  nur  die  Hauptsachen  zu  erwähnen.  Die  Tliristen  konnten  sich  mit 
diesem  Ferman  keineswegs  befreunden,  deshalb  unterl)lieb  die  Eiiil)enifiuig 
der  Kanuner  in  den  folgenden  sieben  Jahi-en,  wo  der  strenge  Älalumid 
Dschclaleddin-Pascha,  der  S[)äter  sogar  Minister  wurde,  die  Insel  verwaltete. 
Kv  trachtete  danach,  mit  unerbittlicher  Strenge  und  eiserner  Faust  jede  Be- 
wegung niederzuschlagen;  alles  dies  in  einer  Sache,  die  sich  nur  durcli  weise 
Mäßigung  inid  vei'ständnisvoUes  Eingehen  aufgerechte  Forderungen  behandeln 
ließe.  Hand  in  Hand  mit  den  Übergriffen  der  Regierung  ging  der  tibermut 
der  M(J.iammcdaner  auf  der  Insel.  Diese  sieben  Jahre  wai-en  eine  Zeit  voll 
Spannung,  Ungewißheit  und  Besoi'gnis. 

Mit  dem  Jahre  1895  kündigt  sich  eine  neue  Epoche  der  orientalisclien 
Verwickelung  an.  Es  erhob  sich  nämlich  in  diesem  Jahre  im  Innern  des 
Landes  eine  Schar  von  Aufstä-ndischen,  die  die  baldige  Wiederherstellung 
der  schwer  erkauften  Pi'ivilegien  der  Insel  verlangte  und  mit  einem  Aufstand 
der  ganzen  Insel  die  Pforte  bedi-ohte  '.  Die  Pforte,  in  der  Erwartung  von 
schlimmeren  Komplikationen,  schickte  nach  Kreta  als  Gouverneur  den  Grie- 
chen Alexander  Karatheodory-Pascha;  gegen  diesen  ei'hob  sich  aber  das  mosli- 
mische  Element,  ja  selbst  der-  iMilitä,rgouverneur  Emin-Pascha.  Die  Pfoite  lief 
Karatheodory  ab  und  schickte  wieder  einen  Türken, Turkhan-Pascha,  als  Wali. 
Im  Herbst  1895  war  die  Laije  der  Pforte  infolce  des  armenischen  Aufstandes, 


'  Schon  doi'  Berliner  Vertrag  besagt  in  seinem  23.  Artikel  »Die  hohe  Pforte 
verpflichtet  sich,  auf  der  Insel  Kreta  das  organische  Reglement  von  1868 
gewissenhaft  zur  Anwendung  zu  bringen  und  dabei  die  etwa  billig  er- 
scheinenden Abänderungen  zu  treffen.  Analoge,  den  örtlichen  Bedürfnissen  anzu- 
passende Bestimmungen  sollen,  ausgenonuneu  bezüglich  der  Kreta  gewährten  Ab- 
gabenfreiheit, gleicherweise  in  denjenigen  übrigen  Teilen  der  europäischen  Türkei 
eingeführt  werden,  für  welche  eine  besondere  Organisation  durch  den  gegenwärtigen 
Vertrag  nicht  vorgesehen  ist  usw.«  s.  vonLiszt,  Das  Völkerrecht,  systematisch  dar- 
gestellt, 9.  Aufl.  "  Berlin  1913,  S.  384. 

1* 


4  Kalitsl'kakis:    Venizelos  und  Neugriechenland. 

als  die  (iroßuiächte  auf  der  Einfülirung  von  Reformen  liestanden  und  ilu-e 
Flotten  sich  drohend  im  Ägäischen  Meere  zeigten,  sehr  schwierig.  Auf  Kreta 
(h-jingtc  man  infolgedessen  um  so  mehr  zu  der  Wiedererlangung  der  besei- 
tigten Privilegien;  die  Bewegung  wuchs,  es  kam  sogar  zu  der  Belagerung 
einer  türkischen  Besatzung  in  Wamos ',  welche  die  TürktMi  im  April  1896  nur 
unter  großen  Verlusten  retten  konnten.  .letzt  kam  es  zu  den  erhilterteu  und 
grauenvollen  .Straßenkämpfen  in  Canea  im  Mai  1896,  deien  Augenzeuge  ich 
selbst  war.  Der  .\ufs(and  verbreitete  sieh  rasch  auf  der  ganzen  Insel ;  die  christ- 
lichen Dörfer  in  der  Nähe  der  Städte  wurden,  wie  gewöhnlich,  von  den  Türken 
ausgepliiudert  und  niedergebrannt;  die  Christen  rächten  sich  auf  ähnliche 
Weise  und  vernichteten  die  türkischen  Dörfer  im  Iiniern  des  Landes.  Die 
Folge  davon  war  die  Einmischung  der  Großmächte,  welche  auf  den  Vorschlag 
Rußlands  den  Sultan  endlich  veranlaßten,  diu"ch  ein  Irade  vom  1.  September 
de.sselben  Jahres  den  Kretenserii  eine  noch  größere  Selbständigkeit  zu  ge- 
währen. Die  Ausführung  dieser  Reformen  sollten  die  Konsuln  selbst  über- 
wachen. Der  Gouverneur  sollte  Christ  sein,  und  seine  Ernennung  sollte  nur 
im  Einverständiu's  mit  den  Großmächten  vor  sich  gehen  Die  Gendarmerie 
sollte  durch  europäische  Offiziere  organisiert  werden.  Das  Finanz-  und 
Gerichtswesen  wurde  so  geordnet,  daß  der  Insel  eine  gewisse  Unabhängig- 
keit in  diesen  Punkten  zugesichert  wurde. 

Trotz  der  traditionellen  Verschlepptmgspolitik,  die  sich  die  Pforte  vor 
allem  in  den  kretischen  Angelegenheiten  zur  Regel  gemacht  hatte,  fürchtete 
s'ie  diesmal,  unter  dem  Druck  der  entscheidenden  Schi-itte  der  Großmächte, 
diese  Politik  nicht  anwenden  zu  dürfen.  Die  Insel  begann  sich  zu  beruhigen, 
der  neue  Gouverneur,  Georg  Berovitch-Pascha,  landete  in  Kreta,  ein  englischer 
Oberst  wurde  erwartet,  die  tapferen  Montenegriner  kamen  als  Gendai-merie  der 
Insel,  eine  Anleihe  wurde  geplant,  und  alle  Anzeichen  waren  da,  daß  die  Ruhe 
endlich  wieder  in  dieses  vielgeplagte,  arme  Land  wiederkehre.  Plötzlich,  wie 
auf  Verabrediuig,  erhoben  sich  die  ]Mohammedaner  in  den  Städten  —  denn  auf 
dem  Lande  konnten  sie  nichts  ausrichten  —  gegen  die  Anwendung  dieser 
vom  Sultan  feierlich  eingeleiteten  Reformen,  steckten  das  christliche  Viertel  der 
ll;ni[)lstadt  der  Insel  in  Brand,  metzelten  mehrere  hundei-t  Personen  nieder 
und  j)Iünderton  alle  christlichen  Läden,  die  sie  erreichen  konnten.  Alles  dies 
geschah  unter  den  Augen  der  Konsuln  und  der  Kriegsschiffer,'  die  vor  Canea 
ankerten.  Der  Gouverneur  Berovitch-Pascha  hatte  keinen  Platz  mehr  in 
der  Stadt,  er  llüchtete  in  eins  der  griechischen  Kriegsschilfe,  die  inzwischen 
eintrafen,  und  von  dort  aus  Höh  er  nach  Venedig,  wo  er  jetzt  noch  lebt. 
Nachdem  seine  weiten  Landgüter  in  Albanien  von  der  türkischen  Regierung 
konfisziert  worden  waren,  zahlten  ihm  die  ki-etische  und  jetzt  die  griechische 
Regierung  eine  Pension.  Zum  erstenmal  seit  der  Gründung  des  König- 
reiches erschienen  also  jetzt  griechische  Kriegsschiffe  vor  Kreta.  Früher 
mieden  sie  innner  ängstlich  die  Gewässer  der  anmutigen  Insel,  um  nicht 
durch  ihre  Anwesenheit  den  Funken  in  das  Pulverfaß  des  Aufstandes  zu 
werfen.     Jetzt   aber   lagen    sie   doi-t,    um   die   L.uidiuig    türkischer  Trupi)en 


'    Bapo;,  ui  der  westlirlien  Provinz  Apoköronas. 


Kalitsi-nakis:    Vciii/.elos  und   Nengiicchcnlainl.  5 

auf  der  Insel  nötigenfalls  auch  durch  Gewalt  zu  verhindern.  Außer  den 
griechischen  waren  auch,  wie  schon  oben  beniei-kt,  Kriegsschiffe  der  Mächte 
dort,  darunter  auch  der  deutsche  Kreuzer  »Kaiserin  Augusta«,  der  am 
21.  Februar  vor  Canea  einlief.  Wenige  Tage  nach  dem  Eintreff"en  der 
griechischen  Kriegsschiffe  landeten  auch  griechische  reguläre  Truppen  auf 
der  Insel  unter  dem  Befehl  eines  Adjutanten  des  Königs,  des  Obersten  \\assos, 
der  auch  die  Besitzergreifung  der  Insel  im  Namen  des  Königs  der  Hellenen 
proklamierte.  Die  flächte,  deren  Truppen  inzwischen  die  Städte  der  Insel 
besetzten  (darunter  waren  auch  95  deutsche  Seematrosen),  mißbilligten  dieses 
Vorgehen  der  Griechen  und  erklärten  die  Annexion  als  unzulässig,  wohl 
aber  erklärten  sie  die  Autonomie  der  Insel  unter  der  Suzeränität  des  Sultans 
als  geboten.  Sie  proklamierten  auch  dieselbe  mit  Zustimmung  der  Türkei 
am  .")./17.  März  1897  '.  Der  von  den  Mächten  verlangte  Abzug  der  griechischen 
Truppen  innerhalb  sechs  Tagen  erfolgte  nicht;  denn  in  Athen  fühlte  sich 
die  Regierung  nicht  stark  genug,  um  diesen  Schritt  vor  dem  griechischen 
Volke  zu  verantworten.  Es  kam  dann  zu  dem  unglücklichen  Griechisch- 
Türkischen  Krieg  von  1897,  dessen  Ausgang  die  Kreter  nötigte  (am 
16./28.  Oktober  1897)  die  Autonomie  der  Insel  unter  türkischer  Oberhoheit 
anzunehmen  ^  falls  die  türkischen  Trupjien  die  Insel  räumten.  Während 
der  griechisch-türkischen  Friedensverhandlungen  verhandelten  die  Mächte 
mit  der  Pfoi'te  weiter  über  Kretas  Zukunft,  und  zwar  sowohl  hinsichtlich 
des  Gouverneurs  als  auch  der  Miliz,  die  nach  Abzug  der  griechischen  Avie 
auch  der  türkischen  Truppen  für  die  Sicherlieit  auf  der  Insel  sorgen  sollte. 
Daneben  verhandelten  die  Admirale  der  vier  Flotten  (Deutschland  und  Öster- 
reich hatten  sich  inzwischen  zurückgezogen  und  «die  Flöte  im  Konzert  nieder- 
gelegt« '•')  mit  der  Versannnlung  der  Aufständischen,  deren  ei'ster  Präsident  der 
damals  33jährige  Venizelos  war.  Am  25.  August  1897  (a.  St.)  schrieb  Venizelos 
an  den  Vorsitzenden  der  Admirale,  den  italienischen  Admiral  Canevaro,  der 
später  italienischer  Minister  des  Äußern  wurde,  unter  anderem  auch  folgendes: 
»Ich  bin  fest  überzeugt,  daß  die  einzige  Lösung  der  Kretafrage  nur  die  Ver- 
einigung der  Insel  mit  Griechenland  sein  wird.  Aber  diese  meine  Überzeugung 
verblendet  mich  nicht,  die  Gebote  einer  Realpolitik  zu  übersehen.  Seitdem 
das  Königreich  Griechenland  seine  Truppen  zurückziehen  und  der  Autonomie 
der  Insel  zustimmen  nuißte,  vertrete  ich  inuner  den  Standpunkt,  daß  wir 
die  Beschlüsse  der  Mächte  ohne  weiteres  anzunehmen  haben  und  die  uns 
gewährte  Autonomie  als  eine  neue  Station  auf  dem  Wege  zu  der  Vereinigung 
mit  dem  Königreich  betrachten  müssen.  Ich  bin  weiter  fest  überzeugt,  daß  der 
unhaltbare  Zustand,  in  dem  sich  die  Insel  befindet,  bald  aufhören  wird 
und  durch  die  Einführung  dei-  versprochenen  vollkommenen  und  wirklichen 

^  «La  Crete  sera  dotee  par  les  Piiissaiices  d'nii  rogiine  autonome  absolurnent 
effectif  sous  la  haute  suzerainete  du  Sultan.» 

2  .Sie  erklärten,  sie  nehmen  das  Versprechen  der  Mächte  an:  »  d'assurer  ä 
l'ile  un  regime  d'autonomie  coniplete  et  absolurnent  effective  destinee  ä  doter  la  Crete 
d'uu  gouvemement  separe  sous  la  simple  suzerainete  du  .Sultan,  sans  aucuiie  ingerence 
turque  dans  les  affaires  intcrieures  de  l'ile  •>.  Blue-Book,  Turkey  3,  1898,  Nr.  238,  2. 

^    Vgl.  die  Rede  von  Bülows  im  Reichstage  am  8.  Februar  1898. 


ß  Kalitsunakis:    Veiiizelos  und  NeugriecliciilaiiH. 

Autoiutinip  und  durcli  dio  KiitlVi-mini;  ;dIor  tüikisclKMi  Tnippoii  riiie  n«^iio 
Ära  der  i'riedliclini  iiiid  kiiltiii-cdlcii  Kiitw  ickluiiu;  dieses  unglücklichen 
I-andes  ci"f()li;eu  wird»'.  Nach  \'eni/.eli)S  wurde  .1.  Sphakiaiwikis  Vorsitzender 
der  Aufständischenversainndung.  Kr  wurde  von  \'eni/.elos  in  atifojjferndei' 
Weise  in  seinem   Amte  unterstützt. 

So  /.ogcn  sich  die  Dinge  hin  his  Juli  1898,  als  auf  Beschluß  der  Adnu'rale 
ein  Komitee  aus  der  Versammlung  gewählt  wui'de,  welclics  die  Verwaltung 
der  Insel  ühernahm.  Diese  erste  autonome  Behörde  der  sich  allmählich  von 
der  Türkei  losreißenden  Insel  bestand  aus  sechs  Personen,  und  unter  diesen 
war  auch  Venizelos.  Doch  was  half  alles  Kämpfen  und  Kingen!  Die  türki- 
schen Truppen  blieben  innner  weiter  auf  der  Insel,  und  gerade  dies  hielt 
die  Entwicklung  der  neuen  Ordnung  im  höchsten  Maße  auf.  Die  türkische 
\'erblendung  aber,  die  sich  inuncr  in  der  Vei'waltung  zeigte,  löste  sogar  auch 
diese  Schwiei'igkeit.  Als  die  Englä.nder,  die  die  größte  Stadt  der  Insel, 
Heraldeion  (Candia),  besetzten,  im  September  1898  die  Erhebung  des  Zehnten 
ins  Werk  setzen  wollten,  kam  es  am  25.  August  (6.  Sept.)  zu  den  grauen- 
vollen Ausschreitungen  in  dieser  Stadt,  wobei  auch  das  türkische  reguläre 
Militär  eifrig  mithalf.  Die  Türken  steckten  das  christliche  Viertel  nacii  der 
altbewährten  Methode  in  Brand  und  töteten  nicht  nur  Griechen,  sondern 
auch  Matrosen  und  Offiziere  der  Kgl.  Englischen  Marine,  ja  sogar  den 
doitigen  englischen  Vizekonsul  Kalokaii'inös,  einen  Griechen  von  Geburt. 
Dann't  war  das  Schicksal  der  türkischen  Armee  auf  der  Insel  besiegelt.  Die 
Mächte  verstärkten  zwar  ihre  Kräfte  auf  der  Insel,  die  Pforte  aber  auch  ihre 
A'erschleppungstaktik.  Die  englische  Regierung  ei-klärte  inzwischen  unum- 
wunden, daß  sie  in  ihrem  Distrikt  der  Insel  keinen  türkischen  Soldaten  mehr 
dulden  würde,  und  traf  alle  Maßregeln,  die  vollständige  Ausführung  dieses 
Entschlusses  durchzuführen,.  Im  Oktober  1898  richteten  alle  Mächte  ein 
KoUektivultimatum  an  die  Pforte  und  erklärten  ihr,  sie  seien  entschlossen, 
vorzugehen,  denn  dies  ge!)iete  die  Ilmnanität  tuid  die  Sorge  um  den  Frieden. 
Die  Tage  der  türkischen  Herrschaft  neigten  sieh  dem  Ende  zu.  Die  Pforte  also 
wurde  aufgefordert  Ȋ  ra[)peler  dans  Ic  delai  d"un  mois  toutes  les  troupes 
tnrqneS",  widrigenfalls  die  Mächte  »se  vcrrcront  dans  Tobligation  de  re- 
courir  immediatement  a  des  mesures  decisives«.  Der  Pforte  blieb  nichts 
welter  übrig,  als  ihr  Militär  und  ihre  Funktionale,  wenn'auch  mit  einem 
gewissen  Widerstehen,  abzuberufen.  Und  so  entledigte  sich  Kreta  eines 
schweren  Joches,  das  es  mehr  als  250  Jahre  lang  trug.  Die  Suzeränität  des 
Sultans  auf  der  Insel  zeigte  eine  osmanische  Flagge,  die  zusammen  mit  den 
Flaggen  der  viei*  Schutzmäehte  auf  einer  einsamen  Felsenklippe  am  Eingang 
der  großen  Stidabai  gehißt  wurde.  Dieselbe  Klippe  war  auch  seltsamei*- 
weise  die  letzte  Station  der  venezianischen  Flagge.  Im  Dezend)er  1898 
landete  der  Prinz  Georg  von  Grieehenland,  der  älteste  Bruder  des  jetzigen 
Königs,  auf  Ki-eta  utid  übernahm  die  Ver\yaltung  der  Insel  als  Oberkom- 
missar  (  Trr«rcc  AjaoT7<c)    der    Großmächte,    weil    die   Pforte   seine  Er- 


*    Vgl.   S.  A.  Pa  paii  tonak  is,    Kovjr«««,    rjoi    rvXXc)'/]     ^i-nX'j^ficnixw    lyypat^'jiv 
usw.     (20.  'loxjviov  1897—9.  AExEpßptou  ]ti9H).     Canea  1901,  S.  XV. 


Kautsunakis:    Venizelos  und  Neugriecheiilaiid.  7 

nennung  nicht  billigen  wollte.  In  dein  ersten  Ministeriiun  wurde  \'eni7,elo.s  zum 
Justizminister  ernannt.  Er  war  zweifelsohne  die  interessanteste  und  wichtigste 
Persönlichkeit  des  ganzen  Ministeriums  und  hat  sich  in  hervorragendstem  INIaße 
ander  Ausarbeit  uiigderersten  im  April  1899  angenommenen  \'erfassungbeteil  igt. 
Es  gelang  dem  Prinzen,  alsbald  einigermaßen  geordnete  Zustände  auf 
der  Insel  herbeizuführen.  Die  Mohammedaner  aber,  erbittert  über  die  neue 
Ordnung  der  Dinge,  verließen  die  Insel  scharenweise.  Der  Prinz  vergaß 
nicht  den  nationalen  Zweck  seiner  Sendung  und  war  bemüht,  sich  dieses 
Thrones  möglichst  bald  zu  entledigen.  Er  empfahl  innerhalb  weniger 
.lahre  wiederholt  und  dringend,  ja  man  kann  sogar  sagen  in  belästigender 
Weise,  den  Schutzniächten  die  Angliederung  Kretas  an  Gi-iechenland  oder 
weiu'gstens  die  Ersetzung  der  internationalen  Truppen  durch  griechische. 
Die  übereifrige  und  voreilige  Umgebung  des  Prinzen  veranlaßte  das  kretische 
Volk,  auf  die  Erfüllung  dieser  Vorschläge  durch  die  Schutzmächte  große  Hoff- 
nungen zu  setzen.  Die  Vorschläge  Jedoch  wurden  immer  abgelehnt.  So  wai* 
es  kein  Wunder,  daß  bei  dem  Volke  eine  gewisse  Enttäuschung  und  eine 
Opposition  gegen  den  Prinzen  entstand,  dem  man  Unei-fahrenheit  in  der  Ver- 
wallinig  und  Absolutisnuis  vorwai-f.  Verblendete  Feinde  von  Venizelos  aus  der 
unmittelbaren  Umgebung  des  Piinzen  beschuldigten  \'enizelos  des  Verrats  an 
seinem  Vaterlande,  da  dieser  über  die  weitere  Entwicklung  der  Dinge  auf  Kreta 
anderer  Meinung  war  als  die  Umgebung  des  Prinzen.  Man  bezweckte  da- 
durch einzig  und  allein  die  persönliche  Bekämpfung  des  Mannes.  \'enizelos 
empfand  es  bitter  und  protestierte  wiederholt  imd  heftig  gegen  diese  Verleum- 
dungen und  gegen  eine  solche  Entstellung  seines  Standpunktes  und  erkläi-te, 
daß  er  niemals  an  eine  Erhebung  Kretas  zu  einem  selbständigen,  vom 
Königreich  Griechenland  getrennten  Fürstentimi  gedacht  habe,  und  daß  er 
durch  seine  Vorschläge  nur  eins  bezwecke,  nämlich,  wie  dieses  Ubeigangs- 
stadium  zu  der  Annexion  so  kurz  wie  möglich  sein  könne  und  sicher  zu 
der  Vereinigimg  der  Insel  mit  Griechenland  führe.  Ein  wichtiges  Hinder- 
nis aber,  meinte  Venizelos,  sei  die  internationale  Besatzung,  und  so  solle 
das  Land  zu  der  Bildung  einer  eigenen  Miliz  schreiten,  damit  die  inter- 
nationalen Truppen  überllüssig  und  abberufen  würden.  So  werde  Kreta 
Herr  im  eigenen  Hause  sein  und  der  Schritt  zu  der  Angliederung  an 
Griechenland  leichter  beim  ersten  günstigen  Anlasse.  Heute  ist  über  diesen 
Streit  längst  Gias  gewachsen.  Es  ist  aber  charakteristisch,  daß  dieser  Vor- 
schlag, den  man  damals  allgemein  verurteilt  hatte,  fünf  Jahre  später  fast 
unverändert  unter  allgemeinem  Beifall  zur  Ausfühi-ung  kam.  Seine  Feinde 
fuhren  fort,  ihn  bei  dem  Prinzen  zu  verleumden,  und  der  Prinz  entließ 
ihn  im  Mär/.  1901.  Die  Wahrheit  drängt  zuletzt  doch  durch,  und  dieser 
Mann  sollte  später  ein  wohltätiger  Führer  der  griechischen  Nation  werden 
auf  einer  langen  Strecke  Wegs,  auf  dem  sie  Reichtum  und  Größe  erworben 
hat.  Genau  vier  Jahre  später  (im  März  1905)  zog  die  inzwischen  mächtig 
gewachsene  imd  vielfach  gepeinigte  und  verdrängte  Partei  von  Venizelos 
unter  seiner  imd  Fumis'  und  3Ianos'  Führung  in  die  Berge  (Therisson)  und 
proklamierte  die  Annexion  an  Griechenland,  um  den  unhaltbaren  Zuständen 
auf  der  Insel  ein  Ende  zu  machen.    Durch  die  Verteidigung  einer  liberalen 


8  Kalitsunakis:    Veiii/.clos  und   NcinjiiL'cIioiilaiiH. 

I'olilik  erwai'l)  er  sich  alljioineine  Symj)atliic.  Kur/  iiaclilioi-  sliiiiinlt'  auch 
(h'v  Landtag  dieser  Proklamation  bei.  Die  Mächte  erklärten  (April  1915) 
dem  Prinzen  in  einer  Note,  daP  es  nnmöglich  wäre,  nnter  den  ohwaltenden 
ITmständen  eine  Änderimti;  (h's  internationalen  Statusqno  der  Insel  zu  ge- 
nehmigen. DimtIi  die  Kntuickelung  der  Dinge  aber  sahen  sie  sich  spätci- 
(Sept.  1906)  genötigt,  dem  König  der  Hellenen  das  Heeht  einzuräumen, 
den  jeweiligen  Oberkonnnissar  der  Insel  den  Mächten  voi-zuschlageu '.  Für 
eine  solche  Beseitigung  der  entstandenen  Schwierigkeiten  trat  mit  allen 
Kräften  auch  die  damalige  Giiechische  KegieiMuig  unter  Theotokys  V(U'sitzein. 
l'rinz  Georg  legte  sein  Amt  nieder,  und  die  Insel  erhielt  auf  \'orschlag  seines 
N'aters,  des  Königs  Georg,  in  der  Person  von  Alexander  Zaimis  (Zr«uv/c),  einem 
ehemaligen  griechischen  Ministerpräsidenten,  einen  neuen  Gouverneur,  .letzt 
durfte  auch  gi-iechisches  Militär  die  Miliz  der  Insel  organisieren.  Die  ^'er- 
fassung  wiwde  auf  eine  liberalere  Weise  modifiziert,  imd  die  Gemüter  wurden 
allmählich  beruhigt.  Venizelos'  Macht  abei-  stieg  mächtig.  Die  \'er- 
waltung  Zaimis  bewährte  sich  sn,  daß  im  Sommer  1909  di(!  Mächte  ihre 
Truppen  unter  heftigem  Protest  der  Pfoite  von  der  Insel  zurückzogen, 
nachdem  eine  einheimische  Miliz  organisiert  worden  war.  Einige  Monate 
vorher,  im  Oktober  1908,  kamen  die  bekannten  Ereignisse  auf  der  Balkan- 
halbinsel, die  Angliederung  Bosniens  an  Osterreich  und  die  Ei-klärung 
Bulgariens  zum  Königreich  als  Beantwortung  der  Nachi-icht  von  dem  neuen 
Regime  in  der  Türkei.  Die  Gelegenheit  nnißte  auch  auf  Kreta  ausgenutzt 
werden,  und  man  proklann'erte  wieder  die  Vereinigung  mit  dem  Königreich 
Griechenland^  und  setzte  anstatt  des  Oberkonunissars  der  Mächte  einen  Aus- 
schluß aus  den  Herren  Ant.  Michelidakis,  E.  Venizelos,  Pünun.  Logiades, 
Charal.  Pologeorgis  und  Min.  Petychakis  ein,  der  die  Insel  im  Namen  des 
Königs  der  Hellenen  verwaltete.  Die  autonome  Elagge  wurde  abge- 
schafft, griechische  Gesetze  wurden  teilweise  eingeführt,  Briefmai-ken  bekamen 
den  Aufdruck  KAAAi,  Gerichtsurteile  w^n-den  im   Namen  des  griechischen 


'  "  Les  Puissances  Protectrices,  afin  de  manifester  Icur  dc'sir  de  tenir  conipte, 
dans  la  niesure  du  possible,  des  aspirations  du  peuple  Crctois  et  de  recoimaitro  d'une 
uiauiere  pratiqne  rintcrct  que  S.  M.  le  Roi  des  Hellcnes  doit  toujours  prendre  h  la 
prospcritc  de  la  Crete,  se  sout  luises  d'accord  pour  proposer  ä  Sa  Majeste  que 
desoniiais,  toutcs  les  fois  que  le  poste  de  Haut  Conniiissaire  de  Ha  Crete  deviendra 
vacaut,  Sa  Majeste,  k  la  suite  des  consultations  coufidentielles  avec  les  Reprcsen- 
tants  des  Puissances  Protectrices  ä  Atlicnes,  dcsignera  uii  candidat  capahle  d'exe- 
cuter  le  uiaudat  de  ces  Puissances  dans  cettc  ile  et  portera  son  clioix  oiriciel'cuient 
ä  leur  coiuiaissauce.  »  (Note  vom  1./14.  Sept.  190().)  s.  'Enia-r,fjiOi;  Fj<^r,uspii;  Tvi? 
Kp/jTixyJc  TloXntl a;,  TEvp^o?  TrpwTci',  Ito;  H',  sv  'Kavioi^  tt,  2  ^ETTTspßpiou  1906,  aptSjU.  44). 

^  'HKußspi/rjcri?  TvifKpvjT»]?  —  Atepp/ivEUfluera  to  avuXKoiij>Tov  ^pcvr\ua.  tcu  Kp»]- 
Tixot  Kaw.  Kiqpvccei  Ty\v  avAaptr^ciav  tr^r  Kpr;T»]?  xaf  t/jV  eVwciv  airrJ^?  fjsra  Tr;  EXXa5c; 
CTt'ji^  UET  aurric  UTtojikkcr^  a^iaipsTOv  •/(a.i  a^iacnaciov  cwiayuatiiiov  Hacit^unv.  \\aca.<a.\il 
rr[v  A.  M.  tov  BaciAsa  ra-v  'EXXrji"jiM'  v'avaXoß»]  tt;v  ^iaxDߣpv»;cii'  ti^i;  N/c^od.  Ar;7^or  oti 
fx'i'Xfi  TOVTOU  SeXei  awty^cti  va  xvßEpva  Tr,v  Nr^ersv  \v  övofiaTt  t»;i;  A.  IM.  tm  Bacj'X.EWC  tÖJi« 
EXXrvu.i'  xttTtt  Tou;  vo/noui;  tou  'EXXrjvixov  BacrjXEt'cu.  —  'Ew  Xan'ot;  t^  24  r;  ^ETrrefjißpioii  1908 
(s.  Bafft7.£jov  -tJJc  'EXXa^s;:  ITapopTr)(ia  •cr\c,  'E<)>r)fjiEpi3o;  -rr-i;  KußEpi/r;c-£w;  \v  KpriTV],  von 
demselben  Datum,  äpi9u.  1). 


Kalitsunakis:    Veiiiz.olos  uiirl  NeiigriccIuMilaiid.  9 

Königs  gefüllt,  die  clifistlichcn  Beamten  schwuren  tlen  Anitseid  auf  den  König 
der  Hellenen  usw.  Durch  ihre  Note  vom  15./-8.  Oktober  1908  erklärten  die 
Mächte,  daß  sie  nicht  abgeneigt  seien,  die  Erörterung  der  Vereinigung  mit 
Wohlwollen  ins  Auge  V.u  fassen,  falls  die  Ordnimg  auf  der  Insel  nicht  ge- 
stört werde '.  Das  von  dem  iumicm  Kegime  aber  überrnschend  gesteigerte 
chauvinistische  Nationalgcfülil  der  Türken  wollte  nicht  nur  von  einer  Ver- 
einigung der  Insel  mit  Griechenland  nichts  wissen  (auch  eine  Entschädigimg 
wurde  abgeschlagen),  sondern  lehnte  irgendeine  iSchmälerung  der  angeblichen 
Rechte  der  Türkei  cneigisch  ab.  ja  man  träumte  von  einer  Wiedererobcrmig 
der  Insel. 

Im  Juli  1909  beschloß  man  auf  Kreta  nach  dem  Abzug  der  Truppen  der 
JMäciite  die  griechische  Flagge,  die  sonst  überall  auf  der  Insel  die  autonome 
kretische  ersetzt  hatte,  auch  auf  der  Bastion  Firkä  der  Hafenfestung  von 
Canca  aufzuziehen.  Dort  wie  auf  einer  amtlichen  Stelle  war  die  kretische 
Flagge  bis  13./2t!.  Juli  1909  nn't  den  vier  Flaggen  der  Schutzmächte  gehißt 
worden.  Die  Pforte  suchte  um  jeden  Preis  einen  Casus  belli  gegen  Griechen- 
land zu  finden,  um  von  den  inneren  Wiri-en  abzulenken.  Dies  gab  den  ge- 
wünschten .\idaß  zu  drohenden  Schritten  der  Pforte  in  Athen.  Venizelos,  der 
Mitglied  des  regierenden  Ausschusses  war,  erkaimte  sogleich  die  erschreckende 
Gefahr  und  empfahl  dem  Landtag  dringend,  dem  Wunsche  der  Mächte  nach- 
zugeben, um  der  Gefahr  des  Krieges  mit  der  Türkei  entgegenzuarbeiten.  Es 
handelte  sich,  sagte  Venizelos,  in  diesem  Falle  um  die  Hissung  der  griechischen 
Flagge  nur  an  dieser  Stelle,  der  Standpunkt  der  Mächte  — ■  deren  Wohlwollen 
tiir  Kreta  so  nötig  war  — ,  daß  der  Status(|uo  der  Insel  so  bleiben  müßte,  wie 
er  am  Tage  des  Abzuges  der  europäischen  Truppen  war,  war  gerechtfertigt. 
Überhitzte  und  unversöhnliche  Patrioten  in  dem  Landtage  wollten  nichts  von 
Nachgeben  wissen.  Vergebens  suchte  Venizelos  in  Mäßigung  und  staats- 
männischer Einsicht  ihnen  (in  der  Sitzung  vom  4./17.  August  1909)  klarzu- 
machen, daß  das  Interesse  des  Landes  verlange,  den  Mächten  in  diesem  un- 
wichtigen Punkte  nachzugeben,  das  sei  das  klare  Gebot  der  Notwendigkeit^. 
»Die  Forderung  der  Mächte«,  fuhr  er  fort,  »ist  völkerrechtlich  gerecht- 
fertigt. Nach  dem  Völkerrechte  sind  zwar  alle  Staaten  gleich,  die  Groß- 
mächte aber  haben  sich  das  Recht  der  Einmischung  in  die  inneren  Ange- 
legenheiten der  kleineren  Staaten  angeeignet.  P^s  mag  sein,  daß  dies  den 
Ehrgeiz  der  kleinen  Staaten  verletzt;  man  kann  aber  nicht  leugnen,  daß  da- 
mit eine  allmähliche  Umgestaltung  des  Völkerrechtes  zum  Nutzen  der  Kultur 
sich  vollzieht.  Diese  Umgestaltung  wird  vielleicht  einmal  die  Organisiei'ung 
Europas  nach  dem  Muster  der  Vereinigten  Staaten  Nordamerikas  unbewußt 
herbeiführen."  All  dieses  half  Jedoch  nichts.  Da  die  Mächte  aber  diese 
Hartnäckigkeit  der  eifrigen  Patrioten  nicht  dulden  wollten,  landeten  in  der 
Frühe  des   18.  August  1909  bewaffnete  Matrosen  der  inzwischen  vor  Canea 


'  «  Elles  (les  quatre  Puissances  Protectrices)  iie  seraient  pas  eloignces  nean- 
iiioins  d'envisager  avec  bienveillance  la  discussion  de  cette  question  avec  la  Turquie, 
si  l'ordre  est  niainteiiu  daiis  l'ile,  et  si  d'autre  part  la  securite  de  la  population  rmisul- 
maue  est  assuree. » 

2    Vgl.  seine  Rede  in  der  Zeitung  von  Canea  Kr,pvB,  IL  Avyova-jov  1909,  Nr.  121 . 


10  Kautsl'sakis:    Veiiizelos  und  Neugriecheiiland. 

einjietroffV'iion  Krie.üj.sscliifTe,  dii'  den  Flap;genmast  —  die  Flagge  \v;ir  noch 
nicht  gehißt  —  ahschnittcn  und  in   vier  Teile  unter  sich  verteilten ! 

Damit  aber  waren  die  Schwierigkeiten,  mit  denen  man  doi-t  zu 
kiiinpfcn  hatte,  nocli  nicht  erschöpft. 

Ms  entstand  später  die  Frage  der  Beteiligung  Kretas  an  den  griechischen 
^\'alIlen,  welche  ahcr  die  Mächte  diu-ch  ihre  Note  vom  30.  Januar/12.  Fe- 
l»ruar  11>10  untersagten',  sowie  auch  die  Frage  dei"  Zulassung  der  moham- 
medanischen Deputierten  in  den  Kretischen  Landtag  oiuic  Leistung  des  Treu- 
eides auf  den  König  der  Hellenen  "■'.  In  bezug  auf  die  damals  viel  bestrittene 
Frage,  ob  der  Sultan  Suzeränität  oder  Souveränität  auf  der  Insel 
haben  solle  luul  im  allgemeinen  über  die  internationale  Lage  Kretas,  seiner 
Rechte  und  seiner  HofFnimgen,  überreichte  der  unter  dem  \'orsitz  von  Veni- 
zelos  die  Insel  verwaltende  neuer  Ausschuß  am  16./29.  Mai  1910  den  Schutz- 
mächten eine  Note  als  Antwort  auf  die  erwähnte  Note  vom  12.  Februar  1910 
und  zu  gleicher  Zeit  im  Anschluß  daran  ein  ausführlicheres  Memoire,  in 
dem  er  seine  Auffassung  von  dem  geltenden  Statusquo  darlegte  und  in  dem 
er  die  Mächte  bat,  die  Frage  doch  nur  in  nationalgi-iechischem  Sinne  zu 
lösen,  denn  Jede  andere  Lösimg  würde  keine  Garantien  von  Dauerhaftig- 
keit bietend 

Die  Zulassung  der  31uliauunedaner  in  der  Kammer  im  Juli  1910  ohne 
Treueid  auf  den  König  der  Hellenen,  die  ich  kurz  vorher  erwähnte,  erwirkte 
Venizelos  nicht  leicht  und  nicht  ohne  persönliche  Uefahr.  In  der  historischen 
Sitzung  des  Landtages  vom  26.  Juni/19.  Juli  zeigte  «Venizelos  mit  Umsicht, 
Klugheit  und   Festigkeit  die  Tragweite  der  beiden  Übel,  des  Unterwerfens 


'  «Les  Coiisuls  (Jeiiöraux  de  (.  .  .)  sont  charges  par  leurs  Gouvenienients  de 
notifier  (.  .  .)  que  les  quatre  Puissances  ne  sauraiont  adniettre  la  partioipation  de  la 
population  de  l'fle  aux  elections  qn'il  est  queslion  de  faire  en  Grcce.  Si  malgre  la 
notifiration  de  roppositioii  fonnclle  des  (juatre  Puissances  celto  participatioji  paraissail 
devoir  sc  produire,  Elics  pirndiaieut  des  niesures  cffcctives  pour  cu  enipechei'  la 
rcalisation.» 

2  "Les  Consuls  Gcneraux  de  (.  .  .)  ont  riioimeur  de  faire  savoir  au  Coinite  Exc- 
curif  Crctois  que  si  l'Asseniblce  Crötoise,  au  nioiuent  de  sa  proehaiue  reunion,  uc 
rcvoit  pas  les  deputes  appartcuant  ä  la  confession  Musulniane,  saus  exiger  d'eux  la 
prestatiou  d'un  serment  contraire  k  leur  sentiuient,  les  quatre  Paissances  Pi-otectrices 
aviscront  ä  tellcs  niesures  (jui  leur  paraitront  opportunes  pour  regier  la  Situation 
en  C'rcte»  (Note  vom  27.  Mai/9.  Juni  1910). 

^  Es  hieß  dort  unter  anderem :  «Le  peuple  f'refois,  qui  sort  ä  peine  d'.une 
lutte  inegale  et  cruelle,  a  la  conscienoe  profonde  de  son  droit.  Sa  cause  lui  est 
sacree.  Ses  revendications  sont  legitimes;  rien  ne  pourra  Ten  dctourner.  L'histoire 
des  dernieres  annces  et  les  faits  exposcs  dans  le  Memoire  ci-joint  prouvent  assez 
que  la  Crete  ne  peut  vivre  en  deliors  des  institutions  grecques.  L'attraction  nationale 
vcrs  la  Patrie-mere  est  teile  que  tont  Göuvenicnicnt  autre  que  le  Gouvernement 
Hullenique  doit  erder  sous  rimpopularitc  et  la  dösalFection  publique  et  le  manque 
dautorite;  nnl  autre,  aussi  fort  soit-il,  ne  peut  ofTrir  en  Crete  les  garanties  indis- 
pensables de  duröe  et  de  secuiite,  qui  apporteront  au  pays  la  confiance  et  le  bieii- 
etre  dont  .il  -a  tant  besoin»  (s.  Jlapap-cr-/ua  Trc  'E4>*ipefi^oi;  usw.  vom  31.  Matou  1910 
api9p.  30.  —  Die  Denkschrift  s.  im  Anhang). 


Kalitsunakis:    Venizelos  und  Neugrieclienland.  11 

unter  den  Willen  der  Schutzniächte  und  des  Trotzes;  er  zog  in  einer  muster- 
gültigen Rede  aus  beiden  Übeln  die  Schlußfolgerungen  und  zeigte,  wie  groß, 
wie  unermeßlich  groß  die  Kluft  ist  zwischen  der  j)()litischen  Stimmung  imd 
der  j)olitischen  Tat.  Unbeirrt  durch  Drohungen  suchte  er  die  Kreter  zu 
einigen  und  Trennendes  zu  l)eseitigen.  Er  schloß  seine  Rede,  ihm  sei  nur  noch 
kurze  Zeit  zum  Leben  ])esc]iicden,  aber  diese  Zeit  gehöre  dem  Vaterlande '. 

Die  Schwierigkeiten  mit  der  Kretafrage  ^  die  sich  immer  gefährlicher 
iur  das  Königreich  Griechenland  gestalteten,  und  die  damaligen  schwachen 
Kräfte  Griechenlands,  das  trotz  des  erregten  Gefühles  für  die  Ehre  des 
griechischen  Namens  die  Drohungen  und  Herausforderungen  der  Pforte  über 
sich  ruhig  ergehen  lassen  mußte,  riefen  eine  Militärrevolution  in  Athen 
hervor.  Es  wm-de  ein  Militärbund  gebildet,  unter  dessen  Kontrolle  die  Re- 
gierung arbeiten  mußte.  Dieser  Bund  nalim  die  Zügel  der  Verwaltung  in 
die  Hand  und  verlangte  eine  völlige  Reorganisation  der  Armee  und  der 
Marine  sowie  eine  radikale  Änderung  des  Staatslebens.  Die  Lage  aber  in 
dieser  innergriechischen  Krise  wui'de  auch  für  den  Bund  allmählich  un- 
bequemer, und  der  \'orschlag,  den  man  schon  im  Januar  1910  machte. 
Venizelos  ans  Kreta  herbeizurufen  und  mit  ihm  die  Lage  zu  besprechen, 
fand  den  allgemeinen  Beifall^. 

Wie  standen  nun  damals  die  Dinge  in  Griechenland?  Derjenige,  der 
Griechenland  und  seine  Verhältnisse  genau  kennt,  mußte  sich  in  den  letzten 
25  Jahren  über  die  Kommentare  wundern,  mit  denen  beachtenswerte  Organe 
der  westeuropäischen  Presse  die  Lage  in  Griechenland  und  Ki-eta  begleiteten. 
Die  politischen  und  sozialen  Bestrebungen  des  griechischen  Volkes,  die  Ur- 
sachen, die  seinen  Fortschritt  hinderten  und  liemmten,  selbst  der  sonst  ver- 
derbliche Einfluß  des  Parteiwesens  auf  die  geistige  Elntwickelung  des  Volkes 
usw.  waren  Fragen,  welche  fast  immer  falsch  beurteilt  wurden.  Man  ver- 
kannte immer  die  Bedingungen,  xuiter  welchen  das  Königreich  errichtet 
wurde  und  sich  von  dem  politischen  Joche  fremder  Gewalten  losgerim- 
gen  hat.  Es  waren  Bedingungen,  welche  seine  F^xistenz  immer  wesentlich 
beeinträchtigten,  ja  sogar  bedrohten.  Durch  das  Londoner  Protokoll  von 
1830  wiu"de  Griechenland  zu  einem  souveränen  Königreich  erklärt.  Leider 
waren  die  geographischen  Grenzen  des  Königreiclies  so  eng  gezogen,  daß 
ein  Prinz,  der  zum  König  ernannt  werden  sollte,  der  Prinz  Leopold  von 
Sachsen-Kobui'g-Gotha,  die  Königskrone,  die  ihm  von  den  Griechen  und 
den  Schutzmächten  angeboten  wurde,  ablehnte.  Er  bemerkte  unter  anderem, 
die  von  den  Mächten  garantierte  Grenzlinie  sei  zu  eng  gezogen,  um  Griechen- 
land lebenslahig  zu  machen.  In  dem  ewigen  Bestreben  Griechenlands,  seine 
Konnationale   in    der  Türkei    zu    schützen,  wird   der   zukünftige  Historiker 


1  Diese   Rede    erschien    in    der   Zeitung    von    Oanea   Krpu?,  29. 'lom/oi;  1910. 
Nr.  165. 

2  Vgl.  (Steph.  Dragounies)    Evojrig,  Kp/]T(xcv  vTiöixvYifia,  Athen   1909,  vS.  1—32. 
^    Vgl.  den  Leitartikel  »Griechenland  und  Kreta«  in  der  Vossischen  Zeitung 

(Nr.  33,  20.  Jan.  1910),  in  welchem  aber  manches  aus  einem  falschen  Standpunkt  be- 
urteilt wurde. 


12  Kalitsunakis:    Vriii/.clos  und   Nt.Migri«'clKMil;iiiH. 

(las  llaiij)tleiden  dieser  Periode  der  ffriecliisclien  Gescliichte  linden.  Wer 
das  griechische  Volk  daniin  schelten  will,  dein  fehlt  die  Fähigkeit,  die  Leiden 
Verwandter  zu  empfinden,  und  auch  die  Fähigkeit,  den  grieciiischen  Patrio- 
tismus, der  nun  einmal  anders  geartet  ist  als  der  anderer  \'ölkei",  zu  erfassen. 
Endlich  wurde  in  dem  Prinzen  Otto  von  Bayern,  dem  Sohne  des  griecheii- 
freundlichen  Königs  Ludwig,  ein  Thronkandidat,  der  allen  Mächten  und 
Parteien  genehm  war,  gefunden.  Vom  Jahre  1833  bis  zum  Juni  1835  über- 
nahm eine  bayerische  Regentschaft  die  Zügel  der  Regierimg.  Es  war  ihr 
aber  nicht  beschieden,  sich  bleibende  Verdienste  zu  erwerben.  Sie  machte 
1835  der  Regierung  des  inzwisclien  volljährig  gewordenen  Otto  Platz. 

"Während  der  langen  Regierungszeit  Ottos  wuchsen  Bildung  und  Ge- 
sittung, Handel  und  Ackerbau  im  Lande  blühten  auf,  doch  die  Sehnsucht 
des  Königs  und  des  Volkes  nach  Ausdehnung  der  Grenzen  des  Landes  bliel» 
unerfüllt.  Die  Aufstände  in  Kreta  und  die  Erhebung  der  Griechen  in  E[)iriis 
und  Thessalien  im  Jahre  1(S54  hatten  keinen  Erfolg.  Im  Oktober  1862  mußte 
der  König  einer  Revolution  weichen,  welche,  von  seiner  eigenen  Armee  unter- 
stützt, i'ast  ohne  Blutvergießen  verlief.  Nach  der  Vertreibung  Ottos  ergriff 
eine  jjrovisorische  Regierung  die  Zügel  der  Verwaltung,  und  nach  kurzem 
Interregnum  wurde  der  Jimge  Prinz  \\'illielin  von  Dänemark  als  König 
(ieorg  1.  im  Jahre  1863  auf  den  griechischen  Thron  lierufen.  Die  an  seine 
Thronbesteigung  sieh  knüpfende  Voreinigung  der  Ionischen  Inseln  mit 
Griechenland  war  eine  Erwerbung,  die  für  die  neue  Dynastie  günstig 
war.  Im  Jahre  1881  kam  dann  ein  zweiter  größerer  Gebietszuwachs  durch 
die  Al)tretung  eines  größeren  Teiles  von  Thessalien  und  eines  Teiles  von 
Epirus.  Selbst  nach  dem  unglücklichen  Krieg  von  1897  wurde  durch 
Griechenlands  kühnes  Eingreifen  unzweifelhaft  die  kretische  Frage  gefiu'dert, 
denn  mit  der  Autonomie  der  Insel  wurde  die  heutige  Annexion  vorbereitet. 
König  Georg,  dessen  Märtyrei-tod  allgemein  und  aufrichtig  von  der  Nation 
beklagt  wurde,  hätte  vielleicht  eine  geschichtlich  iK)ch  wichtigere  Rolle  in 
der  Wiedergeburt  Griechenlands  spielen  können,  wenn  er  sein  Volk  in  seinen 
Absichten  und  Plänen  noch  mehr  verstanden  und  ermutigt  hätte;  er  war 
kein  Mann  einer  stolzen  Initiative  oder  eines  bestinunten  j)olit.ischen  Zieles. 
Er  ließ  klugerweise  den  verschiedenen  politischen  Parteien,  die  ans  Ruder 
kamen,  freie  Hand  und  Bahn,  trug  aber  auf  diese  Weise  zu  der  Bildung 
von  Parteien  l)ei,  die  wohl  einen  Führer,  jedoch  keine  Prinzipien  hatten. 
Er  hielt  sich  fast  stets  mit  großer  Peinliclikcit  von  dem  direkten  Eingreifen 
in  die  tobenden  Parteildimpfe  fern.  Gewiß  nicht  zum  Nutzen  des  Landes. 
Er  hatte  ferner  keine  großen  soldatischen  Interessen  und  verabsäumte  eine 
rechtzeitige  Schulung  der  Nation  durch  den  Heeresdienst.  Griechenlands 
Lage  wurde  von  den  Jahren  1866 — 1869  lebhaft  berührt.  Im  Jahre  1886 
versuchte  Delijannis,  seinem  Vaterland'e  einen  weiteren  Gebietszuwachs  zu 
verschaffen  und  für  den  in  Mazedonien  durch  die  Bulgaren  gefährdeten 
Hellenismus  einzutreten.  Dieser  Vei'such  aber  endete  nu't  einer  Demütigung 
des  Königreiches  und  verursachte  nur  unnötige  Geldausgaben.  Die  Schulden- 
last wiiclrs  allmählich  durch  kostspielige  Wegebauten,  durch  den  Bau  von 
Krieg-sschüFen,  durch  die  Unterstützung  der  immer  nach  Griechenland  fluch- 


Kalitsunakis:    Venizelos  und  Neiigriechenland.  13 

tenden  Kreter,  während  durch  Ül)erpi'üduktion  die  Preise  des  die  finanzielle 
Lage  des  Landes  hestinnnenden  Produktes,  der  Korinthe,  fielen,  so  daß 
ein  .Staatsbankerott  stattland,  der  dem  Lande  uiiernießliehen  Schaden  be- 
reitete und  (ii-ieclienhinds  Ansehen  untergrub.  Unter  solchen  mißlichen  Um- 
stünden nuißte  das  Künigi-eich  im  Jahre  1897  den  Krieg  gegen  die  Tüi'kei 
unternehmen,  es  fand  sich  einer  erdrückendentlbermacht  gegenül)er  und  unter- 
lag. Trotzdem  schienjetzt  eine  stille  und  emsige  Arbeit  zuder  Wiederaulrichtung 
des  Landes  und  des  Staates  zu  beginnen,  aber  es  fanden  sich  nicht  die  rechten 
Männer,  die  die  Führung  übernehmen  wollten  oder  konnten;  die  Parteien 
wüteten  weiter,  für  die  Entwicklung  des  Nationalwohlstandes,  für  die  Be- 
seitigung der  großen  Schäden  in  der  Verwaltung,  für  den  Ausbau  der  Wehr- 
kraft geschah  sehr  wenig.  Dazu  kamen  die  Schwierigkeiten  mit  Kreta,  zu- 
sammen mit  der  allgemeinen  orientalischen  Fi-age.  Die  Hoffnung,  daß  die 
alten  Politiker  etwas  Tüchtiges  leisten  konnten,  mußte  man  den  Kindern 
überlassen.  Deshalb  war  es  klar,  daß  Venizelos  von  der  ganzen  Nation 
warm  und  herzlich  begrüßt  wurde,  als  er  sich  erbot,  die  Führung  in  der  von 
allen  sehnlichst  erwarteten  Wiederaulrichtung  des  Landes  anzunehmen.  Das 
von  Natur  unglückselig  ei-scheinende  Volk  erkannte  in  ihm  den  Mann,  der 
nicht  nur  den  Willen,  sondern  auch  die  Kraft  hatte,  das  Elend  der  Zerrissen- 
heit uml  Zerplitterung,  das  er  scharf  vor  Augen  sah,  zu  beseitigen.  Venizelos 
kam  also  als  aufrichtiger  \^ermittler  und  mit  dem  gerechten  Bewußtsein,  daß 
er  fähig  sei,  in  der  ernsten  Zeit  ein   gutes  Wort  zu  s[)rechen. 

Man  konnte  sich  erfreuen  an  diesem  Anblick  höchster  Menschenkraft, 
die  jetzt  Venizelos  entfaltete.  Ein  gewaltiger  Maini  i-üstete  sich,  inmitten 
großer  Gefahren  im  verwegenen  Kampfe  gegen  alle  und  alles,  die  Führung 
zu  übernehinen  und  verworrene  Verhältnisse  zu  bemeistern,  zum  Heile 
seines  V^aterlandes.  Er  war  der  richtige  Mann;  der  einzige  vielleicht,  der 
sein  V^aterland  in  jener  schwei-en  Stunde  aufrechterhalten  konnte.  Solange 
er  auf  Kreta  tätig  war,  fehlte  ihm  jede  Möglichkeit,  auf  die  griechischen 
\'erhältnisse  erfolgreich  einzuwirken.  Er  legte  also  seine  kretischen  Ämter 
nieder  und  ging  nach  Athen,  überzeugt,  daß  auch  das  verbittei-te  Volk  an 
seiner  Seite  stehen  würde,  entschlossen,  ihm  in  seiner  mühevollen  Arbeit 
der  Aufrichtung  des  Staates  zu  helfen.  Nach  manchem  Hin  vmd  Her  über- 
nahm er  am  18.  Oktober  1910  die  Bildung  eines  Ministeriums  in  Athen  und 
brachte  so  die  stauende  Masse  des  griechischen  Volkes  in  Bewegung.  Man 
mag  nun  streiten,  ob  Venizelos  seine  E^poche  oder  die  Epoche  und  die 
Gunst  der  Umstände  ihren  Mann  geschaff"en  hat;  zeitlich  fällt  dieser  Auf- 
schwung mit  dem  Auftreten  dieses  Genies  zusammen,  und  gerade  das  ist 
ein  großes  Verdienst  des  verstorbenen  Königs,  wie  es  auch  von  anderen 
richtig  bemerkt  worden  ist '.  daß  er  allen  Gerüchten  sein  Ohr  verschloß  und 
Venizelos  mit  der  Bildung  des  INIinisteriums  betraute.  Seiner  schwierigen 
Aufgabe  hat  er  sich  mit  einer  solchen  Hingebung  gewidmet,  für  die  ihm 
die  Nation    bleibenden  Dank  schuldet.    Venizelos   gab  gleich   zu  verstehen. 


'    Vgl.  Pavlos  V.  Giaiinelia  in  seinem  Aufsatze  »Österreichs  Interesse  an 
Griechenland»  in  der  Ost erreicliisclien  Rundschau  1913,  Bd.  XXV,  S.  97  — 104. 


14  Kalitsunakis:    Venizelos  und  Neugriechenland. 

(laß  er  sich  in  eine  ai)eiiteiR'rliclie  Politik  nicht  cinlassi'ii  wollto  und  daß 
die  Unigostaltung  der  inneren  Politik  unhedinj^t  auch  zur  Änderunj;  der 
äußeren  fiihren  müsse.  Er  hatte  schon  am  20.  September  dem  Kfuiifj!;  erklärt, 
daß  er  die  Bildung  eines  IMinisteriums  nur  dami  ühernehmen  würde,  wenn 
der  Ivünig  ihm  das  Recht  der  Auilösung  der  Nationalversammlung  geben 
würde,  ialls  diese  durch  Tumulte  ihre  Umwandhujg  in  eine  konstituierende 
erzwingen  sollte.  Gegen  eine  solche  Umwandlung,  die  für  (Ji-iechenland 
imabschbai'e  Folgen  liaben  kiumte,  erklärte  sich  Venizelos,  entgegen  dem 
Willen  des  Volkes.  In  seiner  [irogranunatischen  Rede,  die  er,  vom  Volke 
bejubelt,  in  Athen  am  5./l<S.  September  1910  hielt,  zögerte  er  iiiclit,  offen 
und  rückiialtslos  diese  seine  Gegenansicht  vorzutragen.  Peinige  Auszüge  aus 
dieser  ausgezeichneten  und  wohlduz'chdachten  Rede  darl"  ich  hier  nicht  über- 
gehen. »Während  der  kritischsten  Zeit  des  Aufstandes«,  sagte  er,  »bat  iiiicli 
der  iNIilitärbund,  ihm  zu  laten,  was  geschehen  solle;  meine  Meinung,  die 
ich  mir  nach  genauer  und  an  Ort  und  Stelle  ausgeführter  Pi-üfiuig  der 
Sadilage  bildete,  war  die,  daß  das  Militär  sobald  wie  niöglicli  in  seine 
Kasernen  zurückkehren  müsse,  um  sieh  mit  aller  Energie  seiner  dringenden 
Pilicht,  der  Miilitärischcu  Reorganisation,  zu  widmen;  der  Militärl)und  sollte 
die  Einlicrurnng  einer  revidierenden  Kaniincr  iiir  die  Revision  der  Ver- 
lassung auf  jeden  Fall  duiclisetzeii.  Auf  diese  Weise  werde  ihm  erstens  die 
Revision  einiger  Restinunungen  der  Verfassung  gelingen,  und  zweitens  wei'de 
der  jMilitäibund  nicht  den  Anschein  erwecken,  daß  seine  Restrebungcn  völlig 
mißglückt  seien.  Der  .Militärbinid  zögerte  nicht,  diese  meine  ^leinung  an- 
ziMiehmen,  deren  Aufrichtigkeit  er  zu  schätzen  wußte,  und  bewies  damit, 
daß  der-  leitende  Gedanke  bei  ihm  nur  das  Interesse  des  Vaterlandes  war. 
Nur  auf  diese  Weise  köiuiten  die  Waiden  vom  8./21.  August,  die  so  ruhig 
verliefen,  ein  günstiges  Resultat  erzielen.  Durch  diese  Wahlen  hat  das  Volk 
das  vorherige  System  endgültig  verurteilt,  und  das  neue  Sjstcm  wird  sich 
sicher  in  der  Kannner  sicgi-eich  behaupten  können.  Unsere  \'erfassung  soll 
und  wird  auch  in  bestinunten  Punkten,  die  nicht  die  Staatsform  oder  die 
Person  des  Königs  und  die  Tlnonlnlgc  berühren,  revidiert  werden;  es  wäre 
aber  ti'otzdem  ein  Irrtiun,  weiui  man  die  Aui'richtung  unsei'es  Staates  nur  von 
der  Revision  der  Verfassimg  abhängig  machen  wolle.  Vor  23  Jahrhundei'ten 
hat  der  gi-oße  Stagirit  die  Vorzüge  der  gut(>n  und  die  Nachteile  der  schlechten 
Staatsverfassung  in  seinem  bekannten  Si)ruche  gekennzeichnet:  ,W^eiMi  der 
lierrscheu  in  der  monarchischen,  die  wenigen  in  der  oligarchischen  und  die 
vielen  in  der  demokratischen  Staatsverfassung  zum  allgemeinen  Wohl  regieren 
wollen,  so  ist  das  die  richtige  Staatsverfassung;  falls  aber  alle  niu-  ihr  eigenes 
Interesse  im  Auge  haben,  so  sind  es  yXbwcge  von  der  richtigen  Staatsver- 
fassung, die  den  Staat  dem  Unglück  entgegenführen' '.«  Venizelos  sagt  ferner: 
•  Die  konstitutionelle  Staatsverfassuntr  bestinunt  den  Könin  als  einen  mächtigen 


'  Vgl.  Poiitica  1279,  17.  rxpavipov  wi  cc-cti  nsv  nciXmiat  to  xcivr,  cru(jic|)spov  cxoncvaiv, 
uvTUi  jj'sv  cp9tti  tvyyävovc-iv  cvcai  kutu  to  dn\'2'!;  ^i/.oLiov,  ocai  Ss  to  crcjjsTfpoi/  jiovov  twv  ap- 
)(ovtj;v,  r^uafiTfiUsvai  xal  wacat  jrapExßacsi;  twv  op9C)v  ndXnti'Zv  itancrinul  yuf>,  ^  ^£  TtcXii; 
y.civ'j.<via   Tx'V  iKtvSifj:v   lc"Ttv,« 


Kalitsunakis:    Venizelos  und  Neugriechenland.  15 

Faktor  (ler.Staatstbnii.  Der  König  steht  über  jedem  aiii;enblickliclien  Interesse, 
als  die  Spitze  der  politischen  und  gesellschaftlichen  Pyramide.  Er  ver- 
einigt in  seinen  Händen  große  ]Macht,  das  Gute  zu  schaffen,  und  geradezu 
ungeheure  jNlaclit,  das  Böse  zu  verhüten.  Unglücklicherweise  hat  der 
griechische  Iv()nig  nicht  diese  AulTassung  seiner  Pllichlen  in  der  Vergangen- 
heit gehabt,  und  ich  zandcre  nicht,  diese  nuMue  Meinung  öffentlich  zu  sagen, 
denn  ich  glaiil)e,  daß  ein  i'ichtiger  Staatsmann  den  jMut  ha!)en  nuiß,  seine 
Meinnng  immer  unumwunden  auszusprechen.  Man  hat  mich  deshalb  für 
antidynastisch  gehalten,  ich  weise  aber  diese  Behauptung  zurück.  Ich  bin 
zwar  tief  von  der  denioki-atischen  Gesinnung  unseres  Volkes  beseelt,  ich 
bin  aber  anderseits  üi)erzengt,  daß  das  demokratische  Königtum,  das  unsere 
Staatsverfassung  ist,  diejenige  Staatsform  ist,  die  am  besten  zu  der  Bildung 
des  griechischen  Volkes  paßt  und  den  nationalen  Interessen  am  besten  dient. 

An  einen  Thronwechsel  habe  ich  niemals  gedacht.  Es  wäre  töricht, 
unser  königliches  Haus  zu  opfern ;  jetzt,  wo  es  uns  eine  Nachkommenschaft 
zweiter  und  dritter  Generation  gegeben  hat  und  wo  allmählich  das  Bewußt- 
sein der  Gemeinsamkeit  der  Wünsche  und  der  Gefühle  des  Thrones  und 
des  Volkes  foi-tschreitet.  Wir  müssen  hoffen,  daß  die  Krone  jetzt  die 
Führung  überniuunt  in  den  Bestrebungen,  den  Staat  auf  dem  legalen  Wege 
aufzurichten,  wie  wir  ihn  jetzt  schon  eingeschlagen  haben. 

Was  niicli  anbelangt,  so  bin  ich  in  vollem  Bewußtsein  meiner  l'llichten 
und  der  schweren  \"erantwortung,  die  ich  nach  den  Wahlen  dein  \'olke 
gegenüber  übernehme,  Wahlen,  die  mich  so  feierlich  geehrt  haben  und  für 
welche  ich  dem  Volke  so  sehr  dankbar  bin.  Ich  konnne  iüerher  nicht  als 
Parteiführer,  sondern  als  Fahnenträger  von  neuen  politischen  Gedanken; 
zu  dieser  Fahne  i-ufe  ich  alle  diejenigen  herbei,  die  den  Wunsch  haben, 
diesen  Ideen  ihre  körperlichen  und  geistigen  Kräfte  vollständig  zu  widmen. 
Die  Grundprinzipien  meiner  Politik  sind,  daß  der  Staatsmann  sich  nur  von 
den»  allgemeinen  W^ohl  leiten  lassen  muß,  daß  er  sowohl  das  eigene,  als 
auch  das  Interesse  der  Partei  dem  allgemeinen  Wohl  opfern  nuiß,  daß 
weiter  ein  richtiger  Staatsniann  die  Macht  nur  als  ein  Mittel  zum  Zweck 
auffassen  nuiß;  er  darf  sie  niemals  auf  Kosten  seiner  Prinzipien  überneh- 
men.« In  der  Rede  wurde  weiterhin  erwähnt,  daß  Griechenland  seine 
Wohlfahrt  in  der  friedlichen  Entwicklung  des  Handels  und  Verkehrs,  in 
der  Beseitigung  der  leidigen  agrarischen  Fragen,  in  der  Förderung  der  Arbeits- 
kraft und  in  der  Hebung  des  Nationalvermögens  suchen  solle.  Diese  eindrucks- 
volle Rede  schloß  Venizelos  mit  dem  Ausdruck  der  Zuversicht,  daß  es  ihm  ge- 
lingen werde,  Griechenland  so  weit  aufzurichten  und  materiell  und  moralisch 
stark  zu  machen,  daß  es  die  Anerkennung  der  zivilisierten  Welt  verdiene. 

Unzweifelhaft,  die  Lage  in  Griechenland  war  in  jenen  verworrenen 
Tagen  sehr  unklar,  und  man  konnte  eine  ruhige  weitere  Entwicklung  der 
Dinge  nicht  voraussagen.  Allerdings,  die  Führer  der  älteren  Parteien,  richtiger 
gesagt  Tyranneien,  wurden  damals  in  der  Kammer  wiedergewählt,  aber  nur 
um  ihre  Vereinsanuing  darin  zu  sehen.  Das  politische  Pj-ogranun  des  neuen 
Staatsmanns  war  nur  in  allgemeinen  Linien  bekannt;  bekannt  war  nur,  daß 
er  nach  Athen  gekommen  war  mit  dem  festen  Entschluß,  mit  der  früheren 


16  Kai.itsunakis:    Venizolos  und  Neiigrieclicnlaiul. 

verlauiten  [loÜtisclicn  AVirtscliaft  kt^in  ;n-inseliges  Flicken  am  Zouj^  zu  niaclicn, 
sondern  t;riuullicli  und  luihaiinlH'izii:;  aufzuräumen.  Er  erkannte  sogleich, 
daß  die  Kilialtung  der  .Monarchie  und  des  königlichen  Hauses  eine  Fi'age 
von  weitgehender  Wichtigkeit  war;  sonst  würde  Ciriechenland  nicht  nur 
Jede  europäische  Sympathie  verlieren,  sondein  aucii  die  geltende  \'erfassung 
und  damit  die  noch   ührighieihende  ()idnuiig  aufgehen   müssen. 

Als  INIinister  ühernaiim  er  am  19.  Oktoher  1910  die  Portefeuilles  des 
Krieges  und  der  INIarine.  Er  setzte  alle  seine  Kraft  ein,  (jrieclH'iil.ind 
möglichst  hald  militäi-isch  aufzurichten  und  die  erschütterte  Ordnung  und 
die  zeri-üttete  Zucht  im  Heere  wiederherzustellen.  Für  ihn  um  so  schwie- 
rigei",  weil  er  kein  Fachmann  war.  Den  kommenden  .Stuiin  ahnte  er  schon. 
Die  töiichte  und  heillose  Anmaßung  der  Jungtürken  in  ilu-er  pantüi'kischen 
Politik  hielt  keine  Kühe.  Mit  Wnizelos  zog  ein  anderer  CJeist  der  Tätig- 
keit in  das  Ministerium  ein. 

Da  aber  die  tagende  Nationalvei-sannidung,  welche  die  nötigen  Än- 
derungen an  der  Verfassung  voi-nehmen  sollte,  in  ihrer  Zusammensetzimg 
luid  Ciruppierung  ihm  keine  Bürgschaften  für  die  Durchführung  seiner  Pläne 
i)ot,  löste  er  sie  am  25.  Oktober  1910  auf.  Bei  diesem  Scin-itte  sah  er  sich 
weniger  \eranlaßt,  durch  die  Begeisterung  der  ihm  zujubelnden  Redikalen 
als  aus  kühler  staatsmännischer  Berechnung.  Sein  Ei-folg  am  8.  .lanuar  1911 
war  geradezu  dui-chschlagend;  am  9.  Juni  1911  konnte  er  melden,  daß  die  \'v\- 
fassungsrevision  beendet  sei.  Am  24.  März  1912  trug  Venizelos  in  den 
Kannnerwahlen  einen  neuen  Sieg  davon;  unter  den  181  Abgeordneten  ge- 
hörten zu  seiner  Partei  150,  die  übrigen  31  zu  den  alten  Parteien.  Die 
Schwierigkeiten  dei"  Kretafrage  verfolgten  aber  Venizelos  auch  in  Athen 
wcütei'.  Was  daraus  werden  konnte,  ahnte  auch  \'enizelos  nicht.  Zeit 
und  Umstände  mußten  das  Weitere  ergeben.  Die  kretischen  Abgeoi-dneten 
wollten  diu'chaus  in  die  griechische  Kammer  aufgenommen  werden;  sie 
versuchten  am  1.  Juni  1912  in  die  Kanuner  in  Athen  einzutreten,  wurden 
aber  durch  Militäi-  am  Eintritt  verhindert.  Die  Kammer  vertagte  sich  l)is 
Oktober  1912;  bis  dahin  al)er  waren  die;  am  Hinunel  zusanunengezogenen 
Wolken  schwer  genug,  um  den  herainiahenden  Stui'm  ahnen  zu  lassen.  Am 
9.  Se{)tember  fand  in  Athen  eine  große  Volksversamndung  in  erregter  vater- 
ländischei-  Stimmung  statt,  wolil  unter  der  stillschweigenden  Billigung  von 
\'enizelos,  welche  gegen  die  Vergewaltigung  der  Rechte  des  Griechentums 
durch  die  konstitutionelle  Türkei  pi'otesticrte,  namentlich  in  Epirus,  Maze- 
donien, Thrazien  und  auf  den  Agäischen  Inseln,  und  lorderte  für  das  Griechen- 
tum Selbstverwaltung  und  (ileichberechtigung  mit  den  Türken.  Die  Zeichen 
der  Katastrophe-  zeigten  sich  aber  auch  für  den  Uneingeweihten  inuner  mehr. 
Die  ganze  Situation  war  günstig,  um  einen  Schiitt  in  der  Lösung  der  Krcta- 
fi-agc  weitcrzukomnu-n.  Am  14.  Oktober  1912  zogen  67  kretische  Abge- 
oi'dnete  unter  dem  Jubel  des  Volkes  in  den  Sitzungssaal  von  Athen  ein,  vom 
Ministerpräsidenten  \'eiiizelos  namens  der  Regierung  feierlichst  begrüßt.  Er 
teilte  zugleich  die  -Mobilnuu-hung  der  griechischen  Streitkräfte  mit,  die  in- 
folge des  türkischen  \'orgehens  nötig  geworden  wai',  und  betonte,  daß 
Griechenland    inCht    ehei-   abrüsten    werde,    bevor    nicht  einschneidende  Re- 


Kalitsunakis  :    Venizelos  und  Neugriechenland.  17 

formen  in  der  Türkei  erreicht  würden.  Die  Balkanstaaten  sahen  sich  ge- 
nötigt, ihre  Korderungen  bezüglich  der  Gewähi-ung  eines  menschenwürdigen 
Daseins  an  ihre  Stannnesbrüder  mittels  der  Note,  die  tags  voiher  der  Türkei 
überreicht  wurde,  direkt  der  Pforte  vorzulegen.  Am  5./18.  Oktober  1912 
war  schon  der  Krieg  ei-klärt.  Die  Parole  war  »Kniau/.ipatiou  des  Balkans 
vom  Einlluß  der  Großmächte.  Durchführung  der  türkischen  Liciuidation 
durch  die  Balkanstaaten ". 

Gi'iechenland  hatte  mehr  als  jeder  andere  Baikaustaat  Veranlassung, 
mit  der  Türkei  unzufrieden  zu  sein.  Seit  dem  Londoner  Protokoll  1830  ist 
das  Verhältnis  der  beiden  Staaten  immer  ein  unl)equemes  gewesen  und  wird 
noch  lange  so  bleiben.  Der  Tüi-ke  vergißt  nicht,  daß  Griechenland  die  Ab- 
bröckelung  seines  Staats  begonnen  hat.  Der  Grieche  gedenkt  immer  seiner 
Konnationalen  in  der  Türkei  und  ihrer  vergangenen  und  jetzigen  Leiden. 
Und  jetzt  kurz  vor  Ausbruch  des  Krieges  erklärte  Venizelos  in  der  Kannner, 
die  Zustände  wären  unhaltbar  geworden,  und  zwar  nicht  nur  wegen  der  Leiden 
der  Konnationalen  in  der  Türkei,  deren  Widerhall  das  Königreich  beein- 
flußte, sondern  auch  wegen  des  Verhaltens  der  Türkei  gegenüber  dem  König- 
reich. Und  in  Wahrheit  wurde  das  nationalgriechische  Ehrgefühl  sehr  oft 
verletzt,  und  (*s  gal)  keine  Vergewaltigung  des  Völkerrechtes,  die  nicht 
die  Türkei  gegen  die  Griechen  angewendet  hatte.  Ich  erinnere  nur  an  den 
Boykott  der  griechischen  Waren,  der  ungefähr  zwei  Jahre  dauerte  und  un- 
geheuren materiellen  Schaden  verursachte.  Ferner  die  Beschießung  eines 
griechischen  Dampfers  in  Samos  durch  türkische  Truppen,  die  Beschlag- 
nalime  von  unge^tahr  vierzig  griechischen  Haudelsdampfern,  die  sich  oft 
wiederholenden  und  ungerechtfertigten  Ausweisungen  griechischer  Staats- 
angehöriger und  dergleichen  mehr.  Den  Alpdruck  der  türkischen  Tyrannei  gegen 
Griechenland  hin  wegzunehmen,  blieb  seinen  Händen  vorbehalten.  Als  nach  dem 
gemeinsamen  Kriege  derviei-  Balkanstaaten  gegen  die  Türken  ein  zweiter 
Krieg  gegen  einen  Bundesgenossen  wegen  unversöhnt  fortwuchernder  Gegen- 
sätze in  der  Luft  schwebte  und  die  Geschicke  des  griechischen  Volkes  und  des 
Balkans  auf  eines  McvSsers  Schneide  lagen,  versuchte  Venizelos  ehrlich  und 
anerkennend  diesen  neuen  Krieg  zu  vermeiden.  Bei  der  mathematischen 
Logik  der  Tatsachen  aber,  die  die  eingetretene  Entfremdung  in  der  Presse 
beider  Länder  getreu  widerspiegelten  und  bei  dem  grausamen  Zwang  der 
Lage  schwand  ihm  immer  mehr  die  Möglichkeit  der  Abwendung  dieses  neuen 
Krieges.  Als  der  neue  Feind  die  wahre  Sachlage  erkannte,  wollte  er  den  Degen 
schnell  wieder  in  die  Scheide  stecken.  Es  war  aber  zu  s])ät.  Der  beste  Schutz 
gegen  neue  Treulosigkeit  waren  die  eigenen  Waffen.  Der  Bündnisvertrag  mit 
Serbien  undMontenegro  und  das  Eingreifen  Rumäniens  zerstörten  für  alle  Zeiten 
ungerechtfertigte  Pläne  und  sicherten  Griechenland  und  dem  Hellenismus, 
der  durch  die  Jahrhiuiderte  hindurch  der  einzige  Träger  einer  selbständigen 
Kultur  auf  der  Balkaniialbinsel  gewesen  ist,  seinen  rechten  Anteil  an  der 
Beutet  An  diesen  Kämpfen,  an  denen  in  wunderbar  rascher  Folge  sicli  Ereignis 


1    Vgl.    Gabr.  Hanotaux,   La  Guerre  des  Balkans  et  TEurope  1912—1913, 
Paris  1914,  Plön.  S.  357-380. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.    1915.   II.  Abt.  2 


18  IvALiThUNAKis :    Vciiizclos  uiid  Nougrioclienlaiid. 

an  Kreignis  schloß,  können  spätere  Geschlechter  nur  ilir  patriotisches  Gelühl 
släikon.  Die  zwei  Aiifgahon,  die  Venizelos  gestellt  wurden,  sobald  die  Knt- 
scheidunü;  gefallen  war  und  die  bulgarische  Sonne  auf  den  Feldern  von 
Mazedonien  unterging,  waren  erstens  die  Befestigung  des  Friedens  und 
zweitens  die  möglichst  volle  Ausnützung  des  Erfolges  nach  so  vielen  Ver- 
lusten auf  griechischer  Seite. 

Beide  Aufgaben  hat  er  mit  weiser  Besonnenheit  und  kluger  Ent- 
schiedenheit gelöst  und  der  Lösung  den  Stemi)el  seines  Geistes  aufgedi-ückt. 
Er  vermied  fast  immer  eine  Position  aufzugel)en,  die  er  schon  einmal  ein- 
genonnnen  hatte.  Er  hat  die  Blicke  der  Nation  auf  ein  gemeinsames  und 
würdigeres  Ziel  als  die  inneren  Kämpfe  hingelenkt  imd  ihr  die  Bahnen  ge- 
wiesen, auf  welchen  sie  nn"t  freudiger  Hingebung  vorwäi-tsschrciten  kann. 
Gedenken  wir  der  Fülle  der  Ereignisse,  die  sich  seit  Oktober  1910  im  Be- 
reiche der  imieren  und  äußeren  Entwicklung  Griechenlands  abspielten,  so 
dünkt  es  uns  erstaunlich,  daß  alles  Geschehene  in  eine  i-elativ  so  kurze 
Frist  zusannnengedrängt  ist.  In  treuer  ^Mitarbeit  mit  einem  soldatischen 
König,  der  die  Träume  der  Nation  verkörpert  und  in  beispielloser  Auf- 
opferung sie  von  Sieg  zu  Sieg  führte,  haben  sie  die  giiccliische  Flagge  glor- 
reich vom  Olymp  auf  der  Rodo[)i  aufgcpllanzt  und  das  Ägäische  Meer,  dessen 
geborene  Wächter  die  Griechen  sind,  als  Marc  graecum  bewiesen.  Diese 
beiden  Gestalten  des  siegreichen  Königs  Konstantin  und  des  Venizelos  werden 
wie  die  höchsten  Gipfel  eines  Gebirges  vereinzelt  in  der  neuesten  Geschichte 
Griechenlands  emporragen.  Voi-nehmlich  diese  beiden  Männei-,  die  mit  Blut 
und  Eisen  Neugriechenland  schufen  und  uns  greifbare  Ergebnisse  liefei'ten, 
haben  das  unbestrittene  Verdienst,  daß  sie  sich's  nicht  nur  an  dem  leeren 
Worte  von  der  Aufi'ichtung  Griechenlands  genügen  ließen,  sondern  daß  sie 
mit  Kopf  und  Händen  am  Aufbau  ihres  Landes  gearbeitet  hatten.  Veni- 
zelos führte  in  der  kurzen  Zeit  dieser  erschütternden  Erfahrungen,  w») 
er  in  Athen  wirkte,  die  Monarchie  auf  den  Gipfel  des  Erfolges,  die 
alten  Parteien  sprengte  er,  die  die  Monarchie,  ja  sogar  die  Existenz  des  ganzen 
Staates  gefährdeten.  Er  will,  daß  nicht  nur  eine  Macht,  sei  es  Krone  oder 
Parlament,  den  Ausschlag  gibt,  sondern  zwei,  ausgestattet  mit  entsj)rechen- 
den  Attributen.  Sie  sollen  aufeinander  angewiesen,  aneinander  gekettet 
sein.  Denn  wollte  er  einmal  S[)äter  den  Kampf  gegen  "die  äußeren  Feinde 
des  Landes,  so,  wie  es  in  seinen  Plänen  lag,  dui-chführen,  so  mußte  er 
auch  die  inneren  Gegnei'  bekämpfen.  Die  Bckäm})fung  der  inneren  Feinde 
wai-  lu'cht  leicht.  Durch  Reden,  Zeitungsartikel,  Flugschriften  haben  die 
Tadler  ihn  angegriffen  und  ihren  unermüdlichen  Eifer  bewiesen.  Das  Er- 
geiuiis  dieses  Eifers  war  aber,  daß  sie,  indem  sie  eine  große  Gestalt  zu 
verkleinern  versuchten,  nur  sich  selbst  Armutszeugnisse  ausstellten.  Was 
ihn  von  den  anderen  schied,  war  nicht  nur  ein  größeres  diplomatisches  Ge- 
schick inid  tiefere  Vertrautheit  mit  dei-  europäischen  Lage,  sondei'u  auch  die 
Verschiedenheit  der  Gedanken  vom  Staate  und  Volksglück,  die  Verschiedenheit 
der  Stellung  zu  den  Fragen,  die  das  Herz  der  Nation  bewegten,  der  Kamj)f,  zu 
höheren  Formen  des  politischen  Lebens  zu  kommen  und  das  nationale  Dasein  zu 
befestigen.     Die  Leluzcit  auf  Kreta  in  dieser  kleinen  Schule  großei-  Politik, 


Kalitsunakis:    Veiiizelos  und  Ncugriechenland.  19 

in  Verhältnissen,  die  so  kompliziert  und  unlüshar  erschienen  wie  wohl  kaum 
in  einer  anderen  Fi-age  der  europäisciien  Geschichte  der  letzten  100  Jahre, 
hat  ihm  die  allgemeineren  griechischen  Probleme  ganz  nahe  gerückt  und 
ihm  die  Notwendigkeit  einer  baldigen  Aufrichtung  des  Königreichs  vor 
Augen  gestellt.  In  des  Venizelos  Furchtlosigkeit  luid  Energie  fand  das  ver- 
spottete griechische  \"olk  den  Mann  des  Woites  und  der  Tat,  dei*  alles  durch- 
setzen konnte.  In  ihm  herrscht  dei-  <'dle  Drang  zu  j)raktischem  Handeln  und  zu 
wagen  bis  zu  einem  Maße,  welches  der  Uneingeweihte  manchmal  als  Verwegen- 
heit betrachten  könnte.  ¥Än  Drang,  sich  selbst  durchzusetzen,  ein  mächtiger 
Trieb,  der  ihn  über  die  Schranken  des  (jewöhnlichcn  hinwegträgt.  Ein  INnit, 
der  keine  (ieialu-  und  keine  Hindernisse  kennt.  Dazu  ein  feiner  Intellekt 
von  klai'cr  und  das  P'erne  umfassender  Berechnung.  Man  soll  eigentlich 
diesen  Mann  nach  der  Kraft,  mit  der  er  die  Welt  zu  erleben  vermag,  be- 
urteilen. Auf  sein  Ziel  geht  er  los  als  ein  äußerst  nüchtei-ner  Kopl',  ohne 
Zickzackkurs  luul  ohne  Schwankungen,  »via  recta  via  certa«  kann  er  auch 
mit  Cavour  sagen.  Das  Führende  aber  in  diesem  Kampfe,  der  sein  Leben 
erfüllt,  ist  der  Wille.  In  allen  Lebensstellungen,  in  die  er  trat,  ragte  er 
gleich  dadurch  weit  iii)ei"  alle  anderen.  In  ihm  ist  das  stärkste  patriotische 
Wollen  vereint  mit  dem  felsenfesten  Glauben  an  das  Können  des  griechischen 
Volkes.  luden  achtziger  Jahren  liatBismarckausgesj)rochen,  er  sei  »der  Träger 
von  Deutschlands  europäischem  Kredit«.  V^on  Venizelos  haben  wir  es  öfters 
in  der  letzten  Zeit  in  bezug  auf  Griechenland  gehört.  Sein  ganzes  Denken 
und  Trachten  ist  ausschließlich  der  Politik  gewidmet.  Er  hat  seine  Pohtik 
sich  selbst  gebildet,  es  sind  seine  persönlichen  Eigenschaften,  sein  Geschick 
zur  Debatte  und  zur  Füluinig  der  Geschäfte,  welche  ihn  zum  Führer  der 
andei'en  Uiachen.  Die  Schnuichler  konnten  ohne  zu  lügen,  von  \^enizelos  ein 
Bild  entweifen,  das  uns  die  Idealgestalt  des  Politikers  zeigt.  Die  Gegnei- 
konnten  ohne  \'ergewaltigung  der  Wahrheit  von  manchen  Schwächen  und 
Härten  sprechen.  Selten  wiu-de  ein  anderer  Politiker  in  der  Neuzeit  so  oft  wie 
er  schonungslos  kritisiert  und  j)ersitliert.  In  allen  inneren  StreittVageu  blieb 
ei-  den  liberalen  Ideen  der  neueren  Zeit  zugänglich,  und  das  ist  ein  wichtiges 
Merkmal,  das  den  neuen  Staatsmann  von  den  alten  Führern  der  überwundenen 
Ideale  unterscheidet.  Er  suchte  seinen  Landslentcn  klarzumachen,  daß  n)an 
nicht  auf  der  Ahnentugend,  auf  der  7r«rj«7ff.S-(Vc,  auf  dem  Ruhme  des  antiken 
Gricciienlands  ausruhen  soll,  sondei-n  daß  das  vei-jüngte  Griechenland  den 
ererbten  Ruhm  jenes  mustergültgen  \'olkes  sich  von  neuem  diu-ch  rührige 
Arbeit  verdienen  soll. 

Was  du  ei-eibt  von  deinen  Vätern  hast,  erwirb  es,  um  es  zu  besitzen  '. 

So  viel  über  diesen  Alaun,  einen  Mann  des  Wortes  und  der  Tat;  er 
erweist  sich  unstreitig  in  den  gegenwärtigen  europäischen  Verhältnissen  als 

^  Icii  weise  hier  auf  die  bekannte  Meinung  Dahhnanns  hin,  daß  der  Politiker 
am  sichersten  dadurcli  sittlich  genesen  werde,  daß  er  sich  das  vollstimdige  Dasein 
seiner  Vorväter  zurückruft  luid  nicht  etwa  aus  einzelnen  Teilen  nur,  welche  unbe- 
stimmt begeistern,  sondern  aus  der  ganzen  Entwicklung  des  Volks,  von  seiner  Wurzel 
her  sich  ein  mögliclist  treues  Musterbild  erschaift,  welclie  in  der  Ansicht,  die  Venizelos 
bei  dem  griechisclieu  Volke  vorhraclite.  eine  neue  Darstellunir  und  Eroänzunsr  fand. 


20  Kalitsunakis:    Venizdos  und  Neugriecheiiland. 

einer  der  bedeutendsten  Diplomaten.  Kr  ist  durch  die  kleinen,  alter  lelir- 
rciclicn  j)()liti.sclien  Zustände  auf  Kreta  ein  großer  Staatsmann  geworden, 
(ii'ieclienland  ist  jetzt  im  Vergleicli  zu  fi-ülier  groß  —  fast  ist  e,s  an 
Größe  vcrdojipelt  —  und  stark  geworden.  Es  ist  berechtigt,  in  seine  Zukunft 
mit  guten  Hoffnungen  zu  sehen.  Es  ist  Pllicht,  von  dieser  neuen  Zeit  zu 
hoffen,  aber  auch   Pllicht,  an   ihr  zu  ai-beitcn. 


Anhang. 

Ich  gel)e  hier  das  Memoire  wieder,  welclies  Venizclos  im  Mai  1910  den  Schutz- 
mächten Kretas  überreichte  (s.  o.  8.  10).  Es  enthält  in  kurzer  Fassung  die  Geschichte 
der  Autonomie  Kretas  seit  1897. 

"  Le  retard  apportc  ä  la  reconnaissance  internationale  du  regime  appliquc  en 
Crcte  depuis  plus  d'un  an  et  demi  n'a  pas  pu  t'branler  la  foi  que  le  peuple  crctois 
a  mise  dans  la  Solution  finale,  qui  se  trouve  placee  sous  Tegide  des  promesses  faites 
par  les  PuLssances  Protectiices.  En  presence  toutefois  des  procedcs  insidieux  mis  en 
Oeuvre  par  la  Sublime  Porte  et  destines  ä  egarer  l'opinion  publique  europeenne  et 
ä  rcpicsenter  la  Crcte  conime  s'obstinant  ä  tort  ä  i-epousser  des  concessions  que  la 
Tui(juie   se   dit  en   mesure   d'octroyer,    il  convient  de  remettre  Ics  clioses  au  point. 

La  Commission  du  Pouvoir  Exccutif  en  Crete  se  pennettra  donc  de  rappeler 
succintement  les  actes  constitutifs  de  l'autonomie  cretoise  et  les  Ca'its  historiqucs  et 
Clements  officiels  qui  determinent  la  Situation  presente  de  l'üe. 

Lorsque,  il  y  a  treize  ans,  ä  la  faveur  d'incitations  venues  du  Gouvernement 
de  Constantinople  dans  le  but  de  faire  ccliouer  les  reformes  adoptt-es  par  les  Puissances, 
le  fanatisnie  niusulman  se  donnait  une  fois  de  plus  libre  cours  et  renouvelait  ces 
massacres  et  ces  cruautes  qui  firent  frcmir  d'indignation  le  monde  civilise,  les  Grandes 
Puissances,  faisant  acte  dintenention  imperative  en  Crete,  notifiaient  en  date  du 
2  mars  1897  par  leurs  Reprcsentants  auprcs  des  Cabinets  intcresses  de  Constantinople 
et  d'Athcnes  que:  "La  Crete  sera  dotce  par  les  Puissances  d'un  regime  autonome 
absolument  effectif  sous  la  haute  suzerainete  du  Sultau.  « 

De  leur  cotc,  ä  la  date  du  5/17  mars,  les  Amiraux  des  Puissances  dans  les 
eaux  crctoises  -  agissant  d'apres  les  Instructions  de  Icurs  Gouvernements  respectifs 
proclanient  solennellcnient  et  foiit  coniiaitre  aux  populations  de  File  que  les  Grandes 
Puissances  sont  irrevocablement  dccidces  ä  assurer  l'autonomie  coniplete  de 
la  Crcte  sous  la  suzerainete  du  Sultan».  -11  est  bien  entendu»,  ajoutait  leur 
proclamation,  •  que  les  Crctois  .serorit  complctement  libres  de  tout  contröle  de  la 
F'orte  en  ee  qui  concerne  leurs  affaires  interieures.  - 

De  ces  Notifications  officielles  et  de  cette  Proclamation  solennelle  il  ressort  un 
principe  trcs  net:  que  les  Puissauces  ayant  par  leur  intervenlion  assumc  le  droit 
•  d'ctablir  en  Trete  un  regime  autonome  et  d'en  regier  eil  es -in  cmes  l'organisation  ■■ 
(Note  ä  la  Sublime  Porte  du  4  octobre  1.S98),  ii  Tcxelusion  de  la  Turcjuie  et  tout  ce 
([ui  a  traitau"  regime  de  la  Crete  derivant  dorenavant  des  Puissances,  l'Enqjire  Ottoman 
en  deliors  de  la  suzerainete  nominale  n'a  conserve  aucuns  droits  elTectifs  en  Crcte, 
puisque  ces  droits,  exerces  par  les  Cretois,  nc  lui  ont  pas  ete  expresseinent  rescrves. 


Kamtsunakis:    Vcni/olos  imd  NeugiMecheiilai)fl.  21 

Apres  le  retrait  de  rAUeiiiagne  et  de  rAutriche-Hongrie,  Ics  quatre  Puissances 
continucrent  TcKuvre  doiit  les  bases  essentielles  avaient  ainsi  öte  posöes. 

»  Dans  la  pensce  des  Puissances  le  niaintien  d'une  force  armöe  turqne  nVtant 
pas  compatible  avec  les  priiu-ipes  de  rautononiie  coniplcte  ••  (nicnie  Note  du 
4  octobre)  octroyee  par  elles,  ellcs  exigerent  le  rappcl  des  troupes  turyues  de  Crete 
et  les  Amiraux  ä  cette  fin  fii'ent  executer  rigoureusenient  rultiniatuni  suivant :  » Le 
15  no^enibre  au  lever  du  soleil,  offielers,  soldats  et  gendarines  turcs  sans  exoeption 
devront  avoir  quitte  l'Ue.  Les  navires  devront  etre  partis.  L'ex-Gouverneur  est 
invitc  ä  suivre  les  troupes.  Le  pavillon  ture  sera  rentre ;  de  cette  fav"on  la  Situation 
sera  bien  nette. » 

Peu  apres  les  quatre  Puissances  se  mettaieiit  d'accord  pour  doniander  le 
24  uovenibre  au  Roi  des  Hellenes  de  donner  ä  S.  A.  R.  le  Prince  Georges  rautorisation 
d'accepter  le  niandat  de  Haut  Conunissaire  en  Crete  sous  la  condition  que:  «  Le  Haut 
Coniniissaire  reconnaitra  la  haute  suzerainete  du  vSultan  et  prendra  des  niesures 
pour  la  sauvegarde  du  drapeau  turc,  (jui,  selon  la  promesse  donnee  par  les  quatre 
Puissances  au  Sultan,  fiottera  sur  Tun  des  points  fortifies  de  l'ile.  ■' 

L'agrement  du  Sultan  n"ctait  point  soUicite  pour  la  nomination  du  Prince  de 
Grece  au  poste  de  Haut  Coniniissaire,  dont  les  pouvoirs,  tout  aussi  bien  que  la 
Situation  faite  ä  la  Crete,  emanent  exclusivement  des  Puissances. 

Le  30  noveinbre  les  quatre  Gouvernements  se  bornent  i  notifier  ä  la  Sublime 
Porte  cette  nomination  en  se  declarant  -tout  disposes  ä  confirmer  les  droits 
supremes  de  S.  M.  I.  le  Sultan  sur  la  Crete  et  ä  garantir  les  interets  et  la  vie 
des  musulnians  cretois". 

D'autre  part  les  Amiraux  par  une  proclamation  <■  qui  consacre  la  realisation 
des  promesses  faites  au  niois  de  mars  1897  >•  iiotifient  au  peuple  cretois  le  mandat 
de  Haut  Commissaire  confie  au  Prince  Georges  de  Grece,  qui  «  a  reconnu  la  haute 
suzerainete  de  S.  M,  L  le  Sultan  et  s'est  engage  a  prendre  des  mesures  pour  la 
sauvegarde  du  drapeau  turc  qui  fiottera  seulenient  sur  Tun  des  points  fortifies 
de  Tile «. 

Au  pavillon  turc  etait  substitue  dans  l'ile  le  pavillon  cretois,  arrete  par  les 
Ambassadeurs  ä  Constantinople  et  qui  rappelait  le  pavillon  hellenique. 

Le  regime  autonome  dote  ä  la  Crete  par  les  Puissances  regoit  ainsi  sa  pleine 
application.  II  est  defini  quant  ä  ses  details  dans  la  Constitution,  souinise  aux 
Puissances,  approuvee  par  elles  et  proniulguee  par  le  Haut  Commissaire  dont  le 
premier  soin,  d'apres  l'adresse  au  Roi  des  Hellenes,  devait  etre,  d'accord  avec 
l'Assemblee  Nationale,  d'instituer  un  Systeme  de  gouvernement  autonome. 

C'est  bien  les  attributs  d'un  gouvernement  autonome  dans  la  plus  large  niesure 
possible  que  cette  Constitution  consacre. 

•  La  Crete  forme  un  Etat  qui  jouit  d'une  autonomie  complete  dans  les  conditions 
etablies  par  les  quatre  Grandes  Puissances  •■  (Art.  1er). 

Ces  conditions  ont  cte  specifiees  dans  les  notifications  susmentionnees  des 
Puissances. 

De  liens  eflectifs  avec  la  Turquie  il  n'en  reste  aucun. 

L'Etat  Cretois  n'est  point  tributaire  de  la  Sublime  Porte. 

Le  grec  est  la  langue  officielle.  La  justice  est  rendue  au  nom  du  Prince,  qui 
est  le  chef  supreme  des  forces  arniees,  confere  les  grades  niilitaires,  nonune  et  revoque 
les  fonctionnaires  publics  et  les  Cadis,  promulgue  les  lois,  decerne  des  decorations, 
a  le  droit  de  gräce  et  d'amnistie,  etc. 

L'Etat  Cretois  a  encore  le  droit  (Article  30)  de  passer  des  traites,  de  battre 
nionnaie,  etc.  Usant  de  ce  droit  il  a  fait  executer,  avec  Tautorisation  du  Gouvernement 
Frangais,   ä   la  Monnale   de  Paris   la  frappe  de  monnaies  divisionnaires  et  de  billon 


22  Kai.itsunakis:    Vcnizclos  uiifl  NeiigricdiCiiliiii(l. 

rrrtoisps;  il  a  adhörr  a  ri^nion  postalo  et  ä  la  Convention  Teh^graphique  Internationale 
et   s'cst  fait  rcprr.sentcr  ä  toutes  Ics  Conferences  Internationales  tennes  en  l'espcce. 

A  l'in.star  des  autres  adniinistrations,  Postes,  Trirgraphes,  etc.,  les  Douanes 
cn-toises  devenaient  absoiunient  independantes  de  edles  de  la  Turquie  et,  comnie 
de  droit,  le  connner.ce  tnrc  t'tait  assiniilr  par  dt'cret  au  eotnnierce  des  Etats  etrangcrs 
et  souniis  ü  des  droits  d'iniportation  et  d'cxportation.  Le  Gon\  crncMient  ottonian 
ayant  proteste  anprcs  des  l'uissances  contre  eette  inesure  et  dcciarc  que  »  si  eile 
n't'tait  pas  iniinrdiatenient  rapportee,  il  aviserait  aux  nioyens  qu'il  jugerait  opportuns», 
les  Puissances  deciderent  que  -  rautononiie  douanicre  decoule  de  Tautonomie  politique 
et  administrative  conferc'e  ä  lile  et  que  par  consequent  Tapplication  d'un  droit  de 
douane  aux  marcliandises  ottomanes  est  h'gitinie".  La  Tur(juie  donna  suite  alors  ä 
sa  dcclaration  et  souinis  aussi  les  marcliandises  cretoises  au  traitement  diffcrcntlel 
nppliqne  aux  Etats  rtrangers. 

II  n'est  pas  jusqu'au  regime  des  Caj)itulations  (jui  n'ait  subi  dun  coninnui 
accord    entre    le   Gouvernement   autonome    et   les  Puissances  certaines  modifications. 

Constituee  en  Etat  nouveau  et  ne  faisant  plus  efTectivenient  partie  de  l'Empire 
Oftoman,  la  Crctc  de\ait  supporter  une  jiart  de  la  dette  publique  de  l'Etat  dont  eile 
venait  d'ctre  separee.  Malgre  l'öpnisement  financier  oü  se  trouvait  le  pays,  loin  de 
cherclier  ä  se  soustraire  ä  une  Obligation  decoulant  de  la  nouvelle  Situation  inter- 
nationale de  l'ile,  le  Gouvernement  cretois  proceda  en  date  du  12/25  aout  1901  avec 
l'Administration  de  la  Dettc  Publique  Ottomane  ä  la  conclusion  d'une  Convention 
assurant  le  j)aiement  integral  de  la  charge  incombant  ä  l'Etat  cretois.  Une  dccision 
des  Ambassadeurs  ä  Constantinople,  appeles  par  un  compromis  entre  les  deux  parties 
ä  arbitrer  sur  un  point  litigieux,  temoigne  de  l'asscntinient  des  Puissances  Protectrices 
h  ra])plication  h  la  Crete  du  principe  snsenonce  resultaiit  de  sa  Separation  de  la 
Turquie. 

Tels  sont  en  n'sunie  les  droits  dont  la  Crete,  au  lendemain  de  l'introduction 
de  l'autononiie,  avait  dejä  l'exercice  exclusif,  exercice  d'autant  plus  significatif  que 
la  Sublime  Porte  avait  revendiqiie  pour  eile  bon  nombre  de  ces  droits  par  sa  Note 
du  30  octobre  1898,  de  latpielle  les  Puissances  n'avaient  tenu  compteaucun;  et  c'est 
la  un  fait  qui  ä  lui  seul  suffirait  pour  donner  la  mesure  des  droits  supremes  que 
les  Puissances  avaient  sauvegardcs  ä  la  Turquie  en  Crete. 

Au  point  de  vue  interieur  lEtat  cretois  exerce  la  souverainete  territoriale  la 
plus  complete;  vis-ä-vis  de  la  Turquie  c'est  bien  l'autonomie  la  plus  large  et  la  plus 
effective. 

La  seeonde  Constitution,  egalement  votee  par  l'Assemblee  Cretoise  et  approuvee 
par  les  Puissances  Protectrices,  ne  fait  que  develoj)per  et  consacrer  inie  fois  de  plus 
les  droits  qui  appartiennent  ä  la  Crete. 

Si  dans  la  forme  du  gouvernement  ainsi  etabli  par  les  Puissances,  le  peuple 
cretois  n'a  vu,  ä  juste  titre,  cju'une  etape  vers  l'union  avec  la  Grece,  pour  les  Puissances 
elles-niemes  le  Statut  politiipie  de  l'ile  n'etait  pas  moins,  par  sa  nature,  une  transition 
vers  cette  Solution  futurc  (pfil  prepare  et  reflete  deja.  L'attitude  des  Puissances  et 
leurs  declarations  eiivers  la  Crete  en  sont  le  gage  precieux  et  un  temoignage  qui 
n'admet  pas  de  doute. 

Ainsi,  par  leur  dcclaration  du  3  avril  1005  bien  qu'-ElIes  estiment  qu'il  n'est 
I)as  possiltle,  dans  les  conjunctnres  actuelles,  de  modifier  le  Statut  politique 
de  la  Crete  -  les  Puissances  •  promettent  de  ne  pas  annexer  l'ile  elles-mcnies  et  de 
ne  pas  permettre  rainiexiun  par  une  autre  Puissance  contre  le  gre  des  habi- 
tants.  •  Si,  ainsi  qu'il  est  porte  ä  la  fin  de  cette  declaration,  les  satisfactions  y 
eontenucs  •■  doivent  etre  considerees  conmic  le  maxinmni  de  ce  qu'clles  peuvent  con- 
sentir  presentement  - ,   les  Puissances  Protectrices  n'y  marquent-elles  pas   d'une 


1 

Kalitsunakis:    Venizelos  iind  Ncugricchenlaiid.  23 

fagon  significative  pour  l'avenir  leur  Intention  de  faire  entrer  dans  leurs  conseils  la 
volonte  des  habitants,  ph'ment  d'autaiit  plus  important  que  cette  volonte  dont  il  sera 
tenu  conipte  s'est  imnuiablenient  et  toujours  nianifestee  pour  l'union  avec  la  Grece  ? 

C'est  ce  nieme  princijje  dont  s'est  inspiree  et  a  prevu  l'application  la  Con- 
stitution cretoise  lorsqu'elle  ptal)lit  dans  son  article  119  que:  <•  Lorsque  le  monient 
sera  venu  de  deniander  au  peuple  cretois  son  avis  sur  son  etablissement  definitif, 
on  rcunira  ä  cet  eflfet  la  Chanibre  qui  aura  precede  celle  dont  les  pouvoirs  viendraient 
d'expirer  ou  aurait  ete  dissoute. » 

Un  an  apres  dans  leur  Note  eollective  du  10/23  juillet  1906  les  Puissances 
Protectrices  dcciarent  que  :  tenant  ■■  ä  mar(juer  au  peuple  cretois  l'intcret  (|u"elles  lui 
])ortent  en  menie  temps  (jue  leur  dcsir  tres  sinccre  de  tcnir  conipte  dans  la  niesurc 
du  possible  de  ses  li'gitimes  aspirations»  elles  »jugent  possible  d'elargir  dans 
Uli  sens  plus  national  rautononiie  de  l'ile".  En  faisant  part  de  leurs  decisions  au 
peuple  cretois  les  Puissances  Protectrices  »  ne  doutent  pas  qu'il  ne  se  rende  conijite 
que  tout  pas  en  avant  dans  la  rcalisatioii  des  aspirations  nationales  est 
subordonnc  ü  retablissement  et  au  niaintien  de  l'ordrc  et  d'un  regime  stable  •>. 

A  cet  effet  les  Puissances  Protectrices  se  sont  niises  d'accord  pour  attribuer 
au  Roi  des  Hellenes  le  droit  de  designer  ä  l'approbation  des  Puissances  Protectrices 
le  Haut  Commissaire  en  Crete  toutes  les  fois  que  le  poste  en  deviendra  vacant  et 
elles  ont  arrete  :  <•  La  refonne  de  la  gendarnierie  et  la  creation  d'une  milice  oü  les 
Clements  cretois  et  hellenique  pourront  etre  developpes  progressivement,  sous  la 
reserve  que  les  officiers  helleniques  dont  on  ac.cepterait  le  concours  seront  rayes  des 
cadres  d'activite  de  Tarniee  hellenique  >•  ;  ••  Le  retrait  des  forces  internationales, 
aussitot  que  la  gendarnierie  et  la  milice  cretoise  seront  formees  et  niises  sous  les 
ordres  du  Plaut  Comniissaire  ••  etc. 

La  preniiere  de  ces  coHcessions,  qui  ■•  dans  l'idee  des  Puissances  Protectrices 
fait  partie  integrante  des  reformes  »  destinees  ä  elargir  dans  un  sens  plus  national 
l'autonomie  de  l'ile,  est  consentie,  aux  termes  de  la  Note  eollective  presentee  au 
Roi  des  Hellenes  le  1/14  aoüt  1906,  «■  afin  de  reconnaitre  d'une  maniere 
pratique  l'interet  que  S.  M.  le  Roi  des  Hellenes  doit  toujours  prendre  ä  la 
prosperite  de  la  Crete  ».  La  part  faite  au  Roi  des  Hellenes  dans  la  nomination  du 
Haut  Commissaire  de  l'ile  n'est-elle  pas  la  süre  garantie  de  la  Solution  finale  qu'elle 
indique  ? 

Pour  ce  qui  concerne  le  Sultan,  cette  nomination,  une  fois  faite,  sera  portee 
ä  sa  connaissance  (Note  ä  S.  M.  le  Roi  du  1/14  aoüt  1906). 

Et  lorsque  bientot  apres  sous  l'administration  supreme  du  Haut  Commissaire, 
elu  du  Roi  des  Hellenes,  se  poursuit  l'application  des  reformes  arretees,  les  Puissances 
Protectrices  en  precisent  encore  le  sens  et  la  portee  :  Elles  pourvoient  au  niois  de 
novenibre  1906  au  remplacenient  des  Carabiniers  Royaux  Italiens  au  commandement 
de  la  Gendarnierie  par  des  officiers  de  l'arniee  hellenique,  rayes  des  cadres  d'activite, 
et,  au  mois  de  juillet  suivant,  elles  autorisent  l'appel  des  officiers  et  sous-officiers 
hellenes  necessaires  pour  l'organisation  de  la  milice  qui  est  destinee  ä  remplacer  les 
troupes  internationales  d'occupation. 

Ces  troupes,  le  peuple  cretois  leur  est  profondement  reconnaissant,  car  elles 
ont  contribue  pour  une  large  part  ä  son  affranchissement  d'un  joug  qui  paraissait 
infrangible.  Mais  la  Situation  de  fait  qui  decoule  de  leur  presence  n'est-elle  pas  une 
entrave  ä  la  realisation  des  voeux  nationaux  ?  Les  Puissances  le  savent :  en  levant 
l'occupation  elles  donneront  un  nouveau  temoignage  de  leur  bienveillance  pour  la 
Crete  et  elles  feront  le  pas  decisif  qui  l'acheminera  sürement  vers  raccomplissement 
de  ses  futures  destinees. 


24  KAi.nsi'NAKis:    Vfiii/.t'los  und  NfUgrit'<lR'iil;iiul. 

Ell  n'poiise  ä  la  deiiiande  (lui  leur  est  presentre  1p  20  mars/2  avril  1908,  les 
Piiissances  Protectrices  döclarcnt  eii  date  du  2S  avril  1 1  niai  <iu't'lle.s  ..  ont  d/'cidr 
de  coiiimenoor,  pciidant  cet  i'tc  le  rappol  progressif  de  Crelo  des  troupes  inter- 
nationales par  des  diniinutions  successives,  combinres  de  fayon  ä  eirei-tucr  rövacuation 
totale  du  nie  dans  le  di'lai  d'une  annee  a  partir  de  la  date  du  depart  du  premier 
t'chelon  •. 

Aiiisi,  rendue  ä  elle-nipme ,  la  Crete  se  tromera  döjä  dot«'e  d'institutions 
gi-eccjucs ;  ses  finauces  et  ses  Services  postal  et  tt'lt'grapliique  soiit  organist's  et 
diriges  par  des  einployös  du  Royaume :  des  niagistrats  liellenes,  qui  seien  l'article  112 
de  la  derniere  Constitution  o.n'toise  doivent  appartenir  au  service  actif  en  Grece, 
drtiennent  les  cliarges  supnieures  dans  les  deux  Cours  d'Appel  de  la  Canee  et  de 
Candie  ;  la  force  ainite  du  pays.  Gendaiinerie  et  MiÜce,  est  ooniiiiand/'e  par  des 
offifiers  et  encadree  d'officiers  et  sous-officieis  de  l'aniK'e  lielienifjue. 

Teiles  sont  les  inesurcs  par  les(juellcs,  sous  les  anspices  des  Puissances,  des 
liens  effectifs  viennent  s'ajouter  oluujue  jour  anx  Mens  nioraux  qui  n'ont  jamais  cesse 
d'exister  entre  la  Crete  autononie  et  le  Royaume  libre ;  ce  sont  les  niesures  par 
lesquelles  une  part  toujours  grandissante  est  üiite  au  Royaume  dans  le  gouvernenient 
de  l'ile,  celles  menies  auxquelles  les  Puissances  Protectrices  doinient  leur  adhesion, 
ainsi  que  le  proclaniait  du  haut  de  la  tribune  cn  Jan  vier  1908  le  Ministre  des 
Affaires  Etrangeres  de  France,  ••  parce  qii'elles  sont  de  nature  ä  reduire  au  minimum 
les  niotifs  d'action  ou  d'inter\ention  des  Gouvernements  ('■traiige.'*s,  saufle  Gou- 
vernement gree  -. 

II  est  clair  qu'ä  lautonomie  effective,  qui  des  l'abord  soustrayait  la  Crete  de 
toute  snjetion  de  la  Turquie,  s'est  substituee,  par  une  action  des  Puissances  Protec- 
trices. constantc  et  raisonnee  autant  ({ue  bienveillante,  une  reelle  dependance  de  l'ile 
du  Royaume  liellenique. 

Le  11/24  juillet  se  produit  dans  l'Empire  ottoman  le  retablissement  du  regime 
constilutionnel.  Cet  evenement  n'influe  point  sur  la  Crete  ;  comment  pourrait-il  en 
effet  avoir  de  portee  ou  la  domination  turque  a  disparu  ä  tout  jamais  depuis  plus 
de  dix  ans  ■'  Aussi,  donnant  suite  a  leur  promesse  d'evacuation.  les  Puissances  effectuent 
le  14/27  juillet  le  rappel  du  premier  echelon  de  troupes. 

La  Crete  confiante  attend  avec  calnie  que  s'accomplisse  dans  le  delai  prevu 
d'un  an  le  retrait  total  de  l'occupation,  lorsque  le  double  ev(*nenient  de  l'incorporation 
de  la  Bosnie-Herzegovine  et  de  la  proclaniation  de  Tindependance  de  la  Ruigarie 
qui  s'annexe  cn  menie  temps  la  Rounu'lie  Orientale,  roiiipant  rrquilibre  Balkanique, 
fait  disparaitre  les  obstacles  qui  entravaient  jusqu'ici  l'union  de  la  Crete  avec  la  Grece 
et  modifie  du  tout  au  tout  les  conjonctures  speciales  dont  les  Puissances  Protectrices 
avaient  cm  devoir  par  le  passe  tenir  compte. 

Au  moment  ou  la  Principaute  bulgare  par  un  acte  aussi  imprevu  boulverse 
un  etat  de  choses  place  sous  la  sauvegarde  de  l'Europe,  (pie  peut  faire  le  peuple 
cretois  ?  Ne  se  doit-il  pas  ä  la  scnle  resolution  quo  hii  imposent  ses  ti-aditions 
nationales,  le  sentiment  du  devoir  envers  la  Patrie  et  son  Histoire  petrie  de  sacrifices 
cruels  pour  la  liberte  ? 

II  s'est  toujours  conforme  aux  conseils  des  Puissances  Protectrices  et  a  seru- 
puleusement  respectc  leurs  decisions.  Ne  l'ont-elles  pas  acbemine  et  encourage  elles- 
mcmes  dans  la  voie  des  aspirations  nationales,  proclamces  legitimes  ?  Aussi  est-il 
certain  qu'elles  xte  peuvent  le  desapprouver. 

En  repudiant  la  suzerainete  Ottomane  et  en  prociament  le  24  septembre  1908 
.son  independance  et  son  union  avec  la  Grece,  la  Crete,  vis-a-vis  de  la  Tunjuie, 
ne  fait  que  dcclarer  de  droit  une  Situation  existant   de  fait. 


Kalitsunakis:    Veiiizelos  und  Neugrieclienlaiid.  '25 

A  partir  de  cette  date  la  Crete  est  gouvernee  au  nom  du  Roi  des  Hellenes  ; 
la  Constitution  du  Royaume  y  est  appliquce ;  le  pavillon  grec  flotte  sur  les  edifices 
publics  d'un  bout  ä  l'autre  de  Tue  ;  les  pouvoirs  publics,  la  milice,  ia  gendarmeric  et 
les  fonctionnaii-es  crctois  pretent  le  sennent  constitutionnel  de  fidölitc  au  Roi  Georges  ; 
c'est  au  nom  du  Roi  Georges  qu'cst  exerce  le  pouvoir  judiciaiie  en  Crcte  coniine  il 
Test  en  Bulgarie  au  nom  du  Roi  Ferdinand  ;  les  timbres  portent  restampille  nationale. 

A  la  proclamation  cretoise  les  Puissances  Protectrices  n'apportent  pas  un 
desaveu  ;  tont  au  contraire,  elles  acceptent  la  Situation  de  fait  qui  en  resulte  et  si, 
n'ayant  pas  encore  signifie  leur  reconnaissance  officielle  aux  modifications  apportees 
au  statu  quo  balkanique  par  rAutriche-Hongrie  et  la  Bulgarie,  ellcs  ne  croient  pas 
pouvoir  agir  difi'eremnient  pour  la  Crete,  elles  lui  donnent  nöannioins  tout  de  suite 
un  tenioignage  eclatant  de  leurs  intentions  lorsque,  fideles  ä  leur  politique  des  onze 
dernieres  annees,  elles  lui  proniettent  de  prendre  elles-memes  l'initiative  potir  la 
sanetion  internationale  de  l'union  avec  la  Grece.  C'est  cette  proniesse  que  regoit  des 
Puissances  Protectrices  le  peuple  cretois  lorsqu'elles  declarent  le  15  2S  octobre 
"  qu'elles  ne  seraient  pas  cloignees  d'envisager  avec  bienveillance  la  dis- 
cussion  de  l'union»,  dont  elles  fönt  dependre  la  realisation  de  cette  seule  con- 
dition  :  le  maintien  de  l'ordre  et  la  protection  de  la  population  inusulmane. 

Reposant  sur  la  foi  de  cette  declaration,  le  peuple  cretois  dirigea  dorenavant 
tous  ses  efiForts  ä  faciliter  la  täche  des  Puissances  en  se  conforniant  a  leurs  reconi- 
inandations  et  il  s'empressa  de  leur  soumettre  le  18/31  octobre  riioinmage  de  sa 
reconnaissance  dans  des  termes  que  la  Comniission  du  Pouvoir  Exccutif  se  plait  ä 
reproduire  : 

•■  Le  peuple  cretois,  attache  anjourd'hui  plus  que  janiais  ä  ses  traditions  et 
ses  aspirations  nationales,  ä  niaintes  reprises  reconnues  legitimes,  et  confiant  dans 
la  justice  de  son  droit,  eprouve  la  plus  profonde  reconuaissance  de  savoir  que  les 
Puissances  Protectrices  ont  pris  en  niains  sa  cause.  Persuade  que  dans  Leur  haute 
bienveillance,  les  Puissances  daigneront  niettre  le  sceau  ä  l'cpuvre  de  liberte  qu'EUes 
ont  entreprise,  il  s'en  remet  a  Elles  avec  une  entiere  confiance  et  avec  la  certitude 
que  son  Union  avec  la  Grece,  rachetee  au  prix  d'innoni])rables  sacrifices,  lui  sera 
definitivement  confirniee  •■. 

Ainsi,  le  vneu  inimuable  de  tant  de  generations  se  realise  :  Les  quatre  grandes 
Puissances,  l'Angleterre,  la  France,  l'Italie,  la  Russie,  Protectrices  de  la  Crete,  lui 
ont  dcclare  qu'elles  en  seront  dans  un  terme  pas  eloigne  les  interpretes  bienveillants 
et  autorises. 

Le  peuple  cretois  attend  avec  calme  que  se  produisc  l'action  promise  en  sa 
laveur  ;  il  l'attend  avec  d'autant  plus  de  confiance  que  les  Puissances  sanctionnent 
la  proclamation  bulgare,  dont  la  proclamation  cretoise  n'est  que  la  suite  naturelle 
et  le  direct  contre-coup. 

C'est  de  cette  Situation  et  de  lattitude  du  peuple  cretois,  loyale  et  deferante 
a  la  \olonte  des  Puissances,  qua  le  Turquie  clierche  ä  tirer  profit.  Elle  y  einploie 
tous  ses  nioyens  ;  eile  deniande  a  faire  table  rase  des  libertes  que  treize  annees  de 
bienveillance  et  de  travail  pacifique  ont  acquis  ä  la  Crcte  et  des  liens  que  les 
Puissances  ont  crees  entre  l'ile  et  le  Royamne. 

La  Turquie  se  dcclare  prete  a  conceder  ä  la  Crete  »la  plus  large  niesure 
d'autonomie  •,  mais  eile  est  decidee  ä  y  maintenir  ä  tout  prix  ses  droits  souverains  "! 

Or  il  est  a  peine  utile  de  dire  l'inanite  de  ces  assertions. 

Depuis  l'annee  1898,  les  droits  que  la  Turquie  avait  en  Crete  n'ont  jamais 
ete  que  nominaux  et  absolument  illusoires.  En  dehors  du  seul  embleme,  perdu  sur 
l'ilot  desert  de  la  Sude,  qui  les  symbolisait,  il  n'est  aucun  droit  en  Crete  qui  n'est 
cesse  irrevocablement  d'appartenir  ä  l'Empire  ottoman. 


26  K Ai.iTSLNAKis:    Vemzclos  und  Neugriechenland. 

Quant  ä  l'autonomie  effective  doiit  la  Crete  a  joui  pendant  dix  ans  dans  In 
jilus  large  niesure,  eile  lui  a  etc  dotee  non  par  la  Turquie.  mais  par  les 
l'iiissances,  (]ui,  pour  rt'iargir  enc-ore,  y  ont  introduit  des  Clements  nationaux  qu'il 
n'appartient  qu'an  Royaunie  hellinique  de  conccder. 

Lcs  droits  et  concessions  impartis  ä  la  Crete  par  les  Puissances  forment  dejä 
duns  leur  ensenil)!e  le  droit  public  qui  regit  la  Situation  de  l'ile  avant  la  proclamation 
de  l'union  ;  la  Sublime  Porte  n'est  pas  sans  le  connaitre.  Elle  n'ignore  pas  moins 
qu'cn  retirant  au  niois  de  juillet  dernier  leurs  troupes  et  en  supprimant  de  leurs 
propres  niains  le  seul  drapeau  crt'tois  qui  fiit  sur  l'ile,  dernier  vestige  de  1'-  Etat 
cretois  •,  lcs  Puissances  ont  confic  le  maintien  de  l'ordre  public  et  la  securitc  des 
inusulmans  aux  -  autorites  constituces  -,  celles-lä  mcmes  qui  administrent  l'ile  au 
nom  du  Roi  et  fonctionnent  en  vertu  du  regime  applique  depuis  le  24  septembre  190S. 
Co.  regime,  tant  que  n'intervient  pas  la  deeision  definitive  des  Puissances  Protectrices, 
est  place  sous  leur  sauvegarde  et  cette  deeision  ne  pourra  porter  que  sur  la  Solution 
qu'«Mnisageant  dans  leur  Declaration  du  15/2S  oetobre,  les  Puissances  Protectrices 
se  sont  reservc  de  disctiter  avec  hienveillance  pour  la  Crete:  l'union  de  l'ile  avec  la  Grcce. 

La  Canee.  le  !<>  i!»  mai  1910. 


27 


Biblische  Legenden  der  Schi'iten  aus  dem 
Prophetenbuch  des  Hoseini. 

Von  Walthkr  Aichele. 


iVlit  der  vorliegenden  kleinen  Sammlung  von  Prophetengeschichten,  die  ich 
ans  den  ki^as  al-'anbijä'  des  Hoseini  zusammengestellt  habe,  möchte  ich  der 
Legendenforschung  neues  Material  mitteilen.  Bei  ihrer  Auswahl  war  es  mein 
Bestreben,  gerade  auch  das  ■ —  es  ist  freilich  verhältnismäßig  recht  wenig  — , 
dem  der  schi'itische  Ursprung  seine  Note  besonders  aufgeprägt  hat,  nicht 
unberücksichtigt  zu  lassen. 

Hoseinis  Prophetenbuch  ist  in  Europa,  soweit  ich  sehe,  nur  in  den 
beiden,  meinen  Editionen  zugrunde  gelegten  Berliner  Handschriften  vor- 
handen, die  im  Ahlwardtschen  Katalog,  Bd.  I,  unter  Nr.  1025  (Pet,  633) 
und  1026  (Pet.  78)  kurz  beschrieben  sind.  Doch  ist  die  Beschreibung  Ahl- 
wardts  in  einigen  Punkten  zu  ergänzen  und  zu  verbessern.  So  ist  festzu- 
stellen, daß  die  beiden  Handschriften  von  Anfang  bis  zu  Ende,  von  unbe- 
deutenden Schreibversehen  abgesehen,  wöi'tlich,  sogar  in  Schreibfehlern, 
miteinander  übereinstimmen'.  In  Pet.  633  —  ich  zitiere  im  folgenden  stets 
nur  diese  Handschrift  —  ist  auf  f.  191a  keine  Lücke  anzunehmen,  sondern 
hier  ist  das  eigentliche  Werk,  die  Prophetengeschichten,  zu  Ende,  nicht 
schon  f.  187a,  wie  Ahlwardt  annehmen  möchte.  Vi'.  188a — 191a  enthalten 
zwölf  Anekdoten  frommer  Israeliten,  denen  f.  191a  der,  wenn  auch  ganz  kurze, 
Schluß  des  Werkes  angefügt  ist.  Die  nach  dem  leeren  Raum  ff.  191a  —  192  a 
mitgeteilten  Erzählungen  und  Gedichte,  von  Muhammad  und  seiner  Familie 
handelnd,  ff.  192  a — 223  b,  sind  recht  fragmentarisch  und  haben  mit  dem 
eigentlichen  Werke  nichts  mehr  zu  tun. 

In  der  Vorrede  teilt  der  Verfasser  Abdallah  b.  Muhammed  Radi  al- 
Hoseini  mit,  sein  Buch  sei  ein  Auszug  aus  dem  umfangreichen  Werke  des 
Maglisi.  Da  nun  Ta'labi  seine  Prophetengeschichten  in  verschiedene  ,jJ>^ 
eingeteilt  hat,  glaubte  Ahlwardt,  »INIaglisi«  als  Beiname  Ta'  labis  und  sein 
Prophetenbuch  als  die  Vorlage  Hoseinis  ansehen  zu  müssen.  Diese  An- 
nahme bestritt  dann  Lidzbarski  in  seiner  Dissertation:  »de  propheticis,  quae 
dicuntur,  legendis  Arabicis«,  S.  25,  besonders  aus  dem  Grunde,  weil  er  bei 
lloseini  manches  fand,  das  bei  Ta'labi  fehlt.  Hoseini  habe  nur  dem  imi- 
fangreichen  Werk  des  Ta'labi  —  daß  dieser  mit  dem  Namen  Maglisi  ge- 
meint sei,  nimmt  auch  Lidzbarski  an  —  ein  anderes,  kürzeres  an  die  Seite 
stellen    wollen.     Aber  auch  die  Ansicht  Lidzbarskis   ist  nicht  richtio;.     Aus 


*   Ich    möchte    fast    glauben,    daß   Pet.  78    eine    unmittelbare  Abschrift    von 
Pet.  633  ist. 


28       AirnKLE:   Bibl.  Legenden  d.  Sclu  iten  aus  dem  IVophe.tenhucli  dos  HoseinT. 

Hoseinis  Worten  dail"  keinesfalls  {beschlossen  werden,  Ta'l;il)i  stände  in 
ir"endcincr  Hezichnng  /n  seiner  Arbeit.  Mailisi  ist  durchans  nicht  identisch 
mit  Ta'lalti.  tiher  die  Veranlassung,  ein  Huch  iil)er  die  Legenden  der  friihcren 
I*ro|»heten  abzufassen,  und  iiher  seine  Quelh^  sagt  Hoseini  selbst  folgendes: 

jl  -L^L.  ^  1^^  Wu  ^LIL^  o^-j  V^i^j  ^^^  L^jj  JjVb  ir^Vl 
JsX'  jL  ^lic  t;,TvL^l_j  tUVi  ^r^-^j  juX^\  jLuij  ^iv^lLl  jl;''l  Jl  JiJl  j 

j_^>l    c.">l5-    ._^'lr    ^   OC;/   U   -U    J^J   _^UJ   ^j/j    ^^'   -«^.J    ^r-^A.'   J^   'ojfi 

J^^'  ._^  i^'j  ^_^  jj^  li  jiö  (»4:^  -^^1  o^y-^  '^^  o^b  ,^1  Jt*^l  j 

<^'>\i-    (sie)    '^j-ä»i'   ir*-^   ^^-^    «—^    j^    C--=^l    pU—^,  1    «^   -VlJb'^    pLDl    «dl 

jv«*j^l  (•*r^>  '^^>  Lju  ^  awI  o|>^  jiv^Alil  J--;Jlj  j\ä!LJi  tU'Vl  Jl^l 
aiH  ^>U  ^  jl^Vl  ^Vl  ^  ^j;i  jl^Vlj  jl'Vl  j*  Ait  i^j  l-v-^ 

^*^i  y  j^  j-L<a._  i  L  J^  ^Ü^l  _^  C-Jl  1Aä>  j^  ^^_  f  l.  y  jl  J^l 
J*  <b|.  j\  <1>  tUVl  ^r^^  J*  ^U\  IJU  J  (f.  21))  ^1  L  ^^  ^Ü.lc 
tl-CJVlj  (»frtlul.  4ASl  1^1  J- Jll   ILl'   Oa._   ^^U1   jLUl  j  jl   ^   UJl   loUl   j^ 

^1  U  j/T  jl  VI  ^*A^^  ^l^  l^  ^U57  di)i  je  ;UJ  ^Uiij  ^iyl  Jci-Vl j 

,yti_^  ^^:>j^.j  jiy VI  ji^  ^i"^t  ;.i^i  ^^1  ^uu'ij  ;.>ui  |ui  ^lvi 

i^i^j  J\ii5il  frl^üll  öj«3j  (>'^1  JLs-  jl^^Vl  ^Vl  jL:»-!  c^U-j  j|^r-Vl 

ÖAi  j_«   A_»l^  <-ö"^A>-    |-*jä>j   jrv*i)lj      ,Aj>-ylj   jfWÜlj   öi)1    "L?     c^^     j^   «U— .iS 

»Ks  sagt  der  entflohene  Sklave,  der  widerspenstige,  in  die  Meere  der 
.Sünden  und  Empörungen  versunkene,  der  von  den  Geschöpfen  am  meisten 
seines  reichen  Herrn  bedürftige  !'\bdalläh,  der  Sohn  des  Mul.iammed  Radi 
al-Hoseini  —  Allah  vergelte  ihnen  beiden  mit  Gutem,  er  gewähre  ihnen  das 
Beste  des  Jenseits  und  des  Diesseits,  er  mache  sie  gefügig  zu  seinem  Ge- 
horsam und  zu  seinen  Wünschen  und  mache  ihre  zukünftige  Lage  besser 
als  ihre  vergangene  — :  im  Hlickcii  auf  die  Traditionen  dci"  Dahingegangenen 
und  die  Nachrichten  der  Vorfahren  und  die  Geschichten  der  Propheten  und 
Gesandten  .ist  eine  Ermahnung  für  den,  der  nachdenklich  ist,  eine  Warnung 

'    Vielleicht  verschrieben  ans:  ^y^Sa^ ,     .^zjC^  ,  i}^^  oder  j-^om  , 


Aichele:  Bibl.  Legenden  d.  Schfiten  ans  dem  Prophetenbuch  des  Hoseini.       2D 

für  den,  der  einsiclitig  ist,  eine  Speise  für  den  Geist  und  eine  Beruhigung 
für  das  Auge.  Nachdem  ich  zu  Ende  war  mit  der  Abfassung  des  Werkes 
»Galil  al-'ujrm«  über  die  Begebenheiten  des  Propheten  und  der  Angehörigen 
seines  Hauses  —  die  Segnungen  Allahs  über  sie  —  (es  hatte  eine  unge- 
wöhnliche I'orm  und  wunderbare  Fasson,  der  die  Geister  zufliegen  und  an 
der  sich  die  Ohren  ergötzen),  da  nahm  ich  mir  vor,  eine  kleine  Schrift  zu 
verfassen,  die  die  Hauptsache  enthalte (■*)  der  Geschichte  der  vorangehenden 
Propheten  und  der  früheren  Gesandten  —  die  Segnungen  Allahs  über  unsern 
Propheten  und  seine  Familie  und  sie  alle  — ,  insofern  als  ich  meine  Auf- 
merksamkeit auf  die  TraditioTien  und  Nachrichten  lenkte,  die  überliefert 
sind  von  den  reinen  Imämen  —  auf  ihnen  ruhe  dei-  Frieden  des  viel  ver- 
zeihenden Königs.  Denn  alles,  was  niclit  ausgeht  von  diesem  Hause,  das  ist  eitel, 
vmd  alles,  was  nicht  von  ihnen  (den  Imämen)  —  der  Friede  sei  über  ihnen  — 
herrührt,  das  ist  uiuiütz,  mit  Ausnahme  der  Prophetengeschichten,  die  in  diesem 
Abschnitt  zusannnengestellt  worden  sind.  Denn  das  alles,  oder  doch  der  größte 
Teil  davon,  rührt  her  von  den  Pfaden  der  blinden  Menge.  Jedoch  in  den  Nach- 
richten derLeute  desHauses  unseres  Propheten,denen  zu  folgen,  ihren  Worten  und 
Taten  nachzueifern  und  sie  aufzunehmen  Allah  uns  befohlen  hat,  ist  fürwahr  ein 
Ersatz  und  eine  Hintschädigung  für  jenes  (d.  i.  für  die  sunnitischen  Traditionen). 

0  Gott,  es  wird  das  sein  (mein  Buch  wird  das  enthalten),  was  zu- 
sammengestellt hat  der  kenntnisreiche,  hochgelehrte  und  treffliche  Gelehrte, 
der  einsichtsvolle  Forscher,  der  Taucher  der  »Meere  der  Lichtstrahlen«, 
der  Berger  der  Perlen  der  Geheimnisse,  der  Diener  der  Nachrichten  der 
reinen  Imäme,  die  Anmut  der  Überlieferer,  der  Glanz  (Hos.  sagt:  »Butter») 
der  das  Recht  festlegenden  Gesetzesgelehrten,  die  Leuchte  (»Reinheit«)  der 
Weisen  und  Theologen,  der  große  Gelehrte  al-Maglisi  —  AUäh  erbarme 
sich  seiner.  Denn  es  (das  Werk  des  Maglisi)  erreichte  fürwahr  das  Extrem 
und  überschritt  die  äußerste  Grenze.  Jedoch  ist  es  gleich  seinem  Titel  ein 
gewaltiges  Meer,  das  Mageres  und  Fettes,  Wohlfeiles  und  Kostbares  birgt. 
Und  dies  (Hoseinis  Werk)  ist  nun  ein  reiner  Auszug  und  ein  erlesener 
Teil,  äußerlich  und  innerlich.  Und  AUäh  ist  der,  den  man  um  Hilfe  an- 
flehen muß,  und  auf  ihm  ruht  das  Vertrauen.« 

Wenn  auch  der-  von  späterei-  Hand,  Pet.  633,  vorgesetzte  Titel  ^1^=-^ 
«. 
'^L'VI  <S^J  A^  tlui'Vl  fehlen  würde,  so  ginge  doch  aus  den  zitierten,  eigenen 

Worten  Hoseinis  ohne  Zweifel  hervor,  daß  wir  in  ilun  einen  Schiiten  ex- 
tremster Richtung  zu  sehen  haben.  Und  der  Mann,  aus  dessen  gewaltigem, 
mit  Bienenfleiß  zusammengetragenem  Werk  er  einen  wohlgefälligen  reinen 
Auszug  liefern  will,  der  (wie  das  j^Jl  ^V^)  Anklang  finden  soll,  wie  er 
dem  großen,  gelehrten  Werk  des  Maglisi  naturgemäß  versagt  bleiben  mußte, 
der  Manu,  den  lloseini  in  den  überschwänglichsten  Tönen  preist  als  her- 
vorragenden Gelehrten,  als  »Diener  der  Nachrichten  der  reinen  Imäme«, 
dieser  Mann  muß  also  auch  Schiit  gewesen  sein  und  darf  schon  deshalb 
(von  den  inhaltlichen  Differenzen  der  Werke  Ta'labis  und  Hoseinis  ganz 
al)g(\schen)  nicht  mit  Xa'la^*'   identifiziei't  werden. 


30       AiniKLK:  r?il)I.  Legenden  d.  Schl'iten  ans  dem  Prophetenb)irh  des  Hoseim. 

Hoseini  läßt  iihrifiCiis  seinen  (lewähismann  Maglisi  an  einer  Stelle 
seines  Buehes  selbst  zinn  Wort  koninien,  wo  Maglisi  sich  selbst  als  Schi'it 
präsentiert.  Im  Anselilnß  an  die  lliol)j:;e.seliielite  1".  -S2b  gibt  er  ihm  näm- 
lich (Jelegenheit,  ein  Wort  über  die  Pivixis  dei- TaUijja  '  zu  sprechen,  lliob, 
lieißt  es  in  der  vorangehenden  Erzählung,  sei,  ohne  eine  Sünde  getan  zu 
haben  —  denn  die  Pi'opheten  .seien  ja  unfehlbar  (a^jz^)  und  l)egingen  weder 
eine  große  noch  eine  kleine  Sünde  —  durch  äußeiliche  ünaiischidichkeit 
heimgesucht  worden,  so  daß  die  Leute  nicht  wußten,  wie  angesehen  dieser 
Mann  in  Gottes  Augen  sei.  Ebenso,  meint  min  Ma^ilisi,  sei  es  mit  den 
scirritischeii  Traditionen.  Diese  müßten  auch  gar  manclunal,  wenn  es  die 
Takijja  verlange,  äußerlich  die  Form  sunnitischer  Beiiihte  (4.^141  aÜ^^*)  an- 
nehmen, so  daß  die  »blinde  Menge«  den  \\  irkliclien  Sinn  der  maskierten 
Worte  nicht  entdecken  könne. 

Noch  eine  weitere  Tatsache  macht  es  unmöglich,  Maglisi  mit  Ta'labi 
gleiclizusetzen.  Hoscini  zitiert  nämlich  —  indem  er  freilich  seinen  in  der 
Vorrede  ausgesprochenen  streng  sein  itischen  Grundsätzen  vorübergehend 
untreu  wird  —  drei  Stellen  aus  Ta'labi  ^  die  er  alle  mit  ^>^\  Jls  einführt. 
Was  sollte  ihn  denn  nun  vcj-anlaßt  haben,  den  Ta'labi  zweimal  ••al-^L^glisi« 
zu  benennen  und  ihm  nun  auf  einmal  wieder  seinen  gewöhnlichen  Namen 
■•at-Ta'labi«  zu  geben;  ihm  an  jenen  beiden  Stellen  als  seinem  Gesinnungs- 
verwandten ein  fronnncs  »Allah  ('rl)anne  sicli  seiner-  mitzugeben,  ihn  hier 
aber  ohne  diesen  l'ronnnen  Wunseli  passieren  zu  lassen? 

Doch  wer  ist  Maglisi,  dessen  ^\'erk  von  Hoseini  ausgezogen  wurde i* 
Kinen  ganz  kleinen  Anhaltspunkt  haben  wir  noch  außer  dem  Vei'fasser- 
namen,  um  vielhMcht  jenen  Gelehrten  und  sein  Werk  feststellen  zu  können. 
Der  Werktitel  nuiß  nämlich  das  AVoi-t  j^  »Meer«  enthalten.  »Demi  es  (das 
Werk)  ist  seinem  Titel  entspreciiend  ein  gewaltiges  Meer«  sagt  ja  Hoseini  in 
seiner  Vorrede  selbst.  Unsere  arabischen  Bücher-  und  Gelehrtenlexika  — 
wenigstens  die  zugänglichen  —  haben  al-Maglisi  freilich  nicht  verzeichnet. 
Dagegen  finden  wir  die  gewünschte  Auskunft  in  (h.  Rieus  »Catalogue  of  thc 
Persian  JManuscripts  in  ihe  British  Museum«  und  in  W.  Pertschs  Verzeichnis 
der  persischen  Handschriften  zu  Berlin.  Rieu  macht  irämlicli  ^Mitteilung 
über  einige  persisch  geschriebene  Werke  des  Muhammed  Bäkir  b.  ]Mu- 
hammed  Taki  Maglisi  (1,  S.  20b,  21  a,  154b).  Diese  persischen  Schriften 
sind  nun  —  wie  Rieu  aus  ihi-en  Vorreden  cntninnnt  —  zum  Teil  Auszüge 
aus  dem  großen  ai-abisch  geschriebenen  Wei'k  desselben  \'erfassei-s,  das 
•  biliär  al-anwäi-«  betitelt  war.  Pertseii  bespricht  (S.  58  sq.)  eine  Abiiand- 
lung  über  die  Werke  das  Muhanuiied  Bäkii-  ^lailisi,  in  der  in  je  einem  be- 
sonderen Teil  dessen  zehn  aral)iseli    inul   ncuuundvierzig  persisch  abgefaßten 

'    Vgl.  ZDMG  LX,  213ir. 

■^  Nändidi:  die  Tradition  des  Il)n  'Abl)äs  aus  der  Geschichte  der  Asia,  Ta'labi 
(Kairoer  Druck  1324/1900)  S.  117  u.  =r  Hoseini  f.  9Ga;  die  Beschreibtuig  des  Thrones 
Salonios,  TaiabT  S.  101  ^z  lIoseiiiT  f.  141bsij(). ;  die  Gescliidite  der  Bilkls,  Ta'laln 
S.  194  s(j.  =  Hoseini  f.  1.38  s<i(i. 


Aichele:  Bibl.  Legenden  d.  Schfitcn  aus  dein  Prophetenbiich  des  HoseinT.        'i\\ 

Werke  aufgeführt  sind.  Unter  den  ersteren  findet  sich  nun  auch  —  und 
zwar  an  erster  Stelle  —  die  umfangreiche  Arbeit   -bihär  al-anvvär«. 

Zweifellos  ist  dieses  Werk  des  !Muhaninied  Bäkir  b.  ^Nluhainnied  Taki  al- 
Maglisi,  das  eine  ganz  voluminöse  Kompilation  schii tischer  Traditionen,  natür- 
lich auch  der  über  die  vormuhammedanischen  Propheten,  gewesen  sein  muß,  als 
die  Quelle  Hoseinis  anzuseilen.  Indem  er  auf  den  Titel  von  Maglisis  Werk  an- 
spielt, nennt  Hoseini  diesen  ja  selbst  den  »Taucher  derMeere  der  Lichtstrahlen.« 

Nach  Rieu  (Catalogue  I,  S.  20  a,  385  a  S(|q.)  entstanunte  Maglisl  einer 
bedeutenden  Isfahäner  Gelehrtenfamilie.  Er  wurde  geboren  im  Jahre  1038 
d.  IL  und  starb  1110  d.  H.  (beginnt  den  10.  Juli  1698  u.Z.).  Da  er  zur 
Zeit  der  Abfassung  von  Hoseinis  Buch  nicht  mehr  am  Leben  war  ',  kann 
dieser  frühestens  um  den  Beginn  des  18.  Jahrb.-  geschrieben  haben.  — 
Maglisl  hatte  die  Prophetcnlegenden  hauptsächlich  aus  alten,  uns  zum  Teil 
verlorenen  Schriften  schi'itischer  Autoren  zusammengetragen.  Aus  ihnen 
traf  dann  Hoseini  in  seinem  eigenen  Buch  eine  zweite  Auslese.  Die  von 
ihm  zitierten  Schriften  sind : 

1.  Der  häufig  aufgeführte  al-käfi  fi 'ihn  ad-din  (bei  Hoseini  kurz  al- 
käfl  genannt),  verfaßt  von  M.  b.  Ja'kiib  b.  Ishäk  al-Kulini,  gest.  3$8/939. 
Vgl.  Brockelmann,  Geschichte  der  arab.  Litt.  I,  S.  187.  Tfisi^  Fihrist  nr.  709. 
Nach  Tüsis  Angabe  ist  der  Käfi,  an  dem  Kulijü  zwanzig  Jahre  lang  schrieb, 
in  dreißig  Bücher  eingeteilt. 

2.  Mehrere  Schriften  von  Abu  Ga'far  M.  b.  'Ali  b.  Bäbrije  al-Kummi 
a^-Sadnk  (bei  Hoseini  kurz:  as-Sadük),  die  bei  Tfisi  nr.  661  zum  Teil  fehlen. 
Ihn  Bäbnje  starb  im  Jahre  381/991,  nach  anderen  391.  Vgl.  Brockelmann  I, 
S.  187.  Am  meisten  genannt  wird  seine  Schrift  al-'ilal,  sein*  häufig  auch  die 
'ujün  ahbär  ar-Ridä  (bei  Hos.  kurz:  al-'ujün),  oft  auch  die  Schriften  al- 
hisäl,  al-amäli  und  al-ikmäP,  seltener:  al-mahäsin,  lawäb  al- 
a'mäl,  das  kitäb  man  lä  jahduruliu  '1-fakih  (kurz  al-fakih  bezeichnet), 
die  ma'äiii  al -ahbär  und  die  i'tiUädät  al-imämiya  (kurz  al-i'tikädät  zitieit). 

3.  Der  Tafsir  al-kor'än  des  Muhanuned  b.  al-Hasan  b.  Ahmed  b.  al- 
Walid  al-Kummi.  Flügel,  Fihrist  S.  223.  Tüsi,  Fihrist  nr.  618.  Der  Ver- 
fasser dieses  Tafsirs  wird  von  Hoseini  kurz  al-Kummi  genannt.  Lidzbarski 
liat  a.  a.  0.  S.  26  irrtümlicherweise  geglaubt,  diesen  von  Hoseini  sehr  oft 
zitierten  Kor'änkommentar  vielleicht  mit  dem  kitäb  ahkäm  al-kor'än  (Flügel, 
Fihrist  S.  208  unten)  identifizieren  zu  können.  —  Leider  gibt  weder  der 
Flügelsche  noch  Tüsis  Fihrist  nähere  Lebensdaten  des  Verfassers  an.  Doch 
wird  jedenfalls  auch  er,  ebenso  wie  die  Vorgenannten,  dem  4.  Jahrh.  d.  H. 
angehören ;  sjniter  kann  er  zum  mindesten  nicht  gelebt  haben. 

4.  Häufig  genannt  wird  auch  der  Tafsir  des  IVIuhammed  b.  Mas'üd 
al-'Ajjäsi.     Flügel,  Fihrist   S.   194,    Tüsi,  Fihrist    nr.  690.     ^jjäsi,  der  in 


1  Vgl.  oben  S.  28 :  ^\  <^j  ^^-^-1  . 

2  Ahlwardt  (a.  a.  0.)  glaubte,  ihn  mit  Wahrscheinliclikeit  dem  10.  Jaliili.  d.  II. 
zuweisen  zu  können. 

^    Tüsy,  List  of  Shy'a  books  ed.  by  A.  Sprenger. 

*    Vgl.  Goldziher,  Aliliandlungen  zur  arabischen  Philologie  II,  S.  LXV. 


32       AiniEi.K:   Hil)l.  I.pgendon  d.  Srhi'iti-n  ans  (Iciii  I'r(t|)li('t<.'nl)ucli  des  HoseinT. 

Saiiiarkaiul  wohl  chenlalls  im  4.  .lalirli.  d.  H.  lebte,  soll  über  200  Schriften 
verfaßt  hal)en.  Er  war  urspi-iinglicli  Sunnit,  bekehrte  sich  aber  dann  zin- 
Schi'a  und  hörte  in  Küfa,  Baudäd  und   Kunini  '. 

5.  An  mehreren  Stellen  wird  der  Kor'äidionnnentar  des  Abfi  '1-Hasan 
'Ali  b.  Ibrahim  b.  Hääim  al-Kuinnii  angeführt,  der  gleichfalls  ins  4.  Jahi-h. 
d.  H.  zu  setzen  ist.  N'on  I.lüseinl  wird  der  Verfasser  dieses  Kommentars 
nur  mit  dem  Namen  'Ali  b.  Ibrähiin  benannt.  Durch  einen  Vergleich  der 
betreflenden  Auszüge  bei  Hoseini  mit  der  Berliner  Handschrift  Sjjreng.  4UH 
ließ  sich  jedoch  die  Identität  des  von  Hoseini  zitierten  Werkes  mit  dem 
von  Tüsi  unter  nr.  451  aufgeführten  feststellen.  Das  harte  Urteil  Nöldekes 
über  diesen  Kommentar  in  seiner  »Geschichte  des  Korans«  S.  XXIX,  er 
sei  »ein  elendes  Gewebe  von  Lügen  und  Dummheiten",  trift't  meines  Er- 
aclitens  nicht  so  sehr  den  Verfasser,  als  vielmehr  das  schi'itische  Dogma 
selbst  und  die  von  ihm  bestimmte  allegorische  Schriftauslegung  überhaupt. 
Siehe  aucli  Brockelmann  I,  S.  192. 

6.  Zwei  Werke  des  Kadi  ad-din  Abf.  Ali  at-Tabarsi,  der  548/1153 
starb.  Vgl.  Brockelmann  I,  S.  405.  Nämlich  das  kitfd)  niagma'  al-bajän  li 
'nlfim  al-kor'än,  ein  großer,  im  Jahre  53G/1I41  vollendeter  Kor  änkommentar 
(von  Hoseini  kurz  als  magina'  al-bajän  zitiert)  sowie  das  kitäb  al-ihtigäg. 

7.  Oftgenannt  werden  die  k  i^as  a  1-anbi  ja  des  Kutb  ar- IIa  wand!  und 

8.  die  su'üd  as-su'nd  (mittuiter  auch  als  sa'd  as-su'üd  zitiert)  des  as- 
Sajjid  b.  Täwfis.   über  die   beide  sich  Näheres  leider  nicht  ermitteln   ließ. 

9.  Mehrmals  aulgeführt  wird  auch  der  Talsir  des  Imäms  al-'Askari. 
Daß  dieser  Tafsir  nicht  vom  elften  hnäm  der  Schiiten  Abu  Muhammed  al- 
Hasan  al-'Askari  (gest.  260/874;  vgl.  Ahlwardts  Katalog  IX,  S.  27a)  verfaßt 
worden  ist,  sondern  diesem  nur  untci-geschoben  wird,  geht  schon  daraus 
mit  Gewißheit  hervor,  daß  er  im   Fihrist  des  Tfisi  fehlt. 

10.  Einmal  zitiert  ist  die  Schi-ift  nahg  al-baläga,  die  angeblichen 
Aussprüche  'Alis.     Brockelmann  I,  S.  404. 

11.  Gleichfalls  luu-  einmal  werden  die  mu  rüg  ad-da  hab  Mas'üdis 
aufgeführt.  In  beiden  HoseiMihaiKlscliriCtcn  ist  dabei  freilich  der  Name  Mas'üdi 
in  (_$j».«--  verschi'iebcn -.    '-- 

Goldziher  hat  in  seinen  »XOrlesungen  über  den  Islani«  (S.  240)  auf  die 
Tatsache  hingewiesen,  daß  Sunniten  und  Schl'itcn  eine  Menge  gemeinsamer 
Traditionen  besitzen,  die  sich  einzig  imd  allein  in  den  Tradenten-Namen 
unterscheiden.  Diese  Beobachtung  läßt  sich  auch,  wenn  hier  auch  ziemlich 
selten,  bei  einem  Veigleich  von  'Fa'labis  Prophetenbuch  mit  dem  des  Hoseini 
machen.  So  stinwiit  Ta'labi  S.  89  sqq.  die  Ti'adition  Sufjäns  über  Ad  imd 
Iram  dät  al-'imäd  wöitlich  üi)erein  mit  der  Hoseini  f.  38a  s(jq.  überlieferten, 
dem   kitäb  al-ikmäl  des  Ibii   Bäbüje  entnommenen  Erzählung;  ferner  Ta'labi 

'  Nach  Jakiits  geograpli.  Würtcrbucli,  ed.  Wiistciifold  1\'  176.  war  Kumiii  eine 
rein  schi'itische  Stadt.  In  Tiisis  Filirist  wird  es  neben  Kufa,  Basra  und  Bagdad  sehr 
häufig  als  hervorragende  Bildungsstätte  genannt. 

•^  Zur  vorstehenden  Liste  vergleiche  auch :  Guldzilier,  Beiträge  zur  Literatur- 
geschiclite  der  Schi'a. 


Aichele:  Bihl.  IvOgeiulcii  il.  ScliTlfcii  aus  ilciii  Proplictciihiicli  dos  Ifoseini.        3B 

S.  94  sq.,  die  Geschichte  der  ashäb  ar-Kass  =  Hoseiiii  1".  146 a  sqq.  (Aus- 
zug aus  Ihn  Bäbüjes  Wei'ken  al-'ilal  und  al-'ujün);  Ta'labl  S.  157/61,  die 
Geschichte  des  Ellas'  findet  sich  in  einem,  sich  sklavisch  an  die  Vorlage 
lialtenden  Auszuge  bei  Hoseini  f.  117a/119b  (mitgeteilt  aus  den  ki^^as  al- 
aubijä  dos  Rliwandi);  Ta'hibi  S.  182,  die  Erzähhmg  des  Ringes  Salomos  = 
Hoseini  f.  134  a  (zitiert  aus  Ihn  Bähüjes  Schrift  al-ikmül);  Ta'labl  S.  236  scj., 
die  Geschichte  Jahjäs  =  Hoseini  f.  150  sqq.  (entnonnnen  den  amäli  des  Ibn 
Bäbilje);  Ta'labl  S.  242,  der  neun  (bei  Hoseini  sieben)  Monate  alte  'Isä  in 
der  Abcschule  =  Hoseini  f.  166a  s(|.  (gleichfalls  aus  den  amäli  zitiert); 
Ta'labl  S.  259/62,  die  Geschichte  der  Siebenschläfer  =  Hoseini  f.  179b/84a 
(aus  den  ki.as  al-anbijä  des  Räwandi).  Wie  diese  Zusammenstellung  zeigt, 
stinunt  am  meisten  Ibn  Bäbüje  mit  Ta'laln  wörtlich  überein.  Da  nun  Ibn 
Bäbüje  etwa  in  derselben  Zeit  lebt  wie  Ta'labi  (s.  oben),  so  sind  jedenfalls 
die  ihnen  gemeinsamen  Legenden  älter  als  sie.  Mit  Sicherheit  können  wir 
jedenfalls  feststellen,  daß  zwei  von  diesen,  nlimlich  die  Geschichte  der  as- 
häb  ar-Rass  und  die  Geschichte  'Isäs,  auf  schi'itischer  Seite  entstanden  sind. 
Denn  die  letztere  geht  auch  bei  Ta'labi  auf  den  fünften  Imlim  der  Sclä'iten 
Muhammed  al-Bäkir  zurück,  der  wegen  seiner  trefflichen  Eigenschaften 
freilich  auch  bei  siuinitischen  Theologen  in  hohem  Ansehen  stellt  (Goldziher, 
Vorlesungen  S.  223).  In  der  ersteren,  die  gleichfalls  bei  Ta'ial»  schi'itische 
Imäme  als  Tradenten  hat  wie  bei  Ibn  Bäbüje,  hat  nun  die  eingangs  mit- 
geteilte Anekdote  bei  Ibn  Bäbüje  eine  charakteristische  Erweiterung  gegen- 
über Ta'labi.  Diese  Anekdote  lautet  —  das  Plus  des  Ihn  Bäbüje  ist  in 
Klammern  gesetzt  — : 

C.'>6  (j-Jj  \^%  j^as.  ^\  Jj  ^J\   ^[^\  je  Jj^^i   jC^ji\    jy>\  l  JUJ  [^IJl 

■^\  ^  \^\  [  p^"-29  j'  j6  [jj-^^  J'  jj^^  J:^  j^j  .j^^  ^y^  ^J 

»Es  berichtet  'Ali  b.  al-Hosein  Zein  al-Äbidin  von  seinem  Vater,  von  seinem 
Großvater  'Ali  b.  Abu  Tälib  —  das  Wohlgefallen  Allahs  ruhe  auf  ihnen  — , 
daß  ein  vornehmer  Taniimit  namens  Amr  [drei  Tage  vor  seinem  Tode]  zu  ihm 

*    Hoseinl  und  die  Berliner  Ta'labl-Haiidschrift  lesen  J^/^- 

'^    Kor.  2540  50,2. 

^    Die  Ta'labl-Hs.  liest  besser  c^-^ . 

Mitt.  J.  Si-m.  f.  üricut.  S[jracLLn.    1915,    11.  Abt.  3 


!{ t        Au  ia:i.K:   Hil)!.  Lrgoiiden  «1.  Srhriteii  ans  dfin  I'rdplietciihiicli  des  llosciii'. 

kam  und  sprach:  «O  Fürst  der  Gläu})igen,  erzähle  mir  von  den  Ashäb  ar-Rass, 
zu  wt'lcher  Zeit  sie  Ichton,  wo  iliic  Wohnstätten  lagen,  wer  ihr  König  war, 
oh  Alliih  einen  (Jesandten  zu  ihnen  geschickt  hat  oder  nicht  und  woran 
sie  denn  zugi'unde  gegangen  sind.  Denn  ich  finde  im  Buche  Allahs  — 
mächtig  und  erhaben  ist  er  —  ihre  Erwähnung,  aber  nicht  finde  ich  ihre 
Geschichte."  Da  sprach  zu  ihm  'Ali,  der  Fürst  der  Gläubigen  —  Allah  habe 
Wohlgefallen  an  ihm  — :  »Fürwahr  du  iVagst  mich  nach  einer  Überlieferung, 
nach  der  mich  vor  dir  noch  niemand  gefragt  hat  und  die  (dii-)  nach  meinem 
Tode  niemand  erzählen  wird  [außer  auf  meine  Autorität  hin.  Nicht  steht 
im  Buche  Allahs  —  mächtig  und  erhaben  ist  er  —  ein  Vei'S.  dessen  Er- 
klärimg  ich  nicht  wüßte  und  an  welchem  Orte,  in  der  Ebene  oder  auf  dem 
Berge,  und  zu  welcher  Zeit,  in  der  Nacht  oder  am  Tage,  er  heraljgekommen 
ist.  Denn  hier  —  und  er  wies  auf  seine  Brust  —  ist  wahrlich  Wissen  in  Menge. 
Aber  wenige  sind,  die  es  suchen.  Doch  in  Kürze  werden  sie  Reue  emp- 
finden, wenn  sie  mich  missen.]   Und  das,  o  Tamimit,  ist  ihre  Geschichte  usw.« 

Meines  Erachtens  ist  nun  die  vorstehende  Anekdote  in  der  erweiterten 
Form  bei  Ihn  Bäbüje  das  Ursprüngliche.  Der  sunnitische  Sammler  —  sei  es 
nun  Ta'labi  selbst  oder  ein  anderer  vor  ihm  —  mußte  aber  notgedrungen, 
der  in  ihr  sich  ausdrückenden  .schi'itischen  Tendenz,  soweit  es  anging,  die 
Spitze  abbrechen.  Daß  ihm  das  freilich  nicht  völlig  gelungen  ist,  besagen 
deutlich  die  W^orte  »die  (dir)  nach  meinem  Tode  niemand  erzählen  wird«, 
die  ihm  weiter  nicht  anstößig  erschienen,  die  aber  unserem  Auge  ihre  schi- 
'itische  Herkunft  nicht  verbergen  können. 

Wenn  auch  nicht  durch  die  ganze  Erzähhuig  hindurch,  so  stinunt 
doch  in  einzelnen  Sätzen  die  Geschichte  des  Propheten  JJälid  b.  Sinän  aus 
dem  Stamme  der  Abs  (I.Ioseini  f.  187  a  sq.),  die  dem  Käfi  des  Kulinl  ent- 
nommen ist,  wörtlich  überein  mit  der  Legende,  wie  sie  bei  Ihn  Kuteiba 
(Handbuch  der  Geschichte,  hrsg.  von  Wüstenfeld,  S.  30),  Mas'üdi  (Les 
pr-airies  d'or  I,  S.  131  sq.)  und  bei  Damiri  (s.  v.  ^«Jl  im  zoologischen  Wörter- 
buch) erzählt  ist.  — 

Als  bemerkenswert  ist  noch  zu  notieren,  daß  in  dei-  dem  Käfi  des 
Kulini  entstammenden  Idris-Geschichte  (Hoseini  f.  21b)  Idris  die  Rolle  des 
Elias  in  der  Legende  von  Naboths  Weinberg  spielt.  DaB  sie  beide  auf 
wunderbare  W^eise  der  Erde  entrückt  werden,  hat  wohl  diese  Confusion 
veranlaßt.  Die  verschiedene  Namensform  des  Elias  im  Arabischen  (  ,-Ul) 
und  im  .Syrischen  (|A.J)  war  dagegen  jedenfalls  die  Ursache,  daß  in  den 
ki-as  al-anbijä  des  liäwandi  (lloseinl  f.  r20a  sq.)  verschieden  von  dem 
Propheten  Elias  ein  Anführer  von  400  Israeliten,  LDi  mit  Namen,  auftritt, 
der  allei'dings  auch  wie  der  Pr(jphet  den  König  crmahnt,  von  seinem  götzen- 
dienerischen Weibe  abzulassen. 

Den  Texten  möchte  ich  noch  vorausschicken,  daß  mit  den  Tradenten- 
Namen  al-Bäkir ',  as-Südik  und  ar-Ridä  der  fünfte,  sechste  und  achte 
schi'itischc  Imäm  gemeint  ist.  — 

•  Nicht  jJUl  -al-Bäkl«,  wie  Salzberger  an  einer  —  von  mir  leider  nicht 
notierten  —  Stelle  seiner  nachgeiianuten  Dissertation  liest. 


Aichele:  Bibl.  Legenden  il.  Sclifitcn  aus  dem  Prophetenbucli  des  Hoseini.       35 

Aus  Hoseinis  Prophetenlnich  hat  bereits  Salzberger  in  seiner  Disser- 
tation: »Die  Salomosage  in  der  seniitiscben  Literatur«  1907  einige  Legenden 
mitgeteilt,  ohne  daß  er  jedoch  den  Versuch  gemacht  hätte,  die  von  Hoseini, 
bezw.  Maglisi,  kompilierten  Quellen  literarhistorisch  festzulegen.  So  ent- 
steht meines  Eraciitens  ein  etwas  schiefes  Bild,  wenn  er  iiber  Hoseinis  Dar- 
stellung gegenüber  der  des  Ta'labl  urteilt  (S.  24):  »Der  bedeutsame  Untei'- 
schied  .  .  .  liegt  in  der  weit  größeren  Verherrlichung  des  Helden  bei  Hoseini. 
Von  einer  .Sünde  und  Heimsuchung  Salomos  ist  nicht  mehr  die  Rede.« 
Das  sieht  so  aus,  als  ob  die  zwischen  Ta'laln  und  Hoseini  liegende  Zeit- 
spanne die  Salomolegenden  in  der  Weise  beeinllußt  hätte,  daß  Salomo  je 
s[)äter,  desto  fröumier  und  tugendhafter  dargestellt  worden  wäre.  Darauf 
kommt  es  aber  für  die  .sagengeschichtliche  Untersuchung  herzlich  wenig  an, 
wann  der  Kompilatoi-  die  ihm  in  fester  Form  schon  vorliegenden  Legenden 
in  einem  eigenen  Werke  zusanunenstellt.  Wie  oben  gezeigt  ist,  gehört  die 
Mehrzahl  der  Quellen  Hoseinis  etwa  derselben  Zeit  an  w  i  e  T  a '  1  a b i. 
Salzberger  hat  eben  nicht  erkannt,  daß  Solomo  bei  Hoseini  ein  schi'i tischer 
Prophet  ist  mit  allen  Voj'zügen,  die  einem  solclien  von  Anfang  an  Aom 
Dooma  vorgezeichnet  wurden. 


Texte. 
I. 

Im  TafsIr  des  Ajjäsi  wird  erzählt: 
iSj\y^  -^^1  \rh'^  <->  "^^  ^^    l^l^l  jj^    .-^    ^Jj  (Hüseini  f.  112b) 

6j.i-l   \lx^  <Uy  (113  a)   J,l   pC-   ^^y>   ^>-jJ   'j\-^^\j   ^>U)lj  aLLJI   Las   j  ^ 

y'^  V  c^-?  *^y^  ojliU  (J  -*.i-l  _/ ^  UajI  (j^  iaÄ—  jl  j>^\    M^     U^ 
je-  j^\  c-iL-j  düjj  Ur^J  j>Js\  j  UUll  jIcj  ^U-   '•^\  ^  ^jVl  J\ 

1  Beide  Hss.  statt  ^S\y>^:  ^jIjj»-« 

2  Vgl.  die  Erzählung^ Kor.  18,69-8L 

^    Statt  4)^;  -  statt   1  ist  in  den  Hss.  beinahe  die  Regel;   ebenso  >   statt  c  • 

^    Statt  t_*oi^;  j^  anstatt  >    ist  in  den  Hss.  gewöhnlich. 

3* 


!U)        Aiciui.k:    Hilil.  I.fgPiulfii  d.  Scliritfii  ans  dfiii  I'in|ilictciiltiic!i  dvs  Hoseiir. 

Jl  V>ilj  J/-^^^  ^»^jVL*  *^-J^  J^  »j^  ö*  «-^^  c^  j^\»  i— *  '^^^-^ 

Qj  ^^j'\'\  j  ^-J^  ^'  »^-^1    Jl   -U-aj    y_/iilj    Jy~^^    ^^^    ^'-^  ^   ^«^   ^^ 
«.^^ji  -uit    CjjJ  ä^ä)l   «-^   c,^   ^^   -^   J-^1    i^    j\    J>"    j^\   j    *^1    *-«J 

lj  jl  ju  aJlc  lu  A»-lj  J^^UL-lj  ^^Lil|  ^  <^  lo   L.  ,^_^— 3  "UP  ^y\J 
llj"^  (1131))  Ui  ~  aXi\  «Cjo  (iAU  ^1  'lU.I«s  Lx  ^LJl  ^li;  /  iL-i'l)  ^y1:>cm 

IL 

j*   L-aJ   <i.j'_  jl  <.j  ^iL-  jsjb  Jl  Jls  j^  ^«Ul  jt  jl^l  jj  (130a) 

_J   «J^Li   <^U--  U  L_Jk^  viA)  j   C--AI*-  -^   Jus    JkA)_;\>-    Ollis    Je    öy>-Vl    LuaS     "^ 
^i    jl  As-V   ^'»j    Vj    Aii:;^   ^«    \J^\    4jt    4j^)l    ;»iU    i    ^Iw   (_$4J1    j\    jsjb   l 

^LJl  Iaa  jl  «üil     J  L  rcx^l  JUs  , 's-  ^  ^yis-  ^_jl-lll  ^j  ^liJ  ,3^  t^ 

Jls  J^'  L.  ^liA!  j«b  JUs  Jls  Jil  >«  -C«  J^lj  j_/^  •r'^J  jILj   J»-^ 
j*  dl)  ,«i^  jl  jjl^  L  «dl  (130b)  ^"  ^l  c^jls  ^'j  J«s  AS  <;i,  ^Ul  J\& 

-»i-lj  AJlJLj   "C-aCj  ^lläs  4;'lJLj  jj  ^UJl  1JU>  ollj      Ifr  j*5>t3l  Ttv^Ül    l-los»  jl   ^j«b   l 

'r' j^.  j\  t/*J  U.»^  yjliJl  (Jl  ^j  Is  'CiL.  »_JW  (j  l^sAs   x^Jj  ^1  j^«  jl  ^ 

Ai-lj    jU-jJl    ^    lüT   ^^y,    ^j     JiA     jl     o^J     jLl^Ül     Ol      ;»Sj1j     ^.uÜl     ^IC- 
Jt     Oli)l    ^^~i*lj     J^i-l     (-^^^b     '^^^     *-^     '*^J     ^.i»    jj*     -'^^     t^     '-'^    '^^ 

•  AÜl  cTjl  l« 

III. 

'^  i^.  J  cf^*  -^-^-^  J^  J>^;  j*-a^l  Jls   '.^r^  ä  J-«-^!  jcj  (1301)) 

jl  ^U-l  AS  ^ j  l  JUs  w»!^!  jijb  Ji-As  4)  l^'l    u^  <:u.  l-u.  *U.j  -Co,  1-v^ 


'    D.  i.  der,  von  den  Iniäniiteii  niclit  anerkannte,  siebente  Iniani  der  Ismä'iliten. 


ArrHKi.F:  Bibl.  Legenden  d.  Schfiten  aus  dem  Prophetenbucli  des  HoscinT.       37 

oj  l;  J^  ^^^i  (131a)  jsjb  Ji-AJ  ^Vi  UlLi^ij  <äx  yj~s>j  aI^  UÄi-lj 
U  jJ  «J^  J  C^^ ijJi\  jl  Ol  ^'  «Uli  t^jls  oXs^  l:  J^'i^l  |y^  ^-^   -^ 

.oLi-l   ^^   ^^    io-l    jl 

IV. 

^.  "^  t>   J^   jL  ^1    ^    [^J\    j,    j_^Jl   J   JjA^l    ciJJ  (131b) 

jjb  ->«ia^  -l^~^  c/*  »-l/ -  ^  cr~^^  -^'*'  ^-^^■^  i}^  ijr^^  ^  y^^  il  (3^, 
J^\  jlkJ  e^'l  (j  r-,/=^  jl-^l  Jl  (132a)  j^yi  TT^r^  J^\  -^^  fisj  aJ^J^ 
j  1^  :>jb    Ai^l»     jl.-^   ü'    iiJjl   jb  j   j^^l  -i^Ä-i   <Ai5  j  -U<aJ  ^Ja-J|   Jl 

J  lijjl  ^>*-l  -^  j^  ^ly  ^u:^!  J^'  ^'  J~Ä~  \j^\  '=\y\  bis  j;^ÜI  yi 
j6yLll  Ljjl  ^9  (.JiJ  ^_j^^l  fUl  Ljjl  ^A9|  jl  «L^U  Jl  ^.j^i  «Clj^^p  ^^ 

^jjj  IjjjI  Jcii»  ^IäS  o^  1^1  ("Ul  <«^  (jl   Ä^IT  <J|    u^*53   JSjb   JP   c^i   .^.«-aS 

Aä!  '  j_^>.|j  aJI  ^Ij  41  dl  Jlij  «C^  jt  e-u  pt  or^  Jls  '^^li/*!;'  -^jl-s 
aJLs>-Ia)1)  -r   ./vÜI  yi  J  rj»-  j^  ^TjLa   jjl^l   Jl   -Uli   tUi'l   ^j^   U.'   jA-j' 

jl  y^  uIi  jsjb  jl  s^3  juj  <dja^  c.;i^ii  -üii  j^j  (j_  i  juj  j«aHj  y 

ij^^^^  j^'^l  "^'1  J^j  >■  -^1  «^^^  "^  )^l  ^  ^=*-  J-'rJ  j^  -^^  (3^  ^ 

\.'^jS\     JUJ    SA>-|j    4j>c^     Jj    4Ä«i     j_^-~J     A-J     a!    cf'l     1-^    jl     -i»lj-^l     e-lj-^ 

Jlj^^dUU  AiJ  JUs  -Ot  ^III  (132b)  Jp  p^  jjb  J^  V^\  j  J>-? 
J^  Aip  (J^aII  jt  J-i  ij  dUj  jp  öiJl  ^-dl  JL.^  1  ^«b-U  Jl  di::^«; 

1  Statt  y-'. 

2  Bei  Talabl  lautet  der  Name  jl>^,   bei    Masudi   jl^-     Letzten   Endes 
wird  die  «chwankende  Namensfonn  auf  innr,  11.  Sam.  11,3,  zurückgehen. 

3  Kor.  2,  151. 

4  Kor.  38,  2  L  22. 

5  Kor.  38,  23. 


!^8       Au  hki.k:   Hibl.  I.efjoiiden  d.  Sclii'iton  uns  Hoin  Proplieii'iilnicli  des  Hoseini. 


V. 

j^  ^^^\  \:i  ijC.  -vJU^ili  ^j  JUVb  JUSVI  jj  (1321.) 

j ^  '}\  */  Ijl  ji^  J^  j'^  V**   C-^    '-''■^  ry"^  (133a)  :>jb  j\  Jls  p£^  J^LaJl 

J^  c5r'^  J-  S^  -'^3  "^  «^.jW  VI  ^w  ^(^  ^>  Vj  ^=--  Vj  o^  ^^  V 

ol^-^lj  J^  tiJ-^  ^  ^  o^'>"  '\i  --^^   -^y  ^  S^\  ^i  J^  b\s  c.^- 
jl  J  jii-'l  o^>  L;  :>ib  JU3   J^li-1  Ji\   Ua  JUi  4,^1^  aIi    Ic    ^Ij  ^UJl 

aJ\  e-U-?l_«  Jijb  -^    Ä^lj    J>-i;>-    ^'ß    ^-'^l    c5-'^-^J    "aLLJ^    Jijb  Jl«"    V     J-i}*" 

<j  c^l  Ijt  .^>J1  dlLU^  ^l^  JUs  V  Jli  iaä  iLL^  o*^  ^U  jjb  a!  J^ 
^-•.:>t:v?-  «ult  Ai-b-  li^  ^  f^  bis  v_^i  *c-  ^1   j»b   J^-*i   Jls   ^   U   3'^^ 

cj^  (jjj\  ^\  V:'  bis  jjb  Ij'^  ^.o  o  joA^  j,  ^^  lilj  '<:\i  ^liicj  <Jl. 

ob  J^  3\ffr  ol^ij  jU_4!b  j^ba  ^jU-J-lj  ^\j  '^\ß\  jU  jl  <^^ 
•^y  cT"^^  '-*:^.  0^-^  ö*  blc  jsjb  J:^j  jl-»"Vi  ^jÄ*  (jj  LJ-\!Ii  ^_  yj 

/>;  Jl5  ^l  \^3  l-J^  »1^1  1-J^  l-J^AJ  c54)l  Jli  :>jb  L'l   Jli   C-;|   ^>5  ^l- 


'    Kor.  38,  25. 

»    Pet.  78  «cLLi^. 

*    Besser  wäre  wohl  C— 5>-ls  zu  lesen. 


Aichele:  Bibl.  Legenden  d.  Schl'iten  aus  dem  Proplietenburli  des  Hoseini.       30 

VI. 

J\s  Jül  ^\>j\  J^  \  ^\  t-i  y^J\  J^  j^\j  ^^\'\  jj  (150a) 
^\Jj  a1  Jläs  \j^  \sj>-  «^(^1  J'^  L»^  ^ll\,  dUic  jjT  Jl^  l  jJTUi!  -ri^ 
k_^^  Lj^V  jli"l  ^J  Sj_^^  ^J->  j^  ^ß  [  "^^^J^  1-^  jltr*l   oji^l 

Jli    (tT    Ij'-i    *^.J    Jls    -^    V^       _r*-^^    6.^^    je»    ^y^    J^«Jl    v^lj     C-'ljJ     J  »Jl 

Qj  ^  ^^  j\^\  vjTj  Q  Jls  Uy._  J,j^  Wc^^  V  OjJ^l  ^Ij  Jli 
(.^  L^\!  Jli  ^  <>ß\  L  V  Jli  \jy^\  j*  l-J^  J^l  f^  -u^-^J  ji;!  v^lj 

frW  4j   ^jk^j^      (>oIDj   Jli      aJIJ  Jli    ^jÜ   4)    (Jl    *«;    Jli   ^1      L?>Ä^    "^J"    <-^ 

4-i-  J-»^  Olj  A5^1  r'c!'*^  l/*  ^^j-* — '^  w"^^lj  jljli  J^  ^  jUJl)  aAsI 

,_;llSJl  ^^_  ^-üll  Oai  >_jl^p-  -U)  JoA»-  ^llX.   IIaTL  j^\  (J  J'^  l-^    „r^l  l5 

.^Jy  ^^  Vj  3yr^  *^^  JI5  -^  oj5l>-l  ^\j  Jli  -^^  ä'i'J  ^-^  <\f^\  d\j^\ 

VII. 

ol-^i  -OiJI  ^j  L.  Jli  J^iLall  ^c  ^c^  jLL-1  ej^"  j  ^^!l  j^jj  (175a) 
p^_it  ^^__  jl  ^i  ^l)i  j_j>^Li  ^*>CVI  Ji  fy-^  cr^y.  cl^-i  (j-i^.  fy  ö^  VI 

A)Ul  jl^  ^UjA^l  ^Vlj  Is»^  l*A^l  ^l  jl^  IlcJ  Alle  j'>^=rj  pv;^  jl^ 
«üJI  Jli  p^it  PJÜ"  V  J>ij  «Vi  f^^  J6  fn:^  (175b)  «.IcOll  ^_c._  Ji^  j^^_ 
j-Ji  IUI   Jy  J-i    ij  j^Ul  Jy   ^Ui  oU    JM;b  1^_   Vj    ^    vf!^^ 

l-j^  f^  j  l-^  l^V^  j  ü'G  l-^^  j  ol^l  p^''l:  ^l  -^l  c^jli  pv:^«^ 

j  jl^llü  1^9  lull  J.J  ,^^Ul  ^  p:^_  Jo  ^_y_  ^^  wijJ^  ^^  llü  lJ5j 
^iJuJl  Iß  iS^_  aUIs  4ASl  Ji  l^jil  ^y  l.  iU\  p^  JUi  ^.U«)l  Jj;  p^^Jl  dl!i 

JoVl  t>.j  JVjVlj  «-^l  (>!  !>*Si?  ^-^^^  J^  '^^^  ^^  r^  ^-ii^l^jSUi  ^ 

1  Vgl.  Jesaja  21,  7. 

2  Ich    konnte   die  Stelle  dort  nicht  finden.     Sie  ist  aber  wohl  auch  nur  eine 
Konfusion  von  Habak.  3,4  und  Jes.  21,7. 

3  D.  i.  Habakuk. 

*   Hab.  3,  3  und  3, 15. 
^    Deuteron.  33,  2 . 


10       AicHKi.n:   Hibl.  Legenden  d.  Sflii  iten  aus  dem  Pruplieteiiljudi  des  Hoseiiii. 
\^j  \^j^  \y'^\j  l/Tl  /  UjVjIj   ^1   O'^J   Uj^jlj  Jl}]   j^j   U^Vjlj 

ji^Ajj  jii-i  jt  ^lÄJi  jyj  ^i-j-)i  pv^t  j^^j  -üsi  p^a-y  i/Tj  )^j  dUi 

A)  LöU«  <^j  it  ^j  ^>-^^,  i_-^9  «^  '^^^r  (_H^,  j^:^.  ^^^  (*^  J^l  ^ 
^^  L-lit  L'^:^  ^i  o-i  '^1  J^l^^  Jl  ^'1  J^  '-üJl  ^5^  1^(176 a) 
o\j  j>xIä9  Oj'^i  '*J^   j^-^  4.1jLJ(  j^y'  jLaS  f'J^  L^^    ^^  .^r^    CjLJI  j»y,ic- 

4;^J  Oj.'-l  <^'\5  ^r*tJ^  ^  e^lj  «^p^'^lJ  ^jCzs-aII  ^  jl^  V'Li  ^_1>-J 
pt   JläJ   ^-^jVl   jÜaJl  ^U»   j:>z^   ^     'O^^^    J^^    •^>:'^    (J^    (_^   -^J    «-^^   (j 

j^  J'.  J^  ^v="  f*  r->^^^  ^^  <-^-*^  '*-^  j  ct'^-  ct:^  <^-^^  o^-l  «^'1 

^  '-'^13^  er  o^y.  u^^^  ^-^1  l«'!  ^>i  Jls  CJ\  j^  jjjli  J^  f  oj^'^ 
fj^J^  v-jj J^  c^  ^  Jls  ^^  O^ij^*  Jls  Jir^  ä  cr>«  "^  V— ^1  J«-*-^  ol»^ 
jl/-  C^  '^^^i^cli  li  JÜ  diu  JÜ  jl/^  ä  jj^  A._^  (f.  1761))  JP 
lÄ^i  Ij  jjjl»  JlÄJ  -^1  j)/^  Jl  (>•   J!    ^   d'lv^*   J^   J   C^^^^   slJl^  Jl 

l.'-\!l  ^M  ^lÄJl  «Ct  »5^_  jl  4,  J^l  ^1  ^\^  düi  4^1  jGi  j|^  Jl  Jp 

,_^j  -ii^    ^^l   o^l-   J^  '^'^'    d^l^lj    4)    •^\    ._;Ul-ls    '  jfvilii)l    J^    Ji^O 

'    Kor.  21,  87. 

"^    Hier  müssen   ein    paar  Worte   ausgefallen   sein,   die  besagten,    daß  er  ein 
Schiff  bestieg. 

3  Kor.  37,  141. 
*    Kor.  37,  142. 

4  D.  i.  'All. 

"    Der  Name    ist    in    beiden  Hss.  unvokalisiert.     So    finde  ich  ihn  vokalisiert 
in  der  Überschrift  eines  Gedichts  des  'Uniar  b.  Abi  Kabi'a,  Nöldeke,  Delectus  S.  20. 
">    Kor.  21,87. 


AirHELK:  Bibl.  Legenden  d.  Schfiteii  aus  dem  Proplieienbuch  des  Hoseiiii.       41 
I^jÜ  C-1«1  ^^   kl^b  V  _J^  AJy  y^J  -^    ly^lj  "^^^  (Jl   /*^J-J  '^•^  ^  ^^  -Lr* 

VIII. 

Jli    Jli    pi^    J^Ul    ji^    ^   jlL-l    jl^l    j    ^_5XC!|    ^^j^    (174a) 

13^  ^UVl  ^  ^  ;i^l  jb  "j-l  Vj  a!  ^1  V  ^,  j^  JLM-^  J\  > 
jj)_-us  L4J  jl^  jL^^  aJ  jb  Jj^fl^l  ^  iJ^jL  j^  Isi«  jlj  <^j  cuj?  ö_;0^ 

J>>^1  t:^^  2"  V^  lj2=^  ü^i/^^"  ^-•^--=!^1  (jr^^  "-^^^  '^>*^  <J^  i-^  ''^ 
l^  V^  o>\s  U-^äj'  ^  \A^3\j  ^\^\  ^•2-^  ^i."^^  "^S  'c^\  jLi>lä)l  jl^ 
Uiu>-1  U  "^^l  olUs  di>^  ^*  lj!l  dUJl  Ax  «iAit  J-^^  j«i"  i  ^  -üilj 

(»U  <i''>C  -u  ''Uj^jl  tT'-'j  Jj-^  UxJ^  jl  L^  JläJ  L^cj«  ly.   jl^  «ui-  l^ 

j  iJjCi^  L.  ojj^  di.lil  J\ij  dDi  j  (i74ij)  ^U)l  ySli  viA)j«  \.\s^  \x^  A9 

Jir  1  jl  ^'li  CL-  Js  aJ  Jlij  \cft-^l  j^^  jT*  1ä5j  1ä5^  ji^  Jl  e^^ 


»    Kor.  37,  146. 

2  Kor.  37,  147. 

3  Kor.  10,  98. 

*    Der  Text  ist  unvollständig.    Der  König  muß  erst  seinen  Vertrauten  bitten, 
die  Reise  zu  machen,  ehe  dieser  seine  Maßnahmen  trifft. 
5    So  beide  Hss.  statt  UL^-jl- 


|"J        Auhki.k:   IJibl.  Lt-gciidt-ii  d.  Schriten  aus  dem  Propliott'iil)ucli  dos  IIosciiiT. 

•jjj  Jls  1-J^  \^  ^y  j  J\s  o}3  J^  j*>^  0".  0^^  (^  ^'^  0^  (^  ^^ 

A.^1  jui  V  u  a)  J^  >Vi.  Myuj  aji^  ji  o^^:>j  >vi  iyi*j  4;i^  Ji 

O-^J  Jls  j^  ö""  j*>^  ^  Jls  j-  ^  Jls  \^3  ^-^fX  '-'^  ti*  ^^  '-'"^  V^ 

L    jjjj    \J^    ß\    4jül    JUb    JUi    0.-U    1<*A=-1     v_JU>J     1  Jij     1 -O      nJ^y,     Jlj 

^.^l:i  jL*>Ul  Ul::^^  uTUiii^li  jv^^Ül  Jl  o^  «_;J-l^  b^U  ^1  Jl  (i75a) 

IX. 

<v;Ü  /^  2  JjUI  jp  <^J  jp  UJI  ^  JUVl  j  ^=aJ1  ^c,3^3  (1521)) 
^Ax   O^^^  ^uJl   i^\  ö*>  j\  Jl  pi^  ^:\  j-^  ^j^  "^'"^^  J^    'Jb  ^j^\    jl 

ö_^.*  1)1  L  ^^  a!  JIäs  Lyj  ^j-  ^_^*=*^  "<^  ^-Jl  -^-^1  (^*  -*^li  ^y^,  Aj  (v^^Ljj 
j\i  cli  L  ^i  ^  ^Sl  jl  jl  ^  b^  ^.iicl  c^l  a!  JUi  V\^  ^^  J  J^ 

dU-_pt9j  lIjoLa.  ^  ^_^'  jl  ,_^\  ^  IjU  ^  J^  o\j   y>\  j  tilaJl^   j^c- 

^  %ljU  j^  ^.  12  \5*>\i^l  ^U  (153a)  Up  Jitlj  ^j!l  ^ii:v  <a.  j  aJ 

<J-    Vj    ^i    >\,     1Aj-1j    \J\aC^    V^^    Ji_»LLo    4^J    <)'IL-1    lilj    V_^    jlii^Ä^     eilt 

4iü-  <«L»\j  A^^il^  "^^i^  ^i\j  «t'^-l«  (j  jIjwj  oj-Uj  ^j  jIa)  x\  *^> j\  aJj 

^^W   Aäin«   ÖJoAs-    'UaJl    (j    ijlj   *Ja^    ^J\ j    ^J    Uit    ^j-^    eX-     iilj    j\_J^Vl 

<ju-^l  oÄ*  JUs  c:iL-j  j  ^_^1  ^Äkll  oJjb  L.  4)  Jls  pt  ^  A.l'l'''  uAs  *-j>^li 

1  jjfc  \i  aJ  J'lJi   L^      --Ü1   jrlJlj   ly."^    >co    ^i'  ^Js"    A--a)l    ^--ai"  öj^l   Jljr"  V  t-\^\ 

*   So  statt  lj»U- 

2  über  das  Suffix  vgl.  Reckendorf,  Die  syntaktischen  Verhältnisse  des  Ara- 
bischen §  102  (S.  256). 

'  So  lesen  beide  Hss.  Die  Worte  geben  aber  keinen  Sinn.  Meine  Über- 
setzung gründet  sich  auf  die  mir  von  Herrn  Prof.  Reckendorf  vorgeschlagene  Konjektur, 
c 


Aicrki.k:  Bibl.  Legenden  d.  Sehnten  ans  dem  Prophetenbuch  des  HoseinT.       43 
j_^lj    JÜsj   ^'^j*^J   ^_jj    jy^   J^   öJJ   jf  ^    IJjfc   JIj    l'x-    (_$4!1    OtrT^ 

bis  j^A,  Li  ^r-_^^  4r"^  'CjälL-^  Vi  prjj~^  L^  j^U>J  c_^l  jlj  iS^j^3 
^j  '>^,[^\  ^y>^  ^  t>)  ^j  ^»■^.  ö^  C^.  ü^  <-jJ^\  *4Ü>tI-l  (153!))  o^»*— 

CoU'j  frUJl  Jl  Oj-^  (V'-^J  ü^^l  ^^y^-^  (3^  C-«^!  li:l  J\d  (^JcLa-j 
jC«yi  l^:i  ^y\  ly._  Jls  «i^Llj  Jt  Jl  «üaJl  öJu  LS  ^  ^S  JUs  J^_  ^_^' 
^^  Jli  (>i-U5l  oy»  ^^1  »-V.  J^  ^*>^Vj  c^^'^  ci^^  ÖA.jJ-1  öl*  li  Jli 

.Jüj  ju.  <Jl  ^W  lir-^  <  »^1  ^  ^^^  7^-^>\  V  <jl  1-H^  'lül  ^L^l  llj  ^^1 

X. 

ö^-JäJ^Ö    l^Jp-   4*^   v_Ja»-    J,l    jUJl    ^^y    -Uj»?    J^l    l^Jtt   -U-^l       ^brJl    C--\.>- 

»-^  l^J  ^r-^j  C^  J  ,^^  <*»-L  o    ^  •1^*3'^  ^_pt*-  l^.L^ls  jul   <i   ,_Ur^   >■ 

jjJl  ^  j  jUi  (^jLaiH  Ajj,'  dDi  ^U-1  j^  l^-^ls  <>-_^  j  i>*-^j  ^13>=r' 

XL 

^Jl  JUJ  ^^^^  Jl  ^ai  ^U  Jli  ^  J^»  j«^  (^^jU^  <S3J  (lö4b) 

i2>_LU|  Jy  j^  dl^*  ^^Is  ^xL'l  Jli  J;  ^^^  Jli  j_^l  ^  dAil  ^_;r 
jl  liXj  j-ü>  ^  ^^^  l  ^_^xtl  Jlij  A.J  k_j^  V  -*-Jl  jl  «-^_j  (_5-;t^  Jl^ 
jp^  ^-^^,  V  d=Ti  C^  ^  ^^  jl  J^  l^L^^JzJlj  «Lk-  j  (j^jVl  J>-^_ 

.JA  "^  ^  t^^^-? 

'    So  beide  Hss.     Zu  lesen  ist:  "^J*^" 

2  ^   in    der  Bedeutung   «Allah  im  Gericht  gegenüber  treten"  ist  koranisch. 

Vgl.  Sure  6,  31  und  passim. 

3  Vgl.  Kor.  19,  2.3. 


11        AuHKi.t:   Bibl.  l.fgcndeii  d.  Sclii'ileii  ;mis  driii  I'iopli.-toiilmcli  dos  Hoseiin. 

XII. 

'^^  J^j  ^\  t'lj  '■^  J  (168a)  ^x)j  ^c^\  j>J  öl^l  ^[^  oy:__  4!j  Vj  ^-Ä^^ 

XIII. 

llul  ,Jda)_  ^\J^   U*>_   •^Jb   ^^1   "^    -^^   r^   t5^;^   j^   (^JJJ   (168a) 
^^Ä^  y>  \i\&  ly^t  :>^  °\y\  V'  ^^^  ^^"^  "H  (>•  ^'*t^    "^   '^-•4/  '^^   '■^ 
^J  l5J^  "-v^  J^'  C-W  ^_^H  Jlij  "ulc-  oX    ^^  -^1  <^  \i\*  ol'ls  J-;»-  ^ 
^5ll  ^_j)_  JÜ>-j3V  J>J  (_^J  S^^^  J  -^-J^  "^^  ^  ^^  ^^^  c^J^  J  J*^' 

Ua^I  ^^^..fly:*  ^_j>_  ^Ic  vJV\  ^jl  ^c/^  j  i>*»^Vj  c^-^_  W^Ä^  ^J^^  ^.^ 

XIV. 

^j'j)i\  j-^j  öU-^x  ^L*   ^cJi^j  ^W-  ^^^^  (J/  ^_5-jlC.  UJx^  4_Lij  (168a) 

JliJ    «VtU   öiJ    ^otia-i»lj    iUi-Jkl   ^cjjÜl    ^jS    J-V^    <^    '^j\    r-4^\    ^_5-^     J^ 

\i\  Lju,  JlÄJ  ^j  ^  ^^^  «\^  J.*jo_  J*^  *Iä9  J^V^  aJi  .i.jj\  ^1  ^_^\p 


XV. 

*^^  ^^^  j',  J\i  -C«  ^_  ,„^j  ^  jÜl  nß;  j  oj  ^j^yi  c^jj  (168b) 

^^^-At  JUi  U^  jX^  jl  ,^5-^  Ü  jjj;^  ly^^x:-  p^  IjlläJ  ,^5-JiC  Sj_^  Jp 
r-_/>cJ  l"\  '^^^^-^-y-  <■*— ■!  ^*  d^j  J^äj  ÄjJ-l.  >.^1  aL>  -UJu   t^^^  J-»  4.^l^V 

.tiAli    A^fci      -j^    >5-''^    "^^     -^'JJ    e^-i-=>J    oJCSj    ojJ^l»    (C*-*^    u'i    J*^    (^M 

So  beide  Hss.     Ich  nehme  an,  daß  der  Name  aus  ^^j^  -Sergius«  ver- 
schrieben ist. 


Aichelk:  Bibl.  Legenden  d.  Schfiten  aus  dem  Prophetenbucli  des  Hoseini.       45 

Übersetzung. 

I. 

Der  Vogel  Muslim. 

(Zu  vergleichen  ist  die  Anekdote  in  Taharis  Annalen,  Band  I  i,  S.  424.) 
In  den  Büchern  einiger  unserer  Genossen  (steht  gesclirieben),  daß 
unter  den  Reh"quien  eines  der  Messiasjünger  ein  Blatt  gefunden  wurde,  wo- 
rauf eine  Schrift  in  syrischer  Schreibweise '  stand,  die  aus  der  Tora  über- 
setzt war,  folgenden  Inhalts: 

Nachdem  Mose  und  JJidr  —  der  Friede  sei  über  ihnen  - —  wegen 
der  Angelegenheit  des  Schiffes,  des  Knaben  und  der  Mauer  in  Zwist  ge- 
konunen  waren  und  iSIose  —  der  Friede  sei  über  ihm  —  wieder  zu  seinem 
Volke  zurückgekehrt  war,  fragte  ihn  sein  Bruder  Aron,  was  er  von  IJidr 
erforscht  und  was  für  Wunder  des  Meeres  er  gesehen  habe.  Da  sprach 
er:  »Während  ich  und  Hidr  an  der  Meeresküste  waren,  da  ließ  sich  gerade 
vor  uns  ein  Vogel  hernieder,  der  einen  Schluck  Wasser  in  seinen  Schnabel 
nahm  und  ihn  gegen  Osten  spritzte.  Dann  nahm  er  einen  zweiten  Schluck 
und  spritzte  ihn  gegen  Westen,  dann  einen  dritten  und  spritzte  ihn  gegen 
Himmel,  dann  einen  vierten,  den  er  auf  die  Erde  hinspritzte,  und  dann 
nahm  er  einen  fünften  und  ließ  ihn  wieder  in  das  Meer  zurückfallen.  Wir 
gerieten  deswegen  in  Verwunderung  und  ich  fragte  Hidr  darnach,  aber 
er  konnte  keine  Auskunft  geben.  Da  gewahrten  wir  einen  Fischer,  der 
fischte.  Der  schaute  uns  an  und  sprach:  ,Was  ist?  Ich  sehe  euch  da  in 
Nachdenken  imd  Verwunderung  wegen  des  Vogels'.  Wir  sprachen :  ,Das 
ist  es'.  Er  sagte:  ,Ich  bin  ein  Fischer  und  habe  (darüber)  Kenntnis,  und 
ihr  beide,  ihr  Propheten,  habt  keine  Kenntnis'.  Wir  sprachen:  ,Wir 
wissen  nichts,  außer  was  uns  Allah  gelehrt  hat'.  Da  sprach  er:  ,Das  ist 
ein  Meervogel,  der  Muslim  genannt  wird,  weil  er,  wenn  er  schreit,  in  seinem 
Schrei  das  Wort  ,i\Iuslim'  hören  läßt.  Mit  dem  Spritzen  des  Wassers  aus 
seinem  Schnabel  gegen  den  Himmel  und  die  Erde,  gegen  Osten  und  Westen 
hat  er  darauf  hingedeutet,  daß  nach  uns  ein  Prophet  gesandt  wird,  der  den 
Osten  und  Westen  Ijeherrscht,  der  zum  Hinunel  emporsteigt  und  in  der 
Erde  begraben  wird^.  Dami^,  daß  er  das  Wasser  ins  Meer  spritzte,  will 
er  sagen,  daß  das  Wissen  der  Weisen  neben  seinem  Wissen  ist  wie  dieser 
Tropfend  Und  sein  Wissen  wird  erben  sein  Nachfolger  und  Vetter*'.  — 
Da  ruhte  der  Streit,  in  dem  wir  uns  befunden  hatten,  und  jeder  von  uns 
schätzte  sein  Wissen  gering,  nachdem  wir  uns  selbst  bewundert  hatten. 
Hierauf  entschwand  der  Fischer  vor  ims,  und  wir  merkten,  daß  er  ein 
Bote  war,  den  Allah  —  erhaben  ist  er  —  zu  uns  gesandt  hatte,  uns  zu 
belehren,  weil  wir  Vollkommenheit  beansprucht  hatten.« 


^    Ü.  h.  iu  der  sog.  Karsünl-Schreibung. 

2    Das  kann  ursprgl.  nur  auf  Jesus  gehen,  ist  aber  hier  auf  Mubannned  um- 
gedeutet. 

^    Erg.:   "im  Verhältnis  zum  Meer». 
'    D.  i.  AI:. 


4G       Aichkle:  Hibl.  Legenden  d.  Si-hfifon  aus  dem  Prophctenbucli  des  Hoseinl. 

David   als  Rieliter. 
II. 

Im  »Kfifi«  wird  auf  die  Autorität  des  Bäldr  liin  —  der  Friede  sei 
ril)er  iliiii  —  ei'zälilt,  uie  er  sprach:  David  l)at  seinen  Herrn,  ihm  ein  Ur- 
teil des  .lenscits  zu  zeigen.  Da  oflenharte  ilim  AUäh:  «0  David,  das,  wo- 
rum du  micli  gebeten  hast,  habe  ieh  noeli  keinem  nieinci*  Geschöpfe  ent- 
hüllt, und  es  geziemt  auch  niclit,  daß  jemand  außer  mir  (h-inacli  lu-teilt«. 
Das  hinderte  ihn  al)er  nicht,  AUäh  nochmals  zu  bitten,  ihm  ein  Urteil  des 
.lenseits  zu  zeigen.  Da  kam  (Jibril  zu  ihm  und  sprach:  »Du  hast  deinen 
Herrn  um  etwas  gebeten,  was  vor  dir  noch  kein  Prophet  gel)cten  hat.  O 
David,  worum  du  gebeten  hast,  hat  Alläli  iu)ch  keinem  seiner  (Geschöpfe 
enthüllt,  und  es  geziemt  sich  nicht,  daß  jemand  außer  ihm  darnach  ui-teilt. 
Al)er  Allah  —  erhaben  ist  er  —  hat  doch  dein  Gebet  erhört  und  verleiht 
dir,  was  du  gebeten  hast:  Das  Urteil,  das  den  beiden  ersten  Prozeßgegnern, 
die  morgen  vor  dich  treten  werden,  gesprochen  werden  soll,  wird  ein  Urteil  des 
Jenseits  sein«.  —  Als  am  andern  Morgen  David  im  Gerichtssaale  saß,  kam 
ein  Greis  mit  einem  Jüngling  am  Arm,  der  eine  Weintraube  bei  sich  hatte. 
Der  Greis  spracii:  »O  Prophet  Allahs,  dieser  Jüngling  drang  in  meinen 
Garten  ein  und  verdarb  meinen  Weinstock  und  aß  davon  ohne  meine  Er- 
laubnis-. Da  sagte  David  zu  dem  Jüngling:  «Was  sagst  du?«  Da  gestand 
der  Jüngling,  daß  er  das  getan  habe.  Aber  .Mläh  —  erhaben  ist  er  — 
offenbarte  ihm:  «O  David,  wenn  dir  das  Urteil  des  Jenseits  enthüllt  wird 
tuid  du  willst  darnach  zwischen  dem  Gieis  und  dem  Jüngling  richten, 
so  wird  es  dein  Herz  nicht  dulden,  und  dein  Volk  wird  nicht  darein 
willigen.  Dieser  Greis,  o  David,  fiel  über  den  Vater  dieses  Jünglings  in  dessen 
Garten  her,  tötete  ihn,  nahm  ihm  seinen  Garten  und  raubte  ihm  40  000 
Drachmen,  die  er  an  der  Seite  seines  Gartens  vei-grub.  Reiche  darum  dem 
.lüngling  ein  Schwert  und  befiehl  ihm,  den  Kopf  des  Greises  abzuschlagen, 
und  üljcrlasse  ihm  den  Garten  und  lasse  ihn  an  der  und  der  Stelle  im 
Garten  graben  und  sein  Geld  an  sich  nelnnen.«  —  Da  erschrak  David 
darüber  imd  vci-sammcltc  die  Gclehiten  seiner  Genossen,  setzte  sie  davon 
in  Kenntnis  und  führte  das  Urteil  aus,   wie  Allah  es  offenbart  hatte. 

111. 

(Diese  Legende  wird  ebenfalls  aus  dem  »Käfi«  des  Kullni,  im  unmittel- 
baren Anschluß  an  die  vorige,  zitiert.) 

Von  Ismail  b.  Ga'far,  der  erzählt:  Es  stritten  zwei  Männer  vor  dem 
Propheten  David  wegen  einer  Kuh.  Der  brachte  einen  Beweis,  daß  sie 
ihm  gehöre,  und  jener,  daß  sie  vielmehr  sein  Eigentum  sei.  Da  trat  David 
in  die  Gebctsnische  und  sprach:  »0  mein  Herr,  für  mich  ist  es  zu  schwer, 
zwischen  diesen  beiden  zu  richten,  drum  sei  du  der,  der  richtet.«  Da  offen- 
barte Allah  —  erhaben  ist  er  — :  »Geh  hinaus,  nimm  die  Kuh  von  dem,  in 
dessen  Besitz  sie  ist,  und  gib  sie  dem  andern.  Jenem  aber  schlage  den 
Kopf  ab.«      Da  schrien  die  Isi-aeliten  und  sprachen:   »Dieser  hatte  einen  Be- 


Aiciikle:  Bihl.  Legenden  d.  SchT'itcn  ans  dem  Proplieteiiimch  des  Hoseini.       47 

weis  und  jener  hatte  einen  gleich  kräftigen  Beweis,  und  am  meisten  An- 
recht, sie  zugesprochen  zu  bekommen,  hatte  doch  der,  in  dessen  Besitz  sie 
war.  Und  nun  nahm  ei"  sie  von  diesem,  schhig  ihm  (sogar  noch)  den  Kopf 
ab  und  gab  sie  dem  andern.«  —  Da  ging  David  in  die  Gebetsnische  und 
sprach:  "0  mein  Herr,  die  Israeliten  schreien  wegen  des  Urteils,  das  ich 
gefällt  habe."  —  Da  offenbarte  ihm  AUäh  —  erhaben  ist  er  — :  »Der,  in 
dessen  Besitz  die  Kuh  war,  traf  den  Vater  des  andern,  tütete  ihn  und  nahm 
ihm  die  Kuh.  Aber,  wenn  (wieder)  eine  derartige  Sache  vor  dich  gebracht 
wird,  so  entscheide  du  unter  ihnen  nach  deinem  Gutdiinken  und  bitte  nu'cl; 
nicht  (mehr),  unter  ihnen  zu  richten  bis  zmn  (jüngsten)  Gericht.« 

IV. 
Davids  Sünde. 

(Durch  diese  Anekdote  werden  die  Ausführungen  INIas'iidis,  Les 
prairies  d'or  I,  S.  109  f.,  treff'lich  illustriert.) 

Es  überliefert  Sadük  '  in  den  »'ujün«  von  Ridä  —  der  Friede  sei 
über  ihm  — ,  daß  er  an  'AH  b.  Muhammed  b.  al-Gahm  Fragen  i-ichtete  und 
sprach:  »Was  sagen  denn  die  Leute  auf  euerer  Seite"  über  David  —  der 
Friede  sei  über  ihm?«  Er  sprach:  »Sie  erzählen,  daß  David  beim  Gebet 
in  seiner  Geljetsnische  weilte,  als  sich  ihm  Iblis  in  der  Gestalt  eines  Vogels 
zeigte,  der  schöner  war,  als  ^'ögel  zu  sein  ptlegen.  Da  unterbrach  David 
sein  Gebet  und  erhob  sich,  um  den  Vogel  zu  fangen.  Der  Vogel  llog  aber 
hinaus  in  den  Hof.  imd  David  eilte  hinter  ihm  her.  Dann  llog  dei"  Vogel 
auf  das  Dach,  und  David  stieg  hinauf,  ihn  zu  suchen.  Als  sich  der  Vogel 
darauf  in  den  Hof  des  Uria  b.  Hassan  hinabließ,  sah  ihm  David  —  der  Friede 
sei  über  ihm  —  genau  nach.  Da  gewahrte  er  die  Frau  des  L^ria,  die  badete.  Und 
wie  er  (David)  sie  so  betrachtete,  gewann  er  sie  lieb.  Den  Uria  hatte  er 
zu  einer  kriegerischen  Unternehmung  ausgesandt.  Nun  schrieb  er  an  seinen 
(ürias)  Vorgesetzten:  , Stelle  Uria  vorne  hin  in  der  Schlacht'.  Da  wurde 
Uria  vorne  hingestellt  und  erlangte  den  Sieg  über  die  Ungläubigen.  Das 
war  David  lästig,  und  er  schrieb  ein  zweites  Mal  an  ihn  (den  Vorgesetzten 
Urias):  ,Stelle  ihn  vor  die  Bundeslade'.  Da  wurde  Uria  vor  sie  gestellt 
und  fiel,  und  David  heiratete  seine  Frau.« 

(Der  Imäm)  —  der  Friede  sei  über  ihm  —  schlug  mit  der  Hand  an 
seine  Stirn  und  sprach:  »Wir  sind  Allahs  und  zu  ihm  kehren  wir  zurück. 
Ihr  warfet  also  einem  Propheten  Allahs  Nachlässigkeit  in  seinem  Gebet 
vor  damals,  wie  er  hinter  dem  Vogel  her  hinaus  (in  den  Hof)  gegangen 
(sein  soll),  ja,  sogar  Hurerei  und  (schließlich  noch)  eine  Untat.«  —  Da 
sagte  er  (All  b.  Muhammed  b.  al-Gahm) :  »0  Sohn  (Nachkomme)  des  Ge- 
sandten Allahs,  was  war  denn  dann  seine  Sünde?«  —  Er  antwortete:  »Wehe 
dir,  denn  David  glaubte  nur,  daß  AUäh  —  erhaben  und  mächtig  ist  er  — 
kein  Geschöpf  geschaffen  habe,  das  weiser  sei  als  er.     Da  sandte  Allah  — 


1  D.  i.  Ihn  Babüje. 

2  Nänilich  auf  der  sunnitischen. 


48       Akiiki-k:  Hiltl.  Legenden  J.  Sehnten  aus  ilctn  I'rojilictt'nlun-h  des  HoseinT. 

erhaben  und  inäclitig  ist  er  —  die  beiden  Boten  zu  ilini.  Die  stiegen  über 
die  Mauer  in  die  Gebetsnische  und  si)rachen :  »Wir  sind  zwei  I'ro7,eß<j;egner. 
Kincr  von  uns  hat  dem  andern  Unrecht  getan.  Urteile  darum  (bi  zwischen 
uns  mit  Gerechtigkeit,  verfahre  nicht  ungerecht,  sondern  leite  uns  auf  den 
geraden  Weg.  Dieser,  mein  Bruder,  besaß  neunundneunzig  Schafe  und  ich 
nur  ein  einziges.  Da  sagte  er:  ,Gib  es  unter  meine  Obhut',  und  er  gewann 
die  Oberhand  über  mich  im  Redestreit.«  —  David  —  der  Friede  sei  über 
ihm  —  verfuhr  nun  voreilig  gegen  den  Angeklagten  und  sprach:  ,Er  hat 
dir  dadurch,  daß  er  dein  Schaf  zu  seinen  .SchtWen  forderte,  Unrecht  getan.' 
Den  Ankläger  aber  fragte  er  nicht  nach  dem  Beweis  dafOi-,  auch  wandte 
er  sicli  nicht  an  den  Angeklagten,  daß  er  zu  ihm  sprach :  ,Was  sagst  du 
(dazu);''  —  Es  war  dies  also  ein  ^'ersehen  in  einem  Urteilsspruch,  nicht  das, 
was  ihr  meint.  Du  hörst  ja  doch  AUäh  —  mächtig  und  erhaben  ist  er  — 
sagen:  ,0  David,  wir  haben  dich  zum  Stellvertreter  auf  Ei-den  eingesetzt; 
richte   darum  zwischen  den  Menschen   in  Gerechtigkeit  (der  Kornnvers)!'« 

—  Da  sprach  er  ('All  b.  Muhammed  b.  al-Gahm):  »0  Sohn  des  Gesandten 
Allahs,  was  war  denn  seine  Geschichte  mit  Uria?«  —  Ar-Ridä  —  der  Friede 
sei  über  ihm  —  erwiderte:  «Die  Frauen  in  den  Tagen  Davids  pflegten, 
wenn  ihr  Gatte  gestorben  oder  getötet  war,  nach  seinem  Tode  nicht  mehr 
zu  heiraten.     Der  erste  nun,  dem  es  Alläli  —  mächtig  und  erhaben  ist  er 

—  ei-laubte,  eine  Frau  zu  heiraten,  deren  Gatte  getötet  worden  war,  war 
David  —  der  Friede  sei  über  iiun.  Er  heiratete  die  Frau  des  Uria,  als 
er  gefallen  war  und  als  ihre  Ti-auerzeit  um  ihn  zu  Ende  war.  Das  ist  es, 
was  in  Betreff  des  Uria  die  Meinungsverschiedenheit  hervorruft.« 

V. 
David  und   Hizkil. 

In  (den  Schrillen)  al-ikmäl,  al-amäli  und  im  Tafsir  des  Kununl  wird 
mit  beachtenswerten  Traditionsketten  (berichtet),  unter  denen  die  gültige, 
die  auf  as-Sädik  —  der  Friede  sei  über  ihm  —  zurückgehende  ist,  der 
ei'zählt,  daß  David  eines  Tages  hinauszog,  indem  er  die  Psalmen  rezitierte. 
Wie  er  sie  so  las,  war  kein  Berg  und  Stein,  kein  Vogel  odei-  reißendes 
Tier,  das  ihm  nicht  antwortete.  Unentwegt  ging  er  dahin,  bis  ei'an  einen 
Beig  kam.  Und  auf  diesem  Berge  hauste  ein  frommer  Prophet,  Hizkil  nn't 
Namen.  Als  dieser  das  Echo  der  Berge  und  die  Stimmen  der  wilden  Tiere 
und  der  Vögel  hörte,  wußte  er,  daß  jener  David  sei  und  sprach:  »Das  ist 
der  sündige  Prophet.«  Da  fragte  David:  »Erlaubst  du  mir,  o  Hizkil,  daß 
ich  zu  dir  hinaufsteige:'«  —  Er  antwortete:   »Nein,  denn  du  bist  ein  Sünder.« 

—  Da  weinte  David  —  der  Friede  sei  über  ihm  —  und  Allah  —  ci-haben 
und  mächtig  ist  er  —  offenbarte  dem  Hizkil:  »()  Hizkil,  wirf  David  keine 
Sünde  vor  und  bitte  mich  um  Gesundheit.«  Nun  stieg  Hizkil  hinab,  nahm 
David  bei  dei-  Hand  und  führte  ihn  zu  sich  hinauf.  Da  fragte  ihn  David: 
»Hast  du  jemals  eine  Sünde  im  Sinne  gehabt?«  Er  entgegnete:  »Nein.« 
Kr  sagte:  »Hat  dich  (je)  Selbstbewunderung  über  die  Gottes  Verehrung,  die 
dir    eigen    ist,    angewandelt!'«      Er   antwortete:    »Nein.«      V.v   fragte:    »Hast 


Ahhulk:   Bil)l.  Lcgoiidcii  d.  Scliriteii  aus  dem  Pri)plictciil)iK-li  des  HoseiiiT.        40 

du  dich  (je)  auf  die  Welt  verlassen  und  hast  eingewilligt',  von  ihrer  Lust 
und  ilireni  Genuß  zu  nehmen?«  Er  sagte:  »Ja,  bisweilen  ist  in  meinem 
Herzen  Begierde  nach  Vergänglichem.« 

Da  fragte  er:  »Was  beginnst  du  denn,  wenn  jenes  eintritt?«  Er  er- 
widerte: »Ich  gehe  in  diesen  Bergspalt  hinein,  um  mich  warnen  zu  lassen 
von  dem,  was  darin  ist.  Da  trat  David  —  der  Friede  sei  über  ihm  —  in 
den  Bergspalt  hinein.  Und  siehe,  da  war  eine  Bahre  aus  Eisen,  auf  ihr 
lagen  ein  verwester  Schädel  und  modernde  Knochen;  und  ferner  war  da 
eine  Tafel  aus  Eisen,  auf  der  eine  Inschrift  stand.  David  las  sie.  Es  stand 
darin  zu  lesen:  »Dem  Sohn  eines  Gläubigen  berichte  ich:  Tausend  Jahre 
habe  ich  geherrscht,  habe  tausend  Städte  erbaut,  tausend  Jungfrauen  ge- 
schwächt, und  das  Ende  meines  Lebens  gestaltete  sich  (so),  daß  die  Erde 
mein  Ruhebett,  die  Steine  mein  Kissen  und  die  Würmer  und  Schlangen 
meine  Nachbarn  wurden.  Drum,  wer  mich  sieht,  soll  sich  von  der  Welt 
nicht  täuschen  lassen.« 

Und  in  einigen  Nachrichten  (wird  erzählt):  David  trat  in  eine  Höhle 
Jerusalems  und  fand  Hizkil,  wie  er  seinen  Herrn  verehrte.  Seine  Haut 
aber  lag  vertrocknet  auf  seinen  Knochen.  Als  er  (David)  ihn  grüßte,  sprach 
er:  »Ich  höre  die  Stimme  eines  Satten,  eines  Wohllebenden:  Wer  bist  du 
denn?«  —  Er  antwortete:  »Ich  bin  David.«  —  Er  fragte:  »Der  die  und  die 
zur  Frau  und  die  und  die  zur  Mutter  hat?«  —  Er  entgegnete:  »Ja,  imd 
du  lebst  in  diesem  Elend?«  —  Da  sagte  er:  »Ich  lebe  in  keinem  Elend, 
und  auch  du  befindest  dich  nicht  in  Wohlleben,  bis  du  ins  Paradies  eintrittst.« 

VI. 

Jesaja  und  Habakuk. 

(Zu  vergleichen  ist  Brockelmann  »Beiträge  zur  Assyriologie«  III  S.  477, 
sowie  »Muhammedanische  Weissagungen  im  A.  T.«  in  Z  AT  W  15.  —  Aus 
der  folgenden  Anekdote  läßt  sich  jedenfalls  mit  Sicherheit  schließen,  daß 
Ibn  Kuteiba,  über  den  Brockelmann  an  den  genannten  Orten  schreibt,  mit 
seiner  Deutung  alttestamentlicher  Weissagungen  auf  Muhammed  in  der  älteren 
Zeit  keineswegs  alleinsteht.  Daß  uns  das  nun  gerade  in  schi'itischen  Tra- 
ditionen begegnet,  wird  wohl  nicht  zufällig  sein,  da  man  sich  ja  in  diesen 
Kreisen  schon  frühe  mit  der  Bibel  beschäftigte;  man  braucht  ja  nur  an 
Ja'kübi  zu  erinnern.) 

In  den  Schriften  »al-ihtigäg«  und  »al-'ujün«  (wird)  von  ar-Ridä  unter 
den  Gründen,  die  er  gegen  die  Häupter  der  Religionsgemeinschaften  an- 
führte, (berichtet):  Er  sprach  —  der  Friede  sei  über  ihm  —  zu  dem  Ka- 
tholikos:  »0  Christ,  wie  steht  es  mit  deiner  Kenntnis  des  Buches  Jesajas?«  — 
Er  antwortete:  »Ich  kenne  es  Buchstaben  für  Buchstaben.»  —  Da  fragte  er 
ihn  und  das  Haupt  der  Judenschaft:  »Kennt  ihr  diese  Stelle  in  seiner  Rede? 
,0  Volk,  ich  sah  die  Gestalt  des  Eselreiters,  er  war  angetan  mit  wallenden 
Gewändern  des  Lichts,    und  ich   sah  den  Kamelreiter,  sein  Glanz  war  wie 

^   Möglicherweise  zu  übersetzen:   -liast  gewünscht». 
Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.   1915.  II.  Abt.  4 


5U        Auhki.k:    IJilil.  l.fgtMKlcii  d.  ScIiTilni  iiii^  drm  ri(ij>li(i(Miliiii-li  des  Hu-Noiin, 

«Icr  Glanz  des  Müiules.'«  Sie  erwiderten:  -In  der  Tat,  das  liat  Jesaja  j;e- 
sairt.«  —  Hierauf  fuhr  er  fort  —  der  Friede  sei  iiber  ihm  — :  «Und  der 
Prophet  Jesaja  hat  in  betreff  dessen,  was  du  und  deine  Genossen  sagen, 
in  der  Tora  gesagt:  ,lch  sah  zwei  Heiter,  denen  die  Erde  erglänzte.  Der 
eine  ritt  auf  einem  Ksel  und  der  andere  auf  einem  Kamel.'  Wer  ist  nun 
der  Kselreiter  und  wer  der  Kamclreiter!'»  —  Das  Haupt  der  Judenschaft 
antwortete:  »Ich  kenne  sie  beide  nicht;  tue  di'um  du  mir  sie  kund.«  — 
Da  sprach  er:  »Was  den  Eselreiter  betrifft,  das  ist  Jesus  —  der  Friede 
sei  iil)er  ihm  —  und  was  den  Kamelreiter  betriffst,  das  ist  Muhanuned  — 
Allah  segne  ihn  und  gebe  ihm  Heil.  Willst  du  das  aus  der  Tora  heraus- 
leugiien?«  —  Er  entgegnete:  »Nein,  ich  leugne  es  nicht».  Dann  fragte  er 
ar-Kidä  —  der  Friede  sei  über  ihm  — :  »Kennst  du  den  Propheten  Haba- 
kuk?«  —  Er  antwortete:  »Jawohl,  ich  kenne  ihn.  Er  hat  ja  gesagt,  und 
auch  euer  Buch  sagt  es:  , Allah  brachte  die  Klarheit  vom  Berge  Färän  her, 
und  die  Himmel  werden  voll  vom  Preise  Ahmeds  und  seiner  Gemeinde. 
Seine  Rosse  tragen  im  Meer  (ihre  Last)  wie  auf  trockenem  Lande.  Er 
wird  uns  ein  neues  Buch  nach  der  Zerstörung  Jerusalems  bringen.'  JNIit 
diesem  Buche  meint  er  den  Kor'än.  Kennst  du  diese  vStelle  und  glaubst 
du  daran?«  —  Das  Ilaujjt  der  Judenschaft  erwiderte:  »Wahrhaftig,  das  hat 
Habakuk  gesagt,  und   wir  verleugnen  sein  Wort  nicht.« 

VII. 
Jonas. 

Es  ülierlicfert  al-Kununl  in  seinem  Talsir  mit  eiiici"  glaubwüi-digen 
auf  as-Sädik  zurückgehenden  Traditionskette,  der  erzählt:  Viui  niemaiul 
hielt  Allah  die  (bereits  anzubrechen  drohende)  Strafe  zurück,  außer  vom 
Volke  des  Jonas.  Jonas  pflegte  sie  zum  Islam  aufzufordern,  sie  aber  wiesen 
dies  zurück.  Da  trachtete  er  darnach,  sie  zu  vertluchcn.  Unter  ihnen  aber 
waren  zwei  Männer,  ein  Frommer  und  ein  Weiser.  Jener  hieß  Malihä 
und  dieser  Ashadübil.  Der  Fromme  riet  Jonas  immer,  sie  zu  verfluchen, 
der  Weise  dagegen  suchte  ihn  davon  abzubringen  und  pflegte  zu  sagen: 
»Verfluche  sie  nicht.  Denn  Allah  wird  dich  (zwar)  erhören,  aber  er  will 
nicht  den  Untergang  seiner  Diener.«  —  Dennoch  nahm  er  den  Kat  des 
Fronnnen  an,  ohne  auf  die  W^orte  des  Weisen  zu  hören  und  verfluchte  sie. 
Da  offenbarte  ihm  Allah:  -Die  Strafe  wird  in  dem  und  dem  Jahr,  in  dem 
und  dem  Monat,  an  dem  und  dem  Tage  üljer  sie  kommen.«  Als  die  Zeit 
nun  nahte,  ging  Jonas  mit  dem  Frommen  von  ihnen  fort;  der  Weise  aber 
blieb  dort.  Als  nun  an  Jenem  (bestinunten)  Tage  die  Strafe  herabkam, 
sprach  der  Weise  zu  ihnen:  »O  ihr  Leute,  wendet  euch  in  eurem  Schrecken 
zu  AUäh,  vielleicht  erbarmt  er  sich  euerer,  daß  er  die  Strafe  von  euch 
zurückhält.«  Da  fragten  sie:  »Wie  sollen  wir  handeln:'«  Er  antwortete: 
»Gehet  hinaus  in  die  Wüste  und  trennet  die  Weiber  und  die  Kinder,  die 
Kamele  und  ihre  Jungen,  die  Rinder  und  ihie  .lungen  luul  die  Schafe  und 
ihre  Jungen.     Dann    weinet    und    betet.«      Da  gingen  sie  hinaus,    taten  das 


Ai('Hi;i,k:   15il)l.  l.cgcnclcn  d.  ScIiT'itcii  aii^.  dem  ['roplictoiilnicli  drs  HosciiiT.        51 

und  scliricn  und  weinten.  Nun  erbarmte  Allah  sich  ihrer,  hielt  die  Strafe 
von  ihnen  ab  und  verteilte  sie  auf  die  Berge.  Sie  war  aber  (bereits  schon) 
herabgekonimen  und  hatte  sich  ihnen  genähert.  Alsdann  kam  Jonas  herbei, 
um  zu  sehen,  wie  Allah  sie  hatte  umkommen  lassen.  Da  erblickte  er  Land- 
leute beim  Besäen  ihres  Landes.  Die  fragte  er:  »Wie  ist  es  dem  Volke  des 
Jonas  ergangen?«  Sie  antworteten  ihm,  ohne  ihn  zu  erkennen:  »Jonas 
vertluchte  sie  luid  da  erhörte  ihn  Allah,  und  die  Strafe  kam  auf  sie  heral). 
Da  aber  versammelten  sie  sich  und  weinten.  Nun  erbarmte  Allah  sich  ihrei-, 
hielt  jenes  (Unheil)  von  ihnen  ab  und  verteilte  die  Strafe  auf  die  Berge. 
Sie  aber  suchen  nun  Jonas,  um  ihm  Glauben  zu  schenken.«  Da  ward  Jonas 
zornig  und  ging  weg,  im  Zorn  darüber  seinem  eigenen  Kopfe  folgend,  wie 
Alläh  erzählt  hat,  bis  er  an  die  Meeresküste  gelangte.  —  AUäh  aber  sandte 
einen  gewaltigen  Fisch.  Der  versperrte  ihrem  Schiff'  den  Weg.  Als  Jonas 
auf  ihn  hinsah,  entsetzte  er  sich  und  zog  sich  in  das  Hinterteil  des  Schiffes 
zurück.  Der  Fisch  aber  drehte  sich  nach  ihm  um  und  öffiiete  seinen  Rachen. 
Da  traten  die  Schiffsleute  hervor  und  sprachen:  »Unter  uns  ist  ein  (gegen 
Gott)  Widerspenstiger.«  Als  sie  nun  unter  sich  losten,  kam  das  Los  des 
Jonas  heraus.  Denn  das  ist  das  Wort  Allahs  —  mächtig  und  erhaben  ist 
er:  »Da  er  das  Los  (mit  ihnen)  warf,  gehörte  er  zu  den  Widerlegten.«  — 
Da  drängten  sie  ihn  hinaus  und  warfen  ihn  ins  Meer.  Rasch  verschlang 
ihn  der  Fisch  und  beherbergte   ihn   im  Wasser. 

Es  fragte  (einmal)  ein  Jude  den  Fürsten  der  Gläubigen  nach  einem  Ge- 
fängnis, das  die  Seiten  der  Erde  umkreist  habe.  Da  erwiderte  er  —  der 
Friede  sei  über  ihm:  »Das  war  der  Fisch,  der  den  Jonas  in  seinem  Bauche 
einsperrte.  Denn  er  trat  ein  in  das  Meer  von  Kulzum,  dann  schwamm  er  heraus 
in  das  Meer  von  Ägypten,  dann  schwamm  er  in  das  Meer  von  Tabaristän  hinein, 
dann  wieder  heraus  in  den  Tigris  der  wasserlosen  Wüste.  Hieraufzog  er  mit 
ihm  unter  die  Elrde,  bis  er  den  Kärün  erreichte.  Kärfin  war  in  den  Tagen 
des  Mose  untergegangen,  und  Alläh  hatte  einen  Engel  über  ihn  gesetzt,  der 
jeden  Tag  in  der  Gestalt  eines  Mannes  zu  ihm  in  die  Erde  hineingehen 
sollte.  Als  nun  Jonas  im  Bauche  des  Fisches  Alläh  pries  und  um  Ver- 
zeihung antlehte,  hörte  Kärün  seine  Stimme  und  spracli  zu  dem  Engel,  der 
über  ihn  gesetzt  war:  ,Laß  mich  sehen,  denn  ich  höre  die  Stimme  eines 
Menschen.'  Da  offenbarte  Alläh  dem  Engel:  ,Laß  ihn  sehen'.  Nun  ließ 
er  ihn  sehen.  Da  fragte  Kärün:  ,Wer  bist  du?'  Jonas  antwortete:  ,lch 
bin  der  schuldige,  sündige  Jonas,  der  Sohn  des  Mattä'.  Alsdann  fragte  er: 
,Wie  ist  es  dem  für  Alläh  so  heftig  eifernden  Mose,  dem  Sohne  des  'Lnrän, 
ergangen?'  Er  erwiderte:  ,Ach,  er  ist  tot'.  Da  fragte  er:  ,Und  wie  ist 
es  dem  gegen  sein  Volk  so  gütigen  und  mitleidigen  Aron,  dem  Solm  des 
Tmrän,  ergangen?'  Er  antwortete:  ,Er  ist  tot'.  Nun  fragte  er:  ,Und 
wie  ist   es  Kabain,   der  Tochter   des  Tmrän,   die  mit  mir  verlobt '    worden 

^  Diese  —  in  uusern  Wörterbiicheni  allerdings  iiiclit  angegebene  —  Bedeutung 
\on  ^^^^  leite  ich  ab  aus  Ja'küb",  Historiae  ed.  Houtsnia  I,  S.  74,  unten.    Dort  wird 

von   den   Evangelisten    (tJ^'^Vl   i_J>^l)    gesagt:   ÖU..»^    wiD    ^^    jl    üj^J 

4* 


f>2        Ahiiki.k:   l'iilil.  Lcgciidoii  d.  Schi  itcii  an^  Hfiii  I'roplii'tciilnitli  des  IJoxciiii. 

war,  crgaiif^cn?'  Kr  entgegnete:  ,Ach,  es  ist  niemand  mehr  am  Lel)cn 
von  der  Familie  'Imräns'.  Da  s[)racli  Käriln :  ,Ach,  wie  leid  ist  es  mir 
inn  die  Familie  "Imrünsl'  Das  belohnte  AUäh  und  befahl  dem  Kngel,  der 
iil)er  ihn  gesetzt  war,  die  Strafe  während  der  Zeit  dieser  Welt  von  ihm  zu 
nehmen.  Da  nahm  er  sie  ihm  ab '.  Als  Jonas  das  sah,  rief  er  in  der 
Finsternis:  ,Ks  gibt  keinen  Gott  außer  dir;  dir  sei  Preis.  Wahrlich,  ich 
gehörte  zu  den  Frevlern.'  Da  erhörte  ihn  AUäh  und  befahl  dem  Fisch,  ihn 
an  die  Meeresküste  auszuspeien.  Weil  aber  seine  Haut  und  sein  Fleisch 
"•eschw  linden  waren,  so  ließ  AUäh  einen  Kürbisstrauch,  nämlich  den  Dubbä, 
iiber  ihn  wachsen.  Der  beschattete  ihn  vor  der  Sonne,  daß  er  ruhen  konnte. 
Dann  aber  ließ  AUäh  den  Strauch  von  ihm  weggehen,  und  die  Sonnen- 
strahlen iielen  auf  ihn  herab.  Als  er  nun  ungeduldig  wiu'de,  offenbarte 
ihm  AUäh:  ,AVarum  erbarmst  du  dich  nicht  über  hunderttausend  oder  noch 
mehr  und  bist  (jetzt)  selbst  ungeduldig  über  den  Schmerz  eines  Augen- 
blicks 1"  Kr  erwiederte:  ,0  mein  Herr!  Verzeihung,  Verzeihung!'  Da 
gab  ihm  AUäh  die  Gesundheit  des  Leibes  wieder.  Kr  kehrte  zu  seinem 
Volke  zurück,  imd  sie  glaubten  an  ihn.  So  sagt  ja  das  Kor'änwort:  ,Und 
wenn  es  keine  Stadt  gegeben  hätte,  die  glaubte  und  der  ihr  Glaube  nützte, 
so  (war  das)  doch  (der  Fall  bei)  dem  Volke  des  Jonas'.« 

VIII. 
Das  Urteil  des  jungen  Daniel. 

(Parallelen  zu  unserer  F^^rzählung  hat  J.  Perles  in  seinem  Aufsatz: 
»Kabbinische  Agadas  in  1001  Nacht«  in  Frankeis  »Monatsschrift  für  Ge- 
schichte und  Wissenschaft  des  Judentums«  1873  zusammengestellt.  Zu  ver- 
gleichen ist  auch  Salzberger,  »Die  Salomosage  in  der  semitischen  Literatur«, 
S.  55.) 

Es  überliefert  Kulin'i  im  »Käfi«  mit  einer  glaubwürdigen,  auf  as-Sädik 
—  der  Friede  sei  über  ihm  —  zurückgehenden  Traditionskette,  der  sprach: 
»'Ali  erzählte,  daß  Daniel  ein  Waisenknabe  war,  der  weder  Vater  noch 
Mutter  mehr  hatte.    Eine  alte  Israelitin  aber  nahm  ihn  auf  und  erzog  ihn. 


reJl  .5ji.i  -^J  (V  V— «i—^  A)  J^  i^y^J  ^^'ä''  »'clit  anders  heißen  kann  als  -sie 
sagen,  daß  INIaria  mit  einem  Manne  Namens  Joseph,  aus  der  Nachkonunenschaft  des 
David,  verloht  war-.  —  Daß  -£-•—'  diese  Bedeutung  vielleicht  erst  in  christlich-ara- 
bischen Kreisen  unter  dem  Einfluß  der  Evangelienstellen  Matth.  1,  8,  Luk.  1,  27  an- 
genommen hat,  wo  man  uy/jCTEv^^vai  »verlobt  werden«  mit  uvrc^rivai  «erwähnt  werden« 
zusammengeworfen  und  dies  letztere  eben  mit  ^y*-^  übersetzt  hätte,  diese  Vernmtung 
kann  ich  freilich  nur  mit  allem  Vorbehalt  aussprechen.  —  Oder  sollte  sich  die  Be- 
deutung -verloben«  aus  ig*^  im  Sinne  von  "die  Worte  aWI  /v~)  aussprechen«  ent- 
wickelt haben? 

•  Nicht  den  Kärün  (Korach)  selbst,  aber  doch  seine  Söhne,  die  auf  dem 
ins  Urmeer  eingesenkten  Grundstein  stehen  und  beten,  bekommt  Jonas  im  jüdischen 
Midrasch  zu  sehen,     Wünsche,  Aus  Israels  Lehrhallen  II,  S.  397  f. 


AiCHKLE :  Bibl.  Legenden  d.  Sclü'iten  aus  dem  Prophetenbuch  des  Hoseini.       53 

(Damals)  regierte  nun  ein  israelitischer  König,  in  dessen  Diensten  zwei 
Richter  standen.  Diese  besaßen  einen  Freund,  einen  fronunen  Mann,  der 
eine  schone,  anmutige  Frau  hatte.  Der  pUegte  zum  König  zu  gehen,  um 
sich  mit  ihm  zu  unterreden.  Als  der  König  (einmal)  einen  Mann  nötig 
hatte,  den  er  in  einer  Angelegenheit  aussenden  könnte,  sprach  jener  zu  den 
beiden  Richtern:  »In  eure  Vormundschaft  übergebe  ich  meine  Frau  als  ein 
Gut«.  Nachdem  sie  sich  einverstanden  erklärt  hatten,  ging  er  fort.  Die 
beiden  Richter  aber  kamen  vor  die  Türe  des  Freundes  und  verliebten  sich 
in  seine  Frau.  Da  sie  sie  aber  verführen  wollten,  weigerte  sie  sich.  Nun 
sjjrachen  sie  zu  ihr:  »Bei  Allah,  fürwahr,  wenn  du  es  nicht  tust,  so  be- 
schuldigen wir  dich  bei  dem  König  imter  Eid  des  Ehebruchs.  Alsdann 
werden  wir  dich  steinigen.«  Sie  entgegnete:  »Tut,  was  euch  beliebt.«  Da 
gingen  sie  zum  König,  setzten  ilui  in  Kenntnis  luid  bezeugten  vor  iluu, 
sie  habe  Ehebruch  begangen.  —  Damit  kam  nun  eine  äußerst  unangenehme 
Sache  über  den  König,  sein  Kummer  ihretwegen  ward  heftig,  und  er  verwun- 
derte sich  über  sie.  Doch  er  sprach  zu  ihnen:  »Eure  Anklage  sei  ange- 
nommen. Steinigt  sie  aber  (erst)  nach  drei  Tagen.«  In  dem  Lande  aber, 
in  dem  er  regierte,  ließ  er  ausrufen:  »Kommt  herbei  zu  der  Hinrichtung 
der  frommen  N.  N.,  denn  sie  hat  Ehebruch  begangen.  Die  beiden  Richter 
haben  das  gegen  sie  bezeugt.«  Auf  diese  Weise  veranlaßte  er  viele  Leute 
(zu  kommen).  Der  König  aber  fragte  seinen  Minister:  »Was  hast  du  für 
eine  Auskunft  in  dieser  Sache?«  Er  antwortete:  »Darin  weiß  ich  keinen 
Rat.«  Am  dritten  Tage  nun  —  das  war  ihr  letzter  Tag  —  ging  der  Mi- 
nister aus.  Da  gewahrte  er  nackte  Knaben,  welche  spielten.  Unter  ihnen 
war  Daniei;  er  erkannte  ihn  aber  niclit.  Daniel  rief:  »0  ihr  Gefährten, 
kommt  her!  Ich  werde  der  König  sein,  du  o  N.N.  die  Fromme,  und  der 
und  der  werden  die  1)eiden  Richter  darstellen,  die  gegen  sie  zeugen.«  Als- 
dann scharrte  er  einen  Erdliaufen  zusammen,  machte  ein  Schwert  aus  Rohr 
und  sprach  zu  den  Knaben:  »Nehmt  diesen  bei  der  Hand  und  bringt  ihn 
an  den  und  den  Ort«.  Hierauf  rief  er  einen  der  beiden  herbei  und  sprach 
zu  ihm:  »Sage  die  Wahrheit,  denn  wenn  du  nicht  die  Wahrheit  sagst, 
werde  icli  dich  töten«.  —  Der  Minister  aber  stand  da,  sah  und  hörte  es.  — 
Da  sagte  jener:  »Sie  hat  Ehebruch  begangen«.  Er  fragte:  »Wann?«  — 
Er  erwiderte:  »An  dem  und  dem  Tage«.  —  Er  fragte:  »Mit  wem?«  — 
Ei-  antwortete:  »Mit  dem  N. N.,  dem  Sohne  des  N.N.«  —  Er  fragte:  »Und 
w^o  denn?«  —  Er  antwortete:  »An  dem  und  dem  Ort.«  —  Er  sprach: 
»Bringt  ihn  zurück  an  seinen  Platz  und  führt  den  andern  herbei.«  Da 
brachten  sie  ihn  an  seinen  Platz  zurück  und  führten  den  andern  herbei. 
Zu  ihm  sprach  er:  »Was  bezeugst  du?«  —  Er  erwiderte:  »Ich  bezeuge, 
daß  sie  Ehebruch  begangen  hat. «  —  Erfragte:  »Wann?«  —  Er  antwortete: 
»An  dem  und  dem  Tage.«  —  Er  fragte:  »Mit  wem?«  —  Er  antwortete: 
»Mit  dem  N.N.,  dem  Sohne  des  N.N.«  —  Er  fragte:  »Und  wo  denn?«  — 
Er  antwortete:  »An  dem  und  dem  Ort.«  —  Da  nun  aber  der  eine  dem 
andern  widersprach,  so  rief  Daniel:  »Allah  ist  groß!  Sie  haben  falsches  Zeug- 
nis gegeben.  Du  N.N.  rufe  aus  unter  den  Leuten:  ,Sie  haben  falsclies  Zeugnis 
gegen   die  N.N.  abgegeben;    darum  kommt  herbei  zu  ihrer  Hinrichtimg.'« 


54       Ai<'Hti.E:  Bibl.  Logeiidpii  d.  Schfiteu  aus  tifiii  Prophetenhiirli  des  Ijosoim. 

Da  ging  dcv  Minister  eilends  /.um  Künij;  und  eiv.äldte  iinn  das.  Der 
König  aber  sandte  nach  den  beiden  Kielitern.  Aneli  diese  widei-spraclien 
sich  nun,  wie  sich  die  beiden  Knaben  widersprochen  hatten.  Da  ließ  der 
Koni"-   das    unter   den  Leuten  ausrufen  und  befahl,   sie   beide  hinzurichten. 


IX. 
Jahjä  b.  Zakarijjä  und  der  Teufel'. 

Es  überlieferte  der  Kleister  ^  in  (der  Schrift)  al-'aniäli  von  ar-Ridä, 
von  dessen  Vater,  von  as-Sädik  —  der  Friede  sei  über  ilan  — ,  von  dessen 
\'ätern,  daß  IbHs  zu  den  Propheten  seit  Adam  —  der  Friede  sei  über  ihm  — , 
bis  Allah  den  Messias  sandte,  zu  kommen  pflegte.  Da  si)rach  er  dann  nu't 
ihnen  und  richtete  Fragen  an  sie.  Bei  keinem  von  ihnen  aber  war  er  ver- 
traulicher als  bei  Jahjä,  dem  Sohn  des  Zakariyä.  Jahjä  sprach  zu  ihm: 
-O  Abu  Murra^I  Ich  habe  eine  Bitte  an  dich.«  Da  antwortete  er  ihm: 
-Du  bist  zu  mächtig,  als  daß  ich  mich  einem  Wunsche  von  dir  widersetzen 
könnte.  Bitte  mich,  was  du  willst,  ich  werde  dir  in  keiner  Sache,  die  du 
wünschest,  widersprechen.«  Jahjä  sprach  nun:  »0  Abil  Murral  Ich  wünsche, 
daß  du  mir  deine  Schlingen  und  Netze  zeigst,  mit  denen  du  die  Menschen 
jagst.«  Iblis  entgegnete  ihm:  »Eine  Freude  und  Ehre  (wird  mir  das  sein)!« 
und  sagte  ihm  für  den  andern  Tag  zu.  Xm  andern  Morgen  nun  saß  Jahjä 
in  seinem  Hause  und  wartete  auf  das  Versprochene.  Die  Türe  aber  hatte 
er  geschlossen.  So  bemerkte  er  nichts,  bis  ei"  ihn  in  einem  Guckfenster- 
chen, das  sich  an  seinem  Hause  befand,  erblickte.  Sein  Gesicht  aber  hatte 
das  Aussehen  eines  Affengesichts*  und  sein  Körper  die  Gestalt  des  Schweines. 
Seine  Augen  waren  der  Länge  nach  gespalten,  und  auch  seine  Zähne  und 
sein  Mund  waren  in  einem  einzigen,  gewaltigen  Längsschnitt  getrennt. 
Weder  Kinn-  noch  Wangenbart  trug  er.  Vier  Hände  Iiatte  er,  zwei  vorne 
an  der  Brust  und  zwei  entgegengesetzt  an  der  Rückseite.  Seine  Fersen 
befanden  sich  an  seiner  Vorderseite  und  die  Zehen  ^  an  seiner  Rückseite. 
Er  war  angetan  mit  einem  Kaftan.  Seine  Taille  aber  war  mit  einem  Gürtel 
umschnürt,  an  dem  rote,  gelbe,  grüne  und  allerleifarbige  Fäden  hingen. 
In  der  Hand  trug  er  einen  mächtigen  Stab.  Auf  seineiTi  Haupte  aber  war 
ein  Helm.  Daran  hing  ein  Stück  Eisen,  das  einem  Haken  ähnlich  war. 
Als  ihn  Jahjä  —  der  Friede  sei  über  ihm  —  genau  betrachtet  hatte,  fragte 
er   ihn:    »Was   bedeutet  dieser  (Jürtel,    der   um   deine  Taille  ist;'«     Er  er- 


*  Vgl.  zu  dieser  Legende  Ansbacher,  Die  Abschnitte  über  die  Geister  und 
\vunderl)aren   Gesciiöple  aus   QazwiiiJs   Kosniograpliie  (Eil.  190')),   S.  9,  10,  23  u.  24. 

'•^    Nämlicli  11)11   Habuje. 

'    D.  1.  der  Teufel;  s.  Ibu  a!-AtIrs  Kinija-Würterbucli  ed.  Seybold,  Zeile  3005  f. 

*  Daß  die  Vorstellung  des  Teufels  in  Affengestalt  im  Orient  allgemein  ver- 
lueitet  ist,  zeigen  die  Beispiele,  die  G.  Jacob  im  Aufsatze:  Ein  ägypt.  Jahrmarkt 
im  13.  JaJirlHuidert  (S.  31)  anrülirt.  Sitzuugsber.  d.  K.  Bayr.  Akad.  d.  Wiss.,  Pliilos.- 
pliilol.  n,  bist.  Klasse,  1910. 

•  ''    In  diesem  Zusanunenbang  kann   ^l^\  kaum   "Finger"   bedeuten. 


AifnEi.K:  Bibl.  Legenden  d.  Scliriten  aus  dem  Proplictenburli  des  HoseinT.       55 

widerte:  »Er  stellt  die  Religion  Zoroasters  dar.  Ich  bin  der,  der  sie  ein- 
geführt und  für  sie'  herausgeputzt  hat.«  Dann  fragte  er  ihn:  »Und  was 
bedeuten  diese  verschiedenfarbigen  Fäden;'«  Kr  antwortete  ihm:  »Das  sind 
alle  Farben  der  Frauen;  die  Frauen  färben  sich  unaufhJirlich  mit  Farben, 
bis  diese  fest  zusammenhängen  mit  ihi'er  eigenen  Hautfarbe.  Und  so  be- 
zaubere ich  dann  die  Leute  mit  ihnen.  Darauf  fragte  er  ihn:  »Und  was 
bedeutet  dieser  Stab,  den  du  in  deiner  Hand  hältst  1'«  Er  entgegnete:  »Das 
ist  der  Sammelort  jeglichen  Vergnügens,  (des  Spiels)  der  Laute,  der  Harfe, 
der  Zimliel,  der  Trommel,  der  Flöte  und  Pfeife.  Denn  siehe,  wenn  die 
Leute  bei  ihrem  Wein  sich  niedersetzen  und  kein  Vergnügen  daran  finden, 
da  schüttle  ich  dann  den  Stab  in  ihrer  Mitte.  Wenn  sie  das  hören,  kommt 
eine  freudige  Erregung  über  sie.  Die  einen  tanzen,  andere  schnalzen  nu't 
den  Fingern  und  wieder  andere  zerreißen  ihre  Gewänder.«  Weiter  fragte 
er  ihn:  »Was  ist  deinem  Auge  am  angenehmsten.^«  Er  antwortete:  »Die 
Weiber;  sie  sind  meine  Netze  und  Sclilingen.  Wenn  sich  die  Flüche  und 
Verwünschungen  der  Frommen  wider  mich  vereinen,  dann  wende  ich  mich 
zu  den  Weibern  und  lasse  es  mir  bei  ihnen  wohl  sein.«  Nun  fragte  ihn 
Jahjä:  »Was  hat  denn  dieser  Helm  zu  bedeuten,  den  du  auf  deinem  Kopfe 
trägst?«  Er  erwiderte:  »Damit  schütze  ich  mich  gegen  den  Fluch  der 
Gläubigen.«  —  »Und  was  ist  dieses  Eisenstück,  an  dem  ich  einen  Haken 
sehe?«  —  »Damit  wende  ich  die  Herzen  der  Frommen  um.«  —  Jahjä. 
fragte:  »Hast  du  dich  jemals  auch  schon  meiner  einen  Augenblick  bemäch- 
tigt?« Er  antwortete:  »Nein,  aber  doch  ist  etwas  an  dir,  das  mich  ergötzt.«  — 
»Was  ist  das?«  fragte  Jahjä.  Er  sprach:  »Du  lüst  ein  eßgieriger  Mann. 
Denn  sooft  du  das  Fasten  brichst^,  ißt  du  und  bekouunst  Magenbeschwerden. 
Und  das  hält  dich  dann  von  einem  Teil  deines  Gebets  und  deines  Kijäms^ 
in  der  Nacht  ab.«  Da  sprach  Jahjä  —  der  Friede  sei  über  ihm:  »Ich 
schwöre  Allah  einen  Eid,  daß  ich  mich  nicht  mehr  von  Speisen  satt  essen 
werde,  bis  ich  ihm  gegenübertrete*.«  Iblis  aber  sprach  zu  ihm:  »Und  ich 
schwöre  AUäh  einen  Eid,  daß  ich  keinen  Gläubigen  mehr  aufrichtig  beraten 
werde,  bis  ich  ihm  gegenübertrete.«  Dann  ging  er  weg  und  kehrte  darnach 
nicht  mehr  zu  ihm  zurück. 

Jesuslegenden. 
X. 

In  (dem  Werke)  »al-'ilal«  wird  erzählt  mit  einer  bis  Wahl)  ziu-ück- 
reichenden  Traditionskette,  der  sprach: 

Als  die  Geburtswehen  die  Maria  —  der  Friede  sei  über  ihr  —  zu 
dem  Palmstrunk  getrieben  hatten,  da  hatte  sie  sehr  unter  der  Kälte  zu 
leiden.  Joseph,  der  Zinunermann,  nahm  daher  Holz  und  legte  es  rings  um 
sie  gleich  einem  Zaun.    Dann  zündete  er  es  an.    Die  Hitze  des  (brennenden) 


'  Nämlich  für  die  Anhänger  dieser  Sekte. 

2  D.  h.  nach  Ablatif  der  \orgesc.hnehenen  Fastenzeit. 

^  Das  Geradestehen  heim  Gehet. 

■*  Nämlich  im  Gericlit. 


56       All  hki.k:  Bibl.  Legenden  d.  Söhnten  ;lll^-  dem  Propliftcnbnfli  des  HoscinT. 

Ilulzes  traf  sie  nun  von  allen  Seiten,  so  daß  sie  warm  hatte.  Er  aber 
hrach  ihr  sieben  Nüsse  auf,  die  er  in  seiner  Reisetasche  gefunden  hatte 
und  gab  sie  ihr  zu  essen.  Aus  diesem  Grunde  nun  zünden  die  Christen 
in  kalten  Nächten  Feuer  an   und  spielen  mit  Nüssen. 

XL 

Es  uberliefei'te  ar-Räwandi  vom  (Propheten)  —  Allah  segne  ilni  und 
gebe  ilim  Heil  — ,  der  sprach:  Iblis  kam  zu  Jesus  undsj)rach:  »Behauptest 
du  nicht,  du  würdest  die  Toten  lebendig  machen?«  Jesus  erwiderte:  "Aller- 
dings.« Da  sprach  Iblis:  -So  stürze  dich  selbst  von  der  flauer  herab'.« 
Jesus  aber  antwortete:  »AVehe  dir!  Fürwahr,  der  Kncclit  soll  seinen  Herrn 
nicht  versuchen'*.«  Iblis  fuhr  fort:  «O  Jesus,  vermag  dein  Herr  die  Erde 
in  ein  Ei  hineinzufügen;'  Das  Ei  hat  ja  auch  ihre  Gestalt.«  Da  antwortete 
er:  »AUäh  —  erhaben,  mächtig  und  groß  ist  er  —  wirft  man  nicht  Schwäche 
vor.     Aber  was  du  sagtest,   wird  nicht  geschehen.« 

XII. 

In  (der  Schrift)  »ma'äni  al-ahbär«  (wird)  vom  (Proj)heten)  —  Allah 
segne  ihn  und  gebe  ihm  Heil  —  (erzählt),  der  sprach:  »Es  redete  Jesus, 
der  Sohn  der  Maria,  in  einer  Predigt,  in  der  er  sich  an  die  Israeliten 
wandte:  "Ich  kam  in  eure  Mitte,  und  meine  Zukost  ist  der  Hunger,  meine 
Speise,  was  die  Erde  für  die  wilden  Tiere  und  das  Vieh  hervorsj)rießen 
läßt,  mein  Leuchter  ist  der  Mond,  mein  Ruhebett  der  Erdboden  und  mein 
Kissen  der  Feldstein.  Ich  besitze  kein  Haus,  das  der  Zerstörung  anheim- 
fällt, keine  Habe,  die  zugrunde  geht,  keine  Kinder,  die  sterben,  kein  Weib, 
das  in  Trauer  versetzt  wird.  Ich  erwache  des  Morgens,  und  nichts  ist 
mein  eigen,  und  doch  bin  ich  der  reichste  der  Menschenkinder. 

XIIIl 

Es  wird  überliefert,  daß  Jesus  —  der  Friede  sei  über  ihm  — ,  als 
ihn  eines  Tages  heftiger  Regen  und  Donner  überraschte,  alsbald  suchte, 
wo  er  Schutz  finden  könnte.  Da  gewahrte  er  in  der  Ferne  ein  Zelt.  Er 
ging  darauf  zu;  da  er  aber  eine  Frau  darin  antraf,  entfernte  er  sich  wieder. 
Plötzlich  erblickte  er  eine  Höhle  in  einem  Berge  und  ging  hinein.  Da  war 
ein  Löwe  darinnen,  dem  legte  er  die  Hand  auf  und  sprach:  »0  mein  Gott! 
Jedem  Ding  hast  du  eine  Wohnstätte  gegeben,  nur  mir  hast  du  keine  ge- 
geben*.«     Da  offenbarte  ihm  AUäh  —  erhaben    ist  er:    "Deine  Wohnstätte 


•  Vgl.  Matth.  4,  G,  Luk.  4,  9. 

2    Vgl.  Mattli.  4,  7,  Luk.  4,  12. 

'  Wird  in  den  IIss.  unmittelbar  an  Nr.  XII  angelugt,  und  es  ist  darum  nicht 
y.weifelliaft,  daß  auch  diese  Anekdote  aus  Ihn  Bähüjes  Schrift  »maäni  al-aljhär« 
entnonniien  ist.  Sie  hat  ja  dieselbe  Tendenz  wie  Nr.  XII  und  wird  darum  aucli 
dort  in  demselben  Zusanunenhang  erzälilt  gewesen  sein. 

*  Vgl.  Matth.  8,  20. 


Aichki.k:  I»il)I.  Legondou  d.  Schl'itcn  aus  dem  Piophetculmcli  des  Hosoiiif.       57 

steht  ia  dem  festen  Wolinplatz  meines  Erbarmens  und  meiner  Macht.  xVni 
Tage  der  Auferstehung  werde  ich  dir  hundert  Huris  zu  Frauen  geben, 
die  ich  mit  meiner  Hand  erscliaffen  habe.  Bei  deiner  Hochzeit  werde  ich 
ein  Festmahl  geben,  viertausend  Jahre  lang;  ein  Tag  davon  wird  die  Dauer 
der  Welt  haben.  Und  ich  werde  ausrufen  lassen:  »Wo  sind  die,  die  in 
der  Welt  enthaltsam  waren ;'  Kommt  herbei  zu  der  Hochzeit  des  enthalt- 
samen Jesus,  des  Sohnes  der  Maria.« 

XIV\ 

Man  erzählt:  Während  Jesus,  der  Sohn  der  Maria,  (einmal)  dasaß, 
arbeitete  ein  alter  Mann  mit  einem  Spaten  imd  grub  den  Boden  um.  Da 
sprach  Jesus:  "0  Gott!  beraube  ihn  der  Lebenshoffnung.«  Sogleich  legte 
er  den  Spaten  nieder  und  streckte  sich  selbst  auf  den  Boden  hin.  So  blieb 
er  eine  Weile.  Alsdann  sprach  Jesus:  »0  Gott!  gib  ihm  seinen  Lebens- 
mut wieder.«  Da  erhob  er  sich  und  machte  sich  wieder  an  die  Arbeit. 
Jesus  stellte  ihn  darüber  zur  Rede.  Er  gab  zur  Antwort:  »Während  ich  arbeitete, 
da  redete  es  auf  einmal  in  mir:  ,wie  lange  willst  du  noch  tätig  sein,  und 
du  bist  doch  ein  sein-  alter  Mann.'  Da  warf  ich  den  Spaten  weg  und 
legte  mich  nieder.  Dann  aber  sprach  es  in  mir:  ,bei  Allah,  es  gibt  fiu'  dich 
kein  Entrinnen  aus  dem  Leben,  das  du  noch  zu  leben  hast.'  Da  erhob  ici» 
mich  (und  griff  wieder)  nach  meinem  Spaten.« 

XV. 

Es  iiberliefert  at-Tabarsi  —  AUäh  erbarme  sich  seiner  —  in  (seinem 
Werke)  »magma'  al-bajän«  auf  die  Autorität  des  Wahb  b.  Munabbih  hin, 
der  sagt:  Jesus  ging  mit  siebzehn  seiner  Jünger  in  ein  Haus,  Da  belagerten 
sie^  sie.  Als  sie  aber  bei  ihnen  eindrangen,  gab  AUäh  jenen  allen  das 
Aussehen  Jesu.  Darum  sprachen  sie  zu  ihnen:  »Ihr  habt  uns  bezaubert. 
Du  wirst  dich  uns  (aber)  zu  erkennen  geben,  o  Jesus,  oder  wir  töten  euch 
alle.«  Da  sagte  Jesus  zu  seinen  Genossen:  »Wer  von  euch  wird  heute 
sein  Leben  um  den  Paradieseslohn  (fia-  den  Preis  des  Paradieses)  dahin- 
gebca?«  Darauf  aatwortete  eiaer  voa  ihaea,  Sergius  mit  Namen:  »Ich«. 
Dann  ging  er  zu  ihnen  hinaus  und  sprach:  »Ich  bin  Jesus.«  Sie  ergriffen 
ihn,  töteten  und  kreuzigten  ihn.  AUäh  aber  erhöhte  .Tesus  noch  an  jenem 
Tage. 


•    Ebenfalls   aus  den   »lua'änT  al-ahhär».  —  Vgl.  auch  die  ])ekannte  Äsopsclie 
Fabel  »der  Greis  und  der  Tod". 
■^    Nämlich  die  Juden. 


58 


Talmudische  Rechtsurkunden. 


\'(>ii   Dr.  8.  Fuchs 

in   Liixeinliiifg. 


V  orliegeiule  Ahhandlung  liildet  die  Fortselzung  zu  meinen  1912'  und  1913* 
erschienenen  Arbeiten  über  talmudiscbe  Recbtsurkunden.  Auch  die  hiei- 
vorireführten  Doktunentenfornudare^  stannnen  aus  dem  Urkundenbuch  des 
R.  Jchuda  l)eu  Barsilai  *.  Ks  scliien  aucli  diesmal  angebracht,  den  einzehien 
Urkunden  wenigstens  die  wesentlichsten  Bestinnnungen  über  das  zu  be- 
handelnde Rechtsgebiet,  unter  Berücksichtigung  der  Terminologie,  voraus- 
gehen zu  lassen  und  sämth'chen  Ausfülirungen  den  großen  talnuidischen 
Rechtskodex  Mi§ne  Toia  des  Maimonides  zugrunde  zu  legen.  Ist  doch  das 
systematische  Verfaliren  dieses  bedeutenden  Gelehrten  l)esonders  geeignet, 
um  in  das  talmiulische  Recht  erfolareich   einzuführen. 


'  VcrüffeiitUcht  in  den  Mitteilungen  des  Seminars  für  Orientalische  Sprachen 
an  dei-  Köiiigliclien  Kriednch-Willielnis-Universität  zu  Berlin,  iioiausgegeben  von  dem 
Direktor,  Prof.  Dr.  Eduard  Sixhau.  Geli.  Ober-Regierungsrat.  Jahigaiig  XV.  Zweite 
Abteilung:  Westasiatisclie  Studien.  Berlin  1912.  Im  Laufe  vorliegender  Studie  nur 
als  Westasiatische  Studien  zitiert. 

'^  Veröffentlicht  in  der  Zeitsclirift  für  vergleichende  Reclitswissenschaft. 
Band  XXX.    Stuttgart   1913. 

^  Kür/.ere  und  in  aramäischer  Sprache  abgefaßte  Formulare  entliält  der  erste 
Teil  des  geschätzten  lialachischen,  um  1170  verfaßten  Werkes  Sefer  ha-Ittur  von 
Jsak  ben  Abba  Mari  ans  Marseille.    Ich  zitiere  nach  der  Leniberger  Ausgabe  von  1860. 

*  Sefer  Haschetaroth,  herausgegeben  \  on  S.  J.  Ilalberstam.  Berlin  1898.  In 
un.serep  Arbeit  als  S.  H.  zitiert.  Über  die  fruchtbare  literari.-*che  Tätigkeit  des 
R.  Jeliuda  ben  Barsilai  bericlitet  Halberstam  in  der  Einleitung  zum  Jezirakommentar 
desselben  Verfassers.  Auf  Grund  unseres  S.  II.  können  wir  noch  folgendes  fest- 
stellen. Als  der  Verfasser  sein  S.  H.  schrieb,  war  sein  Gesetzeskodex  noch  nicht 
fertig,  denn  in  der  Einleitung  zur  Annullierungsurkunde  S.  16,  zur  Burgschaftsurkunde 
S.  67  und  zum  Bedinguiigsdokumeiit  S.  T24  weist  er  auf  später  abzufassende  Ab- 
srbnitte  hin:  '"^''"rr  ^IIP'.  >*';?'^!~r  "^'^r  T'T?  "5*  »Wir  werden  es  mit  Gotte.s  Hilfe 
am  entsprechenden  Orte  noch  erklären.«  So  erfahren  wir  auch,  daß  er  ausfüiirliche 
Abschnitte  über  -y-i-i:  n-sin,  flber  rna-'yi  nijVap  ms^n,  und  über  shs^iDsi  '{'^'in  ma^n 
-iri"tts  ristn*  beabsichtigt  hatte.  Von  seinen  abgeschlossenen  Abhandlungen  zitiert 
er  mehrere,  und  zwar  die  filier  Eid,  Zeugenaussage,  Elieschließung,  Ehescheidung. 
Wittvvenversorgung,  Scliwagerehe  und  Sklavenrecht.  Vgl.  S.  H.  S.  0.  26.  27.  29. 
39.  53.  62.  86.  —  L.  Blau  behauptet  (»Die  jüdische  Ehescheidung"  II.  Teil. 
Budapest  1912,  S.  13,  Anm.  2),  die  in  Spanien  unverständlich  gewordenen  aramäischen 
Dokumente  ins  Hebräische  zu  übersetzen,  sei  ein  Hauptzweck  unseres  S.  H.  gewesen. 


Fi'cns:  Talimulisclie  Reelitsurkuiidcn.  59 

Aiifh  diese  Abhandlung  in  den  Mitteilungen  des  Orientalischen  Senn'nars 
an  der  Königliehen  Universität  zu  Berlin  veröffentlichen  zu  dürfen,  erlnllt 
mich  mit  größtem  Danke  fi'a-  meinen  hochverehrten  Lelner.  Herrn  Geheimen 
Oberregierungsrat  Prof.  Dr.  Eduard  Sachau. 

Sämtliche  Rechtsurkimden  des  Talmuds,  mit  Ausnahme  des  Scheidungs- 
dokumentes, sind  objektive  ^  Urkunden.  Der  Scheidebrief  allein  ist  eine 
subjektive*  Dispositivurkunde^.  Nehmen  wir  aber  die  Einteilung*  an,  wonach 
die  Urkunden,  je  nachdem  sie  vor  einem  öffentlichen  Eunktionär  oder  ohne 
Zuziehung  eines  solchen  ausgestellt  werden,  öffentliche  oder  private  Urkunden 
sind,  dann  umfaßt  das  talmudische  Recht  dreizehn  öffentliche  und  sechsund- 
siebzig private  Urkunden-'. 

Folgende  Dokumente  haben  öffentlichen  Charakter:  a)  Adrakta^, 
b)  Ascharta  dedaine ',  c)  Epitropsüta^  d)  Iggeret  Bikkoret^  e)  Chaliza ''', 
f)  Merchesa  ",  g)  Psak  Diu  '2,  h)  Hatfasa  ^^,  i)  Tirpa  **,  k)  Iggereth  Mazon  '% 
1)  Prosbul '",  m)  Schimmusch  ^',  n)  Schümä '^.  Alle  diese  erfolgen  durch  den 
Gerichtshof,  die  übrigen  bloß  vor  Zeugen. 

Wir  Avenden  uns  jetzt  der  Fortsetzung  zu. 

Die  Schenkungsurkunde  ^^ 

Für  den  Schenkungsakt  gelten  die  nändichen  Formalitäten,  welche  beim 
Kaufakt  in  Betracht  kommen.  Mobilien  hebt  der  Empfänger;  oder,  wenn 
dies  nicht  möglich  ist,  zieht  er  sie  an  sich.    Immobilien  und  Sklaven  gelten 

^  Objektiv  ihrer  Stilisierung  nach,  weil  in  ihnen  »der  beurkundete  Hergang 
vom  Standpunkt  eines  unparteiischen  Beobachters  in  der  di'itten  Person  referiert 
wird".     S.  Mitteis,  Grundzüge  der  Papyruskunde  H,  S.  49 f. 

-  Vom  Standpunkte  seiner  Stilisierung. weil  in  ihm -die  Parteien  selbst,  in  der  ersten 
Person  redend,  die  Urkunde  redigieren«.    Vgl.  Mitteis  a.a.O.    Ursprünglich  waren  alle 
Urkunden  subjektiv.  Vgl.  Blau  a.a.O.  über  subjektive  Schuldiukunden  in  tannaitischer  Zeit. 
'    »Weil  das  Rechtsgeschäft  gerade   erst  durch  die  Errichtung  der  Urkunde 
zustande  kommt.«     Vgl.  Mitteis  a.  a.  0. 
^    Mitteis  a.  a.  O. 
'"   S.  H.  S.  2. 

•^    Vgl.  Westasiatische  Studien,  a.  a.  0.  S.  83. 
'    Ebenda  S.  85. 
«    Ebenda  S.  101. 
9    Ebenda  S.  94. 

'"    Dispensation  von  der  Leviratsehe. 

11    Zeitschrift  für  vergleichende  Reciitswissenschaft  a.  a.  O.  Absdinitt  V. 
»2    Urteil  s.  S.  H.  S.  36. 
•3    Westasiatische  Studien  a.  a.  0.  S.  106. 
"•  Ebenda  S.  86. 

i-"    Zeitschrift  für  vergleichende  Rechtswissenschaften  a.  a.  0.   Abschnitt  VII. 
IC    Erklärung  vor  Gericht.    Vgl.  S.  H.  S.  69. 
'"    Westasiatische  Studien  a.  a.  0.  S.  91. 
is   Ebenda  S.  92. 

1»  S.  H.  S.  22;  Baba  Bathra  137  ff..  Gittin  14a  und  29a.  >nschne  Tora: 
-:!;r  -"=-  "'='-,    Kap.  IIb;  Tur:  ::si-:  ^^-n  §  241. 


ßl)  riTcns:  T.ilmudische  Rechtsmkuiult'ii. 

als  geschenkt  erst,  wenn  der  Empfänger  dieselben  entweder  in  einer  Weise 
in  Besitz  nalim,  welche  auch  lur  den  Kauf  geltend  ist',  oder  die  Schenkungs- 
urkiuule  sich  bereits  in  seinen  Händen  befindet.  Keineswegs  genügt  eine 
nn'indliehe  Abmachung;  solange  diese  allein  besteht,  können  beide  Parteien, 
grnau  wie  beim    Kauf  zurücktreten. 

Mündliche  Abmachungen  haben  nur  Gültigkeit,  wenn  die  Schenkung 
ein  zu  tilgendes  Guthaben  oder  ein  zurückerstattetes  Depositum  umfaßt,  sogar 
auch  daiui,  wenn  die  Schenkung  auf  indirektem  Wege  erfolgte,  Z.  B.  A  sagt 
zu  B:  Gib  die  Summe  «,  welche  du  mir  schuldest,  dem  C  In  diesem  Falle 
ist  C  rechtmäßiger  Besitzer  geworden,  und  ein  Zuriicktreten  ist  nicht  mehr 
zulässig. 

Für  die  Schenkung  wäre  ebensowenig  wie  für  den  Kauf  das  Vorhanden- 
sein von  Zeugen  notwendig,  doch  nur  mit  Rücksicht  auf  lügnerisch  Veranlagte 
müssen  auch  \'erzic]itleistungen  und  Schenkungen  vor  Zeugen  erfolgen. 

Die  Schenkung  bedingt  eine  genaue  Bezeichnung  des  Objektes;  es  hätte 
also  ein  Akt  gar  keine  Rechtskraft,  w'enn  darin  stünde:  Ich  schenke  dir  eines 
meiner  Feldei'. 

An  Bedingungen '^  gekniipfte  Schenkungen  werden  erst  mit  dem  Ein- 
treffen der  Bedingung  rechtskräftig.  Hat  der  Empfänger  den  Besitz  angetreten, 
die  Bedingung  jedoch  ging  nicht  in  Erfüllung,  so  ist  die  Schenkung  ungültig, 
und  der  Empfänger  erstattet  einen  Ersatz  für  die  Nutznießung. 

Eine  Schenkung,  bei  der  bedungen  wird,  selbe  nach  einer  bestimmten 
Zeit^  zurückzunehmen,  ist,  gleichviel  ob  sie  Mobilien  oder  Immobilien  lun- 
faßt,  bis  zu  dem  besagten  Zeitpunkte  gültig.  Erfolgt  unter  solchen  Umständen 
die  Schenkung  eines  Objektes,  und  der  Beschenkte  weiht  dasselbe  xmterdessen 
dem  Heiligtum,  so  bleibt  der  Gegenstand  geweiht,  vorausgesetzt,  daß  die 
Schenkung  mittels  folgender  Worte   ausgesprochen  wurde:    »Dieses  Objekt 


'  Durch  Übergabe  des  Geldes  und  da,  wo  der  Gebrauch  besteht  auch  eine 
Uikunde  7.u  schreiben,  erst  dann,  wenn  der  Kaufakt  ausgestellt  ist,  oder  durch  Be- 
sitzergreifung, indem  man  sich  in  Gegenwart  des  Schenkers  oder  auf  dessen  Aiif- 
fotderung  hin  auch  während  seiner  Abwesenheit  in  dem  geschenkten  Felde,  Hause 
usw.  etwas  zu  schaflTcn  macht,  z.  B.  man  sclilloßt  das  Haus,  umhegt  das  Feld  mit 
einem  Zaun  oder  Ähnliclics,  allerdings  nur  solches,  womit  man' dem  Objekte  nützt. 
Bei  Sklaven  ist  in  diesem  Falle  erforderlich,  daß  sie  z.  B.  dem  Empfänger  die  San- 
dalen lösen,  zuschnüren  oder  Ähnliches  ausfülu'en.  Vgl.  Maimonides,  a.  a.  0.  r.'ss- 
—■•r:  Kap.  I  ff. 

^  Bedingungen,  die  an  einen  Kauf,  Schenkungsakt,  an  eine  Eheschließung,  Ehe- 
scheidung geknüpft  werden,  Hellten  sidi,  was  die  Deutlichkeit  der  Verabredung  betrifft, 
nach  Numeri  XXXII,  29  und  30.  —  Daselbst  wird  ganz  genau  angegeben,  wie  mit  den 
Rubeniten  und  Gaditen  zu  verfahren  sei,  wenn  diese  ihr  Versprechen  halten  und 
welche  Folgen  es  für  sie  haben  müsse,  wenn  sie  ilirem  Versprechen  untreu  werden. 
Es  nmß  daher  auf  viererlei  geachtet  werden,  1.  daß  die  Bedingung  5"r2  »doppelt« 
sei,  indem  beide  Möglichkeiten  Erwähnung  finden;  2.  daß  "sf'  3""p  '~  der  bejalumde 
Teil  dem  verneinenden  \orausgehe;  3.  daß  "i??';^  o-i'p  ■'s:»^  die  Bedingung  vor  der 
Folge  Erwähnung  finde;  4.  daß  die  Ausfuhrung  ""5"'7ilV  "'rLSsr  'z-r  sidi  auf  eine  Sache 
beziehe,  die  ausführbar  ist.    Vgl.  Maimonides,  Hilchotii  Ischnth,  Kap.  VI;,. 

3     Z'IT-   T3T 


Fuchs:  Taliiiudisi-Iie  Reditsurkunden.  61 

schenke  icli  dir  unter  der  Bedingung,  daß  du  es  wiedererstattest."  Lautete 
jedoch  die  Formel  »unter  der  Bedingung,  daß  du  mir  es  wiedererstattest«, 
dann  gilt  der  Gegenstand  nicht  als  geheiligt ',  denn  es  wurde  ja  die  Wieder- 
gabe des  Gegenstandes  für  den  fernem  Gel)rauch  des  Schenkers  bedungen. 

Wiewohl  eine  Schenkung  an  einen  Götzenanl)eter  unstatthaft  ist,  so 
bilden  doch  eine  Ausnahme  davon  diejenigen  Heiden,  die  im  heiligen 
Lande  sich  vorübergehend  oder  beständig  aufhalten,  da  für 
die  Existenz  dieser^  laut  Gesetz  der  Tora,  Sorge  getragen 
werden  soll. 

Schenkungen,  die  einem  Sklaven  oder  einer  Ehegattin  zufallen,  gehen  in 
den  Besitz  des  Herrn  bzw.  des  Ehegatten  über,  auch  dann,  wenn  an  die 
Schenkung  die  Bedingung  geknüpft  wurde,  daß  dem  Herrn  bzw.  dem  Gatten 
kein  Anrecht  auf  dieselbe  zustelle.  Ist  jedoch  etwas  Persönliches  bedungen 
worden,  z.  B.,  daß  die  Frau  für  das  ihr  geschenkte  Geld  sicli  Kleidung 
kaufe  oder  daß  sie  es  nacli  Belieben  verwende  oder  daß  der  Sklave  sicli 
damit  loslöse,  in  diesen  Fällen  hat  der  Gatte  bzw.  der  Herr  keinerlei  An- 
recht auf  das  geschenkte  Gut. 

Fällt  dem  Sklaven  eine  Schenkung  seines  Herrn  zu,  so  erwirbt  er 
die  Freiheit  nur  dann,  wenn  der  Herr  ihm  seinen  ganzen  Besitz  ohne  irgend- 
eine Einschränkung  verschrieben  hat. 

Das  Schenkungsobjekt  wird  herrenlos^,  sobald  der  Beschenkte  es 
einmal  angenommen  und  sodann  wieder  zurückgewiesen  hat,  und  nur  wenn 
letzterer  verhindei'n  möchte,  daß  irgend  jemand  das  herrenlose  Gut  sich  an- 
eigne, erst  dann  kehrt  die  Schenkung  in  den  Besitz  des  Schenkenden  zurück. 

Eine  Schenkung  ist  auch  dann  rechtskräftig,  wenn  sie  in  Abwesenheit  des 
Beschenkten  erfolgt,  und  gilt  hierbei  der  Grundsatz,  wonach  man  einem 
Abwesenden  wohl  eineir  Vorteil  verschaffen,  nie  jedoch  einen  Nachteil  zu- 
fügen  könne*. 

Wenn  A  eine  Schenkung  dem  B  durch  Vei-mittlung  des  C  zuwenden 
will,  dann  muß  der  Auftrag  mit  den  Worten  »gib«'^  oder  »erwirb«"  erfolgen, 
durch  einen  Ausdruck  wie  z.B.  »bringe«'' könnte  die  Schenkung,  solange  sich 
das  Objekt  in  den  Händen  des  Vermittlers  befindet,  widerrufen  werden;  wenn 
jedoch  derSclienker  inzwischen  stirbt,  dann  ist  die  Schenkung  auch  im  letzteren 
Falle  gültig,  da  es  Pflicht  ist,  den  Befehl  eines  Verstorbenen  auszuführen^. 

Der  Beschenkte  muß  geistig  normal  sein,  will  man  jedoch  die  Schenkung 
einem  Geistesschwaclien  zuwenden,  dann  geschieht  dies  durch  einen  Dritten, 
einen  Bevollmächtigten. 


1  B.  Bathra  137  b. 

2  ■n--'r:-^  ""''s':  "Jjs;:;  ■>;2':  wörtlich :  weil  b e t r e f f s  di  e s e s  i s t  d i r  b e f o li  1  e n , 
daß  du  ihn  ernährst. 

*  'h  •pzr;  -i^s"!  r:s2  ti'rq  D-jsV  'j"'?'^ 


nt-  i-a^  D'pV  rris*: 


(\'2  KiTiis;  'l'iilmiidiM'lic  K'oi'IiImmLiiikU'ii. 

Kill  Miiidcr.jiiliii.nei-  erwirbt  ilas  (Jescliciik  ci'st  in  dciii  Aiigoiililicko, 
da  man  es  ihm  einhändigt  odei-  auch  diiich  \'crinifthin};  eines  Dritten:  ein 
(iroßjährigei-  hinu;egen  schon  ki-al"t  seines  Gnindliesitzes  (Uoi'  des  Hauses), 
falls  ihm  die  Sclienkung  in  seiner  Al»\vcsenheit '  zugewiesen  wiid.  In  Kv- 
mangehing  eines  Hofes  genügt  auch  eine  sonstige  Liegenschaft,  aber  nur 
dann,  weiui  dei-  Beschenkte  im  AugonbHckc  der  Sclienkung  in  unmittel- 
baier  Nähe  dieser  Liegenschaft  sich  befindet  und  erklärt,  daß  dieses  Feld 
da/.u  diene,  lun  die  Schenkiing  lechtskräftig  zu  gestalten.  Hofindet  sich 
der  Beschenkte  im  Momente  der  Schenktuig  auf  öffentlichem  Gebiete  oder 
im  Felde  eines  Fremden,  so  erwirbt  er  die  Sehenkung  erst  durch  per- 
sönliche Übernahme. 

Der  Sehenkimgsakt  hat  mit  dem  Scheidebrief  gemeinschaftlich,  daß 
der  Beauftragte  seinen  Aufti-ag  nicht  weitergeben  darf  an  einen  andei-n 
Bevollmächtigten  •'. 

Im  allgemeinen  gilt  die  Kegel,  daß  der  Beschenkte  entweder  durch 
Übernahme  der  Urkunde  in  den  vollen  Besitz  der  Schenkung  gelangt  oder 
durch  die  Vermittlung  eines  Dritten,  dei-  diese  für  ihn  erworben  liat^.  Der 
Beschenkte  schwört  den  Antreil)iu)gseid^,  sobald  ei'  beliaui)tct,  daß  ihm  der 
Gegenstand  aufgezwungen  oder  nur  zur  Aufbewahrung  gegeben  wuide; 
dem  Schenkgeber  hingegen  wird  ebenfalls  der  Antreibungseid  auferlegt,  so- 
bald er  l)ehauptet,  daß  der  Gegenstand  ihm  geraubt  wui-dc  oder  daß  er 
denseli)en  nur  zur  Aufbewahrung  gab. 

Die  Schenkungsurkunde  ist  anfechtbar,  wenn  in  ihr  nicht  geschrieben 
steht,  daß  die  Schenkung  in  öffentlicher^  Form  erfolgt,  gewissermaßen  vor 
aller  Welt. 

Ging  der  Schenkung  ein  Modäadokuniciit"  voran,  so  wird  die  Schenkung 
ungültig;  denn  bei  einer  Schenkung  richtet  man  sich  innner  nach  der  Ab- 
sicht des  Schenkgebers  ^.  Fs  ist  daher  eine  Sclienkung  auch  ungültig,  wenn 
z.  B.  jemand,  in  der  Meinung,  daß  sein  Sohn  auf  einer  Seereise  ums  Leben 
kam,  all  seine  Güter  verschenkt  hat  und  der  vermißte  Sohn  heimgekehrt 
ist.  In  diesem  Falle  ist  ja  klar,  daß  es  keineswegs  die  Absicht  des  Vaters 
sein    konnte,    den    Sohn    zu   benachteiligen,    darum    nimuit    man    stets    die 


■•*    n''5c"';  a'>-2'^  "^"S":'^  ^"s^  d-:s  ■jis-r  afjs  ~:Pi~ 

■T  D^~ns  ■>■;;;>  W  -z  «b  -snr  s-j  "s  ^^^5  rrn-sr;  -lau:  y-^yyö  ^?  nrT  5?;:':"  ^s 
*  ns"ir  rc^'^r  von  n^w~  antreiben.  Es  ist  dies  der  Eid,  den  die  nacliniisclini- 
sclicn  Gesct/.cslelirpr  cingefülirt  haben  und  der  dazu  dient,  um  den  Beklagten,  so 
dieser  die  gan7.e  Schuld  alileugnct,  zum  Geständnis  der  Walirlieit  an7,utreil)Cii.  Laut 
Verordnung  der  Misclina  geht  der  Beklagte,  wenn  er  die  ganze  Sclnild  leugnet,  frei 
aus.     Vgl.  Schebuoth  VI,. 

8  Vgl.  über  dieses  Dokument  in  der  Zeitschrift  für  vergleichende  Rechtswissen- 
schaft, Rand  XXX,  1013,  meine  Abliandiung  .Talmiulisclie  Reditsurkunden«  Ab- 
schnitt IV. 

^     1""~  ^'.~  "~5*  '*';'*  ~;'5:r  'Cr'~'~  T^. 


Fl'ui^:  Talmudisclie  KeclitMirkundeu.  63 

Ahsiclit  des  Sclicnkgehers  in  Erwägung'.  Falls  der  Vatei-  aber  irgend- 
einen noch  so  kleinen  Teil  seines  Besitzes  für  sich  znrückbehielt^  ist  die 
Schenkung  dennoch  rechtskräftig.  In  ähnlicher  Weise  ist  die  Schenkung 
an  einen  vom  Vater  bevorzugten  Sohn  oder  an  eine  Gattin  erst  giiltig, 
wenn  der  Schenkgeber  etwas  für  sich  zurückbehielt;  hat  er  dies  unter- 
lassen, so  besteht  bloß  ein  ^'ormundschaftsve^hältnis^  zwischen  dem  Be- 
schenkten und  den  andern  Brüdern  bzw.  zwischen  der  Gattin  und  den 
sonstigen  Erben.  Erfolgte  die  Schenkung  an  den  bevorzugten  Sohn  und 
noch  an  einen  Fremden,  an  die  Gattin  tmd  noch  an  einen  Fremden,  so 
steht  in  beiden  Fällen  diesem  Fremden  die  Hälfte  der  Schenkung  zu,  und 
sowohl  Sohn  als  Gattin  bekleiden  bloß  das  Vormundschaftsamt. 

Wendet  ein  Ehemann  sein  ganzes  Vermögen  der  Gattin  zu,  so  ver- 
liert letztere   ihr  Anrecht   auf  die  in  dem  Ehevertrag*  festgesetzte  Sunune. 

Schenkt  der  Vater  seinen  Kindern  und  bedenkt  zu  gleicher  Zeit  auch 
seine  Gattin  mit  einem  noch  so  geringen  Teil  der  Inunobilien,  so  verliert 
die  Gattin  auch  in  diesem  Falle  das  Anrecht,  um  die  Sunune  ihrer  Eiie- 
verschreibung  durch  Säsierung  der  den  Kindern  °  zugedachten  Güter  zu  er- 
heben ^  Behielt  der  Gatte  einen  Teil  der  Immobilien  für  sich  oder  er  schenkte 
seiner  Gattin  bloß  beweglichen  Besitz  ",  dann  bleibt  ihre  Forderung  betretis  der 
Eheverschreibung  rechtskräftig. 

Eine  Witwe,  die,  um  ihr  Vermögen  in  Sicherheit**  zu  bringen,  dieses  vor 
ihrer  Wiederverheiratung  ihrem  Sohne  oder  einem  Fremden  als  Schenkung 
zuwendet,  erhält  ihren  Besitz  wieder",  wenn  der  Gatte  starb  oder  sich  von 
ihr  scheiden  ließ,  vorausgesetzt  jedoch,  daß  sie  seinerzeit  dem  Beschenkten 
ihren  gänzlichen  Besitz  zugeeignet  hat. 

Das  Verlobimgsgeschenk '°,  gleichviel  ob  es  aus  tausend  Denaren  l)e- 
stand,  gleichviel  ob  Braut  oder  Bräutigam  das  Verlölmis  gelöst  hat,  wird 
nicht  zurückerstattet.  Sonstige  Geschenke",  die  während  der  Verlobungs- 
zeit erfolgten,    erstattet   man    zurück,    wenn    der   Bräutigam    die   Verlobung 


1  •jni:- hy^i  ■ji-Tc-s  aV'^y^,  oder  in  der  babylonisch-aramäischen  Form:  -rr 's-its 
s:-':-s,  B.  Bathra,  S.  132  a. 

3    SS— j-rs,   IrriTccTTs;.     Vgl.  Westasiatische  Studien  a.  a.  0.,  S.  101. 

*  Über  den  Ehevertrag  vgl.  meine  »Talmudischen  Reclitsurkundeu«  in  der 
Zeitschrift  für  vergleichende  Rechtswissenschaft,  Bd.  XXX.   1913.  Abschnitt  VI. 

»  Starb  jedoch  inzwischen  ein  Sohn,  so  steht  der  Frau  das  Reclit  zu,  aus 
seinem  Teile  die  Eheverschreibung  zu  beheben. 

•^    r£— -j  rrs^  zur  Säsierungsurkunde  vgl.  Westasiatisciie  Studien  a.  a.  0.,  S.  86. 

^  "~"t1  eine  Frau,  die  zu  einer  Rechtsinstitution  Zuflucht  ninnnr,  um  ilir  Ver- 
mögen zu  schätzen. 

"  Die  Nutznießung  —  i^"""'?.  —  bis  zum  Tage  der  Wiedererstattung  gehört  in 
solchen  Fällen  immer  ohne  weiteres  den  Beschenkten. 

lö  Gemeint  ist  der  Gegenstand  aus  dem  Besitze  des  Bräutigams,  mittels 
dessen  das  Verlöbnis  rechtskräftig  wird.  Vgl.  Zeitschrift  für  vergleichende  Rechts- 
wissenschaft a.  a.  O.  Abschnitt  VI. 

"    n-r^sc,  aijfißoXa,  Ehepfand,  Beitrag  zu  den  ]Mahlzeiten  eines  Hochzeitsfestes. 


()4  Ficiis:    r.ilniiifiix'lie  K'cfliisiiikiiiidcu. 

löst.  Ist  rs  die  IJiaut,  (li(>  zurücktritt,  erstattet  man  s()j:;ar  iWr  Kosten, 
Wflclic  ilinrli  Speise  iintl  Trank  entstanden  sind,  ferner  ersct/.t  man  aneli 
die  l)ci  solchen  \'erlol>nnjj;sfestliclikcitcn  verteilten  Geschenke  an  die  Kidtns- 
dieiicr.  Ks  konnnt  dabei  die  Hegel  /nr  Anwendung:  »AVer  Geldschaden 
vernrsaclit,  der  ist  verpflichtet,  die  Entschädigung  zu  zahlen '.- 

Geschenke ^  die  der  Bräutigam  in  harem  Gelde  von  seinen  Freimden 
em[iningt.  gellen  eigentlich  nicht  als  Schenkungen;  denn  \\enn  der  schenkende 
IVeund  sich  unter  gleichen  Bedingungen'  verlobt,  steht  ihm  das  Recht  zu, 
sogai-  auf  gerichtlichem  Wege,  ein  Geschenk  von  gleichem  Werte  einzu- 
Ibrdern.  Bestand  das  Geschenk  nur  aus  einem  Denar,  dann  steht  dem 
Schenker  im  gegebenen  Falle  kein  Anspruch  zu  auf  ein  Gegengeschenk; 
denn  der  eine  Denar  wird  als  Entschädigung  für  die  genossenen  Speisen 
betrachtet.  Ob  ein  Gegengeschenk  auch  von  den  Erben  des  Beschenkten 
eingefordert  werden  kann,  hängt  von  den  Oi-tsgepllogenheiten  ab.  Stirbt  der 
Hochzeitskanicrad  gleich  nach  den  Hochzeitsfestlichkeiten,  so  erstattet  der  Vater 
des  A'erstorbenen  eine  Entschädigung.  Geschenke  für  ein  Hochzeitsfest.,  die  in 
Naturalien  —  z.B.  Wein,  öl,  Früchte  —  erfolgen,  bedingen  kein  Gegengeschenk. 

Unser  S.H.  gibt  folgenden  Text  für  das  Formular  der  Schenkungsurkunde*. 

Wir,  die  Unterzeichneten,  bekunden  mit  deutlicher  Aussage:  Es 
sprach  zu  uns  A,  Sohn  des  B  (und  ist  A  verheiratet,  dann  wird  auch 
der  Name  seiner  Frau  in  allen  Urkunden  genannt,  und  zwar  noch  vor  dem 
ihres  Mannes,  und  so  schreibt  man  dann:  Es  sprachen  zu  uns  die  Fi-au  C, 
Tochter  des  D,  und  ihr  Gatte  A,  Sohn  des  B  ^),  es  ist  unser  freier  Wille,  und  es 
geschieht  ohne  irgend  eine  Spur  von  äußerem  Zwang,  sondern  gutwillig  und 
mit  klarem  Verstand  wenden  wir  von  jetzt  ab  dem  E®  eine  vollkommene 
Schenkung  zu  in  f'orm  jenes  Hauses  und  Hofes.  (Ist  es  ein  Feld,  so  schreibt 
man:  jenes  Feldes,  welches  wir  im  Bezirke  .  .  .,  im  Distrikte  .  .  .,  im  Orte, 
genannt  .  •  .,  besitzen.  Das  Feld  bringt  soundso  viel  Getreide.  Oder  man 
schreibt  auch:  es  sind  darin  .  .  .  Girujoth ',  Modioth\  je  nach  Ortsgel)rauch. 
samt  seinen  Erkennungszeichen  und  Grenzen.  Bei  genauer  Angabe  der 
Grenzen  ist  nicht  nötig,  daß  auch  die  Beschreibung  der  Länge  des  Feldes 
erfolge,  es  genügt  zu  schreil)en:  Jenes  durch  seine  Grenzen  bezeichnete 
Feld,  welches  wir  am  Orte  X  besitzen,  und  dies  sind  seine  Grenzen.    Von 


'^  n'TiiiD  wörtlich:  Hoclr/.eitskaineradscliaf't.  Kraft  eines  .solchen  Geschenkes 
hatte  man  das  Recht,  am  Tische  des  Bräutigams  als  Gast  zu  erscheinen.  Soldie 
Teilneiimcr  heißen  ■|"';"'r4ii". 

3  Heiratete  der  Beschenkte  eine  Jungfrau,  kann  der  Sclionkgebcr  kein  Gegen- 
geschenk heanspruchen,  falls  er  eine  Witwe  elielielit. 

*  S.  II.  S.  22  s-i-^  rrn'i  ::^  .Schenkung  eines  Gesunden  im  Gegensatze  zu  r^i^}'^ 
','-':  s->33;  Schenkung  eines  Schwerkranken. 

*•    Die  eingeklammerten  Sätze  sind  ebenfalls  im  Formular  des  S.  II.  enthalten. 

•"'    Vor  "5  ":n"r  ist  zu  ergänzen:  ■':"'^s  p  "'2iWi. 

"  t«-r;  Pfcii.  Aus  dem  parallelen  Ausdruck  n-s'^-j^':  ist  zu  schließen,  daß  ein 
Maß  gemeint  ist. 

8    »'-i'"^,  us5>£o;,  -U  Getreidemaß. 


Funis:    Taliiiudisc'lic  Keclitsiukuiirlcii.  65 

der  einen  Seite  ist  es  begrenzt  dnrch  «,  von  der  zweiten  '  durch  ß,  von  der 
dritten  durch  7,  von  der  vierten  durch  h.  Alles,  was  sich  innerhalb  dieser 
obenerwähnten  vier  Grenzen  befindet,  gaben  wir  diesem  E,  die  ganze  Tiefe 
und  H()he^  das  Recht  des  Gehens  und  Kommens,  samt  Erde  und  Garten- 
boden, samt  Gehölz  und  Gestein,  was  als  »Feld«  bezeichnet  wird  und  was 
nicht  als  Feld  bezeichnet  wird,  bebautes  und  unbebautes  Gelände,  frucht- 
baren und  unfruchtbaren  Boden,  samt  allem  Ertrag  und  Nutzen,  der  sich 
daselbst  befindet,  von  der  tiefsten  Tiefe  I)is  zur  höchsten  Höhe,  von  jetzt 
ab  bis  auf  ewige  Zeiten.  Es  schreite  dieser  E  zur  Besitzergreifung  dieses 
Feldes  oder  dieses  Hauses  und  sei  berechtigt,  darin  zu  wohnen,  es  zu  erben 
und  zu  vererben,  es  zu  verschenken,  an  wen  es  ihm  lieliebt,  darauf  zu  bauen 
oder  niederzureißen,  einen  Pächter'  zu  entfernen,  einen  anderen  einzusetzen, 
es  zu  bestellen,  zu  bepflanzen,  zu  pflügen,  zu  säen,  ganz  nach  Belieben  es 
zu  verschenken,  sowohl  er  als  auch  seine  Rechtsnachfolger;  denn  von  jetzt 
ab  gebe  ich  ihm  mit  ganzem  Herzen  diese  Schenkung,  ohne  auch  nur  das 
Geringste  für  mich  und  für  meine  Rechtsnachfolger  zurückzubehalten,  keine 
Spanne  oder  mehr,  auch  keine  Spanne  oder  weniger.  Von  jetzt  al)  entferne* 
ich  mich  in  vollständiger  Entfernung  für  immer.  Es  blieb  weder  für  mich 
noch  für  meine  Rechtsnachfolger  irgend  etwas  Greifbares  oder  irgend  ein 
Anteil  z(u-ück.  Und  was  diese  Schenkung  betrifft,  so  ist  sie  eine  vollständige^ 
Schenkung,  eine  Schenkung  von  jetzt  ab,  die  Sclienkimg  eines  Gesunden,  eine 
öfientlich  erfolgte  Schenkung,  bekannt  und  offenbar  aller  Welt,  eine  ewige 
Schenkung,  festgesetzt  und  beschlossen  gemäß  Satzung  und  Vorschrift,  woran 
nichts  zu  ändern,  kein  Zurücktreten  mehr  möglich.  Ich  gab  es  ihm,  händigte 
es  ihm  ein  und  für  seine  Erben  nach  ihm.  Niemand  wehre  es  ihm  und 
avich  nichtseinen  Rechtsnachfolgern;  denn  mit  ganzem  Herzen  habe  ich  die 
Schenkung  vollzogen,  von  jetzt  ab.  Wer  nun  auch  von  den  vier  Enden 
der  Welt  kommen  würde,  ob  Sohn  oder  Tochter,  Bruder  oder  Schwester, 
ein  nahe  Verwandter  oder  ein  entfernt  A'^erwandter,  ein  Erbberechtigter 
oder  Erblasser,  Jude  oder  Heide  %  ob  mit  unserer  Einwilligung  oder  ohne 
unsere  Einwilligung,  der  sich  erhel)t,  um  etwas  geltend  zu  machen  oder  um 


•  Zu  ergänzen  "[31  ip  "^yo  ^s':. 

2  Wörtlich:  Von  der  Tiefe  der  Erde  bis  zur  Höhe  des  Fiinianieufs. 

3  D->-s  Pächter,  der  einen  bestimmten  Teil  seines  Ertrages  als  Pacht  in  Na- 
turalien entrichtet. 

*  Es  handelt  sich  hier  um  die  Zession,  für  welche  ursprünglich  eine  be- 
sondere Urkunde  abgefaßt  wurde.  Aus  den  Papyri  erfaliren  wir,  daß  jeder  Ini- 
mobiliarverkauf  durch  zwei  Urkunden  bedingt  ist.  In  der  einen,  »die  Urkunde  des 
Silbers«,  wird  das  Kaufgeschäft  abgeschlossen,  in  der  zweiten,  -die  Urkunde  des 
Fernseins«,  wird  das  Kaufobjekt  dem  Käufer  überlassen.  So  nennen  sich  drei 
aramäisch -jüdische  Rechtsurkunden  von  Assuaii  und  Elephantine  ausdrücklich  als 
pn-itt  -^sD,  d.  h.  Urkunde  des  Fernseins.  In  den  rabbinischen  Formularsamnilungcn  be- 
gegnen wir  ebenfalls  der  Zessionsurkunde.  Vgl.  S.  H.  S.  66.  Über  «TrocrTacrio^  und 
-1^3  ^is'c  Vgl.  Blau,  Papyri  Und  Talmud,  Leipzig  1913,  S.  20. 

5    S.  H.  S.  23.  1.  n;>ra^. 
^    "is'2-'S  wörtlich  Aramäer. 

Mite.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.   1915.   II.  Abt,  5 


(■)()  p'i'ciis:    Talimidisflie  KcclitMirkmirleii. 

Eins|fnicli  zu  crliflicn  oder  iigciulcin  Urteil  lieran/iizielicn  gegen  diesen  K 
oder  gegen  seine  Reclitsnachfolger,  oder  sonstige  Kinwände  zu  niaclicn  be- 
trctTs  dieser  Schenkung,  um  sie  teilweise  oder  gänzlich  fih-  ungültig  zu  cr- 
kliiicn,  so  seien  die  Woi'te  des  Klägers  nichtig,  gleichgestellt  einem  zer- 
brochenen Tongefäß,  das  nicht  mehr  zusammengefügt  werden  kann.  Weder 
isi-aelitische  Richter  noch  Richter  anderer  Völker  sollen  die  Macht  haben, 
ebenso  keinerlei  schriftliche  Urkunde.  Bestätigung,  gleichviel  in  welcher 
Sprache  abgefaßt,  gegen  diese  Urkunde  in  Umlauf  gebracht,  sie  teilweise 
oder  gänzlich  ungültig  erklären  zu  können,  es  sei  jene  Urkunde  oder  Be- 
stätigung null  und  nichtig,  imd  soll  sie  nicht  Gegenstand  eines  Prozesses 
werden  können,  weder  israelitische  Richter,  noch  die  Richter  der  andei-n 
\"ölker  sollen  diesbezüglich  eine  INIacht  hal)en.  Mir  und  meinen  Rechtsnach- 
folgern liegt  es  ob,  fortzustoßen,  zu  entfernen,  abzuschütteln  von  ihm  (dem  Be- 
schenkten) jeglichen  Einwand  und  jegliche  Urkunde  bezüglich  dieser  Schenkung 
und  für  selbe  zu  seinen  wie  auch  zugunsten  seiner  Rechtsnachfolger,  das 
Kigentumsrecht  geltend  zu  machen,  ohne  daß  für  den  Beschenkten  der 
geringste  Schaden  entstehen  könne.  Jegliche  Art  von  Protesterklärungen,  die 
wieder  mit  anderweitigen  Protesterklärungen  zusammenhängen,  die  wir  qv- 
gehen  ließen  oder  die  wir  noch  ei'gehen  lassen  werden,  diese  allesamt  er- 
klären wir  aus  freiem  Willen,  ohne  Zwang,  in  euerer  Gegenwart  füi-  nichtig, 
damit  keinerlei  Folgerung  aus  ihnen  je  geschlossen  werde '.  Ks  sprach  der 
Schenkgeber:  Schreibet  diesen  Schenkungsakt  und  siegelt  ihn''' auf  der  Straße, 
auf  dem  Marktplatze,  vor  aller  W^elt',  damit  es  nicht  den  Anschein  ha])e, 
als  wäre  dies  eine  geheime^  Schenkung  oder  die  Sdienkung  eines  Stei-bens- 


'  Besteht  seitens  des  Schcnkers  irgendeine  Protesterklärung,  dann  ist  in  diesen) 
Falle  die  Abfassung  einer  weiteren  Urkunde,  der  sogenannten  Bittul  Modäa,  notwendig. 
Über  das  Bittuldokuinent  vgl.  S.  H.  S.  16  f.  —  fcmor  meine  ••Tahnndisclie  Rechts- 
urkunden«  in  der  Zeitschiift  für  vergleicliende  Keclitsvvissenschaft,  1913,  Ahscluiitt  IV. 
In  sein-  genau  abgefaßten  Fornuilaren  steht  auch  noch:  "»w  'pi  it  nT>-ns3  -«sika  -»ro^Kr 
■^'j-irzn  Wj-'a  rz'.  nv-r.ar.  r,o  irn»-;-im  lyn?:  \o  Isv^sa  ich  habe  mich  mit  dem  Sclienker 
betreffs  dieser  Haftbarkeit  und  der  Anulliening  jedwelchcr  Protesterklärung  beraten 
und  haben  wir  ilin  auf  die  Tragweite  der  Haftbarkeit  und  der  Annullierung  der  Pro- 
testerklärungen aufmerksam  gcmaclit.    Vgl.  S.  H.  S.  23. 

'■i  nrn  bedeutet  siegeln  inid  unteiv.eiciineii.  bi  alter  Zeit  war  ja  Siegel  und 
Uutcr.sciirift  eins.  Wichtig  vom  Standpunkte  der  Archäologie  ist  die 
Notiz  im  Talmud  Gittin  fol.  87b:  ""'lo  STcr:  a-.  »mnn  ss-'jn  'n  s^ns  ■'•'is  a^ 
sh-2':  -i-'s  tiz'-  a-i  -a  -a-  ;•<>'  s-'^r:-  ai  ..Raw  (Gründer  einer  Akademie  in 
Sura  um  219,  besaß  große  Reichtümer  und  verwandte  selbe  zur  UntcrstQtxung 
seiner  zahlreichen  Schüler)  zeichnete  einen  Fisch  als  Unterschrift;  Rabbi 
Chanina  (Mitverwalter  des  Patriarchats  in  Palästina  um  219)  einen  Palmzweig; 
Raw  Chisda  (berühmtes  Oberhaupt  der  Schule  in  Sura  um  290)  den  Buchstaben 
Samech;  Raw  Hos'aja  (Schulhaupt  in  Scplioris  und  Cäsarea  um  2.iO)  den  Buch- 
staben Ajin  und  Rabbali  bar  Rab  Hu  na  (Schulhaupt  in  Sura  um  322) 
■/.eichnete  ein  Segel.«  —  Die  Buchstaben  o  und  'J  wurden  wahrscheiniich  ge- 
wählt, weil  sie  für  den  jeweiligen  Namen  charakteristisch  waren. 

•''    «^'t^;""*   "«PF';°''«  Öffentlichkeit. 

*    sr-^a:  Verborgenheit. 


Fucnis:   Taliiiudisclic  Kcclilsurkuiidoii.  67 

kranken,  die  rückgängig  geniaclit  wenlcn  kann,  es  ist  vielniehr  eine  ah- 
gesclilossenc  Schenkung,  eine  Schenkung  vor  aller  Welt,  die  nie  mehr 
rückgängig  gemacht  werden  kann  und  von  der  man  überall  Kejintnis  hat. 
So  sprach  ferner  dieser  A:  Die  Haftbarkeit  und  Ei-schwerung  betreffs  dieser 
Schenkung  nahm  ich  auf  mich  und  nach  mir  auf  meine  Erben,  kraft  des 
Besitzes  von  vier  ElUen  Bodens,  gemäß  der  Haftl)arkeit  und  Erschwerung, 
die  für  alle  Schenkungsakte  bestehen;  denn  für  diese  besteht  Haftbarkeit, 
verordnet  von  den  Weisen,  eingeführt  in  Israel,  von  heute  bis  in  alle  Zeilen. 
Es  ist  dies  keine  Scheinzusage,  auch  kein  l)loßes  Urkundenformular,  Wir 
haben  den  Kinjanakt  mit  A,  Sohn  des  B,  vollzogen  betreffs  all  dessen,  was 
ol>en  gesch.riel)en  imd  deutlich  ausgeführt  ist,  mittels  eines  für  den  Kinjan- 
akt tauglichen  Gegenstandes.     So  geschehen  vor  uns '  usw.  ^ 

Die  besondere  Schenkung,  welche  der  Gatte  seiner  Gattin,  außer  der 
im  Ehevertrage  ^  zugesagten  Wiederlage,  zuwendet,  findet  in  der  Urkunde, 
'T^rtb  niriTa*,  spezielle  Schenkung  genannt,  ihre  Regelung.  Barcelonis  Doku- 
mentenbuch führt  folgendes  Formular  an. 

Wir,  die  unterzeichneten  Zeugen,  bekunden  mittels  deutlichen  Zeug- 
nisses, daß  A,  Sohn  des  B,  zu  uns  sprach:  Seid  meine  Zeugen,  vollziehet  den 
Kinjanakt  mit  mir,  schreibet  in  jeder  vorteilhaften  Ausdrucksweise,  unter- 
zeichnet es  und  gebet  es  der  C,  meiner  Frau  %  damit  es  ihrer  Hand  zum  Vorteil 
diene,  betreffs  dessen,  daß  ich  ihr  aus  freiem  Willen,  ohne  welchen  Zwang, 
sondern  mit  ganzem  Herzen,  mit  Zuneigung,  mit  vollem  Verstände  und  mit 
wohlwollendem  Auge,  als  vollständige  Schenkung,  von  jetzt  ab,  als  besondere 
Schenkung  gegeben  habe  jenes  Haus  samt  Hof  oder  jenes  Feld.  Dies  sind  die 
Grenzen,  und  alles  was  innerhalb  dieser  vier  Grenzen  sich  befindet,  alles  gab 
ich  ihr  als  spezielle  Schenkung;  es  ist  eine  vollständige  Schenkung,  eine  fest- 
stehende und  ewige,  eine  beschlossene  und  festgelegte,  von  der  untei'sten  Tiefe 
bis  zur  höchsten  Höhe,  eine  Schenkung  für  alle  Zeiten,  eine  öffentliche  Schen- 
kung, eine  Schenkung,  die  bei  Lebzeiten  erfolgt,  eine  Schenkung  von  jetzt 
ab,  die  auch  nie  mehr  rückgängig  gemacht  werden  kann.  Es  sei  diese 
Schenkung,  die  ich  ihr  zugewendet  habe,  gleichgestellt  dem  Falle,  da  jemand 
seinem  Freunde  eine  Schenkung  macht;  sie  sei  nicht  wie  eine  an  die 
Kethuba  bedingungsweise  angefügte  Zusage",   sondern  eine  abgeschlossene, 


1  Ein  küi'zeres,  dalier  wahrsclieinlich  älteres,  von  Wiederholungen  freies  For- 
mular für  die  Schenkungsurkunde  ist  im  halachischen  Werke  Ittur,  ed.  Lembcrg, 
1860.  I.  fol.  54  b  enthalten. 

^  Zu  ergänzen:  am  Tage  .  .  .,  im  Monate  .  .  .,  des  Jahres  .  .  .  gemäß  der 
Zeitrechnung,  welche  wir  hier  im  Orte  .  .  .  gebrauchen.  Wir  haben  geschrieben, 
gesiegelt  und  händigen  es  dem  E  ein,  damit  es  ilun  zum  Beweise  und  zum  Vor- 
teile diene. 

^  Vgl.  meine  Abliandlung  »Talnmdische  Rechtsurkunden •■  in  der  Zeitschrift 
für  \ergleichende  Rechtswissenschaft  1913,  Abschnitt  VI. 

*    S.  H.,  S.  56. 

•^    L.  ■'^•rs. 

^  Siehe  meine  Abhandlung  in  der  Zeitschrift  für  vergleichende  Rechtswissenschaft 
1913,  Abschnitt  VI. 

5» 


^^  Fit  iis:  Talmudisclic  Kcilitsurkuiiden. 

m'iltigp,  mit  allen  v<»iliaiulencn  Verstärkungen  geregelte  Schenkung.  Von 
jetzt  an  gehe  diese  C,  meine  Frau,  und  erwerbe  es  fiir  sich  als  eine  ab- 
geschlossene Zuwendung.  Es  steht  ihr  frei,  es  zu  erben  und  zu  vererben, 
CS  weiter  zu  verschenken  und  über  diese  Schenkung  ganz  nach  ihrem  Be- 
lieben zu  verfügen.  Niemand  kann  es  ihr  wehren  und  audi  mir  stehe  nicht 
das  Recht  zu,  in  irgendeinem  Punkte  einen  Einwand  zu  erheben.  Mit 
wohlwollendem  Auge  habe  ich  ihr  diese  Schenkiuig  gegeben;  meine  Macht, 
nieine  Gewalt,  mein  Anrecht  wie  auch  das  Anrecht  und  die  Gewalt  meiner 
Kechtsnachfolger  habe  ich  betreffs  dieser  Schenkung  gänzlich  entfernt;  ich 
habe  diese  Schenkung  dem  Datum  der  Kethuba  gegenüber  postdatiert,  damit 
sie  nicht  wie  eine  an  die  Kethuba  geknüpfte  Bedingung  angesehen  werde, 
sondern  wie  eine  besondere  Schenkung,  eine  vollständige,  eine  Schenkung 
nach  der  Heirat.  Die  Tragweite  einer  Schenkung  nach  der  Heirat  ist  mir 
wohlbekannt;  denn  es  haben  die  Weisen  ausdrücklich  gelehrt,  daß  die  Frau 
die  Schenkung  gänzlich  erwirl)t,  so  daß  dem  Ehegatten  nicht  einmal  die 
Nutznießung  davon  zusteht.  Dieser  Schenkung'  hal)e  ich  ein  ^'on■echt 
anderen  Zuwendungen  gegenüber  eingeräumt,  damit  sie  berechtigt  und  be- 
vollmächtigt sei,  mit  dieser  Schenkung  ganz  nach  ihrem  Boliol)on  zu  schalten; 
denn  nichts  habe  icli  von  dieser  Schenkung  für  mich  zurückl)ehalten,  weder 
Nutznießung  noch  .  .  .  ;  es  besteht  kein  Einwand,  kein  Beweis,  keine  For- 
derung und  keinerlei  Anrecht.  Wir  Zeugen,  haben  diesem  A  bekannt- 
gegeben: wisse,  daß  die  Rechtskraft  dieser  Schenkiuig,  die  ein  Mensch 
seiner  Ehefrau  zuwendet,  die  nämliche  ist,  als  würde  er  die  Schenkung 
einem  andern  zuwenden.  Wenn,  Gott  l)ehüte,  Zorn,  Streit,  Zwist  zwischen 
ihnen  auftreten  sollte,  so  stehe  ihr,  obwohl  sie  in  seiner^  Gewalt  ist,  frei, 
diese  Schenkung  nach  Belieben  weiter  zu  verschenken,  sogar  wenn,  Gott 
behüte,  sie  die  Ehescheidung  vornehmen  wüi-den''.  Es  erklärte  sich  dieser 
A  einverstanden  und  unterwarf  sich  all  diesen  Bestimmungen,  und  sprach: 
Diese  Schenkung  habe  ich  bereits  in  ihre  Hände  endgültig  gelegt,  damit  sie 
bei  Lebzeiten  wie  auch  für  Todesfall  ganz  freiwillig  darül)er  verfüge.  Diese 
Schenkung  erfolgt  öffentlich  und  ist  Jedermann  1)ekannt,  gemäß  aller  Schen- 
kungen, die  ein  Gesunder  zuwendet,  und  niclit  ist  es  eine  Schenkung  eines 
Sterbenskranken,  vielmehr  ist  es  eine  Schenkung  eines  Gesunden,  erfolgt 
mittels  aller  denkbaren  Rechtsansprüche,  mittels  Annullierung  aller  Protest- 
erklärungen, entsprechend  der  Verordnung  und  Bestimmung  der  Weisen, 
nach  Sitte  und  Rechtsnorm.  Die  Haftbarkeit  und  Erschwerung  der  Urkunde, 
welche  eine  besondere  Schenkung  i-egelt,  erkenne  ich  für  mich  und  meine 
Rechtsnachfolger  für  verpllichtend  an,  gemäß  der  Haftimrkeit  aller  Ur- 
kunden, in  denen  eine  spezielle  Schenkung  geregelt  wird,  die  in  Isi-ael  ge- 
bräuchlich sind,  von  heute  l)is  in  Ewigkeit.   Nicht  ist  dies  eine  Scheinzusage, 


1    L.  'T  vor  -"»tt:. 
■  '  X.  rrrrn. 

3  Einige  schreiben  diesbezüglich  in  die  Urkunde:  Sollte,  Gott  behüte,  irgend- 
ein Unglück  eintreten,  so  behebt  sie  diese  Sclieukung  gänzlich,  außer  der  ilir  zu- 
koinmenden  Ehevcrschreibungssumiue. 


Fuchs  :  Talinudische  Rechtsui-kunden.  69 

und  nicht  ist  es  ein  l)lüßes  Urkundenlbnniilar.  Wir  haben  den  Kinjanakt 
mit  A  zu  Gunsten  dieser  C,  seiner  Frau,  vollzogen  betreffs  all  dessen,  das 
oben  ausgeführt  und  deutlich  auseinandergesetzt  wurde,  mittels  eines  für 
den  Kinjanakt  tauglichen  Gegenstandes.  So  geschehen  vor  uns  am  .  .  .  Tage, 
im  Monat  ,  .  .,  im  Jahre  .  .  ..  gemäß  der  Zeitrechnung,  die  hier  in  unserem 
Orte  gebräuchlich  ist.  Wir  haben  geschrieben,  unterzeichnet,  händigten  es 
dieser  C  ein,  damit  es  in  ihrer  Hand  zum  Beweis  und  zum  \^)rteil  diene  '. 

Schenkung  eines  Sterbenskranken'-. 

vSchenkungen,  die  durch  .Sterbenskranke  erfolgen,  bedürfen  keines 
Kinjanaktes^  —  ein  solcher  kann  jedoch  trotzdem  stattfinden,  und  wenn  der 
Kranke  es  wünscht,  sogar  am  Sabbat. 

Jeder,  der  bei  der  Verfügung  des  Sterbenskranken  anwesend  war, 
wird  als  Zeuge  betrachtet. 

Die  Schenkung  eines  Schwerkranken  kann  erst  nach  seinem  Ableben 
angetreten  werden  —  und  auch  dann  wird  erst  die  Elheverschreibungssunmie 
abgezogen,  ferner  das  Nötige,  um  die  Witwe  und  die  Töchter  zu  versorgen. 
Hat  der  Kranke  seinen  ganzen  Besitz  verschenkt,  so  ist  die  Schenkung  un- 
gültig für  den  Fall,  daß  der  Sterbenskranke  wieder  gesund  wird*;  doch  muß 
der  Kranke  nachdrücklich  ])etonen,  daß  es  sein  ganzer  Besitz  ist. 

Schenkungen,  welche  man  vor  Antritt  einer  Seereise,  vor  Anschluß  an 
eine  fortziehende  Karawane,  vor  dem  Abmarsch  mit  einer  Kriegstruppe,  oder 


'  Am  Schlüsse  des  Kapitels  über  Schenkungen  schreibt  Mainionides :  n-ip^^isn 
s:riJ'  -iirs:  iini  a"ls■>^;a  ss  "i^v  -fi^3  S'är.z  ain-j^a  sVx  ans-s  ruhJi  i'isa-i  sV  r.wa  ■';ü;st  Di-iTain 
r-ini  ri'jhi.  Wahrhaft  fromme  und  werktätige  Menschen  sollen  keine  Schenkungen 
annehmen,  sondern  auf  Gott,  dessen  Name  gepriesen  sei,  vertrauen ;  auch  ist  bereits 
in  der  Schrift,  Proverb.  XVI27,  gesagt  worden  »wer  keine  Gaben  annimmt,  solche 
haßt,  der  wird  leben».  Der  Komentator  ~::o'o  ti,to  bemerkt  zu  dieser  Ausführung  des 
Mainionides : "h  ■'n-is"  rnt-.'ii  rrza  psnon^  Wais  hj^  ■'\s-i  Es  geziemt  für  den  In- 
tellektuellen, daß  er  sich  mit  dem  Notwendigen  begnüge,  auch  heißt  es  im  Mischna- 
traktate  Pea,  daß,  wer  da  nötig  hätte.  Gaben  anzunehmen,  dies  jedoch  meidet,  stirbt 
nicht  früher,  ehe  er  —  von  Gott  gesegnet  —  genügend  besitzt,  lun  andere  ernähren 
zu  können  .  .  .  und  wer  mit  seiner  Gottesfurcht  Ernst  macht,  der  jagt  keineswegs 
dem  Besitze  nach,  da  dies  eitel  ist  .  .  .  Neid  untergräbt  das  Leben  des  Menschen 
und  nur,  wer  mit  seinem  Anteile  zufrieden  ist  .  .  .  dient  seinem  Schöpfer  in  rich- 
tiger Weise. 

2  yro  ai2:£j,  abgekürzt  ^'"^.  Vgl.  Maimonides:  rijrrn  -113T  rnsV-,  Kapitel  VIII  (f., 
S.  H.,  S.  75  ff. 

*  Begi'ündung:  a^^->y  v-z'  yn'v  :>i^a3  rVy  inyn  rj-ian  ahv  112  damit  der  Kranke 
sich  nicht  gräme  bei  dem  Gedanken,  daß  seine  Bestimnmngen,  weil  im  gegebenen 
Momente  ein  Kinjanakt  niciit  stattgefunden  hat,  unausgeführt  bleiben.  Vgl.  Mai- 
monides, ibid.VIIIa. 

*  "^rn  -iizy  ns  Wenn  er  aufsteht,  kelirt  der  Besitz  zurück,  denn  s^i-  n-ji  t?is 
es  besteht  die  Voraussetzung,  daß  er  die  Schenkung  nur  für  seinen  Todesfall  ge- 
macht haben  will,  und  ebenso  verhält  es  sich,  wenn  er  sein  ganzes  Vermögen  dem 
Heiligtum  zugewendet,  herrenlos  erklärt  oder  den  Armen  zugesagt  hat. 


70  Pucns:  Talmudische  Reclifsurkunden. 

wäJirend  einer  Kiaiikhcit,  die  sich  iimiiei-  melir  aiisdelint,  zin\ endet,  sind  denen 
«gleichgestellt,  die  von  Sterhenskraiiken  erfolgen;  die  Vollziehung  des  Kinjan- 
aktes  ist  daher  nicht  ohligatorisch.  d(Min  im  Todesfälle  halten  die  goti'otrcncn 
W-rfügungen  volle  Geltung'. 

Die  Urkunde,  welche  nach  dem  Tode  des  Schenkgehers  zugunsten 
des  Beschenkten  ausgestellt  wird,  enthält  den  Vermerk  »in  folge  der- 
selhen  Krankheit,  welche  ihn  zur  Schenkung  veranlaßt  hat,  starh  er«'. 
Denn  für  den  Fall,  daß  dies  nicht  in  der  Urkunde  stünde  und  man  für 
die  dieshezügliche  Behauptung  auch  keine  Zeugen  heihringen  könnte,  so  wäre 
die  Schcnkimg  ungültig,  da  die  Erhen  geltend  machen  könnten,  daß  der 
Ki-anke  sich  von  jener  Krankheit,  unter  deren  Eindruck  die  Schenkung 
erfolgte,  erholt  hat  und  an  einer  andern  starh.  Audi  wenn  der  Sterhens- 
kranke  verfügt,  daß  man  seine  Schenkung  bis  zu  seinem  Tode  geheimhalte, 
so  ist  dies  nicht  als  eine  verboi'gcne  Schenkung  anzusehen. 

Die  Gültigkeit  der  Schenkung  bedingt,  daß  letztere  erfolgt  sei  durch 
einen  der  Ausdrücke:  X  nehme  all  meinen  Besitz  an  sich,  X  nehme  einen 
Teil  meines  Besitzes,  X  ergreife  —  gewinne  —  erwerbe  —  hal)e  das 
Vorrecht  —  erbe.  Durch  Ausdrücke  wie:  X  stehe  auf  meinen  Gütern 
—  lehne  sich  an  sie  an,  wird  die  Schenkung  ungültig. 

Ein  Prosclyt  kann  seinen  Besitz  nur  auf  die  Sölnie  vererben,  die  ihm 
nach  seinem  übertritt  zum  Judentum  geboren  wurden. 

Jedes  Geständnis  des  Sterl)enskranken,  daß  sich  auf  Darlehen,  Pfänder 
bezieht,  ist  als  richtiges  Geständnis  zu  betrachten;  ebenso  sind  seine  sämtlichen 
Verfügungen  vmd  Wünsche,  die  sich  auf  P'reilassung  von  Sklaven,  oder  auf  die 
Erleichterung  ihres  Dienstes  beziehen,  genau  auszuführen.  Dem  Sterbens- 
kranken steht  das  Recht  zu,  so  oft  ihm  beliebt,  die  Schenkung  zu  ändern,  d.  h. 
selbe  einem  andern  zuzuwenden,  daher  ist  als  der  rechtmäßigBeschenkte  immer 
nur  derjenige  anzusehen,  dem  er  sie  zuletzt  zugewendet  hat^;  wurde  jedoch  ein 
schriftliches  Dokument  abgefaßt  und  der  Kinj'anakt  vollzogen,  der  Aiisdi-uck 
"gehe,  ergieife  den  Besitz  und  erwii'b«  gebraucht*,  dann  ist  die  Schenkung 
rechtskräftig,  auch  wenn  der  Schwerkranke  seinen  ganzen  Besitz  vei*- 
schrieben  hat.  Hat  er  einen  Teil  des  Vermögens  an  A  verschenkt  und 
auch  den  Kinjanakt  vollziehen  lassen,  nachher  aber  an  B,  ebenfalls  (uiter 
Vollziehung  des  Kinjanaktes,  sein  ganzes  Vermögen  verschenkt,  so  erwii-bt 
bei  Tode.sfall  A  seinen  Teil  und  B  den  Rest;  bei  Wiedergenesung  kann 
bloß  A  sein  Anrecht  auf  den  Teil  geltend  machen  —  B  jedoch  geht 
ganz  leer  aus. 

Der  Kauf,  den  ein  Schwerkraidier  abgeschlossen  hat,  ist  gültig;  so 
er  aber  sein  ganzes  Vei-mögeu  vei'kauft  hat,  kann  er  doch  nach  erlangter 


»    ■;■'— r-::-  ■j-'^t:*  r-=-:  ""-r;    soine  Worte  sind    einer  geschriebenen  und    einge- 
händigten Urkunde  gleichgestellt. 

3    rf^ra  -ly  t'itrth  ys  v    or    darf   die    Schenkung    rückgängig    machen    his    vor 
seinem  Tode. 

♦    !-•'*;  •^,',  rar  ana  vgl.  den  Kommentar  ^■-'^'^  "iv";  zur  Stelle. 


Fuchs:  Talmudische  Rechtsurkunden.  71 

Genesung,  vorausgesetzt,  daß  die  Kaufsumine  noch  gänzlicli  vorhanden  ist, 
znrücktreten. 

Kommen  Zweifel  aul',  ob  die  vSchenkung  bei  voller  Gesundheit  er- 
folgte oder  im  Zustande  schwerer  Krankheit,  so  hat  der  Beschenkte  den 
Beweis  seiner  Behauptung  zu  erbx'ingen.  Sind  keine  Zeugen  vorhanden, 
dann  schwört  der  Schenkgeber  den  Antreibungseid '  und  behält  die  Schen- 
kung, wenn  es  sich  um  Immobilien  handelt;  so  es  aber  Mobilien  sind, 
die  sich  bereits  in  der  Hand  des  Beschenkten  befinden,  wird  dem  Beschenkten 
der  Antreibungseid  auferlegt,  denn  er  könnte  ebenso  auch  geltend  machen, 
daß  die  liesagten  Mobililien  überhaupt  ihm  gehören. 

Fand  man  an  der  Hüfte  einer  Leiche  einen  Schenkungsakt  befestigt, 
so  ist  derselbe  ungültig,  weil  anzunehmen  ist,  daß  der  Schenkgeber  sich 
eines  andern  besonnen  hat,  war  doch  der  Beschenkte  noch  nicht  im  Be- 
sitze der  Urkunde. 

Bezeichnet  der  Schwerkranke  einen  seiner  Söhne,  eine  seiner  Töchter, 
einen  seiner  Brüder  oder  einen  der  Erben  als  alleinigen  Erben,  so  erben  die 
übrigen  Söhne,  Schwestern,  Brüder  nicht  mit.  Heißt  es  in  der  Schenkungs- 
urkunde, die  ein  Gesunder  ausstellt  »von  heute  und  nach  dem  Tode«^  so 
kann  die  Schenkung  erst  nach  Ableben  des  Schenkgebers  angetreten  werden; 
enthält  sie  den  Vermerk  »bei  Lebzeiten  und  im  Tode«^,  so  ist  die  Schen- 
kung noch  bei  Lebzeiten  des  Schenkgebers  einwandfreier  Besitz  des  Be- 
schenkten, kraft  des  Ausdruckes  »bei  Lebzeiten«,  denn  die  Worte  »und  im 
Tode«  besagen  soviel  als:  von  jetzt  bis  in  alle  Ewigkeit,  und  dienen  nur 
zur  Ausschmückung  des  Urkundenstils  *. 

Unser  S.  H.  enthält^  folgende  Formulare  für  das  Testament": 

L 
Wir,  die  endesgefertigten  Zeugen.    So  geschah  es:  wir  machten  dem 
A,  Sohn  des  B,    einen  Krankenbesuch    und   fanden   ihn    krank    liegen   auf 
seinem  Bette,   seine  Sprache    und  seine  Rede  war  wohlgeordnet  in   seinem 


i  no-  r\'j-iz-ä  im  Gegensatze  zu  Di:ii-;n  ny-^rr:  Richtereid.  Beide  Eide  werden 
zwar  in  Gegenwart  \ou  Richtern  geleistet,  jedoch  während  der  letztere  bedingt,  daß 
der  Eid  in  Gegenwart  einer  Torarolle,  die  der  Vorsteher  oder  Vorbeter  der  Syna- 
goge in  der  Hand  hält,  geleistet  werde,  ist  beim  ersteren  unerläßlich,  daß  der 
Schwörende  die  Torarolle  selbst  in  seinen  Händen  halte.  Die  Gegenwart  der  Tora- 
rolle sollte  dem  Schwürenden  die  Heiligkeit  des  Eides  vor  die  Seele  führen.  Der 
Antreibungseid  findet  Anwendung  in  all  den  Fällen,  wo  die  Tora  keinen  Eid  ver- 
langt, die  Rabbinen  jedoch  einen  solchen  angeordnet  haben.  Richtereid  wird  der 
Eid  genannt,  den  das  Gericht  anordnet,  gleichviel,  ob  derselbe  von  der  Tora  oder 
nur  von  den  Gesetzeslehrern  gefordert  wird.  Vgl.  Hosen  Mispat  §  87;  Hamburgers 
Realenzyklopädie  für  Bibel  und  Talmud,  1884.  Abt.'l.,  S.  2G8  ff. 

••    S.  78. 

"    lieltriiisch  nsTis  TJ'ö,    aramäisch  smpsn   'ü. 


7*2  Funis:  T;iliiiudi>clie  Heclitsurkuuden. 

Mmulf,  t'i-  wußte  zu  spreclit'u  und  zu  ant\\H)rten,  j^anz  richtig,  er  konnU' 
bejahen  und  verneinen;  sein  (Jcist  war  klar  wie  der  anderer  Menschen, 
die  heruu»gehen.  Da  sprach  er  zu  uns:  »Meine  Hen-en,  ich'  hin  krank 
und  lurchte,  daß  ich  infolge  dieser  Krankheit  j)h")tzlifh  sterben  könnte, 
somit  mache  ich  vor  euch  mein  Testament.«  So  spracli  er  zu  uns:  »Ich  bin 
krank  und  gelie  dem  Tode  entgegen,  es  ist  niemand  da,  der  mich  umgebe 
und  mich  bediene,  mit  Ausnahme  des  C,  Sohn  von  D.  dieser  soll  mich 
umgeben  und  uuch  l)edienen,,  solange  ich  am  Lel>en  bin,  und  mir  zur 
Hülfe  sein.  Nach  meinem  Tode  nehme  er  alles,  was  ich  besitze.  So  ver- 
ordne ich  es  testamentarisch,  in  eurer  Gegenwart,  als  endgültiges,  abge- 
schlossenes Testament,  als  Testament  eines  Scliwerkranken.«  In  jener  Stunde 
übergab  er  ihm  alles,  was  er  besaß.  Dieser  C  bediente  den  A  bis  zu  dessen 
Ableben.  Infolge  derselben  Krankheit  starb  A,  und  ein  anderes  Testament 
.seinerseits  besteht  nicht,  nur  dieses.  C  forderte  uns  auf,  als  Zeugen  schrift- 
lich zu  ])ekunden  und  zu  unterzeichnen  beti-effs  dessen,  was  ihm  A,  Sohn 
des  B,  in  unserer  Gegenwart  testamentarisch  hinterlassen  hat.  Wir  schrieben 
ihm  die  Testamentsurkunde,  ganz  dem  entsprechend,  was  wir  aus  seinem 
Munde  gehört  haben.  Wir  haben  geschrie])en,  gesiegelt,  es  dem  C  ein- 
gehändigt, damit  es  ihm  zum  Beweise  und  zum  Vorteile  diene. 

II. 
Wir,  die  unterzeichneten  Zeugen,  besuchten  den  A  usw.  bis':  und 
sein  Geist  war  vollständig  intakt  wie  der  anderer  Menschen,  die  gesund 
herumgehen  ^.  Meine  Herren  —  sprach  er  zu  uns  — ,  ich  bin  krank  und 
befürchte,  daß  mich  der  Tod  plötzlich  befallen  könnte*,  somit  mache  ich 
in  eurer  Gegenwart  mein  Testament.  Es  ist  ein  Testament,  das  abgeschlossen 
wird  für  den  Todesfall.  Meinem  Sohne  B  gebe  ich  soundso  viel  von  meinen 
Feldern  und  soundso  viel  von  meinen  Mobilien.  Dem  C  hinterlasse  ich 
soundso  viel  Innnol)ilien  und  soundso  viel  Mobilien.  Von  jetzt  ab  und 
nach  meinem  Tode  soll  B  auf  die  erwähnten  hnmobilien  und  Mobilien, 
wie  auch  C  auf  die  erwähnten  Immobilien  und  Mobilien  ein  Anrecht  haben: 
denn  so  verfüge  ich  vor  euch  kraft  dieses  endgültigen  Testamentes,  welches 
für  den  Todesfall  erfolgt.  Niemand  kann  es  ihnen  wehren,  in  meinem 
Namen,  usw.  bis:  und  wir  Zeugen  wissen,  daß  A  infolge  dieser  Ki-ankheit 
staib^  Sein  Testament  ist  ein  endgültiges;  denn  nicht  hat  er  nachträglich 
diesbezüglich^  anderes  verfügt.     Die  beiden,   B  und  C,   baten   uns  Zeugen, 

*  Unser  Text  führt  die  Worte  des  Kranken  in  dritter  Person  an:  "^in  Nin 
er  ist  krank,  •'^trtr.  yo  mt:-'  «'s»  er  könnte  infolge  dieser  Kranklieit  sterben,  aiina  xir»  ni* 
solange  er  am  Leben  ist.  Es  liegt  dieser  Ausdrucksweise  oircnhar  eine  aber- 
gläubisdic  ^^n■cllt  zugrunde. 

^    Zu  ergänzen  nach  obigem  Fornmlar. 
2    Wörtlich:  die  auf  ihren  Füßen  gehen. 

*  Auch  hier  in  dritter  Person,  wie  in  obigem  Formular:  er  ist  kiank  und 
hrfürclitet,  er  könnte  eines  plötzlichen  Todes  sterben. 

^  las  fortgclien,  Abschied  nehmen.  S":W  ^z'^  ■^?h"''>!  ins  Jenseits  eingehen, 
wörflii'h:  in  das  Haus  der  Ewigkeit. 

"    lliditiger  vielleicht:  s:"';:"  ]V~r- 


Fuchs:  Talinudjsche  Rechtsui-kunden.  73 

daß  wir  schreiben  und  siegeln  mögen,  alles  was  A  vor  uns  testamentarisch 
verfügt  hat.  Wir  schrieben  ihnen  diese  Testamentsurkunde  ganz  gemäß 
dem,  was  wir  aus  seinem  Munde  vernommen  haben,  und  gemäß  dem,  was 
er  uns  befahl.  Wir  ha])en  weder  etwas  hinzugefügt  noch  fortgenonunen. 
Alles  vielmehr  haben  wir  geschrieben  und  gesiegelt,  entsprechend  dem,  was 
wir  aus  seinem  Munde  gehört  haben,  und  händigten  es  dem  B  und  C  ein, 
damit  es  in  ihren  Händen  als  Beweis  und  Vorteil  diene. 

Diesem  Abschnitte  über  Schenkung  und  Testament  seien  auch  noch 
die  allgemeinen  Bestinmiungen  über  das  Erbrecht  beigefügt. 

Mischna  Baba  Bathra  VIII g  bestimmt:  Wenn  ein  Mann  stirbt  und  hinter- 
läßt keinen  Sohn,  so  sollt  ihr  sein  Erbe  an  seine  Tochter  übergehen  lassen'.  Ein 
Sohn  geht  also  der  Tochter  vor  (d.  h.  eine  Tochter  erbt  nichts,  falls  ein  Sohn 
da  ist)  und  alle  Nachkommen  (männliche  oder,  wenn  keine  solche  da  sind, 
weibliche  Deszendenten)  des  Sohnes  gehen  der  Tochter  vor  (diesem  gegen- 
ü])er  behaupten  die  Sadduzäer:  die  Tochter  erbt  mit  des  Sohnes  Tochter). 
Die  Tochter  geht  den  Brüdern  (und  auch  dem  Vater  des  Verstorbenen) 
vor  und  alle  Nachkommen  der  Töchter  gehen  den  Brüdern  vor.  Die 
Bruder  gehen  den  Vater-Brüdern  vor,  und  die  Nachkonunen  der  Brüder 
gehen  den  Vater-Brüdern  vor.  Dies  ist  die  Regel:  Von  einem  jeden, 
der  in  der  Erbschaft  vorgeht,  haben  auch  dessen  Nachkommen  dieses  Vor- 
recht.    Der  Vater  al)er  geht  allen  seinen  Nachkommen  vor«"^. 

Der  Erstgeborene  erhält  aus  den  Gütern  des  Vaters  einen  zwei- 
fachen Anteil.  Dem  Vater  steht  das  Recht  zu,  seinen  Besitz  nach  Belieben 
zu  verschenken,  soltald  er  aber  seine  Schenkung  als  »Erbschaft"  be- 
zeiclmet,  sind  seine  V^erfügungen  ungültig,  da  er  das  Gebot  der  Tora, 
welches  den  Söhnen  gleichen  und  dem  Erstgeborenen  einen  doppelten  Teil 
als  »Erbschaft«  zusichert,  nicht  verdrängen  kann.  Auch  den  eigenen 
Kindern  kann  der  Vater  seinen  Besitz  nach  Belieben  »verschenken«,  z.  B. 
dem  Erstge})orenen  nur  einen  Teil,  den  andern  Kindern  ungleiche  Teile  zu- 
wenden *. 

Haben  die  Söhne  ihren  Teil  als  »Erbschaft«  erhalten,  dann  besteht 
für  sie  die  Pflicht,  für  ihre  Schwestern  zu  sorgen  und,  wo  die  Hinter- 
lassenschaft klein  ist,  wird  aus  dei'selben  vor  allem  der  Unterhalt  der 
Töchter  bestritten  und  die  Söhne  —  und  müßten  sie  betteln  gehen  —  er- 
halten nur  den  Rest. 

Wer  die  i-echtmäßigen  Erben  übergeht  —  ist  den  Gesetzeslehrern 
nicht  angenehm  (Ij^sn  >7ni3  Qiiasn  JTn  )-'ia)  und  auch  in  dem  Falle, 
wo  die  rechtmäßigen  Erben  infolge  ihres  unsittlichen  Lebenswandels  ver- 
dienen würden,  daß  sie  leer  ausgehen,  auch  da  erfordert  es  die  gottes- 
fürchtige  Gesinnung,  daß  man  nicht  Zeuge  sei  bei  einem  Testament,  das 
die  rechtmäßigen  Erben  überseht*. 


1  Num.  27,. 

2  So  nach  Hoffmann,  Misnaiot  IV,  Berlin  1898,  S.  128. 
^  Vgl.  Baba  Bathra  147  a. 

*  Vgl.  Maimoiiides,  Misne  Tora,  hi^ns  n-isVn.  VIi,. 


71  FiTiis:  Taliimdisdie  liechtsurkmidcn. 

Die  Frau  Uaim  ihren  Mann  iiiclit  lieerlicn,  dci'  Mann  liiiij^egen  erht 
allen  He.sit/  seiner  <iattiii.  Starl)  die  l'iau  luieli  dem  Tode  des  Gatten 
—  so  l)eerl)en  sie  keineswegs  die  Krl)en  des  Mannes,  soinh^ni  nur  die 
Kriien  der  Frau,  d.   Ii.  die  Verwandten   ilu'os   Kllernliauses. 

Der  Erstgeborene  erhält  einen  zwieiaehen  Anteil,  aber  niu'  aus  dem  vor- 
ijelundenen  Besitz.  Ks  kann  z.  B.  ein  uoeli  nieht  heglieiienes  Darlehen  nielit 
mit  verrechnet  werden,  um  aus  demselben  iiir  den  Krstgehorenen  einen 
doppelten   Anteil  zu  sichern. 

Die  Erben  können  ihi-e  Erbauspiiicht  erst  erheben,  wenn  sie  in  nn- 
anleehibai-er  Form    den  Beweis    erbrachien,    daß  der  Erblasser  versehieden 

ist  (lo^T'c  Pttc  n-nin  n-'xn  is^:i^ü  nr  ^bm:  'j-'cirn  ^-^s?) '. 
Das  Erbrecht  bei  den  karäisehen  Theologen. 

Die  biblisch-talinudisclien  Bestiiiiniuugen  über  das  Erb- 
recht fanden  bei  den  Karäern  keinen  Anklang.  Es  ist  kaum 
anzunehmen,  daß  auch  in  diesem  Punkte  n  nr  Voreingenommenheit  gegen  die 
Habbaniten  die  Quelle  ihrer  Meinungsverschiedenheit  gewesen  sei. 

In  seinem  iunfassend<.-n  Werke  über  alle  Teile  de,r  karäischen  Theologie 
schreibt  der  um  1490  in  Konstantinopel  wirkende  Elia  ])en  Moses  Baschjazi: 

mcbi  ^nx  ©^s  ^i'^  =:""c  ^:s)2  c^rnn  ay  in^  n^inn  cj  ic-i"^'''ir  in^x  on-c 
iniTsn  n^m2  crTn''?  ^ixhd  r^nn  =n"^by  rm-ai  nnirn  D.  h.  einige  Gelehrte 

räumen  den  Töchtern  ein  gleiches  Erbrecht  mit  den  Söhnen  ein, 
handelt  es  sich  doch  um  die  Kinder  eines  Mannes,  warum  sollte  der  Sohn 
der  Tochter  gegenüber  im  Vorteil  sein?  R.  Josef,  der  Kluge,  begründet  diese 
Gleichberechtigung,  indem  er  sagt,  genau  wie  der  ^'ater  während  seines 
Lebens  sie  gleichmäßig  erzieht  und  liebt,  so  haben  die  Kinder  auch  nach 
seinem  Tode  Anspruch  auf  gleichmäßige  Behandlung.  Elia  Baschjazi  er- 
wähnt ferner  eine  Lehi'meinung,  wonach  der  Tochter  w  enigstens  ein  Drittel 
der  Erihschaft  zufällt,  denn  wenn  die  Tochter  auch  nicht  genau  so  \iel  erbt 
wie  der  Bruder,  so    wäre   es   doch    uid)egr(Mflich,  wenn    sie    leer   ausginge, 

denn  r^^pzii  by  cH  p  o^iDTn  by  DH  nxnis  iT2:i  -njs»  Dip^'G  inst^n  obD 

alle  sind  doch  desselben  Ursprungs  und  wie  der  Vater  seine  Söhne  ge- 
schützt haben  möchte,  so  will  er  auch  seine  Töchter  geborgen 
wissen.  Andere  wieder,  wie  R.  Levi  und  R.  Jefet,  al)er  auch  die  meisten 
Gesetzesiel ircr  legen  den  Söhnen  bloß  die  Verplliehtung  auf,  für  die 
Seiiwestern,da  diese  nicht  mitcrhen,  standesgemäß  zu  sorgen.  Elia  Baschjazi  be- 
stimmt jedoch,  daß  der  Tochter  ein  Drittel  der  Erbschafi  zugesprochen  werde, 
damit  sie  sich  verheiraten  oder  ernähren  könne,  denn  niD!'©  D'^IÜTn  nbXS 

=:^s  nrn  an^ns  wStsrn  d^-'^th  a^inrl  n^!^:n:  sbi  bs-iw^'a  bisn-on  un© 

a-nriEn  by  minb  "jITIX  nn-'r  in  diesen  Zeiten,  in  dei-  das  Szepter  von 
Isi-ael   genonunen  ist,    künunern  sich   die   Briider    nicht   um   das  Recht  ihrer 

'    Vgl.  Maimouides  ebenda  Kap.  I — XI. 


Fuchs:  Talinudlsrlie  Rechtsurkuiideii.  75 

Schwestern,  aiicli  wenn  Ict/.tere  l)etteln  gellen  nu'ißten.  Ancli  iTilirt  Elia 
Baschjazi  aus  biblisrher  iiiul  späterer  Zeit  Beispiele  an,  in  vvelciien  die 
völlige  Gleicliberechtigiing  dei-  Tochter  mit  den  Söhnen  stattgefunden  hat. 
In  Ermangelung  von  Deszendenten  fällt  die  Ei-hschaft  —  nach  rahhanitischei" 
Lehre  —  nur  dem  Vater  zu.  Auch  karaitische  Theologen  vertreten  diese  Auf- 
fa.ssung,  jedoch  Daniel  Elkomsi  spricht  aucli  der  Mutter  ein  Drittel  zu, 
genau  so  wie  hei  der  Erbschaft  der  Tochter,  während  nach  Ansicht  der 
meisten  karäischcn  Gesetzeslehrer  Vater  und  Mutter  zu  gleichen  Teilen 
erben.  Beachtenswert  ist  auch  hier  die  ethische  Begriuidung:  StT^ITÖTS  '^ZL'C 

ns^nn  7pV  ^nn  ny-  )Z'\  IDTrra  nnV  ibllSa  Weil  beide,  \'ater  und  Mutter, 
gleichen  Anteil  haben  an  der  Schöpfung  des  Kindes,  scheint  es  nicht  an- 
gebracht, einen  der  Beiden  vorzuziehen  ...  ja  sogar  nach  dem  Urteil  der 
Vernunft  käme  der  Mutter,  da  sie  durch  die  p]rziehung  des  Kindes  mehr 
Schmerzen  erduldet  als  der  Mann,  ein  größerer  Anteil  zu.  Dies  ist  auch 
die  Ansicht  des  R.  Josef  Albasir '. 

Eine  weitere  nennenswerte  Abweichung  des  karäischen  Erbrechts  von 
dem  der  Rabbaniten  zeigt  sich  in  dem  Grundsatz:  IDTÖX  TS  ©"^Sn  TSI"^"^  xb 
Ipy  5D  der  3Iann  beerbt  seine  Frau  überhaupt  nicht. 

Elia  Baschjazi  faßt  die  das  Ei-brecht  betreffenden  Bestimmungen  zu- 
sammen in  die  Regel:  =^E::n  p  c^ipym  c^ipyn  p  2^ia-iip  a-^nisn   Die 

Kinder,  Enkel  und  deren  Deszendenten  gehen  den  Eltern  \  or  und  diese  wie 
auch  deren  Eltern  wieder  den   »Flügeln«^. 

Der  Karäer  Benjamin  Nehawendi  (800)  behandelt  in  seinem  ü'^i'^l  HSD 
das  Erbrecht  nur  lückenhaft;  so  ist  die  Frage,  ob  die  Töchter  eiben,  ferner 
ob  der  Gatte  seine  Frau  beerben  kann,  überhaupt  nicht  erwähnt ^ 

In  dem  Hauptwerke*  des  karäischen  Gelehrten  Juda  Hadassi  (1148) 
finden  wir  im  Anschluß  an  das  fünfte  Gebot  des  Dekalogs  auch  das  Erb- 
recht behandelt,  jedoch  dieser  Theologe  ist  gar  nicht  einverstanden  damit, 
daß  die  Tochter  dem  Sohne  ganz  gleichgestellt  sei  oder  wenigstens  ein 
Drittel  erbe,  auch  erbt  der  Mann  nach  seiner  Auffassung  die  Güter  seiner 
Gattin  nur  für  den  Fall,  daß  aus  der  Ehe  Kinder  entstammten,  denn  in 
Eruiantrelunü;  von  Nachkonunen  erben  den  Besitz  dieser  Gattin  ihre  Eltern 


-  Über  die  hier  genannten  Theologen  s.  Fürst,  Gescliichte  dos  Karäcrtunis, 
Leipzig  1862. 

2  Es  sind  damit  die  Brüder  luid  Schwestern  des  Erblassers  gemeint.  Ans 
der  karäischen  Terminologie  sei  noch  erwähnt,  daß  mit  =■'^^"  die  Brüder  des  Vaters, 
mit  a-s-Bi  die  Brüder  der  Mntter  gemeint  sind.  Vielleicht  könnte  zur  Erklärung 
^•on  aiE-Bi  das  arabische  ^j-^  »verschwenden«  herangezogen  werden.  Bekannt  ist 
ja,  daß  die  Brüder  der  Mutter,  aus  Liebe  zur  Schwester,  deren  Kinder  verwöhnen- 
und  »\ersch\venderisclier''  beschenken,  als  andere  Verwandte.  Vgl.  Elia  Baschjazi 
in^Vs  n-Ts  ed.  Goslow  1835,  fol.  101  ff.        .. 

^    Vgl.  Bin  ~o  —  auch  ■j''":"'«  t-.av:  genannt  —  od.  Goslow  ].S:{5. 

■*    "■sr.  h'^-aa  ed.  Goslow  1S86. 


76  Fucus:  Talmudisehe  Rcchtsurkuiidcn. 

l)/.w.  ilii'f  üriulcr  oder  Verwandtoii '.  Jiida  Hadnssi  hcliandelt  die  ganze 
Religionslehre  an  Hand  der  zehn  fiel)üte.  Ks  ist  da  manches  gewaltsam 
dieser  Ordnung  angegliedert,  manches  wieder  gewinnt  dui-ch  dieses  System 
an  Höhe  des  Standpunktes.  So  z.  B.  hespricht  er  an  Hand  des  Verbotes 
»Du  sollst  nicht  stehlen«  auch  die  sozialen  (Jebote  des  Pentateuchs; 
daselbst  spricht  er  von  der  F  ü  r s  o  j*  g  e  f ü  r  Wi  t  w  e  n  und  Wa  i  s  e  n ,  i'ü  r 
Fremde  und  Schutzbedürftige,  fiir  Sklaven  usw.,  und  erscheint 
in  dieser  von  rechtsphilosophischem  Standpunkte  beachtenswerten  Auf- 
fassung jedes  Unrecht  sozialer  Natur  als  eine  Art  Diebstahl  am 
Besitze  unserer  Mitmenschen. 

Elia  Baschjazi  a.  a.  0.  Fol.  102  l>  erwähnt  die  Auffassung  des  karäischen 
Gelehrten  R.  Levi,  wonach  der  Gatte  Erbe  seiner  Gattin  auch  in  dem  Falle 
ist,  wenn  das  dieser  Ehe  entsprossene  Kind  gestorben  ist;  denn  das  ver- 
storbene Kind  beerbt  seine  Mutter  und  vererbt  den  also  ererbten  Besitz 
dem  Vater.  —  Es  liegt  dieser  Ansicht  die  Lehre  zugrunde,  wonach  der 
Verstorbene  b^nSTSl  bm:  d.  h.  nicht  bloß  vererbt,  sondern  auch  beerbt,  jedoch, 
so  bemerkt  Elia  Baschjazi,  ist  diese  Auffassung  eine  alte  aber  nicht  verbreitete, 
besagt  doch  die  Hauptstelle  im  Pentateuch:  »Ihr  sollt  seine  Hinterlassenschaft 
geben«   usw.,  und  ist  ja  dieses  »geben«  bei  einem  Toten  nicht  ausführbar. 

Dieser  kurze  Überblick  über  das  karäische  Erbi-echt,  das,  wie 
wir  sehen,  noch  im  15.  .lahrhundcrt  Schwankungen  unterworfen  war, 
rechtfertigt  die  Ausführungen,  die  der  Dichter  und  Philosoph  Jehuda 
Halevi  (1085)  einem  jüdischen  Geleluteii  in  den  Mund  legt^:    ^^"ü  D9)Stßn 

cn^rn  in  i-^n^xo  rrbnpn  is  i^ca  ^b  -niDTW  ttü  nmn  z-^Kipb  -nnn  br  ins 
■j^nis  n«  in'^m  i^d^iz  is  D'^'a^uis  "«  "npDia  is5  rmciatt  rpibnia  Hast  du, 

König  von  Kusar.  gehört,  daß  di«;  Karaiten  über  einen  der  erwähnten 
Gegenstände,  etwa  über  Massora,  \'okalisation,  Akzentuation,  Erlaubtes 
und  Verbotenes  oder  Rechtssachen  ein  auf  Überlieferung  beruhendes  und 
keiner  Streitigkeit  unterworfenes  Werk  liaben? 

Der  Seheidebrief  \ 

Die  wesentlichsten  Bestimmungen  für  diese  Urkunde  leitet  die  tal- 
nujdische  Gesetzgebung  aus  der  diesbezüglichen  l)i))lischen  Hauptstelle 
Nummer  XX1V,_^  ab. 

Die  Scheidung  kann  nur  mittels  eines  schriftlicheh  Aktes  erfolgen, 
der  in  den  Besitz  der  Ehefrau  gelaugt  sein  muß. 

Der  wesentlichste  Bestandteil  des  Scheidebriefes  ist  in  den  "Worten 
D^S  bsb  rnri^ia  rix  "^"in  d.  h.  du  bist  somit  erlaubt  für  jeden  andern  (der  dich 
heiraten  wird).  So  wäre  der  Scheidebrief  nichtig,  wenn  statt  dieser  Formel 
darin  stünde   »du  bist  nun  frei«. 

Aus  der  biblischen  Bestimmung  »er  schreibe  für  sie  den  Sclicidebrief 
und  gebe  ihn  in  ihre  Hand«  folgerte  nun,  daß  die  Ausfertigung  und  tlber- 


^    Ebenda  Vo\.  139  b.  im  Anscbliiß  au  das  zehnte  Gebot  des  Dekalogs. 

•■'    Vgl.  Ku^an  ed.  D.  Casscl,  Leipzig  1869.  S.  247  ff. 

3    S.  n;  S.  25.  —  Mainionides:  rc'-v-  n-5>r  Kap.  I-XIH. 


Fuchs:  Talmudisclie  Rechtsurkuiidcn.  77 

gäbe  dieser  Urkunde  unmittelbar  hintereinander  stattfinden  müsse'.  Wenn 
z.  B.  die  Scheidungsurkunde  auf  ein  Knhhorn  geschrieben  wurde,  muß  die 
Übergabe  der  Kuh  sofort  erfolnen,  hat  man  das  Hern  vorerst  ahgetrennt, 
so  ist  die  Scheidungsurkunde  ungültig. 

Die  Übergabe  des  Scheidebriefes  ist  nur  in  Gegenwart  von  Zeugen 
gültig,  gleichviel,  ob  es  dieselben  sind,  die  den  Scheidelirief  mit  unterzeichnet 
haben,  denn  die  Scheidung  ist  erst  durch  die  tM)ergabe  des  Dokumentes 
rechtskräftig-'. 

Die  Zeugen  der  ül)ergabe  lesen  vorerst  das  Dokument,  bevor  es  der 
Frau  eingehändigt  wird.  Wenn  die  Zeugen  nicht  schreiben  können,  so 
zeichnet  man  ihnen  mit  Speichel  oder  mit  sonst  etwas,  das  keine  Spuren 
zurückläßt,  den  Namen  vor,  und  die  Zeugen  schreiben  nach.  Es  besteht 
diese  Erleichterung  nur  für  den  Scheidebrief,  denn  die  Gesetzeslehrer  wollten, 
"daß  die  Töchter  Israels  nicht  an  ihre  Männer  gebunden  seien«'.  Die  An- 
wesenheit des  einen  Zeugen  ist  erforderlich  in  dem  Augenblicke,  da  der 
zweite  unterzeichnet.  Nur  die  ortsgebi-äuchliche  Ära  konunt  fih"  die  Datiennig 
des  Scheidebriefes  in  Betracht.  Im  allgemeinen  war  außer  der  Welt- 
schöpfungsära die  seleuzidische*  im  Gebrauch.  Die  Urkunde  konnte, 
obwohl  es  in  dem  Bibelvers  heißt  -er  schreibe  ihr-  auch  durch  einen 
Berufsschreiber'  ausgestellt  werden,  in  solchem  Falle  ist  das  Schreiber- 
honorar zu  Lasten  der  Frau.  Der  berufsmäßige  Schreil»er  darf  sich  im 
voraus  Formulare  anfertigen,  er  läßt  luu-  Platz  frei  für  den  Nau)en  des 
Mannes,  für  den  der  Fi-au,  für  das  Datum  und  für  die  fünf  Worte  PS  ^"in 
ms*  jd^  tT\tW2.  Dem  Namen  fügt  man  auch  noch  die  Bemerkiuig  hinzu,  daß 
alle  andern  Namen,  unter  denen  die  betreffenden  Parteien  bekannt  sind, 
mit  inbegriffen  sind. 

Als  zulässiges  Schreibmaterial  galt:  a)  schwarze  Tinte,  b)  rote  Farbe, 
c)  Gummi,  d)  Kupfervitriol ^  e)  Gallaj)felsaft''.  Auch  die  beschrieben 
gewesene  radierte*  Seite  des  Papiers  konnte  verwendet  werden,  ebenso 
Pergament",  Ostrakon  ^'\  Ptlanzenblättei"  ^'.    Man  darf  die  Scheidungsurkuude 


3  nijw  Vs-iri  n-ija  rni  sVr 

*  Auch  als  M""j4  1!?'?  aera   Coiitractuuin  bekannt. 

5  -'£10  oder  -"^=5,  XißXap 

G  a-n:;::];']  oii-p  s-;:b  i"»-! 

3    s;Pi£-  J£4)^apa 

'°  D-rt  Der  Tahmid  kennt  auch  Verlolmng.s-  luid  Ehekontrakte  auf  Ostrakon 
geschrieben.  Vgl.  Sota  Ij.  Kiddusin  9a,  26  a.  Jebam.  52a.  In  B.  Bathra  51a  ist 
von  einem  Kaufakt,  geschrieben  auf  Ostrakon,  die  Rede. 

^1  Oliven-,  Johantiisbaum-,  Kürbisblätter,  Lauchhaut,  Zwiebel-,  Schierlings-, 
Gi'finzeug-,  Rohrblätter  fanden  auch  als  Schreibmaterial  Verwendung.  Sabbat  fol.  108 
erwähnt  auch  Vogel  und  Fischhaut  als  Schroibmaterial.    Außer  diesen  ist  auch  von 


7fi  Kr<  iKs:  Talinudisflu^  Kcrlil>uikuiidoii. 

niK-li  auf  ili»'  llaiul  ciiu's  Sklaven  liitow  ici-on ',  aiil'  das  Ihnii  ciiici-  Kuli, 
wie  bereits  oben  erwälint.  sehreilien,  auf  Leder  eiiirilzcn.  Jede  Ix-liehige 
Scliriff-*  un<l  aueli  Jede  andei-e  als  die  für  diesen  Zweck  allgemein  i;el)räueli- 
lielie  aramäische  Sprache  ist  iTir  diese  rrkuiide  gültig.  Ks  ist  nicht  nut- 
wendig, vorausgesetzt,  daß  die  Zeugen  die  in  der  Urkunde  gebrauchte 
Siiniclie  verstehen,  daß  auch  die  Zeugenunterschi'iften  in  dcrsellicn  Spi'ache 
erfolgen.  Auch  kann  jeder  der  Zeugen  in  einer  andern  Sprache  unteizeichnen, 
für  den  Text  dei-  Urkunde  jedoch  kann  nur  eine  Sjirache  in  Betracht 
kt)mmen.  Welche  Siirache  aber  auch  \'crwendung  tindet  —  es  ist  j)einlichste 
Deutlichkeil  im  Ausdruck  geboten — jede  Zweidiutigkeit^  ist  zu  meiden,  und 
als  Schrillzüge  konnnen  nur  die  einfachsten,  welche  auch  kleinen  Kindern 
geläufig  sind,  in  Betracht. 

Bei  der  Verwendung  der  aramäischen  Sprache  ist  auf  folgendes  [tein- 
lichst  zu  achten: 

1.  Man  schreibe  das  Pi-onomen  y~,  ohne  Jod,  damit  die  Lesung 
■J""   ■Ivechtsstreit«   nicht  ujöglich  sei. 

2.  Das  Woi't  ri15''i?  »Brief«  wird  ohne  Jod  geschrieben,  damit  die 
Lesiuig   r"15  "^S    "Wcnn  du  Buhlerei'  treiben  solltest',    unmöglich  sei. 

3.  Ti?T)25  "Z\i  gehen"  schreibt  man  ohne  i  nach  dem  Partikel  b  und 
achtet  auf  das  Tl-,  damit  es  nicht  durch  tlüchtige  Schrift  zu  n  werde, 
wodurch  die  Bedeutimg  -zum  Gelächter«  entstehen  könnte. 

4.  Die  beiden  Verbalfoinien  'j"^"''"nr  und  'j'*''32n  schreibt  man  mit  drei 
Jod,  weil  diese  Formen  niclit  bloß  »du  hast  (das  Recht)«  und  »du  willst«, 
sondei-n  auch  »ihr  habet«  und  -ihr  wollet«  bedeuten  und  dadurch  ein 
Mißvej'ständnis  aufkonnncn  könnte,  als  ob  von  zwei  andern  ?'rauen  die 
Rede  wäre. 

5.  Im  Worte  llDn  dehnt  man  das  zweite  Waw,  damit  es  nicht  einem 
jod  gleiche  und  die  Bedeuttmg   »unter  dieser  Bedingung«   ausgeschaltet  sei. 

6.  Ei)enso  dehnt  man  das  Waw  in  l-^SIir  inul  'J'^piDÜ,  damit  die 
passive  Form  der  Worte  »Scheidung  und  Entlassung"  nicht  gedeutet  werden 
könne,  als  wenn  die  Frau  ihren  .Mann  entlassen  und  sich  von  ihm  ge- 
schieden  hätte. 

Durch  die  N  i  c  iit  beo  ba  c  ht  u  n  g  einer  der  eben  erwähnten 
Regeln   wird  d  er  Scheidclni  c  f  u  n  <>iiltig.    Verlöschte,  vergessene  und 


Hirsdigeweili,  von  Stein-.  Gold-,  Metall-  und  Ilolztafeln  die  Rede.  Vgl.  L.  Blau,  Die 
jüdische  Ehesclieiduiig  und  der  jüdisdie  Sclieidcbriof,  34.  und  3.^.  Jalircslieridit  der 
Laudcsrabbinerscliide  Budapest  1911.    1912. 

>  —"-  rz-r'sz  -zu  hv  --;■'  W  p-pn  -j~  rir  Diese  Eiiinclitung  ist  der  beste  Beweis 
lür  die  urspiüiigiiclie  kurze  Fassung  des  Sclieidebi'icfes. 

^  Aus  Sabbat  Fob  115  a  zählt  folgende  Schnfteu  auf:  h'-:?v  ri-a-'i"  n-i-":  n^-jsv- 
r-r"',  die  ägyptische,  uiedisclie,  hebräische,  olauiitisclie  und  giiechisohc  Schrift. 

^    ';■':■'■':<  '-  ■ji'i'i"":  s~7  sVi 

*    s~J  iu  Leidenschaft  eutbreuuen. 


Für  IIS :  Taliimdisclie  Kcclitsiirkundcii.  79 

iiacliträglicli  zw  isclu'ii  den  Zcilei\  gcschriehenc  fJuclistahcn  sind  nui-  im  'l'oles, 
nicht  aber  im  Torel"'  der  Urkunde  zulässig.  Im  Toret'  vorgenommene 
Korrektiu'cn  sind  nur  dann  giUlig,  wenn  sie  am  .Schlüsse  der  Urkunde 
nochmals  ausdrücklit  h  Erwähnung  finden,  z.  B.  »der  Buchstabe  X  ist 
zwischen"^  der  Zeile-  oder  dei-  Buchstabe  Y  steht  auf  einer  radierten' 
Stelle. 

Hin  und  derseH'C  Scheidebri<,'t'kaim  vn  gleicher  Zeit  auch  mehrere  Scliei- 
dungeii  auss|)rechen,  voransgeset?<,  daß  die  Namen  der  verschiedenen  Männer, 
die  diese  Scheidungen  vornehmen,  wie  auch  dieNamen  ihrer  Frauen,  denen  der 
Scheidebrief  vor  Zeugen  überbrachl  wird,  deutlich  genannt  sind.  Auch  können 
beide  Seiten  eines  Pergamentes  für  zwei  verschiedene  Scheidebi'iefe  verwendet 
werden.  Die  Scheidung  l)eginnt  mit  dem  Momente,  wo  die  Urkunde  in  den 
Besitz  der  Frau  gelangt \  gleiclnicl,  ol)  diese  ihr  eingehändigt  oder  zu j^e - 
werfen  wurde.  Die  Einhändigung  kann  auch  durch  einen  Bevollmächtigten 
erfolgen,  und  die  Scheidimg  ist  refhtsgültig,  wenn  die  geworfene  Urkunde 
auf  das  Eigentum  ^  der  Frau  fiel.  Die  Übernahme  des  Scheidebriefes  kann 
auch  durch  einen  von  der  Frau  bezeichneten  Dritten  erfolgen.  Dieser  heißt 
nb3p  IvhlD  und  ist  zu  unterscheiden  von  Hrb'^H  tT^bTS,  dem  Boten,  den  der 
Mann  betraut,  um  seiner  Frau  den  Scheidebriei'  zu  l)ringen,  und  von 
nXS'^rt  rr^blT,  dem  Boten,  den  die  Frau  beauftragt,  um  den  Scheidebrief 
abzuholen.  Während  in  dem  IMomente,  wo  ein  rtbsp  rr^bo"  die  Urkunde 
in  Empfang  nimmt,  die  Frau  auch  schon  geschieden  ist,  bedarf  es  erst  der 
Einhändigung  des  Scheidebriefes  an  die  Frau,  wenn  die  Urkunde  durch 
einen  nabln  'O  oder  einen  HSnin  'O  überbraclit  wird,  um  die  Scheidung 
rechtskräftig  zu  gestalten.     Die  Scheidungsurkunde  zurückzuziehen  ist  nur 


'  Name  des  Mannes,  —  der  tVau,  und  die  Foi'inel  B^s  ^25  h-n-::  ns  ■>■«  bilden 
den  Hauptteil,  don  Toref.  alles  andere  gehört  zum  Tofes,  zum  tutto?  d.  h.  zum 
typisclien  Formular. 

^  "^.  ''i  i^T'-  f^'ä*'  Die  jüngere  Bezeidiuung  für  Rasur  ist  pn^  und  sanv. 
die  ältere.  In  einer  von  Prof.  A.  Merk  (Doeumeuts  de  paleographie)  edierten  Urkunde  ist 
p""j  sarti;!  by  keineswegs  in  -~"JS':nv,  zu  \-erbessern  und  dann  anlehnend  an  ^/suuerpixa 
als  »Archiv  der  Feldmesser«  zu  übersetzen,  denn  das  fragliche  Wort  gehört  der 
Korrekturzeile  an  und  bedeutet:  das  "VA'ort  ~'a  ist  auf  einer  Kasur  geschrieben.  Vgl. 
Kaufmann  in  der  Monatsschrift  für  dio  Geschichte  des  Judentums,  1895,  S.  153. 

•'  Steht  die  Frau,  im  Momente,  wo  ihr  der  Scheidebrief  zugeworfen  wird,  auf 
ihrem  Hofe,  ist  die  Scheidung  gültig.  Befindet  sie  sich  noch  im  Hause  ihres  Mannes, 
so  muß  der  Scheidebrief,  falls  er  geworfen  wird,  auf  oder  in  eines  der  Geräte,  welches 
persönlicher  Besitz  der  Frau  ist,  fallen,  wenn  die  Scheidung  rechtski-äftig  sein  soll. 
Viele  Bestimmungen,  die  sich  auf  den  geschleuderten  oder  hingeworfenen  Scheidebrief 
beziehen,  erwecken  den  Eindruck,  als  handelte  es  sich  dabei  doch  bloß  um  Schul- 
weisheit. 

"    Über  die  diesbezügliche  schriftliche  Vollmacht  s.  weiter  unten. 


,^((  ^^'«•n,s:  Talniudisrlic  l\fthtMii  kuiidpii. 

inr>glifli,  wenn  sich  (lioscll)e  noch  in  der  Haiul  dos  Hcitcii  hcliiidct  und  der 
Manu  sich  in  jxtsitivcr  Form  geäußert  liat,  z.  H.  er  sagte:  -Der  Sclieide- 
lirief  ist  annulliert-,  ••diese  Urkunde  ist  null-,  ••dieser  Scheidehrief  sei  einem 
Tonscherben  gleichgeachtct«   oder  in  ähnlicher  Weise. 

Kommt  der  Bote  /iirück  \md  berichtet  seinem  Aiiftraggebei-,  er  habe 
die  Frau  nicht  angetrolVen  oder  sie  weigerte  sicii,  den  Scheidebriet"  anzu- 
nehmen, so  ist,  wenn  auch  der  Mann  dadurch  in  eine  freudige  iStimmung 
Zieraten  ',  docii  noch  eine  ganz  positive  Äußerung  seinerseits  notwendig,  um 
die  Scheidungsurkunde  zu  aniudlieren. 

lUs  zu  dem  Momente,  wo  die  .Scheidung  rechtskräftig  wird,  liegt  dem 
Gatten  die  Pllicht  ob,  seine  P^rau  zu  ernähren  und  alle  im  Fhekontrakt  auf- 
gezählten Bedingungen  zu  erfüllen. 

Der  Bote  spricht  bei  til)ergabe  des  Scheidebriefes,  vorausgesetzt,  daß 
er  bei  dessen  Ausfertigung  zugegen  war:  Vor  mir  ist  er  gesciiriel)en  und 
vor  mir  ist  er  unterzeiclmet  worden^. 

Unzulässig  ist  es,  diese  l^rkunde  durch  Frauen,  bei  denen  man  vor- 
aussetzen kann,  daß  sie  gegen  die  geschiedene  Frau  feindselig'  gestimmt 
sind,  iiliermitteln  zu  lassen. 

Die  Scheidung  kann  auch  l)edingungs weise*  geschehen,  in  diesem 
Falle  üi)erbringt  man  der  Frau  die  Urkunde  mit  den  Worten:  dies  sei  dein 
Scheidebrief  unter  dieser  oder  jener  Bedingung.  Auch  ist  die  schriftliche 
Fonnulierung  der  Bedingung  statthaft,  jedoch  muß  ihr  der  Toreftext  voraus- 
gehen. Tritt  die  Bedingung  ein,  ist  die  Scheidung  rechtskräftig  —  im 
entgegengesetzten  Falle  hat  die  Urkunde  keine  Gültigkeit  ■\  Besteht  die 
Bedingung  in  der  Festsetzung  eines  Zeitpiuiktes",  dann  erfolgt  sie  in 
dop[)elter  Form ',  z.  B.  komme  ich  innerhalb  der  nächsten  dreißig 
Tage  nicht  zurück,  so  ist  dies  der  Scheidebrief,  komme  ich  aber  wieder, 
dann  soll  dies  kein  Scheidebrief  sein.  Kraft  des  Grundsatzes  "J^y^SiSl  crX  pS 
••für  den  Scheidebrief  kann  man  keine  unvorhergesehenen  Unglücksfälle 
geltend  machen-,  wäre  die  Scheidung  auch  dann  noch  gültig,  wenn  der 
Heimkehrende  durch  Krankheit,  Hochwasser  od.  dgl.  verhindert  war, 
innerhalb  dor  festgesetzten  Zeit  heiniz,ukommen. 


'  Er  sprach  z.  B.  die  ohligatorisclie  Bciicdiktion  bei  ei«cr  angenclimen  Narli- 
riclit:  ="'a':~i  z'-^r:  -ji^2  Gepriesen  sei  der  Gütige  und  der  Güte  erweist.  Bei  einer 
betnibendcn  Naclniclit  spricijt  man:  i~is  ■;■'"'-;  -"s  Gepriesen,  der  in  Gerechtigkeit 
riclitet. 

2    srrz  i;e:"  =n:;  ^:s: 

■*  -T  ris  "T  pnsrs  ■;npT—r  a-'-r:  zu  diesen  /.älilt  /..  15.  die  Sciiwiegerniutter,  die 
Sclivvägcrin,  die  Nebenfrau. 

*    m"?  ist  die  Abkürzung  für  ^s:p  ~"_  —  bedingungsweise. 


Fuchs:  Talinudische  Rcchtsurkundeii.  81 

Die  Si'lieidiiii};  ist  angebracht,  wenn  die  Frau  sclilecliten  Gedanken 
nachgeht,  sich  nicht  sittsam  aufltilnt.  Eine  so  veranlagte  geschiedene  Frau 
soll  man  nicht  heiraten,  damit  die  Leute  nicht  sagen  können:  dieser  ent- 
fernt das  Übel  aus  seinem  Hause,  und  der  andere  läßt  es  bei  sich  ein- 
treten. 

Um  die  Nachkommen  aus  erster  und  zweiter  Ehe  feststellen  zu  können, 
wartet  sowohl  die  verwitwete  als  auch  die  geschiedene  Frau  noch  neunzig 
Tage  bis  zu  ihrer  Wiederverheiratung. 

Der  typische  Wortlaut  des  Scheidebriefcs :  Am  .  .  .  tcn  der  Woche, 
am  .  .  .  ten  des  Monates  .  .  .,  des  Jahres  .  .  .  seit  Erschaffung  der  Welt,  ge- 
mäß der  Ära,  welche  wir  hier  im  Orte  .  .  .,  gelegen  an  .  .  .,  zählen,  hal)e  ich, 
A,  Sohn  des  B,  und  wie  ich  nebst  meinen  Vätern  sonst  noch  mit  Beinamen  ge- 
nannt werde,  und  wie  sonst  mein  Wohnort  und  der  Wohnort  meiner  Väter 
heißt,  aus  der  Ortschaft  .  .  .,  aus  eigenem  Antriebe,  ohne  Zwang  entlassen,  ge- 
schieden-, dich,  C,  Tochter  von  D,  aus  der  Ortschaft  .  .  .  und  wie  man  sonst 
noch  mit  Beinamen  dich,  deine  Väter,  deinen  Wohnort  und  den  Wohnort  deiner 
Väter  nennt,  die  du  bis  jetzt  meine  Frau  warst.  So  entlasse  ich  dich,  C,  Tochter 
von  I),  und  welchen  Beinamen  du  auch  sonst  hast,  aus  der  Ortschaft  .  .  ., 
damit  es  dir  gänzlich  freistehe,  hinzugehen  und  dich  mit  jedem  Manne  deiner 
Wahl  zu  verheiraten^.  Niemand  kann  es  dir  welu-en,  in  meinem  Namen* 
von  heute  ab  bis  in  alle  Ewigkeit ^  Du  bist  somit  erlaubt  für  jedermann^. 
Dies    ist    der    Scheideljrief,    die    Entlassungsurkundc,    das    Dokument    der 


1  S.  H.  S.  25.  Daselbst  erwähnt  Jehiida  Barzeloni  sein  Werk  über  Elie- 
sflieidung:  '|"''^^^  fT3P~.  Die  gangbare  babylonische  Bezeichnimg  des  Scheidebriefes 
ist  y^^'os  aa,  'j"'3:-n  -eo  (--n  assyrisch  entzweireißen)  die  schriftgelehrte  palästi- 
nische, ]yi:iV  r.":.s  die  volkstümliche.  Der  Scheidebrief  galt  als  die  Urkunde  f(ttr 
iCi^oyjo',  daher  die  bloße  —  den  Babyloniern  entlehnte  —  Bezeichnung  '»:-<,  gittu. 
Der  Scheidebrief  war  ursprünglich  ganz  kurz  und  bestand  aus  zwei  oder  drei  Zeilen. 
Beachtenswert  ist  es,  daß  im  Japanischen  »drei  und  eine  halbe  Zeile  geben«  Schei- 
dung bedeutet.  Über  den  Scheidebrief  besitzen  wir  eine  eingehende  Studie  von  dem 
namhaften  ungarischen  Gelehrten  Ludwig  Blau.  Vgl.  seine  Abhandlung:  Die  jüdische 
Ehescheidung.  1911  und  1912.  (34.  und  .35.  Jahresbericht  der  ungarischen  Landes- 
rabbinerschule in  Budapest.) 

2  Die  talmudischen  Urkunden  bedienen  sich  vieler  gleichwertiger  Ausdrücke 
—  h-2T  5r  1-05  33  —  für  das  in  ihnen  enthaltene  Rechtsgeschäft. 

^  In  einer  Papyrusurkunde  sagt  der  Mann  zur  Fraxi,  von  der  er  sicli  scheidet 
es  sei  ihr  gestattet:  airoTTYvcci  y.ca  'y«w;C"^i'«  w  zav  ßovX^r,  «wegzugehen  und  zu 
heiraten,  wen  sie  will».    Vgl.  Blau  a.  a.  0. 

*  •'IS  p  erklärt  Harkavy  für  einen  Kopistenfehler,  da  aber  diese  beiden  Worte 
auch  bei  Häja,  ferner  auch  in  den  von  Blau  mitgeteilten  Texten  vorkommen,  ist  ein 
Schreibfehler  ausgeschlossen.  Ich  übersetze  »in  meinem  Namen«.  Vgl.  im  ka- 
räischen  Fornmlar  des  Scheidebriefes  bei  E.  Baschjazi :  "'«»':  """'?  ~n?:i  S5  ^■'S. 

'"  Rab  führte  diese  Formel  ein,  doch  konnnt  sie  schon  in  dem  aramäischen 
Papyrus  oft  vor.     Blau,  a.  a.  0.  ü.  44. 

ß  Die  volle  Formel  lautete  sr:-?  n-n-i  du  darfst  geehelicht  werden  —  und 
kommt  in  den  Scheidebriefen  bis  zum  XII.  Jahrhundert  nicht  vor.  Ihre  Einführung 
verordnete  Jakob  Tarn  in  Raniera  um  1150. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  IL  Abt.  6 


jS*J  Fithn:  'J'aliiiudisclie  Reclitsurkimdeii. 

Trennung,    gemäß    der    Satzung    Mose's    und    Israels '.      ...  Zeuge,   .  .  . 
Zeuge '. 

Die  \'üllinaclit  tVu-  ilen  Boten  lautet  im  Seler  llastarotli^: 
Wif,  die  unterzeichneten  Zeugen,  hekunden  mittels  deutlicher  Zeugen- 
aussage:    A,   Tochter   des    H,    l)Cvollniä('htigte    den  (\    Sohn    des  D,    kraft 
4  Ellen  Bodenbesitzes*,  daß  er  ihr  Bote  sei,  um  lur  sie  ihren  Seheideltricf 
aus  der  Hand  ihres  Gatten  E  oder  ihres  Verlobten^  in  Empfang  zu  nehmen. 


^  An  dieser  Stelle  war  in  alter  Zeit  auch  der  Name  des  jeweiligen  Herrschers 
genannt  worden.  So  ersichtlich  aas  Jadajiin  4g,  wo  ein  galiläisclier  Ketzer  gegen 
die  Pharisäer  polemisiert,  weil  sie  den  Namen  des  Herrschers  mit  dem  des  Mose 
im  Scheidebrief  scitrciben.  Der  Sclieidebricf  konnte  anch  mit  einem  Grnß  niid 
Segenswnn.sch  für  die  geschiedene  Fran  schließen.  —  Der  Seheidungsgrnnd  wird 
in  dem  Scheidebrief  nie  genainit  —  eine  Einrichtung,  die,  wie  Prof  Blau  mit  Recht 
bemerkt,  gewiß  für  die  sich  wieder  verheiratende  Frau  nur  von  Vorteil  sein  konnte. 
Den  diesbezüglichen  Ausführungen  Blaus  möchten  wir  hinzufügen,  daß  die  Karäer 
wohl  den  Scheidungsgrund  erw<ähnen,  wenn  auch  nur  mit  dem  allgemeinen 
biblischen  Ausdrucke:  "m  M"?  ~z  ihssi  "'S  »ich  fand  an  ihr  Abscheuliches«.  Audi 
tniterscheidet  sich  der  rabbanitische  »Scheidebrief  vom  karäisclien  dadurch,  daß  ersterer 
am  häufigsten  aramäisch,  letzterer  nur  hebräisch  abgefaßt  ist.  Auch  datiert  man 
den  Scheidebrief  bei  den  Karäern  von  der  Zerstörung  des  zweiten  Tempels.  Diese 
Ära  ist  laut  Gittin  VHIj  unzulässig.  Ein  alter  karäischer  Scheidebrief  ist  bei  Blau, 
a.  a.  0.  II.  S.  5,  verölTentlicht  —  jedoch  nach  der  seleuzidischen  Ära  datiert  und 
auch  ohne  Erwähnung  des  Scheidungsgrundes.  Vielleiciit  dürfen  wir  daraus  ent- 
nehmen, daß  in  den  ersten  2 — 3  Jahrhunderten  nach  der  Trennung,  wenigstens  in 
diesen  Punkten  die  Ansichten  der  Karaiten  noch  nicht  viel  verschieden  waren  von 
denen  der  Rabbaniten.  Die  Erwähnung  des  Scheidungsgrundes  gehört  gewiß  einer 
späteren  Pha.se  an.  Vgl.  auch  Nietzoldt:  Die  Ehe  in  Ägypten,  S.  79  —  wo  fest- 
gestellt wird,  daß  in  keiner  Urkunde,  gleichviel  ob  demotisch  oder  griechisch,  der 
Scheidungsgrund  genannt  ist.  So  nach  Blau  a.  a.  0.  Vgl.  ferner  das  Getformular 
im  imV«  hms  fol.  97  a. 

2  Nach  der  Auffassung  einiger  Rechtslchrer  geht  der  Ausfertigimg  des  Scheide- 
briefes noch  ein  anderes  Dokument  voraus,  in  welchem  dem  Ehegatten  bestätigt  wird, 
daß  der  die  Gültigkeit  des  Rechtsgeschäftes  bewirkende  Kinjanakt  zwischen  ihm  und 
den  Zeugen  vollzogen  wurde.  Gleichzeitig  annulliert  der  Ehegatte  alle  irgendwie  in 
Betracht  konnnenden  Äußerungen,  die  er  eventuell  mit  Bezug  auf  die  vorzunehmende 
Scheidung  gemacht  liaben  könnte.     Vgl.  S.  H.  S.  26. 

3  S.  121. 

*  ^"H  '^"-¥  "  — :*!.  lautet  die  Formel  für  ein  Rechtsgeschäft,  das  sich  nicht  auf 
ein  Oi)jekt,  sondern  wie  hier,  auf  eine  Vollmacht  bezieht,  und  nicht  durch  mündliche 
Äußerung  allein  abgeschlossen  werden  soll.  Diese  Formel  ist  nicht  wörtlich  aufzu- 
fa.ssen,  als  hätte  der  Bevollmächtigte  vom  Besitze  der  Auftraggeberin  vier  Quadrat- 
ellen Boden  erworben.  Vgl.  rya-a  fOTn  Kap.  XII  Abschnitt  48  und  Kap.  LXIV, 
Abschnitt  1  und  2.  Näheres  über  die  Vollmacht  wie  auch  über  andere,  in  meinen 
.\bhandhingen  nicht  berücksichtigte  Urkunden,  wird  die  von  mir  vorbereitete  »Ur- 
kundenlehre des  talniudischen  Rechts«  bringen. 

"'  In  folgendem  Falle  ist  das  Scheidungsdokument  auch  für  eine  Braut  obli- 
gatorisch:  A  verlobt  sich  mit  B,   letztere  unterninnnt   eine    Reise,   nun  liört  A,  daß 


Fuchs:  Talnmdisehe  Rechtsurkundeii.  8r? 

Also  sprach  sie  zu  ihm,  in  unserer  Gegenwart  und  kraft  einei-  vollständigen 
Erwerhungsformel :  Sei  mir  ein  Bote,  um  meinen  Seheidebrief  aus  der 
Hand  meines  Gatten  in  Empfang  zu  nehmen.  Sie  bevollmächtigte  ihn  in 
unserer  Gegenwart  mittels  eines  vollständigen  Aneignungsaktes.  Es  ist  eine 
vollständige  Vollmacht  für  diesen  C,  betreffs  dessen,  daß  die  Übergalte  in 
seine  Hand,  gleichw^ertig  sei  der  Übergabe  in  ihre  Hand,  seine  Ausführung 
gleichwertig  sei  ihrer  Ausführung.  Und  von  der  Stunde  an,  da  dieser  C 
den  Scheidebrief  aus  der  Hand  ihres  Gatten  in  Empfang  nimmt,  sei  sie  von 
ihm  geschieden,  in  vollständiger  Scheidung,  genau  so,  als  hätte  sie  selbst, 
eigenhändig,  den  Scheidebrief  aus  der  Hand  ihres  Gatten  in  Empfang  ge- 
nommen. Und  sollte  vielleicht  dieser  mein  Bote  nicht  kommen  und  gehen 
können  bis  zum  Wohnorte  meines  Gatten,  so  habe  er  das  Recht,  seiner- 
seits einen  andern  Boten  zu  bevollmächtigen,  ebenso  auch  noch  einen 
zweiten,  dritten  Boten  oder  noch  soviel  andere  Boten,  um  für  ihn  den 
Scheidebrief  entgegenzunehmen,  l)is  daß  der  Scheidebrief  in  seine  Hand  ge- 
langt, wo  er  sich  auch  aufhalten  sollte;  denn  ich  habe  das  Tun  seiner 
Hand  dem  meinigen,  seine  Verfügung  der  meinigen,  seine  Bevollmächtigung 
der  meinigen  gleichgestellt.  Alles,  was  er  ausführt,  alles  sei  für  mich  aus- 
geführt und  von  mir  genehmigt,  ohne  daß  ich  ihm  auch  nur  sagen  dürfte: 
Zu  meinen  Gunsten  habe  ich  dich  geschickt,  nicht  aber  zu  meiner  Schädi- 
gung. So  sprach  diese  A  zu  diesem  C:  Gehe  und  verfahre,  konmie  und 
bringe  mir  meinen  Scheidebrief  aus  der  Hand  meines  Gatten.  Wir  haben 
den  Kinjanakt  vollzogen  mit  dieser  A  zugunsten  dieses  C,  des  Bevoll- 
mächtigten, betreffs  all  dessen,  was  oben  ausgeführt  wurde,  in  vollständiger 
P'orm,  mittels  eines  für  den  Erwerbungsakt  gültigen  Gegenstandes.  Am 
.  .  .  ten  des  Monats  . .  .,  des  Jahres  . .  .  der  Weltschöpfungsära,  nach  welcher 
wir  im  Orte  .  .  .  zählen.  Alles,  was  uns  von  diesem  Rechtsgeschäfte  über- 
tragen wurde,  hal)en  wir  geschrieben,  unterzeichnet  und  dem  Bevollmäch- 
tigten C  ausgehändigt,  daß  es  ihm  zum  Beweise  und  zum  Vorteile  diene. 
Alles  ist  rechtskräftig  und  gültig'. 

Bedingte  Scheidung. 

Oben  wurde  bereits  ausgeführt,  daß  die  Scheidung  auch  an  eine  Be- 
dingung geknüpft  werden  konnte.     In  solchem  Falle  zog  man  vor,  für  die 


seine  Braut  gestorben  sei  und  lieiratet  C,  die  Schwester  von  B.  Das  Gerücht  erwies 
sich  aber  als  falsch,  B  kehrt  zurück,  da  aber  ihre  Schwester  mit  A  bereits  ver- 
lieiratet  ist,  darf  A  nicht  bei  Lebzeiten  seiner  Frau  auch  deren  Schwester  zur  Frau 
liaben.  A  gibt  der  Braut  B  einen  Scheidebrief,  aber  gleichzeitig  auch  seiner  Ehe- 
frau C,  damit  es  nicht  heiße,  er  habe  die  .Schwester  seiner  geschiedenen  Frau  ge- 
heiratet.    Siehe  Maimonides,  a.  a.  0.  Kap.  Xg  und  y^. 

1  Eine  ähnliche  Vollmacht  für  die  Übermittlung  einer  Verlöbnisformel  ist  in 
unserem  S.  H.  als  68-tes  Urkundenformular  aufgezählt,  doch  wahrscheinlich  durch 
Versehen  des  Abschreibers  ausgelassen  worden.  Vgl.  meine  Einleitung  zur  Ab- 
handlung:   Talmudische    Rechtsurkunden,    in    den   Westasiatischen    Studien  a.  a.  0. 

6* 


Sl  Fnii.s:  'ralmiidisclic  h'cclitsuikuiideii. 

Hnlinjinii^  ciiir  licsdiidci'e  rrkimde  ahziiiasseii ',  die  in  iinsfrcin  S.  II  diircli 
lulgeiides   Ft»riiiular'-  vertreten  ist: 

\\"\y,  die  unterzeichneten  Zeugen,  bekunden  mittels  deutlicher  Zeugen- 
aussage. So  geschah  es  vor  uns:  A,  Sohn  des  B,  entließ  seine  (iaitin  C, 
Tochter  von  D,  kraft  eines  Scheidebriefes,  der  regelrecht  und  k(trrekt  ab- 
gefaßt war.  In  unserer  Gegenwart  händigte  er  ihr  ihn  ein,  in  der  Stunde 
der  Schcidiuig,  unter  der  Bedingung,  daß  sie  auf  ihn  zwölf  Monate  warte. 
Also  sprach  in  unserer  Gegenwart  dieser  A  zu  seiner  Frau  C,  als  er  ihr 
den  Scheidebrief  übergab:  Dies  ist  dein  Scheidebrief,  unter  dieser  Be- 
dingung. Sollte  ich,  Gott  behüte,  nicht  innerhalb  der  zwölf  Monate  wieder- 
koinnien.  und  sollte  ich  verhindert  sein,  zu  dir  zurückzukehren-',  und  die 
zwölf  Monate  sind  gänzlich  al)gelaufen,  dann  ist  dies  eine  vollständige 
Scheidungsurkunde,  und  l)ist  du  frei  von  jetzt  an  bis  zu  jener  Zeit,  kraft 
dieses  Scheidebriefes.  Wenn  ich  aber  innerhalb  der  zwölf  Monate  zurück- 
konune  und  zu  dii-  zuifickkehre,  so  soll  diese  Urkunde  keine  Scheidungs- 
iirkundc  sein;  denn  von  jetzt  ab  ist  er  dann  schon  ungültig,  kraft  dieser 
Bedingung,  falls  ich  innerhalb  der  erwähnten  Frist  zurückkommen  sollte. 
Unter  dieser  Bedingung  händigte  er  ihi-  in  unserer  Gegenwart  ihi'cn  Schcidc*- 
brief  ein,  und  sie  erklärte  sich  einverstanden  uu't  dieser  Bedingung.  In  dieser 
Voraussetzung  nahm  sie  ihren  Scheidebrief  entgegen,  und  weil  es  nicht  an- 
gebracht ist,  diese  Bedingimg  in  den  Scheidebrief  einzuschalten,  haben  wir 
diese  Bedingung,  welche  gleichzeitig  mit  der  Scheidung  erfolgte,  nieder- 
geschrieben zu  Händen  des  Gatten.  Diese  Bedingung  ist  richtig  inul 
i'cchfskräftig,  anwendbar  und  gültig  gleich  allen  brauchbaren  Bedingungs- 
dokumenten, die  in  Israel  gebräuchlich  sind,  nach  Satzung  und  Brauch. 
Es  ist  gleich  der  Bedingung  der  Stäuune  Gad  und  Rubens,  für  welche  vor- 
gesehen war  ein  besonderes  Verhalten,  wenn  sie  nn't  hinüberziehen  und  wenn 
sie  nicht  mit  hinüberziehen'',  und  gleich  den  andern  Erschwerungen  ^  Ich 
habe  mich  auf  diese  Bedingung,  auf  diese  Bestimmung  verlassen.  Auf  diese 
A'oraussetzimg  und  Bedingung  gestützt,  verfügte  ich  die  Abfassung  des 
Scheidebriefes  und  händigte  ihn  meiner  Frau  C  ein,  damit  sie  frei  sei  von 
jetzt  und  nach  dem  Eintreffen  dieser  Bedingung.  Betreffs  dessen,  worin 
dieser  A  und  seine  Fi'au  C  unsere  Zeugenschaft  in  Anspruch  nahmen,   haben 


'  Bin  irra  "''3h  2"n:i  sn-is^  is^t  -jss-  v.'r:  di^.  Gesefzeslchrer  bcfüi  wortctcii 
niclit  die  Einschaltung  der  Bedingung  in  die  Urkunde  selbst.  Im  Talmud  besteht 
diesbezüglich  eine  Meinungsverscliiedenlieit.  Eine  der  Ansichten  Iaut«!t  '^o'zv  5: 
an33  i2"E  -irs  rt  vj  55-s  'z^sv  br  snz  20:2  -s  W  nui-  etwas,  dessen  mündliche  Ei- 
wälmung  UngüUigkeit  liervorrnft,  kann  durcli  Nicdersclireiben  ebenfalls  Ungültigkeit 
bervorrnlen,  was  jedoch,  wie  die  an  den  Sclieidebricf  geknüpfte  Bedingung,  mündhrli 
erfolgen  darf,  sollte  auch  schriftliche  Regelung  finden  dürfen.    Vgl.  Gipin  84  b. 

2    S.  130. 

'  Gemeint  ist  der  Fall,  weini  der  Gatte  eine  längere  Seereise  antreten 
müßte,  o.  L 

*  Jede  Bedingung  muß  klar  und  deutlich  beide  Möglichkeiten  hervorheben. 
Vgl.  Anmerkung  3  im  Kapitel  über  die  Schenkung. 

*  Zu  ergänzen:  So  sprach  feiner  A  zu  uns. 


Fuchs  :  Talmudische  Reclitsurkunden.  85 

wir  dies  geschrieben  im  Jahre  .  .  .  am  Tage  .  .  .  und  händigten  es  diesem  A 
ein,  damit  es  ihm  zum  Beweise  und  Vorteihi  diene.  Alles  ist  richtig  und 
gültig '. 

.  Weigerungsdokument". 

Eine  Minderjiihi-ige.  die  gegen  ihren  Willen  verlolit  oder  verheiratet 
wurde,  kann  vor  (Jericht  oder  vor  zwei  Zeugen  eine  Erklärung  abgehen, 
wonach  sie  mit  der  Wahl  nicht  einverstanden  sei.  Diese  Erklärung,  die 
aber  noch  im  minderjährigen  Zustande  abgegeben  Averden  muß,  bildet  don 
Inhalt  der  Weigerungsurkunde. 

Der  Urkundentext  lautet: 

Am  .  .  .  ten  Wochentage,  das  ist  am  .  .  .  ten  des  Monates  .  .  .,  erschien 
die  A,  Tochter  des  B,  vor  uns  und  sprach:  Als  ich  mit  diesem  Manne  ver- 
lieiratet  wurde,  da  war  ich  noch  minderjährig.  Meine  Mutter  —  oder  mein 
Bruder  —  verleitete  mich  und  verheiratete  mich  mit  diesem  Manne.  Jetzt 
aber  erkläre  ich  vor  euch,  daß  ich  ihn  nicht  mag.  Daraufhin  untersuchten 
wir  die  Angelegenheit  dieser  A,  Tochter  des  B,  und  fanden,  daß  sie  noch 
minderjährig  ist.  Da  sie  in  miserer  Gegenwart  die  Weigerung  aussprach, 
erlaubten  wir  ihr  hinzugehen,  zu  heiraten  jeden  ihr  beliebigen  Maim. 
Niemand  kann  es  ihr  wehren,  von  heute  bis  in  alle  Ewigkeit ^ 


^  Wie  man  im  allgemeinen  über  den  Scheidungsakt  dachte,  ersehen  wir 
aus  Talmud  Gittiii  90b,  wo  R.  Eleazar  folgenden  Ausspruch  tut:  ra-rsn  ihx;s  •a^:>-cr.  53 
'pn'iz  np:sT  "»^i  '-  n:T:  rs  ~t2-  .-iics  rayn  n^ru  ns7i  -'rsa-j  r,'V2i  vW  Tni»;  nzn  iV-its 
■^•zjs  "■'iiw  ^^s  ■j''Z"i  ~;"'3  t"""  'n  13  W  rn  »•  am»:s'  asiia  ■jisi  nnp^i  nn:ir!  Vs  rris  s"' 
-;.-ii-3  nrsi  -n-sn  sirn  ra  rm:.a  nns  Wer  sich  von  seiner  ersten  Gattin  scheidet,  ver- 
ursacht, daß  der  Altar  seinetwegen  Tränen  vergießt,  denn  es  heißt  (Maleachi  IIjj  u.  ,4): 
Und  dazu  konniit  noch,  daß  sicli  euretwegen  der  Altar  des  Herrn  mit  Tränen  bedeckt, 
mit  Weinen  und  Seufzen,  so  daß  er  sich  niclit  mehr  zu  eurer  Opfergabe  wenden  will, 
um  sie  mit  Wohlgef;illen  aufzunehmen.  Und  da  fraget  ihr  noch:  warum  dies?! 
Weil  der  Ewige  ein  Zeuge  ist  zwisclien  dir  und  dem  Weibe  deiner  Jugend,  dem  du 
treulos  wurdest  —  und  sie  war  doch  deine  Gefährtin  und  das  Weib  deines  Bundes! 

2  i^si^  a;.  S.  H.  S.  28.  Jeluida  Barzeloni  zitiert  in  diesem  Abschnitte  seine 
Abhandlung  •na^'o  m35r. 

^  Unser  Urkundenbucli  führt  auch  ausführlichere  Fonnulare  für  das  Weige- 
rungsdokument an,  aber  auch  ein  ganz  kurzes,  das  folgendermaßen  lautet:  ovz 
s:2:s2  -«q'W  'nz  srpyhB  "js""?  iDil»-?  am  ...  ten  sprach  die  X,  Tochter  des  Y,  vor  uns  die 
Weigerung  aus.  Nur  solch  kurzgefaßte  Urkundentexte  lassen  begreiflich  erscheinen, 
wenn  wir  liören,  daß  eine  Nußschale  oder  andere  kleine  Gegenstände  als  Schreib- 
material ^•erwendet  wurden.  Ausdrücklich  wird  auch  die  kurze  Fassung  empfohlen, 
damit  dieses  Dokument  nicht  mit  dem  Scheidebrief  selbst  verwechselt  werde.  Vgl. 
S.  H.  a.  a.  0.,  Ittur  fol.  33  a.  Im  Urkundenbuche  des  Gaon  Sadja  war  auch  von  einem 
Formular  die  Rede,  wo  die  Minderjährige  die  Wahl  ihres  Vaters  zurückweist.  Sadja 
fand  ein  solches  vor  und  ist  daraus  ersichtlich,  daß  die  Auffassung  noch  nicht  rezi- 
piert war,  wonach :  ■psi  ührjh  ''SisrsV  ri'31  s^i  sfr'-i'si  -pz'-iiy  rta  icsn  •p'si-iX'  ~^^^  ~=  "'="  °** 
^^.■.^■:)^^  mni-3  -c.-c  S5s  -ss--'  wenn  der  Vater  die  Minderjährige  verlobt,  dann  ist  das 
Verlöbnis  rechtskräftig  und  kann  die  Tochter  niemehr  eine  Weigerungserklärung  ab- 
ge.I)en,  wohl  alier,  wenn  sie  großjährig  wird,  durch  einen  Scheidebrief  die  Ehe  lösen. 


{^6  Fuchs:  Talmudische  Rechtsurkuuden. 

Freilassungsurkunde '. 

Das  taliiindisclie  Sclirifttum  spricht  vuii  liehi'äisclien-  und  auslündischon  ^ 
Sklaven  und  Sklavinnen,  Sklave  wird  ein  Hebräer  entweder,  wenn  man 
ihn  flogen  seinen  Willen  gcrichtswegen  verkauft*  —  dieser  Fall  tritt  ein. 
wenn  der  Dieb  die  Hauptsunune  nicht  wiedererstatten  kann,  oder  er  ver- 
kauft sich  selbst  im  Falle  größter  Brotnot.  Eine  Frau  jedoch  wird  weder 
wegen  Diebstahls  verkauft,  noch  darf  sie  sich  selbst  veikaufcn,  wie  sie 
auch,  um  keinem  Verdacht  ausgesetzt  zu  sein,  keinen  Sklaven,  gleicli- 
viel  ob  Hebräer  oder  Ausländer,  erwerben  kaiui.  Für  die  Behandlung  dei- 
Sklaven  galt  als  Grundsatz:  In  Speise.  Trank,  Nachtlager  und  AVohnort  soll 
der  Sklave  seinem  Herrn  gleichgestellt  sein\  Der  hebräische  Sklave  ist 
rechtskräftig  erworben,  wenn  der  Kauf  mittels  Geldes,  Geldwertes  oder 
einer  Urkunde  geschieht.  Es  genügt,  wenn  der  Sklave  auf  ein  Ostrakon 
oder  auf  Papier  schreibt:  »Ich  bin  an  dich  verkauft,  ich  bin  dein  Eigentum« 
und  dem  Besitzer  dieses  Schriftstück  einhändigt. 

Der  Kauf  hat  nur  für  sechs"  Jahre  Gültigkeit,  im  siebenten  geht  dei- 
Sklave,  gemäß  bi})lischer  Bestimmung,  frei  aus,  ebenso  wenn  das  Jubeljahr 
dazwischenfällt. 

Dem  nächsten  Verwandten  des  hebräischen  Sklaven  liegt  es  ol), 
letzteren  auszulösen,  wenn  er  im  Besitze  eines  Heiden'  sich  befindet.  Bei 
Mittellosigkeit  der  Verwandten  geht  die  Pflicht  auf  jeden 
Israeliten  über. 

\'erkaufte  sich  der  Sklave  für  60  Denare,  so  kann  er  z.  B.  nach  vier 
Jahren  frei  ausgehen,  sobald  er  dem  Besitzer  noch  20  Denare  zurückerstattet. 
\'erkaufte  er  sich  für  100  Denare  und  es  sind  noch  zehn  Jahre  bis  ziun 
Eintritt  des  Jubeljahres,  verrechnet  er  jedes  Jahr  mit   10    Denaren. 

Verzichtet  der  Besitzer  auf  die  ilnn  zustehende  Summe  und  entläßt 
den  Sklaven,  so  ist  die  Freilassung  nur  gültig,  wenn  die  Urkunde  ge- 
schrieben win-de. 

Nur  ein  Sohn  kann  den  Sklaven  seines  Vaters,  vorausgesetzt,  daß 
dieser  kein  Proselyt  und  kein  Heide  war,  erben:  ist  aber  die  Erbschaft 
auf  Tochter  oder  Bruder  übergegangen,  geht  der  Sklave  frei  aus. 

'    Vgl.  Maimoiiides:  a-iia?  t^'oir.  Kap.  I— IX. 

2    -1-13»  nay  und  rf^ayrr  rt-x. 

•■'    ■'»•a  -;2>'  und  n->:>':3  r;rr£r. 

*  Der  Gerichtshof  verkauft  den  Sklaven  nur  an  Isiaelitea  und  dann  auch 
nicht  auf  öffentlichem  Sklavenmarkte. 

!•  »im  -jB-»  y"  ms  rriN  ^^z-^p  ns  Vsis  siri  ip:  rs  53-s  rrs  srr  sVsr  ....  ■jnrsnV» 
'":  ]Si-\r.  ia:i  W  ]v>  sini  -pn  ir:>  5>'  pi  rns  •::-r,  -p-i  nriTa  gleicligestellt  .  .  .  damit,  wenn  du 
feines  Brod  ißest,  er  nicht  Kleicnbrod  essen,  wenn  du  alten  Wein  tiinkst,  er  keinen 
neuen  trinken,  wenn  du  auf  Flaumen  schläfst,  er  nicht  auf  Stroh  liegen  müsse. 

**  Es  sei  denn,  daß  der  Sklave  sich  \on  vomhercin  für  eine  längere  Zeit 
verkauft. 

'  Um  dem  schädlichen  Einfluß  entgegenzuwirken,  der  aus  dem  Umgange  mit 
dem  Heiden' entstehen  könnte. 


Fuchs  :  Talmudische  Rechtsurkunden.  87 

Für  die  ^'el•küstigallg  der  Frau  und  Kinder  des  Sklaven  sorgt  der 
Herr.  Erfolgte  der  Verkauf  durch  den  Gerichtshof,  so  steht  dem  Herrn 
das  Recht  zu.  dem  Sklaven  eine  heidnische  Magd  zu  gehen.  Die  so  von 
ihnen  gehoreuen  Kinder  gehören  dem  Herrn ;  wqv  sich  aher  selbst  verkauft, 
darf  keine  heidnische  Magd  ehelichen. 

Die  Durchlöcherung  der  Ohrmuschel '  nimmt  der  Herr  hei  einem 
Sklaven '^  der  sich  sell)st  verkauft  hat,  nicht  vor  —  und  auch  nicht  bei 
einer  Sklavin  ^.  Gleichviel,  ob  der  Sklave  durch  Fleiß  den  Wohlstand  seines 
Herrn  gefördert  hat  oder  nicht,  l)ei  seiner  Freilassung  gibt  dieser  ihm  ein  Ge- 
schenk in  Naturalien,  mindestens  im  Werte  von  30  Sela. 

Nur  in  größter  Not  steht  dem  Vater  das  Recht  zu,  seine  Tochter  als 
Magd  zu  verkaufen,  und  dann  auch  nur  in  ein  Haus,  wo  tür  sie  die  Aus- 
sicht der  Ehe  z.  B.  ihres  Herrn  oder  seines  Sohnes  Gattin  zu  werden,  be- 
steht^. Der  Kauf  ist  rechtskräftig,  wenn  der  Vater  auf  Ostrakon  oder  Papier 
schlich:  »Meine  Tochter  ist  dii"  verkauft,  meine  Tochter  ist  dein  Eigentum^« 
imd  das  Schriftstück'^  dem  Käufer  aushändigt.  Sobald  die  also  Verkaufte 
ihre  Geschlechtsreife  erlangt,  erwirbt  sie  ihre  Freilieit^  Dieses  eine  Moment 
ausgenommen,  bestehen  für  die  hebräische  Sklavin  dieselben  Bestimnuuigen. 
wie  für  den  Sklaven.  Will  der  Besitzer  die  hebräische  Sklavin  heiraten 
oder  sie  lur  seinen  Sohn  bestimmen**,  dann  kann  dies  nur  mit  ihi-er  Ein- 
willigung inid  imter  Beobachtung  der  diesbezüglichen  Satzimg  geschehen. 
Demnach  spricht  der  Herr  zu  ihr  vor  zwei  Zeugen:  »Du  seist  nu'r  angetraut« 
oder   "du  bist  meinem  Sohne  verlobt.« 

Das  Weiterverkaufen  oder  Verschenken  eines  hebräischen  Sklaven 
oder  einer  Sklavin  ist  unzulässig. 

Einen  heidnischen  Sklaven  erwirbt  man  rechtskräftig  durch  Geld, 
durch  eine  X^rkunde,  kraft  des  Chasakarechts^,  durch  Tausch  oder  durch 
Ansichziehen.  Der  heidnische  Sklave  kann  seine  Freilassung  erlangen,  indem 
er  seinem  Herrn  Geld  oder  Geldes  wert  gibt,  oder  durch  eine  vor  zwei  Zeugen 
eingehändigte  Urkunde,  gleichviel  ob  auf  Ostrakon  oder  auf  Papier,  in  der 
geschrieben  steht:  »Du  bist  mm  frei"  oder  -du  gehörst  nun  dir«  oder 
•  ich  habe  nichts  mit  dir  zu  schaffen  ^^»   oder  ähnlich. 


1  Vgl.  Exodus  XXI 5  und  c- 

2  Auch  bei  einem  Sklaven  priesterlicher  Abstanniuuig  nicht,  denn  jeder  Leibes 
fehler  macht  den  Priester  für  den  Tempeldienst  untauglich. 

^    Weil  die  BibelstcUe  nur  von  einem  INIanne  spricht. 
*    Vgl.  Maimonides,  a.  a.  0.  Kap.  IV  jj. 
*>    1?  niijp  ins  -^5  n-113»:  ins 

•^    Diese  kurze  Formel  gewährt  uns   einen  Einblick   in   die   ursprüngliche 
Fassung  der  Rechtsdokumente. 

8    ^^^^ 

^    ~%l^  usucapio,  die  Erwerbung  eines  Gegenstandes  durch  den  während  einer 
gesetzlich  bestimmten  Zeit  fortgesetzten  Besitz  desselben. 
'0    ~,z  ~.z"  ^>  rs  -s  T=sy  V»  ns  i^~  -s  i-i-^in  ',z  ns  -nn 


88  Fuchs:  Talmudisolie  Rechtsurkunden. 

Krlitt  »1er  Sklave  durch  seinen  Herrn  eine  Verletzung  ;in  einem  der 
24  Kürperteile '.  ttir  die  es,  wenn  sie  einmal  beschädigt,  keinen  Ersatz  giht. 
so  erlangt  er  kraft  solchen  Schadens-  ebenfalls  seine  rrcilassunii,  über  die 
man  jedoch  eine  Urkunde  abfaßt.  Dieses  \\)rreclit  besteht  aber  luu-  für 
heidnische  Sklaven,  die  die  circumcisio  und  Taufe'  empfangen  liabcn  und 
wenigstens  duich  die  KrfüUung  dieser  zwei  Gebote  mit  der  Religion  ihres 
Herrn  verknüplt  sind.  Gehören  jedoch  solche  Sklaven  zu  dem  Teile  der 
Mitgift \  dessen  Nutznießung  auch  dem  Manne  zusteht,  so  erlangen  diese 
auch  durch  Verletzung  eines  der  24   Körperteile  niciit  ihre  Fi-eilassung. 

In  folgenden  sechs  Punkten  ist  der  Scheidebi'ief  dem  Freilassungs- 
di)kument  gleichgestellt: 

1.  Beide  Urkunden  sind  ungültig,  wenn  sie  ein  nichtjüdischer  Gerichts- 
hof ^  altgefaßt  hat,  während  alle  andern  dasell)St  abgefaßten  Urkunden  volle 
(iültigkeit  besitzen. 

2.  Nichtjüdische  Zeugen  sind  für  beide  Dokumente  zidässig''. 

3.  Sie  müssen  für  den  betreffenden  speziellen  Fall  abgefaßt  sein. 

4.  Als  Schreibmaterial  konnnen  für  beide  Urkunden  nur  lose  und 
nicht  mit  anderen  Objekten  verbundene  Gegenstände   in  Betracht. 

5.  Die  Zeugen  unterzeichnen  in  beiden  Fällen,  einer  in  Gegenwart 
des  andern. 

().  Für  das  Bringen  und  Abholen  dieser  Dokumente  gelten  die  näm- 
lichen Bestimmungen.  So  ist  es  nicht  erforderlich,  daß  der  Bote  —  insofern 
er  im  Iidande  (Palästina)  die  Urkunde  überbringt  —  spreche:  »Es  ist  in 
meiner  Gegenwart  geschrieben  und  unterzeichnet  worden.«  Bringt  der 
Bote  eine  der  beiden  Urkunden  nach  dem  Auslande,  so  bedarf  es  nicht 
niich  einer  besonderen  Beglanbigung  der  Zeugenunterschriften.  denn  die 
Erkläiung  »vor  mir  ist  es  geschrieben  imd  vor  mir  ist  es  unterzeichnet 
worden-  hat  den  Wert  einer  Legalisierung'  der  Zeugenunterschriften. 
Ebenso  bedarf  es  keiner  Beglaubigung  der  Zeugenunterschriften,  wenn  die 
(ieschiedene  bzw.  der  Freia;elassene  das  Dokument  vorleut. 


'    Zehn  Finger,  zehn  Zehen,  Ohr,  Nase,  Auge,  Brust. 

*  Audi  wenn  dieser  unbeabsichtigt  geschah;  z.  B.  der  Besitzer  wai  ein  Arzt 
und  wollte  das  kranke  Auge  seines  Sklaven  heilen. 

3    ~V>2:3  das  für  den  Proselyten  obligatorische  Tauclihad. 

*  y-yc  i-w_  im  Unterschied  \on  Sf"^?  'jsk  ■'"3^,  Sklaven  bzw.  Güter  des  »eisernen 
Schafes«,  d.  h.  des  eisernen  Bestandes  im  Vermögen  der  Gattin.  Vgl.  assyr.  nniluggu. 
?^~X*   saugen,  also  Nutzen  ziehen,    melken.     Vgl.  meine   Abhandlung:   Talmudisclie 

Rechtsurkunden  in  der  Zeitschrift  für  vergleiclieude  Rechtswissenschaft  a.  a.  0., 
Abschnitt  VI. 

5  n-8r-9  ctDyncv,  neuere  Forschungen  erblicken  daiin  eine  Art  Notariatsamt 
oder  ein  Archiv.   Vgl.  Blau  a.  a.  0.  und  L.  Mittels:  Gruudzüge  der  Pajjyiuskuude.   1912. 

•^  Die  Juden  in  Elepliantinc  haben  Nichtjuden  als  vollwertige  Zeugen  an- 
erkannt.    Vgl.  Blau  II.  S.  57. 

'    STi;;  Vgl.  meine  Abhandlung  in  den  Westasiatisclien  Sludieu  a.  a.  O.  S.  8.5. 


Fuchs:  Talimidische  Rechtsiirkundeii.  89 

Fürjeden  ireizulassenden  Sklaven  sclireiht  man  eine  besondere  Urkunde. 

Ein  Sklave,  der  zwei  Leuten  gemeinschaftlich  gehört,  kann  von  dem 
einen  die  Freilassung  erlangen,  während  er  des  andern  Sklave  bleibt.  Dieser 
Fall  ist  gemeint  mit  dem  Terminus:  Halb  Sklave,  hall»  Freigelassener';  aber 
man  zw^higt  den  Herrn-  eines  solchen  Halbsklaven,  letzteren,  der  in  diesem 
Zwitterzustande  weder  eine  Freie  noch  eine  Magd  heiraten  kann,  gänzlich 
freizulassen.  Die  Hälfte  des  Wertes  ist  dann  die  Summe,  welciie  dci-  Frei- 
gelassene seinem  früheren  Herrn  schuldet,  was  auch  urkrmdlich  geregelt  wird. 

Verschreibt  ein  Sterbenskranker  seinem  Sklaven  all  seinen  Besitz,  so 
hat  er  nach  wiedererlangter  Genesung  wohl  Ans[)ruch  auf  seinen  Besitz, 
jedoch  nicht  mehr  auf  den  Sklaven,  da  dieser  aus  moralischen  Gründen 
seine  Freilassung  erlangt,  denn  durch  das  besagte  Testament  galt  er  vor 
der  Welf^  als  Freigelassener. 

Ein  Sklave,  den  man  an  einen  Götzendiener  verkauft  hat,  erlangt 
seine  Freiheit  \  und  den  früheren  Herrn  zwingt  man  von  Gerichts  wegen, 
diesen  Sklaven  ausziüösen,  sogar  wenn  er  den  zehnfachen  Wert  erlegen 
müßte.  Ebenso  erlangt  er  seine  Freilassung,  wenn  sein  Herr  von  einem 
Heiden  ein  Darlehen  nahm  und  sich  verjjtlichtet  hat,  falls  er  den  Termin 
nicht  einhalten  sollte,  seinen  vSklaven  als  Bezahlung  hinzugeben.  Wurde 
jedoch  der  Sklave  ohne  diesbezügliche  Abmachung  gewaltsam  vom  heid- 
nischen Gläubiger  an  sich  gerissen  oder  \on  Räubern  geraubt,  indem  sie 
ihn  als  Lösegeld  für  seinen  gefangenen  Herrn  in  Bezahlung  nahmen,  so 
erlangt  er  dadurch  noch  nicht  seine  Freilassung. 

Durch  de)i  Verkauf  eines  Sklaven  ins  Ausland  erlangt  dieser  seine 
Freiheit,  und  zwingt  nian  den  Käufer,  das  diesbezügliche  Dokument  aus- 
zustellen, ganz  ungeachtet  des  Schadens,  den  er  durch  die  Freilassung  er- 
leidet; denn  nicht  der  Verkäufer,  sondern  der  Käufer  allein  trägt  die  Schuld, 
daß  der  Sklave  ins  Ausland  gehen  mußte.  Ein  Sklave,  der  seinem  Herrn 
z.  B.  nach  Syrien  folgt,  geht  seines  Vorrechtes  verlustig,  wenn  er  daselbst 
(Ausland)  verkauft  wurde,  vorausgesetzt,  daß  sein  Herr,  Palästina  in  der 
Absiclit  verließ,  nicht  mehr  dahin  zurückzukehren.  Ein  Auswanderer  kann 
seinen  Sklaven  nicht  gegen  dessen  Willen  mit  ins  Ausland  nehmen.  Flüch- 
tenden heidnischen  Sklaven'  soll  man  Schutz  gewähren  und  soll  sie  rück- 
sichtsvoll behandeln.  Das  Gebot  der  Thora  »Ihr  sollt  ihn  nicht 
kränken«,  bezieht  sich  auf  einen  solchen  Sklaven.  Wer  ihn 
auch  nur  durch  Worte  kränken^'  würde,  machte  sich  der  drei- 
fachen" Übertretung  des  biblischen  Verbotes  strafbar,  denn  die  Bibel  sagt: 
»Ihr  sollt  eueren  Nächsten  nicht  kränken,«  »Den  Fremdling  sdllst  du  nicht 
kränken«   und   »Ihr  sollt  ihn  nicht  kränken«. 


1   r-in  p  T>sm  -i^v  rsn 


2 


"n  p  0':;  vhs  s:si  i--'i>  -,z'J2  ntin  irs 


^    Falls  es  ihm  gelingt,  v.n  flücliten. 

■'    Sielie  Kommentar  "J^':^  ~:"iJi  zu  Maimonides,  a.  a.  0.  VIII  k,. 

•5    ■j^-s's  '.-,2  ^2'y  r.ir.  lAr;  hs  r:;«*:::    Sielie  Maimonides,  a.  a.  O.  VIII n- 


90  FuoBS  :  Talmudische  Rcchtsui-kunden. 

Kineii  heidnischen  Sklaven,  der  /iir  Bedingung  stttUt.  die  ("ircuincision 
an  sich  nicht  vollziehen  zu  lassen,  darl'  man  kaufen  und  gegebenenfalls 
wieder  nur  an  Heiden  verkaufen. 

Aus  nuiralischcn  (irüuden  zwingt  man  den  (iläul)igcr.  einem  Sklaven, 
(k-r  ihm  lur  ein  Darlehen  als  Hypothek  '  verschrieben,  inzwischen  aber  von 
tlcm  Schuldner  freigelassen  wurde,  ebenfalls  das  Freilassungsdokument  aus- 
zustellen, damit  der  (iläubiger  zu  dem  Besagten  nicht  sagen  könne:  »Du 
bist  mein  Sklave«   und  das  Darlehen  wird  durch  einen  Schuldschein  geregelt. 

\'erheiratete  der  Herr  seinen  Sklaven  mit  einer  Freien,  so  zwingt 
man  den  Herrn,  auch  die  Freilassungsuikunde  zu  schreil)en.  Dieselben 
Folgen  treten  ein,  wenn  er  seinem  Sklaven  das  rituelle  Symbol  der  Phy- 
lackterien '^  angelegt  oder  vor  versammelter  (Jemeinde  befohlen  hat,  drei 
\'erse  aus  der  zur  Vorlesung  der  Heiligen  Schrift  l»estimmten  Pergament- 
rolle vorzutragen.  Das  Kind  einer  heidnischen  Sklavin  ist  Heide,  auch 
weiui  der  Vater  Israelite  ist  und  die  Sklavin  sein  Eigentum  bildet. 

Wenn  zu  befürchten  ist.  daß  durch  eine  heidnische  Sklavin,  der  sich 
Männer  nähern,  ein  Ärgernis  in  sittlicher  Beziehung  entstehen  könnte,  zwingt 
man  den  Herrn,  die  Magd  freizulassen,  damit  sie  sich  verheirate  und  da- 
durch die  Möglichkeit  zu  unsittlichem  Treiben  vei'hindert  werde.  Wiewohl 
man  einen  heidnischen  Sklaven  nur  freilassen  soll,  wenn  er  die  jüdische 
Religion  annimmt,  so  ist  man  doch  verptlichtel,  ihm  ein  Freilassungs- 
dokument zu  schreiben,  auch  wenn  er  unter  sonstigen  Verhältnissen  frei- 
gelassen wird.  Verpflegung  steht  dem  Sklaven,  so  ihn  sein  Herr  nicht 
ernähren  will,  seitens  der  vorhanden«;n  Wohlfahrtseinrichtungen 
zu^  dies  ist  jedoch  nicht  auf  Sklaven  anzuwenden,  die  als  Mitgift  in  die 
Ehe  gebracht  wurden,  solche  zu  ernähren  ist  unbedingte  Pflicht  ihres  Herrn. 

Maimonides  lehrt  folgendermaßen  in  seinem  Abschnitt  über  die 
Sklaven :  Von  Gerichts  wegen  kann  keine  Strafe  erfolgen,  wenn  man  den 
heidnischen  Sklaven  zu  schwerer  Arbeit  heranzieht,  jedoch  die  wahre 
Frömmigkeit  und  Weisheit  erfordert  es,  daß  der  Mensch  barmherzig  und 
gerecht  sei,  das  Joch  seines  Sklaven  nicht  erschwere,  daß  man  ihn  nicht  kränke, 
daß  man  ihn  von  allem,  was  mau  selbst  ißt  und  trinkt,  zu  essen  und  zu  trinken 
gebe.  Die  Alten  gaben  dem  Sklaven  von  jidem  Gericht,  das  sie  aßen;  ja  sie 
gaben,  bevor  sie  selbst  das  Mahl  nahmen,  den  Tieren*  und  Sklaven  zu  essen. 


*  Über  Hypothek  s.  meine  Abhandlung:  Talmudische  Rechtsurkunden,  in  der 
Zeitschrift  für  vergleicliende  Reclitswissenschaft  a.  a.  0.  Kap.  I. 

*  Pergamentkapseln,  die  man  mit  Ausnahiiie  von  Sabbat  und  Festtagen  bei 
jeder  Morgcnandaclit  an  Hand  und  Haupt  befestigt;  sie  entlialten  einige  Abschnitte 
der  Heiligen  Schrift  und  dienen  zur  Ermahnung,  Herz  (das  Symbol  wird  an  der 
linken  Hand  —  dem  Herzen  gegenüber  —  befestigt)  und  Verstand  in  den  Dienst 
Gottes  zu  stellen.  Für  Sklaven  bestellt  die  Vorschrift  vom  Anlegen  dieser  Sym- 
bole nicht. 

3  Drnrs3  o-<-zyr-  minrV  iiiisi  hs-^v>  Israel  ist  verpflichtet,  für  den  Lebens- 
unterhalt der  in  seiner  Mitte  lebenden  Sklaven  zu  sorgen. 

*  Dies  wurde  als  Nf>rm  abgeleitet  aus  den  Worten  im  Deuteronomium  XI^: 
Ich  werde  Nahi-ung  geben  auf  dem  Felde  für  das  A'ieli  und  aui-h  du  wirst  essen  und 


Fuchs:  Talmudische  Rechtsurkunden.  91 

Auch  heißt  es  in  der  Schrift:  Wie  die  Augen  der  Sklaven  auf  ihren  Herrn, 
die  Augen  der  Magd  auf  ihre  Herrin  gerichtet  sind.  Man  erniedrige  ihn 
weder  mit  der  Hand,  noch  mit  Worten;  hat  die  Schrift  sie  auch  zur  Sklaverei 
freigege!)en,  so  doch  keineswegs  zur  Beschämung.  JNIan  schreie  nicht  mit 
ihnen,  quäle  sie  nicht  .durch  häufiges  Zürnen,  sondern  gelassen  spreche  man 
mit  ihnen  und  gebe  Gehör  ihren  Klagen.  So  geht  auch  klar  hervor,  welches 
die  besten  Wege  sind  und  deren  sich  auch  Iliob  rühmt:  Habe  ich  das  Recht 
meines  Sklaven  oder  meiner  Magd  verworfen,  wenn  sie  mit  mir  stritten,  erschuf 
denn  nicht  er,  der  mich  im  Mutterschoße  gebildet  hat,  auch  ihn-'  —  so  hat  er 
uns  beide  geformt  in  einem  Leibe ' !  —  Strenge  und  Anmaßung  ist  nur  bei 
den  Götzendienern.  Die  Nachkommenschaft  unseres  Stammvatei's  Abraham, 
Israel,  dem  der  Heilige  —  gelo])t  sei  er  —  die  Gnade  der  Thora  erwies,  ihnen 
gerechte  Satzungen  und  \'orschriften  gab,  sie  sei  barmherzig  gegeii  jeder- 
mann. Daher  ist  dieses  auch  unter  den  Eigenschaften  Gottes,  der  ims  befohlen, 
ihm  ähnlich  zu  werden,  denn  es  heißt:  Seine  Barmherzigkeit  erstreckt 
sich  auf  all  seine  Geschöpfe.  Und  wer  barmherzig  ist,  dessen  erbarmt 
er  sich  ^, 

Ebenso  wie  beim  Scheidebrief  wird,  nach  einigen  Ansichten,  vorher  erst 
das  Dokument  der  Annullierungserklärung  ausgestellt.  Es  lautet'^:  Wii',  die 
Unterzeichneten,  bekunden  mit  klarer  Zeugenaussage,  daß  A,  Sohn  des  B,  also 
zu  uns  sprach:  »Seid  meine  Zeugen  und  erwerbet  für  mich  nu't  jedem  vorteil- 
haften Ausdruck,  händigt  es  ein  dem  C,  der  früher  mein  Sklave  war.  Ich  habe 
ihn  jetzt  gänzlich  freigelassen,  kraft  dieser  Freilassungsurkunde,  welche  ich 
ihm  geschrieben  iiabe.  Jetzt  erwerbet  von  mir  betrefis  dessen,  daß  ich  aus 
freiem  Antriebe  und  eigenem  Willen,  ohne  Zwang,  alle  irgendwie  möglichen 
Protesterklärungen  und  Bedingungen,  welche  ich  A,  Sohn  des  B,  betreffs 
dieses  Dokumentes  des  Freigelassenen  C  oder  der  Freigelassenen  D  gemaclit 
haben  sollte,  für  ungültig  erkläre,  von  jetzt  ab,  mit  allen  möglichen  Aus- 
drücken, welche  nach  Ansicht  der  Gesetzeslehrer  geeignet  sind,  inn  mit 
ihnen  Proteste  und  Bedingungen  zu  annullieren*.« 

Das  Freilassungsdokument  ist  im  S.  H.  durch  folgendes  Formular 
vertreten : 


dich  sättigen.  Hier  ist  ausdrücklich  erst  von  der  Versorgung  der  Tiere 
die  Rede.  Jedenfalls  haben  wir  eine  der  markantesten  Stellen  vor  uns,  die  dem 
Tierschutz  gewidmet  sind. 

1  Von  Rabbi  Jochanan  erzählt  der  jcnisalemische  Talmud,  er  habe  diese 
Bibelstelle  angewendet,  um  zu  begründen,  weshalb  er  jedes  Stück  Fleisch  und  jeden 
Becher  Wein  mit  seinem  Sklaven  teilte.  Siehe  nviTs'^'a  mn:;n  zuMaimonides,  a.  a.  0.  IX  j^. 

2  'i;\T  1^  ns"i  s^si  '\-i2S  h'j  "hv  '•'ZO''  xVi  pns  r|nTii  pm  ms  -i--^v  nasn  is->it  rm-ian  rn»2 
Mit  dieser  beachtenswerten  Ausführung  schließt  Maimonides  den  Abschnitt  über  das 
Sklavenrecht. 

*    S.  H.  S.  29.     Daselbst  zitiert  Jehuda  ben  Barsilai  seine  Abhandlung  rns^n 

"*  Die  Annullierungserklärung  kann  auch  in  die  Freilassungsurkunde  aufge- 
nommen werden,  jedoch  man  zieht  es  vor,  über  diesen  Punkt  ein  besonderes  Doku- 
ment abzufassen. 


92  Fuchs:  Taliiiudisciie  Rechtsurkuiiden. 

Zur  KriiiiK'niiii;  an  das  vor  uns  stattgcfiiiulene  Rechtsgescliäft,  l)ei 
dem  wir  als  Zeugen  mitwirkten,  am  .  .  .  ten  Tage  der  Woche,  am  .  .  .  teii 
des  Monates  .  .  .,  des  Jahres  .  .  .,  gemäß  der  Weltschöpfnngsära,  nach 
wek'her  wir  im  Orte  .  .  .  rechnen.  Ich,  A,  Sohn  des  B,  und  welchen  andern 
Namen  und  sonstigen  Beinamen  ich  noch  hahe,  helVeie  dich,  ich  mache  dich 
frei,  ich  entlasse  dich  und  spreche  die  Freilassung  aus',  aus  freiem  Willen, 
ohne  Zwang,  für  dich,  V,  der  du  vorher  mein  Sklave  warst.  Du  gehörst 
somit  dir  seihst  ^  iu\d  du  hist  ein  Freier,  um  einzutreten  in  die  Gemein- 
schaft Israels,  um  eine  Israelitin  zu  heiraten,  um  sich  mit  Israel  zu  ver- 
liQnden.  Dir  und  deinen  Söhnen  ist  gestattet.  Thorastudium  zu  hetreiben  ^. 
Sie  dürfen  eintreten  in  die  Gemeinschaft  Israels  und  ihr,  du  und  dein  Sohn 
nach  dir*,  dürfet  nach  Beliehen  Ehen  schließen.  Niemand  kaiui  es  euch  von 
heute  bis  in  Ewigkeit  wehren.  Niemand  hat  ein  Anrecht  auf  dich,  nicht 
auf  deine  Arbeit,  nicht  auf  dein  Geld,  auf  nichts,  was  dir  gehört,  und  auf 
nichts,  was  zukünftig  dir  gehören  wird;  denn  freiwillig  habe  ich  dich  fi-ei- 
gela-ssen.  so  gehörst  du  nun  dir  selbst  und  bist  ein  Freier.  Von  heute  ab 
und  in  aller  Ewigkeit  soll  es  niemand  weder  dir  noch  deinem  Sohne  und 
nicht  deiner  Tochter''  wehren  können.  Auch  können  keinerlei  Erben"  An- 
sprüche auf  dich  und  deine  Nachkommenschaft  erheben.  Dies  sei  daher 
die  Treiuuuigsui'knnde.  die  Freilassungsurkunde,  der  Freilassungsbrief,  den 
du  von  nn'r  empiangst,  gemäß  dem  Gesetze  Moses  und  Israels^. 

Leviratsehe  l 

Kraft  eines  biblischen  Gebotes^  besteht  für  den  ältesten  Bruder'"  die 
Pflicht,    die  Gattin''  seines   verstorbenen  Bruders,    so    dieser    ohne    Nach- 


'    Gilt  in  86  a:  •'-oin  p  iionivjsi. 

2  Unser  Formular  gibt  für  diesen  einen  Gedanken  die  drei  Ausdrücke:  ns 
-r::;  rs-  7^-;.5  ns"  "p::»^,  welt-he  weder  in  dem  bei  Blau  II.  S.  102  publizierten  Frei- 
lassungsdokumente,  noch  in  dem  Formular  des  Ijtur,  cd.  Lemberg,  1860,  I  34a,  vor- 
kommen. 

^  Sklaven  in  das  Studium  der  Lehre  einzuführen,  galt  als  unzulässig.  Siehe 
Maimonides,  a.  a.  0.  Vin,g. 

*  ~"S^2.  Die  Lesart  ~M^a"  «und  deine  Tochter«  wäre  vorzuzielion,  auch  i.st  sie 
durch  die  weiter  unten  folgende  Stelle  gestützt,  ferner  dinvli  den  Text  des  For- 
nndars  im  Itfur  a.  a.  0.:  y~n-2  zz^^^i  um  ihre  Töc.htei-  zu  heiraten. 

'-    Siehe  vorhei'geliende  Anmerkung. 

*'    So  dem  Sinne  nach,  der  Text  jedoch  ist  unklar. 

^  Nacli  Auffassung  einiger  Gesetzeslelirer  wird  di(>  Kinjanforuifl  audi  in  diese 
Urkunde  eingeschaltet. 

"    Vgl.  Maimonides  rsiVm  Diai  n-^sbn  Kap.  I— VIII. 

°  Deuteronomium  265:  So  Brüder  zusammenwohnen  und  einer  von  ihnen 
ohne  Sohn  stirbt,  dann  soll  die  Frau  des  Verstorbenen  keinen  Fremden  außeihalb 
der  Familie  heiraten,  sondern  ihr  Schwager  soll  zu  ihr  kommen  und  sie  zum  Weibe 
nehmen  und  an  ihr  die  Leviratsehe  vollziehen. 

'°  Doch  ist  hier  die  Rede  nur  vom  Bruder  väterlicherseits,  denn  sVs  mns  ■j-'x 
=x^  ein  Bruderverhältnis  besteht  nur  für  Kinder  vom  selben  Vater. 

"  1?«?""?"  T?  r?  ■^^5'i'"~  l'?  r?  Auch  besteht  die  Pflicht,  wenn  der  verstorbene 
Bruder  bloß  erst  veilobt  war. 


Fuc'iis:  Taliimdisclie  Kechtsurkuiiden.  03 

koinincn  >staili,  zu  heiraten,  und  da  diese  Frau  geradezu  von  cinei* 
höheren  Macht  ihm  zugewiesen  wird,  bedarf  es  keiner  vorhergehenden 
Trauung,  denn  er  beginnt  mit  ihr  die  Ehe  ohne  weiteres,  und  die  alte 
Eheverschreibung  bleibt  bestehen  zu  Lasten  des  vom  Verstorbenen  zurück- 
gelassenen Vermögens;  Will  der  Schwager  oder  die  Schwägerin  diese  Pllicht 
nicht  erfiillen,  so  schreitet  man  zu  dem  in  der  Schrift '  vorgesehenen  Chaliza- 
akt,  nach  dessen  Vollziehung  die  Schwägerin  sich  nach  Belieben  wieder  ver- 
lieiraten  darf.  Wenn  Enkelkinder,  gleichviel  ob  vom  Sohne  oder  der 
Tochter,  vorhanden  sind,  fällt  die  Pllicht  der  Leviratsehe  fort.  Ebenso  ist 
die  Leviratsehe  nicht  zu  vollziehen,  wenn  der  Verstorbene  mehrere  Frauen 
und  nur  von  einer  Nachkommen  hatte. 

Als  Kinder  des  Verstorbenen  kommen  seine  Nachkommen  aus  der 
Verbindung  mit  einer  lieidnischen  Sklavin  oder  heidnischen  Frau  nicht  in 
Betracht,  sogar  wenn  diese  freigelassen  bzw.  Proselyten  wurden.  Wenn  der 
Verstorbene  außer  diesen  sonst  keine  Kinder  hatte,  so  ist  die  Levii-atsehe 
zu  vollziehen,  sogar  an  seiner  Frau,  die  einen  Sohn  hat,  die  abei-  vorher 
seine  Sklavin  war,  nachher  freigelassen  und  seine  regelrecht  angeti-aute 
Gattin  wurde.  Durch  den  als  Skla\'e  geborenen,  wenn  auch  s[)äter  frei- 
gelassenen, beim  Tode  seines  Vatei's  noch  lebenden  Sohn  ist  die  Verpllichtung 
der  Leviratsehe  nicht  aufgehoben. 

Blieb  die  Witwe  in  schwangerem  Zustande  zurück  und  abortierte 
nach  dem  Tode  ihres  Gatten,  so  besteht  für  ihren  Schwager  die  Pllicht, 
sie  zu  heiraten;  brachte  sie  jedoch  ihr  Kind  nach  vollen  neun  Monaten 
zur  Welt,  wenn  auch  in  der  Todesstiuide  ihres  Gatten,  so  kommt  Jil)bum^ 
nicht  mehr  in  Betracht. 

Der  für  die  Leviratsehe  Bestimmte  muß  beim  Tode  seines  Bruders 
schon  aiii  Leben  gewesen  sein,  wenn  auch  nur  als  Neugeborener^. 

Hatte  der  Vei'Storbene  mehrere  Frauen,  so  genügt,  wenn  nur  an  einer 
.lil)l)um  oder  Chaliza  vollzogen  wurde.  Starben  einem  mehrere  Brüder, 
so  vollzieht  man  nach  Belieben,  Jil)bum  oder  Chaliza  in  den  \  erschiedenen 
Familien.  Durch  die  Ehe  mit  der  verwitweten  Scliwägerin,  wie  auch  durch 
Chaliza  werden  ihre  Nebenfrauen  ebenso  für  den  Levir  wie  auch  lur  seine 


^  Deuteroiiomiiuii  25-_,q:  Wenn  dieser  Bruder  seine  Schwägerin  iiidit  zur 
Frau  nehmen  will,  dann  komme  seine  Scliwägerin  zum  Gerichtshof  der  Ältesten 
und  erkläre:  Mein  Schwager  weigert  sich,  seinem  Bruder  einen  Namen  in  Israel  zu 
erhalten,  er  will  mich  niciit  ehelichen.  Da  rufen  ihn  die  Stadtältesten  und  reden  auf 
ihn  ein.  Bleibt  er  nun  bei  seinem  Vorhaben  imd  spricht:  »ich  will  sie  nicht  zur  Frau 
nehmen«,  dann  trete  seine  Schwägerin  zu  ihm,  in  Gegenwart  der  Ältesten,  schleife 
seinen  Schuh  ihm  vom  Fuße,  speie  vor  ihm  aus  und  rufe  laut:  So  geschehe  dem 
Manne,  der  nicht  das  Haus  seines  Bruders  aufbauen  will.  Darauf  soll  er  nun  ge- 
nannt werden  »Haus  des  Barfüßigen". 

2  a^si^  die  Ehelichung  durch  den  Sclivvager.  Jeder  andere  wird  "T  Fremder 
genannt. 

^  Bestellt  ein  Zweifel  betreffs  der  Reife  des  neugeborenen  Kindes,  vollzieht 
man,  nach  Auffassung  der  späteren  Gesetzeslehrer,  die  Chaliza.  "T  binden,  ver- 
pflichten.   Daher  oz'^  ^2""'  ~"'^?  '^2  es  ruht  auf  ihr  die  Fessel  der  Leviratsehe. 


94  Kiini>:  'raliiiudisclie  Kcclitsurkuiidoii. 

aiuleren  BriUlor  zur  Klic  unerlaubt'.  Wiewohl  ein  nunderjäluiger  Binder 
die  Leviratsehe  vollziehen  darf,  so  ist  für  Chaliza  Gi-oßjährigkeit  Bedingung. 
Der  Levir  darf  auch  sein«'  minderjährige  Schwägerin  heiraten,  muß  jedoch. 
wenn  ("haliza  statttimlcn  soll,  liis  zu  ihrer  ( ieschlechtsi-eife  warten. 

Sow(»hl  tTihhum  als  auch  Chaliza  vollzieht  man  erst  neunzig  Tage  nach 
dem  Tode  des  Bruders.  Heiratete  der  Levir  die  Witwe  seines  Bruders 
und  letztere  gebar  ein  Kind.  I)etrefls  dessen  ein  Zweifel  besteht,  ob  es  aus 
tlei-  ersten  oder  zweiten  Ehe  stammt,  sehreitet  man  zur  Scheidung  und  zur 
Chaliza.  Die  Khe  mit  dem  Lcvii-  bedarf  zwar  nach  Auffassung  der  Schrift 
keiner  vorausgehenden  Trauung;  die  Gesetzeslehrer  lialien  jedocji  eingeführt, 
daß  einer  solchen  Ehescldießung  eine  Art  Äußerung,  wörtlich  »Ansprache«-, 
vorausgehe,  in  welcher  der  Schwager  seine  Schwägerin,  unter  tlberreichung 
eines  für  die  Verlobung^  gültigen  Wertgegenstandes,  sich  angelobt.  Falls  dei- 
älteste  Bruder  nicht  willig  ist,  die  Leviratsehe  zu  schließen,  stellt  man  es 
seinen  andern  Brüdern  anheim,  die  Pflicht  des  ältesten  Bruders  zu  über- 
nehmen, wenn  aber  auch  imter  diesen  keiner  dazu  neigt,  zwingt  man  den 
ältesten  zur  Chaliza*. 

Weigert  sich  die  Witwe,  ihren  Schwager  zu  liciraten,  so  vollzieht  letzterer 
die  ("haliza.  die  Witwe  jedoch  erJiält  nichts  von  ilu*er  Eheverschreii)ung, 
denn  sie  wii-d  einer  widerspenstigen^  Gattin  gleichgestellt. 

Für  den  Chalizaakt  verwendet  man  einen  mit  Absatz  versehenen  Leder- 
schuh, den  der  Levir  mit  Riemen  an  seinem  rechten  Fuße  befestigt.  Die 
Chaliza  findet  vor  einem  Gerichtshof,  bestehend  aus  fünf  Personen,  auf 
folgende  Weise  statt:  Der  Levir  zieht  den  erwähnten  Schuh  an;  der 
Schwägerin  liest  man  die  Schriftvvorte  Deuteronomium  XXV ^  »Es  weigert 
sich  mein  Schwager,  seines  Bruders  Namen  in  Israel  zu  erhalten,  nicht  will 
er  mich  heiraten«  in  hebräischer  Sprache  deutlich  vor,  welche  sie  wieder- 
holt. Dem  Schwager  hingegen  liest  man  die  Stelle  Deuteronomium  XXV „. 
»Ich  will  sie  nicht  zur  Frau  nehmen«  vor,  welche  er  wieder  seinerseits 
deutlich  nachsjjricht.  Die  Schwägerin  zieht  jetzt  ihrem  Schwager  den  be- 
sagten Schuh  aus,  wirft  den  Schuh  zur  Erde  und  speit  vor  ihrem  Schwager 
aus,  worauf  sie  den  Richtern  die  Schriftverse  nachsagt  Deuteronomium  XXV., : 
»So  geschehe  einem  INIanne,  der  nicht  das  Haus  seines  Bruders  aufl)aut, 
darum    sei    er    in    Israel    genannt    .Familie    des    Barfüßi";en'.«       Alle    An- 


'    Docii  nur  nach  Auffassung  der  späteren  Gesetzeslehrer. 

'^  "';¥'^  Diese  Institution  bezeichnet  Mainionidcs  als  3"'"S"o  ■'"27  »Worte  der 
Sdiriftgelelirten«,  ein  Terminus,  den  er  auf  alle  Gesetzesbestimmungen,  die  auf  eine 
der  dreizcliii  Intcrprctationsrcgelii  zurückgofulirt  werden,  anwendet.  Vgl.  D"s'2^n  isn. 
Die  Prinzipien  des  Mainionidcs.  über  die  dreizehn  Interprotationsrcgeln  s.  Strack, 
Einleitung  in  den  Talmud,  1908.  S.  122. 

^  Siehe  meine  »Talmudische  Rechtsurkunden«  in  der  Zeitschrft  für  vergl. 
Rechtswissenschaft  a.  a.  O.,  Abschnitt  VI  B. 

*  "pir:?  "h-s  '{^v\s  5aK  B2i->;  aair;  ^s  yz-2  -is  man  kann  niemand  zwingen,  die 
Leviratsehe  zu  sclilicßen.  wohl  aber,   die  Chaliza  zu  vollziehen. 


Fuchs:  Talimidische  Rechtsurkunden.  05 

vvesenden  wiederliokn  dreiiiuil:  »Barfüßiger«'.  Das  Ausspeien  war  jedocli 
nicht  obligatorisch^. 

Die  über  diesen  Akt  aufgpnommene  Urkunde  ist  eine  öffentliche'*,  und 
drei  der  anwesenden  Richter  unterzeichnen  das  Dokument,  welches  zum 
Unterschiede  von  andern  Dokumenten,  da  Ijiblisclic  Zitate  darin  entiialten 
sind,  liniiert  sein  muß*. 

Die  Kheverschreil)ung  einer  Leviratsehe  nennt  man  'J'^'aS'i  roiP^?  und 
ist  diese  in  unsrem  Seier  Hastaroth"  durch  nachstehendes  Formular  vertreten. 

Am  vierten®  Tage  der  Woche,  am  .  .  .  ten  des  Monates  . . .,  des  Jaiu-es  .  . . 
gemäß  der  Zeitrechnung,  welclie  wir  hier  in  der  Ortschaft  .  .  .  zählen '.  Ks 
sprach  vor  uns  A,  Sohn  des  H  - :  väterlicherseits  war  C,  Sohn  des  B,  mein 
Bruder,  er  starb,  den  Gelehrten  und  ganz  Is)ael  hinterließ  er  Leben.  Sohn 
und  Tochter,  um  seinen  Namen  in  Israel  zu  erhalten,  hinterließ  er  niciit. 
Er  hinterließ  diese  Frau  D,  Tochter  des  E.  und  mir,  dem  A,  Sohn  des  B, 
fällt  nun  kraft  des  biblischen  Gesetzes  die  Pflicht  zu,  sie  zu  heiraten,  sie  zu 
ernähren,  sie  zu  versorgen,  wie  es  heißt  im  Buche  der  mosaischen  Lehre: 
Ihr  Schwager  wohne  ihr  bei.  Es  gehorchte  diese  D,  vollzog  die  Levirats- 
ehe mit  A,  Sohn  des  B  und  wurde  seine  Gattin,  indem  A  zu  ihr  sprach: 
So  will  ich  denn  mit  dir  die  Leviratsehe  schließen,  gemäß  dem  Gesetze 
INIoses  und  Israels,  um  meinem  verstorbenen  Bruder  einen  Namen  in  Israel 
zu  erhalten;  wie  geschrieben"  steht  »der  Erstgeborene  richte  auf  den  Namen 
seines    verstorbenen  Bruders,"    dnmit   sein  Name   in  Israel    nicht  vernichtet 


1  Ausführliches  über  die  Vollziehung  der  Chalizazcvenionie  s.  ~^^  "'3'^t  zu  Tur 
Ebenhaezer. 

2  Vgl.  Maiinonides,  a.  a.  0.  IV  ,2  und  Kommentar  t-'-v^  t'-"*'^  z.  St. 

*  Eine  Regel  besagt:  ala^-ä  sVs  t-iis-^Pi  ipi-i  ■jianis  -jis  Nicht  einmal  zwei  Worte 
des  Pentateuchs  schreibt  man  ohne  Linie;  das  Linieren  geschieht  mit  einem  Rohre 
oder  mit  einem  Gegenstande,  der  keine  Farbe  zurückläßt.  Vgl.  D^^s"0  no'z  ed.  J.  Müller, 
Leipzig,  1878.  I,. 

=    S.  54. 

•^  Die  Heimführung  ehier  Jungfrau  fand  am  vierten  Tage  der  Woche  statt. 
Die  Gerichtshöfe  tagten  nändich  laut  Esras  Anordnung  am  Montag  und  Donnerstag, 
und  wolhe  man  dem  Ehemanne  Gelegenheit  geben,  seine  Klage  (s.  Deuteronomium 
XXII,3_2i)  ohne  Verzögerung  vor  die  Richter  bringen  zu  können.  Vgl.  Ketuboth  2a 
und  ff.  Eine  Witwe  fühlte  man  am  fünften  Wochentage  heim.  In  spä.tcren  Zeiten 
bestimmte  man  den  Freitag  als  Hochzeitstag.  In  Deutscldand  bestand  lange  der  Ge- 
bi-auch,  Hochzeiten  nur  am  Älittwoch  zu  feiern  und  r\S2V  rhnz  Kap.  XII  ad  vocem 
l-ii:>i3^3  begründet  dies:  weil  die  Juden,  namentlich  in  deutschen  Ländern,  sehr  ver- 
streut wohnen  und  aus  weiten  Entfernungen  kommen  müssen,  um  nun  den  pästen 
Gelegenheit  zu  geben,  rechtzeitig  no<-h,  vor  Sabbatanfang,  heimzukehren,  hielt  man 
die  Mitte  der  Woche  am  geeignetsten  für  AbhaUung  der  Hochzeitsfeste. 

'  Im  Texte  steht  hier:  ich  willigte  aus  freiem  Willen  ein.  Es  ist  dies  viel- 
leicht der  Rest  eines  ausgela.ssenen  Satzes,  welcher  die  Äußerung  über  die  freiwillige 
Handlung  enthielt. 

8    Fehlt  im  S.  H. 

^    Deuteronomium  XXV  r. 


',)H  Fr(  lus:  'ralniiidiscliu  Keolilsurkniideii. 

werilc.  —  Ifli  will  llir  dicli  arbeiten',  dich  in  Klnon  liallen-,  ilicli  or- 
näliren,  »lieh  veipllef^en  '  nach  der  \'urschrift  für  jüdisehe  .Männer,  die  für 
ihre  Fraiien  arl)eiten,  sie  ehren,  sie  f!;ezien»end  '  verplle_i;en  und  kleiden. 
—  Diese  D  hörte  darauf,  vollzog  mit  diesem  A  die  Leviratsehe  und  wurde 
seine  Gattin  nach  dem  Gesetze  Moses  inid  Israels.  A,  Sohn  des  B,  willigte 
ein,  machte  <lieser  D,  seiner  Schwägerin,  eine  Ehcvcischreihung  im  Betrage 
von  zweihundert  Sus  als  Moigengahe,  die  ihr  kraft  des  'Jhoragesetzcs 
zukonuut,  die  auch  schriftlich  festgesetzt  war  in  der  Eheverschreihimg  seines 
Bruders,  ihres  (tatten,  als  sie  Jungfrau  war  und  fügte  mit  größter  Bereit- 
willigkeit'" noch  hinzu  zu  dem,  was  ihr  an  Morgcngahe  zukommt  und 
willigte  ein,  ihre  Nahrung,  ihre  Kleidung,  ihre  sonstigen  Ausgaben*"'  z»i 
bestreiten,  seine  Khepf licht  nach  allgemeiner  Sitte  zu  erfüllen".  Diese  D 
willigte  ein,  vollzog  mit  diesem  A  die  Leviratsehe  und  wurde  seine  (iattin. 
Und  dies  ist  das  Heiratsgut,  welches  sie  aus  dem  Hause  der  Frauen  mit- 
brachte —  als  sie  zu  ihrem  ersten  ]\Ianne,  dem  Bruder  dieses  A,  ging  —  an 
Geld,  an  Gold,  an  Gewand,  an  Schmuck,  an  Bettwäsche,  alles,  laut  Ab- 
schätziuig,  im  Werte  usw.  Es  sprach  zu  uns  dieser  A:  "Die  Haftbarkeit 
und  Erschwerung  dieser  Eheverschreibung^  und  ihrer  Zulage  nehme  ich 
auf  mich,  auf  meine  Erben  nach  mir,  um  es  von  den  besten  Gütern  und 
Besitztümern,  die  ich  auf  Erden  habe,  zurückzuerstatten,  sowohl  von  den 
(Jütern,  die  ich  bereits  erworben  hal)C  als  auch  von  denen,  die  ich  erst 
in  der  Zukunft  erwerben  werde,  sowohl  für  die  eine  Haftbarkeit  besteht 
als  auch  für  die  keine  Haftbarkeit  besteht.  All  mein  Besitz  ist  haftbar  und 
bürgt.«  Die  Auszahlung  dieser  Eheverschreibung  und  der  Zulage,  die  er 
noch   hinzugefügt   hat,   geschieht  sogar   von    dem   Mantel,    der    auf   seinen 


1  Der  Ehegatte  ist  vcrpfliclitct,  in  Dienst  zu  gehen  oder  sirli  zu  vermieten, 
um  seine  Gattin  zu  ornährcii. 

2  Dieses  Vcrspreclien  ist  beaclitenswert.  Die  Gesetzgeber  der  Neuzeit,  z.  B. 
der  verbreitete  Code  Napoleon,  betonen  eine  solche  Forderung  nielit.  Vgl.  aucli 
K.  Aiser,  Gittin  1)0  b:  n>"i->T  -i'::s  2-',r3'r,  v^v  .  .  .  -rv,^  -n-i  '^:2-r:  -r\-.2  -j-rs  ns  zn-s- 
-;;rN  ai3r  •>s.  AVer  seine  Gattin  liebt  wie  sicli  selbst,  sie  mehr  ehrt  als  sich  selbst, 
auf  den  bezit^ht  sich  der  Bibelvers:  Du  wirst  erkennen,  daß  Frieden  Dein  Zelt  erlüllt. 

3  -s-rs  ist  drv  ältere  Terminus  für  das  spätere  ^?V2*i  »ieli  will  ernäiircn«. 
Vgl.  D.  Kaufmann,  -Zur  Geschichte  der  Klicthubba«  in  der  Monatsschrift  für  Ge- 
schichte und  Wissenschaft  des  Judentums.    Jahrgang  41,  S.  218. 

*  s'jri-  ist  d(!r  aramäische  Ausdi'uck  für  das  hebräische  ~:"'^s  «Trcuc".  Da 
es  hier  im  Zusammenhang  mit  Verptlegung  und  Kleidung  steht,  bedeutet  es  »ange- 
messen«. Vgl.  rrjzv  rhm  Kap.  XII,  Anmerkung  26:  ^2"-=  a'-i-iii  ->•::  •;3")  r\-^:'n  r-S  ^rr^s 
rs'-3  -^-b  rs-n  h"';s":-2  s5t  er  will  versprechen,  iiir  Nalii'ung  und  Kleidung  reichlich 
und  nicht  geizig  zuzuwenden. 

»    Wörtlich:  er  sprang  auf.    Das  folgende  "'asi  gehört  eher  zur  nächsten  Zeile. 
•^    Sonstige  Bedürfnisse,  wie  z.  B.  Taschengeld,  Trinkgeld  fürs  Badehaus  usw. 
Vgl.  nyzv  rhrr.  Kap.  XII,  Amnerkung  33. 

''    f^";?  ^i""=,  auch  -:-v  =  oheliclie  Pflicht. 

*  Vgl.  meine  Abliandlung  »Tainiudischc  Iveditsurkunden»  in  der  Zeltschrift  tlir 
vergleichende  Uechtswi.ssenschaft  a.  a.  0.,  Abschnitt  VIc. 


I 


Fuchs:  Taliuudisclie  Rechtsurkundon.  07 

iSchultern  ist.  Dieser  A  nahm  die  Haftbarkeit  der  Ehcversclireibung  und 
der  Zulage  auf  sich,  um  sogar  von  dem  Mantel,  der  auf  seinen  Sclmltern 
ist,  zu  zahlen,  gemäß  der  Haftbarkeit  und  Erschwerung  aller  Ehekontrakte, 
die  in  Israel  gebräuchlich  sind,  von  heute  bis  in  Ewigkeit;  es  ist  dies  keine 
Scheinzusage  und  kein  bloßes  Urkundenformular.  Wir  liaben  von  A,  Sohn 
des  B,  zugunsten  seiner  Schwägerin  D,  Tochter  des  E,  den  Kinjanakt  voll- 
zogen, bezüglich  all  dessen,  was  oben  schriftlich  näher  ausgeführt  ist,  mittels 
eines  für  den   Kinjanakt  tauglichen  Gegenstandes. 

Das  Chalizadokument  ist  im  Sefer  Hastaroth '  durch  folgendes  Fonnular 
vertreten : 

Am  .  .  .  ten,  das  ist  der  .  .  .  te  des  jNIonates  .  .  .,  des  Jahres  .  .  .  seit  Er- 
schaffung der  Welt,  gemäß  der  Ära,  die  wir  im  Orte  .  .  .,  der  an  .  .  .  liegt, 
zählen.  Wir  Richter,  von  denen  einige  unten  gezeichnet  hal)en,  bildeten 
zu  dreien  zu  gleicher  Zeit  ein  Kollegium  im  Gerichtshofe.  Da  kam  zu  uns 
hinauf  die  A,  Tochter  des  B  —  oder  die  Witwe  A  — ,  ferner  erschien  voi" 
uns  ein  Mann  namens  C,  Sohn  des  D.  Und  also  sprach  zu  uns  diese  A: 
r,  Sohn  des  D,  ist  väterlicherseits  der  Bruder  des  E,  mit  dem  ich  ver- 
heiratet war,  der  aber  starb  und  unsere  Lehrer  und  ganz  Israel  im  Leben 
zurückließ.  Einen  Sohn  oder  eine  Tochter,  um  das  Erbe  anzutreten,  um  den 
Besitz  zu  ergreifen  -,  um  den  Namen  in  Israel  zu  erhalten,  hinterließ  er  nicht. 
Dieser  C  ist  sein  Bruder,  und  ihm  fällt  die  Ptlicht  zu,  mich  zu  heiraten. 
Nun,  meine  Herren  Richter,  sprechet  zu  ihm,  wenn  er  mich  zur  Frau 
nehmen  will,  dann  soll  er  es  tun,  wo  nicht'',  so  strecke  er*  in  unserer 
Gegenwart  seinen  rechten  Fuß  aus,  ich  löse  die  Sandale*  von  seinem 
Fuße  und  speie  aus  vor  ihm.  Wir  führten  somit  diesem  C  vor,  daß  er 
väterlicherseits  ein  Bruder  des  E  sei  und  sprachen  zu  ihm:  Entweder  voll- 
ziehe an  ihr  die  Schwagerehe,  wo  nicht,  dann  strecke  vor  uns  deinen  rechten 
Fuß  aus,  sie  löse  die  Sandale  von  deinem  Fuße  und  speie  vor  dir  aus. 
Da  erhob  er  seine  Stimme  und  sprach:  Ich  will  an  ihr  keineswegs  die 
Leviratsehe  vollziehen.  Wir  ließen  diese  A  vorlesen:  Er  weigert  sich, 
die   Schwagerehe®   zu  vollziehen,   um   seines   Bruders  Namen  in   Israel   zu 


'    S.  26.    Zugrunde  liegt  das  P'oimular  im  Talmud  Jebamoth  39b. 

^    r^ü.^  von  ■jOrt 

s    Richtiger  s'5  ■^si 

*   y'üs  ausziehen,  ausstrecken. 

°    srq 

^  Bei  den  Saniaritanern  wurde  die  Vollziehung  der  Schwagerelie  nur  bei  der 
Verlobten  und  nicht  bei  der  Ehefrau  des  verstorbenen  Bruders  zugelassen.  Bei  den 
Karäern  finden  wir  dieselbe  Beschränkung,  jedoch  liegt  nach  karaitischer  Auffassung 
einem  Verwandten  aus  der  Familie  des  Verstorbenen  die  Pflicht  ob,  die  Ver- 
witwete zu  heiraten.  Wahrscheinlich  waren  ethische  Gründe  maßgebend,  als  die 
Gesetzeslehrer  des  Talmuds  der  Chaliza  sogar  der  Schwagerehe  gegenüber  den 
Vorzug  gaben,  denn  Aba  Saul  lehrt  im  Traktat  Jebamoth  39  b:  -»i:  av\>  irrra'i  ns  orar; 
nn-sa  J'jiis  is-iss  -ns  -:t  dtl"?'  .  .  .  Wer  seine  Schwägerin  wegen  ihrer  Schönheit  oder 
aus  anderen  Absichten  heiratet,  begeht  gleichsam  eine  Blutschande.  Die  Gesetzes- 
lehrer des  4.  Jahrhunderts  waren   noch  geteilter  Ansicht,    ob  die  Schwagerelie  oder 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.   II.  Abt.  7 


\)^  FtTHs:  Taliiiudisclic  KechtsurkundeiK 

erhalten,  t-r  will  inicli  nicht  heiraten.  Auch  diesen  ('  ließen  wii-  tlen 
Schriftvers  vorlesen:  Ich  will  sie  nicht  zur  Frau  nehmen.  D:ir;uif  streckte 
er  seinen  Fuß  hin,  sie  löste  die  Sandale  von  seinem  Fuße  luid  spie  vor 
ihm  aus  zur  Erde,  es  war  Speichel,  den  wir  sahen,  wie  er  aus  ihrem  Munde 
kam.  Darauf  ließen  wir  diese  A  die  Schriftstelle  vorlesen:  So  geschehe 
dem  Manne,  der  das  Maus  seines  Bruders  nicht  aufitaut.  Ferner  ließen 
wir  sie  lesen:  Sein  Name  in  Israel  sei  "Barfüßiger«.  Wir  Hichter  nebst 
allen  dort  Anwesenden  erwiderten  dreimal :  Familie  des  Barfüßigen.  Nach- 
dem dieser  Akt  in  luisercr  (Jegenwait  vollzogen  war,  erlaubten  w  ir  dieser  A 
hinzugehen  und  den  Mann  ihrer  Wahl  zu  heiraten.  Keiner  soll  es  ihr  wehren, 
von  heute  bis  in  Kvvigkoit.  Fs  forderte  diese  A  diese  Chalizain-kmide  von 
uns,  darum  haben  wir  sie  geschrieben,  unterzeichnet  und  sie  ihr  eingehändigt, 
damit  sie   ihr  zum  Vorteil  diene.     Gemäß  dem  Gesetze  Mosis  und   Israels'. 

Das  Schariäthädokument  und  die  damit  verwandte  nrr-Kategorie. 

Im  Inhaltsverzeichnis  des  Kitäb  Tasnif  Beth  Diu-  wird  an  26ster  Stelle 
das  Sni^'^IIB-Doknment  aufgezählt.    Ein  solches  findet  sich  jedoch  eigentlich  in 

die  in  der  Sdirift  erwähnte  Dispensation  voizuzielien  sei.  Die  jüngste  Phase  der 
Haladia  neigt  zur  Dispensation.  Die  Ableitung  des  Wortes  02^  für  »Schwager«  ist 
dunkel,  aus  semitischem  Spracligut  ist  es  nicht  zu  erklären.  Die  spätlicbräisclic 
Sprache  hat  gleich  dem  Syrischen  o^^i  für  »Schwager«  und  "o**^  für  »Schwägerin«. 
Vgl.  Hamburgers  Realenzyklopädic  Bd.  I,  S.  928  und  die  historische  Studie  »Die 
Leviratsehe«   in  A.Geigers   «.lüdisclier  Zeitschrift«,  Bieslau  1862,   1.  Jahrg.,  S.  19  if. 

1  Der  übliche  Scliluß  ist:  oy  "i-r  ^r-  alles  ist  rechtskiäftig  und  gültig.  ""- 
ist  die  Abkürzung  für  diese  Formel.  Hier  seien  einige  der  geläufigsten  Abkürzungen 
der  Urkuiidentexte  angeführt.  p"is  =  y~E  ^^.  Kraft  des  Bodenbesitzes  (von  vier 
Quadratellen).  2"a  =  "Tjis  ■>ss  die  in  meinem  Auftrage  kommen,  n'a  =  srt  5i'= 
Schuldner,  '"z  =  ]^~  r^z  Gerichtshof  rr"3  =  i-jin  "^pz  zwischen  den  Zeilen  (ge- 
schrieben). >'"2  =  D>"y  ns^l^  Schöpfung,  als  Ära.  rt"^3  =  r'-fn  i">i  n-iz  angeschener 
Gerichtshof,  "'"ai  -"*"=  =  "iP.^s"?  "'33*'  i>  "':?  die  Söhne  Gads  und  Rubens  (in  der  Formel 
einer  doppelten  Bedingung),  v'i  =  ri'i^r  vj-^  bei  vollem  Bewußtsein,  rs"-:  =  ■':"'- 
D5"yr:  n-j:ns  Rechtsnormen  der  anderen  Völker.  ''"'  =  ^s'^ä^  ■>;'>i  Rechtsnormen  der 
Israeliten.  V'j-  =^  Ws  is":r;  der  oben  Erwähnte,  "'n  =^  O'Vri  cn  Gott  behüte.  " '" 
=  ra"2  "^nnti  die  Unterzeichneten  {~^'z  O'rr  in  der  Einzahl),  rr'n  rrr  Bi':rri  n-n  Bann 
der  Weisen,  's  ''•v  =  "'^ns  ->v-}V  meine  Erben,  n":  =  nssn  -is:  freiwillig,  "o'y  = 
rz^z  \iy  unter  der  Bedingung,  ""s'  =^  "j^s;:  s-y  Bürge,  der  im  Falle  einer  Zalilungs- 
weigeriuig  sofort  haftbar  ist.  's  =  "'i'^B  N.  N.  p"p  =  '^^i''"  ~\~?.  heilige  Versammlung, 
Bezeichnung  einer  jeden  jüdischen  Gemeinde.  3"p  =  "7-3  ■;;:-  Erwerbung  mittels  des 
symbolischen  Mantclgrifl'es.  t"':i  =  na^'s  r;rJ  von  geringstem  Werte,  s  Tc  ^^  rv^zv 
Km-r-»«7  ein  von  der  heiligen  Schrift  verordneter  Eid.  n"-cv  =  srn  — ji  Schuldschein, 
o"^  =  -5"3  'zb  Schreiberlohn,  ü'"'»  =  Verordnungen  der  Gemeinden  Speicr,  Worms 
und  Mainz,  welche  durch  die  große  Rabbincrversammlung  in  Mainz  im  Jahre  1245 
zur  Norm  erhoben  wurden,  »'n  =  rr.—^'v  ypn  Urkundensanunhnig  (Formulare).  2 'n 
=r  ;-s3  ^s:n  doppelte  Bedingiuig. 

-  Über  dieses  Werk  des  Gäon  Häja,  welches  h>  einer  Petersburger  und  in 
einer  Oxforder  Handschrift  vorhanden  ist,  vgl.  meine  Abhandlung  »Kitäb  Tasnif  Beth 
Din«  in  der  Festschrift,  welche  zum  70.  Geburtstage  des  Herrn  Geh.  Oberregierungs- 
rats ProfDr.'Sachau  —  20.  Juli  IUI.')  — .  erschienen  ist. 


P'ufiis:  Talmudisclic  Rcclitsuikuiiden.  l)i) 

(liesciu  UikiuulciiwcTke  des  Gaon  llaja  gar  nicht  vor.  Don  Al)si;hreiber  (lilli 
wohl  keine  Schuld,  und  es  ist  vielmehr  auch  für  ihn  geltend  zu  machen,  was 
Harkavy  schreibt ':  ü-'ÜTUn  ItTX  by  nm  p^n^^H  by  pbnJlb  l;b  ©^  ^3  DSI 

r^^ibn^  a^:©"'  a^sni  p^  a^WEb  p^n:?niD  n^,DT  T^by  ^^bb  bsiD  "^bisi  . . .  niQD 

B^TSaiÖia^  ■'"-'a  ix.  Eigentlich  läge  Ursache  vor,  um  den  Abschreiher 
wegen  der  vielen  Auslassungen  zu  tadeln  .  .  .  vielleiciit  aber  verdient  er 
sogar  verteidigt  zu  werden,  hat  er  doch  gewiß  des  öfteren  aus  alten,  zer- 
rissenen Heften  oder  aus  verlöschten  Handschriften  abgeschrieben.  Nur  aus 
dem  Dokumentenbuche  des  R.  Jeluida  ben  Bai-silai  erfalu-en  wir,  daß  i5rib5"^"l'C 
ein  Dokimient  bezeichnet,  in  welchem  irgend  etwas,  betreffs  dessen  ein 
Verbot  bestanden  hat,   wieder  ei-laubt  wird.     Vgl.  Sefer  Haschetaroth,  S.  2 

und  134:  "j-^T  Tr^n  p^DorTü  pD  5?iw  Kns?-^n©  2T\D  siü  ^2>^fflr,n  npsm 

XrX^-lO  nriD  n-^npn  X-^n  in^in  iniX  n^nn©  anD,  d.  h.  die  neimte  der  von 
den  späteren  Gesetzeslehrern  eingeführten  Urkunden  ist  die  Zulassungsur- 
kunde, tmd  sie  kommt  in  Anwendung,  wenn  der  Gerichtshof  oder  die  Mit- 
glieder einer  Hochschule  oder  die  Ältesten  der  Gemeinde  betreffs  einer  Sache, 
die  bis  dahin  verboten  war,  betreffs  eines  Gebrauches,  der  unzulässig  war, 
übereinkommen,  jenes  Verbot  aufzuheben,  jenen  Gebrauch  zuzulassen. 

Das  Sefer  Haschetaroth  zählt  außer  den  durch  die  talmudische  Ge- 
setzgebung bedingten  dreiundsiebzig  Dokumenten  auch  noch  zehn  andere 
auf,  die  von  den  nachtalmudischen  Gesetzeslehrern  eingeführt  wurden.  Zu 
dieser  letzteren  Gruppe  gehört  auch  die  XnX'^lü.  Vgl.  auch  aram.  X"ltÖ  er- 
lauben. Eigentlich  ist  die  XnX^ltÖ  keine  Urkunde  im  ena-ern  Sinne  des  Wortes, 

O  TT":  O  ' 

bei  Jeliuda  bar  Barsilai  wird  sie  auch  nicht  "lalÖ,  sondern  nur  ITi'D  »Schrift- 
stück«  genannt.    In  die  Kategorie  des  IflD  gehört  ferner: 

1.  "'13"''52  UPS  Das  Ernennungsdiplom.  S.  H.  S.  1.31  definiert 
es  folgendermaßen :     Tt^'^XO^  lÖXT  aH^^b^  n^TCinb  nb^D  na-^lS^n  ^"7^12©  pTl 

Vnn^Di  x^ü:  ix  ]^^^  ix  )pf  ix  irxi  arr^by  niDüb  ibiD  bjipn  a^^so:©  ix 
i-^n^iri  an-^by  inir'a  "rx-^n  icxnn  ^,nixb  -ir-a  nnD  "j^isiyi  i^'anini  abiD 
niDTbi  rt^xib  Tcxnrr  inixb  x^.nn  nnsn  xn^isi  rbx  i'-yiiiö:,  d.h.:  Wenn 

sämtliche  Mitglieder  der  Hochschule  beschließen,  ein  Schuloberhaupt  über 
sich  zu  setzen,  oder  die  ganze  Gemeinde  kommt  überein,  einen  Vorsteher 
oder  einen  Ältesten  oder  einen  Richter  oder  einen  Exiiarch  über  sich  zu 
ernennen,  so  unterschreiben  und  unterzeichnen  alle,  man  händigt  jenem  Vor- 
gesetzten das  Ernennungsdiplom  ein,  in  welchem  ausgeführt  wird,  auf  welche 
Weise  sie  ihn  über  sich  ernannten,  und  damit  sie  ihm  geliorchen,  und  damit 
das  Schriftstück  jenem  Vorgesetzten  zum  Beweise  und  zum  Vorteile  diene.  — 
Jehuda  bar  Barsilai  bringt  den  Text  eines  solchen  Diploms  auf  S.  7  seines 
Sefer  Hasclietaroth,  und  die  Übersetzung  dazu  findet  sich  in  meiner  Abhandlung 
in  den  W^estasiatischen  Studien  a.  a.  0.  —  An  einen  ganz  bestimmten  Wort- 
laut ist  dieses  Dokument  nicht  gebunden.  Pls  braucht  sich  nicht  wie  die 
eigentliche  Rechtsurkunde  an  eine  festgelegte  Formel   zu    halten,    wie  z.  B. 


1    Studien    und    Mitteilungen    aus    der    kaiserlichen    üUentlichen    Bibliothek. 
IV.  Teil.     Berlin  1887.     S.VH. 

7* 


100  FiHH.s:  Talinudische  Keditsurkmiden. 

(He  ForiiK'l  »wir  lialicn  die  Adrakta  vernichtet«  den  unerläßliclieu  Bestand- 
teil einer  Tirpa-Urkunde  bildet  u.  ä,  —  Und  ebenso  verhält  es  sich  mit  den 
folgenden  nenn  Doknnienten,  ihr  Wortlaut  kann  von  F,ill  zn  Fall  wechseln. 

2.  r'^l'lS'^!?  3r2  Das  Absetzungsdekret.  Ul)er  die  Umstände, 
unter  denen  dieses  Schriftstück  erfolgt,  vgl.  S.  H.  ib.:   rT'btD* ']"'1''SyttTJJ 'j'^W 

n^T^nrb  y.z-^  n^n  ^'."cr  ^^2  cb^c^.  n:cc  y^^  ^s  n^ry^^c  "^ict  i^w 
nnTüü  nb^nj  nniST  mic  rrr'^sii  inTi^nyn  Ts^n  "Tay  nrj  n^by  ".anr, 
Vrnin'',  "^-nay  ana  nnix  '-^aniai  ^^J?  n-^bx  aTC^  xb»i  pb  mip  na 
pTa  v^i^'^^  ^s:nn  "^e  by  «n^Tsn  "»x-i  is  bnpn  "«xn  n^by,  d.  h.:   Um 

einen  Voi'beter  oder  einen  mit  dem  Verkauf  von  rituell  geschlachtetem 
Fleisch  betrauten  Metzger  oder  einen  Torarollenschreiber,  an  denen  man 
etwas  Unwürdiges  fand,  abzusetzen  oder  sogar,  um  —  was  Gott  verhüte  — 
einen  Richter  von  schlechtem  Rufe,  der  zwei-  oder  dreimal  sich  dessell)en 
Vergehens  schuldig  machte  und  die  Gesetzeslehrer  bezüglich  seiner  Ab- 
setzung einen  Beschluß  gefaßt  haben,  stellt  man  das  Absetzungsdokument 
aus.  In  diesem  werden  die  Gründe  aufgeführt,  weshalb  er  jenes  Amtes 
enthoben  wurde  und  von  jener  Würde,  die  er  bis  dahin  innehatte.  Um 
ihn  von  selbigem  Amt  in  der  Zukunft  fernzuhalten,  schreibt  man  unter 
Aufzählung  der  zugelassenen  Bedingungen  das  Absetzungsdekret,  und  die 
Spitzen  der  Gemeinde  oder  die  Vorgesetzten  des  Lehrhauses  unter- 
zeichnen es. 

3.  Sr:pP.  nro     Das  Statut.    Vgl.  S.  H..  S.  131,  über  die  Einrichtung 

des  Statuts:  "»sa  IS  »i^iion  ^:a  IX  na^©^  ^s  bnp  nsi  n^ry  ra'^Dcnm  n^a  s^n 
cnbc  »nnTsa  "^s  noran  n^aa  ",i5  cna^is^a  ^s  T^ya  n:pn  m©3?b  nossn 
ara  y^rra  p^2  nbs  paa  bsno^b  n;ph  r^iryb  i'a^Dcno  n^a-^c^  ^CiJi  ix 
■na  imxan  n:pn  nn^sa  y iisn  ba  anaa  e^nnnb  ^'o^acn  dxi  ...  n:pn 

'{"''ü'^irTQ ,  d.  h.:  Wenn  ein  Verein  oder  eine  Gemeinde  oder  eine  Hochschule 
oder  die  Zöglinge  einer  Lehranstalt  oder  die  Besucher  einer  Synagoge  für 
ihre  Ortschaft  oder  ihre  Synagoge  oder  ihr  Lehrhaus  ein  Statut  einfuhren 
wollen,  oder  die  Oberhäupter  der  Hochschulen  beschließen,  für  die  ganze 
Glaubensgemeinschaft  eine  Institution  einzuführen,  in  diesen  Fällen  schreibt 
man  das  Statut.  Lautete  der  Beschluß  dahin,  daß  man  die  Übertreter  jener 
Verordnung  und  jener  Bestimmung  mit  dem  Bann  bestr-afe,  so  wird  auch 
dies  in  dem  Statut  erwähnt. 

4.  Ty^TCClS  ana  Das  Ordinationsdi])l()m.  In  alter  Zeit  erfolgte  im 
heiligen  Lande  die  Ordination  durcli  das  Auflegen  der  Hände  auf  das  Haupt 
des  Schülers.  Man  sah  in  Josuas  Berufung  ein  Vorbild  für  diese  Form  der 
Amtseinsetzung,  denn  es  heißt:  Mose  legte  seine  Hände  auf  sein  Hauj)t. 
Mit  andern  Vorrechten  ist  den  Gesetzeslehrern  Palästinas  später  auch  das  Recht 
der  Ordination  mittels  Händeauflegen  entzogen  worden,  und  die  Amtsein- 
setzung geschah  mittels  eines  Diploms.  Vgl.  S.  H.  8.  132:  "J^aiaiCÜ  ^^^  ^^-^ 
an  "S  Can  "X  -^ai  Xnp^'O  Cn^-abrn  p  nnsb,  d.  h.:  Dieses  Schrift- 
stück dient. dazu,  um  einem  der  zu  ordinierenden  Schüler  den  Titel  Rabbi 
oder  Chacham  oder  Rab  zu  verleihen. 


Fuchs  :  Talinudische  Rechtsurkunden.  101 

5.  "^2^?^    ins     Das    Protokoll.      Es    kommt    zur   Anwendung   laut 

s.  H.  ib.:  iniüy''5  nn^r  by  ns^iö'^n  is  niy  -^spT  ix  ^^  ^^^  ^^'a'^^ü'Qin  pD 

wenn  der  Gerichtshof  oder  die  Gemeindeältesten  oder  die  Schuloberhäupter 
betreffs  irgendeiner  Angelegenheit  eine  Verabredung  treffen. 

6.  XpnB"^  2ri3  Die  Bekanntmachung.  Diese  kommt  in  An- 
wendung a)  wenn  der  Gerichtshof  oder  die  Gemeindevertretung  eines 
Ortes  nach  einem  anderen  Orte  eine  Bekanntmachung  gelangen  lassen  will, 
l))  wenn  der  Exilarch  einen  Richter  autorisiert,  damit  dieser  irgendwo 
Recht  spreche  oder  über  religiös  Erlaubtes  und  Verbotenes  die  Glaubens- 
gemeinschaft belehre,  c)  wenn  die  Mitglieder  der  Hochschule  jemand 
eine   Vollmacht    erteilen.      In    diesem    Falle    heißt    das    Dokument     SpPD^ 

smiTöm.  Vgl.  s.  H.  ib.:  spns^  ^'ani5  pTöbn  nin-^b«  is  »To^tö  ins,  d.  ii. 

XpriS*^  Itezeichnet  im  Aramäischen  den  schriftlichen  Nachweis  oder  auch 
den  Beleg  für  erhaltenen  Auftrag.  Ganz  deutlich  läßt  sich  eigentlich  der 
Begriff  SpriS"^  nicht  definieren:  auch  zitiert  Jehuda  bar  Barsilai  a.  a.  0., 
8.  134  M.  135  verschiedene  Auffassungen  über  das  Wesen  dieses  Doku- 
ments. Um  so  w^ertvoUer  darf  uns  folgende  bei  Harkavy  a.  a.  0.  S.  80 
erhaltene    Ausfiihrung    eines    gaonäischen    Responsums    erscheinen :  ÄÜDlSfl 

Viöisia  pT  sni3S^n"f  xpn&  n'^'an«  pübn  inis  "j^xmpi  ma-i  mj"^». 

N:xn  'bD  -13  'bsb  n^3^3T2  ssros 

rr^b  «Dn^jT^'i  'bs  snnxn 

nsTnn'^sbi  -^r^r  p^'ab  j^misn 

«TD^x^n  snxia^i  ■^b^'a  bs  by 

sb"j  )iai2  bDi  ^-^ms  rr^bm^  xTnm 

n^b  n^s  JT^iös:  by  i^r^i  b-^np^ 

nfflT^i  ims  "i^BiD  i'^nb  T^bs  ©j^  sbia  yni»:  dx  htd  "^irTQ  nn-^n  iö^tö  ^'Q^ 

Xirt  blljn  ^-^l  n->n2  ^3  inyintJ  b:?  iniX  "J^pb^n  rSSb,  d.h.:  in  Babylonien 
(Irak)  ist  es  Gebrauch,  daß  der  Große  Gerichtshof  die  Richter  für  jeden 
Ort  ernennt.  Diesem  Richter  stellt  man  den  Bestallungsbrief  aus;  aramäisch 
heißt  dieses  Dokument:  S!n^3i5^'^'^  iipriS,  und  hat  dasselbe  folgenden  Wortlaut: 

»Wir  setzten  A,  Sohn  des  B,  als  Richter  ein,  mit  der  Be- 
fugnis für  den  Ort  X.  Wir  erteilen  ihm  die  Vollmacht,  Recht 
zu  sprechen  und  zu  erkennen  über  alle  religiösen  Vorschriften 
betreffs  des  Verbotenen  und  des  Erlaubten  und  betreffs  dessen, 
was  Gottesfurcht  betrifft.  Auch  steht  ihm  die  Befugnis  zu, 
gegen  jeden,  der  sich  seinem  Urteil  nicht  unterwirft,  einzu- 
schreiten, wie  gegen  jemand,  der  sich  strafbar  erweist.« 

Einen  Richter,  der  einen  solchen  Bestallungsbrief  in  Händen  hat, 
kann  man  nicht  ablehnen,  indem  man  schwört,  nicht  vor  ihn  zu  treten, 
vielmehr  zwingt  man  den,  der  einen  derartigen  Eid  geleistet  hat,  vor  jenem 
Richter  zu  erscheinen,   und  wegen  des  imerlaubten  Prides  wird  die  Geißel- 


102  Fuchs:  Talmudischc  Rechtsiukuiiden. 

strafe  ni)er  ihn  verhängt.  \'gl.  auch  Ilarkavy  a.  a.  0.  die  Anmerkung 
zum  Rcsponsum.  Nummer  180,  auf  S.  .'555  fV.  u.  S.  39ti.  Zui-  Ktymologie 
vgl.  auch  prE.  Tztmcytcv.  SelireibtalVl. 

7.  iT'nxn  uro  Es  ist  dies  eine  Art  gerichtliche  Kinl)erufung,  docli 
berichtet  S.  11.  nicht  khir  über  this  Wesen  dieses  Dokuments.  Auch  die 
vorhandenen  Wörterhiiclier  gel)en  keinerlei  Aufschluß.  Sollte  nicht  fiir  die 
Bezeichnung  dieses  Schriftstückes  irgendwie  auch  das  Wort  (T^nS  »Löwe« 
im  Sinne  von  Siegel  maßgel)end  sein?'  Vielleicht  ein  Dokument,  das  luj- 
hedingt  gesiegelt  sein  nuißte.  Auf  dem  Siegel  des  CJaons  war  nämlich 
ein  Löwe  gezeichnet.     Vgl.  meine  Abhandlung  in  der  Sachau-Festschrift. 

8.  npTD  Sro  Das  Ersitzungsdokumen t.  Auch  betreffs  dieses 
Dokuments  scheint  keine  Klarheit  zu  heri-schcn,  so  bringt  S.  IL  a.  a.  O. 
zweierlei  Auflassungen  über  seine  Anwendung.  Wenn  jemand  ein  Feld 
oder  eine  Summe  während  drei  Jalueu  in  seinem  Besitze  hielt,  ohne  daß 
von  irgendeiner  Seite  dagegen  Einspiuch  erlioben  wird,  so  wird  er  nach 
Ablauf  von  drei  Jahren  rechtmäßiger  Besitzer  des  Feldes  und  des  Geldes, 
und  um  diesen  Besitz  gegen  Eins])ruch  zu  schützen,  erfolgt  durch  den 
Gerichtshof  oder  durch  die  Gemeindeältesten  das  SlpTri- Dokument.  Es 
dient  nach  einer  anderen  Auffassung  dazu,  um  das  Vorrecht  eines  Exil- 
archen.    eines  Vorstehers    oder   eines  Richters    geltend   machen    zu  können. 

9.  SPiJ'^n'O  DIHD.  von  dem  im  Eingange  dieses  Abschnittes  die  Rede  ist. 

10.  XrTJ"'"©  Drs  Die  Vorladung.  Mittels  dieses  Dokuments 
üben  der  Gerichtshof,  die  Gemeindeältesten  und  die  Hochschulen  ihr  Recht 
aus.  irgendeine  Partei  vorzuladen.  Ist  jedoch  die  vorgeladene  Partei  nicht 
erschienen,  so  wendet  man  das  Petihadokument  gegen  sie  an.  Über  rirr^HE 
vgl.  meine  Abhandlung  in  den  Westasiatischen  Studien  a.  a.  O.  S.  83  ff. 

Außer  diesen  zehn  Dokumenten  zählt  S.U.,  S.2  u.  135.  noch  fünf  andere 
auf,  durch  die  eine  Art  Polizeigewalt  —  )n2  n*T15  5p^  —  ausgeül)t  wurde. 

a)  i?rXL3"",5  prs*^  bezeichnet  das  Schriftstück,  auf  welches  die  fiir  den 
Bann  erforderliche  Fluchformel  —  SHüil-lb  —  geschrieben   wurde. 

b)  SnrE  2nD  Diese  Urkunde  des  Eröffnungsverfahrens  findet  An- 
wendung gegen  eine  vorgeladene  Partei,  wenn  letztere  vor  dem  Gerichts- 
hof nicht  erscheinen  will,  um  dem  Kläger,  der  einen  Schuldschein  einklagt. 
Rede  zu  stehen,  über  dieses  Dokument  belehrt  uns  Talm.  Bal)a  Kama, 
fol.  112b.  Vgl.  auch  meine  Al)handlung  »Talmudische  Rechtsurkundeu..  in 
den  Westasiatischen  Studien  a.  a.  0.  Kap.  111. 

c)  SriTatJ  ar.3  Protokoll,  welches  der  Gerichtshof  im  Momente  des 
Bannsj)ruches  über  den  vorliegenden  Fall  aufnimmt.  Es  scheinen  auch 
betreffs  dieses  Dokuments  verschiedene  Gebräuche  bestanden  zu  iiabcn. 
Vgl.  S.  IL  S.  136. 

d)  Si'^IID    3rD     Dokument  über  Verlängerung  der  Bannfrist. 

e)  ninn  SHD  Dokument  über  Aufhebung  des  Banns,  wenn  der 
alsf)  Gemaßregelte  sich  den  Beschlüssen  des  Gerichtshofes  fügt  oder  ditv 
Abtrünnige  wieder  Buße  tut. 

'     l';irs   pro   loto. 


103 


Abu  Hiläl  el-Askeri,  Das  Kitäb  »el-mu  gam  fi 
baqijati  l-esjä'«. 

Von   ().  Rescher. 


Von  philologischen  Monographien  aus  der  arabischen  Literatur  liegen  bis 
jetzt  —  abgesehen  von  den  Schriftchen  des  Asnia'i  —  nur  zwei :  das  addad- 
Buch  des  Ibn  el-Anbäri  (ed.  Houtsma)  und  das  von  Sacliau  herausgegebene 
K.  el-mu'arrab  des  Gawaliqi,  vor.  Da  nun  das  vorliegende  monographische 
Werkclien  ein  Unikum  darstellt,  von  dem  sich  außer  der  Berliner  Hand- 
schrift (Ahlwardt  7052  ^  Spr.  982)  in  Eurojja  kein  weiteres  Manuskript 
mehr  findet,  und  das  auch  in  den  Bibliotheken  des  Orients  gänzlich  zu 
fehlen  scheint,  und  wir  außerdem  keine  andere  .Scln-ift  besitzen,  die  den  in 
Frage  stehenden  Stoff  selbständig  gesammelt  und  zusammengestellt  hätte, 
so  schien  mir  eine,  stellenweise  allerdings  etwas  gekürzte,  "Wiedergabe  des 
Werkchens  sich  schließlich  rechtfertigen  lassen  zu  können.  Dazu  kommt, 
daß  von  dem  Verfasser,  der  als  eine  Autorität  auf  dem  Gebiet  der  'arabija 
galt,  l)is  jetzt  nur  zwei  sehr  mäßige  orientalische  Drucke  vorliegen:  1.  das 
K.  el-amtal  (a.  R.  des  Maldani  und  selbständig  in  einem  Bombayer  Druck) 
und  2.  das  K.  es-.sina'atain  (Konstantinopel),  besprochen  von  Paul  Schwarz 
in  den  MSOS.,  so  daß  also  eine  Veröffentlichung  dieses  Schriftchens  als 
Beitrag  zur  Kenntnis  seiner  literarischen  Tätigkeit  nicht  unerwünscht  sein 
dürfte.  —  In  bezug  auf  die  Wiedergabe  sei  noch  bemerkt,  daß  der  eigent- 
liche Inhalt  sowie  die  immerhin  nicht  uninteressanten  sawahid  un- 
verändert beibehalten  worden  sind;  Kürzungen  habe  ich  mir  —  abgesehen 
von  den  oft  weit  ausholenden  Isniids  —  nur  da  erlaubt,  wo  der  Verfasser 
aus  philologischem,  sei  es  lexikalischem  oder  etymologischem,  Griijidlich- 
keitsinteresse  bei  den  jeweils  abgehandelten  Wurzeln  Material  beibringt,  das, 
in  keinem  notwendigen  Zusammenhang  mit  dem  eigentlichen  Texte  stehend 
und  weil  auch  in  jedem  Originalwörterbuch  zu  finden,  mir  deshalb  un- 
l)edenklich  wegfallen  zu  können  schien.  —  Bemerkt  sei  noch,  daß  die  An- 
ordnung des  Ganzen  nur  nach  den  Buchstaben,  nicht  innerhalb  derselben 
alphal)etisch  ist.  Einzelne,  unserm  Text  analoge  Stellen  mag  man  zur  \'er- 
gleichung  in  dem  K.  tahdib  el-alfaz  nachlesen,  so  S.  532 — 537:  »111  <jo^  und 
S.  504:  J4S1  4i^,  ferner  verschiedentliche  Ausdrücke  S.  411  passim;  desgl. 
fiqh  el-luga  S.  232  ft. 

Was  das  Manuskript  selbst  anlangt,  so  sei  bemerkt,  daß  die  Kopie 
leider  nicht  immer  so  ganz  fehlerfrei  ist,  wie  es  wünschenswert  wäre.  Da 
nur  dieser  eine  Text  vorlag,  so  habe  ich  gelegentlich  auf  die  orthogra- 
phischen Fehler  in  kurzen  Anmerkungen  Bedacht  genonunen'. 

1    Ich  liitte.  7.11  dem  Vorwort  aiu'li   die  Nacliscliiii't  zu  vei-gleiflicni. 


1((4       IxfXHKR:    AI)!!  Hilal  pl-'Askeii,  Das  Kitäli   iiiu'üam   fi  haiiijati  "l-csiä'. 

Einleitung. 

^'^l_.    ^    C*«^J    c!Aäii"    jUlj    JjU    jj-'iy-    vi    ^jj    ^'1    r^\ 

oUJi  ^UJ   \J^\j  ^_j   J^ljl  ^  A-a::^  J-«  Ax  :;i>i  ^"^ic  C-^- 

X^    dX^C       U-      J^^J    <^'^JJ     viAdiai     iLJlj     (^^^    ^    ^-^'1^     »iii^       U- 

^^  Je  i;>j  U^V  "Vl^j  Xj  j^  L  ^rp"jlji  .;.  o-ji:^!  4jTj 
^^^il  jUl  ^'5  ^\  jiil  ol>-  J^  c^>^\  '<^_J\  ^  yj  W 
;jU\  ;!u,j  ^UiVl  :>^  Jl  c5^)il  f^^Vl  ö>^  j^l  jlU  -h^I  '^\j^ 
jUl  V  j5  u^'Vl  Ij  W^Vj  J^^\  f'l/"^ä*  >^^  "^"C-?  o-^^  ^?^"  ^ 

_^J      ij\^J      jLJ      j[;ia^     JLjVI     "Ci9j      aIU      C-^    t_^     *^1     Jj     Jij 
.-.    ^  aJIj  j^äJÜI   Öj^^   "^^  l^    ^    j!    «-^^y    cÄ-alj    kJu2,   ^1   jU    .% 

.«Jl  l>^r^lj  V  frl^l    (vi'lc  Ij  frUJÜi  <l»-  aJ 

So  kommt  der  Verfasser  nun  auf  die  mannigfachen  Überlieferungen 
und  Anekdoten  zu  sprechen,  die  sich  um  die  Unentl)ehrlichkeit.  Nützhch- 
keit  und  Vorzüglichkeit  der  'arabija  drehen.  Er  beginnt  mit  der  Über- 
lieferung^ des  abu  Ahmed  el-Hasan  b.  Abdallah  b.  Sa'id  von  seinem  Vater 
von  Asal  b.  Dakwan*  [el-'Askeri]  ^  von  abü  'Otman  el-MAzini  von  Sa'id  b. 
Aus,  der  berichtet:  Ich  begegnete  dem  abü  Hanifa,  der  mii'  einen  Hadit  mit 

folgender  Stelle  mitteilte:  •••  jUl  *^J^^^  -^  ^jJ^-jSX    öl^    liÄs-  ^ß  *S^\  Ji-Jw  .*. 

darauf  verl)esserte  ich  jUl  ^»^.1.1^  ->i  j»J^  f^;  worauf  er  fragte:  Woher 
bist  du;'  Und  ich  antwortete:  Von  dem  »ahl  el-Basra«.  Da  meinte  er: 
Sind  deine  Genossen  alle  gleich  dir?  Ich  aber  versetzte:  Ach  nein,  ich  bin 
nur  ihrer  geringsten  einer.  Jener  aber  fuhr  fort:  Heil  den  Leuten,  aus 
deren  Mitte  du  stammst.  —  Es  berichtet  ferner  abü  Ahmed  von  abü  Ciaz' 


»    Text:  JL».  2    Wohl  besser:  J-9. 

ä  Auf  den  von  M.  Ilartmann  (Zeitschr.  f.  Ass.  XIX)  festgesetzten  Unterschied 
von  aljbaranä  und  haddatanä  bin  it-ir  in  dein  Übersetzten  nicht  weiter  eingegangen, 
da  die  Differenz  hier  zu  unweseiitlieh  ist. 

*    Text:  jlj5j  (ziemlich  deutlich);  SojutI,  Bugjat  324  9  v.u. 
'■    Add.  Soji'iti  a.  a.  0. ;  -er  überlieferte  \on  el-Mä/ini  und  er-Rijäsi.    Er  lebte 
zur  Zeit   des  Mubarrad    und  schiieb  die  aqsäni  el -'arabija  und  el-gawab  el-nniskit.« 


Rescher:    Abu  Hiläl  el-'Askeri,  Das  Kita!)  imigani  fi  haqijati  'l-esjä'.       105 

von  abü-'l-AiiuV  von  el-A^ma'i:  Es  sagte  mir  So'ba:  Bei  Allah,  hätte  ich 
vordem  deine  Stellung  [d.  h.  deine  Kenntnisse  in  der  'arabija]  gekannt,  so 
hätte  ich  mich  dir  angeschlossen.  —  Weiter  berichtet  Ibrahim  b.  Mnnda  von 
'Abdallah  b.  'Omar:  Ich  hörte  (eines  Tags)  den  'Abderrahmän  b.  Malull,  wie 
er  sagte:  Nie  hat  mich  etwas  so  gereut  in  meinem  Leben,  als  daß  ich  die 
'arabija  nicht  [ordentlich]  erlernt  habe;  auch  soll  Öo'ba  gesagt  haben:  Er- 
lernt die  'arabija,  denn  sie  erweitert  den  Verstand.  —  Abii  Bekr  el-Anbari 
berichtet  von  Bisr  b.  Miisa  von  Abu  Bilal  el-As'ari  von  Qais  b.  'Asini  von 
Mu'arriq:  Es  sagte  zu  mir 'Omar  b.  el-Hat|ab:  Lernt  wohl  die  »fara'id«  und 
die  »sunan«  und  »ellahn«  ',  so  wie  ihr  auch  den  Qorän  erlernt.  —  Ferner 
berichtet  Abii  Ahmed  von  seinem  Vater  von  Asal  b.  Dakwän  von  er-Rijä§i 
von  Müh.  b.  Salläm:  Es  sagte  'Otmän  el-Batti  zu  el-liasan:   Jo-j  ^j  Jyo   U 

-C^i-s  (j    <-ä£-j?  worauf  dieser  erwiderte:   tjic-j  J^»  j  »iAiU   cU^^    <-^j   U. 

Infolgedessen  sah  el-Batti  später  sich  in  der  'arabija  um  imd  eignete  sich 
die  klassische  Sprache  an  [sAra  fasihan],  wovon  er  (hernach)  den  Beinamen 
^^1  erhielt.  Abu  Ahmed  erzählt  von  Moh.  b.  Jazid  von  el-Qäsim  b.  Ma'n, 
ich  sah  (sagte  dieser)  den  Däwud  et-Ta'i  mit  abü  Hanifa  in  der  Frage  einer 
zu   emanzipierenden    Sklavin    [»/-^l]^  im    Gespräch,   wobei   er  zu   diesem 

sagte:  Im  Zustand  der  Freiheit  oder  der  Sklaverei?  j\  L^jj^  JU-  ^jl] 

rl^I)  j^l  Jlc-  (j  ohne  daß  es  jedoch  abü  Hanifa  verstand.  Weiter  soll  —  nach 
abü  Sa'id  el-Hasan  b.  Sa'id  ^  —  abü  '1-Hasan  el  Karhi  sich  eines  Tages  zu  abü 
'Omar,  dem  Genossen  des  Ta'lab  begeben  haben,  um  sich  mit  ilnn  über 
Fragen  aus  der  'arabija,  die  er  für  juristische  Studien  brauchte,  zu  be- 
sprechen. Da  sagten  seine  Freunde  zu  ihm:  Du  bist  der  Imam  der  Mus- 
lims; wie  magst  du  zu  einem  Imam  der  Mu'allims  dich  begeben?  Da 
meinte  er:  Wundert  euch  das?  Sie  bejahten  die  Frage,  und  er  entgegnete: 
\'iel  eher  könnte  man  sich  doch  darüber  wundern,  daß  ein  Imam  der  Mus- 
lims nicht  weiß,  was  ein  Imam  der  Mu'allims  versteht.  —  Abü  Ahmed  be-' 
richtet  von  'Ali  b.  el-Husain  von  Moh.  b.  Zakanjä'  von  Ja'qüb  b.  Ga'far  b. 
Sulaiman  von  dessen  Vater  Sulaiman  b.  Ali  b.  Abdallah  von  Ibn  'Abbas  von 
el-Abbas,   daß   er   sagte:    Ich   fragte   den  Propheten,    was  ist  die  Schönheit 


1  Es  sagt  [unser  Autor]  abü  Hiläl:  el-laljn  =  el-luga;  so  sagt  man:  hädä 
bi-lalm  bani  Temhn  ai  bi-lugatibim;  ferner:  sanii'tu  Jahn  et-ta'ir  wa  lagwa  tta'ir. 
Der  Dichter  sagt:  [Basit]  (vgl.  Lis.  17/205). 

•••  jli lob  ^ y^  O^^iJ. ö^   c$ji  J  J^  ö-^  J^  ^\  •*• 

und  abü  Abmed  rezitierte:  [Käniil]  (vgl.  Lis.  20  119:   j»^  (Jf   ^J«) 

.'.  J^\  [ji^]  yi  J^j  A^\  JJ  . . . .  ^jlj>  jjs^  frU~j  *Jj>\i .% 

2  Text:  ^-^J^'l;  [*]^"^  ist  ein(e)  Sklave(in),  der  (die)  nacb  dem  Tod  seines 
(ihres)  Herrn  frei  wird. 

•^    "Meines  Vaters  Oheim»   kennzeichnet  ilm  der  x\utof. 


lOti       Iüescher:    Altii  llil.il  el-'Askeri.   I»ns   Kit;il>  iinig;iiii  l'i   liaiiijati    l-csj;'!  . 

heim  Manne!*    Da  antwortete  er:   Die  Heinlieit  [Korrektheit]  seiner  Sprache. 

—  Ks  satrt  ferner  der  Verfasser:  Ks  herichtet  Bekr  1).  'Ahdalhih  el-nmhtasih 
[der  -Polizeimeister-]  von  seinen)  Vater  von  INIoh.  i).  el-Fadl  von  Isma'il  h. 
Sa'id  el-Kisa'i  von  Moli.  h.  el-Hasan  von  JSufjän  et-Tauri  von  al)ri  Hanifa 
von  !\tä  b,  abi  Habäl.»:  Ich  sprach  eines  Tages,  berit.-htet  der  Gewährsmann, 
nnt  neuen  Gewändern  (angetan)  bei  'Omar  vor,  der  zu  mii-  bemerkte:  Die 
fürnehmste  Virtus  eines  Mannes  besteht  in  der  Sauberkeit  seines  Gewandes, 
dann  in  der  Korrektheit  seiner  S()rache,  dann  in  dem  Anstand  seinei"  Lebens- 
weise, weiter  in  dem  Studium  der  Reh'gion  Gottes  und  in  der  (aufrichtigen) 
Liebe  zu  seinen  Dienern;  denn  diese  Tugenden  sind  die  beste  Gabe  Gottes 
in  dieser  und  jener  Welt.  —  Ks  sagt  Bekr  b.  'Al)dalläh  el-inuhtasib  von  abu 
'Awäna  ^loh.  b.  el-Hasan  el-Basri  (als  sie  sich)  im  Hause  des  Richters  Isma'il 
b.  Ishäq  (trafen):  Es  teilte  uns  Mob.  ben  Sali!  cs-Süsi  von  el-Asma'i  von 
'jsa  b.  'Omar  ennahwi  mit:  Ich  kam  nach  Küfa.  ej-zählte  er,  als  abu  Hanifa"s 
Name  dort  in  aller  Munde  war.  Da  begab  ich  mich  zu  ihm,  als  eben 
Jemand  bei  ihm  war,  der  an  ihn  eine  Frage  stellte.  Abu  Hanifa  beant- 
wortete sie.  indem  er  sich  dabei  eines  fehlerhaften  Ausdrucks  bediente 
[lahana  fi  kehunihi];  da  sagte  ich  zu  dem  Fragesteller:  So  ist  die  Sache 
nicht  ganz  richtig.  Da  schaute  er  [abu  Hanila]  mich  an  und,  indem  er 
meiner  Beanstandung  beipllichtete,  korrigierte  er  sich  selbst,  bevor  ich  noch 
weiter  zu  Worte  kam:  dann  lud  er  mich  (zum  Essen)  ein,  und  ich  nahm 
diese  Einladung  auch  an.  Als  wir  nun  gespeist  hatten,  da  begann  er  die 
auf  der  Erde  liegenden  Bröselchen  aufzulieben  und  sie  in  den  Mund  zu 
nehmen,   während    er   die  Speisereste   zwischen   den  Zähnen  entfernte  und 

ausspuckte;   daraufsagte    er:    jKai\  ^\j  -«c-yl  Jj  '    (Iß  die  Brosamen  und 

entferne  die  Speisereste].  —  Es  berichtet  ahn  Ahmed  von  seinem  Vater  von 
Äsal  [I).  Dakwan]  von  Ibn  abi  'ssari  von  Damra  von  'Ali  b.  abi  Hamala:  Es  hörte 
'Abdel-malik  b.  Merwan  den  JJ'ilid  ^-  <Tezid,  wie  er  beim  Sprechen  sich  eines 
fehlerhaften  Ausdrucks  bediente,  da  meinte  er:  Der  lahn  in  der  S[)rache 
(bei  der  Unterhaltung)  ist  noch  schlimmer  als  Blatternarben  im  Gesicht.  — 
Nifjaweih  erzählt  von  Abän  b. '()tman^:  Der  lalni  ist  bei  einem  anständigen 
Älenschen  (du 'I-hei'ati)  wie  der  tafnin^  (d.h.  verschiedenartiges  [und  des- 
halb m'clit  zusanunen  passendes]  Gewebe)  bei  einem  kostbaren  Kleide.  — 
Ferner  berichtet  abu  Ahmed  von  Ibn  Doraid  von  abi'i  TVLi'ad  el-!Mu'addil» 
von  Moll.  b.  öabib  von  el-'Utbi,  der  erzählt:  Es  hörte  mich  mein  Vater,  als 
ich  allein  war,  inkorrekt  sprechen,  da  sagte  ei'*:  Ach,  mein  lieber  Sohn! 
Wer  sich  keiner  ordentlichen  Zunge  (d.  li.  Sprache)  belleißigt,  solange  er 
allein   ist,   den    verrät   sie  unversehens,    wenn  er  in  die  Öffentlichkeit  tritt. 

.-.-  ^      .-    ;^  >t^ 

»  Ein  Hadit  vgl.  Lisiin  10  128  iilt.:  J^\  ^y-j^^J  ^ _^\  ^J^  •  ebenda 
15/354/6  V.  u.;  ferner  Lanc  24221). 

'^   Ji'xn'it  I  35. 

^  Ahn  Hilül,  unser  Autor,  sagt:  Der  lafnin  bedeutet  liei  einem  Kleide  die 
(teils)  f»^ine  und  (teils)  grobe  Webart. 


Rkscukk:    A1)Ü  Hilal  el-'Askeri,  Das  Kitah  iim'iaiii  fi  l)a(|ijati  "I-esja'.       107 

—  Ferner  teilt  Ahmed  b.  Kämil  von  ahü  '1-Aina'  von  el-Asnia'i  mit:  Icli 
trat,  sagte  dieser,  bei  er-Rasid  ein,  da  fragte  dieser  mich:  Was  ist  das  Beste, 
Asma'i,  das  du  über  die  Bewertung  der  Sprache  in  Erfahrung  gebracht 
Jiast,  da  sagte  ich :  F.s  gab  ein  Beduine  (auf  dem  Totenbett)  seinen  Sölinen 
folgenden  letzten  Rat:  Meine  .Söhne,  sagte  er,  belleißigt  euch  einer  korrekten 
Sprache;  denn  an  ihr  hat  man  im  Unglück  einen  Schmuck;  und  mag  man 
bei  seinem  Bruder  ein  Reittier,  bei  seinem  Nachbar  ein  Gewand  sich  borgen, 
so  gibts  doch  niemand,  der  einem  seine  Zunge  (Sprache)  leihen  könnte. 
Auch  bei'ichtet  er  [der  Verfasser] :  Eines  Tags  hielt  ]l)n  Tawaba  eine  Rede, 
indem  er  zuerst  sehr  pretentiös  sprach  (taqa"ara)  und  darauf  (auch  noch)  sich 
unkorrekt  ausdrückte  (lahana),  da  sagte  abü '1-Ainä':  Zuerst  hast  du  dich  so 
gewählt  ausgedrückt,  daß  ich  vor  dir  Respekt  bekam,  dann  hast  du  [deine 

Fehler]    aufgedeckt,   so   daß    ich  gegen  dich  Abneigung   faßte:      1>-  ^j»a!^\ 

FtiALic-  ^[s»  C«Ä-lxr  ^  (iAlÄ»- .  —   Abu  'Omar  cl  Isbahani  erzählt  von  Moh.  b. 

Idris  von  Ibn  el-Ga'd  von  So'ba  folgendes:  Ein  Traditionarier,  der  die  Gram- 
matik und  die  'arabija  nicht  (recht)  kann,  gleicht  einem  Reittier,  dem  man 
einen  Futtei'sack  vorgesetzt  hat,  der  —  leer  ist;  und  ferner  teilt  er  [d.h. 
der  Verfasser]   uns  von  Niftaweih  von  Ahmed  b.  Jahja  folgende  Verse  mit: 

«?  "11 

Dazu  rezitiert  der  Autor  noch  von  Ibn  el-Kufi: 

Ferner  teilt  der  Autor  von  es-Süli  mit  Bezugnahme  auf  Moh.  b.  Mahbul) 
von  abu  Amr  b.  el-'Ala  mit:  Dieser  kam  in  das  Haus  des  Zubair,  den  (öft'ent- 
lichen)  Mehlspeiclier  von  Ba^ra  und  las  dort  auf  einem  der  Mehlsäcke  eine 
Aufschrift:  Für  »der«  Herr  Soundso  (li-abü  fulan).  Da  sagte  er:  Wunder- 
lich! Man  macht  (hier)  Fehler  und  verdient  (trotzdem)  dabei  Geld  [vgl. 
Mostatraf  1/65].  —  Weiter  teilt  er  uns  von  es-Süli  von  Amr  b.  'Abd-ei*- 
Rahmän  es-Sulami  von  el-MAzini  mit:  Abu  'Amr  b.  el-Alä  hörte  den  abü 
l.Ianifa  in  einem  Vortrag  über  Fiqh,  wobei  er  sich  sprachliche  Schnitzer  zu- 
schulden konnnen  ließ.  Seine  Gedanken  fand  er  zwar  gut,  al)er  seinen 
Ausdruck  schlecht.  Da  sagte  ich  [sprach  abü  'Amr] :  P^r  wäre  ein  vorzüg- 
licher Redner,  wenn  er  den  richtigen  Ausdruck  fände.  Darauf  sagte  er 
dem  abü  Hanifa:  Du  hättest  eine  Verbesserung  deiner  Sprache  nötiger  als 
alle  deine  Zuhörer.  —  Es-Süli  erzählt  von  el-Asma'i  von  abü  Ann-:  Abü 
Ilanifa  erzählte  mir  etwas,  da  sagte  ich:  ^^  i-^;  er  [verstand  es  aber 
nicht]  fragte:  Was  soll  denn  ^^'  heißen?    Drob  verwunderte  ich  mich  sehr. 

—  Es  erzählt  ferner  der  Verfasser  von  seinem  Vater  von  'Asal  b.  Dakwan 
von  Ibn  Öabrama:  Nicht  kann  ich  ein  schöneres  Kleid  auf  dem  Weibe  sehen 
als  (eine)  Fett(schicht)  vmd  kein  scliinieres  Gewand  auf  dem  Mann  als  eine 
reine  Sprache  (fasaha),  deren  Erlernung  (d.  h.  Kenntnis)  den  Untei-schied 
zwis('li»-n  klein  und  gi-oß  aufhebt  und  einen  des  Umgangs  mit  Fürsten  wert 


108       RKsriiEn:    Alni  Hiläl  cl-'A>keri,   Has  Kitäh  inu'gaiii   ("i  hnijliati  "l-esjä". 

macht.  Von  el-'AMna  i  erzählt  der  Vei'lasser  fernci-:  Kiii  Heduiiie,  l)orichtet 
dieser,  hrtrt  eineui  Gespräch  zweier  Männer  zu,  von  denen  der  eine  seine 
Behauptungen  (noch)  fehlerhat'ter  (in  der  Ausdrucksweise)  vorbrachte  als 
der  andere,  da  meinte  er:  Ein(e)  deutliehe(r)  Ausdruck(sweise)  ist  (wie)  Seh- 
kiaft,  Unvermögen  (des  Ausdj-ucks  aber)  Blindheit,    f^*^  tV^-?  j~^  j^U  * 

Abu  Bekr  b.  Ahmed  b.  Sa'daweih  berichtet  von  el-Asma'i  von  'Isä  b. 'Omar: 
Es  sagte  eines  Tages  jemand  zu  el-Hasan :  Ich  bin  der,  welcher  die  'arabija 
am    reinsten   spricht;    da  meinte  dieser:    Sag  nicht  also!     Der  andei-e  aber 

fuhr    i'ort:    So  versuch  es  einmal  mit   »ein«   Wort    FöA^lj   aP     it    Jki»t5|; 

da   meinte  jener  (trocken):   Das  genügt  mir  schon   [o-U>:   J^jl*! 

So,  fährt  der  Autor  fort,  ist  es  zur  Evidenz  erwiesen,  daß  ohne  eine 
genaue  Kenntnis  der  'arabija  in  Wort  und  Schriil  ein  Wissen  (welcher  Art 
inuuer)  nicht  erlaugt  werden  kann,  weder  in  den  Dingen  der  Gähilija  noch 
denen  des  Islams,  und  daß  ihr  Verständnis  ebenso  not  tut  zur  Briefschreibekunst 
( JJly)  wie  zur  Rezitation  von  Gedichten  oder  Ausarbeitung  von  Predigten ; 
und  das  Beherrschen  ihres  Wortschatzes  konnnt  ebenso  der  Nüancienuig 
des  Ausdrucks  zugute,  wie  auch  der  Schriftsteller,  der  auf  guten  Stil  hält, 
dieser  Kenntnis  bedarf,  um  gewählte  Redeweisen  anwenden  und  gewöhn- 
liche Ausdrücke  vermeiden  zu  können;  dann  schließt  der  Autor  seine  Ein- 
leitung: 

<!.-»-  LilL)   ^j  j_jj  l_15j  Uj^  A«    *«  Uüi-U  ^^j  W^l/.J  ^i^-^ 

AÄJ    A^vS^    jio^     jlj     *^J     IÄa    ^JO     JCa    y\j^\     Cia-lJj    -^Ij!!     O-C- J     'oj^ 
%  " 

^    >  y~   '    f    '        .      '  .''  -J- 

^1     p5«i|     <Jjy*- 

Der  Autor  beginnt  also  mit  dem  bab  el-IIamza:  jl)  «jl  Vi;  nach  el- 
Karrä'  im  Sinn  von:  *2>t-^  /j»  A-i  ;  z.  B.  sagt  man  öjV\  U-  ,JjV1  C-^*^ 
[vgl.  Lane  19c];  nach  abu  'Ubaida  dAlj  ^li  j&  j»>tJl-  ^Jj;^-  It  ^^Vi  C-^- 
—  Auch  Quran  46/3:  }£■  /y  «jl|  j\  —  wird  entsprechend  durch  <^ 
erklärt.  [t;brigens  sind  hier  mehrere  Varianten :  Es-Sulami  liest  oj  \  und 
el   Hasan  öj\,   welche   drei    Lesarten   el    Farra'   alle   gleichmäßig  mit  <j^ 


•    D.  h.  wohl:    Die  Unfähigkeit,    sich   foniieil   rieiitig  aus/udrürken,    führt  zu- 
gleich die  Ujimügliclikeit  einer  korrekten  inliaUiichen  Verständigung  mit  sicli. 
2    Mostatraf  ly65. 


KtsmtR  :    Abu  Ililal  el-'Ab.keri,  Das  Kitab  iiiugaiii  fi  baqtjati  1-ejijä".       109 

interpretiert;  auch  el  A^uia'i  hatte  sich  dahin  ausgesprochen,  indem  er  den 
Vers  von  er-Rä'i '  zitierte :   [Wäfir] 

(2)  ^V-Vl^:  Nach  Ta'lab  =  «^Ül  *ä-1  *Jü  [=  ^-^  (j.  vid.  Freytag] 
pl.  jL-l  [bzw.  jLx-].  Nach  abu  'Ubaid  soll  dieser  pl.  =  JL>-  sein,  er 
zitiert*: 

.-.  ^LÄT^  jU|  C^^  AÄJ  i|  «LA*-  LJÜl  ijy>\  C-J[ oder -ü)| -lij  .-.  [Jj_^] 

(3)  <A.V1  :  [Der  Überrest  von  Dattehi^  unten  im  Korb].  Ein  Dichter 
sagt  [Mutaqärib] ' 

(4)  jT-Vl:    [^^=^1    ;»-^j^    (j   (^L-jJ|   aJj];    dazu  wird  bemerkt:   <jAijj 

j    ^^1    Jlj    [Lane  2575b]    ^ß  '^\   J^\    j  ^\   J\   J^--  U  J^ 
.-.  [Lane  2616  a]  LÜ.T'^^l.  —  Es  sagt  el-Hudali»  [Basit] : 

(5)  cf3Vl  [=  (L'ji  ^LJI  Ji^  A.J  LTjl  ^jlT)  jJiJl  J  ^_  UJ-  Es 
sagt  ein  Dichter  [Basit]  i°: 

*  l.'s.  5/62  [es-8aminäh].  ^ 

2  ^__ji  ^:>c^  oli  til  a!  y^  ^  JU-  jUsj  ^1^  U-V3-ij[jJ  -^  <^ 

....  JjVl  fUi  Ja  UJ  jg 

3  Kdbem. :    So   (mit   zwei  Dammas)   nacli   dem  Qämüs  =  ^3**"'    "   ^"•^'^   ^'" 

4      c 

AVädi  im  Yenien   ~   und  [=   ^^^l  ]:  Rest  von  Fett. 

*  Lis.  16  156.     Nach  el-Farrä'  von  Sa'd  b.  Zaid  INIanat. 

=    Zm-  Form  vgl.   öy\   -  oAt  [Wright,  Gr.  I/lllA]. 

6  Text:  jZ   (deutlich). 

"  Lis.  13/17;  Doraidll2;  Jäqüt  1/96  [Ujlj  JaJ. 

8  Nach  Kosegarten  148  vielleicht  auch  Mälik   b.  Hälid  el-Hunä  i  [^^  ^   ^ 

3^J;  How.  11343:    Abd   Manat   el-Hudali    [^IVl  J<^  (^^  *»];    vgl.  Lis.  6/98; 

ebenda  4  137.     2.  Halbvers:    ebenda  7/316   und  17/146  [^J--   aJjI"]. 

. . .  <<^  L.  c^j^l  Vj  u^l  3jj  ^^  u-Vl  ji  ^;i^Vl  ^CLii  ji  j^ 

10    Nämlich  el-A'sä;  Lis.  18  30;  2.  Halbvers:  Lis.  18,31  und  32. 


110       lx^^tllKli:    Al'ii   Uilal  cl-'A>krri.  \h\->   Kil;ili  iiitiVrani   (i   It.niiiiiti    l-oViä' 


(fi)  wVl  1=  öX\i\  Jfr  ^UaJ\  J^  Jr-  L.|.      N.icli    aliil   Hekr  liesteht 

diVse  Speise    aus  tMiu-m   (icmcn<;e  von   Mehl,    Datteln   iiiid   Milch;    sie  wird 

.•iiicli  J^^\  <^  -eiiannt.      [Lis.  18/39:   L.j-1   ^\1a\. 

c  i.  '■ 

(7)     tf- VK    Nach  ci-rniawi  ist  ^\  ■=    L  I  (alter  nur  speziell  von  Kleiscli]. 

11.  (8)  Jju^Jl    |-^-   -^-5   vl-^"j    t-t'Vl    J    J-'    -^ly-^n   ^i  j.     Kl-IJirniazi 

[Kliigel  S.  54]  fuhrt  folgende  Redensart  an :  ^lu>j   ^c   jyi  o^^,  die  er  wie 

,    ?  „  ^  ^        «<  ^ « 

folgt  erklärt:     plsi^^!  J;^j|   <^^^    U^^   -ülj  _j    ^^ftp"    ^Jr^\    jV    "^^--J    ^^^w- 

^^    J-     tU.'     J^    V    AjiJSl«    (_$\    4,Ul)    A^J      ^_^Lij    etlil    o^_    j^^'^    jV    c>-i> 

die   I\'.  Form    w  iid  von  den  Leuten   in  Negd  auch  gehraueht  wie  ^^^JllX^l 
im  Sinne  von   llr>t-i?  und  Liäs»-;  ferner  kommt  die  Form  auch  im  Sinne  von 

c 

U-1  VOI-:  so  sagt  dei-  Dichter': 

(H)  Cjdl  [=:  öj*>V:Jl   =  Ol"^^  ^]   (vgl.  Laue  ol4h).    Hier  schieht  der 
Autoi'  folgendes  Geschichtchen  ein:    Jl»  -L«>-.  ^J   ^\  Ax  ^j   -X^]  y\    U—V»- 

JktiiJ  jJs-  jJlZ.  {£-  ^-'J^-^  ^^  ,M*  •— ^  ^  ö^-^^  i'l-r!"  ^r^  J>^  *_i-a>' 
vt  j-"^ 3  ^~^  <J>i^  a)  ö^;-aJ*=-«  e-^  (*^  Jl)l-i  ^^1  ji  lUUa>  I  ^"^  u!uAC- 
Jläs    e^'    Jj^    ;»k^    J^l  jjli>=i    ^153    jöt    j_^tV^    <:»-j!l     ^LS"    ^Ul.    lj\s    H^J 

•''    Haiiiäsa  (Brih'uj)  1/31. 

•'    Laue  205c  inid  Lis.  13/57:    y*=>r  ö   ^»^^^Vl  ü".  «-A^  [Fuflieini :  ^^^l/ 
-«-   \ar.  nach  cl-tJauliaii]  desgl.  Talidil)  433. 

»    Nadi   Ahfi  Hiläl:   Diminutiv  zu  *-^  |Viclilicid<-   \nn    10— 20  Sliickj. 

•''  Gcmisclit  aus  Ziegen  luid   Sdiafcn. 

•"•  =:z  el  Mangäsia.  ein  Dorf  bei  Basra.     (.läiiüt  IN   (558. J 

"  Herrenloses  Land. 

"  [=  A>-ll  nahmen  [mir  die  Herde]  weg. 

'■'    Vgl.  dazu  Lane   K.KJOb.  ^^'>    [=1:  <*-»-l' 1  wdhin  sie  sich  wandten. 


RtsciiKK:    Abu  Hili'il  el-'Askeri,   Das  Kiläli  iiiu'iaiii   t'i   liaijijati    l-csjä  .        111 

..^    (^  -  -  ^      ^      .      ^  .  ^     ,  .       . 

<^i="  I    V    J-   Jl    i^i^^     '-5^^    f^.   ^r-^i    ^^    1J:^U*    Vj    L^i^lj    UUU- 

(10)  jj^Ül    [man    sagt    so;    G^-«^'    V"*   J^  *    ^   ^^~'^    ^'^^    J^]    (^'S'- 
Lanc  9(Sb).     Der  Dichter  Aus"  sagt   [Kämil] : 

.'.  jXJl  ^^a"  j_^l"  p4''L-'l  1,  l_5i^^J  1  ^/c=''^  ^  j\  C^_!  ••• 

im  Sinne  von  <~a>   "^s^^-e ;    daneben    kommt    dann    das  Wort    aucli    in    der 

Bedeutung  von  y<^s-    oder   ^^\j^    vor;     so    in     dem     Dieiitervers:     [Wäfir] 

.'.\j*.->-    ^aJ«  Z^j^\^ySi^  .•.   und  in   der  von  »Blut"    und   »rotes  Färbemittel". 

(11)  ÄiC^j;)!  [r^  j-\3j\  yi  J^'  "V  ^'>-  j  Vs^^  d^  '"^X  (v^i- 

Laue  305  c).     Nach  Ibn  Duraid  eine  (uni)eachtete  und)  unbeweidete  WeifhMi- 
(Wiesen-)  Fläche.  —  Es  sagt  dej-  Dichter  Kntaijir  [  rawil] : 

Im  pl.  viAfly  (vgl.  Laue  1/305 c)  iiedeutet  es  (von  P'raucn):  /j>-j'J^  V  l/'^  ^ 

*  - .  s  "*-      . 

1^  jl      <^L.i. 


IV.  (12)    jyi\  [^-  ^'<JiP'^\   j  Jhß\   Ä_Iij.      Es   sagt   der    Dichter 
[Kämil] : 

f.        c 

1  Diiii.  zu  o  V^^   |=r  StückcheuJ. 

2  =  JUI  L>^. 

^    Vgl.  Diwan   14/2. 

8  Text  <.9L.J  (mit  .i). 

9  Tahdib:  Jj^l  j;  iicjh  d-1.  232. 


1  rj       KtMHKu:    Alu'i  Ilil.il  i'1-Askeri,  Da.s  Kitäh  iiiugaiii  fi  baijijati    l-csjä'. 

.'.  J'ji\  ^i-  ij^\  U^ir^J  jl  ^  \   ij^  Jm*  ^Jf-^-^'V  ••• 
iiiul  ein  anderes  [Rege/.]: 

iiinl  [Kegez]": 


(1.-5)  ^y^l    (=  J^l   j   (»l-Dlj    ^jJl   U)  ]    (vgl.   Laue  3541)).     So 
sagl    n'''-'-l^""""''    [TawilJ: 

V.  (14)  i-j^i  =  (^1  f^lj)  }Jr  U  A.»  .J^'l  j*  J^\  j  ^_  U 

(vgl.  Lane  414a).  Diese  Wurzel  kommt  in  zwei  Bedeutungen  vor;  erstens  im 
Sinne    von    Aai  und    dann    in    doni   xon   »_^  :    zu  letzterem  vergleiche  den 

Ausdruck:  «0^1  <Zj>-  jA>  [Lane  s.  v.  f  jW  1  und  den  Vers  des  abCi  Esmä'  h. 
ed-Dariba  [Lis.  14/360,  Doraid  117  und  Lane  4121)  (var.  El-Haufazan  oder 
'Atija  b.  'Ufeif )] : 

.-.  \j.^_  jl  UjU    lj\ji  C-trT  'I    *^    *^^  ^^  C-jJs»  Aä]j  .••  [c-^i^J 

{\W)   ÄwäÄsJI    [=r  ]syj\   Ä.i)  I    (vgl.    Lane  397c).       Ein    Dichter    sagt 
[Mutaqärib]: 

Eine  weitere  Bedeutung  ist  die  von  [Baum-  oder  Zahn]stiun[)f,  wozu  von 
dem  Autor  folgender  ^'ers  herangezogen  wird  [Kl-Härit  b.  Wa'la  ed-Duhli] : 


»  Lis.  14/344  (nacli  abü  'Ubaid),  Text:  ^U*  und  Taliijib  645;  fiiili  233. 

-  Lis.  15/64.  ....  _*j 

■'  Mit  Tesdid   als  licentia  poctica  vgl.  Jji^l  (_5  \j^^  sjf^    ""^   cT*  ^ 

*  Lis.  20  255  [var.  C-.^I  bl]. 

Ä  ybj    Jo-UÜl    .JlJI    ^13)1    jl    ^^^^t-a)lj    jli-|    ^l_j.h    ÖA^  _j)_l    Jlj 

.  .  .  J*.^^  (^  ^j'^  (*v~*">    JIJJ  J^^  *^  llftU- 

6  Text  ^.J^r-- 

\  Li3.  14/355;  ebenda  1/448  [T.  erklärt:  jy^\  dj^J  C>ß  j'^-»-  j  Vi  cfl]- 


Kes(iikk:    Abu  Ililäl  cI-'Ai>ken',  Das  Kiläli   inugaiii  fl  bacjijati    l-esjä".       llo 


(16)   '^\>^\   |^*=n^l   J^  UJl].   M.   licißt  OS   [^l^-C'Vl  jl^l^.  J| 
rolgeiuleniiaßcn :      U-JJ   l^jUl  ^j^^j  ^j^  l^LoJ  Jp  li . 

VI.  (17)   OULsÜI  [=  ^^jJ6\  <^];  so  sagt  ein  Dichter  [Tawil]: 

i^\^  ^j  t^Ui-  <z^  W^«=r-  j;^'^  ^="  j  (*^  ^J  »yVl  <'4l  ^).  I 

Vw^T-^j     ^^>-  öyVl    «-^^ — *  sI^jt^vT  J^^fl^'   jv^«i'  j'*'^-  (5*^"  <    (_^*   ^   '  jt^A»- 

(18)  ^^\  [  J.V1  ^^:^  J  J-  yl^l  ^lllj  (vgl.  Lis.  3/62,  Z.  8). 

(19)  ^(»UJk^  I  =  t.^'  «C^     ju    U  <vJJl     jd"  -Cfi  Jlir  <PJ.     In    ehcndiescm 

iR-gativeii  Sinuc  koinint  auch  mit  Metathese  ^-L^  und  Pei-uiiitatiou  ^»-Lsx) 
sowie    A^  voi'^.     Abu  Bekr  rezitiert  [Regez] ': 

Danehen  kuninit  das  Wurt  al^er  aucli  im  gegensätzHchen  Sinne  =  ji>  I  U  I 
6.  ^  *Ca  vor. 

(20)  Äsi^Ji  [o^=*"^  L«  -*-J.  ^jVl  J^  cill  Jjj  t>*  Jn  ^]'  ^^1 

—  hemerkt  der  Veifasser  außerdem  —  ist  ein  von  Kindern  getragenes  Be- 
kleidungsstfick  (ähnhch  dem  jl  jl  )  aus  Leder,  und  er  zitierte  dazu  folgenden 
Kegez-Vers  [Lis.  10/406]: 


1    ^^^^!l  j^  ^aJi  Äi^jJlj. 

■•^    Laue:    a    mark    whicli  is  iiiade  by  tlie  Arabs  of  tlie  desert  npon  tlic  iimilm- 
part  oC  a  camel's  Ibot. 

^    Offenbar  fehlt  eine  Negation. 

*    Zum  Wechsel  von  t-  und  o  vgl.  auch  ijfj^^  =  Cfj^  {\''\A.  Freytag) ;  isUft 

und  -laLs»  (Cheneb  454  Anni.  =  Meid.  11/79,  Freytag). 

-   Lis.  16/107;  15/271. 

•^    Ist   natürlich   als    irrtünihch   zu    streichen,    da    sonst    die  Bedeutung  wieder 
analog  der  erst  angeführten  wäre. 

Mitt.  (1.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.   1915.   II.  Abt.  8 


1  1  1       Hjx  iifcii:    Ahü   llilnl  rl-AskciI,  Pa.s  Kiii'il)  iiiutiam   fi  liatjljati    1-esjä'. 

(■Jl)  Äs1j^\.  M:iii  sai;l:  ^-i  ^\  *^\J^  -C*  J/  LS  «uUU  J^|  (v^i. 
Laue  5o51)) '.       

Vll.  CiL»)  üiJl  1=  ^5xJl  j*  tL::Jl  J  ^^  U*|  xi.l.  Laue  780a, 
/.  3  V.  II.  —  Im  Gciicnsatz  zu  ^r*^  hcdcutet  das  Wctri  rcnier  die  siißeii 
(Wcitle)ltll:m/.rii  [\  ^1.  Laue,  a.  a.  O,].  So  sagen  die  Aralier:  J^y\  jf-  *ii-\ 
l^I^lj     »iajrlj;   weiter  saiit   man   xon  den    Kamelen:      ,ki"  1   Vo -A  J^.^  1  Jli  "V 1 1 

[Lis.  1 3/225 ;  8/408]: 

[.-.   UaÄi    l^M»  (J^^   ^^-'-?|    j  ^^»^    lyy»  t>l=»L«   l)U   .'. 


(23)  ial^l  \^^\  J  J  y^  «^^^J  ^S^-  'l^«'»'-l'^^  ^37,  Z.  2  =.  Lis.  9/Lj4, 
Z.  1  naeli  al)u  'Amr.  Die  anderen  vom  Autor  daneben  noch  bcriicksiclitigtcn 
Bedeutungen  [.j-J^i  jV  jÜa-jJl  AisiIr>t;;oj  (Qor.  2/276)  [nebst  der  Erklärung 
von  abu  'Ubnida]   und  der  Vers  [Tawil] : 

sind  mehr  lexikahsche  Vervollständigung  als  zu  einer  etymologisch  not- 
wendigen Erklärung  des  eigentlich  in  Frage  stehenden  Ausdrucks  noch  hin- 
zugefügt. 

(24)  lyi^  [eigentl.  'C^\  '*<=^:\J\\;  nach  el-Qinani  aber  »der  Kest 
eines  guten  Pai-fünis,  das  an  einer  Sache  hängen  bleibt" ;   es  i-ezitiert  el-Fadl: 

.••    oj^\   \f\^\  (j  ^J^   1    o}aLK^  ÄIäI^    ^y^  ^j  \j_  .-.   I^jj 

.'.     oyii>zj\   j1a>1    ^ii-    ^  ^Jc>-j        oj..^     ^'.y^^   ^^ JJ  j\    •'' 

ähnlich   [der  Bedeutung  \on     *^]- 

"".->-.  •    W  "".        "-"'  i    •'  h 


'    Am  Schlüsse   bringt   der  Autor   iiocli    die   sprichwörtliche  Kcdeiisart   [(j.  v. 
Lanc  s.v.  ^JiW] :  ^JJlSj  ciiW  t>'  (^' 

^    Ahlwardt  111/30,  Vers  53  |^Wl  C5^1    <ii-jl|- 

3   K.  el-acjdäd:  269.  ^    ^  ^  ^        ^^ 

•>    Erklärt:  [4,    C^lji  ^^1  t^l  j  C^l    <>Jlj  ^ii^   l^li    Uis]. 


Kkscher:    A1)U  Hiläl  ol-A^kcrf,  Das  Kitäb  nm'gani  fi  iKUjijati  "l-esjä\       115 

VIII.  (-25)  j^\!\  ^b  [^  9^\  j  vJli-1  <fJ  L.|  (vgl.  Laue  8851)), 
wozu  im  Gegensatz  gesagt  wird:  ^sUl  ^Jl  AJ  [er  melkte  sie  ganz  aus]; 
[el-Mnhahhal]  sagt  [Tawjl] : 

WOZU  der  Autor  noeli    j_^U   [im  Sinne  von  ^^^>cl^l  As  <1d  4)  ^Uf-  V  c5-Ä)l 
»J^\  <\läc-]   hinzufügt. 

?  >  '^  /  .  .•* 

IX.  (26)    ^\>Ji\  \{^r.^^^  J^  <^^^  WV  <;li  W  o^  lcl_j)  J'__-\!l  J^  -^  J. 

Naeh  ahii  Zaid:  •:•  (^iVl  <^-^^  ^löJlj  «ciTj  A,\ji  (j-0\  ^   C-i 

dagegen    ist    ^li    Sing,    zu    jl^.i;    nicht   aber   Aili,    was    nur  vulgär  vor- 
kommt. 


(27)  *jlJüH    [naeh    alm  'Ubaid  =  ^T})l  <.i   (vgl.  Lane  9871)   jlijj 
jUj  ^  jUi  ebenda  9491))]. 


(28)  «.UjJI  [=  ^_^Jl  ^  ].    So  sagt  man  (vgl.  Lane  979a):  J^  \  <^\ 

"cjj-^  ^.J  ?L.J  ^(5-;  auch  ftUüil  ^U  j^lJ,  wenn  jemands  Krankheit  sieh 
in  die  Länge  zieht;  doch  wird  diese  Redensart  eigentlich  nur  in  übertragener 
Weise  auf  den  Menschen  angewandt.  Ferner  gebraucht  man  diesen  Aus- 
druck auch  im  Sinne  von:  ^y>y>  3\^ ^  4^1J^^  "J '■>  ^^^cJi  beschränkt 
sieh  die  Anwendung  dieses  Ausdi-ucks  auf  den  Menschen  nur  auf  diese  zwei 
angeführten  Fälle.  —  Das  Verb  dazu  ist  Ui  ^J,  das  abu  Du'aib  in  dem 
Verse  (nach  el-Ahfas)  gebraucht  [KämilJ": 

.'.    f<^s^   iJjl  jl  Aj'UA)     s_jJ^^  (j^jr^  0*"^.^  •'• 

1  Lis.  16/158  und  292. 

2  Doch  kommt  nur  A>l)i  in  dieser  Bedeutung  vor. 

3  Diwan  (Geyer)  36/2. 
*  Ms.  jLi. 

»    Sprichwörtlich  sagt  man  [vgl.  Freytag  XVI/55]:  »_-^l  ^j^  fUJ  jy*l  _^ 

"    Mit  Erklärungen  von  Moh.  b.  Habib. 

'    Lis.  9/401;  18/316;  Tahdib  123  [T.  J»\\  !]. 

b* 


ll(i       IvKMiiKi;:    Al)ü  Hiläl  ol-'Askerl,  IH>  Kitäl)  imigaiii  i"i  biKiijati    l-c>jä'. 


X.  (29)  <>y^\  [=  <ifJl  j  Jo  JJ\  <i»  I  (v-1.  Lis.  3/277,  Z.  15).  Man 
sagt  so  ;iiii-li:  Jo  J\'l)  *.:>^^==C ^  <Cil>- ;  zu  (licsciii  Staiiiin  <;(>liürl  noch  *^  J 
1=  jl-v!l  ^^l-|   lind   7^  J  1=   c.^=r|''   ^'-i'-   *!"'"    H<',ü,i'/. -\'crs: 

(30)  <^jj\    [--:    j-^\    j   ^\i\lf\    (v-l.    Lan.'  11871.).      Hin    Ko^rz- 

Diclitcr    saiit":     •••   ^i^^    W^   C-^    <^JJJ    •'•        Ferner    liedentet    lauda 

••j;rasbo\vaelisener  Boden«  (>_..M»e  jl>-e),  docii  kann  nach  eI-A>nia'i  nni-  he- 
wässertes  Terrain  »randa«  benannt  werden;  im  Sinne  von  hadi(ja  gehrancht 
es  ahn  n-Nagni: 

Kiiic  sprichwörthche  Redensart  besagt:  ijj^\^\jj  ^  0~"^  ^ '  '^''"  i^'^"''t<^'i' 
gcbrancht   auch   diesen   Ausdruck   in  dem  Vei\s   [Tawil]: 


.:   Wj\i   ^y\    JaII  O-^J  \  -^J 


^Ji)|      «eis    jj-^tll    '^JJ    '^ 


u 


_J-«   »J^   Jl-iJ^    ^J^ 


.i=l. .-. 


Ein  anderer  meint,  die  Zulässigkeit  des  Ausdrucks  rauda  sei  von  dem  Vor- 
handensein  von   Bhunen    (j\y'\j   (/*j)     abhängig;  el-A'sa   sagt  [Basit]": 


(31)  JT^I    |r=  ^^\   ^]    (vgl.  Lane   1158a).      Man    sagt   so:    jM* 

^»IjJI  3*^    '"^  Siiuie  Aoii   jj^-Jl  <L^.    [Zu  ^-«Ij,  das  der  Autor  außerdem 
anführt,  vgl.  (jiawali(|i  72.  Z.  121'.   und  Lane  1158a,  b.] 

(32)  ^v-u.J\  [(nacii  al)ü  Bckr)  =  ''^äJI  j  (^_^1  ÄJ>  |;   das  \'erb  da- 
zu    ist  ij"J\    so  gebraucht  es  der  Dichter  [Du  r-Kunuaa!'] :   iS^it'^    cy^i    '"' 

>  Us.  3/278;  Qutaini  (Diwan)  VIII  9  und   13. 

'■«  Lis.  9/24. 

3  Lis.  13/65. 

*  Lis.  2/433:   2.  Halbveis    stark   vanieieiid;    Qattal    el-Kilähi:    Yä(n"it  II/26I  ? 

■'■    Und  zwar  soll  jy  die  weiße,  |/*j  die  gelbe  Bhniie  bedeuten. 
'•    Cl.eicho367  6-9;  I.Vers  in  Lis.  16/268. 

\  ^  V    . 

'    Text:i_>-?i;  die  folgende,  läiigeie  Interpretation  übergelie  ich. 


•'    Oder  auch  j-*Jl  j  *äJl  [vgh  Laue  lU79c]. 


Rescher:    Abu  Hiläl  el-'Askeri,  Das  Kitäh  iiiu'<>am  fi  bai|tjati  'l-csja\       117 

.-.    -T-'j^   jb  ^.is  3   ['rawilj;   weitere  BfHlciitungoii  dazu  gel)eii  ahn  Zaitl   und 
v_  -  •       -  ^  ^^     ^ 

ahu  'Ubaida,  wozu  dei-  Vers  [des  Nabiga  el-Ga'di]     .-.  L-L-^H  jj/i^  *^^    •*• 
zitiert  wird. 


(33)  \s\Jhj\  und  ry^^l*  ^"'^  ^'^^  erstere  Wort  gibt  abu  Bekr 
nach  abu  Malik  die  Krklännig:  ^U-i  J  JjVI  -CjL-l  ^_^4)1  «.Hl  ..wovon  abei- 
, unsere  Genossen'*  nichts  wissen  (wollen)«,  und  ebens(j  sollen  r:j>-)\ 
sowie  '^*^j>-y\  als  Nebenformen  vorkonunen  [vgl.  Lane  1033a  »reniains  ol" 
water  in  a  tank«]. 

(34)  jv^l  [=  'V_ic.  ^U  UL«  j^\  J^  ^  \j>-  d.  h.  die  Reste  vom 
Fleiscli  eines  beim  Meisir  geschlachteten  Kamels]  S  vgl.  Lane  1204  a;  Lis. 
15/151,  Z.  3  V.  u.     Man  gebraucht  das  Wort  außerdem  im  Sinne  von  J^^J 

oder  Sjlj  (vgl.  Lane  a.  a.  (?).).  so  z.B.  [«.^Lj  =j  ^j  j>AJ  U  j^iil.  Dei- 
Dichter  (^-uJl  S^\  sagt  [Tawil] : 

(35)  J^J\  [=:  ^yi  J  Jw^  jv\Sb  an  ^  JJUJl]  (vgl.  Lane  ll-20c). 

So  sagt  man:  UaJj'  C-ä9j  [»I  left  a  small  (juantity  of  water  remaining  in 
the  skin«  Lane  ir20b].  Diesem  Begrilf  kommen  folgende  (synonyme)  Aus- 
drücke nahe:  [^AiJl  j  ^j^  S^\  «-^^  =]     r-U^-^lj  ^UjJ     c-^-^b  S^\ 


XL  (36)  S^^j\  \^  °U>.j  ^Ul  ^-^  '<f\  (vgl.  Lane  1263c). 


1  PI.  zu  JÜ    ~  vgl.  Lis.  7/402,  Z.  7  und  IL 

2  Vgl.  Lis.  9/175,  Z.  5  v.  u. 

*  D,  h.  die  Basrenser.  ^    Cfr.  fiqh  233. 

•■  Daran  fügt  der  Autor  [Lis.  15/152]:     Uj   ^tJl    [Text   ^^ii^]    ^^    >*J 

.-.  jijJ  p>4)i  piä^  cf  ^-*?  cf^  J^  Ij  y^^  ->-^,  \  (*'J^  Ji^^<;^  .••  [o^.^-^l 

0  Lis.  15/151  [endet:    <'^^.];  ihd.  20/54. 

■^  Lane  1431c. 

**  Lane  1771  a. 

'••  Nach  manchen  Philologen  nur:   ,j-^\   jl  ^v«j  >1  ^. 


118      Ueschkr:    Abu  Hilal  el-'Askeri,  Das  Kitab  mugam  fi  l)aii;jati    l-e^ja'.] 


XII.    (37)   \i*l^\  \^  ^^y^\  j  «-^^  V'l-      '■■'"    HfMt'/-I)iclitci' 
|^^>^Js;.gt: 

(38)  t.'jJ\  [=  wi^V^   ^^^^  j  (j^^  J^l-    Zulinir  sagt  in   oiiieni 
seiner  Gediclitc  [Basii]: 

(39)  j>l)l  [=  ^j^  L  -^.  ^lyJl  ^:^t-  -t'Vl  j  J^  U]  (vgl.  Lanc  T2S21.). 
\'()n  L'1-Aljlal   Avii-cl  rezitiert  [Basit]: 

(als  Var.  wird  clafur  auch   j\y^^  \'=^  ^^ ^  \   überliefert). 


XUI.  (40)  -ui^-lJl   Y=r.  ^^\  j*  iJj]  (vgl.  Qor.  26/54;  Lane  1532a). 
Ferner  zitiert  der  Autor  noch  den  Kegez-Vers: 

".'.  3^>^^  i<^  oIä-^    '  ^':i\^^     (3*^^  <S^-^  frlliJl  «-U>  ••• 
und  folgenden:  ••.  Jl*j\  f-^^^  (J  J"^.  *'' 

(41)   ÄJilJl    'Fft  Jl.  (_p   <J>  I ;    so    auch   in  der  (von   ahn  Bekr  zitierten) 

"    .     -^     «• 
Redensart:    J^hi   ^    J   t*>U  1    j^lj  y-    [Lanc  1592e].    —  Was   das  Verl. 

anlangt,  so  sagt  man   (in   der  4.  Form):    -L-a)\  ^^  <Jfc  ^^1,    im   Siiuic  von 

c  ■■        e       ^    "  c  c 

o^     U-  e^jLi-     l!|  Kol;  andere  aber  meinen:    ^1  ^^  4»V   (J^l  ^_}^  ,J^I 

»    Vgl.  zu  (j^Jl    Cfr.  Tnhdib  532. 

2  Lls.  3/11  und  13,97. 

•■  Lis.  12,293;  Alihvardt  87,  Vers  23;  Landberg  129:  K.  el-wnl.ns  S.  1.^  u.  31. 

«  Lis.  6/2. 

•''  Die  Nunation  ist  hier  liceiifia  poctica. 

c  Lis.  15/215;  11/315. 

■^  T.  A.  usw.:  only  of  property:  Lane  1593a;  Tabdlb  23  u. 

"  D.'h.  den  Hasren.sern. 


Rescher:    Abu  Hilal  el-'Askert,  Das  Kitab  niugam  fi  baqijatl  1-esja\       119 

'.-.  Jj  ^  <S^  (>_  l'As  Uic-     -C;)^   Uli  jll«)   Ujr'  ••• 
111(1 


2  ? 


(42)  j}Dl    [=^  ^^\   j   tll\   <i)]    (vgl.  Laue  16221)).      Es   rezitierte 
ahü  Bekr^: 

.-.  l^i_^-i|  l^"LL-  ^:^j  c:X-    <hj!^  j^\  «^  \i^  ^iv-  .-.  I  Juib  I 

Die   4.  Form  JU'I  (^  ^j  [to  raise:  Lane  1622a])  wird  auch  vulgär^  als 
4JJL1  gebraucht.     Der  Dichter  sagt:    .*.  J.fLÜl   i_JL*-b  p4i5>-jl  .♦.  1  «j^^J.  — 
Ferner   kommt   noch    Jj..^    in    der   Bedeutung  von  ^^ij— ',   ^-^»ü-   \or.     Fs 
sagt  el-A'sa   [ ia*--J  j  : 

•••  Jj-^  j-iii'  j_ji-'  3-^  i^  ,_5^  oy^i  (Ji  oj-*^  -^j  ••• 

(43)  Uli!  [=  ^Jy^\  -^  ^r~*^^  V*-?  -'•^^   '\^]  (^S^-  ^"'"^  15751): 
»soinewhat  remaining  of  the  moon  .  .  .  and  of  the  sight  and  ol"  the  day«). 

—  Kin  Dichter  sagt: 

—  Eine  weitere  Bedeutung  ist  die  von  [c^^^j^l]  *-i/»- ?  s<^>  [(^)or.  3/99]: 

.'.    [^A    IJ^'^    jUl    Ja     öjk>-    [a.Z.    ^    XS^    .'. 

(44)  UyÜl  [=  IjUA     A^   ÄJ)].     Ein  Dichter  sagt: 


»    Lis.  19/174:  Zijäd  el-agam. 

2  Lis.  a.  a.  0. ;  die  Stelle  scheint  auf  unsern  Text  zunlckzugehen. 

3  Lis.  13/400:  A'sä;  Cheicho  372. 

*    03\J_  &^^\  ^^   ^y^^J  "J^\   Cf   ^!^.J   ^   p^'^  ^'^-  ^"^^   -^^ 

. . .  \^\^\  c^j\  j\  s:^\  j. 

5    Vgl.  Harin-Duna  (Thorbecke)  S.  139—140. 

«  D.  h.  <i^  [zu  den  Rückbildungen  der  inediae  wavv  IV.  zu  mediae  ja'  L 
vid.  Mez  in  der  Nöldeke-Festschrift  S.  249. 

7  Cheicho  397  unten;  2.  Halbver.s:  Lis.  13/399  unten;  Hamadaiu,  Ma.iamen 
(Beirouth)  S.  147. 

«    Li.s.  19/179. 


120       Rkschkk:    Abu  Miläl  cl-'Askeri,  Das  Kitäl)  nm'C'ani  fi  haijijati  "1-esjä". 
Weiter  s:if^t  ein    l{«ii'/.-I)iflitiT,   dir   liiic  Wüste   lusrliitilit  ' : 


(45)   iUD\  [=  l^J  J*  Ä^^i   j  J:   l.]   (vtil.  Laue  KiOni.  siil.   J^l). 
M:iii   sagt:   JJU:L  Vj      ^^-i^  "^1   Ä,l^l  ^  l/'.  ^■ 


(46)    Ä9UJ\  [=   ^^-::  L.  A«i    tl'Vl  j  ^li\  ^^i  I   (v-l.   Laue  IöHOp);    os 

kommt  aber  auch  im  .Sinne  von  j^\  J,  ^y\  <^  \or;  so  sa^t  nrri'-Hnmma 
[Tawil]: 

Hieran  fügt  der  Antor  auch  noch  das  Spi-iehwort:  «wJUlJl  ^  ^^^  ^^ 
[Laue  1568c]  ^  d.  h.  tl'Vl  J  l.  ^  JUL^I  J-^  lsj\  öA  "^  ~  ^•^^■""  '"^ 
gehört  zum  guten  Ton,  Mäßigkeit  zu  beweisen:  Ijl  JUJ  o-V)j  o^'J  c5^-? 
J^l  Allj  Ij^^lJ  /c'^)-  —   ^'i'i   Dichter  sagt: 

...    Ly^    ^\ß\    jjl    J.    J>jy^J    .-.     [Tawil]. 

XIV.  (47)  \L!J\   [=   ^^-^  U  A«)_   ^1^1  j-  cl'Vl  j  ^_  l.]:  wird 

-.  .^     -     .. 
in    ül)erti'agener   Bedeutung   auch    vom    Schlal'   [wie    'VJU-i]  gcl)ranclit.      Hin 
Dichter  sagt : 

[J-j]  •••  1^  uUJl  Sr''  ^^J !  ^'  -^  J^c^Vl  -^u 

In    einem   Ha(h*l    [vgh  Tis.  11/4/9  v.u.]   findet  sich   der  Ausspruch: 


.yi? 


(48)   iv^2l-2)i  [=  Sjb  VI  j  pUI  Üj].   Der  Dichter  'Abda  b.  et-Tabib  sagt: 


>    Lis.  19  180  und  325  \,jr^\  4^1 -Xä»  J-  ^r37*|:  ^'^  erste  Stelle  [ausgehend 
auf  ,3*^]  '^*  ^'■'*  DniL'kfeliler  /.u  verbessern. 


•    AiK-1.  Lis.  11/S2/14. 


Rescher:    Ahn  Hilal  el-'Askeri.  Das  Kitab  imi  iiam  fi  ha(|ijati    l-esja'.       121 


XV.  (4;i)  Xi^  [nach  ,la'(|ül)  von  -Nlnntaui'  (1(>mi  Kilahiton  und  abn 
INIahdi.    die    das  Wort    erklärten    als:   ^j>-\    ^^   j- U)l    in    der  Redfweiidnnii-: 

-U^    'Ji^  (j,-   -^   =   Ü^  3^   "^^^  0^  J^^   J^\    (vgl.  Laue  1802c). 

XVI.  (50)  J3j!>^  [nach  einigen  =  «.LJl  ^  ^1  Jl,].  Ahü  Zaid 
gil)t  tur  das  Wort  folgende  Erklärung:  j^  cU-Ji  ^  LJ  jU«;»  ^t  y  jlisJa)^ 
pjiJlj    fr  l^Uh. 

XVII.  (öl)   ji^\  ^^   [=  4jt    r=   C.i]  (vgl.  Lane  •2101a)"''. 

(52)  U^l  [=  ly-^U  J;^  Ujj  o^jl  bl  SjlcUl  j^l  J  l^X:  ijJi|. 
—  Es  sagt  der  Dichter  el-Kumait: 

^jÄpj  -w-  'J%ji  i\  jjJl  j^  |[  c-*jl)'  ^j'^'^^l  /*r^0''^  ^  ^^^  •*• 


Und   ein  anderer  Dichter  sagt:  •••   I4JL.  j-^1  "^-^P   o-^  -5^1  lil  •••  1  Jo  U?|: 

hieran  knüpft  der  Autor  noch  :  <vJUU  =  ^J  j  Vi  4JW  -^»  JW-  ^  ',<~^  C;-*^  L.  1 ; 
ein  Dichter  sagt: 

jyj"   <iU    <»-W    jj^l    C$1    (J-'_7^  _/^^   T-ij3    ■    •    •    ^r^-^1    (_/»    ^3j^   eUaJi 

6      lt..        .    ^'?      I    ■;      -'    .  ii   .1  .     ;       \\   "       ■»     .■;'^i- 
.'.  V^JUrJ  <^   -u—  ^jl  T-'^   ''  lt^^     ^Hf^^'    f^      lTT*'^   •'* 

*—        ii  #      ■     *  -  * 

^_^  j  <^  ^ß  JjVI  c^Jl  o^j  iS:^!  j-^l  JUJl j  ^Uji  ^pc^  j.«  ^jVi 

^^  -^   ^1_^1  ««Sj-^   ^y   il  '^^i*^  »-i^  ^r^'  V  cUi.jui3  «ijl    .•.  1  J-«ö  I 

und  ähnlich  sagt  el-Ahtal: 

[^_i^]  .-.  ^ij  Sä  ^-\!lj  Uj>_  2   ?  ^"  ^^  "^  Jc^^  (j-y'  "^  •'• 

1    Lane  1888  b. 

■•^    Abu  Zaid  sagt:    p.-^   j^-^J   »_^J  «/»-l   J,\   <-'-«   0^    j-~^    j^>^J  « ^ 

•  •  •  J^\   ÄU  ^J   Jlj-^  J^  ^LJ   J}1   frl^l  jUaoj  ^j  Jl_^  tjJl. 

3    Häsimijät  [ed.  Horovitz]  S.  56,  Vers  8182;  2.  Vers :  Lis.  2/111   [vair.j. 
*    T.  ^J^  (deutlich). 
•'•    T.  unleserlich. 
•^   Diwan  35/5. 


122      Rescher:    Abu  Hiläl  el-'Askerl,  Das  Kitab  niu'gam  f!  bafjljati  'l-esja'. 


iiiiil  äliiilicli  ist  (.Mii  weiteres  Regez-Verspaar: 

?  c  o 

^Ul    Jt    j^^.     eJ^J   II  ^li)l    J^    J^L-^    ^^    .-. 

J^ljl    J\ä    4;_    ^'^_    ^S^\    (»^"^'^ 

o^ji  j  -^^.  cf-^1  Ji>n  ^j^ij  v-^j  v-^u  ^^  -o\j\  eis.  jir^^i 

I  ylj]  ^UJl  J15  .;.  jl^li  v-iU  ^U\j  .  .  .  5^^  ^  ^  ([-S^.^ 

(53)   'S^-^Jl  [=  ^IJI  ^-^^  j^  JJ    ^^|. 
(54^    JwUl  1=  ^J.1  Llij. 


(55)  p-^1  [=  jl>^3'L*  ^^3^1  jl*|  ;'i>]  (vgl.  Lane  2066c).  Eine 
Frau  sagte  zu  einer  andern :  ctAfUs»-  "j^-ac  ^J-f^\  [=  "^^  ^^^^  *-*  '^1  (T""^'^<' 
a.  a.  ().).     Al)u  Bekr  erklärt:    «aJI  Jt  oj]  Jl  tUi-l  <-^  »    .  .  . 

(öti)  jAäJI  jlp  1=  j-üll  <it|  (vgl.  Lane  2094c  unten).  Hin  Diclitci- 
sagf*  [Tawll]: 

dazu    lugt    der    Autor   den   Ausdruck    j^\  ij\c    [der    vom    Lciclienfraß    sich 
nälirende  Rauhvogel,  Aasgeier]   wie  in  dem  Vers   [Lis.  19/30()]: 

'  Vgl.  Lane  2103  c.     Der  Text  vokalisiert  beide  Male  wä««. 

2  Lis.  2/1  IL 

»  Vgl.  Lis.  8/325  Mitte. 

*  Lis.- 19/309:  Mudaiiis  .'1-Asadi. 


Rescuer:    Abu  Hilal  el-'Askcri,  Das  Kitab  luugam  fi  ba(iijati  'l-esja\       123 

« 

lind  die  QorAnstelle  2/173:   f^^   «V^ä-l     -^    ^      ip    -.JS  im  Sinne  von  '  4!  ily 
(•4li   nsw. 


(57)  ÄsU«Jl    [=   j^Dl    J*    f^l    J   Jr-    ^1    (^'^''-   ^-'"<'  '2088  e).      Kine 
Bediiinin  sagte  zu  ihrer  Tochter: 

(58)  :ü*>\«]|     [=   ^\j^\    J^    '<f>J    Pj^\    j    jUSI    <;i  I    (v-l.  Lane 


1124c— 1125a).     En-Nagäsi  sagt': 


2^ 


2      i 


^       ■    ^. 


—  Abu  'Ubaida  l)cnierkt  ncK'h:  ^j    ^i—X-o  y^j  jU-^Vl  (TV^I   ^^  J^J 

*--  II-.   >       •"^^rf. 

.-.  »_,jiU   ^-3*1   /^J  '*-^   ^r^J^J        ^^:^   ti^li-?  ^y^  l    Ja^-U,^   ••• 


(59)   ^^1  [nach  einigen  —  aLJI  ÄJ>  ]  '  (Lane  2024  b).  El-Qaltan  sagt: 

j»Ä-i  4j>    l^l:.-  j  ^JJI  iJj^^   ""'^  el-Asma'i:   «uL- j  ^^J^   1  ^^öll  A>^jJi\  j'^ 


[ylj]  •••  0^*^^  Ä^Jt^il  J^j^j 


J  ;*  -Uj  '»Sj  jJl  jji   ■.-•-M.v.s 


1   ZDMG.  54/466;  Agl..2  U/CA);  Lis.  10/92. 


■^    Lane  957  a. 

*    Lane  a  a.  0. 

!■'    Lis.  9/199:  Es-Samnialj. 


«    Lis.  2/262. 
8    Ms.  ^  • 


7    Lis.  12/858  Mitte 


124       Rksciieh:    Aliü  Ililäl  el-Askon,  Das  Kiiäl)  iiiu'iani   fi  haijijati    l-esjä'. 


(tili)  iilDl  I      ^^>  _rf^^  0^  '^^^  j  ,./:"  ^I- 

will.   (C.l)  >Jl   [--=:    P^.-J|  j  ^j^\ll  Lij    (vul.  L;nic  22-J;n.).     Kl-l.liiHl 
li.  I.lilliza  sagt ': 

i  -    11  ^       *  I     '  - 

«rü(  Vj  j;^!  y*^  V  11  ^^^,   »-i>-  jLi^   ^j  .-. 

vi-  tl  SP'  " 

•JjjJ   ^1    ^^-a3    0>^    <^^   ^y^    >-^i  V^  "^-^   "^^    ö.X>-\J\    l^l'jl)   JyL) 

■^f^  V^J  ^c^  r^'j  -^J  ^^  ^«r^  -aJI  J-«  J-^^  V-^.  ci^^  ^^-J^ 
»_^_3 j  ^  \  J^j  ^y^\  y^j  Tw^t  ci^l^l  ^j  7^\  ■>^~ij3  ^  ' *-^  aJ  ^A>  l/' 

''-Llilj   Ulla)    "'aJäJ^I  Js-» 
I  J-«D J   •••  ,J-Ä»*  |ij>^   ^-^1/^    jLij        <Ca.r>-  ^   (^l5    ^   1  _^*J   ••• 

^  n  ^*  ^ 

'    Vers  1   und  2:    Lis.  3  151 :    Vers  2:    ebenda  13/39S  und  0/306;    Vers  7: 
ebenda  3/216. 

•^    Lane  2223b.  '    Abu  Kebir  el-Hudali:  Lis.  0;3C>0. 


Re.si'hek:    AI)Ü  lliläl  el-'Askcri,  Das  Kitiil)  iiiuVram  i'i  batjijati  'l-csjä\       125 

«.Li^^Vl  fjl-^^j  ^l^iiJl  -^^^'i».  «v^'l  J-'i  ^L^Vl  e^-'  c^Vl  j-  c~-  ^l^i 

.tUsj  ^^  ^^  U^J^\  jjÄ-al   p."V  t^jJl  ^  t.\yj^\  J^  ^j^jVl   j^lj 

(62)      ,i~*^M  [von   Abu  iVinr  nach  Ta'lab  =  J411  <ci)]^.     Nach  Andern 

allcrch'ngs  wäre  die  Bedeutung   .>,J411  -uii^« ;  dazu  zitiert  der  Autor  den  Vers 
des   \J\\  r-Kumuia   [Basil]:    (Lis.  8/213). 

(vgh  Lane  2252). 

XIX.  (64)  ^ä}\-     Es  interj)retiert  'Abdallah  1).  Ibrjiliiui  el-Hamagi  den 
Vers  des  al)u  jju'aib   [Kaniil]: 

Iblgenderniaßen :  jl^  4;^^a.ji>    O^Ä.9  4«-^  Jj^l  AfLa!l     ^j  M^l  ^^''^    ^^ 
J  jUül    jlki-1    l<^j    4IJ5;-   1:^1)'  j^l    ^'j^J  4'^Ji   ^*^-?   lyl.»  ^  -»i  j_^| 

r 

XX.  (6.5)    öj\J    1=  j-ü)i    J   ^^_Ul    J^M   J^   ^   U].     Abu  'Ubaid 
sagte:   ijjl  gU  1^-9  O-^.^  -r'  ^^^1«^  ^  ys  L.  Cfr;9  lil  1^  U^9  1  jAÄJl   "oj/ 

;i^i  .\i\  aii  ^ij  ji^"  ^^.r 


.  .  -J^ 


(66)   /»l^l  1=  ö-\flil      U-    ö_/^j   y*-l  jL5   ^     X--  Ul.     Dagegen  ist 
(66a)  ^1:^1  =z  di)^  j^  ÖAflil  ^  ial-  L.  (vgl.  Lane  511b). 

1    Lyall  S.  42,  Vers  53. 

-    Nach    Ibn    es-Sikkit    gebraucht    man    noch    folgende    ähnliche    Ausdiiicke: 

■  .  .  \d-^\  Jj^  j*  \-J^  J^i  Jr^^  o*  .V  —  ClH  ~  uT-^ 

3    Tahdib  417. 

*    Lis.  6/357  ^^ ;  Schvvarzlose  282. 

"    Text:  ojji. 


\'2i\       KKsniKi;:    Abu  Ilil.il  cI-Askcii,  Don  Kitäli  imrüram   fi  liaijijati    l-csja", 


(67)   <»\j^\  j=  jyi\)  ^JÄ^  j^\  ^y  ^_  L.|. 


(H8)  öjLaiJl  1=--:  '^,-jA,'  U  -uj  L^'i  ^  S-^\  j  j:  ^\-  {^>^'^)  'ÄlUä 

(l{«j;vj;en  ist  =  ^___j\_j_\!l  »^-V  i  u^  J1_jä]1  v-^-^1  J_^  1  —  ahziilcitcii  \(in 
Jl^söJI  (=  «laäM) ,  \\()\(iii  aiii-li  tlc)'  Ausdruck  l'iir  die  frisclic  (.icrstc  usw., 
wenn  «rescliiiitteii:    ^L-ail^,  viilj^är   j_^L^äJl,   kdinnit. 


(6;t)   Äs-lAä)L      Da/u    henicrkt    der  Autor:    JUJI    J^   j\    iai^  O-^J 

.-.  ^IT  J^  4i  ^  P  Jl  il  ^UV\  J^^jj  J"U  [  jj  ... 
^[oUsVl  2?c*«i>ij  ^^^StJsj  2N^^  oL^Vl  "^^^^^  j^  2r-^  cT.  f  j\  (iH 

und  ähnlich: 

.-.  Li^li  y>j  eA^  ciV  wi-Jl  j^  II  W^^  S-y.  ^  l  J^  ^^^  •*•  l^^-^l 

da/.u : 

4pj  [l^--  jl:Jl  jb  Jj«  jl  <^^H  jl^j 

und  ähnUch: 

und  ähnlidi  sai^t  el-HAnt  b.  Hilliza   [Iväniil|*: 

'    In  Syrien,  fügt  der  Autor  liinzu,  t^^^«^    genannt. 

-   Vgl.  Frey  tag  4561). 

3    Lies  wolil:    (_/ »{^  oder   //^J^  n^^w.  *    Lis.  3;  101   (var.) 


Re-simer:    Abu  Hilal  el-'Askcri,  Das  Kitiib  iiiugaiii  fi  baiitjati  '1-esJä'.       127 


XXI.  (70)   \\j^\=  ^jL  U  A.)  ^J\  j^  J^\\  j  J^_  L.|  (v-I.  La 
2603  a);   davon  [denoni.]:   J^J\  ^J^  (=  ^\j  jAli  Jb-|  \^\). 


(71)   l^M^=^\   [=^  J>c5\   j  ^^  j^J\  ^  j  j^  JiiJi  ^]    (vgl.   Laue 
2616a  iinton). 


(72)    <I*a)1    [iiarli  ol-Asnia'i:  -Uj  j^  ^^  Ä.i],    Aliu  Bckr  erklärt  das 
Wort  als:   ^jv»)l  ^^   A.^li';   dazu  drr  Ausdruck    jj-o^  o^ J  • 


XXII.  (73)   ÜiUlU  [=^1  j^"^LUll.ij  (vgk  Lane  2674  c).    Dazu 

(74)  ^.kl|  [=  ^;»_^i  j  ^^  yii-1  ^lii]  (vgl.  Laue  27211)  und  Lis. 
9,278  Z.  7  V.  u.).  Mau  sagt  '■^J^\  -ialai:  im  Sinne  von  j^>-;  ebenso  koniint 
vor  JaC  [d.  h.  Übergang  von  med.  gemin.  in  tertiae  scnu'vocalis],  wie  auch 
ein    Regez-Dichtcr   sagt:    .-.   j . >. ^^^-^  (^jUi   ijl  c5J^^  iV**"  ''*    '""^   *^^  ^^"' 

XXIII.  (75/76)  ^kJ,l  und  Äkül  [=  ^  j^  J'J^\  o^l  J  ^^  ^ 
^Jj-Ojl,  Das  Mim  wird,  wenn  auch  nicht  allgemein,  als  eine  nicht  zum 
Stamm  gehörende  Zusatzbildung  aufgefaßt,  wie  z.B.  in  J^l  j^  l^^i/^H'  "Was 

ja  eigentlich,  streng  genommen,  nicht  mehr  hierher  gehört«.    Es  sagt  Gerir 
[Kämil]^: 

o  >  y  o  11  -  - 

.'.  ^}yikii  Ojj  \  i^\yij\   '^i^     AJ>tJL  Jjl»  -U    öjK^^\     JS   ••. 
und  ebenso  derselbe  [Tawil] : 

.-.  4-iy  j«)_  A«)_  j«J  o^i  I  Wt^  j^y^  oIäc-I  l^l^iat  u  .-. 

p]ine   analoge  Bildung   mit   einem   solchen  Zusatz-Mim,   bemerkt   der  Auloi- 
daran  anschließend,  findet  sich  z.  B.  auch  in  /»-2^   und  4l«a<  [nach  abii  Bckr: 


^    Ebenso  j<^   zu  ^j^  V;    vgl.    auch    den    Übergang   in   Burckhardt   (Arab. 
Sprichwörter  [Weimar  1834])  728  Ol^  dUi    Vj  Cojj  ^^,  V- 
2   Lis.  18/303. 


l'JS       K'ksciiki;:    Alm  Ilil.'il  cI-'Askeri,  Das  Kit;il)  iiiujiain   l'l  l)aijijati    l-eijä'. 

4-a)    1^9  ^\   j ^;>rJ\\,    wniichoM    sich    als    iSynoiiyiii    öj<^  stellen   läßt,    iiiid 
w  uzM  dt'i-  Anteil'  den  \'ers  zitiert  [Lis.  6/10.}   und   3illl]. 


XXIW  (77)  irU:]\|:rr  ^1  jiI\_^Ulk:  j*  J--L|  (v,ül.l.;.n.--2Sl !)!.).  Ks 

>  -       l  -       .         «^ 

snyl  aln't  Bekr  (\i>l.  I.ane  a.a.O.):  j\yay   J\^  KcX^y  L)\y^   ^^»-.laS  i<^^  ^ 


(78)      ,^\    [naeli    Ga'far   b.  INIuh.  el-'Askcn  —  tl'Vl   j  ^    L.  "*.-«  |. 
Dazu  zitiei't   er   [den  \'ers  von  Gerir:   Aü.'' 7/63  inid   Lis.  o/3!)6;  S/122J: 

•■•  ^l-^^  ^^  Jt  u"^"""  y  li  \'-:  V"^  t/^  ^'  •'*  l^^-'*! 

d.  Ii.   jsjl)  ll»  lli>  ;   nach  andern  =^  tUL  so  i'ezitierte  el-Asnia'i: 

(7f»)   <Jajl    [nach    Ihn   es-8ikkit  =  «c^lj.      »Ohne    hä-.    meinten    wir, 

bedeutet  das  Nomen  '^ ^y^\  ^,  so  z.  B.  <J^\\  Jl^  ^y  =  Jl«-Vl  Jl^; 
ein  Dichter  sagt  [Basit] : 


XXV,   (80)   yj^\  \=  j^l  ^U-l   j  ^J\  ^  J-_  L.].     Dazu  \vii-d 
der  Vers  zitiert: 

"''•    f.^'J^  ü\  '^^^  jh  ii  1^  ^".:=^^  cr^^"  C,:^'-?] 

—  Aiiß(>r(leni.  iVigt  der  Autor  hinzu,  hat  ^j^  auch  noch  verschiedentliche 
andere  Bedentimgen.  so  (JlJl  ö  .^  und  ^^iJl  '\i  -O  ^ü!l  ^j^_^U  lerner 
(»^411     \x    1*Pj  ^  wjUjJI  a.».^  L..   und    nach   Andern    ist    der    Ausdi-iick    ein 


'  Seil,  of  streiigtli.  vigour:  Laue  1730  b:  Lis.  17/117^13. 

■i  T.  <-£-L-. 

•'  Lis.  8, 126.  *    Lis.  20/205/2. 

;•  Lis.  20/205. 

«  Lis.  16/121 ;  'lalidib  606. 


Keschkr:    Abu  Hiläl  el-'Askeri,  Das  Kitäb  mu'gam  fi  baqijati  '1-esjä'.       129 

ganz    allgemeiner,    der   sich    auf  alles   beziehen   kann';    so    wird   der  Vers 
zitiert  [Seri']  : 


XXVI.  (81)  i^l^L^^  [■--  J-^  l-  -^.  -^^  ö«  ^jVl  J<^  Jp^  L.]. 
Wenn  es  sich  aber  inn  den  Abfall  von  <_M«<a3  handelt,  sagt  man  ^^\ 
tnul  *^  j~^ . 


(82)  'o:>\y^\   [nach  el-iJahl:    i.*'>l--j    l^_  (»^=-*>^  ^y^   ^^ll    J^   \ä. 
Ja«)     -j^  j»^.^)].     Dazu  wird  vt)n  ihm  folgender  Vers  zitiert: 

Die    Grundbedeutung   der  Wuiv.el    soll    den    Begriif  von    jtUllj    jj\»J|    in 
sich  schließen^;  dazu  gehört,  meint  der  Autor:    jV  *Jd  ^yü  lil  ^S^ j\  ^^ 

(83)  J>^1    [nach  abü  Bekr:   ^^\  j  ^Hl  jl;  oder  Ujl  ^  J--"  UaJ 
Ein  Regez-Dichter  sagt^: 

^\y:j^\j  JÜaiVl  jj=^j  I  \j>-2s.-  "^  61j?1  ^J*  .•• 

Weitere  Bedeutungen  sind  die   »eines  Instruments,  womit  dem  Wildesel  die 
Sehnen  durchschnitten  werden«: 

.-.    Ij2^    l^i   A^l    t^i    v_J^^||   J*>^«J^    J^l    Jt*-^-    •*• 

und   die    »eines   an  Auszehrung  leidenden  Kamels«,   ferner  die    »einer  sich 
neu  häutenden  Schlange»;  vgl.  den  Vers: 


L,  Z.  10:   ^J^Xj^' 


1    Lis.  16/121,  Z.  10:  «-^^^    ^ 

■^    =  Jj^l-  »    Cfr.  Tahdib  (583  Mitte. 

*    Qui'.  7/155. 
5   Lis.  14/-J29. 

G    Text:  \j^- 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.   1915.  H.Abt. 


130       REsriiKR:    Alm  Hilal  el-'Askeri.  Das  Kitäb  iiiu  ^am  ti  bafjijati    l-esjä'. 

weiter  kummt  das  Woi-t  im  Sinne  von  ^^ÄläiL  »^.bH  jU^Vl        jL-ill    ^^  4jia5  ~ 
[(^Ul   j.)  iv^l^i]   vor. 

Schluß  \ 

[Abschrift]  beendet:  Kabf  1.    12-20. 


'    Lis.  14/22S. 

-    Ganz  zuletzt  noch  einige  Verse  des  Verfassers  [Reim:  v_^~l^  —  4  —  Kanial]; 

jU]:   JjjJl  —  2  -  Sen  :   [^^^^J;!!   J   jJ   U  ^^J:    Qäfia  i^it   —  2|. 


Nachschrift. 

\'orliegender  Artikel,  den  ich  bereits  vor  etwa  sechs  Jahren  fertig- 
gestellt hatte,  mußte  infolge  verschiedener  Verzögerungen  immer  wieder 
zurückgestellt  werden.  Nachdem  ich  lange  mit  Recht  annelmicn  zu  dürfen 
geglaubt  hatte,  daß  unser  \\'erkchen  lediglich  in  der  Kgl.  Bibliothek  zu 
Berlin  vertreten  sei,  gelang  es  mir  eines  Tags  zufällig,  eine  zweite  Kopie 
in  einem  Sammelband  der  'Asir-Effendi-Bibliothek  festzustellen.  Leider  ver- 
eitelte jedoch  der  Ausbi-uch  des  Krieges  meine  Absicht,  das  Konstantinopler 
Manuskript  zur  Kollation  meiner  Abschrift  heranzuziehen,  und  ich  mußte 
also  notgedrungen  einige  Kleinigkeiten,  die  mir  zweifelhaft  erschienen,  in 
der  Schwebe  lassen.  Trotzdem  aber  hotfc  ich,  daß  das  Gesamtbild,  das 
ich  von  der  kleinen  Monographie  geben  wollte,  dadurch  keine  wesentliche 
Beeinträchtigung  erfährt. 

Halbmondlager  Wünsdorf,  August  191"). 


Studien  und  Mitteilungen  der  Deutschen 
Marokko-Bibliothek. 


I.  Marokko-Literatur. 

Zweite  Hälfte. 

Von  G.  Kampffbieyer. 


Der  vorliegenden  Schlußhälfte  der  » INIarokko-Literatur« '  liegen  die  Ein- 
gänge der  Deutschen  Marokko-Bibliothek  von  1910  bis  wesentlich  Juli  1914 
zu  Grunde.  Nicht  abgedruckt  wurde  die  Literatur,  welche  nicht  unmittelbar 
auf  INIarokko  Bezug  hat,  ferner  nicht  die  weiter  erheblich  vermehrte  Samm- 
lung zur  »Marokko-Frage«  (I,  S.  44;  II,  S.  150),  sowie  einige  weniger  wich- 
tige Literatur  über  Marokko. 

Die  Deutsche  INIarokko-Bibliothek  in  ihrer  gegenwärtigen  Zusammen- 
setzung ist  eine  umfassende  und  wertvolle,  aber  nicht  vollständige  Samm- 
lung der  auf  INIarokko  bezüglichen  Literatur.  Daß  sie  nicht  vollständig 
ist,  soweit  Vollständigkeit  zu  erreichen  ist,  hat  an  der  überaus  gi-oßen 
Kärglichkeit  der  INIittel,  die  zur  Verfügung  standen,  gelegen.  Wer  sich 
nun  deutscherseits  eindringend  über  Marokko-IJteratur  unteri-ichten  will, 
wird  sich  zunächst  mit  Nutzen  des  vorliegenden  Katalogs  bedienen.  Zur 
Ei'gänzung  hat  er  für  die  ältere  Literatur  bis  1891  die  Bibliogi-aphie  von 
Playfair  und  Brown  (Oa  2300,  vgl.  I,  S.  52  oben)  zu  Rate  zu  ziehen.  Für 
die  neuere  Literatur  sind  ihm  zu  empfehlen:  1.  die  üi-ientalische  Biblio- 
graphie (Bb  10),  2.  die  Bibliographie,  die  sich  fortlaufend  in  der  wichtigen 
Zeitschrift  Bulletin  du  Comite  de  l'Afrique  Frangaise  (von  1909  ab  Afrique 
Frangaise)  und  in  den  dazugehörigen  Renseignements  Coloniaux  findet 
(Ti  285  4°),  3.  die  gesammelten  Buchhändlerkataloge,  namentlich  die  über 
Marokko  besonders   reichhaltigen  Ephemei^ides   von  Paul  Geuthner,  Paiis. 

tJber  die  neuere  Marokko-Literatur,  welche  der  Bibliothek  nicht  zu- 
geführt Averden  konnte,  ist  ein  alphabetischer  Zettelkatalog,  der  aus  den 
soeben  genannten  Quellen  ausgezogen  ist,  handschriftUch  in  der  Bibliothek 
vorhanden. 

1  Die  erste  Hälfte  s.  ölitteilungen  des  Seminars  für  Orientalische  Sprachen 
Bd  XIV,  1911,  Abt.  U  (Westasiatische  Studien)  S.  1—85. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  IL  Abt  10 


i;^2  Kampfkmeyer:    Marokko-Literatur.    II. 

Für  die  nicht  niitabgedriickte  Literatur,  also  namentlich  auch  fiir  die 
.^;iiiiinhing  zur  «Marukko-Ki-age"  und  dann  natürh'ch  für  alle  späteren  Er- 
\vcil)iuiü;en  ist  der  handschrillliche  systematische  Katalog  in  der  Bibliothek 
zu  vergleichen. 

Die  Druckeinrichtung  dieses  Schlußtcils  des  Kataloges  entspricht 
wesentlich  der  des  ersten  Teils.  Die  Klammern  (  )  geben,  nach  der  t)bung 
der  Königlichen  Bibliothek  in  Berlin,  Klammern  wieder,  die  sich  im  betr. 
Titel  finden,  während  (  )  Zusätze  einschließen,  die  dem  Innern  des  Buches 
entnommen  sind,  und  [  ]  solche  Zusätze,  die  aus  sonstiger  Kenntnis  ge- 
wonnen sind. 

Allgemeine  \'erweisungen  von  einer  Abteilung  auf  die  andere,  wie 
sie  sich  im  ei-sten  Teile  finden,  gelten  grundsätzlich  auch  für  den  vor- 
liegenden Schlußteil. 

über  die  Aufstellung  und  Benutzung  der  Bibliothek  nach  dem  Kriege 
werden  seinerzeit  zweckdienliche  IMitteilungcn  gemacht  werden, 

Fiir  w'ertvolle  Hilfe  bei  der  Arbeit  an  diesem  Katalog  bin  ich  Herrn 
Dr.  Hermann  Wentzel,  dem  jetzigen  Bibliothekar  der  Deutschen  Aus- 
lands-Bibliothek, zu  Danke  verbunden. 


Berlin-Lichterfelde,  den  14.  ,Iuli   1915. 


G.  Kampffmeyeh. 


Inhaltsübersicht. 

(Vgl.  I  S.  3-11.) 

B.  Allgemeines.  S.  13o.  —  Cd.  Berberisch.  S.  133.  —  De.  Arabisch.  S.  133.  — 
H.  Keligionsgescliichte  (Islam).  S.  137.  —  K.  Pädagogik.  S.  139.  —  L.  Rechts-  und 
Staatswissenschaft.  S.  139.  —  N.  Geschichte.  S.  U2.  (Marokko:  S.  144.)  —  0.  Erd- 
und  Länderkunde.  S.  löO.  (Marokko:  S.  151.)  —  P.Völkerkunde.  Kulturgesciiichte. 
S.  IGl.  —  Q.  Kunst.  S.  162.  —  R.  Naturwissenschaft.  S.  162.  —  S.  Medizin.  S.  163. 
—  T.  Wirtschaftliche  Verhältnisse,  Technik  und  Verwandtes.  S.  I6-I.  —  LT.  Erzähhnigcn 
mit  fremdländischem  Hintergrunde.    .S.  169. 

Alphabetischer  Index  ziir  Marokko-Literatur  I  und  II  S.  170. 


Kampffmeyer:   Marokko-Literatur.    II.   B — Do.  133 


B.    3.    Zeit-   und   Gesellschaftsschriften. 

Die  Welt  des  Islams.  Zeitschrift  der  Deutschen  Gesellscliaft  Tiir  Islamkuiide.  Hrsg.  von  G.  Kampff- 
meyer.    BJ.  IHeftl.     31".  März  1913.     Berlin.     Wird  Hb  916. 

Cd.  Libysche  Sprachen  (Berberisch). 

2.   Grammatik  und  Vermischtes  (I  S.  IG). 
Aymard,  Am.,  Langue  Tamächeq.    In:  Rens.  Col.  Annee  1911.    No.  8.    S.  200 — 205. 

=  Ti  285.  4°. 

Basset,  Rene,  Notice  sur  les  dialectes  herberes  des  Ilarakta  et  du  Djerid  tunisien. 

(London)  1892.     Aus:  9.  Intern.  Orient.  Kongreß,  London  1S91.  Cd  125. 

Boulifa,  Said,  Manuscrits  herberes  du  Maroc.    [Par.  1905.]    Alis:  Journ.  As.  Tome  6. 

Ser.  10.    S.  333— 362.  Cd  135. 

Destaing,  E.,  Etüde  sur  le  dialecte  herbere  des  Beni-Snous.  Tome  1.  Paris  1907. 
=  Puhlications  de  l'Ecole  des  Lettres  d' Alger.    T.  34.  =  Bb  1083. 

4.    Texte  (I  S.  17). 

Extrait   d'une   traduction  MS.  en  langue    herbere    de  quelques  parties  de  lEcriture 

Sainte:  contenant  XII  chapitres  de  S.Luc.     Londres  1833.  Cd  1115. 

[Brahim.]    The  Narrative  of  Sidi  Ibrahim  hen  Muhammed  el  Messt  el  Siisi,  in  the 

Berber  Laiiguage   . . .   Aus :   Journal   of  the    Royal  Asiatic   Society   . .  .   Vol.  9. 

London  1818.  Cd  1050». 

El  H'aoudh.    Texte  herbere  (dialecte  du  Sous>  par  Meh'ammed  ben  Ali  ben  Brahim. 

Pui)Iie  avec  une   traduction   fran(;aise   et   des   notes  par  J.-D.  Luciani.     Alger 

1897.     Aus:  Rev.  Afr.  Cd  1273. 

Rene  Basse t,    Recueil    de   textes  et  de  documents  relatifs  ä  la  philologie  herbere. 

Chapitre  III.     Dialecte    Chelh'a    du   Sous    et  de  l'Oued  Dra'a.     Aus:  Bull.  Corr. 

Afr.     T.  4.     [1880]  y  1342.  4». 

[STdi  Hammü.]    Fadma.    By  Sidi  Hammo.    Done  into  English  verse  by  R.  L.  N.  J  o  h  n - 

ston.     Tangier  1907.  Cd  1397  =  T.  1. 

—  The  Songs  of  Sidi  Hammo.    Rendered  into  english  for  the  first  time  by  R.  L.  N. 

Johnston.     Edited  vvith  a  preface  by  S.  L.  Bensusan.    The  verse  renderings 

by  L.  Cranmer-Byng.     London  1907.  Cd  1398  =  T.  3. 

De.  Arabisch. 
I.   Allgemeines.  —  2.   Kataloge  usw.  (I  S.  18). 

Catälogo  de  los  manuscritos  ärabes  que  se  conservan  en  la  universidad  de  Granada, 
por  Antonio  Almagro  y  Cärdenas.  Aus:  Actes  XI.  Congrcs  de.s  Or.  Sect.  III, 
S.  45—55.  -  y  1187,  4° 

4.    Literatur   usw.  (1  S.  19). 

Arco  y  Molinero,  Angel  de).  Escritores  granadinos  que  se  han  ocupado  de  la  historia 
y  descripciön  del  Mogreh.  Sus  biografias  y  mcrito  de  sus  obras  ...  In:  Actas 
y  inemorias  del  Primer  Congreso  Espanol  de  Africanlstas  celehi-ado  en  Gra- 
nada . . .  Granada  1894.     S.  47—78.  =  Te  553. 

10* 


1  34  Kampffmeyer  :    Marokko-Literatur.    II.    De. 

II.    1.    Grammatiken   und   Grammatisches    (I  S.  19). 

Arevalo,  Uafacl,    Mctodo  Präctico  para  Hablar  el  Arahe-Marroqui  . . .  Tanger  1908. 

De  2.i8. 
Almagro  y  Cärdenas,  Antonio,  Nociones  gramaticalcs  del  arabe  vulgär  de  Marruccos. 

in:    Acta-s  y  ineniorias  del  Prinier  Congreso  Espanol  de  Africanistas  celebrado  en 

Granada  .  . .  Granada  1894.  =  Nc  3275. 

Fischer,  A.,  Zum  Wortton  im  Marokkanischen.    In:  M.SOS.    Berlin.   Jahrg.  2.    Abt.  2. 

l^W.     S.  275—286.  =  Bb  1095.  4°. 

Gilles,  J.  B  ,  Le  dialecte  maiocain.     No.  1  .  .  .  Tanger  1908.  y  1225. 

Graberg  de  Hemso,  Du  dialecte  arabe  du  Moghrib-el-aksa.    Aus:  Journal  Asiatique. 

y  1264. 
Kampffmeyer,  G.,  Unter.suchungen  über  den  Ton  im  Arabischen  I.    In:  MSOS.    Berl. 

.T;Ung.  11.     Al)t.  2.     1908.    S.  1—59.  =  Bb  1095.  4°. 

Moulieras,  Auguste,  Cours  gradue  de  thenies  frangais-arabes  . . .  Paris  1890.  De  570. 
Recueil  de  compositions.    (Themes,  Actes,  A^'ersions,  Lettres  et  Narrations)  . . .  Alger 

1888.  De  640. 

Rittwagen,  Guillermo,  Arabe  Cläsico  y  Vulgär.    In :  Marruecos  . .  .  Ano  2.    Num.  17. 

1909.    S.  221—230.  =  Nc  3275. 

Vizuete,  Pelayo,  Lecciones  de  Arabe  Marroqui.     Barcelona  1911.  De  780. 

o.    Lexikographie  (I  S.  20). 

,,Bakir-Khodja"   Am  mar   ben   Hassein,    Dictiounaire  pratique   francais-arabe  ... 

Coni,tantine  1908.  De  916.  4". 

Fischer,  A.,  Hieb-  und  StichwalTen  und  Messer  im  heutigen  Marokko.    In:    MSOS. 

Berl.     Jahrg.  2.     Abt.  2.     1899.     S.  222—236.  =  Bb  1095.  4o. 

Gasselin,   Ed.,   Dictionnaire    fran(;ais-arabe.      Arabe    grannnatical  —  arabe    v-ulgaire. 
Dialectes  algcricn,  tunisien,  marocain  et  saharien.     Aiger  1!>98.  De  1023. 

Ladreit  de  Lacharriere,  J-,  Las  termes  marocains  usuels.    In:  Rens.  Col.  1912.  No.  10. 

S.  376—79.  =.  Ti  285.  4o. 

el-Naggary  Bey,  Molianunad,   Dictionnaire  fran\;ais-arabe.     Tome  1 — 6.     Alexandrie 

1903—1906.  De  1103.  4°. 

Ruiz,  Ricardo,  Nombres,    apellidos,    titulos  y  tratamientos  eutre  musulmanes  Marro- 

quies.  In:  Marruecos...  Ario2.  Num.  10.  S.  29-39.  Tanger  1909.  =  Nc  3275. 
Schweinfurth,    G.,    Ai-abische   Pflanzennamen    aus   Aegypten,  'Algerien    und   Jemen. 

Berlin  1912.  '  De  1162.  4». 

III.    2.    Briefe   und   Urkunden.    —   Neuere   Volkslieder.   — 
Neuere  Sprichwörter.  —  Texte,  die  zum  Zweck  des  Stu- 
diums  der  gesprochenen   Sprache   verfaßt   sind.   —  Kon- 
versatiousbücher  (I  S.  21  IF.). 

Albino,  Juan,  Manual   del  lenguajc  vulgär  de  los  Moros  de  La-RitV...  Cädiz  1859. 

De  1410. 

L'Auxillaire  de  raral)isant .  .  .  par  Soualah  Mohammed,     .\lger  1903.         De  1420. 
Briefe,  Urkunden  usw. 


Kampffmeyer:   Marokko-Literatur.   II.   De.  135 

Chants  arabes  du  Mngiireb.  Etüde  siu>  le  dialecte  et  la  pocsie  populaire  de  l'Afrique 
du  Nord.  Par  C.  Sonneck.  [I.]  Texte  arabe.  Tome  2.  läse.  1.  Traduclion 
et  notes.    Tome  2.  fasc  2.    Introduction  et  glossaire.    Paris  1902.  I'.IO-I  [und  o.  J.] 

De  1435.  4°. 

Chrestomathie  arabe.  Let}re.s,  actes  et  picces  diverses  ...  Par  Brcsnier  ...  Ed.  2. 
Alger-Paris  1857.  De  1438. 

Documentos  arabes  de  la  corte  Nazari  de  Granada  por  Maiiano  Gaspar  Remiro. 
Madrid  1911.     Revista  de  Archivos,  Bibliotccas  y  Museos.  De  1462, 

Marokkanisch-Arabische  Gespräche  im  Dialekt  von  Casablanca  mit  Vergleichnng  des 
Dialekts  von  Tanger.    Ilerausg.  von  G.  Kampffmeyer.    =  Rh  1090  (XXVIII). 

Guia  de  la  conversacion  espanola-arabe  marroqui  por  Reginaldo  Rniz  Orsatti.  Tan- 
ger 1901.  De  1490. 

Magmü'  al-agäni  wa-'l-alhan  min  kalam  al-andalus  . .  .  gam'  wa-tartib  Nätän  Jadmün 
Jäfil.     Algier  [1904].  De  1545. 

Manuel  de  l'arabisant  ou  Recueil  de  pieces  arabes  par  L.  Machuel.  Partie  1  . . .  2  . . . 
Alger  1877.  18S1.  De  1547. 

—  frangais-arabe  ou  Recueil  d'actes  administratifs,  judiciaires  &  sous  seing  prive 
traduits  en  arabe  par  Etienne  Laune...     Alger  1897.  De  1549. 

Meakin,  Budgett,  An  introduction  to  the  arabic  of  Morocco.  Englisch-Arabic  Voca- 
bulary.     London,  Tangier  1891.  De  1554. 

Proverbes  arabes  de  TAlgörie  et  du  Maghreb.  Recueillis,  traduits  et  commentcs  par 
Mohammed  ben  Cheneb.     T.  1—3.     Paris  1905—1907. 

=  Bb  1083  (XXX— XXXII). 

—  [Dazu  Besprechung  u.  »Einige  nachträgl.  Bemerkungen«  von  0.  Rescher.  Aus: 
Zeitschr.  f.  Assyriol.  1910.]  y  1532.  1533. 

Recit  en  dialecte  Tlemcenien  par  'Abd  el  Aziz  Zenagui.  Paris  1904  Aus: 
Journal  Asiatique  .  . .  Juillet-Aoüt  1904.  De  1G12. 

Recueil  d'actes  judiciaires  arabes  avec  la  traduction  frangaise  et  des  notes  juridi(jues. 
Par  E.  Zeys  et  Mohammed  Ould  Sidi  Said.     Alger  1886.  De  1614. 

—  de  lettres  arabes  manusci-ites.  Publiees  par  0.  Houdas  et  G.  Delphin.  Ed.  2. 
Alger  1891.  De  1616. 

—  Muhammad  al-Basir  at-Tuäti,  Kitäb  magnnV  al-ifada  ff  'ilm  as-sahäda. 
Tunis  1314.     2.  Aufl.  De  1618. 

—  de  notions  de  droit  musulman  (rite  malekite  et  rite  hanafite)  et  d'actes  notaries: 
judiciaires  et  extrajudiciaires  par  le  Cheikh  Msgr.  IMohammed  Elbachir  Ettouati, 
traduit  et  annote  par  Jules  Arribat.     Tunis  1896.  De  1619. 

Marokkanische    Sprichwörter.      Von  A.  Fischer.      In:    MSOS.    Berlin.      Jahrg.  1. 

Abt.  2.    1898.    S.  188—230.  =  Bb  1095.  4°. 

Sprüchwörter   aus  Marokko   mit  Erläuterungen   im  Dialekt  des  nördlichen  Marokko. 

Von   H.  Lüderitz.     In:    MSOS.   Berl.     Jahrg.  2.     1899.     Abt.  2.     S.  1— 46. 

=  Bb  1095.  4°. 
Un  texte   arabe   en    dialecte  Oranais,   par  Edmond  Douttc.     Aus:  Mcmoires  de  la 
Soc.  de  linguistique  de  Paris.     Tome  12.     (1903).  De  1640. 

Weitere  Texte  aus  Fes  und  Tanger.     Von  G.  Kampffmeyer.     Berlin  1918. 

=  Bb  1095.  4°  (XVI). 

Textes  arabes  de  Tanger.  Transcription,  traduction  annotee,  glossaire.  Par 
W.  Margais.  Paris  1911.  =  Bibliotheque  de  l'Ecole  des  Langues  Orientales 
Vivantes.     Tome  4.  De  1642. 


1H6  KAMPFFMevER:    Marokko-LUeratur.    II.    De. 

3.    Der  Qur'än  (l  S.  22). 

Coranus  ...  rccensuit  (Justavus  Fluegel.  Editio  stereotypa  tertiuni  cniendata. 
Lipsiae  1858.  De  1925.  4°. 

Concordantiae  Corani  arabicae  . . .  disposuit  Gustavus  Flügel.     Lipsiae  1898. 

De  1930.  4". 

4.    Texte  der  arabischen  Literatur  (I  S.  22ff.). 

Abu  "I-Lait  as-Samarqandl,  Nasr  b.  Muhammad  b.  Ibräh'm,  Kitäb  tanblh  al-gafilin. 
[Am  Kaiid.-:]  D.M-solbe,  Bustüii  aWariltii.     Kairo  (1322).  De  2838.  4°. 

[Acta  Apostolorum.]  The  Acls  in  Mogrebi.  [In  maiokkaiiisclier  Vulgärsprache.  Ge- 
druckt von  der  Britischen  Bibelgesellschaft.]     o.  0.  u.  J.  De  2980. 

AU  Bä  Sabrin  s.  al-Malaibäri.  De  8353.  4°. 

ai-Bakrl  Abu  'Ubaid  Allah.  Description  de  TAfritpie  septentrionale  .  . .  Texte  aralie  .  .  . 
par  de  Slane.     Deuxicme  cdition.     Paris  1911.  De  3765'''. 

as-Saijid  al-Bakri  b.  Muhammad  Sana  ad-Damjätl  Abu  Bakr,  J'änat  at-tälibfn  'alä 
hall  alfäz  fath     al-niu'in.     Teil  1—4.     Kairo  o.  J.  De  3780.  4°. 

Bannäni,  Muhammad,  genannt  Fir'aun,  Watä'iq.     Fes  o.  J.  De  3T81 

50. 

Oocuments  geographiques  sur  l'Afrique  Septentrionale  traduits  de  l'arabe  Par  Rene 
ßasset.     [Paris  1883—1898.]     Aus:  Soc.  de  Gcogr.  De  4463. 

al-Gassäl,  al-Hasan  b.  Muhammad.  —  Ahmed  Rezzouk,  Voyage  de  Tanger  ä  la  Mecque 
par  El  Hasan  beu  INIohammed  el  R'assal.  In:  Rev,  du  Monde  nius.  Vol.  4.  Nr.  1. 
Janv.  1908.     S.  1-20.  =  Bb  875. 

Auszug. 

—  Description  de  Marräkech  par  El  Hasan  Ben  Mohammed  El  R'assal, 
[Traduit  par]  Ed.  Michaux-Bellair e.  In:  Arch.  Mar.  Vol.  15.  1909.  S.  189 
bis  92.  =  Nc  2865. 

Ha'.Tl  b.  Ishäq.     Muhtasar.     0.  0.  u.  J.     [Kairo  1304  ]  De  5200.  8°. 

—  N.  Seignette.  Code  Musulman  par  Khalil.  Rite  Malckite.  —  Statut  reel. 
Texte  arabe  et  Traduction  fran^aise.     Nouvelle  edition.     Paris  1911,    De  5212*. 

Ibn  'Äsim,  Abu  Bakr  Muhammad  b.  Muhammad.  Traite  de  droit  musulman.  La  Tohfat 
d'ebn  Aceni.  Texte  arabe  avec  traduction  frangaise.  Commentaire  juridique  et 
notes  philologiques  par  0,  Iloudas  [et]  F.  Martel.     Alger  1882.         De  5980. 

Ibn  GäzT,  Muhammad  b.  Ahmad  b,  Muhammad  b.  'Ali  al-'Utmänl.  —  Monographie 
de  3Icquinez,  par  0.  Houdas.  Paris  1885,  Aus:  Journal  Asiatiquc.  No.  6. 
(1885.)  '  De  62S6. 

l^bersetzung    des  Werkes  ar-raud   al-liatün  fi  ahb.nr  Mikn.lsat  az-zaitün  mit  Anmei  kungen. 

Ibn  al-Hatib,  Muhnmmad  Lisän  ad-Dln,  Kitäb  al-hulal  al-muwassTja  fi  dikr  al-aljbär 
al-marnikuslja.     Tunis  1329  (1911).  De  6555. 

A'gl.  zum  Verf.  Brockclra.   II  262,  wo  dieser  Titel  niclit  aufgefiilirt  ist. 

ibn  Man?ür  Muhammad,  Lisän  al-'arab.  Teil  1—20.  1.  Druck.  10  vol.  Büläq  1300 
bis  1307.  De  6752.  4o. 

Al-Fakliri.  Ilistoiie  des  dynastics  musulmancs  depuis  la  niort  de  Mahomet  jusqu"  ü 
la  chute  du  khalifat  'Abbaside  de  Baghdadz  . ,  .  par  Ibn  at-TIqtaqä,  Traduit  de 
l'arabe   ,..  par  Emile  Amar.     Paris   1910.  =  Arch.  Mar.  Vol,  16,     Paris  1910. 

=  Nc  2865. 

[Johannes.]  St.  John  in  Mogrebi,  [In  marokk.  Vulgärsprache.  Gedruckt  von  der 
Britischen  Bibelgesellschaft]  o,  0,  u,  J,  De  7636. 


i 


Kampffmeyer:   Marokko-Literatur.   II.   De~Hb.  137 

al-Malaibärl  Zain  ad-Dln  b. 'Abd  al-'AzTz,  Fath  al-niu 'in  bi-sarh  qurrat  al 'ain.  Kairo 
1325.     Am  Rande:  Taqr:rät  von  'AH  Bä -Sabrln.  De  8353.  4°. 

Mälik  ben  Anas.  Le  livre  des  \entes  du  Mouwetta  .  .  .  Traduction  avec  cclaircisse- 
nients  par  Frederic  Pcltier.     Alger  1911.  De  8355. 

al-Maqqari  Abu'I-'Abbäs  Ahmad  b.  Muhammad.  Analectes  sur  IMiistoire  et  la  litte- 
rature  des  Arabes  d'Espagne  par  Al-Makkari  publics  par  R.  Dozy,  G.  Dugat, 
L.  Krehl  et  W.  Wright.     Tome  1.2.     Leyde  1855—61.  De  8371.  4°. 

al-MaqrizT  Taql  ad-Dln  Ahmad  b.  'AU.  Kitäb  itti'äz  al-hunafä  bi-aljbär  al-a'imma 
al-hulafä  (Fatimidengeschichte)  von  al-MakrlzI  .  ,  .  lierausgegeben  .  .  .  von 
Hugo  Bunz.     Leipzig  1%9.  De  8456. 

[Matthaeus.]  St.  Matthew  in  Mogrebi.  [In  marokkanischer  Vulgärsprache.  Gedi-uckt 
von  der  Britischen  Bibelgesellschaft]  o.  0.  u.  J.  De  8540. 

Muhammad  Bairam  al-Hämis  at-TünisI  Safwat  al-i'tibär  bi-mustauda'  al-amsär  wa'I- 
aqtär.     Kairo   1302—11.     5  Teile  in  3  Bänden.  De  8834. 

Muhammad  al-Ba§ir  et-Tuätl  s.  De  1618. 

Muhmmad  al-Qädiri,  Nasr  al-matruiT  s.  Arch.  mar.,  Bd.  21,  1913.  =  Nc  2865. 

[Ad.  Romanos  ep.]     Romans  in  Mogrebi.     [Brief  an   die   Römer  in   marokkanischer 

Vulgärsprache.     Gedruckt  von  der  Britischen  Bibelgesellschaft]  o.  U.  u.  J. 

De  10038. 
Said  al-Hüri,  as-sihäb  at-täqib  f  i  sanä'at  al-kätib  . . .  Beirut  1889.     2.  Aufl. 

De  10178. 
as-Sa'räni  'Abd  al-Wahhäb,  lawäqih  al-anvpär  al-qudsTja  f  i  bajän  al-'uhüd  al-muham- 

madrja.     [Am  Rande:]  al-bahr  al-maurad  fi  '1-mawätiq  wa-l-'uhüd.     Kairo  1321. 

De  10318.  4°. 
. Balance  de  la  loi  musulmane  ou  Esprit  de  la  legislation    islamique  et  diver- 

gences  de  ses  quatre  rites  jurisprudentiels  par  Le  Cheikh  El-Chäräni.  Traduit  de 

I'arabe  par  Perron.     Alger  1898.  De  10319. 

Sidia,  Cheikh,  s.  Lb  2  c. 
[Zeitungen.     Einzelnummern  von  as-Sabäh  und  at-Taraqql].         y  1671,  1679 


Hb.  Geschichte  und  Darstellung  einzelner  Religionen. 
II.    c.    2.   Der  Islam. 

a.   Allgemeines  (I  S.  27). 
Basset,  R.,  Bulletin  des  perfodiques  de  ITslam  1908—1910.    Aus:  Revue  de  l'histoire 

des  religions.     Paris  1911.  Hb  1520. 

Becker,  C.  H.,  Islam.    In:  Die  Religion  in  Geschichte  und  Gegenwart.    Bd.  3.    1911. 

Nr.  103.     S.  706-746.  y  1547.  40. 

Depont,  Octave,   Les  Confreries  musulmanes.     In:   La  Revue.     Annee  14.     Vol.  45. 

No.  10.     15  mai.     Serie  3.     1903.     Par.     S.  385—407.  y  998. 

Hughes,  Thomas   Patrick,   A   dictionary   of  Islam   .  . .  With   numerous   illustrations. 

London  1885.  Hb  1656.  4°. 

Montet,   E.,   De   l'etat   present   et   de  l'avenir  de  ITslam.     Six  Conferences  faites  au 

College  de  France  en  1910.     Par.  1911.  Üb  1725. 

Sorela,  Luis,  La  Evoluciön  de!  Islam.     In:  Marruecos  ...  Ano  1.    Num.  5.    Tanger 

1908.     S.  8—16.  =  Nc  3275. 


138  Kampffmever:   Marokko-Literatur.   II.   Hb. 

c.   Islam   und    Religion   in   Nordafrika   (I  S.  28f.), 
Wichtig  ist  Edmund  Douttc,  Magie  et  Religion  dans  TAfrique  du  Nür<l.    Alger  1909. 

Castries,  H.  de,  Une  apologie  de  Tislani  par  im  sultan  du  Maroc.  In:  Rev.  de  riiist. 
des  relig.     Annce  24.     T.  47.    No.  2.     mars-avril.     Par.  1903.     8.174—205. 

y  984.  4«. 

Zwei  Sehreiben  von  Mulai  Isma'il  an  den  Ex-König  von  England,  Jacob  II.,  in  Übersetzung 
mit  AnnicrVungcn  uiid  Einleitung. 

Cat,  Edouard,  L'islamisme  et  les  confrcries  religieuses  au  Rlaroc.  In:  Rev.  des  Dcux 
Mondes.  Annee  GS.  Periode  4.  T.  149.  Livr.  2.  15  sept.  1898.  Par.  S.  375 
bis  405.  y  985. 

Darmon,  Isaac,  Etüde  sur  la  seete  religieuse  de  la  confrerie  musulmane  dite  -les 
Dcrkaoua«.  Aus:  Association  franyaise  pour  ravancenient  des  sciences,  17c Session 
du  31  mars  18^8.     Oran  1888.  y  1326. 

Ooutte,  Edmoiid,  Notes  sur  l'isläm  Maghribin.  Les  Marabouts.  Paris  19l)0.  Aus: 
Revue  de  l'ilistoire  des  Rcligions.     Tomes  40  et  41  [und  42).         IIb  2570.  i°. 

—  Les  causes  de  la  cliute  d'un  sultan.  Six  Conferences  ...  In:  Rens.  Col.  Annee 
1909.    Nr.  7— 10.    S.  129—137,  1(53—168,  185—189,  220—224.    =  Ti  285.  4°. 

I.   Coup  d'ccil  sur  le  Maroc  et  l'Islam   marocain.    II.  Le  fanatisme  musulman.    Miisidmans 
et  Chretiens.    Hl.  La  royaute  marocaine.    IV.    L'impöt  musulman. 

Griguer,  Jules,  Les  Taybia  ...  —  Un  Diplome  de  Klialifa  chez  les  Qadiria  . . .  Oran 

lillO.     Aus:   Bull,  de  la  Soc.  de  Geogr.  et  d'Arcli.  dOran.     T.  30.     Fase.  122. 

Mit  2  Facsimilia.  Hb  2630, 

Harris,  AValter  B.,   The  Moslem  Confraternities   of  North  Africa.     In:   Blackwood's 

Edinburgh  Magaz.  No.  1032.  Oet.  1901.  Vol.  170.  Edinb.  S.  545—558.  y  965. 
Michaux-Bellaire,  Ed.,  Une  opinion  sur  Moülay  Selhäm.    In:  Arch.  Mar.    Tome  15. 

Fase.  1.     1909.     S.  183—191.  =^  Nc  2865. 

Montet,  Edouard,  Les  confreries  religieuses  de  l'Islam  marocain  ...  In:  Rev.  de  l'hist. 

des  relig.    Annee  23.    T.  45.    No.  1.   janv.-fevr.    Par.  1902.  S.  1—35.    y  984.  4°. 

—  The  religlous  Orders  of  Morocco.  In:  The  Inipcr.  and  As.  Quarterly  Review. 
Third  serles.     Jan.  1902.     Vol.  13.     No.  25.     S.  62-70.  y  967. 

—  Les  Zkara  du  Maroc.  Un  probleme  religieux.  In :  Rev.  de  l'hist.  des  relig. 
Annee  26.     T.  5-J.    No.  3.     Nov.-dcc.     Par.  1905.     S.  418— 425.  y  984.  4". 

—  [Le  culte  des  saints  dans  l'Afrique  du  Nord  et  plus  specialement  au  Maroc.] 

—  —  A.-Lfe]  C(liatelier],  L'Islam  marocain  et  la  politiiiue  marocaine.  In:  Rev.  du 
Monde  Mus.  Vol.  9.    No.  9.    Sept.  19u9.    Par.    S.  95—98.  =  Bb  875. 

Erwiderung. 

Paquignon,  Paul,  Le  Mouloud  au  Maroc.    Li:  Rev.  du  Monde  Mus.  Vol.  14.    No  6. 

Juin  1911.     S.  525—53(5.  =  Bb  875. 

Rene-Leclerc,  Ch.,  La  Situation  religieuse  au  Maroc.    Aus:  Congres  de  rAfri(|ue  du 

Nord.     Paris.  —  Octobre  1908.  y   1222.  4°. 

Rouquette,  Les  socictcs  secrctes  chez  les  Musulmans.  Paris.  Lyon  1899.  IIb  2835. 
[Senfisi.]     Senoussl,  the  Sheikh  of  Jeiboub.     In:  Blackwood's  Edinburgh  Magazine. 

No.  915.     July  18'J4.     Vol.  156,     Edinb.     S.  27-37.  y  965. 

Sicard,  J.,  Situation  religieuse  des  tribus  traversees  par  la  Mahalla  du  caTd  Layadi, 

de   Mechra   Kenidlat   a  Temara.      In:   Rev.    du   Monde  Mus.     Vol.  13.     No.  2. 

Fevr.  1911.     Par.  S.  340-351.  =  Bb  875. 


Kampffmeyeb:   Marokko-Literatur.   II.   Kb — Lb.  139 

Kb.  3.  Pädagogik:  Marokko  (1  S.  30). 

Vgl.:    Französisches    u.    span.    Schulwesen    in    IVLirokko    (von   [Tauschwl]tz,   Henning  u.   Kampffmeyer), 

WJ.  II.  1914.    S.  342-350. 

Ladreit  de  Lacharriere,  J.,  L'orgaiüsation  de  rcnscigncment  public  au  Maroc.  In: 
L'Afr.  Fraiif.  Aimee  23,  No.  9.     Sept.  1913.     S.  320— 327.     1913. 

=  Ti  285.  4- 

Michaux-Bellaire,  Ed.,  L'enseignement  indigöne  au  Maroc.  In :  Rev.  du  Monde 
Mus.  Vol.  15.     No.  10.     Oct.  1911.     S.  422-452.  =  Bb  875. 

L.  Rechts-  und  Staatswissenschaften. 

Lb.  2.  Mohammedanisches  Recht  und  Institutionen  der  Berber. 
c.  Marokko  und  maleki tisch  es  Recht  (I  S.  31). 

Arabische  Texte   und   Übersetzungen   s.  De  (De  5980).      Urkunden-Sammlungen  s.  De  1549.  1614.  1616. 
1618. 1619.  — ;: — .  —  Rechtliche  Stellung  d.  Juden   in  .Marokko   unter   dem    Islaai  vgl.  Pacjuignon  Nb  7. 

—  Sklaverei  s.  Nc  II  F  3  c.  —  Eigentum  in  Mar.  vgl.  Tb  und  Ob  11150  (Besson).  —  Vgl.  Ld  645  und 

Ob  111  B  6  b.  1900  Maeterlinck. 

Aman,  Emile,  L'organisation  de  la  propricte  foncicre  au  Maroc.  Etüde  theorique  et 
pratique,  acconipagnee  du  Reglement  officiel  provisoire  sur  la  propricte  foncicre. 
Preface  de  M.  Pierre  Baudin.     Paris:  Geuthner  1913.  Lb  1480.  4°. 

—  Projet  de  Codification  du  droit  musulman.  Paris.  Aus:  Revue  du  Monde  mu- 
siünian  VI,  362.  y  908  und  1607  =  Bb  875. 

Consultations  juridiques  sin-  les  questions  domaniales  au  Maroc.  In:  Rev.  du  Monde 
Mus.  Vol. 'l5.     No.  9.     Sept.  1911.     S.  289— 301.  =  Bb  875. 

Deambroggio  dit  Kaddour,  Kanoun  Orfia  des  Bel-beres  du  Sud  tunisien.  Aus: 
Rev.  Tunisienne.      Annee  9.     No.  36.     Oct.  1902.     Tunis  1902.     S.  346—356. 

y  1344. 

—  Legislation  et  coutumes  des  Berberes  du  Sud  tunisien.  Aus:  Rev.  Tunisienne. 
Aimee  10.     No.  38.     Mars  1903.     Tunis.     S.  97—103.  y  1345. 

Falgueras  y  Ozaeta,  Ignacio,  Estudios  sobre  sociologla  y  derecho  de  Marruecos. 
Madrid  19u9.  Lb  1605. 

Feliu,  E.,  Le  Regime  des  Eaux  dans  le  Sahara  constantinois.     Blida  1896. 

Lb  1608. 

—  Etüde  sur  la  legislation  des  eaux  dans  la  Chebka  du  Mzab.     Blida  1908. 

Lb  1610. 

Handke,  H.,   Das   Schutzrecht   der  europäischen   Kulturstaateu   in  Marokko.      Aus: 

Marine-Rundschau.     Berlin  o.  J.  S.  839—847.  y  1392.  4°. 

Kaulisch,  Der  Erwerb  von  Grundeigentum  in  Marokko.    Aus :  Zeitschr.  f.  Völkerrecht 

u.  Bundesstaatsrecht.     Bd  5,  S.  465—477.  y  =  T.  84. 

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Musulman.     Vol.  10.     No.  2.     Fewier  1910.     S.  145—172.  =  Bb  875. 

Legrand,  Ch.,  De  l'organisation  judiciaire  musulmane  en  Algerie  1830 — 1877.     Paris 

1877.     K.  Lb  1704.  4°. 

Martin,  L.,  Le  Regime  de  la  protection  au  Maroc.    In:  Arch.  Mar.    Vol.  15.  Fase.  1. 

1909.    S.  1—32.  =  Nc  2865. 

IMercier,  Ernest,  La  propricte  en  Maghreb,  selon  la  doctrine  de  INIalek.     Aus:  Journal 

Asiatique.     Juillet-Aoüt  1894.     S.  73—93.  Lb  1722. 


14(1  Kampffmtver:   Marokko-Literatur.    II.   Lb. 

MeySOnnasse,  V.,  Code  civil  niusnlnian  suivant  le  cadro  du  rode  civil  fran(jai.s. 
irito  Malökite.     Paris  1898.  Lb  1727. 

Michaux-Bellaire.  Ed.,  Une  fetoua  de  Cheikh  Sidia,  Approuvce  par  Cheikh  Saad 
Hotili  bcn  Muhaiiimcd  El  Fädil  ben  Maiiiin,  fri-re  de  Cheikh  Mä  El  'ATiiIn.  In: 
Arch.  Mar.     Vol.  U.  1907.     S.  129-153.  =  Nc  2865. 

—  Traduction  de  la  Fetoua  du  Faqih  Sidi  'Ali  et  Tsouli,  contcuaut  le  »Sonal« 
du  Ilädj  'Abdelqäder  bcu  Mahi  Ed  Diu  et  la  repouse.  In:  Arch.  Mar.  Vol.  11. 
1907.     S.  116—128.  =  Nc  2865. 

—  L'impöt  de  la  Naiba  et  la  loi  iimsulniane  au  Maroc.  In:  Ro\ .  du  Monde  Mus. 
Vol.  11.     Num.  7—8.     Juillet-Aoüt  1910.    S.  396—404.  —  Bb  875. 

—  La  Guelsa  et  le  Grza.  (Traduit  par:)  E.  Mi  chaux-Bellaire  et  P.  Paquignon. 
In:  Rev.  du  Monde  Mus.     Vol.  13.     No.  2.     Fevr.  1911.     S.  197—248. 

=r  Bb  875. 

—  Le  droit  d'intervention  du  Nadir  de.s  Habous,  de  TAniin  cl  Moustafad  et  du 
Pacha,  dans  les  transniissions  d'immeubles.  In:  Rev.  du  Monde  Mus.  Vol.  13. 
No.  3.     Mars  1911.     S.  487—493.  =  El.  875. 

—  Le  territoire  Makhzen  et  le  territoire  Guich.  In:  Rev.  du  Monde  Mus.  Vol.  15. 
Nos  7—8.     Juillet-Aoüt  1911.     S.  74—89.  =  Bb  875. 

—  Consultations  marocaines.  Terrains  revendiqucs  par  les  Cliorfa  Alaouyin  de 
Rabat.     In:  Rev.  du  Monde  Mus.     Vol.  21.     Dec  1912.     S.  41— 109. 

z=  Bb  875. 

—  et  Paul  Aubin,  Le  regime  inunobilier  au  Maror.  In:  Rov.  du  Monde  Mus. 
Annee  6.     Vol.  18.     Fevrier-Mars  1912.    S.  1—105.  =  Bb  875. 

Nores,  Edmond,  Essai  de  codification  du  droit  musulman  algerien  (Statut  personnel). 
Alger  1909.  Lb  1750. 

Peretie,  A.,  L'organisation  judiciaire  au  Maroc.  In :  Rev.  du  Monde  Mus.  Vol.  13. 
No.  3.     Mars  1911.     Par.     S.  5(<9— 531.  =  Bb  875. 

Pouyanne,  Maurice,  La  propriete  fonciere  en  Algerie.     Alger  1900.       Lb  1790.  4". 

Projet  de  codification  du  droit  musulman.  Resume  des  avis  exprimes  au  sujet  de 
la  codification.  Proccs-vcrbaux  des  seances  de  la  conmiission.  Rapport-Pro- 
gramme de  M.  Morand,  directeur  de  l'ecole  de  droit  d' Alger.  Texte  de 
Tavant-projet  du  code  concernaiit  le  mariage.  Alger  1906.  Gouvernement 
general  de  1' Algerie,  direction  des  affaires  indigcnes.  Lb  1792. 

Rectenwald,  Georges,  Contribution  ä  l'etude  des  legislations  algeriennc  et  tunisienne. 
Lc  contrat  de  Khammessat  dans  l'Afrique  du  Nord.  Pteface  de  M.  Emile 
L  arch  er.     Paris  1912.  Lb  1820. 

Ruiz,  Ricardo,  El  Casamiento  y  el  Divorcio  entre  los  Moros.  In:  Marruecos  .  .  . 
Af.o  1.     Num.  2.     Tanger  1908.     S.  1— 11.  =  Nc  3275. 

Saurin,  Daniel,  Le  regime  Foneier  au  Maroe.  D'aprcs  i'Artiele  60  de  TActe  d'Al- 
gcsiras.     Tanger  1907.  Lb  1842. 

Steinführer,  K.,    Wohnung    und    Grundeigentum    der    Fremden    in    Marokko.       In: 

MSOS.  zu  Berlin.     Jahrg.  13.     Abt.  2.     Berlin  1910. 

=  Bb  1095.  4"  und  y  1399. 
Zeys,  E.,  Traite  elcmentaire  de    droit   musulman    algei'ien   (ecole   malckite).      Tome 

1.  2.  Alger  1885.  1886.  Lb  1965.  4«. 


Kampffmeyeb:    Marokko-Literatur.    II.   Lc.  141 

Lc.  4.  Internationales  Recht, 
b.   Vermischtes  (I  S.  32). 

Las  accords  fraiico-alleniands  et  les  m'gociations  inarocaiiies.  In:  Afr.  Fr.  Aiiiice21. 
No.  II.     Nov.  1911.  ■  S.  407— J60.  "KK.  =  Ti  285.  4". 

Mit  Einschluß  der  französ.-spanischen  Verliandlungen  von  1902—7  und  der  Gelieimklau- 
seln  des  franz. -engl.  Abkommens  vom  8.  April  1904. 

Deloncle,  Leon,  Statut  International  du  Maroc.    Par.  1912.    Coliection  Diplomatique. 

No.  1.  Le  1815. 

Guia  del  Espafiol  en  Marruecos  .  .  .  Tanger.     (1908/1909).  Beigabe  zu  Nc  3275. 

Entlialtend  den  spanisch-marokkanisclicn  Handelsvertrag  vom  20.  Nov.  1861,  die  Madrider 
Konvention,  die  jUgeciras-Akte  sowie  andere  völkerrechtliche,  von  Marokko  eingegangene  Verträge 
und  marokkanische  Reglements,  alle  soweit  sie  für  Spanien  Interesse  haben.    In  spanischer  Sprache. 

Maritz,  Ferdinand  von,  Die  völkerrechtlichen  Grundlagen  der  deutschen  Bcrgwei-ks- 
interessen  in  Marokko.  In:  Internationale  Wochenschrift  für  Wissenschaft, 
Kirnst  und  Technik.     Jahrg.  4.     Nr.  9.     2G.  Februar  1910.     Berlin.     S.  258— 274. 

y  1177.  4°. 
Mohr,  P.,  Handelsverträge  Marokkos  mit  einem  .statistischen  Anhang  über  den  Außen- 
handel Marokkos.     Charlottcnburg  1905.  Lc  1979.  4"  =  T.  11. 
Rouard  de  Card,  E.,   Les   traites   de   protectorat  conclus   par  la  France  en  Afrique 
1870-1895.     Paris  1897.     Bibliotheque  Internationale   et  Diplomatique  XXXV. 

Lc  2076. 

—  Les  territoires  africains  et  les  Conventions  franco-anglaises.  Paris  1901.  KK. 
Bibliotheque  Internationale  et  Diplomatique  XXXVUI.  Lc  2079. 

—  Traites  de  delimitation  concernant  l'Afrique  frangaise.     Paris   1910.     KK. 

Lc  2084.  40. 

—  Documents  diplomatiques  pour  servir  ä  l'etude  de  la  question  Marocaine . . . 
Paris  1911.     KK.  Lc  2086. 

c)  Gelbbücher,  Weißbücher  usw.,  insbes.  mit  Bezug  auf  Marokko. 
Polemik  über  Weißbücher  usw.  s.  bei  Nc  II  F  3b. 

[Gelbbiicher.j 

Doc.  Dipl.  Affaires  du  Maroc  111.  1907.  IV.  1908.  V.  1910,  vgl.  Kampffmeyer.  Grund- 
lagen S.  375. 

—  Documents  diplomatiques  1912.  Affaires  du  Maroc  VI  1910 — 1912.  Pour 
faire  suite  ä  »Affaires  du  Maroc  V  1908—1910«.     Paris  1912.         Lc  2392.  4«. 

IWeißbücher.l  Aktenstücke  über  Marokko.  [Januar  1905  —  Oktober  1905]. 
Berlin  [1906].  —  September  1906  —  April  19(i8.    Berlin  1908.         Lc  2640.  4°. 

d.    Einzelne  Verträge  (I  S.  B2f.). 

Vgl.  oben  c,  sowie  unter  Geschichte. 

Abkommen  von  Lalla  Maghnia  1845.  —  La  Martin iere,  H.  de,  La  Convention  de 
Lalla  Mar'nia  et  la  fronticre  algerienne  de  l'Ouest.  Aus:  Revue  des  Deux 
Mondes.     Tome  CXL.     1897.     S.  859—879.  y  1489. 

Algeciras-Akte  1906.  Ch.  Rene-Leclerc,  L'Acte  d'Algesiras,  son  application  jusqu'au 
ler  janvier  1910.    In:Rens.  Col.    Annce  1910.    No.  1.    S.  8— 1.3.    =  Ti  285.  4o. 

Deutsch-französisches  Abkommen  1911. 

Vgl.  unter  Geschichte,  namentlich  'Marokkofrage«. 

Deutsch-französisches  Abkommen  betreffend  Marokko.  In:  Tägl.  Rundschau.  Ber- 
lin, 7.  Nov.  1911.  y  1441.  4o. 


142  Kampffmeter  :    Marokko-Literatur.   II.   Lc — Nb. 

[Deutsch-französisches  Abkommen  1911  (Fortsetzung).] 

—  Deutsche  Kolonialzeitung.  Jahrg.  28.  Nr.  45.  Berlin.  11.  XI.  1911.  [Ent- 
hält das  Marokko- AbkoMinien  und  die  Einzelheiten  der  deutsch-französi- 
schen Abmacliungen.]  y  1447.  4°. 

—  Le  rapport  de  M.  Long  sur  Taccord  franco-alleinand.  In:  Heus.  Col.  Annee 
1911.    No.  12.     S.  300-10.  =  Ti  285.  4°. 

Französisch-türkisches  Abkommen  1914.  Lo  Statut  des  musulmans  de  l'Afrique  du 
Nord  en  Turquie  d'apres  le  traitc  franco-ttii-o.  Im:  Rens.  Col.  1914.  No.  1.  S.  12. 
Paris  1914.  =  Ti  283.  4o. 

Ld.  Das  neue  Marokko 

nach  der  deutsch-franz.  Verständigung  (1909—1911). 

I.    Allgemeines.  —  IL    Französische  Zone. 
A.    Allgemeines  (mit  Zeitschriften). 

Bulletin  Of fiele!  des  franz.  Protektorats,  s.  K  anip  ffm  ey  e  r,  Grundlagen  S. 
Holtz,  A.,  Traite  de  legislation  marocaine.     Paris  1914. 

Recueii  de  legislation  &  de  jurisprudence  marocaines.  Annce  1,  No.  1 — 8, 
Sept.  1912 — Nov.  1913.  Administration  et  Rödaeiion,  33,  Chaussee-d'Aiitin.  — 
Paris.  Ld  645. 

Revue    de    legislation    marocaine.      (Trimcstres    1    et  2.)      1.").  juin  1909.      Tanger. 
[Nicht  mehr  erschienen.]  y  1227.  i°. 

B.    Vermischtes. 
R.  C,  L'immatriculation   fonciere  au   Maroc.      In:    L'Alr.-Frant;.    Annee  23.    No.  10. 

Oct.  1913,  S.  855-337.  =z  Ti  285;  4^ 

Le  controle  civil  au  Maroc.     In:  Rens.  Col.  1913.    Nr.  8.    S.  314 f.     =  Ti  285.  i". 
La  justice  frangaise  au  Maroc:  Decret  du  7  septembre  1913  et  dahir  du  30  aout  1913. 

In :  Kens.  Col.  1913.    No.  9.    S.  830-338.  =  Ti  285.  4°. 

Rene-Leclerc,  Ch.,  L'aimce  administrative  marocaine  en  1910.   In:  L'Afr.  Fr.  Annee  21. 

No.  3.     Mars  1911.     S.  95-105.  =r  Ti  285.  4". 

Le  Rapport  de  M.  Long,  dcpute,  sur  le  traite  de  protectorat  marocain.    In:  Rens 

Col.     Annee  1912.     No.  6.     S.  237—246.  =  Ti  285.  4°. 

Normand,  R.,  Rabat:  Les  dcbuts  d'une  municipalite  au  Maroc.  In:  Rens.  Col.  1914. 
No.  1.     S.  13-33.     111.  K.     Paris  1914.  =  Ti  2S5.  4°. 

III.   Spanische  Zone. 

A.    Allgemeines. 
BoletJn  oficial  de  la  zona  de  influencia  espafiola  en  Marruecos.    Madrid  No.  1  (10  de 
Abri'l  1913)  ff.  mit  Anexos.    Vgl.  Kampffmeyer,  Grundlagen  S.  303.     Ld  880. 


N.  Geschichte. 

Nb.  I.  4.  Rom.    6    Nordwestafrika  (I  S.  34). 
Plan   gt'neral   des   fouilles   de   Bou   Khachkliach  prcs   Tanger   (Maroc).     Dresse  par 
Serrane   d'apres   les   levcs  de   Buchet  et   Michaux-Bellaire.     Echelle  de 
0,02  pm  (^)  o.  0.  u.  J.  T.  39  in  Mappe  U. 


Kampffmeyek:   Marokko-Literatur.   II.    Nb — Nc.  143 

7.    Geschichte   der  Juden. 

b.   Nordwestafrika  (I  S.  34f.). 

Vgl.  Ob  ins  6  a,  ccMelila. 

Benchimol,  Isaac,  Los  Judios  de  Tetuan.    Sus  usos  y  costumbres  religiosas.    In :  Mar- 

ruecos  . . .  Ano  2.     Nnm.  24.  25.  2G.     1909.     S.  4;{9-44.3.  449-459.  477-489. 

=  Nc  .3275. 
Feder,  Ernst,  Juden  und  Judentum  im  alten  Marokko.    In :  Ost  und  West  .  .  .  Jahrg.  10. 

Heft  11.     1910.     Berlin.     S.  763-770.  y  1406.  4». 

Meakin,  J.   E.  Budgett,    The   jews    of    Morocco.     In:   The  Jewish   Quart.  Review. 

Vol.  4.     Apr.  Ib92.     No.  15.     London.     S.  369—396.  y  968. 

Nahon,  MoTse,  Les  Israelites  du  Maroc.    Aus:  Revue  des  Et.  ethnogr.  et  sociologiques. 

Paris.    Sept.-Octobre  1909.  y  1351.  4". 

Paquignon,    Paul,    Quelques  Docunients   sur  la   condition    des  Juifs  au  Maroc.     In: 

Rev.  du  Monde  Mus.     Vol.  9.     No.  9.     Sept.  1909.     S.  112-128.     =  Bb  875. 
Recouly,  Raymond,  Mö;urs  des  juifs  marocains.    In :  La  Revue.    Annee  16.    Vol.  57. 

No.  17.     l.Sept.     Scr.  4.     1905.     Par.     S.  104-115.  y  998. 

Aus  dem  Blellah  in  Fcs. 
SlOUSCh,  N.,  Les  Juifs  de  Debdou.    In:  Rev.  du  Monde  Mus.,  Vol.  22.    Mars  1918. 
S.  221—269.     [111.]  =  Bb  875. 

8.    Araber  und   allgemeine  Geschichte  des  Islams  (I  S.  35). 

Vgl.  arabische  Schriftsteller  unter  De  III.  4. 

Harnet,   Ismael,   Les  Musulmanes   du  Nord  de  l'Afrique.     In:  Rev.  du  Monde  Mus. 

Vol.  23.     Juin  1913.     S.  280-295.     1913.  =  Bb  875. 

Lane-Poole,  Stanley,   The  Mohammedan  Dynasties.     Chronological   and   genealogical 

tables  with  historical  introductions.     Wcstminster  1894.  Nb  1850. 

Reitemeyer,   Else,   Die  Städtegründungea    der  Araber  im  Islam  nach  den  arabischen 

Historikern  und  Geographen.     (Heidelberger  Dissertation.)     München  1912. 

Nb  1912. 

Nc  II.  B.  Mehrere  Barbareskenstaaten. 

1.  Allgemeines  (I  S.  36). 
Ooutte,  Edmond,  Bulletin  bibliographique  d  ITslam  Maghribin  I.  Ib97.  —  l^r  semestre 
1898.     Oran  1899.     Aus:   Bulletin  de  la  Societe  de  Geographie  d'Oran,  fasc.  79. 
Janv.  ä  Mars  1899.  Nc  504. 

2.  Zusammenfassende  Darstellungen  (I  S.  36). 

Dupuy,   E.,    Americains    &   Barbaresques   (1776—1824)  .  .  .  Paris   1910.   =  Etudes 

d'histoire  d'Amerique.  Nc  643. 

Piquet,  Victor,  Les  Civilisations  de  l'Afrique  du  Nord.     Berberes-Ai-abes-Turcs  .  .  . 

Paris  19U9.    KK.  Nc  696. 

—  Campagnes  d'Afrique   1830—1910.    Algerie-Tunisie-Maroc  .  .  .     Paris  o.  J.    KK. 

Nc  697. 

Besprechung  des  Werkes,  von  E.  Feder,  aus  Berl.  Tagebl.  26.4.  1911. 

an  Nc  697. 


14-1  Kampffme^ir:    Marokko-Literatur.    II.   Nc  II  F. 

3.  Vermischtes. 
Pinon,  Rene,  L'empire  de  la  Mcditerranee.     L'entente  franco-itallenne  —  La  question 
niarocaine  —  I*ig»'g   —   Lo  Touat   —   La  Tripolitaine  —  Bizerte  —  Malte  — 
Gibraltar.     Par.  1004.     KK.  Pläne.  Nc  887. 

Sammlung  von  Aufsätzen  aus  «Ut  Rcvuo  des  üeux  Mondes;  nur  das  erste  Kapitel  ist  neu. 

F.  Marokko. 

1.  Allgemeines. 

ii.  Bibliographie     (I  S.  37). 

Meakln,  Budgett,   A  gap   in   Moorish  History.     In:  The  Atheiiaeiiin  ...     No.  8677. 

Apr.  IG,  1898.     London.     S.  503.  y  976.  4°. 

Dem  A'crf.  stieß  bei  seinen  Studien  über  die  uiarokk.iiiisclie  Uescliichte  für  das  15.  Jahrb. 
eine  empfindliche  Lücke  der  arabischen  Bt-richterstattung  auf.  Er  bittet  Orientalisten  ihm 
Quellen,  die  ihm  unbekannt  geblieben  sein  könnten,  nachzuweisen. 

b.  Wissenschaftliche  Institute     (I  S.  37  f.). 
Societe  marocaine  d'Archeologie.    In:  Rev.  du  INIonde  Mus.    Vol.  1<>.    No.  3.    Mars 
1910.     S.  297—312.  —  Bb  875. 

Statuten  und  3  Abbildungen  von  Funden. 

c.  Zeitungen  und  allgemeine  Zeitschriften. 

Aral'.   Zeitunf;cii  unter    Pc.  —  Einzi-lnuminern  verschiedener  Zeitungen  und   Zeitschriften   s.  handschr. 

Katalog. 

Franceri,  Adolfo  M.-'.  Apuntes  para  la  historia   de   la   prensa   en   Marrueccos.     In: 
Mamiecos  .  .  .     Ano  1.     Num.  5.     S.  17— 2.3.     1908.  =  Nc  3275. 

Ramdohr,  Die  Presse  in  Marokko.-    In :  Die  Welt  des  Islams.    Bd.  2.    Heft  2— 4.    S.  338— 342.     1914. 

Rene-Leclerc,  Ch.,  La  presse  au  Maroc.  Apercu  historique   et  Situation   en   Janvier 
1909.     Aus:  Congrcs  del'AfriqueduNord.     Paris.     Octobre  1908.      y  1222.  4". 


MarrueCOS.  Revista  quincenal  .  .  ,  Director:  Ricardo  Ruiz.  Ano  1.  Num.  1 — 8. 
Ano  2.  Num.  9—26.  Tanger,  1.  Scptienibre  1908—10.  Septiouibre  1909.  [Nicht 
mehr  erschienen.]     Mit  Beigabe  »Guia",  vgl.  Lc  4  b.  Nc  3275. 

2.  Zusammenfassende  Darstellungen  (1  S.  38 f.). 
Attanoux,  J.-Beniard  d',  Cinquante  ans  de  politique  anglaise  au  Maroc.    In:  Questions 
diplomatiqucs  et  rolon.     Annce  1.     No.  6.     15   mal  1897.     S.  334 — 340. 

y  995. 

Baron,  A.,  et   A.  Juve   de   Buloix,    Le   Maroc.      In:   La   Grande   Revue.     Annee  7. 

No.  3.     Vol.  2.5.     Livr.  3.     Par.  1.  mars  1903.     S.  581— 610.  y  987. 

I.  L'Espagne  et  le  Maroc.  II.  La  ville  saiiite  [Fez].  III.  Le  Chcrif,  le  Slajzen,  le  Corps 
theologique.  IV.  La  justice.  V.  Les  partis  politiques.  Les  causes  de  la  guerrc  actuelle.  VII.  Lc 
statu  (juo. 

Diercks,  Gustav,  Marokko.  Materialien  zur  Kenntnis  uiui  Beurteilung  des  Scherifen- 
reiclies  und  der  Marokkofrage.     Berlin  1894,  Nc  3440. 

Ooutte,  Kdniond,  Les  Marocains  et  la  Societe  marocaine.  Partie  1  —  4.  In:  Revue 
generale  des  Sciences  pures  et  applifjuces.  Annee  14.  No.  4 — 7.  28  fevrier  — 
löavril  1903.     S.  190—208,  258-274,  314—327,  372—387.     111.      y  1171.  4o. 

Dupuy,  E.,  Connnent  nous  avons  conquis  lc  Maroc  (Lalla-Marnia,  Algrslras,  Berlin, 
Fez,  Madrid)     18^5  —  1912.;     Avec   une   carte   et   quatre   croquis.     Paris  [1912]. 

Nc  3445. 


Kampffmeyer:    Marokko-Literatur.    II.    Nc  II  F.  145 

Garcia  Perez,  Antonio,  Kelaciones  Hispano-Mogrebinas  con  un  prölogo  de  Jose  Maria 

Valdes  Rubio.     Madrid  1911.     =  Publicaciones   de   la    -Revista   Tccnica   de 

Lifanteri'a  y  Caballena».  Nc  3495. 

Michaux-Bellaire,  Ed.,   L'organisme    marocain.     In :    Rcv.  du   Monde   Mus.     Vol.  9. 

No.  9.     Sept.  1909.     S.  1—43.  =  Bb  875. 

Peretie,  A.,  Apergu  historique  de  Toccupation   portugaise   au   Maroc.     In:    Rev.  du 

Monde  Mus.  Vol.  12.    No.  10.     Oct.  1910.     Par.  S.  283-256.  =  Bb  875. 

Ruiz,  Ricardo,  Los  Sultanes  de  Marruecos.    In:  INIarruecos  ..  .    Afio  1.    Num.  3 — 6. 

1908.  =  Nc  3-.'75. 

Werle,  Deutschlands  Beziehungen  zu  Marokko  vom  Beginn   des  Mittelalters  bis  zur 

Gegenwart.     Li:  Einladungsschrift  des  Gymnasium  Casimirianuni    zu  Coburg  ... 

Coburg  1902.  y  950. 

3.   Einzelheiten. 

Zur  Geschichte  einzelner  Gebiete  vgl.  insbes.  Ob  III  B6c.  —  Vgl.  Hb  II  C2c  Doutte,  causes. 

a.   Vermischtes  (I  S.  39). 

Castries,  Comte  Henry  de,  Le  Maroc  d'autrefois.     Les  corsaires  de  Säle.    In:  Rev. 

des  deux  mondes.     Annee  73.     Periode  5.    T.  13.    Livr.  4.    15  fevr.  1903.    Par. 

S.  823—853.  y  985. 

(Doutte,  Edmond,  Note   sur  les  niiiies  de  Tin  Mellal,  le  berceau  de  la  dynastie  des 

Ahnoiiades".     In:    Academie    des   inseriptions  et  belles-lettres.     Comptes  Rendus 

des  seances  de   l'annee  1901.     Bull,  de  mai-juin.     Par.     S.  333 — 336.         y  997. 
Duprat,  Pascal,   Peuples  anciens  et  modernes  du  Maroc;  et  du  role  de  la  France  dans 

rAtiique  occidentale.    Aus:  La  Rev.  independante.  T.  16.  Sept.  o.  0.  u.  J.  y  1069, 
Goltberg,  O.  von,   Eindrücke   aus   Marokko.     Li:    Die  Woche.     Jahrg.  13.     Nr.  25. 

Berl.     24.  Juni  1911.     S.  1025-1028.  y  1421.  4o. 

Jung,  J.,  Aus  Raisulis  Reich.     Aus:  Berliner  Tageblatt.     Juli  1910.         y  1284.  4». 

Über  Bettler,  Kriminalität  und  Heilige  in  Marokko. 

Kampffmeyer,  G.,  L'inscription  de  Safi  (Maroc).     Aus:    Revue    Africaine.     No.  269. 

(2e  Trimestre  1908.)     Alger  1908.  y  1396. 

Meakin,  Budgett,  Yesterday  and  to-day  in  Marocco.     In:    The  Forum.     Nov.  1900. 

[Vol.  30.    No.  3.]     New  York.     S.  364  -374.  y  1010. 

Plauchut,  Edmond,  Les  Anglais  au  Maroc.     Li:  Rev.  des  Deux  Mondes.     Annee  63. 

Periode  3.     T.  117.     15  juin  1893.     Livr.  4.     S.  906—925.  y  985. 

Der  A'^erf.  fürchtet   die   Absichten   Englands  auf  Marokko.     Er   bringt   im   übrigen   von 

sonstiger  Geschichte  Marokkos  viel  mehr  als  von  dem  Ai.teil  der  Engländer  an  ihr. 

Slousch,  N.,  L'Empire  des  Berghouata  et  les  origines  des  Blad-es-Siba.  In:  Rev.  du 
Monde  ^lus.     Vol.  10.     No.  3.     Mars  1910.     S.  394—400.  =  Bb  875. 

—  Les  Madjous  (Russes,  Normauds  et  Slaves  en  Espagne  et  au  Maroc).  In:  Rev. 
du  Monde  Mus.     Vol.  10.     Nr.  3.     Mars  1910.     S.  401—406.  r=  Bb  875. 

b.    Zeitgeschichtliches  (I  S.  39  ff.). 
Vgl.  unten  4.  Marokkofrage. 

Vorhanden   zahlreiche  Zeitungen   und    Zeitungsausschnitte   aus   der   Zeit  1905 — I'Jl2.     Die  Artikel   aus 

Afrique  Frangaise   und   Rens.  Col.   sind  nur  auszugsweise  mitgeteilt.     Für  Zcitgcsclüchtliches  ist  stets 

diese  Haupttjuellc  zu  vergleichen.  —  Vgl.  Reisen  S.  153  ff. 

[1856]    Le  Maroc    en    1856.     Par  H.  de  T.  d'Arlach.     Paris  1856.  Nc  4432. 

[1859  —  1908]  Maisonave,  Espafia  en  Marruecos.  In:  Marruecos...  Ano  2. 
Num.  25,  1909.  S.  468—76.  Übersetzt  aus:  Questions  Diplomatiqueset  Colo- 
niales.  =  Nc  8275. 


14(>  Kampfkmkyeh:    Marokko-Literatur.    LI.    Nc  II  F  3b. 

[1860]  Correspoii  dencia  diplomätica  relativa  ä  la  t^uerra  de  Africa.  Tratado 
de  paz.  Conveiiio  con  la  snnta  sede.  (Documeiitos  presentados  por  el  go- 
bierno  ä  las  Cörtes.)     Madrid  1800.  Nc  4436. 

—  Desde  Vad-Ras  ä  Sevilla.  Acuarelas  de  la  canipafia  de  Africa  por  Jose  Na- 
\  arrete.     Madrid  [o.  J.]     =  Folletin  de  el  Croiilsta.  Nc  44.38. 

11873—1894]  Eiuilio  Hey  Cola<,'o,  .\puntes  para  la  Historia  del  Reiiiado  de 
Mulcy  Hassan.  In:  Marruecos . .  .  Afio  1.  Nnni.  7.  S.  S.  1 — 7.  11 — 18. 
Ano  2.     Nuin.  9.     S.  12-17.     1908.1909.  =:  Nc  3275. 

—  Ed.  Michaux-Bellaire,  L'lu'ritage  de  Moulay  cl-IIasan.  In:  Rev.  du 
Monde  Mus.     Vol.  9.     Nr.  II.     Nov.  1909.     Par.     S.  412-420.         =  Bb  875. 

—  L.  Ordega,  Le  sultan  Mulay  Hassan.  Souvenirs  personols.  In:  Rev.  bleue. 
No.  24.     Ser.  4.     T.  I.     lGjuinl894.     Par.     S.  737— 739.  y  982.  4°. 

[1893]  La  conqnista  du  Marruecos  en  el  ano  1893.  Estudio  de  la  ultima  cam- 
pana  llevada  ä  cabo  por  franceses,  ingleses  )'  alenianes  en  el  impeiio  de  Mar- 
ruecos por  un  Kai  d -Er-Rj  ä  (coronel)  del  Ejcrcito  del  ultimo  Sultan.  Tradu- 
cida  para  El  Mercantil  Valenciano.     Tanger  1891.  Nc  4503. 

—  L.  Ordega,  Esuagnols  et  Maures.  In:  Rev.  bleue  No.  2.  Sor.  4.  T.  1.  13janv. 
1894.    Par,     S.  48—52.  y  982.  4o. 

—  Marmecos  —  ElRif.  Melilla.  Peligros  —  Desaciertos  de  Espana.  Urgente  necesidad 
de  reniediarlos.  Mancra  de  hacerlo.  Nociones  de  polilica  liispano-marroqui  por 
(r.  Reparaz.     Madrid    1893.  Nc  4505. 

|I896]  The  condition  of  Morocco.     By  Jon  Perdicaiis.     In:  The  Imper.  and  As. 

Quarterly  Review  ..  .     ThirdSeries.     Oct.  1896.     Vol.  2.     No.  4.     S.  315— 329. 

y  967. 
I Nov.  1900  — März  1902]    With   the   Sultan   of  Morocco.     By  Arthur  Schneider... 

Introduction   by   Talcott  Williams.     In:    The  Century  Magaz.     Vol.  66.     May 

1903.     Nr.  1.     New  York,  London.     S.  3-30.     111.  y  966. 

II90I-I902]   The    Sultan    of   Morocco  f  Abdul-' Aziz]    in    Private   Life.     By  Walter 

B.  Harris.      In:     Blackwood's    Edinburgh    Magaz.      No.   1073.      Marcii    1905. 

Vol.  177.     Edinb.     S.  307—322.     111.  y  965. 

|I902]  The  Sultan   of  Morocco  journeys   toward   Fez.     By  Arthur  Schneider... 

In:    The  Century  Magaz.     Vol.  66.     June,   1903.     Nr.  2.     New  York,    London. 

S.  163-176.     III.  y  966. 

[1902-1908]  G.  Delbrel,  El  Pretendiente  y  .sus  »Harkas«  en  el  Nordeste  Marroqui. 

Su  doininacion  en  el  Rif     1902 — 1908.     In:   Marruecos.     Ano  2.     Num.  13—22. 

1909.  =  Nc  3275. 

|I903]  Hermann  Albrecht,   Marokkanische  Zustände.     In:  lU.  Zeitung.     Nr.  3107. 

Bd.  120.     Leipz.  und  Berl.     15.  Jan.  1903.     S.  84-88.     IH.  K.  y  1054.  2". 

—  Die  Unruhen  in  Marokko.  Von  R.  Jannasch.  In:  Export...  Jahrg.  25. 
Nr.  5.  6.     Berl.,  29.  Jan.,  5.  Febr.  1903.     S.  59—62,  72-73.  y  10:.5.  4°. 

—  Rudolf  Zabel,  Bilder  vom  marokkanischen  Aufstand.  In:  lil.  Zritung.  Nr.  3110. 
Bd.  120.     Leipz.,  5.  Febr.  I9U3.     S.  191—193.     111.  y  1054.  2«. 

—  A  travers  le  Maroc  revoltc.  Par  Rcginald  Kann.  In:  Lc  Tour  du  monde. 
Llvr.   4.   5.      Nouv.    srr.      Annce  lU.      23.  30  janv.    I<i04.      Par.      S.  37—48. 

49—60.    Hl.  y  994.  4°. 

Von  Interesse  für  die  Geschichte  des  Roglü-Aufstandes. 

[1904-1907]  Quelques  Lettres    du  Makhzen   de  Bou  Ilamara  [Traduit   par]  Paul 

Paquignon.     In:    Rev.  du  Monde  Mus.     Vol.  9.     No.  12.  Dcc.  1909.     S.  599 

bis  611.     Mit  Facsimilc.  3=  Bb  875. 


Kampffmeyer  :    Marokko-Literatur.    D.   NcIIFSb.  147 

fl904 — 1910}  Augustin  Bernard,  L'<Euvre  frangaise  dans  les  confins  aigcro-marocains 
et  les  resultats  politiques.     In:  Rens.  Col.     Annce  1910.     No.  12.     S.  381—391. 

=  Ti  285.  4o. 

—  J.  Ladreit  de  Lacharriere,  L'cEuvre  du  gencral  Lyautey  sur  les  eonfins  aigcro- 
marocains.     In:  L'Afr.  Fr.     Annee  21.     No.  1.     Janv.  1911.     S.  19— 21. 

=  Ti  285.  4o. 

[1905?]  INIeine   Reise    in   Marokko.     Von  Fritz  Oiile.     In:   111.  Zeitung.     Nr.  3267. 

Bd.  126.     Leipz.     8.  Febr.  1906.     S.  198.     111.  y  1054.  2°. 

Olile  in  Fes.    Zu  vergleichen  für  die  Geschichte  Raisulis. 
[1906]  Reise    des    deutschen    Gesandten    Dr.  Rosen    nach    Fes.     In:    111.  Zeitung. 
Nr.  3303.    Bd.  127.    Leipz.     18.  Okt.  1906.    S.  618—620.    111.         y  1054.  2«. 

—  Gieure,  Au  Maroc.  Chez  le  Pretendant.  De  Melilla  i  Taza.  Taza.  De  Taza  i\ 
Melilla.  In:  Le  Liberal.  Oran.  6me  Annce.  30  Janvier.  8.  13.  15.  20.  22. 
24  Fevrier.     21.  29  Mars  1906.     [Unvollständig.     Ohne  Anfang  und  Ende.] 

y  120.{.  4o. 

—  [Ereignisse  von  Mar-Chica  14.  Febr.  1906].  In:  Le  Liberal,  Oran.  6nie  An- 
nee, 17.  20.  22.  24  Fevrier  1906.  y  1203.  4°. 

—  Hübner,  Die  Expedition  des  Marokkanischen  Kriegsministers  gegen  Rais  Uli. 
(Mit  Skizze.)     In:  Milit.-Wochenbl.     1907.     Nr.  6.     Berl.  12.Jan.     S.  119-125. 

y  1111.  4o. 

[1907]    Carl    Ficke,    Die    Vorgänge    in    Casablanca.      In:    Export...     Jahrg.  29. 

Nr.  35.     Berl.,  29.  Aug.  1907.     S.  560-561.  y  1059.  4«. 

—  Die  Lage  um  und  in  Casablanca.  In:  111.  Zeitung  Nr.  3348.  Bd.  129.  Leipzig, 
29.  Aug.  1907.     S.  349.     111.  (S.  350-351):    Aus  Casablanca.  y  1054.  2°. 

—  Die  Vorgänge  in  Marokko.  Von  R.  Jannasch.  In:  Export...  Jahrg.  29. 
Nr.  37.     Berl.,  12.  Sept.  1907.     S.  581—584,  y  1059.  4°. 

—  Briefe  aus  Marokko.  I— VII.  In:  Frankf.  Zeitung.  Jahrg.  52.  1907.  Nr. 
233.  235.  237.  241.  247.  253.  265.  y  1160.  4«. 

—  Hübner,  Die  politische  Lage  in  Marokko.  In:  111.  Zeitung.  Nr.  3364.  Bd.  129. 
Leipz.,  19.  Dez.  19ü7.     S.  1100—1103.     111.  (aus  Rabat).  y  1054.  2°. 

[7.  Okt.  1907]  Beschreibung  eines  Gefechts  der  Französischen  Truppen  in  Ma- 
rokko.    In:  Milit.-Wochenbl.  1908,     Nr.  21.     Berl.,  13.  Febr.     S.  453— 456. 

y  Uli.  4°. 

[1907—1908]  Segonds,  La  ChaouTa  et  sa  Pacification.  Etüde  soniniaire  de  l'ac- 
tiou  frangaise  dans  la  region  de  Casablanca  jusqu'au  l^r  janvier  1909.  Paris 
(1909?)  K.     Aus:    Revue  d'Lifanterie.  Nc  4586. 

—  Weniger,  Die  französischen  Unternehmungen  in  Marokko  1907  —  1908.  In: 
Vierteljahrshefte  f  Truppenführung  und  Heereskunde.  Herausgeg.  vom  Großen 
Generalstabe.     Jahrg.  5.     1908.     Heft  4.     Berl.     S.  633-665.  y  1109.  4°. 

—  Hübner,  Die  Unternehmungen  Frankreichs  in  INIarokko,  .(^^s  Fortsetzung  zu 
der  Artikelreihe:  Die  Ereignisse  bei  Casablanca.)  V— XV.  In:  Milit.-Wochenbl. 
1908.     Nr.  4.  22    23.  45.  57.  58.  69.  89.  101.  107.  133.  139.     Berl. 

y  IUI.  4o. 
[I907-I9I0J  s.  Lc  4d.   Algeciras-Akte. 
[1908]    Hübner,    Das    französische   Landungskorps   in  Marokko.     In:   111.  Zeitung. 

Nr  3372.     Bd.  130.     Leipz.     13.  Febr.  1908.     S.  286—287.     111.         y  1054.  2o. 
Frankreich  im  Kriege  mit  dem  Tafilelt.    In:  111.  Zeitung.    Nr.  3388.    Bd.  130. 

Leipzig.     4.  Juni  1908.     S.  1083-1086.     111.  y  1054.  2». 

(1908-  1909]  General  d'Amade,  Campagne  de  1908—1909  en  ChaouTa.    Paris  1911. 

=r  Publ.  de  la  Section  historique  de  l'Etat-Major  de  l'armee.  Nc  4596. 

Mitt  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  II.  Abt  1 1 


14}>  Kampffmkvkb:   Marokko-Literatui-.    II.    NC  II  F  3b. 

[1908  1909]  Auguste  Terrier,  La  canipague  de  la  Chaouia  en  1908—1909. 
L'ttnivrc  du  göntTal  «l'Auiadc.  Iii :  Rens.  Co).  . ..  Aiuiöe  1911.  No.  6.  S.  137— 146. 
III.  —  Ti  28:\  4". 

—  -How  I  becanie  kaid  of  the  Moioccau  anny.»  Tlie  Story  of  a  Twentieth  Cen- 
tury Kinguiaker  .  . .  by  (Andrew)  Beiton.  In:  Na^h's  Magazine.  Vol.  2.  No.  15. 
June  1910.     London.     S.  832-848.  y  1285. 

|I909]  Ueld  Al-Farez.  Una  Enibajada  Espafiola  en  la  Corte  Xerifiana.  In:  Mar- 
luecos  ...  Aüo  2.     Xum.  13-15.     1909.  =  N.-  327.5. 

—  Bibliografi'a  de  la  Campafia  de  Kalaia-Kabdana  (19i)9).  Extracto  de  la  Bio- 
bibliograffa  geiieral  de  Marruecos  des>de  los  prinieros  ticnipos  hasta  nuestros 
di'as  ...  Madrid   1911.  No  4600. 

—  General  de  Turcy,  Les  Espagnols  au  Maroc  en  1909  ...  Paris-Nancy  1910. 
111.    KK.  "  Nc  4603. 

—  Lopez  Alarcön,  Enrique,  Cronica  de  im  testigo.  Meiilla,  1909.  Diario  de  la 
guerra  escrito  durante  las  operaciones  iiiiütares  en  el  Hif,  Editado  para  los  lec- 
tores  de  El  Mundo  Militär  [1911].  Nc  4605. 

—  La  mission  de  M.  Regnault  a  Fez.  In:  LAfr.  Fr.  Aiinöe  19.  1909.  No.  2 — 4. 
S.  85-80.  112-113.' 144-145.    111.  =  Ti  285.  4". 

[1909-1910]  Vgl.  TI  142.  4",  Garcialavin. 

—  Cancel,  A  la  poursuite  des  rezzous  Maroeains.  Dans  les  ergs  El-Atiinine  et 
Iguidi.  Operations  des  groupes  mobiles  des  Compagnies  sahariennes  de  la  Saoura 
et  du  Touat.  (Nov.  1909- Janvier  1910.)  In  Rens.  Col.  Annöe  1911.  No.  7. 
S.  167—178.  =  Ti  285.  4". 

|I9I0]  J.  Ladreit  de  l.acharriere,  L'oeuvre  franvaise  en  Chaouia.  In:  Rens.  Coi. 
Annee  1910.     Xo.  9-12.     S.  261-290,  331-3.52,  371-.]79,  403-408. 

=r  Ti  285.  4". 

—  P[aulJ  A[zaii],  Resulsats  maroeains.  In:  Rens.  Col.  Annee  1911.  No.  10.  S.  254 
bis  256.  =  Ti  285.  4«. 

[1911]  Torcy,  General  de,  Espafia  y  Francia  en  Mairuecos  ä  principios  de  1911. 
Traducciön  de  la  Scgunda  Ediciön  Francesa  con  Prölogo  y  Notas  por  el  Tra- 
ductor.     Madrid  1911.  Nc  4615. 

—  Les  Espagnols  ä  Larache  et  a  El-Ksar.  In:  L'Afr.  Fr.  Annee  21.  No.  7. 
Juillet  1911.     S.  267— 269.  —  Ti  285.  4". 

—  Henri  Gaillard,  L'insurrection  des  tribus  de  la  region  de  Fez.  In:  Rens.  Col. 
Annee  1911.     No.  11.     S.  257-264.  =  Ti  285.  4". 

—  Breniond.  Le  rapport  du  Conimandant  Breniond  sur  le  siege  de  Fez.  In:  L'At'r.  Fr. 
Anm'e  21.     No.  9.     Sept.   1911.     S.  318-320.  -  —  Ti  285.  4«. 

—  Montalembert,  A.  de,  En  Colonne  chez  les  Zacrs.  In:  IJens.  Col.  Annee 
1911.    No.  12.    S.  314-317.    K.  =  Ti  285.  4". 

—  Briefe  au  Marokko.  I-VIIL  In:  Straßburger  Post.  1911.  Nr.  659.  692. 
7(i9.  724.  749.  7i;4.  774.  828.     Straßburg.  y  1517.  4". 

-Vus  Schauia.     VIII  über  die  deutschen  Interessen  im  Sus. 

—  Guespereau,  Lc  Haut-Guir  en  fin  decenibre  1911.  In:  Rens.  Col.  1912.  No.  5. 
S.  199-203.    K.  =  Ti  285.  4". 

—  Au  Maroc:  Impressions  dun  tenioin  par  .\ndre  Coli  iez.  In  :  L'Afr.  Fr.  Annee -2. 
No.  8.    Aoüt  1912.     S.  306-309.  =  Ti  285.  4". 

—  Pobeguin,  Le  naufrage  du  paquebot  -Delhi".  [Lettre.]  In  :  l.Afr.  Fi-.  Annee  22. 
No.  1.     Janv.  1912.     S.  44-45.  =  Ti  285.  4". 


Kampffmeykr:    Marokko-Liteiatui'.    II.    NcIIFSb— c.  140 

(1912]  L'aube  du  Protectorat  Marocain.  In:  LAfr.  Fr.  Amioe  22.  No.  3—10. 
Mars-Oct.  1912.  S.  83-92.  130-137.  172—188.  214—223.  267-272.  31(5-320. 
347-3(36.  389  -399.     111.     1  PI.  von  Fes.  =  Ti  285.  4°. 

—  Les  confins  alg('ro-niarocains.  In:  L'Afr.  Fr.  Anm'e  22.  No.  6.  1912.  S.  230 
bis  231.  =  Ti  28.5.  4". 

—  La  rebellion  de  Fez.  In:  LAfV.  Fr.  Annee  22.  No.  4.  Avril  1912.  S.  159 
bis  160.  =  Ti  28,').  4". 

[1913]  La  dclivrance  de  Mairakech  et  les  Operations  de  pacification.  Rapports  du 
Colonel  Charles  M angin.     In:  Rens.  Col.  1913.     No.  2.     S.  49— 73.     111.     K. 

—  Ti  285.  4". 

—  Auguste  Terrier,  Inipressioii.s  du  Maror.  In:  L'Afr.  Fr.  Aniu'e  23.  No.  7. 
Juillet  1913.     S.  255-265.     III.     K.  =  Ti  285.  4". 

Allgemeine  Verhältnisse,  gut  i-ur  ()i-ientierung. 

—  Les  inemoires  Mannesniann.     In:  Rens.  Col.     1913.     No.  12.     S,  427 — 432. 

=  Ti  285.  4". 

—  J.  C,  L'action  espagnole  an  Maroc  et  l'affaire  Mannesniann.  In:  L'Afr.  Fran«;. 
Annee  23.     No.  12.     Dcc.  1913.     S.  452-4.5S.  -^  Ti  285.  4". 

[I9I4J  Deux  agitatenrs  marocains:  Le  rogui  et  Kl-Hadjanii.  In:  L'Afr.  Franf. 
Annee  24.     No.  5.     Mai   19N.     S.  210-214.  =r  Ti  28.5.  4". 

—  A  la  colonne  de  Taza.  Von  J.  Ladreit  de  Lacli  arri  ('re.  In:  L'Afr.  Frany. 
Annee  2L     No.  6.     Juin  19U.     S.  237— 248.     Jll.     KK.  ==  Ti  285.  4°. 

—  La  Politique  berbere  et  l'action  chez  les  Zaian.  In:  L'Afr.  Franc;.  Annee  24. 
No.  6.     Jnln  1914.     S.  2.57-260.     K.  —  Ti  285.  4". 


c.  Einrichtungen,    Vcrfa.ssung   u,sw.    von   Marrokko    bis   zur   Begründung    des    fraii- 
zösi.schcn   Protektorats  (I  S.  42  ff.). 

A'^gl.  De  II  3  Ruiz.   —   Vgl.  l,b  i  c.   —  Vgl.  Sb  3  c  Maire.   —  A''erwaltung    usw.  des  französischen  und 

spanischen  Protektorats  s.  Ld. 

Einkünfte  (Monopole,  Steuern,  Zölle). 
Vgl.  Lb  2c  Michaux-Bellaiie. 

—  Abd  es  .SC  lein,  L'organisation  financicre  de  l'enipire  marocain.     Paris  1911. 

Nc  5100. 

—  Xavier  Lecurcul,  Hit^torique  des  douanes  au  Maroc.     Li:  Arch.  Mar.     Vol.  15. 
fasc.  1.     Paris  1909.     S.  33-54.  =  Nc  2805. 

—  P.  Paquignon,   Le  Monopole  du  tabac   au  Maroc.     In:    \Ig\  .  du  Monde  Mus. 
Vol.  13.     No.  3.     Mars  1911.     S.  494-508.  r=  Bb  875. 

Heerwesen  und  Verwandtes.  —  Rogalla  v.  Bieberstein,  Die  inaroklcanische  Armee. 
In:  111.  Zeitung.     Nr.  3114.     Bd.  120.     Leipz.  5.  März  1903.     S.  335-341. 

y  1054.  2». 

—  K[arovv],  C[apitain],  Die  nunukkanische  Flotte.     In:  Hamburger  Correspondent. 
Nr.  335.     4.  Juli   1905.  y  1196.  4°. 

—  Jose  Alvarez  Cabrcra.    La    ('aballeri'a  Marroqui.     In:   Marruecos  .  .  .     Ano  2. 
Num.  9.     1909.     S.  1-11.  =  Nc  3275. 

—  Ricardo  Ruiz,  El  Ejercito  Marroqui:    La  Guardia    Negra.      In:    Marruecos  .  .  . 
Ano  2.     Num.  13.     1909.     S.  109-115.  =  Nc  327.5. 

PosL —  I'^d.  Michaux-Bellaire,  Une  tentative  d'organisation  postale  niarocaine. 
In:  Rev.  du  Monde  Mus.    Vol.  15.     No.  7.  8.     Juillet-Aout  1911.     S.  90_96. 

=  Bb  875. 

11* 


150  Kampffmeveh:    Marokko-Literatur.    II,    Nr  II  F  4— Ob. 

Sklaverei.  —  Kd.  Micliaux-Bellaiie,  L'esclavage  au  Maror.  In :  Ui*\.  du  Monde 
Mus.     V(.l.  II.     Nos.  7-8.     JuiUet-Aout  1910.     S.  422— 427.  —  Bh  875. 

Verwaltung,  Hof.  —  L'Aministratioii  au  Maroc.  —  Le  Makhzeu,  ctendue  et  llmite.s 
de  son  pouvoir.  Par  H.  Gaillard  et  Ed.  Michaux-Bellaire.  Tanger  1909. 
Aus:  Congres  de  rAfrique  du  Nord.     1908.  y  1220. 

[Stein führer.]  Die  Staatsverfassungen  des  Erdballs.  III.  Afrika.  155.  Ma- 
rokko.    Charlottenbg.  1909.  y  954.  4". 

4.  Maiükkofrage  (1  S.  44). 

Vgl.  die  Bemerkung  1  S.  44.  Die  Saninilurg  ist  weiter  erlieblieh  vcrnielirt  Dabei  außer  reiihster 
läfcratur  aus  Zeitschriften  und  Zeitungen  auch  sclbstSiidige  Sclirilten,  so:  1.  Deutsclie  Literatur:  Krieg 
mit  Frankreich?  [1905?]  Nc  5600.  —  Gust.  DIerckS,  Hlnrokkofrage  1906.  Nc  5620.  —  Kurt  EiSner, 
Sultan  des  Weltkrieges.  1906.  Nc  5625.  —  Albr.  WIrth,  Jlarokko.  1908.  Nc  5640.  —  Otto  LIman, 
Krieg  wegen  Mar.?  [1908.]  Nc  5650.  —  G.  Kampffmeyer,  Irreleitung.  1910.  Nc  5665,  —  A.  Fischer, 
mar.  Berggesetz.  1910.  Nc  5667.  —  G.  Kampftmeyer,  Schlußwort.  1911.  Nc  5669.  —  Hajis  A.  Osman, 
Fall  Jlanncsmann.  [1910.]  Nc  5673.  —  Ders. .  ^lannesniannrechte  (1910).  Nc  5674.  —  Hans  Weh- 
berg, Ansprüche  iMannesmann.  1910.  Nc  5677.  —  Iliinrich  Class,  West-Marokko  deutsch!  1911. 
Nc  5685.  —  Albr.  WIrth,  Entscheidung  über  Marokko.  1911.  Nc  5C92.  —  2.  Französische  Literatur: 
•lean  Hess,  La  riuestion  du  Maroc.  190.3.  Nc  6100.  —  Caniille  Fidel,  L'Opinion  allemande.  1905. 
Nc  6120.  —  de  Torcy,  L'Esp.ngne  et  la  France.  1911.  Nc  6140  (Vgl.  Nc  4G03)  —  Charles  Maurras, 
Kiel  et  Tajiger  1895—1905.  Kd.  4.  1910.  Nc  6150.  —  de  Castellane,  Maroc  1904—1908.  Nouv.  ed. 
1911.  Nc  6160.  —  John  Grand-Carteret,  Francc-Allemagne-Mamc  (97  caricatures).  1911.  Nc  6170.  — 
'A.  Spanische  Literatur:  intereses  de  Esjiaüa  en  Blarruceos  1884.  Nc  6600.  —  Manuel  Maria  de  Arrlola, 
La  acciön  de  Kspafia.  1897.  Nc  6640.  —  Manuel  de  Luque  y  Fedcrico  PIta,  Estudio.  1902. 
Xc  6C80.  —  Gabriel  Maura  Gamazo,  La  cuestiön  de  Mar.  desde  el  punto  de  vista  cspanol.  1905. 
Nc  6710.  —  Dass. ,  franz.  von  Henri  Blanchard  de  Fargos.  1911.  Nc  671.5.  —  Gonzalo  de  Reparaz, 
Politica  de  F^spaüa  en  Africa.  1907.  Nc  6730.  —  4.  Englische  und  sonstige  Liler.itur:  Charles  Rosher, 
Light  for  John   Bull  on    the  Moroccan    question.     1911.     Nc  7000.    —  Vico    Mantegazza.    II    Marocco 

e  TEuropa.     1906.     Nc  7090. 


Ne  Biographisches  (I  S.  45). 

El  Padre  Jose  [Lerchundij.     Recuerdos  de  la  vida  y  obras  de  un  fraile  franciscano. 

Madrid  1896.  Ne  225. 

A.  L[e]  C[hat6lierl.   rj.  Salmon,  chef  de  mission.  In:  Arch.  M;u'.     V\)i.  7.     1901». 

S.  463-473.  Ne  360. 
Biografla  del  doctor  Francisco  Javier  Simonet  .  .  .  escrito  por  su  Hisclpulo  Antonio 

Alinagro  y  Cärdenas.     Granada  1904.  Ne  365. 


0.  Erd-  und  Länderkunde. 

Ob  II.   Mittelmeerländer:  Allgemeiner  Teil  (1  S.  47.). 

Ali  Bey's  el  Abassi    Reisen   in  Afrika   und   Asien    in    den  .Jahren    1803 — 18"7  .  .  . 

Abt.  1  .  .  .  2  .  .  .     AVeimar  1816.  Ob  505. 

Jerez  Perchet,  Augusto,  Impresiones  de  viaje.     Andalucia.  —  El  Riff.  —   Valencia. 

—  Mallorca.     Malaga  [1870].  Ob  824. 

III.    Afrika. 
A.   Allgemeines. 

Les  explorations  espagnoles  en  Afrique.     In:  Rens.  Col.  1913.     Nr.  10.    S.  370  f. 

^  Ti  285.  4". 

■  (iuin^e  e.ipagnol«.  —   Le  Maroc  «t  le  Nord-Ouest  .it'ricaiu. 


Kasipffmeter  :   Marokko-Literatur    II.   Ob  HI  B  6  151 

Les  trois  voyages  de  Mungo-Park  au  Maroc  et  dans  rintcrieur  de  l'Afrique  <I787 
— 1801)  racontes  par  lui-niime.  Paris  [1910].  =  Bibliothcque  d'aventures  et  de 
royages.  Ob  1985. 

Ueise  in  Marokko  (1789)  von  Tanger  an  der  Küste  nach  Mogador,  Agadir.  dann  Tarudaiit 
Marrakesch. 

B.    Nordafiika.     2.    Mehrere  Gebiete  des  Magrib  (I  S.  49f.). 

Vgl.  De  4463. 

Bernard,  Augustin,  L'Afrique  du  Nord.  Legon  d'ouverture  faite  ;i  la  facultc  des 
lettres   le   9  janvier  1903.     Par.  1903.     Aus:    Rev.  de  gcogr.  y  1061. 

Geographie  Pittorcsque  et  Monumentale  des  Colonies  Fraiigaises.  Paris  o. .].  —  24.Fa.s- 
cicule:  Algerie.  128  S.  111.  —  25.  Fascirule:  Tunisie.  111  S.  129-17G.  — 
26.  Fascicule:  Maroc.    111.    S.  177-224.  Ob  2368.  4". 

Rouard  de  Card,  E.,  Livres  Iran^ais  des  XVII  e  et  XVIII  e  siccles  concernant  les 
Etats  barbaresques  Regences  d'Alger,  de  Tunis,  de  Tripoli,  et  enipire  de  Maroc. 
Paris  1911.  y  1502. 

6.    Marokko. 


a.  Allgemeines, 
aa.    Bibliographie  (1  S.  51). 

Vgl.  unmittelbar  hierbevor  Rouard  de  Card,  y  1502. 

Hidalgo  y  Rodrtguez,  Francisco  L  .  Plan  de  uiia  serie  de  publicaciones  relativas  ü  Mar- 
ruecos.     In:  Actas  y  meiiiorins  del  Prinier  Congreso  Espafiol  ...  Granada  1894. 

=  Te  553. 
bb.    Darstellungen  (I  S.  52  f.). 

Vgl.  Theob  Fischer,  Marokko.     Eine  landeskundliche  Skizze.     Geogr.  Zeitsclir.  IX,  1903,  65 — 79. 

Alermon  y  Dorregulz,  Descripcion  del  imperio  de  Marruecos  en  que  se  trata  princi- 
palmente  de  las  instituciones,  usos,  costumbres,  etc.,  de  sus  habitantes  y  de  h 
topografia  del  pais.     Ed.  2.     Madrid  1859.  Ob.  4508. 

Beaumler,  A.,  Description  sommaire  du  Maroc.     Par.  1868.  Ob  4524. 

Bernard,  Augustin,  Le  Maroc.    Avec  cinq  cartes  hors  texte.    Paris  1913.    Ob  4527. 

Brives,  A.,  Considerations  geograpliiques  sur  le  Maroc  occidental.  Aus:  Bull,  de 
la  Soc.  de  Geogr.  d'Alger  et  de  l'Afr.  du  Nord.    (2e  Trimcstre  1902.)     y  1495. 

Ganniers,  Arthur  de,  Le  Maroc.  =:  Bibliotheque  illustree  des  voyages  autour  du 
monde  ...     No.  30.     Par.  o.  J.     111.  y  977. 

Auszug    ans    dem    Werk    Ob  4620    (I  S.  52).      Mit   einer    \o  rede     (»Les     etudes    sur    le 
Maroc«)  von  Charles  Simond. 

Genjaux,  Charles,  Le  Maroc.  =  Figaro  Illustre.  Annee  29.  No.  240.  Mars  1910. 
Paris.      80  ausgezeichnet  lehrreiche  Abbildungen.  Oh   461.3.   1". 

Gentll,  Louis,  Le  Maroc  physique.     Avec  cartes  dans  le  texte.     [Paris]  1912. 

Ob  4624. 

Graberg  von  Hemsö,  J.,    Das  Sultanat  Mogh'rib-ul-Aksä   oder   Kaiserreich  Marokko. 

In  Bezug  auf  Landes-,  Volks-  und  Staats-Kunde  beschrieben  .  .  .     Stuttgart  und 

Tübingen  1833.  Ob.  4(333. 

Jeannot,  Gu.stave,  Etüde  sociale,  politique  et  econoniique  sur  le  Maroc.    Dijon  1907. 

Ob  4664.  4". 

Geographie,  Histoire,  Milieu  mnrocain,  Organisation  politique,  Geographie  economique. 

Johnston,  R.  L.  N.,  Morocco:    The  land  of  the  setting  sun.     London  1902.    111. 

Ob  4674  =  T.  2, 


152  Kampftmeyeh:    Marokko-Literatur.   II,   Oh  HIB  6,  a. 

Kampffmeyer,   Georg.   Marokko.      Halle   a.  S.  1903  =r   Angewandte   Geographie  ... 

S.iie   1.     Heft  7  .><.  Ob  4G80. 

—  Die  Grundlagen  der  Marokkofrage.    Aus:  Zeitschrift  C.  Politik.     Hd.  S.    Heft  3/4. 

Berlin  1015.     S.  207- 3S0.  '       y. 

Ladreit  de  Lacharrlire,   J..   Dans   le   snd   et  l'ouest  du  Maroc.     Mission  Ladreit  de 

Lacharriere.     Hapjjort  au  Comitö  du  Maroc.    In:  Kens.  Col.    Annee  1012.    Nr.  2 

bis  4.     S.  20— 47.  111-114.  1.54-173.     111.     KK.  =  Ti  285.  4°. 

Uuch-Altas,  Süs,  Marrakcsch,  Schaui.'i. 

La  Martiniere,  H.-M.-P.  de,  Notice  sur  le  Maroc.  Par.  1807.  K.  III.  Aus:  La 
Grande  Encyclopedie.     T.  23.  Ob  472U. 

Am   .Soliliiß  eine  Ribliogrni>liie. 

Machat,  J.,  La  gcographie  physique  du  Maroc.  In:  Revue  generale  des  Sciences 
pures  et  appli(|uees.  Annee  14.  No.  1.  15  janvier  1903.  Paris.  S.  12—28. 
111.     KK.  y  1171.  4°. 

Ovila  y  Canales.  Felii)c.  Kstado  actual  de  Marruecos.  Conferencia  dada  en  el  Atenes 
de  Madrid  el  17  de  abril  de  18i<8.     Madrid  1888.  Ob  4777. 

Valdes,  Salvador,  Apuntes  sobre  el  iniperio  de  Marruecos.    Madrid  18.'j0.        Ob  4892. 

Ward.  H.  J.  B,  Mysteiious  Morocco  and  how  to  appreciate  it.  London  o.  .1.  [1910.] 
111.     K.  Ob  4912. 

Weisgerber,  F..  Voyage  de  reconnaissance  au  Maroc.  Partie  1.  Orograpliie,  Hydro- 
graphie, Geologie.  Partie  2.  Cliniat,  Flora,  Faune,  Population.  In:  Kev.  gen.  des 
Sciences  pures  et  appl.  Annee  14.  No.  8.  9.  30  avril.  15  mai  1903.  Par. 
S.  43.i— 4.50.  .509-519.     111.     KK.  y  1002.  4". 

cc.    Vermischtes  (I  S.  53). 

Aycart  y  Lopez,  Lorenzo,  Badia,  Murga,  Jaudcnes.  Sintesis  de  los  trahajos  reali- 
zados  en  Marruecos,  en  el  präsente  .siglo,  por  los  exploradores  espanoles.  Dis- 
curso  . .  .  Madrid  1888.  Ob  5016. 

Cabrera,  Jose  Alvarez,  Sistema  Orogräliro  de  Marruecos  en  sus  relaciones  niilitares. 
In:  Marruecos  ...  Ano  1.     Nuni.  G.     S.  11—17.     l.X>8.  =  Nc  3275. 

Caix,  Robert  de,  La  Population  du  Maroc.  In:  LAfr.  Fr.  Anm'e  23.  No.  5.  Mai 
1913,    S.  179-182.  =  Ti  285.  4«. 

Erg.inzung  zu  Larras  (s.  unten),     (»esamtbcvölkcrung  um  .3  Millionen. 

Emliy,  Sliareefii  of  Wazan,  My  life  story.  Edited  for  Mnie.  de  Wazan  by  S.  L. 
Bensusan.  With  a  preface  by  R.  B.  Cunninghanie  Graham.  London 
1911.     III.  '  Ob  5090. 

—  —  Reynolde  Ladreit  de  Lacharriere,  Les  Souvenirs  de  la  cherifa  d'Ouezzan. 
Li:L'Afr.  Fr.     Annee  22.     No.  4.     Avril  1912.     S.  158— L59.       —  Ti  285.  4". 

Fischer,  Aug.,  Land  und  Leute  von  Marokko.  (Vortrag;.)  Aus:  Mitt.  des  Vereins 
für  Erdkunde  zu  Leipzig.     1907,  S.  21— 24.  y  1197. 

In  Marokko.  [Nach  einem  Bericht  von  Steven  in  -The  Bible  of  the  World-.]  In: 
Bibelblätter  1012.  Nr.  1.  S.  5  — 8.  Beilage  zu:  Evangelisches  Missions  Magazin. 
Neue  Folge.    56.     1912.  =  Je  725. 

Larras,  N.,  La  population  du  Maroc.  In:  La  Gcogr.  XIII.  No.  5.  Annee  1906. 
15  mai.     Par.     S.  337— 349.     K.  y  996.  4». 

Marenca,  Servando.  Errores  Geogräficos.  In:  Marruecos  ...  Amo  1.  Num.  1.  1908. 
.S.  9-15.  =  Nc  3275. 


Kampffmeyer:    Marokko-Literatur.    II.    Ob  III  B  (i,  b.  lo'ü 

Le  Maroc    ä    lexposition    universelle   de   Gand.     In:   L'ACi:  Fr.     Aniice  23.   No.  6. 

.Tuin  1913.     S.  230—234.     III.  ~  Ti  285.  4». 

Mauran.  Le  Maroc  d'aujourdluii  et  do  deniaiii.    Rabat.    Etudes  Sociales.    Paris  1909. 

Ob.  5222. 
Melila,   Jose,   Le    Maroc   inconiiu.     In:    La    Revue.      Annce    15.     Vol.  52.      No.  20. 

15  Oct.     Ser.  4.     1004.     Par.     S.  481—589.  y  998. 

AUgenieinlieiten:  einiges  Besoiulere  über  die  Juden  in  Tetuaii  und  .sonst  in  Marokko. 

Palmgren,  Bilder  aus  Marokko.     In:  Kolonie  und  Heimat.    Jahrg.  4.    Nr.  46.    1911. 

S.  6-8.     lil  y  1436.  4°. 

Schnell,  P.,  Das  uiar()kkaniscl\e  Atlasgebirge.  Quellenmäßig  dargestellt .  . .  Gotha  1892. 

=:  Petermanns  Mitteil.     Ergänzungsheft  Nr.  IdB.     K.  =  Oa  2052.  4°. 

—  L'Atlas  marocaln  d'apres   les   docoments  originaux  par  Paul  Schnell  ...  Tra- 

duit  .  .  .  par  Augustiii  Bernard.     Paris  1898.  =:  Publications  de  l'Ec.  des  lettres 

d'Alger  [XXI].  =  Bb  1083. 

Walter,  Hermann,  Das  Deutschtum  in  Marokko.    In:  Tägl.  Kundschau.    1911.   Nr.  124. 

171.  173.  179.  183.     1913.     Nr.  82.  83.  84.     Vgl.  unten  S.  156.  y  1661.  4°. 

b.   Reisen  (I  S.  53  ff.). 
[1666]  Verhaal  van    een    Reyse,    Door   Roland   Fr  ejus.     Van  de  Stadt   Marsili  uyt 
last   van    den   Koning  van  Vrankryk    aan   Mouley  Arciiy  .  .  .     Gravenhagc  1698. 
An:  St.  Olon,  Beschryving  van  het  Keyserryk  \an  Marokko.    III.  KK.    Ob  5560. 
Playfair-Biown  Nr.  248. 

[1682.  1693]  G.  Bon  et- Mau  ry,  Deux  Ambassades  Frangaises  au  Maroc  sou=i 
Louis  XIV  (1681—1693).  In:  Rev.  bleue.  No.  17.  Ser.  5.  T.  5.  28  avr. 
1906.     Par.     S.  517—20.  y  982.  4". 

1682  Saint  Amans,  1693  Pidoii  de  Saint-Okm. 

[1693]  St.  Olon,    1698  (1  S.  54  Ob  5592)  auch  als  erstes  Stück  in  Ob  5560,  .s.  oben. 

—  Vgl.  '.u  1682. 
[1789]  Mungo -Park  s.  Ob  19.S5. 
[Um  1789]  N.  Slousch,  Le  Maroc  au  dix-huitieme  siecle.    Memoires  d'un  conteui- 

porain.     In:   Rev.  du  Monde  Mus.    Vol.  9.    No.  11.  12.    Nov.,  Dec.  1909.    Par. 

S.  452-466.  643-664. 

Aus  dem  Bericht  (Massa  Ba'arali)  des  Samuel  Aaron  R  o  m  a n  e  1 1  i ,  vgl.  Playfair-Brown  17:13. 
[1790  —  1791]  A  tour  from  Gibraltar  to  Tangier,  Sallee,  Mogodore,  Santa  Cruz,  Taru- 

dant;   and   thence  ovei-  Mount  Atlas  to  Morocco  ...     By  William  Lempriere. 

London  1791.     K.  Ob  5687. 

[1861]  Rohlfs,  Reise  nach  Wazzän  s.  I  S.  05  unter  Wazzan. 
[1863]  Relacion  del  viaje  a  la  ciudad  de  Marruecos  que  por  disposicion  del   excmo. 

Sr.  D.  Manuel  Pando,  Marques  de  Miraflores  .  .  .  verificö  en  el  mes  de  mayo  de 

1863  Franci-sco  Merry  y  Colom.     Madrid  1864.  Ob  5793. 

[1880]   Wanderungen    durch    Marokko.      Von   Jakob   Schaudt.      In:    Zeitschr.  der 

Ges.  für  Erdk.  zu  Berl.  ...     Bd.  18.     1883.     S.  290-304.  393-411.     KK. 

=  Oa  1845.  40. 

[1882?]  Observaciones  de  un  viaje  por  Marruecos.  Conferencia  . .  .  por  Eniilio  Boneil i 
Hernaudo.     Madrid  1883.     piayfair-Brown  Nr.  1.524.  Ob  5892. 

[1885]  Les  «chemins  des  ambassades«  de  Tanger  ä  Fa.s  et  Meknäs  en  1885  par 
Henri  Duveyrier.  Aus:  Bull,  de  la  Soc.  de  Gi'ogr.  Ser.  7.  T.  7.  Trim.  3. 
1886.     S.  344-363.  y  1^75. 


154  KAMPrrMZTiB:    Marokko -Literatur.   11.   ObDIBö,  b 

[1890]  (W.  Beckmann.]  Eine  deutsche  Gesandtschaftsreise  in  Marokko.  [I— XI] 
XllI  (Schluß).     Aus:    Köln.  Zeitung.     1890.     20.  April-6.  Juli.        y  1135.  4°. 

—  Zum  Sultan  von  Marokko.  Reise  der  kaiserlich  deutschen  Gesandtschaft  nach  Fez. 
Von  W.  Beckmann.  [I]  II.  .\ns:  Frankf.  Zeitung.  25.4.1890  und  23.5. 
1890.  y  113t).  40. 

—  Eine  Gesandtschafitsreise  nach  Marokko.  Von  Wilhelm  Beckmann.  II.  III 
(Schluß).     Aus:  Über  Land  u.  Meer.     1890.     No.  46  u.  47.    111.        y  1138.  4*>. 

—  Bilder  aus  Marokko.  Von  Wilhelm  Beckmann.  II.  Aus:  Der  Zeitgeist. 
1890.      I  in  Nr.  ly  .les  Zeitgeist.  y    1137.   4». 

[1897—981  I"  Moorish  Captivity.  Am  account  of  the  -Tourmaline-  Expedition  to 
Bus,  1897—98.     By  Henry  M.  Grey.     London  1899.     III.  Ob  ü030. 

[1900]  A.  de  B.,  Au  Maroc.  De  Tanger  ä  Marrakech.  Journal  de  voyage.  In:  Rev. 
bleue.  No.  21.  22.  23.  Serie  4.  T.  13.  26  mai,  2.  9  juin  1900.  S.  641-647. 
677—683.  717—721.  y  982.  4°. 

nllnc  grande  puissance  ayant  cree  un  poste  diplomatique  au  Maroc  son  premier  repre- 
sentant,  mon  mari,  dut  se  rendre  ä  la  cour  cherificnne  . . .«     Landreise  von  Mazagen  aus. 

[August  1900?]  Excursion  au  Maroc  ...  par  Albert  Maeterlinck.  In:  Bull,  de 
la  Soc.  Koy.  de  Gcogr.  d'Anvers.  T.  24.  fasc.  1.  Annees  24  et  25.  1900. 
Anvers.     S.  55—82.  y  1021. 

Dampferfahrt  längs  der  Westküste  mit  Besuch  der  verschiedenen  Städte  von  Tanger  ab 
.■Vm  Schluß:  Justice  indigene,  justiee  juive  und  justice  consulaire.  Der  Verf.  ist 
.\dvokat. 

[1901]  Reisebriefe  aus  Marokko.  Von  G.  Kampf fmey  er.  I — XIII.  Aus:  Vossische 
Zeitiuig.  1901.  Xr.  13.i.  165.  167.  2u3.  209.  217.  233.  249.  251.  253.  255. 
2.57.  259.  y  1371.  4o. 

[Oct.  1900— März  1901]  A  special  mission  to  Morocco.  By  E.  Montet.  In:  The 
Imper.  and.  As.  Quarterly  Review  . .  .  Third  series.  Oct.  1901.  Vol.  12.  Nr.  24. 
Woking.    S.  306-329.  y  967. 

(Landweg)  Tanger  —  Larasch  —  Rabat  —  Casabl. — Azemniur — Mazagan — Marrakescli  — Amiz- 
miz— Kasba  Mzuda — Iraintanut — Tiggi  —  Dar  Uld     Emflüs — !Mogador. 

[Januar  1901]  Edouard  Montet,  Dans  Tintcrieur  du  Maroc.    De  Mogador  ä  Mazagan 

par  Safi  et  Oualidya  ...     In:  La  Revue.    Annee  16.    Vol.  55.     No.  8.     15  avr. 

Serie  4.     19U5.    Par.    S.  516—528.  y  998. 

[Frühjahr  1902]  Excursion  ä  Fes  et  ä  Mekncs.    Par  R.  de  Flotte  de  Roquevaire. 

In:  Bull,  de  la  soc.  de  gcogr.  commerc.  de  Par.     T.  24.     1902.     No.  5.  6.  7.  8.  9. 

Par.    S.  295-310.  Ob  6190. 

[1903]  Zabel,  s.  I  S.  79  und  unten  S.  165. 
[1904—1905]   Marquis    de  Segonzac,    Au    Coeur    de   l'AtlaS.     Mission   au  Maroc 

1904—1905.     Paris  1910.  Ob  6240.  4°. 

—  Mission  de  Segonzac.  Dans  le  Bled  es  Siba.  Explorations  au  Maroc.  Par 
Louis  Gentil.  Ouvrage  public  sous  le  patronage  du  Comite  du  Maroc.    Paris  1906. 

Ob  6242.  4". 

Robert   de  Caix,  Au   cn'ur   de  l'Atlas.     In:  L'Afr.  Fr.     Aniice  20.     No.  6. 

Juin  1910.    S.  200—208.  =  Ti  285.  4°. 

Ans  obigem  Werk. 
[1905]  Marokkanische  Reisebilder  von  L.  Bassenge.    In:  Mediz.  Klinik  ..  .    Jahrg.  2. 
Nr.  16.  17,  vom  22.  und  29.  Apr.  1900.    Berl.  y  626.  4°. 

Tangcr-Fes. 

—  Bruno  Richter,  Bilder  aus  Marokko.  Eine  Reise  nach  Fes.  In:  Kolonie  und 
Heimat.     Jahrg.  4.     Nr.  44.     1911.     S.  7—9.     111.  y  1436.  4o. 


Kampffmeter:   Marokko-Literatur.    II    ObHIBö,  c  155 

[1907—1908]  Ed.  Michaux-Bellaire,  Itineraire  de  Moulay  'Abd  el-Hattd,  de 
Marrakech  ä  Fes  en  1907—1908.  In:  Rev.  du  Monde  Mus  .  vol.  22.  Mars  1913. 
S.  270—274.  =  Bb  875, 

[1908]  H.  Handke,    Von  Tanger  nach  Fes.     In:    Dresdner  Anzeiger.     Jalirg.  179. 

Nr.  281.  282.  288.     1€.  11.  17.  Oktober  1908.  y  1393.  4°. 

[1909]  Nach  Fes.     1.— 6.     Von  L.  Karo w.     In:  Voss.  Zeitung.     Nr.  359.  361.  36:}. 

365.  375.  .379.     4.  5.  6.  7.  13.  15.  Aug.  1909.     Berl.  y  952.  4". 

[1910 — I9IIJ  Marquis  de  Segonzac,  Le  long  des  pistes  nioghrebines.    In:  L'Afr.  Fr. 

Annee  23.    No.  6.     Juin  1913.     S.  213—216.  =  Ti  285.  4°. 

Vorrede  zu  dem  Buch  von  Mme  Ladreit  de  Lacharricre. 

[1911]  Marokko.  Wirtschaftliche  und  soziale  Studien  in  Maiokko  1911.  Von  Alexan- 
der K  reut  er.     Berlin  1911.     111.  Ob  6270. 

[1912— 1913]  Les  Voyages  du  chcrif  Tidjani  de  Fez  ä  la  MoulouTa.  In:  Rens.  Col. 
1914.    No.  5.    S.  196—200.     1914.  =r  Ti  285.  4°. 

[1913]  Albert  Navarre,  Un  voyage  au  Maroc.     Paris.     Ch.  Delagrave  [1913]. 

Ob  6280. 

e.   Besondere  Gebiete. 
Der  Norden  (I  S.  60ff.). 
Artbauer,  Otto  C,  Das  Rif  und  seine  Bewohner.    In:  Urania  . .  .    Jahrg.  2.    Nr.  32. 
7.  August  1909.     Wien.     S.  501-505,     111.  y  1179.  4o. 

—1  Die  Berber  in  den  Bergen  des  Rif.  In :  Deutsche  Rundschau  f.  Geogr.  u  Sta- 
tistik.    Jahrg.  32.     Heft  2.     November  1909.     Wien.     S.  55-69.     111.     y  1178. 

—  Die  Rifpiraten  und  ihre  Heimat.  Erste  Kunde  aus  verschlossener  Welt.  Stutt- 
gart 1911.    111.  KK.  Ob  8259. 

Attanoux,  J.  Bernard  d',  Au  Maroc.     Les  pirates  du  RifF.     In:  Questions  Diplom. 

et  Colon.  .  .  .     Annee  1.     No.  19.     1  dec.  1897.  ^  Par.     S.  543-46.  y  995. 

Un  prisionero  en  el  RifF.     Memorias  del  a3Tidante  Alvarez  por  Manuel  Juan  Diana. 

Obra  geogräfica,   descriptiva,    de   costunibres,   y  con  un  vocabulario  del  diaiccto 

rlffeno.     Tercera  edicion.     Madrid  1860.     Pl.-Br.     No.  815.  Ob  8269. 

Moulieras,  Auguste,  Le  Maroc  inconnu  .  .  .     Partie  1.     Exploration  du  Rif  (Maroc 

Septentrional)  .  .  .     Partie  2.     Exploration  des  Djebala  (Maroc  Septentrional)  . . . 

Paris  1895.   1899.     KK.  Ob  8273. 

Rabes,  Max,  Von  Tanger  nach  Oran.  In :  Hamburger  Correspondent.  28.  April  1906. 

y  1195.  40. 

Reynaud,  Une  famille,  un  village,  un  marche  dans  le  Rif.  Paris  1910.     =  Biblio- 

theque  du  Musee  social.  y  1-190. 

Rittwagen,  Guillermo,  Argelia  y  Marruecos.  In:  Cosmopolita.     Aüo  2.     Nüm.  5. 

Abril  1904.     Madrid.     III.  7  1360. 

Küsten(ahrt  im  Norden  mit  dem  Turti  (Kai>.  Karow)  bis  Adscherud. 

Tanger  und  Umgegend. 

—  Die  deutschen  H  a  f  e  n  b  a  u  t  e  n  in  Tanger.  In :  Illustr.  Zeitung.  Leipzig.  Nr.  3349. 
5.  Sept.  1907.    8.390-396.  y  1207.  2». 

—  Michaux-Bellaire,  Ed.,  Docunients  relatifs  au  territoire  du  Fahg.  In:  Rev. 
du  Monde  Mus.     Vol.  14.     No.  6.     Jum  1911.     S.  514— 524.  =  Bb  875. 

—  Muro,  Angel,  Ocho  dias  en  Tanger.  Lnpresiones  de  un  viaje  agradable  y 
corto  de  cuatro  buenos  amigos,  sin  equipaje  .  .  .  [Folgt  auf  dem  Titel  Spezial- 
rechnung  über    die  Reisekosten.]     Madrid  1891.     Pl.-Br.     No.  2025.     Ob  8365- 


15t)  Kampffmkyer:    Marokko-Literatur.    11.    Ob  III  B  G.  r. 

Tanger  und  Urrgegend  (Fortsetzung). 

l.r  iiit'ilc  de  'raiigfi-  .sous  rocnipatioii  aiiglaisi-  (1001-1(584).   'J'iad.  par  A.  Pcreti  c. 
In:  Uev.  du  Monde  Mus.     Vol.  13.     No.  3.     Maivs  1911.     S.  532— 549.     DI, 

=  Bb  875. 

—  l{ondo.s,  Eugenio.  Kl  Aba.steciiiiuinto  de  Aguas  a  Taiigei.  In:  Marruecos  .  .  . 
Ano  1.     Num. -2.  4.     19u8.     S.  14  -  20.  1« -21.  =r  Nc  327.''). 

—  —  Las  cantera.s  de  Tanger.  In :  Marruecos  .  .  .  Afio  2.  Num.  24.  1909. 
S.  433-438.  =  Nc  327.J. 

—  Rober -Raynaud.  Lettre  de  Tanger.  In:  L'Afr.  Fr.  Annöe  24.  No.  4.  Avril 
1914.    S.  174— 17G.  =  Ti  28.5.  4". 

-  Ruiz,  Ricardo.  La  kabila  de  Kl-Falis.  Madrid  1907.  .Vus:  Boletin  de  la  Real 
Sociedad  Geogräfica.  }'  1192. 

—  —  La  kabila  de  Anyra  (Del  libro  en  prcparaciön:  Desde  el  Muluya  al  Sebi'i). 
Madrid  1908.     Aus:  Boletin  de  la  Real  Sociedad  Geogräfica.  y  1193. 

—  —  Vandalismo.     In:  Marruecos  ...     Ano  1.     Num.  7.     1908.     S.  14— 18. 

=  Nc  3275. 

—  Walter.  Hermann,  Das  Deutschtum  in  Tanger.  In:  Die  AVoche.  Jahrg.  13. 
Nr.  26.     Berl.  1.  Juli  1911.     S.  1095— Ui99.     111.  y  1422.  4". 

—  Ansichten.  Tanger  dalla  parte  di  Greco  .  .  .  [Angeblich  von  dem  vene- 
zianischen Cosniographen  Coronelli.J     o.  0.  u.  J.  1279  in  Mappe  III. 

—  Karten  und  Pläne.  Piano  di  Tanger  situato  nel  str[ettoJ  di  Gibraltar.  [An- 
geblich von  Coronelli.]    o.  0.  u.  J.  1280  in  Mappe  111. 

BouBeck'r,  La  baie  de  Tanger.    In:  Rens.  Col.  1918.    Nr.  3.    S.  107.    1913. 

=  Ti  285.  4°. 

—  —  Tanger  et  sa  Banlieue.  Carte  levte  et  dressce  par  Mustapha  Bey  Ibra- 
h  i  m ,  Ingenieur,  Kaid  Reha  el  Mohendessine,  Ct-  du  Genie.  Echelle  ^^^  e. 
.).  O.  u.  J.  T.  38  in  Mappe  II. 


Ceuta. 


—  Relosillas,  Juan  J.,  Catorce  meses  en  Cöuta.  Narraciones  que  interesan  ä 
todo  el  mundo.     Malaga  1886.  Ob  8780. 

Melilla. 

—  Cabrera,  Jose  Alvarez,  Desde  Melilla  ä  Seluän.  (Forisetzung  unter  dem 
Titel:  .Seluän  al  Muluya.«)  In:  Marruecos  ..  .  Ano  2.  Num.  23.  24.  1909. 
S.  401-410.    421-427.  —  Nc  3275. 

—  [Umschl. -Titel:]  Memoria  que  Manifiesta  el  etsado  y  progreso  de  las  obras 
de  mejora  del  puerto  de  Melilla  y  cuenta  de  ingresos  y  gastos  durante  el  ano 
de  1904.  Melilla  1905.  |IIaupt-Tit. :]  Memoria  referente  ä  la  situacion  de 
las  obras  y  estudios  encomendados  ä  la  Direcciön  Facultativa  de  la  Junta  de 
Obras  del  Puerto  de  Melilla.     Ano  1905.     Melilla  19ü5.     Ob  9155  =  T.  40.  4". 

—  Karten  und  Pläne.  Piano  de  la  Provincia  de  Guelaia  .  .  .  Litografia  e  Imprenta 
Jose  Gomez.     Granada  [vor  April    1910[.  1585  in  Mappe  IV. 

Port  Say  und   die  Kasbah  Saida.  *  In :  Der  Tag-     Nr.  647.     21.  Dez.  1907.     111. 

1362  in  Mappe  III. 


Kampffmkyer:    Marokko-Literatur.    II.    Ob  III  B  6,  c.  157 


Der  Westen  (I  S.  62ff.). 
Froidevaux,  Henri,  L'oeuvre  de  la  mission  liydrographique  du  Maroc.    lii :  Kens. 
Col.  Annee  1911.     No.  2.     .S.  3;3--45.  =  Ti  285.  4o. 

Wertvolle  zusamiftenfasscude  Darstellung,  mit  iiinlassender  n Bibliographie  et  Cartograpliie" 
und  einem  Plan  des  Hafens  von  Tanger. 

Arzilie.  ecn  oud  eil  .sterk  Stedeken  in  het  Koningryk  vau  Fez  aeii  de  Spaen.sche  Zee. 
Zilla  Kegionis  Elhabad.  in  Regne  Fez  exiguuni  oppiduni.  [Stahlstich.]  Amster- 
dam [17.'>2].  1543  in  klappe  III. 

Larasch  und  Hinterland. 


—  Cahrera,  Jose  Alvarez.  Notas  Geogrätieo-Militares.  Alcazar-Quibir  y  rio 
Lucci'is.     In:  Marruecos  .  .  .    Anol.     Nuni.  3.     1908.     S.  5— 11.     =  Nc  3275. 

—  Caix,  Robert  de,  Le  Gharb.  In:  L'Afr.  Frang.  Annce  24.  No.  2.  Fevr.  1914. 
S.  69-72.  —  Ti  285.  4o. 

—  Michaux-Bellaire,  Ed.,  Le  Gharb.  In:  Rcv.  du  Monde  Mus.  Vol.  16. 
No.  12.     Dec.  1911.     S.  377-416.     111.  =  Hb  875. 

—  —  Quelques  tribus  de  montagnes  de  la  region  du  Habt.  =  Arch.  Mar.  Vol.  17. 
1911.     K.  =  Nc  2865. 

Notes  .sur  le  Gharb.    In:    Rev.  du  Monde  Mus.    Tome  21.    1912.    S.  1— 40. 

=:  Bb  875. 

—  —  et  A.  Peretie,  El-Q^ar  Eg-Ceghir.  In:  Rev.  du  Monde  Mus.  Vol.  16.  No.  12. 
Dec.  1911.     S.  329-375.     111.  =  Bb  875. 

—  W[alter],  H[ermann],  Der  deutsche  Hafenbau  in  Larasch.  In:  Deutsche 
Tageszeitung  Nr.  346  v.  11.  Juli  1911.  y  1663.  4«; 

Slä-Rabät. 

■"^gl.  Ld  II  K  Normand. 

—  Salee,  eeu  vermaerde  Koopstadt,  en  roofnest,  gelegen  aen  de  Atlantische  of 
spaensche  zee.  Salla,  celebre  Africae  emporiuni,  ad  mare  Atlanticuni.  [Stahl- 
stich.] Amsterdam  [1752].  1544  in  Mappe  III. 

—  Rade  de  Rabat-Salee.  Plan  leve  en  1906  par  la  Mission  hydrographique  du  Comite 
du  Maroc  ...     1  :  250('0.     In:  Rens.  Col.  1913.    No.  1.    S.  23.     =  Ti  285.  4". 

—  Com-s  inferieur  de  l'oued  Bou  Regreg  <du  Kef  ä  la  Tour  Hassan).  Croquis 
execute  en  aoüt  1912  par  de  Carsalade  du  Pont  d'aprcs  plusieurs  itine- 
raires.     In:  Rens.  Col.  1913,  No.  1.     S.  25.  =  Ti  285.  4». 

Casablanca  und  Schäuia. 

—  (Artbauer,)  Kasablanka.  In:  Deutsche  Kolonialzeifnng.  Jahrg.  27.  Nr.  44. 
Berl.  29.  Okt.  1910.     111.  y  1352.  4°. 

—  Karow,  Leonhard,  Casablanca  und  Schauja  einst  und  jetzt.  In:  Voss.  Zeitung. 
Berlin.     21.  August  1910.  y  1318.  4°. 

—  Wirt h,  Albrecht,  In  Marokko.  In:  März.  Jahrg.  5.  Heft  25.  20.  Juni  1911. 
München.     S.  .504-509.  y  1420. 

—  Karten  und  Pläne.  Plan  de  Casablanca.  Au  5,000eme.  1912.  Dresse  par 
A.  Tardif,  Ingenieur-Geometre  charge  du  Cadastre  de  Casablanca.  Le  Proccdö 
»Groniez  &  Chevillard«   142  r.  de  Rennes.     Paris.  1649  in  Mappe  IV. 

Casablanca.     In:    Rens.  Col.  1914.     No.  2.     S.  79.  =  Ti  285.  4°. 


1 58  IvAMPFFMiTEH ;    MaTokko-Litcrator.    II.    Oh  IH  B  6,  r 

Mogador  und  Umgegend.  Rasoh,  Gustav,  Ein  Spaziergang  in  Mogador  In;  Der 
U;izar.     .laliig.  13.     Berlin.     23.  Mai  IS()7.     III.  y  1234.  4°. 

Karten  und  Pläne.  Uögion  Sud  et  Est  de  Mogador  d'aprcs  la  carte  du  Service 
cartograpliique  de  Ca.sablanca  (1  :  iSOO.OOO).  Im:  L'Afr.  Fr.  Annce  23.  No.  2. 
Fcvr.    1913.     S.  70.  —  Ti  285.  4°. 

Der  Süden  (I  S.  ö4). 
Jinienez   de   la  Espada,    .Marcos,  Espana  en  Berben'a.     /Boletin  de  la  Sociedad 
Geogräfica  de  Madrid.)     Madrid   I8«0.  Oh  I(iS.-)0. 

Zur  Frage  von  Santa  Cniz  de  Mar-pe<iueflo. 

Michaux-Bellaire,  Ed.,  Santa  Cruz  de  Mar  Pequena  et  le  Port  d'Asaka.  In: 
Rev.  du  Monde  Mus.   Vol.  15.    No.  9.    Septemhre  1911.    S.  209--226.    —  Bb  87.5. 

Rouire,  Les  Anglais  au  sud  du  Maror.  In:  Rev.  bleue.  No.  11.  Sör.  4.  T.  I. 
17  mars   1891.     Par.     S.  332-335.  y  982.  4". 

Kaj»  Juby  lui'l  Sägiet  cl-liamr.i. 

Carte  du  Sahara  occidental  entrc  L'Oued  Saoura,  L'Atlantique  et  La  Mauritanie, 
dresse  epar  .  .  .  Bernard.  Tanger:  Iinprinierie  Marocaine,  o.  J.  Carte  cditee 
par  le  Coinite  du  Maroc.  1705  in  Mappe  IV. 

Agadjr. 

—  Agadir  und  sein  Hinterland.  In:  Straßburger  Po.st.  5.  Juli  1911.  Nr.  768. 
Straßburg  i.  E.     K.  y  1517.  4". 

—  Singer,  II.,  Üas  südwestliche  Marokko.  Im  Hinterland  von  Agadir.  In:  Straß- 
burger Post.     13.  Juli  1911.  y  1517.  4°. 

—  Karten  und  Pläne.  Agadir.  In:  L'Afr.  Fr.  Annee  22.  No.  1.  Janv.  1912. 
S.  47.  =  Ti  285.     4». 

Der  Osten  und  Südosten  (I  S.  64f.). 
Bernard,  Augustin,  Les  confins  algero-marocains  ...     Paris   1911.     III.     KK. 

Ob  11010.  4". 

—  Le  Maroc  Oriental.  I.  L'occupation  de  Taza.  II.  La  Situation  administrative. 
In:  L'Afr.  Fr.    Annee  21.    No.  5.  6.    Mai,  Juin  1914.    S.  196-202.  252— 256.    K. 

=  Ti  285.  4°. 

—  Caix,  Robert  de,  Les  confins  algcro-marocains  d'aprcs  le  livre  de  M.  Augustin 
Bernard.    In:  Rens.  Col.    Annee  1911.    No.  6.    S.  146— 154.    III.    =  Ti  285.  4". 

Hübner  [,  Max),  Militärgeographische  Skizze  der  algerisch-marokkanischen  Grenz- 
gebiete.    Aus :  Peternianns  Geogr.  Mitt.    1910.    Heft  5.    S.;289— 292.     K. 

y  159U.  4°. 

Rene-Leclerc,  Ch.,  Les  rcgions  nord  et  sud  de  la  frontiere  algero-niarocaine. 
Aus:  Congn's  de  l'Afriquc  du  Nord.     Paris.     Octobre  1908.  y  1222.  4". 

Udschda  und  nördliche  Grenzgebiete. 

—  Besson,  Kaoul,  Lllinterland  Algero-Marocain:  Oudjda — Martimprey — Aber- 
kane — La  Moulonya — Port-Say,  .suivi  d'une  etude  sur  la  proprietc  fran^aise  au 
Maroc.     Oran  1910.  Ob  II 150. 

—  Colliez,  Andre,  La  frontiere  algero-niarocaine.  Prcface  de  Paul  Deschanel. 
Paris  1911.     111.  Ob  11170. 

—  Gentil,  Louis,  La  question  de  l'eau  dans  la  plaine  des  Angad  (Maroc).  I.  II. 
Aus:  La  Dep.  Mar.     Tanger.     18.   19  aoüt  1910.  y  1382.  4°. 


Kampffmeyer  :    Marokko-Literatur.    II.    Oh  III  B  6,  c.  159 

Udschda  und  nördliche  Grenzgebiete  (Fortsetzung). 

—  Kann,  Reginald,  s.  Nc  U  F3  b  1903. 

—  Martin iere,  H.  de  la,  La  Convention  de  Lalla  Mar'nia  et  la  frontiere  algerienne 
de  l'ouest.  In:  Rev.  des  deux  niondes.  Annce  G7.  Periode  4.  T.  140.  Livr.  4. 
15  avr.  1897.     Par.     S.  859-880.  y  985. 

—  Zabel,  Rud.,  Die  Franzosen  in  Udschda.     In:  III.  Zeitung.    Nr.  3:^27.    Bd.  128. 

4.  Apr.  1907.     Leipz.     S.  5G5 — 566a.    Hl.  (Udschda   und  Porträt   von  Dr.  Mau- 
champ).  y  1054.  2«». 

Figig. 

—  Doutte,  Edniond,  Figuig.  Notes  et  impressions.  Aus:  La  Geographie.  Bulletin 
de  la  Societe  de  Geographie.     VII.     S.  177—202.  y  1241.  4^. 

Tafilalt. 

—  Caillie,   Rene,  La  Tafilelt.     In:    Rens.  Col.     Annöe   1911.     No.  3.     S.  63— 80. 

=  Ti  285.  4". 

—  Hübner,  s.  Nc  U  F  3  b  1908.     y  1054.    2°. 

—  Le  Tafilelt  d'apres  Gerhard  Rebifs.  In:  Rens.  Col.  Annee  1910.  No.  8.  S.  243 
bis  257.  =  Ti  285.  4°. 

Das  Innere  (I  S.  65  f.). 
Bernard,   Capitaine,    üne   carte    par   renseignenients    de    la    region   des  Tsoul    et 
des  Bräues.    In:  L'Afr.  Fran§.    Annee  24.    No.  3.    Mars  1914.    S.  103  — 106.   K. 

=  Ti  285.  4o. 
Marenco,  Servando,  El  Uad  Es-Sebü.    In:  Marruecos  .  .  .     Ano  1.    Niun.  3.    1908. 

5.  21—28.  =  Nc  3275. 
LesTribus  de  l'Est  de  Fez.    In:  Rens.  Col.    Annee  1912.    No.  6.    S.  209-217. 

K.  =  Ti  285.  4°. 

Les  Tribus  Du  Maroc  Oriental:  Notice  dressee  par  les  officiers  de  renseigne- 
nients du  cercle  de  Fez  (Suite).  In:  Rens.  Col.  1912.  No.  7.  Juillet.  S.  289 
bis  294.  =  Ti  285.  4o. 

Forts,  zu:  Les  Tribus  de  l'Est  de  Fez.     Ebenda  S.  209— 217. 

—  Les  Tribus  du  Maroc  Oriental.    In:  Rens.  Col.    1913.    No.  4.    S.  132—141. 

=  Ti  285.  4o. 

—  Les  Tribus  du  Maroc  Occidental.  Tableau  de  conunandement des  Sraghna. 
In:  Rens.  Col.  1913.     No.  4.     S.  141—143.  =  Ti  285.  4o. 

Fes. 

—  Hübner,  Die  deutsche  Gesandtschaft  in  Fes.  In:  III.  Zeitung.  Nr.  3307. 
Bd.  127.     Leipz.  15.  Nov.  1906.     S.  795-796.     111.  y  li'54.  2o. 

—  —  Fes,  die  Hauptstadt  von  ■Marokko.  (Hierzu  1  Stadtplan  und  5  Uraufiiahmen.) 
Aus:  Die  Erde.     Jg.  1913.     Heft  2.     S.  30-34.  y  1656.  4'\ 

—  Karaouiyin.     In:   L'Afr.  Fr.      Annee  23.     No.  10.     Oct.  1913.     S.  354.     111. 

=  Ti  285.  40. 

—  Martin,  L.,  Description  de  la  ville  de  Fes,  quartier  du  Keddan.  (I.  IL)  In: 
Rev.  du  Monde  Mus.  Vol.  9.  No.  11.  12.  Nov.,  Der.  1909.  S.  433-443. 
621-642.  =  Bb  875. 

—  Moulieras,  Auguste.  Fez  .  .  .  Paris   1902.     111  Ob  1198.5. 


l(i()  Kampffmeykh:    Marokko-Literatur.    II.    Ob  IH  R  H,  c.    Qc— Od. 

Miknes. 

\sl,  Hill  ('iä/i  (Il(.ii.la.s)  IV  oaMti. 

—  Lenz,  Oskiir,  Mikiiäsii  mifl  <\\<'  Hiiimn  \üii  \'uhiliili>.  Aus:  |(lst(Mi'.  Huiidscliau. 
1883.     L     No.  ].     Wi<.M.|  y  123L  4". 

Taza. 

—  Taza  L't  la  trout-o  de  Taza  d'apres  Ics  aiici«Mi.s  voyageur.s.  In:  L'Afi-.  Franf. 
Annee23.  1913.  S.  396-402.  434— 430.  Ainw-e  24.  1914.  S.  8-15.  58-64. 
109-125.     III.     KK.  =  Ti  285.  4". 

—  Lafavo.  La  ti-oueo  de  Ta/a.     In :   Hrii>.   Col.  l'.U  1.     No.  2.    S.  41— 55.    III.    K. 

=:  Ti  285.  4". 

Tadla.  V.-r.s  KlionifVii.  [Karte.)  In:  I.  AfV.  Frani,-.  Ann.'.-.  24.  No.  5.  Mai  1914. 
S~20.').  —  Ti  285.  4". 

Marrakesch. 

—  Karow.  L.,  Kin  15e.snfli  in  Manakesch.  (I.)  (ScliluB.)  In:  Voss.  Zeitung. 
Berlin.     12.  7.  und  23.  7.  1911.  y  1552.  4". 

—  —  YAne  Reise  in  Südniarokko.  Ausflug  in  den  hohen  Atlas.  In:  Vossische 
Zeitung.     4.,  ()..  11.  Juli  1911.     Berlin.  y  1541.  4". 

—  Botte,  Louis,  Marrakech  uiie  annt'e  aprös  la  cünqn.'t.'.  In:  L.VfV.  Fr.  Annee23. 
No.l2.    D6c.  1913.     S.  429-433.     K.  ~  Ti  285.  4". 

—  Lenioine,  Paul,  Le  royaunic  de  Marrakech.  In:  La  Gcograpliio.  Bull,  de  la 
Soc.  de  Geogr.     XIL     No.  1.     Annec  1905.     15  .luiUct.     Par.     S.  21-28. 

y  1071.  4". 

—  Ansichten.     Marokko  [Stahlstich].  H)()5  in  Mappe  III. 

—  —  Anderer  Stahlstich.  1666  (gerahmt). 

—  Karten  und  Pläne.  Mangln,  Charles,  Kegion  de  Marrakech.  In:  Heus.  Col. 
1913.     No.  2.     S.  51.  —.  Ti  285.  4". 

Oc.    9.    Meere  und  Kiisten. 

c.    Mittelnieer  und  AfrikaiiLsche  Küsten  (1  S.  67  f.). 
Expedition   hydrographique  sur  les  cotes  du  Maroc  (1854).     Aus:    Soc.  de  G.'o- 
graphie.     2e  TrimCstre  ISSL     S.  227-246.  y  1501. 


Od.   Karten. 

IV.    8c.    Marokko  (1  S.  69). 
Fezzae    et    Marocchi     regna     Africae    celel)errima,     de.scribehat     Abrah.    Ortelius. 

Amsterdam  [167(i|.  Od  2017  in   .Mappe  IV. 

Physisch  -  geographische    Ski/./.e    \on     Marokko    von    Th.    Fischej-.       1:4  000  00'. 

Berlin.     0.  J.     [Um  1905].  Od  2105  in  Mappe  l\. 

(Marokko  und    die  Nachbargebietc.      1  Blatt    aus  Peterinanns   Karte   des   IMittelländ. 

Meeres  1  :  3  500  000.     Gotha  1890.)  T.  10  in  Mappe  IV. 

Carte  du  Maroc  ä  l'echelle  de  1  :  I  ()fK)Of  0.    Dre.ssce  sous  la  direction  de  E.  Toutey. 

Pari»  0.  J;  [1913].  Od  2420  (aufgezogen). 


Kamvffmeyer:    Marokko-Literatur.    II.    Pb— IM.  161 

Carte  du  Maroc.  Dressee  sous  la  üirei-tion  de  Heury  Barre  rc.  1  :  10(^0000. 
1913.  Paris.  —  Carte  du  Maroc  ...  Notice  sur  la  Construction  de  la  Carte  et 
Index  Bibliographique  precedes  d'une  Vue  d'ensenil)Iü  sur  le  Relief  du  Maroc 
par  Louis  Gentil.     Paris.      1Ü18.     Die  Karte  aufgezogen,  die  Notice  in  8". 

Od  2425. 

Maroc.  Carte  administrative  et  militaire.  In:  L'Afr.  Frang.  Annee  24.  No.  3. 
Mars  1914.     S.  133.  r=  Ti  285.  4". 


P.  Völkerkunde.  Kulturgeschichte. 

Pb.   Anthropologie. 

3.    Nordafrika  und  Mittelmeergebiet  (I  S.  70). 

Haliburton,  R.  G.,  Some  further  notes  on  the  existence  of  dwarf  tribes  south  of 
Mount  Atlas.  In:  The  Imperial  and  Asiatic  Quarterly  Review  ...  Second  series. 
July  1892.     Vol.  4.     No.  7.     S.  79-81.  y  967. 

Paysans  marocains-  CoUection  Buchet.  Mi.ssion  scieut.  du  Maroc.  In:  Rev.  du 
Monde  Mus.     Vol.  14.     No.  5.     Mai  1911.     S.  297— 312.  =  Bb  875. 

Abbildungen  von  Köpfen. 

Pc.   Praehistorik. 
II.    2.    Nordaf'rika  und  Mittelraeergebiet. 

a.    Allgeraeines  und  Vermischtes  (I  S.  70). 

Du  Taillis,  Jean,  Les  Pierres  ecrites  de  la  frontiere  algero-marocaine.  In:  A  travers 
le  monde.  Livr.  15.  Nouv.  scr.  Annee  9.  11  avr.  1903.  Par.  [Beilage:] 
S.  117—118.     111.  y  994.  4°. 

Flamand,  G.  B.-M.,  Note  sur  deux  .Pierres  ecrites«  (Hadjra  Mektouba).  Dessins 
rupestres  provenant  d'El-Hadj-MimoiMi,  region  de  Figuig  ,'Sud-Oranais).  Paris 
1897.     Aus:  "L' Anthropologie'  Tome  VIII.  y  1488. 

Le  Chatelier,  A.,  Le  prehistorique  dans  TAfrique  du  Nord.  In:  Rev.  scientifique. 
No.  15.     T.  49.     9  avr.  1892.     Par.     S.  457— 461.  y  983.  4o. 

Pd.   Ethnographie  und  Kulturgeschichte. 
IL    2.    Nordafrika  und  Araber. 

a.   Allgemeines  und  Vermischtes  (I  S.  70  f.). 
Huguet,  J.,  Sur  les  Touareg.     Par.  1902.     K.     111.     Aus:    Bull,  et  Mtin.  de  la  Soc. 

d'Anthropologie  de  Paris.     19  Juin  1902.  Pd  1175. 

—  Les  Solls.     In:    Rev.  de  lEc.  d'Anthrop.  de  Par.     Annee   Li.     III.     .Mars  1903. 

Par.     S.  91—99.  y  1020. 

b.    Marokko  (I  S.  71  f.). 

Vs;!.  Falgueras  y  Ozaeta.     Lb  1605. 

Le  Chatelier,  Alfred,  L"ctat  prcsent  du  Maroc.  In:  Revu(;  scientifique.  No.  20. 
T.  50.     12  novembre  1892.     Paris.     S.  609-618.  y  983.  4°. 


162  Kampffmkyer:    Marokko-Literatur.    II.    Pfl — Q.    Rb. 

Mauran,   La   socicte    marocaine.     Etudes   .sociales.     Inipres.sions   et  .souvenii-s.     Aver 

une   lettre-preface  de   M.    le   gencral  D'Amade    et    uiie    lettre  de   RL  Guiot. 

Paris.     [1912].  Pd  1740.  4". 

Meakln,  Biidgett,    The  Moors.     A  compreliensive  description  .  . .    London  1902.    III. 

Pd  1743. 
Miuhaux-Bellaire,  Ed.,    Les   coutumes   herberes   daiis   les   tribus  arabes.     In:    Re\-ue 

du  Monde  Mus.  Tome  9.  No.  10.  1909.  Paris.  S.  224-234.  =  Bb  875. 
Ohie,  Fritz,   Die    marokkanischen    Frauen.      In:    III.  Zeitung.     Nr.  3272.      Bd.    126. 

Leip?..     If).  März  1900.     S.  399-401.     Weit  volle  lli.     (S.  402).  y  10.i4.  2°. 

Westermarck,  Edward,  Midsummer  custom.s  in  Morocco.     In :    Folk-Lore.     Vol.  16. 
No.  1.     25.  niarch  1905.     London.     S.  27-47.  y  1028. 

Tber  Jas  'Ansar.n-Fest. 


Q.  Kunst 

Qc.    3.    Islamische  Kunst. 

c.    Nordwestafrika  und  Spanien  (l  S.  73). 

Blanchet,  P,    La    Kalaa    des    Beni-IIammad.     In:    A    travers    le    monde.     Livr.  5. 
Nouv.  ser.  Annee  4.     29  janv.  1898.     Par.     S  33-86.     III.  y  994.  4°. 

Clouzot,  Henri,  Les  bijoux  indigcnes  au  Maroc,  en  Algerie  et  en  Tunisie.     In:    La 
Geogr.  ...     XIV.     No.  3.     Annee  1906.     15  scpt.     Par.     S.  153— 59.     III. 

y  996.  4". 


R.  Naturwissenschaft  und  Mathematik. 

Rb.   3.    Geologie. 

c.    Einzelne  Gebiete.     Marokko  (I  S.  74). 
Coquand,  H.,   Descripcion  geologica   de   la    parte  septentrional  del  imperlo  de  Mar- 

ruecos.     Traducido  al  Castellano  per  Juan  Pablo  Lasala.     Madrid  1860. 

Rb  620. 
Gentll,  L.,  La  giologie   du  Maroe   et    la  genese  de  ses  grandes  chaines  (l  carte  en 

couleurs  hors  texte.    In:  Annales  de  Geographie.     XXI.     No.  116.    15.3.1912. 

S.  130-159.     Paris.  .  y  1633 

—  Sur  la  presence  de  schistes  a  Graptolithes  dans  le  Haut- Atlas  marocain.     Aus: 

Comptes  rendus  de  l'Ac.  des  Sc,  Paris.     37084.  y  1270.  4''. 

Gentll,  Louis,   et  A.  Bolstel,  Sur  l'existence   d'un    remarquable   gisement   püoccne   ä 

Tötouan  (Maioc).     Aus:    C.  K.  de  l'Ac.  des  Sc,  Paris.     37113.  y  1271.  4°. 

Allocution  prononcc  par  le  genöral  Jourdy  ii  la  Conference  faite  par  Louis  Gentil 

sur    la    Mission    scientifique    au    Maroc,    le    14  janvier    1900...     Rouen.     Aus: 

Bull,  de  la  »France  Colonisatrice«.  y  1491. 

Perrot,  Em.,   La   geologie   du    Maroo.      In:    L'Afr.  Fr.      .\nnee  22.      No.  6.     1912. 

S.  231-232.  =  Ti  285.  4°. 

Renseignements   geologiques  sur  la  region  ChaouTa.     In:    L'Afr.  Frant;.     Annee  23. 

No.  6.    Jüin  1913.    S.  23t-23^<.  =  Ti  285,  4». 


Kampffmkyer:    Marokko-Literatift-.    II.    Rc— S.  163 

Rc.  Botanik. 
1.   Allgemeines   (I  S.  74). 

Leeke,  Paul,  Untersuchungen  über  Abstammung  und  Heimat  der  Negerhirse  .  .  . 
Dissertation  .  .  .  Halle  a.  Saale  1907.  y  1312. 

2.   Vermischtes. 
Foslie,  M.,  Die  Lithothamnien  des  Adriatischen  Meeres  und  Marokkos.     Mit  3  Ta- 
feln.    Oldenburg  i.  Gr.     1904.     Aus:   Wissenscliaftl.  Meeresuntersuchungen   ... 
Neue  Folge.     Bd.  7.     Abt.  Helgoland.     Heft  1.  Rc  315.  4". 

3.   Einzelne   Gebiete, 
Marokko  (I  S.  75). 

Vgl.  Sehweinfurth  De  1162.  4". 

La  Acre  de  laChaouTa,  etudieeparlepharmacien major Moreau.  In:  L'Afr.  Fr.  Annee22. 
No.  9.     Spt.  1912.     S.  372.  =  Ti  285.  4». 

Rd.   Zoologie. 

3.  Besonderes  (I  S.  76). 
Crustaceen. 
Van  Beneden,   P.-J.,   Quelques   nouveaux  Caligides  de   la  cote  d'Afrique  et  de  l'ar- 
chipel   des   Aqores.     Aus:   Bull,    de  TAc.   royale   de  Belgique.     Ser.  3.     T.  24. 
No.  1.     1892.     S.  241 -262.     III.  Kd  200. 

Rf.   Physik  und  Meteorologie  (I  S.  77). 

Beobachtungen,.  Deutsche  überseeische  meteorologische.  Gesammelt  und  herausge- 
geben von  der  Deutschen  Seewarte  mit  Unterstützung  des  Reichs-Kolonial-Amts. 
Heft  8.  9.  14.  15/16.  17.  20—22.     [Hamburg  1899— 1914.]     y  970  und  1718.  4o. 

Enthaltend  Beobachtungen  über  Mogador,  Casablanca,  Safi  usw. 

Dye,  A.  H.,  Magnetische  Deklinationen  in  Marokko.  In:  Meteorol.  Zeitschr.  ... 
Bd.  23.     1906.     Heft  7.     Juli.     Braunschw.  y  960.  4". 

Nach  »La  Geosr.«  XUI.    Nr.  2.     S.  147.     Par.     15.  Febr.  1906. 


S.  Medizin. 

Sb.   Medizin  mit  Bezug  auf  den  Orient  und  Nordafrika 
bzw.  das  Mittelmeergebiet 

3c.  Marokko   (I  S.  78). 
Herzen,  V.,  Le  typhus  exanthematique  au  Maroc.    (Etüde  clinique  des  epidemies  de 

1901  et  de  19U6  observees  ä  Mazagan.)    Aus:  Rev.  medic.  de  la  Suisse  romande. 

Annee  28.     No.  4.     20  avr.  1908.  y  958. 

Lorly,  Antoine,  La  vaccination  antityphoidique  au  Maroc.    In:  L'Afr.  Fr.  Annee    22. 

No.  6.     Juin  1912.     S.  246  f.  =  Ti  285.  4«. 

Maire,  F.,  La   defense  sanitaire  au  Maroc.     In:   Rens.  Col.     Annee  1910.    No.  2. 

S.  33—36.  =:  Ti  285.  4" 

Mite.  d.  Sem.  t  Orient.  Sprachen.  1915.  ü.  Abt  12 


lt)4  Kampffmeyf.r*   Marokko-Literatur.    II.    S  — Ta. 

El  nino  arabc.     Ti'inez  y  Marruecos.     In:  L'lij'gici.e  et  l'enfant  ...  Annöe  5.     Jan. 
1910.  y  1130.  4'\ 

Raynaud,  I..,  Alcool  et  alcoolisme  au  Maroc.    Aus:  Ann.  d'hygiene  pnbl.  et  de  mc- 
ilocine  legale.     Sörie  3.     T.  47.     1902.     No.  3.     [Par.]  y  1085. 

Steiner,   Michael,   Medizinischer  Brief  aus  Marokko.     In:   Wiener  Klinische  Rund- 
schau.    Jahrg.  2.).     Nr.  13.     '2H.  März  1911.     S.  208-209.        y  1413.  1418.  4°. 

—  Über   das  Vorkommen   von   Angina   ulcerosa    bei  Tangerfieber.     Aus:    Deutsche 
Medizinische  Wochenschrift.     1911.     No.  31.     Berlin.  y   143ä. 

Weisgerber,  F.,  Pathologie  et  Therapeulique  marocaines.    la:  Rev.  gen.  des  Sciences 
pures  et  appl.     Annee  14.     No.  10.    30  mal  190?.     Par.     S.  .567 — 578. 

y  1002.  4". 

Mit  einer  .Mibildiiiig  des  Dorfes  I\Iulai  J.i'(|ub  bei  Fes.  —   S.  öl'i:  Matiere  medicale. 


T.  Wirtschaftliche  Verhältnisse,  Technik  und  Verwandtes. 

Ta.    Allgemeines. 
2.   Orient   und    Mittelmeergebiet   im  Allgemeinen   (I  8.  78). 

»Xordafrika«  (Deutsche  Monatsschrill  fiir  Kuloaialpolitik  u.  Kciluiiisation)  s.  Ti  520. 

Deutsche  Mittelmeer-  und  Orient-Gesellschaft.    Mitteilungen.    Heft  1.    (Berlin)  [1911]. 

y  1599. 

Trietsch,  Davis,  Handbuch  über  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  Marokkos  und 
Persiens  sowie  ihrer  Nachbargebiete:  Algerien— Tunesien— Spanisch-Nordafrika, 
Afghanistan — Belutschistan.  Berlin  (1910).  KK.  [Auf  Umschlag:]  Marokko  und 
Persien.     Ein  Handbuch  usw.  Ta  820. 


3.    Nordvvestafrika. 

b.   Marokko  (I  S.  78  f.>. 

Von  den  hicrlicr  geliörigen  Zeitschriften:  Bulletin  Economlque  du  Marne,  Bulletin  mensuel  du  Syndicni 

International    pour    la  defense   des  intercts    econonuijues  au   Maroc,  [.'Indlcateur  uiaroeain,    La   France 

marocainc,  Lc  Moniteur  du  3Iaroe,  La  Revue    niarocaiiie  besitzt  die  Bibl.  einzelne  Nuniniern.     Mehr  in 

der  Deuischen  Auslands-Bibliotlick.     Vgl.  Kiimpffmeycr,  Grundlagen  S.  368. 

Annuaire  du  Maroc  1906.  1912  ...  Paris.  Ta  1504  u.  T.  l'.>. 

Aniiario  cspanol  de  Marruecos.  Convenciones  y  tratados.  Leyes  y  reglamentos. 
Histoiia.  Geografla.  Comunicaciones.  Transportes.  A'gricultura.  Iiidu.stria. 
Coniercio.  Estadisticas  de  importaciön  y  exportaciön.  1913.  Adniinistraciön 
('alle  de  Claudio  Coello,  33.     Madrid.  Ta  1506. 

Bernard,  Augustin,  Les  productions  naturelles,  l'agriculture,  l'industrie  et  le  commerce 
au  Maroc.  Partie  1.  2  ...  In:  Rev.  gen.  des  Sciences  pures  et  appliquees. 
Annee  14.     No.  2.  3.    janvier,  fevrier  1903.     Paris.     111.  y  1171.  4°. 

Besnier,  Maurice,  Note  sur  la  geographie  economitpie  du  Maroc  dans  l'antiquite. 
In:  Acad.  des  inscr,  et  belles-lettres.  Coniptes  Rendus  des  seances  de  l'annee 
1906.     Bull,  de  mars-avril.     Par.     S.  135-138.  y  997. 

Dove,  Karl,  Marokko  und  die  wirtseliaft,spolitischen  Beziehungen  in  Afrika  zwischen 
Deutschland  und  Frankreich.  Leipzig  1912.  =  Vortiäge  der  Gehe-Stiflung  zu 
Dresden.     Bd.  4.     1912.     Hft.  3.  y  1675. 


Kampffmeykr  :    Marokko-Literatur.   II.    Ta3b— Tb.  165 

Fischer,    Theobald,    Marokko    und    seine    weltwirtschaftliche    Bedeutung    (Vortrag). 

In :  Export  ..  .     Jahrg.  27.     Nr.  35.     Berl.,  31.  August  1905.     S.  529— 530. 

y  1055.  4°. 
Kampffmeyer,  G[eorg],  Die  Weltwirtschaft).  Grundlagen  Marokkos.    In:  Berl.  Tagebl., 

Wochen-Ausgabe,  No.  32,  vom  30.  Okt.  1912  (Handelsztg.).  y  1611.  4o. 

Ladreit  de  Lacharriere,  J.,  Le  developpement  et  les  ressources  du  Maroc  Occidental 

en  1912.     In:  Rens.  Col.  1913.     No.  1.     S.  20-26.     111.     KK.      =  Ti  285.  4o. 

—  La  Ruee  vers  le  Maroc.     In:  L'Afr.  Fr.     Annce  21.     Dec.  1911.     S.  463— 466. 
Unterzeichnet  ist  der  Artikel  mit  J.  L[adreit  de]  L[ach:irricre].      =  Ti  285.  4". 

[Lastenhefte,   Reglements   usw.   der    Marokkanischen    Regierung    in    Gemäßheit    der 
Algeciras-Akte.]  y  1216.  1361.  T.  23-31. 

Le  Maroc  au  travail.    Von***.    In:  L'Afr.  Frau?.    Annee  24.    No.  2.    Fevr.  1914. 
S.  49  f.  =  Ti  285.  4°. 

Rene-Leclerc,  Gh.,  Situation  economique  du  Maroc.     1908—1909.     Oran  1910. 

Ta  1816. 

■ —  La  Situation  economique  du  Maroc  en  1908.     In:  Rens.  Col.     Annce  19.     1909. 
No.  12.    S.  257—262.  =  Ti  285.  4°. 

—  Moyens  de  develüj)per  la   Situation   economique   de  la  France   au  Maroc.     Aus: 
Congrcs  de  l'Afrique  du  Nord.     Paris.     Octobre  1908.  y  1222.  4». 

—  La   Situation   economique.      In:    L'Afr.  Fr.     Annee  19.      1900.     No.  11.     S.  390 
bis  393.  =  Ti  285.  4". 

—  L'Anialat  dOudjda.    Conditions  de  son  developpement  economique.    In:  L'Afr.  Fr. 
Annee  20.     No.  8.     Acut  1910.     S.  254-263.  =  Ti  285.  4°. 

—  La    Situation    economique    de    Tetouan.      In:    Rens.  Col.      Annee  1911.      No.  4. 
S.  90-96.  =  Ti  285.  4°. 

—  Le  Maroc.     Notice  economique.     2«  cd.     Paris.     1912.  Ta  1848. 
Terrier,  Auguste,  et  J.  Ladreit  de  Lacharriere  . . .  Pour  reussir  au  Maroc.    10  Plioto- 

gravures,  une  carte  ...     Paris  [1912J.  Ta  1880. 

Verband  zur  Förderung  der  deutschen  Interessen  in  Marokko.     Hamburg  (1905). 

y  1205. 
Zabel,  Rudolf.     Ergänzung  zu  1  S.  79  y  704:  I — VI.     Es  fehlt  also  nur  noch  VIII. 

y  952. 

Tb.   Land-  und  Gartenbau.    Viehzucht.    Fischfang.    Forstwirtschaft, 
I.    Allgemeines. 

2.    Marokko  und  Nachbargebiete   (I  S.  79). 

Bourote,  Maui-ice,   Pour  coloniser   au   Maroc   (La   Chaouia   agricole).     Paris.     1912. 

I!l.     Bibliotheque  »Vie  k  la  Campagne«.  Tb  235. 

Du  Gast,  C.,  Le  Maroc  agricole.     Rapport   adresse   au   ministre   de  l'agriculture  . .  . 

Tome  1.     Paris  1908.     K.  T.  9. 

Montalembert,  A.  de,  L'agriculture  et  l'elevage  au  Maroc...    In:  Rens.  Col.    Annee 

1910.     Nr.  3.     S.  71—76.  =  Ti  285.  4°. 

11.    3.    Einzelne  Nutzpflanzen  (I  S.  80). 

Aroanbaum.     Moreau,    L'argauier    et    l'huile    d'argan    au    Mai-oc.     In:    L'Afr.  Fr. 

Annce  22.     No.  9.     Spt.  1912.     S.  372  f.  =  Ti  285.  4°. 

Opuntie.     Rosny,  L.  Leon  de,  L'opuntia  ou  cactus  raquette  d'AIgerie.     Aus:   Rev. 

de  rOrient,  d'AIgerie  et  des  Col.    Nouv.  ser.    T.  5.    1857.    S.  49-56.     y  1076. 

12* 


H3t)  Kami-ffmeyer:    Marokko-Literatur.    II.    Td— Te. 

Td.  Technologie.     Industrie. 
3.    Marokko  (1  S.  81). 

Hafenbauten  s.  Tf. 
Nicolau.  Emilio  Rotondo,  La  introduccion  do  la  Electricidad  en  el  Imperio  Marroqui. 
In:    Actas  y  Meinorias   dcl  Priiner  Coiigre.so  Espanol   de  Alncanistas   celebrado 
eil  Graiiada  .  .  .    Granada  1894.  =  Te  553. 

Te.  Handel. 

2.    Vermischtes  (l  S.  81). 

Actas  y  nieniorias  del  Prinier  Congreso  Espafiol  de  Africanistas  celebrado  en  Gra- 
nada ...  ä  las  quo  sigue  una  Kesena  descriptiva  de  la  Exposiciön  Morisca .  .  . 
Granada  1894.  =  Boletln  de  la  Sociedad  Union  lÜspano-Mauritänica.  No.  13. 
1895.  Te  553. 

Bertrand,  George  Jacques,  Zollpolitische  Verhältnisse  und  Handel  zwischen  Frank- 
reich und  Tunis.  (Eine  Prognose  über  das  wirt.schaftlic]ie  Vorgehen  FVankreichs 
in  Marokko.)     Berlin  1910.  Te  524.  4". 

3.    Marokko  (I  S.  82f.). 

Cortes,  Mainiel,  El  mercado  de  Fez.     In:    Marruecos  .  .  .     Afio  2.     Num.  26.     1909. 

S.  499—505.  =  Nc  3275. 

Fischer,  J.  J.,  Marokkos  Handelsbeziehungen.    Handelspolitischer  Bericht.    In:  Neue 

Züricher  Zeitung,  Exporlbeilage  ...    No.  203.  238  vom  28.  VII.  u.  27.  VIÜ.  1908. 

y  448.  4°. 

—  INIarokkos  Handel  im  Jahre  1909.  Handelspolitischer  Bericht.  In:  Merkur... 
Jahrg.  29.     No.  24.     Zürich  1910.  y  123.).  4°. 

—  Du  Maroc  ccononiique.  [I.  II.].  In:  Le  Mercnre.  Annce  29.  No.  4.5.  46. 
Neuciiatel  5.  12  nov.  1910.  y  1379.  4". 

Goulven,  J.,  Casablanca  la  conimeryante.    In:  Rens.  Col.  1914.    No.  2.    S.  75—81.    K. 

=  Ti  285.  4». 
Haessner,  ^lax,  Marokkos  Handelsbeziehungen  seit  1905  mit  besonderer  Berück- 
sichtigung von  Deutschland.  Berlin  1912.  Te  1140. 
Handel  Mogadors  (Marokko).    1906.    In:  Deutsches  Kolonialblatt.    Jahrg.  18.    Nr.  11 

Berl.     I.Juni  1907.     S.  531-532.  y  1110.  4». 

Jannasch,  R.,  Handelspolitisches  über  Marokko.     In:    Export...     Jahrg.  8.     Nr.  27. 

Berl.     6.  Juli  1886.     S.  413-418.  ,  y  1055.  4^'. 

Ladreit  de  Lacharriere,  J.,  Le   dcveloppement  commercial   du  Maroc  en  1912.     In: 

L'Afr.  Fran?.  Annee  23.  No.  8.  Aoüt  1913.  S.  312— 315.  =  Ti  285.  4". 
Manzano,  Eduardo  Sänchez,  Estudio   sobre  el  niovimiento  conicrcial  de  las  naciones 

con  el  estado  del  jNIoghreb  ...  In:  Actas  y  memorias  etc.  [s.  oben].  :=  Te  553 
Rapport  annuel  du  Cercle  Suisse  du  commerce  au  Maroc  a  Tanger.     Exercise  1 — 3.* 

1910-1912.     Tanger  1911-1913.  y  1416.    153.5.  1673. 

Rapports  commerciaux   des  agents   diplomatiques   et   consulaires  de  France,  publics 

sous  la  direction  du  Ministre  du  Commerce  et  de  l'Industrie.   Anm'e  1911.  No.  951. 

Maroc.      Situation    conunerciale    et    agricole   de   la  rogion  de  Mazagan  en  1910. 

Supplement  au  Monitcur  officicl  du  Commerce  du  27  juiilet  1911.    Paiis.  —  Annce 

1912.     No.  1004      Maroc.  Mouvemcut  commercial  de  Tetouan  en  1911.     Suppl. 

au  Moniteur  oflf.  du  Comra.  du  25  juiilet  1912.     Paris.  y  1651. 


Kasipffmeyer  :   Marokko-Literatur.   II.   Te— Tf.  167 

Rene-Leclerc,  Ch.,  Le  commerce   de  Mclilla   en   1906.     Aus:    Congrcs   de  l'Afrlque 
du  Nord.     Paris.     Oetobre  1908.  y  1222.  4°. 

—  Le  commerce  exterleur  du  Maroc.    In:  L'Afr.  Fr.    Annee  21.    No.  2.    Fcvr.    1911. 
S.  57—63.  =  Ti  285.  4«. 

Ruiz,   Ricardo,   EI   Comercio   de   Marruecos    en   1908.     In :    Marruecos  .  .  .     Ano  2. 

Num.  21.     1909.     S.  3.37-345.  =  Nc  3275. 

Statistiques  du  mouvement  maritime  et  commercial  du  Maroc  .  .  .    Annce  1909.    Tri- 

mesti-e  1 — 3.     Tanger.  y  1221. 

Tf.  Verkehr. 
3.  Marokko  (I  S.  83). 

BOU  Beck'r,  La  baie  de  Tanger.     In:  Rens.  Col.  1913.     No.  3.     S.  106-110.     K. 

=:  Ti  285.  4o. 

De  Carsalade,  Le  port  de   Rabat-Sale    et  le   Bou-Regreg.      In:    Rens.    Col.    1913. 
No.  1.     S.  20-26.     111.     KK.  zuz  Ti  285.  4°. 

[Karte:]    Le    chemin    de   fer     d'Oujda    ä    Msoun.       In:    L'Afr.    Franc;.       Annce  23 
No.  11.     Nov.  1913.     S.  390.  =  Ti  285.  4°. 

Le  chemin  de  fer  de  Tanger  ä  Fez.     In:  L'Afr.  Frany.     Annee  24.     No.  4.     Avril 
1914.     S.  171-173.     K.  =  Ti  285.  4o. 

Feder,  Arthur,  Ein  algerisch-marokkanisches  Hafenprojekt.     Aus:    Koloniale    Rund- 
schau.    Heft  10.     Oktober  1910.     Berlin.  y  1372. 

Garcia,  Rafael  Guerrero,  Las  comunicaciones   marltimas   entre  Espana  y  Marruecos. 
In:  Marruecos  .  .  .     Ano  2.     Num.  15.  16.     1909.     S.  180-184.  211—215. 

=  Nc  3275. 

Kampffmeyer,   G[eorg],    Marokkanische  Wirtschaftsfragen.      Aus:    Koloniale  Rund- 
schau.    Heft  3.     März.     Berlin  1913.  y  1657. 

L[adreit  de]  L[acharriere],  J.,  Le  Port  de  Casablanca.    In:  L'Afr.  Fran^.    Annce  23. 
No.  4.     Avril  1913.     S.  152-156.     111.     K.  =  Ti  285.  4». 

—  Le  mouvement  de  la  navigation  au  Maroc  en  1912.     In:  L'Afr.  Fran?.     Annee 
23.    No.  9.    Sept.  1913.    S.  .346-347.  =  Ti  285.  4°. 

Livret-guide    du  voyageur  au  Maroc  et  dans  les   pays  voisins  .  .  .      Tanger  1908. 

Supplement  ä  r»Lidicateur  marocain«.  y  1219.  4°. 

Marseille  et  le  protectorat  du  Maroc.     In:   L'Afr.   Fr.  Aunee  22.      No.  3.     Mars 

1912.  S.  95-98.  =  Ti  285.  4«. 

D'Oran  ä  Guercif  par  chemin    de   fer.       In:    L'Afr.  Fr.     Annce  23.     No.  II.     Nov. 

1913.  S.  389-391.    K.  =  Ti  285.  4». 
Les  Ports  du  Maroc.     (Von***.)      In:  L'Afr.  Fr.      Annee  23.     No.  5.     Mai  1913. 

S.  186-190.  =  Ti  285.  4°. 

Les  ports  du  Maroc  au  XVHe  siccle.     In:  Rens.  Col.  1913.     No.  10.     S.  368f. 

=:  Ti  285.  4°. 

Redier,    Les  routes   de   ChaouTa.     In:   L'Afr.   Fr.  Annee  22.     No.  9.     Sept.   1912. 

S.  870-372.    K.  =  Ti  285.  4°. 

Rommel,  Die  Postrouten  und  Poststationen  in  Marokko.     In:  III.  Zeitung.     Nr.  3335. 

Bd.  128.     30.  Mai  1907.     Leipz.     S.  952-953.     K.  y  1054.  2°. 

de  Toroy,  La  Navigabilite    de  l'oued   Sebou.     In:    L'Afr.    Fr.     Annee  22.      I9I2. 

No.  4.     S.  1.52—158.  =  Ti  285.  4°. 


1  G8  Kampffmbykh:   Marokko-Literatur.   II.   Tp— Tl. 

Tg.  Finanzwesen. 
3.  Marokk(3  (1  S.  84). 

Bonnet,  I'ioire.  l.a  BaiKjue  d'Etat  du  Maroc  et  Le  Problome  Maioiuiii.     l'arib   1913. 

Tg  330. 
Caix.  Kobert  de,  Leinprunt  luarocaiii.     In:  L'Afr.   FraiK;.     Aiiiiee  23.    No.  3.     Mars 

litis.     S.  103-106.  =  Ti  28.').  Ao, 

Ruiz,  Ricardo,  El   sistcma    monetario    de    Marrueoos.      In :    Mariuocos  .  .  .      Afio  2. 

Niun.  12.     1009.     S.  85—92.  =  Nc  3275. 

Ti.  Kolonisation. 
2.    Vermischtes  (I  S.  84). 

über  spanische  Zeitschriften    vi;!.  K.inijjffmeyer,  Grundlagen  S.  302.     Bestände   in  der  Ik-utschcn 

.\uslands-BibIiothek. 

Delafosse,  Mauiice,  L'Ecole  Coloniale.    In:  Rens.  Col.   1914.    No.  4.    S.  137— 146.  Hl. 

=  Ti  285.  4°. 

Fomento  de  las  poscsiones  espanolas  en  .\frica.  Dictamen  approbado  por  la  sociedad 
econömica  niatritense.     Madrid  1885.  Ti  362. 

Lavollee,  C,  La  colonisation  fran^aise  [in  Algerien].  Au.s:  Revue  de  l'Orient,  de 
TAlgerie  et  des  Colonies.     T.  9.     1851.     S.  76  -  86.  y  1512. 

Nordafrika.  Organ  der  marokkanischen  Gesellschaft  zu  Berlin.  Jahrgang  I,  1903. 
Im  Auftrage  der  Gesellschaft  herausgeg.  von  Dr.  P.  Mohr.  Berlin  1903.  (Nr.  1 
bis  7  =:  Beiblatt  zu  »Die  deutschen  Kolonien»).  —  Deutsche  Monatsschrift  für 
Kolonialpolitik  und  Kolonisation  (früher  Nordafrika).  Organ  der  deutschen  Mittel- 
meergesellschaft.  Jahrg.  II,  1904.  Im  Auftrage  der  Gesellschaft  herausgeg.  von 
Dr.  P.  Mohr.  Berlin  1904.  —  Deutsche  Mouatsschrift  .  .  .  Jahrg.  3.  Charlotten- 
burg 1903.  Ti  520. 

Alles  was  erschienen. 

3.   Marokko  (I  S.  84). 

Couillleaux,  Le  programme  de  la  France  au  Maroc.  L'organisation  du  protectorat 
Les  alTaires  au  Maroc.     Paris  1912.     K.  Ti  775.  4°. 

Jacquin,  Pierre,  L'action  frangaise  au  Maroc.  Etüde  sociale  administrative,  ccono- 
inique  et  politiqne.     Par.     (1911.)  Ti  840. 


Tl.  Militärwesen  (1  S.  84). 

Vgl.  d'Amade  Nc  4596.     Vgl.  Nc  H  F3  c,  S.  149,  Heerwesen. 

Dans  l'armee  d'Afrique.    Mesures  qui  s'imposent.    In:  L'Afr.  Fr.    Annee21.    No.  10. 
Octobre  1911.    S.  376-380.  =  Ti  285.  4o. 

Untcrzeielinet  ist  der  Artikel  mit  A.  C. 

Cabrera,  Jose  Alvarez,  Orden  de  marcha  del  ejercito  niarroqui  y  modo  de  combatir. 
In:  Marruecos  ...  Ano  2.     Num.  11.     S.  73—78.     19U9.  =  Nc  3275. 

—  La   Guerra   en   Marruecos.     Keconociinientos   y   servicios   avanzados.     In:   Mar- 
ruecos ...  Ano  2.     Num    14.     1909.     S.  137-  147.  =  Nc  327.5. 

—  La  Guerra  en  Marruecos.    Columnas  en  operaciones.    In:  Marruecos  ...  Ano  2. 
Num.  19.     I9U9.     S.  281—287.  r=  Nc  3275. 


Kampffmeyer :   Marokko-Literatur.   II.   Tl— ü.  1G9 

Garcialavin,  A.,  La  guerra  en   Africa.     Gui'a  del  combatiente.     Madi-id.     [1911.] 

Tl  142. 

Comniandant   Mordacq,    La   guerre    au  Maroc.     Enseigneiiieiits   tactiques   des   deux 

guerres  fraiico-marocaine  (1844^  et  liispano-niarocaiae  (1859 — 1860)  . . .  Editiou  2. 

Paris.     (1904.)  Tl  250. 

Las  troupes  noires.    In:  L'Afr.  Fr.    Annee  22.     No.  4.    Avril  1912.    S.124  — 130.    III. 

=  Ti  28.3.  4°. 


U.  Erzählungen  mit  fremdländischem  Hintergrunde. 

Ub.  Nordafrika  und  Marokko  (I  S.  85). 
Geniaux,  Charles,  Les  Musulmanes.     Paris  1909.  Ub  120. 

Meakin,  Budgett,  The  place  of  Morocco  in  fiction.     In:  The  Athenacuin  .  . .  No.  3722. 
Febr.  25.     1899.     London.     S.  242.  y  97G.  4°. 

•  ■  In  seinem  »The  Moorish  Empire«  hatte  der  Verf.  ein  Kapitel  unter  obigem  Titel  gegeben. 
An  eine  kurze  Übersicht  der  dort  beliandelten  Literaturwerlce  knüpft  der  Verf.  hier  im  Atlienaeum 
die  Bitte  um  IVIitteilung  von  Nachträgen. 


170 


Kampftmeyer:    Inde;c  7.ur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


Index 
zur  Marokko-Literatur  I.  und  IL  Hälfte. 

S.  1-85  —  I.  Hälfte,  S.  LSI -169  =:  IL  Hälfte. 

Die  in  1  S.  22— 26  und  II  S.  136— 137  «li.h.ibi'tiscli  aufsefüluten  ar.ibi  sehen  Verfasser  und  s.icli- 
lichcn  Stichwörter  sind  hier  nicht  wiederholt.  —  Der  Index  umfaßt  wesentlich  nur  die  Namen  aller 
Verfasser  (außer  den  ar.ibischcn),  weiter  der  Herausgeber  und  Übersetzer  von  orientalischen  Werken 
und  die  anonymen  Titel.  Jüt  Rficksicht  auf  die  systematische  Ordnung  des  Katalogs  ist  von  einem 
Sachindex  abgesehen.    Nur  vereinzelte  sachliche  Stichwörter  sind  aus   praktischen  Gründen  eingefügt. 

Ein  *  bei  einer  Zahl  bedeutet,  daß  auf  derselben  Seite  zwei  oder  mehr  Veröffent- 
lichungen des  betr.  Verfassers  aufgeführt  sind. 


Abdelhafid  42 

'Abd  el  'Aziz  Zenagui  13.t 

Abdul- Aziz  41 

Abkommen  l'.)ll,  Deutsch-franzö- 
sisches, 141 

Abkommen  1914,  Französisch- tür- 
kisches, 142 

Abne  Zikkärön,  Denksteine  26 

Abou-Djebel  55 

Actas  y  memorias  del  Primer  Congreso 
Espafiol  de  Africanistas  celebrado  en 
Granada  166 

Acts  in  Mogrebi,  The,  136 

Adel  mann  von  Adelmannsfelden, 
Graf  Sigmund,  58*.  65 

Änderung,  Tiefgreifende,  in  der  Ver- 
waltung Mauritaniens  66 

Aereboe,  Andreas,  40 

Aflalo,  M.,  53 

Africa  Pilot  67 

Afrique  Fran^aise  (Zeitschrift)  84 

Agadir  158 

Agrell,  Olof,  54* 

A  hl  ward  t,  Wilhelm,  18.  19 

Akademieschriften  13 

Aktenstücke  über  Marokko  32.  141 

Alarcön,  Enrique  Lopez, s. Lopez  Alarcon 

Albino,  Juan,  134 

Albrecht,  Hermann,  146 

Alcalä  Galiano,  Pelayo,  64* 

Alcaraz  s.  Llanos  y  Alcaraz 

Aleniany,  J.,  43 


Alermon  y  Dorreguiz  151 

Algeciras-Akte  32.  141 

Ali  Bey  150 
j  A  Imagro  y  Garden  as,  Antonio,    133*. 

150 
'  Alphabet,  Das,  der  Berbern  16 
j  A 1 V  a  r  e  z  155 
I  Alvarez  s.  Aza  y  Alvarez 
I  Alzola,  Pablo  de,  84 
jD'Amade  42.  147 
I  Aniann,  Ernst,  62 
JAmar,  Emile,  25.  186.  139* 
JAmari,  M.,  23 
lAmicis,  Edmondo  de,  56* 
'Aniondareyn  s.  Tello  Amondareyn 
;  Amor,  Fernando,  55 
j  A  n  d  r  e  e  68 
I  Andrieu,  E.,  82 

Anfa  03 

Anfreville,  L.  d',  82 

Annuaire  du  Maroc  78.  164 

Ansicht,   Die,    eines   Marokkaners   über 
die  europäische  Kultur  39 

Ansichten  61  ff.  156ff. 

Anuario  espafiol  de  Älarruecos  164 

Apollinaire  deValence  53 

Arrhives  Marocaines  37 

Arcisas,  Augustin  d',  54 

Arco  y  Molinero,  Angel  del,   133 

Arevalo,  Kafael,  19.  133 

Arganbaum  165 

Ar!  ach,  H.  de  T.  d',  145 


Kampffmever:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


171 


Arnold,  Fr.  Rudolf  L.,  46.  78 

Arnoye  63 

Arribat,  Jules,  135 

Arriola,  Manuel  Maria  de,  150 

Artbauer,  Otto  C,  155*.  157 

Arzilie,  Arzilla  62.  157 

Ashbee,  H.  S.,  50 

Asmussen,  P.,  29 

Attanoux,  J. -Bernard  d',  144.  155 

Aube,  L',   du  Protectorat  Marocain  149 

Aubin,  Eugene,  52 

—  ,  Paul,  140 
Auer,  Grethe,  58.  85 

August  in,  Ferdinand  Freiherr  von,  52.55 
Aus  allen  Weltteilen  45 
Ausfuhrhandel,  Winke   für   den,    mit 

Marokko  82 
Ausgrabungen  in  Afrika  34 
Ausland,  Das,  45 
Auxiliaire  de  l'arabisant,  L',  134 
Avezac  66 

Aycart  y  Lopez,  Lorenzo,  152 
Aygalliers,  P.  d',  80 
Aymard,  Am.,  133 
Aza  y  Alvarez,  Mäximo,  69 
Azan,  Paul,  148 
A  z  e  m  m  u  r  63 
Azila  62.  157 

Baasch,  Ernst,  81 

Baedeker,  Karl.  47.  67 

Baeumen,  August  von,  40 

»Bakir-Khodja«,  Ammar  ben  Hassein, 
184 

Baien,  J.  Hendrik  van,  85 

Ball,  John,  55.  75 

Balodon,  R.,  78 

Banque  d'Etat,  La,  du  Maroc  84 

Banse,  Ewald,  49.  50 

Barbier  du  Bocage,  V.  A.,  52 

B arges,  J.-J.-L.,  23* 

Baron,  A.,  144 

Barrachina,  s.  Boronat  y  Barrachina 

Barrere,  Henry,   161 

Barth,  Heinrich,  48.  49 

Bassenge,  L.,  154 

Basset,  Rene,  Rapport  sur  les  etudes  her- 
beres et  haoussa  15 

—  Dialectes  herberes  du  Rif  maroc.  16 


Basset,  Rene,  Zenatia  du  Mzab  de  Ouar- 
gla  16 

—  Dialecte  de  Syouah  16 

—  Notes  de  lexicographie  herbere   Ki 

—  Relation  de  Sidi  Brahim  17 

—  Nouveaux  contes  herberes  17 

—  Manuscrits  arabes  de  deux  biblio- 
thcques  de  Fas  18 

—  Manuscrits  ar.  de  la  Zaouyah  d'El 
Hamel  18 

—  Sanctuaires  du  Djebel  Nefousa  28 

—  Recueil  de  textes  et  de  documents 
relatifs  ä  la  philologie  berl)ere  133 

—  Notice  sur  les  dialectes  herberes  des 
Harakta  et  du  Djerid  tuni-sien  133 

—  Documents  geogr.  sur  l'Afr.  Septen- 
trionale  136 

—  Bulletin  des  periodiques  de  l'Islam  137 
Battandier,  J.-A.,  73.  75* 
Baudin,  Pierre,  139 

Baudissin,  Wolfius  Guil.  Frid.  de,  24 
Baumwolle  80 
Beauclerk,  G.,  55 
Beaumier,  A.,  23.  151 
Beaussier,  Marcelin,  20 
Becerra  Fernändez,  Manuel,  62 
Becker,  C.  H.,  28.  137 

—  ,  Th.,  76 

Beckmann,  Wilhelm,  61*.  154* 

Bedel  58 

Beduinenlieder,  Tripolitanisch  -  tuni- 
sische, 21 

Behrens,  Wilhelm,  75 

Beiträge,  Wissenschaftl.,  z.  Gedächtnis 
d.  lOOjähr.  AViederkehr  des  Antritts  v. 
Alex.  V.  Humboldts  Reise  nach  Amerika 
am  5.  Juni  1799  46 

Beitrag  zur  Nord- Afrikan.Käfer-Fauna76 

Bei,  Alfred,  24 

Belkassem  Ben  Sedira  20 

Bellair,  Georges,  80 

Belot,  J.  B.,  20 

Bei  ton,  Andrew,  148 

Ben  Cheneb  s.  Mohammed  ben  Cheneb 

Benchimol,  Isaac,  143 

Beneden,  P.  J.  van,  163 

Benjamin,  J.  J.,  46 

Bensusan,  S.  L.,  59.  133 

Bentaböl  y  Ureta,  Iloraclo,  61 

Beobachtungen,  Deutsche  überseeische 
meteorologische,  163 


172 


K.\MPFF>iEYKn:    Index  zur  Marokko-Literatur  1.  und  II.  Hälflßi 


Berber,  Berberisch  15  ff".  133 

Berbrugger,  Adrian,  53 

Berbrugger,  L.-A.  [=  Adrien?],  6<) 

Berger.  Ernest,  80 

Beric.  Haoul.  85 

Berichte,  Ges.  d.  Wiss.  Leipzig  13 


Bossi,  Giaconio,   48 
Rotte,  Louis,  160 
Bou  Beck'r  107 
Bou lenger,  G.  A.,  7(5 
Boulifa,  Said,  133 
Bourote,  Maurice.    i<).') 


Berlin,  Kgl.  Bibl..  arab.  Handschriften  18  ;  Boy  de,  Henry,  41» 

Bernard,  Angustin.  40.  .59.  64.  147.  151*  '  Brahim  =  Sidi  Braliim  de  Ma.s>at  17. 


133 
Braithwaitc  39 
Brattei-,  C.  A.,  73 
Brault,  J.,  77 
Breniond  148 
Bresnier,  L.-J.,  19.   135 
Brevans.  J.  de.  80 


153.  158*.   164 
Bernard,  Capitaine,  159 
Bertherand.  E.-L.,  75 
Bertrand,  George  Jacques,  166 
Besnier,  Maurice,  34*.  52.  78.   164 
Besse,  J.-M.,  29 
Besson,  Raoul,  158 
Bethencourt,   Francisco  Fernändez,  44  |  Briefe,  Marrokanische.  26 
Bianconi,  F.,  82  Briefe  aus  Marroko  147.  148 

Bibliografia  de  la  Can.pana  de  Kalaia-  i  Brives.  A.,  58*.  74.  151 

Kabdana  (1909)  14H  Brockelmann,  Carl,  19 

r,.,  ,.  ,  •       r»  •     .  I-    1       iJ  Brosselard,  Charles,  16.  28 

Bibliographie,  Urientalische.   14 

Bibliotheca  geographica  45  j  Brown,  Robert,  52  (Bibliography).  54 

Bieberstein   s.  Rogalla    v.  Bieberstein  pu  Hainara  41 


Bilder,  Gemälde  61  ff.  1.56ff. 

Binger,  L.-G.,  27 

Blanc  64 

Bianc,  Casimir,  73 

Blanc,  L.-R.,  21.  22* 

Blanchet,  R,  162 

Blanckenhorn,  Max,  74 

Bläzquez,  Antonio,  49 

Bleicher  73 

Blumentritt,  F.,  60*.  66.  71 

Böttger,  Oscar,  76 

Boissier,  E.,  75 

Boissier,  Gaston,  .50 

Boistel,  A.,  162 

Boletin  oficial   de  la  zona  de  influencia 

espanola  cn  Marruecos  142 
Bonde,  Carl,  68 

Bonelli  Hernando,  Emilio,  153 
Bonnet  58 
Bonnet,  Ed.,  75 
Bonnet,  Pierre,  168 
Bonnier,  Gaston,  74 
Bonsal  jr.,  Sttephen,  57 
Bornet,  Edouard,  75 
Boronat  y  Barrachina,  Pascual,  44 
Bory  de  St.  Vincent,  J.  B.,  46 
Boscq    de    Beaumout,    G.  du,    s.    Du  1  Campanella,  Thomas,  44 

Boscq  ICampo  Angulo,  Gei-onimo,  52 


Buchet  142 
i  Buchet,  Gaston.  81 
Buchs  er,  Franz,  55 
Bugeaud,  Marcchal,  36 
Buisseret,  Comte  Conrad  de,  59 
.Bulletin  de  correspondance  africaine  14 
Bulletin   de   la  Societe  de  Ciimatologie 

Algerienne  73 
B  u  1 1  e  t  i  n  du  Comite  de  TAfrique  Frang.  84 
Bulletin  Officiel  des  französischeu Pro- 
tektorats 142 
!  Bulletin  Economique  du  Maroc    164 
I  Bulletin    mensuel    du    Syndicat    Inter- 
national   pour    la    defense    des    interets 
economiques  au  Maroc  164 
Buloix  s.  Juve  de  ßuloix 
Bunz,  Hugo,  137 
Bus  not,  Pater,  39 

Cabrera,   Jose   Alvarez,  149.   152.  156. 

1.57.  168* 
Cadahalso,  Joseph,  26 
Caetani,  Leone,  27 
Caillie,  Rene,  159 
Caine,  Hall,  85 
Caix,  Robert  de,  152.  154.  157.  158.  168 


KAMPFFaiEYEB :   Index  zur  Marokko-Literatur  1.  und  IL  Hälftßi 


173 


Campou,  Ludovic  de,  56 

Canal,  Joseph,  40.  52 

Canales  s.  Ollvo  y  Canales 

Cancel  148 

Cafiizares  y  Moyano,  Eduardo,  38 

Canton,  H ,  65 

Garbo  s.  Cliias  y  Carbö 

Card  s.  Rouard  de  Card 

Cärdcnas  s.  Alinagro  y  Cärdenas 

Cardonne  35 

Carette  70 

Carsalade  (du  Pont),  De,  157.  167 

Casablanca  63.  157  (und  sonst  Ob) 

Caspari-Wr  ight  19 

Castellane,  De,  150 

Castellanos,  Manuel  P.,  38 

Castonnet  des  Fosses,  IL,  38 

Castries,  (Le  Conite)  Il(enry)  de,  38.  64. 

65.  138.  145. 
Cat,  Edouard,  138 
Catalogue  de  quelques  livres  d'histoire 

d'Espagne  17 
Catalogue  General  des  Ouvrages  Horti- 

coles,  Agricoles  et  de  la  Vie  a  la  Cam- 

pagne  80 
Centre  des  Arabisants  (Madrid)  37 
Cercle  Suisse  du  commerce  au  Maroe 

ä  Tanger  166 
Ceuta  61.  156  (und  sonst  Ob) 
Cliants  arabes  du  Maghreb  135 
Charleville,  Edmond,  79 
Chauvin,  Victor,  13.  38*.  50 
Chavagnac.  Maurice  de,  64 
Che  min    de  fer,   Le,   de  Tlemcen  a  la 

frontlere  du  Maroc  83 
Chenier,  De,  38"*- 
Cherbonneau,  Aug.,  20 
Cliias  y  Carbö,  Benito,  69 
Choix  de  correspondances  niarocaines  21 
Chrestomathie  arabe  135 
Christian,  F.,  37 
Cid  Kaoui,  S.,  16* 
Clapperton  48 
Class,  Heinrich,  150 
Clavenad,  P.,  50 
Clenardus,  Nicolaus,  4.t 
Clouzot,  Henri,  162 
Coasts  of  the  Mediterrean  Sea  68 
Cochelet,  Charles,  54 
Cohen-Solal  20 


Colafo,  Emiüo  Rey,  146 

Colin,  Gabriel,  19 

Colliez,  Andre,  148.   158 

Colom  s.  Merry  y  Colom 

Com m ent a r ij ,  Rerum  aCaroloV Caesare 

Aug.  in  Africa  hello  gestarum,  36 
Commerce  du  Maroc  en  1907  82 
Commerce  franco-niarocain  82 
Congreso  Espafiol  de  Africanistas  cele- 

brado  en  Granada,  Piimero,  166 
—  Africanista,  Segundo,  81 
Conquista  de  Marruecos  en  el  ano  1893 

146 
Conring,  Adolpli  von,  52 
Consulatswesen  in  Marokko  42 
Consultations  juridicjues  139 
Contes,  Nouveaux,  herberes,  17 
Contes,    Deux,    marocains    en    dial.    de 

Tanger  21 
Continent,  Der,  33 
Cooke,  Geo.  Wingrave,  49 
Coppolani,  Xavier,  28 
Coquand,  H.,  162 
Cora,  Guido,  56 
C  0  r  a  n  u  s  1 36 
Correspondencia  diplomatica   relativa 

ä  la  guerra  de  Africa  146 
Corrieras,  J.,  28 
Cortes,  Manuel,  166 
Cosson,  E.,  75* 
Cotte,  Narcisse,  52 
Coufourier,  E.,  25 
Coufourier,  L.,  28.  40* 
Couillieaux  168 
Cour,  Auguste,  18.  38 
Cousin,  Albert,  60.  78 
Cowan,  George  D.,  56 
Cranmer-Byng,  L.,  133 
Crema,  C.  F.,  56 
Cronheim,  Reinhold,  41 
Cusa,  Salvatore,  21 

Daniel,  H.  A.,  45 

Dapper,  O.,  48 

Darnion,  Isaac,  138 

Dattelpalme  80 

Daumas  [,  E.,]  51.  71 

Dawso  n,  A.  J.,  58 

Deanibroggio  dit  Kaddour  139     - 

Dechaud,  Ed.,  82* 


174 


Kampffiikn-kr:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


Dchors,  Gabriel,  82 
Delacroix,  Eugene,  55 
Delafosse,  Maurice,  168 
Delariie,  Louis  Löon,  77 
Delbrel,  G(ahiiel),  42.  ()5.  82.   14(5 
Deloncle,  Leon,  141 
Delphin  (,  G.,)  19.  22*.  77 
Denckwflrdigkeiten,    Asiatisclie    und 

Afrikanische,  dieser  Zeit  48 
Denliani  48 
Depont,  Octave,  28,  137 


Doutte,     Edinond,     TroisitMue     voyage 
:      d'ctudes  au  Maroc  59 
I  —  Quatricine    voyage  d'ötudes  au  Maroc 
i      59 

—  Un  texte  arabe  en  diaiecte  Oranais  135 

—  Lcs  causes  de  la  c-liute  d'un  sultan  138 
'  —  Notes  sur  l'isläni  Maghribin  138 

—  Bulletin     bibliographique     de     l'Islam 
Maghribin  143 

i  —  Les    Marocains    et    la    Soeicte  maro- 
caine  144 


Derecho,   El,   ä   la    ocupaciön  de   terri- j  _  Note  sur  les  ruines  de  Tin  Mellal  145 
torlos  en  la   costa  oecid.  de  Africa,   84]  —  Figuig.  Notes  et  iinpressions  159 


Deschanel,  Paul,  158 
Descleza,  Sancho,  40 
Descos,  Eugene,  =  Aubin  52 
Despagnet,  Frantz,  32 
Desparniet,  J.,  19 
Des  Portes  56 
Destaing,  E.,  133 


Dove,  Karl,  164 

Dozy,  R.,  20  (Suppl.  aux  dict.  ar.).  137 

Drame,   Le,   de  Marrakech   et  l'occupa- 

tion  d'Oujda  41 
Dronet,  Francis,  49 
Drumniond-Hay  85 
Dry,  A.,  47 


Dialekt,  Der  arabische,  der  Houwura  des  j  Dubois,  Felix.  65 

Wad  Süs  21  j  Dubois,  Marcel,  50 

Dialekt,    Zum  ai-abischen,  von  Marokko    Du  Boscq  de  Beauinout,  G.,  61 

22  ;  Duchene-Marullaz,  Henri,  77 

Diana,  Manuel  Juan,   155  |  Du  Gast,  C,  165 

Dichtkunst  und  Gedichte  der  Schluh  17  j  Dugat,  G.,  137 
Dictionnaire  franfais-berbcre  16  |  Du  Pont  s.  Carsalade   du  Pont 

Didier,  Charles,  55  Duprat,  Pascal,  71.  145 

Diercks,  G(ustav),  51.  144.  150  Dupuy,  E.,  143.  144 

Dinse,  Paul,  45  Durand,  E.,  80 

Diplomi,  I,  greci  ed  arabi  di  Sicilia  21  jDuro,  Cesäreo  Fernändez,  39 
Documentos  ärabes  de  la  corte  Nazari  |  Du  Taillis,  Jean,  161 

de  Granada  135  IDuveyrier,  Henri,  56.  60.  153 

Documentos   arabicos    para    a    historia  ,  Dyö,  A.Henri,  62*.  64.  163 

portugueza  21  i 

Documents   diplomatiques  (Gelbbücher)  i  Epi^ardt,  J.  T.  von,  27.  34 

32.  141  Eddali  1  ou  Guide  de  l'Arabisant  21 

Documents  inedits  sur  Ihist.  de  l'occup.    Edwards,  Charles'J.,  67 


espagn.  en  Afrique  36 
Dolmen  in  Marokko  70 
Dombay,  Franz  von,  19.  33 
Dominique,  L.-C.,  37 
Dorreguiz  s.  Alermon  y  Dorreguiz 
Douls,  Camille,  66 


Egli,  J.  J.,  45 

Ehrmann,  Theophil  Friedrich,  46.  54 
Eichwald  78 
Eidenschenk  20 

Einiges  über  Land  und  Leute  aus  Nord- 
westafrika  71 


Doutte,  Edmond.  L'anarchie  marocaine41    Einkünfte,    Monopole,    Steuern,    Zölle 

—  ,  La   Situation    politique    du   Houz   au  |      42.  149 

1"  janvier  1907  41  Eisenbahnen  167 

—  A  la  cöte  oecid.  du  Maroc  42  Eisner,  Kurt,  150 

—  Une    mission  d'ötudes    au    Maroc    58    Elf  Stücke,  Tazerwalt  17 

—  Merräkech  58  Emily,  Shareefa  of  Wazan  152* 


Kampffmeyeh:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


175 


Engelinann,  R.,  40 

Engler,  A.,  74 

Epistolae  quaedaniArabicae (Habicht)  21 

Er ck mann,  Jules,  52 

Ergänzungshefte  zu  Petennanns  Mit- 

teihmgen  4G 
Erlanger,  Carlo  Frhr.  von,  76* 
Erlaß,  Ein,  des  Sultans  von  Marokko  22 
E  s  e  r  i  b  a  n  o ,  Enrique,  60 
Espada  s.  La  Espada 
Etienne,  Eug.,  58 

Ettouati  s.  Mohammed  Elbachir  Eitouati 
Euting,  Julius,  18 

Evangile  selon  Saint- Jean  en  Chelh'a  17 
Expansion  comercial  de  Espaüa  en  ' 

Marruecos  82  i 

Expedition  hydrographique  160       i 
Exploration   scientifique   de  l'Al- ■ 

gerie  37 
Export  (Zeitschrift)  79.  82 

Fabert,  Leon,  66 

Fagnan,  E.,  23*.  24*.  26.  31* 

Faidherbe  16  I 

Falgueras  y  Ozaeta,  Ignacio,  139 

Faure-Biguet,  G.,  22.  25.  36 

Faye  s.  La  Faye  • 

Feder,  Arthur,  167 

Feder,  Enst,  143*  \ 

Fekar,  Benali,  51  j 

F  e  1  d  m  a  n  n ,  Hermann,  30 

Feliu,  E.,  139* 

Fernandez,  Manuel  Becerra,  s.  Becerra  j 

Fernandez  s.  Poblacion  y  Fernandez      | 

Ferri,  Don  Rafael,  71  i 

Fes,  18  (Arab.Hss.)19.  (l  iiiversität).  65.  j 

159  (und  sonst  Ob)  ' 

Fevret,  A.,  25 

Ficke,  Carl,  147  j 

Fidel,  CamiUe,  34.  39.  82*.  150  j 

Figig  65.  159  (und  sonst  Ob) 
Fischer,  August,  1.33.  134.  135.  150.  152 
Fischer,  E.,  58 
Fischer,  J.  J.,  81.  166* 
Fischer,  Theobald,  Fortschritte  u.  Entw. 

der  geogr.  Wissensch.  46 

—  aus  Vorträgen  46 

—  Mittelmeerbilder  47 

—  Fenomeni     di     abrasione     sulle     coste 
dei  paesi  dell'  Atlante  49 


Fischer,  Theobald,  Tunis,  Biserta  imd 
Tunesien  1904  50 

—  Küstenstudien  u.  Reiseeindrücke  aus 
Algerien  51 

—  Marokko  52 

—  Marokko  als  Kriegsschauplatz  53 

—  Wissenschaftl.  Ergebnisse  einer  Reise 
im  Atlas-Vorlande  von  Marokko  58 

—  Reiseeindrücke  aus  Marokko  58 

—  Meine  dritte  Forschungsreise  in» 
Atlas-Vorlande  1901  58 

—  Die  Forschungsreisen  und  die  Ge- 
fangennahme des  Marquis  de  Segonzac 
im  marolckanischen  Atlas  59 

—  Zur  Erforschung  von  Marokko  59 

—  Die  Seehäfen  von  Marokko  60 

—  Der  Djebel  Hadid  im  südwestlichen 
Atlasvorland  von  Marokko  61 

—  The  Mediterranean  peoples  71 

—  Die  Bodenschätze  Maroccos  74 

—  Die  Handels-  und  wirtschaftlichen 
Verhältnisse  von  Marokko  ...  79 

—  Marokko.  Eine  Skizze.  (In:  Die  Um- 
schau) 79 

—  Die  weltwirtschaftliche  Bedeutung  Ma- 
rokkos 79 

—  Marokko   und   seine  BeziehungeTi    zuis 
deutschen  Volkswirtschaft  79 

—  Die  Dattelpalme  80 

—  Der  Ölbaum  80 

—  Die  Bedeutung  Marokkos  für  Welt- 
handel und  Weltpolitik  82 

—  Die  Deutsclieu  in  INIarokko  82 

—  Marokko.  Eine  landeskundliche  Skizze. 
(In:  Geogr.  Zeitschr.)  151 

—  Physisch-geographische  Skiz/.c  von 
Marokko  (Karte)  160 

—  Marokko  und  seine  weltwirtschaft- 
liche Bedeutung  165 

Fitzner,  Rudolf,  78 

Flachs  80 

Flamand,  G.-B.-M..  70.  161 

Flandorffer,  C,  80 

Fleischer  20 

Floericke,  Curt,  59.  60.  77 

Flotte  de  Roquevaire,  R.  de,  58.  69. 

154 
Flügel,  Gustav,  136* 
Fomento  de  las  posesiones  espanolas  en 

Africa  168 
Forrest,  A.  S.,  .59 


17C 


IvAMrFKVKYm:    Iudex  /ur  Mnrokko-Liteiatnr  I.  und  II.  Hälfte. 


Foslie,  M.,  163, 
Foucauld,  Cliarics  de,  34.  56 
Foiirberics,  Los,  de  Si  Djeh'a  17 
Fournc'l,  Henri,  36 
France.  La,  en  Tunis! e  51  • 
Frauce  niarocaine,  La,  164 
Franceri,  Adolfo  M.'',  144 
Franf  ois  hd  . 
Fraiifois  d'Angers  53 
Freitag,  Georg  Wiliielm.  18.  -JO 
Fr  ejus,  Roland,  lö3 
Fremdenlegion  44 


Gibraltar  l>7 
Gieure  147 
Gilbert,  F.,  63 
Gilles,  J.  B.,  133 
Girard  52 

Girault  de  Prangey  73 
Globus  4G 
Godard,  Leon,  55 
Goeze,  E.,  34 
Goffart,  J..  :\0 
Gold  mann,  Felix,  80 
Goldziher.  Ign.,  27 


Freytag,  G.W. ,  s  Freitag, GeorgWilhelm  j  Gomes,  Bernardino  Antonio,  74 


Friedeberg,  ]M.,  3t 

Fried  mann,  Hermann,  53 

Frisch,  R.-J.,  52 

Fritsch,  Freiherr  Karl  von,  55.  76 

Froelieher,  E.,  38 

Froidevaux,  Henri,  157 

Fumey,  Eugene,  21.  25 

Gabbas,  Sidi  Mohammed,  41 
Gäbelein,  Kainmiid,  30 
Gaillard,  H(enri),  G5.  14S.  150 


Gorringe,  Henry  H.,  68 

Gottberg,  O.,  145 

Goul  ven,  J.,  1G6 

Gräbergvon  Hemsö,.Jacob,52. 134. 151 

Graham,  R.  B.  Cunningham,  53 

Granada  ()7 

Grand-Carteret,  John,  150 

Greeff,  Richard,  74 

Grey,  Henry  M.,  154 

Griguer,  Jules,  138 

Grimm.  Arno.  27 


Galiano,  Pelayo  Alcala,  s.  Alcalä  Galiano  I  Gronteken,  Autbert,  30 
^„allois,  Eugene,  64.  65  iGros,  H,,  78 

Gallus  35  Grothe,  Hugo,  51 

Gamazo,  Gabriel  Maura.s.MauraGairazo  I  "■'*^*^''^'  L.  H.,  81 


Ganniers,  Arthur  de,  52.  151 

Garc-ia,  Rafael  Guerrero,  167 

Garcia  Perez,  Antonio,  145 

Garcia  lavin,  A.,  169 

Garnier,  Achille,  60 

Garnier,  Rene,  &) 

Gasselin,  Ed.,  134 

Gauckler,  P..  50 

Gelbbüclur  32.  141 

G  eil  hörn.  0.  v.,  77 

G e n i a u X ,  Chailes,  151.   1 60 

Gennep,  A.  von,  71 

Genthe,  Siegfried.  06 

Gentil,  Louis.  41.  59*.63.  151  (LcMarocj  Haliburton,  R.  G..  70.   161 

physique).   1.54  (Dans  le  Bled  e.s  Siba).    Hamel,  El,  Arab.  Hss.   18 

158.  161.  162*  ;Hamet,  Ismael.   14.i 

Gesandtschaftsreise  nach  Marokko  56  I  Ham  niu,  Sidi,  =;  Hannnu  17.  133* 
Geschichten,  Neuarahische,  aus  Tanger  j  Handelsverträge  32.  141 

22  Handjcri,  Alexandre,   15 

Geslin  16  Handke,  H.,  139.  155 

Gespräche,  Marokkanisch-Arabische,  im    Handschriften-Verzeieiuiisse  13 

Dialekt  von  Casablanca  135  '  Haneberg,  B.,  31 


I  Grove,  Lady,  57 
Guesperrau  148 
Gui'a   de  la  couversacion  espanola-ärabe 

marroqui  135 
Gui'a  del  Espafiol  cn  Marruecos  141 
Guide.  Petit,  au  Maroe  83 
Gunzburg.  David  de.  24 

Habicht,  Maximilian.  21 
i  Haeckel,  Ernst,  bi 
;  Häfen  167 
jHaessner,  Max,  166 

Hahn.  Friedrich.  49 


KAMPEFiaEYEB :   Index  zur  INIarokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


177 


HanoteaUjlA.,  16* 

Hantzsch,  Viktor,  68 

Hai'iiigman,  H.,  54 

Harris,  Walter  B.,  57.65.70.   138.  146 

Hart  mann,  Joh.  Melchior,  24* 

Hartmann,  Martin,  15.17.  18.  22.  27*. 

31.  87.  71 
Hasse  58 

Hassen  st  ein,  B.,  .'in 
Haupt,  Rudolf  15 
Heerwesen  43.   149 
Hellwald,  Ferdinand  de,  •5'] 
Helmsdörfer,  Georg,  25 
Hemeling,  AValdemar,  52 
Hern  so  s.  Gräberg  von  Hemsö 
Henning   [,  Carl,]  139 
Henning,  Max,  22.  23 
Henry,  Ch.  A.,  82* 
Hernando,    Euiilio    Bonelli,    s.    Bonelli 

Hernando 
Herzen.  V.,  163 
Hess,  Jean,  150 

Hesse-Wartegg,  Ernstv.,  34.  50.  60.  62 
Hey  den,  L.  von,  76 
Hidalgo  y  Rodriguez,  Francisco L.,  151 
Hildebrandt  64 
Hiigert,  Carl.  76 
Hirsch,  Leo,  22 
Hodgkin,  Thomas,  55 
Hösel,  Ludwig,  80 
Hoest,  Georg,  40.  .52  •■ 
Hof  43.  150 
Holtz,  A.,  142 
Ho  mann,  Jo.  Christ.,  69 
Hood.  Fred,  34 
Hooker,  Joseph  Dalton,  55 
Horowitz,  Victor  J,,  52 
Houdas,  0.,  25*.  136* 
H  o  w  a  i"  d  - Vy  s  e  47 
Huber,  V.  A.,  85 
Hubert,  Lucien,  33.  41 
Hübner,  Emil,  44* 
Hübner   (,  Max,)  33.  41.  4.3*.  51*.  60*. 

64.  65.  147*.  158.  159* 
Hübner,  Otto,  45 
Hughes,  Thomas  Patrick,   137 
Huguet,  J.,  161  * 
Humboldt,  Wilhelm  von,  27 
Huret,  Jules,  60 
Huyghe,  G.,  17 


Jackson,  James  Grey,  54 

J  acobi,  Max,  44 

Jacob  söhn,  Ernst,  60 

Jacoby,  Gustav,  81 

Jacquin.  Pierre,   168 

Jan  nicke,  Wilhelm,  46 

Jäfil,  Nätän  Jadmün,  185 

Jahrbuch  f.Deutschlands  Seeiiiteressen  84 

Jahresbericht  des  Frankfurter  Vereins 

für  Geographie  und  Statistik  46 
Jannasch,  R.,  64.  82.  146.  147.  166  - 
Jansen,  Hubert,  28.  34.  71  - 

Jara,  Alfonso,  47 
Ibrahim   ben  Muh  am  med   el    Messi 

el  Susi,  Sidl,  133 
Jeannot,  Gustave,  151 
Jerez  Perchet,  Augu.sto,  150 
Jewett,  James  Richard,  22 
Jimenez  de  la   Espada,   Marcos^  1.58 
Ilg,  Berta,  22 

Indicateur  marocain,  L',  164 
Industries,  Les,  d'Ouezzan  &1 
Inscriptiones  Hispaniae  christiauae  44 
Institut  Marocain  37 
Intereses  de  Espana  en  Marruecos  1884 

150 
Interets  Nos,  Economiques  au  Maroe,  83 
Jobus  (Baudissiii)  24 
St.  John  in  Mogrebi  136 
Johnston,  R.  L.  N.,  56.  13:5*.   151 
Joly,  A.,  25.  41.  62.  81 
Jourdy  162 
Journal  A  s  i  a  t  i  q  u  e  14 
Juby,  Kap,  67.  1.5S 
Jung,  J.,  145 
Juvc  de  Buloix,  A.,  144 
Juve  y  Serra,  Jaime,  84 
Juynboll,  Th.  W.,  30 

Kabylen,  Die,   und  das  Christentum  30 

Kaddour  139 

Kamel  81 

Kampffmeyer.  Georg,  22.  45.  58.  71. 
134.  135*.  139.  145.  1.50*.  152*  (Grund- 
lagen). 165.  167 

Kann,  ReginaW,  146.  159 

Karaouiyin  159 

Karow,  Leonhard,  57.  60*.  149.  155. 
157.  160* 

Karten  68.  160 


178 


Kami'ffmkykr:    Index  zui-  Marokko-Literatur  I.  und  11.  Hälfte. 


Karton  von  einzelnen  Städten  61  ff.  156 ff.    La  Prade  s.  Pyrent  de  la  Prade. 
Kataloge  13.  14.  18.  45  Laquiere,  E.,  70 

Kaufmann,  David,  35  Larasch  63.  157  (und  sonst  Ob) 

Kaulisch  139  Larcher,  Emile,  140 

Kcatinge  47  Larras,  Abel,  68 

Kerdec  Clicny,  A.  de,  28  Larras,  N.,  152 

Kerr,  Kobert,  57  |  Larroude,  J.,  49 

Kenn  de  Iloogerwoerd,  Sclini  Khan,  i  Lasala,  Juan  Pablo,  162 


31 
Khoräfa  d'Ali  Chätar  22 
Kiepert,  Ileinricli,  (58 
Kleinschmidt,  Otto,  76* 
Kleist,  Hugo,  50 
K lüden,  Gustav  Adolph  von,  45 
Knoch,  Karl,  4G.  77 
Kobelt,W.,  47 
Koch,  Carl,  7G 
Köhler,  Arthur,  71 
Koenig,  A.,  77 
Koran  22.  136 
Krehl,  L.,  137 
Krem  er,  A.  von,  18 
Kre  US  ebner,  Curt  Rudolf,  71 
K  reut  er,  Alexander,  l'ib 
Krieg  mit  Frankreich?  150 
Kriegsschauplatz,  Der,  in  Marokko  03  j  Lehrbücher  d.  Sem.  f.  Or.  Sprachen  15 
Krüger-Westend,  Hermann,  27  JLemoine,  Paul,  59*.  160 

Kühnel,  Ernst,  51.  67  iLempriere,  AVil,  54*  153 

Kürchhoff,  D.,  83  |  Lenz,  Oskar,  43.  48.  56.  62.  70.  160 

Küstenstädte,    Die    atlantischen,    Ma-    Leo  Africanus  48 

rokkos  62 
Kurze,  G.,  30* 


Lastenhefte  165 

Lataste,  Fernand,  76 

Laune,  Etienne,  135 

Laverrenz,  C,  48 

Lavollee,  C,  168 

Lea,  Henry  Charles,  44 

Leared,  Arthur,  56* 

Le  Chatelier,  Alfred,  28.  138.  1.39.  150. 

161* 
Leclerc,  Ch.  Rene,  s.  Rene-Leclerc 
Leclerc,  Lucien,  23 
Leclercq,  Jules,  49 
Lecomte,  Georges,  61 
Lecureul,  Xavier,  28.  71.   149 
Leeke,  Paul,  163 
Legrand,  Ch.,  139 
Lesuest  19 


Lacharriere  s.  Ladreit  de  Lacharriere 

Ladreit  de  Lacharriere,  J.,  134.  139. 

147.  148.  149.  152.  165*.  166.  167* 


Leon  y  Ranios,  Eduardo  de,  52 
Leonhardt,  Linus,  61 
Lerchundi,  Fr.  Jose.  19.  20.  150 
Le  Roy,  Henry,  54 
Levesqucs,  H.,  51 
Liman,  Otto,  150 


LadreitdeLacharriere,Reynolde,152    L'ttniann,  Enno,  16 


L i  v r e t - g u i d e  du  vojageur  au  Maroc  167 
Llana,  Manuel  G.,  38 
Llanos  y  Alcaraz,  Adolfo,  41 
Löwenstein,  Prinz  Wilhelm,  47 
Löwen  Stern,  v.,  70 
London.  Friederike  H..  36 


La  Espada  s.  Jimenez  de  la  E,spada 

Lafaye  160 

La  Faye,  Jean  de,  54 

Lagarde,  Paul  de,  20 

La  Martiniere,  H.  (M.  P.)  de,  57.  64 

152.  159. 
Landberg  (-Hallberger),    Carlo   Graf  |  Long  142* 

von,  19*.  27  Lopez  s.  Aycart  y  Lopez 

Lane,  Edward  William,  20  Lopez  Alarcön,  Enrique,  148 

Lane-Poole,  Stanlcv,  33.  143  Lorinser,  C.  J.,  77 

Lange,  J.,  75  Lorsbach,  Georg  Wilhelm,  48 

Langenbucher,  K.,  6.i  Lorty,  Antoine,  163 

La  Porte,  De,  67  Loti,  Pierre,  57 


Kampffmeyer  :    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


170 


Luciani,  J.-D.,  133 
Lübke,  Wilhelm,  72 
Lüderitz,  II.,  13ö 
Luke 's  Gospel  24 
Luque,  INIauuel  de,  15Ü 
Luret  83 

Luschan.  F.  von,  70 
Luyando,  Don  Josef,  ÜS 

-El-Ma  'äni..,  Conte  22 

Macbat,  J.,  152 

Machuel,  L.,  19.  21.  135 

Mackar,  Denis,  54 

Maclaren,  Dinican,  66 

Maciiab,  Frances,  58 

Märchen  der  Berbern  von  Tamazratt  17 

Märchen  der  Scliluh  v.  Täzerwalt  17 

Märchen  und  Gedichte  aus  der  Stadt 
Tripolis  22 

Märchen,  Tunisische,  und  Gedichte  22 

Märchen,  Maltesische,  22 

Maeterlinck,  Albert,  154 

Magmü'  al-agänl  135 

Mahler.  Eduard,  33 

Maire,  F.,  163 

Maisonave  145 

Malo,  Charles,  40 

Maltzan,  Heinrich  Freiherr  von,. 49 

M  a  n  d  e  V  i  1 1  e  65 

M angin,  Charles,   140.  160 

Mannesmann  81.  149.  150 

Mantegazza,  Vico,  150 

Manuel  de  l'arabisaiit  135 

Manuel  franyais-arabe  135 

Manzano,  Eduardo  Sänchez,  166 

Mar^ais,  Georges,  73* 

Mar^-ais,  William,  19.20.  73.  135(Textes 
ar.  de  Tanger) 

Marcel,  J.  J.,  20 

Marc  band,  G.,  83 

Mardochee  Abi  Serour  56 

Maren  CO,  Servando,  152.  159 

Maritz,  Ferdinand  von,  141 

Marmol-Caravaj  al,  Luy,  48 

Marokko  (In:  Archiv  f.  Post  u.  Tel.)  53 

Marokko,  seine  heim.  Kultur,  seine  Aus- 
sichten für  Europa  53 

Marokko-Bibliothek,  Deutsche,  37 

Marokko-Korrespondenz,  Deutsche, 
38 


Marokko-Zeitung,  Deutsche,  38 
Marrakesch  iJO.  16')  (und  sonst  Ob) 
Marruecos,    Kcvista  qu^ncenal  144 
Marseille  et  le  protectorat  du  Maroc  167 
Marsh,  George  P.,  81 
Martel,  F.,  136 
Martin,  L.,  42*.  139.  159 
Martinicre  s.  La  Martiniire 
Martroye,  F.,  33 
Mas  Latrie,  L,  32 
Masqueray,  Em.,  17 
iMassignon,  Louis,  48 
!  Matham,  Adrien,  53 
j  St.  Matthew  in  Mogrebi  137 
Mauduit,  Rene,  43 
jMaura  Ganiazo,  Gabriel,   150* 
i  Mau  ran  153.  162 
■  Mauritanie,  La,  et  le  Maroc  67 
Maurogeny,  S.  S.,  77 
Mauroy,  M.,  36 
Maurras,  Charles,  150 
Maurus  85 
Maw,  George,  55.  74 
Mayo,  W.  S.,  85 
Mazagan  64  (und  sonst  Ob) 
Meakin,  J.  E.  Budgett,  20.  38.  71  (Life 

in  Morocco)  135  (Vocabulary).  143   144. 

145.  162  (The  Moors).  169 
Meh'ammed  ben  Ali  ben  Brahim  133 
Meinhof,  Carl,  28.  30* 
Meißner,  Bruno,  22* 
Mekinetz  s.  Miknes 
Melila,  Jose,  153 
Melilla  62.  156  (und  sonst  Ob) 
Memoires  de  la  Societe  Uistorique  Al- 

gerienne  37 
Menzel,  A.,  53 
iMequines  s.  Miknes 
Mercier,  Ernest,  31.  36.  139 
Mercier,  L.,  18.  20.  28*.  42.  43.  62.  63* 
Merry  y  Colom,  Francisco,  153 
Meyer  (Mittelmeer,  Reisebuch)  47 
Meysonnasse,  V.,  140 
Michaux-Bellaire,  Ed.,  Quelques  as- 

pects     de     ITslam    chez    les    Herberes 

niarocains  28 

—  LTslam  et  lEtat  marocain  28 

—  La  niaison  d'Ouezzan  29 

—  Les    Biens    habous    et    les    bieos    du 
Makhzen  31 


Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  II.  Abt. 


180 


Kampffüf.yeb:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  11.  Hälfte. 


M  ich  au  X- Bellaire,  Ed.,  L'esciavage  au 
Maroc  150 

—  Foiiillcs    daiis     la    nccropüle    romaine 
de  Tanger  34 

—  Les  iiiusuliuans  d'Algi'rie  au  Maroc  39 

—  Interiieiiiciit   au    Maroc   de   Si  Sliiuan 
beii  Kaddour  40 

—  Prodaniation     de     la     dcchöance     de 
Moulay  Abd  El  Aziz  42 

—  Une   tentative  de   restauration  idrisite 
ä  Fes  42 

—  Traduction   de  la   lettre   de   Sidi  Ab- 
dessalani  El  M'rani  42 

—  Uue  lettre   du  Sultan  Moulay  Abdel- 
hafid  42 

—  Les  Lnpöts  luarocains  42 

—  Au  Palais  du  Sultan  marocaiu  43 

—  Un  rouageduGouvei'uem.niarocain  43 

—  Opiaions    liistoriques     d'un    lettre    de 
Tanger  Gl 

—  Les    tribus    arabes    de    la    vallee    du 
Lekkoiis  G3 

—  El  Qvar  El  Kebir  63 

—  Descppt.  de  la  ville  de  Fes  66 

—  Une  histoire  de  rapt  71 

—  Traduction    d'une   note   cn   arabe   sur 
ralchiniie  77 

—  L'orgauisation   des  finances   au  Maroc 
84 

—  Description  deMarräkech  parElR'assäl 
136 

—  Une  opinion  sur  Moulay  Selhäm  188 

—  L'enseigneinent  indigene  au  Maroc  139 

—  Une  fetoua  de  Cheikh  Sidla  140 

—  Traduction    de    la   Fetoua    du    Faqlh 
Sidi  'Ali  et  Tsouli  140 

—  L'inipöt  de  la  NaTba  140 

—  La  Guelsa  et  le  Gza  140 

—  Cousultations  niarocaines  140 

—  Le   tenitoire  Makhzen  et  le  territoire 
Guicli  140 

—  Le  regime  immobilier  au  Maroc  1 10 

—  Le   di'oit   d'iutervention    du  Nadir  des 
Habous  140 

—  Plan    gencral    des     fouiiics     de     Bou 
Kliachkliacli  142 

—  L'otganisnic  niarocain   145 

—  L'licritage  de  Moulay  el-Hasau  146 

—  Une    tentative    d'organisation    postale 
niarocaine  149 


Michaux-Bellaire,   Ed.,   Le   droit   de 
propriete  au  Maroc  31 

—  L'AdiMini-stration  au  Maroe.    Le 
Maklizen  150 

—  Ituieraire  de  Moulay  Abd  el-Hafid  155 

—  Docunients    relatifs    au    territoire    du 
Fahf  155 

—  Lc  Giiarb   157 

—  Quelques   tribus   de    niontagne.s   de   la 
region  du  Habt  157 

—  Notes  sur  le  Gharb  157 

—  El-Q?ar  Eg:-Ceghir  157 

—  Santa    Cruz   de   Mar    Pequeüa    et   le 
Port  d'Asaka  158 

—  Les  coutunies  berberes  dans  les  tribus 
arabes  162 

Michaux-Bellaire,  G.  [=Ed.].  42 
Migeon,  Gaston,  73 
Miknes  GG.  160  (und  sonst  Ob) 
M  Illingen,  Jules  van,  77 
Minguez  yVicente,  Manuel,  53 
Missionsmagazin,  Evang.,  30 
Mitteilungen  aus  Justus  Perthes'  geo- 
graph.  Anstalt  und  Ergänzungshefte  46 
Mitteilungen  d.  Sem.  f.  Or.  Sprachen  15 
Mitteilungen   eines   Sehilh  über  seine 

marokk.  Heimat  17 
Mitteilungen   des  Vereins  f  Erdkunde 

zu  Halle  46 
M  i  1 1  e  1  m  e  e  r  und  Levante,  Ztschr.  f. 

Handel,  Ind.  u.  Verkehr  78 
Mittelmeer-    und    Orient  -  Gesell- 
schaft, Deutsche,  1G4 
Mogador  64.  158  (und  sonst  Ob) 
Mohammed  ben  Cheneb  135 
Mohammed   Elbachir  Ettouati    135 
Mohammed  Ould  Sidi  Said  135 
Mohammedanismus  in  Marokko  29 
Mohr,  Paul,  33.  59.  63.  79*.  83*.  84. 

141  (Handelsverträge).    168 
Molinero  s.  Arco  y  Molinero 
Moniteur  du  Maroe.  Le,  164 
Monopole  42.  149 
Montalembert,  A.  de,  79.  148.  165 
Montbc,  Alban  v.,  40 
Montet,  Edouard,  29.  137.  138*.  154* 
Moore,  Frederick,  59 
Mo  ran  d,  M.,  140 
Mordacq.  Comniandant.   169 
Moreau  163.  165 


Kampffmeter:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  11.  Hälfte. 


181 


Moritz,  B.,  22 

Mornand,  Felix,  71* 

Mots,  Quelques,  sur  les  confVciics  rcli- 

gieuses  marocaines  29 
Mouette,  G.,  39 
Mougin  05*.  83 
Moulieras,    Auguste,      17.     134.     löfi 

(Maroc  incounu).  159 
Moulin,  Rene,  41 
Al-Moutabassir  31.  39 
Moyano  s    Canizares  y  Moyano 
M'rani.  Sidi  Ahdessalani  El,  42 
Müller,  A(ugust),  14.  48 
Münzen  33 

Münzenberger,  E.  F.  A.,  28 
Muhanimed  al-BasIr  at-TuatI  135 
Muuby,  G.,  75 
Mund,  Else,  71 
Mungo-Park  151 
Murga(a)  el  Hach  Mohameil  el  Bag- 

dädy,  Jose  Maria  de,  39 
Muro,  Angel,  155 
Murphy,  James  Cavanah,  44 
Murray,  Elizabeth,  47 
Mustapha  Bey  Jbrahini  156 
Musulmans,    Les,    algeriens   au   Maroc 

et  en  Syrie  35 
Mutter  Erde  13 

Naggary  Bey,  Mohammed  el-,  134 
Na  hon,  MoTse,  143 
Nauticus  84 
Navarre.  Albert,  155 
Navarrete,  Jose,  146 
Neipperg,  G.  Gustav  v.,  55 
Neumayer,  Dr.  von,  45 
Nicholls,  H.A.  Alford,  80 
Nicolau,  Eniilio  Rotondo,  166 
Niessei,  A.,  53 
Nordafrika  (Zeitschrift)   168 
Norcs,  P^dmond,   140 
Norm  and,  R.,  142 
Notzing  s.  Schrenck  von  Notzing 
Nützel,  Heinrich,  33 

Ölbaum  80 

Ogilby,  John,  49 

Ohle,  Fritz,  41.  71.  147.  162 

Ohuefalsch -Richter,  Max,  47 

Olivart,  Marques  de,  39 


Olivie,  Manuel,  40 

Ol i vi  er  17 

Ollive,  C,  78 

Olon  s.  Saint-Olon 

Opinion8     historiques     d'un     lettrp    de 

Tanger  61 
Oppel,  A.,  80 
Opuntie  165 
Ordega,  L.,  146* 
Orsatti,  Reginaldo  Ruiz,  135 
Ortelius,  Ahrah.,  69*.  160 
Osman,  Hans  A.,  150* 
Osorius,  Hieronymus,  44 
Ostheim,  F.  U.,  72 
Ostrorog,  Leon,  25 
Ottmann,  Viktor,  53 
Oudney  48 
Ould    Sidi  Said    s.    Mohammed    Ould 

Sidi  Said 
Ovilo  y  Canales,   Felipe,   41.  71.  152 
Ozaeta  s.  Falgueras  y  Ozaeta 

Paläcky,  Johann,  50 

Palmgren  153 

Pandori  43 

Papers  of  tlie  Royal  Geographica!  So- 
ciety, Suppleiiientary,  46 

Paquignon,   Paul,  2.5.    138.    140.    143. 
146.  149 

Parmenlier  21 

Paulitschke,  Ph.,  28 

Payen,  Edouard,  58 

Paysans  marocains,  161 

Payton,  Charles  A.,  46 
!  Pedro  de  Alcala  20 
I  Peez,  Alexander  v.,  72 

Pellow,  Thomas,  54 
j  Peltier,  Frederic,  23.  137 
i  Penon  de  Veles  02 

Perdicaris,  Jon,  146 

Peretic,  A.,  140.  145.  156.  157 
jPcrez,  Antonio  Garcia,  s.  Garcia  Perez 

Perez,  Juan,  83 

Perez  dcl  Toro,  Felipe,  35 
IPerreira  da  Costa,  F.  A.,  70 
I  Perrier,  Amelia,  61 
'  Perron  23.  137 
;  Perrot,  Em.,  162 
j  Petermann,  A.,  55.  100 
,  Petrus  Hispanus  20 

13* 


KS2 


IvAMi'KKMhYtK:    liidox  zur  Marokko-Litfiatiir  I.  und  II.  Hälfte. 


I'czzl,  J.,  26 

Pfeil,   Joarliiin  Oraf  von,  4(>  (aus  Xov- 

trägeii).  .")"* 
Phelps,  Thomas,  54 
Philipp  so  n,  Alfred,  47 
Pietsc-h,  Ludwig,  5G.  61 
Pinon,  Reiiö,  144 
Piquet,  Victor,  143* 
P  i  t  a ,  Fcdei-ico,  1 50 
Pläne  von  Städten  61 IF.   15(>tr. 
Plaucluit,  Edniond,  145 
IMayiair,  R.  Lambert,  47.  nO*.  52  (Hi- 

bliography  of  Morocro) 
Pobeguii.  (,  E.,)  02.  64.  14S 
Pohlacion  y  Fcrnaiidez,  x\iitonio,  78 
Poggio   s.  Waugüenieit  y  Poggio 
Poiret  51 
Pomel,  A.,  75 
Poniiii  er-Esc'he,  C.  v.,  66 
Pons  Böig u CS,  Francisco,  26 
Port  Say  156 

Poste  franyaise  au  Maroc,  La,  83 
Po uy anno,  Maurice,  140 
Prado,  Jose  A.Marques  de,  61 
Prangey,  Girault  de,  s.  Girault 
Presse  niarocaine  38 
Priniaudaie,  Elie  de  la,  36 
P  r  0  b  1  e  ni  a  s  ä  resolver  44 
Proclamation  de  la  decheance  de  Mou- 

lay  Abd  El  Aziz  42 
Proverbes    arabes    dv    l'Algerie    et    du 

Maghreb  135* 
Proverbs,  Arabic,  22 
Publications    de    l'Ecole    des    Lottres 

d'Alger  14 
Publications  de  l'Ecole  des  langues  or. 

Vivantes  15 
Puerto,  Franc i.sco  de  San  Juan  de 

e  1 ,  s.  San  Juan 
Pyrent  de  la  PVa  de,- Le  Cointc  E.,  47 

Quedenfeldt  29.  57.  70.  71.  72*  (Eint. 

u.  Verbreit,    der  Berberbevölkerung   in 

Mar.,  u.  anderes).  76 
Question  niaure.  La,  67 

Raasloff,  W.  v.,  37 

Rabat  6'}.  157  (und  sonst  Ob) 

Rabes,  Max,  155 

R  a  i  d  a ,  Pedro  y  Maximiliano,  85* 


Ranidohr  144 
Rani  OS  s.  Leon  y  Ramos 
Rain  OS  Espinosa  de  los  Monreros. 
'      Antonio,  84 
Rank  in,  Röginald,  42 
'Rapport    aniiuel    du    Cercle    Suisse    du 
coiiunerce  au  Maroc  ä  Tanger  166 
Rapports  conimerciaux.    Tetoiian  en 
1911   166 

—  Maza^an  en  1910  166 
Rapports    eonsulaires    frangais    siir    le 

j      Maroc  pour  1!)02  83 
Rascii,  Gustav,   158 
Raynaud,  L.,  78.  164 
Reclicrche    des    antiquites    dans   le 

Nord  de  l'Afrique  36 
Recit  en  dialecte  TIeincönien   135 
Recouly.   Raymond,  143 
Rectenvvald,  Geor.es,  140 
Reo u eil  de  tcxtes  (Delphin)  22 
R  e  c  u  e  i  1  d  e  N  o  t  i  c  e  s  e  t  M  e  m  o  i  r  e  s  37 
R ecueil  de  traitcs  d'agriculture  et  d'hy- 

gicue.  Algeric  78 
Recueil  d'actes  judiciaires  arabes  135 
Recueil    de    lögislation    &    de   jurispru- 

deiice  marocaincs  142 
Recueil  de  lettres  arabes  nianuscrites  135 
Recueil  de  notions  de  droit  iiiusulnian  135 
Redier  167 
Reed,  Georg,  41 

Reglements  (Algeci ras- Akte)   165 
Regnault  61 
R  e  i  c  li  e  u  0  vv  76 
Rein,  J.,  55.  76 
Reiiiaud  23.  27 
Reinhardt,  Carl,  20 
Reinisch,  Leo,  15  , 

Reitemeyer,  Else,   t43 
Relation  exacte  de  la  capture  de  Harry 

Mac  Lean  42 
Relation  de  ce  qiii  s'est  passe  54 
Relosillas,  Juan  J.,  156 
Remiro,  Mariano  Gaspar,  135 
Rendos,  Eugcnio,  156* 
Rene-Leclerc,  Gh.,  L'armce  niarocaine 

43 

—  Le  Maroc  Septentrional  59 

—  Le  commerce  et  l'industrie  a  Fez  79. 
83 

—  Les  salines  de  Tanger  81 


Kampffmeyer:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


183 


Rene -Ledere,    Ch.,   IMonographie   eco- 
nom.  de  Larache  83 

—  Les  Troupes  de  la   ChaouTa  axi  Com- 
bat  81 

—  La  Situation  religieiise   au  Maroc   138 

—  L'annee  administrative  maroe.  en  1910 
1-12 

—  La  presse  au  Maroc  144 

—  Les  regions  nord   et  sud   de  la   fron- 
tiere  aigero-niarocaine   158 

—  Situation  t'cononiique  du  Maroc  1908/09 
165 

—  La  Situation   economique  du  Maroc  en 
1908  1G5 

—  Moyens    de    developper    la    Situation 
economique  de  la  France  au  INIaroc  1()5 

—  La  Situation  economique  165 

—  L'Amalat  d'Oudjda  165 

—  La    Situation    economique  de   Tetouan 
165 

—  Le  Maroc.  Notice  economique  165 

—  Le  commerce  de  Melilla  en  1906  167 

—  Le  commerce  exterieur  du  Maroc  167 
Renou,  Emilien,  53 

Reparaz,  G(onzalo  de),  146.  150 

Retzmann  &  Co.  83 

Reuter,  G.  F.,  75 

Revue  Africaine  37 

Revue  de  legislation  marocaine  1-1 '2 

Revue  marocaine,  La,  164 

Revue  du  Monde  Musulman  14 

Reynaud  155 

Rezzo uk,  A.,  43 

Richardson,  James,  55 

Richter,  Bruno,  61.  154 

Richter,  Hans,  33.  41 

Ritter,  Carl,  45 

Ritt  wagen,  Guillermo.  20.  134.  155 

Rinn,  Louis,  29 

Riviere,  F.,  80 

Rober-Raynaud  156 

Rochon,  A.,  46 

Rodriganez,  Tirso,  38 

Rodriguez  s.  Hidalgo  y  Rodriguo 

Rogalla  V.  ßieberstein  149 

Rohlfs,    Gerhard,  16.  29.  40*.  42.  49*. 

50.  51.  53.  55-.  60.  63.  65.  66.  71.  72*. 

78.  159 
Rolef,  Franz,  47 
Romanelli,  Samuel  Aaron,  158 


Romans  in  Mogrebi  137 

Rommel  (,  Alfred,)  44,  167 

Roquevaire  s.  Flotte  de  Roquevaire 

Rosen busch,  IL,  74 

Rosher,  Ciiarles,  150 

Rosny,  L.  Leon  de,  165 

Roth,  Abraham,  55 

Rouard   de   Card,   E.,   32*.  141*.   151 

Rouire  158 

Houquotte  138 
I  Roy  s.  Le  Roy 
I  Roy,  B.,  18 

Rückert,  Friedrich,  24* 
I  Ruiz,  Ricardo,  134.  140.  144.  145.   149. 
'      156*.  167.  168 

Rundschau,    Deutsche,    für  Geographie 
und  Statistik  46 
.Rundschau,  Koloniale,  84 
I  Russell,  M.,  36 
I 

as-Sabäh  137 
Sachau,  Eduard,  28.  31 
Sacy,  A.  J.  Sylvestre  de,  2(1.  67 
Safi  61  (und  sonst  Ob) 
Saint-Olon  54*.  1.53 
Saint  Vincent  s.  Bory  de  St.  Vincent 
Saladin,  11 ,  73 
Saleh  63.  157  (und  sonst  Ob) 
Salmon,  Albert,  79 
Salmon,   G.,   Catalogue   des   manuscrits 
d'uiie  bibliothcque  privee  de  Tanger  18 

—  Note  sur  Talciiimie  ä  Fes  18 

--  Noms    de    plantes    en    arabe    et    en 
herbere  21 

—  Ihn  Rahmoün  21 

—  Rihia  d'Az-Ze3'any  25 

—  Zemmoüry  sur  les  Chorfa  26 

—  Notes  sur  les  superstitions  populaires 
dans  la  n'gion  de  Tanger  29 

—  Le.s  Chorfa  idrisides  de  Fes  29 

—  Confrcries   et  Zäouyas  de  Tanger  29 

—  Marabouts  de  Tanger  29 

—  La  Kherqa  des  Derqaoua  et  la  Kherqa 
Soufya  29 

~  Les  Chorfa  Filäla  et  Djiläla  de  Fes  29 

—  Le  Culte  de  Moulay  Idris  et  la  mosquee 
des  Chorfo  de  Fes  29 

—  Les  institutions  herberes  au  Maroc  31 

—  Droit  contumier  du  Nord-Marocain  31 

—  Sur  un  cas  de  Habous  31 


184 


Kampffmever:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


S  n  1 III 0  n ,  G.,  Quelques  particularitös  de  la 
di-opriett-  foncirrc  daiis  le  liarb  31 

—  Le  droit  d'asile  des  canons  31 

—  Une    opiniou    niaroc.    sur   la    conquete 
du  Touat  37 

—  Essai  sur  riiistoire  politiqiie  du  Nord- 
Marocaiu  38 

—  Le  Tertib  42 

—  L' Administration  iiiaior.  ;i   Tanger  43 

—  Unc  liste  des  villes  marocaines  53 

—  Une  tribu  niarocaine.    Les   Fahcya  Ol 

—  La  Qacjba  de  Tanger  61 

—  Les    tribus    arabes    de    la    valif'e    du 
Lekkous  63 

—  Notes  sur  Säle  63 

—  Notes     sur     les     dohnens    d'El-Mriös 
(vallee  de  Bou  Khalfj  70 

—  Les   niariages  niu.sulm.   ä    Tanger    72 

—  Le  commerce  indigeiie    et    la    niarche 
de  Tanger  83 

—  [Seine  Biographie]   150 
Sammlung  arab.  Schriftstücke  aus  Zan- 

zibar  und  Oman  22 
SanJiiandeelPuerto,  Francisco  de.  39 
Sand,  Gabrielle.  61 
Sanson,  N.,  69* 

Santa  Cruz  de  Mar  Pequena   64.  158 
Sarnette.  Fernand,  85 
Saurin.  Daniel,  3L  78.   14U 
Sauvaigo,  Emile,  80 
Savory,  Isabel,  58 
Schabelsky,  Elsa  von,  57 
Schäd eltrepanat i 011 ,    Die,     bei    den 

Kabylen  des  Auiös  78 
Schaudt,  Jakob,  153 
Schäuia  63.  157  (und  sonst  Ob) 
Schiaparelli,  C,  21 
Schlagi  iitweit,  Eduard.  40.  72 
Schmitz,  H.,  34 
Schnapper- Arn  dt,  Gottlicb,  78 
Schneider,  Arthur,  146* 
Schnell,  P.,  153 
Scliousboe,  P.-K.-A.,  75* 
S  (•  li  r  a  d  e  r  69 
Schrenck  von  Notzing.   .\lbeit  PViir. 

von,  50 
Schütte,  Alexander.  .')1 
Schulz,  Paul,  81 
Schumacher,  K..  .')1 
Schutzbar-Milchling,  v.,  59 


Schwegel.  H..  79 

Schweiger-Lerchenfeld,  A.  v.,  56 

Schweinfurth,  G.,  134 
|Scobel,  A.,  67,  68 

Scovasso,  S.,  56* 
I  S  c  g  e  l  h  a  11  d  b  u  c  h  68 
I  Segonzac,  Marquis  de,  41.  58.  59*.  64. 
I      154  (Au  Coeur  de  l'Atlas).   155 
i  Seidel,  A.,  20 

Seignette.  N.,  24.  136 

Senoussi  138 

Senoussia,  Les,  29 
^  Sentence  juridique  transmettant  le  vica- 
riat  islamique   de   Moulay-Abdelaziz   ä 
Moulay-Abdelhafid  42 
]  Sen  üsT  138 
I  Serbin,  A.,  53 
j  Serra  s.  Juve  y  Sena 

Serrane  142 

Seybold,  Christian  Friedrich.   18.  69 

Sicard,  J.,  138 

Sidi  Hämmu  s.  Hammü 

Sidia  140 

Sierakowski,  Adam  Graf,  16 

Sievers,  Wilhelm,  49 

Simonet.  Francisco  Javier,  21.  150 

Singer,  H.,  52.  158 

Slä  63.  157  (und  sonst  Ob) 

Slane,  De,  24.  136 

Slouch  s.  Slouschz 

Slouschz,  Naliiim.  85*.  44.  143.   145*. 
153 

Smith,  Eli.  20 

Societc     niarocaine    d'Aroheologic 
144 

Socin,  Albert,  21.  22 

Söhne  Israels,  Die,  in  Marokko  35 

Soller,  Charles,  67 

Solvot,  Ch.,  23     ' 

Sonneck,  C,  135 

Sorela,  Luis,  137 

Soualah  Mohammed   134 

Sources  incditcs  de  riiistoire  du  Maroc38 

Sousa,  Fr.  Joäo  de.  21 

Sprichwörter,  Marrokanische,  135 

Sprich  w  ö  !•  t  e  r  ans  Mai'okko  1 35 

Sprigade,  P.,  76 

Stähelin,  Alfred,  47,  64 

Stanley,  H.  E.  J.,  23 

Statistiques   du   mouvement   maritime 
et  commercial  du  Maroc  167 


Kampffmeyer:    Index  zur  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


185 


Stavenhagen,  W.,  43 
Steiner,  Michael,  78.  164* 
Steinführer,  Karl,  31.  140.   150 
Steinschneider,  Moritz.  18.   10 
Steuern  42.  149 
Steven  152 

Straßburg,  Arab.  Literatur  18 
Straßenbilder  in  Tanger  (il 
Stuart,  Carl,  54 
Studien,  Maltesische,  22 
Stumme,  Hans,   Arabisch.  Persisch  und 
Türkisch  15 

—  Handbuch  des  Schilhischen  von  Tazer- 
walt  16 

—  Dichtkunst  und  Gedichte  der  Schluli  17 

—  Elf  Stücke  Täzerwalt  17 

—  Märchen   der   Schluh   v.  Täzerwalt  17 

—  Märchen    d.  Berbern  v.  Taniazratt  17 

—  Mitteilungen  eines  Schilh  17 

—  Sidi  Hämnm  als  Geograph  17 

—  Grammatik  d.  tunisischen  Arabisch  20 

—  Chants  des  Bedouins  de  Tripoli  et 
de  la  Tunisie  21 

—  Tripolitan.-tunis.  Beduinenliedci-  21 

—  Der  arab.  Dialekt  der  Ilouwära  21 

—  Märchen  und  Gedichte  aus  der  Stadt 
Tripolis  22 

—  Tunisische  Märchen  u.  Gedichte  22 

—  Maltesische  Studien  22 

—  Maltesische  Märchen  22 

—  Maltesische  Volkslieder  22 

—  Nordwestafiika  49 

Tab  et,  Elie,  21 

Tadla  160 

Tätigkeit,  Die,  des  französ.  Marokko- 
komitees 84 

Tafilalt  65.  159  (und  sonst  Ob) 

Taillis,  Jean  du,  41 

Tanger  60.  155  (und  sonst  Ob) 

at-Taraqqi  137 

Tardif,  A.,  157 

Taschenbuch.  Internationales,  f.  Orien- 
talisten 15 

Tassin,  Wirt,  74 

TaswTrat  mamlakat  al-magrib  al-aqsä  69 

Tauschwitz  139 

Tavel,  E.,  58 

T ax ermaß igung  im  Verkehr  mit  den 
deutschen  Postanstalten  in  Marocco  83 


Taza  160 

Telegrama  dcl  Rif  38 

Tello  Amondareyn,  Manuel,  61 

Terrier,  Auguste,  65.  148.  149.  165 

Tetuan  61  (und  sonst  Ob) 

Texte  aus  Fes  22 

Texte  aus  Fes  u.  Tanger,  Weitere,  135 

Texte  arabe  en  dialccte  Oranais,  L^n,  LSS 

Textes  arabes  de  Tanger  135 

Teza,  Emilio,  26 

The ve not  46 

Thomassy,  K.,  39 

Thomson,  Joseph,  57 

T  i  m  b  u  k  t  u  67 

Times,  The,  of  Morocco  38 

Tissot  53 

Tlemcen,  Arab.  Hss.  18 

Tofino  de  San  Miguel,  Vicento,  68 

Torchon  16 

Torcy,  De,  148*.  150.  167 

Tornberg,  Car.  Joh.,  23 

Torr  es,  Diego  de,  39 

Toutey.  E.,  160 

Trabut  (,  L.,)  73.  75* 

Trietsch,  Davis,  164 

Tripodo,  Pietro,  73 

Trotter  57 

Trotter,  Philip  Durham,  56 

Tschudi,  V.,  43 

Tuat  51 

TuätT  s.  Muhammed  al-BasIr  at-Tuätl 

Tübingen,  Arab.  Hss.  18 

Tunis,  Arab.  Hss.  18 

Turquan,  0.,  50 

Udschda  64.   158  (und  sonst  Ob) 
Ueld  41-Farez  148 
Ureta  s.  Bentaböl  y  Ureta 
Urquhart,  David,  47 

Vaffier-PoUet,  E.,  79* 
Val  d'Gremao,  Jose  P.,  62 
Valdes,  Salvador,  152 
Valence  s.  Apollinaire  de  Valence 
Vanssay,  De,  58 
Vassel,  Euscbe,  35 
Vassel,  Philipp,  31 
Veer,  Gustav  de,  44 
Veles  62 

Verband  zur  Förderung   der  deutscheu 
Interessen  in  Marokko  165 


186 


Kampffmeykb  :    Index  ziir  Marokko-Literatur  I.  und  II.  Hälfte. 


Verwaltung,  Hof  43.  I.SO 
Veyre,  Gabriel,  41 
Viala  41 
Viaud,  Julien,  57 
Viccnte  s.  Miiiguez  y  Vioente 
Villa escusa,  Modesto  Hernäiide/.,  41 
Villedeuil,  de,  58 
Vincent,  Ernest,  ()2 
Virchow,  Kudolf,  70 
Vivien  de  Saint -Martin  69 
Vizuete,  Pelayo,  134 
Vocabulista  in  arabico  21 
Volkslieder,  Maltesische,  22 
Völlers,  K.,  14.  18 
Voyage   dans  les  etats  barbares(|ues  de 
Maroc,  Alger  etc.  .^0 

Wagner,  R.,  83 

Wagnon,  Adrien,  21 

Wahl,  Maurice,  51 

Walckenaer,  C.-A.,  67 

Walter,  Hermann,   153.  156.   157 

Wangüemert  y  Poggio,  Jose,  44 

Ward,  H.  J.  B.,"  152 

Was  an  65 

Watson,  Robert  Spence,  65 

Wazzan  65.  Scherifen  von  W.  29 

VVehberg,  Hans,  150 

Wein  80 

Weir,  T.  H.,  39 

Weise,  0.,  13 

Weisgerber,  F.,  63*.  66*.  152.  164 

Weißbücher  82.  141 

Welsberg,  G.,  41 

Welt  des  Islams,  Die,  133 

Werle  145 

Wern  ick,  Fritz,  47 

Wesser.  Herrn..  61 


West  coast  of  Africa  68 
Westermarck,  Edward.  162 
Westküste.  Die.  von  Marokko  68 
Wichniann,  Franz,  31 
Wichniann,  Georg,  53 
AViener,  S.,  36 
Wiese,  J.,  39 
Williams.  Talcott,  146 
Willkomm,  M..  75 
Windus,  John,  54 

Winter  reminiscences  of  Algiers  51 
Wirth,  Albrecht,  150*.  157. 
W  i  s  z  \v  i  a  n  s  k  i ,  \ lelene,  45 
Wright,  A.,  137 
Würz,  F.,  28 

Wüstenfeld,  Ferdinand,  24.  33  (Ver- 
gleichungs -Tabellen).  35 

.X:icliina  29.  40.  41.  62 

Yriarte,  Charles,  55 

Zabel,  Rudolf.  79.   146.  159.  165 

Zedlitz,  0.  Graf,  77 

Zegota  65 

Zeh  den,  Carl,  61 

Zeichnungen,  Stiche  usw.  (Ethno- 
graphie und  Kulturgeschichte)  72 

Zeitschrift  der  Deutschen  Morgenland. 
Ges.  14 

Zeitschrift  f.  d.  Kunde  d.  Morgenlandes 
14 

Zeitschrift  der  Gesellschaft  für  Erd- 
kunde zu  Berliji  46 

Zeitschrift  für  Ethnologie  69 

Zenagui  s. 'Abd  el  Aziz  Zenagui 

Zeys,  E.,  135.   140 

Zölle  42.  149 


1«7 


Bibliographische  Anzeige. 


Elemeuta  Persica.  Persische  Erzählungen  mit  kurzer  Grammatik 

und  Glossar  von  Georg  Rosen.     Neu  bearbeitet  von  Friedrich 

Rosen.     Leipzig,  Veit  &  Co..  1915.     VI,  195  Seiten.     8°. 

Besprochen  von  Gotthold  Weil. 


Uer  gelehrte  deutsche  Gesandte  in  Lissabon,  Friedrich  Rosen,  hat  den 
Freunden  der  persischen  Sprache  und  Literatur  ein  neues  Büchlein  ge- 
schenkt. 

Nachdem  er  in  den  Jahren  1887  und  1898  Persien  bereist  und  von 
1891 — 99  als  erster  Dragoman  an  der  deutschen  Gesandtschaft  in  Teheran 
gewirkt  hat,  kann  Rosen  wohl  als  der  beste  Kenner  des  gesprochenen  mo- 
dernen Persisch  in  Deutschland  gelten.  Schon  im  Jahre  1890  hat  er  zum  prak- 
tischen Gebrauche  einen  »Neupei  sischen  Sprachtührer«  erscheinen  lassen,  der 
8  Jahre  später  unter  dem  Titel  «Modern  Persian  CoUoquial  Grammar«  in  er- 
weiterter englischer  Übersetzung  und  Bearbeitung  erschien.  Das  neue  Lehr- 
buch dient  weniger  praktischen  Zwecken  als  vielmehr  der  Einfuhrimg  in 
die  persische  Literatur.  Äußerlich  gibt  es  sich  zwar  pietätvoll  nur  als  eine 
Neuausgabe  des  Erstlingswerkes  des  Vaters,  Georg  Rosen,  der  gleichfalls 
viele  Jahre  hindurch  im  auswärtigen  Dienste  Preußens  in  Konstantinopel 
und  Jerusalem  tätig  war,  imd  in  der  Tat  hat  es  auch  den  Obertitel  Elementa 
persica,  das  kleine,  ansprechende  Format  und  den  Verleger  mit  dem  lateinisch 
geschriebenen  Lehrbuch  Georg  Rosens  gemein.  Im  Grunde  aber  haben  wir 
hier  eine  völl-g  neue  Arbeit  Friedrich  Rosens  vor  ims. 

Das  Buch  zerfällt  in  zwei  ungleiche  Teile,  die  kurze  Grammatik 
(S.  1 — 35)  und  die  persischen  Erzählungen  mit  Lexikon  (S.  37 ff.).  Die  stark 
überarl)eitete  Grammatik  bietet  dem  Anfänger  in  übersichtlicher  Form  das 
Notwendigste  zum  Verständnis  leicliterer  persischer  Literaturstücke.  Die 
Erzählungen  sind  im  Gegensatz  zu  den  alten  Rosenschen  Texten  ganz  neu 
gefaßt  und  vor  allem  von  den  zahlreichen,  häufig  ans  Hindustani  erinnern- 
den Indlanismen  gereinigt  worden.  Zudem  wui'den  viele  lexikalische  und 
syntaktische  Änderungen  vorgenommen,  um  die  Sprache  der  Stücke  mit 
der  heutigen  Sprache  Persiens  in  Einklang  zu  bringen.  Auch  neue  Texte 
und  kleine  Proben  aus  der  persischen  Poesie  wurden  hinzugefügt.    So  bietet 

Mitt.  d.  Sl'UI.  f.  Orient  Spraclien.  1915.  II.  Abt.  1^ 


jgy  Bibliographische  Anzeige. 

sich  das  Büchlein  als  ein  gefälliges  Hilfsmittel  für  den  Anfänger  dar.  unter 
dessen  Führung  er  die  neupersische  Schriftsprache  in  ihren  Grundzügen 
sich  leicht  aneignen  kann.  Da  es  in  Deutschland  nur  sehr  wenig  brauch- 
bare persische  Leitfäden  gibt,  wird  diese  Neuerscheinung  sicherlich  bald 
ihren  Weg  finden  und  wohl  besonders  von  den  jungen  Orientalisten  im 
Universitätsstudium  benutzt  werden.  Vielleicht  wäre  es  angebracht  gewesen, 
neben  den  allzudeutlichen  europäischen  Typen  noch  einige  Textproben  in  per- 
sischer Kursivdruckschrift  beizugeben. 


Kfrlin.   ti-ilrmkl   in   '\er  KeU-liMliu.kirri. 


Mitteilungen 
des  Seminars  für  Orientalische  Sprachen  zu  Berlin 

Dritte  Abteilung 


Afrikanische 
Studien 


Redigiert  von 

Prof.  Dr.  C.  Veiten 
und  Prof.  D.  Westermann 


1915 


Bedin 
Kommissionsvedag  von  Georg  Reimer 


i 


1  nlia  l( 


üeitr 

Die  rechtlichen  Bestiinmungen  über  die  Sklaverei  in  den  deutschen  afrikanischen 

Schutzgebieten.    Von  Dr.  jur.  Arthur  Wege 1 

Die  Bajasprache.  Einführung  in  die  Grammatik  und  systematisches  Wörter- 
verzeichnis.   Von  Oberleutnant  Naumann 42 

Die  Sprache  von  Busa  am  Niger.    Von  E.  Funke,  Missionar 52 

Bornusprichwörter.     Gesammelt  und  erklärt  von  RudolfPrietze    .     .     .     .  85 


Die  rechtlichen  Bestimmungen  über  die  Sklaverei 
in  den  deutschen  afrikanischen  Schutzgebieten. 

Von  Dr.  jur.  Arthur   Wege. 


Einführung. 
Begrenzung  des  Themas. 

In  der  Geschichte  des  Nefiersklavenhandels '  finden  wlv  stets  nur  zwei 
große  Gebiete  als  Sklaven  liefernde  Länder  erwähnt:  die  Westküste  und 
die  Ostküste  Afrikas.  Forschen  wir  weiter,  so  sehen  wir,  daß  außer  in 
Kamerun  und  Togo  sowie  in  Deutsch-Ostafrika  nii-gcnds  in  den  deutschen 
Schutzgebieten^  trotz  des  Bestehens  erheblicher  Klassenunterschiede  das 
Verhältnis  zweier  Personen  zueinander  als  das  eines  Sklaven  ^  zu  seinem 
Herrn  angesehen  werden  kann.  Für  die  Behandlung  der  Frage  der  Sklaverei 
in  den  deutschen  Schutzgebieten  konunen  daher  nur  unsere  i)eiden  Schutz- 
gebiete an  der  äquatorialen  AVestküste  und  dann  Deutsch-Ostafrika  in 
Betracht. 

Die  rechtlichen  Bestiiinnuugen  über  die  Sklaverei  —  lediglich  koloniales 
Landesrecht  — ,  die  dieser  Abhandlung  zugrunde  liegen,  fallen  in  den  Zoit- 
ravun  von   1890—1904. 

I.  Kapitel. 

Deutsch-Ostafrika. 

A.  Einleitende  Bemerkungen. 

§1- 

Schon  voi-  Erlaß  des  Sklavenraubgesetzes  (SklRG.)  hatte  man  in  den 
drei  genannten  Schutzgebieten  auf  dem  Veroi-dnungswege  der  Sklaverei  und 
den  damit  verbundenen  Verbrechen  zu  steuern  versucht;  denn  das  deutsche 


1  Vgl.  Martit/,.  .\jvliiv  L  1S8(),  S.  :^)  — 107;  Hüne:  v.  iMartens.  Völker- 
recht L  S.  .329ff.:  Gareiis:  v.  Hol  t/.cndorff.  VölkciTcclit  II,  S.  ö.oSff.:  Leiitiier 
S.  20fF. 

2  Bei  Kohler,  Recht  der  deutschen  Schutzgebiete,  ZfvRw.  11,  S.  340,  wird 
erwähnt,  daß  früher  bei  den  Hottentotten,  ebenso  bei  den  Herero,  in  Südwestafrika 
Sklaven  existiert  haben,  an  deren  Stelle  aber  jetzt  schon  lange  nur  freie  Dienst- 
verhältnisse getreten  sind.  Da  diese  Sklaverei  also  völlig  der  Vergangenheit  ange- 
hört und  auf  die  Bildung  des  modernen  Rechts  gar  keine  Einwirkung  nielir  gehabt 
hat,  erscheint  es  angebracht,  hier  davon  abzusehen;  vgl.  ferner  Reimer  S.  SltT.; 
AMissZ.  1878,  S.  347:  ZfKKK.  1904,  S.  211  und  770. 

3  Im  folgenden  wird  auch  unter  ähnlichen  x\usdrücken,  wie  Leibeigener, 
Höriger.  Unfreier,  immer  derselbe  Grad  von  Verkneditung  \erstanden. 

Mitt.  d.  S<m.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  III.  .\bt.  1 


■J  \\'i.(.i::   Ivcclitlii'lic  IiotimiminjUMi  über  tiii- Sklaxciei  in  Dcutscli-AfiiktT. 

Heichsstrafgesetzbuch  (R.StGB.)  reichte  in  doppelter  Beziehung  nicht  aus: 
einmal  sachlich  nicht,  weil  es  nur  den  Sklavenraub,  nicht  aber  den  iSklaven- 
handcl  unter  Strafe  stellte,  und  persönlich  nicht,  weil  die  allerincist  im 
Innern  Afrikas,  also  außerhalb  der  Schutzgebiete,  und  dann  stets  von  Nicht- 
deutschen  —  das  Gegenteil  ist  nicht  bekannt!  —  veranstalteten  Sklaven- 
raubzüge  nicht  erfaßt  werden  konnten.  Denn  §  4.  II.  Ziffer  1  zählt  den 
sj  "234  nicht  auf;  ebensowenig  war  Ziffer  3  anzuwenden.  Im  Gegensatz 
dazu  hat  fj  ö  SklRG.  den  ^  4.  II.  1.  RStGB.  ausdrückiicii  tiir  anwendbar 
erklärt. 

Bei  diesen  Verordnungen  k.inu  man  nun  zwei  große  Gruppen  unter- 
scheiden: Maßregeln,  die  sich  nur  indirekt  gegen  die  Sklaverei  richten 
—  Waffeneinfuhrverbote  und  Arbeiterverordnungen  —  und  zweitens  solche, 
die  die  Sklaverei  direkt  zu  bekämj)fen  suclien.  Bei  den  letzteren  finden 
wir  wieder  Verordnungen  rein  strafrechtlichen  Charakters,  deren  Aufgabe 
es  ist,  die  Wurzeln  der  Sklaverei,  den  Sklavenraub  und  den  Sklavenhandel, 
zu  treffen.  Die  zweite  Art  von  Verordnungen  ist  zivilrechtliclien  Charakters 
und  versucht  die  Abschaffung  der  Sklaverei  selbst  allmählich  vorzubereiten, 
indem  sie  das  Verhältnis  vom  Herrn  zum  Sklaven  entweder  durch  Regierungs- 
spruch oder  im  ^'ertragswoge  zu  lösen  oder  wenigstens  zu  mildei-n  be- 
müht ist. 

Der  Erlaß  dieser  Verordnungen  seitens  der  Gouverneure  rechtfertigt 
sich  ans  den  §§  1  und  3  des  Schutzgebietsgesetzes  (SchGG.)  in  Verbindimg 
mit  der  Kaiserlichen  Verordnung,  betreffend  Einrichtung  der  Verwaltung 
und  die  P.ingeborenenrechtspflege  in  den  afrikanischen  und  Südseeschutz- 
orebieten  vom  3.  6.  1908'. 


B.  Strafrechtliche  Vorschriften. 
1.  Verordnung  vom  17.  2.  1893. 

§  2. 

Xnr  strafprozessualen  Inhalt  hat  die  Vei'ordnung  vom  17.  2.  1893 
für  Deutsch-Ostafrika:  »Kaiserliche  Verordnung,  betreffend  die  Auslührungs- 
bestinnnungen  zu  der  Generalakte  der  Brüsseler  Antisklavereikonferenz 
(Art.  50 — .59»)^  Sie  dient  der  Bekämpfung  des  Sklavfui  band  eis  an  der 
Küste  von  Deutsch-Ostafrika  und  regelt  in  13  Paragraphen  das  Untersuchungs- 
und Spruch  verfahren  gegen  ein  unter  deutscher  Flagge  segelndes  Schiff, 
das  von  einem  fremden  Kreuzer  aufgebracht  ist,  ohne  Jedoch  über  die  Be- 
strafung wegen  mißbräuchlicher  Flaggenluhrung  odei'  wegen  Sklavenhandels 


*    Gerstnieyer  S.  lÜJ. 

2   Riehow  I.,  S.  380/381,  RGBl.  1S92,  S.  13. 

^    Vgl.  auch  .Tuiio;  S.  35  ff. 


i 


We(;k:   Kcchtli.'lie  ]!e.stii.mmi.ge.i  über  dk"  Skh.vciei  in  DfUlsHi-AlVilwi.  S 

2.  Runderlaß  vom  19.  8.  1896. 

§  3. 
AVeit    wiclitiger   für   die   vorliegende   Frage    ist   der    ..Runderlaß   des 
Gouverneurs,  betreffend  die  bei  der  Bestrafung  des  Sklavenhandels  z.i  be- 
folgenden  Grundsätze«   vom   19.8.  1896'. 

a.  Aligemeines. 
Etwa  ein  Jahr  vorher,  nämlich  unter  dem  28.  7.  1895,  war  das  8kIRG 
ergangen,  dessen  Mängel  in  den  Schutzgebieten  um  so  lebhafter  empfunden 
wurden,  je  mehr  das  Bedürfnis  nach  einem  die  Bestrafung  in  Sklavensachen 
auch  für  die  Eingeborenen  genau  regelnden  Gesetze  vorhanden  war,  das 
die  so  notwendige  Gleichmäßigkeit  bei  der  Aburteilung  dieser  Verbrechen 
herbeiführen  sollte.  Aus  diesem  Bedürfnis  heraus  entstand  der  genannte 
Runderlaß,  der  in  seiner  Einleitung  mit  Recht  hervorhebt,  daß  man  zwar 
an  sich  das  SklRG.  ebenso  wie  das  RStGB.  auf  die  Farbigen  analog  an- 
wenden könne,  daß  dieses  Gesetz,  aber  den  besonderen  Verhältnissen  des 
n,  Deutsch-Ostafrika  gerade  von  Farbigen  betriebenen  Sklavenhandels  ^ 
keineswegs  Rechnung  trage  und  daher  ergänzungsbedürftig  erscheine.  Die 
endgültige  Regelung  der  Materie  wird  ausdrücklich  einer  Kaiserlichen  Ver- 
ordnung vorbehalten.  Die  der  .-Anweisung«  angeschlossene  Verfügung,  be- 
treffend Belohnungen  für  Strafanzeigen  in  Sklavensachen  soll  eine  regere 
Beteiligung  der  Bevölkerung  an  der  Bekämpfung  des  Sklavenhandels  her- 
beiführen. 

b.  Verhältnis  der  „Anweisung"  zum  SklRG. 

§  4. 
Wie  verhält  sich  nun  die  ..Anweisung.,  zum  SklRG.  1' 
Das  Reichsgesetz  gilt  ebenso  wie  das  RStGB.  nicht  für  die  Far- 
bigen. Da  nun  aber  gerade  in  Deutsch-Ostafrika  die  Sklavereiverbrechen 
hauptsächlich  von  Farbigen  —  Negern,  Arabcu-n,  Indern,  Syrern  —  be- 
gangen wurden,  war  das  SklRG.  den  ostafrikanischen  Verhältnissen  recht 
wenig  angepaßt.  AVenn  also  den  Sklavereiverbrechen  wirksam  entgegen- 
getreten werden  sollte,  gab  es  nur  zwei  Möglichkeiten,  entweder  n)ußten 
die  Reichsgesetze  auf  die  Farbigen  analog  angewendet  werden,  was 
aber  notgedrungen  eine  Ungleichmäßigkeit  bei  der  Aburteilung  zur  Folge 
haben  nnißte,  oder  es  mußten  besondere  Bestimmungen  für  die  Farbigen 
getroffen  werden.  Unter  dem  19.  8.  1896  erging  nun  die  »Anweisung«. 
Hierbei    erheben   sich    zunächst    zwei   Fragen,    einmal:    welcher  Art   ist  die 

^  Riebow  II,  S.  267 — 269;  einige  andere  A'erordmuigen  und  Erlasse,  die 
lediglich  \er\valtungstechnisdie  Fragen  behandeln,  Formulare  und  Berichterstattung 
in  Sklavensachen,  z.  B.  v.  23.  6.  1896  und  8.  12.  1898,  sind  als  l^elanglos  weggelassen 
worden. 

2  A^gl.  Götzen  S.  304ff.;  Reicliard  S.  480/485;  S  tuhlnmnn  S.  186,  223, 
599,  702;  Füllehorn  S.  145;  AVißniann,  DKZ.  1889,  S.  3ö3ir. 


4  \Vk(;i;:   Hochtliche  Bfstiiuiinmgen  iiboi' riii"  Sklmcrci  in  DiMitscIi-AlVika. 

•  Anw«Msun<i«.  ist  sie  nur  eine  Dienstanweisung  oder  eine  vollgültige  V«-r- 
ordnung  mit  der  Kraft  eines  ostafrikanisehen  Landesgesetzes?  und  dann: 
ist  sie  nur  ein   Provisorium,  oder  ist  sie  noeh  heilte  in   Kraft? 

Auf  Grund  der  Allerhöchsten  Verordnung,  betrelleiid  die  Gerichts- 
harkeit  über  die  Eingeborenen  in  den  afrikanischen  Schutzgebieten  vom 
25.2.  1896',  in  \'erbindung  mit  der  Verfügung  des  Reichskanzlers  wegen 
Ausübung  der  Strafgerichtsbarkeif  und  der  Disziplinargewalt  über  die  Ein- 
geborenen in  den  deutschen  Schutzgebieten  von  Ostafrika,  Kamerun  und 
Togo  vom  22.  4.  1896^  ist  zwar  dem  Gouverneur  im  allgemeinen  die  Be- 
fugnis übertragen  worden,  die  Strafgerichtsbarkeit  über  die  Eingeborenen 
auszuüben,  dagegen  vorbehält  gerade  fiir  unsere  Materie  der  §  4  SklRG. 
den  Erlaß  von  Verordnungen  dem  Kaiser  mit  Zustimnumg  des  Bundesrats. 
Eine  vollgültige  \'erordnung  mit  der  Kraft  eines  ostafrikanisehen  Landes- 
gesetzes konnte  also  der  Gouverneur  im  vorliegenden  Fall  nicht  erlassen, 
aber  wohl  eine  Dienstanweisung  an  seine  nachgeordneten  Stellen :  und  er 
tat  dies,  um  die  hervorgetretenen  Mißstände  schneller,  als  die  Gesetzgebung 
in  der  Heimat  es  erlaubte,  nach  Möglichkeit  zu  beseitigen  und  um  gleich 
mit  bereits  in  der  Praxis  erprobten  Vorschlägen  an  die  maßgebenden  Stellen 
in  Deutschland  mit  der  Bitte  um  entspi-echende  gesetzliche  Maßnahmen 
herantreten  zu  können.  Daß  dieser  Runderlaß  nur  als  Dienstanweisung 
aufgefaßt  werden  kann,  dafür  spricht  einmal  die  Benennung  » Anweisimg ••, 
und  jerner  die  Fassung  der  Einleitung:  ».  .  .  zur  gefälligen  Beachtung", 
vor  allem  betont  aber  die  Einleitung  selbst,  daß  eine  »endgiltige  Regelung 
der  Materie-   nur  durch   Kaiserliche  Verordnung  erfolgen  kann. 

Dann't  kommen  wir  gleich  zur  Beantwortung  der  zweiten  Frage:  ob 
die  »Anweisung«  heute  noch  in  Kraft  ist.  In  der  Einleitung  sagt  die  "An- 
weisung« allerdings  selbst,  daß  sie  nur  ein  Versuch  zur  Ausprobung  zu- 
nächst theoretisch  festgelegter  Grundsätze  sein  will,  und  daß  auf  Grund 
des  innerhall)  Jahresfrist  gesammelten  [Materials  dann  die  »endgültige  Rege- 
lung- in  Angriff  genommen  werden  soll.  Sie  stellt  sich  also  selbst  als  ein 
Provisoi'ium  hin,  freilich  ohne  einen  Endtermin  anzugeben.  Nun  ist  aber 
weder  die  in  Aussicht  gestellte  Kaiserliche  Verordnung  ergangen,  noch  auch 
die  »Anweisung«  irgendwie  aufgehoben  worden;  im  Gegenteil,  der  Rund- 
erlaß des  Gouverneurs  vom  10.  12.  1902^  gibt  sogar  ergänzende  Bestim- 
mungen zur-  "Anweisung".  Nach  alledem  kann  man  nur  zu  dem  Schluß 
kommen,  daß  die   »Anweisiuig«   noch  heute  in   Kraft  ist. 

Zur  allgemeinen  Würdigung  der  »Anweisung»  mag  im  voraus  gesagt 
sein:  während  im  SklRG.  die  Tatbestände  in  wenigen  Paragraphen  recht 
summarisch  und  ohne  genügende  Berücksichtigung  der  einschlägigen  \'er- 
hältnisse  zusammengefaßt  sind,  sind  sie  hier  trefflich  zergliedert  und  die  in 
Deutsch-Ostafrika  üblichen  Strafen  in  den  verschiedenen  Abstufungen  ein- 
gesetzt, je  nachdem  es  die  neu  eingelügten  (^)ualifikationsniomente  erheischten. 


»    Riel)o\v  II,  S.  213. 

2  Riehow  n.  S.  215  216. 

3  Riel.üw  VL  S.  558. 


A\'K(iK:   Koclitlu-lic  ücstiiimiiiiigcii  über  dii' Skl.ncrci  in  Deutscli-Afrika.  5 

c.  Die  Tatbestände. 
aa.    Menschenraub. 

Die  "Anweisung"  lugt  zu  den  uns  aus  dem  SklRG.  bekannten  drei 
Tatbeständen  des  Sklavenraubes.  Sklavenhandels  und  Sklaventi-ansportes, 
einen  vierten,  die  Sklavenausf'uhr.  hinzu. 

I.  Einfacher  Menschenraub. 

Der  Tatbestand  des  Menschenraubes,  des  »gewaltsamen  Sklavenfangs « 
der  Brüsseler  Generalakte  (GA.)  vom  2.  2.  1890',  wird  in  der  »Anweisung«, 
wie  folgt,  festgelegt:  »Wer  sich  eines  freien  Menschen  bemächtigt,  um  ihn 
in  Sklaverei  zu  bringen,  wird  wegen  Menschenraubes  ....<■.  Während  das 
SklRG.  eine  Begriifsbestimmung  des  Sklavenraubes  und.  der  anderen  Delikte 
vermissen  läßt,  bringt  die  »Anweisung«  erfreulicherweise  gleich  im  An- 
fang eine  Definition  des  Menschenraubes  in  Anlehnung  an  die  Fassung  des 
§  234  RStGB. 

"Wer  sich  eines  freien  Menschen  bemächtigt»  —  daraus  könnte  man 
den  Schluß  ziehen,  die  »Anweisung«  meine,  man  könne  sich  nur  eines 
freien,  nicht  aber  eines  unfreien  Menschen  bemächtigen.  Vom  Standpunkt 
des  Europäers  aus,  der  einen  Unterschied  zwischen  frei  und  unfrei  nicht 
kennt,  ist  Menschenraub  eben  der  Raub  eines  Menschen.  Nicht  so  die 
Anschauung  der  Eingeborenen;  fiir  sie  ist  der  Raub  eines  Sklaven  der 
Raub  einer  Sache  und,  ähnlich  wie  die  Wegnahme  von  Pferden  und  Rin- 
dern, nur  ein  Vermögensdelikt  gegen  den  Eigentümer.  Die  Regierung  unter- 
scheidet aber  nun  bei  der  Behandlung  der  Eingeborenen  nie  zwischen  Freien 
und  Unireien,  sondern  höchstens  zwischen  Herren  und  Dienern.  Infolge- 
dessen kann  hier  der  Zusatz  des  Wortes  »freien«  unmöglich  eine  Neuerung 
gegenüber  dem  §  1  SklRG.  bedeuten,  um  so  mehr,  als  in  den  folgenden 
Ziffern  nie  wieder  von  dem  Gegensatz  frei  und  unfrei  die  Rede  ist,  auch 
Bcstimnmngen  über  Bestrafung  der  Wegnahme  von  Unfreien  völlig  fehlen. 
Die  llinzufügung  »freien«  kann  also  lediglich  den  Sinn  haben,  den  Gedanken 
der  tatsächlichen  Gleichheit  aller  Eingeborenen  vor  den  deutschen  Ge- 
richten und  Behörden  nochmals  zu  betonen  und  die  Beamten  darauf  hin- 
zuweisen; die  abweichenden  rechtlichen  Bestimmungen  bilden  ja  nur 
einen  Übergang.  —  Die  »Bemächtigung'  ist  hier  wie  im  §  234  RStGB. 
zu  l)eurteilen. 

"Wer  sich  eines  freien  Menschen  bemächtigt«  —  diu-ch  diese  Fassung 
wird  eine  Auslegimg  unmöglich  gemacht,  die  hier  etwa  —  wie  SklRG. 
unter  einem  »Sklavenraubunternehmen«  '^  —  ein  auf  die  Bemächtigung 
mehrerer  gerichtetes  Verbrechen  verstehen  wollte.  Es  genügt  hiernach 
also  zur  Erfüllung  des  Tatbestandes  ein  Menschenraub  oder  der  Versuch, 
begangen  von  einer  Einzelperson  an  einer  Einzelperson. 


'■    Vgl.  Lent  11  er  S.  141  ff.  (Anbang);  auch  .hing  S.  12iF. ;  Rieb  o  vv  1,  S.  127ff. 
2    Vgl.  hioiv.u:    Kavsel    S.  42;    derselben  Ansicht    auch  Frank   und    Binding. 


6  A\'k(.k:   Keditlidio  Bestiiiiinungen  über  dio  Skl;i\oit'i  in  DiMifscIi-AlVik;). 

Ebenso  wie  im  SklRG.  vermißt  man  in  der  •> Anuci.snng«  die  Anj^alx' 
der  Mittel  zur  AuslTüirung  des  Menschenraubes,  wie  wir  sie  im  §  "234  RStGB. 
mit  »List«,  "Drohung«  und  »Gewalt«  aufjü;e/.ählt  finden.  Doch  hat  das  Weg- 
lassen dieser  Worte  w  ohl  kaum  wesentliche  \'eränderungen  des  Tatbestandes 
zur  Folge  imd  ist  daher  als  Vereinfachung  nur  zu  begrüßen.  Denn  nun 
kann  man  auch  den  anscheinend  Ireiwilligen  Abschluß  von  Dienstvertrügen, 
die  in  Wahrheit  aber  nichts  anderes  als  Begründung  von  Sklavcreiverhält- 
nissen  sind,  als  Bemächtigung  auflassen,  ohne  erst  das  Tatbestandsmerkmal 
der  List,  Drohung  oder  Gewalt  genau  feststellen  zu  müssen. 

Eine  ganz  erhebliche  Abweichung  und  Verbesserung  gegenüber  dem 
SklRG.  bedeutet  die  Fassung  des  Tatbestandes  in  enger  Anlehnung  an  das 
RStGB.  Im  SklRG.  war  durch  die  Einfügung  des  Ausdrucks  "vorsätzliche 
Mitwirkung  an  einem  auf  Sklavenraub  gerichteten  Untern  ehmen-  ein- 
mal die  Unterscheidung  zwischen  Täter  und  Gehilfen,  Anstifter  und  Be- 
günstiger, dann  aber  auch  die  zwischen  Vorbereitungshandlungen,  Versuch 
und  Vollendung  völlig  beseitigt  worden.  Dagegen  stellt  sich  die  »Anweisung« 
nun  wieder  auf  den  Boden  der  altüberkommenen  Rechtsbegrifl'e. 

Betreffs  der  Teilnahme  kommen  also,  wie  in  Abschnitt  V  der  »An- 
weisung« noch  ausdrücklich  bestimmt  ist,  die  Grundsätze  des  RStGB., 
§47  ff.,  zur  Anwendung.  Gegenüber  dem  allumfassenden  Ausdruck  des 
SklRG.  bedeutet  diese  Fassung  in  Anlehnung  au  das  RStGB.  natürlich  eine 
erhebliche  Einschränkung;  aber  durch  die  Bestimmung  des  Abschnitts  V, 
Ziffer  1  über  die  vStrafbarkeit  des  Versuchs  wird  sie  wieder  in  genügender 
W^eise  erweitert,  wenn  auch  die  Strafbarkeit  der  Vorbereitungshandlungen 
in  Wegfall  kommt.  Die  Merkmale  des  Versuchs  bestimmen  sich  nach  den 
§§  43  ff.  RStGB. 

Der  Tatbestand  des  vollendeten  Delikts  der  »Anweisung«  ist  wie  im 
Fall  des  §  234  RStGB.  mit  der  Bemächtigung,  der  erlangten  köj-perlichen 
Herrschaft  über  den  Gei'aubten  erfüllt. 

n.    Gewerbs-  oder  gewohnheitsmäßiger  Menschenraub. 

Die  Ziffer  2  des  Abschnitts  I  der  »Anweisung«  enthält  eine  wesent- 
liche und  erfreuliche  Neuerung:  den  Begriff  der  Gewerbs-  und  Gewohn- 
heitsmäßigkeit. Für  dieses  V^erbrechen  wird  als  Mindestmaß  wahlweise 
lebenslängliche  Kettenarbeit  imd  Todesstrafe  angedroht.  Man  ging  bei  der 
Festsetzung  dieses  Strafmaßes  offenbar  davon  aus,  daß,  wenn  auch  dem 
erkennenden  Richter  bei  der  Aburteilung  ein  erschwerender  Umstand  nicht 
bekannt  ist,  dieses  gefährliche  V^erbrechen,  zumal  in  der  Wiederholung,  mit 
Sicherheit  den  Tod  und  die  Verstümmelung  von  Menschen  zur  Folge  haben 
müßte,  ganz  abgesehen  von  anderen  Schädigungen  wie  Brandstiftung  und 
ähnlichem. 

Zur  Feststellung  des  Tatbcstandsmerkmales  der  Gewerbs-  oder  Ge- 
wohnheitsmäßigkeit ist  nicht  notwendig,  daß  dem  erkennenden  Richter  eine 
Reihe  von  Straftaten  desselben  Täters  zur  Aburteilung  vorliegt  oder  doch 
bekannt  ist,  vidmehr  genügt  imter  Umständen  schon  ein  einziger  Fall. 


Weoi::  Koclitlk-lic  Destiiniiuiiigon  über  die  Sklaverei  in  Dciil.-.cli-Afrika.  7 

III.   Bandenmäßiger  Mensclienraub. 

Niclit  gerade  als  eine  Neuerung,  aber  sicheilich  als  \'erbesserung 
gegenüber  dem  SklRG.  ist  der  zweite  Al)satz  der  Zillor  2  anzusehen:  »Die 
gleichen  Strafen  treffen  jeden  Teilnehmer  einer  Bande,  die  mit  ))i'\v:iffneter 
Hand  Menschenraub  begeht.- 

Die  "Anweisung"  gebraucht  lu'cht  die  Ausdrücke  des  vSklRG.  wie 
"Unternehmen«  oder  «Streifziig-,  sondern  verwendet  den  uns  sclion  aus 
dem  RStGB.  (§243,  250)  bekannten  Begriff  der  ..Bande«,  die  hier  al)er 
mit  Waffen  versehen  sein  muß.  Zu  einer  .'Bande«  genügen  Ja  schon  zwei 
Personen  '. 

..Mit  bewaffneter  Hand«  ist  offenbar  eingefügt,  lun  —  in  Anlehnung 
an  das  Dekret  des  Kongostaates  vom  1.7.1891:  »la  capttn-e  des  esclaves 
operee  en  bände  et  a  main  armce  —  dem  Begriffe  der  ..Menschenjagd«  der  GA. 
und  dem  des  .- .Streifzuges«  des  SklRG.,  der  ja  ganz  älmlich  zu  umschreiben 
ist,  möglichst  nahezukonuneii.  Auch  hiei-  greift  dasselbe  Mindestmaß  Platz 
wie  beim  gewerbs-  oder  gewolmheitsmäßigen  Menschenraub:  lebenslängliche 
Kettenarbeit  oder  Todesstrafe.  Die  Veranstalter  vuid  Anführer  werden  hier 
im  Gegensatz  zum   SklRG.  nicht  ])esonders  hervorgehoben. 

IV.    Der  durch  den  Erfolg  qualiiizierte   Mensclienraub. 

Die  Ziffer  3  des  Abschnitts  1  der  ..Anweisung«,  die  den  durch  den 
Todeserfolg  qualifizierten  Menschenraub  behandelt,  lehnt  sich  äußerlich  in 
ihrer  Fassung  an  den   Abs.  II  des  §  1   SklRG.  an. 

Nahe  liegt  nun  die  Frage,  ob  die  Ziffer  3  auch  für  den  einfachen 
Menschenraub,  dessen  Begehung  einer  Einzelperson  möglich  ist,  oder  lun- 
für  den  bandenmäßigen  Platz  greifen  soll,  wenn  man  den  Schluß  des  Ab- 
satzes ins  Auge  faßt,  wo  die  ..Veranstalter«  den  .'übrigen  Teilnehmern« 
gegenübergestellt  werden,  also  offenbar  eine  Mehrheit  von  Personen  vor- 
ausgesetzt wird.  vSie  erledigt  sich  aber  meines  Erachtens  dadurch,  daß  die 
Ziffer  nur  ganz  allgemein  von  Menschenraub  sj)richt,  von  dem  banden- 
mäßigen aber  nichts  verlauten   läßt. 

Es  fallen  also  luitci-  den  Tatbestand  der  Ziffer  3  nicht  bloß  die  Ver- 
anstalter, Anführer  und  die  ül)rigen  Teilnehmer,  sondern  auch  i'in  ein- 
zelner Täter. 

Wird  nun  einei'seits  der  Kreis  der  Personen,  dei-en  Taten  dieses 
qualifizierende  Moment  aufweisen,  durch  die  ..Anweisung«  gegenüber  dem 
SklRG.  erheblich  erweitert,  so  bedeutet  anderseits  die  Fasstnig  der 
Ziffer  3  auch  wieder  eine  Einschränkung,  nämlich  bezüglich  der  Personen, 
deren  Tod  die  Strafe  verschärft.  Statt  der  Worte  des  SklRG.:  »ist  der 
Tod  einer  der  Personen,  gegen  welche  der  Streifzug  gerichtet  ist,  verur- 
sacht worden...«  heißt  es  in  der  ..Anweisung«:  »ist  der  Tod  einer  der 
Personen,  deren  Raub  ausgeführt  oder  versucht  wurde,  und  welche  dem 
Geraubten  bzw.  Bedrohten  zu   Hilfe  kamen,  verursacht  worden  .  .  .«.    Nach 


1    E.  XTL.  173  und  K.  IX.  405. 


,S  ^\'^.'.^:    K'crhtliclic  Hfstiiiimimj;cii  lilx'i- die  Skla\ci'ci  in  I)i'iits<'li-At'iik;). 

(lein  SklH(i.  j^cnügte  der  viflleiclit  durcliaiis  zufällige  Tod  irgendeines 
unbeteiligten  Einwohners  eines  Dorfes,  gegen  das  der  Streifzug  gerichtet 
war,  lun  <]ie  Veranstalter  und  Anführer  unbedingt  der  IDdesstrafe  verfallen 
y.u  lassen.  In  der  »Anweisung"  ist  der  Kreis  derjenigen  Personen,  deren 
Tod  diesen  strafschärfenden  Umstand  bildet,  erheblich  eingeschränkt:  nur 
die  fleraubten  bzw.  IJedrohten  oder  die  ihnen  zu  Hilfe  Eilenden,  also  nur 
die  unmittelbar  Beteiligten,  kounnen  jetzt  noch  in  Betracht. 

FTu"  diesen  erschwerten  Fall  sind  die  X'eranstalter  und  Anführer,  wie 
schon  im  SklRd..  besonders  hervorgehoben:  für  sie  ist  nur  der  Tod  die 
angemessene  Sühne.  Für  die  ül)rigen  Teilnehmer  ist  ein  Mindestmaß  fest- 
gesetzt; außerdem  kann  eine  Abstufung  der  Strafe  je  nach  dem  Cirade  der 
Beteiligung  eintreten. 

Hat  ein  einzelner  Täter  den  Tatbestand  der  Ziffer  3  erlüllt.  so  konnnt 
für  ihn  als  Strafe  nur  der  Tod  in  Betracht,  da  er  in  seiner  Person  \'ei'- 
anstalter.   Anfühivr  und  Teilnehmer  vereinigt. 

bb.    Sklavenhandel. 
§6. 

Der  Abschnitt  11  fügt  in  den  uns  aus  dem  SklRG.  bekaimten  Tat- 
bestand: »Wer  Sklavenhandel  treibt,  wird..."  das  Wort  »gewerbsmäßig« 
ein  und  setzt  für  diesen  eine  Mindeststrafe  von  drei  Jahren  Kettenarbeit  an. 

Daß,  wie  beim  Menschenraub,  auch  hier  die  Gewerbsmäßigkeit  be- 
sonders verwerflich  und  deshalb  streng  zu  ahnden  ist,  leuchtet  ein.  Es 
erhebt  sich  aber  nun  die  Frage:  soll  der  nicht  gewerbsmäßige  Sklaven- 
handel der  Farbigen  nicht  bestraft  werden?  Gibt  es  denn  überhaupt  einen 
»nicht  gewerbsmäßigen  Sklavenhandel«? 

Hier  müssen  wir  auf  die  allgemeine  Begriffsbestimmung  zurückgehen: 
Handel  ist  die  auf  Umsatz  von  Gütern  gerichtete  Tätigkeit;  wer  handelt, 
hofft  auf  Gewinn  und  will  sich  daraus  eine  dauernde  Einnahmequelle 
schaffen,  lls  ist  eine  gewerbsmäßige  Tätigkeit;  so  spricht  auch  das  Handels- 
gesetzbuch von  "Handelsgewcrbe«,  Diese  Begriffsbestimmung  dürfte  also 
iur  den  im  SklKG,  enthaltenen  Begriff  »Sklavenhandel«   auch  zutreffen. 

Warum  wurde  nun  in  der  »Anweisung«  das  Wort  »gewerbsmäßig« 
eingefügt?  Auf  den  ersten  Blick  erseheint  es  vollkonnnen  -^übertlüssig.  Aber 
offensichtlich  sollte  das  Wort  »gewerbsmäßig"  alle  die,  denen  die  reichs- 
gesetzlichen Begriffe  nicht  durchaus  geläufig  sind,  daraufstoßen,  daß  unter 
"Sklavenhandel"  nicht  schon  ein  jeder  einfache  Kauf  oder  Vei'kauf  von 
Sklaven  zu  verstehen  ist.  Der  Offizier  freilich,  der  draußen  die  Einge- 
boruengerichtsbarkeit  ja  auch  handhabt,  und  noch  \  ielniehr  der  Missionar 
wird  stets  geneigt  sein,  in  jedem  Kechtsgeschäft  über  einen  Menschen  einen 
verbrecherischen  Sklavenhandel  zu  sehen.  Da  nun  in  den  Schutzgebieten 
die  Eingeborncnrechtspllege  oft  in  den  Händen  von  nicht  juristiscli  vorge- 
bildeten Männern  —  Offizieren.  Landwirten,  Sekretären  usw.  —  liegt, 
wurde,  um  jedem  Zweifel  und  allen  Rückfragen  von  vornhci-ein  vorzu- 
lieugen,  das  Wort    »gewerbsmäßig"    zur  Verdeutlichung  eingefügt. 


Wi:(ii::    Ivcclitliclic  ricsiimumn^rii  üljcr  die  Skl;i\  ci-ci  in  Dciitscli-AtViLi.  i) 

Ks  ist  also  nicht  schlechthin  Jede  Übertragung  von  Sklaven ',  sondern 
mir  der  gewerbsmäßige  Umsatz  von  Menschenware  als  Sklavenhandel 
straffällig. 

Vollendet  ist  das  Verbrechen  nun  bereits  mit  dem  in  der  Absicht 
gewinnbringender,  gewerbsmäßiger  Weiterveräußerung  bewirkten  Ankauf 
bzw.  mit  dem  Bereitstellen  auf  dem  Sklavenmarkt  /.um  öffentlichen  Ver- 
kauf. Dieses  Feilhalten  aber  etwa  als  \'ersuch  aulzufassen,  würde  dem 
Sinne  des  Wortes  »betreiben«  widersprechen.  Denn  man  kann  schon 
"Handel  betreiben«,  ohne  sein  Ziel,  die  gewinnbringende  Weiterveräußerung: 
zu  erreichen.  Das  Feilhalten  ist  eben  schon  ein  -Betreiben«,  nicht  etwa 
erst  der  Eintritt  in  die  Kaufverhandlungen  oder  gar  der  Abschluß  eines 
solchen  zweiseitigen  Rechtsgeschäfts. 

Ein  Versuch  des  Sklavenhandels  ist  denmach  begrifflich  unmöglich. 
Unterstützt  wird  diese  Auffassung  noch  besonders  dadurch,  daß  der  Ab- 
schnitt V,  Ziffer  1,  1  den  Sklavenhandel  bei  der  Aufzählung  der  strafbaren 
Versuche  nicht  erwähnt. 

Fiir  die  Teilnahme  am  Sklavenhandel  kommen  nach  ausdrücklicher 
Bestimmung  des  Abschnitts  V,  Ziffer  1,  III  die  Grundsätze  der  §^5  47 ff. 
RStGB.  zur  Anwendung. 

cc.   Sklaventransport. 

§  7. 
I.  Einfacher  Tatbestand. 

Als  dritten  Tatbestand  kennen  wir  aus  dem  SklRG.  »die  dem  Sklaven- 
handel dienende  Beförderung  von  Sklaven«:  diese  war  schon  dort  als  selb- 
ständiges Delikt  strafbar.  Die  »Anweisung«  hat  diesen  Tatbestand,  die 
»Verbringung  von  Sklaven  von  Ort  zu  Ort«,  in  zwei  Unterbegriffe  zerlegt: 
in  die  Sklavenbeförderung  innerhalb  des  Schutzgebiets  und  die  nach  einem 
Orte  außerhalb  des  Schutzgebiets.  Der  erste  Tatbestand  wird  mit  »Sklaven- 
ti-ansport«,  der  zweite  mit   »Sklavenausfuhr«   bezeichnet. 

Bei  dem  Delikt  des  Sklaventransportes  ist  nun  der  Begriff"  der  »vor- 
sätzlichen Mitwirkung«  aus  dem  SklRG.  übernommen  worden.  Die  »vor- 
sätzliche Mitwirkung«  bedeutet  aber  nichts  weniger  als  eine  Beseitigung 
unserer  Unterscheidung  zwischen  Täterschaft  und  Teilnahme,  stellt  also 
Täter  und  Teilnehmer,  Gehilfen  und  Anstifter  einander  gleich-. 

In  objektiver  Hinsicht  ist  jede  Mitwirkung  straffällig,  gleichviel 
von  welcher  Art  und  Dauer.  Als  Mitwirkender  ist  elien  jeder  anzusehen, 
der  zu  dem  \'^erbrechen  in  ii-gendeinei"  Weise  beiträgt,  sei  es  durch  Geld 
oder  ])ersönliche  Betätigung  vor  oder  nach  Begehung  des  Verbrechens,  mit 
Rat  oder  Tat.  Lediglich  als  Strafzumessungsgrund  kann  der  verschiedene 
Grad  der  Mitwirkung  Berücksichtigung  finden. 

Straffällig  wären  insbesondere  alle  Mitglieder  einer  Sklavenkarawane, 
ebenso  der  Kapitän    der  Sklavendhau,   die  Matrosen,    die    in  Kenntnis    der 

1  Vgl.  jedoL'li  unten  im  §  12. 

'^    Vo-I.  Scherliiig  S.  53 ;  Jung  S.  25. 


10  W  i'i::   Ifi'clitliclif  riotiiiiimingcn  ülior  die  Skhnciri  in  I)tMii>i-li-Af'iik,i. 

Besliiiumiiiii  des  SdiilVs  an  Bord  vcrhleiheii,  dvv  Reeder,  df-r  w  issentlicli 
sein  Schiff  zu  solchen  Fahrten  hergibt,  der  \'ersicherer  der  Ware, 

In  suhjektiver  Hinsicht  ist  zur  ■■  vorsätzlichen  Mitwirkung»  Vor- 
satz bei  Benehuii«;  des  Verl)rechens  notwendig;  eine  l"alirl;issi<^e  Hegeluuig 
ist  also  unmöglich.  Jedoch  dürfte  genügen,  wenn  der  Mitwirkende  das 
Bewußtsein  gehabt  hat,  das  \'orhaben,  an  dem  er  sich  beteiligt,  könne  zum 
•Sklaventi-aiisport  geeignet  sein.  —  Dagegen  wäre  z.  B.  ein  Matrose  nicht  zu 
bestrafen  ',  wenn  er  das  .Schiff  ohne  Kenntnis  seiner  Bestimmung  betritt,  es 
aber  bei  der  ersten  Gelegenheit  wieder  verläßt,  nachdem  er  davon  erfahren. 

Das  Bewußtsein  der  Rechtswidi-igkeit  dieses  Skaventransportcs  ist 
jedoch  nicht  notwendig,  da  dieses  Tatbestandsuierkmal  fehlt. 

Im  übrigen  zeigt  der  •■  Sklaventransport«  der  «Anweisung"  ein  ganz 
anderes  Gesicht  als  die  »Sklavenbcförderung«  des  SklRG.  Dort  mußte  die 
Beförderung  dem  Sklavenhandel  dienen,  wenn  sie  straffällig  sein  sollte. 
In  der  »Anweisung«  wird  mit  Recht  hervorgehoben,  daß  der  Sklaventrans- 
port in  Ausführung  bezw.  \'ollendung  eines  Menschenraubes  geschieht,  um 
die  Opfer  den  \'erfolgern  zu  entzielien  und  den  Verbrechern  die  Vorteile 
ihrer  Tat  zu  sichern.  So  gefaßt,  trifft  der  Tatbestand  gerade  diejenigen 
Fälle,  die  unter  den  Begriff  des  SklRG.  »eine  dem  Sklavenhandel  dienende 
Beforderimg  von  Sklaven«   nicht  subsumiert  werden  konnten. 

Natürlich  kann  der  Sklaventransport  aber  auch  dem  Sklavenhandel 
dienen,  und  dies  wird  in  den  meisten  Fällen  geschehen,  so  z.  B.  bei  der 
Beförderung  der  Sklaven  zum  ^larkt.  Daher  ist  dieses  Tatbestaudsmerkmal 
aus  dem  SklRG.  in  die  »Anweisung«  mit  übernommen  worden;  jedoch  ist 
nur  die  'vorsätzliche  Mitwirkung  an  einem  ....  bzw.  an  einem  dem  ge- 
werbsmäßigen Sklavenhandel  dienenden  Trans})ort  von  Sklaven«  unter  Strafe 
gestellt.  Der  gewöhnliche  Sklaventransport  bleibt  natürlich  straffrei.  Man 
denke  z.  B.  an  einen  farbigen  Sklavenhalter,  der  auf  einer  Reise  drei  Sklaven 
als  seine  persönlichen  Diener  mitgenommen  hat,  sich  plötzlich  in  Geldver- 
legenheit sieht  und  genötigt  ist,  einen  seiner  Sklaven  zu  vei-kaufen.  Dieser 
Mann  wird  also  weder  wegen  Sldaventransportes  noch  wegen  Sklaven- 
handels zu  belangen  sein. 

Für  die  Vollendung  dieses  Verbrechens  ist  entscheidend,  daß  der 
Transport  nur  begonnen  zu  haben  braucht,  also  auch  w'enn  seine  Aus-  und 
Durchführung   durcii    die  Dazwischcnkunft  der  Regierung  verhindert  wird. 

Die  Strafliarkeit  des  \'ersuchs  bestinnnt  sich  nach  Abschnitt  V, 
Ziffer  1,  II  nach  den  allgemeinen  Grundsätzen  des  RStGB.  Ein  Versuch 
dürfte  z.  B.  in  der  Zusammenstellung  einer  Sklavenkarawane,  in  der  Be- 
frachtung einer  Sklavendhau  mit  ]\Ienschenware  zu  erblicken  sein. 

11.   Gewerbs-   und   gewolmlieitsmäßig. 

Unter  Ziffer  2  ist  eine  erhöhte  Mindeststrafc  festgesetzt  für  den  Fall, 
daß  der  Sklaventrans|)ort  gewerbs-  oder  gewohnheitsmäßig  erfolgt.  Man 
hat  hierbei  wohl  die  Karawanenfülirer  und  Unterführer  sowie  die  Sklaven- 

'    .Fung  S.  Ti?). 


Wege:   IN-clitliclie  BeMiiimiiingun  über  die  Sklaverei  in  DeiitscIi-Afi-ik;!.  1  1 

aufkäiiler  im  Auge  gehabt,  deren  Tätigkeit  darin  bestand,  die  im  Innern 
aufgekauften  oder  gar  selbst  geraubten  Sklaven  an  die  Küste  zu  bringen, 
von  wo  sie  dann  nach  Arabien  verfrachtet  wurden. 

Keinen  erschwerenden  Umstand  bilden  hier  merkwürdigerweise  im 
Gegensatz  zu  dem  sogleich  zu  besprechenden  Delikt  der  »Sklavenausfuhr., 
die  Anwendung  von  List,  Drohung  oder  Gewalt  oder  der  Tod  eines  der 
Transportierten;  und  doch  erzählen  die  Berichte  von  dem  masseidiaften 
Untergang  der  aus  dem  Innern  an  die  Küste  verschleppten  Sklaven,  die 
entweder  an  Krankheiten,  Mißhandlungen  und  Hunger  zugrunde  gingen 
oder  auch  niedergestochen  wurden,  wenn  sie  ermattet  ziu-ückbleiben  wollten, 
um  andere  von  der  Erheuchelung  der  Erschöpfung  abzuhalten! 


dd.   Sklavenausfuhr. 

§8. 
I.  Einfaches  Delikt. 

Die  Sklavenbeforderung  nach  einem  Orte  außerhalb  des  Schutzgebiets 
nennt  die  »Anweisung«  » Sklavenausfuhr...  Die  Sklavenausfuhr,  bei  der 
wohl  hauptsächlich  an  den  Sklavenhandel  über  See  nach  den  arabischen 
Tiindern  zu  denken  ist,  —  weit  weniger  praktisch  ist  der  Sklavenhandel 
über  die  Binnengrenzen  von  Deutsch-Ostafrika  —  deckt  mit  diesem  Begriffe 
zwei  verschiedene  Tatbestände. 

a.  Überführung  zu  dauerndem  Aufenthalt. 

»Wer  es  unternimmt,  einen  Sklaven  nach  einem  Orte  außerhalb  des 
Schutzgebiets  zu  dauerndem  Aufenthalt  zu  überführen,  wird  wegen  Sklaven- 
ausfidir  .  .  .«  —  hier  ist  der  Begriff  des  Unternehmens  im  allgemeinen 
Sinne  des  RStGB.  aufzufassen.  Dafür  spricht  schon  die  Fassung  »wer  es 
unternimmt  .....  in  Anlehnung  an  das  RStGB.  Strafbar  sind  also  auch 
die  Vorbereitungshandlungen  zu  einer  solchen  Überführung,  z.  B.  Belegung 
von  Schiffsplätzen  bei  einzelnen  oder  Charterung  einer  Dhau  bei  einem 
Massentransport.  Die  Bestimmung  des  Abschnitts  V,  Ziffer  1  über  den  Ver- 
such kann  sich  mithin  nur  auf  den  zweiten  Teil  der  wahlweise  neben- 
einander gestellten  Tatbestände  beziehen. 

Das  Opfer  soll  nach  einem  Orte  außei-halb  des  Schutzgebietes  zu 
dauerndem  Aufenthalt  überführt  werden.  Die  Überführung  zu  vorüber- 
gehendem Aufenthalt  ist  von  der  Erlaubnis  des  Gouverneurs  abhängig.  Es 
ist  klar,  daß,  wenn  die  Regierung  solche  Überführungen  —  z.  B.  von 
»Arbeitern«  —  ohne  weiteres  erlaubte,  sie  mit  sehenden  Augen  den  Sklaven- 
handel dulden  wih-de.  Ein  jeder  Slavenhändler  würde  sich  dann  einfach 
aus  dem  Schutzgebiet  eine  übergroße  Zahl  persönlicher  Diener  und  Frauen 
mitnehmen  und  sie,  am  Bestimnuuigsort  angelangt-,  schleunigst  verkaufen. 
Anderseits  war  aber  auch  der  Zusatz  »zu  dauerndem  Aufenthalt«  notwendig; 
man  kann  keinem  Karawanenfülu-er,  der  seine  eigenen  Sklaven  als  Träger 


1  ■_'  W'i  <.i: :    lu'clitlii-lic  l>t'stiiMiiniiitrrii  ührr  dii-  Skl:i\riri  in  Deiitscli-Arrika. 

l)eiiutzt.  ziimuteii,  l)ei  Uberschri'itiiiig  dei-  deutscht'n  Grenze  seine  sämtlichen 
Sklaven  zurückzulassen  und  sich  andere  Träi;cr  zu   mieten. 

Bezüglich  der  Teilnahme  gnifen  d\f  allgemeinen  Bestinnmmgen  des 
KStGB.  Platz. 

I).   WrUaul'  an    einen    Nichtansässigen. 

Der  zweite  Tathestand,  den  die   -Anweisung«  initer  ».Sklavenausfuhr« 
hegreil't,    wird    wie    folgt   festgelegt:     -Wer   einen  Sklaven    an  eine  Person 
verkauft,   von  welchei"  er  weiß,  daß  sie  im  deutschen  Schutzgebiet  keinen 
Wohnsitz    hat,    wird    wegen    Sklavenausfuhr......      Die    Zweckmäßigkeit 

dieser  Bestinmiung  leuchtet  sofort  ein:  wenn  schon  die  Behörden  den  ein- 
fachen Kauf  und  Verkauf  von  Sklaven  nicht  für  strafbar  erklärten,  so 
mußten  sie  um  so  eher  Vorkehrungen  treffen,  daß  der  Sklavenhandel  nicht 
durch  solche  Verkäufe  an  nicht  im  Schutzgebiet  ansässige  Leute  ungestört 
weiterwuchcrii  konnte. 

Zum  objektiven  Tatbestand  der  »Sklavenausfuhr«  gehört  der  Ab- 
schluß eines  zweiseitigen  tlbereignungsgesohäftes  ülx-r  einen  Sklaven.  Wenn 
auch  im  Text  von  »Kauf«  gesprochen  wird,  so  sind  doch  andere  entgelt- 
liche Übereignungsarten,  wie  Tausch  und  als  Schenkung  bezeichneter  Kauf 
oder  Tausch,  für  gleichwertig  zu  erachten.  Aber  es  muß  Entgeltlichkeit 
vorliegen,  reine  Schenkung  also  dürfte  kaum  genügen,  da  die  Fassung  des 
Tatbestandes  offensichtlich  ein  entgeltliches  Rechtsgeschäft  vorsieht. 

Zimi  subjektiven  Tatbestand  gehört  die  Kenntnis  des  Verkäufers, 
daß  sein  Vertragsgegner  im  deutschen  Schutzgebiet  keinen  Wohnsitz  hat, 
wobei  man  einen  erdichteten  oder  einen  nur  vorübergehenden,  wenn  auch 
vielleicht  längeren  Aufenthalt  nicht  als  »Wohnsitz«  im  Sinne  dieser  Be- 
stimmung ansehen  darf.  Zur  Erfüllung  des  subjektiven  Tatbestandsmerk- 
males genügen  auch  schon  berechtigte  Zweifel  an  den  Worten  des  Vertrags- 
gegners, freilich  nicht  etwa  schlechthin  jeder   auftauchende  leise  Verdacht. 

Vollendet  ist  das  Delikt  mit  dem  Abschluß  des  Uebereignungsver- 
trages.  Strafbarer  Versuch,  auf  den  die  allgemeinen  Bestimmungen  des 
RStGB.  Anwendung  finden,  würde  z.  B.  dann  vorliegen,  wenn  die  Verhand- 
lungen sich  zerschlügen. 

Bezüglich  der  Teilnahme  greifen  ebenfalls  die  allgemeinen  Bestim- 
mungen des  RStGB.  Platz. 


II.   Gewerbs-  oder  gewohnheitsmäßig. 

Ziffer  2  setzt  für  das  Verbrechen  der  gewerbs-  oder  gewohnheits- 
müßigen Sklavenausfuhr  eine  Mindeststrafe  von  drei  Jahren  Kettenarbeit 
ein.  Weiter  wird  hier,  anklingend  an  den  §  284  RStGB.,  als  strafschärfender 
Umstand  die  Anwendung  von  List,  Gewalt  oder  Di-ohung  bei  der  Begehung 
einer  Sklavenausfuhr  einuefüjit. 


ANkck  :   Kcclitlirln' r)Cstiiniimiin;(Mi  über  die  Sklaverei  in  Deutscli-Al'rik.i.  13 

III.    Das  durch   den   Erfolg  qualifizierte   Delikt. 

Die  Ziffer  3  des  Ahschnitts  IV  enthält  eine  vviclitige  Neuenmt;,  die 
dem  durch  den  Erfolg  qualifizierten  Menscheni-aub  entspricht:  -Ist  hei  dei- 
Ausfuhr  bzw.  dem  Versuch  einer  Sklavenausfuhr  der  Tod  einer  der  Per- 
sonen, deren  Ausfuhr  bewirkt  bzw.  versucht  wurde  oder-  welche  dem 
Auszuführenden  zu  Hilfe  kamen,  verursacht  worden,  so  ist....«  Es  trifft 
dies  wohl  J)esonders  die  oft  geradezu  unn)enschliche  Beförderungsart  von 
Sklaven  in  den  engen,  überfüllten  und  verseuchten  Sklavendhaus.  Die 
Formulierung  grenzt  scharf  an  die  des  Menschenraulies:  die  obigen  .\us- 
führungen  finden  daher  hier  entsprechende  Anwendung.  In  ganz  gleicher 
Weise  wird  die  »Sklavenausfuhr«  durch  den  schwereren  Erfolg  zu  einem 
qualifizierten  Delikt  mit  Straferhöhung.  Für  die  Veranstalter  und  Antührer 
ist  die  Todesstrafe  absolut,  für  die  übrigen  Teilnehmer  ein  ^lindestmaß 
festgesetzt.  Wie  der  Menschenraub  kann  dieses  Verbrechen  aber  auch  von 
einem  einzelnen  begangen  werden,  den  dann  natürlich  die  Strafe  der 
Anfiihrer  trifft. 

d.  Strafen. 

a.  Hauptstrafen. 

Als  Hauptstrafen  kennt  das  SklRG.  Getängnis-,  Zuchthaus-  und  Todes- 
strafe. Die  »Anweisung«  trägt  dagegen  den  Verhältnissen  von  Deutsch- 
Ostafrika  mehr  Rechnung,  indem  sie  statt  dessen  Kettenarbeit  und  Todes- 
strafe androht '. 

aa.   Strafart. 

1.  Todesstrafe. 
§  9. 
über  die  Todesstrafe,  deren  endgültige  Verhängung  dem  Gouverneur 
zusteht,   haben    wir  Bestimmungen,   daß    sie   außer  durch  Enthaupten  auch 
durch  Erschießen  oder  Erhängen  vollzogen   werden  kann. 

"2.  Ketten  arbeit. 
Da  die  Kettenarbeit  in  Deutschland  nicht  allzu  bekannt  sein  dürfte, 
ist  eine  kurze  Bemerkung  darüber  wohl  am  Platze.  Die  Strafe  besteht 
darin,  daß  die  Verbrecher,  zu  je  10  bis  20  an  einer  langen  Kette  mit  Hals- 
ringen angeschlossen,  zu  allerhand  Arbeiten  gezwungen  werden,  wie  Wege- 
bau, Häuserbau.  Feldarbeit,  Lastentragen  und  ähnlichem.  Das  Leben  in 
der  »Kette«,  wie  solche  Gruppe  von  Strafgefangenen  kurz  genannt  zu 
werden   pflegt,    wäre   für   die  Neger,   die   sich  ja    nun  nieht  lun  Unteilialt 


1  Vgl.  ferner  flen  Auszug  aus  dem  Runderlaß  des  Gouxcrneurs  von  Deutseii- 
Ostafrika,  betreuend  die  Strafgeriehtsbarkeit  gegenüber  den  Farbigen  vom  27. 12. 19(»0: 
Riebow  VI,  S.  266;  auch  Riebow  II,  S.  215:  Verfügimg  des  Reieliskanzlers 
wegen  Ausübung  der  Strafgerichtsbarkeit  und  der  Disziplinargewalt  gegenüber  den 
Eingeborenen  in  den  deutschen  Schutzgel )ieten  von  Deutsch-Ostafi-ika,  Kamerun  und 
Tosro  Aom  22.  4.  189(;. 


1  4  W'fr.K:   Hrclitliche  IJestininumgen  über  die  Skl.norci  in  Deiitscli-Afiikn. 

iiiul  Uiitcrkoiiimtn  zu  küiniiKin  hrauclicn.  iK-inalie  angeiiolmier  als  die 
Freiheit,  wonu  nur  niclit  —  die  Arbeit  wäre.  Lentner  (»S.  77),  der  für 
die  Sklavereiverbreclien  die  Anwendung  der  Straflcnechtschaft,  der  »j)enal 
servitude«  des  englischen  Rechts,  vorschlägt,  hebt  treÜend  hervor,  daß  es 
bei  der  Geringschätzung  der  Arbeit  in  Al'rika,  die  nur  fiir  Krauen  und 
Sklaven  gut  ist,  für  einen  Herrn  keine  größere  und  beschämendere  Strafe 
geben  könne  als  Zwangsarbeit;  vor  dieser  haben  die  Sklavenhändler  von 
jeher  die  größte  Scheu  gehabt. 

Eine  Umwandlung  der  Kettenarbeit  unter  einem  Jalire  in  Gelängnis, 
die  im  übrigen  laut  Abschnitt  V,  Ziffer  1  bei  Bestrafung  des  Versuchs  ge- 
mäß §  43 ff.  RStGB.  der  Zuchthausstrafe  gleich  zu  achten  ist,  findet 
nicht  statt. 

3.   Geldstrafe. 

Im  Gegensatz  zum  SklRG. :  »auf  Geldstrafe  ..  .  ist  zu  erkennen...", 
irklärt  die  «Anweisung«  in  Ziffer  2  des  Abschnitts  V  die  Geldstrafe  nur  für 
zulässig:  »Neben  den...  angedrohten  Freiheitsstrafen  kann  auf  Geld- 
strafe ..  .  erkannt  werden."  Und  das  durchaus  mit  Recht.  So  richtig  auch 
die  im  SklRG.  obligatorische  liohe  Geldstrafe  erscheinen  mag,  in  der  Praxis 
ist  sie  selten  beizutreiben.  Die  Umw^andlung  der  Geldstrafe  in  Zuchthaus 
ergibt  ein  völlig  unbefriedigendes  Resultat'.  In  der  »Anweisung«  ist  nun 
dem  erkennenden  Richter  freie  Hand  gelassen,  die  begüterten  Verbrecher 
angemessen  auch  an  ihrem  Vermögen  zu  bestrafen,  während  er  bei  offen- 
kundig Unvermögenden  sich  auf  die  Freiheitsstrafe  beschränken  kann. 

4.  Prügelstrafe. 
Neu  eingeführt  durch  die  »Anweisung"  wird  die  Prügelstrafe,  eine 
rein  afrikanische  Strafe  —  wenigstens  vom  Standpunkt  des  deutschen  Rechts 
aus  —  von  nicht  unwesentlicher  Bedeutung  und  Wirksamkeit.  Für  diese 
Strafe  greifen  die  übrigen  Bestimmungen  Platz-:  mehr  als  25  Hiebe  dürfen 
nicht  auf  einmal  vollzogen  werden;  beim  Vollzug  hat  ein  Euro[)äer,  eventuell 
auch  ein  Arzt  zugegen  zu  sein,  der  unter  Umständen  der  Züchtigung  Ein- 
halt gebieten  kann,  wenn  es  der  Gesundheitszustand  des  Verurteilten  er- 
fordert; gegen  Araber  und  Inder  ist  die  Anwendung  körperlicher  Züchti- 
gung ausgeschlossen;  gegen  Frauen  dail"  auf  Prügel-  oder  Rutenstrafe  nicht 
erkannt  werden. 

bb.    Strafmaß. 

Auf  den  einfachen  Menschenraub  steht  Kettenarbeit  bis  zu  fünf 
Jahren;  liegt  Gewerbs-  oder  Gewohnheitsmäßigkeit  vor,  ist  wahlweise  lebens- 
längliche Kettenarbeit  neben  der  Todesstrafe  angedroht.  Dagegen  trifft  in 
dem  qualifizierten  Fall  der  Ziffer  3  Veranstalter  und  Anführer  unbedingt  der 
Tod,  während  die  übrigen  Teilnehmer  mindestens  drei  Jahre  Kettenarbeit 
zu  gewärtigen  haben. 


'  Scherling  S.  76. 

2  Verordnung  vom  22.  4.1890:  Riebow  H,  S.  215;  RunderlaiS  vom  12. 1. 1900: 
R  iebow  V,  S.  15. 


Wi;(.i;:   Ixcchtliche  ISotiiiuinuint'ii  über  dir  Skhncrci  in  DciitsL-li-AtVilvM.  15 

Sklavenhandel  ist  mit  Kcttenarheit  nicht  unter  drei  .Jahren  zu  be- 
strafen; dieselbe  Strafe  steht  auch  auf  S  kla  ven  transport.  wenn  er  ge- 
werbs-  oder  gewohnheitsuiäßig  begangen  wird.  Einfacher  Skhncntransport 
wird  dagegen  nur  mit  Kettenstrafe  l)is  zu  drei  Jahren  geahndet. 

Eine  höhere  Strafe,  bis  zu  fünf  Jahren  Kettenarbeit,  trifft  den,  der 
Sklaven  ausführt.  Tut  er  es  gewerbs-  oder  gewohnheitsmäßig  oder 
unter  Anwendung  von  List,  Gewalt  oder  Drohung,  so  wird  er  mit  Ketten- 
arbeit nicht  unter  drei  Jahren  bestraft.  Liegt  dagegen  der  qualifizierte  Fall 
der  Ziffer  3  vor,  so  trifft  die  Veranstalter  und  Anführer  unbedingt  die  Todes- 
strafe, die  übrigen  Teilnehmer  Kettenarbeit  nicht  unter  drei  Jahren. 

b.    Nebenstrafen. 

1 .  Einziehung. 

Als  Nebenstrafen  kennt  die  »Anweisung«  die  Einziehung  aller  zur 
Begehung  des  Verbrechens  gebrauchten  oder  bestimmten  Gegenstände,  ohne 
Unterschied,  ob  sie  dem  Verui-teilten  gehören  oder  nicht.  Diese  Einziehung 
ist  in  das  Ermessen  des  Strafrichters  gestellt;  auch  kann  auf  sie  selbständig 
erkannt  werden,  wenn  die  Verfolgung  einer  bestimmten  Person  nicht  aus- 
führbar ist. 

Dagegen  hat  man  die  andere  Nebenslrafe  des  SklRG.,  die  Polizeiauf- 
sicht, wegen  ihrer  ITndurchführbarkeit  mit  Recht  beiseite  gelassen. 

2.  Ausweisung. 

Statt  dessen  hat  man  eine  ganz  neue  Strafe  eingeführt;  es  besteht 
die  Möglichkeit,  den  Verurteilten  aus  dem  Schutzgebiet  auszuweisen  —  eine 
Maßregel,  die  vielleicht  noch  mehr  Erfolg  versprechen  würde,  wenn  hier 
gleich  fih-  den  Fall  des  unerlaubten  Wiederbetretens  des  Schutzgebietes  eine 
nicht  zu  gering  bemessene  Strafe  ausgeworfen  wäre. 

e.  Verfügung,  betreffend  Belohnungen. 

§  10. 
Die  der  »Anweisung«  angeschlossene  »Verfügung,  betretlend  Belohnun- 
gen füi-  Strafanzeigen  in  Sklavensachen«  vom  19.8. 1896  ist  rechtlich  belanglos. 
Durch  Aussetzung  von  Belohnungen,  die  für  afrikanische  Verhältnisse  sehr 
hoch  gegriffen  sind,  \vird  versucht,  die  Bevölkerung  zu  Anzeigen  in  Sklaven- 
sachen zu  bewegen  und  so  durch  die  ständige  gegenseitige,  argwöhnische 
Überwachung  der  Farbigen  untereinander  die  Arbeit  der  Regierung  zu 
ei'leichtern. 

3.  Runderlaß  vom  10. 12. 1902. 

§  11- 

Der  Runderlaß  des  Gouverneurs  von  Deutsch-Ostafrika,  betreffend  die 
Maßnahmen  zur  Bekämpfung  des  Sklavenhandels,  vom  10.12.1902^  be- 
deutet gegenüber  der  »Anweisung«   eine  nicht  unbedeutende  Verschärfung, 

1    Riebow  VI,  S.  558. 


1  ()  Will  :    Ivcrlitlii'lH"  rirstiiiimmigi'ii  ülx-r  ilic  Sklaverei  in  DciitscIi-AlVika. 

indem  zur  wirksameren  Hekäinpi'ung  des  Sklavenhandels  in  Ergänzung  der 
»Anweisung«  bestimmt  wird,  daß  gewerbsmäßiger  Sklavenhandel  in  schweren 
Fällen  mit  <lem  Tode  zu  liestrafen  sei.  Außerdem  werden  <lie  Stationen 
noch  einmal  ausdi-iieklieli  darauf  hingewiesen,  ihr  besonderes  Auüenmerk 
auf  den  Sklavenschleichhandel  zu  richten,  der  unter  Umgehung  der  Stationen 
die  Ware  auf  Schleichwegen  zm-  Küste  bringt.  Auch  wird  der  Rimderlaß 
vom  17.  12.  1895.  betreffend  die  j)einliche  Kontrolle  der  nach  der  Küste 
gehenden  Karawanen,  in  Krinnerung  gebracht  und  besonders  den  Bezirks- 
ämtern an  der  Küste  Auinierksamkeit  auf  Zuzug  von  Sklaven  von  außer- 
halb  des   Bezirks    sowie    Strafuntersuchung   von    Amts    wegen    emj)fohlen '. 

C.  Zivilrechtliche  Vorschriften, 
a.  Allgemeines. 

Während  die  oben  besprochenen  Verordnungen  ebenso  wie  die  Reichs- 
gesetzp  sich  mit  der  strafreclitlicheii  Seite  der  Sklaverei  l)efassen,  regelt  die 
zweite  Gruppe  von  Verordnungen  die  Sklaverei  vom  Zivilreclitsstandpunkte 
aus.  Diese  Verordnungen  und  Erlasse  haben  die  Aufgabe,  die  gänzliche 
Abschaffung  der  Sklaverei  dadurch  allmählich  vorzubereiten,  daß  sie  das 
Verhältnis  zwischen  Sklaven  und  Herrn  zu  lösen  oder,  wo  das  noch  nicht 
angängig,  wenigstens  nach  Möglichkeit  zu  mildern  bestrebt  sind. 

Es  liegt  eine  ganze  Reihe  von  Verordnungen  vor,  die  in  Anpassung 
an  die  weit  schneller  als  bei  uns  in  Deutsehland  sich  verändernden  Ver- 
hältnisse in  den  Schutzgebieten  allmählich  immer  tiefer  und  nachdrücklicher 
in  die  nach  afrikanischer  Anschauung  ureigenste  Rechtssphäre  des  Sklaven- 
halters eingreifen.  Ganz  deutlich  können  wir  in  diesem  Stück  unserer 
sozialen  Gesetzgebung  verfolgen,  wie  die  Regierung  mit  dem  Erstarken  und 
der  Befestigung  ihrer  Macht  inuner  mehr  zugunsten  des  wirtschal'tlicli  und 
rechtlich  schwächeren  Unfreien  eingreift  luid  ihn  vor  Übergriffen  zu  schützen 
sucht.  Ob  sie  dabei  freilich  den  Dank  der  befreiten  Unfreien  erntet  oder 
auch  nur  Entgegenkommen  findet,  dürfte  nach  den  Berichten  als  zweifel- 
haft erscheinen,  da  die  meisten  Sklaven  gar  nicht  befreit  sein   wollen. 

In  all  diesen  Verordnungen  können  wir  nun  drei  große  Richtlinien 
unterscheiden,  unter  die  sich  sämtliche  Bestinunungen  gruppieren  lai>sen: 
die  vornehmste  Sorge  der  Regierung  mußte  es  stets  sein,  das  Los  des  Skla- 
ven nach  Möglichkeit  zu  mildern:  Hand  in  Hand  damit  gingen  natürlich 
—  dem  noch  nicht  \  öllig  durchgedrungenen  Einfluß  der  Regierung  ent- 
sprechend aber  erst  in  zweiter  Linie  —  die  Bestrebungen,  die  Sklaverei- 
verhältnisse in  möglichst  großer  Zahl  mit  oder  ohne  direkte  ]Mitwiikung 
der  Regierung  zu  lösen.  Das  letzte  Ziel,  die  völlige  Abschaffung  der  Skla- 
verei, konnte  aber  nur  erreicht  werden,  wenn  schließlich  die  Quellen  der 
Sklaverei  verstoi)ft  wui-den.  da  ja  andernfalls  alle  Mülif  Danaidenarbeit 
gewesen   wäre. 

'  Vgl.  die  Berichte  des  Gouverneurs  in  Doeuineiits  1899,  S.S.  1(1.  l'J  if. 
über  die  Ziinalniio  des  Sklav  eiiliaiidels  infoli'e  der  Iluiii'ersnot  in   Deiitscli-Ostafrika. 


Wkcü;:   Keclitliclir  I5cstiiiiiiiiiiiu-i'ii  iilior  die  Skl;i\  ri-ci  in  1  )riiivch- AlVik.i.  17 

b.  Milderung  des  Loses  der  Unfreien. 
§  13. 
Die  Lage  derjenigen  Sklaven,  die  sieh  im  Eigentum  von  Eingebornen 
befanden,  war  sclion  "an  und  für  sich  din-chaus  niciit  schlecht,  da  überall 
der  Herr  dui-ch  Sitte  und  Stamniesrccht '  zu  einer  guteu  Behandhnig,  zu 
Pflege  und  Unterhalt  seiner  Leibeigenen  veiptlichtet  war  —  wenn  auch 
selbstverständh'ch  Ausnahmen  vorkamen.  Es  bot  sieh  also  hier  dir-  Ki-gierung 
ein  keineswegs  ungihistiges   Ai-beitsfeld. 

<aa.   Übertragung  an   einen  Nichteingebornen. 

Um  nun  einer  Verschlechti'rung  der  Lage  der  Unfreien  durch  Ver- 
kauf an  Nichteingeborne  vorzul)eugen.  die  größtenteils  ihre  Sklaven  sehr 
ausnutzten,  verbot  die  Regierung  gleich  in  ihrer  ersten  Verordnung,  »be- 
treffend den  Freikauf  von  Sklaven«,  vom  1.  9.  1891  ^  schlechthin  jede  Ubei-- 
eignung  von  Sklaven  an  Nichtei  ng  eborne  —  d.h.  lnder^  Goanesen, 
Parsen,  Sj'rer,  Araber  usw.  In  Gemäßheit  dieser  Verordnung  ei-liält  ein 
Sklave,  der  von  seinem  Herrn  an  einen  Nichteingebornen,  gleichgültig  ol) 
durch  Kauf  oder  ein  anderes  Rechtsgeschäft,  wie  Tausch  oder  Schenkung,  ab- 
getreten wird,  dadurch  an  sich  schon  die  Freiheit.  Als  Zeitpunkt  des  Beginns 
der  Freiheit  ist  mithin  der  Augenblick  des  Abschlusses  eines  solchen  Rechts- 
geschäfts von  Seiten  des  Herrn  mit  einem  Nichteingebornen  anzunehmen. 
Das  Rechtsgeschäft  selbst  ist  natürlich  nichtig,  da  es  gegen  ein  Gesetz,  die 
Verordnung  des  Gouverneurs,  verst()ßt.  — 

Auf  Grund  dieser  V^erordnung.  deren  Erfüllung  durch  Straf  bestim- 
mungen gesichert  ist,  sind  die  sonst  straflosen  einfachen  Kauf-  und  Ver- 
kaufsgeschäfte straffällig,  freilich  nur  dann,  wenn  der  Vertragsgegner  ein 
Nichteingeborner  ist. 

bb.  Anspruch  auf  Freizeit. 

Um  einer  übermäßigen  Ausnutzung  der  Leibeigenen  entgegenzuwirken, 
bestimmt  §  3  der  Reichskanzlerverordnung  vom  29.  11.  1901,  betreffend  die 
Haussklaverei  in  Deutsch-Ostafrika*,  daß  dem  Haussklaven  an  zwei  Tagen 
der  Woche  für  sich  selbst  zu  arbeiten  oder  den  entsi)rechenden  Ertrag 
seiner  Arbeit  für  sich  zu  verwenden  gestattet  werden  nmß.  Aber  daß  ein 
derartiges  Gewohnheitsrecht  schon  vorher  bestanden  hat,  darauf  läßt  gleich 
der  nächste  Satz  schließen,  daß  nämlich,    "falls  das  Gewohnheitsrecht  noch 


1  Leue  S.  (iOOir.:  IJusse  S.  40ir.  90;  Fü  llohorii  S.  7':  DKBl.  1891, 
S.  .o09ff.:  Afrika  1901.  S.  49ir.:  Reimer  §  11,  S.  .■)l-54:  ZfKKK.  1904.  S.  211 
imd  770;  Reichard  S.  45(3  -  402;  Au.sian  d  1887,  S.  7S1  ui.d  789;  C;iohnsl901, 
Bd.  80.  S.  179;  DGBI.  1892.  S.  250;  Nigmann   8.  ()8fr. :  I'u.'^t   S.  102»'. 

2  Kiebow  I.  S.  4:n. 

3  Den  Indern  ist,  soweit  sie  ciigli.sehe  liitoi-taiieii  sind,  das  Halten  von  Skla- 
ven   durcii    die    indische  Antisklavereiaktc   von  184.'3  vcrhoten :    Afrika    1900,  S.  34. 

*    Riebow  VI.  S.  42(;.  427. 

Mitt.d.  Sem.  f.  Orient.  Siiracl.cii.    I9ir).   HI.  Abt.  2 


1,S  \\  1  i.i. :    K'ccliilirlic  IScstitiiiMinurcii  iihcr  ilif  Sklavf'roi  in  I)ciit>«fli-Al"iik;i. 

«iünstifier  sein  sollti-.  dieses  in  Kralt  hleibe-.  —  Um  die  dabei  etwa  auf- 
tretenden Meiniingsverschiedenlieiten  auszugleichen,  wird  die  zuständige  Ver- 
waltungsbehörde zur  Kntscheidunii  liei  Sti'eitigkeiten  zwischen  Herren  und 
IlauNsklaviMi  ermächtigt. 

cc.   Anspruch   auf  Verpflegung. 

In  dei-selben  Verordnung  wird  dann  weiter  bestinnnt.  daß  der  Skla- 
venhalter s('in(>  llaussklaven  im  Alter  oder  bei  Krankheit  zu  pflegen  und 
zu  unterhalten  habe.  Auch  kann  er  sich  dieser  Verpllichtung  nicht  etwa 
dadurch  entziehen,  daß  er  nach  Eintritt  der  Altersschwäche  oder  Krank- 
heit den  Sklaven  ireiläßt;  vielmehr  bleibt  er  dem  Freigewordenen  weiter 
veiptlichtet.  Schon  früher  war  nach  llerkonunen.  Religion  —  Islam  —  oder 
Stammesgewohnheitsrecht'  der  Herr  dazu  angehalten.  Aber  das  Charak- 
teristische ist  jetzt,  daß  es  zu  einer  auf  Gesetz  beruhenden  Verpflichtung 
seitens  des  Herrn  und  von  Seiten  des  Sklaven  zu  einem  Rechtsanspruch 
geworden  ist. 

dd.    Herrenweclisel. 

Ebendieselbe  Veroi-dnung  ist  gi'undlegend  für  einen  andern  Anspruch 
des  Unfreien,  der  auch  den  meisten  Stammesi-echten  ^  nicht  unbekannt  ist: 
jedwede  U^bertragung  des  Herrenrechts  —  wohlgemerkt :  nur  an  einen  Ein- 
gebornen!  —  wird  von  einer  Bedingung  abhängig  gemacht.  Der  Sklave 
selbst  muß  seine  Zustinunung  zu  der  Übertragung  des  Herrenrechts  erklären ; 
imter  dieser  Übertragung  hat  man  nicht  nur  die  Übereignung  auf  Dauer 
oder  Zeit,  sondern  auch  Verplandung,  Vermietung,  Verleihung  usw.  zu  ver- 
stehen. Sodann  hat  noch  die  Behörde,  vor  der  der  obligatorische  Vertrag 
abzuschließen  ist,  ihre  Genehmigung  zu  erteilen.  Zuvor  hat  sie  jedoch  die 
Rechtmäßigkeit  des  Sklavereiverhältnisses  sowie  die  ihr  wichtig  erscheinen- 
den Punkte  —  ■/..  B.  Ernsthaftigkeit  dei-  Zustimmung  des  zu  Übertragenden 
—  zu  [u-üfen  und  besonders  darauf  zu  achten,  daß  Familienmitglieder  ohne 
ilire  Zustinunung  nicht  voneinander  geti-ennt  werden. 

Schon  nach  Jahresfrist  wurden  im  zweiten  Teil  des  uns  bereits  be- 
kaiuiten  •  Runderlasses  des  Gouverneurs  von  Deutsch-Ostafrika,  betreffend 
Maßnahmen  zur  Bekämpfung  des  Sklavenhandels»  vom  10.  12.  1912  einige 
ergänzende  Vorschriften  erlassen. 

Sie  betreffen  zunächst  die  Erteilung  der  Genehmigtuig  bei  Über- 
tragung des  Hei-renrechts.  Um  offenbai'  \  orgekonnnenen  Mißbräuchen  zu 
steuern,  werden  die  Verwaltungsbehörden  nur  bezüglich  solcher  Sklaven 
für  zuständig»erklärt,  die  in  dem  betreffenden  Bezirk  ansässig  sind.  Des 
weiteren  wird  bestinnnt.   daß  die  Genehmigung  bei  andern  nicht  ansässigen 


1  Ebei-stcin  S.  17U,  174.  178;  Volkens  8.248;  Mitteil.  Bd.  9,  S.38: 
-Nigiiiaiiii  S.  41.  t)j:  Reicliard  S.  4Ü5;  Steiimietz  S*.  222.  240:  I?ic-litor 
S.  074;   Veiten    8.384;   Busse    S.  80;   Lcue    S.  020. 

2  Steiniiietz  S.21.3:  Post  S.  102;  Ebersteiu  S.  17i>  ll'. :  \'cltei. 
S.  ;!84:   Kcicliaid    S.  4(57:  Leue    S.  020. 


A\'j:r;K  :   Kcclirliclic  IJcsriiiiinimsicii  iilx'i- dir  SkLi\('ii'i  in  DciitscIi-AlVikii.  IS) 

(jder  gar  aus  dem  Innern  gebi-achteu  Sklaven  unbedingt  zu  versagen  ist. 
Außerdem  wird  den  Behörden  die  strenge  Prüfung  der  Keclitmäßigkeit  des 
Sklavereivcrliältnisses  anempiblilen.  So])ald  diese  nicht  zweifellos  ist  —  z.  B. 
eine  Sklavenunterschiebung  vermutet  werden  kann!  —  hat  die  Fi-eilassung 
durch  Erteilung  eines  ■  Freibriefes  zu  erfolgen,  auch  in  solchen  Fällen,  wo 
iür  ein  strafrechtliches  Einschreiten  noch  nicht  genügend  Material  vorliegt. 

Hand  in  Hand  mit  dieser  Vorschrift  geht  die  Bestimmung,  che  Sklaven 
über  die  Rechtmäßigkeit  des  Sklavereiverhältnisses  tunlichst  in  Abwesenheit 
des  Besitzers  zu  vernehmen,  um  jede  Beeinflussung  seitens  des  Herrn  zu 
vermeiden. 

Der  Zweck  dieser  Bestinnnungen,  die  die  Übertragung  des  Herren- 
rechts erschweren,  tritt  klar  hervor:  die  Unfreien  sollen  möglichst  in 
derselben  Familie  verbleiben,  um  das  meist  schon  durchaus  patriarcha- 
lische Verhältnis  noch  milder  zu  gestalten,  bis  schließlich  der  Herr  in 
Anerkennung  der  langjährigen  Dienste  dem  Leibeigenen  auch  rechtlich  die 
Freiheit  gibt,  die  er  tatsächlich  schon  lange  genossen. 

Der  Schwerpunkt  liegt  auch  hier  wieder  darauf,  daß  der  Sklave  nun- 
mehr einen  Rechtsanspruch  hat,  bei  der  Übertragung  des  Herrenrechts 
um  seine  Zustimmung  befragt  zu  werden. 


ee.    Verwirkung  des  Herrenrechts. 

Schließlich  bestimmt  noch  die  Verordnung  vom  29,  11.  1901  im  §6, 
daß  der  Herr,  wenn  er  seine  Pflichten  gegen  den  Sklaven  sch\ver  verletzt, 
sein  Herreurecht  verwirkt  hat.  Worin  diese  schwere  Verletzung  zu  finden 
ist,  dafür  geben  uns  die  folgenden  Paragraphen  dieser  Verordnung  einen 
Anhalt;  im  übrigen  ist  wohl  als  Ergänzung  das  jeweilige  Stammesrecht  ^ 
heranzuziehen,  wie:  mangelnde  Pflege,  Versagung  des  Unterhalts,  besonders 
aber  grobe  ^Mißhandlungen  und  schwere  vorsätzliche  Körperverletzung. 

Für  die  zuständige  Verwaltungsbehörde  besteht  Untersuchungszwang, 
sobald  ein  solcher  Fall  zu  ihrer  Kenntnis  gelangt.  Ergiljt  die  Untersuchung 
eine  schwere  Pflichtverletzung  seitens  des  Herrn,  so  kann  außei-  dei-  ver- 
wirkten Strafe  der  Sklave  durch  Regiei-ungsspruch  ohne  jede  Entschädigung 
des  Herrn  in  Freiheit  gesetzt  werden.  Die  Freilassung  erfolgt  durch  Aus- 
stellung eines  Freibriefes,  so  daß  diese  als  Beendigung  der  Sklaverei  an- 
zusehen ist. 

Wir  erkennen  also,  wie  die  Regierung  in  jeder  Weise  bestrebt  ist, 
die  Stellung  der  Leibeigenen  zu  bessern,  und  nur  dort,  wo  der  Herr  in 
grober  Weise  seine  Pflichten  vernachlässigt,  das  Band  zwischen  Herrn  und 
Sklaven  ganz  zerschneidet.  Und  das  mit  Recht;  denn  andernfalls  würden 
ja  wohlerworbene  Rechte  verletzt  Averden,  wenn  man  ohne  wichtigen  Grund 
dem  Sklavenhalter  seine  Arbeitskräfte  unter  Wegfall  einer  Entschädigung 
oder  Ablösung  entzöge. 


^  Literatur  s.  1.  S.  18. 

2» 


20  A\k<.k:   K<'(litlii-Ii<' l>i*stiiimmnü:iMi  iilicr  di«' SkliuiMci  in  I)oiitscli-AfVik;i. 

c.  Förderung  der  Aufhebung  von  Sklavereiverhältnissen. 

55  14. 
Dir  Milderung  des  Loses  der  Sklaven  konnte  «iher  nielii  das  einzige 
Besfit'lien  der  Regierung  bleiben,  wenn  sie  in  absehbarer  Zeit  die  seit  Jahr- 
hunderten eingewurzelte  .Sklaverei  gänzlicli  beseitigt  wissen  wollte.  Sie 
mußte  vielmehr  dafür  Sorge  tragen,  daß  die  bestehenden  Sklavereiverhält- 
nisse nicht  erst  mit  dem  Tode  des  Unfreien  ihr  Ende  fanden. 

aa.    Freiwerden. 

Dies  ist  nun  einmal  dadurch  gesciiehen,  daß,  wie  wir  oben  gesehen 
haben,  die  Leibeigenen  durch  Verkauf  an  Nichteingeborne  oder  auch  durch 
Regierungss|)ruch  wegen  Verwirkung  des  Herrenrechts  oder  aus  einem 
sonstigen  Grunde  die   Freiheit  erlangten. 

l)b.    Freilassung. 

Aber  nicht  bloß  durch  den  ^Lnchtspi-uch  der  Regierung,  auch  durch 
den  Willen  der  uinnittelljar  Beteiligten  kann  das  Band  zwischen  Herren 
und  Unfreien  gelöst  werden:  durch  Freilassung  oder  Freikaiif.  t)ljer  die 
Freilassinig,  den  einseitigen  Rechtsakt  des  Herrn,  bestehend  in  der  Zu- 
wendung der  Freiheit  an  •  den  Sklaven,  und  ihre  Form  sind  Bestim- 
mungen nicht  ergangen.  Es  bleibt  also  bei  der  bisherigen  Übung  der  Ein- 
gebornen ',  die  gewöhnlich  durch  einfache  P-rklärung  gegenüber  dem 
Sklaven,  häufig  auch  vor  Zeugen,  luir  vereinzelt  in  der  Dorfvei-sammlung 
die  Freilassung  Itewirkteii.  Untei'  dem  Einlluß  der  Araber,  also  zumeist  an 
der  Küste  und  in  der  Nähe  der  großen  Karawanenstraßen,  hat  sich  die 
Freilassung  in  Anlehnung  an  die  Formen  des  islamischen  Rechts  ^  einge- 
bürgert, indem  der  Herr  seinem  Leibeigenen  einen  Freibrief,  »kliatti.>,  aus- 
stellte oder  auch  die  Freilassung  von  Todes  wegen  verfügte. 

Begreiflicherweise  hat  die  Regierung  nicht  Gelegenheit  genommen 
einzuschreiten,  da  dieser  Rechtsakt  des  Herrn  ja  für  den  Sklaven,  dessen 
Vorteil  wahrzunehmen  sie  vor  allem  berufen  ist,  ein  rein  luki-atives  Rechts- 
geschäft ist,  bei  dem  —  ebenso  wie  im  deutschen  Recht  bei  einem  Minder- 
jähi-igen  —  eine  Bevormundung  überllüssig  erscheint.  Kein  lukrativ  ist  die 
Freilassung  auch  trotz  der  nun  an  ihn  herantretenden  Frage  der  eigenen 
Beköstigung;  die  wird  in  der  Praxis  rasch  und  ohne  jede  Schwierigkeit 
gelöst.  Denn  einmal  verbleibt  der  Freigewordene  stets  im  Hause  seines 
Herrn  oder  seiner  Erben  —  denn  nur  wenn  dieses  Verbleiben  sicher  ist, 
wird  ein  Herr  seinen  Sklaven  freilassen!  —  und  dann  ist  er  ja  auch  \  on 
jeher  gewöhnt,  sich  seinen  Lebensunteriialt  durch  Arbeit  zu  erwerben. 

Es  sei  hier  kurz  darauf  hingewiesen,  daß  Freilassungen  unter  dem 
Einlluß  des  Islam  als  gutes,  Gott  wohlgefälliges  Werk,   das  sowohl  in  der 


»  Stoiiniictz  S.  241  11".:  Niese   S.  245  ;  El)  er  st  ein  S.  ISO  IV. 
2   ^Juynl.ull   S.  2(1.'..  2i)7:   Niese  S.  243. 


I 


Wkhk:   Kcclitliclu'  licstiiiniiunüiMi  iihi-i- die  Skliucrei  in  DoutscIi-AiVika.  21 

( )fl'enbaninf>'  wie  auch  in  der  kanonischen  Uherlieierung  wicdcriiolt  einplblilen 
ist,  lieh'ebt  sind,  Avährend  der  heidnisolie  Neger  die  Freilassung  von  Sklaven 
l'ih"  ebenso  töricht  hält,  als  wenn   er  etwa   ein  Stück  Kind   in  Fr-eiiieit  setzte. 

cc.    Frei  kauf. 

Ganz  anders  dagegen  als  bei  der  Fi-eilassnng  war  die  Stellung  des 
UnlVeien  beim  Freikaul".  liier  lag  die  Gefahr  der  Übervorteilung  und  der 
Ausbeutung  der  Leibeigenen  nahe,  und  die  Regierung  uuißte  daher  ihre 
\"o]'kehrungen  dagegen  treffen. 

Schon  in  dei"  ersten  Sklaver(ivcrordnung  vom  1.  9.  1891',  l)etreffend 
den  Fi-eikauf  \'on  Sklaven,  wird  der  Freikauf  geregelt,  der  übrigens  merk- 
würdigerweise auf  Zanzibar  verboten  ist,  weil  dadurch  nacii  englischer  Auf- 
fassung mittelbar  der  Sklavenhandel  begünstigt  wird -.  Der  Islam  dagegen 
hat  sogar  besondei'C  Formen  für  die  Freilassung  herausgebildet^. 

cL.    Loskaut*. 

Unter  »Freikauf«  werden  zwei  verschiedene  Grupi)en  von  Verträgen* 
zusammengefaßt:  der  »Loskauf"  und  der  »Abverdienungsvertrag".  Während 
dei"  V?  1  der  genannten  Verordnung  das  Freiwerden  der  Sklaven  kraft  po- 
sitiver Vorschrift  bei  Abtretung  an  einen  Nichteingebornen  regelt,  ohne 
daß  die  Vertragsparteien  dem  liürigen  die  Freiheit  zuwenden  wollen,  trifft 
§  2  Bestimnuingen  über  den  vertragsmäßigen  Loskauf,  wobei  also  als  Ver- 
tragsgegner nur  ein  Eingeborner  zu  denken  ist.  Dieser  Loskauf,  der  nur 
in  der  Absicht  erfolgt,  den  Sklaven  freizumachen,  vollzieht  sich  in  der 
AVeise,  daß  entweder  ein  Dritter,  ein  Eingeboi-ner,  den  landesüblichen 
Preis  für  den  Sklaven  zahlt  oder  dieser  selbst  die  Loskaufsunnne  erlegt. 
Ein  solcher  Loskauf  ist  nach  §  2  der  Regierung  zur  Anzeige  zu  bringen, 
die  auf  Antrag  dem  Freigewordenen  unter  Siegel  und  Unterschrift  einen 
Freibrief  unentgeltlich  ausstellt.  Der  Zeitpunkt  des  Beginns  der  Freiheit 
liegt  in  dem  Augenblick  der  Bezahlung  der  Loskaufsumme.  Das  Band 
zwischen  Herrn  und  Sklaven  ist  also  endgültig  gelöst,  ohne  daß  noch  etwa 
ein  patronatsähnliches  A'erhältnis  —  wie  nach  islamischem  Recht  —  als 
Überrest  bestehen  bliebe. 

/3.    Ahverdienungsvertrag. 

Regelt  der  Loskauf  die  Beziehungen  zwischen  dem  Herrn  und  seinem 
Vertragsgeguer,  dem  Loskaufenden,  so  trifft  der  §  o  Bestimmungen  für  den 
F'all,  daß  dieser  Loskaufende  ein  Dritter  ist,  also  zwischen  diesem  Dritten 
und   dem    Freigewordenen    neue  Rechtsbeziehungen    entstehen.     Durch   die 

1  Riehow  I.  S.  431. 

2  Lcue  S.  (')20. 

3  Juynboll  S.  20,j— 207. 

*  Im  Gegensatz  i.w  dem  cinseitigeii  Keclit  auf  Abirismig:  \gl.  unten  §  lo 
(Schluß)   unter  dd. 


'2'2  \\'}>.\  :    Ki'clitliclu'  Ursriiimniiiffoii  iilicr  dii' Skl;i\i'r<'i  in  I>(Mitscli-.\('iili;i. 

Erlegung  der  Loskaulsuiniiie  seitens  des  Dritten  an  den  Herrn  war  zwar 
der  Sklave  vollfrei  gewordeni,  er  konnte  auch  die  Ausstellung  eines  Frei- 
briefs ])ei  der  Regierung  beantragen;  er  muß  nun  aber  —  ausgenommen 
bei  Schenkungsal)sicht  des  Dritten  —  mit  diesem  eine  Vereinbarung  über 
die  Wiedererstattung  des  verauslagten  Geldes  treffen:  den  Abverdienungs- 
V ertrag.  Ilieriür  bestehen  eingehende  \'orschriften,  um  das  Interesse 
des  Unfreien  einem  ausbeuterischen  Dritten  gegenüber  zu  wahren:  Abschluß 
einer  schriftlichen  Vereinbarung  vor  der  Behörde  und  Genehmigung  durch 
diese,  Abschreibung  der  abverdienten  Beträge  auf  den  von  Amts  wegen  an 
den  Loskaufenden  wie  an  den  Losgekauften  zu  erteilenden  Ausfertigungen 
der  Vertragsurkunde,  Verbot  der  Verrechnung  der  abzuverdienenden  Be- 
träge auf  gelieferte  Lebensmittel,  Kleidungsstücke  und  ähnliches,  jederzeitige 
Möglichkeit  der  Bezahlung  der  ganzen  Summe.  Zuwiderhandlungen  sind 
mit  Geldstrafe,  im  LTnvermögensfall  mit  Gefängnis  bedroht. 

Durch  die  Notwendigkeit  der  Genehmigung  kann  die  Behörde  die 
Aufnahme  der  ihr  gut  erscheinenden  Abänderungen  in  den  Vertrag  be- 
wirken. —  Durch  diesen  Abverdienimgvertrag  tritt  der  Freigewordene  zu 
seinem  Befreier  nur  in  ein  »Dienstverhältnis«,  was  §  5  ausdrücklich  betont; 
dem  neuen  Dienstherrn  stehen  nach  §  6  Ziffer  2  keine  weiteren  Rechte  zu 
als  die,  die  in  der  schriftlichen  Vereinbarung  ihre  Begründung  haben.  Auch 
noch  nach  Abschluß  des  Abverdienungsvertrages  wacht  die  Regierung  übei- 
seine  pilichtgemäße  Ausführung  und  schützt  den  Freigewordenen  so  lange, 
bis  der  ^'ertrag  erledigt  ist. 

dd.    Ablösung  der  Unfreiheit. 

Aber  damit  noch  nicht  genug.  Die  uns  schon  bekannte  Verordnung 
des  Reichskanzlers,  betreffend  die  Haussklaverei  in  Deutsch-Ostafrika,  vom 
29.  n.  1901  '  greift  mit  ihrem  §  2  ergänzend  noch  viel  nachhaltiger  zu- 
gunsten der  Unfreien  ein:  sie  begi'ündet  ein  gesetzliches,  jetzt  durchaus 
einseitiges  Recht  des  L^nfreien  auf  Ablösung  der  Unfreiheit;  hierbei  hat 
die  Verwaltungsbehörde  von  nun  an  die  Ablösungssumme  selbst  festzusetzen. 
Der  Zeitpunkt  des  Freiwerdens  ist  hier  insofern  etwas  anders,  als  der 
Hörige  die  Ausstelliuig  des  Freibriefs  erst  nach  völliger  Tilgung  der  fest- 
gesetzten Ablösungssumme  verlangen  daif.  Daß  der  Sklave  sich  den  dazu 
nötigen  Betrag  auch  wirklich  zu  verdienen  in  die  Lage  kommt,  dafür  sorgt 
die  uns  schon  bekannte  Bestinunung  des  §3:  ein  jeder  Sklave  muß  min- 
destens an  zwei  Tagen  der  Woche  für  sich  selbst  arbeiten  oder  den  ent- 
sprechenden Ertrag  seiner  Arbeit  fiu-  sich  verwenden  dürfen. 

d.  Verbot  der  Neubegründung  von  Sklavereiverhältnissen. 

§1.5. 
Hatte    flie   Regierung    durch   Wrordnungen    für    die   Milderung    des 
Loses  der  Sklaven  und  für  die  Beendigung  der  Sklavereiverhältnisse  schon 
Sorge  getragen,  so  war  es  nun  auch  ihre  Pflicht,  der  Neubegründung  von 

'    Riebow  VI.  S.  42(5/427. 


^\'i:(;i::    Ixcclitliclic  IJcstiiiiiiiiuigcu  iihrr  dii- Sklju  rici  in  DciitM-li- AlVik,!.  2'> 

Sklavoreivcrliältnissen  —  auf  IViedlicliein  Wege!  —  oiitgegeuzutix-ten,  wenn 
sie  überhaupt  an  eine  gänzliche  Ahschaflung  der  Sklaverei  denken  wollte. 
Schon  in  dem  Ilunderlaß  des  Gouvet-neiirs,  betreffend  die  \'er|)iandnng 
von  Eingebornen,  \  om  30.  12.  1899'  wird  dai-auf  hingewiesen,  daß  die  weit 
verbreitete  Sitte  tler  •\'erpiandung  von  Familienangehörigen  eini;  ständige, 
immer  wieder  frisch  sprudelnde  Quelle  der  Sklaverei  I)ildet,  indem  in  zahl- 
reichen Fällen  die  Vei-pfändmig  durch  Verlallenlassen  der  ausbeduugeneu 
Zahlungsfrist  oder  durch  spätere  besondere  Vereinbanuig  zu  einer  dauern- 
den Skla^'erei  gemacht  ^vird. 

aa.    Verpfändung  usw. 

Zur  Beseitigung  der  eben  berührten  Zustände  erging  die  uns  schon  be- 
kannte Verordnung  vom  29. 11. 1902,  betrelfend  die  Haussklaverei  in  Deutsch- 
Ostafrika  ^  Hierin  wird  bestimmt,  daß  \veder  durch  Selbstverkauf  noch 
durch  Verkauf  seitens  der  Verwandten  oder  durch  Schulden  oder  sonstige 
Verpflichtungen  oder  als  Strafe  für  Ehebruch  ein  Sklavereiverhältnis  neu- 
begründet werden  kann. 

bb.    Geburt. 

Aber  noch  war  die  Hauptquelle  der  Sklaverei,  Sklaverei  dnreh  Ge- 
burt von  imfreien  Eltern,  nicht  abgedämmt.  Dies  war  der  Verordnung  des 
Reichskanzlers  vom  24.  12.  1904,  betreffend  die  Haussklaverei  in  Deiitsch- 
Ostafrika,  vorbehalten:  in  dem  einen  Satz:  »Die  in  Deutsch-Ostafrika 
nach  dem  31.  12.  190.^  geborenen  Kinder  von  Haussklaven  sind  frei"  wurde 
das  Ende  eines  langen  Kampfes  verkündet.  Vom  1.1.  1906  ab  werden  also 
in  Deutsch-Ostafrika  keine  Sklaven  mehr  »geboren«  ;  auch  die  Zahl  der 
übrigen  wird  durch  Freilassungen  und  Freikäufe  immer  stärker  vermindert, 
so  daß  nun  der  Tag  nicht  mehr  fern  ist,  an  dem  auch  der  letzte  Sklave 
in  Deutsch-Ostafrika  frei  wird,  wenn  ihm  nicht  eine  Verordnung  zuvor- 
kommt, die  da  bestimmt:  »Die  Sklaverei  in  Deutsch-Ostafrika  ist  aufgeliobeu". 


Kapitel  II. 

Kamerun, 
a.  Allgemeines. 

§  lö- 
In  den  beiden  westafrikanischen  Schutzgebieten  ist  entsprechend  den 
völlig  veränderten  Bedingungen  die  Bekämpfung  der  Sklaverei  ganz  anders, 
viel   schneller.     Denn  die  Sklavenfrachtfahrt  nach  dem  Hauptbestimmungs- 
land Amerika  hatte  ja  etwa  seit  Mitte  des   19.  Jahrhimderts  ganz  aufgehört. 


1  Riobow  V.  S.  12. 

2  Kiel)o\v  M.  S.  426/427'. 


'J4  W'ii.i::    Ifi-rlitliflii-  Ii('>liiiiiiiiiiiü:i'ii  iilti-r  dir  Sklav  ••ri-i  in  DciitM-li-AlVilv;!. 

lind  somit  war  der  Anreiz  zu  den  ganze  Landsti-ecken  entvölkernden  .Sklaven- 
jagden, die  den  Unternelinieni  reielieii  (ieuinn  hraehteii,  in  Wegfall  ge- 
kommen. 

Im  Gegensatz  zn  der  langen  Reihe  von  allniählieli  immer  weiter- 
gehenden \'erordnungcn  und  Erlassen  in  Deutsch-Ostairika  linden  wir  in 
Ivameiun  eigentlich  nur  zwei  auf  die  .Sklavei-ei  bezügliche  \'er()rdnungen. 
Hesondei-s  bezeichnend  ist  es,  daß  man  in  den  beiden  westafrikanischen 
Schutzgebieten  das  Bedürfnis  nach  einer  Ergänzung  des  für  I)eutsch-()stafrika 
unzureichenden  SklHG.  nicht  gehabt  hat.  sondern  offenbar  mit  einer  ent- 
.sj)rechendcn  Anwendung  der  deutschen  Strafgesetze  gut  auskommen  konnte. 

Kin  weiterer  Umstand  dürfte  ebenfalls  den  Unterschied  zwischen  Ost- 
und  ^\'estafrika  recht  gut  beleuchten :  in  Deutsch-Ostafrika  finden  wir  eine 
ganze  Skala  der  schwersten  Strafen  für  die  Begehung  der  Sklavereiver- 
l)rechen  festgesetzt,  und  deren  schwerste,  die  Todesstrafe,  wii'd  dui-ch  spätere 
Verordnungen  des  Gouverneurs  zu  noch  häufigerer  Anwendung  emj)fbhlen. 
In  Kamerun  und  Togo  finden  wir  durchweg  Gefängnis  angedroht;  die 
einzige  Ausnahme  macht  die  »Dienstvorschrift  des  Gouverneurs  von  Kamerun, 
betreffend  die  Ausübung  der  Strafgerichtsbarkeit  gegenüber  den  Eingebornen« 
vom  ]Mai  1902',  in  der  gesagt  wird,  daß  in  den  Fällen  des  §  234  RStGB. 
auch  auf  Todesstrafe  er-kannt  werden   ki'mne^. 


b.  Verordnung  vom  7. 12. 1896. 

§  17. 
Die  erste  der  oben  genannten  Verordnungen  datiert  vom  7.  12.  18'.)6; 
es  ist  die  Verordnung  des  Gouvei-nein-s  von  Kamerun,  betrefl'end  den  Schutz 
weil)licher  Personen  gegen  die  Sklaverei^  die  mit  dem  Tage  dei*  Verkündung 
in  Kraft  trat.  Wie  schon  die  Uberschi-ift  besagt,  gi-eift  hier  die  Regierung 
zunächst  zugunsten  des  weiblichen  Teiles  der  Bevölkerung  ein:  -Im  Inter- 
esse der  eingebornen  Krauen  und  insbesondere  der  weiblichen  3Iissions- 
zöglinge«,  wie  es  in  der  Einleitimg  heißt. 

1.  Verbot  der  Verpfändung  für  andere. 

In  v^  1  der  \'erordnung  wird  bestimmt,  daß  weibliche  Personen  wegen 
Schulden  anderer,  insbesondere  ihrer  Ehemänner,  nicht  hi  Pfand  oder  Haft 
genommen  oder  verkauft  werden  dürfen.  Verboten  wird  hier  also  die  ri- 
gorose Ausübung  des  Gläubigerrechts,  das  in  Kamerun  durch  Gewohnheits- 
recht* geheiligt  und  anei-kannt  war.  Der  Gläubiger  setzt  sich  hierbei  im 
Wege  der  Selbsthilfe   in  den  Besitz  von  Wrmögensstücken  des  .•Schuldners: 

»    Kicl...u    VI.  S.  IC.7. 

^  In  ili'ii  Diicii  III  (•  II I  s  1S*.I.").  S.  1.  liiidct  sicii  ciiii'  NCinidiiung  do  Gouvor- 
nciii'S  \()ii  l\;iiiiciiiii  \(iiii  22.1).  ISUT  mit  Aliiiiidciuiitrcii  \oiii  1-1.  11.  INÜS;  diese  lielitet 
sicIi    jedoch   besonders  gegen   die   Skl;i\  <'iii;iü:deii    des    \gil;i    von  W'ule. 

3     I?iebnw    VI.   S.  13S. 

♦    Sfeiii-iiiet/.  S.  42;   Zi  ii  t  i^iaff  S.  ;M  :   I'.o  Im  er  S. -I :   Seeirer:   PostS. '.t|. 


\\'i:(;i::   Ivcchrliclir  IJoTiiiimiiiiii:!'!!  über  «iic  Ski, nnci  in  I)i'iitsi-|i- AtVik;i.  25 

denn  als  Venuügensstücke  werden  die  weihlichen  Personen  —  l'öchter. 
Ehefrauen,  Schwestern  nsw.  — -  angesehen.  Die  Art  der  Besitzergreifung 
(Sicherungsakt)  ist.  wie  wir  aus  der  .\iifziihliuig  entnehmen  können,  recht 
verschieden:  In-Pfand-Xehnien  oder  In-IIaft-Nehinen  oder  auch  Wegfangen. 
Die  Verwertung  des  Pfandobjekts  (\'erwertungsakt)  erfolgt  dann  entweder 
durch  Verkauf  seitens  des  Gläubigers  oder  diu'ch  Benutzung  iler  hetreffendcn 
Pei'son  in  seinen»   Haushalt. 

Beinei'kenswert  erscheint  vor  alleui  das  Verbot  des  Wegfangens ;  man 
kann  daraus  erkennen,  daß  die  Regierung  ein  solches  Wegfangen  trotz  des 
§  234  RStGB.  und  trotz  des  vorher  ergangenen  SklRG.  nicht  als  Menschen- 
raub ansah,  sondern  als  eine  landesübliclie  Befriedigung  des  unbezahlten 
Gläubigers.  Ebenso  wird  ein  Verkauf  von  menschlichen  Pfandobjekten 
nicht  etwa  als  Sklavenhandel  aufgefaßt. 

Die  Verordnung  enthält  in  zweierlei  Hinsicht  Einschränkungen :  ein- 
mal sachlich,  insofern  als  die  eben  geschilderte  Ausübung  des  Gläubiger- 
rechts von  jetzt  an  nur  dann  für  unzulässig  erklärt  wird,  wenn  es  sich  um 
»Schulden  anderer«  handelt.  Unter  diesen  «anderenu  werden  die  Ehe- 
männer hervorgehoben,  die  anscheinend  mit  besonderer  Vorliebe  mit  ihren 
Frauen  für  ihre  Schulden  aufzukommen  pflegten.  Nicht  sti-afbar  ist  aber 
auch  fernerhin,  wenn  ein  Gläubiger  sich  einer  weiblichen  Person  Itir  ihre 
eigenen  Schulden  versichert  oder  sie  sich  kurzerhand  einiängt.  Nicht 
verboten  ist  dadurch  auch  die  Schuldhaft  des  luivermögenden  Schuldners 
oder  der  Schuldnerin  selbst.  Diese  Schuldhait  wurde  erst  später  durch 
die  Verordnung  vom  29.  1.  1902  aufgehoben. 

Auch  in  persönlicher  Beziehung  enthält  die  Verordnung  eine  Ein- 
schränkung dadurch,  daß  sie  in  den  Kreis  der  Personen,  deren  In-Pfand-  oder 
In-Haft-Nehmen  usw.  sie  verbietet,  ausdrücklich  nur  die  weibliche  Bevöl- 
kerung, nicht  etwa  die  gesamte  einbezieht.  Es  ist  somit  die  Schuldhaft  bzw. 
\'erpfändung.  Wegfangen  und  Verkauf  eines  männlichen  Familienange- 
hörigen durchaus  erlaubt  und  in  Anbeti-acht  der  doch  einigermaßen  un- 
sicheren Vermögensverhältnisse  und  bei  dem  Fehlen  eines  Gerichtsvollziehers 
ein  recht  wirksames  Pressionsmittel  von  Seiten  des  Gläubigers,  das  wohl  in 
den  meisten  Fällen  zu  seiner  Befriedigung  führen  wird. 

a.  In-Pfand-Nehmeü. 

Der  §  1  der  Verordnung  stellt  vier  Delikte  wahlweise  nebeneinander. 
Aber  schon  das  erste,  das  »In-Pfand-Nehmen«.  ist  mehrdeutig:  soll  man 
darunter  den  Abschluß  eines  Piand Vertrages  seitens  des  Pfandgläubigers 
mit  dem  Verfügen gsberechtigten  (=  »Verti-agstheorie«)  verstehen,  oder  aber 
das  eigenmächtige,  zwangsweise  Selbst  pfänden  durch  den  Gläubiger, 
nötigenfalls  mit  Gewalt,  gegen  den  Willen  des  Eigentümei-s  (=.  -Zwangs- 
])f  ändiuigstheorie  n )  1' 

Für  die  letztere  Auffassinig.  also  die  einseitige  Pfäiuliuig  zwecks 
späterer  ßelriedigung  aus  dem  Pfand.  s[)richt  allerdings  der  Ausdruck  »In- 
Pfand-Nelunen«.  der  die  Tätigkeit  des  Pfandgläubigers,  gewissermaßen  das 
Zugreifen,  betont;  ferner  die  Fassung  des  §1,  indem   die   passivische  Form 


2(!  W'n.i  :    I»<'i-Iitliclic  rK-.tiinnmii'ri'ii  iilicr  die  Skl;i\  ciri  in  I  )(Mlt^^•ll-A^^ik;l. 

ihus  liandi'liidt'  Siilijrkl  iinlicstiiiiiiit  läßt.  I)ai"iiis  allein  kann  man  meines 
Kraclitens  doch  noch  nicht  den  Schluß  ziehen:  der  Ehemann  oder  natürlich 
sein  \'erti-eter  dürfe  hei  dem  -In-Pfand-Nehmen«  ül)erhan])t  ü;ar  nicht  aktiv 
heteiligt  sein,  dürfe  nur  leidender  Teil,  wohl  gar  nur  Zuschauer  sein.  Worin 
läge  dann  der  Unterschied  zwischen  den  drei  genannten  Ausdrücken:  »In- 
I'fand-Nehnien«,  »In-Ilaft-Nehineu"  und  •■  Wegfangen» !'  Lediglich  in  der 
mehr  oder  weniger  gewaltsamen  Art  des  Zugreifens  durch  den  (Jliiuhiger? 
Dann  würden  Ja  die  anerkanntermaßen  recht  häulig  vorkommeTiden  \'er- 
pfändungsverträge  ganz  straffrei  ausgehen;  die  Frauen  wären  dann  zwar 
\  or  dem  einseitigen  ZugrifT  des  Gläuhigers  geschützt,  jedoch  nicht  gegen 
die  freiwillige  Verpfändung.  Das  kann  aber  unmöglich  gemeint  sein,  denn 
die  Regieriuig  wollte  doch  das  Interesse  der  Frauen  schlechthin  wahrnehmen. 
—  Denmach  dürfte  die   »Zwangspfändungstheorie«   abzulehnen  sein. 

Zutreffend  scheint  vielmehr  die  Auslegung  zu  sein,  daß  unter  »In- 
Pfand-Nehn)en«  der  Abschluß  eines  Verpfändungsvertrages  zu  verstehen 
ist,  indem  man  dem  Ausdruck  »In-Pfand-Nehmen-  nur  für  das  straf- 
rechtliche Moment  der  Vollendung  ik'^  Delikts  eine  entscheidende  Bedeutung 
zuweist.  Aus  mehreren  Gründen  ist  die  »Vertragstheorie«  der  "Zwangs- 
pfändungstheorie->  vorzuziehen:  einmal  wissen  wir  aus  den  Eingebornen- 
rechten '  sowohl  wie  auch  aus  den  oben  besprochenen  Verordnungen  für 
Deutsch-Ostafrika-,  daß  der  Rechtsbrauch  der  Verpfändung  von  »Sklaven 
oder  Frauen  bei  den  afrikanischen  Völkern  sehr  wohl  bekannt  und  durch- 
aus nichts  Ungewöhnliches  war;  allerdings  gehen  in  den  Stanunesrechten 
die  Verpfändung  und  der  Verkauf,  besonders  durch  die  Familie,  mit  dem 
Recht  und  der  Pflicht  der  Wiedereinlösung  sehr  oft  ineinander  über.  Liegt 
es  da  nicht  näher,  die  vier  Ausdrücke  der  \'erordnung  dahin  zu  unter- 
schei<len  und  aufzufassen:  das  >>ln-Pfand-Nehmen«  ist  der  verti'agsmäßige 
Übergang  des  Besitzes  der  weiblichen  Person  vom  \' ei-fügungsberechtigten  in 
die  Hand  des  Gläubigers  zwecks  Befriedigung  aus  dem  Pfand;  das  »In- 
Haft-Nehmen« die  vertragsmäßige  Besitzesübertragung  zwecks  S  icher  ung; 
das  » Wegfangen «  die  einseitige,  eigenmächtige  B  e  s  i  t  z  e  r  g  i-  e  i  f  u  n  g  durch  den 
Gläubiger  gegen  den  Willen  des  Eigentümers  und  der  »Verkauf"  der  völlige 
Feigen  tu  insüber  gang  zwecks  Befriedigung?  Nur  so  dürfte  sich  zw'anglos 
und  den  Rechtsauffassungen  der  Eingebornen  entsprechend  ein  Unterschied 
und  zugleich  auch  eine  Steigerung  bei  den  genannteo  Ausdrücken  fest- 
stellen lassen. 

Die  »Vertragstheorie«  hat  abei-  noch  einen  weiteren  Vorteil:  der  Ver- 
j)fiindungsvertrag  bietet  die  beste  (Gelegenheit   zu  allerhand  Abreden^,    wie 

*  Für  Deiitseli-Ostafrika.  über  da^;  die  iiieLsten  Naclu-iclitcii  \oriicgcn  (Ver- 
pfändung inul  Verkauf  sind  ofr  niclit  zu  trennen):  DK  Dl.  189;?.  S.  .^(50;  Nie. sc 
S.  241;  Busses.  40;  Reichard  S.  470  ff;  Baunianii  S.  94;  Post  S.  94;  Rantu- 
reuht  S.  26;  Steinmetz  S.  255;  Richter  S.  H74.  Nach  Isiamrecht  ühngen.s 
verboten:  Juy  nholl  S.  20"2.  für  Kamerun:  Hohn  er :  Lauffer  S.  133.  Fiu- Togo: 
Klose  S.  511:  Henrici  S.  13(),  332ff.;  Seegcr. 

2  Z.  B.  Runderlaß  vom  .30.  12.  1899:  Riebow  V.,  S.  12. 

3  PnsfS.  94:   IJolmer. 


A\'r:(n::    lu-chrliclif  l'>c.stiiiiiimiii;rn  üliridic  Skhncii'i  in  I  )cut'sc|i- AtVikii.  '>! 

Über  Rückgabe  des  Pfandes,  Abzahlung  der  Sclnild,  X'crzinsnng,  die  in  den 
Schutzgebieten  übrigens  in  Foi-ni  der  röniisclu-echtlichcn  Antichrese,  aber 
auch  in  Gestalt  der  deutschrechtlichen  Todsatzung  \ orkoinnit,  letztere 
natürlich  von  den  Immobilien  auf  die  Älobilie  "Mensch"  übertragen.  Solche 
Abreden,  die  doch  ebenso  dem  Brauch  der  Eingebornen  wie  auch  deren 
wirtschaftlichen  IJedürfnissen  entsprechen,  sind  bei  der  reinen  Zwangs- 
pfändung unmöglich.  Man  muß  also  zu  dem  Schluß  konnncn,  daß  man 
bei  dem  Ausdruck  »In-Pfand-Nehmen"  an  die  vertragsmäßige  Ver- 
pfändung eines  weiblichen  Wesens  zu  denken  hat. 

Ganz  ohne  Bedeutung  ist  übrigens  der  Ausdruck  »In-Pfand-Nehmen« 
auch  bei  Annahme  der  ••  Vertragstheorie  -  nicht:  denn  vollendet  ist  das  Delikt 
des  §  1  mit  dem  »In-Pfand-Nehmen«,  und  zwar  ist  eben  dui-ch  den  Aus- 
druck »Nehmen«  kenntlich  gemacht,  daß  erst  die  tatsächliche  Hingabe  bzw. 
Hinnahme  die  Vollendung  dieses  Delikts  bedeutet,  nicht  aber  schon  der 
einfache  Abschluß  des  Pfand  Vertrages. 

Ein  Versuch  des  Delikts  des  §  1  ist  an  sich  wohl  denkbar,  jedoch 
nicht  unter  Strafe  gestellt.  Versuch  läge  z.  B.  vor,  wenn  ein  Pfandvertrag 
über  eine  weibliche  Person  nach  Eingebornenrecht  abgeschlossen  wird,  aber 
diese  selbst  aus  irgendwelchen  Gründen  —  z.  B.  wegen  augenblicklichen 
Mangels  an  Arbeitskräften  beim  Schuldner  —  noch  nicht  in  den  Besitz  des 
Gläubigers  übergeht  und  doch  schon  nach  Art  dei-  römischrechtlichen  »hypo- 
theca«  ein  Pfandrecht  an  ihr  zugunsten  des  Gläubigers  besteht.  Dieser 
Versuch  wäre  also  nicht  strafbar. 

Dagegen  würde  ein  nun  folgender  Verkauf  der  weiblichen  Personen, 
gleichgültig,  ob  vom  Gläubiger  oder  vom  Schuldner  bewirkt,  und  ohne 
Rücksicht  darauf,  wer  den  Besitz  der  Pfandsache  hat,  den  Tatbestand  des 
§  1   erfüllen  und  als  solcher  der  Bestrafung  verfallen. 

Als  Täter  wäre,  wie  man  wohl  aus  dem  -Nehmen"  zunächst  schließen 
muß,  nur  der  Pfandnehmer,  nicht  aber  der  Verpfänder  zu  bestrafen. 
Jedoch  kann  der  letztere  sehr  wohl  als  Gehilfe  bzw.  Anstifter  Ijelangt 
werden.  Wenn  auch  eine  ausdrückliche  Bestimmung  nicht  getroffen  ist, 
so  geht  dies  doch  aus  der  ratio  legis  liervor,  da  die  Bestrafung  nur  eines 
Teils  durchaus  unzulänglich  sein  würde. 


b.  In-Haft-Nehmen. 

Auf  das  »In-Haft-Nehmen«  finden  die  eben  angestellten  Erörterungen 
entsprechende  Anwendung.  Auch  hier  handelt  es  sich  nicht  um  einseitige 
Zwangsmaßnahmen,  etwa  nacL  Art  des  persönlichen  Arrestes,  sondern  um  den 
Abschluß  eines  Vertrages.  Doch  betont  der  Ausdruck  »In-Haft-Nehmen« 
hier  wohl  besonders  die  Absicht  der  Parteien,  den  Gläubiger  zu  sichern, 
ohne  ihm  zugleich,  d.  h.  in  ein  und  demselben  Vertrag,  das  Recht  der 
Nutzung  des  menschhchen  Pfandes  oder  das  Recht  der  Befriedigung  au' 
dem  Pfand  durch  Veräußerung  einzuräumen.  Daß  es  den  Parteien  unbe- 
nommen bleibt,  durch  einen' zweiten  Vertrag  in  gänzlicher  oder  teilweiser 
Aufhebung    des    ersten  die  Nutzung  oder  Veräußerung   zu    vereinbaren,    ist 


•JiS  \\'i.(.i  :    Ucclitliclic  Iiotiiiimmiircii  iilirr  dif  Skl;i\  i-rci  in  DfiitM-li-AlVika. 

selhstverstiiiullicli.  l'ür  das  stialVccIitliclR'  Moiiu'iit  der  N'i^llciidiini;  des 
Delikts  ist  genau  wie  hei  dem  lu-IMaiid-NehiiieM  die  tatsäcliliclie  Übergabe 
iiiaßgelicnd.      Aiieli   liier   ist  der  \'ersiicli    nicht   unter  Strafe   gestellt. 

c.  Wegfangen. 

Waren  die  beiden  vorgenannten  Delikte  nur  mit  dem  Willen  des 
Schuldners  aul"  vertraglichen»  Wege  zu  begehen,  so  kann  das  Delikt  des  5;  1 
auch  einseitig  gegen  den  Willen  des  Schuldners  versucht  bzw.  vollendet 
werden:  durch  Wegfangen  einer  weiblichen  Person.  Das  Wegfangen  be- 
steht, wie  man  wohl  in  Anlehnung  an  das  Delikt  des  Menschcni-aubes  des 
!:;  234  RStGB.  definieren  kann,  in  der  Bemächtigung  der  Person,  in  der  ob- 
jektiv widerr-echtlichen  Begründung  der  körperlichen  Heri-sehaft,  mit  deren 
Mrlangung  das   Delikt  vollendet  ist. 

In  subjektiver  Hinsicht  braucht  der  Täter  das  Bewußtsein  der  Rechts- 
widrigkeit seines  Tuns  nicht  zu  haben.  Die  Absicht,  in  der  der  Täter 
handelt,  bleibt  ijei  dei-  Feststellung  des  Tatbestandes  außer  Betracht.  Diese 
Absicht  kann  sich  nun  in  zweierlei  Richtung  bewegen:  entweder  soll  damit 
ein  Druck  auf  den  Schuldner  ausgeübt  werden,  ohne  aber  dein  P2igentümer 
sein  Recht  zu  entziehen  —  also  mehr  eine  Sicherungsniaßregel  — ,  oder  der 
Fänger  will  die  Person  in  seine  Gewalt  bekommen,  sie  sich  aneignen, 
inn  sich  für  seine  Forderung  zu  befriedigen,  indem  er  wie  ein  pj'gentümer 
über  sie  verfügt,  z.  B.  durch  Verkauf  oder  durch  Benutzung  als  Arbeiterin 
im  eigenen  Haushalt.  Es  wäre  dies  also  die  Wegnahme  einer  fremden, 
beweglichen  Sache  in  der  Absicht  der  Aneignung,  jedoch  ohne  das  Tat- 
bestandsmerkmal der  Rechtswidrigkeit. 

Für  den  Versuch  dieses  Delikts,  der  recht  wohl  denkbar  ist,  hat  man 
fine  Strafe  nicht  festgesetzt. 

Als  Tätei-  kommen  hier  in  Betracht  einmal  der  Fänger  selbst,  aber 
auch  alle  sonstigen  Teilnehmer,  wie  Gehilfen  und  Anstifter.  Während  bei 
den  beiden  ersten  Delikten  der  Ehemann  sehr-  wohl  jMittäter,  Gehilfe  oder 
Anstifter  sein  kann,  dürfte  es  wohl  kaum  vorkonunen,  daß  der  Ehemann 
seine  eigne  Ehefrau  wegfängt. 

d.  Verkaufen. 

Schließlich  wird  auch  der  \'erkauf  von  weiblichen  Personen  wegen 
Schulden  anderer  unter  Strafe  gestellt.  Vollendet  ist  dieses  Delikt  bereits 
mit  dem  Abschluß  des  Kauf-  oder  eines  ähnlichen  Vertrages,  ohne  daß  die 
tatsächliche  Übergabe  der  weiblichen  Person  erfolgt  zu  sein  braucht.  Dieses 
Delikt  ist  entweder  selbständig  denkbar,  z.  B.  in  dem  eben  geschilderten 
Fall,  daß  dem  Schuldner  der  Gebrauch  der  verpfändeten  Sache  noch  eine 
Ziitlang  belassen,  schließlich  aber  doch  der  Verkauf  beschlossen  wird. 
Dann  wäre  nur  dieser  Verkauf  .strafbar.  Oder  das  Delikt  wird  begangen 
als  Folge  und  in  Vollendung  des  In-Pfand-  oder  In-Haft-Nehmcns  odei-  des 
^^'egfangens,  iiulem  der  (iläubigei'  aus  dem  Verkauf  der  in  seinen  Besitz 
gelangten   Person    Befriedigung  für  seine   Foideiung  sucht. 


^\'I:(;K:   Kcclirliclio  IJrstimmuin^ni  iiln-r  die  Skl;i\ cici  in  I)i'iit.scli-Ariik;i.  'J9 

Bei  einem  Zusaiuinentrefieii  von  zwei  derai-ti<i,en  Straftaten  w  äi-e  der 
Verkauf  an  sieh  niclit  selbständig  strafbar.  Jedoeh  bestiunnt  §  3  ausdrück- 
lich: ■■.  .  .  in  jedem  einzelnen  Falle...  Danach  erseheint  nur  die  Aus- 
legung möglich,  daß  sowohl  das  Wegfangen,  das  In-I'fand-Nchmen  wie  auch 
der  Verkauf  jedes  füi'  sicii  als  selbständiges  Delikt,  w(Min  auch  unmittelbar 
hintereinander  begangen  von  derselben  Person  an  dei-selben  Person,  bestraft 
werden  sollen.  Mithin  kann  Jemand  ans  dieser  \'erordnung  sogar  wegen 
di-eier  Delikte  bestraft  werden ;  wenn  z.  B.  ein  Gläubiger  eine  weibliche 
Person  in  Pfand  nimmt,  iliese  ihm  wegläuft,  er  sie  wieder  cinfängt  und 
schließlich  verkauft,  so  liegen  drei  Delikte  vor,  die  nach  der  eben  ge- 
fundenen Auslegung  jedes  für  sich  zu  bestrafen  wäi-en. 

Als  Täter  denkt  man  sich  bei  dem  Wortlaut  »verkauft.«  zunächst  nur 
den  Verkäufer,  jedoch  wäre  auch  wohl  der  Käuier  als  Gehilfe  oder  An- 
stifter zu  bestrafen.  —  Hier  ei-hebt  sich  nun  die  Frage:  kann  auch  der 
Ehemann  als  Täter  in  Betracht  kommend'  Nach  der  grammatischen  Kon- 
struktion kann  für  die  drei  ersten  Delikte  des  §  1  als  Handelnder,  als  Haupt- 
täter sicherlich  immer  nur  ein  Dritter  ',  nie  der  Ehemann  erscheinen.  Daher  läge 
es  nahe,  auch  den  vierten  Ausdruck  »verkaufen«  gleichartig  zu  konstruieren 
und  zu  beziehen  und  als  Täter  hier  ebenfalls  nur  einen  Dritten  bzw.  —  als 
Käufer  —  gar  noch  einen  Vierten  zu  vermuten.  Dem  ist  meines  Erachtens 
jedoch  nicht  so:  gerade  die  passivische  Wendung  des  Satzes  läßt  eben  den 
Täter  unbesthnmt,  imd  die  rein  grammatische  Interpretation  dünkt  mir  nicht 
so  durchaus  zwingend;  es  ist  nicht  einzusehen,  aus  welchem  Grunde  man 
den  so  häufig  vorkommenden  Fall  des  Verkaufs  der  Frauen-  durch  ihre 
eigenen  Ehegatten  hätt(>  ganz  übergehen  sollen.  —  Man  nniß  also  zu  dem 
Schluß  kommen,  daß  der  Ehemann  auch  sehr  wohl  als  Haupttäter  für  dieses 
Delikt  in  Betracht  konnuen  kann. 

Der  V^ersuch  dieses  Delikts  ist  mangels  einer  Bestinunung  nicht 
strafbar. 

2.  Vermietung  weiblicher  Missionszöglinge. 

Während  der  §  1  in  das  8trafi-echt  hinübergreift,  enthält  der  §  2  eine 
mehr  polizeirechtliche  Bestimmung:  weibliche  INIissionszöglinge  dürfen  nui- 
nach  vorher  eingeholter  Zustimnumg  des  Gouverneurs  zu  Dienstleistungen 
an  Fliu-opäer  vermietet  werden.  —  Der  Kreis  der  unter  den  Schutz  der 
Verordnung  fallenden  PcT-sonen  ist  hier  noch  viel  enger  gezogen  als  in 
dem  §  1 :  nicht  die  weiblichen  Pei-sonen  schlechthin,  sondern  nur  die  weib- 
lichen Missionszüglinge. 

Das  Delikt  ist  vollendet  schon  mit  dem  Abschluß  eines  —  unbedingten 
—  Mietvertrages,  nicht  erst  mit  dem  tatsächlichen  Dienstantritt.  Weitere 
Voraussetzungen  der  Strafbarkeit  sind,  daß  einmal  der  Mietvertrag  bei  einem 
Europä,er    erfüllt    werdi-n    soll,    gemietet    braucht    der   Eurojjäer   selbst   den 

1  Indem  als  •Kister»  die  weiblirlie  Person,  als  »Zweiter-  der  KlienKuin  zu 
denkeil  ist. 

-  Verkauf  und  Veiptandnng  sind  niclit  scharf  zu  trennen:  üolincr:  La  uff  er 
S.  13o;  vel.  auch  Aiiiuei-kuiiii;  1.  Seite  2(J. 


30  \\  K(.k:    Krrlitlicli«'  lifsiinimuni^cii  iiln  r  die  Sklin  cif-i  in  DciitMli-Arrika. 

MissJonszügliii;;  nicht  zu  liaben ;  und  zwcitnis,  daß  die  ZiisLiiiiiniinj^  des 
(touvernc'urs  fehlt,  dif  entweder  überhaupt  noch  nielit  eingeholt  oder  noch 
niclit  »Tteilt  oder  sogar  schon  versagt  worden   ist. 

Als  Täter  konunt  nach  dem  Wortlaut  des  §  2  »vermietet«  zunächst 
tltr  \ermieter  in  Betracht,  aber  der  Vertragsgegner  wäre  nach  den  hier 
Platz  greifenden  Bestinunungen  des  RStGB.  über  Teilnahme  mindestens  als 
Gehilfe,  wenn  nicht  als  Anstifter  zu  bestrafen. 

3.  Strafbestimniungen. 

Die  Strafe  für  (M)ertretuiigen  der  beiden  ^'OI•genannten  Paragraphen 
ist  (Jeldstrafe  bis  zu  2000  Mark  oder  wahlweise  Gefängnis  bis  zu  einem 
Jahre.  Eine  Umwandlung  der  Geldstrafe  in  Gefängnis  ist  zwar  nicht  aus- 
drücklich vorgesehen,  wohl  aber  als  zulässig  zu  erachten.  —  Das  Strafmaß 
ist,  zumal  in  Ansehung  des  §  2,  recht  erheblich  zu  nennen;  für  §  1  erscheint 
es  jedoch  angemessen,  wenn  man  berücksichtigt,  daß  dessen  Tatbestand 
lebhaft  an  Sklavenraul)  und  Sklavenhandel  erinnert. 

c.  Verordnung  vom  21.  2.  1912. 

§  18. 
Das,  was  in  Deutsch-Ostafrika  erst  in  einer  langen  Reihe  vorbereitender 
Verordnungen  und  Erlasse  bestimmt  werden  konnte,  geschieht  in  Kamerun 
ohne  solche  Vorbereitung  und  zudem  noch  zwei  Jahre  früher:  durch  den 
Ki-laß  der  die  gänzliche  Abschaffung  der  Sklaverei  ankündigenden  Ver- 
ordnung des  Reichskanzlers  vom  21.  2.1912',  betreffend  die  Havlssklavei-ei 
in   Kamerim,  die  am  Tage  der  Verkünduiig  in  Kraft  trat. 

1.  Frei-  und  Halbfreiwerden  durch  Geburt. 

Die  beiden  ersten  Paragrajjhen  greifen  direkt  in  das  Institut  der 
Sklaverei  in  derselben  Weise  auflösend  ein,  wie  wir  es  in  der  letzten  der 
Verordnungen  für  Deutsch-Ostafrika  kennen  gelernt  haben.  Nach  §  1  wird 
das  Stanunesgewohnheitsrecht  der  Duala  in  Kamerun,  wonach  die  Kinder 
von  Haussklaven  —  »nudcöm"  —  als  Halbfreie  —  »mujäberi"  —  anzu- 
sehen sind,  auf  das  ganze  Schutzgebiet  ausgedehnt. 

Noch  weiter  geht  der  §  2:  die  nach  der  Verkündung  dieser  Verordnung 
gebornen  Kinder  von  Ualbfreien  sind  vollfrei.  Der  Zeitpunkt  der  llalb- 
Ireiheit  ist  also  nach  §  1  für  Kinder  von  Haussklaven  der  Tag  der  Ver- 
kündung dieser  Verordnung,  während  Kinder  von  Halbfreien  nur  dann 
vollfrei  sind,  wenn  sie  nach  Verkündung  dieser  Verordnung  geboren  sind. 

Mit  dieser  Bestimmung  ist  also  die  Begründung  der  Sklaverei  durch 
Geburt  unmöglich  gemacht.  Es  ist  unschwer  einzusehen,  daß  die  Durch- 
führung dieser  Grundsätze  sich  deswegen  mn  so  leichter  ermöglichen  ließ, 
weil  es  sich  hier  nicht  um  rein  europäisches  Recht,  sondern  nur  um  eine 
Ausdehnung  eines  von  den  Eingebornen  selbst  bereits  geprägten  Rechts- 
satzes handelte. 

»    Riobow  VI.  S.  4(12 


Wkci;  :    lu-clirliclic  l'x'stiiiiiimiiucii  üIhm-  die  Skl;i\(Mci  in  Dciitscli-AlViLii.  ',\  1 

2.  Verbot  der  Verpfändung. 

Es  l)liel)  also  nur  nucli  üln-ig,  die  amlci-ii  (^)iiclh'ii  dej-  Sklavei-ci  außer 
dem  durcli  die  vorgenannte  Vcrordnuuü;  sclion  untei- Strafe  gestellten  Frauen- 
fang  und  der  Versklavung  zu  schließen.  In  den  §§  3 — 5  linden  wir  daher 
die  Restinnnungen  zusanunengefaßt,  die  wir  vereinzelt  schon  in  den  Verord- 
nungen von  Deutsch-Ostafrika  kennen  gelernt  hal)cn ;  zeitlich  liegen  aller- 
dings die  Veroi'dnungen  von  Deutsch-Ostafrika  später. 

Es  wird  hier  bestiunut,  daß  durch  Selbstverkauf,  durch  N'erkauf  seitens 
der  Verwandten,  durch  Schulden  sowie  sonstige  \'erpllichtungen  oder  als 
Strafe  für  Ehebruch  ein  Sklavereiverhältnis  nicht  neu  begründet  werden 
darf.  Alle  aus  diesem  Rechtsgrunde  erfolgten  Rechtsgeschäfte  und  Über- 
eignungen sind  daher  von  jetzt  au  als  gegen  ein  Gesetz  verstoßend  nichtig 
und  obendrein  noch  strafbar.  Einmal,  um  Schiebungen  und  Verschleierun- 
gen vorzubeugen,  dann  aber  vor  allem  um  durch  Herstellung  eines  ])atri- 
archalischen  ^'erhältnisses  die  Abschaii'ung  der  Sklaverei  möglichst  zu  be- 
schleunigen, verbietet  §  4  schlechthin  jeden  Verkauf,  Tausch  oder  sonstige 
Art  der  Veräußerung  von  llaussklaven  —  ganz  anders  als  in  Deutsch-Ost- 
afrika, wo,  wie  wir  gesehen  haben,  die  Übertragung  des  Herrenrechts  unter 
gewissen  Sicherlieitsmaßnahmen  zulässig  war. 

3.  Abschaffung  der  Schuldknechtschaft. 

Doch  die  ergriffenen  Maßregeln  wären  durchaus  imvollständig  ge- 
wesen, hätte  man  nicht  auch  an  die  Beseitigung  der  Schuldknechtschaft 
gedacht;  diese  war  nun  schon  vier  Wochen  früher  durch  die  Vei'oi-dnimg 
vom  29.  1.  1902  aufgehoben  worden,  so  daß  ihre  nochmalige  Erwähnung 
hier  im  §  5  nur  eine  Wiederholung  bedeutet.  Denn  da  die  Sklaverei,  zumal 
bei  dem  bekanntermaßen  äußerst  leichtsinnigen  Schuldenmachen  der  Ein- 
gebornen,  sehr  häutig  auf  dem  Wege  über  die  Personalverpfändung  durch 
Verfallenlassen  des  Zahlungstermins  begründet  wird,  mußte  man,  wenn  man 
alle  (^)uellen  der  Sklaverei  treffen  und  abdämmen  wollte,  auch  die  Schuld- 
knechtschaft verbieten. 

4.  Verwirkung  des  Herrenrechts. 

In  den  ersten  beiden  Paragraphen  hatte  die  Veroidnung  Sklaven- 
Ivinder  für  frei  bzw.  halbfrei  erklärt,  in  den  nächsten  drei  Paragraphen  war 
der  Sklaverei  der  Zufluß  von  neuem  3Ienschenmaterial,  der  außer  durch 
Geburt  auf  die  verschiedenste  Weise  möglich  war,  abgeschnitten  worden. 
Schließlich  greift  die  Verordnung  mit  §  6  unmittelbar  in  das  Verhältnis  vom 
Sklaven  zum  Herrn  ein;  die  Bestimmung  des  §  6,  Verwirkung  des  Herren- 
rechts, deckt  sich  beinahe  wörtlich  mit  dem  §  6  der  deutschostafrikanischen 
Verordnung  vom  29.  11.  1901.  Auch  hier  verwirkt  der  Herr  durch  schwere 
Verletzung  seiner  Pllichten  gegenüber  dem  vSklaven  das  Herrenrecht.  Der 
Sldave  wird  nach  einer  von  Amts  wegen  einzuleitenden  Untersuchung  durch 
die  Ausstellung  eines  Freibriefs  frei,  ohne  daß  dem  Herrn  ein  Anspruch 
auf  Entschädigung   zusteht.    Was    unter    Pllichten    des    Herrn    gegen    den 


32  WUt  :    lü-clitliflii'  ljestiiiiiiiiiii<r<'ii  ülwr  dii' Skl;i\  ciri  in  I)i'iitMli-Alrik;i. 

Sklaven  uiul  was  unter  Pllichtverletziing  zu  vei-stehen  ist,  darüber  gilti 
diese  Verordnung,  im  Gegcnsalz  zu  der  ostafrikanisclien,  keinen  Aufschluß. 
Es  ist  dies  also,  je  nach  dem  ( >rt  und  den  Wihältnissen.  nach  Gewohnlieits- 
ri'cht  •  und  durch  Befragen  der  Kingeburnen  und  Altesten  festzustellen  und 
dem   Richterspruch  zugrunde  zu  legen. 

5.   Strafbestimmungen. 

Für  Zuwiderhandlungen  gegen  diese  X'erordnung  ist  Geldstrafe  in 
der  für  Westafrika  üblichen  Währung  in  Höhe  von  1  000  Mark  wahlweise 
mit  einer  Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  jNIonaten  festgesetzt,  falls  nicht  durch 
andere  Strafgesetze  eine  höhere  Strafe  verwirkt  ist.  —  über  die  Um- 
wandlung einer  nicht  beitreibbaren  Geldstrafe  in  Freiheitsstrafe  ist  nichts 
bestimmt,  diese  wohl  aber  anzunehmen. 


d.   Vergleich  zwischen  Kamerun  und  Deutseh- Ostafrika. 

§19. 
Bei  einem  Vergleich  der  ostafrikanischen  und  der  Kameruner  Ver- 
ordnung fällt  sofort  ein  großer  Unterschied  auf:  während  in  Deutsch-Ost- 
afrika der  Freikauf  l)is  ins  einzelnste  geregelt  ist,  linden  wir  in  Kamerun 
nirgends  eine  ähnliche  Bestinnuung.  Es  hängt  das  eben  mit  der  von  der 
ostafrikanischen  so  vei'schiedenen  Auffassung  der  Eingebornen  über  Sklaverei 
zusammen.  In  Kamerun  kann  nämlich  nach  der  Rechtsanschauung  der  Ein- 
gebornen ein  Sklave  niemals  frei  werden,  selbst  nicht  durch  die  den  Stainmes- 
rechten  unbekannte  Freilassung  bzw.  Freikauf;  ebensowenig  wird  anderseits 
ein  versklavter  Freier  in  seinem  eignen  Stamm  als  Sklave  angesehen.  Man 
kann  also  hier  wirklich  von  »geborenen  Sklaven«  sprechen,  die  sich  von 
diesem  in  ihrem  Blute  liegenden  Makel  durch  nichts  befreien  können,  mögen 
sie  auch  noch  so  große  tatsächliche  Freiheit  genießen.  Dieser  eigenartigen 
Rechtsanschauung  konnte  eben  nur  die  Regierung,  nicht  aber  ein  einzelner 
wirksam  entgegentreten;  Bestimmungen  über  Freikauf  oder  Freilassung 
seitens  des  Herrn  waren  somit  überllüssig.  Es  steht  zu  hoffen,  daß  diese 
festeingewurzelte  Meinung  allmählich  durch  die  Rechtsübung  und  den  immer 
größer  werdenden  Einlluß  der  Behörden  verdrängt  wird"  und  dann  Sklaven 
und  Freie    auch    in    den  Augen    der   Eingebornen    sich    völlig   gleichstehen. 

'    l)Ivl>l.  1892.  S.  ÖISÜ".:   foniei'  iilx.'r  das  gegenseitii^c  W-rliältnis  /..  1!.:  Heii- 
riri   S.  ]'.>(.):   S|)ieili. 


Wk(;k  :   Kcclitliflu"  ncstiiiiimiiigc'u  ühor  cli(>  Sklavoroi  in  Dcutscli-At'rika.  33 


Kapitel  111. 

Togo, 
a.  Allgemeines. 

§  20. 

In  unserm  Schutzgebiet  Togo  hat  die  Entwickhing  des  europäisclien 
Sklavenrechts  einen  ganz  ähnliclien  Weg  genonnnen  wie  in  Kamerun,  je- 
doch ist  hier  die  volle  Befreiung  der  Hörigen  '  am  schnellsten  von  allen 
drei  Schutzgebieten  durchgeführt  worden.  Auch  hier  haben  wir  \vie  in 
Kamerun  nur  zwei  Verordnungen,  die  sich  mit  rein  zivilrechtlichen  Fragen 
der  Auf-  bzw.  Ablösung  der  Sklaverei  befassen.  Zu  strafrechtlichen  Ki-- 
lassen,  etwa  in  Ergänzung  des  SklRG.,  hat  offenbar  kein  Bedürl'nis  vor- 
gelegen. 

b.  Verordnung  vom  15. 1. 1893. 

§21. 

Die  erste  der  beiden  Verordnungen  ist  die  »Verordnung  des  Konnnissars 
von  Togo,  betreffend  die  Befreiung  der  in  .Sklaverei  gehaltenen  Personen« 
vom  15.  1.  1893  ^  die  mit  dem  Tage  der  V^eröffentlichung  in  Kraft  getreten 
ist  —  bezüglich  der  Abverdienungsverträge  sogar  mit  unbegrenzt  rück- 
wirkender Kraft;  übrigens  der  einzige  Fall,  in  dem  einer  solchen  \'erord- 
nung  rückwirkende  Kraft  verliehen  worden  ist. 

Wie  diese  Verordnung  selbst  angibt,  hat  sie  ihre  rechtliche  Grund- 
lage in  dem  »Gesetz,  betreffend  die  Rechtsverhältnisse  in  den  deutschen 
Schutzgebieten«,  und  in  der  V'erfügung  des  Reichskanzlers  vom  29.  3.  1889. 
—  Diese  Vei-ordnung,  die  sich  stark  an  die  ostafrikanische  Verordnung  vom 
1.  9.  1891,  betreffend  den  Freikauf  von  Sklaven,  anlehnt,  regelt  in  ihrem 
§  1  das  Freiwerden  der  Sklaven,  während  alle  übrigen  Paragraphen  sich 
auf  den  vertragsmäßigen  Freikauf  beziehen,  den  wir  in  den  Kameruner 
Verordnungen  vergeblich  gesucht  haben. 

1.  Freiwerden  durch  Rechtsgeschäft. 

Nach  §  1  erlangen  Personen,  die  sich  im  Zustande  der  Sklaverei, 
llaussklaverei  oder  Hörigkeit  befinden,  ihre  volle  Freiheit  dadurch,  daß  ihr 
bisheriger  Herr  ein  ihr  Rechtsverhältnis  zu  ihm  lösendes  Rechtsgeschäft  — 
Kauf,  Tausch,  Schenkung  —  mit  einem  Dritten  oder  ihnen  selbst  abschließt. 
Im  Gegensatz  zu  §  1  der  angezogenen  ostafrikanischen  Verordnung  erhält 
ein  Sklave   die    Freiheit    nicht  bloß    durch    den  Verkauf  an    einen   Nicht 


1  DKBl.,  1890,  S.  37  ülici-  die  gchohonc  Stellung  cK-r  ITnficien. 

2  Riebow  n,  S.  2. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Spivifhcn.   1915.  III.  Al.t.  3 


34  ^^'K(iK:  Rerlitliche  Bestimimmgen  üb^rdie  Sklaverei  in  Deutsch- Afrika. 

eini^elionicn,  suiuk'rn  dmcli  den  Ahsrliliiß  ciiios  das  Sklavereixerhältnis 
zum  Herrn  lösenden  Heclitsgescliärts  mit  j  e  jj;li  c  Iic  in  Dritlen,  ja  .sot^ar  mit 
di'in   Unfreien  seihst. 

Der  Zeitpunkt  des  Freiwerdens  ist  in  beiden  Fällen  der  Ahselihiß, 
nieht  erst  die  KrHillung  des  Kanfvei'trages.  V'ertragsgegner  kann  jeder 
Dritte,  Eingeborner  wie  Nicliteingeborner,  oder  auch  der  Unfreie  selbst 
sein,  der  also,  eben  noch  unfrei,  aber  zum  AbschliLß  des  Vertrages  befähigt, 
lediglich  durch  die  Tatsache  des  Abschlusses  seine  volle  Freiheit  erlangt, 
olnie  daß  etwa  die  Freiheit  an  die  Ei-teilung  eines  Freibriefs  gebunden  ist. 

Bei  diesen  Unfi-eien,  laut  Überschrift  »die  in  Sklaverei  gehaltenen 
Personen«,  unterscheidet  der  §  1  »Sklaven",  »Ilaussklavcn«  und  »Hörige«. 
Es  ist  jedoch  nicht  anzunehmen,  daß  damit  eine  begriffliche  Unterschei- 
dung der  Unfreien  in  drei  verschiedene,  dem  Grade  der  Unfreiheit  nach 
ungleiche  Giiippcn  bewirkt  werden  sollte,  zumal  diese  Begriffe  in  den  fol- 
genden Paragraphen  keineswegs  auseinandci'gehalten  werden.  \'ielmehr 
scheint  die  Annahme  berechtigt,  daß  diese  Begrilfe  nur  deswegen  erwähnt 
sind,  um  alle  verschiedenen  Formen  der  Unfreiheit  bei  den  einzelnen  Stämmen 
mit  der  Bestimmung  zu  erfassen  und  jeden  Zweifel  bezüglich  der  Anwend- 
barkeit der  Verordnung  von  vornherein  auszuschließen. 

2.  Freikauf. 

Durch  die  geschilderte,  von  der  ostafrikanischen  abweichende  Auf- 
iassuna:   des  Auflösungs Vertrages    wird   natürlich  auch  die  Stellung  des  be- 


Loskauf. 
Der  Sklave  ist  unmittelbar  nach  Abschluß  des  Loskaufvertrages  ein 
freier  Mann,  gleichgültig,  ob  die  Loskaufsumme  sclion  bezalilt  ist  oder 
nicht,  und  ob  sie  von  ihm  oder  einem  Dritten  erlegt,  wird.  Die  Folge 
davon  ist,  daß  die  Ei-teiiung  des  Freibriefs  nach  §  2  auf  Antrag  sofort, 
nicht  erst  nach  Zahlung  der  Loskaufsunnne  erfolgt.  Zuständig  füi*  die  Er- 
teilung des  Freibriefs  —  das  gilt  auch  für  Personen,  die  kraft  einer  be- 
hördlichen Verfimunü;  oder  aus  sonst  irgendeinen)  Grunde  die  Freiheit 
erlangt  haben  —  ist  also  die  Behörde  des  Bezirks,  in  dem  der  Freigewor- 
dene oder  der  loskaufende  Dritte  seinen  Wohnsitz  hat. 

Abverdienungsvertrag. 
Für  den  Fall,  daß  ein  Dritter  den  Sklaven  loskauft  und  von  dem 
Freigewordenen  Ersatz  der  Loskaufsumme  begehrt,  finden  wir  wie  in 
Deutsch-Ostafrika  Bestimmimgen  über  den  zwischen  dem  Dritten  und  dem 
ehemaligen  Sklaven  zu  schließenden  Abverdienungsvertrag,  die  den  Frei- 
gewordenen gegen  Ausbeutung  schützen  sollen:  Abschluß  einer  schriftlichen 
Vereinbarung  vor  der  Behörde  und  Genehmigung  durch  diese,  Wahi-ung 
des  Vorteils  des  Freigewordenen  durch  ^'erhinderung  nicht  landesüblicher 
Preise,    Verlxit  dei-  Verrechnung  der  Loskaufsinnme  auf  gelieferte  Lebens- 


WEfM.;:  Rcclitliche  Be.sti.iunmige.i  übrv  die  Skla\erei  in  Dcutscli-Afrika.  35 

mittel,  Kleidungsstücke  uiul  Älmliclies,  Abschreihimi.-  der  abverdienten  Be- 
träge auf  einer  von  Amts  wegen  zu  erteilenden  Ausfertigung  der  \'ertrags- 
urkunde,  Eintrngung  in  ein  besonderes  Register,  Überwachung  der  Aus- 
führung des  Veitragcs.  schließlieli  die  Bestimnumg,  daß  die  den  Losgekauften 
in  Rechnung  zu  setzehden  Beträge  nicht  hinter  den  landesüblichen  Lohn- 
sätzen zurück! )leibeu  düi-fen,  da  so  die  Ablösung  verzögei-t  würde.  Hier 
wie  in  Deutsch-Ostafi-ika  kann  die  Loskaufsumme  auch  vor  Ablauf  der  aus- 
bedungenen Zahlungsfrist  ganz  oder  teilweise  gezahlt  und  dadurch  das 
Dienstverhältnis  abgekürzt  werden. 

Unbekannt  dagegen  ist  der  \^erordnung  eine  Verwirk ung  des 
Herrenrechts,  wie  wir  sie  in  Deutsch-Ostafrika  und  in  Kamerun  kennen 
gelernt  haben.  Ebenso  vermissen  wir  ein  einseitiges  Ablösungsrecht 
des  Unfreien. 

3.  Strafbestimmungen. 

Zuwiderhandlungen  gegen  die  §§  2—5  über  die  Freikaufverträge 
werden  mit  Geldstrafe  bis  zu  1 000  Mark  geahndet:  im  Unvei-mögensfall 
tritt  Gefängnis  bis  zu  drei  Monaten  ein. 

e.  Verordnung  vom  21.  2. 1902. 

§  -22. 
Die  zweite  Verordnung,  die  des  Reichskanzlers,  betreffend  die  Haus- 
sklaverei in  Togo  vom  2L  2. 1902  »,  die  mit  dem  Tage  der  Verkündung  in  Kraft 
trat,  hat  fast  den  gleichen  Wortlaut  wie  die  \^erordnung  für  Kamenm  vom 
gleichen  Tage.  Es  fehlt  nur  der  dortige  §  1,  wonach  die  Kinder  von  Haus- 
sklaven noch  als  Halbfreie  und  erst  die  Kinder  von  Halbfreien  als  Freie 
anzusehen  sind.  Vielmehr  wird  hier  in  abgekürztem  Verfahren  bestimmt, 
daß  alle  nach  Verkündung  dieser  Verordnung  geborenen  Kinder  von  Haus- 
sklaven vollfi-ei  sind.  Die  anderen  Paragraphen  haben  den  gleichen  Wort- 
laut; es  erübrigt  sich  somit,  näher  darauf  einzugehen. 

d.  Verordnung  vom  25.  4. 1902. 

§  23. 
Schließlich  bleibt  noch  eine  weniger  wichtige  Vei-ordnung  zu  er- 
wähnen: die  Verordnung  vom  25.  4.  1902,  betreffend  den  Schutz  weiblicher 
Missionszöglinge  ■•'.  Sie  bestimmt  in  ihrem  §  1  fast  gleichlautend  mit  dem 
§  2  der  Kameruner  Verordnung  vom  7.  11.  1896,  daß  weibliche  Missions- 
zöglinge nur  mit  Genehmigung  des  Gouverneui-s  zu  Dienstleistungen  an 
Europäer  vermietet  werden  dürfen,  mit  dem  ausdrücklichen  Zusatz,  daß 
auch  zur  Fortsetzung  bereits  bestehender  Dienstverhältnisse  diese  Genehmi- 
gung erforderlich  ist  —  ein  Zusatz,  der  sich  in  der  Kamerimer  N'erordnung 
nicht  findet.  Die  Befolgung  dieser  Verordnung,  die  mit  dem  Tage  der 
Verkündung  in  Kraft  trat,  wird  durch  Geldstrafe  bis  zu  1  000  Mark,  wahl- 

1  Riebow  VI,  S.  462. 

2  Riebow  VI,  S.  566. 

3* 


'M')  \\'K(iK:    IvccliiliclK-  lU'.stiiiinmiiü^oii  iilii-r  dir  Sklincri'i  in  I)(Mif.scli-.\ri-ik;i. 

weise  mit  (Jeränguis  l)is  zu  einem  Jahre  gesiel»crt.  —  Neues  ist  hier  nicht 
zu  satten;  die  Erörterungen  gelegentlich  der  genannten  Kameruner  \'er- 
ordninii;  linden   hiei"  entspreehende   Anwendung. 

Abschluß. 

wie  wir  gesehen  haben,  hat  sich  die  Al)schall'ung  dei-  Skhiverei  in 
den  heiden  weslafrikaniseheu  Schutzgebieten  viel  leichtor  bewerkstelligen 
lassen  als  in  Deutseh-OstaiVika.  wo  man  in  den  Verordnungen  deutlieli 
das  scharfe  V^orgehen  der  Regierung  gegen  die  eingel)ornen  Sklavenhändler 
und  Sklavenräuber  erkennen  kann.  Nun  ist  seit  Erlaß  der  letzten  dieser 
\'erordnungen  über  ein  Jahrzehnt  dahingegangen,  und  somit  ist  der  Zeit- 
punkt, wo  die  Sklaverei  in  unsern  Schutzgebieten  einmal  völlig  der  Ge- 
schichte angehören  wird,  um  ein  Erhebliches  näher  gerückt.  Die  Wünsche 
des  Reichstags  gelien  allerdings  noch  über  die  natiirliche  Entwicklung  der 
Dinge  hinaus:  die  Regierung  ist  ersucht  worden,  aui"  eine  bescldeinu'gte 
Abschart'uni'-  der  Sklaverei   hinzuwirken. 


Kapitel  IV. 

Ergänzende  Vorschriften  und  Schluß, 
a.  Waffeneinfiihrbeschränkungen. 

§  24. 

Alle  diese  vorerwähnten  Verordnungen  inid  Ei-lasse  wenden  sich 
direkt  gegen  die  Sklaverei  und  den  Sklavenhandel,  den  Sklavenraul)  und 
den  Sklaventransport.  Die  Brüsseler  Generalakte  hatte  aber  noch  weiter- 
gehende Bestimmungen  getroÜen,  deren  Durchführung  für  die  Bekämpi'ung 
der  Skaverei  und  der  mit  ihr  zusanunenhängenden  Verbrechen  von  Wichtig- 
keit ist.  In  der  richtigen  Erkenntnis,  daß  die  ungehinderte  Abgabe  von 
Präzisionsfeuerwalien  nicht  allein  den  Widerstand  der  Eingeborenen  g<*gen 
die  Europäer  im  allgemeinen  begünstigt,  sondern  vof  allen»  auch  dem 
Sklavenraid)  förderlich  ist,  soll  nach  Artikel  8/9  der  GA.  die  Einfuhr  ver- 
vollkonunneter  Eeuerwaffen  ebenso  wie  von  Schießpulver,  Kugeln  und 
Patronen  nach  Möglichkeit  verboten  oder  wenigstens  unter  staatliche  Aul- 
sicht gestellt  und  eingeschränkt  werden. 

Es  mag  hier  der  Hinweis  genügen,  daß  in  Ausführung  der  Bestim- 
nmngen  der  GA,  eine  große  Anzahl  von  Verordnungen  ergangen  ist,  die 
die  Materie  bis  ins  kleinste  regeln  '.  Eine  Bespi-echung  dieser  Verordnungen 
dürfte  jedijcli  iil)rr  den  Rahmen  und  den  Zweck  dieser  .\bhandlung  hinaus- 
gehen. 

'     \>j:\.    l)()('iiriiciit>. 


A\'ki.i;:    IvcchlliclH'  IJcsi  iiiiiiiiuiui'ii  iilicr  die  Skl;i\('ici  in  Dcutsi'li- Ali  ik;i.  ',\7 

b.  Arbeiterverordnungen. 

§  25. 
Miii(li\st(Mis  el»ens()  uicliti^  wie  dir  WaHrin  riiii-dimimfii  ist  fiiu' 
andere  Gi'iippo  von  Erlassen :  die  iihcr  das  Arl)e  i  t  erw  esen.  Um  ein 
Wiederanlleben  des  Sklavenliandels  in  and(MMn  Gewände  zu  verhindern,  ist 
zum  Sehutzc  der  eingebornen  Arbeiter  eine  große  Zahl  von  Verordnungen 
ergangen.  Ks  mögen  liier  luu-  zwei  Heispiele  genannt  werden :  die  \'cr<>r(l- 
nung,  betreffend  das  \>rbot  der  Anwerbiuig  von  Arl)eitern  zum  Zwecke  der 
Ausfuhr  derselben  aus  Dcutsch-Ostai'rika  naeli  iVemden  (Jehieten  vom  22.  8. 
1896',  ebenfalls  für  Deutsch-Ostafrjka  die  Verordnung  vom  27.12.  1896^. 
Sie  dienen  einmal  dem  Seluitz  des  einzelnen  Arbeiters  gegen  Ausbeutung 
dureh  gewissenlose  Arbeitgeber,  dann  aber  auch  den  Interessen  des  Sehutz- 
gebiets  im  allgemeinen,  indem  sie  die  Ausfidu-  von  Arbeitern  verhüten 
sollen'.  Denn  dadurch  werden  den  Schutzgebieten  die  notwendigen 
Arbeitskräfte  entzogen,  die  womöglich  von  auswärts  erst  wieder  mit  großen 
Kosten  eingeführt  werden  müssen.  Vor  allem  aber  besteht  für  die  Arbeiter 
die  Gefahr,  daß  sie,  einmal  außerhalb  des  Schutzgebiets  und  der  Kontrolle 
und  dem  Schutz  der  Regierung  entzogen,  leicht  in  Sklaverei  verbracht 
werden  können. 

Schluß. 
Rückblick. 

§  26. 

Wie  ein  jedes  Ding  seine  zwei  Seiten  hat,  so  auch  die  Bekämpfung 
und  die  Abschaffmig  der  Sklaverei.  Man  denkt  hierbei  besonders  an  die 
Araber  in  Dentsch-Ostafrika,  deren  Existenz  als  Sklavenhändler  allerdings  — 
von  unserm  Standpunkt  aus  —  mit  Recht  vernichtet  wurde,  falls  sie  sich 
nicht,  wie  Tippu-Tipp*  in  Zanzibai-,  rechtzeitig  vom  Geschäft  zurückzogen. 
Nicht  beabsichtigt  dagegen  war  der  Niedergang  der  großen  blühenden 
Nelkenplantagen  an  der  Ostküste  und  auf  Zanzibar,  die  ausschließlich  mit 
Sklaven  bewirtschaftet  wurden.  Mit  dem  Aufhören  des  frischen  Zuzugs 
und  der  Unterbindung  des  Sklavenhandels  wurden  ihnen  die  Arbeitskräfte 
entzogen,  und  die  vorher  reichen  Araber  mußten  verarmen,  da  sie  freie 
Arbeiter  nicht  zu  halten  vermochten.  Eine  beredte  Sprache  reden  die 
ehemals  so  prächtigen,  jetzt  zerfallenen  und  zerschossenen  Araberhänser 
und  -paläste  auf  Zanzibar. 

Gewiß  war  es  Menschen-  und  Christenpflicht,  dem  Menschenhandel 
mit  all  seinen  Ausw  üchsen  Einhalt  zu  gebieten,  aber  ob  es  recht  und  biUig 
ist,  die  meist  sehr  milde  Sklaverei  als  solche  in  Afrika  aufzuheben,  soll 
dahinsrestellt    bleiben.      So    mancher    »alte  Afrikaner«   ist    damit   gar  nicht 


1  Riebow  U,  S.  214. 

2  Riebow  n,  S.  318. 

3  Vgl.  Afrika  1906,  S.  49 ff. 
*  Vgl.  Piro  de,  Tippu-Tipp. 


r?S  Wehe:  Rechtliche  Rcstiiiiiiiungen  über  die  Sklaverei  in  Deutsch-Afrika. 

einverstanden,  weil  der  Neger,  anlehnungsbedürftig  wie  er  ist,  vorläufig  noch 
fiir  eine  geraume  Zeit  unbedingt  einer  straffen  Führung  bedürfe  und  keines- 
wegs schon  jetzt  für  die  Freiheit  reif  sei.  Das  beste  Beispiel  dafür  ist, 
daß  Stämme  unter  energischen,  wenn  auch  nach  afrikanischer  Manier  un- 
glaublich grausamen  Herrschern  —  man  denke  an  die  Sultane  in  Ruanda 
und  an  Quawa,  den  großen  Häuptling  der  Walielie  —  sieh  am  günstigsten 
entwickelt  haben '. 

Jedenfalls  ist  das  Knde  der  Sklaverei  für  Kamerun  und  Togo  in 
spätestens  zwei  INIenschenaltern,  für  Deutsch-OstalVika  in  etwas  längerer 
Zeit  mit  Sicherheit  zu  erwarten*,  falls  nicht  eine  die  Sklaverei  überhaupt 
aufhebende  Verordnung  die  Frist  ei-heblich  ;i])kürzt.    — 

Wenn  dann  die  freie  Arbeit  ganz  an  die  Stelle  der  Sklavenarbeit 
getreten  sein  wird  und  allmählich  dei-  Gedanke  der  Wertschätzung  der 
Arbeit  auch  die  afrikanischen  Völker  durchdi-ungen  hat,  dann  wird  — 
freilich  nach  einer  geraumen  Spanne  Zeit  —  für  den  dunkeln  Ei-dteil 
vielleicht  eine  ganz  neue  E])oclie  der  Kultur  von  ungeahnter  Entwicklung 
anbrechen,  die  auf  der  Basis  einer  kapitalistischen  Wirtschaft  möglicher- 
weise auch  die  schwarze  Rasse  in  ei-folgreichen  Wettbewerb  mit  der  weißen 
und  gelben  treten  lassen  wird. 


1  Über  die  Arbeitsfähigkeit  der  Neger  vergleiche:  Peters  S.  402;  über  die 
Wasuaheli,  Wasagara,  Waniamwesi,  Wasukuma,  Wakonde,  Bakoni:  Busse,  Afrika 
1900,  S.  61;  über  die  Wadschagga  und  die  Bewohner  des  Konde-  und  des  Schirehoch- 
laiides,  außer  vielen  andern  Berichten:  Bericht  des  Gouverneurs  \on  Deutsch-Ost- 
afrika,  DKBl.  1893,  S.  566;  von  Kamenm:  DKBl.  1892,  S.  fjUlK,  Afrika  1901. 
S.  49  ff. 

2  Reimer  vS.  51  ff.  — 


We(5e:  Rechtliche  Bestimmungen  über  die  Sklaverei  in  Deutsch-Afrika.  3*) 


Literaturverzeichnis. 


Afrika  =  Afrika,   Monatsschrift   des   evangelischen  Afrikavereins,   Bich^fold 

und  Leipzig  1889  ff. 
Afrikapost    —   Afrikapost,    Zeitschrift    für    deutsche    Interessen    in    AiVika, 

Hamburg. 
AMissZ.  =  Allgemeine  Missionszeitschrift,  Gütersloh    1874. 
Archiv  =  Archiv  für  öffentliches  Recht,  Laband,  vStörck,  Fi-eiburg  i.  B.  1886. 
Ausland  =;  Ausland,  Das,  Wochenschrift  füi-  Länder-  und  Völkerkunde. 
Banturecht    =    Banturecht,    Kohler    in    der   Zeitscln-ift   für   vergleichende 

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Baumann    —    Bauniann,    Dr.    Oskar,     Durch    Massailand    zur    Nihiuelle, 

Berlin  1894. 
Brode  =  Brode,  Max,  Tippu-Tipp,    Lebensbild  eines  zentralafrikanischen 

Despoten  nach  seinen  eignen  Angaben,  Bei'lin   1905. 
Bohner   =   Bohner,  Missionar,  in    »Afrika«    1900,  S.  4ff. 
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BGB.  =.  Bürgerliches  Gesetzbuch  vom  18.  8.  1896. 
DGBl.  =   Deutsche  Geographische  Blätter,  Bremen. 
DKZ.   =  Deutsche  Kolonialzeitung,  Berlin. 
DKBl.   =^  Deutsches  Kolonialblatt,  Kolonialabteilung  des  Auswärtigen  Amts, 

Berlin  1890  ff. 
Documents  =  Documents  relatifs   a  la  repression  de  la  traite  des  esclaves 

publies    en  execution    des  articles  81   et  suivants   de  I'Acte  General  de 

Bruxelles,  Brüssel  1892  ff. 
E.  =  Entscheidungen  des  Reichsgerichts  in  Strafsachen. 
Eberstein  ^=  Eber  st  ein,  v.,  in  den  Mitteilungen  von  Forschungsreisenden 

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Fülleborn  -=  Fülleborn,  Dr.   Friedrich,    Deutsch-Ostafrika,    das  deutsche 

Nyassa-  und  Rovumagebiet,  Berlin  1906. 
Gareis    =    Gar  eis,    Karl,    Der   Sklavenhandel,    das  Völkerrecht    tmd    das 

deutsche  Recht,  Berlin,  Karl  Habel,   1894. 
GA.   =   Generalakte    der   Brüsseler  Antisklavereikonferenz   vom  2.  2.  1890. 
Gerstmeyer  ^  Gerstmeyer,  Johannes,  Das  Schutzgebietsgesetz  nebst  der 

Verordnung,  betreffend  die  Rechtsverhältnisse  in  den  Schutzgebieten,  und 

dem  Gesetz  über   die  Konsulargerichtsbarkeit,    in  Anwendung   auf  die 

Schutzgebiete,   sowie  Ausführungsbestinunungen    und   ergänzende  Vor- 
schriften, erläutert,  Berlin   1910,  Guttentag. 
Globus    =    Globus,    Illustrierte   Zeitschrift  für   Länder-   und    Völkerkunde, 

Bi'aunschwei"-  1862  ff. 


}((  Whc.k:    IxiMlitlicIif  Ik'.stiimiMiiigi'ii  iiln-r  die  Skla\fiei  in  DiMilM-li-AlVilvii. 

Coli    will  CS    :      (idtt  will  t'S,  Zt'itsclirirt  (Ifs  AfiikaviTciiis  tlcutsrlK-i'  Knllio- 
likcii,  Miiiu'lien-Gladbach. 

(i('»l/«'ii   --   Götzen,  Ciral"  V.,  Durcli  Afrika  vcm  ( >st  iiarli  West,  lici-lin  ISfM). 

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Jung  =  Jung,  Albert,  Die  Besti'afung  des  Sklavenraulis  und  Sklaven- 
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Otto  Garassow,  1910. 

KGG.   =  Konsulargerichtsbarkeitsgesetz  vom  7.  4.  1900. 

Klose  =^   Klose,  Heinrich,  Togo  unter  deutscher  Flagge,  Berlin  1899. 

LaufTer  =   Lauffer,  Missionar,  in   »Afrika«    1901.  S.  lo2fr. 

Leue  =  Leue,  in  der  Zeitschrift  für  Kolonialpolitik,  Kolonialrecht  inid 
Kolonialwirtschaft,  Bd.  1900/01,  S.  606  und  620  ff. 

Lentner  =  Lentner,  Dr.  Fi'iedrich,  Der  schwarze  Kodex,  der  afrikanische 
Sklavenhandel  und  die  Brüsseler  Generalakte,  Innsbruck  1891. 

Martens  =  Martens,  F'riedrich  v.,  Völkerrecht  Bd.  II,   Berlin  1885. 

Mitteil.  =  Mittellungen  von  Forschungsreisenden  und  Gelehrten  aus  den 
deutschen  Schutzgebieten,  Danckelmann,  Dr.  Freiherr  v.,  Berlin. 

Negerrecht  =  Kohler,  in  der  Zeitschrift  für  vergleichende  Rechtswissen- 
schaft, Bd.  16,  S.  214f. 

Xiese  =  Niese,  in  der  Zeitschrift  für  vergleichende  Rechtswissenschaft, 
Bd.  16,  S.  241f. 

Nigniann  =  Nigmann,  E.,  Die  Wahehc,  Berlin  1908. 

Peters  =  Peters,  Dr.  Carl,  Das  deutschostafrikanischc  Schutzgebiet, 
München-Leipzig  1895. 

Post  =  Post,  Dr.  Hermann,  Afrikanische  Jurisprudenz,  Oldenburg-Leipzig 
1887. 

R.   =   Rechtsprechung  des  Reichsgerichts  in  Strafsachen. 

RGBl.  =  Reichsgesetzblatt. 

Reichard   --   Reichard,  Paul,  Deutsch-Ostafrika,  Leipzig. 

Reimer  ;=  Reimer,  Heft  3  der  kolonialrechtlichen  Abliandluiigcn,  Die  Frei- 
zügigkeit in  den  deutschen  Schutzgebieten,  Münster  i.  W.,  Franz  (\»ppen- 
rath,   1911. 

RStGB.  =  Reichsstrafgesetzbucli   noiu   15,  5.  1871. 

Richter  =   Richter,  im   Deutschen    Kolonialblatt   19i>7.  S.  674ff. 

Riebow  =  Riebow.  dann  Zimmermann,  jetzt  Köbncr  mid  Gerstmeyei-, 
Die  deutsche  Kolonialgesctzgebung,  Berlin,  Mittler  &  Sohn,  Bd.  1 — Xlll, 
1890—1911. 

Scherling  =  Scherling,  Dr.  E,,  strafrechtliche  Abhandlungen  Bd.  8:  Die 
Bekämpfung  von  Sklavenraub  und  Sklavenhandel  seit  Anfang  dieses 
Jahrhunderts,  Breslau,  Schlettersche  Buchhandhmg,   1897. 


VV^kck:    K('clillicli("  l}('.stimimiiii,nMi  iilicr  die  Skliucrci  in  I  )imiI>cIi- AlVikii.  \  1 

ScliCUi.   —   Schutzgcl)ietsgesi'tz  vom    10.  1).  lilOO. 

Seeger  =  Seegcr,    Missionar,  in  dei-    Deutsclion   Koloni.il-Zcilmig,    ln\.  5, 

1892,  8.  54ft' 
vSklHü.   =  Sklavcnraiihgcsetz  vom  28.  S.  1895. 
Spietli   =   Spieth,  Missionar,   Die  Kwcstäriinie,   Hcilin  190(1. 
Steinmetz   ^:=   Steinmetz,    Dr.  S.  R.,    Reelitsverliältnisse    von    eingeborucn 

Völkern  in   Afrika   und  Ozeanien,  Berlin,  Jnlins  S[)ringer,    1903. 
Stnlilmann  =  Stnlilninnn,  Dr.  Franz,  Deutsch-Ostafrika:  Mit  Kmin  raselia 

ins  Herz  Afrikas,   Berlin  1894. 
Veiten  =  Veiten,  Dr.  ('.,  Sitten  und  Gehi'äuelie  der  Siialieli,  Göttiiigen  1903. 
Volkens   =:   Volkens,    Prof.  Dr.  Georg,    Der    Kiiimandsoliaro,    Btulin  1897. 
Wißmann   =   Wißniann,    H.  v.,    Meine    zweite    Durcluiuerung  Ä(|uatorial- 

afrikas,  Frankfurt  a.  0.  1890. 
ZfKKK.   =  Zeitsehril't    für    Kolonialpolitik,     Kolonialreclit     und     Koloriial- 

wirtschaft,  Deutsche  Kolonialgesellschaft,  Berlin,  Wilhelm  Süßeroth. 
ZfvRw.   =;  Zeitschrift   für   vergleichende    Rechtswissenschaft,    Kohler   u.  a., 

Stuttgart. 
Zintgraff  =   Zintgraff,  Eugen,  Nordkamerun,  Berlin  1895. 


rj 


Die  Bajasprache. 

Einrühruiig  in   die  Grammatik   und  systematisches 
W  örterverzeicl  i  n  is. 

Von  Oberleutnant  Naumann. 


Vorwort. 

Uie  Bajasprache  ist  nicht  so  verbreitet  wie  die  Jaunde-  und  Fulhesprache, 
wird  sich  jedoch  mehr  und  mehr  über  ihre  jetzige  Sprachgrenze  ausdehnen, 
da  sie  die  einzige  Verkehrssprache  in  ihrem  Bezirk  ist,  in  dem  das  Neger- 
englisch noch  keinen  Einzug  gefunden  hat  und  auch  nicht  mehr  finden  wird. 

Die  Baja  selber  bewohnen  ein  Gebiet,  das  im  Süden  ungefähr  bis 
zum  4.  Breitengrad,  im  Westen  bis  Bertua,  im  Norden  bis  Jade  luid  im 
Osten  bis  an  die  französische  Grenze  reicht.  Ihre  Sprache  wird  von  den 
südlich  wohnenden  Kakas  und  teilweise  von  den  zwischen  ihnen  wohnen- 
den Jangere,  Kaja  und  Bum  verstanden.  Bis  Ngaundere,  wo  sich  viele 
Bajas,  ehemalige  Sklaven,  befinden  sollen,  kann  sich  der  Baja  mit  seiner 
Sprache  verständigen. 

Infolge  ihrer  Ausdehnung  besitzt  die  Sprache  verschiedene  Dialekte, 
von  denen  die  von  Bertua,  Buar  und  der  Gegend  süd-  und  nordöstlich 
Bossum  die  unterschiedlichsten  sind. 

Der  Arbeit  ist  der  Dialekt  von  Buar  zugrunde  gelegt. 

Bei  der  Kürze  der  mir  zur  Verfügung  gestandenen  Zeit  und  tmter 
dem  Umstände,  daß  ich  während  der  Bearbeitung  des  TIhmujis  nur  vorüber- 
gehend im  Bajasprachgebiet  war,  war  es  mir  nicht  möglich,  einen  tieferen 
Einblick  in  die  Sj)i'ache  zu  bekommen,  weshalb  ich  mich  auf  die  einfach- 
sten grammatikalischen  Formen  beschränken  muß. 

Die  Schreibweise  ist  möglichst  der  der  deutschen  Sprache  angepaßt. 
In  einzelnen  Phallen  ist  für  dieselben  Wörter  eine  verschiedene  Schreib- 
weise gewählt  worden,  um  dadurch  die  Verschiedenheit  der  Aussprache 
wiederzugeben.  Die  Zahl  der  Zeichen  habe  ich  möglichst  beschränkt,  und 
zwar  auf  folgende : 

bezeichnet  die  Betonung  einer  Silbe, 
e   wie  im  Französischen, 
ö  wie  in   "Motte«, 

'""  bezeichnet  die  Verschmelzung  zweier  Vokale  zu  einem  Laut 
und  mit  nachfolgendem  n  einen  Nasallaut. 


Naumann:  Die  Bajasprache. 


43 


I.  Teil. 
Einführung  in  die  Grammatik. 

1.  Das  Zahlwort. 

Die  Zahlen  unterscheiden  sich  von  denen  der  meisten  Sprachen  dadurcii, 
daß  sie  nnr  bis  5  reichen,  nnd  darüber  zusammengesetzt  sind.  Jedocli  hat 
die  Zahl  10  einen  besonderen  Ausdruck:  buJto  {kuml  im  Suaheli  und  goma 
im  Haussa).  Für  »eins«  und  »zwei«  finden  wir  zwei  Bezeichnungen,  von 
denen  die  eine  je  nach  der  Gegend  die  geläufigere  ist,  die  andere  aber  auch 
verstanden  wird.  Ordnungszahlen  kennt  der  Baja  niclit.  Die  Stellung  der 
Zahlen  ist  hinter  dem  zugehörigen  Hauptwort,  z.  B. : 
7ne  ha  gorra  itu  tene  ha  m' 
Du  gib  Hühner  2    für    mich 


2.  Das  Hauptwort. 

Dieses  l)esitzt  weder  einen  Artikel  noch  Prä-  oder  Suffixe;  es  ist  un- 
veränderlich, wie  auch  sein  Eigenschaftswort  unverändert  bleibt.  Demnach 
scheint  eine  Klasseneinteilung  nicht  vorhanden  zu  sein.  Die  Geschlechter 
unterscheidet  die  Sprache  nur  bei  den  lebenden  Wesen,  z.  B. : 

vn  Mann  buko 

hewiwi  Junge  hehvko 

walador  Ziegenbock  nakodor  die  ent- 

wala  ssami  Schafbock  nako  ssami     I    sprechenden 

gatta  gorra  Hahn  nana  gorra  weiblichen 

loi  hingtä  Elenantilope  nako  hingtä  Wesen. 

kaladi  foro  Elefant  nana  foro 

katta  han  kl.  Zwergantilope        nako  hau        ) 

In  der  DekUnation  gleicht  der  Akkusativ  dem  Nominativ;  der  Genitiv 
wird  durch  das  Wort  ko  (zu  eigen),  ider  Dativ  durch  lia  (zu)  atisgedrückt, 
z.B.: 

tua  ko        jonga 

Haus  gehörend  Pferd  =  Pferdestall 
me    ha  takata    ha        mhui 
Du  gib  Buch  zum  Europäer 


3.  Das  Zeitwort. 

Bei  der  Anwendung  desselben  unterscheidet  der  Baja  für  gewöhnlich 
keine  Zeiten,  so  daß  er  Vergangenheit,  Gegenwart  und  Zukunft  gleich  aus- 
drückt, d.  h.  durch   das  persönliche  Fürwort  verbunden  mit  dem  Zeitwort. 


-14  Nm'mvnn:   Ulf   B.iiasfjrailic. 

Soll   die  Zrit  aiisu,rtliiickt  wcrtlon,   so  •^escliiolit  dies  diircli  dir  HiH's/citw  i'>rtoi' 
duiKj   -=   sich  l^efindcn,  tä   ^=   kommen,  oder  diiicli   Advcihicii,  /..  H.: 
711/  ih(n(f  j">'!f        ssntli 

icli   licfiiidc   iiiicli   cssoiid    Klcisrli 
mi         tu  bä  ndai 

ich    komme  sclilnclilcn   Kind 
in  hui  a       mherrn  nc         Ima 

der  Enropiicr  er  scldu^'  iliii  es  ist   IViilier 
Außer  ilcn  beiden  ehengenaniiten  Ilill'szeitu  örtern  i;ilit  es  noeli  uv  sein, 
n  sein,  sieh   befinden   nsw.,  z.  R.: 

ini  nc  (jassa   iri  ieli   hin    i^roR 
mi  a  hän  ieli   l)in   hier 

l'ür  das  Wort  »liaben«  j^iht  es  keine  direkte  Ubersctzin)^;;  der  Fiaja 
ersetzt  es  durch  das  Zeitwort  -/w  nelimen«  oder  dnreli  das  besitzair^ei;;ende 
Fürwort,  z.  15.:  ,^^;     i,^      f,^,f.,,  n,, 

ich   hal>e  2  \Veiber 
tun  konun  nc  rloko 
ich   Iiabe  viele  Häuser 
Die  \'enieiium,ii   wird  dui'ch  )ia  gebildet,  z.  B. : 
mi  sc/wk  hui  na 
ich  habe  den  pAH'opäer  nicht  gesehen 
Im    Kragesatz   wird    nur   der  Ton,    nicht   die  Wortstelhmg   verändert. 
In    der  Befehlsform    wird    das  j)ersönliehe  Fürwort  vor   das  Zeitwort 
gesetzt,  lallt  Jedoch  im  S])rachgcbranch  oft  weg.  z.  B. : 
me  tä!  komm! 

änä  tä!  konnntl 

ha  pa  tcnc  harn!    gib  mir  das  Messer  1 

4.  Das  Fürwort, 
a.   Das  {lei'sö  nl  icli  c   Fürwort  lautet: 

mi      ich  ä       wir 

me     du  änä  ihr 

ö,  o  er,  sie,  es  wa    sie 

l)a.sseli)e   wild   nicht   verändert,  doch  läßt  die  erste  Person  naeii  einem  \'okal 

das  /  fallen   und  erscheint  als  angehängtes  m.  z.  I>. : 

mc  ha  wtiara  tene  ha  w'  gib  mir  die  Schaufel 
ji  m'  mein  Auge 

1).  Das  besitzanzeigende  Fürwort  erscheint  schon  in  der  r)ekli- 
nati(m  als  Genitivpräposition.     Es  lautet: 

komm     mein  kä        unser 

komme  dein  känä  euer 

koa        sein  koa     ihr 


Naumann:  Die  Hajaspraclic.  45 

c.  Das  hezügliclie  Fürwort  wird  (liii'cli  das  iiersiuiliclit'  Fürwort 
ersetzt. 

(1    Das  hinweisende  Fürwort  -"'  und  /////'  sind  glciclilit'deuteiid,  z.  IJ. : 

kf)  e  dca  dany         \ 

j  ,    ,        ,  i     «lies   Mädclicii    ist  sehr   schTm 

A'o  nyf  dca  dany    ) 

e.   Die   Fragewörter  sind: 

iDidc  wer 

ye.  was 

r/«,   delind i  wo,   woiiin 

Sie  werden  an  das  Satzende  gestellt. 

Bei  (je ....  qe  \         .  . 

,  ,     ,      r    welcher 

lind  ^^  ...  .  y ahnde    ) 

kommt  das  zweite  Wuit  an  das  Satzende,  z.  B.: 

je  ne  je  fco  undefi  wessen  Dorf  ist  dies!' 

ge  njongmo  ye  ne  nie    \      was  für  \'^erpllegung 
ha  teile  liani'  yülmde'i    )    hast  du  mir  gehi-achtl' 

Für  das  Fragewort  "Wann-  kennt  der  Baja  keinen  Ausdruck.  Fr  fragt: 
Wo  stellt  die  Sonne,  an  welchem  Tage  usw.,  z.  B. : 

ho  tu  Jco  Buala  wissä  a  delindi'i 
wann   erreiclien   wir  Buala  ;* 

Für   »warum«    wird  die  Zusammensetzung  win  yelnide   "Welcher  (iriiiid"   ge- 
hraiicht. 

5.  Das  Eigenschaftswort. 

Die  Zahl  der  Eigenschaftswörter  ist  gering;  sie  werden  zum  Teil 
durch  Hauptwörter  ersetzt,  z.B.: 

mboi  a  er  ici  ne  daka 
in  der  Hand  des  Mannes  ist  viel  Geld  (der  Mann   ist  reich) 

la  düng  schohog 
in  dem  Kleid  befindet  sich  Wasser  (das  Kleid  ist  feucht) 

hängnio  a.sene  sossö  ne  doka 
es  gilit  heute  viel  Hitze  (es  ist  heute  sehr  heiß) 

Die  Steigerung  wird  durch  yan  oder  jjin  =  übertreffen,  oder  durch 
zwei  vergleichende  Sätze  ausgedrückt.  Bei  Kigenschaftswörteru  kommt  auch 
eine  Steigerung  vor,  die  der  der  deutschen  Sprache  entsiiricht. 

6.   Präpositionen,  Konjunktionen  und  adverbiale  Bestimmungen 
siehe  Wörterbuch. 


46 


Naumann:    Die  Hajasprache. 


IL  Teil. 


Systematisches  Wörterverzeichnis. 


1  pot/0(it\  itdaiiy 

2  ttu.  bua 

3  tar 

4  nar 

5  moro 

6  tnorA'o  sänge  ndany 

7  morko  sauge  litu 

8  morko  sänge  tar 

9  morJco  sänge  nar 
10  huko 


1.  Zahlwörter. 

1 1  buko  sänge  ndung 

12  buko  sauge  lihi 

13  buko  sänge  tar 

20  buitu 

21  buitu  sauge  nda)ig 
30  butar 
40  bunar 

100  gomtna 
1000  sangnia  buko,  alib 


Wasser  /i,  // 

Fluß  «ana  / 

Bach  besir 

Berg  Ä'O;« 

Ebene  gotto^  bödönu 

wassei'lose  Fläche  barra 

Stein  ta 

Feuer  wi 

Eisen  hui 


Mann  wi,  wiwi 
Weib  buko,  ko 
Vater  da 
Tochter  hembukn 
Sohn  bewiici 
FamiHe  du,  suduy 
Stamm  yassa  du 
Haus  tua 
Dorf  Jß 


2.  Hauptwörter. 

Elemente    und    Naturerscheinungen. 
Kupfer  kunga 
Salz  tong 
Erde  nu 
Blitz  gurru  a  pi 
Donner  gurru  nbang 
Regen  gurru 
Stern  sorra 
Mond  jange  ssä 
Sonne  wissä,  ssö 

h.  F  a  m  i  1  i  e. 

Häuptling  sauru,  tnianje 
Mutter  ua 
Kind  bcm 

^  älterer  bakka,dschon)mu-ikom 


Schaufel  untara 
Haumesser  adda 
Messer  pa 


Bruder 


\  jüngerer  fija?n 
I  ältere  dakom 


Schwester  \  ...  77. 

(Jüngere  bukojam 

mein   Groß\ater  kokomm 

meine  Gn ißniiitter  jakomm 


c.    Geräte    und   Waffen. 


Axt  püi 

Topf  pana 

Pfeife  gundu,  pana  ndagga 


Naumann:    Die  Bajasprache. 


47 


Ivorb  gässä 
Netz  jog 
Speer  ssä 
Schild  nge 
Pfeil  go 
Bogen  hussa 
K()cher  htkünduli 
Wiirfmcsser  hesa 
Pfcilgift  minni 
Kalabasse  hira 
Holzstampfgefäß  dug 


Ledertasche  ngithu 
Matte  ndere 
Bett  jara^  gada 
Schnur,  Strick  hapärr 
kl.  Trommel  hiön 
Tanztroiniiiel  gata 
Feuerholz  gua 
Feuerzeug  dawi,  savra 
Feuer])latz  fara  ivi,  iccgara 
Asche  iiibug 


Elefant  foro 
Elenantilope  hing  tä 
Affe  daicua 
Flußpferd  nguhu 
Krokodil  ngando 
Schlange  gög 
Ratte  ndüe 
Frosch  scliue 
Büffel  jere 
Rind  ndai 
Pferd  janga 
Huhn  gorra 
Hund  toe 


d.    Tiere. 

Leopard  go 

Löwe  dila 

Fisch  dschoro 

Seekuh:*  diläi 

Vogel  ndi 

Honigbiene  sigorro 

Honig  gorro 

kl.  Graslandl)iene  (schwarz)  sifoto 

Eidechse  hadda 

Warzenschwein  mbarra 

Schnecke  koe 

Termite  ssemme  (hussi) 

Termitenhügel  hussi 


e.    Speisen. 


Essen  njöngmo 

Kassawa,  Maniok  gidda 

Mehl  (FufTi)  fu 

Mais  fun 

Durrakorn,  Hirse  hefun 

Sesam  ssundu 

Süßkartoffel,  Batate  donkali 


Fleisch  ssadi 

Tabak  daga 

Erdnuß  hatamuno^  sanu 

Kürbis  ssa 

Bohne  uar 

Suppe  hu 

Wein  dö 


Baum,  Holz  tä 

Fikus  tüi 

Gras  (fiu-  Pferd)  sso\  hukan 

Gras  (zum  Hausdecken)  lioffä 

Blume  duti 

Blatt  vma 

Bambus  jala 

Raphia  hoko,  häi 


Pflanzen. 

Fächer])alme  ko 
Dattelpalme  (wilde)  ndenge 
Baumwolle  tahim 
Kapokbaum  gere 
Rizinusstaude  ssinga 
dichter  einheitlicher  Bauml)estand 
z.  B.  ti-kaffa^  ti-gere 


ti, 


IS 


Kopf  SU 
Hand  irr 
Bein  hl 
l"uß  na  Ulf  a 
Fing^T  liiyetü  irr 
Knttclu'U  h(i 
Herz  jiiina 
Haut  iiilura  tcin 
liliit   /w/ 


Naumann  :    Die  liiija-spraclie. 

g.    K  ö  !•  p  e  !•  t  c  i  1  e. 

i  Auge  ji 
Ohr  aehr 
Nase  sofom 
Mund  iiu 
Zunge  liiiihe 
Zalin  71  in 
Haar  livniiiinljii 
Rücken   ihnu/iini 


li.     K  i-an  k  he  i  teil. 
Lepra  licdainjnc  \  ich  liahe  mich   erkäUet   ////  kadda  yiii 

icli  habe   Fieher  temm  njimnjim  \  er  ist  tot  a  fiao 

ein  Specrhatmicli verletzt  «ÄÖff/j^Ä-A-fl/«'    er  ist  scJihifkrank  sä  7ia.mlea 
ich    liabe    eine  Wunde    am    Fuß    7«?  |  Anfall  (mit  Fluchtersch.)  .Ä/nv 
daja  ha  nanya  \  Anfall   (mit    Krämiilen)   da  adea 


ich  liehe  7«?  nyit'ija 
gehe  ini  nä 
komme  ml  tu 
laulV-   ////  nia'i 
llüchte   nii  jii 
sehe  mi  .sc/iok 
höre  mi  scliia 
rieche  mi  schia  hi-rnm 
spreche  ////  to 
singe  mi  hiynia 
rufe  mi  sfsa 
lache  ////  mai/ia 
suche  }ni  ki 
fange  mi  day 
esse  mi  njony 
stehle  mi  schnnio 
lege,  stelle,   wei-fe  mi  jji 


Zeitwörter. 

ich  breche  77ii  yon.  hiny 
«     haue  mi  her 
«     töte  mi  hü 

setze  mich  nii   dnny 
»     fliege  mi  abu'i 
>•     nehme  mi  ha 
»      gehe    mi   ha 

drehe   um   mi  hiß 

will    mi  nl'o 
»     binde  mi  härä 

zeige   mi  usc/ii 

schließe  die  Türe    mi  yhi   nu   tiia 

öffne  die  Türe  ////  hiiTi  nit  tiia 

fürchte  mi  deki 
>•      weine  mi  liünkomi 
»      zähle  //"   /o/7v 


4.  Fürwort. 


icii    will   dich   tüten   mi  nyaija  hä  mc  wo  ist  dein  Kind/   hcni  komme  a  di'ndl f 

du  willst  mich  töten  me  itynija  hü  m'  wer  ist  totl'  menr  o  fea  nndci 

ich  töte   ihn   mi  hü  a  hier    stelle    mein    Zelt    auf,    dort   das 

warum   willst  du   uns   töten    mi    tä  hä  an<lere;'     munyhui     tua     komm     hün 

ü  win   (fcndel  nninyhiil   tua   ko   hia   hui  a  liän 

ich  töte  euch  alle   mi  tu  hü    ünuü  fäi  dieser    'J'opf    ist    gut,    Jener    ist    zer- 

ich   töte  sie  (pl.)   ////  hü  ua  !       bi'tichen  pana  ä  nf  didi.  ü  ne  hua 

was    willst   du!'    mr  nynija   ne  yi'hndef  ]<:}\)    mir  rjiicn  iindcrn    nu-  liam  hia  liam 


Naumann:    Die  Hajasprache. 


49 


5.  Eigenschaftswort. 


guter  INInim  w/'  nge  a  dcinino  didi 

schlechter  Mann  wi  nyc  a  demmo  dinna 

großes  Haus  </assa  ti/q 

kleines  Haus  f>e  ti/a,  ti(j(/lti  tno 

langer  Stock  ijussa  tä 

kurzer  Stock  dö  tä 

dicker  Stock  njrma  tä 

(h'inner   Stock   hcijcdäija  tu 

«las  Holz  ist  weich  tä  nc  mnyya 

das  Eisen  ist  liart  bvi  on  yade 

das  Messei"  ist  scliarf  pa  ^'  toddo 

das  Messer  ist  stumpf  j^c  nyc  to)ina 

das  Haus  ist  rund   tua  ne  kiryitia 

das  Haus  ist  eckig  tua  nc  biu 

viel  doka 

wenig  tigyidi.,  döka  na 

starker  Mann  ya  ici 

schwacher  Mann  pns.sa  ic>\  wi  nya'ina 

das  Weih    ist    hillig    mhoi   dimy   buko 

ne  dokna 
du  l)ist  schnuitzig  nsiiiy  a  temnic  dany 
ich   hin   saui)er  tcni   ///   dca  dany 
das  Tuch  ist  feucht  la  dimy  schobba 
das  Tuch  ist  trocken   la  kota  dany 
derJuniie  ist  dunini  t>cin  dschumrne  huna 


der  .Iiinge   ist  veri'ückt  bein  bclcnybcli 
der  Junge  ist  schlau  bcm  daclma  a.scne 

dany  • 
heißes  Wasser  wä  i 
das  Wasser  ist  kalt  /  änä  yä  I 
rot,  gell)  bäa 

weiß,  hellfarhig  bua  (Kin-o[)äci'  bui) 
schwarz,   dunkcliarhig   (grün,   hlau, 

hraun)  tua 
Doka   ist  stai'k  Doka  yaiyai 
Hammadu  ist  stärker  H.  yai  yan  Doka 
Salague  ist  am  stärksten  S.  yan  fät 
das  Pferd  läuft  schneller  als  der  Ksel 

janya  mai  yan  {pin)  tüfu 
der  Löwe   ist   stärker   als    der   Hund 

dila  nyanya  pin  (od.  yan)  toc 
der  ^Veg   nach  B.   ist    länger  als  der 

nach   A.  juar  je  ko  B.  njca  juar  je 

ko  Ä.  njp  na 
Wintschi    ist  grüßer   als  Gassum    \V. 

ne  ku.ssa  ici  G.  ne  dö  ici 
dies  ist  groß  (klein)  ä  nc  ycdäyc 
dies  ist  gr(")ßer  ä  nc  bcyassa 
dies   ist  am   größten   iuici  nc  yassa 


6.  Präposition,  Konjunktion  und  adverbiale  Bestimmungen, 
der   Stein    liegt    am    Baum    ta    r/ym^e  j  B.  liegt  hinter  dem  Berge  //.  o  ??«••  (///«y 

ka  tä  kaja 

der    Stein    liegt    auf    dem    Baum     ta 

diinye  .su  tä 
der    Stein    liegt    dicht    am     Baum    ta    ich  werfe  das  Geld   in  <len  Kotter  mi 

dunyc  häde  ka  tä  pi  liar  ku  kuba 


B.   liegt  vor  dem  Berge   H.  o  nc  ti  kaja 
na 


der    Stein    liegt    vor    dem    Baum    ta 

dunyc  nc  ti  tina 
der  Stein    liegt   hinter    dem  Baum    ta 

dunye  nc  u-ar  mbor 
B,    liegt    am    Uam    B.    duny    akasany 

Uam 
B.    liegt    diesseits    des    Uam    B.  o   ne 

kitr    l  am  pitäna 
B.    liegt  jenseits    des   Uam  B.  nc  kur 

Uam 


das  Geld  liegt  im  Koffer  liar  a  dunyc 

saiiy  kuba 
das  Geld  liegt  auf  dem   Kolfci-  liar  a 

dunye  su  kuba 
der  Platz  ist  zum  Sitzen  fära  nc  fara 

duny  nu 
eine  Hecke  füln-t  um  das  (Haus)  Dorf 

biiramo  a  sany  je 
ich  gehe  um  das   Haus    nü  .sikka  tua 
der  Stein   fiel    zur   Krde   ta  tä  ka  nu 


3Iilt.  d.  Sem.  r.  ürieut.  Sprachen.   1915.  III.  Al<t. 


50 


Naumann:  Die  Bajasprache. 


ifli  wiM-lV  (Itn  Stein   in  die  Höhe  (zur  !  iinisonst  yw«* 

KihK')    ////  jii  ta  st'/it/o/i/t    (a/  inhoddo    einzeln  danydaiu/ 

tili)  flas  Messer  lie^t  mitiM-  dem   Hiu-Ii   pa 

ich  werfe  den  Speer    iil>er  d;i.s   Hans:      ditfif/  da  tdicata 

Uli  pi  ssä  jak  sehn  ttia  \  die  Soldaten  haben  die  Gefangenen  in 

durchlK)hre  den  Banm!  me  doi  tn  h<)l\  die  Farm  geführt  soldjer  (senegalä, 
ich    folge    dem  Uam    stromauf   ////  ha        turkn)  bn  tcandschohbo  si  nu  fo 

Vom  siiKjonn  setze  dicli  hierhin  his  ich  wiederkomme 

ich    folge    dem    Uam    stromab    ////    ha        me   dumj   ha  hün  ha  m  pi  düng  .v.vö 


Uam  schi  dö 
er  lacht  über  nichts  a  tnama  yere 
ich  spreche  lant  mi  to  win  tantany 
ich  spreche  leise  mi  fu  win  fui 
ich  gehe  vorsichtig  ml  iiä  monn  mann 
er  ist  vorn  a  ti 
er  ist  hinten  a  diiny 
er  ist  in  der  Glitte  a  sany,  a  hinschia 
er  ist  hier  a  hän 
es  ist   (hell,   dunkel)   dämmerig  sosso. 

modf/idim 
es  ist  hell   im   Haus    ki/    tua  u-ony  mo 
es  ist  dunkel  im  Haus  .so/ty  tua  ditum 
es   ist  hell  draußen   i.san   devcuonye 
ich  lüge  niemals  .«.so  fät  mi  din  dela  na 
immer  ssö  fät 
sehr  daity 

genug,  fertig  kadda 
nicht  genug  kaddina 
vielleicht  ma  fara 
j  a   ün 
ja  bestinuut  an  hinyo  ne  bette 

7.  Gebräuchliche 
Häuptling,  in  welchen  Hütten  schläfst 

dul*  iLitanje,  tva  me  onu  a  de'{ 
l)ringe    viel  Verpflegung!    ha  njonymo 

doka  tenel 
gib  mir  Wasser  zum  Trinken !  me  ba 

li  ham  no! 
schicke  Leute,   die    Feuerholz    holen  1 

me  duny  ya  komme  ica  ne  ki  yua  tenel 
konuu  schnell   lierl  metä  ahail 
gib   mir  einen    Fülnei'   nach   Liar!   r«e 

ba  wi  ndaiiy  a  iischi  wiiar  ham ! 
ich  schicke  ihn  mit  einem  Soldaten  zu- 

r  ii  ( •  k  m  i  detiim  wi  nye  in  .soldjer  .schidung 


wenn  du  gut  arbeitest,  gebe  ich  dir 
zu  essen  ka  me  dettim  ne  dea  mi  ha 
jonymo  hamme 

und  ne 

oder  o 

mit  /// 

zu  ha 

wenn  ka 

weil   icin 

auch   mho 

nachher  nednny 

jetzt  kinne-kinne 

sofort  ahei 

heute  sosso 

morgen  mossa,  mohar 

gestern  membumhue 

bald  digha 

früher  ne  baa 

schnell  bellebelle^  ahai 

langsam  kön 

weit  njea 


Redewendungen. 

ich  habe  Hunger  uo  bäny  wina 
geh   (dich)   waschen!  me  näjnli! 
wasche  den  Topf!  menä  fol pana  ha  li 
zünde  Feuer  an!  me  ji  ici! 
wie  heißt  du?  nin  me  ne  unde? 
wie  heißt  dein  Dorf!*  nin  je  komme  ne 

undef 
wie  heißt  dein   Häiiplling;'    nin  icanje 

komme  liäyedc  ( 
wieviel    Frauen    liast    du;'    ko   komme 

y  ahnde? 
aus   welchem    Ort    sind    die  Weiber? 

nin  je  ko  koe  ne  gähnde't 


Naumann  :  Die  Bajaspraehe. 


51 


wieviel  Kinder   hast    du!'    hcm  komme 

gehnde  ? 
sprich  hmtei'I  //wto  loin  ne  dea! 
setze  dich  I  ine  düng  nu ! 
stehe  auf!  l'ur  cn  gont 
niaclie   deinen   ^lund    auf!    mv    Im    nii 

me! 
woher   hast   du  den  Armring?   megha 

kana  er  me  delmdii 
ich   heiße   tiannoy   nin   am   ne  Jannoy 
mein  Weib  ist  weggelaufen  öwA'o  kom 

a  ju  scJii 


folge    mii-   zum    Europäer!    inetä   änä 

schi  te  bvi! 
sind    viel    Leute    in   der  Ilühlil'   Baja 

ha  ko  di  ne  doka/ 
sage  ihnen,  siesollen  konnnen  I   meto 

wi  ne  nde  ica  tä  fäti 
geh  aus  dem  Haus!  me  ho  kn  tiia! 
der  Weg  nach  X  ist  weMjuar  .fchi  ko 

X  njenje 
der  Weg  ist  ?,c\in\n{7A\i^  juar  jossä  assene 
der  Weg    ist   sauber  jiuir   dea  gonna 

jossä  hussene  na 
2  meiner  Kinder  sind  gestorben   ^>e?«  !  der  Weg  ist  krumm  jiTar  ne  goadang 


komm  itu  fea 
halt!  mejnr! 

laufe  nicht  weg!  me  ju  na! 
habe  keine  Angst!  me  deki  na! 
es  gibt  keinen  Krieg  hurni  huna 
lege  den  Speer  hin!  me  a  ssä  nid 
lege  die  Pfeile  hin!    me  ha  go  pi  nu! 


der  Weg  ist  gerade  jutir  ne  tana  dang 
der  Weg  ist  breit  jiiar  ne  pa.ssä 
der  Weg   ist   steil  Jwar  o  ssä  singonn 
der  W^eg   ist   schattig  giori  juar  dang 
der  Weg  ist  mit  Gras  l)ewachsen  scho 

ha  düng  jnar 
die   Wasserübergänge    sind     schleciit 

fara  ku'i  danga  dang 


gib  mir  den  Bogen!   me  harn  kussa  go! 
komme  aus  der  Höhle!  me  ho  a  sang  \  es  gibt  kein  Palaver  win  huna 
dt!  fertig  kadda 


4* 


52 


Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 


Von  E.  Funke. 

Missionar. 


Vorbemerkung. 

J_/er  ununterbroclu'ii  und  in  alhnälilich  steigendem  Maße  sieh  hin  und  her 
bewegende  Strom  von  Wandei-händlern  aus  den  llaussaüindern  zwisehen 
Niger  \nu\  Tschadsee  treibt  naturgemäß  auch  allerlei  andere  \'olkselemente, 
gleichsam  wie  Geröll,  mit  sich  —  sogar  bis  an  seine  äußei-sten  Enden,  die 
Kiistengebiete  Oberguineas.  Diesem  ITnistande  ist  es  zu  danken,  wenn  an 
der  Küste  Westal'rikas  mehr  oder  weniger  ausführliche  Aufnahmen  von 
.Sprachen  gemacht  werden  können,  deren  Gebiet  weit  im  Jnnern  .\frikas 
gelegen  ist.  So  gelanges  mir  anlangs  1912  in  Lonu^  (Togo)  zeitweilig  eines 
der  Ilaussaspraelie  mächtigen  Maimes  aus  der  Stadt  Busa  am  Niger  für 
sprachliche  Zwecke  habhaft  zu  werden.  Dieser  ( )i-t  hat  bekanntlicii  diu'ch 
den  Afrikaforscher  Mungo  Park,  der  dort  I8(lb  in  den  Stromschnellen  des 
Nigers  ertrank,  eine  historische  Bedeutung  erlangt. 

Mein  Gewährsmann  nannte  seine  Muttersprache  ebenfalls  Busa,  war 
aber  leider*  lu'cht  imstande,  übei-  iiu-  \'erbreitungsgebiet  etwas  Bestinuutes 
anzugeben.  Die  Orte,  in  denen  nach  seiner  Angabe  auch  nocli  di(^  Busa- 
spracJM»  gesprochen  wird,  liegen  sämtlich  auf  dei"  i'echten  .Seite  des  Nigers 
aid'  englischem  Gebiet  in  dem  auf  den  Karten  mit  Boi-gii  bezeichneten 
Komplex.  Boi'gu,  das  vielleicht  früher  eine  afrikanisch-politische  Kiidieit 
dargestellt  iiat,  ist  jetzt  durch  die  engliscii-iranzösische  Grenze  geteilt.  Ks 
reicht  vom  Niger  i)is  etwas  über  die  Nordostgrenze  von  Togo  und  vom 
11.  bis  ungefähi"  zum  9.  Grad  nördlicher  Breite.  Noch  >veiu'ger  als  politisch 
scheint  Borgu  (richtiger  Barba)  in  spra(;hlicher  Hinsicht  den  Vorzug  der 
Kinlieitlichkeit  zu  besitzen.  Nach  den  wenigen  und  kleinen  .Sprachproben 
von  Koelle,  Christaller  und  mir  haben  Barba  und  N;itjaba  (Borgu  in  Xord- 
togo ')  sehr  wenig  (ieuuMuschaft  mit  dei"  Spi-ache  von  Busa"-.  Es  nmß  daher 
einstweilen  unentschieden  bleiben,  ob  Busa  ein  i'^orgiidiali-kt  (»der  eine 
Sprache  fiir  sich   ist. 


'  Stadt  luul  Landscliaft  in  der  Nordostecke  Togos,  deren  Sprache  aber  ein 
Gniniadialckt  ist. 

-  Auf  einigen  Karten  .steht  Bn.sang,  Bnssang.  Da  dieser  kon.sonantische  Aus- 
laut dem  Busa  nicht  fremd  ist  (7.  B.  i  ka  neben  /'  kuh  Wasser  schöpfen),  .so  ent- 
staiiMUt  die  Ausspiaciie  Busang  wahrscheinlich  der  gleiciien  (Quelle  wie    .Bu.sä". 


Funkk:    Die  Spraclie  von  l'>usa  am  Niger. 


53 


VVfiHiükMCli  inloige  der  plötzlichen  Abreise  meines  Gewährsmanns 
die  Aul'zeielinnngen  leider  friihcr  als  wünschenswert  ab^ebroehen  w(>rden 
mnßten,  so  läßt  doch  das  vorliegende  Material  Uaii  nnd  Charakter  der 
Sj)rache  nnzweideutig  erkennen.  Sie  trägt  alle  charakteristischen 
Merkmale  einer  echten  Sudansprache,  Einsilbigkeit  der  Wortstännne, 
musikalischen  Silbenton  usw.,  mindestens  ebenso  deutlich  an  sich,  wie  das 
Ewe  in  Togo.  Ich  wage  zu  behaupten,  daß  es  auf  dem  ganzen  weiten 
Wege  vom  Ewesprachgebiet  bis  nach  Rusa  am  Niger  keine  Sprache  gibt, 
die  dem  Ewe  in  diesem  Punkte  näher  stände  als  Busa.  Somit  ist  nicht 
luir  an  der  Küste,  sondern  auch  tief"  im  Innern  das  Vorhandensein  <-inci- 
reinen  Sudansprache  festgestellt. 


Abriß  der  Grammatik. 
Die  Laute. 

Bei  der  Bezeichnung  der  Laute  —  sowie  der  T<"ine  —  ist  in  der 
nachfolgenden  grammatikalischen  Skizze  die  Orthographietabelle  in  Wester- 
manns  «Sudansprachen«  mitbenutzt  woi'den.  Nur  in  einigen  Fällen  mußte 
von  dei'selben  abgewichen   werden. 


1.    Konsonanten. 


Expl 
stimmlos 

osive 
stimmhaft 

Frikative 
stimmlos    stimmliitft 

Halb- 
vokale 

Nasale 

\'elare    

k 

9 

h 

/•  <j  n 

Velarpalatale  .  . 

ky 

Palatale    

tsy 

idj) 

s 

y 

mj 

Zerebrale 

4 

r 

l 

Alveolare  

t 

d 

s 

z 

n 

\"elarlabiale   .... 

kp 

9f> 

Dentilabiale   .... 

/ 

V 

Bilabiale 

P 

b 

f 

V 

tc 

j)  m 

r3ie  Aussprache   der   Konsonanten  ist  folgende: 

k,  g  werden  vor  e,  e  (seltener  o)  palatisiert  und  klingen  dann  wie  ky 
{kj)  bzw.  gy  (gj,  dj). 

h  liegt  ungefähr  in  der  Mitte  zwischen  dem  deutschen  h  und  ch,  ist 
denniach  velar. 

^  i^P)^  y^  P  s""^  ^^'«  entspreciienden  Laute  k,  g,  ]),  aber  ziendich 
kräftig  nasaliert.  Sie  werden  förmlich  dm-ch  die  Nase  gestoßen.  Der  nach- 
folgende ^"okal  wird  ebenfalls  nasal  gesprochen. 

s  ähnlich  dem  deutschen  seh,  wechselt  mit  .s  in  dem  gleichen  Worte 
(z   B.  hkansire  neben  hizansire),  wenigstens  vor  /. 


54  Funkk:    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 

(/  ist  ein  mit  der  Zungenspitze  leicht  angeschlagenes  d.  Im  Anlaut 
und  in  der  \'erl>indimg  mit  einem  anderen  Konsonanten  ist  es  von  d  nicht 
zu   unterscheiden. 

n,  wie  ny  in  klingen,  konnnt,  außer  in  wenigen  Fällen  als  kaum  hör- 
barer Auslaut  (z.  B.  7  kan  Wasser  schöpfen),  nur  in  Konsonantenverbin- 
dungcn   —  nir,  7ih,  nkp  —  vor. 

r  und  /  sind  llieBiMid,  d.  Ii.  r  klingt  in  \ieieii  Füllen  \vi<'  /  und  um- 
gekehrt. 

c  ist  wie  deutsches  s  in  Sonntag. 

«,  m  wie  im  Deutschen. 

/  wird  ziemlich  oberhalb  der  Zahnreihe  angeschlagen,  infolgedessen 
es  leicht  flu-  d  gehört  werden  kann. 

kp,  gb  werden  weit  weniger  explosiv  ausgesprochen  als  im  Ewe. 

/■,  r,  b  wie  im  Deutschen. 

p  schwach  aspiriert. 

/,  V  sind  wie  y  bzw.  w  mit  beiden  Lipj)en  ges])rochen  (s.  w  und  ti' 
im  Ewe). 

K  o  n  s  o  n  a  n  t  e  n  V  e  r  b  i  n  d  u  n  g  e  n. 
bl,  fU  ybL  vi. 

Einige  Konsonanten  und  alle  Halbvokale  können  sich  mit  Nasalen 
verbinden : 

mi,  mgh.,  mp, 

nb,  nd,  ngb,  ns,  nt,  nk  (nA-),  nkp^  nw,  ny  (=  n  -f  y). 

2.    Vokale. 

a  wie  in  bald, 

e  wie  das  süddeutsche  e  in  Ehre,  Seele  ', 

e  ist  eng  wie  in  fehle, 

e  zwischen  e  und  ?', 

i  wie  in  Ritt, 

p  wie  0  im  engl.  God, 

o  wie  in  rot, 

u  ist  ein  weites  «  bzw.  enges  o, 

u  wie  u  in  Hut. 

Sämtliche  Vokale  können  nasal  vorkonunen.  Ein  nasal  ausgesprochener 
Vokal  wird  durch  "  gekennzeichnet.  Die  Nasalierung  ist  im  Busä  sehr 
häufig,  doch  scheint  sie  in  manchen  Wöi-tern  nicht  konstant  zu  sein,  da 
dieselben  in  der  einen  Verbindung  mit  und  in  einer  andern  ohne  nasalen 
Vokal  ausgesprochen  werden.  Daß  dies  von  konsonantischen  Einflüssen 
abhängt  und  nach  bestimmten  Lautgesetzen  erfolgt,  kann  einstweilen  nui- 
vermutet  werden. 

Die  Vokale  können  lang  oder  kurz  sein.  Lange  Vokale  werden 
mit   ~    (ö)  bezeichnet,   ausgesprochen    kurze,    nahezu   stunnne,   diu'ch     '    (ä). 

'    Jedoch  kurz. 


.   i  Grußformeln 
VI    ) 


Funke:    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger.  55 

L  a  u  t  V  e  r  ä  n  d  e  r  u  II  g  e  II 
sind  sehr  häufig,  und  zwar  am  meisten  infolge  Assimilation,  sowohl  regres- 
siver als  auch  progressiver.  Die  Konsonan tenangleichung  erstreckt 
sich  vorwiegend  auf  kleinere  Hilfsverben  bzw.  Partikeln,  z.  B.  /ü  nicht,  rä 
in  «rle  .  .  .  ra«  mehr  sein,  vi  haben,  ba  welcher  (Pron.  rel.).  Doch  kommen 
auch  andere  Beispiele  vor: 

b^  hi  statt  be  vi 

nuybe  bi  statt  nugbe  vi 

nsun  ge  bän  dö  (geh  nicht  in  den  Brunnen)  für lö 

a  Qndö  ro  (er  ist  nicht  klug)  für  o  ^ndb  In  ■ 

tnd  den  Id  (ich  übertreffe  dich)  für  md  den  rä 

kokpä  (Beischlaf)  für  gokpa 

fü  liQ  viie  6!  (Gruß)  statt  fg  kü  vite  o 
Bei    der   Vokalangleichung    handelt   es   sich    hauptsächlich    lun  o 
bzw.  u,  das  unter  dem  Einflüsse  von  a  und  e  zu  o  wird: 

wolakd  statt  loolakd  wir  sind  fertig 

wo  te  kpa  statt  wo  te  kpa  wir  zündeten  Feuer  an 

ma  no  se  statt  ma  nu  se  ich  heirate 

nö  kpäle  Jungfrau  statt  7iu  kpale 
und  um  e,  das  unter  gleichen  Umständen  zu  e  wird: 

gbe  pä  statt  gbe  pä  Armer 

one^  gbdne  statt  one^  gbäne  Finger,  Zehe 

tögbdna-eze  statt eze  Arznei,  die  den  Geschlechtstrieb  reizt. 

In    einigen    Fällen    entstehen    durch    Wechsel    von    verwandten 
Lauten,  besonders  Konsonanten,  neue  Wcirtcr  von  verwandter  Bedeutung: 

busu^  unten,  musu  oben 

hö  herausgehen,  mö  kommen 

fide  {fite)  aufstehen,  vide  {vite)  sitzen,  wüte  sich  hinlegen 

sira  weiß,  tera  rot 

oro  kleiner  Wassertopf,  lö  großer  Wassertojjf 

tdna  Fetisch,  tila  Amulett 

gbd  gib  (Imp.  Sing.),  kpd  geben 

kü  und  ku  greifen 

de  Vater,  dd  Mutter. 

Der  Ton. 
Die  Sprache  von  Busä  hat  den  sog.  musikalischen  Silben  ton  in 
deutlich  erkennbarer  Weise  und  in  wahrscheinlich  ebenso  weitem  Umfange 
wie  jede  andere  echte  Westsudansprache,  wenn  auch  der  gesammelte  Wort- 


'    hu  bedeutet  allem  Anschein  nach  Erde,  Land,  siehe: 
hura  Feldarbeit,  huradc  Landrnann 
hü  ha  auf  dem  Felde  arbeiten 
husire  Regenzeit 
8u  ist  wahrscheinlich  eine  Art  Postposition  oder  Lokalsubstantiv. 


n(i  1-'unkk:    Die  Sprache  von  Biisa  am  Ni;;cr. 

v(»i  T.il    iMK'li   iii«'li(    liinrcirlit,    iiiii    eiiir   tirüßcic   Aii/;ilil   licis|iiil<'  '  (liiliii-  an- 
/iinilirrii. 

Die  ll.-mpltünr  sind  niwh  hier:  ä  =  liocli,  a'  ---  niillcl  iiiul  ä  ~-  lirf 
l>ez«'iflinft  1111(1  die  dazu  isclicii  licf^cMuleii  Doppeltöno:  ä  ==:  hurliticf,  n  n= 
tiffliocli.  Vawv  iiiilit  Ix'zcifliiick'  Silho  am  Aiifanu,  ist  tief  und  jode  andere 
nielit  mit  Tonzeielien  versehene  indifl'ercnt,  d.  \\.  (\v(Miiiis(ens  an  dem 
Platze)  weth'r  ausgesprochen  hocli  noch  tiel". 


Die  Wortarten. 
I.  Das  Substantiv. 

Dir  UK-isten  Sid)staiili\('  sind  —  (h'c  Zusaiium  iisctzuiiiicn  \\\n\  Fn'ind- 
würtei"  altjicrechnet  —  einsilhig-,  und  zwar  hcstchcn  sie  diu-chwc^  aus 
Konsonant    inid   \'okal: 

It  Bauin  kpe  Kücken 

so   I'ierd  mo  Mond 

sä  .Scliafbock  te  Feuer 

mi  Kopf  tn  Penis 

hp  Haus,   llcinial  hü  IJauinwolIc   (usw.). 

Es    jL^iht   sogar    einige  Sul)slantive,    die    ihm-   aus    cineui   lani;rn   \  iikal 

bestehen  : 

T  Wasser,  E  Janis.  ö  Hand. 

Verschiedene  Sid)stantive  sind  mit  einem  vokalischen  Anhuil  verseilen: 

ifä  Peitsche  oli  Aluße 
ese  Getreide 

m^  Maus  uta   Kleid 

fire  Hanuner  nra  Schatten 

asö  Last  iiwä  Knochen 

aru  Klut  iiwe  Affe 

are  .Stirn  ?/.<ff  Salz  (usw.). 

Dieser  anlautende  \'okal  ist  in  den  nieist(Mi  Källen  niehi*  als  ein  bloßes 
I'rälix;  er  gehcirt  viclnieln-  zum  Stannn,  so  daß  derartige  .Sul)stantive  zu 
den   zweisilbigen   zu  zählen  sind. 

Abgeleitete  Substantive, 
a)   mittels  fJe  \'ater,   Besitzer,    Herr. 
nsüile  Lastträger  von  asn  Last. 
mde  Pferdebesitzer,  Reiter  von  so   Plcid 
hUrade  Landbesitzer,  Bauer  von  hura   Fehl 


*    ifä  Peitsche,  iß't  .Sonne 
katä  Schirm,  käta  Nabel 
nge!  gehl  tif/e!  herein! 
gü  Stock,  gö  Schiff,  gü  Fufuniörser 


Funkk:    Die  Sprache  \oii   IJiisa  am  Nigei'.  57 

oynde  Goldhesitzci-,   Kciclicr  von  (jf/n  Geld 

mnrüfade  Flintcuhesitzer,  .Jä,<;ei'  von   mnrnfa   Fliiit.^ 

djeförocle  Unbescliniltcncr  von  dje/arq  nnlto-schnitlcncr   l'cnis. 

Ii)   mittels  rr  (/('). 

lliei'lior  gehöroi\   voi'zu;j;s\veise   die   Nnmiiia   at^cnlis: 

mihnU  Kasierer  von  mi  ho  i'asifM-en   (das   IlaMptliaai'  scheren) 

ipapaU  Fischer  von  T  papa  fischen 

dakale  Kriegei* 

pönabire  Schneider  von  pn  nahi  niiiicn 

bätälfj  Weber  von  tä  wehen 

liälr  Zinnnermann  von  li   Holz 

liman-seriaMre  oberster  Richter  von  serin  ke  richten; 
leiiier  die  Träger  einer  Eigenschaft: 

hchekaU  Stnnniier  von  beheka  stnnnn  sein 

djfiJt;  (nnd  djere.)  Kranker  von  dja  krank  sein 

dikire  liansherr,  Herr 

hizansTre  der  Bnsamann  {biza?isi  nach   Haiissamanier :  biznntfii  ^ 
bisanisch  gebildet,  also  wörtl.  der  bisaische  ^lensch). 

c)  mittels  na  kann  man  sowohl  den  Eigentihner  eines  Gegenstandes, 
den  Besitzer  einer  Eigenschaft,  einer  Fnnktion  usw.  als  auch  die  Angehörig- 
keit zu  einem  Volke  bezeichnen : 

nohq-pi'ira-na   "Fleisch-weißes-Besitzender«    =    Einhorn 

v/'na  Blinder 

pözind  Hebannne  von  pö  Leibesfrucht  und  :i(.^) 

zikina  Krieger  von  zi  kd  kriegen 

Sirund  Araber 

ma-dah(jna  mein  Bruder 

ma-thid  meine   Freundin 

arfänd^   Priester  von  nrfa  Mohanunedaner(';') 

limaiid  (Oberpriester),   Richter  (von  Haussa  Umäm   ( )ber[)riester) 

kefena  Jüngling,  Bräutigam 
Ob  hierher  auch  Bezeichnungen  für  leblose  Dinge,  wie: 

tdna  Fetisch  sikbiid  Fieber 

korqnd  Stiefel  anzinä  Lalle  (rote  Schminke)  usw. 

zu    rechnen    sind,    ist    infolge   der    nocli  nicht  bekannten   Etynicdogie  dieser 
Wörter  fraglich. 

d)  mittels  bä  (Mann,  Mensch   (:'),  das  vorangestellt  wird: 

hä-tokö  alter  Mann,   Greis  {tnkn  husten) 
bä-tali  Weber  {tä  weben) 
barsono  (neben  sanu)  Europäer 
Andere  Beispiele  dieser  Gruppe  sind  nicht  vorhanden. 


1    Fremdwort;  aliifä,  alfd  heißt   in  Lome  jeder  Mohammedaner  aus  Dahome. 


58  Funkk:    Die  Sj)raclic  von  Busa  am  Niger. 

e)  mittels  dd  (ol)  gleichhedtMitcnd  mit  da  Mntt«'r,  ist  nicht  j^anz  sicher), 
im   Siimc  von  groß,  obere,  höhei-f: 

soadd  Äleer  von  sna  Bacii.   Khiß  {xua) 
ghada  Oberschenkel  von  gba   Mein,   Fuß 
feneda  Schwert  von  fme  Messer 
*  ]>Q.di  Unterleil)  von  pö  Banch.    Leil)eslrucht. 

(~)b  hierlier  auch  bd-da  und  sovnda  ( \v<'ihli(  lies  Kamel)  gehören,  ist  nicht 
sehr  ualn-scheinlich  (s.  Gentis). 

Anmerkung.  Die  Busasprache  hat  dif  rendenz.  den  dynamischen 
Ton  bei  Einzehiennung  von  Nomina  aiii'  die  h-t/te  Silbe  b/.w.  den  Schluß- 
vokal 7.U  legen.  Infolgedessen  figiu'ieren  bei  den  Gruppierungen  die  meisten 
Wörter  mit  langem  und  hochtonigem  \'okaI  am  Ende.  Ich  nehme  an,  daß 
dies  von  einem  verlorengegangenen  Artikel  herrührt,  habe  aber  noch  keine 
bestimmten  Anhaltspunkte  dafür  gefunden. 

f)  mittels  ne  Kind,  .lunges  —  zur  Bezeichnung  der  Abhängigkeit, 
des  Ursprungs,  des  genetischen  Zusammenhangs  usw.: 

nne  Finger  von  ö  Hand 

gbänp  Zehe  von  ybä  Fuß 

Jinne  Küchlein  von  ko  Huhn 

g()7ie  Fufustüßer  von  gö  Fufumörser 

line  Frucht  von  IT  Bauin 

g)  mittels  Vokalanfügung: 

Uta  Kleid,   tÜ.  geflochtener  Teller  von  tä  weben,  flechten 

aya  Ei  von  ga  Eier  legen 

ge  {=^  gae)  Leiche  von  gä  sterben 
Weitere  Beispiele  fehlen  in  dem  vorhandenen  Wortvorrat, 
h)  mittels  ganzer  Sätze: 

apo-te-kfi  er  Bauch  Feuer  legt  =  Zorn 

öni-mh-tn  man    Kopf  (==   Haar)   kämmt   :=   Haarfrisur) 

aiip-yo-mi  er  Mutterbrust  trinkt  =   Säugling 

awö-wilo  er  Scham  hat  nicht  =  Schamloser 

gu-ke-pura  Dunkelheit  macht    weiß  =  Blitz - 

Ebenso  eine  Reihe  weiterer  Zusammensetzungen,  namentlich  um  Ge- 
fühlsbewegnngen  und  abstrakte \'orgäiige  zu  bezeichnen,  S.Wörterverzeichnis. 

i)  mittels  der  Gen  iisbezcichnungen  : 
bei  Personen:  gngbr  niänidielier  Mensch,  nuglP  weiblicher  Mensch 
bei  Tieren:  sä  Männliehes,  dd  >rutter,   Weibliches 

ne-guglie   Knabe 
ne-iiugb?  Mädchen 
zo-nvglil  Sklavin 
sanu-gügbe  Europäermann 
ble-sd  Ziegenbock;  ble  Ziege 


Funke:    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger.  59 

kfi-sa  Hahn;  ko   Huhn 

zu-da  \{l\i\\ 

:u-sä  Ochse;  smö-da  weibliches  Kamel 

k)  mittels  htli^  $//,  entsprechend  dem  dentscheii   tum,  keit  usw.: 

kpätabüi  Königtum  von  kpäta 
zobli  Sklaventum,  Sklaverei  von  zo  Sklave 
poboli  Art,  Geschlecht  von  po  Leihesfrucht 

popäbili  Gesetzlosigkeit,   außereheliche  Schwangerschaft  von  po 
pä  schwanger  sein. 

Anmerkung:  Außerdem  geschieht  die  Geschlechtsunterscheidvmg 
noch  durch  verschiedene  Wörter,  die  zum  Teil  auch  Zusammensetzungen 
sind,  deren  Ktymologie  aber  noch  nicht  überall  festgestellt  werden  konnte. 

kefena  Jüngling;  nö  (=  no^  nu  Weih)  kpäle  Jungfrau 

md-gbe  mein  Mensch  =^  Freund 

md-tena  meine     ;'  =   Freundin 

md-de  (mein)  Vater;  md-da  (meine)  Mutter 

md-dahma  jüngerer  Bruder;  md-vmi  Jüngere  Schwester 

Numerus. 

Zur  Unterscheidung  der  Mehrzahl  von  der  Einzahl  bedient  sich  die 
Sprache  von  Busa  des  Pronomens  dnb  (dno),  abgekürzt  nb,  das  dem  singu- 
larischen Substantiv  angehängt  wird: 

ße  Hase  ße  ano  Hasen 

ne  Kind  ne  ^no  Kinder,  Familie 

nyi  Nase  nyi  ^no  Nasen 

nibö  Fremder  nibb  ^nn  Fremde 

Folgt  dem  Substantiv  ein  Adjektiv  oder  Pronomen  als  Attribut,  so 
tritt  das  Plural])räfix  zurück;  das  Attribut  kommt  also  zwischen  Substantiv 
und  Präfix  zu  stehen,  falls  es  nicht  ganz  weggelassen  wird.  Nur  ^a/e  und 
ddsi  (viel)  stehen  hinter  dem  Pluralpräfix,  weil  sie  als  Adverbien  gelten, 
öfters  fällt  hier  die  Pluralbezeichnung  auch  ganz  weg: 

gbe  pura  weißer  Mensch,  PL  ghe  pura  nq 

gbe  di  ein  Mensch,  ein  gewisser,  PI.  gbi  di  no  einige  Menschen, 

diese  iNIenschen 
xcä  liö  no  wir  selbst 
sä  anömpäli^  neben: 
sä  \io  päK,  neben :  sün  ^däsi,  neben : 
sä  päli  viele  Schafböcke 
be  ^no  pali  viele  Häuser 
si  ndäsi  viele  Erdnüsse 
seil  päli  viele  ölpalmen 
kefena  no  päli  viele  Jünglinge 
nugbe  rneküll  zehn  Frauen 


Oll  I'i.ske:    Dif  S|Haclic  von    Hiisa    itii   Niger. 

inn    (jlw    11(2    vi    at/ö    icli    Mciisclirii    li.'ilic    drei   (d.  Ii.    icli    hin   Aiv 

dritte) 
>/ia    i/Ih'    vi  tnchiili    ieli   ]\liiiseli    (Meiisclieii)    lialie   y.elin    (d.  li.    ich 

l»in  der  /cliiite) 
ijlw    HO    </(i    (läsi  Menschen    starlxii    \  iele   (d.h.   «s   slarhen    vieh' 

Menschen) 

Kn.sii.s. 

i.  Kine  fi  en  il  i  \' parlikel  t;il)t  es  im  liiisn  nicht.  Wi^ni^stens  läßt,  .sich 
ans  dem  \ orhandeiKMi  W'ortmaterial  keine  solche  nachweisen.  Das  Geni- 
tiv\  erhällnis  wird  einlach  (hnch  X'oianstclhniü;  des  im  Genitiv  stellenden 
Niiniens   an.sucdriickt. 

zu-setr  Kind    +  Husch   --   Kind   des   Husches,  d.  i.  IJüllel  ' 
mtmi-sete  (kurz  auch  sete)  Oberster  +  Husch  =r-.  Küni«;-  des  Husch- 
waldes,  d.  i.    Löwe  ' 
])ojjäötli-ne  außei'eheliclie  Schw  anj;('rschari  +   Kind,   d.  i.    inielie- 

liches   Ivind 
/>frrr-?m/)f2  Fluß])l'erd    -j-    Fleisch,   Fleisch  des   Fluß|tierdes 
andsara-a/hcd  Europäer    +    Gesicht,   (Jesicht  des   Knr(»j(ä(M's 
uble-bö  Essen    +    Schiissel,  d.  i.   Schiissel  zum   Essen 
/w/-.<tf/f' AVassertrinken  +  Kaiehasse,  d.  i.  Kah^hasse  zum  Wasser- 
trinken 

2.  Das  Da ti vverhältnis  wird  daduich  liergestellt,  daß  das  in  diesem 
Falle  stehende  Objekt  nach  dem  \'erl)  zu  stehen  konunt.  Mit  dem  Akku- 
sativobjekt kann  es  m'clit  verwechselt  werden,  weil  dieses  vor  dem  Prädi- 
kat stellt. 

yd  (oder  yin)  mal   kaufe   mirl 

nkpa  tcdl  gib  uns! 
Einige  weitere  Beispiele  l'i'n-  Hildunn  des    I)ati\s  sind: 

mi  bo  mc  nrl   Kopf  rasiere   mii'I,   i-asiere   nur  den    Koptl 

a  tilasida  me  ne  er  zwang  mich   (wörtl.  mii-) 

a  sdnra  ke  me  ne  er  Kat  gab  mir,  er  gal)  mir  einen    Hat 
Es   ist  aber  möglich,  daß  dieses  «me  nr  mir«  nur  eine  Nachahmung  des 
Haussa    ^>mani  bzw.  mini  mir«    ist. 

3.  Das  Akkusativobjekt  steht  in  allen  Modi  und  Tempora  (we- 
nigstens   soweit   bis  jetzt   ersichtlich    ist)    zwischen    Subjekt    und    Prädikat. 

antene  asn  kdkara  sie  sind   Last  sannnclnd 

a  gbano  vi  er  .Stärke  (Gesundheit)   hat,  d.h.   er  ist  wohl 

ma   yi   wa   üble    ich    liebe  INIehlbi-ei    (>ssen,    d.  h.    ich    esse    gei-n 

:Mehlbrei 
Sil  ma  ffbe  rö  du   sollst  mich   schlagen    nicht I   schlag  mich  nicht! 
7710!  /  to  icli  Wasser  schöpfte 
wone  bor^-nqbo  sü  wir  sin<l    Flnßpferdlleiscli  essend 


'  Im  diesen  l)eiden  Heispiclcn  steht  der  Genitiv  nach  dem  Nomen  regens!    D.W. 


Funke:    Die  Spraclie  von  Bnsa  am  Ni^er.  61 

mdne  ginta    tä   ich    l)iii   Matt(M)/;uin    llcchtciul,    ich   lU^.chte.  einen 

Mattenzaun 
/  nya    ho    döi/a?  du  Woi-t  dieses  kennst!',  d.  i.   kennst  du  diese 

Sache'.' 
ico)ie  go  he  wir  sind  Boot  i'udernd,  d.  h.  w'w  rudern   (his  Boot 
a  ne  i  sie  Kind  gel)ar,  sie  gehar  ein    Kind 

Kine   Ausnahme   von  dieser  Kegel  hiklet  yba  gih! 

ma  yba  jjorä  mir  gib  Nach'I,  gih  mir  eine  Nadel 

ma  gba  guya  nn'r  gib  Schöjjlgelaß,  gih  mir  ein   Sehöpfgefiiß 


II.    Das  Pronomen. 

1.   Personalpronomen. 

Sing.    1.  Pers.  ma 

2.  "     i   (in,   '«,    vor   einigen    Konsonanten  'w,  'vw,  ist  die 

Verstiimmelung  der  Präsensform  i/ie  (s.  Konjugation) 

3.  "     a 

Plur.    1 .     >■     (o),  wo  10(2 

2.  "     (o),  aya 

3.  "     «W>,  dnq  {aii) 
ade  ma*  ra  er  übertriftt  mich 
mä-ne  yäd(i  ich  lache 

mä  a  Äj'i/  ich  i'iet"  ihn   (mäii^ii) 

zira  i-ne  tai  morgen  gehst  du;'  ...willst  du  gehen!' 

iiiye  se  pefe  wa  du   hast  (ihn  oder  es)  getreten,  oder  betreten 

"ni  so  'niyäf  du  kaufst  ein   Picrdl' 

in  yd  y«.' du  ihn  binde!  d.h.  binde  ihn! 

nybdiia  vi  du  hast   Kraft,  bist  gesund 

mdde*  n  la  ich  übertreffe  dich 

nfo  pa  wa!  grüße  (ilm)I  {n/o  kpa  im) 

ateri  er  ist  kommend,  er  konnnt 

ade  wo  ra  er  übertrifft  »ms 

wo  kü  Jeu  lulahu  wird  sind  mit  Gott 

a  hu  be  er  ist  zu  Hause 

an  wendi  vi  er  hat  Leben,  er  lel)t 

wqne  fidl  he  wir  streiten 

wqne  ge  zl  he  wir  wollen  arbeiten,   .  .  .  gehen  an  die  Arlieit 

aya  do  ro?  ihr  wißt  nichtl'   wißt  ihr  nicht.' 

made  a  ra  ich  übertreffe  euch  (!') 

aya  gu  wd  ihr  saht  ihn  (oder  gud) 

antm  "ganddvm  he  sie  disputieren 

ane  ge  zl  he  sie  wollen  arbeiten 

antene  aso  kdhara  sie  sammeln   die   Lasten 

o«o'  SU  ybard  sie   kommen   heute 


<!"J  Funkk:    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 

l.sl   ilas  Siilijekt  t-ines  Sat/es  ein  Substantiv,  so  ist   kein  Koiijugatiuns- 
pi-oiionu'ii    erforderlich,    kann   aber    in   den  njeisten  Fällen  gesetzt  werden: 

mähe  di  ake  (/h*jtp  mein   Hans   ist  groß,  nel)en  : 

mabe  di  ke  gbrte  oder  rnabe  di  ke  ghete 

nitjli  atine  vt  Je  das  Mädchen  es  ist  melkend,  das  Mäddien  melkt 

kpi  aybana  das  Haus  es  ist  hoch 
Das  Possessivpronomen  wird  dem  Nomen  vorgesetzt,  oh  in  allen 
Fällen,  läßt  sicli  nicht  nachweisen,  da   nur  tiir  die   1.,  2.  und  3.  Pers.  Sing. 
Beispiele  vorliegen : 

via  dito  mein   Großvatei",   rnärt(2   nuine   Frau 

ma  so  mein  Pferd 

ntola?  dein  Name!'   =   wie  heißt  du!' 

nde  dein  Vater,  ame  sein   Körper 
Die  Verstärkung  des  Personalpronomens  gesciiirht  durch  hö,  Plur.  höno: 

ma-hö  ich 

wd-höno  wir  (imd  icä  hönndi  oder  icä  höiidi) 


hö 


2.   DeiuoDstratlvpronomen. 


7ie  hö{a)  der  Knabe,  eben  der  Knabe 

gb^  du  hö  eben  der  eine  Mensch 
di  —  dile  (dUi)  dieser  —  jener 

gu-di-wa  an  diesem  Ort  =  hier 

a-dile  Jener  (Ort)   =  dort;  ete  ku  dile,  der  Markt  ist  dort 
ra 

f'iwe  rd  Jahr  dieses  :=  dieses  Jahr 

td  rd  Augenblick  (!')  dieser  =  jetzt,  nun 
zi-ra  Tag  dieser  =^  heute  (m)gba-rd  heute 
Anmerkung,    rli   wird   auch    einfach    als    Verstärkungspai'tikel    zum 
Personalpronomen  gebraucht,  besonders  in  Negativsätzen : 
adi  .SU  ro  er  ist  nicht  gekommen 
adi  sü  ku  ro  er  ist  nocli  nicht  gekommen 
kera  ndi  fd  pd  ma  ro^  warum  hast  du  n)ich  nicht  gegrüßt!' 


ba 


3.    Relativpronomen. 


nwe  ha  s6  '  ro  .lahr,  welches  nicht  kam,  d.  i.  nächstes  Jahi- 
Weitere  Beispiele  liegen  in  den  Texten  nicht  vor. 

4.    Iiitcrroßfatlvpronomen. 

c?i?  wer,   welcher?  hö^  was,   welches!' 
dindi?  wer  ist  es!' 
dimvi?  wer  hat  es!' 
hfjndi?  was  ist  es!' 
ho  le  nie  miil?  wann  kommst  dut' 


'    Infolge  Assimilierung  aus  .w. 


Funke:   Die  Sprache  vom  Busa  am  Niger.  63 

ma7  wo?  wohin?  ma  nu^'i  woher? 
iti  ye  mal  du  ,u;ehst  wohin? 
mhö  mä  nip'i  du  kommst  woher? 

5.    Unbestimmtes  Pronomen. 

de,  ade.,  einer,   iruendeiner  (s.   Demonstrativpronomen 
ghede^  Pkir.  ghedeno  irgend  jemand 
nughi  de  eine   Frau  , 

III.   Das  Adjektiv. 

Die  Adjektiva  sind  entweder  verbalei-  oder  adverbialer  Natur.    Erstere 
sind  vielfacli  einsilbig  oder  redupliziert: 

zä  weit  (sein)  a  zä  es  ist  weit 

A-fl  satt        »  ma  kä  ich  bin  satt 

dd  i'ett        »  ndd  du  bist  fett 

kpä  »  •'  (a  me  kpä  sein  Leib  ist  fett) 

pä  arm       »  ghe  pä  Armer 

fefema^ev  » 

pipi  gar 

Die  adverbialen  Adjektiva  sind   zweisilbig: 

gbete^^  zogö  groß 
fiti,  bini  klein,  wenig 
tüli  gi'ün,  goldgelb 
gbäko  gelb 
riga  trocken,  dürr 
dumfüa  blau 
zinä  alt 

Verschiedene  Farbenadjektiva  haben  die  gleiche  Endsilbe  ra: 
tera  rot,  sira  schwarz,  pura  weiß. 

Die   adverbialen    Adjektiva    k(")nnen    mitunter   auch    verbal   gebraucht 
werden : 

a  ke  gbete  neben  a  gbete  es  ist  groß 
a  ke  fiti  «       a  fiti  es  ist  klein 

ne  fiti  kleines  Kind 
a  sira  er  ist  schwarz  gbe  sira  schwarzer  Mensch 

a  tera  er  ist  rot  nost  tera  rotes  Öl,  Palmöl. 

Das  Substantiv,  dem  ein  Adjektiv  als  Attribut  folgt,  wird  langsilbig, 
was  auf  eine  Kopula  hinzudeuten  scheint. 

Zum  Zwecke  der  Steigerung  wird  das  Adjektiv  verdoppelt: 

likd  schnell  likdlikd  sehr  schnell 

kanikani  nahe 

rigiriga  verdorrt. 


G4  Funkk:    Die  Sprache  \oii  l'iisa  am  Niiicr. 

Die  Sl  (•  igcrii  iig  i;csclii(lii  diircli  ein  zw  liiciliiji-s  \'crli  It/w.  eine 
\'<'rl»alk()ml»iiiatiüii  «de  .  .  .  ra»,  was  aiialni;(l(ii  \(i-\v;iti<l((ii  Spiarlini  .iilicr- 
ticfVi'ii-,    »ifi-rißcr  sein«   l)ed('nti'ii   wird: 

K'ä/io  opäli^   de  Lome  la    •Kaiio    ist    viel    ülKTlrilVi    Kninc".    d.  Ii. 

Kami   ist    viel   lirößci'  als   Lome 
ade  ma^  ni  er   ist   ^rüLv-r  als   ich 
/itiid&hi   Ui^   ich    ühciticfi'c  dich 
ade  uu  ra   er   ist    <;i't")ßcr  als    w  ir 
u(t  dr)i   la"   wir   iihcitrcnrii    dich 

IV.   Das  Zahlwort. 

1  vie-dd  (J  me-sudö 

2  •>  -fld  7  ••  -snfla 

3  »  -ahö  (S  »  -söru/iö 

4  •  -si/iö  9  •■  -kendo-kidi  {-kyendo-) 

5  "  -soro  ]  ( I  ■■  -kidi 

1  1    knra  ive  da  (vielleicht    aus  kuli  lizw".  ki'iri  und  aice  du) 
rj       -.       »  fld 
\'on   (1    alt    sind    die  Zahlen,     wie    leicht,    ersichtlich.    Konijiosita.    und 
zwar  von   (J  his  8  sulche  nn"t  soro  (kurz  sii): 

(5    =   5  +   1 

7  =  5  +  2 

8  r^  5  +  ;} 

und    vun    9    ah    scilche     mit     kidi    Jd.    und    zwai-    9   :^    1     \on    lH.       Vnw    11 
l.is    19:    1(1  +  1    usw. 

Von  20  al)  sind  die  Zahlen  teils  durch  Midtiplikatioii  (20.  4o,  CO, 
80,    100),   teils  dui-ch   Addition    (30,  50,  70,  90)   oehildet: 

20  me-hdro  (ans  bd  und  dö  =   20er  eins  odei-:   20  X  1) 

30     »  -bära-kidi  (aus  bdro  20    +    kidi  10) 

•!<»     «  -biiflä^  (aus  ba  und //a   —   20er  zw<'i   oiler  20x2) 

50    ..  -büfldkuU  (==  40  +  10) 

(iO     ..  -bälio  (=   20er  3  oder  20  X  3) 

70     «  'bdhäkuU  {—   CO  +  10) 

80     "  -basihh  {—   20er  vier  oder  20X4)    * 

90    ..  -baslhäküli  (r^r:  80  +  10) 
100     r, -bastn-o  (=   20er  5  oder  20X5) 
Die    Vorsillie    me   {e   hier    entstanden    aus  n)    wird    heihehailen.    auidi 
werui   ein   zu   zählender  Gei'cnstand   voi-tritt,  also: 

bizaiisiri  nie-dö  1  Mensch 

ne  fxti  nie-küU   10  kleine    Kinder 

nQkpäle  me-bdro  20  .Innu,rranen 


'    palt  a(l\.  viel;  liier  rückt  der  Tun  \or. 

-    Sieli('  Vükalangieiciiiuig  S.  .^)r). 

•'    bit  vvalirscheinlich  eiitslaiiden  aus  liii   luu!   no   (l'linal|niifix),  gekürzt  o. 


Funke  :    Die  Sprache  von   Busa  am  Niger.  65 

Doch  kommt  auch   Fortfall  dieses  Ai'fixes  vor,  z.  li.: 
we  flä  zwei  Augen 
ghe  ne  flä  zwei  Menschen 
Anmerkung,     ne  (auch  «a,  z.B.  nifiti  nä  mc  (In  ein   kleines  Kind) 
bedeutet   »Stück,  Anzahl«. 

Die  Ordinalia  werden  (ausgenonunen   1.   und  'l.\  mit  liilte  von   ȟ/ 
haben,  besitzen«   abgeleitet: 

der  1.  ghe  kä  ku  ndi 
»     2.     »      »    duyi  ndi 
«     3.     »     'no  vi  ahö 
..     4.     ••       »     »    sihb 

»     5.     •>       >•     »    soro  (ö  hier  entstanden  aus  oq^  s.  5) 
»     6.     »       '•     »    sudö 
»     7.     •'       »     »    süfla 
»     8.     »       "     »    sörähö 

»     9.     »       >•     "    hyendoküU  (oder  tsym  .  .  .) 
»  10.     »       •'     "    meküli 
Das  Pluralsuffix  'no  kann  auch  hier  wegfallen  (s.  Subst.). 

V.  Das  Verb. 
Die  weitaus   größte  Anzahl  der  Verba  ist   einsilbig,   so   vor   allem 
die  meisten  Intransitiva: 

ge  (dje)  reisen 

td  gehen 

SU,  mö  kommen 

bo   herausgehen 

gä  sterben 

do  weinen 

ku  vorhanden  sein  usw. 

ferner  viele  Transit! va: 

gbe  schlagen  nwe  öffnen 

do  kennen  (do)  ta  schließen 

de  töten  -«  senden 

ku  festhalten  vi  beerdigen 

sü  essen  ya-,  yia  kaufen 

se  tragen  rni  ti-inken 

yi  binden  pä  schöpfen 

gq  übrig  bleiben,  fehlen  sä  schlachten  usw. 

namentlich  auch  die  transitiven  \^erba,  die  je  nach  ihrem  Objekt  einen  be- 
sonderen Sinn  haben,  z.  B. : 

da 

ßtila  da  Lampe  anzünden 
gara  da  eine  Geschichte  erzählen 
gla  da  ein  Schutzdach  machen. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.   1915.   III.  Abt  5 


()()  Fi'nkk:    Die  Spraclie  von  Biisa  am  Niger. 

Außrr  den  c'iii.sill)!^'!!  koiiiiiica  eine  Aiizjihl  v<iii  z  weis  i  1  l>i  freu 
\'crh.'i  vor.  deren  zweite  Silhc  entweder  eine  Reduplikatidii  der  ersten  oder 
eine  spezielle  Endung  Itzw.   Ahleitungsstelle  ist: 

dadä  lernen  (/)  päpa  fischen 

1/eyi  lieben  pipi  sieden 

sisi,  sisi  rufen  keke  putzen 

(P,   te  {de,  tt) 

vidfi  wohnen  vUp  dasselbe 

flde  aufstehen  uule  sich   hinlegen 

pite  treten,  betreten 

lete  fallen 

yite  schweigen 
na,  ne 

vind  sich  fürchten 

tsyend,  kenä  (in  p6  tsymd  sich  fi-eiien) 

gbdna  hoch  sein,  stark,  gesund  sein 

zdne  fehlgehen 

kpdne  stehlen 

ra  (re) 

kdkara  sammeln 

ward  bürsten  (wfjra  ke  schreiben) 

(öare  laufen) 

kpdra  i'ibrig  sein,  fehlen 

liara  (s.  hara  wo)  undiängen 

Vgl.  die  P'arbenadjektive :  pura  usw. 

Wahrscheinlich  sind  einige  dieser  Endsilben  sog.  Lokah  erba  bzw. 
-suVistantive,  worüber  (mit  einer  Ausnahme  s.  iva)  keine  Beisj)iele  vorliegen 
Mit  Sicherheit  läßt  sich  dies  nur  bei  der  Silbe  -u'««  nachweisen,  die  ohne 
Zweifel  die  Präpositionen    »in,  an,  auf«   ersetzen  nuiß: 

kaica  ruhen;  beim  Sing,  käma 

bara  wd  umhängen 

pele  wa  auf  etwas  treten;  a  pete  mape  tca   »er  trat  meine  Matte 

auf«,  d.  h.  er  betrat  meine  Matte 
kpdwa  geben,  neben  kpa  berühren 
isynca  berühren 
woffS  na  zi  wa*  {:i  Arbeit)  wir  gehen  an  die  Arbeit,  fangen  die 

Arbeit  an 
pökümiwa   »Bauchhöhle  ist  K()[)f  auf  (oder  in)",  d.  h.  jNIütze 

Vgl.  weiter: 

.<te  b§  ica  (be  Heim)  nach   Hause  tragen 
anwd  (auch  an)  Angesicht 
kuwd  Brust 


t'uNKE:    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 


67 


Konjugation. 

Die  gebräuchlichsten  Teinpoi-a  sind  Präsens,  Priiterituni  und  Fu- 
turum. 

Das  Präsens  wird  durch  Anhängung  von  nc,  tenr  au  das  \'erbuni 
siniplex  und  das  Futurum  mit  Hilfe  des  Verbs  >>pe  gehen«  und  der  Prä- 
sensform gebildet. 

Das  Präteritum,  das  zugleich  die  Funktionen  des  erzählenden  Aoristes 
iibcrnchmen  nuiß,  ist  die  einfache  Form  des  Verbums.  Leider  genügen 
die  Beispiele  nicht  zur  vollständigen   Darstelliuig  der  Konjugation. 


Präsens. 


I. 


mäne  ya  ich  kaufe 

mäne  td  zirä  ich  gehe  morgen 

ane  zt  Joe  er  arbeitet 

ane  pipi  es  siedet 

wQne  fidi  he  wir  streiten 

neno  änefäyihö  die  Kinder  (sie)  spielen 

mdne  yädo  ich  lache 

wone  yö  ke  wir  i'udern 

7na'ne,  t  mi  ich  (Wasser)  trinke 

ane  gö  we  de  er  treibt  Ehebruch 

ane  tikä  fi  sie  ist  schwanger 


II. 


aterC  su  er  konnnt 
antene  gS  so  sie  steigen  (aufs)  Pferd 
atene  vi  fe  sie  melkt 
atene  pipi  es  siedet 
matem'  hemhere  he  ich  gähne 
matm    tama  ke  ich  denke 
anten    ganddma  ke  sie  disputieren 
antene  aso  kdkara  sie  sammeln  die 
Lasten 


Präteritum. 

mayeyi  ich  liebe,  liebte 
mazdne  ich  machte  Fehler 

ma  ghdna  vi  >'ich  Stärke  besitze«,  bin  gesund,  war  gesund 
a  ghdna  vi  «er  Stärke  hat«,   er  ist  gesund 
a  dja  ke  er  war,  ist  ki-ank 
wo  nyä  ma  wir  hören,  .  .  .  hörten  ein  Wort 
wo  ku  ku  lulahu  wir  sind  mit  Gott 
wo  te  kpa  wir  zündeten  Feuer  an 
In   manchen  Fällen    wird    das  Präteritum    im   Sinne    des  Intentionalis 
bzw.  des  Futui^ums  gebraucht: 

via  gha  poro  mapö  näbi  gib  mir  eine  Nadel,  ich  will  nähen 
mayi  madje  Makka  ich  möichte  gern  nach  Mekka  reisen 
mayeyi  rö  mhö  ta  ich  will  nicht,  (daß)  du  gehst 
mq^  wo  gara  da  komm,  wir  erzählen  eine  Geschichte 

Futurum. 
mane  ge  zi  ke  ich  gehe  arbeiten,  ich  will  arbeiten 
mane  ge  oyö  si  masü  ich  gehe  Geld  verdienen,  ich  konune  (wieder) 

ich  werde  Geld  verdienen  und  wiederkommen 
mane  ge  yaka  yi  ich  will  Holz  hauen 


63  Funke:    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 

mau^  ye  iigbn  pd  ich  will  austreten  (racarr) 
tcone  ga  nya  gongö  wir  wollen   Palaver  halten 
trowf  ge  sdura  Jci  wir  wollen  Beratung  halten 
Die    Verneinung    wird    durch    rö   (lö),   das    am    .Schluß    des    Satzes 
steht,  ausgedrückt : 

yaka  a  rigiriga  rö  das  Holz  ist  nicht  trocken 

adi  pipi  ku  lö?  hat  es  noch  nicht  gekocht? 

kibe  ku  M  rö  der  König  befindet  sich  nicht  zu   Hause 

kern   ttdi  fn  jm    (oder    kpd)   ma  roi  warum   hast  du   mich  nicht 

gegrüßt;' 
mdde  oÜ  ht  ich  habe  keine  Zeit 
o  kü  lo  es  ist  nicht  =  nichts 
Im  Prohibiti vfalle  wird  noch  su  vor  den  \'erneinungssatz  gesetzt: 
\v«  ma  gbe  rö  schlag  mich  nicht 
nsu  nge  bäfi  dö  geh  nicht  in  den   Hiiiiiik  ii 
'su  nkpdica  ro  rühre  (es)  nicht  an 

{su  ist  Verb,  das  konjugiert  wii-d) 

Der  Imperativ  Sing,  ist  das  Verbum  simplex  odei-  die  2.  Pers.  Sing. 
Prät.     Im  Plural  wird  die  verkürzte  2.  Pers.  Plur.  Pract.  gebraucht: 
yite!  sei  ruhig!  any'ite!  seid  ruhig! 

nk ama  fiti!  rn\\o  ein  wenig!  akawa  ßti !  rwhei  ein  wenig! 
'ng^^!  tritt  herein!  ag^  oder  äg^äg^  tretet  herein! 
'ndf'de  ^  musü  !  geh  hinauf! 

Jitila  da  xougue!  die  Lampe  ziinde  an^  (damit)  wir  sehen ! 
i  via!  du  Wasser  schöpfen,  d.h.  schöpfe  Wasser! 
'm  \m  '  ha !  bestelle  das  Feld  {im  hu  ha) ! 
'n  fura  ku  mi  yg!  du  die  Mütze  ci'greife,  Kopf  setze!   =  setze 

die  Mütze  auf! 
aso-se  mdi  mi  yö!  nimm  die  Last  {aso)  auf  den  Kopf! 

VI.  Die  Interjektion. 
0/ ja!,  yänd  {nydnd)!  wirklich,  wahrhaftig! 

Der  Fragesatz  wird,  falls  ihm  kein  Fragepronomen  vorangeht,  ent- 
weder durch  die  Pai-tikel  ya  am  Schluß: 

nkpdsä  yd'i  bist  du  müde? 

i  yä  dö  yct^  kennst  du  ihn? 

'/?'?  md  d6  yc^l  kennst  du  mich? 

i  nya  hö  dg  ya^^  kennst  du  diese  Sache? 

'm  pri  am  ko  yd^  hast  du   noch  nicht  Brot  {po)  gebacken? 
oder  nui-  durch  Verlängerung  des  Schlußvokals  bezeichnet: 

a  ßtila  adäl  habt  ihr  die  Lampe  angezündet? 

adi  pipi  ku  lö?  hat  es  noch   nicht  gekocht? 


'    Vollständig :  ing(^,  ind  ... ,  imbu  ...,  das  anlautende  i  wird  meistens  verschluckt. 


Funke:   Die  Sprache  von  Busa  am  Niger.  69 

zira  im  ta?  morgen  willst  du  gehen';' 
mbö  ma  "insul  \'on  woher  konunst  du? 
ntolä^  dein  Name?  (wie  heißt  du?) 
ni  so  'ni  yäl  du  hast  (ein)  Pferd  gekauft? 

Grußformeln. 
mghdna  kef  du  bist  gesund!,  d.i.  Willkommen! 
dem  Ankommenden: 

fo   kü   SU  nä  fjfl  Gruß  mit  Kommen!,  d.h.  Gruß  zui-  Ankunft! 
der  Ankommende: 

fÖ  hö^  vife  o'!  Gruß  mit  Ruhen!  d.h.  Gruß  zur  Kühe!  (?klid3e) 
be   bi?   wie   geht's    zu  Hause?  (Infolge   Assimilation    entstanden 

aus  be  vi,  s.  unten) 
nugbe  bi?  wie  geht's  der  Frau? 
ne   ara/ia?   ist    das  (dein)  Kind   wohl?   Antwort:  a  rafia!  es  ist 

wohl! 
oder:  gudo  na?  =  gut  geschlafen? 
bede  no  vi?  wie  gehfs  zu  Hause? 

Antwort:  wori.' danke!  (wörtlich:  sie  haben,  nämlich  ^Jana  Ge- 
sundheit) der  Familie 
(wie  geht's)  den   Kindern?  Antwort:  novi  oder  arafia 

VII.  Das  Adverb 

1.  des  Ortes: 

qudüva  hier  1         ^ 

,„     ,  ,  ...        >  s.  Demonstrativpronomen 

adile  dort,  drüben  j 

2.  der  Zeit: 

djia  gestern 

mgbard  heute 

zira  morgen 

zirändö  übermorgen,  z.  l-pe  überüljermorgen 

tdrade  jetzt,  nun 

täratäräde  augenblicklich 

güdo  frülimorgens 

gilane  Nacht,  nachts  (wörtlich:  Dunkelheit  es  ist) 

nwe  Jahr 

nwe  ba  so  rd  kommendes  Jahr  ( sil  rd  s.  Assimilation) 

nwe  rä  dieses  Jahr 

3.  der  Weise: 

lihdlikd  schnell 
fö  langsam 

fifi  Avenig,  ago  fitt  es  fehlt  ein  wenig 
mkpdsa,  dasi  dasi  pü  viel,  sehr  viel 
palt,  palt  diidudü  viel,  sehr  viel 
pl,  ptki  all,  ganz,  akaica  piki!  ruhet  all! 


^    Siehe  Assimilation. 


7i) 


Funkk:    Die  Sprache  von  Hnsa  am  Niger. 


Sätze 


myba^na  ke  ! 

di  me? 

ntolq? 

mbü  inä  nsü? 

vidio  Bisa  wfifi 

ni  ye.  mä? 

mane  gp.  ete 

hole  mn  fisu? 

a  di  so^  rö  (a  di  su  rö) 

matäwo  kö  llö 

bizansiri  'no  so  pali  äno  su 

mbö  mä  me'/ 

:ira  n'tä  (inetä)'f 

ö,  mane  tä  zira 

ine  a  //'  ze 

mn  ina  n  zi! 

II la  ne  zi^,  adi  su  ku  ro 

ate  jua  yi  (atme  .  .  .) 
mane  ge  ngbn  pd 
mane  ge  osorU  bo 
fö  kü  SU  nä  b! 
fö  kö  vite  6 !  (fö  hö  . .  .) 
bede  no  vi'/  (kurz :  be  bi?) 
nugbe  bi!  novif 
kibe  ku  b^  rö 
nfq  pa  ica 

kera  ndi  fo  pd  ma  rö? 
käno  a  pdli  de  Lome  Id 
niasu  Segbanä  wu ' 
n  ye  (ndje)  fo  kpa  nde  wa 
aten'  su 


aus  dem  täglichen  Leben. 

1.  Kommen  und  Gehen. 

Willkonniieii ! 
Wer  ist's? 
Wie  heißt  diii» 
Woher  bist  du   jickoumieu? 
Ich  koinine  vdu  dci-  St;idt  Hisa  (Husa) 
Wohin  gehst  du;' 
Ich  gelie  auf  den  3Iai'kt 
Wann  hist  du  gekonuneni* 
Er  ist  nicht  gekommen 
Ich  ging  nach  llo 
ybard  Viele  Leute  sind  heute  gekommen? 

Woher  (sind  sie)? 
Morgen  gehst  du? 
Ja,  ich  gehe  morgen 
Ich  traf  ihn  auf  dem  Wege 
Komm,  ich  sende  dich! 
Ich  schickte  einen  Knaben,  er  ist  noch 

nicht  gekommen 
Er  folgt  mir 
Icli  gehe  zum  Aliort 
Ich  gehe  zum  Urinieren 
Gruß  zur  Ankunft! 
Gruß  zur  Rulie! 
Wie  geht's  zu  Hause? 
Danke!  (Es  geht  ihnen)  gut! 
Der  Häuptling  ist  nicht  zu   Hause 
Du  grüßtest 

AVarum  hast  du  mich  nicht  gegrüßt? 
Kano  ist  viel  größer  als  Lome 
Ich  gelangte  nacli  Scgijana 
Geh,  gri'iße  d(MiH*n   ^^^ter! 
Er  kommt 


i/ä  bo' 

fd  leU  (iffln  Ifje) 
ifa  ngbä 
gii  yäsi 

Jitila  da,  wugüe  faus:  wo  güal) 
a  ßtila  da  adät 


2.  Zeit  und  Wetter. 

Die  Sonne  ist  aufgegangen 

Die  Sonne  geht  untei- 

Die  Sonne  steht  hoch 

Es  wird  dunkel  (Dunkelheit  ist  nahe) 

Die  Lampe  zündean,  (dnnu't)  wirsehen  ! 

Habt  ihr  die  Lampe  angezündet? 


'    wu  vielleicht  die  gekürzte  Form  für  uwiU  Stadt. 


Funke:   Die  Sprache  von  Busa  am  Niger, 

lüla  he 

gu  he  pura  (yÜ  Icyp  p.) 

goro  Txpäte  mp_  taradVl 

gu  ne  da 

mg  pura 

mö  lakidi  kena 

mö  gä 


71 

Es  donnert  (Gott?) 

Es  blitzt  (Dunkelheit  wird  weiß,  hell) 

Wieviel  Uhr  ist  es  jetzt? 

Es  herrscht  Kälte  (es  ist  kühl) 

Der  Mond  ist  weiß  :=  \'olliiuind 

Der  jNIond  nimmt  ab 

Der  INIond  ist  gestorben  =  Neumond 


nä  ne  made 

mayi  wa  üble 

ago  fitl 

ma  kä 

icons  bore-nobo  stt 

i  mi  np  made 

ma  gha  güga,  ma  %  to 

mane  i  ini 
wo  za-i  mi 

m  pö  asä  ko  yd? 

adi  pipi  ko  löt 

ö,  apipi 

ö"  te  kpot 

a  te  kü 

nnbq  dsarp  ko  nosi  o  (.  .  .  ku 

mane  nobn  yia  (yd) 

n  sä  kutukpd  '  täraidrädi 

nedi  atene  vi  fe 

pem  zukiina 

awui 


Essen  und  Trinken. 

Ich  bin  hunürris 

Ich  esse  gern  Mehlspeise 

Es  ist  etwas  übrig 

Ich  bin  satt 

Wir  essen  Fhißpferdtleisch 

Ich  bin  durstig 

Gib  niii-  das  Schöpfgetaß,  (damit)  ich 

schöpfe  Wasser 
Ich  trinke  Wasser 
Wir  trinken  (pflegen  zu  trinken)  Pahn- 

wein 
Hast  du  das  Brot  schon  gebacken  ? 
hat  es  noch  nicht  gekocht? 
Ja,  es  hat  gekocht 
Zündet  Feuer  anl 
Es  brennt  (es  ist  Feuer  vorhanden) 
.)  Fleisch  brate  mit  öl 

Ich  kaufe  Fleisch 
Den  Schafbock  schlachte  sofort 
Das  Mädchen  melkt 
Die  Kalebasse  ist  verdorben 
Sie  ist  zerbrochen 


mane  ge  zi  ke 
wgne  ge  zl  ke 
mane  ke  likd 
ma  Zl  däsi 
nkpdsa  yd7 
d,  makpdsa 
nlcdma  fiti! 
akäwa  fiti! 
mdde  oli  lo 


4.  Arbeiten  und  Ruhen. 

Ich  will  arbeiten 
Wir  wollen  arbeiten 
Ich  beeile  mich 
Ich  arbeitete  viel 
Bist  du  müde? 
,7a,  ich  bin  uTÜde 
Ruhe  ein  wenig  I 
Ruhet  ein  wenig! 
Ich  habe  keine  Zeit 
Tra<>;e  die  Last! 


Wahrscheinlich  kü  packe,  tu  von  ta  infolge  Assimilation  gehe,  kpd  schlachte. 


Funkk:    Die  Sprache 


ariiAif  n.N'2  fidkara 
asq  se  mdt  mi  y6! 
mane  kama 

mane  ihu  oder:  mane  wüte 
anyitr,  wo  nyä  ma ! 
mane  vite  uro  i  makäma 

ma  gba  porö  mapö  näbi 

mane  bi:a  tä 

man^  yintä  tä 

ma  mi  hö 

mane  zu  o 

wone  gö  ke 

ghe  di  akpene  o 

mdni  ghe^ 

i  pa  däsüf 

wone  ge  i  pa^pa  (oder  . .  .  i  da) 

wo  ge  na  zi  wä 

m  hü  ha ! 
yaka  a  rtgiriga  rö 
mane  ge  lyd}  pa 
mq,  wo  gba  da! 
mö,  ma  nybkä! 
mane  ge  oho  si  masü 

mayi  madje  Makka 

mayeyi  rö  mbö  ta 

ndede  musü! 

nsun  ge  (oder  dje)  bän'do! 

antene  gS  so 

äg^ägi  ! 


von  Busa  am  Niger. 

Sie  sammeln  die  Lasten 

Nimm  die  Last  auf  den   Kopf! 

Ich  ruhe  mich  aus 

Sei  still! 

Ich  schlafe 

Seid  ndiig,  wir  hören  etwas  (ein  Wort) ! 

Ich   sitze    im  Schatten,  ich  ruhe,  (um 

auszuruhen) 
Gib    mir    eine  Nadel,    ich  nähe  (zum 

Nähen) 
Ich  webe  ein  Kleid 
Ich  Hechte  eine  Matte 
Ich  rasierte 
Ich  wasche 
Wir  rudern 
Jemand  hat  gestohlen 
Ich  schlage 

Schöpfe  reines  Wasser 
Wir  wollen  fischen 
Wir   gingen    zur  Arbeit    (wir    wollen 

arbeiten) 
Arbeite  auf  dem  Felde! 
Das  Holz  ist  nicht  trocken 
Ich  will  Luft  schnai)pen  (mich  erholen) 
Komm,  wir  machen  ein  Schattendach! 
Komm,  hilf  mir! 
Ich  will  Geld  verdienen  (und  wieder- 

konmien) 
Ich  möchte  gern  nach  ^lekka  reisen 
Ich  möchte  nicht,  (daß)  du  gehst 
Gehe  hinauf! 

Du  sollst  nicht  in  den  Brunnen  gehen ! 
Sie  steigen  aufs  Pferd 
Kommt  herein ! 


5.  Haus  und  Familie. 


ma  no  s^ 

a  ihu  nugbe  o  (oder  ane  ko  kpä  ') 

ane  gö  we  di  (vielleicht ...  te  er  geht  zur 

Hure) 
ane  tikä  ß,  (oder  ang  si) 
a  he  i 
ane  nyo  mi 


Ich  heirate  (heiratete)  eine  Frau 
Er  übt  den  Beischlaf  aus 
Er  treibt  Ehebruch 

Sie  ist  schwanger 

Sie  hat  ein  Kind  geboren 

Es  trinkt  die  Mutterbrust 


infolge  Assimilation  aus  gg  kpä. 


Funke  :   Die  Spraclie  von  Biisa  am  Niger. 


73 


rieno  ane  fäyibö 
ncgö  .sisif 
m  pe  ne  ho ! 
nuyhe  di  a  ne  i  fißle 


Tiiabi  di  aJce  gbete 

he  di  dke  fiti 

kge  aghdna 

a  hii  be 

wo  do  ro 

a  kü  he  rö 

nene  ane  vina  ke 

a  djä  ke 

an  wmdi  vi  (oder  .  .  .  ke) 

a  wolike 

mapo  kend  (.  .  .  .  tsyend) 

wo  nyd  o' 

apo  te  ke 

mane  le  si 

sun  kpd  wa  ro! 

age  se  mdpe  wa 

wo  ima  kü 

a  wo  ivi  lo 

a  ifä  vi  küna^ 

sü  ma  ghe  ro! 

mdne  yädo 

antene  ßdi  ke 

wone  ga  nyägongö  (oder  wone gesaura  ke) 

anten' ganddma  ke  (kye) 

matenHama  ke 

Lula  yeyi 

wo  kü  ku  Lulähu 

ma  zdne 

amo  Alula  tsyinya  ole,  omd 

i  nya  hö  dö  ya? 

madö  ro 

aya  dö  ro  bi 

mane  kyo  ke  (kye) 

matene  dädd 

a  de  md>  ra 

matem'bembere  ke 

ma  pT  ghdna  vi 

akarä  ma  mano] 

mdne  hüdä  ku 

mane  tokö  o 


Die  Kinder  spielen 
Rufe  den  Knaben! 
Verjage  dieses  (jenes)  Kind  I 
Eine   (oder   die)  Frau    hat   ein  Kind- 
chen geboren 
Mein  Haus  ist  groß 
Dies   Haus  ist  klein 
Das  Haus  (Gebäude)  ist  hoch 
Er  ist  zu  Hause 
Wir  wissen  nicht 
Er  ist  nicht  zu  Hause 
Das  Kind  fürchtet  sich 
Es  ist  krank 

Es  hat  Leben,  ist  gesund 
Es  ist  geheilt 
Ich  freue  mich 
Wir  sprachen  (redeten) 
Er  wurde  zornig 
Ich  singe 

Rühre  (es)  nicht  an! 
Er  hat  meine  Matte  betreten 
Ich  schäme  mich 

Er  hat  keine  Scham,  ist  schamlos 
Er  hat  eine  Peitsche  gepackt 
Schlag  mich  nicht! 
Ich  lache 
Sie  streiten 

Wir  wollen  Gericht  (Beratung)  abhalten 
Sie  disputieren 
Ich  denke,  überlege 
Gott  liebt 
Wir  sind  mit  Gott 
Ich  habe  gefehlt 

Er  kommt  (und)  predigt,  wir  hören  zu 
Kennst  du  dieses  Wort? 
Ich  kenne  (es)  nicht 
Ihr  kennet  (es)  nicht 
Ich  lese 
Ich  unterrichte 
Er  übertrifft  mich 
Ich  gähne 

Ich  bin  ganz  gesund 
Wie  geht's  meiner  Frau? 
Sie  tut  mir  leid 
Ich  huste 


74 


Fi'nke:    Die  Siniulie  von  Busa  am  Niger. 


6.  Kaufen  und  Verkaufen. 


rte  ku  mni  (oder  ete  mal) 

eti  hu  dile  (oder  rte  ndile) 

so  dl  hi  dip/i  mp? 

tnaso  nie 

rti  so  nii/ä? 

öy  nianr  yd 

nyä  yd  ma  (oder  yd  ma) 

inayi  n  so  yd  ma 

a  (jö  ka  yhdgu  däsi 
apa 


Wo  ist  der  Markt  ;• 

Der  Mai'kt  ist.  driibeu 

Wem  gehört  dies  Pferd ;' 

Mein   I'ferd  ist's;  es  gehört  iiiii- 

Verkaufst  du  das  Pferd? 

,1a,  ich  verkaufe  es 

Geh,  kaufe  (es)  uiir  (oder  kaufe  mir) 

Ich    uiöchte,    (daß)    du  das  Pferd  für 

mich   kaufst 
Er  tat  viel   Geld  iu  die   Kiste 
Sie  ist  voll 


Alphabetisches  Wörterverzeichnis. 

Die  voka  lisch  anlautenden  Wörter  sind  nur  dann  unter  dem  be- 
trcflendeu  Vokal  aufiieführt,  wenn  dieser  Anlaut  mit  ziemlicher  Wahrschein- 
lichkeit zum  Wortstannn  gerechnet  werden  konnte.  Elbenso  bei  den  Gleit- 
lauten w,  m. 

H  =  Haussa,  Y  =  Yoruba. 


A. 
a,  Pron.  pers.  3.  Sing.,  er,  sie,  es 
ä  Yams 
akülo  (a  ku  ro)    »es  ist  nicht  da«    = 

kein,  nichts 
aläkarävilo   »Verstand  nicht  hat  er« 

=^  Unverständiger 
aldjima  Freitag  (H) 
aldjima  nena  Donnerstag 
anasära  Christ,  Europäer  (H) 
andunia  Welt  (H  dunia) 
andürufu  Silber  (II  zurvfd) 
änirnetä    Ilaarfrisur  *(1I    doka;   ^=^    äni 

mi  td  sie  macht  das  Haar 
ani-nyo-mi  »er  trinkt  Mutterbrust"  = 

Säugling 
dno^    Pron.  pl.,    sie;    dient    auch    als 

Pluralpräfix,    s.    Wortarten :     Sub- 
stantiv 
aitzinä  Farbe  zum   Rotmachen  der 

Hand-  und   Fußflächen  (H  Idlle) 
an^  aiiwä   Angesicht 

ya  aiiKÜ  sein  Gesicht 
arafia  vi  Gesundheit,  W^ohlsein  (11 

lafin) 


arhdsa  od.  hesasa  Zwiebel  (H  albdsä) 
arfänd  Priester,  Lehrer  (H  malam) 
arfa  zoho  Obei-priester,  Vorbeter 

(H   Umam) 
drhöko  Fingernagel 
drhmdni  Gut,  Besitztum 
dsara   Tabak 
asibi  Sonnabend  (H) 
asö  Traglast 
aso  se  Last  tragen 
asbde  Lastträger 
asökd  Kiste,  Kasten 
atmend  INIontag  (II  litinTn) 
oicd-ivi-lo    »Schaut   nicht   hat   er«     ^= 

Schamloser  (von  icö  Scham  und  vi 

besitzen) 
ayo^  Pron.  pers.  "2.  Plur.,   ihr 


B. 


bä  Strick 

bd,  mbd  \'ogel 

babale  Ameise 

bdda^  mbdda  Kamel 

bdhäkäli^  mebali.  siebzij 

bahö,  mebahö  sechzig 


Funke  :   Die  Spraclie  von  Biisa  am  Niger. 


bara,  bara  irä  umhängen  (H  ratayä) 
brira  Tierfell 

bära  Ura   ••  rotes   Fell",  d.  i.   Leder 
bdrakuli  dreißig 
bare  laufen 
bdro,  mebdro  zwanzig 
bdrsönöno  Europäer,  Weißer 
bast  käkuli,  mebasT  kdküli  neunzig 
basihö,  mebasihö  achtzig 
basorö^  mebasärö  einhundert 
batd  kleine  Trommel 
bätall  Weber,  von  tä  weben 
batokö  alter  Mann,  Greis 
bayi  Gegend,  draußen 
be  Haus,  Heim 

Äf  bi!  oder:    bede  no  vi!  wie  gehts 
zu  Hause?  (Grußformel) 
bebe-kaU  Stummei-  (H  bebe) 
bembere  ke  gähnen 
bene  Hörn  (vom  Vieh) 
bi  Grußformel  (s.  vi) 
be  bi  wie  gehts  zu  Hause? 
nugbe  bi  wie  gehts  der  Frau? 
bi  ku  überfahren,  übersetzen 
bizd  gestreiftes  Landes-  oder  europ. 

Baumwollentuch 
bizannri  (  .  .  .  U)  ]Menscli,  Mann,  syn. 

gie   (wörtl.   Bisaer,    Busaer,    Mann 

von  Busa) 
biyo  Name 
blä  Bohne 
ble  Termite 
ble  Ziege 

ble-sd  Ziegenbock 
bö  herausgehen,  hervortreten 

ifd  bö  die  Sonne  geht  auf 
bö,  uble-bö  Eßschüssel 
bö  mä?  woher? 

mbömämui  oder:  mbö  mämrj  wo- 
her kommst  du?  woher  bist  du? 
bö  mel  was? 
bö  rasieren 

mi  bo    Haar   schneiden,    den    Kopf 
rasieren 
bögbe  Nai'be 
bokoto  Lehm 


bole,  bore  Flußpfei-d 

bnle  me?  wann? 

bü  Baumwolle 

büba  das   Feld    Ix'stcll.-n.    I"i'ldai'l)eit 
tun 

bufläy  viebufld  vierzig 

bufldknli  fiiiifzig 

bula^  biira  1.   Feld,  Acker,  2.   Feld- 
arbeit, Arbeit 

burade  Landbesitzer 

bürma     ein    geflochtener    Sack     ztun 
Aufbewahren   von   Kolanüssen  (11) 

busile,  bustre  Regenzeit 

busu  Erde,  Land,  das  L^ntere 

D. 
dd  fett  sein 

da  fischen 

i  da  Fische  fangen 
da  verb. 
Jitila  da  Lampe  anzünden 

gara  da  eine  Geschichte  erzählen 

gba  dd  ein  Schutzdach  machen 
dadd  lehren,  unterrichten 
daga  großer  Topf 
dakäle  Krieger 
däkö  Wald 
dambarikÖ  Kamel 
damborö  Spinne 
de  töten 

wo  gbe  de  wir  haben  gemordet 
de  ....  ra   (  .  . .  la)   übertreffen,    dient 

zur  Bildung  der  Komparation 
Kano  apdli  de  Lome  la    Kano  ist 

größer  als  Lome 
dede   musit   steigen,    klettern,    hinauf- 
gehen 
demb^rekä  Flügel 
di  ein,  ein  gewisser 

gbe  di  ein  Mensch,  jemand 

niigbe  di  eine  Fraii 
di  in  Negativsätzen,  di  ...  rn  nicht, 

a  de  suro  er  kam  nicht 
di  1.  Fron,  interr.   wer? 

dimvi?  wer  hat  es? 

dtndi?  wer  ist  dies? 


7G 


Funke:    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 


2.  Pron.  rel.  dies 

Oöndi?  was  ist  dies? 

wä  hönmuli  wir  eigentlich 
di  me?   wer;* 
dt  miyö  auf  den  Kopf  nelinien   (zum 

Tragen) 
dile,  dili  (diri)  jener,  dort 

etf  ku  dili  der  INIarkt  ist  dort 
dito  Großvater 
dja,  dja  ke  krank  sein 
djeförn  {dje/nlo)  unbeschnittener  Penis 

djefnrnde  Unbeschnittener 
djele,  djere  Kranker  (von  dja  krank 

sein) 
ddjedeli  Bananenbaum  (Y) 
dßa  gestern  (H) 
djindjile  Betört,  Kirche 
dö  Suppe 
do  weinen 
dö,  niedö  eins 
dö  Rebhulin 
dö,  dö  wissen,  kennen 
dndbbiya  oder  biya  mohamm.  Rosen- 
kranz (H  tasbdhd) 
dnkö  bürsten 
diidiidii  adv.  sehr,  zur  Verstärkung 

von   r,pali  viel« 
dum/tta  blau 

E. 
ek^,  ekys  Lüge 

de  {er4)  Hammer 

elukü  Strauß  (Vogel) 

ene  Maus 

eiie  Floh,  "Wanze 

eramo  zurückkommen,  s.  7?io  kommen 

ese  Guineakorn,  Getreide 

kz^,  Rzi  Arznei,  Medizin 

töyhdna-eze  Arznei,  die  den  Ge- 
schlechtstrieb reizt 
tyobfl  ein  scharfes  Instrument  zum 

Graben 

F. 

fayibö  Spiel,  Fest,  spielen  (Subst.  und 

\'erb) 
fe,  m  fe  melken 


fefe  mager  sein 
fene  Messer 
feneda  Schwert 
fi  Skorpion 

fide  sich  erheben,  aufbrechen,  fort- 
gehen 
fiti  klein,  wenig 

lie  fiti  ein   kleines  Kind 

fitiU  ein  kleines  Kind 
fiti  ke  streiten,  kämpfen 
ßtUa  Lampe  (H) 
flä,  mefld  zwei 
fli  Hase  (H  zömö) 

fn  pd  {fq  kpd)  grüßen 
fö  langsam 
fo  Gruß 

fö  kü  Grußformel 

einem  Ankommenden : 
fo  kü  SU  na  o! 

an  einen  Anwesenden  (Untätigen): 
fo  kö  vite  o! 

fopd---{---Jcpa^\.^^^^ 

fo  pa  .  .  .  wa  J   ° 

fö,  füli  Affenbrotbaum 

Fölani,  Ful,  Fula  jNIann 
fom  Wunde 

ofuni  (oder  ofunifi)  Turban  (H  räwani) 
fura  Mütze  (H  /w/o) 
furärii  so,  ebenso 

G. 

ga,  aga  Ei 

ga  ga  Eier  legen 
ga  Perlhuhn 
gä  sterben 
gä  Schulter 
gd.  gate  ziehen 
gäli  Sattel 
gambari,  gambali   Haussamann,   AVan- 

derhändler  (Y) 
ganddma  ke  ( . . .  kye)  disputieren, 

einen  AVortstreit  haben  (H  gerdama) 
ganga  Tronunel  (II  gangd) 
gänö  Rundhütte,  Palaverhalle 
gara  Erzählung,  Fabel,  Märchen 

gara  da  eine  Geschichte  erzäUen 


Funke:   Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 


77 


gasä  Ellbogen 

gbä  das  Tor 

gba^  ngba  wieviel? 

gha  Fuß,  Bein 
ghäne  Zehe 

gbä-drko'ko  Zehennagel 

gbä  Kiste,  Kasten 

gbägü  (syn.  asökd) 

gbd  geben,  schenken  (s.  kpd) 

ma  gba  pnrü  gib  mii*  eine  Nadel 

gbä  Stuhl 

gbddä  Oberschenkel 

agbadö  Mais 

ghäko  gelb 

gbdna  stark,  kräftig,  gesund,  hoch 

gbard^  mgbarä^  ingbald  heute 

gbe"?   warum  1* 

gb^  schlagen 

gbe  Stein 

gbe,  gbe  Mensch 

gbe  sira  Schwarzer 

gbe  pur a  Weißer 

magbe  »mein  Mensch»,  d.  i.  Freund 

gbe-pura-nö  weiße  Frau,  Europäerin 

gbefuhd  Banane 

gbele  Seidenbaumwollbaum 

agbüi  Kassada,  Stockjams 

gbepä  Armer 

gbete  groß 

gbli  Käfer 

gbo  Antilope 

ge  gehen,  fortgehen 

ge  (gye)  hineingehen,  eintreten 

ge  so  ein  Pferd  besteigen 

ge  Leiche  s.  sterben  ga 

gidi  Fahne,  Flagge 

gingihgi    Zupfgeige,     Gitarre    (schall- 
nachahmend) syn.  morobakö  (H  mölo) 

ginta  Grasmatte,  Mattenzaun 
ginta  ta  eine  Matte  Hechten 

go  Fufumörser 

gq  übrig  bleiben 

gö  Schiff 

go  he  {gö  kye)  rudern 

gö    we    de    ehebrechen    (vielleicht    gö 
Hure  luid  tva  bei  und  td  gehen) 


gö  Stock 

göi  üyö  Geld 

ogöde  "Geldbesitzer",  Reicher 

ng^le  Geld,  Reichtum 

gokutund  kurz 

göne   Fufustößer 

gqro  Kolanuß  (U  görri) 

göro    Tag»  Zeit,  Stunde 

gtid  schauen,  iiinblicken 

güani  Nacht 

yudiwa  hier,  dies 

gu  dö  frühmorgens 

gukepura   »die  Dunkelheit  wird  hell- 

^  Blitz 
gunida  Kälte,  Frost 
güyä  Finsternis,  Dunkelheit 
gäsira  Finsternis 
gugä  Schöpfgefäß  (U) 

H. 

Äö,   Pron.   rel.,    dies,    ebendies,    Plur. 

/*5nr>,    dient    auch   zur   Verstärkung 

des  Personalpronomens,  z.  B. : 

mahö  gerade  ich 

wähöno         \ 

_  ,  ,,  >  gerade  wir 

wa  hqnqndi  J   ^ 

aJiö^  meahö  drei 

hüdäkü  Mitleid,  Erbarmen  haben 

I. 

i  sehen 

via-i^  ich  sah,  sehe 
/,  'ni^  'n^  Pron.  pers.   2.  Pers.  sing., 
du,  dein 
jii  ge  mä?  wohin  gehst  du? 
t  Wasser 

mäne  i  mi  ich  trinke  Wasser 
f  da  Wasser  schöpfen 
tfa  Peitsche 
ifä  Sonne 

ifd  bö  die  Sonne  geht  auf 
,,    lete    '-  »  »       unter 

..    ngbä »  »        steht  hoch  (am 

Mittag) 
ifä-bidekigu-wd  Osten 
ifän-letekl  Westen 


78 


FuNKK :    Die  Sprache  von  Busa  am  Niger. 


/   hu   sclilafeii 

/  hu  mu(/(J  n   den    Beisclilal"   ausiiben 

mit   der   Frau 
iji/ii   Fliegt' 
inii  Durst 

inii  np  niaih-  ich    liiii   durstig 
inyä,  li/ä  Wiiul.    Luft 

ii/ä  pa   Liil't  scliöplt'ii,   sich   erliolcri 
ipäpalr  Fischer 
isäka  Name 

K. 

A-ä,  kdta  Nabel 

kä  satt  sein 

kä  duyiiide  der  zweite 

ghe  kä  duyinde   der  zweite  Mensch 
kä  kiindi  der  erste 

gbe  ka  kundi  der  erste  ^Mensch 
kä  ica  ruhen  (Plur.) 

akäwa  p'iki  sie  ruhten  alle 
kabösi  Papaya 

kdkara  sammeln,  versammeln 
kale,  kare  Betört,  Moschee 
kdvia  lind  kd  ica  ruhen,  ausruhen 
kdmbali  (H.)   Heide  (Bewohner  von 

Kaml)ali  am  mittleren  Niger) 
kauyoru   Fledermaus 
kanikaui  nahe,  unweit 
käu  ausschütten 

T  kdh  Wasser  ausschütten 
akarä  ma'i  wie!* 

in  Negativsätzen:  kera  ndi  ....  (mo) 
ro?  wie  nicht,   warum  nicht? 
karamhai  uuniiauerte  Stadt 
kare  AVand 

karo  Glasaruiliand   (II    karao) 
kasä  Pulver 
kasi  älterer  Bruder 
kasö  zerreißen 
kdta  Nabel 
katd  Schirm 
ke  sein 

ke  gbete  groß  sein 

ke  fiti  klein  sein 
ke^  ke  (kye,  kyi) 

gö  ke '  rudei'h 


ganddma  ke  disputieren  (11  gerddma) 

saria  ke  \ 

'    }    Palaver   halten 
saiira  ke  J 

sniu  ke  Geduld  haben,  geduldig  sein 

kyo  ki  lesen 

tira  ke    \  . 

,  -  }  Brie!   schreiben 
tcQra  ke  J 

tdma  ke  denken   (II   tamaha) 

gu  ke  pura  Blitz  ("Duidvclheit  wird 

weiß«) 

kefina^  kefena  .lüngling,  junger  Mann, 
Bräutigam 

keke  reinigen,  verbessern 

kibe^  Häuptling,   König 

kijili  Heide  (H  kaßri) 

kipaKsi  Fi-emul,  Katgebei-  des  Königs 

kiräini  ei'halten,  empfangen 

kiripähu  Chamäleon 

kirö  Antimon,  wird  zum   P'ärbcn    der 
Augenränder  benutzt 

ko  kpä  (eigentlich  go  kpä)  den  Bei- 
schlaf ausüben 

ko  Huhn,  Henne 

kösa  Hahn 

knnebmi  Küchlein 

knrnnd  Stiefel 

kösn  Knie 

koto  Kehle,  (iurgel 

k'pa.  ie  kpa  Feuei-  anzünden 
ko  kpä  igq  kpä  [?])  beischlafen 

kpa  geben,  schenken:' 

kpd^  kpd  ica  berühi-eii.  anrühren 

kpdne,  kpnie  Dieb 
kpine  o  stehlen 

kpdra  übrigbleibeo,  syn.  gn 

kpdaa,  mkpdsa  viel,  ^lenge 

kpasa  Axt 

kpdsa  müd("  sein 

kpdtabili  Kön  igt  um ,    K  ön  igsheri-scha  ft 

kpe  Haus,  Gebäude 

kpe  Okro 

kjye,  kpi  Rücken 

kpeleje  Tür,  Tor  (s.  kp4  Haus) 

kpT  Bei'g 

kpldji  alle 

kpo  Fisch 


Funke:    Die  Spraclie  von  Rusa  am  Niger. 


79 


hpö  kpäte  ausbreiten 
ku  schon 

in  Verneinungssiitzen :    ku  rd  noch 
nicht 
ku  und,  auch 
kü  (ku)  sein,  sich  befinden 

kibe  ku  be  rö  der  König  ist  nicht 
zu  Hause 
kü  ku  .  .  .  .,  sein  mit  .... 

icokü  ku  Lulähu  wir  sind  mit  Gott 
kü  festhalten,  packen 
kuä^  kxKä  Heuschrecke 
kuä  Krokodil 

ktdi  ein  Fruchtbaum  (H  dunya) 
külible  Ananas 
kövm  oft,  wiederholt 
kümbq^  Fischernetz 
kundi  Buch 

künbä  Gunnni,  Kautschuk 
kura  we  da  elf 
kura  we  fd  zwölf 
kürundai  Habicht 
küse  Schildkröte 
kusü,  kursü  Aussatz  (H  kutärta) 
■  kuwd  Brust 
kye  JNIesser 
kye,  kye  s.  ke 
kyokye^  kyo  ke  lesen 

L. 

lä  Blatt 

lädi  Sonntag  (H  lahadin) 

lakd  leiden,    Mühe  haben    (H  icohäla) 
(H  ivohdla) 

lakd  aufhören,  beendigen,  fei'tig  sein 

läkara  Verstand 

a  läkara  vi  lo   er   hat    keinen  Ver- 
stand, ist  dumm 

larba  zoyo  Mitt\vüch  (=  großer  Mitt- 
woch) (H  larba) 

ale  Grenze 

le  Dorn 

le  Mund 

lekäta  Bart  (Mundhaar) 

Ubara  Lippe  (H  leho)^  aus  U  Mund 
und  bara  Haut) 


leyü  Wolke 

legu  sisi  beten 

te-i  »Mundwasser",  Speiciicl 

lemund  Apfelsine,  Limone 

le  si  Lied,  Gesang  (Subst.  u.  Verb) 

mane  le  si  ich  singe 
letä  Strohhut 
lete  fallen,  iiinabsteigen 

ifd  lote  die  Sonne  geht  unter,  ist 
untergegangen 
II  treffen,  begegnen 

me  a  li^  :e  ich   traf  ihn  unterwegs 
li  Bainn 

seit  ölpalme 

gbeli  Seidenbaum wollhaiun 
ime  Baunifrucht,  Frucht 
liäle  Zimmermann  (s.  U  Holz) 
//Ä'ö,  likdlikd  schnell 
limanä  oder: 
lirnan  seria  keri  Ricliter  (II  limäm 

Oberpriester) 
Uwe  Kolanuß 

1(1  großer  Wassertopf  (H  tulü) 
ilo  Weizen 
logö  Brunnen 
Lulä  Gott,  Allah 
lülabe  Donner  (s.  Lula  Gott) 
luläkimbebä {vGoii  =^  König  =^  Vogel«) 

Taube 
lukpe  Wald 

M. 
?//a,  Fron.  pers.  l.Pers.  sing.;  ich.  mein 
ma  zeigen 
inä  Fi'agepartikel,  steht  am  Schluß 

des  Fragesatzes:   ete  ku  ma?  der 

Markt  ist  wol'  oder:  ete  ma'i 
ma  pö?  ma  pö  mel  wer?  welchei'? 
madd  Mutter,  Erzeugerin,    »meine 

Mutter« 
ma-dahuna  jüngerer  Briuler,    ^V()rtlich 

mein  jüngerer  Bruder 
7nade  Vater,   »mein  Vater« 
madikiri  Herr,  Haushei-r,  wörtl.  mein 

Herr 
ma-ybe   »mein  Menscli«    =    Freund 


so 


Funke:    Die  Spraclie  von  Riisa  am  Nigei. 


mananüo  Iläiuller,  Hausierer,  Kaul- 
iii.inn  (eigeiitl.  ina  narid  n  ieli  hau- 
siere) 

viardikü  Engel  (H  malaiki),  syn.  poga 
anetcendi  sS  {=  poga  (?)  trägt  Leben) 

masäöuki/fi  Stute 

mä.sutsi/r/i  {-kyrli)  Zauberer,  Doktor 

mii-vini  -Kiiul  meiner  Mutter«  =  Bru- 
der   (wahrscheinlich  von  vi  IMilcli) 

jnävmidd  Herrin,   Hausnnitter,  wörtl. 
meine  Herrin 

me  Körper,  Leib 

me  kpä  fett  sein 

meküli  {meküri)  zehn 

mese  Besen 

mi  Haupt,  Kopf 

mi-gbeke  Menschenhaupt 

mikä  Haupthaar 

mi  bö  Haar  schneiden,  rasieren 

mTböH  Haar  schneiden 

mtboli  Haarschneider,  syn.  wqzä 
(H  wozanii) 

mird  Grab 

misi  Zecke 

m/e  Schhnnge 

mö,  ntQ  kommen 

mo  Metall,  Prisen,  s.  molt  Nagel 
[Eisenstock  (?)] 

mö  jMond 

mö  pära  \'ollmond    (weißer  ]Mond) 
mö  lak\di  kina  abnehmender  Mond 
lepuru  mö  Neumond 
mö  gä   »der  Mond  ist  gestorben« 
=  der  Monat  ist  zu  Ende 

mnkirn  Herd,   Feuerstelle 

m(2le  Reis 

mole  sensere  enthülster  Reis 

moli  Nagel 

mqli  Lampe 

mönkpMemi  eine  Speise 

monwemi  ein   Getränk 

morfä,  morüfa  Flinte,   Gewehr 

m^rfade  Flintenbesitzer,  Jäger 

wiavr;  Moskito 

mu.su  Himmel,  das  Obere 
ndede  mu.sü!  steige  hinauf! 


N. 
na  Großmutter 
nä  Hunger,   Hungersnot 
na  nh  made  ich   l)in   lumgrig 
«^,  nefiti  i\iiul,   Kiiahe,  Junges 

n^  i  gebären 
ne  güngbe  männliches  Kind,  Knabe 
ne  nugbe  weibliches  Kind,  Mädchen 
ne-no  päli  »viele  Kinder«    =    Familie 
neue  Zunge 

ne-gügbeme  oSIänidichkeit,  Tapferkeit 
nese  Leib,  jNIutterleib,  Körperinneres 
ni  tikäfi  schwanger  sein 
nihq  Fremdling 
nibohö  Kissen 
niya  Knecht,   Diener,  Sklave 

miniya  mein  Diener  (wahrscheinlich 
von  ya  kaufen,  aus   »w-?  ya  Kind 
gekauftes«) 
no  se^  {nu  se^)  heiraten  (eine  Frau  hei- 
raten) 
nqbö  Fleisch 

mqnqbqsü  eßbares  Fleisch,    Fleisch- 
nahrimg 
nqbq-pürana  Einhorn 
anonovi  Europäerfrau 
nosi  schwanger  sein 
nösi  öl,  Fett 
nosi-lera  T'almöl 
nopqse  Hurcr 
nu  Eheirau 

manq  (assim.)  meine  Frau 
««,  nugbe  Frau,  Weib,   »weiblicher 

Mensch« 

up.  nugbe  »wenbl.  Kind«,  ]\Iädchen 
nu  kpäle  {nqkpale)  Jungfrau,  Braut 
nu  sp)  heiraten  (vom  Manne) 
nngbe  zind  alte  Frau,  Greisin 
nyd  Wort,  Rede 

nyadi  »eigentliches  Wort«,  Streitsache 
nya-göngri,  Subst.   und  Verl),   Gericht, 

Gericht  halten 
nyt  Nase 
nyliiwe  Nasenloch 

nyö,  7iyü  messen,   wiegen  (H  aüna) 
nyö  weibliche  Brustdrüse,  Euter 


Funkh:    Die  Sprach«  von  Busa  am  Niger. 


81 


nghänake  /  Willkomiueiigruß,  von  gbdna 

stark,  gesund  sein 
nica:ä  Tätowiei'narI)e  im   Gesicht 

{aüwazä) 
nwe  rd  dieses  Jahr 
nwe  hasörc)  nächstes  Jahr 
t'iwe  Jahr 

nwe  Knecht.  Diener 
iiwe  öft'nen 

nze  nwe  die  Tiir  öffnen 
tiwe  Bier,  berauschendes  CJetränk 
'UQwa  Tanz  (II  rawä) 
nwukile  jeder,  jedermann 


O. 


pe  Matte 

pe  ica  verjagen,  vertreihen 

peni  Kalebasse 

pete  auftreten,  betreten 

pete  .  . .  wa,  auf  (etwas)  treten,  betreten 

jn,  j9i  dient  zur  ^'erstiirivung  des  prtin. 

mapi  gerade  ich,  ich  ganz 
piki,  kjndji  alle 
pipi  sieden 

pipi,  poa  pipi  waschen  (z.  B.  Kleider) 
piti    sich    entkleiden,    sich    ausziehen, 

entl)lößen 
ple  Tomate 
po  Brot 

pq  asa  Brot  backen 
po  Bauchinneres,  Mnttei'leib 


o  machen,  tun 

mane  toJcö  o  ich  mache  Husten,  ich  \  po  Leber 

huste  j      nobopo  Tierleber 

yhe  de  ahpene  o,  jemand  macht  Diel)-   pg  nahi  nähen,  schneiden 

stahl,  er  stiehlt  pönahiri  Schneider 

wo  nyd  ö  wir  reden,  luiterhalten  uns  ( —  U) 


o/ja! 
ö  Hand 

o  kq  d  ke  am  A])end,  aliends 
oli  Zeit,  Muße 

mdde  oti  lo,  ich  habe  keine  Zeit 
qndoro  un-'/erständig,  unklug  (von  do. 


pq  nyq  messen,  wiegen,  s.  w_y« 

po  pe  blasen 

po  tsyend  {po  kend)  sich  freuen 

2)0  te  ke  zornig  sein,  wörtlich  -Bauch 

Feuer  setzen« 
pqholi  Art,  Geschlecht 


wissen,  kennen),  wörtlich:  »er  weiß  jjqde  Unterleib 


nicht« 
qne  Finger 

ofla  rechte  Hand,  Rechte 
ofla-kpdyuwa  Norden 
qze  linke  Hand,  Linke 
qze-kpdguwa  Süden 

P. 

2ia  füllen,  voll  machen,  voll  sein 
pa  schießen 

pa,  lyä  JM  Luft  schöpfen,  sich  erholen 
jjali  V.  u.  adv.  viel   und   viel   sein 

syn.  däsi 
jidii  viel,  groß  sein 
2)ame  leer,  unnütz,  eitel 

ybe  päme  Nichtsnutz 

ya  pame  er  taugt  nichts 
po^ia  fischen  —  i  papa  Fische  fangen 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.    1915.    Dl.  Abt. 


pqga-anlwendi-se  Engel 

pökümiwa  Mütze 

popä  Empfängnis  (s.  px)  Bauch  und  pa 

voll  sein) 
pqpabili  verboten,  unrein,  ungesetzlich 

(H  hardm),  (Subst.    u.  Adj.)  Unge- 
setzlichkeit 
pqpabili  ne  uneheliches  Kind 
pöro  Gesäß 
pqro  Nadel 

pqsinda  piki  alles,  jedes 
posira  Halsbinde,   Krawatte 
poyäki  Kaufladen 
jjQzlnd  Hebanune 
pü  adv.   zur  Verstäi'kung   von 

dasi  pü  sehr  viel 
j)iira  weiß 

are  Stirn 

6 


■viel. 


82 


Fiinkk:    Die  Spraclir 


R. 


nV/fl,  rit/irii/a  trocken,  dürr 

rti,  rü  nicht  (Veriu-iniiiijj;s]);irtik('l  am 
Schluß  lies  zu  veriieiiieiulfn  Satzes) 
a  ku  be  rü  er  ist   nicht  daheini 

rö,  (tro  Topi",    Kochtniil",  Wassertopf" 
arÜ  Blut 

S. 

sa  liraten,  rösten 

sä  Schafbock 

sä  Laus 

sä  schneitlen   sehlaehttn 

sabo  Hyäne 

sdka  Zahn 

sdCi  Speer 

sanu  Europäer 

sa7iu  gugbe  Europäennann 

sarake  Almosen,  Opfer  (H  sddaka) 

sarakö  Unterschenkel 

süra  püra   freier  Platz  (II    sarari)  im 

Freien,  Hellen 
süra  pura  Licht 
saria    kye    (.  .   .  ke)     (Jerielit    halten 

(H  saria) 
se,  seit  Kokospalme 
se  Gras 
sensoma    Traglast    von    liso    se    (eine 

Last)  tragen 
sete^  imi-sete  Flaschenkalebasse 
sPte^  miisu-seti  Löwe 
sete  Buschsavanne,  Stej)pe 
so  Stein 
so  Pferd 
so  de  reiten 

soa  bakd  rennen,  galoppieren 
so  oder  .so  kole  Hacke 
söa  hören 

.«f>ä  See,  Fluß,  Bach 
soadd,  stiadd  Meer 
sode  Reiter,   Pferdebesitzer 
sofiono-barasd  Bivinntwcin    (II    barasii) 
sondä    ein    scharfes     Insti-uinciit    zum 

Graben 
sfjfiQda   weibliches   Kam(;l 
sora  Stern 


von   liiisa  am  Nigor. 

sorä/tö,  niesiiräht  acht 

soro  (siiaro),  iitesom  li'uil 

osoröbo  Urin 

sqto  Hudensark 

si  Erdnuß 

si  nähern,  sich   naln'u 

siä  schnn'eden 

siabqko  Blasebalg 

■siäkp^  Schmied 

.Ueno  Heide 

sthö,  mesihö  vier 

sikönd  P'ieber 

sira^  sira  dunkel,  schwai-z 

gbe  sira  Schwarzer 
Sirund  Araber 
sisi  rufen,  nennen 

legü  sisi  beten 
sü  essen 
SU  konnnen 
sw   dient  zur  Bildung  des  Prohibitios 

nsim    ye    bän   döl   fall    nicht  in  den 
Brunnen 
sun  kpdwa  ro\  rühre  (es)  nicht  an! 
südo  hinuntergehen,  s.  am  kommen 
st'idö  mesudö  sechs 

asuM  Herz 
sufla,  mesufla  sieben 
sidukye  Geduld 

T. 

ta  schließen,  bedecken 

nze  ta  schließe  die  Tür 
tä  weben,  Hechten 
ta  Falle 
tä   geilochtcncr    Teller,    geflochtener 

Deckel 
td  gehen 

taddwa  Tinte  (II) 
täferi  Kissen   (II  leferu) 
talätand  Dienstag  (II  taläta) 
talike  Sünde 
Idmakye  {-ke)  denken,  vermuten 

(H  tamahä) 
tambaU-lmina  groß(^  Tronnnel 

II   tambari) 
tdnyana^   Mctallschüssel   (H   tasa) 


Finkk:    Die  Spraclu!  von  Rusa  am  Niger. 


83 


td7ia  Fetisch 
tanJcd  Fingerring 
tära  jetzt,  nun 
täratärädi  augenblicklich 
taro-hö  Fischernetz  {W  tUni) 
täico  kö  .  .  .  hinkommen  n.ich  .  .  . 
te  folgen 

ete  Mai'kt 

ate,    te   Feuer,    ati  kjia^  Feuei*   an- 
zihiden,  aie  kn  verbrennen 
tera  rot 

tila,  iira  1.  Pa{)ier,  2.  Anuilett 
ülasida  vergewaltigen,  zwingen 

at.  mene  er  zwang  mich  (II) 
tirakye  Brief 

t(2  schö])fen  7  tq  Wasser  schöpfen 
t<»  danken,  segnen 
to  1.  Penis,  2.  Schwanz 
tö-ybdna-e:e  Medizin  zur  Reizung  des 

Geschlechtstriebes     (zur     Ei-ektion 

des  männlichen  Gliedes) 
tö  ZQ  beschneiden 
tödjina  noch  nicht  (II  titkuna) 
tüjiQ  Husten 

mane  tokö  o  ich  huste 
töro  (tö/o)  Dank,  Segen 
tüli  goldgelb,  grihi 
tsyakjjä  Schwein 

tsye  wa  berühren,  anriiiiren    (U  taha) 
tsyeföm  ^^orhallt 
Uiyeförqde  Unbeschnittener 
tsyendokuli,  metsyeitdokuli  neim 


U. 


üble  essen 

inö-uble  Essen,  Speise 
üra  Schatten 
urakpd  Schattendach 
tisi  Salz 
Uta  Kleid 
utäbqko  Tasche 
uica  Knochen 
uwarä  Haumesser 
uwe  Affe 

uwe  Loch,  Grube 
Hicete  Stadt 


vi  haben,  besitzen 

an.  wendi  vi  ei*  hat  Leben,  er  lebt 
vi  dient  zur  Bildung  der  ( )rdiMalia  von 

di'ei   ab: 

vi  ahö  der  dritte 
vi  sihö  der  vierte  usw. 
r7  Milch 

vt  ipo  frische  Milch 
vT  Je.  melken 
vide,  vite  bleiben,  sitzen,  wohnen,  sich 

aufhalten 
vlä  Schwanziiaar,  Violinsaite 
vind  sich  fiirchten 
vinä  Blinder 
vinime  älterer  Bruder 


W. 

■wa  Mehlbrei  (II  tuc^  tuuo) 

we,  uwe  Auge 

we,  we'i  dient  zur  Bildung  der  Zehner 

kura  we'i  dö  elf 
wekä  Augenlid 
wendi  Leben 

an  icendi  vi  er  hat  Leben,  lebt,  ist 
gesund 
wo  Hüfte 

wo  Scham,  Schande 
wo  Fron.  [)ers.  1.  Pcrs.  j)lui'..  wir,  uns, 

unser 
woka  Hals 
wolemä  Kette 

wdike  heilen,  gesund  werden  (II  w;w/At) 
trowyo  (»wir  messen,  wiegen")  -:-  Maß, 

Gewicht 
wqrd  bürsten 
wqrä  Tafel  (II  ahi) 
wörakye  schreiben 
wösä  Streifen,  gestreiftes    Tuch 
wozä  Barbier  (H  wanzäuu) 
wui  zerbrechen 
icürä  Gold 
wüsi  Furaspeise 
wusiti  Mehl 
wüte  sich  hinlegen 


84 


Funke:    Die  Spraclie  von  Busa  am  Niger 
Y. 


ya   er,   sein 

ya  .schneiden,  sclilacliten 

yavi  beerdigen 

//</',  yia  kaufen 

lya  (inya)   Lult,   Wind 

lya  tie  ma  de  ich   friere 
yadö  verschieden 

ybe  (Uno  ano  yadö  die  Menselie.n  sind 
verschieden 
yädo  lachen 
yaka  ein  Bauui 
yakokö  Kugel,  Ballen 
yunä  Wahrheit 

yelTma^  Minister  (II  yaladTvia) 
ycyi,  yi  wollen,  lieben,  gern  haben 

mayi  wa  üble  ich  esse  gei-n  Mehlbrei 
yi  binden 

'nyd  yi!  binde  ihn! 
yite  still  sein,  scliweigen 
yokd  helfen 

ma  inyö  kd!  hilf  mir! 
yökü^  myokU  Pfeffer 
yunkö   Narr,  Tor,  einfältigei-  Mensch 

Z. 

zä  Fächerpalnie 

zä  1.  adj.  weit,  fern;  2.  verb.  weit  sein, 
entfernt  sein 

zä  Arnn-ing,  Armspange 

zä-i  »P'ächerpalmen-Wasser«,  Palm- 
wein 

zdkasa  Lappen 

zdne  Fehler  machen,  verfehlen 

ze  weibliche  Scham 


ze  Weg,  Straße 

zSffia  Schwanz  (H) 

zi  senden,  schicken 

zT  Krieg 

zi  kd  Krieg  Itdiren 

zikina  Krieger 

zl  Arbeit 

zl  ke  arb»'it«Mi 

ziMko,  zib^kn  Hose 

zikökin-kisira  Name  (h'r  iJiisa  l<i-i  den 
Haussa 

zipände  eines  andern  Tages 

zird  morgen 

zira^ndo  vorgestern,  neulich 

zirahido  kpe  vorvorgestern 

zira  konkö  morgen  früh 

zo  Honig 

zo  Sklave 

zo  nugbe  Sklavin 

zöa  Zeug,  KleiderstoflF 

zobii  Sklaverei 

z6yö  groß,  bedeutend 
gbe  zngö  großer   .Mensch 

zu  Kuh,  Kind 

zu  da  Kuh 

zu  soane  Ochse 

zu    sete    Wald-    oder    Buschoclise   ^ 
Büffel 

zuba  Guineawurm 

zuküna  verderben,  verlieren,  zer- 
brechen 

zükpdta*  Eidechse 

zu  o  waschen 

ziisa  Ochse 


1 


85 


Bornuspricliwörter. 

Gesammelt  und  erklärt  von  Ruooi.i  Phietze. 


iVlit  62  Sprichwörtern  und  l)ildlichen  Wendungen  eröffnet  bereits  dei'  hoch- 
verdiente Koelte  (K.)  seine  1854  erschienene  Samnihmj»-  von  Kanuritexten.  Kine 
Gelegenheit,  jenen  längst  der  Ergänzung  harrenden  Schatz  zu  mehren,  bot 
sich  mir  erst  neuerdings,  als  der  Gewährsmann  meiner  Bornulieder,  Musa 
ihn  Hisen  (M.),  für  den  Verlust  seiner  unlängst  verstorbenen  Haussai'rau  in  der 
Ehe  mit  einer  Tochter  Bornus  Ersatz  fand.  Das  Gedächtnis  der  Neuver- 
mählten erwies  sich  für  die  Sprichwörter  der  früh  verlassenen  Heimat  noch 
ungemein  ergiebig,  und  es  währte  nicht  lange,  bis  mir  der  Gatte,  dessen 
eigener  Vorrat  gering  gewesen  war,  aus  ihrem  Munde  mehrere  Hundert 
aufgezeichnet  hatte.  Da  die  Quelle  nunmehr  versiegt  scheint,  möge  die 
vVusbeute  sich  den  im  Jahrg.  XVII  dieser  Mitt.  veröffentlichten  Liedern  an- 
schließen. 

Was  ich  in  deren  Einleitung  über  die  Eigentümlichkeiten  der  Maüga- 
Mundart  ausgeführt  habe,  gilt  dank  der  mündlichen  und  schriftlichen  Über- 
mittelung durch  Musa  zumeist  auch  für  die  Sprichwörter.  Gleichwohl  sind 
Abweichungen  unverkennbar,  in  denen  Kuka  als  Geburtsort  der  jungen 
Frau  zu  Worte  konunt.  Daß  sie  lautlich  weniger  in  Erscheinung  treten, 
wird  auf  Hemmung  durch  die  Sprechgewohnheiten  des  Vermittlers  zurück- 
gehen. Indessen  scheinen  auch  diese  nicht  vmbeeinllußt  geblieben  zu  sein; 
wirkt  doch  die  Mundart  des  ständigen  Verkehrsgenossen  unwillkürlich  ab- 
färbend. So  deute  ich  es  mir,  wenn  M.  jetzt  statt  hayn  gewöhnlich  bako 
spricht  und  vor  anlautendem  g  zuweilen  den  Nasalvorschlag  K.s  hören 
läßt,  namentlich  bei  engerer  Verbindung  mit  vorhergehendem  vokalisch 
auslautendem  Wort,  z.  B.  nyübu  viel  in  den  Sprichwörtern  181  f.,  kämo 
nyila  gute  Frau  259  (vgl.  ferner  galongaJo  189). 

Desgleichen  durfte  sich  ein  auch  bei  K.  anzutreffendes  Schwanken 
zwischen  a  und  u  in  der  ersten  Silbe  einiger  Nomina  aus  Dialektmischung 
erklären:  kalyn  Kleid  255  neben  kitlyu  (K.  kdlgu,  Barth  kulyit),  küiviu  Feuer 
166  neben  kannu,  kiimho  Blinder  217  neben  kamho,  vgl.  K.  kürgun  neben 
kdrgun  Mittel  (Assimilation  an  den  folgenden  Vokal). 

In  Formenbildung  und  Satzbau  schinmiert  durch  die  Manga-Über- 
lieferung  der  von  K.  aufgewiesene  größere  Reichtum  des  Zeitworts  deutlich 
hindurch,  so  in  dem  häufigen  Vorkommen  des  Aorist  sowie  der  von  ihm 
abgeleiteten  Konjunktionalformen  z.  B.  in  der  3.  Pers.  Sing,  der  II.  Konj. 
lägama  326,fangama  337,  lcga?iia  359.   Für  die  in  der  1.  Konj.  eiitsi)recliende, 


J^ß  Phietzk:    Rornuspricliwörtor. 

In'i  K.  iiiclit  an}j«'lTilirto  3.  Pers.  Sinp;.  lauten  die  Helc;;(>:  kaihünTa  103  von 
ilmskin  kaiil"i\  kiflinia  2'ä4,  236  von  r/wÄ'/w  tue '.  Auch  die  Kclativkonjugatioii 
Hndet  sieh  niehi'faeh:  naligin  254  =  K.  naLsegin  von  tiayixkin  hole  ein,  untjAska 
234  von  nöttiskin  weiß,  säyeid  12  von  sägexkin  lade  ah;  in  der  I.  KonJ.  wii- 
hei  K.  ({j  86)  (7/A-Mrö  96,  ouA-ortna  1 1 6,  cukorinta  217  er  fallt  (fiel)  in  (jder 
auf  etwas  nehen  ciitmrirt  er  fällt.  Seihst  die  Kausativkonjugation  (Iv.  §  57,  6(») 
ist  vielleicht  helegt  in  cetüleyin  41,  82,  cutilgin  327,  yutelgin  312,  yutälgoZO^S'-. 
In  den  Formen  tvV/o  43,  ooto  111  würde  man  sogar  das  im  3Ianga-Dialek( 
vermißte  Fut.  K.s  wiederfinden,  wrnn  sie  nicht  nach  ihrer  Verwendun«; 
vielmehr  als  der  in  der  Einleitung  zu  den  Liedern  genannte  Indef.  II  auf  ö 
anzusehen   wären  wie  dakarcö  69,  das  als  Fut.  dakarcdno  lauten  müßte. 

Zuweilen  erscheint  der  Inf.  ohne  Präfix :  giro  Beißen  80  statt  kingiro 
(K.  iiyero)  dnto  Nähen  373  fiir  kenduto  (K.  fidütö),  yendö  \'erschlucken  341 
statt  cendo  (K.  ntsündö)^  yawo  Ordnen  11  von  yasdskin,  auch  das  von  einem 
Inf.  ga  (K.  nga)  abgeleitete  gama  Folger  361.  Regelrecht,  nur  mit  er- 
weichtem c:  zezo  Töten  53,  229  =  K.  ntsetsö  von  yetseskin.  Dagegen  liegt 
in  zigo  Folgen  64  von  gaskin  wohl  jenes  :i  vor,  das  im  Mai'iga  einer  Reihe 
von  \'erben  der  I.  Konj.  nicht  bloß  in  der  3.  Pers.,  sondern  auch  in  allen 
übrigen  Formen  vorgesetzt  wird.  z.  B.  ziydm  du  folgst  63  neben  gam.  Ent- 
s[)rechcnd  wird  auch  cekasöma  der  Entlaufende  29  von  kaseskin  aufzu- 
fassen sein. 

Syntaktisch  sei  erwähnt,  daß  im  Widerspruch  mit  K.  §  215  die  ein- 
lache Konjugation  auch  in  kausativem  Sinne  vorkonunt  in  bnskhi  109, 
zihcin  110.  Ferner  werden  hier  alle  Tempora  der  Vergangenheit,  also 
Aorist.  Perf.,  Partizi])ialmodus,  wie  der  Indef.  II  auch  im  Sinne  des  zu 
allen  Zeiten  Gültigen  verwendet.  Für  die  in  der  Einleitung  zu  den  Liedei'ii 
genannte  Freiheit  im  Gebrauch  des  Objektssuff",  ga  bieten  die  Sprichwörter 
weitere  Beispiele:  es  steht  beim  Subjekt  (30,  31.  72  u.  a.).  insbesondei-c 
in  Fällen,  wo  dies  nachgestellt  ist  (231,  296),  beim  Prädikatsnomen  377, 
ist  zuweilen  durch  die  Partikel  mä  von  seinem  Subst.  getrennt  (249,  360), 
in  307  durch  te  mä,  ja  durch  einen  ganzen  Relativsatz  in  144,  145,  153,  369. 

Die  wohl  bei  allen  Völkern  anzutreff'ende  stilistische  Kürze  siirich- 
wörtlicher  Wendungen  tritt  z.  B.  in  29,  97,  136,  149,  207,  238  zutage' 
wiegt  jedoch  im   Kanuri  nicht  derart  vor  wie  im  Ilaussa. 

In  der  Schreibung,  für  die  in  der  P^'nleitung  zu  den  Liedern  das  Er- 
forderliche bemerkt   ist,    iiniß    ich    mich    hier   einer   Inkonse<picnz   schuldig 

'  Ansdieineiid  hybride  Bildungen  sind  zubünia  235  \  on  Imskin  neben  dem  regoi- 
i'cciit  vom  Perf.  abgeleiteten  zuhuiya  267,  ferner  cemnyn  2(V3  f.,  curunia  260  \  on  ru-ikhi 
Mobon  ceruya  S.  91.  ebenso  ntkuritiia  217,  für  das  man  cukiiria  oder  iiikiiriiy<t  cr- 
warion  würde,  xon  yukwuskin. 

*  Das  bei  K.  gleichbedeutende  lälügeskin  bringe  heraus  von  lüge.^kin  komme 
heraus  wird  als  Schvvundform  aus  yiteluyeshin  anzusehen  sein,  da  das  bloße  Prälix  /^ 
niw  rollcxivc  (K.  §  56).  nicht  kausative  IJcdeutuiig  gibt.  Gegen  eine  kausative  Ahieiiung 
obiger  Formen  von  dem  nur  in  der  3.  I'cis.  Sing,  vorkonnncndcn  K.  lU$in  »es  kommt 
liorvor-  spriclit.' daß  nach  K.  (§65)  die  3.  Pers.  Sing,  dann  yilplilspyin  (liier  woiil 
yiitfUziyin)  lauten  müßte. 


Prietze:    Bormisprichvvörter.  87 

lickeiincii,  insofern  ich  dein  Seliw  aiilvcn  meines  riewähi'sniannes  zvviselieii 
Doppel-  und  e.infaelier  I\oM.st)nanz  hei  dem  Zcütvvurl  i/a/i{k)Askin  sowie  hei 
dem  n  der  3.  Pers.  .Sing,  des  Negativmodus  und  ähnlicher  Formen  in  dci' 
Regel  gefolgt  hin;  in  diesen  Fällen  ist  mir  zur  Zeit  noch  Iraglich,  ol)  erstere 
tatsächlich  vorliegt  oder  auf  einer  etymologischen  Velleität  des  Sclneihers 
heruht. 

Mein  Hauptaugenmerk  hei  der  Erklärung  des  Inhalts  galt  dem  üher- 
tragenen  Sinn,  der  sich  dem  europäischen  Verständnis  häufiger  zu  entziehen 
pilegt  als  der  huchstäbliche.  Wer  ersteren  ohne  ge^iauestes  Befragen  eines 
gescheiten  Eingeborenen  auslegen  wollte,  liefe  Gefahr  das  völkerpsycholo- 
gische Urteil  irrezuleiten,  indem  er  Negermischlingen  Anschauungen  unter- 
schiebt, die  ihnen  fremd  sind. 

Doch  auch  wer  sich  die  Kluft  zwischen  innerafrikanischer  Denkweise 
und  der  unsrigen  gegenwärtig  hält,  wird  in  diesen  »Weistümern«  mit  Ver- 
gnügen die  eigentümliche  Kultur  wahrnehmen,  die  ein  ethnisches  und  islami- 
sches Pfropfreis  aus  dem  Norden  hier  unter  langdauernder  Machtentfaltung 
auf  Sudanboden  erwachsen  ließ.  Unverkennbar  spiegelt  sich  in  ihnen  neben 
ursprünglichem  Mutterwitz  ein  Bewußtsein  wohlgefügter  sozialer  Ordnungen 
und  ein  Ansatz  zu  politischer  Reflexion.  Daher  zahlreiche  Worte,  die  mit 
einem  Haussaausdruck  als  kirarin  sarakuna,  d.  h.  Königssprueh  bezeichnet 
werden,  z.  B.  105,  239,  265,  278,  280,  284,  286,  288,  291,  292,  294,  346, 
353,  372.  Höherer  Rang  wird  geehrt  (221  —  3,301),  doch  auch  die  Würde 
des  armen  Freien  betont  (224,  312),  vor  einem  Streben  über  den  eigenen 
Stand  hinaus  gewarnt  (227  f.,  250,  298),  ein  angemessenes  Auftreten  ge- 
fordert (246  f.).  Der  von  alters  her  herrschende  Glaube  des  Propheten 
äußert  sich  in  manchem  frommen  Sjtruch,  z.  B.  44 — 46,  62 — 64,  98,  127  f., 
besonders  in  der  Mahnung  zu  Geduld  und  Standhaftigkeit:  31,  35,  149  f., 
207,  307;  und  neben  Kundgebungen  eines  urwüchsigen  Negerrealismus  wie 
1,  11,  21,  76,  96,  377  oder  der  Sklavenmoral  gedrückter  Seelen  wie  391'., 
97,  146,  290  zeigen  sich  lu'cht  wenig  Spuren  edlerer  Gesinnung,  z.  B.  50, 
52,  89,  120,  219,  240,  248,  269  f,  276,  321,  ja  neben  der  sehr  überllüssigen 
Warnung  vor  Eile  (33 f.,  151)  eine  Mahnung  zu  tätigem  Leben:  58,  72, 
74,  277,  324. 

Bei  der  engen  Verkehrs-  und  Kulturgemeinschaft  zwischen  Bornu 
UTul  den  Haussaländern  ist  es  nicht  befremdlich,  wenn  auch  ein  Austausch 
von  Sprichwörtern  stattgefunden  hat.  Von  den  nachstehenden  decken  sich 
13  ganz  oder  nahezu  mit  früher'  von  mir  veröffentlichten  llaussaspi-ich- 
wörtern^  und  10  mit  solchen,  die  Mischlich  teils  in  seinem  Haussalehrbuch 
[B.  16  =  H.  9,  B.  19  =  H.  42,  B.  37  =  H.  3,  B.  88  =.  II.  4,  B.  149  =  H.  52, 
B.  290  =  H.  19,  B.  315  =  H.  27,  B.  327  =  H.  46]  teils  im  Wörterbuch 
[B.  359  =  H.  unter  bdrbarä,  B.  367  =  H.  unter  kümsi]  verzeichnete  —  Zahlen, 


^    Haussaspricliwörter  iiiul  Haussalieder,  Leipzig,  0.  Harrassowit/.. 

2  B.  8  =..  H.  90,  B.  10  =  H.  21,  B.  13  ^  H.  58,  B.  25  =  II.  49,  B.  82  = 
II.  54,  B.  88  =  H.  52,  B.  180  =  H.  55,  B.  222  =  H.  84,  B.  287  =  H.  4,  B.  311  = 
H.  79,  B.  312  =  H.  11,  B.  827  =  IL  95,  B.  355  =  II.  77. 


fi,fi,  I'imkt7.k:    Boriiuspricliwürtcr. 

dir  vcnmillic'li  noch  licdnitend  <'ui\varlison  werden,  soliald  man  tlcn  S|ii'icli- 
wnitcrscliatz  des  Ilaussa   vollständiger  heisannnen   liat. 

Dagegen  linden  sich  unter  den  782  kairotisclien  .Sprichwörtern,  die 
UiiicUhaidt  vor  100  .Jahren  zusaniniengestellt  hat,  so  gut  wie  gar  keine  Be- 
riihrungen  mit  diesen  Hornnspriichen  ';  es  können  also  zwischen  dem  Kultur- 
kreis am  Tschade  und  dem  ägyptischen  in  ahsehharcr  Vergangenheit  kaum 
nähere  Heziehungen  gewaltet  haben. 

Wie  Hurckhardt  habe  icli  den  Rahmen  meiner  .Sanindung  nicht  auf 
Volksurteile  beschränkt,  sondern  auch  Scherze  und  landläufige  Kedensarten 
einbezogen.  Als  letztere  kennzeichnen  sich  116,  176,  179,  205,  293,  308, 
.■)2S.  Als  Wortspiel  äußert  sich  der  Spaß  in  5,  9,  18,  als  Spott  z.  B.  in 
118,  366.  —  Ganz  hervorragend  pflegt  der  Bornuhumor  eine  namentlich 
in  Norddeutschland  und  bei  den  Angelsachsen  heimische  Form,  wie  sie 
z.  B.  bei  uns  in  dem  geflügelten  Worte  vorliegt:  Nur  nicht  ängstlich,  sprach 
der  Hahn  zum  Regenwurm,  als  er  ihn  verschluckte.  Kls  wird  also  einem 
Menschen  oder  Tier  ein  Ausspruch  in  den  Mund  gelegt,  der  zur  gleich- 
zeitigen Lage  oder  Handlung  des  Betrefienden  in  drolligen  Gegensatz  tritt. 
Das  Zeitwort  des  Sagens  läßt  das  Kanuri  in  solchen  Fällen  fast  immer  aus. 
Spi-ccher  sind  der  Dieb  (337),  der  Narr  (102,  334,  354),  der  Blinde  (217, 
264),  der  Aussätzige  (263),  der  Targi  (103),  der  wie  der  Felata  (4,  357, 
366)  als  Barbar  angesehen  wird,  besonders  aber  Tiere,  so  die  Hyäne  (75, 
85,  181.  198,  199),  das  Huhn  (262,  326),  Eidechse  und  Urol  (106fF.)  u,  a. 
Überhaupt  tritt  ein  nahes  gemütliches  Vei-hältnis  zur  Tierwelt  zutage,  wie 
ich  es  schon  in  Pflanze  und  Tier  im  Volksmunde  des  mittleren  Sudan 
(Z(  it'^chr.  f.  Ethnologie  Heft  6,  1911)  eingehend  aufgewiesen  habe. 

Abkürzungen  wie  oben  in  den  Liedern,  also:  Pll.  u.  T.  für  die  eben- 
genannte Schrift,  II.  =  Haussa,  K.  =  Koellc  (in  Granunatik  =--  Gv.  und 
Wörterbuch  in  African  Native  Literature),  B.  =;  Barth  (Zentralafrik.  Voka- 
buhirien).    (Nur  auf  voriger  Seite  ist  B.  =  Bornu.) 

Der  arabische  Druck  entspi-icht  der  Niederschrift  meines  Gewährs- 
mannes, meine  Transkription  (nach  Le])sius,  über  /  vgl.  Eiiil.  z.  d.  Liedei-n) 
seiner  mündlichen  Wiedergabe;  bei  Abweichungen  enthält  diese  die  richtigere 
Lesart.     Auch  zur  Schi-eibuna;  der  Haussa-Zitate  v^l.  Ein!,  z.  d.  Liedern. 


'  Die  Übcreinstiiiiiimiig  dvv  (leinciiiplät/.c:  2-1  »icli  saK  ist  mehr  werf  als 
icii  liörtC"  mit  ritirckliiirrll  f)?!  •Ilörciisagon  ist  nicht  mit  Augen  selicn-  und  279 
"Ar/,iici  ist  nidit  aiigeiiclim,  nur  Mittel  zur  Heilung"  mit  rim-rkliardt  742  "Die 
Ar/.uci  inuB  man  sich  ihres  Nutzens  wegen  gefallen  lassen"  dürfte  auf  Zulall 
l»crulicu. 

Kaii-o,   Herbst  1913. 


Pkiktzk  :    RoriiHsprk'hvvüi'ter. 


80 


.•.  jp  Lo  AIa.^^      JU   J>    ^  \  V-Cuil^   "1^    ^  \       1 

"     't-'-^"«:^^    "1'     ^  >>• '    T-'i'-    -    c^"-    >'-  V<r  ^ " -^".(T' 

' '  cT*.^^^  ^'"  -^-^   «J^*^  c^^  i^ilaA  jj^*^     14 
•■•  ä*!^'  c5?  ^  ^  L5f.  -'-^  y^.  Jf"'^  ^.^     15 

•'•  'ü^f(^  ^^^  ^.  ^^'  3^^  ^^  17 

•'•  J^J^  AJ  jpw«  j\!- 1  ^^ZJjS   S    p-y  _^    20 

.:  ß\  ^y}    ^'J^J  \^  Ci  y\    }    f    22 
.-.  ^c.  VyZ    ^0  yuij    j.^0    23 


u' 


;)( I  I'Rir.T7.r,:    Hi>iiiiis|)ri<li\v(»iin. 


>  >  K 


•••  y^  ^  0— y  ^y  jr^-y  ^^  o  yy-J  25 

.-.  j, — )   ^-^  (^a)j  ^X-^    26 

>^-  c      -cor-     -^ 
.-.  _p  l  j£  ir^*  ^   27 

•■•  y*  ^  tlrr^   ^  ^^  ^  >t  28 

.-.  j=^^-9  y.  o  ^.  J;^   fy^  ^  1  32 
.-.  ^  l.  j-C     c-io  o  J^"^    33 

.-.  ^Uj  1  jjo  y  "J  U-l  (_$-0    35 

.-.  j5*j3  ji'iy  AJ^i-i  ^^  f>^  pP  38 

.'.   «j  l>  ^f^y^  y       ^^  jX«»^   39 
.-.  j5  l.  j-vJCL^  J^=*«^  w^y   42 

•■•  ^j=^y  *^  i-^  p-~^  ^  cr^  f'y^  t^"^  (* — ^  <-^  •.-?'^^  '*3 

.-.  ^  yi5  yij  U'^j  46 


Prikizk :    I'onnispricliwörtci'. 

.-.    c-  ^[^^^  c5^*   iSj\  ^  ^j^i  UlS— '^  54 

.-.  jj  l  JlZ>  \   ^yX5  :i\y,  ^^ii-"^  55 

•■•  ^j":^^ y)^  oi  >"  ^J^  L^^3  ^„X  ^X*-^  ^  56 

•••  ^  ^  JJ  ß^:^:lj  y  ^  '(Tss 

*'•  (_?*.  ^-'  ^^  ^  '  ^H. 

.-.  y^  ^J,JKz.   A-23^  ^lAt  y  ^ji:>.  t_^.\p  J  1    0  62 

.-.    Jii  \^3<r tjX£-    -,).-.  ^i  I^ÜT  ^_^JlX-    JT  65 

j^li  l^:ij  jjLS  y^;*J  .-.  Ipi  IfeiJS  jjj  ^  yt' 

••.  ^  Lwlj    p-CIIr    ^  »V)'    jy  X-'    ^J  1  slJ>^  jäC  66 


91 


•1   1 


()2  Priktzk  :    I{oiii«s[)i'nIi\vriitrr. 

•■•  0^^^  -'*-'^3  J--^;^  >^  k^^3  -'^^  yf  <s^^  ^^ 

•■•  /*^  ^  r^  ^-  ^  ^^'  '^^ 

•■•  (^v  ^T^r  cf^  j^  >•  ^'  d""  L5r  ^.  ^^ 

.-.  ^  l  j-Aj'  l'j    -J   3^     73 

>^,    V^'  '^  ^'? 
.-.  y_^  yLjSy.lt    74 

■'•  j^  o^^  C^>J    '^-"^  y^  _^'[y  L^?  (**^"     "^^ 

•*•  ^  j-^  y^j  77 

■  ■  y  ^  iif'j'        U>- .5»iy   L»-iyo  LI-  Ji    78 
.-.  ^>tl)jj  j^^  ttl  1 — ■  i^y  U»-|j!v^   J    79 

■••  ^   <^3j-  ^!r  r"^-'  84 

•■•  ^^^^^  tr-^^^  y^y  ^  ^^  r^^  c^'  ^  ^^ 


Phiktze  :    Bornusprich Wörter. 


93 


?    > 


ü^f^isr^-^^  >'^  ^.srfy  >' 


>X.>,  0 


oJCs 


89 


^    ?  I       --^  '  i 


96 

97 

98 

99 

100 

101 

102 

103 


t}ß    104 


?  y...    I 


*'•  ^y^  (*.    t5^-  '-^^:f*-;  "lös 

I    •"     7  7...    I     <    I        "  ^   I    iT  ,    '     r  ^^  ^-    *  —  "-' 

cT^  ^/.  V  ^  ^^  f  ^j:;  ü^^j  t^^  <^'^^  ^^^ 

.-.  yX>'  ^jj  ^^  j^  «jf^  (j*-^"^  ^^^ 

^-•"^      ^  ^"^       ?   I    '  (-■^  ^ ^ 

.-.  j5  Lo  13^6  _^  j^  ^^5  yJL)  109 

•*.  /V*^  (Sy^^    «--w    U..^    «r"'*^  y^^  110 

.'.   ^J^^=b   ^"li'     C-   jAC    C-    U.^  j^'  111 


f  ^ 


^•^'-'  ^  Cf 


Jt ^-  ü^  ^^ ^^  y" 


112 


117 
118 


i)  j  Puietze:    Bornuspricliwürter. 

.•.    ^^:=«o     C-   J^ili    U--1  ^y  Uli  113 

•■•  '^'ß=^  J^=^'.  r'^  ^^^  y  ^  J*  c^^^  "^ 

.-.  iST  Ja;-  ^^^^ ^  cß  119 

^■-  ^        <^     p.-     >^ 

.-.  ylt  U  _^jC  jj^il)  _^  \  120 

.-.  ^JuiT  \  \  ß  "^  ß  L^  _^U  122 

•••  yt  (S^^  3S^  O  3,^5J^^=^^>'i  125 

•'•  p  \  Cy.i  'r\y=====^'>  Zj  3y.  ^{.  126 

.-.  J  \  y^!^J    ^yj  ^  J>  \  127 

.-.  \y^'  C^^  c- ^^^=1^  Jl  128 


,«5     >   o^ 


<Sy. ^  A^^  *-> Ji^  y^y  u  J\  cj\  y- 


132 


•'•  y^.  ut  y  i^y^y.  J^  ^^y  J^ 


136 
137 


Prietzf.  :    Bormisprichwörter.  95 


138 

b    139 

140 

•*•  y  ^.  ür^3  ^.-^  f»^  ir'-^J  ^s^  (**^  r    ^^^ 
.-.  jic^^  «_r  jj  j-C  ^^ß=c^\^  ^^^j^^  U5    144 

•■•  J^^  «^  Jrr=^^y    •'■  ürr:^ 
^'  "C^   "t"-  ^c-'  ^''? 


y  ? . - 


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Ic-v^ 


I     f(^  ^• 


•*•  ^  <-^-^   'ry  ^r'  "K-rr 


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"55  l.w^-^  IjjiijXi 


•■•  3jr  y^.  ü^y^.  ^.^y  ir=^^  :3^t  3j^ 

•*•  ^,.y:^  ^-"^  '•^0° 
•••  yk  J-j  ^y;^  pj. 

•••  J^''.  ^'  c^::^'  yy'  ^^  -J-^ 


147 
148 
149 
150 
151 
152 
153 
154 
155 
156 
157 
158 
159 
160 


9(5  1'i(1ki/.k:    lJoniiis|(ii(Iiwürter. 

.'.  p  J*l^  U-^  o  /^i"  y^  162 

.'.  p\  j-^ y  C-»— '  164 

.-.  ^ J  M  y^  166 

•■•  L5t  ^y  ^'  it  (*'>•  p^  ^.yy  yy  ^^^ 

»^    .       ,      

169 


/  ^^r^  J^-^'  ^  '-^^  -^  J  ^ 

•■•  y\  t^y  ^-*^y  -':^-'  >^  ^'?  '-^  p^    ^^2 
•■•  y\  ö^  ^.  ^-^  ^^ y  ^^-^   173 


.-.  ^^y  Ay  y  ^r  ^  i76 


179 


•■•  ü=r-'^  ^^r^  -»y  y^    181 

.-.  J=;-lj  C^  jyit    ^J>      183 


Piuetzk:   Boiniisinidiwürter.  97 


•••  ^  >oJJ  ^_-^^-^  187 

■■•  -?^  (^  t^^  ^^-rr"  -"^  -?  Or»^  p-  1^8 
i^  o      c    >-.    ^-.  o  ^- 

•'•  j^  ^.  0£  ö^  ^'^  _f  ^  J^  189 


•'•  J?  ^,.yy^  J^  ^  y\  ü^-'  ^  -v  ^  p*  i9i 

.-.  jjjljj  ^ß  15  ^^^^^=i;i  ^;;  jxt  192 

■'•  y^  \  ö-i^  j^y  y  J^-^  y^  193 

•■•  c^  ^  -J-JJ:^  y  ^^i  S<-^  195 

.-.  -11  ^  ^_  *>l  196 

•'•  ^.  ^3\j.  y-y  y-^.  y^  3  ^Sy  y^  197 

^!:ryir^;l  61-  ^;j5  ^5^^  199 

^^^  yU  y.  j3  ^'  >J  ^5^  >^  200 


■»)  ft^».~^   f-^-— -  i's.-^j  •j-^iO  /V"^~^    201 

•'•  y?  er' ^  "^T'^Ä?  "^^^  202 
•••  ^  ^  Ü^^^J    '^t^  ^    r^  ^    203 

204 

•••  ^^^'^.  i  ^X  206 
.-.  ^Jj^-i  I^jLC.  JO     207 

.-.  *t  '  •;•  "p  5"  U.::  o  P^  208 


-Mi«,  li.  Siui.  f.  Orient.  Spiailii-ii.    1910.   III.  Abt. 


yy  Puiktze:    Hornusprichwörter. 

•••  ^\'-f 6>^  ,5^;i   211 


'•  t^-:?^  ^  ^r    212 


214 
215 


j^^-^^j  j-*^  yU"  216 


217 
218 


>     .0^ 


-?>'  crrr  <!$rr  >^  p"^-^  LT?  ^    219 


?    1 


•■•  ^  ^.    Z: 


^^ru-::, 


•.   y^  l)      -yiC-     j^==>y^    sl-^-i^      ^J     'UoOo- 


;  220 


221 


•••  07/   iA  ^  Ji.  c>^^^    (^^    222 
^At  ^sf-  JJ  ^5p^  ^.    (*^^    '^  ^.  ^5;:--  J^    223 

I  o    «  o/^c,     .        ,      o    ?       ^^  -r  I       "  ^^^ 

•■•  ^-  Jf^--^-^  ^    ^^"^-^   iS^J  J  ^^    224 

•■•  (^!^'  L^  ^^  '^:^^  ^  OrO*  225 


L5r^ 


226 


227 


y-\   228 


P  ^  ^>^    r-  ^  J.    229 
•■•  >  ^  Jrf  cr'^  o3^   >?^^    f     230 


231 
232 


pRiETZE :    Bornusprichwörter. 

•••  Lr;^:^>^^  c^^^  ß^  ^J^  ^  ß-  ^34 

,-.  ^"ä;;^   y^'    ijfi^  ^^  ^  \j5  236 

.-.  ^Tir   J_^  ^o  ^c-^-*^9  /*-^  238 

•■•  <sy^>i  c-*-:^ir^-ii  ^Sf^y  ^39 

.•.^_.  ^'S  j^J  ^^J  ^j:  240 

'"      DJs  o  'p^jl  J  j!^'  241 


99 


•••  o^y  ^> 


i^_^r 


c^r:-.  ü'y. 


242 


.-../ir  jJo     p     ^VIT  3    p^    245 

...  ^  J_^  ^ |ir  j^y^i  °^  248 

•••  <>=r  "^^^^3  O  ,J=^[    250 
•.  ^i  GJ  y^^  l^:>=ir>  jAJli  0:>X''^%^>'i    251 


I       .v^? 


i::.Ip 


?^c 


•••  J^J-^  ^rt^  (^:r  ^  ^s: 


cr^- 


aJuC 


^: 


=  IJSC  253 
254 

ij  Jir'255 


100 


PniKT7.K :    Ronnispricliwörter. 

•'•  ^>^  v^-^^  ^-^  j^^  t.-^-  ^-  --^ 


256 


•■•^>^=^-'   U.^^.jj^y    257 

.•.  ^2>tmj   ip^  p  G  (--^  .y^*^   2^^ 


I    y 


.:^i>  yi?o^  ^ 


r 


259 


<fT   r.*?.-.  I 


'  ^y  ^  y  ^  ^'^i"-?^:f^<!^.  ^'^  ^-^  260 


:ö  ^    ^  %:l9  '^c.9    jjjr^_^_  jV_^^  j».  ^    261 


•••  _p  l  j^_j    f-y  ^  3^:^        r    268 


^    269 


.-.  ^  j j  >^.^  J^JJ  ^"  <Jf-'    270 

•••  J7>^^^o-r^i^^T27i 

.-.  ^t  ^-~A)  o3  cJy    >^   y — 0    272 


273 


l  274 
275 
276 


.-.  Ix;  iJ^  yl  jc-X  277 
.-.    ^J^iS^^^   '^J    278 


t 


^^7'vi  ^\;fyX279 


289 
290 


Priktze:    Bornuspriclivvörtcr.  HM 

•••^.  ^3^.  "r^  '^^^280 

.-.    Ijj3   _y-;y    ^^CU    ^.t      282 

.-.  \-\yj  ßj>  ^  ^^^\SO'^   283 

.-.  ^^,  Ü  5  Ui j  ^  y  ^>  Lrj  284 
y^^j  ^■^===^■5    f^^^xL.  ^.j  ^^^  ^v^  y-  \  285 

.•.  j5  \>     ^Jö    yj    5-*^w^    ^-^  .?*^  '    286 

.-.  ^f\>  J^3  ''l^y^J^C^  /X'^^    287 

.-.  ^^i:^  ^  Ji3    288 

•"•  ^'J-^  iJ^^  crv**r?  cs^^^' 
•••  j=r  ^f  ^^^  ^y.  y^  ^"  ^  ^93 

•■•<y^    y    rj^-'-^^^^"*    294 

•■•  <»;^--^  ir  ls-^  jr^^-y'  i!^:^  ^  ^95 

••■  <>■>•  er  cH  A  ^.^  ^y.    297 

...  ^  ^C^l  0^.  ^^  <^^^  '^  k"^-  ^^^ 
•••  u^y  (2?^^  J  ^-',  y^  ^  ^^' 

...  j^>^^^^  Ujj^ J^^  1>  ^''>    302 

...  j>./^^v  ji/^^^:^:  j^;  y^:  303 


j^)*»  I'iiiKrÄK:    Honiuspricliwüitcr. 

•••  (^jl^^Tjf;  304 

.-.  J  ^.  ^.J^  6^"  305 

^jJLj       43^..>^       ,-J       »JW      4A.w^  306 


I 


iALai'  rjl::;  Li-^  ';v-0  "J^    307 


•■•  cT^.^  c^  J^-'  c^  <^^  ^  -\  r:^^  ^^^ 


'■    309 


310 
311 


.-.  _^l  iJj:)_  o^  -J^*'"  312 

.-.  ^j^Mj'  ^^    jiO    jji;  _^lc-  j^t  313 

.-.  -^j^T^JV^  jii  t^-viJ_  314 

.*.  J-Ci>-  ,>«-J^     .->..o      jL«'y  315 

•■•  J^^.  ö^.  fiJir  U ^y y  yy}"^  f  ^le 

•'•  ^'y  fy^  y  <^:y:f^  ^^  ^^"^ 

•■•  *^-4^  ^^^:  ^  c^  d^^"  ^^'^  ^J^  ö'V  ^^^ 

.-.     '^-^  ^  l5"~^^^'^  *-^   ^-^-'  J.**.'  (C-^  i  319 

•■•  l5^1  L^rf-y  f  J-  ^.^  j^^  JS  f  ^20 

•■•  y"  (Ir*^  ^J  ^/-^  ü^  If"  ü^  ^*-*^  ^^^ 

.-.  ^  \f,    ^   y^j  ^Ja  323 

•'•'^ß^LP    '^jrf  oy"^    '^^  f 


Prietzk:    Boinusprirliwörter.  103 

•••  ^^;-^V  "^  ^-^^.i  li   '^  lp=^^>  j/j^jl    326 
'  '  y  ■  0"   '    Uüiij'  ^-^  _yjj  Z;^   327 

•*■  öÄ  t^-^  L^'-^i  J^  ^s^  (*5  ^'V-  L^^^i'  ^  3^^  clr  ft!'  (^  ^2^ 

•■•  j5  ^r:^  ^J^  ^yy  ^  ^  529 
•■•  y  ^y  lP  ^  <^^''  ^^^J^  ^.  -^"^  55^ 

.-.  ^  L   ^  At j  «j;  9    JA]    332 
•■•  cT^r  w^r  ^  ^  Ji-r  -J-r'  w  ^=r  (^  ^tJ^  ^^  estrf-^  J^'  p^   336 

.'.  C^JyiM   5«>-    — J   5*AJ    ^-^   *)  y    *c-  c5  !-i  (V  "^  I    337 

^        .'  j; -^   «  j  ^ -^     .         ^t-'        ^^^ 

•••  Ol»-  _^-0    lc-_^  *£  ^  jj  Ij  ^'  3*^  JJ^    338 

.-.  cXC;  j>  ^^1  ^.   "JT^J^    339 

.-.  _^  l  ^U"  j^    JI^=uJ  j_5-^^    ^    340 

.-.  "/»j  j^c^^  J-^.    7?-J^    341 

.-.  JJü'  jjuü  \-[_^  ^.5r=^^    ^^   -'■^^"  ^-  3~^i  "^    (*^  5^^ 

.-.  CÄjuJ'  JüiJ^^    C>^^  tlr^^J  ^    343 

.-.  j^^s-tls  jir  ^^j^==u|_  y^9  ^'    ^  "^    345 
.-.  .3JÜ5  S\  /t  J>-^  ^,J  ^.^    346 


104 


c  >    Jo, 


l*HiKT7.K :    Uoniusprichvvörtrr. 

•■•  y-  ->3  |*^y^  ^  p-y^'  3^-  349 


•■•  J^i^    ^-7  ci^    352 

•'•    .y  ^    if*^ ^     K:Xi-      ^     ^    yi-^     353 


kl,AA> 


354 


^^  ^:^  ^^  c^  ,^-  c^  -^:^  r''  -^  ^  ^-  rr^ 


357 


•■•  J^  ^  (j^^  (^  cry  ,^'-  tlr  35^ 

.-.  _y^i)3  jj^  C^'  ^  jj  «1^  j-«0  J5   359 


362 
363 


.'.  j)  l)  i^'y  f' y^^^  '^y.  3®^ 

^j  /   i_lc|5  /  3^  oM?   366 


367 


•■•  0*^  A  ^  c.;==^^  j5  >^  S^^yr>  ifr->y  y^T^^  ^  (*    3®^ 
.-.  •pi:«^   _jU^:i  ^«ö  _^n3  ^jU  A^"^    370 

.•.  ^-*j  ^_-'  _^  ij  ^  3-*"^    f»-^    371 


PiutrzE :    Hornuspricliwörtcr. 

•■•  f^\  ü=r^^  ^J.^  is'y.  ^'^!s^.. y^  ^^=^  jf  ^}  372 


105 


o  373 
374 
375 
376 


[(((")  l'iiiKr/.K:    l!i>riiiis[)ii<li\vüitci'. 


1.  A(/n        knmma  (i       kakr-nim         yälryn. 
Saclu'  Mensch   mit  die  Hesitz  dein   ist  hesser. 

Dies  Spiichwoit  wurde  mir  miindlicli  in  dei'  üjennilvollei'en  l'assinij; 
n  her  liefert: 

Ayo  kdm-be  kake-nem  yäU'yo  iya-nem-br- 

Saehe    des   Menschen   Besitz   dein    ist    hesser    Mutter    deiner    wenn 
yat. 
auch  inuner. 

Das  Gut  anderer,  seihst  das  deiner  Mutter,  wäre  hesser  das  deinige. 

2.  Ate  ma  si  go    kitmhö  fato  käm-he:  knUcmml- 

Dies       es  ist  Essen  Hans  des  Menschen:  du  hist  nicht  satt  geworden 
yae,  ü-ro  yirgei         g allem      hägo. 

wenn  ancli.  mir  iüge  hinzu  du  sagst  nicht. 

So  stehts  mit  dem  Essen  im  fremden  Haus:  Audi  w'enn  man  nicht  "esätti^t 
ist,  sagt  man  nicht:  Gih  mir  mehi-. 
Also:  Eigner  Herd  ist  Goldes  wert. 

3.  Lctu      käsi      bägo     leiya      mezt. 
Gehn  Vorrat  nicht  Elend  es  gil)t. 

Wer  ohne  Proviant  reist,  ist  ühel   dran. 

4.  liögu-gd       köUna,        Felata    täta       lilim-gd  rambi. 
Leeres  es  übertraf,  Felata  Kind  schwarzes  liat  geboren. 

Besser  als  gar  nichts,   sagte  die  Kuiafrau,   als    sie  ein   schwarzes   Kind    ge- 
boren hatte. 

5.  Kämbi  kambign    közina. 
Bogen    Disput  übertraf. 

Bogenschießen  ist  besser  als  Wortstreit  (unübersetzbares  Wortspiel). 

1.  Kam  steht  wie  das  arab.  //öis,  wo  wir  sagen  würden:  ein  anderer, 
andere.     Kam-ma  assinn'liert  aus  kamwa,  flu-  das  nachher  kam-be  steht. 

2.  Zu  kam  vgl.  1.  —  küllvmml.  gullem  schreibt  der  Gewährsmann 
hier  lichtig  mit  //,  weil  dies  aus  In  hervorgegangen  ist;  doch  hat  es  sicii 
in  der  Aussprache  des  zweiten  Zeitworts  meist  vereinfacht. 

3.  Leiya  fand  ich  nicht  bei  K.;  für  mezT  hat  er  mbets'i,  dessen  mb  sich 
also  im  ]M. -Dialekt  ausnahmsweise  zu  w  statt  zu  b  vereinfacht  hat,  siehe 
Einleitung  zu  den  Liedern. 

ö.  Gewährsmann  schreibt  kanbi,  kanhigu.     Beides  nicht  bei  K. 


I'rietzk:    r>oriius|)i-ii-li\vni'tcr.  107 

6.  Nanffila        käm-he         kunknna,      kam     km'iküna        häyu-tca  ti 

Güte    (los  Menschen     Kauri,     Mensch    Kauii     iiichl    habend   der 
(hbi-ro       wo/ziti. 
sehh^cht  zu    wird. 

Des  Mensehen  Wert  ist  das  Geld:   wer  kein   Gehl   hat,   wird  schleeht. 

7.  Aijo-niim-ma     iiangnninta    dimin,     ago         kam-ma         ti     nanyonbita 
Ding  dein  mit  Geschenk  du  tust,  Ding  Mensch  mit  der    Geschenk 

(Um  hagn. 
du  tust  nicht. 

Sein  Eigentum  kann  man  verschenken,  aber  kein  fremdes  Gut. 

8.  Kam         kädi       zegerina    ti     zte-gd  ceruya  cekasin. 
Mensch  Schlange       biß    den  Strick  wenn  er  sieht  er  läuft. 

Wer  einmal  von  einei'  Schlange  gebissen  wurde,  läuft  schon,  wenn  er  einen 

Strick  sieht. 

9.  Bäbä-ni       häbä-ga    közina. 
Vater  mein    Indigo  übertraf. 

Mein  Vater  ist  besser  als  Indigo  —  ein  unübersetzliares  Wortspiel,  ähnlich 
den  H. -Bonmots  in  Ptl.  und  T.  44  a. 

10.  Tata    gand         käSi-nzua  söha        letii         amurä-be. 
Kind  klein  Vorrat  sein  mit  Freund  gehen  gi"oßer  Leute. 

Hin  Kind,  das  mit  Vorrat  versehen  ist,  kann  Reisegefährte  großer  Leute  sein. 

11.  Kinca  yasso  kido  yasso-ga  közina;        hclama- 
Nase    Zurechtmachen     Feld    Zurechtmachen    übertraf;    Stadtherr 

yäe         ni-ka    duzin       bela-nze-ro,      kinca-nem     ma       lenimin. 
wenn  auch  dich  verjagt  Stadt  seiner,  Nase  dein  auch  du  gehst. 

In  der  Nase  bohren  ist  besser  als  Feldarbeit;  mag  der  StadthciT  dich  aus- 
weisen, der  Zugang  zu  deiner  Nase  bleibt  dir. 
Sinn:  Man  pflege  vor  allem  die  unverlierliaren  Güter. 

6.  Kuhküna  ist  kollektiv:  Geld;  die  einzelne  Kauri  heißt  wie  im 
H.  imdi. 

7.  Ma  aus  wa  wie  in  1.  —  Nangoninta  ist  ein  IL. -Wort  mit  dorn 
Bornupräfix  7ian',  nur  heißt  es  im  II.  Meisterschaft,  hier  Geschenk  wie 
nankautd  s.  unten  Nr.  27. 

8.  Sehr  ähnlich  Nr.  90  meiner  Haussasprichwörter. 

10.  Amurä  s.  K.  §  22.  —  Ähnlich  Nr.  21    der  Il.-Sprichwörter. 

11.  Wer  vom  Häuptling  aus  der  Stadt  vertrieben  wird,  verliert  zu- 
gleich seinen  Acker.  —  Zu  yasso  vgl.  K.  yesdskm  l)essern  aus. 


1(|,S  I'kiktzk:    lliiiinispiii'liwüitor. 

12.  Attzä-nt'in  yassi  st-ya   anzä-ntm    säyrne  </t>ii     ildknnw. 
Last  (Irin  iiiarhe  ziircclit    sie  Last  dein  lade  ali  ist  nielit     teile. 

Hücke  deine  Last  ziireelit  hedentet  nicht:  setze  sie  nieder  und   teile  sie.    An- 
;;f\vandt  z.  B.,  wenn  jemand  sich  gegen  leicht  zu  hefolgenden  Rat  auflehnt. 

13.  Cäca  ciniki  täta-he :       kaUa       ciflia  kfla-nze-ro     kön. 
Glücksspiel  Geschäl't  des  Kindes,  Sklav"  wenn   tut   Kopf  seinem. 

Wiirl'tln  ist  luv  Freigehorene;   tut's  ein  Sklav',  so   haftet  ei'  mit  seinem  Kopf. 

14.  Dungidvm  mtizck     kah/i    namzina      Cfro  iüno 
An  den  Fingern  verstütnmclt  Splitter  Dorn   zerhraeh  Hauch  Schwäre 

ililimä-be. 
des  .Xussätzigen. 

Sj)litter  im  Fingerstunipf,  Dorn,  der  in  der  Schwäre  des  Aussätzigen  zerliracii. 
Dci",  dessen   Finger  Stiimpfo  sind   mit  einem  Splitter  darin,  sowie  der 
Aussätzige,  in  dessen  Schwären  ein  Dorn  ahhrach,  sind  Bilder  für  den  Aiuhmi, 
der  das  nicht  wiederbekommen  kann,  was  man   ihm  genommen   hat. 

15.  Kadäfu  znli    fätn       güdo-he        afü      gonimin'} 

Falke    Tor  Haus  des  Vogels  was  du   niiiunst? 

Törichter    Falke,    was    hast    thi    davon,    einem    kleinen     Vogel    sein    Nest 

zu  nehmend' 

16.  Kinzn  miU-wa  kinzö       dätg-ga      közina. 
Konmien  Geld  habend  kommen  schnelles  übertraf. 

Mit  Cicld  kommen  ist  besser  als  bald  kommen. 

17.  Afi  nankirra  sim    tilö-be  indi  si-ga    közina. 
Was  Größe  Auge  eines    zwei  es  übertraf. 

So  groß  ein  Auge  sein  mag,  zwei  sind  besser. 
Sinn:   Auch  der  Starke  tut  wohl  daran,  sich  mit  andern  zu  verbiuiden. 

13.  Dies  deckt  sich  mit  Nr.  58  meiner  H.-Sprichwörter.  Der  Schluß 
bedeutet:  Wenn  er  Spielschulden  macht,  muß  er  verkauft  werden,  da 
niemand  für  ihn  eintritt.  Das  bekräftigende  kön  oder  kam  (H.  kr>m)  reiht 
sich  den  in  Jahrg.  XI  der  Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen  von  mir  erör- 
terten spezifischen  Verstärkungsadverbien  an. 

14.  Diiüyii  ist  der  Fingerstumpf,  dungidum  der  damit  behaftete  -^ 
'lunyidma  s.  unten  36:  niiizek,  nach  dem  z  zu  urteilen  ein  Lehnwoi't  aus  dem 
IL,  ein  eingestochener  Splitter  (den  der  Leidende  nicht  herausziehen  kann). 

15.  A/ti  durch  Angleiclnmg  an  den  folgenden  Vokal  aus  a/i. 

16.  Dassellx'  als  II. -Sprichwort  Nr.  9  bei  Mischlich,  dort  aber 
etwas  anders  erklärt.  Dä(^  nach  M.  -  -  schnell.  Es  könnte  dei-  2.  Inf.  von 
däniskin  sein,  vgl.  Lied  XII  matd  Anmerkung. 

17.  Für  nanküra  bei   K.   ({5  22)  ncmicüra. 


Priet7.e:    IJoiniispricliwöitor.  109 

18.  Tätid  iija-yn         Jvözina,    läkin      Ti/a  kare-Uf.         Tabu    häba- 
Tal)ak  die   .Mutter    ühei-traf  aber    Mutter    ilcs   Spiels.    Tahak    den 

ya       köUna,    läkin         bäbä  d^ltü-be. 

\'ater  überti-aC,  al)ei'  der  Vater  des  Karbens. 

Der    Taltak    ist    mehr    wert,    als    die    Mutter,    nihnlicli    als   die    Siticlniiitter. 
Der  Tahak    ist  mehr  wert    als    der  Vater,  nändieh  als  der  Fäihvater,  d.  h. 

der  Indigo. 

19.  Slm      bul       til       ti       cilim        däb(±-n      bäko    boijü. 
Auge  weiß  ,ti;an/,  das  schwarz  Mitte  in  nicht  h^er. 

Kin  Auge,  das  ganz  w(iiß  ist,  nicht  schwarz  in  der  Mitte,  ist  werllos.    \'gl. 
42  bei  Mischlich,  wo  jedoch  die  Deutung  fehlt. 

Gemeint  sind  namentlich  diejenigen,  dei-en  Freundlichkeit  uwv  in 
Worten,  nicht  in   Gaben  besteht. 

20.  Gäyo      kdryo     kam      dakartüma-be     äsko     '»tusko-ni-i/a    knlina. 
Hineingehn  Herz  Mensch  des  Verteilers  sieh  da  Hand  meine  übertraf. 

Dasselbe  wurde  mir  früher  in   folgender  V^ariantc  mitgeteilt: 
Käregu        <juyö  dakdrima-be     unyo  iimsko-ni-ya  közina. 

Herz   hineingehn    des  Verteilei's  siehe 

Sinn:  Das  Herz  eines  Wohltäters  gewinnen  ist  besser  als  ihm  giei-ig 
die  Hand  entgegenstrecken. 

21.  Na  kici        fandiakina    ti    ma  bela  yo,    na    i'i-ka     casambma 
Ort   angenehmes  ich  erhielt  da     Stadt     ist.  Ort  mich    sie  gebaren 

y^ni. 
ist  nicht. 
Wo  es  mir  wohl  ergeht,  ist  meine  Heimat,  nicht  wo    ich   geboi'en    !)in. 

18.  Diese  scherzhaften  Wendungen  in  bezug  auf  den  Tabak  stinunen 
zum  Teil  mit  den  in  Pil.  und  T.,  44  a  aus  dem  H.  angeführten  überein. 
lya  käi'e-be,  wörtlich  »Mutter  des  Einsatzes«  bezeichnet  in  dem  weitver- 
breiteten Brettspiel,  das  unserm  »PulF«  ähnelt,  eine  bestinnnte  Stelle  =  H. 
uwa  det'a.    Läkin  wird  wie  im  H.  dem  Arab.  entlehnt.  —  Zu  babä  s.  oben  9. 

19.  Tel  stand  als  tel  in  meinen  »Spezif.  Verstärkungsadverbien ■•  vgl. 
oben  13.  —  Bäyo  höre  ich  in  den  Sprichwörtern  öfter  mit  k  gesprochen,  vgl. 
Einleitung.  Ebenso  H.-Sprichwort  42  bei  Mischlich,  wo  diese  Deutung  i\icht 
angegeben  ist. 

20.  Ein  Vergleich  beider  Lesarten  zeigt  die  Freiheit  der  Wortsfelhmg 
wie  den  P^inlluß  des  Satzakzents.  Dakartüma  ist  das  regelrechte  aktive 
Partizip  von  dakarniskin  s.  oben  12  und  Lied  VII  17,  20,  dakdrima 
direkt  von  dakari  Teilung  (Lied  Vll  17)  gebildet.  Asko  und  unyo  ~  sieh 
da ;  ersteres  fand  ich  nicht  bei  K.,   statt   unyo   schreiljt  er  nyö. 

21.  Durch  ti  ma  wird  das  erste  Zeitwort  untergeordnet.  Na  zeigt 
sich   hier   völlig  zur  Konjunktion  niechanisiert,   wie  sonst  oft  zur  Präposition. 


110  Priktzk:    Ijorinisprichwörter. 

22,      Kam       klri       häko     ii        da      taryi'ina-ya       ziihui     häko. 
Menscli   Hund   iiiclit  der  Fleisch   Hase  den  er  ißt   nicht. 

Ähnhch,   mit  Bezng  ani"  taryiina,  Vi\.   nnd  T.    122: 

Kam  kiri-wa  geiii  da-nzü-ya  citdmbin     häyo, 

Mensch    llnnd   habend   ist   niclit  Fleiscii  sein  er  schmeckt  niciit. 

Also:     Wer     keinen     Hund     liat,     bekonnnt    anch    keinen     llasenhi'at("n    zn 

essen. 


23.  Ka7mi  kafuyn  kamit     tatnä      yand-he. 
Kran      kurz     Fran   Knaben  kleiner. 

Fine  kleine  Fran  ist  eine  Fran  ttir  Knaben. 

Also  etwa:  Kleine  Leute,  kleine  Sachen. 

24.  Rnsknia    ti    fanniskina-ya     közina. 
Ich  sah  das  ich  hörte  das  ii])ertraf. 

Gesehn  zn  haben  ist  mehr  wert  als  gehört  zu  haben. 

25.  KiiHöto       ii        si-ya      tussucin,  kdryu-ya    tussiicin  häko. 
Schicken  das   Fuß  den  ausruht,  Hei'Z  das  ausruht  nicht. 

.lemand   schicken  (statt   selber    zu   gehn)    gibt   dem    Fuß    Ruhe,    aber   m'cht 

dem  Herzen. 

26.  Induyae  weledi  cedia         tussena. 
Wer-  anch  innner  Diener  wenn  er  tut  ruhte. 

Wenn  man  sich  einen  Diener  anschaß't,  hat  man  Ruhe. 

27.  Kalta    nank'autd    cedin    bako. 
Sklave  Geschenk  er  tut  nicht. 

Ein  Sklave  kann  keine  Geschenke  machen. 

24.  Ti  und  ya  sind  hier  geradezu  Ailikel  für  das  vorhergehende  Wort: 
das    "ich  sah",  das   »ich   hörte«. 

25.  Kumto  =  K.  fitöö  Inf.  zu  iiötp.skin.  —  Tiissiirin  =  K.  tuSsin  (v. 
tuswiyiu)^  Jitus-tSi)i  (v.  tusniskin)  steht  hier  ausnahmsweise  transitiv.  Vgl. 
hierzu  H.-Sju'lchw.  49. 

26.  Weledi,  dem  y\rab.  entiu)nnncn,  ist  Lohndiencr,  nicht  Sklave.  — 
Für  Tussena  wiu-de  man  nach  der  betr.  Form  im  vorigen  Sprichw.  tnssicma 
erwarten. 

27.  Nankianta  ist  wie  nanyoninta  s.  oI)en  7  ein  Ilaussalehnwort  mit 
dem  Bornnpräfix  nan. 


Phikt/k:    Bornusprichwüi'ter.  Hl 

28.  Giyer       ii      dagu-ya  Tcolin       bayo. 
Fußeisen  das  Hals  den  vorbeigeht  niclit. 

Das  Fußeisen  geht  nicht  üher  (h'ii   ll.ils  hinaus. 

Sinn:  Ein  Sklave  wird  nicht  mehr  tun  als  ihm  hri'ohlcn  ist,  ein  Unter- 
gcl)ener  nicht  über  die  Weisung  seines  Herrn   hinausgehn. 

29.  TUlu       Jcdryun  kalia  cekasÖma. 
Fußblück  Mittel  Sklave  laufender. 

Der  Block  ist  ein  Mittel  gegen  das  Entlaufen  von  Sklaven. 

30.  Zoyt/ä-ya       duyuli-ya         Mein     hako. 
Kappe  die  Hintern  den  bedeckt  nicht. 

Die  Kappe  reicht  nicht  über  den  Hintern. 

Bild  für  Leute  mit  unzulänglichen  Mitteln.     Vgl.  u.  55. 


31.  Afi    nariküruyu      hune-he       ti    bela-ya  wayyeno. 
Was      Länge      der  Nacht  die      Ort       tagte. 

Solange  die  Nacht  auch  währt,  es  konnnt  der  Tag. 

32.  Afi  nankürnyu        zehel-he       ti      hela-wa  fnku-nzü-n. 

Was      Länge      des  Weges  die  Stadt  mit  Vorderseite  seine  in. 

Soweit  der  Weg  auch  ist,  er  fülirt  zur  Stadt. 

33.  Nan-dzel  ti      kidd-ya      eidin  häko. 

Eile     die  Arbeit  die    tut    nicht. 

Hast  leistet  keine  Arbeit. 

28.  Für  dayü-ya  auch  dayu-ro.     Gig^  ^=  H.  yiydr. 

29.  Tuhi  (^^3  H.^,  ist  ein  hölzerner  Block,  in  den  die  Füße  gespannt 
werden.  —  Hinter  cekasöma.  ist  zugimsten  der  sprichwch'tlichen  Knajjpheit 
he  fortgelassen;  cekasö^na  statt  kasöma  ist  auffallend. 

30.  Für  zoyuä  hat  K.  tsoya  (ähnlich  klingende  Wörter  zoyö  Korb  =  K. 
tsögö  imd  zöyo  Köcher  ^  K.  tsoye).  —  Statt  duyuli  K.  nyölö  B.  nyölo.  —  Zdcin 
(Avohl  besser  zdtcin  zu  schreiben,  vgl.  Einl.  z.  d.  Liedern)  lautet  bei  K.  tsäktiin 
von  tsanyin. 

31.  Dem  hela-ya  imyyeno  entspricht  im  H.,  seilest  in  der  Verbalwurzel, 
yari  ya-wäye.  Nur  ist  ya  hier  wie  im  vor.  Sprichw.  bei  zoytiä  ausnahms- 
weise Subjektssuffix. 

83.  Azel  entstammt  dem  Arab.,  wie  vermutlich  auch  kida.  Für  K.s 
Ableitung  des  letzteren  von  diskin  liciit  keine  Analogie  vor. 


I  1  "J  Puietze:    Rormispiitliwüitor. 

34.  l>i<liii/(ie  (ilelria  7i(i<iann''nt. 
Wvv  am-li   immer  wenn  er  eilt  er  herenl. 

Eile  wird   jedei-  Iteieiieii. 

35.  Kdiiatli    s'i     //Kl         lutii     ktf/o,      (liijä  (je/ii. 
(iiiliild  sie  auch    Maiden   tat.  Lied   ist  nielit. 

Hl  liai  rlieldveit   isfs.  was  Melil   scliafl't.   iiiclit   das  Lied   (das   heim  Maiden  «ge- 
sungen wird). 

36.  Dtnii/iih/ia     i/n'isko       dilil     si-ija  wä/ic/itia  (hra-/\    yade'f 
\'ei'stümmelt  Hand  scldeelit  sie   wenn  du  iiiclil  willst    wo  andere!' 

Kri'i|i|ii'l.   wenn    du    deine    seldeelite  Hand    vei'seinnälist.    wo    hekommsl    du 

eine  andere:' 
Also:  Noihelielf  ist  besser  als  liar  nichts. 

37.  lieyo-nnm       dihi         köii/ia      calle     kute     n-ro  ('ahtiskni. 
Axt  dein  schlecht  iiherti-af  haue  bringe  nn'i-  ich   hain'. 

n<iii('  schlechte  Axt  ist  (in)nier  noch)  hesser,  als  (wenn  du  zu  einem  andern 
sagst:)  Haue  oder   laß  mich  mit  deiner  hauen. 
Sinn:  Mit  wenig  au.skommen  ist  besser  als  borgen. 

38.  Kam  kuloi/ia        si     /na      äägel-ya  yötcin      kela-nh'i-ii. 
INIensch  Feldbesitzer  er  auch  Afte  den  jagt     Koj)f  sein  mit. 

Der  Herr  des  Feldes  selber  ist's,  der  den  Alfen  verscheucht. 

39.  Mii.sko  höyu  kännu    yUzin    bäko. 

Hand    leer  Feuer  nimmt  nicht. 

Mit  bloßer  Hand  kann  man  kein   Feuer  aufnehmen. 
Bedeutung:  Wer  ohne  Geld  kommt,  erreicht  nichts. 

40.  Inkt  cero-be  si-wa         inki         helkact-he  i/irzei. 
Wasser  des  Bauclies  es  mit  Wasser  des  Brunnens  sie  ziehn. 

Nur    kral't    des    Wassers,    das    man    in    sich    hat,    kann    man     das    Biinuieii- 

wasser  heraui'ziehen. 

Bedeutung  gleicli  der  vorigen. 

34.  Nadai/i  ist  dem  Arab.  entlehnt. 

3G.  Dunyüh/ia  vgl.  oben   14  dunyiih///K 

."57.  lipyo  =^  heoyö  \)C\  K.  Es  ist  ;=  H.  .yotoV/.  —  Dasselbe  Sprichw.  im 
11.  b.i   Mi.schlich  (Nr.  3). 

88.  Yf)tCi/i.  gleichbedeutend  mit  dilz/'/i  (s.  oben  1 1 ),  bei  K.  i/nk(,s//i  v.yo«///^/. 

M).  (Jemeint  sind  die  glühenden  Kohlen  oder  der  Feueibiand,  die 
man   für  eignen  (Jebrauch  andeiswo  entlehnt. 

40.  K.  beschreibt  halyatSi  als  sehr  tiefen  Brunmu.  der  oft  180  bis  80li 
Fuß   bis   zum   ()ucll\\  asser   unter   felsiu:ei'  Schicht   liinuntcitictrieben    \vir<l. 


PniEi  ZK  :    Boniusprichwüi'ter.  113 

41.  Gagiskina  yöniskint         ni-ka       vettüleyin        bakü. 
Ich  ging  hinein  ich  nalun  nicht  dich  hringt  lioraus  nicht. 

Ich   hin  hineingegangen,  hahe  aher  nichts  genommen    —  das  hilfl    i\\v  niclit 
herans  (zn  einem  des  Diehstahls  Beschiihh'gleii). 
Also:  Lengnen  nutzt  niclits. 

42.  Bdrhn    kela-nze-ro         saidacim         hako. 
Dieh  Kopf  seinem  Zeugnis  leistet  nicht. 

Ein  Diel)  kann  nicht  für  sich  seihst  zeugen. 

43.  Indmjae  kanasim  cidia  ijamhath-ya  citana,  koro 
Wer  aucli  immer  Traum  wenn  (m-  machte,  Katze  er  faßte,  wieder 

kanahim  cidö        si-ga  kwolUna. 

Traum  wird  machen  sie     er  ließ. 

Wer  träumt,  er  hahe  eine  Katze  gepackt,  wird  auch  (i-äumcMi,  er  hahe  sie 

losgelassen. 

44.  Biyil  dünia-he        lahira-he  yeni. 
Bett  der  Welt  des  Jenseits  ist  nicht. 

Im  Jenseits  wird  man  anders  gebettet  sein  als  hicnieden. 

45.  Nangüdi  dünia-he  nanyüdi     lähi-ra-he         yf w- 

Armut    der  Welt  Armut  des  Jenseits  ist  nicht. 

Armut  auf  Erden  bedeutet  nicht  Armut  im  .lenseits. 

46.  DUnia  fäto      kwoltü-he. 
Welt  Haus  des  Lassens. 

Die  Welt  ist  ein  Haus,  das  man  verläßt. 

47.  Lumzm  hdrka,  wazia  harka! 

Wenn  es  Abend  wird,  Heil,  wenn  es  tagt,  Heil! 

Denn  es  ist  ein  Segen,  daß  man  den  Ta,g  überlebt  hat,  und  ein  Seg(;n,  daß 
man  nicht  in  der  Nacht  gestorben  ist. 

41.  In  cettülegin  liegt  eine  etwas  rätselhafte  Form  vor.  K.  erwähnt 
tidüyeskin  ich  bringe  heraus  als  abgeleitet  von  lüyeskin  ich  komme  heraus. 
Doch  wird  das  Präf.  te  sonst  nicht  in  causativem,  sondei-n  in  rellexivem 
Sinne  gebraucht,  und  bei  dem  tt,  das  mein  Gewährsmann  sjiricht  und  schreibt, 
ließe  sich  vielleicht  auf  einen  Rest  von  K.'s  Causativconjiigation  mit  dem 
Vorsatz  yiye  vor  einem  reflexiven  tu-liiyeskin  schließen  (yiye-tii  =  yiltu,  3. 
Sg  cittu. — ).     Vgl.  übrigens  K.  Gr.  S.  168,  3.  Z.  v.  o. 

43.  Dies  Sprichwort  findet  sich  fast  wörtlich  schon  in  Pfl.  und  T.  132, 
Ich  bringe  es  von  neuem  wegen  der  hiesigen  \'ariante  cido,  die  als  Indef  II  dem 
dortigen  Perf.  vidi  entspricht.  —  Vgl.  noch  Nr.  57  meinei-  Il.-Spiichwörter. 

47.  Zu  lunizta  vgl.  K.  liimyin  (i.  sy.  lupUiii)  taiu;!ie  unter,  hildl.  sterbe, 
zu  waiia  vgl.  wayymo  v.   31. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Spraclieii.  1915.  111.  Abt.  8 


II  J  Piukt/k:    Bormispricliwürtor. 

48.  A(/o         siiha-be  ti     ■si       ypii  kaziri-n. 
Saclu'  tlfs  Morffcns  die  sio  ist  iiiclit  ;iiii   AIk-ikI. 

V.s     kann     voi-    Nacht     K'iclit    anders    woi'dcn.     als    es    am     friilicii     Mnrn;<>M 

war. 

49.  Dünia  ti     inki'         kclat'i(jü-he-(jpi,         kaiirizia     mä     däzi       liäko. 
Welt  die  Wasser  (li's'iaiies  j;ieieli.  w  cnii  es  spät  wird  es  ist  aiisiiiolils. 

l);is    I.clieii    ist   wie   Morii;eiitau :    wenn   der  .Mieiid   naht,   ist    iiielits   mehr    da- 
von  \(»ihanden. 

50.  Kitizü      titö       kiniä        yeni,  khizä        .saß-i/ai/*'  (i  mä 
Tiinlu'ii  eins    Trinken   ist  nicht,  Trinken    wenn    ancli    immer   das 

kinzä      yn. 
'I'riuken  ist. 

Anf  einmal   trinken   ist    nicht   (das    reclite)    trinken;    immer   wie(h'r   tiinken 

das  heißt  trinken. 

Dies  Wtirt  warnt  voi-  Mißhranch  gastlicher  Güte.  Zu  seiner  Erlänte- 
rnn^  erzählte  Gewährsmann,  wie  Murka,  Bruder  Tanimans,  des  Herrschers 
von  l)am;'iu;aram.  einmal  auf  Einladung  eines  Armen,  seine  Erdnüsse  zu 
kosten,  mit  einem  Kamel  gekommen  sei  und  dessen  ganze  Erdnußernte 
(brtgeschlej)j)t  habe,  weshalb  man  noch  heute  dort  sj)reche:  daidni  dai  vc 
tüiie-l  yüzie-l  Mnrkd  ==:  einmalig  war  das  Nußausgrahen  iNIurkas. 

51.  Kineri-ya  yazimml,  yafara-nh'i      münnako     yülein  Imyo. 
Erdeichhorn  das  du  tötest  nicht,  Schwanz  sein  ziehet  ah  du  sagst  nicht. 

\\'enn    man    das  Erdeichhönichen    nicht    erlegt   hat,    sagt    man   auch    nicht: 
Zieht  ihm  den  Scliwairz  ah. 

Sinn :  ^lan  soll  des  Bäi'en  Fell  nicht  verkaufen,    hevoi-  man  ihn   hat. 

IS.  Kalirl  fK.  katSirt,  B.  kaUeri)  ist  d.  Spätnachmittag.  Sitha  aus  dem 
.\rali.,  dem  Bormj-Lauthestand  angepaßt. 

50.  Für  kinzä  auch  kiniä.  —  Sqfi  erkläi't  sich  aus  B.  saa-hi  Stimde 
(ai-ah.)   welche. 

51.  Münnako  v.  munniskin  =  K.  münyin  (3.  sy.  muktsin)  ich  reiße  Jins. 
liier  bedeutet  es  das  Abstreifen  des  Schwanzfells.  Kineri  =  H.  kureyr  s. 
I^ll.  imd  T.  121.  P]s  wird  gern  gejagt,  da  sein  Fleisch,  besonders  das  di's 
Schwanzes,  i"\\r  einen  Leckerbissen  gilt  (II.  kureyc  niiyerdi-n  wUzia  ■=■  das 
Erdeichhorn  nn't  dem  wohlschmeckenden  Schwanz).  Das  Haar  aber  wird 
sorgfältig  vei'l)i'annt,  weil  man   glaubt,  daß  schon   eins  davon,  auf  die  betr. 

l'eile  fallend,  genügen   würde,  die  a.  a.  O.  erwähnte  schlinmie   Wiikung  zu 
üben.     \1.  sehi-eibt  kinnJ^i. 


Prif.t/.k:    Bomnspriclnvörter.  115 

52.  Aß  nankici  kada-be  ü,         kiila        hako  Si-ya 
Was    Annehmlichkeit    des    Troninielns    das     {'roiiiineln     nielil     es 

közina. 
über  trifft. 

So  angenehm  das  Trommeln  ist,  Nichttrommclii  ist   liessci-. 
Sinn:  Keden  ist  Silber,  Schweigen  ist  (iold.     \'i;].  (17. 

53.  Tlankali-ica     zeiÖ   maryuhdm-he. 
Klugheit  mit  töten  des  Urol. 

Es   gehört   Klugheit   dazu,   einen    Urol    zu   töten.      Allgemein    auf  Kenntnis 
von  Kunstgriffen  angewandt. 

54.  Diskina  mä  diskini-yei  bare         na  barrniskina-ya. 
Ich  tat  auch  ich  tat  nicht  gleich  hacken   Ort  ich  hacken   den. 

Dort  hacken,  wo  ich  schon  gehackt  hal)e,  heißt   so   gut   wie    nichts    getan. 

Es  ist  hiermit  das  gemeint,  was  wir  Eulen  nach  Athen   ti-agen  nennen. 

55.  Yenye     marädi      külyu-ya    a-salaciii    bäyo. 
Hose  Verlangen  Tobe  die  erreicht  nicht. 

Die  Hose  kann  dem  Zweck  des  Rockes  nicht  genügen  (reiclit  nicht  soweit). 

Sinn  wie  30. 

56.  Alla        kiri-ya  iväzia  siro  tiiiw  cifi        i/äbu 
Gott    Himd    den   wenn   nicht   mag    ihm    Geschwür  er    gibt    nu'tte 

kela-wze-ro. 
Kopf  seinen. 

Wenn  Gott  einen  Hund  nicht  leiden  mag,  gibt  er  ihm  eine  Schwäie  mitteu 
auf  den  Kopf  (wo  er  sie  nicht  heil  lecken   kaiui). 

57.  Ka//i    kwale  fänzim    bäyo        köa  cerö. 
Mensch   laß   er  hört  nicht  wenn  er  wird  sehen. 

Wer  auf  Abmahnung  nicht  hört,  nuiß  nachher  sehen  (was  er  angeiiehtet  hat). 

58.  Kam        letü  cfrayta  köa       külo-ro       lezö. 
Mensch  gehn  wenn  er  liebt  wenn,  Feld  zu  er  gehn. 

Wer  gern  ausgeht,  der  gehe  auf  den  Ackci-. 

52,  Kida  ans  H.  kdda. 

53.  Vgl.  K.  anyal  (aral).  ^aql)  Klugheit,  dnyahm  klug.  —  Marytd)an 
=  Y{.  dämo  Urol,  große  Eidechse  vgl.  Ptl.  und  T.  71,  74.  Sie  wird  gern 
gegessen,  ist  aber  schwer  zu  töten,  es  sei  denn  man  bohre  ihr  einen  Halm 
an  einer  zugänglichen  Stelle  am  Hals  in  die  Luftröhre. 

55.  Zur  Herkunft  von  asalacin  vgl.  Lied  \'II  9;  hier  steht  es  transitiv. 
57.  Zu  dem  mit  kÖa  schließenden  Bedingungssatz  vgl.  Lied  \\\  9. 

8* 


11(5  Phikt/.k:    nornusprichwörfer. 

59.      Kam       indna    yübu-ya     c^rayö      köa    kira-yu  kirazö. 
Mvnscli  Wort   viel,  (las  er  liclit  wenn  Lesen  ei-  lese. 

Wer  viele  Worte  lielit,  dei-  lese. 


60.  Kam  Ihäda-ya  öerayo,        zama-ro  lezö. 
Mensch  Gottesdienst  den  er  liebt  Moschee  zu  er  m'he. 

Wer  gern  hetet,  gehe  in  die  Moschee. 

Gleich    dein    vorigen    auch    allgemeiner   angewandt:    Wei*    krank    ist, 
gehe  Zinn  Arzt,  wer  Recht  sucht,  zum  Richter  u.  s.  w. 

61.  Kam       kamoä     mäzin       kud     kämo  mälum-ya    rtzö.  Kam 
^len.sch  Weiher  er  sucht  wenn  Frau  des       er  furchte.      Mensch 

kamoä      mäzin       kud    kämo    kanrlira-he        rlzö.  Kam  kamoä  mäzin  knd 

Weiher  er  sucht  Avenn  Frau  des  Jägers  er  fürchte. 

kamo  mai-be  rlzö.      Ydsku  die     ayö  rttu-he. 

Drei  dies  Ding  des  Fürchtens. 

Wer  Weihern  nachgeht,  der  hüte  sich  vor  der  Frau  des  Geistlichen,  der 
Frau  des  Jägers  und  der  Frau  des  Königs.  Diese  drei  sind  genUirlich. 
Denn    der    erste  hat   arge  Zauber,    der   zweite   seine  Waffe,   der   dritte    die 

Macht. 

62.  Ka77i      Alla        yodezim  kua       azabd-nzü-ya      yodeyyäno. 
Mensch  Gott  er  dankt   nicht  wenn  Pein   seine  die  er  dankte. 

Wer  Gott  nicht  dankt,  hat  seiner  (ewigen)  Pein  zu  danken. 

63.  Alla  yammi  knd,      setdn-ya         ziydm. 
Gott  du  folgst  nicht  wenn  Teufel  dem  du  folgst. 

Wenn   man   Gott  nicht  folgt,  folgt  man  dem  Teufel. 

64.  Ziyö      Alla-be       yeni         kud,       ziyU       bökü-be: 
Folgen  Gottes  ist  nicht  wenn  Folgen  des  Leeren. 

Gott  nicht  folgen,  heißt  dem  Nichtigen  folgen. 

59.  Gemeint  ist  das  übliche  laute  Lesen  in  den  Schulen. 

60.  Ibada  aus  d.  Arab.  wie  zäma. 

62.  In  yodi^zini  scheint  mir  das  nn  der  arab.  Schreibung  weder   ety- 
mologisch noch  phonetisch  l)erechtigt. 

().'{.,   VA.  Ziyam   beweist,    daß    es    zu    yaskin    eine    Nebenform    liydskin 
gibt,  die  auch  (U-iii    Inf.  ziyö  (K.  ?'/yä)   entstammen   wird. 


Pkikt/.k:    lioniiispriclivvörter.  117 

65.  Kam      'null        kcla-uzä  fatauKu  kam       imli         kt'ln-nla 
Menscli     2     Kopf     iliren     venialinieii,    IMoiiscIi     2     Kopf     ihren 

fatvatd:  täta-ioa  Jero-wa  Jcela-nza      fatmna,  kumiirvo-wn 

vci'iialimen  nicht  Knabe  nnd  Mädchen  und   Kopf  ilircn  vcniahinrn  Alte  und 

kiäri-wa       kela-nzä  fätcani. 

Alter  und  Kopf  iln-en  vernahmen  nicht. 

Zwei    verständigen    sich,   und    zwei    vervStändigen    sich    nicht:    Knahc    und 
Mädchen  verständigen  sich,  Greisin  und  Greis  al)cr  nicht. 

66.  A(jö  yaskü  ti    aß  nandihT         ni-ro  cidö-yao  sandi-ya      wdniiin 
Ding     3     die  was  Schlechtigkeit  dir  tut  auch  immer  sie  du  hassest 

bäyo:  kanmi      tata-nüm  cezö-yae  .si-ya  wänicm        häyo,        inkt 

nicht   Feuer   Kind   dein    es    töte   w^enn    auch    es   du    hassest    nicht  Wasser 

täta-nüm  cezo-yae    si-ya     wämtm     häyo,  kninbu    täta-num      cezö-yae, 

Kind  dein  es  töte  w^enn  es  du  hassest  nicht,  Essen  Kind  dein  es  töte  wenn 

§i-ga         imnum       häyo. 
auch  es  du  hassest  nicht. 

Mögen    sie   dir    noch    so    viel  Böses    zufügen,    drei  Dinge   hassest    du    nicht, 
nämlich  das  Feu^-,  das  \Vasser  und  das  Essen,  seli)st  wenn  sie  dein  Kind 

umbringen. 

67.  Zance  yühu    lifila-ro         icölzia,        nähtn  kidik  ti     dinar-ro  wölzin.. 
Rede    viel  Silber  zu  wenn  wird  Sitzen  still  das  Gold  zu  wird. 

Wenn   >iel  Reden  Silber  wird,  so  wird  Stillschw^eigen  Gold.     Vgl.  52. 

68.  Kam       letü      yidma       ti     mäna  H-ya       közin  häyo. 
Mensch  Gehn  viel  mit  der  Wort  ihn  geht  vorüber  nicht. 

Wer  viel  herumkommt,  dem  entgeht  kein  Gerücht. 

69.  Letü         are  ti    M  mä     fula-wa         kam-wa     dakarco. 
Gehn  itommen  das  es         Butter  und  Milch  und  teilt. 

Das  Hin  und  Her  sondert  Butter  und  Milch. 
Bedeutung:    Ein  eifriger  Zwischenträger   bringt  Freunde  schnell  aus- 
einander. 

B5.  Ähnl.  Nr.  fi.5  meiner  Haussasprichwörter.  Alte  Frau  bei  K.  kemSrsö, 
kiimürsd^  bei  B.  kitmürsü. 

67.  Zance  Vfo\\\  dem  II.  entlehnt.  Kidik  wurde  bei-eits  in  meinen  -Spc/if. 
Verstärkungsadverbien«  (s.  o.  18)  angeführt  ^  K.  krdey,  vgl.  K.  nemyata 
kfrky  —  ^,anz  still,  keden  nänyiib  ich  verhalte  mich  ganz  stdl. 

69.  Hier  ist  das  aus  Lied  HI,  XV  u.  a.  als  Imperativ  bekannte  in- 
deklinable are  Inf.  —  Zu  dakarco  s.    12. 


I'imkt/k:    I!orinispricIiwöi(<*r. 

70.    Tut"        /'  ''"  Jir-fia  züfci  haho. 

Kintl  der   Knli    l'lcid  dem  loli;!   niolil. 

Das   Kall)  iolut  nii-lit   dem   IMenl.-. 


71.  Tatn  mä(um-bc  karidira-ya    züfci  hakn. 
Kind  des  ^I     Jäger  dem  folgt  nicht. 

Kines  Geistlichen   Kind  schließt  sieli   an    keinen   .läger  an. 

Wie  das  Vorige  Umkchnmg  von:   Glcicli  und  gleich  gesellt  sich  gern. 

72.  Lrlctii-ya         nabtü-ya  köU,  kalyi-yae       yiihdninirnJ. 
Tiichtiggehn  das  Sitzen  das  hat  übertroffen,  Dorn  wenn  auch  dn  trittst. 

Rlunler  drauf  losgehen  ist  hesser  als  Rast,  auch  wenn  man  auf  Dornen  tritt. 

73.  Ko.suwa  Vantä  eidin       hakn. 
Schuld  mit  Geschenk  er  macht  nicht. 

Sinn :   Wer  Schulden  hat,  bezahle,  ehe  er  GcscIkmiUc  macht. 

74.  Gnltü        kida     hakn,  hnku.  » 
Sprechen  Arbeit  nicht,  leer. 

Reden  ist  keine  Arbeit,  sondern  zwecklos. 

75.  Kiri-nüm  fanimi,  hültii  ytihoyüm-yn       airima     ti, 
Behagen    dein    du    hast    gespürt    Hyäne    Hahn    den   sie    sah  da. 

yviziiia  si-rn'.      Da        hümma         knlümma,     halle    keln-nem-ro     kilennmma. 
sagte    ihm:   Fleisch  du  aßest  du  wurdest  satt  ])is  Kopf  dem  zu  du  wickeltest. 

Du    linst    dir\s    wohl    sein   lassen,    s})racli   die   Hyäne  zum   Hahn,  als  sie  ihn 

betrachtet  hatte.     Erst   hast  du    dich    in  Fleisch    satt   gefressen   und   es   dir 

dann  noch  um  den  Koj)f  gewickelt. 

Lediglich  Scherz  über  die  rote  Zierde  des  Hahnenko[»fs. 

76.  fa?idn  nanynni-ya         knltna. 
Gewinnen  Meisterschaft  die  übertraf. 

Gewinn  ist  besser  als  Geschicklielikcii. 

71.  Zwischen  beiden  Ständen  herrscht  keine  Syrnpalhie. 

72.  Lelftü  -^-11.  tajifia.  —  Dorn  K.  kaliyi  15.  karayc.  —  (tutxiiinlskin  — 
K.  yvhänyin  (3.  .sv/.  yehdtt.sin). 

7;i.  Zu  kosuna  (K.  — )  vgl.  B.  kmc-ma  Schuldner  von  küsii,  küsr 
Schuld. —  k'ai/td  s.  27. 

7H;  Zu  itanynni^  das  mit  dem  Abstrakta  hildenden  l'rälix  \()n  dem 
Il.-W'oit  ymii  abgeleitet  ist,  vgl.  nanyoiihita  7. 


I'kikt/.k  :    l!(irmis[)iicliuüi-ter.  119 

77.  Rayo  fandö  (/r>/L 
Wollen   GewiniuMi   ist  nicht. 

Sinn:    Kin   TIal>"   ioii   ist  licsscr  als   ein    lläll"    ich. 

78.  Kam         süba     ni-ka  wäzia  knhirizia  ni-kn 
Mensch  3Iorgcn  dich   wenn  nicht  mag.   vvcini  .Vhend    konniil    dich 

cegarin    Imko. 
er  lieht  nicht. 

Wer  dich  am  Moi-gen  nicht  leiden   mag,  licht    dich,  wenn    es  Aheiid    wird, 

(erst  recht)  nicht. 

79.  Kam      ni-ka  wäzia  biine-?i,  ■'ntha      ni-ka    cero 
]Mensch    dich    wenn    nicht     mag    Nacht     in.    Morgen    dich     sieht 

döla-nzü. 
Zwang  sein. 

Wer  dich  in  der  Nacht  haßt,  muß  dich  doch  notgedrungen  am  INIorgen  dulden. 
Denn  am  Tag  schützt  dich  die  Ohrigkeit. 

80.  Giro      aryim-he      nankultu-ga     cakin  häko. 
Kauen  des   Ivorns  Sattigkeit  die  setzt  nicht. 

Korn  kauen   macht  nicht  satt. 

Sinn:  Manches  läßt  sich  nur  durch  größeren  Autwand  an  Kraft  oder 
Mitteln  erreichen. 

81.  Matüma      hi    mä   nmthasära-ya    cünii. 
Suchender  er  auch  Verlust  den  er  sieht. 

Wer  auf  P^rwerb  ausgeht,  erlebt  auch   Verlust  (den  der  Besitzlose  nicht  zu 

fih'chten  hat). 

82.  Güdi       rero  kindayo-yaye  si-(ja       yakkemia         naiiyndi 
Armer  Bauch   Fett  w-ie  auch  inntier  ihn    wenn    du    setzest  Arimit 

nzi'i        cettnleyiv. 
seine  bringt  heraus. 

Und  wenn  du  den   Armen   mitten   ins  Fett  li ineinsetzest,  seine  Arnuit  bringt 
ihn  doch  wieder  heraus.     Dass.  Nr.  54  meiner  H.-Sprichwürter. 

Also:  Armut  ist  ein  Fluch,  gegen  den  es  keine  liille  gibt. 

78.  Kazirizia  s.  o.  49,  siiha  48. 

79.  Döla,  nicht  bei  K..  deckt  sich   in  d(M-  Bedeutung  mit  II.  tilas. 

81.  Nanhasara  aral).   Lehnwort  mit  Bornuj)rätix. 

82.  Zu  kindayo  vgl.  K.  kendäye  geschmolzene  Butter.  —  Zu  cettüleyin 
vgl.  0.  41. 


I'Jd  I'iiiKT/.K:    liuriiuspruliwnrlfr. 

83.  Ihikdii     l>nkhn-ht      kiln  .ii'lln-hr  i/m         niinirin    i/ii:in. 
Aiilril   dci'    Kn'itc    Kopf  (Irr   Diiiiip.ilmc   wie   ;iiicli   l'iillt      nimmt. 

\'oii   wrlrlu'c   I)iiiii|i;iliiii'    der  Kröte    ilii-  Teil   ziiralleii   in.'ijj;,    von   der  niininl 

sie  es. 

Hild   i"üi-  den   Fioinmeii.  der  gottergehen  €Tl)\\artet,   was  ihm  y.unillt. 

84.  Wätuma-nitm    soba       sawnrtüma-he       </erii. 

Feind  dein   Freund  des  Ratgehers  ist  nicht. 

Dein  P'eind  ist  kein  Freund  dessen,  der  dir  guten   Hat  giht. 

85.  ^1//  ti     zama         st-he,  hrlhi       kokkö-ya  gnhatcinn  ti. 
Die  da  Erwerh  des  Fußes  Hyäne  Kröte  die  sie  trat  da. 

Das  ist  eine  Beute  des  F^ußcs,  sprach  die  Hyäne,  als  sie  auf  eine  Kröte  trat. 

Also:  Ein  gefundenes  Fressen. 

86.  Be-yae  karua    ma     kaku  go. 
Trockne  Zeit  wie  auch  Wind  auch   Kühe  ist. 

Seihst  in  der  heißen  Zeit  ist  der  Wind  kaU.. 

.Vllgemein  auf  Umstände  angewandt,  die  in  guten  wie  schlechten 
Zeiten  dieselhen  hleil)en. 

87.  CT    bnkü  si     mä         kinäwa       gn, 
Minid  leer  er  auch  Hunger  mit  ist. 

Hin   leei-er  Mund  ist  auch  hungrig,  d.  h.  wer  nichts  hat,  ist  inuner  hegehrlich. 

88.  Kqltii    hili       rerfj-n         kargi'm         kinäioa-he  //f"*'« 
Lassen  Kot  Bauch  in   Heilmittel  des  Hungrigen   ist  nicht. 

Den  Kot  im  Leihe  hehalten,  lullt  nicht  gegen  den   Hunger. 

Bedeutung:  Dadurch,  daß  man  seine  Schulden  niclit  hezahlt,  konuut 
man    noch   nicht  zu  Besitz. 

Da.sselhe  im  H.,  und  zwar  als  Nr.  4  in  JNIischlich.s,  als  Nr.  52  in 
meiner  Sju-ichw'örtcrsanuulung;  doch  scheint  mir  die  i-ich(ige  Erklärung  erst 
hier  vorzuliegen. 

8.3.  Dakdri  s.  20. 

SJ.  Sairorfi'i/na  aktives  Fartiz.  zu  dem  aus  dem  Arah.  entlehnten 
ydicaniiskiii   ich   rate. 

85.  Zama  f'ntsj)i-iclit  vielleicht  dem  /sdma/i  Krieg  K.s;  es  soll  Beute- 
anteil  l)ez(>ichnen. 

86.  Jie^^W.rdni  ist  die  trockne  Zeit  im  (Jegensatz  zu  ningeli  =l  \\. 
tlämana  Kegcnzeit.  —  Kälte   B.  kägo  K.  kagü. 


I'rikt/.i:  :    r»oriiii.spriclivvört(M'.  121 

89.  Mi(sk(>        tiil't-lir-n  mi'isho       cidiiin-lic-n         kdzhin. 
llaml  des  Gipfels   in   liaiul  des  Rodens  in   ühertiaf. 

Die  Hand   oben   ist  l)esser  als  die  Hand   unten,  d.  Ii.  Ciettcn  ist  Itesser  (IVoni- 
nier,  vornelnuer)  als  Nelnnen. 

90.  i\  <   >/a  /andümma  lodrasa       ahä-mtm-he         yoi^         il>ra-(jn 

Du   erlangtest  Erbschaft  Vater  deines  ist  nicht  Nadel  die 
fandHmma. 
du  erlangtest. 

Wenn  du  etwas  erbtest,  das  niclit  von  deinem  Vater  stanunt,  hast  du  eine 
Nadel  gefunden  (d.  h.  einen  unverhofften  Gewinn,  mag  er  auch  gering  sein). 

91.  Induyae  Jcäci-ga  cerüya  zana-nzua 

Wer   auch   immer   Perlhuhn    wenn    er   sah  Zeichnung    seine    mit 

si-ya    cero. 
es  er  sielit. 

Wer  ein  Perlhuhn  sieht,  sieht  es  nn't  seiner  Zeichnung. 

Bedeutung:  Mit  der  Person  fallen  auch  die  angeborenen  Vorzüge  ins 
Auge. 

92.  hiduyae  nandihi  kela-riM-he      cnrui       häko. 
Wer  auch  immer  Schlechtigkeit  Kopf  seines  er  sieht  nichl. 

Die  eigne  Schlechtigkeit  sieht  niemand. 

93.  WaHzäm         rctü-ya  wäzina. 
Barbier  Einschneiden  das  mochte  nicht. 

Der  Barbier   mag  das  Tätowieren  nicht  (das  er  selber  mit  dem  INIisser   an 
andern    auszuführen    hat).     Denn    am    eignen  Leibe    täte   es   ihm    zu   weil. 

94.  Induyae  kaki-nzu  wäzia  kaki-nhi       ycm. 
Wer  auch  immer  Besitz  sein  wenn  nicht  mag  Besitz  sein  ist  nicht. 

Wer   das   Seine   nicht   mag,    dem   gehört  es  auch  nicht.     Ein  Brudei-  z.  B., 
den  man  nicht  liebt,  ist  eigentlich  kein  Bruder. 

90.  Die  Partikel  ya,  nach  M.  auch  im  H.  vorkommend,  soll  zur  Ver- 
stärkung von  nT  dienen.  —  Wärasa  aus  dem  Arab.  wie  auch  ihra  ^^  H.  librn; 
das  II.  pllegt    in    solchen  Entlehnungen   den  Artikel   mit   herüberzunehmen. 

91.  Zdna,  eig.  zdnl,  aus  dem  H.,  Stoff,   Tuch,  dann  Muster,  Zeichnung. 

93.  Als  sinnverwandt  nennt  Musa  das  H.-Sj)riclnvort:  Barä»  ha-ya  sä 
a-ma-sa  mta.     Der  Dieb  hat's  nicht  gerne,  daß  man  ihn  bestiehlt. 

94.  Hier  verzeichnet  Gewährsmann  die  Übersetzung  ins  H:  Kmm  yn- 
ki  iiäsa  ha  näsa  ha  )ie. 


1*22  I'riki/.k:    I!(iriiiis|)iii'li\\örl('r. 

95.  Läfiiid     f»'/(J  karnufu :  kaziri  rl<)i/aiii-i/iii , 
.Icnsoits  SJadt  nahe:  Sjiiidiacliinittai;    du    In  aolist    aul"    u«iiii    auch 

;/'/      ti>t»-m        höiiimin. 
( >il    jnuT  an  ihi   nihst. 

Das    .I(Miscils   ist   ^'uw    nalic   Stach;    iiia^st    (hi    auch    erst    i;('j:;rn    Alicml    ;nil'- 
hncheii,  zur  Nachtnilic   wirst  (hi  dort  sci>i. 

Sinn:   Wer   weiß,   wie  nahe  mir  mein    Knile. 

96.  WqrtH      Ma-nem-ffa  Jfözia,  kein  iudn-he-tjnh 
\\'eil"en  Kopf"  dein  den  wenn  es  vorheiging  Kopf  wessen  auch  ininier 

cukiirö. 
es  falle. 

Mag  der  W'nif  den    Kopf  jedes  andern   Irelfen.   wenn  ei'    nur    am    deinigcn 

vürl)eigeht. 

97.  Kniiküna  inäna  ztloma. 

Geld     Wort    tötend. 

Sinn:  INIit  Geld  hringt  man  Gerede  zum  Seliweigen. 

98.  Bnltu-yae  kiiizo-nzü-ma  zigerin  bako. 
Hyäne  wenn  auch  Geher  ihrer    heißt    nicht. 

Seihst  die  Hyäne  heißt  den  nicht,  der  ihr  etwas  gilit. 

99.  Kaci-j/ae  zire-ya         rüizina:      Kam  kiilnma 
rerllnihn    wenn    auch  Wahrheit    die    kennt:    Mensch    Ackerherr 

ninhm    ti    cekasin. 
es  sah  da  es  läuft. 

Seihst   das  Perlhuhn    weiß  Bescheid:    hat    es   den   Feldliesitzer   erhh'ekt,   so 

entflieht  es. 

^5.   Nahe   K.  karahge;  zu  kaziri  vgl.  49. 

flH.  Statt  wortdskin^  das  durch  den  Inf.  tonrtii  vorausgesetzt  w  ird,  liahen 
K.  (jpmxjin  H.  (jemni.skin  z=.  ich  werfe.  Zu  cukürö  vgl.  K.  tsnknrn  als  Fut., 
tsuküre  als  Indef.  II;  doch  würde  es  sich  in  der  Red.  eher  mit  dem  letzteren 
decken.  —  Der  Sinn  des  Sj)richworts  deckt  sieh  mit  den  Worten  Ganclons 
in  Uhlands  Gedicht:  War' ich  mit  guter  Art  (la\on,  müg'  euch  der  Teufel 
holen. 

MS.  Wie  lehendig  die  Ilildinig  vei'mittels  des  hesitzanzeigenden  oder 
Nomina  agentis  schaflenden  Suffixes  ina  ist,  zeigt  kinzo-iizu-ma,  wo  kiiizö 
(Inf.  zu  1/ixkin  ich  gehe,  hei  K.  ntsö)  vor  ihm  noch  ein  Posscssivsufl"  erhält. 
Die  SuflHxe  sind  im  Kanuri  einerseits  beweglich  genug,  um  auch  an  komj)lexe 
Ausdrücke  angefugt  zu  werden,  anderseits  ist  dieser  .\nschluß  so  fest, 
daß  er  chn  vorhergehenden  Vokal  beeinflußt,  vgl.  ayö-ma  aus  ago  s.  n.  100 
und  zana-iizüa  aus  zam  s.  o.  91. 


Pkikt7.k:    noriuispiicliwörtcr.  128 

100.  A<f<j-ma  si-mä     karj/iai     ni/o-iilü-hc. 
Der  Saclie   Herr  er  aucli  Mittel  ISaclio  seiner. 

Was  man  besitzt,  damit  weiß  aneli   uniziigeliu. 

101.  DiskT  köa  rnec/u  aha  iitegit    i/tid. 
Ich  lia!)e  gemacht  Mann   10  Vater   10   ist  nieiit. 

Ivs  ist   inuner  noch   t)csser,  zehn  Männer  als  zeiin  Väter  grhalit  zu  iiaix-ii. 

102.  AgÖ    ati  Mittu,  zoli  hili-ga  zubüna  ti. 
Ding  dies  nicht  lieblich,  Narr  Kot      er  aß  da. 

Das  schmeckt  niclit  gut,  sagte  der  Narr,  als  er  Kot  gegessen  hatte. 

103.  Ktinhi)ia-)ii  hü.skin,  kandin  sahuni  kailninia  ti. 
Geld  mein  ich  esse    Tara-i    Seife  als  er  gekauft  hatte  da. 

Es  ist  mein  Geld,  was  ich  verzehre,  sprach  der  Targi,  als  er  Seife  gekauft 
hatte  (in  der  Meinung,  es  wäre  ein  Leckerbissen). 

Trostspruch,  wenn  man  mit  einem  Kauf  nicht  zufrieden  ist. 

104.  Kokö-yäe  marädi-ni-ga  asalacia         gidegü-ga     közina, 
Geier  wenn  auch  verlangen  mein  wenn  erfüllte  Strauß  den  ül)ertraf. 

Ist's  auch  nur  ein  Geier,  der  mein  Begehr  erfiillt,  er  gilt  mir  mehr  als  ein 

Strauß. 

105.  Ningili-/i-yae  kdziin-zua, 
Regenzeit  welche  auch  immer  Rasen  sein  mit. 

Jede  Regenzeit  hat  ihren  eignen  Rasen. 

Angewandt  namentlich  auf  die  Eigenart  eines  Herrschers  in  ilirer 
Wirkung  auf  das  Land. 

106.  Daltmi  inargithdn-ga  curüna  ti,  yiilUiia  H-ro:         Laie!  Am 
Eidechse  Urol  den        sah      da,    sagte     ihm:   Willkonuncn  I   Leute 

dega-be  rero  herjü-he  hei  bako        illa         dagv-nza-v 

di-außen    von    Bauch    der  Stadt    sie    konunen     niclit    außer     Hals     ihr    an 

zie-wa  isei. 

Strick  mit  kommen. 

102.  Vgl.  K.  kiitn   v(>rd(irl)en,  schlecht,   unaiigonehm. 

103.  Die  Tuareg  spielen  dort  die  K'ollc  dvs  Barbaren,  die  bei  den 
seßhaften  Ara])ern  den  Beduinen  zufällt. 

104.  Kökri  Geier  =  K.  kog('  B.  köyo  auch  in  der  .\uss|n"ich(-  unter- 
schieden V.  krjkkö  Kröte  (s.  o.  83,  85)  =  K.  koko  B.  kdgo.  —  Marädi,  asalari 
vgl.  Lied  Vll  9. 

106.  Während  der  Urol  als  Wildbret  geschätzt  wird,  ißt  man  die 
Eidechse  nur  als  INIittel  gegen   Halsentzündung. 


1"J.J  I'kutzk:    lidiiiii-piirliwöitei'. 

Als    dii'    l.iiU'ilix-    (liii    l'rdl   snii.   s|ii;u'li   si(^   /ii   ihm:    Willkdiiimni  I      L.iiul- 
Ifuti'  kdiniiuM»   mir  mit   ciiirm   Stiick   am    Halse  in   die  SUnll. 

Dvv  l'iul,  der  hier  von  seinem  kleinen,  in  dci'  Sladt  ansiissij;cn 
Stammesvettor  liemideidct  wird,  weil  er  ihr  nui-  als  ,la;;tliieute  j^ill,  ist  ein 
Hild  fiir  die  Landh-nte.  die  nni-.  wenn  sie  vor  den  Kiehter  gefordert  sind, 
in  der  Stadt  erscheinen. 

107.  Jl(ir</ufi(hi  (/itlziua:    Kanodi       kd-'^o-ya        köziiia. 

l'rol       er  spracii  Geduld  Laufen  das  fibertraf. 

Der  Urol  sa{j;f:   Geduld  ist  l)esser  als  laufen. 

In  Nr.  76  meiner  ll.-Spriclnvörtcr  wird  ihm  der  entgegengesetzte 
GiMuidsatz  zugesehrieben. 

108.  Dalimi        ynllina:  Kasemin-yae  rö-nnin 
Eidechse   sie    sprach:    Du    läufst    wie    auch    immer    Lehen    dein 

crhigö. 
konune  heraus. 

Die  Kidechsc   sagt:    Magst   du   noch  so  sehr  laufen,    es  kostet  dein   Lelien. 

109.  JMüsko       l-dm-hc         ni-ro  hiri       kähta     zithri'in  häko. 
Hand  des  ^lenschen  dir  Brei  Briihc  mit    ißt    nicht. 

Kines  Andern   Hand  gibt  dir  nicht  Brei  mit  Brühe  zu  essen. 

Bedeutung:  Wer  seine  Geschäfte  durch  einen  andern  besorgen  läßt, 
Uommt  nicht  zu  seinem  Recht. 

110.  Knmttn       süha-he         st     mä  kitmtto    kaliri-he       iihciii. 

Gast     des  Morgens  er  auch  Gast  des  Abends  absteigt. 

Hin  (^last,  der  am  Morgen  kam,  l)ewillkommnet  schon  den  Gast,  d(>r  gegen 
Abend   koMunt  (tut,  als  ob  er  zu  Hause  wäre). 

111.  Cero     st     mä      güdn-ga        cäto      na  hintardm-hi. 
Bauch  er  auch  Vogel  den  bringt  Ort  Fangen  sein. 

Der  Bauch  isfs,  w'as  den  Vogel  dahin  l)iingt,  wo  er  gefangen   winl. 

107.   Zu   rnnryiihän   vgl.   .")3. 

]<•!»,  Zu  hiri  vgl.  Lied  X.  Kälua  aus  kähi-ira;  kalu  ist  die  im  Sudan 
aus  den  verschiedensten   Kräutern  bereitete  Brühe  oder  Suppe,  II.  m'ia. 

11<'.  B.  /v/w/^J  Fremder,  Gast  =  K. /v/.wVö,  Vgl.  hierzu  \\.  nusotdnyiti 
bin  oder  werde  fremd,  futsotö  die  Fremde.  —  Wie  im  vorigen  wird  ein  in- 
transitives ■  Zeitwort  hier  kausativ  gebraucht:  zil>ci)i.  bei  \\.  tseptsin  (von 
tsemyiji)  er  steigt  ab  hier  =  er  läßt  absteigen,  nimmt  auf. 


Priktzk:    Boniu.spi'icliwürter.  125 

112.    Ä(jö  ü(i     ayö       )iiäna-be        ypii:     kaino  tUta-)izü-(/a         noiili. 

Ding  dies  Ding  des  AVortes  ist  nicht :  Fiau  Kind  ihr  hat  verschhickt. 

Daß    eine  Frau    ihr  Kind    hinuntergeschluckt    hahe,    das   ist  iloch   niciir,  als 

man  sagen  kann. 

HiUl  l'iir  alles  Unerliörte. 


113.  Nanhak'o  si     ma     nanyudi-ya  cnkkö. 

Nichtvorhandensein  es  auch  Armut  die  setzt. 

Daher,  daß  man  nichts  hat,  stammt  die  Ai-mut. 

Dies    Wort   steht    oft'enhar    auf  der    Höhe    von    Bräsigs    Kntdeckun 
Die  große  Armut  kommt  von  der  oroßen  Pauvrete  her. 


114.  Sini  häko-ijaye,  helhi         nansini-ya        adln  bako. 
Hirte  nicht  wenn  auch,  Hyäne  Hirtentum  das  setzt  nicht. 

Lieber  gar  kein  Hirt  als  eine  Hyäne. 

Ein  verwandtes  Bild  für  unser:  Den  Bock  zum  Gärtner  setzen. 

115.  Diskina  mä  diskini;  Kämo-ni  kam       kämo  huko 
Ich    tat    auch    ich    tat    nicht;    Frau    meine    Mensch    Fi-au    niciit 

yuretä-ro      yiskina. 
Besorgen  zu  ich  gab. 

Ich  hahe  es  getan,  (nämlich  meine  Frau   fiir   die  Zeit   meiner  Abwesenheit 

in  »Sicherheit  gebi'acht),  und  doch  zugleich  nicht,  indem    ich  sie  der  Ohhut 

eines   unbeweibten  iNIannes  iibergab.  —  Ausdruck  für   nachträglichen  Zweilel 

an  dem,  dem  man  etwas  an\'ertraut  hat. 

116.  Däzi,  mdna  cefi,  mälum  helkacl  öukoriyia. 
Es  ist  aus,  Wort  ist  zu  Ende  Brunnen     fiel. 

Genug,  die  Sache  ist  erledigt  —  der  Geistliche  ist  in  den  Brunnen  gefallen. 

.Scherzhafte  Redensart  bei  vollzogenen  Tatsachen. 

117.  Kämo      fer-yei:  kam       hihäna  ti  ma,       M  mä  knina-nzfi-ro 
Weil)  Pferd  gleich:  Mensch  er  bestleg  der,  er  auch  Herr  sein 

fsc.  wolzi). 
(ward). 

Ein    Weib    ist    wie    ein    Pferd:   wer    es    zu    lenken     weiß,     ist    auch    sein 

Herr. 

114.  Hirt  K.  si'ml  B.  mni. 

115.  Die  erste  AVendimK  auch  54. 


I  •_)(*,  Pbiet7.e  :    Bormispricliwörter. 

118.  li'lhii        ^'"»1      ""-{/c   l>f'tn)in   (l  mä     aha-nhi      ija. 
W'iltltT   Mfiiscli   iliM      sc-liliig  (l<'r      X'atc-r  sein   ist. 

W't-r  tiiuii  ^\'il(lt'Il  schläft,  ist  sein  Vater.     (Denn  der  Wilde  schreit   d.mn: 

Vater). 

119.  l'atd       hali  kalia-he        lidht   häko. 
Kind    Wesen   des   Sklaven   tnt   nicht. 

Kin   freier  Mann   zeif^t  keiin-n   Sklax-enchai  akter. 

120.  Ayo        tidnyoa         ti  kciremu  mü         ydlyö. 
Dinii  mit  Schani  das    'l'od    anch   ist  besser. 

.Seihst  der  Tod  ist  hesser  als  der  Scliiini)f.   (l'ast  wüi-tlich  schon  in  Lied  IX  2.) 

121.  Liriliiiri  kädi    ciliin-he  /v7  kädi  kiine-be 

Gral)       Schlange    der    schwarzen      Lehen     Sehlange     der    roten 

közina. 
uhertraf. 

Noch  im  Grahe  ist  die  schwarze  Schlange  mehr  wert  als  die  lebende  rote. 

So  spi'icht  z.  B.  eine  Fran,  deren  erster  Gatte  tot  ist,  wenn  sie  sich 
mit   dem   zweiten   zankt. 

122.  (iäfo      Sim     häko,      Ca        s/'m-wa,      koa    atf-yei       ycm. 
Klicken   Auge  nicht,  wenn  Auge  mit,  dann      so      ist  nicht. 

Hinten  hat  man  keine  Augen;  hätte  nian  sie,  so  stünde  es  amlers. 

123.  Tarc/iifia        herher-zü-ya  rüzin        häko. 

Hase      Staub  sein  den   verachtet  nicht. 

l)er   Hase    verachtet   seinen    Staub    nicht,    d.  h.    er    meint    ebensoviel    Stanl) 
zu  erregen  wie  große  Tiere. 

124.  Kam        kuniytizina       ti       höhfde-ya  fdnziyi  häko. 
Men.sch   war  entfernt  der  Kufen   (bis     hört    nicht. 

Wer  sich   weit  entfernt  hat,   hört  das  Kufen   nicht. 

Bedeutung:  Der  Krregte  hört  auf  keine  Warnung. 

118.  Jielkii.  nicht  bei  K.  (man  müßte  ihn  denn  zu  K.  hilye  Schaum. 
Wasserblase  in  Beziehung  setzen)  ist  ein  genereller  Ausib-iick  für  den 
wilden   Heiden  =:  H.  hayuari. 

121.  Guhüri  aus  dem  .\rab.  —  Die  schwarze  Schlange  ist  größer  als 
die  i'ote  und  erschreckt   manche  schon  zu  Tode,    wi>nn    sie  sich  aufrichtet. 

122.  Hier  dei-  Lied  VH  9  erwähnte  Bedingungs.satz  mit  ca,  im  Nach- 
.satz  kda  laut    K.  5>  322. 

124.    \'ti;I.    K.  kürlhjn  groß,  lang. 


PniKTz.F: :    l?oi'misj)richwüit('i'.  1  '2  i 

125.  Ayö    kanJcdle-wa     ti         helüka        yäyin     häho. 
Ding     llorn  mit  das   Höhle  gelit  liinein  nicht. 

Was  Hörner  ti'ägt,  geht  in  keine  llöhU;. 

Bedeutung:  Wer  etwas  verübt  hat,  geht  der  Obrigkeit  mus  (h'iii  Wege. 

126.  Tiyl         bu-wa       ti        naiikäsuä-ya  dihrhi    bako. 
Körper  Blut  mit  der  Kranksein  das  läßt     niciit. 

Solange  man  lebt,  ist  uiau  auch  Leiden  ausgesetzt. 

127.  Afiyde  zauiia,  haryun-zu    Alla. 
Was  auch  immer  wenn  krankt,  Mittel  sein  (Jutt. 

In  jedem  Leiden  ist  Gott  der  Helfer. 

128.  Älla-ya  huknrne ;  ,it    mä  kinzöma. 

Gott       danke,   er  (ist)    Geber. 

129.  Afiyae  badizta,  cerin. 
Was  auch  immer  wenn  fing  an,  endet. 

Alles,  was  einen  Anfang  hatte,  hat  auch  ein   Ende. 

130.  Afiyde         cero      fiofwma     kaddfu    nnzina  däte-n. 
Was  auch  Bauch  Küchlein  Habicht  wußte    bald. 

Was  im  Kücldein  vorgeht,  weiß  der  Habicht  bald. 

131.  Afiy^^        ^P'^        fokara-be     mälum    yiözina  däte-n. 
Was  aucli  Bauch  der  Schüler  wußte    l)ald. 

Was  in  den  Schülern  vorgeht,   weiß  der  Lehrer  bald. 

132.  Ayo     ati    Alla    mä     nnyyäno:  bärbu  bdrbu-ya  znbid? 
Ding  dies  Gott  auch     wußte      Dieb    Dieb  den  er  hat  gegessen'.' 

Das  weiß  der  liebe  Gott,  ob  der  ein  Dieb  ist,    dci-  einen  Dieb  bestahl. 

133.  Gobelma    beske     kdn-ya       cerayinT. 
Eiermann  Spiel  Stein  er  liebt  nicht. 

Wer  Eier  trägt,  hat  es  nicht  gern,  wenn  mit  Steinen  geworfen  wird. 

125.  Hörn  K.  kanyddT  B.  känyadi.  —  Höhle  K.  be.ldya  B.  buläka. 

126.  Zu  tigi  vgl.  Lied  VII  off.  tüyu.  —  Dibcin  =  K.  deptiin  v.  demyin 
ich  lasse,  ei'lasse. 

128.  Zu  kinzöma  vgl.  o.  98.  —   Suktmie  aus  dem   Ai-al). 

130.  Küchlein  anscheinend  nicht  bei  K.,  bei  B.  ßyöyma.  —  ])äte,  hier 
mit  dem  ortsanzeigenden  Suff.  «,  s.  o.   16. 

131.  Fokara  arab.,  s.  Lied  IV  36. 
133.   Ei  B,  yibbd,  nyubbel. 


1 28  Priet7.e  :   Bornusprichwöi'ter. 

134.  Ayö  kanieina  crrayina         ti.        sT  yt^nf  siin- 
Sachc     Fielierkr.'uikcr     er     liel)te     die,     sie     ist     iiidit     Ani^en- 

zautä  ina       vf-rayö. 
Leidender  er  liebt. 

Was  der  Fieberkranke  i;erii  bat,  ist  nicbt  das,   was  der  Aiiu;eidvranke  liebt. 

Denn    joner    wiinscbt    Feuer    im  Zimmer,    dieser  ITnebtct    den    Haueli. 

Cileieb  dem  foliienden  eine  Parallele  zu  unsei-m  ])lattdeutsc'ben :   W'at 
drn   Knen  sin  Ubl  is,  is  den  Annerii  sin  Naciitiji;all. 

135.  Ayö  hattii-kaUiiitainina  crrayina        ti,        s7         yeiu 
iSacbe    Scblagen-Bauanvolleniann     er    liebte    die,    sie    ist    niclit 

hattü-aryimma         cerayö. 
Sclilaj^en-Kornmann  er  liebt. 

Was  der  BaunnvoUklopler  gern  bat,  ist  nicbt  das.  was  der  Kornwoi'fler  liebt. 

Denn  diesem  ist  Wind  so  IVirdcrlieb,  wie  jenem  abträglicb.    Vül.  d.  vor. 

136.  Sini        kanima        sini      heltu-ya      cerayin   hako. 
Hirt  Ziegenmann   Hirt    Hyäne  die    liebt     nicbt. 

Der  Ziegenhirt  liet)t  niclit  den   Hyänenwärter. 

S<j    scbaut   z.  B.    der  Sultan    von   Dar  For   argwöbniscb    auf  Ägyi'ten 
nu't  seinem  englischen  Oberherrn. 

137.  Karyn     kida-he-n  celnyin  häko  halle  azale-nzu  lain. 
Hei'z  Arbeit  von  konnnt  heraus  nicbt    bis   Frist  seine  kommt. 

I);is  Herz  kommt  aus  seiner  Mühsal  nicht  heraus,  ijis  seine  Stunde  kommt. 

138.  Kanüm  kdrmu-wa  cabo^n. 
Schlaf     Tod  und  in  Ähnlichkeit. 

Der  Schlaf  ist  dem  Tode  ähnlich. 

139.  Däyel-ioa  kärn-wa  cabo-n. 

Alle  und   Mensch  und  in  Ähnlichkeit. 

Affe  und  Mensch  ähneln  sich. 

134.  Vgl.  K.  küngema  fieberleidend  v.  känye  Fieber  ^^  B.  kanyt'.  —  Zu 
zauta  als  2.  Form  des  Inf.  vgl.  tnata  nebst  vorgestelltem  ()l)j.   in  Lied  Xll. 

135.  Bnttii,  der   1.  Inf.  (v.  hanniskin  schlage)  steht  vor  s.  Obj. 

13G.  Sini  s.  v.    114.     Das  Wort   wird    auch    für   den    Wärter    wilder 
Tieie  gebraucht,  wie  sie  dort  an  Königshöfen  gehalten  werden. 

137.  Azal  ist  arab.  Urspi'ungs. 

138.  tllier  caho-n  u.  s.  arab.  Herkunft  s.   Lied   W  9. 
1.S9.   Ähnlich  schon   Lied   IV   10. 


Prif.tzk:    Bornusprif'liwörtor.  12!' 

140.  Kam       ayo        mäna-he      vidiita    ti     suiiw-nhü  letcd. 
Mensch  Sache  des  Worts  er  tat  der  Ohr  sein  er  verstopfe. 

Wer  sicli  Gerede  zuzog,  verstopfe  sich  die  Oln-en. 

141.  Malta        ti  kulyi'äi-ijei :  celüyia  kinna- 
Wort      das      Löwe      gleich:       wenn      es      hcraiiskoinmt      llcir 

nze-ga      cezin. 
seinen  es  tötet. 

Das  Wort  gleicht  dem  Löwen;  kommt  es  heraus,  so  tötet  es  seinen  llci-ni. 

Warnung  vor  unbedachten  Äußerungen  gegen  Machthaber, 

142.  Kam       Sim,       mei-he         cnrnna  ti     sim  yaladiina-(ja 
Mensch    Auge    des    Königs   sah  der  Auge   des  Tlnonfolgers   das 

rizin      hako. 
fürchtet  nicht. 

Wer  dem  König  ins  Auge  geschaut  hat,  füichtet  nicht  das  des  Tiii-ctiifolgers. 

143.  Kam     yi'ihpl        zihi-rn        cakkina      ti,  Inyo^zü  ti 
Mensch     Ei     Flasche  zu    ei-setzte    der,    Herauskommen  sein     das 

katk'erin    häko. 
versagt     nicht. 

Wer  ein  Ei  in   eine  Flasche  hineingebracht  hat,  dem  wird  es  nicht  schwer, 

es  herauszuholen. 

So  kann  der  König  einen  CJihistling  leicht  wieder  fallen  lassen. 

144.  Kuma  yim-ma  ti       st       mä       na         ir'iki  cidörin 
Herr     Haus  habend     der     er     auch     Ort     Wasser     es  tröpfelt 

ti-ya    noyyg-no. 
das      kaiuite. 

Wer    ein    Haus   hat,    kennt    auch    die    Stelle,    wo    das  Wasser    hiiit-indopfr. 

So  kennt  z.  B.  ein  Mann  die   Fehler  seiner  Frau  am  liesten. 

140.  LetcÖ,  Indef.  H  in  der  ö-Form  (s.  Einl.  zu  d.  Liedern)  von  dem 
bei  K.  nicht  zu  findenden  lenniskin. 

142.  Der  galadima  als  der  Thronfolger  ist  dei-  erste  nach  dem  K("inig, 
obwohl  der  kacälla,  der  Führer  des  Heeres,  größere  Macht  besitzt;  nur  ist 
dieser  oft  ein  Sklave. 

145.  Zibi,  nicht  bei  K.,  ist  eine  Kürbisllasche,  deien  enger  Eingang 
zuweilen  erst  eingefettet  werden  nniß,  um  Gegenstände  hineingleiten  zu  lassen. 

144.  Das  ])ei  K.,  fehlende  cidiJrin  ist  nur  in  der  3.  Sg.  gebiäuchlich. 
Hier  wie  im  folgenden  tritt  das  Objektssutf.  ya  an  den  durch  //  ge- 
kennzeichneten Relativsatz,  auf  das  Nomen  weisend,   von  (lem  dieser  abliiingt. 

Mi«.  (1.  Sem.  f.  Orient.  Spraclicu.  J!)15.  111.  Al>t.  ^ 


lliO  Pkikitk:    Hi)iiiu.s|»ricli\\ürt('r. 

145.  Kdiit        niiui     buko       ti       saida      rKsklita  ti  <ja  yuliin       hüko. 
Meiisfli  er  sah  iiii-lits  die  Zeugnis  icli  sali   das  er  sagt  nielit. 

\\'(  !•  iiicIiLs  gesehen   hat,   wird   nicht  sagen,  er  sei   Augenzeuge  gewesen. 

146.  Ruskin/i-tca  diskina-ua         Myatei  rttskini-wa  diskini 
Ic-h  sah  und  ich  tat  und  Elend  sich  tun  ich  sah  nicht  luid  ich  tat  nichl 

wa  leiyatvi  bäko.        (iulliskina-wa         diskiiin-wn  leiijatti : 

und  Klend    sich    tun    nicht.      Ich    sagte    und    icli    tat    und    Klcnd    sich    tini : 
(julliskini-wa  diskini-wa  leiyatei  häko.       Nnniskina 

ich   sagte   nicht    und    ich    tat   nicht    und  Elend    sich    tun    nicht.      Ich   wußte 

leiyaiHn,  nöniskinT       leiyacin  häko. 

Elend  macht,  ich   wußte  nicht 

Sagt  man,  man  hahe  das  und  das  gesohn  und  getan,  so  schafft  man  sich 
Not;  sagt  man,  man  hahe  nichts  gesehn  noch  getan,  so  hleiht  man  in  Huhc. 
JSagt  mar),  man  hahe  das  und  das  gesagt  und  getan,  so  schafft  man  sich 
Not;  sagt  man,  man  hahe  nichts  gesagt  noch  getan,  so  hleiht  man  in  Ruhe. 
Zu    sagen,   ich  weiß  es,   macht   Not;    zu   sagen,    ich    weiß    es    nicht,    niaiht 

keine. 

Man  darf  also,  will  man  sich  nicht  Unannehmlichkeiten  zuziehn,  nie 
etwas  gesehn,  getan   oder  gesagt  hahen   wollen. 

147.  CT  zuhuni  kud,     harka    cakkin    häko. 
Mund  er  aß  nicht  wenn,  Segen  er  setzt  nicht. 

Wenn  der  Mund  nicht  aß,  dankt  er  auch  lu'cht. 

148.  Ayo         kuro-he  am  sim-wa-he;  muyd,       miino-iiüm 
Saclie    des    Sehens    Leute     Auge     mit    der;    Tauher,    (^hr    dein 

.  zannt,        ayo      fantä      am      sumo-wa-he. 
hedecke,  Sache  Hören  Leute  Ohr  mit  der. 

Sehenswertes  ist  nur  i^ir  Leute,  die  Augen  hahen.     Birg  dein  Ohi",  Tauher, 
Hörenswertes  ist  nur  für  Leute,  die  Olu'en  hahen. 

Bedeutung:  Kleine  Leute  ha!)en  sich  um  das,  was  dicGroßen,  Mächtigen 
angeht,  nicht  zu  kümmern. 

14Ö.  Saida  ist  arah.  Urspriuigs. 

14ti.  Leiya,  dessen  Lautcharakter  ai-ahischc  Ileikunft  vcrnnilcn  läßt, 
kam  schon  o.  in  3  vor;  (ei  ist  die  Endung  dci-  3.  IM.  Imlcf  i.dcs  Hcllexivs 
der  schwachen   (II)   Konjugation,  s.  Einl.  z.  d.  Liedern. 

148.  \'gl.  K.  mäya  taul).  —  Zu  zanni;  vgl.  K.  tsaiiyin  ('.i.  Sg,  (säktsiii)  ich 
l)edecke.  Es  gehtn-t  zu  den  in  <1.  Einl.  z.  d.  Liedern  ei-wähnten  Zeitwöi-tern, 
dei-en  Stan)niauslaut  hei  K.  guttural  ist,  im  Mangadialckl  dental.  —  Zu  dem 
2.  Inf.  \(>n  /a/ini.skiit,  funtd,  mit  seiner  ahweiclicn<len  Konstruktion  vgl. 
Li.-d    XII. 


Prietze:    Bornusprifhwörter.  1 !-?  1 

149.  Aji-yäi-  hannazia,  hmtadi,     huko. 
Was  aiu-li  immer  wenn  zerstört  ward,  (icduld.   niclits. 

So  viel  aueli  verloren  ginii;.   hat  man  (iednld.  so   ist  niclits   \  ci-loicii. 

Ebenso  Mischllclis   Il.-Sjjiicliwoi-t  Nr.  54. 

150.  Kanacä-ma      st     mä       kdu-ya        dfizo. 
Gednldhabend  er  ancli  Stein  den  kocht. 

Der  Beharrliche  kann  Steine  kochen. 

151.  Na?iduäduä     .sT    mä       datii-datü-ya     aikotö. 
Schnelligkeit  sie  auch  Anhalt  Anhalt  bringt. 

Beschleunigung  l)ringt  Verspätung.     Vgl.  33.  34. 

152.  Na         bartvna  te     mä     s'i     te   mä-n     zimnemin. 
Ort  du  stiegst  auf  der  auch  er  der         du  steigst  al). 

Dort,  wo  du  hinaufstiegst,  wirst  du  auch  lierabsteigeu. 

Bedeutung:  Erhalte  dii-  den  Vermittler,  der  sich  einmal  als  solcher 
bewährte. 

153.  Kam  böbönümma  tiya,  ?ia  bäko  si-ro     ynllem      bako, 
Mensch  du  riefst  den  Ort  nicht  ihm  du  sagst  nicht. 

Wenn  man  jemand    gerufen,  hat.    so    sagt   mau    nicht   zu    ihm:    es    ist    kein 
Platz.     D.  h.  wer  eine  Einladung  erhält,  darf  annehmen,  daß    dort    füi'    ihn 

gesorgt  wird. 

154.  Kiki      ti    yiryu    kalgimn-ya    ziyei  bäko. 
Fliege   die  Sack     Kamel    den  folgt  nicht. 

Die    Fliege    folgt     nicht    dem     Sacke    des    Kamels.      Denn    dieser    enlhält 
Kohlen,  die  sie  nicht  anlocken. 

155.  Gm-o  yiroma  kunki'tna    yoro-be     bäko    ein     bäko  si-ro. 
Guro  Kauer     Geld     der  Guro  nicht  sagt  nicht  ihm. 

Der  Guronußesser  wird  nicht  sagen,  ei'  habe  kein  Geld  dnfiir  übi-ig. 

•Der  Kaufmann  z.  B.  wird  nie  zeigen,  daß  es  ihm  an  Waren  mangelt. 

149.  Der  Schluß  ist  typisch  für  die  Kiuze  des  Ausdrucks  im  Spiichwort. 

152.  Hier  ist  das  Lokativsufüx  w  (wohl  aus  na  Ort)  statt  an  Si  an 
seine  2.  Verstärkungspartikel  gehängt;  vgl.  d  te  man  K.  §  328  neben  «  ir^  mä. 

153.  Hier  ist  das  Objektssuff,  ya  statt  an  kam  sogar  an  den  Schluß 
des  Nebensatzes  getreten. 

155.  Hier  ein  vereinzeltes  Vorkommen  von  vin  er  spiicht  (vgl.  K. 
§  G4),  das  zugl.  3.  Sg.  des  Hilfswerbs  der  H.  Konj.  ist.  In  Lied  \  f:iM<] 
sich  die  3.  PI.  des   Aorists  geda. 

9* 


]  32  Prietze  :    Bornusprichwörter. 

156.  Afiyayi  cerö-ro       közitia       ti     sT    mä     kvinJ)n    yo. 
Was  aucli   iiiinier  Uaiicli   zu   iil)ergiiig  das  es  auch  Speise  ist. 

Alles,  was  in  den   Leil)  gelangte,  ist  Speise. 

Sinn:  Man  nelinio  es  nieht  so  genau  mit  dem,  was  man  gesclieidvt 
liekoninit.     Dini  geselienkten   Gaul  sieht  man   nicht  ins   Maul. 

157.  Matidä  yaladima    kumbo-be. 

Salz         Prinz     der  Speise. 

Das  Salz   ist  der  Piiiiz  des  Essens. 

158.  liorkiinö  kuinhö-ga        cirgei     bäko. 

Pfeffer  Speise  die  vermehi-t  nicht. 

Siiui :   Ein  Kleiner  bedeutet  nichts  im  Rate. 

159.  Inki         mei       km»bÖ-be;  kumbü-fi-yaf^.,  inki       bakn, 
Wasser   König   Essen    das;    Essen    welches   auch,  Wasser   nicht, 

wakazui        bäko. 
ist  möglich  nicht. 

Wasser  ist   der  König   des  Essens;  wenn   kein  Wasser   da   ist,   kann    man 

nichts  essen. 

Bedeutung:  Für  den  Kampf  bedarf  es  eines  Führers.  Ähnl.  auch 
157  gebraucht. 

160.  Induyae  yartu  cidia,       tussina        bannä-hui. 
Wer  auch  inuiier  Umzäunung  wenn  maclite  ruhte  Verw  iis(uiig  von. 

Wer  sein   Feld  einzäunt,  hat  Ruhe  vor  X'^erwüstung. 

Wer  sich  Beistand  verschafft,  sichert  sich  vor  Feinden. 

161.  RTtü        st     mä  bort-ya       cükotö. 
l'ü rollten  es  auch  Aufruhr  den  bringt. 

Die  Furcht  ist  es,  die  Aufruhr  schatVt. 

162.  Nötü      bäko      H     si     mä  nanzähil      yo. 
Wissen  nichts  das  es  auch  Unwissenheit  ist. 

Von  nichts  wissen  ist  Unwissenheit.    Vgl.  113. 

157.  Zu  yaladima  vgl.  142. 

1<!0.  Zu  tiisdna  vgl.  25,  27.  Mit  banna  ist  hanjitsäehlicli  die  \'er- 
heenuig  durch  das  Weidevich  gemeint. 

IUI.  Höre  =  \\.  kahyüra.  Gemeint  ist  der  Mangel  an  W-i-trauen  zum 
Herrscher,   wie  z.  B.  bei  der  Empörung  Arabi  Paschas. 

H)2.  Da  lahil  aus  dem  Koi-an  stammt  uiul  in  dessen  Sinne  jiufgefaßt 
sein  will,  liegt  IJcr  keine  eigentliche  Tautologie  vor;  nanzühil  bedeutet  die 
Rat-  und  Hilflosigkeit  der  Unaufgeklärten. 


1 


Pkiktze  :    HüiuusjirichwöHor.  1H3 

163.  Nötit       häko       ti      si     rnä-tja     i'nkh-n     klri  zaKar-i/n 
Wissen    nichts    das    es    auch    es    setzt  llimd  des  Un\  erlieiralelen 

zauar  mäta  düzö. 

Unverlieirateten  Suclien  er  vertreibt. 

Unkenntnis  macht,  daß  der  Hund  des  Unverheirateten  BesiiciK-riniicM   ver- 
scheucht. 

164.  Semha      cü  eidin       hako. 
Träge  Name  er  macht  nicht. 

Der  F'aulpelz  macht  sich  keinen  Namen. 

165.  Zarahtüma    si    mä  zirT-ga  cerö;         zarahnemmt        kna, 

Prüfer     er  auch  Wahrheit  die  er  sieht,  du  prüfst  nicht  weini, 
d/igei     Ure-ga  rumin'? 

wie  Wahrheit  die  du  siehst? 

Wer  prüft,  erfährt  die  Wahrheit;  wie  will    man    sie    erkennen,  wenn    man 

nicht  prüft? 

166.  Kunmi     lya         kargum-he. 
Feuer  Mutter  des  Mittels. 

Denn  das  Brennen  spielt  in  der  Heilkunde  des  Sudan  eine  Haupti'oUe. 

167.  Natu       hökü-he:         kam         nönnmia  cu-nzn  iiMiümml. 
Wissen  des  Leeren:  Mensch  wenn  duweißtNamen  seinduweißt  nicht. 

Eine  nutzlose  Bekanntschaft  ist  es,  wenn  man  einen  Mann  kennt,  ohne  seinen 

Namen  zu  wissen. 

168.  Ago    kici    ti    si-ro  hörkunö  casakkin  bäko. 
Ding  süß  das  ihm  Pfefler  sie  setzen  nicht. 

Süßen  Dingen  mischt  man  keinen  Pfeffer  hei. 

Bedeutung:  In  einen  Biuid  ninunt  man   keine  fremden  Elemente  auf. 

163.  Zu  zdtiar  vgl.  H.  zdnara  Witwe,  Geschiedene,  wozu  das  Masc. 
nach  INIischlich  zdurt  lautet. 

164.  Semha,  das  ich  bei  B.  u.  K.  nicht  finde,  wurde  mir  im  II.  ilureh 
ragö  wiedergegeben. 

165.  Der  Stamm  zarab  ist  natürlich  dem   Aral).  entleimt. 

166.  Kiinnv  gleichbedeutend  mit  kämm.  Ebenso  bei  K.  kürguv  nelx'ii 
kdrgiin  Mittel,  ferner  B.  knlgü  Tobe  =  K.  kälgxt,,  kdlvgu.  —  Das  nun  meines 
Gewährsmanns  in  iwnümmia  scheint  mir  irrig. 

168.  Kici  deckt  die  beiden  Begriffe  des  H.  dädi  Annehmlichkeit  und 
zdki  Süße;  hier  ist  letzteres  gemeint. 


1  ;{4  riüKTZK:    üoiiiuspricliwörlcr. 

169.  Lnir-tidn,  mrirriä  l»'la-bc,  kdfrn       gasio-<jn 
W'illkommoii    euer,   l'rin/.cssiiiiKM   dcM'    St;i(l(,    (Icicr    Storcli    den 

(iirnna   li, 
vy  sah  ila. 

WillkdiniiKMi.    Königstochter    der    Heimat,    spracli    der    (Joier,    als    er    den 
Sturcli   sali.     Denn   Pi-inzcssinnen  färben   ihre   Füße   rnil   Henna   rot. 

170.  Tuno  yafo-he  tannisJcin     häko,      tähtä        hima-ni-ro 
Sehwäre   des   Rückens    ich    denke    nicht,    Kindei-    Herr    nioinern 

am/aniski  kud.     Ategei  ytdyygino    kajyimv. 

ich  hal)e  genützt  wenn.      So       sprach  das  Kamel. 

An  meinen  wimden  Rücken  denke  ich    nicht,  wenn    ich    niii-    den   Kindern 
meines  Herin  nützlich  war.     So  spricht  das  Kamel. 

171.  Kam        cimhalina       H  kdu-lan-yae  titssin. 
Mensch  er  ermüdet  der  Sonne  atii'  wenn  anch    rnht. 

Wer  müde  ist,  rulit  seihst  in  der  Sonne  aus. 

172.  Kajii  ni-ka  zübui  ti,        nanddretu-nüm-ga        ci'tnn      häko. 
Mensch  dich    ißt  der,  Magerkeit  deine  die  er  sieht  nicht. 

Wer  dich  ißt,  sieht  nicht  auf  deine  Magerkeit. 

Bedeutung:    Es    mag   den   Untertanen   noch    so    sclilecht    gehn,    der 
König  beutet  sie  doch  aus. 

173.  Nr     ti      na  watumä-nvm-ro    lezin    häko. 
Kuß  der  Ort  Feind  dein  zu  geht  nicht. 

Der-  Fuß  geht  nicht  daiiin,  wo  dein   Feind   ist. 

Der  Sinn  gleicht  dem  von  Nr.  81  meiner  H. -Sprichwörter :  Mi  ya-kai 
kap'  Itiki-n  kura^  Karamhani  =  Was  bringt  den  Hund  zjun  Fest  der  Hyäne? 
Der  Vorwitz. 

174.  Sdmrna   mdk'e  kici,  Ula      mdk'e     kaya        kütbi. 

Alles     nimm   Annehmlichkeit,  außer   ninun    Stt).ck  nicht  lieblich. 

■-NiriMuI'    klingt  inuuer  schön;  nur   «nimm   Piügel!"   klingt  übel. 

175.  Kiri-nüm-yae  rwzina   fäto         rayoina-inm-ya. 
Hund  dein  wenn  auch   wußte  Haus  Liebendei'  dein   das. 

Selbst  dein   Htuid  keiuit  das  Haus  dessen,  der  dich   liebt. 

169.  Meiniä  soll  PI.  v.  meiram  sein. 

170.  Tanniskin.    atnfariiski  dem   Arab.  entlehnt. 

172.  Ddr'e   mager,    darlni.skin   ich    magere   ab,    aus    mandärrtn    zu    er- 
schließen, lauten  bei  K.  rferf,  dermyin. 
174.  Make  ninun,  bei   K.  mdyv. 


Pkiktaf,  :    n»)iiiuspri(<li\vörtcr.  135 

176.  Faida      häko,  kaduji   taryma-he. 
Niitz(Mi  iiiclits,   Haut  lies  Hasen. 

Wertlos  wie  ein  llasentbll. 

Bezeichnung  für  Leute  von  geringem  Anselin. 

177.  GuUshina    mä      dabarnishina,         kam        /re/a-nzü        hakum':inn 
loh  sagte  auch  ich  kehrte  um,  Mensch   Kopf  sein    er   veriu-teiUe 

zezo-ro. 
Tölen  zu. 

Ich  habe  es  gesagt,  aber  zuriickgenonnnen.  sprach  der  Mann,  der  -ich  selbst 
zum  Tod  verurteilt  hatte. 

Gemeint  sind  unw^issentliche  Selbstverdammungcn  wie  die  Davids 
vor  Nathan. 

178.  Im        tükur-he  kera-ga       alemzei       häko. 
Tag  des  Vortrags  Lesen  das  sie  lehren  nicht. 

Am  Tage  des  großen  Koranvortrags  wird  nicht  mehr  lesen  gelehit. 

Also:  Man  sei  für  alles  beizeiten  gerüstet. 

179.  Kau     dabo    kargün  käku      ninyeU-he. 
.Sonne  mitten  Mittel  Kälte  des  Regens. 

Die  Sonne  im  Zenith  heilt  die  Kälte  (l(>r  Kegrnzeil. 

So  sjM'icht  z.  B.  dei'  Tronunlcr  zu  dem,  von  dem  er  eine  itesonders 
große  Gabe  empfing, 

180.  Gndi    soha         mei-he. 
Arm  Freund  des  Königs. 

Der  Arme  ist  der  Freund  des  Königs  (weil  er  von  dies(>m  nichts  zu  füichten 
hat).     Dasselbe  Nr.  55  meiner  Haussaspriclnvörter. 

181.  lieltit      knro  ngnhu-ya  loäzina. 
Hj'äne  Fragen  vieles  nicht  liebte. 

Dasselbe  wurde  mir  mündlich  in  der  eiweiterten   Form   nn'tgeleilt; 

177.  Daharniskina  wie  kahimzina  haben  ihre  Stämme  dein  Arab. 
entlehnt. 

178.  Titkiir  ist  die  in  Festzeiten,  nidit  bloß  im  Kamadan,  zuweilen 
anberaumte  Koranvorlesung,  bei  der  die  Ulcma  abwechseln.  Vgl.  H.  tükuri, 
nach  Mischlich  Lesen  des  Koran  in  der  Nacht  vor  dem  Sallafest.  Kira 
und  alemzei   sind  arab.  Lclunvörter. 

18L  Vgl.  K.  ka.mngin  (3.  sg.  kasattcin)  ich  willige  ein,  —  Wöskina  aus 
wäniskina,  s.  Einl.  z.  d.  Liedern.  —  Koro  Inf,  zu  köreskin  ich  frage. 


11^6  I'kikt/k:    Hdiiiusprii-Iiwüitcr. 

lielhi     (pilziiia:   ('  ti  aji-i/ar  u-ro  rlimhi    kasiniishina,        läkin 

Hväne  ^jiracli:  Ich  \v;us  mich  iininci'  iiiii-  tust  icli  .slinimtc  zu,  al)er. 
käru  üynlm  ipöskina. 

Die    Ilväiic    sai;t:    Du    dai-ist    iiiii'    tuu,    was    chi    willst,    alici-    vieles    Kräften 

liehe  ich   nicht. 

182.  Gain        kvrn    ngubu-(ja        wäzina. 
Leopard  JSchen  viel  das   nicht  liehte. 

Der  Leojiard  niaji  nicht  lanj^e  angcsehn   werch'n. 

183.  fCadi         ya/ara-uzü     guhatä         wäzina. 
.Schlange  Schwanz  ihr  Treten  nicht  liehen. 

Die    Schlange    hat    es    nicht    gern,    wenn    sie    auf    den    Schwanz    getreten 

wird. 

184.  Köroma       fdcikin  hako. 
F'rager  geht  verloren  nicht. 

Wer  fragt,  verirrt  sich  nicht. 

185.  »SV/«  kdm-he  mudi-nzu, 
Auge  des  Menschen  Maß  sein. 

Mit  dem  Auge  mißt  der  Mensch. 

Bedeutung;  Kin  jeder  heaciite  die  Grenzen  seines  Standes  und 
seiner  Kräfte. 

186.  liiri      ti         hnkii-ro  wolzta,  cero       ti  hiJkii-ro 
Hrei    der    wertlos    zu    wenn    er    wird,    Bauch    der    wertlos    zu 

irntztTi  bäko. 
wird    nicht. 

Wenn  der  Hrei  im  Preise  ahnimmt,  wächst  der  Bauch. 

182.  Gain  wird  nach  in.  (iewährsm.  ^=  mäziri  (K.dzmhirina^  Vt.dzazrrma) 
Leopard  gehrauclit :  (hxli  \gl.  B.  «yäw  Katze  =  K.  m/rt/rt;>ö^M,  M.  ^aw7w/«  (im 
Haylnni  hatii.  im  Manrlava  pätii).  Yaiv  Sache  s.  d.  H.-S])rüclie  ülier  den 
Leoparden    in    Pll.   u.  T.    131. 

18H.  Zu  (jithatn.,   dem    2.  Inf.    mit   s.    Konstruktion    s.   Lied  XI 1    Anm. 

184.  Friaki/i   bei    K.  pdtseyiii  s.   Ein!.   /.   d.   L. 

18.Ö.   Mi7r/>\    IL  mitfh/,   entstammt    wohl   dem   lat.    iiiodius. 

186.  Der  Dopjjclsinn  von  />oki/  wolilleil  und  h-ci'  koiuilc  in  der  ülicr- 
setzung  nicht  wiedergcgel»cn   werden. 


Pkiktze:    lJoriiusi>rifliwörtor.  137 

187.  Na?i(/oijnfli  karmii      yeni. 
Krankheit     Tod  ist  iiiclit. 

Krankheit  ist  noch  kein  'l\iil, 

Uhcrtragen  im  Sinne  von:  Der  Sciiwachc  verzage  in'eht.  Aiieli  ein 
kleiner  Heerhante  kann  einen  großen   ühcrwindcn. 

188.  Kam      cambi'ma-wa     H     sT    rnä  raho-nzn-yn  cürrn. 
^Mensch  sie  gebaren  den  er  anch  AhnMehkcit  seine  ei'  sieiit. 

Wer  auf  die  Welt  kommt,    erlebt,    was   ihm   ähnlich   sieht   (bes.   an  seinen 

Kindern). 

189.  Gälqngalö        galo      eidin     hako. 
Wilde  Bohne  Bohne  macht  nicht. 

Aus  einer  Saat  wilder  Bohnen  wächst  keine  echte. 

Bedeutung:   Geringes  Volk  bringt  keinen  Fürsten  hei'vor. 

190.  Knlo  funzia  hela-nzü-ga    hannazin, 
Topf  wenn  überkocht  Kopf  seinen  zerstört. 

Wenn  der  Topf  überkocht,  schädigt  er  seine  (bemalte)  Oberiläche. 

Warnung  vor  Zorn,  mit  dem  man  sich  sell)st  den  größten  Schaden  tut. 

191.  Kam       ti      cero-nzti-ya      siitcin     häko     zma-lan       älulö      znlnn. 
Mensch  der  Bauch  seinen  er  sticht  nicht  Messer  mit  Gerede  er  ißt. 

Niemand   sticht  sich   ein  Messer   in   den  Leil)  und  macht  dann  ein  Gerede 

davon. 

Sinn:  Von  schlimmen  Vorgängen  im  eigenen  Familienkreise  spricht 
man  nicht  öffentlich. 

187.  Das  ö  in  nandondi  hat  eine  sonst  dem  Bornu  Iremde  /irkuni- 
tlektierende  Betonung.     K.  u.  B.  nur  döndinyiu  bin  krank. 

188.  Der  Plur.  camhtma  soll  das  Passiv  ersetzen,  für  das  K.  u.  H. 
eine  Reilexivl)ildung  angeben.  Für  das  wa  dahinter  fand  ich  keine  be- 
friedigende Erklärung.  —  Zu  cabo  s.  o.   138  f. 

190.  7a\  funzia  vgl.   \\.  fiinyin  {S.  üf;.  fiikts/n)  gieße  aus. 

191.  Zu  sütciti  vgl.  Lied  VII  7;  K.  sünyifi  (3.  Sg.  snttcin)  ieli  schlage, 
prügle.  —  Zu  lan  vgl.  K.§  306,  wo  unter  dessen  verschiedenen  Bedeutungen 
eine  instrumentale  sich  nicht  findet;  vielleicht  ist  es  auch  hier  lokal  zu  vcr- 
stehn:  spießt  sich  auf  ein  Messer.  —  Alolo,  nicht  bei  K.,  soll  dem  II.  h'räri 
entsprechen,  das  dann  freilich  von  der  in  Ptl.  u.  T.  Einl.  gegebenen  Be- 
dcutung  etwas  abweichen  würde. 


ll>8  1'iiikt/.e:    l'uniuspricliwürlcr. 

192.  Iiiilu-yaf  liiki         :riiä-(jn         litn  kimlfi/i/nno  ihiniliinti. 
Wer  ;ui<li  imiiicr  Wasser  d.  Messcis  ei-  faßt  lio(5  Scliiu-Iligkoit  inil. 

Wer  ein  Messer  hei  der  Klinge  anfaßt,  läßt  schnell   wieder  los. 

Hedeutiing:  Man  hüte  sicli.  Stärkere  anzugreifen. 

193.  Falo         kiilzitn  kud,     kardya-ro  radin      liäko. 
Haus  ist  nicht  satt  wenn,  der  Wildnis  sie  tun  nichts. 

Wenn    ein    Haus   nicht   satt    wird,    so  tut   man   nichts  für  Auswärtige  (lädt 

keine  Gäste  ein). 

194.  Ddra       kela-ni       yäkeskinf       güdi     wuli  tilö-ya    cefandina      ti. 

^V()    Kopf  mein  ich  setze?      Armer  Geld  ein       er  gewann  der. 

Ddra  ke/a-ni  i/äke.vkin?    kam  ta/li     tilo-wa    ti      nambdrhu  si-rn        cadina. 

Geld  ein  mit  der   Diebstahl   ihm   sie  machten. 

Ddra  krla-ni  i/ake.skin?    Käniö    tata     tilö-ica    si-ro  nankdrmn  codi. 

Kind  ein  mit    ihr   Sterben   sie    haben     getan. 

Was  fang"  ich  nur  an  nn"t  mir?   sagt  der  Aime,  dei-  einen  Heller  gefunden 

hat.     Und   ebenso   spricht   der,    dem    man  seinen  einzigen   Heller  gestohlen 

hat,  ebenso  die  Frau,  der  der  Tod  ihr  einziges   Kind  raul)te. 

195.  Hasära  dimmi  kud,  zebnrö  de. 
Verlust  du  hast  nicht  gemacht  wenn,  Ortswechsel  mache. 

Wenn    du    noch    nichts   eingebüßt   hast,   so    wechsle    nur   den    Ort   (und    es 

wird  nicht  ausljleibcn). 

Als  sinnverwandtes  H. -Sprichwort  nennt  der  (Jewährsinanij :  J?t  hd-ka 
da  mdcr  da  :ä-ka  cida-ta  ka-i  ma  =  wenn  du  keine  Frau  zu  ernähren  hast, 
kaufe  dir  (wörtl.  mache)  eine  Uhr.  Denn  auch  die  Uhr  ist  wegen  der 
unaufhörlichen  Reparaturen  ein  zeln-endes   Kapital. 

196.  Yila       1/tla      sini       beltu-he. 
Sachte  sachte  Hirt  der  Hyäne. 

Ein  Hvänenwäiter  muß  behutsam  seiir. 

197.  Ga(jn  kdre-wa,  Ingo  /tatafi-ira,      kafteyit    l>arhiia-hr. 
Ilineingehn  Last  mit,  Hinausgehn  Wulst  mit,    Markt  der  Diebe. 

Ibrciii   Ulli  (lern  Gepäck,    hinaus  mit  der  (leeren)  Tragwulst,  so  geht's  auf 

dem  Diel)smarkt  zu. 

ir>2.  Auch  im   H.  bedeutet  rud  Wasser  zugleich   Klinge. 

195.  llasara  aus  d.  Arab.  —  :ehi/ro  ist  der  Inf.  zu  zchariskhi  ich  wechsle 
den  Ort  (nicht  bei   K.)  =^  B.  höriskin. 

196.  Für  ijUa  (=r  H.  .9an?<)  hat  K.ilän. 


Prietzk:    lionius[)iicli\vüiter.  139 

198.  l)iinia-)idr  yluh  /<^''"  Iwlhi-Iir  kallnlii       kä/sii-fir 
Welt    unsere  Wcelisel,    Tuelitei'   der    Ilyiiiie    K(.|p|(iirli    I'ell   von 

ciyerifia    ti, 
l)and     die. 

Unser  Leben    ist    \\aiulell)ar,    sprach    die    Tochter    der    Hyäne,    als   sie  sich 
ein    Kopftuch  von   Fett  iinil>and. 

199.  Fänc  ruiye,  tata         beltu-he  kiiUju      h(iisii-(/n 
Wir     fühlen,     wir   sehen,     Kind     der     Hyäne   Tobe     Fett     die 

caMna         ti. 
es  legte  an  da. 

Probieren   wir's  an,  sprach   die  junge    Hyäne,   als   sie    ein   Kleid    von    Fett 
anzog   (das  sie  nachher  aufzufressen  wünschte). 

200.  Gdyo  ti      yeni,  Ivyn  te       mä  zän        yti, 
Hineingehn    ist    nicht,    Heraiiskonnncn    das    auch    schwer    ist, 

fäto       heltu-he. 
Haus  der  Hyäne. 

jMan   sehe    nicht  hinein,    denn    es    ist   schwer,    wieder    heiauszukoinuien    — 
heißt's  vom  Hause  der  Hyäne. 

Ähnlich  unser:  In  des  Löwen  Höhle  hinein  führen  viele  Fußtapfen, 
aber  keine  heraus. 

201.  KasÜsv-n        kasmit-n:  (Jilinia  kdmho-ya      kasüsvaii. 
Lachen  mit  Lachen  mit:  Aussätziger  Blinden  den       lacht. 

Lachen  und  kein  Ende:  Der  Aussätzige  lacht  ül>cr  Cn-w  Blinden. 

202.  Kela      füla-ica         kdu-ya        retein     bäko. 
Kopf  Butter  mit  Sonne  die  vermag  nicht. 

Ein  Kopf,  der  Butter  trägt,  hält  die  Soiuic  nicht  aus. 

198.  Zu  yeyi  vgl.  yarma  Lied  XIV  61.  —  Im  H.  werden  der  Jungen 
Hyäne  unter  den  nämlichen  Umständen  die  Worte  in  den  Mund  gelegt: 
Mun  cl,  mun  kosi,  hal  mun  yi  kallahi  da  kize  —  wir  hai)en  gegessen,  sind 
satt  geworden  und  haben  schließlich  ein  Koj)ftuch  ans  Fett  gemacht.  — 
Also:  Erst  Hunger,  dann  «/antazia«.  Ganz  ähnlich  Hartniann  von  Aue: 
So  dm  katze  frizzet  vil,  zehant  sä  hevet  st  ir  spil. 

199.  Um  die  Anwendung  zu  erläutern,  deutet  Gewährsmann  auf  Fälle, 
wo  europäische  Mächte  orientalische  Länder  besetzten,  um  Ordnung  zu 
stiften,  und  nie  wieder  herausgaben. 

201.  Gelächter  K.  kasutü,  B.  kdsvtü.  —  Aussatz  K.  dtdi.  —  Blindei- 
K.  kdmpü. 

202.  Reicin  entsjjricht  einem  rdktsiu  bei  K.  n.  rdnyin  ich  kam.  \'gl. 
Einl.  z.  d.  L. 


14((  I'iiiki/.k;    IJtiriiu.siniiluvörUT. 

So  wild  z.  Ii.  rill  Dirl)  mit  ilriii  gostulik-iieii  (jcgciistaiHl  niclif  unter 
die  Lenk'  {;ehn. 

203.  Kedm     arifim-ya  wazin  häko. 
Milch    Hii-se  die   li.'ißt   iiiclit. 

Die    Milch    ist    (hr  Hirse    nicht  feiiid  (weil  sie  stets  mit   ihr  /usaiiiiiien  f;e- 

küclit  wird). 

Also :  Gleich  imd  gleich  gesellt  sich  gern. 

204.  Täta        mei-be        ndnkirmei  wäzin  hako. 
Kind  des  Königs  Königtum   haßt  nidit. 

Das  deckt  sich  mit  dem  Haussasprichwurt: 

Da-ii  sdriki  hai-ya  ki-n  sarduta, 

Bedeutung  wie  heim  vorigen. 

205.  Ati     ti  karambani  mare:    Um         tiloma        Mm  C(Zin. 
Dies  da     Fürwitz    völlig  Auge  eins  hahciid  er  tötet. 

Das  ist  der  vollendete  Übermut:  Der  Einäugige  kneift  sein  Auge  ein. 

Dies  gilt  z.  R.  von  dem,  der  wenig  besitzt  und  auch  das  noch  ver- 
schleudert. 

206.  Kdre         nüi  hatdli-ga  kwnlzi. 
Last  ist  gestorben  Wulst  die  hat  verlassen. 

Die  Last  hat  ein  P^nde,  hat  die  Tragwulst  zui-ückgelassen. 

Daiu'lien  die  Lesart:  linlei  mii-ya-yae  hatdli-ya  kicnlyymo  mag  der 
Kiug  dahin  (gestürl)en)  sein,  die  Wulst  ließ  er  zurück. 

So  von  einem  totgeborenen  Kinde,  auch  von  Fällen  wie  »Hans  im 
Glücke«. 

207.  Kanadi    mare     sim      :dnta-ga. 
Geduld  völlig  Auge  Krankheit. 

Bei.  schlinmiem  Auge  vor  allem  Geduld. 

■2'i3.  K.  schreibt  kcam  B.  kiäm.  Ks  liegt  hier  in  der  Tat  kein  [lala- 
tahs  k  vor,  sondern  ein  konsonantisches  e,  wie  im  H.  in  ram  Kinder,  das 
Mischlich  yaya  sehreibt,  auch  in  IL  kedu  Schönheit  (Mischlich  Av'o,  kjm,  kyro). 

204.  Bei   K.  heißt   schon  khmei  Königtum. 

205.  Marf;  ist  ein  liei  K.  nicht  genanntes  Verstäi-kungswort,  s.  u.  ■2(17 
imd  Lied  XIV  6,  14  f.,  wo  es  ebenfalls  wie  in  207  mit  kanadi  verbun- 
den  ist. 

207.  Zu  innre  s.  o.  205.  —  Zu  dem  2.  Tnf.  zniitn  s.  Lied   XIl   Aiim. 


Priktze:   Bornuspi'iehworter.  141 

208.  Dildm        ti      si     mä       kiri-ya       o'zo. 
Begiei'ile  die  sie  aiicli   Hund  den  tötet. 

Die  Gier  ist  es,  die  den  Hund  ins  Verderluii  l)ringt. 

209.  Im         laijä         dilüli       nandilali-ya    wazin,  im  kulyu      mei-he 
Tag  gewissen  Makler  Maklertuin  das  liaßt  Tag  Tolie  des  Königs 

cukunna  ti. 
fiel       da. 

Es  kommt  vor,  daß   der  Verkäufer  seinen  Beruf  haßt,  näinlieli  wenn    iliin 
ein  Königsrock  entfallen  ist. 

210.  Inkt      karyün    kannü-he,    kd?mu  karyim     käUm-he,  käliin  karyi'in 
Wasser  Mittel  des  Feuers  Feuer   Mittel   des  Grases,  Gras  Mittel 

inki-be. 
des  Wassers. 

Das  Wasser  ist   ein   Mittel   gegen   das  Feuer,   das  Feuer  gegen   das  Gras, 
und    das  Gras    wieder   gegen    das    Wasser    (als  Grasdach,    das    den   Kegen 

abhält). 

211.  Inkf      söha         kida-he. 
Wasser  Freund  der  Arbeit. 

Denn    es    ist,    auch    abgesehn    vom  Trinkbedürfnis,    für   die    vei-schiedensten 

Arbeiten  erforderlich. 

212.  BÖyu  nanyila  kädi-he. 
Vergeblich  Schönheit  der  Schlange. 

Denn  alle  Welt  haßt  sie  trotzdem. 

Ausdruck  der  Stimmung  eines  unterjochten  Volks  gegen  das  herrschende, 
das  sich  beliebt  machen  möchte. 

213.  Fero  keldnzi-he      M-ya.    ziyindim     huko. 
Tochter  des  Skorpions  sie  du  wartest  nicht. 

Des  Skorpions  Tochter  mag  man  nicht  warten. 

Der  gewartete  (auf  dem  Rücken  getragene)  Junge  Skorpion  ent- 
spricht imserer  am  Busen  gehegten  Natter.  Fast  gleichlautend  das  H.- 
Spiichwort  in  Pll.  u.  T.  67. 

209.  Der  dilali  (arab.  Lehnwort)  trägt  auf  den  Schultern  eine  Anzahl 
Stoffe,  die  er  zu  verkaufen  beauftragt  ist;  hat  er  ein  kostbares  (iewand 
verloren,  so  ist  seine  Verlegenheit  groß.  Bild  für-  jemand,  der  ül»ernoni- 
menen  Pflichten  nicht  gewachsen  ist. 

213.  Daß  der  \'olksmund  dem  Skorpion  weibliches  Geschlecht  beilegt, 
ergibt  sieh  aus  seinem  Namen   Mairo  :=  Mirjam  s.  Kinl.  z.  I'll.  u.  T. 


1  1 2  Prietze  :    Rornusprichworter. 

214.  AlkiiiiKi     ti       hdli  inki-ya        ziyei  häko, 
Weizfii  (Ut  WesL'ii  <k's  Wassers  folgt  iiii-lit. 

DiT  Weizen   richtet  sieh  nicht  nach  der  Hesdiaflenheit  des   Wassers. 

Bedeutnng:  Nicht  die  Herkunft,  sondern  die  angel)ornen  Kitienschalten 
hestinunen  den   Wert   eines   Menschen. 

215.  (lämtiu        kili-ya  cnmin,  A'ili         ydindu-ya  camhi. 
Trocken  Frisches  das  liat  geboren.  Frisches  trocken  das  hat  gehören. 

Dürres   Hol/,   hat  schon  grüne,  grünes  düi-re  Sprossen   getrieben. 

Sinn:   Sühne  sind   zuweilen  sehi"  von   den    X'ätern   \-erschieden. 

216.  Mätu      fdndo-ica         röko. 
Suchen   Finden  mit  zusammen. 

Sinn:  Suchet,  so  werdet  ihr  fiiuh^n. 

217.  Küiiiho      hclkaci-ro      cukurima  yulezinn:   dtc.     inä     hcrni  yo,  lükin 
Blinder  Brunnen  zu  als  er  fiel  sprach:  das  auch  Stadt  ist,  aber 

)iu       luk(j-he       häyo. 
Ort  des  Bittens  nicht. 

Kill  Blinder,  der  in  einen  Brunnen  geraten  war;    sprach:   »Eine  Stadt  mag 
das  sein,  aber  keine,  wo  es  Almosen  gibt.« 

218.  Kiri  yulezina:    Ayo     zakkdta      ti        kiri-he  y''>iif      dakeri-ni 
Hund  sprach:  Sache  verdeckt  die  des  Hundes  ist  nicht;  Teil  mein 

kitd,  kwal/'  cidiya-n      riiskin. 
weini,  laß  Boden  an  ich  sehe. 

I)<'r  Hund  sagt:   "Zugedecktes  ist  nichts  für  den  Hund;  wenn  es  \"\\r  mich 
sein  soll,  laß  mich's  hier  unten  besehen. 

219.  Aß       lamho-nem'^         hattu  kaya-he  közina        nanzdu. 
Was  Geschäft  dein?  Schlagen  des  Stockes  es  übertraf  Heftigkeit, 

(Die  Frage)  Was  geht's  dich  an?  wirkt  stärker  als  Stockprügel. 

214.  Alkdina  und  hdli  sind  bezeichnend  für  die  An])assung  ai-abischen 
Lehnguts  an  den  heimischen  Lautbestand. 

210.   Rnko  wird    nur    durch    H.  tare  wiedergegeben    und    ist    vielleicht 
identisch   mit  K.  rdkko  =:  riyht,  straiylit^  pfain.     M.  schreibt  rnko-n. 

217.    hiko  m  K.  löyö  (H.  röyo).  —  Zu  kdtoho  s.  o.  201. 

21.S.  Zu  dnkpri  vgl.  20. 

219.    K.  läiiilii\    Idinltö   Angelegenheit.  —    Die    beli'.  ^Vcndimg    im     11. 
lautet  hülm   ruaiika,   wörtl.:   nicht  dein    Wasser. 


Puietzk:    liornu.si)rii'hwörtef..  143 

220.  Ci         ti      si     te     mü         kädi-ya         cMö. 
Mimd  der  ei'  dei-  ."uicli  Schlaiif^c  die  tütet. 

Ihr  Mund   ist  es,  der  die  Schlange  ins  Wrderbcn  stüi-zt.      \'u;h  208. 

221.  Na     ti  zikkacia-yae  kalyivm  ti    belaka-rö       yäyin 
Ort  der  wenn  gedrängt  wenn  auch  Kamel  das  IL'ihle  zu  geiit  liimiu 

l)üko. 
nicht. 

Das    Gedränge   mag   noch    so    groß   sein,    das    Kamel    wird    doch    in    keine 

Höhle  gehn. 

Angewandt  auf  stolze  Fürsten,  die  auch  hei  größter  Bedrängnis  nicht 
in  sehimplliche  Flucht  willigen   wiii'den. 

222.  Komäynm  deraiia-yae  Milo  tilö-ya    közina. 

Elefant    wenn  ahmagert  wenn  auch  Topf  einen   iihertraf. 

Auch  ein  magerer  Elefant  füllt  nicht  bloß  einen  Topf  (sondei-n  mindestens  zehn). 

Ebenso   Nr.  84   meiner    II. -Sprichwörter:   Bild    für   den    Großen,  der 
auch  in  der  Not  mit  eignem  Maßstabe  gemessen  sein  will. 

223.  KurU        sivfi-he-yäe  da  komayum-he  kiiieri- 
Sehen  des  Auges  wenn  auch  Fleisch  des  Elefanten   Erdeichhorn 

wa      yade       yade. 
nu't  anders  anders. 

Auf  den  ersten  Blick  sieht  man,   daß    das  Fleisch   des   Elefanten    von    dem 
des  Erdeichhörnchens  verschieden  ist. 

Bedeutung:  ^'ornehm  und  Gering  sind  leicht  zu  unterscheiden. 

224.  Kineri         woledi        komayum-he         yerti  nanyanä-nzn- 
Ei'deichhorn    Knecht  des  Elefanten     ist     nicht    Kleinheit     seine 

n-yae. 
mit  wenn  auch. 

Das  Erdeichhörnchen  ist  kein  Knecht  des  Elefanten,   so  klein   es   auch  ist. 

Bild  für  die  Selbständigkeit  des  kleinen  Mannes  auch  dem  Mächtigi-n 


221.  Dem  anderweitig  nicht  belegten  zikkacta  soll  als  Subst.  im  II. 
ki'unn  entsj)rechen,  das  nicht  bloß,  wie  bei  Miscldich,  \Val(l  heißt,  sondtin 
überhaupt  Menge,  Hanlen. 

222.  Komäyiiiii  --=  B.  komäyun,  komäun,  K.  kainäynn,  ka/iiäun  Elefant 
ist  lautlich  leicht  zu  verwechseln  mit  kumüym  lloru'g  r  K.  keinäyea.  —  Zu 
derazia  vgl.   172. 

223.  224.  Zu  kimri  s.  o.  51.  —  Zu  dem  ursprl.  aiab.  woledi  od.  wpMi 
Diener  im   Gegensatz  zu  kalia  Sklave  vgl.  Lied  VII    1   u.   10. 


1  1  j  Prietze  :    Borniisprichwörter. 

225.  Manfuhdn  ti     weledi      kur(iin-lif         i/rni  väho-n  nainja. 

Urol     (Ut  Knecht  tles  Krokodils  ist  nicht  Ähiihchkcit  mit  wegen. 

Der   Trol   ist   darum  noch  kein  Knecht  des  Krokodils,   weil   er  so  aussieht. 
Sinn:  Der  Schein  trügt. 

226.  Induyae  kcla  asali-nzü-he        deyt'i. 
Wer  auch  immer  Kopf  Ursprung  seines  Meiht. 

.Iidir    lileiltt,    wie    er    i;eartet    ist    (l)erulit   auf  seiner    (jrundlage,    im    liösen 

w'ie  im  guten). 

227.  AyÖ        dzeb-he:  kadi        kela        keska-be       zebet. 
Ding  des  Staunens:  Schlange  Kopf  des  Baumes  steigt. 

.Merkwiirdig,  daß  die  Schlange  auf  einen  Baum  klettert  (ohne  Beine,  zu  hahen). 

IJild   für  den  Emporkömmling. 

228.  A(/o    kunki'ina-be     ti     ai/i  kiinkünabü-bF. 
Sache  des  Geldes  die  der      Geldleute. 

Was  Geld  kostet,  ist  für  die  Reiehcn. 

229.  Fer^        zezö  kidomä-he  könümma. 
Pfei'd.  Töten  des  Feldhesitzers  du  übertriffst. 

IMerd,  du  ])i.st   zu    teuer,    als  daß  der  Landmann  dich  töte    (wenn    du    sein 

Feld  verwüstest). 

Siiui:  Die  kleinen  Diebe  hängt  man,  die  gi'oßen  läßt  man  laufen. 

230.  Ka//i         cero-nzü     kacdya-wa     ti    retciii      iiöhtin      häko. 
Mensch   Baueh  sein   Lairze  mit  der  kann  setzt  sieh   nicht. 

Wei-  eine  Lanze  im  Bauch   trägt,  kann  sich  nicht  si'tzen.      \'gl.   i^530. 

Sinn:    Wo  Krieg  herrscht,  hat  niemand  Ruhe. 

231.  K'inemn  yafarei      bako-wa      ti      st     mä       klM-ya      zuhn'i. 

Stier  Schwanz  nicht  mit  der  ihn  auch  Fliege 'die    ißt. 

Kinen  Stier,  der  keinen  Schwanz  hat,  stechen  die  Fliegen. 

225.  ^Veledi  s.  223.  —  Maryubdn  s.  106,  107.    Zu  caho-n  vgl.  Lied  IV  9. 

22(3.  227.  Asali  u.  dzeb  sind  arab.  Lehnworte. 

228.  Knnkünabn  pl.  zu  kunkunama  Geldmann  vgl.   K.  §  40. 

2.>0.  Retrin  =  K.  raktsin,  nebcin  =  K.  ndptsin. 

2'M.  A7n////«  dei"  lasttragende  Stier.  Vgl.  \i .  kayiia mö  ]^\\\\Q .  \^.  kanento 
verschnittener  Stier  ist  nach  meinem  Gewährsmann  uiu'ichtig.  Sehr  auf- 
fallend ist  hiei-  die  Verwendung  von  ya  zur  Bezeichnung  des  nac.ligestelllcn 
Subjekts,   während   es   nach    K.   als   (  )l)jekt.ssuffix   anzusehen    ist. 


Priktzk:    Hornuspiicliwörtei'.  1  1') 

232.  Käjjio  Ji'oa         häko-a        ti       inäna-yu  ('eliiifin  häko. 
Frau  Mann  nicht  mit  die  Wort  das   konnnt  licraiis  nicht. 

Enie  Frau,  die  keinen  Mann  hat,    entgeht  nicht  dem   (i<'re(h'. 

233.  Ma/ynhdu     kam  cezina     si-ya  yiryäzin  häko,       kam      liiliiina- 

Ui'ol       Mensch  er  tütete    ilni        zi\rnt     nicht,   Mensch    llän^ei' 

nzü-ya     yiryäzin. 
sein  den     zürnt. 

Dem,    der    ihn    erlegt   hat,    grollt  der  Urol  nicht,    wohl    alicr  dem,    dei-  ihn 
übergehängt  trägt  (als  Jagdbeute). 

Bedeutung:    Man    ist   oft   mehr   empöi-t   ül)er  den,   der  ein  schlcdites 
Gerücht  vveiterträgt,  als  über  den.  der  es  aufgebracht  hat. 

234.  V      inä    nöyesko,     zoll      sdbtu  kidinia  ti. 
Ich  auch     weiß,     Narr  Auftrag  als  er  getan  iiatte  da. 

O    ich    weiß   schon,    sagte   der    Narr,    als   er   eine   Besorgung   übcnidninicn 
hatte  (ohne  sich  sagen  zu  lassen,  worin  sie  bestünde). 

235.  Salam  alekum,  zoli    kasüyu  zubnnia  ti. 

»  »       Narr  Markt  als  er  gegessen  hatte  da. 

Friede  sei  mit  euch,  sprach  der  Narr,  als  er  einen  Einkauf  gemacht  hatte, 
d.  h.  er  benahm  sich,  als  ob  er  es  mit  Gastfreunden  zu  tun  hätte. 

236.  Darä-be-n         yäyiskin,  zoli     kamo  kidinia  ti. 

Woher     ich  gehe  hinein,  Narr    Fi-au  als  er  gemacht  hatte  da. 

Wie  finde  ich  nur  Zugang?  fragte  der  Narr,  als  er  ein  Weib  genommen  hatte. 

237.  Dibi       kam  layd         ndnya-rÖ     dibi-nem       tarn  in. 
Böses  Mensch  ein  gewisser  wegen  Böses  dein  du  hältst. 

Weil  ein  Anderer  etwas  Böses  hat,  hältst  du  fest  an  deinem  Bösen. 

Ist  z.  B.  ein  Volk  stark  gerüstet,  so  nniß  auch  das  benachbarte  es  sein. 

238.  Gila-ya  fandemnü,  dibi-ya  kwaUin  bako. 
Gutes  das  du  fandest  nicht.  Schlechtes  das  du  läßt   nicht 

Solange     man    nichts   Besseres    gefunden    hat.    werfe    man     .las    Schleclite 

nicht  fort. 

233.  MaryiMn  s.  schon  53,  106,  107,  225.  Da  er  laut  53  sehr  schwer  zu 
töten  ist,  darf  man  keinen  Anstoß  daran  nehmen,  daß  der  einlegte  hier  nocli  lel)t. 

234.  NiJyesko  für  nönisko  ist  ein  Beleg  der  bei  K.  zahlreich  vei-- 
tretenen  Relativkonjugation,  vgl.  Einl. 

235.  Zubünia,  vom  Gewährsm.  znbvnnia  geschi-ieben,  maclil  .len  Kin- 
druck einer  hybriden  Form,  ^'om  Peif  abgeleitet,  müß(e  es  znbniyu  lauten 
(vgl.  267),  vom  Aorist  (w.  o.  kidiniu)  etwa  kibvnia. 

Mi«,  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  111.  Abt.  ^^' 


1  li;  Prikt7-e:    Bornuspiichwörter. 

239.  Kf'kira      yedi-he        kasitifu-ija  (UzT. 
Wdlke  des  Ostens  Markt  den   hat  gcniisclit. 

Kine  Wetterwolke  vom  Osten  hat  den   .Markt  in   W-rwirnnii;  u,thraeht. 

IJihl  fiii-  die  verheerende  Wirknnu;  <le.s   Ki-iege.s. 

240.  Mi'nia      kdryii-he      karyün  kattiufuma-he. 
Woit  des  Herzens  Mittel  des  Lügners. 

Kin     W'oi't,    das    man     im    ller/en     Itewahrt,     ist    ein    Schntzniittel     gegen 

den    Lügner. 

I).  li.  was  man   tür  sich  hehält,   kann  ein  Ohrenhliuser  nicht  verltreiten. 

241.  Cfro-wa       anjim-wa      ti    dakarcei  häko. 
Bauch  und  Hirse  und  die     teilen     nicht. 

Baucli  und  Hirse  scheiden  nie  voneinander. 

IJild  imzertrennlicher  Freundschaft. 

242.  BUna-n-yae  kämo    köa-nzn-ya     nözina.  hüna-n- 
Nacht  in  wenn  auch  Frau  Mann  ihivn   kannte,    Nacht    in  wenn 

yae       lya     tUta-nzn-ya  nözina. 
aucii  Mutter  Kind  ihr  kannte. 

8ell)st  l)ei  Nacht  kennt  die  FVau  ihren   Mann,    kennt  die  Mutter  ihi-  Kind. 

243.  Büna-n-yae  kedm     ti      htl. 
Nacht  in  wenn  auch  INIiich  die  weiß. 

Auch  in  der  Nacht  ist  die  Milcli  weiß. 

Bedeutung:  Was  man  erprol)t  hat,  dem  vertraut  man. 

244.  Reläka  Jiankumdnyar    ti  bade       kürityu  si-ya       länimmT. 
Ui'uhe  (der)  Bosheit  die  daß  nicht     lang      sie    grabe  nicht. 

Die  (iruhe  der  Bosheit  grabe  niclit  tief  (damit  (hi  nicht  selbst  hineinfällst). 

239.  \'gl.  K.  keyera  Unwetter,  B.  keyera  heftiger  Regen.  Dizi  soll 
II.  dünta  vermischen  entspreciien.  Vgl.  K.  dinyin  reibe,  knete.  —  Die  Un- 
wetter kamen  in  Bornu  aus  dem  Osten,  wie  ehedem  häufig  (h'e  politischen 
Störungen. 

■J42.  Das  geschlossene  e  von  büne  Nacht,  öffnet  sich  hiei',  weil  die 
Silbe  geschlossen  wird,  zu  o. 

243.  Zu  kedm  vgl.  203. 

244.  Bdaka  in  der  Bcd.  Höhle  s.  o.  221.  —  Das  Abstrakta  bildende 
Träfix  nan  steht  hiei"  wie  in  nuiikennei  204  plconastisch,  da  kumdnyar  bereits 
Bosheit   bedeutet,   s.    l.ied   Vll    7. 


Prietze:    Bornusi)iiclnvörtei\  147 

245.  Sf'm    wätama-nüm  kanem    ridin    bako. 
Auge  Feiiul  dein     Schlaf    tut     nicht. 

Das  Auge  deines  Feindes  schläft  nicht. 

246.  Nanyo-7uim       rönemiri      kud,      koro-gn  iilibe. 
Scham  deine  du  liütest  wenn,  Esel  den   niiiun  dich  in  ;icht. 

Wenn  du  den  Anstand  wahren  willst,  so  meide  den  Ksel  (welchen  zu  reiten 
im  mittleren  Sudan  dem  guten  Ton  widerspricht,  vgl.  1^(1.  u.  T.   149). 

Bedeutung:  Wer  etwas  auf  sich  hält,  hütet  sich  voi-  schlechter 
Gesellschaft. 

247.  Beske      tüiuü-wa       kiiä,       bänümiaa  himmi-ijae 

Spiel   Kinder   mit   wenn    du   schliefst    du    ißt   nicht    weini  auch 

galgo. 
ist  besser. 

Besser    du    schläfst,  ja   ißt   lieber   nicht,   als   daß   du   mit    Kindern   spielst, 
denn  dies  verträgt  sich  nicht  mit  der  Würde  des  Erwachsenen. 

248.  Kam  ndnyoztn       bäko     knd,  U-ya    zilibe. 
Mensch  schämt  sich  nicht  wenn,  ihn  meide. 

Hüte  dich  vor  dem,  der  keine  Scham  kennt. 

249.  Kam         ti  am-ya  nanyozin         bäko     kud,  Ala  inü- 
Mensch  der  Menschen  die  er  schämt  sieh  nicht  wenn  Gott  auch 

ya      rtzin      bäko. 
den  fürchtet  nicht. 

Wer  sich  vor  Menschen  nicht  schämt,  fürchtet  auch  Gott  nicht. 

250.  Inkt      ti     zeregu-ga      zigei. 
Wasser  das  Furche  die  folgt. 

Das  Wasser  richtet  sich  nach  dem  Talweg. 

Bedeutung:  Jeder  strecke  sich  nach  seiner  Decke,  vgl.  185. 

245.  Wätama  ne])en  dem  bisherigen  wä;f»wff  (84;  173)  zeigt,  daß  das 
aktive  Partiz.  auch  von  dem  2.  Inf.  gebildet  wird. 

246.  Vgl.  K.  rongin  bewahre.  Das  aus  zilibe  zu  erschließende  zilibLskin 
ist  durch  das  im  ilfaw^a-Dialekt  häufig  wuchernde  Präf.  zi  aus  einem  Stamme 
lib  erwachsen,  bei  K.  lifüskin  nehme  mich  in  acht. 

247.  Zu  galyö  vgl.  Lied  IX  2. 

248.  Über  zilibe  s.  246. 

250.  ZeregTi,  nicht  bei   K.  u.  B.,  ist  :r^  11.  kiiri  Finrlie. 

10* 


J4S  Priktzk:    Bornusprifhwöpter. 

251.  A<jd     kelu-ga  kainzT  H,  yulandö-ya  kdinba, 
Ding  Ktjprticii  Iiat  jil)U,t;scl  mitten  das  Finger  <lt'ii  wt-iiii  alisclmtidel. 

aifo         layd  l/f"*- 

Ding  gewisses  ist  nicht. 

Wenn  das,  was  den   Kopf  ahgeliatien   hat,    auch    den   Finger    wegschneidet, 
so  ist  (his  ohne  Bedeutung. 

Sinn:  Bei  großem   \'erlust  kommt  ein    kleiner  nieht   in   Betracht. 

252.  Käyo     mü.sko-be     rägo  ct-he  közina. 
Liehe  der  Hand  Liehe  des  Mundes  üi)erti'ift't. 

Betätigte  Liel)e  ist  mehr  wert  als  heteuerte. 

253.  Beluka  kattüyu-he  H  Si-ya         yämia  dnij-n  veri. 
Gruhe    der   Lüge    die  ihr   wenn   du    folgst   schnell    ist  zu    Ende. 

Verfolgt  man  die  Gruhe  der  Lüge,  so  ist  man  hald  am   Ende. 

Sinnverwand :  Lügen  hahen  kurze  Beine. 

254.  Kattuyu  letü    käfü  nmjü       adia,  zire  ti     küfü  tilö  si-ya 

Lüge    Gehn  Tag    zehn  wenn    tat,    Wahrheit    die   Tag  ein    sie 

yiaziyin. 
einholt. 

Wenn  die  Lüge  zehn  Tage  gewandert  ist,  holt  die  Wahrheit  sie    in  einem 

Tage  ein. 

255.  Kalyü    zamhu-he      ti  indu-yae         si-ya  cerdyin     bäko. 
Tohe  der  Sünde  die  wer  auch  inuner  es     er  lieht  nicht. 

Das  Kleid  der  Sünde  wünscht  niemand. 

Sinn:   Ist  eine  Untat  begangen,  so  will  es  niemand  gewesen  sein. 

256.  Indu-yae  kusätto-ya      cerayi/ta,       Sim       ti       cerayi/t/ti 
Wei-    auch    inuner  Gast    den    er    liebte,    Auge    das    lieltt    nicht 

kn.sätto-ya. 
(iuMt   den. 

S((  gern  man  im  allgemeinen  einen  Gast  hat,  das  Auge  mag  keinen   haben 
(die  Sandkörnchen,  Splitter  oder  dgl.). 

Bedeutung:  Kin  (Jast  dai-f  sich  nicht  lästig  machen. 

25.'i.  Zu  heläka  vgl.  221  u.  244.  Es  ist  Erdloch,  während  die  Höhlung 
in    Felsen  oder  Bäumen  kul  heißt  =  H.  koyö  (Mischlich  koyo). 

2r)4.  Naziyin  ein  seltener  Beleg  dei-  Kelativkonjugation  r-  K.  natseyiti 
V.  /läyr.skiJi  hole  ein. 

255.  Zu  zamhu  vgl.  269  zanbe. 

256.  Zu  kusdtto  \"j\.  HO. 


rKiET7.K:    Binntispriflivvörlcr.  149 

257.  Tnrni:  röne       si       mä        uankoli      ijn. 
Breite  aus  gil.  acht  es  aiicli  Ausstellung  ist. 

In   Auslegen  und  Achtgeben  lH\stcht  der  Handelshetriel». 

Ähnhch  im  H. :  Ka  rühuta,  ka  kdranta  st  ne  naiimci  .Schreilien  und 
Lesen  ist  Lehrerheruf. 

258.  Kiidgv  kdmbi  bäko     ti         böku  kiittd-nzu. 

Pfeil     Bogen  nicht  da  vergeblich  Fassen  sein. 

Man  greift  umsonst  nach  dem  Pfeil,  wenn  man   keinen  Bogen  iiat. 

So  ist  z.  B.  eine  Frau  zwecklos  ohne  Mann,  ein  Krieg  vergeMich, 
wenn  man  nicht  gerüstet  ist. 

259.  Kämo  nyila  fato      kna-nzü-he     (nahkdta). 
Frau     gut    Hans  Mann  ihres  (gesessen). 

Eine  gute  Frau  weilt  im  Hause  ihres  Gatten. 

260.  Kdnzi  Ala-he,  kalyimu     kardga-be       fäto-be  cnnmnia 
Sklave  Gottes,  Kamel  der  Wildnis  des  Hauses  als  es  gesehen  hatte 

ti  Ighkdta. 
da  beladen. 

Knecht  Gottes  (etwa   «armes  Wurm»),  sprach    die  Girafle    zum   Kamel,  als 
sie  es  unter  seiner  Last  erblickte. 

261.  Lme  hanno-niim     yei,      körn      kardga-be        fätn-bc  üurimnia 
Geh  Not  deine  trinke,  Esel  der  Wildnis  des  Hauses   als   er  ge- 

ti. 
sehen  hatte  da. 

Geh  und  plage  dich,  sprach  der  wilde  Esel,  als  er  den  zahmen  sah. 

262.  Kiiküi  gnlzina:  Afi  ü-ro         sTmin-yae,  kintä  hmie-be 
Huhn      sagte:    Was    mii-    du    gil)st    wie    auch  Fassen  der  Nacht 

icqskiJta. 
ich  hasse. 

Das  Huhn  sagt:    Du  magst  mir  geben,    was  du    willst,    bei  Nacht   angefaßt 
zu  werden,  ist  mir  zuwider. 

Ganz  ähnlich  der  Hahn  im  H.:  Pll.  u.  T.  90. 

257.  Zu  röiic  vgl.  24(1.  —  Koli  ist  dem   H.  enllelmt. 

260.  K.  kentst  Sklave.  —  Labkdta  Part.  Pass.  zu  Inmulskiti  \\.  Innu/m 
(3.  Sg.  laptsin)  lade.  —  Die  Giraffe  heißt  wie  hier  so  im  H.  das  wilde  K.niiel. 
—  Zu  airvnnia  \g\.  zubvm'a  217. 

261.  Banm  =  H.  icüi/a,  wohdlla  deckt  sich  in  der  Bed.  nicht  nnt 
haimd^  K.  bänna  Verwüstung.  Zerstörung. 

262.  Zu  himin  vgl.  Lied   XH,   10  f. 


\c){)  1'kietze:    IJoriiusinicIiwürtor. 

263.  A'«  nti-lir-n  ki'xjeiye,  difhnd  alfiarßsmn 
Ort  dieser  vdii   in    wir  j^iiij;on  v()il)ei,  Aiissälzi^j^fr  M;ii;m  mit  Aiis- 

crtriiiinin  ti. 

sflil;in  als  vv  j^esehu   liatto  da. 

[)aiiiit  fing  es  an  hei  mir,  spiaeli    der  Aussätzige,  als    er    jeniand    inil    Aus- 
schlag sah. 

264.  Na  dti-he-n  högeiye,  kamho      kam     Um      tilo- 
Oi't  dieser  von   in   wir  gingen  vorhei,  Blinder  ."Mensch  Auge  eins 

im  airunnia  ti. 

mit   als  ci-  gesehn   hatte  da. 

Damit  fing  es  an  hei  mir,  sprach  der  Blinde,  sIs  er   einen  Pj'näugigen  sah. 

265.  Kdnnu  Jcomüduyu-he     cTzina        ti,    kargvn-zü     Ala. 

Fetier     Fluß  von     stand  auf  da,  Mittel  sein  Gott. 

Wenn  sich  das  f^eiicr  auch  vom  Flusse  her  aufmacht,  dann  kann  nur  Gott 

noch  helfen. 

So  sprachen  z.  B.  die  hiesigen  Bornustudenten,  als  die  'Jiirkci,  auf 
deren  Hilfe  man  in  Tripolis  zählte,  selber  von  den  Balkanstaaten  angcgi'iffen 
wurde. 

266.  Kännu       malum-ya       ziibui  kua,      hökd-ya     kwölzim  hako. 

F'euer  Gelehrten  den     ißt    wenn,  Arzt  den      läßt       nicht. 

Kill  Feuer,  das  den  Gelehrten  verzehrt,   wird  auch  den  Arzt  nicht  verschonen. 

Denn  erstercn  glauht  man  im  Besitz  stärkerer  Zaid)ermittel  als  den 
Quacksalber. 

267.  KdtiiiK    ti     ki'la       söl>a-nnm-yn      zühidya,      nl     yr     kela-itnm-t/a 

Feuer  das  Kopf  Freundes  dein  wcim  ißt,  du  auch  Kopf  deinen 
iiiki     sammL 
VVa.sser  reibe. 

Wenn  das  Feiu;r  den   Kopf  deines  PVeundes  vei'zchrl,  bcuelze  den  deinigen 

mit  Wasser. 

■JH;^.  Kögeiye  1.  PI.  Aor.  v.  köniskin,  —  Das  aiali.  hnras  wird  als  Aus- 
satz, bald  als  Iriikn  vitiliyo  angegeben,  bedeutet  im  Sudan  die  ersten  weiß<>u 
Ausschläge. 

264.  N/-ro  (jidycda^  sie  sagten  es  ihm,  erwiderte  mein  Gewähismann, 
als   ich   ihn   auf  den   Widerspruch   hinwies. 

265.  In  der  Regel  wird  in  Bornu  Ala  geschrieben  und  gesprochen, 
im   II.  Alla. 

266.  Bdka   im    U.,  dem  es  entlehnt  ist,  höka. 

267.  Zu  sammc  vgl.  K.  .sdnujin  reibe;   im   11.  -t=  .fö/a. 


Pkiktze:    I5oriius|)rirlivvürter.  151 

268.  Kam  käsi-niua  lptn-</n         rlzin     hahi. 
Mensch   N'oriat  sein  mit  Gehn  das  nirclilct  nielit. 

Wer  nnt    Vorrat  verselni  ist,  scheut  das  Reisen   nicht. 

269.  Zanhe-iiein    hah)       hid     höh(ltü-(fn         rinim  hako   im  i -hr-ym 
Sünde  dein  nichts  wenn  Rufen  das  (hi  fürditest  nicht    (hs    Kö- 
nigs wenn  auch. 

Bist  du  frei  von   Sclmld,  so  iurchtest   du   dich    vor    keinem   Ruf.   und   wiire 

es  der  des  Königs. 


270.  Nanyila  te       ma       zdu      go,  nandihi  ti        :au  f/mf. 

Güte     die  auch  schwer  ist,  Sclilcchtigkeit  die  schwer  ist  niclit. 

Tüchtigkeit  ist  schwer,  Nichtsinitzigkeit  nicht. 

271.  K7/rö      karffti-be  sim-he  höUna. 
Sehn  des  Herzens  des  Auges  geht  vorljei. 

Das  Gedächtnis  reicht  weiter  als  das  Auije. 


272.  Nantnsü  kela     kdre-tca     H  nantitsü     yent. 

Ruhe     Kopf  Last  mit  die  Ruhe  ist  nicht. 

Rast  mit  der  Last  auf  dem  Kopf  ist  keine  Rast. 
Bedeutung:  Erst  die  Vollendmig  der  Arbeit  bringt  wahir   Ruhe. 

273.  Nä     kam        Idyn         dnhdn  wäziiia  ti,       kam         Idyn 
Ort  INIensch  einer  JVlittagsrast  mochte  nicht  da,  IMensch  anderer 

hötü       mäzin. 
Nachtruhe  sucht. 

Wo  der  eine  noch  keine  Mittagsruhe  lialten   mag,  da   sucht  der  andeic  sein 

Nacht«  (uarti(M'. 

Bedeutiuig:  Manche  sind  mit  wenigem  zufrieden,  andere  streben    ins 
Ungemessenc. 

268.  Vgl.  10. 

269.  Zanhe,  Lehnwort  aus  dem    Arab.,  wai-  'Ih^y  zniilm  geschrieben. 
"270.   Dem  nndihi  entspricht    11.  laläta. 

271.  Kdrgu  Herz    ist   nicht  sowohl  Symbol  des  Geuu'its  wie    bei   uns, 
als  vielmehr  des  Inneren  gegenüber  dem  Äußeren. 

272.  Zu  NantitsH  vgl,  25. 

273.  B.  richtig  drhdö,  dihdu  mittägliche  Rast,  während   K.  dehdö  durch 
Tag,  dühdö  durch   Al)end  wiedergibt. 


|',*J  I'uiet7,k:    Moriiuspricliwörter. 

274.  Hntiin   ti      knsiKin-i/ri :  nin  hii/n        rih'i      :dlnum,        Inya 
Welt  <li<'  Markt  gloicli:   Mensclien  oinij^c  ticwiiiii  sie  aßen,  aiifleie 

rilm-ifd     zalniJitiT. 
(Jewinii   aßen  nicht. 

Da.s   l.el)en  ist   wie  ein  Markt:   Die   einen   in.ielien   ein  CJeseliäft,  die  andeiii 

machen  keiiis. 

275.  <'^'"  sö'-yrt    zülnii  htiko      Hin     kan/nn-wa. 
Klaj^e   Klage  die  ißt  nicht  außer  Mittel  mit. 

Nicht   die   Klage  macht    der   Klage    ein    Ende,    sondern    nur    ein    wirkliches 
Trustmittel  (z.  B.  für  den  Witwer  eine  neue  Kran). 

276.  h'idik  te     mä    zance  mäna  dirnmi-yae. 

Still  das  auch  Rede  Wort  du  tust  nicht  wenn   auch. 

Auch    das  Schweigen    kann    eine  Rede   sein,    seihst   wenn    man    kein    \V'ort 

spricht. 

277.  Karyün  ayÖ       Mda      te     mä. 
JNIittel  Sache  Arbeit  die  aucli. 

Nur  durch  Arbeit  erreiclit  man  etwas. 

278.  Bwd       kakd  kajia-be. 
Nacht  Großvater  des  Schattens. 

Die  Nacht  ist  die  Ahnfrau  des  Schattens. 

Gleichnis  für  die  Maclit  des   Königs:  Aller  Segen  geiit   von   ihm  aus. 

279.  Knryim       kici        hako     illa     kargün  uanya. 

Mittel  angenehm  nicht  außer  Mittel  wegen. 

Kine  Arznei  ist  nicht  angenehm,  sondern  nur  Mittel  zur   lleihuig. 

280.  Karäya    nabteram         yiri-he. 
Wildnis  Wohnsitz,  der  Antilope. 

Auch  dies  ist  ein  kirari-n  sarakuna  {i>.  Einl.);  die  Wildnis  versinnbild- 
licht (be  Macht  des  Königs,  die  alles  tunfaßt,   wie   die  Wildnis  ilu-c  Tiere. 

•J74.  Riöa  gehört  zu  den  arab.  Lehnwörtern,  die  im  Sudan  ihren 
.■'.   K.idikal  einbüßten. 

27H,  Kid/'k  s.  auf  d.  \(irletzten  S.  meiner  Aliliandl.  über  d.  spezifischen 
N'eistärkungsadverbien  im  II.  u.  ßornu.  .lahrg.  XI  dieser  Mitteibuigcn,  wo 
I.autcharakter  u.  Ton  näher  erörtert  ist. — Zance  is>t  dem  IL  entlehnt 

278.  Statt  kakd  (aus  d.  IL)  auch  diko,  wie  Gewähi-smann  sclireibt. 

•2H0,  Nahteram.  aus  d.  Inf.  iiahbi  v.  namni>ikin  sitze,  mit  dem  SufT.  ram 
geliildet,  -;=IL  ma::amua.     Vax  yiri  vgl.  I'll.  u.   T.  139. 


Prfetze:    Boi'iHispricIlwörter.  153 

281.  h'riqfin  n/a  n/'i-hr-i/ne. 
WoliIer^(>liri   Mutter  vvovuu  aiicli   immer. 

Gesundheit  ist  die  Vorbedingung  fiii'  nlles. 

282.  Kamo     gäyü-he         riötü  zau-ioa. 
Frau  des  Rahen  Erkennen  Schwierigkeit  nn't. 

Des  Raben  Weib  ist  schwer  zu  erkennen. 

Sinnbild  für  die  Schwierigkeit,  ins  Innere  der  Natur  einy.udiingen, 
vgl.  53.  Auch  als  Täräri-n  sarahma  angewandt.  Über  die  eigenartige 
Fortpflanzung  des  Raben  s.  Pll.  u.  T.  111. 

283.  Dihel  Icela  inki-be  nötii  zau-wa. 
Weg  Kopf  des  Wassers  Erkennen  Schwierigkeit. 

Der  Weg  übers  Wasser  ist  schwer  zu  erkennen, 

Gleichfalls  ein  kiräri-fi  sarähuna:  Bei  Hofe  scheitert  man  leicht. 

284.  Waticma    Ttam    laya-he  rayoma     kam  laya-he. 

Feind  Mensch  eines  Freund  Mensch  des  andern. 

Der  Feind  des  einen  ist  der  Freund  des  andern. 

285.  Ayö      ci-he       ciyerina    ti,     müsko-yä         katk'erin  bako. 
Sache  Mundes  er  band  die,  Hand  die  sie  überwältigt  nicht. 

Was  der  Mund  gebunden  hat,  ist  nicht  zu  stark  für  die  Hand. 

Sinn:  Was  ausgemacht  ist,  läßt  sich  durch  Zahlung  odei-  sonstige 
Leistungen  wieder  rückgängig  machen. 

286.  Ate      mä     M  yo:    düno       kdryu-he        dünn       tüyn-he       häko. 
Dies  auch  es  ist:   Kraft  des  Herzens  Kraft  des  Leibes  nicht. 

So  steht  es:  Herzenskraft  bedeutet  noch  nicht  Körperkraft.    D.  h.  man  kaiui 
etwas  leidenschaftlich  wollen  und  doch  nicht  imstande  sein,  es  zu  vollbringen. 

287.  <S?m     kurn    ti      kela  gero-ga       dghcin       bako. 
Auge  Sehn  das  Kopf  Beißen  das  hindert  in'cht. 

Der  Blick  ins  Auge  hindert  nicht  in  den  Kopf  zu  beißen. 

28 L  kelafia  —  H.  laßa  (aus  d,  Arab.). 

2S3.  Statt  dibpj  (=  K.  r/i^a/Weg)  schrieb  \nid  sprach   M.  früher  zibrl. 

285.  Zu  katkerin  (schon  143),  das  in  etymolog.  Bezichiuig  zu  ciyerina 
steht,  vgl.  Lied  XVII  3  f.     Subjekt  ist  ayö. 

287.  Bei  den  Infinitiven  kuro  u.  gern  lallt  auf,  daß  sie  hier  wie  der 
2.  Inf.  der  IL  konstruiert  sind  (vgl.  Lied  XII).  nämlich  mit  vorgestelltem 
Obj.,  also  verbal,  während  der  Inf.  auf  ft<  das  Obj.  im  Gen.  hinter  sich  hat.  — 
Zu  dgibcin  vgl.   K.  dämyin  hemme. 


1  r>  j  Phiki/k:    Il«>iini.s|(ricli\v('ir(ci'. 

Jlcdtiilmiu:  M;m  dail"  sicli  niclit  scliciicii,  gegen  jciii.iiul  aiieli  in  seim-ui 
Beisein   tlie   W'alulicit   /n  sagen. 

Fast   el)enso    Nr.  4    meiner  ll.-Spi-icliwürter;   das   Hild    ist   vom  Vcr- 
spfiscn  eitjes  Hanmielkojifcs  licrgcnommen.  dessen  Angen   noch   (jflcnstelin. 

288.  Fni/nl       kau         zatöina. 
Wolke  Sonne  Ijcdeckcnd. 

Bild  t'iir  den  Sieg  des  Größeren   iil)cr  das  Kleinei'e. 

289.  Ai/n  kdm-be        si-ya     katkerim    bäkn. 
.Sache  des  Menschen  ilni  überwältigt  nicht. 

Was  der  Menscli  l)esitzt,  ist  nicht  stäi'ker  als  er.     Kiii   llen scher  z.  H.  hal 
CS  sich  selbst  zuzuschreiben,  wenn  er  nicht  seines  Volkes  Ileri-  bleil)t. 

290.  Rnskini  faniskini  ni-ka  dakaricina  indü-wa-yae. 
Ich  sah  nicht    ich    hörte    nicht   dich      es   teilte       wem    mit   auch 


Die  Wolle    »ich  habe  nichts    gesehn    und    geluut«    machen    dich  von   einem 

jeden  frei.     Denn  wenn  du  keine  Auskunft  geben    kannst,  wird    man    dich 

in  Ruhe  lassen.     Vgl.  146. 

291.  Nato  ci-he  näto       knlo-he         köHna. 
Säen  des  Mundes  Säen  des  Feldes  übcrtrilTt. 

In  den  Mund  zu  säen  ist  l)csser  als  auf  den   Acker. 

Sinn:  Man  l)egünstige  die  Seiin'gen;  der  König  z.  H.  gebe  lieber  seinen 
Söhnen   hohe  Posten  als  Fremden. 

292.  Kiska  kicima  ti      helangu-nzü-n    H-yn     nönimhi. 
Baum  Angenehmes  habend  der    Blüte  sein  an    ihn   du   keimst. 

Eieie    Pflanze,    die  Gutes    in   sich    hegt,    erkennt   man   schon    an    (h'r  Blüte. 
So  z.  B.  einen   Herrscher  an  seinen  ersten  Taten. 

293.  Ate     mä,    H  yo:     hoji     hökä-ya     cezina. 
Dies  auch  es  ist:  Tanz  den   Arzt  tötete. 

S(i    ist's:    Der   Tanzrausch    (welcher    Heilmittel    suggerieren    sollle)   bat  den 

Arzt  umgebracht. 

Bild   für  ein   Hinausgehn  über  die  Kraft. 

2SH.  Fayol  lautet  l)ei  ]i.Jayäii.  bei   K.  /«//rw. 
■JSO.  Katk'Fnm  s.  o.  28.5. 
290.  Zu  dakaricina  vgl.  241. 
21)2.    Brlanyn  scheint  bei   K.  ii.  B.  zu   fehlen. 

2lti5.  Zu  hoH   -^  H.  hnri  vgl.  Mischlieh:    Hon  1.  ein  Sjiicl.   bei  dem  sich 
die  Leute  auf  das  Gesäß  fallen  lassen  und  dm.  als  ob  sie  von  einem  bösen 


Priktze:    Hormispricliwöitei'.  ISf) 

294.  A(f(l         (izeh-hc:         käzim         fi'r-ijn  znhui. 
Saclie  des  Staunens:  Gras  Pferd  das  liat  gefressen. 

Unglaublich:   Das  Gras  hat  das  Pferd  gefressen. 

So  ist  es  z.  B.  verkehrte  Welt,  wenn  Untertanen  den  P^"iivst<'n  sliirzen. 

295.  Kiri,     letü       kaTce-iiein         yenl,  sdbara  (limin. 
Hund,  Gehn  Besitz  dein  ist  nicht,  Vorbereitung  du  machst. 

Hund,  es  ist  gar  nicht  deine  Reise,  und  doch  triffst  du  Vorbereitungen. 

Diese  Worte  wenden  sich  an  den  Hund,  der  seinen  Herrn  umspringt, 
um  mitgenommen  zu  werden,  und  im  übertragenen  Sinne  an  den,  der  sich 
mit  fremden  Angelegenheiten  ebensoviel  zu  schaffen  macht,  als  wären  es 
seine  eignen. 

Ähnl.  Ptl.  u.  T.  133  am  Schluß,  der  yerinim  lauten  muß. 

Geist  besessen  wären;  2.  der  Geist,  der  die  ßorispieler  ergreift.  L.iut 
meinem  Gewährsmann  ist  hori  ein  bis  zur  Raserei  gesteigerter  Tanz,  der 
von  Haussafrauen,  namentlich  in  den  Monaten  Rejeb  und  Saaban,  jedoch 
auch  zu  anderen  Zeiten,  geptlegt  wird.  Um  sich  in  »Stimmung«  zu  ver- 
setzen, atmen  die  Teilnehmerinnen  zuvor  Dämpfe  ein  aus  einem  Becken, 
das  auf  glühenden  Kohlen  verschiedene,  an  die  Hexenrezejjte  im  ISIacbeth 
erinnernde  Ingi-edienzien  enthält:  Kolben  eines  zdhre  genannten  Rohrs, 
Geierfedern,  Exkremente  des  tunhi  (s.  Ptl.  u.  T.  125)  u.  dgl.  Hierdurch 
erregt  und  halb  von  Sinnen,  springen  sie,  nur  mit  einem  llüfttuch  bekleidet, 
höher  als  einem  nüchternen  Menschen  möglich  ist.  Saitens])iel  auf  goge^ 
mölo  oder  gurumi  steigert  die  Ekstase;  zu  Musikern  werden  in  der  Regel 
Blinde  gewählt,  damit  die  Orgie  männlichen  Augen  entzogen  bleibt.  Da 
die  Tanzenden  sich  immer  höher  und  höher  schwingen,  um  sich  jedesmal 
rücksichtslos  niederfallen  zu  lassen,  kommen  nicht  selten  Verletzungen  vor, 
ja  bisweilen  Todesfälle;  doch  erklären  sich  diese  wohl  eher  aiis  der  Nervcii- 
überspannung.  Gewöhnlich  indes  sollen  die  Folgen  günstig  sein;  die  Er- 
schöpften verfallen  in  einen  langen  Schlaf,  aus  dem  sie  wie  neugeboren 
und  oft  von  vorherigen  Gebresten  befreit  erwachen.  Soweit  jener  Trance 
nicht  vSelbstzweck  ist,  erwartet  man  in  ihm  Offenbarungen  unfehlbai-er  Heil- 
mittel, sei  es  für  sich  selbst,  sei  es  für  andere.  Dies  ist  der  (^rund,  wes- 
halb, wie  hier  im  Sprichwort,  höTca  der  Arzt  (vgl.  266),  der  meistens  selbst 
eine  Frau  ist  oder  sich  im  Hüfttuch  unter  die  Weiber  eiiischwärzt.  mit 
Vorliebe  an  solchen  Tänzen  teilnimmt. 

Für  den  Ausgangspunkt  des  Bori  hält  M.  das  Haussagebiet,  wo  er 
namentlich  in  Kazena  und  Zatizau  im  Schwange  sei,  ganz  besonders  al)er  in 
Maradi,  also  im  Norden,  nahe  dem  alten  Staiimisitz  des  Volkes.  Von  dort  sei  er 
auch  zu  den  Tuareg  übergegangen.  In  Bornu  finde  er  sich  nicht,  sonst 
aber  soweit  die  Haussa  sich  verbreitet  haben,  auch  hier  in  Kairo.  In  Kaiu) 
solle  er  jetzt  gegen  gute  Bezahlung  als  Schauspiel  für  die  Europäer  aus- 
geführt werden. 

295.  Zu  sdhara  vgl.  K.  sahrangin  ich  kleide,  rüste. 


l'ti't  rnihi/K:    HoiimsjMirliwürtor. 

296.  Mann  lurt/ij-tii'  si     tf      mä    mei-yn     /a/i:hi,       i/an/rfn  .'/J,'"'- 
W'tiil     erstes    es  das  aiicli    Köiiif;  vv  liört.   rolj^endes  ist   iiielil. 

I);is  erste   Wort  ist  es,  auf  das  der   Köiiij;   h("n't,   nielit  das  lolgendc. 

Ks  handelt  sieh  um  das  Geriehtsverfahren:  Das  erste  \'erliör  nimmt 
dir  Könij;  vor;  alsdann  wird  der  Angesehuldif:;te  zum  Kadi  geschickt. 
Ändert  er  dort  seine  Aussage,  so  wird  auf  die  erste  das  größere  Gewicht 
gelegt.  Verallgemeinert:  Kine  erste  Darstellung  pllcgt  richtiger  zu  sein  als 
eine  spätere. 

297.  (''To  dübu-n-yae  kiri     kuina-nzü-(/a     nniina. 
Leih   1000   in   wenn  auch  Hund  Herr  seinen  erkannte. 

Aiirli   unter  tausend  Leuten  kennt  der  Hund  seinen   Herrn  heraus. 

298.  Zehel  kürugu  kargün     kaii  gand-he. 
Weg     lang      Mittel  Vorrats  kleines. 

Kin  weiter  Weg  schreckt  Leute  ab,  die  mit  wenig  Proviant  versehen  sind. 

Am-h  im  politisclien  Sinne  gebraucht:  Eine  Großmacht  ist  sicher  vor 
.XngrifVen  der  kleineren. 

299.  Bade  andi-ro  dimmi  da  hafuna  inki-nzn 
Daß  (nicht)  uns   du  nicht  machst  Fleisch   es   reifte  Wasser  sein 

kill. 
uiueif. 

Kiclite  uns  kein  gares  Fleisch  mit  luigarer  Brühe  an. 

Die  Mahnung  richtet  sich  gegen  den,  der  Unfertiges  als  erledigt  be- 
liandelii  will,  z.  B,  gegen  den  Herrscher,  der  ein  Land  für  annektiert  er- 
klärt, Itevur  er  es  erobert  hat. 

300.  Biri    dabo     büne-he      kargün     dilammä-be. 
Brei  Mitte  der  Nacht  Mittel  des  Gierigen. 

Brei   um  Mitternacht  schützt  vor  dem  Schmarotzer  (dem  Nachbarn,  der  sich 
ungebeten  zu  Abend  einstellt,  um  an  der  Mahlzeit  teilzunehmen). 

301.  j\lei     gt'dm-be  mei  dum/ma-ga  koHna. 
König  vieler  König  starken  übertrifft. 

Wer  über  viele  herrscht,  ist  mächtiger  als  der  Schneidige.     Der  König  von 

Montenegro    z.  B.  ist    laut   M.  bei    aller   Tapferkeit    seiner   Leute   dem    von 

Serbien  nicht  gewachsen. 

■JJtfi.  Zu  hergäbe.,  dargßye  vgl.  K.  Gr.  §  46.  Danach  kann  deregehe  so- 
wohl den  zweiten  als  den  letzten  bedeuten. 

29f>.  Bäfuna  steht  hier  im  Widerspruch  mit  dem  Spracligeltrauch  v. 
Mango  in  relativem  Sinne;  man  würde  bäfuna  H  erwarten. 

300.  Dem  dilamma  als  »Nassauer«   entspricht  im   IL  mikwoldma. 


Prtetze  :    Borniispriehworter.  1 57 

302.  A?nalid    fh-ya  lihan'i  kiiä,  karf         (jota-ya  kTihiiui. 

Braut  Pferd  das  iiiclit  besteigt  wenn,  Last  Aufnahme  dir  übertrilVt. 

Auch  wenn  die  Braut  nicht  zu  Rosse  sitzt,  ist  sie  doch   mehr  wert   als  die 
Träger  des  Brautschatzes. 

So  bedeutet  z.  B.  der  König,  auch  wenn  er  zu  Fuß  geht,  mehr  als 
alle  seine  Reiter. 

303.  Bäko  hako-yae  mei        ti     kfyro  zlhä-ya 
Nichts    nichts    wenn    auch    König   der   Esel    er    bestieg    den    er 

közina. 
übertrifft. 

Ein  König  ganz  ohne  Reittier  steht  immer  noch  höher  da,  als  wenn  er  t'inon 
Esel  bestiege.     Vgl.  24<>. 

Auch  dies  ist  ein  kirärl-n  saräkuna  als  Symbol  iliics  Chai-akttT  inde- 
lebilis. 

504.  Nanyila      kulo-he         aryim. 
Güte     des  Feldes  Getreide. 

Der  Wert  des  Feldes  besteht  in  seiner  Frucht. 

Zur  Form  vgl.  6.     Anwendung  in  ethischem  Sinne. 

305.  Tata  na  lya-he  od,  tata  yila  ti  na  Tya-nzü-be  {na  »Ort«  hier  modal). 
Sinn:  Wie  das  Kind,  so  die  Mutter;  ist  das  Kind  schön,  so  auch  seine  Mutter. 

306.  Müsko       mdyo-he       müsko  yutdlyo-he. 
Hand  des  Nehmens  Hand  des  Wiedergebens. 

AVas  man  entlehnt  hat,  muß  man  zurückerstatten  (nicht  weitergeben). 

307.  Kalia   kanadima  si  te    ma     nantata      cufandm. 
Sklave  geduldig    er    auch  Kindheit  er  gewiiuit. 

Ein  Sklave,  der  beharrlich  ist,  erlangt  auch  die  Freiheit. 

302.  Amal/'d  ist  dem  H.  entlehnt.  —  Zu  yöla  u.  s.  Konstruktion  vgl.  287. 
Es  handelt  sich  hier  um  den  Brautzug,  der  die  gesamte  Ausstattung  mit 
sich  führt.  Die  Braut  reitet  voi-an,  die  Träger  folgen  nu"t  der  Last  auf  dem 
Kopf. 

303.  Bemerkenswert  hier  die  konjunktionalc  Verwendiuig  des  Nomi- 
nalsuffixes ya. 

306.  Yut^lyo  ist  Inf.  des  bei  K.  nicht  angegebenen  yutulyiskin,  das  dei- 
Form  nach  eine  IV.  (Kausativ-)  Konjugation  zu  linyin  konune  hervor  sein 
köiuite,  falls  die  Annahme  der  Synkope  des  T  zulä.ssig  ist. 

307.  Diese    2.  Bedeutunsr  von  täta  s.  auch   119. 


1 5S  Prik  r7,K :    Borimsprichwörter. 

308.  K(trainh(iniina  /er  iinH-hl^  ritimm,  ynHiiKi: 
\'iir\vitziger    Pferd    des    Köniu;s    du    liast    nicht    u;esc'liii,    spr.iL-li: 

Rusken  i-yae  rem  h  i'iskin . 

Ich  snh  nicht  wenn  auch  ich  bezahle. 

Kin    Faselhans,    den    man    fragte,   ob   er    das    (vermißte)    Pfei'd    des    Künii;s 

nicht  gesehn  hätte,  sj)rach:   Ich   habe    es    zwar    nicht   geselm,    will    es    aber 

bezahlen.     Ahnlieh  2154  fl", 

309.  (Wo  hmö-be  kalyi-i/a  namzei. 
liauch  der  Schwäre  Dorn  den  sie  zerbrachen. 

Im  Geschwür  hat  man  (noch)  einen  Dorn  abgebroch<-n.     \'gl.  14. 

Sinn:   Ein  Unglück  kommt  selten  allein. 

310.  Ka7n         sim  kurügv-wa  dätr-n       so         hadiitn. 
Mensch  Auge    lang  mit     früh   Weinen  beginnt. 

Der.   dessen  Augen  tief  liegen,   muß   früh   anfangen   zu   weinen   (weil    seine 
Tränen  einen  weiten  Weg  zurückzulegen  haben). 

Angewandt  z.  B.  auf  den  Armen,  der  sich  beizeiten  ])lagen  nniß,  um 
die  Steuer  (vgl.  Lied  XXII)  entrichten  zu  können,  wälu-end  der  Reiche 
ohne  Mühe  zahlt. 

311.  Kam         nansöha  dägel-ira  cidia,  kaiya-nzü      rölin 
Mensch    Freundschaft   Alle    mit   wenn    macht,   Stock    sein    haftet 

liäko     kiskä-lan. 
nicht  Baum  auf. 

Wer  Fi-eundsehaft  mit  dem  Affen  macht,  dessen  Stock  bleibt  nicht  auf  dem 
Baum  hängen  (wohin  er  nach  Früchten  geworfen  wurde). 
übereinstimmend  hiermit  Nr.  79  meiner  II.-S])richwöiter,  wo  als  Be- 
deutung angegeben  ist:  Wohl  dem,  der  einen  (üchtigen  Genossen  hat. 

312.  Nangüdi  nantata       yuteUjin       hako. 

Armut    Freiheit  holt  heraus  nicht. 
Freie    (ieburt    wird    durch    Armut    nicht    aufgehoben.      Fast    gleichlautend 
Nr.  1 1   meinei-  H. -Sprichwörter. 

313.  GalunyalÖ,  nanzdu       kake-nem         gf-w?        girgänemi. 
Di'üsenknotcn,  Krankheit  Besitz  dein  ist  nicht,  du  zürnst. 

DriiscMgcschwulst,  du  hast  mit  der  Krankheit  nichts  zu    sehaffen.    und    il-Ai^ 

ärgert  dich. 

.■>(JH.  Kardmhani  vgl.  205. 
810.  Zu  date-n  vgl.  1()  dat{f-ga,   130  f.  däie. 
312.  Zu  »atituta  vgl.  307,  zu  yutelgiu  41,  82.  30G. 

3i;5.  Laut  1S9  bedeutet  ^«/////yw/o  in-spT-ünglich  wilde  Buhnen.  —  Ziu- 
Form   d»'s   Spriehworts  vgl.  295. 


Prtetze  :   Bornusprichwörter.  1 59 

Es  hamlelt  sich  um  die  Fälle,  wo  einem  Geschwür  eine  Diiiseiiimf- 
treihung  an  andrer  Stelle  entspricht:  in  der  Acliselhöhle,  wenn  es  an  ()l)ern 
Extremitäten,  in  der  Leistengegend,  wenn  es  an  den  untern  eintrat,  an 
der  untern  Kinnlade,  wenn  es  sich  auf  dem  Kopf  hefindet.  Diese  Mit- 
leidenschaft eines  abseits  liegenden  Teils  wird  als  Eifersucht  hingestellt  imd 
als  Bild  fiir  die  durch  Auszeichnung  eines  andern  gekränkte  Eitelkeit  ver- 
wertet. 

314.  Lifedi,  ydfana         dilali-be  könümma. 
Wattenpanzer,  Schulter  des  Verkäufers  du  gehst  vorbei. 

W'atlenpanzer,   du    reichst  hinaus   über    die   Schulter    des   Verkäufers    (auf 
der  er  beim   Feilbieten  zu  tragen  wäre,  vgl.  209). 
Bild  für  das,  was  über  die  Kraft  geht,  vgl.  293. 

315.  Karambani  kani-he  heltu-ga  zegindo. 

Vorwitz  der  Ziege  Hyäne  wartet. 

Dei-  Vorwitz   der   Ziege   lad  sich  eine  Hyäne   auf  den  Rücken.     Vgl.  213. 

316.  Kam      dakare-nzü       Icökotü-lnn    kwale-ga  fiDiz/m     bäyo. 
Mensch  Teil  seinen  Prügeln  von  laß  das  er  hört  nicht. 

p]s  hört  kein  Mensch  auf  (den  Ruf):   »Laß  ab  (vom  Streit),«   bevor  er  nicht 
seine  Tracht  Prügel  erhalten  hat.     Vgl.  57. 

317.  Ci-nem  züibimmt  kud,    sumo-nem       harne. 
Mund  dein  du  nimmst  nicht   in    acht   wenn  Ohr  dein  verstopfe. 

Wenn  du  mit  deinem  Mund  nicht  auf  der  Hut  bist,  so  verstopfe  dein  Ohr. 

Vgl.   140. 

318.  Na     tote-n     na      yiriwa      son,  targüna    yangä      bära-ya  fanyania 
Ort  jener  an  Ort  Antilopen  ganz,  Hase  Tronmiel  Jagd  die    als    er 

ti. 
hörte  da. 

Da  driihen  sind  die  Antilopen  alle,  rief  der  Hase,  als  er   die  .Tagdtrommel 

hörte. 

Bild  für  den  Versuch,  eine  Gefahr  von  sich  auf  andere  zu  lenken. 
Vg'.  9(5. 

316.  Zu  dakari  vgl.  20  u.  83.  —  Ein  dem  \nL  kökotü  entsprechender 
kökoniskin,  kokonyin  fand  ich  nicht  bei  K.  u.  B.  Hinter  dem  Inf.  feiilt  das 
be  des  Gen.,  wie  es  in  der  Regel  vor  einem  2.  Suff.  ausMcibt.  —  Zu  ya  an 
einer  Verbalform  vgl.  57  u.  326. 

317.  Zu  zilihimmi  vgl.  246. 

318.  Son^  das  ganz,  alles  bedeuten  soll,  ist  wahrscheinlich  das  verall- 
gemeinernde .w  bei  K.  §  37,  versehn   mit  dem  Adverbien  bildenden  Suftix  w. 


](',()  Phietzk:    I{iiiiiu.s|iiicliw("iter. 

319.  Afi-i/ai  itiinihiil        slm-unii-ya      iminhül    .sim-<iryim-be- 
Wa.s  aucli   iiiiiiKT  Weiße  Auge  dein   «las  Weiß  Auge  des   Korns 

tjei  cir/inh 

gleich  es  tut  nicht 

Au    ilie  Weiße    des    Hirsekorns    kommt    die    deines  Auges    nicht    heran,    so 
hell  sie  auch  sein   mag. 

Hierdurch  werden  Leute,  die  sich  auf  bestimmte  Vorziige  etwas  zu- 
gute   tun,  daran  erinnert,  daß  auch  diese  ühertruflen   werden  können. 

320.  Ko/it  ndi-he-n  rirnhalijü,        aß-yi    kuni  töli-b^ 
Mensch  des  Bodens  an   ist  müde  nicht,  wie  Mensch  des  Gijifels 

rimbati  / 
ist  ermüdet;' 

Der  Fußgänger  ist  nicht  müde  geworden,  wie  sollte  es  der  Reiter  sein? 

Dies  wird  gern  auf  das  \'erhältnis  von  Gehen  »uul  Nehmen  angewandt: 
Solange  der  Geber  nicht  nn'idc  wird  zu  s|tenden,  wird  sieh  der  Kmpfänger 
sicher  gern  beschenken  lassen.  Vgl.  89,  wo  die  hiesigen  Koilen  von  e/V// 
und  AT//  vertauscht  sind. 

321.  Samma  mdna  mdna;  mdna     zire      ti     mä    mdna     yo. 

Alles    Wort  Wort;  Wort  wahr  das  auch  Wort  ist. 

Jede  Rede  ist  eine  Rede;  doch  erst  die  richtige  Rede  ist  die  wahre. 

322.  Naityu       ye  l"g^>  delam  ye  ^'^y^f 
Scham  sowohl  wir  kamen  heraus,  Gier  als  auch  wir  kamen  hei'aus, 

kiirriiiia      sota  cidinta  kusdtto-nze-ro. 

/aubei-er  Braten  als  er  gemacht  Gast  seinem. 

Sowohl  Scheu  als  Gier  hätten  wir  hinter  uns,  sprach  der  Zauberer,  als  er 
seinen  Gast  mit  Braten  bewirtet  hatte. 

Unter  Scheu  versteht  der  Hexenmeister  die  Bescheidenheit  des  Gastes, 
unter  Gier  seinen  eigenen  Fleischhunger,  wie  er  ihm  als  einen  Werwolf 
(H.  inäyc)  zugeschi'ieben   wird. 

(leuähi'smann  wendet  den  Spruch  auf  die  Kiuigiuig  um  Tripolis  an, 
W(»  Italien  luuninell  die  Herrschaft  und  {\vv  Sultan  liaies  Geld  genouuueu 
habe. 

323.  Knrüyu-ldn  rayo  kalyimu  tatua-be. 
Weit  von   Liebe  Kamel  der  Kinder. 

Von  weitem  ist  das   Kamel  bei   Kindern  gern  gesehn. 

.'52"J.  Zu  l-änimu  vgl.  Lied  XXII.  —  Söta^  weder  bei  K.  noch  bei  Misch- 
lich,  bedeutet  im  Kanuri  und  im  IL  den  V\\v  einen  Gast  angei'ichteten  Braten. 
Zu  kusitlti)  \iil.  110. 


Prietze:   BornusprichwÖrter.  I6l 

Auf  alle  Fälle  angewandt,  in  welchen  die  Beziehungen  in  der  Nähe 
unbehaglicher  sind  als  in  der  Ferne. 

324.  Kam     ni-ga       ahd-n  Icözta  si-ga       iya-n  Tcörik. 
Mensch  dich  Vater  mit  wenn  übertrifft  ihn  Mutter  mit  übertriff. 

Kam  ni-ga  iya-n  Icözia,  si-ga  ahd-n  TcÖnL  Kam  ni-ga  abd-n  knzia,  Si-ga 
Jcämu-n  Tiöne.  Kam  ni-ga  Tcämu-n  A'özta,  si-ga  külq-n  köne.  Kam  ni-ga  külon 
Tcözia,  si-ga  lemdn  Tiöne.  Kam  ago  ügu  ate-ga  ni-ga  liogyg.no  kud,  si-ga 
Mensch  Dinge  fünf  diese  dich  übertraf  wenn,  ihn 
nagem  hako. 
du  holst  ein  nicht. 

Wer  dir  durch  den  Vater  überlegen  ist,  den  überbiete  durch  die  Mutter. 
Wer  dir  durch  die  Mutter  überlegen  ist,  den  überbiete  durch  den  Vater. 
Wer  dir  durch  den  Vater  überlegen  ist,  den  überbiete  durch  die  Frau. 
Wer  dir  durch  die  Frau  überlegen  ist,  den  überbiete  durch  den  Acker, 
Wer  dir  durch  den  Acker  überlegen  ist,  den  überbiete  durch  den  Besitz. 
Ist  dir  aber  jemand  in  all'  diesen  fünf  Dingen  überlegen,   dann   kannst  du 

ihn  nicht  einholen. 

325.  Mana      lambo-nem      hako  bade  gagimmü 

Wort  Geschäft  dein  nicht  daß  (nicht)  du  gehst  nicht  hinein. 

Was  dich  nichts  angeht,  darauf  laß  dich  nicht  ein.     Vgl.  295. 

326.  Döro-ni  culugi,  koküi     zena  debazin-zu-ga 
Fürwitz  mein  ist  herausgekommen  Huhn  Messer  es  schlachtet  sein  das 

ISgania         ti. 
als  es  ausgrub  das. 

Da  hat  sich  mein  Übermut  gründlich  offenbart,  sprach  das  Huhn,  als  es 
das  Messer  herausgescharrt  hatte,   mit   dem   es  geschlachtet  werden  sollte. 

Gewährsmann  nennt  als  Beispiel  die  derzeitige  Lage  Bulgariens,  das 
sich  durch  unzeitigen  Eigensinn  Feinde  und  Bundesgenossen  zugleich  auf 
den  Hals  zog. 

324.  Zu  lemdn  vgl.  K.  lemdn  Güter,  Waren,  Reichtum.  Doch  ist  es 
mir  schon  in  der  Bed.  vierfüßige  Haustiere  begegnet;  es  wird  also  zunächst, 
wie  pecunia,  den  Reichtum  an  Vieh  bezeichnen  (wohl  Lehnwort). 

325.  Zu  lambo  vgl.  219.  Mana  hat  wie  H.  magdna  noch  die  erweiterte 
Bedeutung:  Sache,  von  der  die  Rede  ist,  Angelegenheit. 

236.  DUi'o,  bisher  nicht  belegt,  wird  vom  Gewährsmann  durch  H. 
ki-n-U  wiedergebeben  =  Nichthörenwollen;  also  Fürwitz,  Eigensinn.  —  Sehr 
auffallend  ist  hier  die  Konstruktion  des  aus  dem  Arab.  stammenden  dehazin, 
das  sowohl  zur  Bezeichnung  des  Obj.  ein  Possessivsuffix  als  zur  Subordi- 
nierung ein  nominales  Kasussuffix  erhält.  —  Läganta  würde  bei  K.  Bgdnyä 
lauten  v.  langin  grabe. 

»ntt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  III.  Abt.  11 


1  ()2  pRiETZE :   Bornusprichwörter. 

327.  iVtina  bunu  /ittd-be,  Ciduyia  mä,        ctitUgin 
Wort  Halm  des  Herausziehens,  wenn  herausging  auch,  kehrt  wieder 

bako. 
nicht. 

Mit  dem  Wort   ist   es  wie  mit   dem  Heratisziehen    eines  Hahns    (aus   einer 

Matle):  ist  es  lieraus,  so  läßt  es  sich  nicht  zurück])ringen.     Ehenso  Nr.  95 

meiner  H. -Sprichwörter  und  kürzer  Nr.  46  hei  MischUch. 

328.  Kam        cilim        mann  cilim-ica  /er  cilim-ye 
Mensch  schwarz  Wurt   schwarzem    mit    Pferd    schwarz    sowohl 

zebana,        im       cilim  ye  celugüna,  bune        cilim  ye 

er  hestieg,  Tag  schwarz  als  auch  er  ging  hinaus,  Nacht  schwarz   als   auch 

cetcasiua. 
er  lief. 

Ein  schwarzer  Mensch  mit  schwarzer  Rede  hat  ein  schwarzes  Pferd  hestiegen, 
ist  an  schwarzem  Tage  hinausgezogen  und  in  schwarzer  Nacht  davongeeilt. 

Dies  ist  kein  Volksrätsel,  sondern  nur  ein  sj)richwörtlicher  Ausdruck 
für  ein  Unlieil  oder  für  einen  Bösewicht,  von  dem  die  Stadt  erlöst  ist. 

329.  Agö  tartü-be  kdu-ga  ddbcei         bägo. 
Sache  des  Trocknens  Sonne  die  sie  hemmen  nicht. 

Von  dem,  was  trocknen  soll,  hält  man  die  Sonne  nicht  fern. 

Bild  z.  B.  iiir  das  Anlocken  der  Käufer  durch  den  Handler. 

330.  Indu-yae  Mrmo-ga  cundta,  dakdta-n     bögymo. 
Wer  auch  immer  Stößel  den  wenn  verschluckte,  stehend  mit  ruhte. 

Wer  einen  Mörserstößel  verschluckt  hat,  muß  im  Stehen  schlafen. 
Sinn  wie  230. 

331.  Indu-yae  bego-ga  cundia  gulzta  si-rö 
Wer  auch  immer  Axt  die  er   verschluckt  wenn   ei    sprach   ihm 

müsko    bego-be     tdye  rüi. 

Hand  der  Axt  halte  sieh. 

Wenn  jemand  sagt,  er  wolle  eine  Axt  verschlucken,  so  nimm  sie  beim  Stiel, 

halte  sie  ihm  hin  und  sieh  (was  er  tut).     Dass.  im  H.  s.  Tierm.  I,  Anm.  28. 

Ähnlich  unser:  Wer  droht,  er  wolle  sich  aufhängen,  dem  reiche  einen  Strick. 

327.  Bunu  findet  sich  auch  in  H.,  ist  aber  dem  Kanüri  entlehnt.  — 
Fittd  2.  Inf.  V.  finniskin  =  K.  pingin  (3.  sg.  pittciri)  ziehn.  Über  die  Kon- 
struktion vgl.  o. 

328.  (Mlim  entstammt  dem  Arab. 

329.  Zu  ddbcei  vgl.  K.  ddmgin  weigere,  hindere,  3.  sg.  ddptsin. 

330.  Kirmo  nicht  bei  K. 

331.  Bego^  K.  beogö  s.  o.  37. 


Prietze:   Bomusprichwörter.  163 

332.  Kela-nüm    küra    nanyd      raado-ya  'kamnum         bayo. 
Kopf  dein  groß  wegen  Donner  den  du  langst  auf  nicht. 

Dein  Kopf  mag  noch  so  groß  sein,  den  Donner  fängst  du  niclit  auf. 

Warnung  davor,  zwischen  einen  Mächtigen  und  sein  Opfer  zu  treten. 

333.  Nangoninta      dutö    nanyd        Jcnmo-nüm       yita-ya     yezim      häko. 
Meisterschaft  Nähen  wegen  Kalebasse  dein  gut  die  du  tötest  nicht. 

Darum,    weil   du   gut   nähen    kannst,  wirst   du    doch   deine   gute    Kalebasse 

nicht  zerbrechen. 

Übertragen:  Auch  der  Starke  soll  dem  Feinde  keine  Vorteile  ein- 
räumen, in  der  Hoffnung,  sie  wiedereinzubringen. 

334.  Kineyu  Jcargun       zoli-be. 

Pfeil     Mittel  des  Tollen. 

Gegen  Unvernunft  (feldverwüstendes  Vieh,  kriegswütige  Menschen)  hilft  nur 

der  Pfeil  (die  Gewalt). 

335.  Na  dalö-be-n-yae  Tcäm    te     mä        marädi-nde       yo. 
Ort  Bullen  des  an  Avenn  auch  IVIilch  die  auch  Verlangen  unser  ist. 

Auch  wenn  wir  beim  Bullen  sind,  verlangen  wir  nach  Milch. 
Ebenso:  Na         guhoyüm-he-yae         guhSl  te     mä        marädi-nde         yo. 
Ort  des  Hahns  wenn  auch  Ei  das  auch  Verlangen  unser  ist. 

Sinn:  ölan  geht  dem  Gelde  überall  nach,  auch  dort,  wo  es  nicht  zu 
haben  is^  bei  den  Armen. 

336.  Kam      cero        Tcafta-be       nabhdta         rümia,  Tcam-zü 
Mensch  Bauch  des  Schattens  sitzend  wenn  du  siehst,  Mensch  sein 

lagd         cero  kdn-he-n         mezT    si-ro     leiyalin. 

anderer  Bauch  der  Sonne  in  es  gibt  ihm  sich  quält. 

Für  jeden,  den  man  im  Schatten  sitzen  sieht,  gibt  es  einen   andern  in  der 
Sonnenglut,  der  sich  für  ihn  plagt. 

332.  Zum  Verständnis  des  Bildes  vergegenwärtige  man  sich,  daß  im 
Sudan  nicht  dem  Blitz  die  zerschmetternde  Kraft  zugeschrieben  wird,  sondern 
einem  im  raado  (aus  dem  Arah.)  vorausgesetzten  Donnerkeil.  Man  glaubt 
ihn  in  gewissen  Steinformen  wiederzufinden  (daher  II.  arädu  Steinbeil  bei 
Mischlich).  Wasser,  in  dem  solche  gelegen  haben,  wird  als  Heilmittel  ge- 
trunken. —  M.  unterscheidet  kamtü  auffangen  von  hahtü  schneiden,  während 
bei  K.  beide  zusammengefallen  sind. 

333.  Zu  nanyoninta  vgl.  7.     Hier  hat  es  die  Haussabedeutung. 

835.  Zu  dalö  vgl.  Pfl.  u.  T.  145. 

336.  Leiya  s.  3.  u.  146;  hier  als  Zeitwort. 

11* 


1(34  Prietze:   Bornusprichwörter. 

337.  Ate  mä  mdna    zire    go,  hdrhii  si-ya  kwallägo    tezö      fangania  H. 
Dies        "Wort  wahr  ist,  Dieb    ihn       laßt      er  gehe  als  er  hürte  da. 

Das   ist  das  rpchte  Wort,  sprach  der  Dieb,    als   er   sagen   hörte:    Laßt   ihn 

laufen. 

338.  Kuro-tca      fantu-a      ch'i  hako     sai      im     mugä     kamhöHna  ti. 
.Sehen  und  Hören  und  endet  nicht  außer  Tag  Tauber  wurde  blind  da. 

Der  Taube  hört  nicht  auf  zu  sehen  und  zu  hören,  ehe  er  nicht  erblindet  ist. 

Anwendung:  Es  gibt  Feinde,  vor  denen  man  nur  dann  Ruhe  erlangt, 
wenn  man  sie  völlig  vernichtet. 

339.  Döte  Mm-he  ago       kela-nzü-ro      cakkina    ti. 
Zwang  des  Menschen  Sache  Kopf  seinem  er  setzte  die. 

Mau  muß  tun,  was  man  sich  in  den  Kopf  gesetzt  hat. 

340.  Ganga         hiregu-he  ndnkici  si-ro       mazei        hako. 
Trommel  des  Krieges  Annehmlichkeit  ihr  sie  suchen  nicht. 

Von  der  Kriegstrommel  erwartet  man  keinen  Wohlklang. 

341.  Keldnzi  yendo  katkeroma. 
Skorpion  verschlucken  versagend. 

Ein  Skorpion  läßt  sich  nicht  hinunterschlucken. 

Gewährsmann  meint,  dies  sei  z.  B.  die  Erfahrung  Rußlands  mit  Japan. 

342.  Kandm     ti  inki-wa-yae  tandö    eidin,       inki      bako 
Termite  die  Wasser  mit  wenn  auch  Wand  macht,  Wasser  nicht 

tandö   eidin. 
Wand  macht. 

Die  Termite  baut,  mag  es  noch  so  sehr  regnen,   und  baut   auch,   wenn  es 
nicht  regnet.     Vgl.  H.  in   Pll.  u.  T.  63. 

Bild  für  den,  der  miter  allen  Umständen  vorwärtskommt. 

343.  Na       te       mä  woltiskin,     gerguma  na  gangdla   cetambina    ti. 
Ort  diesen  auch  ich  kehre  zurück,  Maus  Ort  Erdnuß  sie  kostete  da. 

338.  Der  Taube  hört  gewissermaßen   mit   den  Augen,   indem   er  die 
Worte  von  den  Lippen  abliest. 

339.  Böte  s.  79. 

34L  Das  Zeitwort,  dessen  Nomen  agentis  katJceroma  ist,  s.  143,  285,  289. 

342.  Tandö  gibt  Gewährsmann  durch  Wand  wieder,  während    es  bei 
K.  Weben,  Flechten  bedeutet  als  Inf.  zu  tdndeskin  webe,  Hechte,  knete  Ton. 

343.  K.  tdmhuskin  koste. 


Prietze:   Bornusprichwörter.  165 

Hier  komme  ich  wieder  her,  sprach  die  Maus  an   einem  Ort,  wo  sie  Erd- 
nüsse gekostet  hatte.     Vgl.  Ptl.  u.  T.  120. 

Anwendung  auf  erfolgreiche  Raubzüge. 

344.  KTkt  balagazia  Tcela-nzü-ga    zugdrnbin. 
Fliege  wenn  sie  erwachsen  Kopf  ihren  sie  kratzt. 

Wenn  die  Fliege  mannbar  geworden  ist,  kratzt  sie  sich  den  Kopf. 

In  der  Bedeutung  entsprechend  unserem  Sprichwort:  Wenn  es  der 
Geis  zu  wohl  wird,  geht  sie  aufs  Eis.  Gern  auf  politische  Verhältnisse  an- 
gewandt. 

345.  Kvmägen  ciri  fannemia        Jcud,       inM    tabcina       fa-nlü-n. 

Biene    schreit  wenn  du  hörst  wenn,  Wasser  goß  ein  Haus  ihr  in. 

Wenn  man  die  Biene   summen   hört,    hat  sie  Trank   (Honig)   eingeheimst. 

Kiräri-n  sarakuna:  Ist  das  Volk  lustig,  so  hat  es  Geld  und  kann  ge- 
schröpft werden. 

346.  Ziti       ziti-ga      Jcidazm  häJco  hokti,     illa      daUli-wa. 
Bart  Bart  dem  arbeitet  nicht  leer,  außer  Grund  mit. 

Ein   Bart   arbeitet   für   einen   andern  Bart   nicht   umsonst,   sondern   nur  aus 

bestimmten  Gründen. 

Der  Bart  ist  pars  pro  toto  für  den  Erwachsenen;  nur  Kinder  leisten 
unbezahlte  Dienste. 

Sinn  in  politischer  Beziehung:  Bei  allem,  was  eine  Macht  ins  Werk 
setzt,  sei  man  überzeugt,  daß  es  nicht  andern  zu  Gefallen,  sondern  im 
eigenen  Interesse  geschieht. 

347.  Fe         hiarizia  hinnawä-ga  zigei. 
Kuh  wenn  alt  wird     Kälbern     folgt. 

Wenn  die  Kuh  alt  geworden  ist,  folgt  sie  den  Kälbern. 

Allgemein:  Wird  das  Alter  schwach,  so  verliert  es  die  Herrschaft 
an  die  Jugend. 

344.  Balagazia  geht  auf  d.  Arab.  zurück.  —  Zu  zugämhin  vgl.  K.  gdm- 
busTiin  kratze.  Diese  wohlbekannte  Bewegung,  die  nur  der  mannbaren 
Fliege  eigen  sein  soll,  wird  als   «fantasia«   gedeutet. 

345.  Zu  Icumagm  vgl.  222,  zu  tabcina  K.  tdmgin  (3  sg.  tdptsin)  gieße  ein. 

346.  Ztti  Kinnbart  =  B.  ndziti  K.  nt^^üti.  Illa  hat  wie  Ala  im  Kanuri 
bei  der  Entlehnung  der  Regel  nach  ein  /  eingebüßt.  —  Kida^  vermutlich 
Fremdwort  (s.  o.  33)  wie  dalTli,  ist  hier  Verb  der  II.  Konj. 

347.  Zu  Icinna  vgl.  K.  Icena^  henna  weibliches  Kalb  von  Kühen  oder 
Kamelen  bis  zum  2.  od.  3.  Jahre. 


166  Priktze:   Bornusprichwörter. 

348.  Büne  külgu     bdrbu-be. 
Nach    Tüljc  des  Diebes. 

Die  Nacht  ist  die  Hülle  des  Diebes. 

349.  Zara,  calhi-nüm  gent,  girtu-nüm  zdu      yn. 
Schlin/igewächs,  Abhauen  dein  ist  nicht,  Ausreißen  dein  schwer  ist. 

liankc,  dich  abzuhauen  ist  nicht  schwer,  wohl  aber  dich  auszureißen. 

Sinn:  Ein  Land  wird  leichter  annektiert  als  in  Besitz  genommen. 

350.  Karua,  indti       röyyamf  Gulzina:  hantama. 
^Vind,  wen  verachtest  du?  Er  spracli:  Schürzenmann. 

Wind,   wen   verachtest   du?     Er  antwortete:   Den,   der  eine  Schamschürze 
trägt  (die  dem  Winde  nicht  standliält). 

Sinn:  Nur  die  Probe  lehrt  Schein  und  Sein  unterscheiden. 

351.  Karn        ni-xoa       H-wa    bin'  bummi,  belu  cei         si-ro 
iMensch  du  mit  er  mit  Brei  du  aßest  nicht,  Brühe  er  trinkt  ihm 

güllem     bäko. 
du  sagst  nicht. 

Wenn  du  mit  jemand  keinen  Brei  gegessen  hast,  kannst  du  nicht  von  ihm 
sagen,   er  tränke  die   Brühe   (die   ein    wohlerzogener  Tischgenoß    nur    als 

Tunke  genießen  darf). 

Der  Sinn,  ähnlich  dem  vorigen,  wurde  durch  den  Haussaspruch  er- 
läutert: Wönda  bii-ku  yaki  da  si,  ba-ka  cewa  kii-küra-sa  ^= 'Mit  wem  ihr  nie 
gekämpft  habt,  von  dem  könnt  ihr  nicht  sagen,  daß  ihr  ihn  aus  dem  Felde 

schlagen  würdet. 

352.  ler      t>,         zettu-ga  könümma. 
Pferd  da,  Erbrechen  das  du  überschrittest. 

349.  Die  sich  an  Bäumen  emporrankende  zära  heißt  im  H.  yädla;  doch 
gilt  ein  gleiches  Sprichwort  im  H.  nicht  von  ihr,  sondern  vom  godo)\  einer 
ähnlichen  KletterpÜanze  s.  PH.  u.  T.  22.  Hinter  gern  ist  in^  Gedanken  zdu 
go  zu  ergänzen. 

350.  Bg,ntama  aus  hante  Schamtuch. 

351.  Der  Brei  befindet  sich  mitten  in  einer  ilachen  Holzschüssel,  die 
bükiini  (r=  H.  dkosi)  heißt,  lungebcn  von  einer  Brühe,  die  aus  verschiedenen 
Kräutern  und  oft  auch  aus  Fleisch  gekocht  ist.  Sie  gilt  für  das  schmack- 
haftere, und  der  Anstand  fordert,  den  mit  den  Fingern  ergriflTencn  Bissen 
Brei  hineinzutauchen,  nicht  aber  Brühe  ohne  Brei  zu  genießen. 

352.  Dem  zettu  entspricht  bei  K.  tsmte.,  wonach  also  hier  im  M. -Dia- 
lekt ein  stanimauslautendes  .•>  dem  folgenden  Kons,  angeglichen  wäre.  Das 
Indef.  1  würde  zenniskin  lauten  =  K.  Isüsengin  erbreche  mich.  Hier  bedeutet 
es  das  Emporkommen  des  Mageninhalts  bei  den  Wiederkäuern. 


Peietze:  Bornusprichwörter.  167 

Pferd,  du  bist  über  das  Wiederkäuen  hinaus.     Vgl.  229. 
Ein  kirari-n  sdriki:  Ein  König  gibt  nichts  wieder  heraus,  was  er  ein- 
mal genommen  hat. 

353.  Ddgu  tilo'     kam     indi-ga  f/ozm    hakn. 
Hals  einer  Mensch  zwei  nimmt  nicht. 

Ein  Nacken  kann  nicht  zwei  Menschen  trafen. 
Übertragen:  Ein  Land  kann  nicht   mit   zwei   andern   verbündet   sein, 
die  sich  gegenseitig  befehden. 

354.  Dane      kundo  Ala-he       rüye,        kam        hina        cenatina       ti. 
Stehn  wir  Tun  Gottes  sehn  wir  Mensch  Spreu   er  pflanzte  der. 

Laßt  uns  warten  und   das  Walten  Gottes   schauen,   sagte  jemand,  nachdem 

er  Spreu  gesät  hatte. 
Spottwort  über  sinnlose  Unternehmungen. 

355.  Dalimi        soba     marguhdm-he. 
Eidechse  Freund     des  Urol. 

Ganz  ähnlich  versinnbildlicht  Nr.  77  meiner  H.-Sprichw.  imser:  Gleich  und 
Gleich  gesellt  sich  gern. 

356.  Kdmho      nözinni    si-ga  rumma    sai     kela-nzü-ga  bannemta. 
Blinder  weiß  nicht  ihn  du  sahst  außer  Kopf  seinen  wenn  du  schlägst. 

Der  Blinde  weiß  erst  dann,  daß  du  ihn  gesehen  hast,  wenn  du  ihn  auf  den 

Kopf  schlägst. 

Allgewandt  auf  Völker,  die  sich  in  falsche  Sicherheit  wiegen. 

357.  Kalgimu  kalgimu       ye        gern  guhogüm  guhoyum      ye  gßfit, 

Kamel     Kamel  sowohl  ist  nicht  Hahn     Hahn     als  auch  ist  nicht, 
Feläia    gidegü-ga     curuna    ti. 
Fula  Strauß  den  er  sah  da. 

Das  Kamel  ist  kein  Kamel  und  der  Hahn  auch  kein  Hahn,  sprach  der  Fula, 
als  er  einen  Strauß  sah. 

353.  Der  Getragene  sitzt  rittlings  auf  den  Schultern. 

354.  Bei  Formen  wie  dane^  in  denen  die  1.  PI.  des  Indef.  u.  Perf.  mit 
der  2.  Sg.  Imp.  im  J/on^o-Dialekt  zusammengefallen  scheint  (vgl.  Ein),  z  d.  L.) 
behauptet  Gewährsmann,  es  bestehe  denoch  ein  Unterschied  und  zwar 
laute  die  1.  PI.  dane^  der  Imp.  däne.  — Knndo  =  K.  kendö  Nom.  actionis  zu 
diskin  tun.     Der  Inf.  lautet  bei  K.  (Gr.  §  92)  sonst  ndiö,  nden. 

355.  Dalimi  und  marguhdn  s.  schon  o.  106  ff.  Vgl.  B.  ddrimt^  K. 
nddlimT. 

356.  In  hanniskin  {^  K.  hangiriy  3.  Sg.  hdktsin)  hat  sich,  wie  stets  iüi 
-Maw^o-Dialekt,  ein  gutturaler  Stammauslaut  dem  folgenden  Konsonanten 
angeglichen. 


]()8  Priktzk:  Bornusprichwörter. 

358.  Jla/ia  katüyu-lie:         tusa  kannü-ga    füzin  hako. 
Wort  der  Lüge:  Baucliwind  Feuer  das. 

Das   ist   erlogen,   ein   Bauchwind  bläst  kein   Feuer   an    (Antwort    auf   eine 
unglaubliche  Behauptung).     Bedeutung  wie  314. 

359.  Dal         kamo  mäta  legdnia        ti  cero-wa        w^lgyq,nc). 
Ziegenbock  Frau  suchen  als  er  gegangen  da  Leib  mit  kehrte  zurück. 

Ein    Ziegenbock,  der   zur  Begattung   gegangen    war,    kam    trächtig   zurück. 

Dasselbe  Sprichwort  im  11.  bei  Mischlich  unter  hdrharä. 

Mein  Gewährsmann  wendet  es  auf  Kriege  an,  die  zum  Schaden  des 
Angreifers  ausfallen. 

360.  Ago     zebel  käzim  dahcina    ti    st  mä-ga  dahcina  st  kondüli  cido. 
Sache  Weg  Gras  hemmte  die  sie  auch  hemmte  Fuß  Haar  macht. 

Was  auf  dem  Wege  den  Graswuchs  verhindert,  das  läßt  auch  auf  der  Fuß- 
sohle keine  Haare  wachsen. 

Anwendung:  Die  Furcht,  die  uns  abhält,  einen  Feind  mit  Krieg  zu 
überziehen,  hindert  auch  ihn,  uns  zu  überfallen. 

361.  Ägö     hdrhu-ga    zuhufint    ti,      sT    gama  zübiii    hako. 
Sache  Dieb  den  ißt  nicht  die  Fuß  Folger  ißt     nicht. 

Was  den  Dieb  verschont,  schont  sicher  auch  seinen  Häscher. 

Deutlicher:  Der  Fürst  oder  Richter,  der  einen  Dieb  laufen  läßt,  wird 
dem,   der  ihn   gefangen  und  vorgeführt  hat,  ei'st  recht  kein  Leid  zufügen. 

Der  Spruch  wurde  auf  den  jüngsten  Balkankrieg  angewandt:  Wenn 
die  INIächte  den  Angreifern  freie  Hand  ließen,  konnten  sie  unmöglich  der 
Gegenwehr  in  den  Arm  fallen. 

362.  Kela  kerami-nem  dä-wa  qulemia  kud     kela- 

O  O  o  «^        o  o 

Kopf  jüngerer  Bruder  dein  Fleisch  mit  wenn  du  sagst  wenn  Kopf 
nüm  samme  fanni. 
dein    reibe    höre. 

360.  Zu  zßel  vgl.  dibel  283.  —  Zu  dahcina  vgl.  329.  —  Zur  Verdeut- 
lichung verbessert  Gewährsmann  das  ursprüngliche  sT  in  cero  si-he  =  Leib 
d.  h.  Sohle  des  Fußes.  —  Auch  hier  wie  30,  231  u.  a.  bezeichnet  ga  das 
Subj.;  an  mä  angehängt  fand  es  sich  schon  249  und  307. — 

361.  Da  ga>/ia  von  dem  Inf.  (K.  nga)  von  gaskin  folge  gebildet  ist, 
so  lautet  er  hier  offenbar  nicht  \ienga  (s.  Einl.  z.  d.  L.),  sondern  einfach  ga. 

362.  Zu  kerämi  vgl.  H.  kararm  klein;  jüngerer  Bruder  heißt  im  K. 
Jeane.  —  Samme  (IL  Safa)  v.  K.  samgin  reibe.  —  lanniskin  heißt  wie  H.  zi  nicht 
bloß  hören,  sondern  auch  fühlen,  wahrnehmen,  verstehen,  weshalb  M.  auch 
rüi  sieh  als  gleichbedeutend  geschrieben  hat. 


Prietze:  Bornusprichwörter.  169 

Wenn  du  meinst,  deines  Bruders  Kopf  bestünde  aus  Fleisch,  so  reibe  den 

Deinigen   und   fühle  (sc.  daß   der  Schädel   ein  Knochen    ist).     Anklang   an 

Nr.  43  meiner  H.-Sprichwörter. 

Sinn:  Beurteile  andere  nach  dir  selber. 


363.  Kam         Jcasinyo  wazia  Icud,     kishä       Hbäna      tna 
Mensch  Chamäleon  wenn  nicht  mag  wenn,  Baum  es  bestieg  den 

sgn       wazin. 
ganz  nicht  mag. 

Wer  ein  Chamäleon  nicht   leiden  mag,    haßt  auch   den   ganzen   Baum,    auf 

den  es  geklettert  ist. 

Allgemein:  Der  Haß  auf  , jemand  überträgt  sich  auf  alles,  was  mit  ihm 
zusammenhängt. 

364.  Teirihg.ltu  iemhqliü       sg,thi-be         TcimarHna     ti,    hulei     ti  Icimarzim 

Stoßen  Stoßen  des  Schlauchs  er  trotzte  da,  Krug  der    trotzt 
häJcn. 

Das  Stoßen  und  Wälzen,  das  der  Schlauch  verträgt,  verträgt  der  Tonkrug 

nicht. 
Bild  verschiedener  Widerstandskraft  je  nach  den  Machtmitteln. 

365.  Bdrhu       cu-nzü-ga     ceragln  hako. 
Dieb     Namen  seinen  liebt    nicht. 

D.  h.  er  will  nicht  Dieb  genannt  werden. 

366.  Felata       her-wa        Jcud,      dägil-ga      Jcöre. 

Fula  Vorzug  mit  wenn,  Affen  den  frage. 

Ob  der  Fula  etwas  taugt,  laß  dir  vom  Affen  sagen  (d.  h.  er  ist  nicht  besser 

als  ein  Affe). 

Auch  in  4  und  357  werden  die  Fula  verspottet. 

363.  Zu  son  vgl.  318.  Das  vorhergehende  Iwi  dürfte  in  (iwa  zu  zer- 
legen und  das  wa  enger  mit  son  zu  verbinden  sein  (vgl.  318)  =  K.  ngäso 
alles. 

364.  Temhqltü  wird  mir  mit  H.  turikuda  wiedergegeben,  das  laut  Misch- 
lich  vorwärtsstoßen  =  wälzen  heißt.  Es  ist  die  Handhabung  des  Wasser- 
schlauchs  im  Hause  gemeint.  Vgl.  K.  tembdlngin  —  I  roll  along.  —  S^tki 
lautet  bei  K.  sdktT.  Zu  kimarUna  vgl.  K.  kemär  Mut,  kemdrngin  mutig, 
kaltblütig  sein. 

366.  Her  geht  auf  das  arab.  Xair  zurück,  das  in  H.  zu  alheri  geworden 
ist  =  Geschenk. 

Mitt.  d.  Sem.  f.  Orient.  Sprachen.  1915.  III.  Abt.  12 


]yQ  Prietze:  Bornusprichwörter. 

367.  Badi  Jciritv  dirnmi  kartü-lan. 
D.nß  (nicht)  Einpacken  du  nicht  machst  im  Zerissenen. 

Maclie  keine  Ründel  mit  einem  zerrissenen  Stück  Zeug. 

Dies  deckt  sich  mit  einem  H.-Sprichwort  bei  Mischlich  unter  kümH 
und  bedeutet:  Vertraue  dem,  der  nicht  schweigen  kann,  kein  Geheimnis  an. 

368.  Letetü  cerintn         hid,         seno-ga  Jhizei  hako. 
Viel  Gchn  hört  nicht  auf  wenn,  den  Schuh  sie  ziehn  aus  nicht. 

Wenn  man  l)eständig  unterwegs  ist,  zieht  man  die  Schuhe  nicht  aus. 

Anwendung:  Steter  Krieg  läßt  Handel  und  Wandel  nicht  aufkommen. 

369.  Kam      argim-iü         wörzin        rvmJa      kuä      na    hüku  knnküna 
Mensch  Hirse  seine  er  brennt  w^enn  du  siehst  Ort  Asche     Geld 

cidi  ga  cnrüna. 

sie  hat  gemacht  er  sah. 

Wenn  man  jemand  seine  Hirse  verbrennen  sieht,  hat  er  einen  Ort  entdeckt, 
wo  Asche  Geld  geschafft  hat. 

Das  sinnlose  Verbrennen  der  Hirse  ist  ein  Bild  für  das  Erstreben 
eines  vermeintlichen  Gutes  unter  Aufopferimg  eines  wirklichen.  Der  Spruch 
also  ironisch  gemeint. 

370.  Karambani  mare:     kundtto    kämo      fätoma-he  gasalcin. 

Vorwitz    völlig:  Fremder  Frau  des  Hausherrn  er  wäscht. 

Wenn  der  Gast  die  Frau  des  Hausherrn  abwäscht,  das  heißt  den  Übermut 

auf  die  Spitze  treiben. 

371.  Sim       gdmdu-wa       fero        girihu      camhina       gei. 
Auge  trocken  mit  Mädchen  Bastard  sie  gebar  gleich. 

Wer  ein  trocknes  Auge  hat,  d.  h.  keine  Scham  kennt,  ist  wie  ein  Mädchen, 
das  ein  uneheliches  Kind  gebar. 

367.  Zu  kiritu  vgl.  K.  kermgin  drehe,  zu   kartu   K.  kärngin   zerreiße. 

368.  Leletu  freciuentative  Verdopplung  =  H.  (afifta.  Zu  linzei  vgl. 
K.  lingin  ziehe  aus.  3.  Sg.  lintsin. 

369.  Zu  w^rzin  vgl.  K.  warngin  brenne,  brate,  zu  hüku  K.  hügü  Asche. 
Statt  ga  nach  cidt  würde  man  ti  erwarten. 

370.  Zu  karambani  mari  vgl.  205.  —  Für  das  dem  Arab.  entlehnten 
ga.salciTt{\)ei  K.  gasdlngin  ich  wasche  einen  Leichnam)  hat  B.  ein  einheimisches 
tulüskin,  tulngin,  3.  sg.  tnlUin,  dessen  Stamm  auch  im   Tuhu  vorliegt. 

371.  Gdmdu  lautet  bei  K.  hgdmde.,  giribu  bei  K.  ngerTfü. 


Prietze:  Bornusprichwörter.  171 

372.  Afi-gei-nin  ziM-agygno-yai  Jcuma        fer-be 
Was    gleich    mit    es    ist   gedrängt    wie   auch    Herr   des   Pferdes 

gäfo-ro         zihei       bako. 
Rücken  zu  er  steigt  nicht. 

So   groß   das  Gedränge   auf  dem   Pferde   auch    sein   mag,   sein    Herr   wird 

nicht  hintenaufsitzen. 

Auch  dies  ein  Kirari-n  saraJcuna:  Ein  König  wird  in  keiner  Lage 
seine  Würde  schmälern  lassen. 

373.  DisTi'ina  mä  fefeniskin,  duto         ganga-be     disMna  kunduli  cero-n. 
Ich  tat  wohl  ich  öffne,  Nähen  der  Trommel  ich  tat  Haar  in  Bauch. 

Ich  habs  gemacht,  muß  es  aber  wieder  auftrennen ;  denn  ich  habe  das  Trommel- 
fell mit  den  Haaren  nach  innen  genälit. 

Bild  für  alles  verkehrt  Angefangene,  das  man  von  neuem  beginnen  muß. 

374.  Kam        belkacl    cukorin    kud,  kasdgar-yae  curüiya 
Mensch  Brunnen  er  fällt  wenn,    Schwert   wenn   auch    wenn    er 

cetei. 
sieht  er  faßt. 

Beim  Sturz  in  einen  Brunnen  greift  man  sogar  in  ein  Schwert,  wenn  man 
es  zu  Gesichte  bekommt. 

Dies  Bild  entspricht  unserm  Strohhalm  des  Ertrinkenden,  ist  aber 
noch  schlagender. 

375.  Ganga  kicizia  fannimia  kud,         retu-nzü 
Trommel   wenn   lieblich   ist  Avenn  du   hörst   wenn,   Reißen   sein 

karinzi. 
ist  nahegekommen. 

Wenn   du   die  Trommel    am    schönsten    erklingen    hörst,   steht  ihr  der  Riß 

bevor. 

Gewährsmann  erklärt  es  für  der  Welt  Lauf,  daß  alles,  was  den  Höhe- 
punkt erreicht  habe,  seinem  Ende  nahe  sei. 

372.  Afi-gei  »wie«  hat  hier  die  seltenere  Form  des  Lokativ-  bzw. 
Instrumentalsuffixes  nin.  Zu  zikkagyg,no  wie  überhaupt  zur  Bedeutung 
dieses  Spruchs  vgl.  221.  Daß  auf  einem  Reittier  mehrere  hintereinander 
sitzen,  findet  man  auch  im  Norden  Afrikas,  ja  bereits  auf  Sardinien  nicht 
selten.     Als  Subjekt  zu  zikkagydno  ist  aus  dem  Folgenden  fer  zu  ergänzen. 

373.  Das  Trommelfell  muß  die  rauhe,  aber  von  Haaren  zu  entblößende 
Seite  nach  außen  kehren. 

375.  Ich  nähere  mich:  K.  kärdhgin,  B.  käring-niskin. 


172  Prietzk:   Bomusprichwörter. 

376.  Sim  kam-he  H      cimhilim     häko     cidi  9^^ 
Auge  des  Menschen  das  wird   voll  nicht  Boden  wenn   nicht   ist 

htd. 
wenn. 

Des  Menschen  Auge  wird  nicht  ausgefüllt,  es  sei  denn  mit  Erde. 

Sinn:   Erst  iin  Grabe  wird  das  Verlangen  still. 

377.  Koro  körÖ-ga,  körovinn-yae  bei. 

Esel     Esel       du  fragst  nicht  wenn  auch  steig. 

Der  Esel  ist  ein  Esel;  steig  auf,  auch  ohne  zu  fragen. 

Sinn :  Sich  alles  als  gute  Beute  an,  was  in  deinen  Bereich  kommt, 
als  Konig  die   Untertanen,  als  junger  Mann  die  Weiher  w.  s.  w. 

376.  Zu  cimhilim  \gl.  B.  tsimbül-ena  er  ist  voll,  K.  yembühiskin  ich 
fülle.     Hier  also  medial. 

377.  Fast  ebenso  Pll.  u.  T.  149,  wo  jedoch  korommi-yae  falsch  über- 
setzt war,  da  ich  irrig  eine  Zusaminenziehung  aus  köro  rommiyae  ange- 
nommen hatte.  Zu  dem  dort  aus  Barth  angeführten  Sprichwort  über  die 
Mutterliebe  der  Eselin  (und  Sklavin)  sei  noch  bemerkt,  daß  es  sich  imter 
den  zu  Beginn  der  Einleitung  erwähnten,  von  K.  gesammelten  befindet 
(Nr.  38).     Über  ga  am  Prädikatsnomen  s.  Einleitung. 


Berlin,  gedruckt  in  der  Rciihsdruokerei. 


:     PJ 

berlin.     Universität 

25 

Ausland-Kochsciiule 

B5 

Mitteilurifren 

Jg.i^ 

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